In drei Wochen mit dem Rohtext fertig

Ich weiß, da plane ich immer mein Romanplanjahr .und nehme mir immer vor diesmal wirklich länger zu werden und mir Zeit zu lassen. Dann bin ich nach einigen Wochen fertig und diesmal sinds mit dem jetzigen Stand, vierzig Szenen, neunundsiebzig Seiten und 37.814 Worte und den fünfzigtausend, die der “Nano”verlangt und da habe ich schon gehört, daß das sehr wenig bist, keine Spur.

Drei Wochen habe ich diesmal gebraucht. Ende des letzten Jahres ist mir glaube ich die Idee von den drei Frauen, eine aus Bratislava, eine aus Prag und eine aus Budapest gekommen und habe, glaube ich, am Feiertag, den sechsten zum Schreiben angefangen.

Eigentlich ist es wieder gut gegangen und ich bin mit meinen Schreiben zufrieden. Beim “Sozialen Kreditsystem”, das nächste Woche kommen soll, war das ein bißchen anders. Da ist das nicht so geflutscht und ich habe die erste Szene mehrmals verändert und auch mit Unterbrechungen ein halbes Jahr gebraucht.

Aber sonst geht es mir mit dem Schreiben eigentlich gut und ich kann mich erinnern, daß ich vor vielen Jahren, in den Siebzigern oder Achtzigern vielleicht, die Vali einmal sagte, daß ihr die Idee nur so zuströmen würden, dachte “Wui, das würde ich auch sehr gerne!”

Das hat sich geändert. Ich finde immer sehr schnell neue Ideen. Im Moment habe ich noch nichts, aber auch noch sehr viel Überarbeitsarbeit vor mir. Denn der Rohtext ist ja nur so dahingeflitzt. Zu großen Veränderungen kommt es bei mir meistens nicht. Aber ich denke, ich habe eigentlich die Spannungsbögen und habe mich da wahrscheinlich auch an der Jurenka Jurk und ihren Romanfahrplan orientiert und am Anfang war es so, daß ich zwar die drei Frauen hatte, aber nicht wirklich wußte um was es eigentlich dabei geht?

Was das über Thema, also die Promisse ist. Dann habe ich mir gedacht, da habe ich drei Handlungstränge. Die Zsofi flüchtet vor Viktor Orban nach Wien und baut hier ihr Portal auf. Die Katalin will wieder in den Beruf einsteigen und probt in ihren Trio, soviel das mit drei Kindern eben geht und die Jelena ist mit ihrer Mutter, ihren Bruder ihrer Lehre überfordert, findet aber einen Freund.

Das war es dann und ich finde es eigentlich spannend. Habe ein paar Anspielungen drinnen. Zum Beispiel, das Farbenquartett, den blauen oder schwarzen Anzugmann, die grüne Frau und die rote, die vielleicht die Marlene Streeruwitz im weißen Hosenanzug ist. Motive, die schon in der “Viertagebuchfrau, da in Form von Ostereiern, vorkommen. Literarische Anspielungen, beziehungsweise Bücher gibt es auch.

Die “Tage im Mai”, der Marlene Streeruwitz, “Oben Erde, unten Himmel”, der Milena Michiko Flasar und Laszlo Barnas “Bis ans Ende unserer Leben” tausendund sehr flott in drei Wochen fünfunddreißig Worte dahingeschrieben. Nach dem Korrigeren werden es wohl fünftausend weniger sein und beim letzten der “Flora Faun”, die ich während des “Nanowrimos” geschrieben habe, waren es nach zwei Wochen über fünfzigtausend Worte, der Text der jetzt beim Alfred liegt hat 44.076 Worte.

im Vorjahr habe ich nach den Jurenka Jurk Webinar mit dem “Frauenleben” angefangen, da war ich auch nach einem Monat fertig.

Die “Uhren” waren besonders kurz. Aber da habe ich schon vorhandene Szenen in eine Rahmenhandlung eingefügt und “Die gestohlenen Jahre”die auch sehr schnell vor sich gegangen sind, haben auch nur fünfunddreißigtausend Worte.

Ja, ich werde immer schneller, obwohl ich es am Anfang immer länger anlegen will. Macht aber nichts, wenn es flüssig ist. Die Leute wollen ohnehin nicht so viel lesen, obwohl ich natürlich immer länger, genauer und sorgfältiger werden will.

Bei der “Radiosonate” mit der ich den Blog begonnen habe, war das anders. Da habe ich mich an die Jahresstruktur gehalten und das ist ein wirklich dicken Buch.

Die “Absturzgefahr”, die dann folgte, hatte auch sechzigtausend Worte. Aber jetzt bleibe ich, wenn ich nicht die “Nanostruktur” habe, bei den dreißigtausend Worten und bei den “Nanos” habe ich auch schon öfter angestückelt.

Macht ja nichts, muß nicht lange sein, obwohl ich gründlich überarbeiten will. Einige Unklarheiten habe ich noch drinnen und ich werde auch die Tips der Jurenka Jurk anwenden. Die sieben Stufen nochmals durchgehen und schauen wie es wird? Ob sich was verändert und eigentlich gefällt mir die Geschichte sehr und sie ist auch weniger abgelutscht, als es vielleicht bei früheren Texten war.

Liebe ist gewaltig

Das letzte Buch der Bloggerdebutshortlist ist dem vierten, “Nordstadt” sehr ähnlich, wie es überhaupt bei drei oder vier Büchern auf dieser Liste umd die Identitätsfindung und das Aufwachsen in häuslicher und gesellschaftlicher Gewalt geht.

“Liebe ist gewaltig” der 1986 in Tübingen geborenen Cludia Schumacher ist erzählender und vielleicht auch ein wenig kitschiger, als Annika Brüsings Debut. Es schweift mehr herum und ist vielleicht auch ein wenig unglaubwürdiger. So wirkt die Anwaltmutter manchmal wie eine Hausfrau, die zu Mittag zu Hause ist und für ihre Lieben kocht und der wahrscheinlich dreißigjährige Bruder wird gleich Bürgermeister des Städtchen.

Die Einstiegsszene, die 2007 spielt, ist aber schon mal sehr gewaltig. Da ist die Heldin, Juli, Jules genannt, die sich später Julia nennt, siebzehn und ist von ihren Eltern in ein Sanatorium gebracht worden, wo sie sich erholen soll und ist hier mit Dementen und Bunouts zusammen, passt also nicht hin.

Vielleicht passt sie auch nicht nach Ederfingen, das ist ein Vorort von Stuttgart, wo sie in einer Vorzeigefamilie, beide Eltern Anwälte mit drei Geschwistern aufwächst. Eine Vorzeigefamilie mit dem reinen Glück, dabei ist der Vater sehr gewaltig und der Teppich hat Blutflecken, die Mutter beschwichtigt, lächelt immer und versucht alles mit neuen Klamotten und McDonald Besuchen auszugleichen.

Juli fliegt, weil sie auch gewalttätig sein kann, aus der Kur hinaus, soll in eine Psychiatrie kommen, die Mutter holt sie aber ab und bringt sie in die Villa zurück und hier findet Juli vorläufig ihr Glück in einer kleinen Maus, die sie aufzupäppeln versucht. Der Vater erlaubt ihr zuerst sie zu behalten. Später setzt er sie in Beisein der Mutter aus, aber von Menschen aufgezogene Mäusen können in der freien Wildbahn nicht überleben, “weil sie den Katzen gleich ins Maul marschieren”.

Juli rastet also wieder aus und verläßt das Elternhaus. Später, 2014, da ist sie erfolgreiche Gamerin, lebt in Berlin und soll ihr Mathematikstudium abschließen, kehrt sie zum sechzigsten Geburtstag des Vaters zurück. Was auch in einer Katastrophe endet. Sie beschimpft den Gratulanten. Der älteste Bruder ist inzwischen Bürgermeister des Städtchens geworden und sehr aufstiegsorientiert. Nur der Bruder Bruno ist ihr Halt. Sie klagt den Vater in Beisein aller der Gewalttätigkeit an. Schweigen folgt, der Vater sagt sie ist hysterisch und bildet sich das nur ein und niemand glaubt ihr.

So verläßt sie die Party und fliegt nach London, um ihre Exfreundin Sanyu, die eigentlich Sandy heißt, zu treffen, die sie aber gar nicht hineinläßt und in einer Disko hat sie auch jemand zusammengeschlagen und muß mit einer Anzeige rechnen. Der Vater, der das öfter macht, boxt sie hinaus und 2016 heißt sie dann Julia, was mich Anfangs beim Lesen sehr verwirrte, weil ich mich nicht auskannte, wer diese Julia ist jetzt ist?

Sie ist, wird ihr ihr Bruder Bruno später schreiben, eine “runtergedummte Barbie-Version”, denn sie hat sich ihren Freund Thilo, einen Aufsteiger aus Sachsen, sehr angepasst und sich äußerlich sehr verändert, kocht und backt für ihren Freund, hat die Wohnung umgestaltet und ihr Inneres total verdrängt.

Sie wird sich aber wieder finden und nach Berlin zurückkehren und wie es weiter geht, können wir nur ahnen oder uns erhoffen, daß es nicht in dieser Art und Weise weitergeht.

Sehr viel Gewalt also, die die Dreißig bis Verzigjährigen, die heute Bücher schreiben, in ihrer Jugend erlebten.

Ronja von Rönne, die das Buch sehr lobte, ist wahrscheinlich auch eine davon, Helene Hegemann, etcetera und die Danksagung, wo man den Schreibverlauf gut verfolgen kann, ist sehr lang.