Ein Gegenkanon

Auf die Anthologie in der der Literaturkritiker Anton Thuswaldner eine Reihe von Autoren und literarischen Persönlichkeiten eingeladen hat, ihre Meinung kundzugeben, wer in der Literatur über- oder unterschätzt werden, bin ich durch den “Papierstau-Podcast” aufmerksam geworden, den ich ja vor allem zu den Buchpreis-Zeiten, weil sie ja den dBp genau besprechen, beorzugt lesen, habe das Buch angefragt und bekommen, mußte aber erst mit den dreimaligen Buchpreislesen fertig werden und jetzt ist auch noch die Bloggerdebutshortlist dazu gekommen.

Ein interessantes Buch, das die “Papierstau-Podcastleute”, deren Meinung bezüglich der Buchpreisbücher ich nicht immer teile, sehr gelobt haben und es ist auch sehr spannend sozusagen in zweiter Hand in den Literaturkanon einzutauchen und seine Meinung darüber zu ergänzen.

Interessant auch, daß der 1956 geborene Anton Thuswaldner, den ich zuletzt auf der “Buch-Wien” im Gespräch mit Gustav Ernst getroffen habe. Sein Buch damit beginnt, wie er beschreibt, daß er in den Siebzigerjahren in den Bibliotheken Salzburgs Bücher einordnen sollte und da auf Albert Drach gestoßen ist und hätte er nicht in das Buch hineingeschaut, hätte es der Trivialliteratur zugeordnet.

Sehr interessant, denn, ich denke, so ist es in der Literatur. Die hehren Kritiker, die meist weiße alte Männer sind, ein Ausdruck den ich gar nicht liebe, streifen über die Bücher drüber, schreien “was eine Frau, ist die vielleicht eine Emanze!” und das Buch ist schon weggeschmissen. Das wurde mir einmal von Brigitte Gutenbrunner über Marcel Reich Ranicki berichtet, als sie in Klagenfurt gelesen hat.

Ein Kanon, die wichtigsten hundert Büchert, die man gelesen haben solle und die anderen nicht. Die andere lohnen sich nicht, denn es reichen, die paar Sätze, wie man über Bücher sprechen kann, die man nicht gelesen hat oder überhaupt, steht es auf den Kanon? Dann interessiert es mich nicht, dafür habe ich keine Zeit!

Ich bin da ein Gegenbeispiel, sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben, denn ich gelte ja laut Uli nicht als Profi, obwohl ich mich über fünfzig Jahre mit der Literatur beschäftige, meine Bücher aber selber drucken lasse, also für den Kanon keine Chance.

Das Buch ist vielleicht ein Gegenbeispiel und ein Aufruf sich jeseits des Tellerrandes mit der Literatur, Bücher und Autoren zu beschäftigen und das ist ja auch, was ich immer schreibe, ich lese alles, nicht nur das was auf den Buchpreislisten steht und wenn mich ein Selfpublisher oder BoD-Autor anschreibt, lese ich ihn auch und würde mir das auch für mich wünschen !

Es beginnt also mit den 1965 in Sofia geborenen Ilia Trojanow,, den ich ganz ehrlich, ebenfalls, wie Vladimir Vertib nicht in meinen Kanon einreihen würde und er nennt zwei mir bisher völlig unbekannte Autoren, den Kubaner Lezama Lima und Kojo Laing aus Ghana, nie gehört die Namen, aber vielleicht finde ich ihre Bücher mal in den Schränken, dann werde ich danach greifen.

Michael Krüger hat seine Aufgabe mit einem Alphabet erfüllt. Also H. C. Artmann unterschätzt. Das, glaube ich, eigentlich nicht, ebenso ist mir Rose Ausländer sehr bekannt und ob Günther Andersch wirklich überschätzt ist, würde ich auch bezweifeln.

Sabine Scholl beschäftigt sich mit der Frauenliteratur und die ist ja wahrscheinlich immer noch unterschätzt, obwohl sich da in den letzten Jahren sicher viel verändert hat und auf der heurigen Bloggerdebutshort beispielsweise nur fünf Frauen stehen, obwohl sehr für “Freudenberg” plädiert hätte.

Gottfried Benn ist geschätzt und Christina Bustan manchmal geliebt, schreibt der Exverleger und Lyriker Michael Krüger unter dem Bchstaben B und Vladimir Vertlib von dem ich schon einige Bücher gelesen habe und ihn auch öfter bei Veranstaltungen sehe, hat sich der türkisch stämmigen in Deutschland lebenden Autorin Zehra Cirak, von der ich auch noch nichts gehört habe, angenommen. Zitiert ihre Gedichte und hält sowohl Houllebecq als auch Hemingways “Alter Mann und das Meer” für überschätzt.

Das kann ich nicht so ganz beurteilen und was den Buchstaben B betriff und da zurückzugreifen, glaube ich, zum Beispiel nicht, daß Thomas Bernhard, als Dichter unterschätzt ist und würde ihn, der meiner Meinung nach ja viel zu viel schimpft, nicht dafür halten. Hätte er weniger geschimpft, wäre er aber vielleicht nicht so berühmt geworden.

Die Literaturwissenschaftlerin Konstanze Fliedl, die auch einmal “Bachmann-Moderatorin” war, fühlt dann “Zwei Kultbüchern”, nämlich dem “Struwwelpeter” und dem “Kleinen Prinzen” auf den Zahn.

Brigitte Schwens-Harranth, die kürzlich sowohl in der “Alten Schmiede” als auch in Ö1- bei den “Gedanken für den Tag” hörte, beschäftigt sich mit den “Blümchen “, der Jane Austen, die wird ja von vielen hochgelobt und ich habe von ihr auch schon etwas gelesen, während sich der “Guggolz-Verleger” Sebastian Guggolz mit dem 1894 geborenen Hans Henny Jahnn und seinem “Fluss ohne Ufer” beschäftigt. “Giovannis Zimmer” von James Baldwin hat ihm, als er es gelesen hat, dagegen nicht so begeistert.

Die Graz geborene Gabriele Kögl hat auch eine interessante Auswahl getroffen und zwar lobt sie sehr einen Roman von Ursula Wiegele, mit der ich mich noch nicht sehr beschäftigt hate, während sie mit Robert Seethalers “Trafikanten” nicht so viel anfangen konnte und sein Buch zwar nochmals kaufte, es dann aber entsorgen wollte und da kann ich ihr zustimmen.

Zwar nicht so sehr was den “Trafikanten” betrifft, da habe ich nur einen Film gesehen, aber das “Ganze Leben” wurde meiner Meinung nach, obwohl ich es noch nicht gelesen habe, zu sehr gelobt, während mit sein “Mahler-Roman” sehr gefallen hat, Wolfgang Tischer vom Literaturcafe aber nicht.

Der 1953 in Korneuburgt geborene Ferdinand Schmatz lobt natürlch Reinhard Priessnitz und seine “Vierundvierzig Gedichte”, ist er ja auch sein Nachlaßverwalter und hat dafür zwei eindrucksvolle Sätze gewäht: “Er ist der Kilometerstein, der stets mitfliegt. Die Einbetonier der Autobahnen nehmen das nicht zur Kenntnis.”

Und Ernst Wiechert, 1952 im rumänischen Banat geboren, dessen “Mai und morgen”, in der letzten “Lese-Auslese” sehr gelobt wurde, beschäftigt sich in seinem Beitrag mit “Einem verborgenen gebliebenen Kanon”, nämlich dem in dem die jüdisch stämmigen Autoren Alexandru Vona, Max Blecher, Bruno Schulz und Franz Kafka vorkommen.

Die freie Kulturjournalistin Katrin Hillgruber hält ein Plädoyer für die 1893 geborene Mela Hartwig und ihren Büroroman, den Katrin Hillgruber für besser als das “Kunstseidene Mädchen” hält.

“Das Weib ist ein Nichts” ist ein anderer und “Droschl” hat sich verdienstvoll ihrem Werk angenommen, das auch von Julia Danielczyk geehrt wurde und spannend, daß sich die “Raab-Spezialistin”, seine Erzählung “Hastenbeck” für “ebenso wunderich wie erschöpfend” hält.

Interessant ist auch die Bewertung des Übersetzers und Literaturkritiker Cornelius Hell, den ich immer wieder auf Veranstaltungen treffe und den ich das nächste Mal nach einem aktuellen politischen ungarischen Roman, für meine “Drei Frauen-Recherche”, fragen werde, Robert Schindels “Der Kalte” für überschätzt hält und ihn als zu weitschweifig und auch fehlerhaft scharf kiritisert. Ich kann mich ganz ehrlich an den Roman nicht mehr so erinnern, war aber, an das kann ich mich erinnern von “Gebürtig” sehr begeistert und auch von manchen seiner Gedichte.

Franzobel oder Stefan Griebl, der überraschende “Bachmann-Preisträger” von 1995, der mit “Mickey Maus und Sherlock Holmes” aufgewachsen ist, der auch einmal in der “Ohrenschmaus-Jury” war, schwärmt von einem Roman von Ramiro Pinello, der mir gänzlich unbekannt ist und wettert ein bißchen übe den Bestsellerautor T. C. Boyle von dem ich ihn erinnern kann, daß ich ihn mal bei “Thalia” in der Landstraße gesehen habe und auch O. P. Zier im Publikum war.

Der 1947 geborene Franz Schuh, ein Jahrlanggenosse von der Ruth und von Thomas Northoff zitiert Walter E.Richartz Büroroman unter dem Titel “Die große Mopserei”.

“Es ist 15.10. Es ist 15.11 – nein, eine Täuschung. -Kommen Sie und sehen Sie selbst: dies ist der Ort, wo die Zeit still steht, wo sie die Zeit endgültig totgeschlagen haben.”

Der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Jürgen Eyptien hat einen “Stillen und einen Lauten” und höre unter den Lauten schätzt er den großen Schimpfer ein und zitert dessen “Heldenplatz”. Spannend, daß wir da einer Meinung sind und ein Plädoyer für T. B. kann ich auch halten. War ich doch einmal in einer Lesetheaterauffhrung von “Ja” -“Und da hat sie ja gesagt!”, auf die Frage nach der Selbstmordabsicht, habe ich genauso großartig gerufen, wie die “Alten Meister”, wo da einer im Kunsthistorischen Museum gsitzt und darber nachdenkt, ob er am Abend ins Burtheater gehen soll? Er tut es dann und die Vorstellung war natürlich fürchterlich!

Michael Krüger hat Ernst Jandl sehr geliebt. No na und Oswald Egger schreibt dem Herausgeber zwar, daß er den Auftrag nicht erfüllen kann. Fügt dann aber eine sehr lange Fußnote an und Karin Peschka lobt das Werk ihres ehemaligen Deutschlehrers Hermann Obermüller, das 1982 bei “Kiepenhauer und Witsch” veröffentlicht und von Helmut Neundlinger, in der “Dichter über Dichter-Reihe” ebenfalls gewürdigt wurde. Auch interessant, daß sie nicht kritisieren möchte, sondern die Bücher, die ihr nicht gefallen, nicht zu Ende liest.

Die 1990 geborene Raphaela Edelbauer, die ich bei einer “Buch Wien” kennenlernte, wo sie ihren Erstling “Entdecken – Eine Poetik” vorstellte ist ebenfalls sehr interessant. Denn ich würde sehr für “Das flüssige Land” plädieren.

“Wow!”, was für ein Roman, während ich von “Dave” weniger begeistert war. Jetzt hat sie einen neuen Roman geschrieben, der am 19. 1. im Literaturhaus vorgestellt wurde und sie schwärmt von Klaus Hoffer seinen “Bei den Bierisch”, sowie von seinen Poetikvorlesungen, die er gehalten hat, als sie noch nicht auf der Welt war.

Im Schlusskapitel beschäftigt sich Anton Thuswaldner mit der Frage “Was man mit den finsteren Kerlen der Literatur tun soll?”, die ich ebenfalls, vor allem in Zeiten, wie diesen, wo gegen den Schauspieler Florian Teichmeister meiner Meinung nach unerträglich gehetzt wird und nicht nur seine Karriere zerstört wird, sondern auch ein Film in dem er mitspielt und der, glaube ich, nichts mit Kinderpornographie zu tun hat, verboten werden soll, für sehr interessant halte und wiederhole, bevor ich auf seine Beispiele eingehe, daß ich Josef Weinheber für einen großen Dichter halte, obwohl er nationalsozialistisch war und Gedichte auf Hitler geschrieben habe und auch Peter Handkes politische Meinung von seinem Schreiben trennen will.

Da gibt es noch andere Beispiele wie Knut Hamson, Celine und Ezra Pound, die Thuswaldner anführt und dann zu Uwe Tellkamp kommt, der “Bachmannpreis Träger von 2002 und dBp-Preisträger von 2008. sein “Eisvogel” hat mir nicht gefallen und wurde glaube ich auch bei der literarischen Soiree im Radio Kulturcafe sehr kritisiert, vom “Turm” war ich überfordert und das literarische DDR Wunderkind wurde dann sehr geächtet, als es sich mit seiner Meinung zu den vielen Ausländern sehr in AfD-Nähe begab.

Das war vor einigen Jahren, jetzt höre ich im Fernsehen ständig, daß man etwas gegen, die vielen illegalen Flüchtlinge die “unsere Frauen und Kinder ermorden” tun und daher die FPÖ wählen muß und habe mir den “Schlaf in den Uhren” vom Alfred schenken lassen, das ich aber erst lesen muß.

Ein interessantes Buch. Da stimme ich den “Papierstau-Leuten” zu, man erfährt viel über den Literaturbetrieb und den subjektiven Meinungen der Autoren und da kann ich wiederholen, daß ich einmal über einen Kanon bzw. ein Buch über die “Literatur vor 1945” hörte, wo Peter Rosegger und Stefan Zweig zugunsten von Franz Michael Felder hinausgeschmissen werden sollte.

“Werch ein Illtum!”, würde da vielleicht Ernst Jandl sagen und ich bin bezüglich Stefan Zweig daraufgekommen, daß das nicht stimmt, als ich bezüglich meines Schreibens angefangen habe, Zweig zu lesen.

Andi Pianka zweiteiliges Geburtstagsfest

Milena Orlando
Maria Seitz

Am einundzwanzigsten Jänner hat Andi Pianka, den ich, glaube ich, einmal über Cornelia Travniceks Blog im Cafe Anno kennengelernt habe, ihn dann auf verschiedenten Poetry Slmas hörte und mit ihm am Volkstimmefest gelesen habe, seinen fünfundvierzigsten Geburtstag und weil er das die letzten zwei Jahre Corona, bedingt nicht konnte, hat er diesmal zum zweimaligen Feiern eingeladen und zwar zuerst zum geselligen Treffen im “Käuzchen” und da habe ich überraschenderweise einige Bekannte getroffen, die ich nicht erwartet habe, nämlich Melamar und dann Maria Seitz und Milena Orlando die ich von den Osterspaziergänge der LitGes kenne.

Andi Pianka hat St. PöltnerWurzeln, habe ich ihn da doch einmal im Sonnenpark lesen und auch auf Poetryslams gehörts und danach ging es in Amerlinghaus, denn Andi Pianka ist ja ein eifriger Leser beim “Stuthe Quickie-Open stage”, wo ich ihn einmal versäumte und einmal aus seinen “Die Masken nieder-Corona-Dialoge” lesen hörte.

Aber zuerst hat Maria Seitz, die jetzt, glaube ich, einen anderen Vornamen hat, sehr gekonnt sehr experimentelle Gedichte gelesen.

Milena Orlando folgte und dann kam noch ein literarischer Beitrag von einer jungen Frau, die ein sehr hoffnungsvolles Langgedicht vortrug und von ihrer Mutter wahrscheinlich gefilmt wurde, bevor Andi Pianka wieder aus seinen alten und neuen Dialogen vortrug, die ich ja jetzt schon gelesen und besprochen habe.

Diesmal nur zwei Musikeinlagen von Gitrarre spielenden jungen Männern. Ein Lebensberater erzählte von seinem “verkorksten Leben” und, wie er davon losgekommen ist und der, der immer ein juristisches Kabarett hält, hielt diesmal eine Faschingsrede.

Andi Pianka

Interessant, interessant und ein Geburtstagsfest der anderen Art. Andi Pianka hat aber seine Geburtstagsständchen bekommen. Nachher sind wir noch lange im Amerlingbeisl gesessen und spannend die St. Pöltner Szene in Wien zu erleben und einen Open Mike im “Werkl am Goethe Hof” hat es heute auch gegeben und wieder viele Bücher in den offenen Bücherschränken in der Stiftgasse.

Ist hier das Jenseits, fragt das Schwein

Buch drei der heurigen Bloggerdebutshortlist hat wohl den ungewöhnlichsten Titel und ist auch ein ungewöhnliches Buch, denn seine Helden sind Tiere. Alle ohne Namen und ohne Geschlecht, so daß einige Leser vermuten, daß die 1994 in Solothurn geobrene Noemi Salamlvico, die am Literaturinstitut in Biel studierte, die Genderproblematik und die Verunsicherung unserer Zeiten, wieviele Geschlechter es nun gibt, umschiffte.

Die junge Autorin selbst meinte bei einer Lesung, die vor ungefähr einem Jahr im Berliner Literaturhaus stattfand, daß sie von den Menschen genug hatte und deshalb zu den Tieren gewechselt hat und das Schwein der oder das Titelheld hatte sie zuerst im Kopf und mir macht es die junge Autorin mit der poetischen Sprache schwer.

Ist sie doch auch eine, die keinen Plot und keinen Handlung will , sondern, wie ich es interpretieren würde, mit viel Spaß vor sich hinschreibt und wenn man Tiere als Protagonisten hat, denkt man wohl an eine Fabel oder an Kinderbücher, denn da kommen Tiere meist als Menschen verkleidet auch gern vor und das Ganze hat dann meist auch eine mehr oder weniger moralinsaure Botschaft.

Das fehlt bei der jungen Autorin und ich habe mir schon mit den vielen Tieren sehr schwer getan und mich nicht ausgekannt wer oder was das jetzt ist und tut und wohhin es in den sehr dünnen Buch geht und da passiert sehr viel. Werden doch Welten die das Dies- und Jenseits lustig gewechselt und eine Zwischenwelt, dort wo Gott wohnt, scheint es auch zu geben.

Es beginnt aber sehr weltlich, pardon tierisch natürlich, denn Schwein ist depri oder einsam, von seinem Freund verlassen. Dann ruft es im Radio an und gewinnt eine Reise in eine Wüste, die es aber stornieren muß, denn es hat keinen, der es es dahin begleiten würde.

Das klingt schon alles recht und menschlich. Die Tiere fahren Straßenbahn oder Bus, schminken sich und haben Handies und können dann auch nicht mit auf die Reise, weil sie ja arbeiten müssen.

Eine Reh und einen Hirsch gibt es auch und dann gibt es noch einen Dachs, der eine Erfinduung macht und der trifft dann Gott in seiner Zwischenwelt, der schläft, sowie eine Schwester hat und findet dann einen Fisch mit dem er mit Schwein und Dachs ins <jenseits aufbricht, weil dort die Toten wohnen.

Bei der Lesung in Berlin war eine Pfarrerin die Moderatorin und die hat Noemi Somalmvio gefragt, wie sie sich Gott denn vorstellen würde? Ist das jetzt ein alter Mann mit weißen Bart oder ganz wer anderer und die hat gesagt, daß sie da mit einer Antwort überfordert ist.

Also spazieren Schwein, Gott und Dachs im Jenseits auch auf einer Wüste herum, finden da eine Telefonzelle und dann ein Hotel. Dort wird Gott krank, stirbt vielleicht.

Man sieht Noemi Somalvico spielt mit allen Wirklichkeiten und Ordungswelten und bringt alles lustvoll durcheinander. Am Schluss kehrt er dann wieder in sein Haus zurück und die Leser werden aufgefordert ihre Welt zu verlassen und sich in Noemi Somalvicos schöne Sprachutopie einzulassen, die dann die Literaturexperten schreiben und die ist schon ein bißchen lyrisch, aber doch nicht so poetisch wie die Sprachwelt der Andrea Winkler beispielsweise.

Ich würde es eher kindlich nennen und auch so frech sein, das Buch einem Nonsensstil zuzuordnen. Da hat eine mit Literaturabschluß lustig vor sich hingeschrieben, ohne sich viele Gedanken zu machen. Die Kritiker geben dem Ganzen dann schon einen Sinn. Sprechen vom hohen Wert der Freundschaft und sogar Dennis Scheck, der von den hunderttausend ähnlichen Plotbüchern wohl schon die Nase voll hatm scheint begeistert. Die Debutfrauen sprechen von moderner Fabel und absurder Erzählung und ich bleibe ein wenig ratlols zurück und weiß wieder nicht, wie ich das sehr ungewöhnliche Buch mit der starken bildhaften Sprache einordnen soll?

Ich habe aber noch zwei der nominierten Bücher zu lesen.

Lektionen in dunkler Materie

Nachdem ich nach Weihnachten auch noch die Schweizer Buchpreisliste soweit vorhanden fertiggelesen habe, ist jetzt die Bloggerdebutshortlist

an der Reihe. Da habe ich ja fünfzehn der Longlisttitel, die man melden konnte gelesen. Bozena Bandura und Janine Hasse haben fünf davon ausgewählt und bis Februar hat man Zeit, die zu lesen. Das verschiebt sich nach hinten ich weiß, am Anfanghabe ich im November gelesen.

Aber fünf Titel sind für mich kein Problem, obwohl ich von der 2022 Liste ja noch drei Bücher zu lesen hätte.

Eines der fünf, die Slata Roschal kenne ich schon und jetzt als nächstes “Die dunkle Materie” der 1981 in Wien geborenen Ursula Knoll mit der ich schon am “Volksstimmefest” gelesen habe. Von den Buch habe ich schon gehört, mich aber nicht näher in es vertieft.

“Atelier” hat es mir aber sehr schnell geschickt und jetzt hinein in die Matierie, die nicht dunkel sein muß, aber ein wenig schwer zu lesen, zumindestens am Beginn, weil sehr theoretisch, war das Buch schon, das ich eher, als eine in sich verknüpfte Personen oder Episodenansammlung bezeichnen will. Eine wirklich Handlung mit Plot und Spannungsbögen hat es nicht wirklich. Das entspricht auch meiner Schreibweise. Es ist aber erstaunlich modern und aktuell und vielleicht auch darüber hinaus denn am Cover ist ein Astronaut zu sehen, der ein Kind hinter sich herzieht. Eine Astronautin natürlich, denn in dem Buch wird nicht nur gegendert. Es scheint auch in der Zukunft zu spielen, denn so weit ich weiß, werden wir noch nicht von Astronautinnen im Weltall umkreist, die dann auch noch ihre Bordcomputer oder KIs in ihren Emotionen zerstören und dabei fast eine Katastrophe auslösen.

Gemeinsam am Volksstimmefest gelesen? Ja natürlich, denn das Buch ist sehr sozialkritisch, das geht schon am Klappentext hervor.

Da gibt es zum Beispiel eine Asylverfahren bearbeitende Fachkraft, wahrscheinlich eine Richterin, namens Ines, die im Laufe des Geschehens entlassen wird, weil sie nur mehr positive Bescheide ausstellt. Die trifft eine Fatima, die sie per einer Datingapp kennenlernte und die ist Kindergärtnerin und der passiert plötzlich, daß eine Mutter beschließt mit ihrem Sohn Linuns nicht mehr nach Hause zu gehen, sondern den Kindergarten besetzt, weil dessen Öffnungszeiten sich mit denen ihrer Arbeit nicht decken und sie daher ständig zuspätkommen oder sich abhetzen muß und die, namens Heide ist Zimmermädchen in einem Hotel und wurde von Katalin ihrer Lebenspartnerin, das ist die Astronautin verlassen.

Man sieht sehr realistisch sind die Verhältnisse vielleicht doch nicht zusammengewürfelt oder zu utopisch ausgelegt. Es gibt aber eine sehr spannnende Szene, wo Linus mit seiner Mutter in den Supermarkt geht und die hat nicht genug Geld im Börserl, bezahlt sie in dem Zukunftsszenari noch bar-? Nein auf dem Konto natürlich. Muß also die Bananen und was anderes zurückgeben. Hat aber Glück, denn in dem Supermarkt wird in diesem Augenblick mit Tomaten herumgeschmissen, so daß die Kassiererin keine Augen dafür hat, daß Heide sich die Sachen zurückholt und Katalin hat inzwischen vom Bordcomupter Simon zuerst daran gehindert, dann unterstützt, in ihrem Konto herumgeschnüffelt.

Es gibt dann noch eine Milka, das ist die Tomatenschmeißerin oder auch Umweltaktivistin, die sich für die, die die Tomaten im fernen Italien ernten und dabei ausgenützt werden und die erfährt, daß ihr Freund umgekommen ist. Da dreht sie durch und schmeißt mit den Tomaten, wird dabei von der Polizistin Esther verhört, die Katalins Schwester ist und die erfährt, während des Verhörs, daß im Weltraum ein Unglück geschehen ist.

Sie kann dann noch mit ihrer Schwester telefonieren und so weiter und so fort und, wie geschrieben am Anfang habe ich mir mit dem Lesen schwer getan, weil zu theoretisch und auch noch wegen der Handlungssprünge, die Ursula Knoll vor allem zu Beginn manchmal hat, unverständlich und habe mir gedacht, wieso haben die Frauen dieses Buch ausgesucht?

Dann bin ich aber in den Sog hineingekommen und finde es hochaktuell, sehr realistisch, die, die Probleme unserer Gesellschaft anreißen und in Frage stellen, wenn auch, wie schon geschrieben ein paar Unklarheiten bleiben, weil die Zukunft ist ja unserer Gegenwart voraus und ob die Welt, wenn es so weit ist, daß die Astronautinnen uns umkreisen, dann noch besteht oder nicht schon verglüht ist, stellen die Umweltaktivistinnen der “Letzten Generation” ja in Frage und ob, die Zimmermädchen, die Schwierikgeiten mit den Kindergartenöffnungszeiten haben und ihre Einkäufe nicht bezahlen können, wirklich alle mit den Topaustronauten zusammenleben, glaube ich auch nicht wirklich und von der Kindergärtnerin Fatima hätte ich gerne mehr bezüglich ihrer Geschichte erfahren.

Wer Lnus Vater ist würde mich auch interessieren. Aber vielleicht ist das in der Zukunft nicht mehr wichtig oder schon geklärt, wie zwei Frauen zu einem Kind kommen können.

Ein spannendes Buch, sehr realistisch, denn diese Themen interessieren mich ja sehr. Bis jetzt also Buch eins auf meinen Ranking. Ich habe aber drei andere noch nicht gelesen.

Der erste Weltkrieg aus Raphaela Edelbauers Sicht

Ich habe ja gerade Anton Thuswalders “Gegenkanons” gelesen, in dem es auch einen Beitrag, der 1990 geborenen Raphaela Edelbauer gibt, die ich ja einmal auf der Buch Wien kennenlernen, als sie ihr erstes experimentelles Buch vorstellte, mit dem sie dann auch in “Rauris” gewonnen hat. Dann kam die “Bachmann-Lesung” und das “Flüßige Land” das sowohl auf der deutschen als auch auf der österreichischen Shortlist stand. Ein tolles Buch.

“Dave” mit dem sie dan den Öst gewonnen hat, hat mir dann nicht so sehr zugesagt und jetzt das vierte Buch “Die Inkommensurablen” und wieder ein neuer Stil.

Thomas Glavinic hat das, glaube ich, vorgemacht, daß er für jedes seiner Bücher ,einen neuen Stil gefunden hat, Raphaela Edelbauer, die inzwischen glaube ich, auch an der Sprachkunst lehrt, wo sie einmal lernte, macht es nach, von dem Experimentellen, zum Anti-Heimatroman, wie es Daniela Strigl nannte, ich würde es eher als einen neuen Kafka Stil nennen, zur Science Ficton und jetzt zum ersten Weltkriegb, wo das Genre wieder gehörig gegengebürstet, wieder Strigl O Ton,, wurde und von dem Buch wo sich in den letzten Julitagen von 1914, wo der erste Weltkrieg ausgebrochen ist, drei Jugendlichen in Wien treffen und das das in seinem Untergrund gehörig erforschen, habe ich schon irgendwann gehört.

Die Literaturhauslesung heute war aber eine Premiere, deshalb war auch der Verleger da und das Literaturhaus ziemlich voll und ich hätte auch in die “Alte Schmiede” gehen können, wo Anne Cotten auftrat, habe mich dann für Raphaela Edelbauer entschieden, obwohl ich von dem Buch nicht so viel wußte und eigentlich mit Neuerscheinungen ziemlich ausgelastet bin, aber wieder oh Überraschung ein interessanter Roman und eine sehr selbstbewußte Autorin, mit einen Roman, den ich ziemlich widersprüchig fand denn da ist ein sechzehnjähriger Tiroler Knecht mit einer übersinnichen Gabe, der an jenen Julitagen nach Wien pligert ,um sich in psychoanalytische Behandlung begeben. Er hat aber kein Geld. Helene Ceresch nimmt ihn trotzdem auf und dann trifft er eine Klara, die sich gerade auf ihr Rigorosum in Mathematik vorbereitet und eine der ersten Studentinnen auf dieser Fakultät ist.

Daß, die wahrscheinlich der jüdischen Mittelschicht entstammend, sich mit einem Rossknecht abgibt, erscheint mir etwas fraglich. Einen Adam gibt es auch und die ziehen dann in der Kanalisation Wiens herum, denn Raphaela Edelbauer hat natürlich ihren Max Winter gelesen.

Interessant, interessat, die Kriegsbegeisterung in jenen Julitagen zu lesen und sie mit der, die uns seit einem Jahr umfangen hat, zu vergleichen und auch interessant, der Widerspruch zwischen Esoterik und Wissenschaft, wie Raphaela Edelbauer betonte. Da wurde einerseits so schnell, wie nie eine Impfung erfunden, während es auf der anderen Seite Virenleugner ßgibt. Da denke ich zwar, daß niemand die Viren leugnet, sonder eher die Maßnahmen kritisiert, mit denen sie bekämpft werden sollten.

Aber ein interessantes Buch und ein spannendes Gespräch mit Daniela Strigl. Nachher gabs wieder Wein und ich habe mich sehr lange und intensiv mit Helene Hoffmann unterhalten und mit ihr dann auch den Bücherschrank besucht, wo sie sehr fündig wurde. Ich habe eher den “Wortschatz” geplündert, mir den neuen Edelbauer-Roman bestellt und lese jetzt gerade das vierte Bloggerdebut-Buch.

Erinnerungen an Erika Danneberg

Ich habe die 1922 in Wien geborene und 2007 dort verstorbene Erika Danneberg, die am neunten Jänner ihren hundertersten Geburtstag gefeieiert hätte, 1978 oder 1979 im “Arbeitskreis schreibender Frauen” kennengelernt, in dem mich die Monika Jensen gebracht hat. Da hat es ja einmal im “Bund demokratischer Frauen” eine Veranstaltung “Warum Frauen schreiben?” gegeben, wo eine Menge Frauen mit ihren Manuskripten hingekommen sind, worauf sich dann der “Arbeitskreis” der sich zuerst im “Rotpunkt” in der Reinprechtsdorferstraße, später im WUK und ich glaube ich in Wohnungen getroffen haben. Marie Therese Kerschbaumer, Christa Stippinger, Elfriede Haslehner, Bruni Langthaer, Valerie Szabo-Lorenz, El Awadallaund viele andere habe ich dort getroffen.

Bärbl Danneberg ,die mit der Erika nicht verwandt und geschwängert ist, hat ihn glaube ich organisiert udd bis 1984 ist er, glaube ich, bestanden. Wir haben da ein Wochenende auf einen Berg in der Steiermark verbracht, eines auf einem Bauernhof, haben dann irgendwann auf dem vom Arthur West organisiejrten “Volksstimmefest” gelesen und auch einmal in der “Alten Schmiede”.

Erika Wimmer Mazohl, Christine Riccabona © Christl Greller

Das Honorar wurde dann nicht an uns ausbezahlt, sondern für den Arbeitskreis einbehalten und als der Arbeitskreis ein Verein wurde, bin ich nicht eingetreten. Habe mich aber jahrelang weiter mit der Bruni, der Elfriede, und der Valerie Szabo getroffen um unsere Texte zu besprechen.

1984 als ich schon hochschwanger war, habe ich bei einer zwölften Februar Veranstaltung,, die Erika Danneberg getroffen und kann mich erinnern daß ich sie nach dem Arbeitskreis gefragt habe, worauf sie mir sagte, daß es ihn nicht gäbe, weil seine Zeit vorüber sei, eine typische Erika Danneberg Aussage, wie ich heute sagen würde.

Weiter getroffen habe ich sie glaube ich dann bei der GAV,, in dem ich ja glaube ich, 1987 aufgenommen wurde und bei den “Linken Wort-Lesungen” am Volksstimmefest, da habe ich ja 1989 das erste Mal ohne Arbeitskreis, mit ein oder zwei Unterbrechungen bis 2020, wo es dann die Corona bedingten Unterbrechungen gab, gelesen habe und da gab es zu Lebzeiten von Arthur West immer nachher Kaffee und Kuchen. Den Letzteren von Edith West bebacken und da kann ich mich an viele Gespräche der engagierten aufrechten Kommunistin erinnern, die mich nicht dafür gehalten halt, was ich auch nicht bin, sondern wahrscheinlich nur lesen wollte, weshalb mein Verhältnis zu ihr wahrscheinlich auch ein eher distanziertes war.

Bei den Widerstandslesungen gegen schwarz blau hat sie gelesen und da kann ich mich erinnern, daß ich in dieser Zeit das Marlen Haushofer-Buch von Daniela Strigl gewonnen habe und darin ein Bild von ihr erblickte, was mich sehr erstaunte. Ich habe sie darauf angesprochen und erfahren, was ich vorher nicht wußte, daß sie in der Nachkriegszeit in der Litertarszene von Hans Weigel und Hermann Hakel sehr verhaftet und mit Marlen Haushofere auch sehr befreundet war. Sie hat sich von Weigel, weil der ja gegen die Kommunisten hetzte, distanziert, ist für Hakele sozusagen als Widergutmachung uns <judentum eingetreten, war mit ihm zehn <jahre verheiratet und später auch mit Friedrich Polakovis verheiratet oder lieert. Als sie sich dann von ihm trennte ist sie glaube ich auch in den Arbeitkreis gekommen.

Erika Wimmer Mazohl, Christl Greller, Christine Riccabona © Christl Greller

2002 wurde ihr achtzigster Geburtstag im “Siebenstern” gefeiert. Da habe ich ihr nach einigen Zögern meine “Schreibweisen” übergeben, das sie mir zurückschickte. Dabei ist das, glaube ich, kein bösartiges Buch, sondern der Versuch einen Krimi zu schreiben, ohne Gewalt zu gebrauchen.

Ich habe ihr dann einen Brief geschrieben und ihr darin versprochen, mich in Zukunft eher von ihr zu distanzieren, weil ich sie ja nicht ärgern will. Dieser Brief ist wahrscheinlich im Nachlaß zu finden, den zuerst Raimund Bahr verwaltet hat, der mit ihr sehr befreundet war.

Es hat auch einmal oder öfter einen Erika Danneberg-Preis gegeben und nach ihrem Tod eine Veranstaltung in der “Gesellschaft für Literatur”. Wann die war, weiß ich nicht mehr so genau, jedenfalls vor Sommer 2008c, sonst hätte ich schon darüber gebloggt und jetzt sind zwei Bücher über sie erschienen und zwar haben da ja Christine Ricabona und Erika Wimmer Mahzohl, die jetzt ihren Nachlaß im Brenner Institut verwalten zwei Bücher über sie herausgegeben, das eine über ihr Leben, das zweite als Roman und beide wurden im Oktober im Literaturhaus vorgestellt. Da habe ich nur gestreamt, weil ja zeitgleich der deutsche Buchpreis vergeben wurde und jetzt vor Weihnachten ein Mail von Alex Hartl bekommen, der jetzt die Volkkstimmelesungen organiert, mich da 2021 eingeladen, wo ich ich noch nicht sicher war, ob da ungeimpft und ungetestet lesen konnte und dann als das geklärt war, wieder ausgeladen hat oder nein, um nichts Falsches zu schreiben, ich hätte einen anderen Text, als den den ich dafür ausgesucht habe, lesen können, aber mit 3Gn, das heißt mit einem Bändchen am Arm, ohne das man sich dort keine Getränke hätten kaufen dürfen und 2022 hat es auch nicht geklappt, obwohl die Veranstaltung zum hundertersten Geburtstag der Erika Danneberg im Rahmen des “Linken Wortes” als Auftaktsveranstaltung sozusagen stattfand und da haben Christine Riccabona und Erika Wimmer wieder ihre Bücher vorgestellt.

Da war ich eingeladen über meine Arbeitskreiszeiten mit ihr zu erzählen und Heidi Ambrosch, die Frauenvorsitzende der KPÖ hat dann die politische Erika Danneberg vorgestellt, die in die KPÖ eingetreten ist, sogar am Parteiprogramm mitgeschrieben hat, später in Nicaragua Brigardeeinsätze machte und Sozialarbeiterinnen ausbildete, denn sie war ja Psychoanalytikerin und einige Bücher hat sie auch geschrieben.

Meine letzten Erinnerungen an sie waren die Veranstaltungen der “Frauen lesen Frauen” des “Ersten Wiener Lesetheaters” wahrscheinlich 2005 oder so, wo sie schon, glaube ich, eher krank war, die ihre Texte aufführten.

Dann habe ich in der “Gesellschaft für Literatur” und auch später in der “Alten Schmiede” von ihren Schwierigkeiten mit Hermann Hakel gehört und jetzt bin ich noch einmal in ihr Leben eingetaucht und habe in der “Alfred Klahr Gesellschaft”, wo die Veranstaltung stattfand, auch einige Bekannte, darunter Christl Greller,, die die Fotos beistellte getroffen und freue mich jetzt auf die Bücher und natürlich auf die nächste Lesung beim Volksstimmefest.

Stichwort Existenz Virginia Woolf und Ingeborg Bachmann

Die Stichwort Reihe in der “Alten Schmiede”, die von Brigitte Schwens-Harrant, Lydia Mischkulnig ,und Christa Zöchling von der ich, glaube ich, schon einige Veranstaltungen gehört habe, hat sich heute unter dem Stichwort Existenz der “Mrs Dalloway” und dem “Fall Franza” angenommen und da wurde der Roman der 1992 geborenen Virigina Woolf, der 1925, glaube ich, erschienen ist, sehr gelobt, der offenbar ähnlich, wie der “Ullysses”ko oder auch der Wiener Stadtroman “Wie süß schmeckt Schokolade” an einem einzigen Tag spielt und von einer Person zu einer anderen wechselt. Oder es geht in dem Frauenroman, wie es Christina Zöchling nannte, um Clarissa Dalloway, eine Frau der englischen Oberschicht, die am Abend, eine Gesellschaft oder Party gibt und dafür Blumen einkauft.

Es gibt noch einen Kriegstraumatisierten, der aus einen Fenster springt und einen ehemaligen Liebhaber oder Verehrer der schönen Clarissa und die hat dann noch eine Freundin namens Sally. Der Psychiater, der den Traumatisierten vorher behandelt hat, kommt auch auf die Party und Mrs Richard Dalloway sagt, er bringt den Tod in ihr Haus und die drei Frauen lobten den Roman auch sehr dafür, daß man durch ihn verstehen kann, wie die englische Monarchie und die dortige Klassengesellschaft funktioniert und das wäre auch meine Kritik daran oder ich habe mir die ganze Zeit gedacht, daß während Mrs Dalloway in London spazierenfährt, um die Bljumen zu kaufen, die Dienstmädchen in ihrem Haus wahrscheinlich das Buffet herstellen und dann kam die Brücke zum zweiten Kriegsroman oder auch dem Kriegsfragment “Der Fall Franza”, der erst posthum erschienen ist und den ich, glaube ich, als Studentin gelesen habe, mich aber nicht mehr so genau daran erinnern kann, so daß ich auf die Fragmente angewiesen bin, die die drei Frauen schilderten.

Da ist die Franza die mit einem Herrn Jordan verheiratet ist und der ist, glaube ich, auch Psychiater und hat seine Frau in eine Klinik eingewiesen, aus der sie flieht und mit ihrem Bruder einen Geologen zuerst in das fiktive Kärntner Dörfchen Galizien flieht und dann auch nach Ägypten fährt, wo sie dann umkommt und der Bruder verschwindet.

Lydia Mischkulnig, die übrigens sehr gehustet hat, Corona ist aber inzwischen vorüber und das Masken tragen out, hatte übrigens eine eigene Interpretation der Geschichte, die sich sehr dem Inzest annähert und Christa Zöchling erzählte, was ich nicht wußte, daß Hans Strotzka, bei dem ich während meines Studiums ja jeden Samstag seine Vorlesung hörte und dort auch die logischen Denker kennen lernte oder wiedertraf, Ingeborg Bachmann therapierte und zitierte dann noch einen anderen Psychiater der meinte, daß die Heilung der Menschen in den Katastrophen liegt, weil es in den KZs keine Neurosen gab, weil man da ja ums Überleben kämpfen mußten.

Die sind dann später wiedergekommen, würde ich vermuten und wurden auch an die Kinder und Kinderkinder vererbt. Es ist aber sicher interessant beide Romane wieder oder erst zu lesen.

Ich habe beide Bücher aber keine Zeit dazu, denn jetzt kommen ja bald die neuen Romane der Marlene Streeruwitz und der Milena Michiko Flasar an die Reihe und zumindestens die erste ist ja auch sehr sozial und gesellschaftskritisch.

Die Ruth war übrigens da, der Thomas Northoff, die Katharina Riese und Angelika Reitzer hat die Veranstaltung eingeleitet.

Vom Ohrenschmaus zum Lesetheater

Heidrun Weiss, Helmut Köstl, Andrea Pauli, Michael Wögerer
Ruth Aspöck

Die Bloggerdebutshortlist wurde vorige Woche bekannt gegeben und ich lese mich derzeit durch die Bücher. Die hundertacht “Ohrenschmaustexte” und die Einreichungen für den Schokosonderpreis zum Thema “Frieden” habe ich schon vorher angesehen. Dann konnte man eintragen, wann man Zeit für Jurysitzung hatte, die leider wieder bei Zoom stattfiand. Corona hat das eingeführt und natürlich ist es besser das digital zu machen, statt extra anzureissen und natürlich ist es vor allem wenn man nicht wirklich internetaffin ist, ein Kommunikationsverlust.

Es gibt wieder eine neue Organisatorin, die alles genau und perfekt vorbereitet hat. Barbara Rett, die jetzt wieder in der Jury ist, Vea Kaiser ist wie auch beim “Bachmann-Preis” ausgestiegen und Heinz Janisch haben sich entschuldigt. So waren nur Ludwig Laher, Günther Kaindlsdorfer und ich neben Franz Joseph Huanigg da und unsere Textvorschläge haben wir schon vorher bekanntgegeben.

So gab es diesmal erstaunlich viele Übereinstimmung und wir haben die drei Preisträger, wieder viele schöne Texte von zum Teil schon bekannten Autoren, sehr bald gefunden.

Die Ehrenliste wurde erstellt und die Schokoladentexte und ich werde wieder eine Laudatio halten, denn das tue ich ja sehr gern, war weil ich ja nicht impfen, testen und Maske tragen will, jetzt zwei Jahre behindert und die Preisverleihung wird am achten März stattfinden.

Dann hatte ich etwas Zeit wieder drei Szenen zu schreiben, beziehungsweise zu korrigieren. so daß ich von den “Drei Frauen” jetzt schon neunzehn Szenen, zweiundvierzigeinhalb Seiten und 19816 Worte habe und eine ungefähre Ahnung wie es weitergehen soll und weil ich seit Anfang Jänner so viele Webinare der Jurenka Jurk mitmachte, habe ich den festen Vorsatz im Jubiläumsjahr einen wirklich guten Roman zu haben, der länger als dreißigtausend Worten, eine spannende Handlung und weniger Schwäche hat und am Abend ist es dann ins Literaturhaus gegangen, hat da doch die Ruth ihr Grillparzer-Buch im Rahmen des Lesetheaters aufgeführt und dazu Michael Wögerer von der Kuba-Gesellschaft, Andrea Pauli und Heidrun Weiss eingeladen und am Schluß von ihren Pläen sich mit dem “Kloster von Sandomir” zu beschäftigen, erzählt. Gelesen wurde daraus nicht. Sie hat nur darauf hingewiesen, daß sie da im November auf Recherchereise war und mir davon zum Geburtstag auch ein schönes Häferl mitgebracht hat.

Nachher sind wir noch lange in der Neubauschenk gesessen und ein paar schöne Bücher habe ich auch gefunden. Es war also ein recht literarischer Tag, wie ich auch sehr literarisch in mein Jubläumsjahr gestartet bin.

Die Bestatterin von Killcross

Beim nächsten Buch kann man schön die Spannungsbögen, die ein guter Roman offenbar haben muß, ablesen. Das Genre ist nicht so ganz klar, ein Unterhaltungs- oder Liebesroman vielleicht oder auch eine alternative Form sich mit dem Sterben auseinanderzusetzen.

Die 1970 geborene irische Autorin Anne Griffin macht das vor und sie erzählt trotz aller Spannungsbögen eigentlich eine recht leise Geschichte und führt auch ein surreales Element ein, um die Handlung in Schwung zu bringen, die vielleicht auch eine Midlifekrisegeschichte ist oder nein, die Protagonistin Jeanie Masterson ist erst über dreißig und sie bricht gleich zu Beginn zusammen, als ihr Vater ihr bekannt gibt, daß er in den Ruhestand gehen und mit seiner Frau aufs Land ziehen und Jeanie die Bestattungsfirma übergeben will.

Das stürzt Jeanie in eine Krise. Dabei hat sie doch ein besonderes Talent. Se kann nämlich mit den Toten sprechen, während de für das Begräbnis hergerichtet werden, nach ihren Wünschen fragen und die dann an die Angehörigen weitergeben.

Der Vater kann es auch, seine Schwester Harry aber nicht, die balsamiert die Toten ein und das tut auch Jeanies Ehemann Niall und das löst eine Reise in die Vergangenheit aus und wir erfahren Jeanies Lebensgeschichte.

Sie hat Niall schon in der Schule kennengelernt, sich dann aber in den Fotografen Fionn verliebt, den sie nach London folgen soll. Kann sie aber nicht, ist sie doch Vollzeit in die Bestattungsfirma eingestiegen.

Es gibt auch einige Fallgeschichten, die uns berichten, was die Toten Jeanie oder ihren Vater erzählen. So gestehen sie beispielsweise, daß sie einen Kugelschreiber gestohlen haben oder gestehen ihre Liebe und wenn wir schon beim Schreibgeschehen sind, können wir auch nach den Prämissen fragen, den ein verdammt guter Roman ja haben soll.

Die Lebe zur Wahrheit könnte man sie benennen, denn Jeanie und ihr Vater geben nicht alles eins zu eins an die Angehörigen weiter, sondern beschönigen einiges, um die Angehörigen nicht zu verletzen. Jeanie lernt aber eine anderer Totenflüsterin kennen und die lebt ihr vor, daß man es auch anders machen kann.

Des Vaters Entschluss führt Jeanie jedenfalls in die Krise und sie überlegt, ob sie nicht vielleicht aussteigen und etwas ganz anderes machen soll. Ihr Mann tut das aus, denn er will ein Haus am Meer, einen Hund und ein Kind. Jeanie aber nicht. Denn was ist wenn das Kind dann ihre Gabe erbt und damit dann so überfordert wie sie selber ist?

Jea nie hat auch einen autistischen Bruder, der diese Gabe nicht hat und auf einmal liegt auch ihr Jugendfreund Fionn bei ihr im Bestattungszimmer. Das löst ein Fluchtverhalten auf. Liall hat sich schon früher zurückgezogen. Jeanie geht zuerst nach Norwegen zu einer Freundin, dann nach Frankreich zu der anderen Totenflüsterin und dahin kommt auch Tante Harry und verrät ein Geheimnis, nämlich, daß das Totenflüstern offenbar weiblich ist.

.Jeanie, Harry und die Französin können es. Der Vater nicht. Aber das hat der autoritäre Großvater nicht zulasen können, so mußte Harry dem Vater alles flüsternn und das löste dann die Mißverständisse aus, die Jeanie belasteten.

Es gibt natürlich ein Happyend und ich habe ein interessantes Buch einer irischen Autorin gelesen, das ein wenig abseits dem Buchpreisschema liegt.

Samson und Nadjeschda

Jetzt kommt etws zum Ukraine-Schwerpunkt, den ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, das neue oder letzte Buch des 1961 in St. Petersburg geborenen und auf Russisch schreibenden Andrej Kurkow, von dem ich schon einiges gelesen habe und den ich auch schon an verschiedeenn Orten hörte. So ist er, glaube ich, Stammgast auf der “Buch Wien” war bei der “Literatur im Herbst” und einmal in der Kunsthalle vor vielen Jahren bei einem Ukraine-Schwerpunkt hätte ich ihn fast zu meinen Geburtstagsfest eingeladen, mich das dann aber doch nicht getraut, obwohl ich mich intensiv mit ihm unterhalten habe.

Das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe, war “Picknick auf dem Eis”, dann kam der “Volkskontrolleur” und jetzt “Samson und Nadjeschka” und der Stil in dem Kurkow schreibt, könnte man wahrscheinlich phantastischen Realismus benennen.

“Ein später Bulgakov, ein ukrainischer Murakami, steht am Buchrücken und der Roman oder der erste Teil davon, spielt 1919 in Kiew. Da ist der junge Elektrotechnikstudent Samson, der gleich zu Beginn des Buchs mit seinem Vater von Rotarmisten überfallen wurden. Der Vater wird getötet, Samson verliert ein Ohr und das besondere auch skurille an der Geschichte ist, daß er mit diesem abgeschnittenen Ohr hören kann. Ein Einfall Kurkows, überall erwähnt, aber eigentlich nicht das Hauptstück des Buchs. Samson bleibt jedenfalls allein in seiner großen Wohnung zurück, wird von der Portiersfrau betreut, die ihm rät, das er heiraten soll und dafür die strenge Nadjeschda aussucht, die in einer Art statistischen Zentralamt arbeitet.

Samson wird von einem Augenarzt betreut, der seine Verbände wechselt und in seine Wohnung dringen zwei Rotarmisten, Anton und Fjodor ein, die bei ihm wohnen wollen. Sie hauen den Schreibtisch aus dem Arbeitszimmer seines Vater hinaus. Der kommt auf die Milizstation und Samson wird dort gleich als Polizist eingestellt, weil er gut schreiben kann.

Dann passieren wieder ein paar skurille Dinge und welche die ganz realistisch sind, zum Beispiel, das Essen in der sowetischen Kantine und die Hafergrütze, die es dort auf Bons, aber ohne Brot gibt.

Dann bemerkt Samson, daß seine zwei Rotgardisten requirierte Säcke in seine Wohnung schleppen und abhauen wollen.

Er läßt sie verhaften und findet in den Säcken Silber und seltsam zusammengeheftet Stoffstücke. Die Spur führt dann zu einem deutschen Schneider und einen Belgier namens jakobson mit einer Knochenkrankheit, der von einem Arzt gesagt bekommen hat, daß ihn Silberknochen heilen könnten.

Nadjeschda zieht inzwischen bei Samson ein, der befördert wird und Fortsetzung folgt. Also haben wir etwas, auf das wir uns freuen können. Aber ich habe ja noch den zweiten Tel des “Volkskontrolleur” und ein “Ukrainisches Tagebuch” ungelesen in meinen Regalen liegen.