Die Doderer-Gasse oder Heimitos Menschwerdung

Was hat der arme Heimito von Doderer, der Offizier und Beschreiber des ersten Straßenbahnunfalls in der Literaturgeschichte, nur getan, daß die 1976 geborene Nadja Bucher, die ich, glaube ich, vom Volksstimmefest kenne, ihn wahrscheinlich genau zu ihrem Geburtstag in der Großfeldsiedlung im Körper der kleinen Marie wiederauferstehen ließ oder das ist falsch, denn er kommt aus dem Körper des Säuglings, den wir dann bis zu ihrem Eintritt ins Gymnasium begleiten, nicht hinaus. Marie lebt aber mit ihren Eltern in der Doderer-Gasse, die grenzt an dem berühmten Architekten Adolf Loos gewidmeten und der wird dort im Körper der kleinen Isa wiedergeboren. Als Marie fünf wird, kommt sie in den Kindergarten der “Kinderfrende”, die Tanten dort werden als Aufsichtspersonen bezeichnet und da Nadja Bucher, die Poetry Slamerin, das alles scharf beschreibt, nehme ich fast an, daß es ihre eigenen Kindererinnerungen sind, die sie da wiedraufleben läßt.

Es ist eines der Geburtstagbücher, das ich mir da jetzt zum Backlistlesen vornehme und Heimio tvon Doderer ist ja sehr interessant. Den habe ich schon als Studentin viel gelesen und dann, als ich die “Berührungen” schrieb, “Die Merowinger” und die “Wasserfälle von Slunj”.

In der “Gesellschaft” hat es ein “Doderer-Smposium” gegeben und Klaus Nüchtern hat auch ein Buch überihn geschrieben und jetzt hat ihn Nadja Bucher wieder auferstehen lassen. Bücher mit Wiedergeborenen sind ja seit “Er ist wieder” offenbar in Mode. Aber hier ist er es gar nicht, sondern befindet sich im Körper der kleinen Marie und begleitet sie bis in ihr zehntes Lebenjahr und ist da von der Idee besessen, daß er durch sie seinen Roman “Nr. sieben” schreiben könnte.

Das ist es eigentlich schon, was wir über Doderer erfahren, der dann Adolf Loos, der im Körper der kleinen Isa, die Marie an ihrem ersten Kindergartentag trifft und die fortan ihre beste Freundin wird. Loos und Doderer unterhalten sich miteinander. Loos hat die Idee, daß die Widergeburt in den Körpern der Kinder, die in den nach ihnen benannten Straßen wohnen, eine Art Strafe für die begangenen Sünden sind.

Bei Doderer könnte man da an die Nazi-Vergangenheit denken. Loos war, glaube ich, in einen Pornographieskandal verwickelt und das Aufwachsen in der Großfeldsiedlung wird auch als sehr gewaltsam beschrieben. Für den Rittmeister ist es wahrscheinlich auch eine Bestrafung in der sozialistischen Großfeldsiedlung die kleine Marie in einem sozialistischen Kindergarten begleiten zu müßen. Das ist wahrscheinlich eine Spitze Nadja Buchers, die einige biografische Details verwendet, dann aber sehr genau das Aufwachsen eines Kinden in den Achtzigerjahren in der Grpßfeldsiedlung beschreibt. Die Tanten sind wie schon beschrieben, Aufsichtspersonen. Dann kommen Kinder, die Marie ihre Puppe wegnehmen wollen und als sie sich beschwert, wird sie in das Matrazzenlager gesperrt, wo es ihr aber gefällt.

In der Volksschule ist die Musterschülerin, Doderer glaubt, daß er ihr seine Begabung weitergeben kann. Loos bestreitet das, obwohl die kleine Isa graphisches Talent hat. Die ist das Kind einer alleinerziehenden Mutter, wird später auch das Gymnasium besuchen und der Karli, der Rowdy in der Siedlung, überfällt die Mädchen auch immer mit seiner Bande. Die wissen sich aber zu wehren und das ist noch interessant, eine bösartige Hausmeisterfigur, den Herrn Lurch,bei dem Marie den Waschküchenschlüßel hinnbringen muß und sie sich vor ihm gruselt. Wo Doderer ja ein Spezialist von Hausmeisterfigurenist und für den Bildungsbürger, der kpmplizierte Romane schrie, wie die” Strudelhofstiege” oder die “Dämonen” schrieb, muß es auch besonders deprimierend gewesen sein, mit den zwei Mädchen irgendwelche Kinderserien im Fernsehen zu sehen, ihren Babriepuppenspielen zusehen und sehr intensiv schildert Nadja Bucher auch, die Gewalt, die die beiden Mädchen im Gmeindebau erleben.

Ein bißchen aufgesetzt fand ich die Szene mit der Pistole. Maries Vater ist Nachtwächter und hat daher eine Dienstpistole. Die läßt er zu Hause liegen. Isa glaubt, sie ist ein Spielzeug und richtet sie auf Marie. Keine Ahnung, ob es da ein Doderer-Vorbild gibt? So viel habe ich von ihm nicht gelesen.

Marie und Isa müßen sich, wie erwähnt, gegen Angriffe der wilden Buben aber auch vor Erwachsenen wehren und tun das auch tapfer. Am Schluß geht Marie mit der bewußten Pistole zu dem bewußten Karli, der aber an der Nadel im Hof liegt und Zahnarztszenen kommen seltsamerweise auch immer wieder vor. Marie bekommt eine Zahnspange und beschließt am Schluß des Buches, da ist ihre Volkshschulzeit vorüber, den Balletunterricht, den sie besuchte, aufzugeben und im Gymnasium Latein zu lernen, um später Zahnärztin zu werden, wo sich der Meister trösten kann, daß auch eine Zahnärztin Romane schreiben kann.

Ob Heimito von Doderer mit Nadja Buchers Sprache einverstanden ist, nicht so klar, habe ich sie doch manchmal kompliziert und auch mit vielen Fremdwörter empfunden. Da ist ihr der Nichtnobelpresträger sicherlich überlegen.

Interessant ist aber jedenfalls die Idee den konservativen Sprachkünstler in die sozialistische Großfeldsiedlung der Neunzehnhundersiebzier- und achtzigerjahre zu verlegen, auch wenn man in dem Buch gar nicht so viel über Doderer als über das Aufwachsen in dieser Zeit und in dieser Gegend erfährt, was mir sehr gefallen hat und auch spannend zu lesen war.

Sempre Susan

Von der 1951 geborenen amerikanischen Schriftstellerin Sigrid Nunez von der ich mir erst vor kurem ihren Besteseller “Der Freund” in Bad Radkersdburg um einen Euro gekauft habe, habe ich auch ihr Buch über die 2004 verstorbene Schriftstellerin und Essayistin Susan Sontag, die ich gerade mit Erica Jong verwechselt habe, auf das mich “Aufbau” aufmerksam machte und es mir dann von dem Gutschein der Schwiegermutter zu Weihnachten von “Thalia” holen lassen. Jetzt ist sich das Lesen ausgegangen, denn von Sigrid Nunez und ihren Büchern hört man in der letzten Zeit sehr viel und da schreibt die Autorin locker, daß sie Susan Sonntag 1976 in New York kennengelernt hat.

Da war sie gerade mit ihrem Studium fertig, träumte davon Schriftstellerin zu werden, arbeitete bei der “Review of books” und wurde als eine Art Sekretärin zu ihr vermittelt. Denn Susan Sonntag hatte gerade ihren Brustkrebs überwunden, sah schlecht aus, hatte einiges aufzuarbeiten und überraschte Sigrid Nunez gleich durch ihre Freundlichkeit und, daß sie sie gleichwertig behandelte, obwohl sie ja eigentlich der Müttergeneration angehörte. Sigrid Nuenz verliebte sich in ihren Sohn David mit dem sie dann zusammen in das Haus von Susan Sonntag zog und beschreibt, daß dort nie gekocht wurde, sondern Suppe aus der Dose oder auswärts gegessen wurde.

Susan Sontag hatte damals eine Affaire mit dem Schriftsteller Joseph Brodsky und in Paris eine Freundin, die wenn sie nach Amerika kam, Susan Sontag bekochte, aber die Beziehung der Beiden war, als Sigrid Nunez sie kennenlernte, schon sehr schlecht.

Das Buch wird am Klappentext als das beste Buch über Susan Sontag gelobt und ich kann wieder einmal nicht umhin zu bemerken, wie gut andere Schriftstellerkarrieren klappen, denn ich habe 1976 ja in Wien Psychologie studiert und auch von einer schriftstellerischen Karriere geträumt, bzw. die ersten diesbezüglichen Versuche gemacht.

Sigrid Nunez führt dann die Vorbildwirkung an, die Susan Sontag für sie hatte und führt die Widersprüchlichkeit der bisexeuellen Essayistin und Filmemacherin auf. Susan Sontag war offenbar sehr snobistisch, Sigrid Nunez bestreitet das, meint dann aber, daß sie immer Taxi gefahren ist und führt das Beispiel an, daß sie mit ihrem grünen Mantel aufder Straße stand und die Hand hob, um nach dem Taxi zu rufen, wo man dann ein Lochunter der Achsel sah, daß nie beseitigt wurde. Ihre Wohnung sah immer, auch als sie schon sehr erfolgreich war, sehr studentisch aus. Sie hatte viele Bücher und empfahl sie ihren Freunden. Sie war eine sehr gastfreundliche Person, haßte es aber auf der Uni schreiben zu unterrichtete, wie das ja in Amerika sehr üblichist, daß man das dort lernt, machte es wenn nur des Geldes weges und verabscheute auch die Schriftsteller die davon lebten.

Ihre Idole warenBecket, Italo Calvin, Bohumil Hrabal, Peter Handke und Stanislaw Lem, während sie von Philip Roth und John Updike nicht so viel hielt.

Sigrid Nunez Beziehung zu David Rieff ging bald auseinander. Siebeschreibt auch die enge fast inzestiöse Beziehung, die Susan Sontag zu ihren Sohn hatte und meinte auch, daß ihre Romane und Kurzgeschichten nicht so gut waren, wie ihre Essas, daß sie aber darunter litt. Nach ihrem Tod 2004, stie starb an Leukämie, ließ ihr Sohn sie in Paris beerdigen und die persönlichen Einnerungen Sigrid Nunez sind sehr interessant und widersprüchiges. Man erführt sehr viel Persönliches und nicht so viel über ihre Werke darin, so daß ich wieder schreibe, lesen, lesen.

Ich habe, glaube ich, noch nichts von ihr gelesen. Aber wahrscheinlich einige Bücher in meinen Regalen und auf dieseArt und Weise einen kurzen prägnanten interessanten Eindruck der höchstwahrscheinlich sehr widersprüchigen Ikone bekommen.

Noahs Fest – Eine Art Stundenbuch

“NOAH,/ein Ackerbauer,/war derErste,/der einen Weinberg pflanzte/ Genesis 9/20 -In Wahrheit war dieSinftflut der erste Lockdown. – Zitat-Urheber/in gesucht”, steht am Rücken des rotgelben Bandes mit dem ich eine Woche biblischen Schreibaufenthalt nachhzuholen versuche. Denn da gab es ja im vorigen Herbst niederösterreichischen Bibelwochen mit einer Unmenge von Veranstaltungen. Eine davon war das Skriptorium im Stift Steitenstetten, wo sieben Literaten und sieben bildende Künstler mit drei Kuratorinnen ein paar Tage zum Thema “Noahs Fest” schreiben, zeichnen, malen, etcetera, sollten.

Meine liebe Freundin Doris Kloimstein hat mich wahrscheinlich schon 2019 dazu eingeladen und ich war begeistert. Ein paar Tage in einem Kloster leben, schreiben, spazierengehen mit schreibenden und bildenden Menschen zusammenkommen. Sowas habe ich ja nicht oft. Sowas fehlt mir, der sehr am Rande des Literaturbetriebes stehenden, meistens. Zwar war ich einmal im Jägermayerhof eingeladen, weil ich meine Texte ein paar Jahre beim “Max von der Grün-Preis” einreichte, da habe ich Rudi Lasselsberger kennengelernt, Traude Korosa und noch einige andere. Sonst war nicht viel mit Stipendien und literarischen Aufenthalten, also toll und, daß das Thema die Bibel ist, war der Atheistin auch egal, schließlich kann man kann ich über alles schreiben. Dann kam Corona, ich zweifelte, daß das Ganze stattfinden würde.

Es statt fand, aber als ich mich schon darauf vorbereitete, kam die Nachricht, im Speisesaal Maske! Die Doris hätte mir zwar das Essen ins Zimmer nachgetragen!Aber nein, man muß nicht alles haben und über “Noahs Fest” kann man ja auch zu Hause schreiben, was ich auch getan habe und weil ich in dieser Zeit keine Stunden eingetragen hatte, habe ich auch versucht mich ein bißchen mit dem Versäumten zu beschäftigen. Habe die Teilnehmer nachgegoogelt. Aber natürlich, das, was dort geschehen ist und, was die anderen malten oder schrieben, nicht mitbekommen.

Bis vor kurzem war das so, denn jetzt liegt das schon erwähnte Buch, die in Folge erschienene Anthologie vor mir. Doris sei Dank, mein Text ist auch drinnen und was mich besonders freute, am Ende gibt es ein Bild vom Stift Seitenstetten und eines, wo ich mir eine Vorstellung machen kann, wie das Zimmer ausgesehen hat, in das die Doris mir das Essen bringen hätte können.

Die Doris hat auch das Vorwort geschrieben .Die Theologin Karin Hintersteiner, die “10 Tage für die Bibel und Künstler/innenklausur im Stift Seitenstetten erklärt, Außer Doris Kloimstein wurde das Event noch von der bildenden Künstlerin und Galeristin Renate Minarz und Ursula Fischer kuratiert und dann kommen wir zu dem, was ich wirklich in meiner Heimklausur, wo ich mich ja auf das Corona-Geschehen konhzentrierte, versäumte, nämlich die Bibelstellen, die sich auf die Sintflut und Noah, dem ersten Weinbauern der Geschichte, bezog und einen Vortrag hat es am ersten Tag, gleich nach dem Mittagessen, damit man auf das Projekt eingestimmt wurde, von Eiisabeth Birnbaum auch gegeben. Den habe ich jetzt nachgelesen, bevor es an die literarischen Texte der sieben, nein zehn Autoren geht, denn Doris Kloimstein, die Kuratorin hat sich auch daran beteiligt und wieder in ihrer sehr klaren Art nach dem “Genetiv oder Genitiv” beziehungsweise danach “Wessen Fest hier gefeiert wird?”, gefragt. Ich füge an, Doris Kloimstein wurde 1959 in Linz geboren. Ich habe sie bei einer Regionalversammlung der IG autoren in St. Pölten kennengelernt. Sie war auch in unserer Schreibgruppe und jetzt treffe ich sie regelmäßig am Markt und habe auch einiges von ihr gelesen, Der nächste der eingeladenen Autoren war der 1970 in der Südsteiermark geborene Christian Teissel, Mitgliid des “Podiums” von dem ich glaube ich schon einiges gehört habe, der zwei Gedichte nämlich ein “Portrait von Noah” und dann “Noahs Fest” beigesteuert hat.

Interessant das Interview, dasdem mir bisher unbekannte, 1940 geborene Hans Bäck dazu eingefallen ist, ließ er doch einen Reporter nach den damaligen Ereignissen fragen und endet mit dem Satz: “Die Sintflut haben wir uns schon hinter uns (Was kann uns da noch passieren – höchstens daß Trump noch vier Jahre reagiert”, “ist nicht eingetreten”, hat Doris Kloimstein dazugeschrieben und das was uns das Corona-Virus noch so alles bringen wird, wissen wir nicht, wieviele Lockdowns und freiwillige Zwangsimpfungen wir da noch erleben werden? Aber hoffen wir auf das Beste und gehen mit den Texten weiter. Da gibt es einen von dem mir ebenfalls unbekannten Walter Siess Bergmann und die in Kroatien geborene Tatjana Cristelbauer hat Noah tanzen lassen “auf Dis-Tanz,/ruhend/mit der rechten Fußspitze über dem Boden kreisend/einander mit beiden Ellen-Bogen-berühren/”

Der in Linz geborene Psychologein Claudia Thaller sind “Vier Freudesgesänge für vier Frauen” zu diesem Thema eingefallen, der 1980 geborene Josef Paul Beneder der seit 2020 Präsident des Turmbundes in Innsbrucks ist, hat drei Gedichte dazugeschrieben und dann kommt der bildende Teil, die Trptichen und Aqarelle der bildenden Künstler. Einer konnte nicht kommen, weil er sich in Quarantäne befand. Ich habe wegen der verdammten Maske abgesagt und Nagdalena Tschurlovits vom Pen, die schon gemeinsam mit der Doris im Liiteraturhaus aufgetreten ist, bei ihrem Geburtstagsfest war und eine interessante Handtasche hat, konnte Corona bedingt wahrscheinlich auch nicht kommen, hat aber einen interessanten Text beigesteuert, der mit “Nein, also glauben Sie jetzt bitte nicht dass ich Ihnen aus der Bibel die schöne Geschichte von Noah und seiner Arche nacherzählen werde.”, beginnt.

Die 1945 geborene und in Innsbruck lebende Margit Jordan konnte auch nicht kommen und hat ein Gedicht beigesteuert und ich habe einen kleinen Eindruck von den Texten und den Bildern, die im Skriptoriums entstanden sind, bekommen. Die Antholige wird auch, wie mir die Doris mailte, präsentiert werden, so daß man mit den Künstlern ins Gespräch kommen könnte. 3G bedingt, wird mir das wahrscheinlich auch nicht möglich sein und den anderen Interessierten kann ich die Anthologie, die man, wie mir die Doris versichert hat, schon bestellen kann, wärmstens empfehlen.

Denn, wie heißt es so schön am am Buchrücken “In Wahrheit war die Sintflut der ersteLlockdown. Jetzt haben wir schon ein paar Weitere erlebt.

Meine gesammelten Corona-Texte, die immer mehr werden, wird es hoffentlich auch bald in Buchform geben und der “Holzbaum Verlag” und Oliver Ottistsch haben sich auch einmal “Noah” bzw. seinen Fleischwaren humoristisch angenähert.

Das Polykrates-Syndrom

Da ich soviele Neuerscheinungen habe, komme ich kaum, wie vorgenommen zum Backlistliesen, obwohl ich da ja ein Backlistbuchpreis-Lesen plante, weil ich auf Flohmärkten oder sontwo Bücher bekommen habe, die einmal auf den Buchpreislisten standen. So ist es mit Antonio Fians “Polykrates-Syndrom.”

Und weil wir bei der “Fanin” sind, ich bin auch sowas bei dem 1956 in Klagenfurt geborenen, den ich einmal irgendwo im Zug der GAv oder sonstwo kennengelernt habe. Wahrscheinlich war durch eine Lteraturzeitschrift, dann hat Gerhard Jaschke einmal ein “Freibord” herausgegeben, wo er alle Staatspreisträger vorstellte. Antonio Fian war dabei, hat dann seine Dramolette im Standard” da habe ich meine Favoriten und sehr viele “Droschl-Bände” herausgegeben. Ich war bei seinen Lesungen in Stream oder auch live, live sogar im Bregenzer Wald und bei der “Literatur und Wein” und ich war glaube ich auch beider ersten Kolik Lounge im Schauspielhaus, wo er aus seinem “Polykrates-Syndrom”, das ja 2014 auf der dBp stand, gelesen hat, wo es um einen Angestellten eines Coypshops geht, der von einer schönen Frau besucht wird, derer dann nachgeht, etcetera.n Ansbach habe ich von der damaligen deutschen Buchpreisliste erfahren, da hat es ja noch Buzzaldrins Buchpreislesen gegeben und damals in der Form, das sie die Bücher vorstellten und man sich um sie bewerben mußte. Ich habe das getan, “Kastelau” bekommen, die Streeruwitz und Antonio Fian nicht, obwohl “Atalante”, glaube ich, damals sagte, gebt es der Österreicherin!

Mußte nicht sein, denn manche Bücher kommen auch so zu mir und so lag das Buch ohne Schuthzumschlag vier Jahre später, ich glaube, um fünf Franken in der Züricher Volksbuchbhandlung und voila wenigstens ein Backlistbuch geht sich aus und ich muß wieder schreiben, eine Üüberraschung, obwohl ich über Antonio Fians Stil und was ein Polykrates-Syndrom ist, nicht länger nachgedacht habe.

Nun gut, da geht einer einer Frau nach, das kennt man schon von den Dramuletten. die Überraschung war dann da, als plötzlich eine Liche in der Küche lag, davon habe ich im Schauspielhaus und auch später bei der Buchpreisdiskussion nichts mitgekommen und ich muß sagen, es ist auch ein Wien-Buch, denn Antonio Fian führt einen durch Favoriten und auf den Karmelitermarkt und er führt auch ganz schöne Sprachspieie an. So wird das einzige Fest der Kommunisten jährlich auf der Jesuitenwiese im Wiener Prater abgehalten, inzwischen hat, nun gut, auch Herbert Kickl dort gesprochen, Der Karl Marx Hof befindet sich in Heiligenstadt, zum Radiokulturhaus kommt man meistens von der Taubstummengassen und Polykrates war laut Antoio Fian oder auch so einer, der an sein Glück nicht glaubte und es sich durch Opfer erkaufen wollte und da wären wir bei der Fragen, welchem Genre ich das Buch zuordnen soll?

Ich denke,es ist ein schwarzer oder satirischer Liebeskrimi. Lleicht lesbar und man erfährt viel dabei von Antio Fians skurrilen Humor, der seine Stärke zu sein scheint, von Wien, vom Leben der Mittelschicht, etcetera. Das Buch wurde vielleicht schon früher geschrieben. Jedenfalls zahlt man in Schilligen und Harald Juhnke scheint auch noch zu leben, sonst scheint das Buch aber sehr aktuell zu sein.

Das ist Arthur, er hat Geschichte studiert, arbeitet aber nicht als Lehrer, sondern Halbtags in einem Copyshop, gibt Nachhilfestunden,hat einen Freund der Taxi fährt, mit dem er Billard spielt, seine Frau Rita ist AHS-Lehrerin und möchte Direktorin werden. Seine Mutter war ebenfalls Lehrerin, lebt jetzt in seinem Altersheim und fühlt sich dort verfolgt.

Das ist die Ausgangslage, wo eines Abends kurz vor Geschäftsschluß, eine schöne junge Frau in einem grünen Mantel in dem Shop auftaucht, auf einen Zettel “Das ist ein schönes Hemd!”, schreibt und ihn auf der Kopierplatte liegen läßt. Er geht bzw. fährt ihr in der U-Bahn nach. Sie wohnt in Favoriten, der Copyshop in Uninähe. Sie wird von einem Arschloch” bedroht und als er ihr helfen will, wird er zusammengeschlagen.

Die Schöne, die Alice heißt, taucht nochmals in dem Shop auf und bestellt ihn in ein Cafe. Er verliebt sich kopfüber in sie. Seine Ehe ist nicht sehr gut. Sie scheint nicht immer die Wahrheit zu sagen und hat auch seltsame Ideen. Und dann findet er, als er mit einem Blumenstrauß in ihre Wohnung kommt, “Arschloch” tot am Boden liegen. Sie erzählt ihm eine skurrile Geschichte. Er hilft ihr die Leiche wegzuräumen, verstrickt sich dabei in einige Lügen. Sie taucht dann plötzlich, die Geschichte spielt um Weihnachten und Rita hat einen großen teuren Weihnachtsbaum besorgt, in der Wohnung auf und behauptet einige Meinungsumfragen durchführen zu wollen. Vorher ist schon nackt vor seinem Nachhilfeschüler aufgetaucht, der ihm die Geschichte, daß sie seine Schwester wäre, nicht glaubte. Dann behaupten, um Arthur noch ein bißchen zuzusetzen, beide Frauen von ihm schwanger zu sein und als Arthur, Weihnachtsgeschenke besorgen war und in seine Wohnung zurückkommt, findet er Alice tot am Boden und Rita erzählt ihm dieselbe durchsichtige Geschichte und verlangt von ihm die Leiche wegzuräumen.

So kommt es zu der skurrilen Situation, daß er, während im Nebenzimmer stimmungsvolle Weihnachtsmusik läuft, die Leiche zersägt und interessant dabei ist noch, daß ich diese Stelle, noch ehe ich beim Lesen so weit war, schon bei einer ORF Rezension gefunden habe und, ich dachte, man dürfe nicht spoiler

Es gibt noch einige skurrile Situationen, bis dieLeiche glücklich in schwarze Müllsäckeverpackt in der Abfalltonne liegt. Seltsamerweise schmeißen die beiden sie in die ihres Hauses hinein und die Polizei scheint sich auch nicht sehr um die Verschwundenen zu kümmern. Seine Mutter ist auch noch gestorben und man weiß nicht recht, war an der Geschichte, daß die Schwestern, die Bewohner umbringen wollten, etwas dran oder nicht. Der Lainz-Skandal, wo einige überforderte Hilfsschwestern, das vor einigen Jahren taten, wird erwähnt und Arthur ist auch noch ein erfolgloser Sketscheschreiber, der all das, was um ihn herumpassiert auch noch aufschreibt, um es mal an das Fernsehen zu verkaufen. Arthur, der seineleser ständig ansprich, kommuniziert auch noch mit dem toten Arschloch und der toten Alice, die ihm ständig Ätzes oder ihm beschimpfen geben, was das Lesen wieder etwas erschwert, weil man dann nicht weiß, was ist da Wahrheit und was Phantasie oderdie innensicht des Protagonisten.

Ein skurilles Buch vom erfolgreichen Dramolettenschreiber, den ich ja sehr mag. Es ist nicht auf die Shortlist gekommen und Antonio Fian hat den Preis auch nicht gewonnen. Es ist aber wieder interessant, was so alles auf den Nuchmpreis -Listen steht und man es erst bemerkt, wenn man die Bücher liest.

The Hill we climb

Jetzt kommt der dritte Gedichtband in einer Woche oder eigentlich ein ganz besonderes, ein zweisprachigs Langgedicht auf vierzig Seiten mit einem Vorwort von der amerikanischen Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey und Erläuterungen der drei Übersetzerinnen Uda Strätling, Hadija Haruna-Oelker und Kübra Gümüsay “das berühmteste Gedicht der Welt – im Zeichen von Aufbruch, Hoffnung und Gerechtigkeit”, wie am Buchrücken, des kleinen dünnen “Hoffmann und Campe-Bändchen” geht.

Wem das zu großspurig erscheint, kann ich verraten, daß es sich um das Inuaugurationsgedicht zur Amtseinführungvon Joe Biden, das die 1998 in Los Angeles geborene US-amerikanische Lyrkerin Amanda Gorman, die sich für soziale Gerechtigkeit, Gendergleichheit und gegen Rassismus und Unterdrückung einsetzt, am 20. Jänner 2021gehalten hat und die dadurch offenbar weltberühmt wurde.

Das lila Buch mit dem sehr selbstbewußten Frauengesicht, ist dann in diversen Blogs und literarischen Seiten, die ich lese, sehr oft aufgetaucht und ich habe mir von der Amtseinführung Joeoe Bidens, dessen Buch über seinen Sohn ich gelesen habe, einiges auf OE24 angehört, das Ganze aber, ich gebe es zu, nicht sehr aufmerksam verfolgt und daher von der jüngsten Inaugurationsdichterin der Geschichte nicht viel mitbekommen, gar nicht gewußt, daß es das gibt und in Amerika üblich ist, wohl aber, wie schon erwähnt, das Buchcover oft gesehen und im April, glaube ich, ein Mail von einem Bücherblog bekommen, der mir einen Büchergutschein versprach, wenn ich auf ihn hinweise.

Am “Welttag des Buches” ist es sich ausgegangen und ich habe dann bei “Amazon” nachgeschaut, was sich da ausgeht und so ist es Amanda Gorman “The Hill we climb” geworden und ich habe in der Badewanne mitbekommen, was ein Inaugurationsgedicht ist und was da Amerika bewegte. Es geht um den Aufbruch in eine neue Welt von der die junge Frau hoffnungsvoll vortrug: “Wir treten das Erbe eines Landes und einer Zeit an, /da ein kleines, dünnes, Schwarzes Mädchen,/ Nachfahrin von Sklavinnen, Kind einer /alleinerziehenden Mutter,/davon träumen kann, Präsidentin zu werden, und/ nun hier, heute, für einen Präsidenten vorträgt”

Sehr viel hoffnungsvolle Aufbruchsstimmung, die wahrscheinlich, wenn man an den Sturm des Capitols denkt, der am 6. 1. von Ex-Präsident Trump angestachelt vor sich ging, vergegenwärtig, nicht nicht so ganz realistisch ist. Aber Amanda Gordon dichtete weiter:

“So führt der Weg ins versprochene Licht,/ den Hügel hinauf, wenn wir uns trauen./ Denn amerikanisch sein ist mehr als/ der uns überkommene Stolz -/es ist die Vergangenheit, die wir beerben/ und wie wir gutmachen werden”.

Noch eine Stelle will ich zitieren “Unser Weg führt uns nicht zurück zu dem, was war,/ sondern voraus zu dem, was werden soll:/ Ein Land, das angeschlagen ist, aber ganz,/ guten Willen, aber gefeiert/wehrhaft und frei.”

Wieder läßt sich anführen, hoffnungsvoll und euphorisch, wie es bei einer Inaugurationsfeier wohl auch sein muß. Die Realität wird zeigen, ob es unter dem neuen Präsidenten zu einer Veränderung kommen kann.

Den Rest selber lesen und sich sein eigenes Bild machen, das Gedicht ist ja nicht lang, kann ich empfehlen. Man kann es auch in Englisch tun, wo die Sprachgewalt wahrscheinlich sichtbarer wird.

Von Michelle Obama, der Ex-Präsidentengattin, gibt es noch ein Zitat am Buchrücken: “Die Kraft, die von Amanda Gormans Worten ausgeht, ist einfach umwerfend.”

Von den Anmerkungen der drei Übersetzerinnen, die über einige Seiten gehen, kann ich noch zitieren, daß mit dem “hill” das Capitol, das ja gestürmt wurde oder werden sollte, gemeint ist und die Übersetzerin merken auch, ähnlich wie bei dem Baldwin-Buch, die Schwierigkeiten an, die es bei dem Wort “colour” gab.

Interessant, interessant und sicher ein historischer Moment, den man nicht versäumen sollte. Ein neuer Präsident, nach dem umstrittenen alten, eine junge schwarze Frau, die zur Inauguration eingeladen wurde und da man die Hoffnung nicht aufgeben soll, kann man gespannt sein, was sich in der nächsen Zeit im Umgang mit den anderen und auch in der Weltpolitik ändern wird und kann.

Der Charme der langen Wege

jetzt gibts schon ein bißchen Vorauslesen, denn der 1966 in Wien geborene Hanno Millesi stellt sein neues Buch erst nächste Woche bei den O-Tönen vor und interessant ist auch, daß ich es nicht direkt vom “Atelier-Verlag” bekommen oder von dort angefordert habe. Dann hätten sie es mir wahrscheinlich als PDF geschickt, sondern von einer Literaturagentur das Angebot bekommen habe, so habe ich das Printbuch, was mir ohnehin lieber ist und ich weiß nicht, ob es meine Leser wissen, bin eine Fanin des Autors, dessen Namen ich wahrscheinlich das erste Mal hörte, als ich vom Bund die Nachricht bekommen habe, daß es leider, leider, kein Stipendium für mich gäbe, er aber eines bekommen hat oder war das erst später und ich habe ihn direkt im Literaturhaus bei Ernst Kostals “Wahnsinnsmptom”, wo er sehr beeindruckende Kindertexte gelesen hat, kennengelernt?

Ab da war ich, glaube ich, die Fanin und habe auch bedauert, daß sein Text beim “Bachmannpreis”,wo er später gelesen hat, nicht besonders aufgefallen ist. Das Literaturhaus hat dann ihn, beziehungsweise seine Bücher öfter vorgestellt. Eines seiner Bücher habe ich einmal im Schrank gefunden, aber leider noch nicht gelesen. 2018 ist er dann auf der Longlist des Öst Bp gestanden. Da habe ich das PDF der “Vier Weltteile” gelesen und Hanno Millesi ist, könnte man sagen, einer der, durch seine leise Skurrilität auffällt und so ist es auch hier, wo es um einen Geräuschmacher geht, der sein Gehör verloren hat und dann wird es sehr verwirrend bzw. dstopisch.

Es gibt auch Zeichnungen in dem Buch, die wahrscheinlich vom Autor stammen , der ja auch, glaube ich, Kunst studiert hat und Assistent von Hermnann Nitsch war. Eines zeigt das Denkmal der Kaiserin Maria Theresia am Wiener Maria Theresienplatz. Das Haus des Meeres kommt auch vor und der botanische Garten. Dann geht es aber um eine Stadt namens Z., die auch noch zerstört wurde und zu Beginn, der in einem Kino spielt, tritt der Protagonist Lambert oder Bert auch auf eine Reise in das Weltall auf.

Am Buchrücken steht “Was wie die Laserkanone am Raumschiff Außerirdischer klingt, ist in Wirklichkeit Glasreiniger, der auf eine erhitzte Glasplatte gesprüht wird.”

Dann gibt es offenbar einen Unfall, Lambert, der als Bert in einem Soundstudio arbeitete, verliert sein Gehör, verwandelt sich in in Lambert zurück und geht zu seiner Haushälterin, Frau Hauptmann, die ständig mit einem Staubsauger werkelt und ihn zu unterdrücken scheint. Dann zieht er mit einer Schubkarre und einer DX durch die Stadt. Einen Freund mit einer Imbißbude, der dort alles, also auch Müsliriegel frittiert gibt es auch und als Lambert einmal in die Wohnung seiner Eltern aufbricht, findet er dort in seinem ehemaligen Zimmer offenbar einen Flüchtlingsjungen der sich Sandip nennt. Den macht er dann zu seinem Partner, irrt dann durch das zerstörte Z, wo die Leute selbst ihre Häuser verbrennen und die Leserin ist etwas verwirrt.

Hanno Millesi ist sehr skurril, hat einen unterschwelligen Humor, der mir mir immer sehr gefiel und mich deshalb zu seiner Fanin machte. Ich habe ihn früher auch öfter in der “Alten Schmiede” oder im Literaturhaus im Publikum getroffen, wo er mich auch immer freundlich grüßte und so bin ich auf die Lesung nächste Woche im MQ, sehr gespannt. Hoffentlich regnet es nicht und zitiere zur Abwechslung einmal die letzten Sätze, die mich ebenfall sehr beeindruckt haben und seinen Stil gut erkennen lassen:

“in Frau Hauptmanns Pupillen gespiegelt, begleiten ein paar Flammen ihren Blick ins Innere der Wohnung, und ehe sie daran geht, die üblichen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, muß Frau Hauptmann daran denken, dass ihr Arbeitsgeber alljährlich an diesem Tag behauptet, er verstehe sich darauf mit nichts als einer Packung Prinzenrollenkekse ein weit bedrohlicheres Geräusch zu erzeugen. Um sich einen seiner nicht enden wollenden Vorträge zu ersparen, hat Frau Hauptmann – das fällt ihr jetzt ein – sich nie danach erkundigt, ob er dafür die Kekse oder die Verpackung verwenden würde.”

Wieso das Buch so heißt, habe ich übrigens nicht ganz verstanden. Für mich hätte “Der Geräuschemacher” besser gepasst. Aber villeicht gibt es diesen Titel schon.

Marktbesuch und Einkaufen in St. Pölten

Es ist Sommer, Sommerfrischenhalbzeit, der Urlaub bzw. die zwei Wochenenden in der Dietrich Kittner-Stiftung ist vorbe,das Rohkonzept von “Wo wir waren”, befindet sich in der Korrigierphase die mehr oder weniger schleppend vor sich geht. Besonders begeistert bin ich nicht, da hat mir wohl der liebe Uli mit seinem em ewigen “Sie können nicht schreiben, sind langweilig und unverständlich!”, zugesetzt, obwohl, ich schreibe es wieder, eigentlich recht gut Bescheid zu wissen glaube, was ich kann und was nicht. Aber Kritik ist wohl auch ein wichtiges Tool und wenn dann das positive Feedback fehlt-.

Nun gut, die, die mich kennen, wissen,daßich auch konsequent und beharrlich genug bin, trotzdem diszipliiert weiterzumachen und es ist ja auch viel Abwechslung dabei und das, was mir im Juni so eigentlich vorschwebte, daß ich in meinen Harlander Wochenenden mit dem Rad zu dem Rastplatz in Wilhelmsburg mit meinem Notizbuch fahren und dort beobachten und Skizzenschreiben ist insofern flachgefallen, da ich ja schon mit dem Rohkonzept fertig war und das Korrigieren ist vielleicht auch nicht besonders lustig. Ich bin gerade beim Szene für Szene durchgehen. Da brauche ich bestimmte Umstände, nämlich einen Drucker in der Nähe dazu und dann denke ich irgendwie, daß mit dem Gang durch den Feminismus, der mir ja vorschwebte, ist irgendwie zu wenig ausgearbeitet und das Ganze wieder sehr kurz. Trotzdem habe ich schon Ideen für das Nächste, was vielleicht eine Fortsetzung, der “Hundert Seiten” ist. Zumindestens wird da die Lotte Füchsel, die Hauptprotagonistin sein und vielleicht gibt es demnöchst auch ein paar Lotte Füchse-lSchmankerln, obwohl ich mit dem Schreiben vielleicht an den “Nanowrimo” denke, wenn ich mit dem Korrigieren bin und da ist noch genug zu tun.

Sommerfrischenhalbzeit und der Juli war ja sehr intensiv. Sommerliches Mittagessen bei der Ruth, Geburtstag der Schwiegermutter, die zwei steirischen Wochenenden und jetzt geht es bis Mitte oder Ende des Monats weiter mit den Harland-Wochen3enden, denn da fahren wir ja am Donnerstag nach den O- Tönen nach Harland und jetzt habe ich wieder Zeit am Freitag beispielsweise mit dem Rad nach Wilhelmsburg zu den schon erwähnten Rastplatz zu fahren. Am Samstag Markt und da wenn möglich die Doris Kloimstein treffen. Am Markt geht es seit die Masken gefallen sind, hoch her und heute war es besonders schick, weil sowas wie ein Marktfest. Es gab Tische mit Sitzbänken ohne 3G und Cevapcici beziehungsweise andere Schmankerl und dann hat mir die Doris, schaut her, auch schon das im “Skriptoirium” im Stift Seitenstetten entstandenen Texte in einer Anthologie mitgebracht ,dieich demnächst lesen werden.

Hurrah, hurrah, es gibt wieder eine Publikation und ein Beglegexemplar von mir und das “Volksstimmefest” wird es auch geben. Mehr weiß ich darüber aber nicht, weil neue Veranstalter und ein neues Konzept und obwohl, die Zahlen wegen der berühmten Delta-Variante steigen und die Losung im OE24, impfen, impfen, impfen heißt, ist die Maskenpflicht in den Nonfood-Geschäften mit Ausnahme von Wien vorige Woche weggefallen. Darüber habeich schon berichtet bzw. in Bad Radkersburg die Geschäfte gestürmt. Mir Büroklammern, Schellhefter, ein Shirt und ein sommerliches Kleid gekauft und mit der Anna ausgemacht am Montag mit ihr und der kleinen Lia in St. Pölten auf Einkaufstour zugeben.

Das wäre es dann eigentlich schon, denn ich habe ja ohnehin einen ganzen Stoß T-Shirts, die ich kaum trage. Aber der Alfred, der ja immer gerne die Hundertmarks einladen will hat sich von seinem Tischler eine Bettbank machen lassen und die bisherige Sitzgarnitur hinausgeschmissen. Die Bank is tam Mittwoch, glaube ich, gekommen, hat aber keine Polster. So sind wir heute, als wir uns von der Doris verabschiedet haben, die mir noch die recht traurige News überbrachte, daß der St. Pöltner Lokaldichter Manfred Wieninger, ich glaube, mit achtundfünfzig Jahren gestorben ist, zu der “Grünen Erde” gegangen und haben die Polster bestellt. Den Tisch, den wir auch noch brauchen, haben wir vergessen, können das aber auch nächste Woche machen. Denn es gibt ja noch ein Monat Sommerfrischenwochenende oder fast, denn Ende des Monats will der Alfred mit dem Karli nach Albanien reisen und nächste Woche hat er Geburtstag. Es ist derSechsundsechzigste, also eine sehr schöne zahl und da lade ich ihm ja immer zum Essen ein. Oft warenwir da im Ausland, in Estland oder in der Schweiz beispielsweise.Voriges Jahr sind wir zum Vincent Pauli gegangen. Aber heuer fällt das ja flach. Die Rudolfshöhe wo es ein Takeawaangebot gibt, ist in Urlaub. Die Radlerschenke bleibt und da könnten wir am Freitag hinfahren, weil ja am Samstag Markt und am Sonntag will der Alfred ein Grillfest machen, hat da aber noch fast niemanden eingeladen und die Anna, die ich dazu einladen würde, hat am Freitag keine Zeit und hat den Markt vorgeschlagen.

“Ein Würst loder einen Burger zum Geburtstagsessen?”, habe ich gefragt. Man sieht die Corona-Regeln sind schon ganz schön einschränkend.

“Du kannst ihm ja eine Kerze draufstecken!”,hat sie ungerührt geantwortet “Und danach essen wir ein Eis!”

Wenn es das heutige Marktangebot geben würde, wäre das kein Problem, denn da hat es noch gegrillten Käse, Lungenbratenspieß und einiges anderes gegeben. Aber das gibt es nur alle heiligen Zeiten und nächste Woche wahrscheinlich nicht. Mal sehen. Kaffee und Kuchen gibt es auch und es ist ja lustig sich zum Einkaufen nach Bad Radkersburg oder St.Pölten begeben zu müßen. Aber möglich. OE24 hat vor ein paar Wochen auch ein paar Passanten gefragt, wie sie das finden? Die Meisten finden die Regeln immer gut.

“Wenn es sein muß!”, wie sie sagen. Einer war aber dabei,der nichts davon hielt.

“Was werden Sie machen?”, hat die Reporterin ihn gefragt.

“In die Schopping City Süd fahren!”, war die Antwort.

Die ist mir zu weit, obwohl der Alfred schon einen Besuch bei IKEA vorgeschlagen hat, als wir am Montag von derSteiermark kommend, daran vorbei gefahren sind. Den oder einen Kleinen davon gibt es im Traisencenter auch. Dorthin könnte ich also auch radeln. Habe aber eigentlich alle Servietten und was ich sonst so brauchen könnte zu Hause und die “Seedose” fällt ja wegen der 3G-Regeln aus. Das heißt, stimmt nicht so ganz. Ein Eis könnte ich mir da kaufen und die haben ein sehr gutes “Greißlereis” und morgen gibt es auch einen Grill undkeine Rudolfshöhe, weil da ja Erstens Urlaub und Zweitens will die Anna uns die Lia bringen, weil sie das Autofahren wieder üben will, das sie ja seit der Zeit,wo sie gleich nach ihrer Matura den Führenschein machte, nicht mehr praktizierte.

O-Töne mit Olga Flor und Renate Silberer

Alexandra Millner, Renate Silberer

Alexandra Millner, Renate Silberer

Renate Silberer

Renate Silberer

Alexandra Millner moderierte, glaube ich, zum ersten Mal die O-Töne, Ljuba Arnautovic habe ich wiedergesehen und einen Hund, der diesmal,nachdem Petra Eckart,die diesmal eröffnete herbeigeholt wurde, hineindurfte, und am Schluß, um es schon vorweg zu nehmen laut bellte, gab es auch.

Während ich schon Hannos Millesis “Der Charme der langen Wege”, wo es um einen tauben Geräuschmacher geht, lese, gab es diesen Donnerstag etwas halb Bekanntes bei den O-Tönen, nämlich das Debut der Renate Silberer, das ich wie ihren Erzählband schon gelesen habe,”Kremayr und Scheriau”, deren Herbstvorschau, ich diesmal fast versäumt habe, macht es möglich und Olga Flors “Morituri”, davon habe ich schon bei der letzten oder vorletzten “Wienreihe” etwas gehört.

Wieder einen”Hugo” trinken, das erlaubte 3 G-lose Sommervergnügen, könnte man so sagen und Renate Silberers Lesung über den aussteigend wollenden Seminarleiter im “Hotel Weitblick” und das Buch, der Johanna Haarer, hat mir diesmal fast besser gefallen, als, damals, als ich es gelesen habe.

Olga Flor, die eine auffällige grüne Kopfbedeckung und eineSonnenbrille aufgesetzt hatte, hat das, glaube ich, auch getan, denn sie eröffnete ihre Lesung mit ihrem Entsetzen, daß ihr Vater, heute sechsundachtzig, offenbar unter diesem Buch aufgewachsen ist, nicht verstanden hat, daß sie ihre Kinder nicht die ersten vierundzwanzig Stunden ihres Lebens in ein dunkles Zimmer legte.

Ich habe das Buch gelesen, weil es meine Mutter wohl für meine 1942 geborene Schwester gekauft oder bekommen hat und, die, glaube ich, trotzdem in kein dunkles Zimmer legte und als ich 1984 mit der kleinen Anna im Haus am Almweg war, habe ich das Buch gelesen und die damaligen Erziehungsmethoden mit den heutigen verglichen. Ich habe auch einmal einen Film über die Haarer Tochter gesehen, die unter der Erziehung ihrer strengen Mutter sehr gelitten hat. Meine Schwester und meine Cousinen wurden, glaube ich, trotzdem halbwegs normal erzogen und ich habe bei Olga Fors Empörung ein wenig an die heutige Situation denken müßen, wo alle geimpft oder getestet und das Registrationsblatt ausfüllen müssen und Olga Flors “Morituri” ist wieder sehr kompliziert, so daß ich immer noch nocht so genau weiß, worum es dabei geht.

Alexandra Millner zählte alle bisher erschienen For-Bücher auf. Morituri ist, glaube ich, das siebente.

“Klartraum” das auf der öst-BP -Liste stand, habe ich, gelesen. Es wurde auch auf den O-Tönen vorgestellt. “Ich in gelb” auch”. Die “Kollateralschäden” sind, glaube ich, auf der dBp gestanden.

“Die Königin ist tot”, habe ich in der Hauptbücherei gehört, bin also fast eine Olga Flor Spezialistin, die ja auch die erste “Veza-Canetti -Preisträgerin” war, finde sie aber eigentlich gar nicht so sozalkritisch, wie Alexandrea Millnersie zu halten scheint. Dazu ist sie mir zu theoretisch und ich verstehe unter Realismus wohl etwas anderes.

Alexandra Millner, Olga Flor

Alexandra Millner, Olga Flor

Olga Flor

Olga Flor

Es gab zwei Leseblöcke und ein Gespräch dazwischen, das mir die Handlung auch nicht viel näher brachte, obwohl Olga Flor sehr gesprächig war und viel erklärte, beispielsweise, warum sie am Abend eine Sonnenbrille trug. Es geht um einen Maximilian habe ich mitbekommen, der irgendwo am Land ausgestiegen ist. Dort gibt es ein Moor und Olga Flor behauptete, daß man in diesen nicht versinken kann und darunter eine unterirdische Klinik in der irgendwelche meidizinische Experimente, über die Olga Flor auch sehr viel erzählte, durchgeführt wurden.

Wie schon geschrieben, sehr kompliziert und jetzt bin ich wieder gespannt, ob und auf welche Buchpreisliste sie kommen wird und nächste Woche, kann ich schon verraten, wird Hanno Millesi, dessen Buch ich dann schon gelesen habe, präsentiert werden und eine mir bisher unbekannte Debutantin.

Ich bin gespannt und es war wieder ein schöner Sommerabend und eine gute Stimmung mit fast neuer Normalität.

Aussichten

Gedichte 2020-2021. Ich bin ja keine dieGedichte schreibt, lese aber gelegentlich welche und gehe auch regelmäßig zu den Tagen der Lyrik, den LyrikFestivals etcetera und jetzt das dritte Buch und der zweite Gedichtband in diesem Jahr, des 1939 in Haslach geborenen Peter Paul Wiplinger, bei dessen achtzigen Geburtstagsfest ich war und der mir seit einiger Zeit so getreulich mit handschriftlicher Beilage, seine Werke schickt und ich muß schreiben, wieder eine Überraschung, habe ich bei den Nominierten des Leipziger Buchpreises mein Lieblingsprosabuch gefunden, dann ist das der beste Gedichtband den ich seit langen gelesen habe, obwohl ich mir ja erst gestern Lyrischen von Dirk Peterdorff vorgenommen habe und da ist es meist so, daß man schöne Sprache gedichtet dargeboten bekommt, “Poesie in gestiefelten Schuhen” und vom Leben meist keine Spur, so daß man oft zweimal lesen muß, um die Gedankensprünge des Dichters zu erfassen.

Daß es auch anders gehen kann, hat der Zweiunaachtzigjährige eindrücklich bewiesen und thematisiert das auch selbst “Dichtung auf ihre Alltagstauglichkeit/ überprüfen dieses Satzfragment/ fiel mir dabei lächerlicherweise ein.”

Und das ist es, Peter Paul Wiplingers Gedichte sprechen von Krankheit, von der Angst vor dem Tod, etcetera und er stellt auch gleich die Frage vom “Regelwerk” der Kunst, etwas was ich meinen kritischen Freund Uli ins Gedächtnis legen will: “solch klugscheißersprüche darf man/ in einem Gedicht nicht verwenden/ sagst du und ich entgegne/ wer zum teufel stellt denn/ solche regeln auf und verbietet mir/ klugscheißersprüche in einem gedicht/ zu verwenden / – na ja sagst du noch von deinem krebs/ solltest du auch nicht sprechen/ jedenfalls nicht so offen und nicht im gedicht/darauf ich wütend und zugleich unsicher/ ich soll also das jetzt wichtigste in meinem leben/aus meinem schreiben ausklammern weil unfein/ ich soll diesen scheißkrebs und die scheißsprüche,/nicht so nennen wie ich das im wirklichen leben tue/ weil das dem regelwerk der ästhetik nicht entspricht/ weil die wahrheit nicht fein genug ist für die poesie/”

Nein, das ist es nicht, obwohl es wahrscheinlich viele Dichter bisher so taten, aber allzu zu privat und persönlich soll es natürlich auch nicht sein “es ist nicht so/daß ich nicht weine/ja natürlich bin ich/auch sentimental/ aber das ist meine/ privatangelgen heit/ das hat nichts verloren/ in einem gedicht”

Und da sind wir schon bei den Schreibanleitungen, wie man zum dichten kommt. Aber zurück zum Anfang zu den Gedichten, die zwischen 2020 und 2021 geschrieben wurden und dabei, glaube ich, alle persönliche Befindlichkeiten des Autors umfassen. Philosophie ist natürlich auch dabei, wenn es um die Lebensaussichten geht: “aussicht gibt es / keine mehr sagt er/ überall ist nur nebel /aber das hinaufsteigen / und das hinuntersteigen/ das lohnt sich/ denn das ist ein erlebnis”.

Da haben wir schom im ersten Gedicht den Sinn des Lebens lapidar zusammengefaßt und dann kommt die “Einberufung” zur Krebsoperation ins AKH. Etwas was den Dichter sehr beschäftigt. Das Gespräch mit dem Professor und das Gespräch mit der Krankenschwester nachher, die sein Bett frisch überziehen soll und er zu schwach ist, ihr zu sagen, daß er das nicht merh braucht.

Die Angst vor dem Tod und dem Sterben kommt auch immer wieder vor und da würde ich Peter Paul Wiplinger gerne einen Satz mitgeben, den ich bei einem Vortrag von Professor Musalik einmal hörte, wo es um das Sterben ging.

“Wo wir sind, ist der tod nicht und wo der Tod ist, sind wir nicht!”

Also braucht man sicht da vor nicht fürchten, hat er gelautet. Lieber sein Leben genießen bis zu den letzten Stunden, so gut es geht. Einen Baum pflanzen, ein Gedicht schreiben. In diesem Fall viele schöne Gedichte, die ehrlich sind und keinem Regelwerk folgen müßen, würde ich empfehlen.

“ich bin jener/ der im 81. lebensjahr ist/ ich bin jener/ der krebs hat /ich bin jener/ der gedichte schreibt/ ich bin jener /der am liebsten einfach nur so dahinleben möchte /ich bin jener/ der weiß, daß alles einmal sein ende haben wird”

Das Thema Corona, das Peter Paul Wiplinger bedrohlicher, als ich zu erleben scheint, kommt auch natürlich vor:

“Corona 2020 Berichterstattung/ wirtschaft/wirtschaft/wirtschaft/kein Wort von/sterben sterben/sterben sterben/kein händehalten/in der todesstunde/15 minuten- abschied/ dann sterben/tox/welch erbärmliche/unmenschlichkeit” und für mich zum erstenmal poetisch thematisiert, die Corona-Impfung:

“wir fahren mitder u1/nach der corona-impfung/von jenseits der donau heim/zum stephansplatz und dann/ mit der u3 zum rochusmarkt”

“TODESGEDANKEN” sind es, die Peter paulWiplinger, manchmal quälen und sie in eindrucksvollen pragmatischen Sätze verpackt:

“ich ziehen meine/ schwarzen socken an und denke an den tod/ ich ziehe meine schwarze hose an/ und denke an den tod/ ich ziehe meine weißen bosxershorts an und denkeplötzlichach/ verdammt noch mal/war das leben schön/ wenn man sie auszog/

Da kann kam Peter Paul Wiplinger vielleicht auch verzieihen, daß er nach dem er im Krankenhaus den Besuch des Priesters verweigerte und man ihm stattdessen eine Psychologin schickte, bedauerte, daß sie “völlig unerotisch” aussah und er dann dazu kommt es als “unsinnig” zu empfinden, daß er sein Leben für den Nachlaß schön ordentlich in bene-ordner verpackte. Das muß sein denke, ich damit Spuren bleiben, damit man alles nachlesen kann, die ich, das im Blog, statt in Ordner mache und auch die Nationalbibliothek nicht anfrage, ob sie von mir vielleicht etwas haben will?

Sehr beeindrucken die “Aussichten des alten Dichters, der auch, wie schon erwähnt Schreibanleitungen gibt “entweder teilt mir das gedicht etwas neues mit oder eben nicht” “eine einzige wortlkauberei/ ist das sagst du abfällig zu mir/ dashat doch mit einem gedicht/ nicht das geringste zu tun/” und sehr viel Lebensweisheit bringt, manchmal etwas melancholisch ist und vielleicht auch trauig, so daß ich mit einem Liebesgedicht schließen will:

“ETWAS WIE LIEBE

wie ist mein herz so müd nach dir/ /verflogen ist die gier/ der jungen leidenschaft/ jetzt sitze ich verloren/ in meiner dunkehaft/ wie ist mein herz/ so müd nach dir/ im kerzenschein/ da bin ich dein /obwohl wir längst/verloren sind”

Also auch ein wenig melancholisch, obwohl Peter Paul Wiplinger, der sich in den diversen IGs auch sehr für seine Kollegen, vor allem für die aus Osteuropa einsetzte, auf ein langes erfülltes dichterisches Schaffen zurückblicken kann und ich mir auch noch viele schöne Gedichtbände von ihm wünsche.

Und schön finde ich auch noch ,daß Peter Paul Wiplinger “daß” mit scharfen” ß”schreibt.

Unsere Spiele enden nicht

Jetzt kommt etwas Lyrik aus dem “C. H. Beck-Verlag”, nämlich der neue Gedichtband des 1966 in Kiel geborenen Dirk von Petersdorff, der in Jena Professor für neue deutsche Literatur an der Friedrich Schiller-Universität ist und auch den “C. H. Beck-Gedichtekalender”herausgibt. 2006 hat er in Kagenfurt beim “Bachmann-Preis” gelesen. Von da kenne ich seinen Namen und das kleine blaue Gedichtbändchen umfaßt auf vierundsiebzig Seiten Gedichte in vierAbteilungen oder Kapitel. Der Klappentext nennt sie “Kleine poetischen Studien der Verwandlung”. Ein eigenes Vor- oder Nachwort gibt es nicht. Harald Hartung von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat aber am Buchrücken “Dirk von Petersdorff ist ein Bote zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Er ist ein leichtfüßiger Poet. Er trägt geflügelte Schuhe”, geschrieben, was auch ganz schön poetisch ist.

Also hinein in die vier Abteilungen, die mit den “Familien” beginnen und da geht es gleich “An eine Dreizehnjährige”, vielleicht eine Tochter deren “schimmelige Joghurtbecher und hartgewordenens Müsli” er aus ihrem Zimmer räumt.

Bei”Brücken” geht es um die “Alte Mutter” die “jetzt ihre Brücke hinuntertappt/ mit der sinnlos vollgestopften Handtasche,/ Haare wie Algen, aufs dunkle Ufer zu -“

Bei der “Durchgeschnittenen Seite” geht es dann um den Vater:

“Was ich brauchte, hat mir mein Vater aus der Stadt mitgebracht:” und sehr beeindruckend:

“Franziska in Omas leeren Bungalow”

“im Garten noch das Windrad,/ rot und weiß, so kreisen die Gedanken,/ Schneeweißchen und Rosenrot,/ das Buch auf Omas Knien, ein Märchen/ wie der ausgeräumte Bungalow jetzt,/ nur ein Lippenstift an der Fußleiste-/

Franzi, kleines Schneeweißchen, wird bald/ in einer WG einen verzauberten Bären/ den Pelz shamponieren,/ denn das Rad der Widergeburt/ dreht sich, rot und weiß, verläuft,/ Korn mit Kirschgeschmack wäre gut,/ aberOma hatte höchstens Eierlikör-“

Es gibt ein Gedicht nach einem Bildvon August Macke

“Schwellen zum Leben, zum Tode, Abschiede und Ankünfte, alte und neue Liebe, die Gegenständie des Alltags und die der Pop-wie der Hochkultur, August Macke und das Skateboard”, schreibt der Klappentext und wir gehen weiter in den “Liebesmorgen”

“und zögernd wachgewühlt aus Kissen, Fellen,/ zurück sich wühlen in die Zeit der Wellen,/”

Ja bei Dirk von Petersdorff wird manchmal gereimt.

Und in der dritten Abteilung “An der Schleuse” gibt es eine “Kurzbiografie”:

“”Neue Heimat” hieß die Baugesellschaft/ meines Elternhauses. Am offenen Fenster/ zeige die Antenne des Tranistorradios/ auf die weiß ziehenden Wolkenberge./ In nebeligen Winternächten hörte man/ ein Schiffshorn klagen vom <kanal herüber,/ und die ganze Juninacht blieb/ ein schmaler Streifen Himmel hell.”

Dazu gibts eine “Ergänzung”:

“”Kork”, rief Christine, als wir in der Nordseestraße/ pfützenfroh in Gummistiefeln herumtollten – “Dirk” ist am Anfang schwer auszusprechen.”

Die Abteilung vier , die “Mediationen” sind der Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska” gewidmet und enthalten relativ lange Texte.

So gibt es ein “Aufwachsen mit Vogelstimmen” “Pinien” und “Beim Olivenbaum”,”Eiche mit Efeu” und vielleicht gar nicht so meditativ

“Deutsch lernen”

“Pass”, diesesWort kennt er schon/ zu gut, “Pass- Ersatz”,/,vieles kann man zusammen-/setzen im Deutschen.”

Und ich habe wieder einen interessanten Dichter kennengelernt und mich eingelesen in die Kurzform der Lyrik und dem, der von den “Spielen” bzw. Gedichten noch nicht genug davon bekommen kann, kann ich außer dem Lesen des Buchs, noch verraten, das demnächst noch etwas von Peter Paul Wiplinger, dem unentwegten, kommen wird, der mir so getreulich seine in der “Edition Pen” erschienenen Gedichtbände schickt.