Fragenkatalog für die Versöhnungskommission

Nachdem die ÖVP bei der Niederösterreich-Wahl die absolute Mehrheit verloren hat, weil immer wieder die Aussagen von Johanna Mikl-Leitner zu den “Ungeimpften” die sie vor cirka einem Jahr bezüglich der Impfpflicht geäußert hat, wiederholt wurden und die FPÖ einen Corona- Untersuchungsausschuß gefordert hat.

Die Maßnahmen wurden jetzt als für beendet geplant bekanntgegeben. Im April bzw. Juni wird es dann soweit sein, daß alle Maßnahmen fallen werden. Ein neues Epidemiegesetz, wo eine Impfpflicht jederzeit wieder eingeführt werden kann, ist zwar schon in Vorbereitung und in Wien muß man noch bis Ende Februar mit FFP 2-Maske in den Öffis fahren und die Hälfte der Leute tun das auch, wie ich interessiert beobachte, wenn ich an einem Bus oder Straßenbahn vorübergehe, hat jetzt auch Kanzler Nehammer die Hand ausgestreckt, um etwas gegen die Spaltung der Gesellschaft zu tun und bekanntgegeben, daß er eine Untersuchungskommission einführen will, die dann zu Ostern die Pandemie aufarbeiten wird, denn man konnte ja nicht anders. Wenn man die Gesundheit bewahren und die Menschheit retten will, ist alles erlaubt, verkündete er ungefähr und sprach wieder und noch immer von Impfgegnern und Coronaleugner denen man es nicht recht machen kann.

Aber war es wirklich so?

Ich habe noch den Satz von März 2020 im Ohr, daß die meisten das Virus gar nicht merken werden und nur die Alten geschützt werden müßen. Trotzdem der scharfe Lockdown, das Spazierengehen war, glaube ich, erlaubt, aber das Niedersetzen auf einer Parkbank verboten, den über Sechzigjährigen wurde geraten zu Hause zu bleiben und sich einkaufen zu lassen. Die Spielplätze und die Bundesgärten waren geschlossen und man sah die Bilder von Bergamo mit den Särgen, wo man jetzt, glaube ich, weiß, daß das falsche Fotos waren und ich glaube auch das Interview, das man mit einem überforderten maskierten Arzt führte, war einmal mit Standort Italien, einmal mit New York angegeben und, daß man in Bergamo und auch in Schweden zuerst falsch behandelt hat, das heißt zu früh beatmet und die alten Leute aus dem Spital wieder ins Pflegeheim entließ, wo sie dann alle ansteckten, weiß man jetzt. Damals hat man es nicht gewusst und so höre ich immer die ersten scharfen Maßnahmen bis Ostern waren okay, da wusste man es nicht besser.

Man hörte aber auch, daß die Definition der Pandemie geändert worden war und, daß es auch Planungen gegeben hat, wie man im Falle einer Pandemie am besten vorgeht und dann hörte man auch Bill Gates will alle impfen, einen Chips einpflanzen, etcetera.

Das fiel dann unter Verschwörungstheorien und der Chip ist glaube ich auch nicht notwendig, das geht wahrscheinlich schon viel einfacher, daß aber geimpft werden sollte und die Pharmafirmen ihr Geschäft witterten, ist, glaube ich, bewiesen.

Nicht hinterfragen hörte man und dann marschierte die Polizei auf mit dem Abstandsmesser, verlangte Meldezettel, wenn man zu zweit spazierenging, verbat den Müttern mit ihren Kindern Fußball zu spilen und verlangte hohe Strafen, wenn sie es trotzdem taten.

Es kam dann zu Lockerungen und zu einem Herbst und einem Winter wo dann die ersten Impfungen durchgeführt wurden und die Massentests zum Freitesten mutierte. Die App mit dem man seinen Bewegungsradius verfolgen konnte, hat dann nicht so funktioniert. Das wollten die Leute nicht. Man musse sich in den Gasthäusern registrieren und war man positiv kam kein Arzt, sondern die Polizei, die überwachte, daß man zu Hause blieb und dann blieben die Leute so lange unbehandelt zu Hause bis es nicht mehr anders ging und sie auf der Intensivstation landeten, weil die Lungendruckgeräte die helfen hätten können, nicht verteilt wurden.

Dann kamen wieder Lockerungen. In Wien natürlich nicht, da musste man im Sommer 2021 auch in den Gastgärten einen Test oder Impfnachweis bringen, obwohl man immer hörte, im Freien ist es nicht ansteckend und die Spitäler wurden auch nicht aufgestockt und ich kann mich noch an die Aussagen von Minister Mückstein, der es als TCM Arzt eigentlich besser hätte wissen müssen, erinnern, daß ein gute Immunsystem nicht hilft und wenn man sich nicht impfen läßt, dann wird man sterben….

Das hat ein hochgradiger Mediziner, glaube ich, noch im letzten Sommer gesagt, als längst Omikron vorherrschte und die Leute zwar positiv, aber meistens nicht krank wurden.

Ein mllder Verlauf hörte man und die Kinder mussten Masken tragen und sich dreimal in der Woche testen lassen und als es im November 2021 besonders hektisch wurden, weil die Impfquote nicht so, wie gewünscht stieg, wurde ein enormer Druck ausgelöst.

Man muß sich impfen lassen weil man sonst nie mehr in ein Kaffeehaus oder zum Friseur gehen kann und von der Solidarität und dem Schutz der anderen wurden gesprochen.

“Wer will denn neben einem Umgeimpften sitzen?”, als ob die automatisch ansteckend wären? Das habe ich öfter gehört und auch, daß man, wenn man sich nicht impfen lässt nicht mehr im Spital behandelt wird, seine Wohnung verlieren kann oder besonders fies, wenn man jemanden ansteckt wird man wegen fahrläßiger Tötung oder Totschlag angezeigt.

Das hat dann wie die “Pandemie der Ungeimpften” nicht lang gehalten, denn als dann die Impfpflicht kam, war klar. Die Impfung hält nicht, was sie versprechen sollte. Man ist trotzdem ansteckend und eine “Pandemie der Ungeimpften” gibt es nicht und die Gesellschaft war trotzdem gespalten, denn wenn jemand unsolidarisch ist, darf er eben nicht überall sein Leberkäsesemmerl essen und Schuhe kaufen darf er ebenfalls nicht und es erscheint mir immer noch skurril, daß man seinen Ausweis und seinen Impfpaß herzeigen mußte, wenn man in einem Geschäft etwas kaufen wollten.

Nun gut muß man nicht und in die Lebensmittelgeschäfte durfte man mit FFP2-Maske auch und man konnte sich auch liefern lassen oder am Markt einkaufen und den Punsch dann halt statt am Christkindlmarkt am Würstelstand einkaufen.

Trotzdem Fragen über Fragen, denn, daß sich die Viren abschwächen und auch die spanische Grippe mal verschwunden ist, das wurde nicht geglaubt, beziehungsweise als unwissenschaftlich erklärt, wenn man das hinterfragte. Das gibt es nicht, man kann sich trotzdem schwer krank werden und Minister Lauterbach sprach von dem Killervirus das sicher diesen Winter kommt.

Jetzt sagt er etwas anderes und gibt, glaube ich, auch zu, daß die Schulschließungen nicht nötig waren. Denn die Kinder haben Schlaf- und Eßstörungen, hat man ihnen ja eingeredet, daß sie schuld sind, wenn die Oma stirbt und Sprachentwicklungsverzögerungen haben sie wohl auch abbekommen, weil man von maskierten Kindergärtnerinnen das Sprechen wahrscheinlich nicht richtig lernt.

Aber nicht hinterfragen und wenn man meinte, daß man mit dem Virus leben lernen muß, war man gleich ein Nazi auch wenn man auf eine Anti-Maßnahmendemo ging und da vielleicht keine Maske trug, weil man das ja sonst im Freien auch nicht mußte.

Aber dann kam Omikron und die Impfpflicht wurde ausgesetzt, die Pandemie für beendet erklärt, obwohl es, glaube ich, immer noch täglich ein paar tausend positiv Getestete gibt, obwohl ja nicht mehr soviel getestet wird.

Also außer Spesen und Schäden nichts gewesen und auch wenn Professor Bhakdi als Nazi diffamiert wurde und Konstantina Rösch ihre ärztliche Lizenz verloren hat und nur bestimmte Experten zu Wort kamen, hat man jetzt wohl erkannt, daß es nichts bringt wenn man mit Kanonen auf Spatzen schießt, denn dann ist alles kaputt und die Spatzen flattern munter davon und, daß die Null Covid Theorie mit der sich wohl so manche Experten den Nobelpreis erhofften, nicht weiterkommt, haben inzwischen auch die Chinesen erkannt.

Also alle Maßnahmen weg, aber die Menschen werden verstört zurückgelassen, haben die vielen Tests und Masken ja Milliarden gekostet. Österreich war ja Testweltmeister, obwohl auch bald klar war, daß die nicht so richtig differenzierten und Massentests nichts bringen.

Einige Firmen haben wohl sehr gut daran verdient. Die Pharmafirmen auch und die Inflation liegt jetzt bei elf Prozent. Eigentlich ganz klar, aber da ist, höre ich, nicht die Pandemie schuld, sondern der Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine und die starke Angstwelle mit der die Leute im Frühling 2020 dazu gebracht wurden, nicht zu hinterfragen und die Maßnahmen mitzumachen, weil sie sonst Gefährder waren, wurden längst dadurch ersetzt, daß man ein Volksfeind ist, wenn man für den Frieden und gegen die Waffenlieferungen in der Ukraine war.

Denn wir müssen den Krieg gewinnen und für den Frieden frieren und dann hörte man noch, daß der Mittelstand zerschlagen wird und man nicht wissen wird, ob man essen oder heizen soll und vor der nächsten Stromrechnung haben auch alle Angst.

Uje, uje, also auch nicht viel besser und, daß der “Standard” und der “Falter” umgefallen ist und der ORF auch sehr seltsame Nachrichten über die sogenannten Maßnahmenkritiker brachten, “Denn das sind alles Schwurbler, Aluhutträger oder Nazis und glauben, daß die Erde eine Scheibe ist!”, ist auch nicht besser.

Und dahin zielt auch meine nächste Frage. Warum sind alle Nazis, die sagen, daß man, wie die Schweden auch anders mit dem Virus umgehen hätte können, was jetzt eigentlich erwiesen ist.

Aber nein, das geht nicht, auf die Eigenverantwortlichkeit, was wohl das Gescheiteste gewesen wäre, denn es kann ja jeder der es wollte, eine Maske tragen und sich impfen lassen, konnte man sich nicht verlassen, da mussten schon die Zwangsmaßnahmen her.

Uje, uje und das Ganze hat drei Jahre gedauert. Die Pandemie ist jetzt vorbei. Die Inflation und die Angst vor dem dritten Weltkrieg aber da und auch die Klimakatastrophen und da kann es ja jederzeit einen Klimalockdown geben, wenn das bei der Pandemie so gut gewirkt hat.

Aber trotzdem, keine Maßnahmen mehr und, daß es täglich viertausend positve Testse gibt, darüber wird nicht mehr geredet. Es sind auch nicht wirklich viele Leute krank oder nur verschnupft oder haben leichte Symptome und ich würde mir ebenfalls eine ehrliche Aufarbeitung wünschen, bin aber sehr skeptisch, daß das geschehen wird.

Aber warten wir ab, wie es weitergehen wird und ich habe meine Meinung immer geschrieben. Habe gebloggt und gebloggt und sogar zwölf Corona Bücher geschrieben, wo man den Verlauf und die Stimmung der letzten drei Jahre ganz gut nachlesen kann.

Die Sprache der Sonne

Ein Roman des 1969 in Hamburg geborenen Matthias Görlitz, der in St. Louis lebt und an der Washington Universität lehrt, auch Lyriker und Übersetzer ist, mit dem er sich nach Istanbul begibt, beziehungsweise dorthin seine Protagonisgtin Lee schickt, um ihre Doktorarbeit über ihre Großmutter Helene fertig zu schreiben und ihren Spuren, die sie dort hinterließ zu erforschen.

Denn Gromutter Helene, eine Jüdin hat sich, nach dem sie in die Schweiz geflüchtet war, nach Istanbul begeben. Hat dort gelehrt, bevor sie nach Amerika kam und dort an der Universität tätig war, an der Lee jetzt forscht.

Mit den Tagebüchern ihrer Großmutter fliegt sie aus Berlin, wo sie Zwischenstation machte, nach Istanbul. Da hat sie ihren türkischen Freund verlassen und will jetzt das Verhältnis ihrer Großmutter zu dem 1900 in Wien geborenen Georg Naumann, der noch am ersten Weltkrieg mitmachte, dort verwundet wurde und jetzt in einem Spital in Istanbul lebt, erforschen.

Das Buch spielt im Jahr 2016-2017. Georg Naumann ist also, etwas unrealistisch hundertsechzehn Jahre alt und will den ältesten Menschen der Welt übertrumpfen, was ihm, wie ich anmerken kann, nicht gelingt.

Er stirbt im Sommer 2016 nachdem er bekannte, daß er Lees Großvater ist und Lees Mutter Marie odee Mary stirbt kurz vorher und deren Verhältnis zu ihrer Mutter war nicht sehr gut und das Buch, kleingedruckte dreihundertdreißig Seiten, die gar nicht so leicht zu lesen waren, ich habe eine knappe Woche dazu gebraucht, pendelt nun zwischen dem Istanbul von 1936 und 37 zu dem von 2016 hin und her und erzählt im Großen und Ganzen Georg Neumanns Geschichte, die, wie sein hohes Alter eine sehr widersprüchige ist.

Wie schon geschrieben in Wien geboren, sein Vater ein Hofrat, glaube ich, war ein echter Österreicher, der Monarchie nachtrauernd wahrscheinlich, während sein Sohn sowohl an das neue Deutschland glaubte, als auch von der Orentalistik sehr begeistert ist.

Das studiert er lange und schließt es nie ab, schreibt für verschiedene Zeitungen über die neue Türkei. Seine Artikel werden von den deutschen Redakteuren aber umgeschrieben und die Liebe zu Männern prägt ihn auch.

Da gibt ein leidenschaftliches Verhältnis zu einem Ulrich van Stetten, der dann nach Istanbul geht. Naumann wird von den Nazis erwischt und zum Spitzeln nach Istanbul geschickt. Dort findet er seinen Ulrich aber nicht, dringt nicht zu ihm vor, wird einmal auch verfolgt und dann gefoltert, bis er dann auf Lees Großmutter trifft.

Eine Begegnung zu Atatürk der in den Dreißigerjahren, die deutschen jüdischen Wissenschaftler nach istanbul holten, damit sie sein Land reformieren gibt es auch.

So wirkt der Roman teilweise, wie ein Sachbuch und ist daher schwer zu lesen, weil die spannende Handlung eigentlich fehlt oder die, die es gibt, langatmig und langweilig wirkt.

Man erfährt aber viel über die jüdischen Wissenschaftler, die damals nach Istanbul gingen und dort ihre Vorlesungen hielten. Der 1957 in Conneticut verstorbene Literaturwissenschaftler Erich Auerbach beispielweise, der zehn Jahre in Istanbul forschte.

Es gibt aber auch viele literarische Anspielungen. Orhan Pamuk, der Nobelpreisträger von 2006 wird erwähnt. Aber auch der Putsch von 2016. Matthias Görlitz scheint da sehr gelehrt zu sein, viel zu wissen oder genau recherchiert zu haben. Deshalb ist das Buch und die Rolle Istanbul in den Dreißigerjahren aber auch in der Jetztzeit, die sehr lebeding geschildert wird, auch sehr interessant und es lohnt sich wahrscheinlich es zu lesen.

schlafbaum-variationen

Neue Gedichte des 1972 in München geborenen Nico Bleutge, der 2012 den “Erich Fried Preis” bekonnen hat, von wo ich ihn auch kenne. Seine “Drei Fliegen” – “über Gedichte” habe ich gelesen und jetzt ein neuer Band. In schöner Kleinschrift geschrieben, was manche Gemüter, siehe das “Literaturcafe” aufrege nmag und zum Duden greifen läßt.

Aber trotzdem schöne Sprache und zum Lesen sehr empfehlen, die drei Teile, die der Band, den ich als e pub gelesen habe, enthält.

“anfangen wieder”, beginnt der erste Teil gleich mit einem Langgedicht. Dann geht es zur “schneebeere” über, “schneebeere, leichthin weiße mit überhängenden zweigen- in mein zimmer ist ein fremder vogel gekommen” heißt es weiter “fuchshaft.sorge wetzte die steine”.

Dann geht es zu den dreiteiligen “funken”. “nehme die nase der kleinen/ zu meiner nase./ frage ich nicht: warum. geduld nur/ geduld. das läßt sich/ hören, das läßt sich strecken,”

Im zweiten Teil geht es sehr beeindruckend “ins klinikum”

“da ist der mann/der liegt in der klinik Regensburg/ da ist der raum/ da ist der plan/ da ist der film/ wo ist der mann?/ der liegt in der klinik Regensburg/ sechs tage lang/ der plan ist leer/ und ohne raum/ das war in der klinik in Regensburg”

Mit “hufe zählen” geht es weiter. Da ändert sich das Schriftbild, das sonst eher konventionell ist, einige Male, bevor es mit “pelzentbehrt” weitergeht.

“und drüben bleiben, lethe/und blüte, kein bleistift/ zwischen/den klappen-/ pelzentbehrt. heißt ohne/stachel”, bis es mit dem dritten Teil weitergeht.

Der ist dem titelgebenden Langgedicht gewidmet, wo sich plötzlich die Falken in den Schlafbäumen wiegen und sich plötzlich in den Lüften hunderte von Vögel befanden.

“natürlich kann es sein, daß ich mich falsch erinnere”, schreibt Nico Bleutge und das “daß” Kritiker, steht hier so geschrieben und kommt dann zu den Staren.

“die stare hattest du gemeint, nicht die flocken.die stare als könnten sie sprechen.”

“auf der schulter des bären sitzt ein kleiner falke” geht es weiter

“mit einem schnabel der langsam anwächst

an seiner spitze zwei schartige spitzen

aus grauen honiglicht”

“schon möglich, daß krähen/im kopf sind die dort nicht hin/gehören etwas zischt/in den büschen vielleicht/ein nest”

“nicht den wald aufessen!/ was ist los mit dir?/nur noch ein bißchen mehr”, uns so weiter und so fort mit den vogelreichen Versen, bis es zu den Anmerkungen geht, die verraten, daß Nico Beutge, die wichtigsten Anregungen von Elke Erb, Friedrich Hölderlin, Terezia Mora, Elisabeth Bishop, die auch das Motto für den dritten Teil gestiftet hat,Thomas Kling, Rosmarie Waldrop, Ilse Aichinger y und vielen mehr bekommen hat und ich habe mich wieder obwohl es noch gar nicht März ist in die schöne Sprache eines poetischen Lrikers einlesen können, aber Gedichte, merke ich an, kann man ja das ganze Jahr über lesen und sollte das auch tun.

Drei verrissene Bücher

Wieder einmal “Tea for three” in der Hecklounge der Hauptbücherei, obwohl ich zu ja zu literarischen Soireen nicht mehr so oft gehe, sondern die Bücher lieber selber lese. Aber heute kein anderes Programm. In der “Gesellschaft” und in im Literaturhaus gabs keine Veranstaltung, die “Alte Schmiede” ist nach Graz gegangen. Dann gabs natürlich den Opernball und die Demos dagegen, aber da bin ich weder noch hingegangen.

Also in die Hauptbücherei hinausgewandert, wo sich Klaus Nüchtern und Daniela Strigl immer einen Literaturexperten einladen und drei Bücher vorstellen oder besprechen. Das Publikum muß zuhören, das find ich inzwischen böd, daß man da nicht mitreden kann und einmal vor Jahren habe ich dort auch ein Buch vorgestellt.

Jetzt ging es um Elfriede Jelineks “Angabe der Person” von dem ich schon gehört habe, als ich mir im November den Jelinek Film angeschaut habe und mich an einem diesbezüglichen Gewinnspiel beteiligt habe.

Der Literaturwissenschaftler Wolfgang Straub, der diesmalige Gast hat es vorgeschlagen und vorgestellt und da geht es um einen Steuerprozeß in dem Elfriede Jelinek einmal verwickelt war. Die Deutschen wollten Geld von ihr, weil sie dort offenbar einen Nebenwohnsitz hat und haben sich nach ihrer Person erkundigt. Sie hat sich verfolgt gefühlt und das dann gleich mit der Verfolgung ihrer Familie durch die Nazis gleich gesetzt und das Ganze im Fließtext ohne Genrebezeichnung herausgegeben, beziehungsweise dann über Gott und die Welt frei weiterassoziiert.

Ich fand das spannend, Klaus Nüchtern, der strenge Literaturkritiker und Literaturkritikpreisträger weniger und dann kam die Überraschung, nämlich ein Buch das ich schon im Badezimmer liegen habe und das Daniela Strigl vor ein paar Wochen im Literaturhaus vorgestellt bzw. dort Raphaelas Edelbauers “Inkommensurrablen” moderiert hat. Jetzt hat Klaus Nüchtern das Buch eingeleitet und Wolfgang Straub hat sich dann darüber mokiert, daß der Rußknecht Hans aus Nordtirol nach Wien anreist und am Südbhnhof ankommt.

Richtig 1914 wahrscheinlich nicht, heute aber schon und Klaus Nüchtern hat das Buch dann ziemlich verrissen und seine übertriebene Sprache bemängelt. Daniela Strigl hat es mild als versuchten Expressionismus verteidigt, aber Klaus Nüchtern hat es nicht gefallen.

Jetzt bin ich gespannt, was ich dazu schreiben werde und das dritte Buch ist immer ein Kassiker und diesmal ein Buch, das mich ratlos machte, weil noch nie etwas davon gehört und ich aus der Besprechung auch nicht wirklich mitbekam, um was es dabei geht?

Ein Sachbuch oder eine philosphische Abhandlung “Der Garten des Cyrus”, eines Thomas Brownes aus dem Englischen von Manfred Pfister übersetzt und darin wurde, glaube ich, besprochen, ob man am selben Tag geboren werden und auch sterben kann? Thomas Browne scheint das an seinem siebzigjährigen Geburtstag geschafft zu haben und er empfiehlt auch nicht nach Wien zu fahren oder nur wenn man bestimmte Beschwerden hat.

Die Hecklounge war erstaunlich voll. Man mußte sich von irgendwo einen Sessel holen. Also viele Leute, die die Lteratur dem Opernball vorziehen. Dine Petrik war da, Helene Hoffmann, etcetera und am nächsten Monat wird dann Erich Maria Remarques “Im Westen nichts Neues” vorgestellt und was den Opernball betrifft, kann ich auf das bekannte Buch von Josef Haslinger hinweisen oder statt Alexander van der Bellen eine Präsidentin hinschicken und wer den Ball der Literatur vorzieht, aber keine Karte bekommen oder kein Ballkleid hat, der konnte sich die Opernballshow bei 0e24 anschauen, wo die Moderatorin im Abendkleid da saß und die Kleider der Ballgäste auch verrissen oder bewundert wurden.

Übersetzertag mit Lana Bastasic

Und jetzt weg von den Hundertjährigen ins Literaturhaus zum Erzählband einer bosnischen Schriftstellerin und deren Buch “Der Mann im Mond” merke ich an, liegt seit einiger Zeit auf meinem Badezimmerbücherstapel.

“S. Fischer” hat ihn mir geschickt nach dem ich die Marlene Streeruwitz angefragt habe und spannend, daß der Erzählband heute im Literaturhaus vorgestellt wurde.

Hinter Annemarie Türk bin ich die Stiegen ins Literaturhaus hinuntergegangen und habe da erst mitbekommen, daß es eine Übersetzerveranstaltung von “Traduki” war, wo Annemarie Türk, ja bevor sie in Pensiono gegangen ist, tätig war.

“Haben Sie das Buch geelesen?”,” habe ich sie gefragt.

“Welches?”, war die Rückfrage.

“Das der Lana Basasic?”

“Nein noch nicht!”

Ich auch nicht, kommt aber bald daran und es ist sicher interessant, außer der 1986 in Zagreb geborenen und in Banja Luka aufgewachsenen Autorin, die jetzt gerade auf einen Writer in Residence Aufenthalt in Berlin ist, die Übersetzerin, die 1992 geborene Germanistik Rebecca Zeinzinger vorgestellt wurde. Beziehungsweise moderierte sie die Veranstaltung und Mascha Dabic hat übersetzt, obwohl die Autorin Deutsch verstanden aber nicht gespochen hat.

Und “Der Mann im Mond” der Erzählband mit zwölf Kindergeschichten, die eigentlich “Milchzähne” heißen hätten sollen, aber das gabs auf Deutsch schon, weil die Autorin aus einer Zahnarztafamilie stammt, ist sicher interessnt oder das isj es, daß eine junge Frau zwölf Geschichte geschrieben hat, die von Kinder handeln, das aber kein Kinderbuch ist und in diesen Geschichten, wo die Protagonisten keine Namen haben, sind ihre Erinnerungen oder die Gewalt enthalten, die Kindern in dieser Welt passieren können.

Die Autorin hat ein Stückchen aus der ersten Geschichte, die “Wald” heißt, in der Originalsprache gelesen. Dann kam die Geschichte “Gott aus Honig” von der Übersetzerin gelesen, die von Ameisen, einem schlafwandelnden Kind und dessen Beziehung zum lieben Gott handelt.

Dann kam das Gespräch, das heißt Fragen an die Autorin, von Mascha Dabic meisterhaft übersetzt, wie sie sich das alles merken und dann so flüssig wiedergeben kann und dann ein Gespräch über die Kunst des Übersetzen und da hat Rebekka Zeinziger nicht das studiert, sondern ist, glaube ich, Sarajevo, wo sie Deutsch als Fremdsprache unterrichtete, zu dem Debutroman der Autorin “Fang den Hasen”, der damals noch anders geheißen hat, hat ihn gelesen und dann zu übersetzen angefangen.

“S Fischer” angefragt, ob sie ein Probeakapitel schicken kann? Referenzen hatte sie keine. Dann hat sie übersetzt und jetzt auch den Erzählband und die Autorin hat ihr Debut selber auf Englisch übersetzt.

So geht das mit den jungen Frauen in der Literatur, die Erfolg haben und die Erzählung, die noch folgte “Brot” hat einen autofiktionalen Background. Den Einzigen, wie die Autorin betonte und dann geht es, um eine Vergewaltigung eines vierzehnjährigen Mädchen, das am Samstag Brot holen soll, das die Mutter dann in der Küche aufschneidet.

“Wenn die Hausfrau wenig spricht, dann verdirbt das Essen nicht”, hat die Übersetzerin gereimt und ich hätte sie gern gefragt, wie das im Original gewesen ist?

Bin aber nicht dazu gekommen und die Autorin betonte, daß es ihr nicht, um die Wort für Wort Übersetzung geht, sondern der Übersetzer ein Gefühl für den Text haben sollte und meinte, daß die Männer weniger, als die Frauen fragen. Aber mit ihrer Übersetzerin hat sie sich öfter in einem Cafe in Sarajevo getroffen und war dann auch im letzten Sommer auf einer kroatischen Insel auf einem Übersetzerseminar.

Viele junge Leute im Literaturhaus, dann die Frau Schmidt-Dengler und ich. Ein spannender Abend und jetzt muß ich das Buch noch lesen und meinen Eindruck dazu sagen.

Noch ein hundertster Geburtstag

Das Jahr 2023 ist offenbar eines, wo viele schriftstellerische Geburtstage gefeiert werden.

Der der Erika Danneberg ist zwar schon der hunderterste und am vorigen Sonntag bin ich erst am Abend daraufgekommen, hui heute ist doch der zwölfte Februar

und da war doch was und das ist offenbar den ganzen Tag an mir vorbeigegangen.

Nicht nur der Todestag von Thomas Bernhard, sondern der des Februaraufstandes und da ist offenbar heuer gar kein Gedenken, dann hat mich am Montag Christian Teissl mit seinem Gedenken an Vera Ferra Mikura, meine Kinderbuchautorin, deren Bücher meist Geschenke der “Kinderfreunde” ich mit Begeisterung gelesen habe, bin ich doch die Tochter eines Sozialisten, der 1912 in Ottakring geboren wurde, wo der am zwölften Februar 1934, wo er schon fast zweiundzwanzig war, gewesen ist, weiß ich nicht.

Ich habe ihn nie danach gefragt, denn damals hat man ja über solche Dinge nicht gesprochen, obwohl ich mich ja eigentlich schon sehr früh für die Politik und die Geschichte interessiert habe und ich kann mich auch erinnern, daß ich einmal, das wird wohl in den Siebzigerjahren oder etwas später gewesen sein, im Bellaria-Kino war und dort eine alte Wochenschau gesehen habe, wo die Panzer über die Schutzbündler gefahren sind und ich habe mich über die Berichterstattung gewundert. Hatte ich doch eine andere Darstellungsweise im Kopf und war damals auch noch naiv.

Heute sehe ich auch Dank der Corona-Krise, die Dinge wahrscheinlich anders und als ich meinen Wochenveranstaltungsplan erstellte, habe ich gesehen, in der “Gesellschaft” wird die Neuauflage von Reinhard Federmanns “Himmelreich der Lügner” vorgestellt und diesen Namen kenne ich, hat mir doch mein Vater neben seinen Bücherkasten auch eine Mappe mit Ausschnitten aus alten “BüchergildeGutenberg-Ausgaben” hinterlassen oder ich habe mir sie schon früher mitgenommen und da ist der Name des am zwölften Februar 1923 geborenen und am neunundzwanzigsten Jänner 1976 verstorbenen Reinhard Federmann öfter vorgekommen.

Im Jänner 1976 habe ich schon Psychologie studiert und noch in der Wattgasse, bei eben diesen berühmten Bücherkasten, der mich geprägt hat, gelebt und wann ich auf den Namen Reinhard Federmann gestoßen bin, der von 1972 bis 1975 die Zeitschrift “Die Pestsäule” herausgegeben hat.

Da habe ich sicher einige Ausgaben in den Harlander Regalen, die jetzt auch die Bibliothek meiner Eltern birgt, habe ich doch schon 1973 literarisch zu schreiben begonnen,. aber damals habe ich noch nichts herumgeschickt, sondern sehr einsam an meinen ersten Texten geschrieben.

Der “Picus Verlag” hat seine Bücher in den Neunzigerjahren von denen er einige mit dem ebenfalls 1923 geborenen und 2005 verstorbenen Milo Dor herausgegeben und den habe ich besser gekannt bin ich da ja schon regeläßig zu Literaturveranstaltungen gegangen. Kann mich an ein Fest zu wahrscheinlich einem runden Gebrutstag erinnern und habe ihn als ich ebenfalls in den Neunzigerjahren das erste Mal in Leipzig war, auch den Weg zum Österreich Cafe gezeigt.

Von den “Picus-Büchern” den Kriminalromanen, aber auch das jetzt aufgelegte, das 1959 in München erschienen ist, 1993 von “Picus “wiederaufgelegt worden, hat doch seine Tochter Dorothea Löcker 1984 mit Alexander Potyka den “Picus-Verlag” gegründet und ich habe mir das Buch, wie auch die mit Milo Dor geschriebenen Krimis “Internationale Zone”, “Und einer folgt den anderen” ,”Und wenn sie nicht gestorben sind”, wahrscheinlich von meinen Vater zu Weihnachten schenken lassen, ob ich sie gelesen habe, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, glaube es aber schon, obwohl nicht viel hängen geblieben ist.

Dann habe ich in meinen Bibliothekskatalog noch einige andere der Federmann Bücher gefunden, nämlich das 1963 erschienene Stiansy Buch “Der schielende Engel”, ja diese Ausgaben habe ich auch aufgekauft, “Die Chronik einer Nacht” ist auch eine “Picus-Neuauflage” von 1988 und eines seiner Solobücher, “Die Abenteuer des Herrn Rafaeljan” auch mit Milo Dor geschrieben, habe ich wohl im Bücherschrank gefunden, also acht Treffer und jetzt zum hundersten Geburtstag hat “Picus”, das “Himmelreich der Lügner” neu herausgegeben und als ich das gesehen habe, habe ich das “DichtFest” zum dem ich sonst wahrscheinlich in die “Alte Schmiede” gegangen wäre und zu dem ich auch eingeladen wurde, fallengelassen, bin in die “Gesellschaft” gegangen und habe mir gedacht, daß ich jetzt schon lange nichts mehr von Reinhard Federmann gehört habe.

Daß er vor zwei Tagen seinen hundersten Geburtstag hatte, habe ich da noch gar nicht gewusst und auch nicht, daß Milo Dor im März den seinen feiern würde und interessanter Weise war die “Gesellschaft” im Gegensatz zu den letzten drei Veranstaltungen, wo ich dort war, sehr voll, so daß ich schon fast befürchtete keinen Platz bekommen.

Dann habe ich mich, weil ich seit Corona ja auf Abstand halte, in die erste Reihe gesetzt. Es waren aber so viele Leute da, daß die sehr gefüllt wurde, so bin ich dann neben Alexander Potyka“, gesessen und habe ein bisschen seinem Gespräch mit wahrscheinlich auch einem Federmann- Experten belauschen können. So habe ich erfahren, daß es auch einen französisch amerikanischen Schriftsteller namens Raymond Ferman gibt und die 1948 geborene Dorothea Löcker ist am Podium neben dem Germanisten und Federmann-Experten Günther Stocker gesessen und hat ein Gespräch mit ihr über die Herausgabe und ihren Vater geführt.

Bettina Roßbacher hat zwei Textstellen gelesen und die waren wirklich sehr interessant und sehr beeindruckend. Vorher hat Günther Stocker etwas über Buch und Inhalt erzählt und auch ein sehr bekanntes Bild von der “Gruppe 47” gezeigt, wo man Milo Dor, Ingeborg Bachmann, Paul Celan und dann noch eine Hand mit einer Zigarette sehen kann. Die stammt, erraten, von Reinhard Federmann, der oauch dort eingeladen war und gelesen hat, sich aber eher im Hintergrund gehalten hat oder gehalten wurde, denn er hat mit Milo Dor sehr politische Romane geschrieben, während die jungen Dichter um Hans Weigel oder auch die “Wiener Gruppe” ganz anders geschrieben haben.

Ob das die Kriegsverleugner waren, wie der Germanist andeutete, weiß ich gar nicht so genau und würde es nicht behaupten, denn ich habe in der Bibliothek meiner Eltern auch sehr früh geschriebene Kriegsromane gefunden, so zum Beispiel das von Paula Wallisch, die über ihren Mann der nach dem Februaraufstand hingerichtet wurde “Ein Held stirbt” geschrieben hat und dann habe ich auch die “Büchergilde Gutenberg-Bücher” meines Vaters gelesen.

Reinhard Federmann wurde, obwohl der jüdischer Abstammung war, 1942 zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt.Von da kam er mit einem Leberleiden, an dem er wahrscheinlich auch sehr jung gestorben ist, nach Wien zurck. Er war mit Milo Dor befreundet und seine Tochter hat die Beiden, wie sie im Gespräch erklärte, beim Schreiben ihrer Bücher beobachten können. Reinhard Federmann war Mitglied des PENs und schließlich auch dessen Generalsekretär, hat die bewusste Literaturzeitschrift gegründet und viele Bücher, darunter auch Unterhaltungsromane und Witzbcher geschrieben, darunter auch den “Grotsken Witz”, das ich offenbar auch einmal gefunden habe, denn er mußte eine vierköpfige Familie ernähren und Dorothea Löcker meinte, daß ihr Vater gar nicht so konservativ gewesen wäre, wie man vielleicht unterstellt.

Milo Dor ist aber auch, glaube ich, beim PEN gewesen und 1972 mit Gerhard Ruiss die IG-Autoren dessen Präsident er lange war, gegründet, 1973 hat sich die GAV gegründet. Da ist Reinhard Federmann nicht mitgegangen, hat aber geschrieben und geschrieben, den PEN verwaltet und seine Literaturzeitschrift herausgebracht und die zwei Stellen aus dem Roman, der mit dem 12. Februar 1934 beginnt, mit beim Ungarnaufstand von 1956 endet und von fünf sozialistischen Jugendlichen und ihren Weg durch den Krieg handelt, die Bettina Rossbacher gelesen hat, begannen am eben jenen 12. Februar. Da hat sich der Protagonist bei einem Rechtsanwalt versteckt und bedauert, daß der Aufstand an ihm vorbeigegangen ist. Später ist er nach Moskau geflüchtet und dann 1945 als Soldat der roten Armee in das zerbombte Wien zurückgekommen und die Wohnung besucht, wo er drei Jahre als Untermieter gelebt hat und sich nach seinen Jugendfreunden und ihren Schicksal erkundigt.

Ein sehr interessantes Buch, das ich mir diesmal nicht zu kaufen brauchte. Ich müßte es vielleicht wieder lesen. Aber angesichts meiner überlangen Leseliste werde ich das nicht ganz schaffen und lese derzeit auch ein sehr interessantes Buch, das von einem inzwischen Hundertsechzehnjährigen handelt, der in Wien geboren wurde und den es nach oder vor dem Krieg nach Istanbul verschlagen hat.

Zum hundersten Geburtstag von Vera Ferra Mikura

Ich bin ja, wie ich immer schreibe, in einem der alten Zwischenkriegsgemeindebauten aufgewachsen, der Vater ein aktiver Sozialist, Krankenkassenangestellter, der in seiner Freizeit in der Tanzschule Hernals, die der SPÖ gehörte arbeitete, die Bücher der “Büchergilde Gutenberg” vertrieb, etcetera, was zur Folge hatte, daß ich von den “Kinderfreunden” jedes Jahr ein Buch zu Weihnachten bekam.

So bin ich zu der am vierzehnten Februar 1923 geborenen Vera Ferra Mikura beziehungsweise ihren Büchern gekommen, die damals in den Neunzehnsechzigerjahren zumindestens in den sozialistschen Kreisen en vogue war.

Die “Drei Stanisläuse”, “Zwölf Leute sind kein Dutzend”, “Peppi und die doppelte Welt”, “Meine Freundin Rosine”, Titel, die heute noch bekannt sind, obwohl die Autorin, die zu meinen Erstaunen erst 1997 gestorben ist, inzwischen ziemlich vergessen ist oder vielleicht richtiger, wird sie inzwischen wieder entdeckt.

So ist vor kurzem ihr Nachkriegsroman für Erwachsene, “Die Sackgasse”, 1947, erschienen, wieder auferlegt worden und jetzt zu meinen Überraschen in den “Gedanken für den Tag”, Christian Teissl, den 1979 geborenen Lyriker, mit dem ich am Skriptorium in Seitenstetten teilnehmen sollte und der inzwischen auch Präsident oder Vorstand des Schriftstellerverbandes ist “Schreiben als literarische Luftnummer”, eine Gedenksendung zu der Autorin, die als Gertrud Mikura in Wien geboren wurde, 1948 den Statsoperntänzer Ludwig Mikura geheiratet hat und seit dieser auch Zeit als freie Schriftstellerin tätig wir.

Ihr Gedichtband “Melodie am Morgen”, den Christian Teissl zitierte, ist schon 1946 erschienen, dann kam der bisher wahrscheinlich unbekannte Roman und dann die Kinderbücher.

“Der seltsame Herr Sauerampfer”, ein Titel, der mir bekannt erscheint, ist 1957 erschienen. Ich habe aber, wie ich zu meinen Erstaunen feststellte, als ich in meinen Biblothekskatalog nachsah, nur drei ihrer Büchher, nämlich “Lustig singt die Regentonne”, die schon erwähnte “Freundin Rosine”, die mich sehr beeindruckt hat, eher ein Jugendbuch und dann noch die 1959 bei “Bergland” erschienene Erzählung “Die Lektion”.

Also nicht einmal “Die drei Stanisläuse”, an die ich mich lebhaft erinnern kann. Aber vielleicht habe ich die Bücher verschenkt. Als ich in der Otto Bauer Gasse wohnte, habe ich öfter meine Kinderbücher den jugoslawischen Nachbarkinder gegeben oder sie in der Hauptschule gelesen.

An den “Peppi und die doppelte Welt”, 1963 erschienen, wahrscheinlich aus der Hauptschulbücherlande, kann ich mich lebhaft erinnern, geht es da doch, um ein Scheidungskind, das die eine Wochenhälte bei der Mama, die andere bei dem Papa lebt. Am Sonntag Mittag ist die Übergabe und da ist da das Problem, glaube ich, daß der Peppi da Schwieigkeiten mit dem Mittagessen hat, weil er das dann zweimal bekommt und niemanden kränken will.

“Die Freundin Rosine” schildert ein Außenseiterkind mit Komplexen. Also auch sehr sozialkritisch und so hätte ich Vera Ferra Mikura, die ich für eine Vorgängerin der berühmten Christine Nöstlinger halten würde, auch eingeschätzt und lese jetzt mit Erstaunen bei “Wikipedia” daß ihre Bücher auch phantastische Elemente, also, die des magischen Realismus enthalten. Ja für Kinder ist die <phantasie sehr wichtig, da liest es sich wahrscheinlich leichter und da kann man die Realität auch sehr gut hinüberbringen.

Vera Verra Mikura also meine Kinderbucherinnerungsautorin, deren Bücher ich, wie, die von Friedrich Feld, die auch unter dem Christbaum lagen, gern gelesen habe.

In der Hauptschulbücherlade, wo man sich die Bücher ausborgen konnte, lag, glaube ich, auch ein Buch der Erika Mitterer “Kleine Damengröße”, die ja eher dem bürgerlichen Lager zuzurechnen ist. Das habe ich, glaube ich, einmal versucht abzuschreiben, bin aber wahrscheinlich über das erste Kapitel nicht hinausgekommen und jetzt eine Woche in das Werk der Vera Ferra Mikura, die mir trotz des Erzählbandes, als Kinderbuchautorin in Erinnerung ist, eintauchen.

Als das “Wiener Lesetheater” seinen Osterspaziergang, den es nicht mehr gibt, glaube ich, durch die Landstraße machte, sind wir in irgendeinen Gasthaus gesessen, wo wahrscheinlich eine Tochter der Autorin, die Werke ihrer Mutter las, die sich wahrscheinlich nicht nur als Kinderbuchautorin verstand, was man jetzt vielleicht jetzt erst oder wieder entdecken kann.

Tage im Mai

Ich bin wahrscheinlich keine Streeruwitz-Fanin, dazu ist sie mir wahrscheinlich zu theoretisch, obwohl ich sehr viel, fast alles von ihr gelesen habe.

Im Bücherschrank habe ich einiges Ältere von ihr gefunden und mir die neueren Bücher zum Geburtstag gewünscht, angefragt und die “Schmerzmachern”, glaube ich, auch bei einer literarischen Soiree gewonnen. Bei einigen ihrer Lesungen war ich, die Wahlkampfromane habe ich von ihr gelesen und sie war ja auch eine ersten die sich mit dem Corona-Thema beschäftigt hat und da habe ich sie so im Mai 2020 wahrscheinlich auch für sehr kritisch gehalten und habe nicht daran gewzweifelt, daß es da einiges zu kritisieren oder dagegen zu demonstrieren gibt.

Dann hat sich das Blatt gewendet, die Künstler wurden unterstützt, wahrscheinlich damit sie nicht demonstrieren und die das taten waren dann Covidioten, Nazis, Schwurbler, etcetera und über Covid- Romane wurde auch die Nase gerümpft.

Ich habe solche aber geschrieben und geschrieben, schon um alles zu dokumentieren, wie es war und wie ich es empfunden habe und die Marlene Streeruwitz, die ja auch ein Handbuch gegen den Krieg geschrieben hat, was man ja auch nicht sein darf, für den Frieden und gegen Waffenlieferungen, tut es aber weiter.

So ist auch der neue Romn “Die Tage im Mai” von den Covid-Maßnahmen begleitet, was ich ja nur sagen kann, daß ich mir nicht vorstellen kann, einen Roman, der in der Jetztzeit spielt, zu schreiben, wo nicht das Maskentragen, etcetera, beschrieben wird.

Marlene Streeruwitz tut es also in ihrem neuen Werk, das ich weniger surreal und vielleicht auch weniger literarisch als die “Flammenwand” empfinde, also auch, obwohl sie während ihre Konstanze mit Maske auf durch den Prater marschiert oder nach Zürich fliegt, das Ganze sehr neutral zu sehen scheint.

So steht irgendwo, daß Konstanze zwar geimpft aber gegen die Impfpflicht ist und wenn die “Tage im Mai”, was, ich glaube, im Mai 2022 spielen, wo ich mein “Soziales Kreditsystem” begonnen habe und recht verzweifelt damit war, nicht schon wieder Corona, aber was sonst, wird da noch sehr viel Maske getragen.

Es kommt aber auch viel anderes vor. Der Krieg natürlich, gegen den Marlene Streeruwitz ja sehr eindeutig ist oder die Klimademonstrationen und ich wundere mich ein bißchen, daß eine so kritische Autorin, wie es die Streeruwitz eindeutig ist, mit einer sehr starken Stimme, die alles kritisiert, die katholische Kirche, den Kanzler Kurz, die Lockdowns und die Zwangsmaßnahmen so neutral und selbstverständlich hinnimmt, eine besondere Angstneurose würde ich ihr aber auch nicht unterstellen.

Also ein interessanter Roman, obwohl ich ihn, ich wiederhole mich, ihn nicht viel literarischer als mein Schreiben beurteilen würde, die ich ja auch sehr realisitsch bine und es geht um zwei Frauen oder drei vielleicht, wenn man die Großmutter Christl noch mitrechnet und die italinische Nonna ist an Covid gestorben.

Da ist also Konstanze, eine Frau um die Fünfzig und Übersetzerin. Sie hat eine Tochter namens Veronica, die zwanzig ist und ihr Studium abgebochen hat. Von Salzburg, wo sie bei den Großeltern wohnte, ist sie nach Wien gekommen und nun in einem katholischen Studetenheim lebt und in einer obskuren Briefkastenfirma mit Maske an der Rezeption sitzt. eine Doderische-Hausmeisterin die Frau Wallin gibt es auch und Veronica muß mit Maske den Briefkasten bewachen und Damen, die eintreffen zum Herrn Dr. Küchenreither hinaufbitten.

Da wären wir wieder bei den Namen, die bei Marlene Streeruwitz wieder sehr sprechend sind, da gibt es einen Onkel Stieglitz, der Veronica, die er bei einer Demo erwischt, Rechtsradikalität unterstellt und den Siebenstein, das ist ein ehemaliger Liebhaber Konstanzes, die ihn auf ihren Spaziergang durch den Prater trifft, sie wohnt nämlich in der Ausstellungsstraße, wo sie immer zum Prater sehen kann, sich von ihm zehn Euro für eine Käsekrainer ausborgt und ihm dann zwanzig zurück gibt und obwohl es Spannungen zwischen Mutter und Tochter gibt, treffen sie sich immer in Konstanzes Wohnung und schauen sich dann Telenovelas an, die Marlene Streeruwitz, die ja auch Groschenromane schreibt, gleich mitgeschrieben hat.

“Roman dialogue” steht unter dem Titel, was ist das könnte man fragen? Die Antworte sind zwei Textpassagen, wo sich Mutter und Tochter im Dialog unterhalten.

Veronica übernachtet bei der Mutter, die früh morgens, weil es billig ist, nach Zürich fliegt, um dort mit ihren Verlegern über ihre Übersetzung zu sprechen und als sie zurückkommt, findet sie Veronica wieder in ihrem Bett. Denn die ist zwar nicht zu dem Vortrag über Wunderheilungen ins Studentenheim gegangen, obwohl ihr bei Verweigern mit dem Rauswurf gedroht wurde. Sie fand dann aber den Kaplan Chrobath, betrunken oder nicht in ihrem Zimmer und vor ihm geflüchtet.

Und das Mutter und Tochter und auch die Großmutter in Folge unehliche Kinder sind, ist auch etwas, was ich von meinen Schreiben kenne.

“Eine literarisch avancierte Autorin von Format!.. . Wer ihrem Sog nicht erliegt, ist für die Literatur wohl verloren”, steht am Buchrücken. Dem kann dem zustimmen, kenne aber viele, denen die Streeruwitz, zu politisch, zu aufmüpfig und vielleicht auch zu unliterarisch ist. Die FPÖ auch zählt wahrscheinlich auch nicht zu ihren Verehrern und ich kann nur wieder hoffen, daß es auf eine Buchpreislisten kommt. da war sie auch schon ein paar mal und hat auch darüber geschrieben, denn da hätte ich weniger zu lesen.

Und typisch auch das Cover des “S.Fischer-Buchs”, krabbeln da ja die Käfer über die roten Rosenblätter.

Heute ist mitten in der Nacht

Die Pandemie, hatte auf das Schreiben der Autoren offenbar eine größere Auswirkung als ich bisher glaubte, wo ich ja nach dem ersten Buch der Marlene Streeruwitz immer hörte, “Covid interessiert uns nicht! Und nicht schon wieder ein Covidroman!”

Aber jetzt tauchen plötzlich Bücher auf, die sich mit dem Sterben beschäftigen, wo eine Bestatterin mit ihren Toten spricht oder die Reinigungsfirmen dann die Wohnungen aufräumen, wo die Leute einsam gestorben sind.

“Mit Sprache unterwegs” hat sich mit der Armut im Alter beschäftigt ,und dann diskutiert ob die Insprachnahme der mobilen Pflegedienste oder die Pflegeheime besser wären?

Die Pflegeheime nicht, denke ich, habe das schon früher gedacht, nach Covid, wo man seine Angehörigen aber noch immer nicht ohne Test oder Maske besuchen darf und die Leute dort monatelang keine Besuche empfangen durften und einsam gestorben sind und Covidist schon sowieso schwer zu erklären. Ein Dementer wird sich vielleicht vor den pflegenden Zoombies, die da auf einmal auftauchten gefürchtet haben.

So weit so gut, und eigentlich eine Themenverfehlung, denn es geht ja um das neue Buch, der 1980 geborenen Kerstin Preiwuß, die in Leipzig lebt, beim “Bachmann-Preis” gelesen hat auf der Buchpreisliste stand und jetzt auch noch Professorin am Leipziger Literaturinstitut ist, das den klingenden Namen “Heute ist mitten in der Nacht” hat, wo man natürlich einen Roman vermuten würde.

Aber nichts davon, es sind eher lyrische persönliche kleine Stücke, die sich mit der Angst und dem Tod beschäftigen, in Zeiten, wie diesen, wo wir von der Pandemie in den Ukrainekrieg und die Weltkriegangst stolperten, absolut verstänlich und vielleicht ganz schön, während einer Panikattacke oder nach dem Verlust eines Lieben, dieses Buch zu lesen.

Die kleinen Stückchen beginnen mit einem Autorstoperlebnis der Autorin in Frankfurt, wo sie wahrscheinlich einer Vergewaltigung entkam und dreht sich dann, um die Angst. Wo sie anfängt und wo sie kommt, beim Autofahren wahrscheinlich. Aber auch nach einer Fehlgeburt, die Kerstin Preiwuß einmal erlebte. Dann kommt sie zu dem Unfalltod ihres Vaters, der auf dem Fahrrad von einem Ajuto meterweit geschleudert wurde und sich dann die Angehörigen mit der Frage beschäftigen mußten, ob sie den noch brauchbaren Körper, als Ersatzteillager zu Verfügung stellen, was in Deutschland anders als in Österreich geregelt ist.

Dann geht es schon zu Covid und der Frage, ob man jetzt seine Kinder “Corona” oder “Covid “nennen soll und “Bleiben Sie gesund!”, ist der neue Gruß der Zeit, wie Kerstin Preiwuß erwähnt.

Gedichte gibt es in dem persönlichen Essay immer wieder auch:

“Jetzt ziehen wir ins Schneckenhaus./Die Zeit weiß schon Bescheid.”

Und fiktive Briefe, einen an die Kinder und eines an Emily Dickinson, die sich offenbar auch von der Welt zurückgezogen hat und die nur mehr aus ihrem Fenster hinaus betrachtete. Rose Ausländer hat das, glaube ich, auch gemacht, aber die war ja kriegstraumatisiert und da darf man keine Vergleiche ziehen.

Es gibt das Gedicht von Christine Lavant “Wieder brach er bei den Nachbarn ein…”, das analysiert wird und die Winter, Sommer, etcetera, der Zurückgezogenheit. War die Pandemie offenbar etwas, das Kerstin Preiwuß sehr ernst nahm und in Angst versetzte.

Außerdem was macht man als schreibende Frau, Kerstin Preiwuß nennt sich Schriftsteller, wenn man nebenbei noch Kinder im Homeoffice zu versorgen hat, weil die Schulen und die Kitas ja geschlossen sind?

“Es gibt mich kaum noch./Ich nehme mir nichts vor./Ich arbeitete ab./ Ich denke nicht mehr nach…”

Dann werden die Phasen des Schocks erklärt. Das habe ich auch den Pflegehelfern unterrichtet, als ich in Lainz noch die Fortbildungen machte und verschiedene Worte und Begriffe werden analysiert.

“Was deutet sich als beschaffbar an, Masken, Impfungen, Tests, sofort stellt sich die Bereitschaft ein,vorzusorgen.” Die “Hoffnung schwindet” und das “Früher wird zu einem Sehnsuchtsort.”

“Früher als wir alle noch schwelgten in Erinnerungen, die man nun als verloren betrachtet, darum mit Sehnsucht verbindet.”

Dann geht es zu den “Petitionen der Kunst”. Da gab es bei uns am Anfang einige Demonstrationen, bis diese aufhörten, wahrscheinlich weil die Förderungen kamen und die Demos dann den rechten zugeordnet wurden.

“Wir gaben alles aus der Hand, wir ließen unser gesellschaftliches Dasein ruhen, wir gaben die Kultur auf und ermahnten uns sogar dazu. Wir handelten vorsorglich.” – “Aus Gewöhnung wird also Gewohnheit.” und dann gibt es noch die “Katastrophen”, die man mit den “W-Fragen”, die man im Erste Hilfekurs oder Journalistenseminar lernt, analyasieren kann.

Dann kommt sie zu den “Kindern, die weinen, weil sie als Einzige in der Klasse positiv getestet sind.”, bis es “Plötzlich alle haben, hat man es auch und der Abstand verliert sich.” und “Nach der Krankheit kommt der Krieg”, schreibt Kerstin Preiwuß immer wieder, was sie wieder zur Angst zurückkommen läßt und dann listenartig die Situationen aufzählt, die sie in der Schule erlebt hat.

Der Ukrainie-Krieg wird erwähnt und sogar die Gedichte der Kaiserin Sissi, Zusammenhänge und, die ein bißchen schwer zu verstehen sind, wenn man nicht aufmerksam genug liest, um die Gedankensprünge der Autorin zu verstehen, die mit diesen Buch sich in einer sehr schönen Sprache, mit der Sprache, wohl auch selber Klarheit gewinnen will.

“Kerstin Preiwuß, vielfach ausgezeichnete Autorin von Romanen, Gedichten und Essays legt mit “Heute ist mitten in der Nacht” einen Text vor, der Angst und Schreiben auf eindrucksvolle Weise zusammenführt und ein Zeitempfinden in den Blick nimmt, das unsere Gegenwart bestimmt.”, steht am Buchrücken.

Ein interessantes Buch in dem man über die Ängste und die Gefühle der Autorin erfahren kann.

Oben Erde, unten Himmel

Die erste Neuerscheinung in diesem Jahr. Bisher habe ich ja nur die Reste vom Vorjahr, bezieungsweise, die Bloggerdebuts gelesen.

Jetzt also Milena Michiko Flasars dritter bei “Wagenbach” erschienener Roman. Die zwei Ersten kamen bei “Residenz” heraus, woran man wieder sieht, wie das mit der österreichflucht der Autoren ist. Katja Gasser will ja durch den Leipziger Österreich Schwerpunkt die österreichischen Verlage nach <österreich holen, mal sehen, wie das gelingt.

Ich habe von “Ich nannte ihn Krawatte”, auch in Leipzig prominent erfahren, später hat sie den “Alpha” damit gewonnen. Da haben sie mich ja hinausgeschmissen. Deshalb habe ich das Buch noch nicht gelesen.

“Herr Kato spielt Familie” habe ich schon und “Okasaan”,, den Fund aus dem Bücherschrank, den ich glaube ich einmal während einer GV der IG Autoren besuchte und jetzt das neue Buch, das von “Wagenbach” prominent beworben wurde.

Milena Michika Flasar stand noch nie so im Mittelpunkt, hat mir Robert Huez am Donnerstag in der “Gesellschaft” gesagt. Da wurde das Buch ja im Literaturhaus wieder mit japanischen Spezialitäten, wie mir Robert Huez verriet, vorgestellt, aber das haben wir beide versäumt und sind mit der “Sprache unterwegs” gewesen.

Wobei so anders war es dann nicht, wenn es auch um die “Armut im Alter” und nicht um Japan ging. Aber sonst war die Einsamkeit und sogar die Bestattung das Thema. Die Wassergläser mit den Schlieren, die der mobile Pflegedienst hinterlässt, die dann die Bestatter, die die Leichen abholen, finden und Milena Michiko Flasar hat sich wieder einem Thema mit einem speziellen japanischen Namen nämlich dem “Kodokushi”, dem einsamen Tod, wie im Anhang steht und das ist auch, glaube ich, das besondere am Schreiben der 1980 in St. Pölten geborenen Milena Michiko Flasar, die eine japanische Mutter hat, dadurch wahrscheinlich Japanisch spricht und vielleicht auch öfter dort gewesen ist.

Sie hat sich, kann man sagen, der japanischen Kultur angenommen und nach Österreich gebracht. Deshalb fließen immer wieder japanische Wörter durch das Buch. Deshalb hat “Wagenbach” zum Japanisch essen eingeladen und während es im ersten Buch um die, die, weil vielleicht Schul- und Leistungsangst ihre Wohnung nicht mehr verlassen, den “Hikimori” ging und beim zweiten Buch, um einen Pensionisten, der sich als Familienmitglied vermieten läßt, geht es jetzt um die, die monatelang in ihren Wohnung liegen, bis dann die Briefträger oder die Hausmeister die Polizei verständigen und der Reinigungstrupp trifft ein, um die Wohnung zu putzen.

Als ich das Cordula Simon, die ja als Bestatterin tätig ist oder war, am Donnerstag erzählte, sagte sie, das kommt in Österreich nicht so oft vor. Wahrscheinlich ist das in Japan häufiger, das Menschen einsam und ohne Angehörige sterben und eigentlich geht es auch um etwas anderes.

Es geht um Suzu, fünfundzwanzig und auch alleine mit einem Hamster lebend. Sie hat zwar Eltern, mit denen sie telefoniert und die sie zu den Festtagen besucht. Hat aber sonst wenig Kontakt zu ihren Nachbarn, keine Freunde und jobbt als Kellnerin in Familienrestaurants. Sie hat auch das eine oder andere Date, aber sonst wahrscheinlich keinen wirklichen Sinn im Leben und ist vielleicht auch etwas schüchtern. Aber sonst ziemlich schlagfertig und die verliert ihren Job als Kellnerin und sucht nun, weil das Geld ausgeht, etwas anderes. Da landet sie bei der Reinigungsfirma des Herrn Sakai und da ist sie beim Vorstellungsgespräch nicht allein. Ein Takada, der denselben Nachnamen wie sie hat, bewirbt sich mit ihr. Der hat lange Haare, die ihm ins Gesicht fallen und schreibt sich ständig Wörter in ein Notizbuch auf, um später vielleicht einen Roman zu schreiben und wahrscheinlich auch sehr einsam und hat seine Traumen. Er wohnt, auch das ist wahrscheinlich typisch japanisch in einer Kabine in einem Internetcafe und so beginnt Suzu mit dem Reinigungsdienst.

Da wird zuerst ein Gebet gesprochen und dann der Tote, der gar nicht mehr anwesend ist, begrüßt. Das erinnert an die “Bestatterin von Killcross” und nach der Arebei, an die man sich erst gewöhnen muß, deshalb liegen auch Speibetüten bereit, geht es ins Sento, das japanische Badehaus, wo Suzu einer Mrs Langfinger genannten Alten begegnet, die Drops stiehlt, damit sie ins Gefängnis kommt, um nicht mehr einsam zu sein, obwohl sie eine Tochter hat und dann zum Absacken in ein chinesisches Restaurant.

Man sieht Herr Sakai kümmert sich sehr fürsorglich um sein Team und veranstaltet zum Kirschblütenfest auch ein Picknick, wo er alle seine Bekannten einlädt. Also die Kassiererin im Badehaus, Frau Langfinger und ihre Tochter und da ist dann zu erwähnen, daß das Buch im Winter beginnt und bis zum nächsten Winter geht.

Takada wird im Sommer, glaube ich, krank. Da wird Suzu von Herrn Sakai in seine Kabine geschickt, um nach ihm zu fragen. Ihr fällt das schwer. Sie kauft eine riesige Melone, die sie dann zu diesem Cafe schleppt und findet einen hochfiebrigen Takada, den sie dann in ihre Wohnung bringt und da ist interessant, daß der Hamster, der sich bisher immer vor ihr versteckte, plötzlich aus seinem Untergrund kommt und interessiert das Geschehen beobachtet.

Suzu freudet sich auch mit ihren Nachbarn, auch zwei alte Menschen, an und besteigt mit dem gesund gewordenen Takada dann das Plateau ihres Hauses von dem man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt hat und im nächsten Winter kommt es, wie es kommen muß.

Herr Sakai entschuldigt sich für drei Tage und kommt dann zurück, um seinen Team zu erklären, daß er nur mehr drei Monate zu leben hat. Er stirbt zuerst von seinen Freunden umgeben und letztlich doch allein im Spital und die vier Übergebliebenen räumen seine Wohnung auf.

Das heißt, sie glauben zu einer Messiewohnung zu kommen, aber die ist leer und blitzblank und so gehen sie wieder zu ihrer Arbeit.

“Wir schlüpften in unsere Schuhe, die nebeneinander aufgereiht im Eingang standen. Dann – mit einem letzten Blick auf das, was hinter uns lag – machten wir uns auf den Weg.”

“Leben probiert man nicht aus. Man lebt es einfach. Es gibt keine Generalprobe. Keine Wiederholungen” – “Ein umwerfender Roman über Nachsicht, Umsicht und gegenseitige Achtung”, steht am Buchrücken.

“Wagenbach” hat mir auch eine Liste von Michiko Milenas Flasars Lesetour geschickt. In Leipzig, das diesmal im April stattfindet, tritt sie sicher auf und dann auch bei “Literatur und Wein”, sowie an anderen Orten.