Wieder einmal Jahresrückblick

Es ist soweit, 2018 geht zu Ende und man kann sagen, es war auf der einen Seite, ein ganz gutes Jahr, gab es doch zwei literarische Höhepunkte und da waren, sowohl der April, als auch der November besonders intensiv.

Denn ich habe im April in der “Alten Schmiede” zwar etwas verspätet, aber immerhin mein “Literaturgeflüster-Texte-Buch” vorgestellt, da war dann schon der “Hammer” mit meinen und Ruths Texten zur “Kunst im öffentlichen Raum” herausgekommen und am achtzehnten April gab es den ersten diesbezüglichen Spaziergang, wow, ein bißchen so, wie es eigentlich sein sollte und im November gab es noch einmal einen Spaziergang durch den neunten Bezirk und auf der “Buch-Wien” habe ich im Rahmen  des “Ohrenschmauses” ein Stückchen aus der “Mimi” gelesen.

Ansonsten war ich im März wiedermal  in Leipzig und vorher in Essen bei der “Bloggerdebutpreisverleihung”, wo ich Klaus Cäsar Zehrer und Christian Bangel kennenlernte.

Danach gab es den Osterspaziergang der LitGes, wie gewohnt und auch die Lesung beim “Linken Wort” beim “Volksstimmefest”, die Lesung bei der “Poet Night” und mein “Literarisches Geburtstagsfest”, wo ich  jeweils mehr oder weniger ein Stück aus der “Unsichbaren Frau” gelesen habe, dem Buch, in dem ich den Herbst 2017 im Rahmen des “Nanowrimo 2017” beschrieben habe und daraus habe ich auch im “Bepop” gelesen, die man, wenn man so will, auch als eine außertourliche Lesung bezeichnen kann, zu der mich der liebe Rudi eingeladen.

Buch ist in diesem Jahr nur eines herausgekommen, nämlich die Bloggeschichten “Besser spät als nie”, zu Jahresanfang, aber die Fortsetzungsgeschichte, “Die Unsichtbare Frau” ist schon in der Druckerei und ich werde sie demnächst bekommen.

Geschrieben habe ich ab Sommer den Rohentwurf zur “Magdalena Kirchberg”, bei der ich jetzt beim Korrigieren bin und da habe ich vorher auch ein paar Artikel zum “Zeitmanagement”, “Regelmäßig schreiben”, “Konzeptänderungen” etcetera verfaßt. Das war im Sommer.

Vorher ab Jahresbeginn habe ich wieder ein bißchen mein Schreiben vorgestellt, über meine “Kinderbücher”, die “Depressiven Frauen”, die “Politischen Bücher”, die “Bekannten Gestalten”, die “Schreib- und die Bücherschrankmotive”, etcetera, geschrieben.

Außer in Leipzig war ich wieder auf der “Buch-Wien” und beim “Buchquartier”, bei vielen Veranstaltungen, wie den “Wilden Worten”, den “O-Tönen”,“Literatur und Wein” in Göttweig und in Krems, beim “H .C. Artmann-Festival”, bei einigen Preisverleihungen, den “Bachmann-Preis”, den Tanja Maljartschuk gewonnen hat, hat es gegeben  und ich habe wieder tüchtig gelesen, wenn auch weniger als in früheren Jahren, ich habe Buchpreis gebloggt und mich durch die österreichische und die deutsche Liste gelesen.

Ansonsten dieses Jahr sehr viele Neuerscheinungen und in zwei Jurien bin ich nach wie vor auch.

Da gibt es schon länger den “Ohrenschmaus”, den Literaturpreis für Menschen mit Lernschwierigkeiten und seit 2016 juriere ich auch beim “Bloggerdebut-Preis” mit, was mir großen Spaß macht, denn ich interessiere mich ja sehr für Literatur.

Reisen hat es auch gegeben, eher kleinere, denn ich bin ja im Gegensatz zum Alfred nicht sehr reiselustig, war aber heuer vor Leipzig, zwei Tage in Würzburg und zwei Tage in Essen, dann sind wir im Sommer zehn Tage in die Schweiz, nach Genf, Bern und Zürich gefahren, wo ich die Bücherschränke erforschte und einige Buchhandlungen besuchte und kurz danach sind wir noch ein paar Tage mit der Ruth um den Neusiedlersee gefahren.

Das waren die erfreuelichen oder die gewöhnlichen Dinge, zu den eher unerfreulichen würde ich die politischen Entwicklungen, den Rechtsruck, etcetra bezeichnen.

Es gibt wieder Donnerstagsdemonstrationen, da war ich auf vier und das ganze Jahr habe ich mich mit dem Uli gecatscht, was manchmal mehr, manchmal weniger erfreulich war, aber ich denke, man soll es wenigsten versuchen politische Korrektheit einzufordern, auch wenn das, wie es aussieht, ein Faß ohne Boden ist.

Das war im Großen und Ganzen 2018 und richtig, daß ich “zehn Jahre Literaturgeflüster” mit Sekt und Torte gefeiert habe, das hätte ich jetzt fast vergessen!

Und zwei Workshops bei Stephan Teichgräber einen zum Thema “Utopie” und einen zur “Revolution” habe ich auch besucht, um mich ein wenig literaturwissenschaftlich weiterzubilden, während es, was wahrscheinlich auch ein wenig schade ist, die “Schreibgruppe” seit Herbst nicht mehr gibt.

Verluste gibt es auch zu vermelden, so ist in diesem Jahr der “Büchner-Preisträger”  Wilhelm Genazino,  am 12. Dezemer in Frankfurt verstorben, den ich sowohl einmal in Gottweig bei der “Literatur und Wein”, im Literaturhaus und in der “Alten Schmiede” hörte, sondern auch der ewige Nicht-Nobelpreisträger Philp Roth, der andere große Amerikaner Tom Wolfe am 14. Mai, Philip Kerr am 23. März und auch die österreichische Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger mit ihren ganz armen Kindern und Frauen, die eine hervorragende Oma  gegen Rechts gewesen wäre, die mit dem Krückstock, wie sie einmal am Ballhausplatz beim Johanna Dohnal- Gedenken verkündete, gegen die Nazi-Verharmloser angetreten wäre.

Und außerdem habe ich gerade erfahren, ist der israelische Schriftsteller Amos Oz von dem ich noch einiges zu lesen habe, vor drei Tagen gestorben.

Außerdem, hat es in diesem Jubuläumsjahr außer fünfundvierzig Jahre Matura und fünfundvierzig Jahre erfolgfrei schreiben, dem fünfundsechzigjährigen Geburtstag und Ende meines Diagnostikkassenvertrages, auch die Erinnerung an den März 1938, das Wien unterm Hakenkreuz, fünfzig Jahre 1968 und hundert Jahre Republik gegeben, was zu einigen literarischen Veranstaltungen und Büchern führte, die ich noch im nächsten Jahr lesen werde.

Leni weint

Jetzt kommen dreißig Essays, die der 1943 in Budapest geborene Peter Nadas  zwischen 1989 und 2014 geschriebenen hat und die unter anderes von Akos Doma, Zsuzsanna Gahse, Ilma Rakusa, um nur die mir bekannten Autoren zu nennen, übersetzt wurden.

Über Peter Nadas habe ich ja zu Jahresbeginn ein ganzes Symposium gehört und 2017 auch einmal im Literaturhaus, wo er seinen neuen Roman vorstellte und im Literaturmuseum hat er auch einen Vortrag oder einen Essay gehalten und die im Herbst bei “Rowohlt” erschienen Essays wurden auch in der letzten Lese.auslese in der “Gesellschaft für Literatur” als leicht zu lesende, weil sehr erzählerische Essays empfohlen.

Der gut Deutsch sprechende Autor ist, wie ich mich bei den drei Veranstaltungen, wo ich ihn erlebte, überzeugen konnte, ein sehr sympathischer Mann. Eine Klientin hat mir auch einmal erzählt, daß sie ihm ein Mail geschrieben und er ihr sofort geantwortet hat und die Essays, die sich sowohl mit Details, als auch mit sehr weltbewegenden Momenten beschäftigen, sind trotz der angekündigten erzählerischen Leichtigkeit, recht kompliziert.

Springt Peter Nadas doch von Hunderste ins Tausendste und macht sehr gekonnte Assoziationen, die das Nachvollziehen nicht sehr einfach machen, wie auch die Lektorin Katharina Raabe in ihrem Nachwort über die “Parallelgeschichten”, die ich nicht gelesen habe, schreibt, daß man sie wohl mehrmals lesen muß um alles zu erfassen.

Bei den Essays wohl auch, füge ich mit Bedauern, daß ich  dazu wohl nicht die Zeit habe, hinzu und bin dann bei der “Behutsamen Ortsbestimmung”, gleich über die “Betrachtung eines Wildbirnenbaums, der vor Peters Nadas Fenster steht, zu der Analyse des Dorfs, in dem Peter Nadas seit vierzig Jahren lebt, den Eigenheiten seiner Bewohner und ihr Verhalten während des zweiten Weltkriegs bis Jahrhunderte zurück in die Zeiten des Prager Bischofs Adalbert, gekommen.

“In der Körperwärme der Schriftlichkeit”, geht es um die Kunst des Schreibens und um Europa.

Peter Nadas meint hier, daß nicht jeder, der das Schreiben erlernte, das auch wirklich kann, obwohl es jeder von sich behauptet. Er übt diese Kunst am Vormittag aus und am Nachmitttag, die des Nichtschreibens. Er muß auch mit der Hand schreiben, um die Sinnlichkeit der Buchstaben zu erfahren und davon ausgehend, kommt er zu Europa und macht sich Gedanken über dessen Identität, während es im  “Das große weihnachtliche Morden” um die Gefühle geht, die die Fernsehübertragung, die im Jahr 1989, die Hinrichtung des Ehepaares Ceausescus zeigte, in ihm auslöste.

Es geht dann in den “Kalten Krieg”. Danach wird eine “Skizze zweier psychoanalytischer Grenzfälle ” gegeben, in der Peter Nadas von einem jungen Mann erzählt, der ihm sagte “Daß ihm die Kommunisten zugrunde gerichtet hätten”, das aber weiter nicht sprachlich ausdrücken konnte, so daß der Nichtanalytiker mit Hilfe einer Kinderpsychologin ihn erfolgreich mit paradoxer Intetion behandelt hat.

Thomas Manns Tagebücher werden analysiert. Hier denke ich, die ich mich als Studentin durch seine Werke gelesen, aber wahrscheinlich nicht viel verstanden hat, ist es sicher besser sich zuerst die Primärliteratur zu besorgen, wie Tagebücher und Analysen daraus wahrscheinlich überhaupt sehr vorsichtig zu interpretieren sind, um nicht zu falschen oder dilettantischen Schlüßen zu kommen.

Thomas Mann hat auch seine frühen Tagebücher verbrannt und die späteren sehr vorsichtig, vielleicht schon für die Nachwelt geschrieben, die von 1932 sind aber erhalten geblieben und vorsichtig oder nur unter Auslassungen ins Ungarische übertragen worden und so stehen wir vor den Deutungen, aber wie gesagt, ich würde hier sehr vorsichtig sein.

In seiner Dankesrede bezüglich des “Kafka-Preises” hat Peter Nadas eine Zugfahrt beschrieben in dem sich ein Mann und eine Frau gegenüber oder nebeneinandersitzen und in Kafkas “Prozeß” lesen und dann beschreibt er eine Reise mit dem Journalisten Richard Swarzt in das Ceauscescu-Rumänien, wo man von Spitzeln bewacht wurde und es in den Hotel nichts zu essen gab. Die Kellner sich das aber nicht anmerken ließen.

Sehr zu empfehlen die Essays, die die derzeitge politische Situation in Ungarn un den Weg dorthin, erklären.

Um die Demokratie geht es auch, hier versucht  Peter Nadas “Das  Individuelle, das Kollektive, das Einzellne und das Allgemeine” zu analysieren  und greift dann den Vorschlag auf den Vaclav Havel offenbar Madeleine Albright machte.

Der elfte September wird thematisiert, bevor es zu einer  sehr beeindruckenden Geschichte kommt, die ich gar nicht so sehr als Essay bezeichnen würde.

Das Ich oder Peter Nadas baut ein Haus mit einem Handwerker und kommt ihm bei der körperlichen Arbeit, wobei ihm der andere natürlich überlegen ist, näher. Irgendwann beginnt der Arbeiter seinen Judenhass zu thematisieren, Nadas widerspricht. Ein paar Tage später geht es gegen die Zigeuner, die er so sehr hasst, daß er sie am liebsten ermorden würde. Nadas beginnt zu schreien und als es dann gegen die Schwulen geht, schweigt er. Die Arbeit an dem Haus geht natürlich weiter und in der Endrunde kommen andere Arbeiter hinzu, die der Handwerker organisiert, während Nadas weiter hinten arbeitet und hören kann, daß nun die Arbeiter gegen die Zigeuner hetzen und sein Freund zu schreien beginnt.

So etwas würde ich mir bei meinem Freund Uli wünschen, aber ich weiß schon, das Leben ist kein Wunschkonzert und so einfach machen es einer die anderen nicht und auch Peter Nadas zieht weiter und kommt zur der “Walser-Bubis-Debatte”.

Da hat Martin Walser ja 1998 den “Friedenspreis des deutschen Buchhandels” erhalten und diesbezüglich eine Rede gehalten, die die Gemüter erregte. Es kam zum Streit mit Ignaz Bubis, dem 1999 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrates für Juden, Frank Schirrmacher, der 2014 verstorben ist, hat ein Buch darüber geschrieben, über das sich Peter Nadas Gedanken macht, bevor es zu dem Titelgebenden Essys kommt.

Hat sich Hitlers Paradekünstlerin Leni Riefenstahl   ja auch schon sehr früh als Kriegsberichterstatterin ausbilden lassen, um an der Front zu fotografieren. Dann kam es zu den ersten Massenerschießungen und die Tränen kollerten, wurden wohl auch dokumentarisch festgehalten und von Peter Nadas gekonnt mit Viktor Klemperer, seinem mitleidigen Briefträger und der Sprache des dritten Reiches in Beziehung gesetzt.

Es gibt Texte über Camus, Imre Kertesz, Alexander Solschenizyn, der vor kurzem seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte,  den mir bisher unbekannten ungarischen Dichter und Universitätsprofessor Milan Füst, sowie einen über die Memoiren der Schwiegertochter von Milos Horthy, Ilona Edelsheim-Gyulai.

Dann geht es über den 1933 in Budapest geborenen Maler Alexandre Hollans und seine gemalenen Bäume zurück zum Wildbirnenbaum des Dörfchen Gomboszeg, wo Nadas außer in Budapest auch noch wohnt, wo sich die männlichen Dorfbewohner am Abend unter dem Baum versammeln und sich austauschen, während es auf der ganzen Welt noch andere Baumrituale und Mythen gibt.

Mit dem Museum geht es gleich weiter, dort steht Nadas  länger, weil er den “Punkt sucht, von dem aus der Maler das Bild gemalt hat”, wobei er vom Wärter mißtrauisch beobachtet wird, er sich aber nur seine philosophischen Gedanken über Monet und  seine Malkunst macht.

An Hand Klimts “Goldenener Adele”, beschäftigt Nadas sich mit Skandalen und kommt erst recht spät auf den Ausgangspunkt der Geschichte.

In “Ein zu weites Feld” geht er auf Grund Fontanes letzten Satz aus der “Effi Briest” noch einmal auf sein Schreiben, beziehungsweise das Schreiben eines Romanes ein, bevor es im letzten Text, um seine Nahtoderfahrung, die er 1993 nach einem Herzinfarkt hatte.

Ein interessantes Buch in dem man sowohl in das Leben Nadas, als auch in die Geschichte Ungarns, seine politischen Entwicklung und noch viel mehr  eintauchen und über den Zustand der Welt und ihre Verknüpfungspunkte philosophieren kann.

Der Südelefant

Nach der Weihnachtslesereihe gehts noch immer weiter mit dem Herbstlesen und da kommt ein Buch, das ich eigentlich schon zur Frankfurter Buchmesse lesen hätte wollen, denn da war Georgien das Gastland und Nino  Haratischwilli, deren Shortlistbuch, dem ich den Buchpreis gewünscht hätte, ich damals gelesen habe, hat Arche Kikodzes “Südelefant” übersetzt, aber dann hätte ich es einigen andere Büchern vorziehen müßen, was ich auch nicht wollte.

Also jetzt, wo ich langsam, langsam, an das Ende kommen, zumindestens was das 2018 Lesen betrifft.

Und der Roman, des 1972 geborenen georgischen Autors, Fotografen, Regisseurs, Schauspielers  und Naturführers, der wahrscheinlich wieder keiner ist, ist sehr zu empfehlen für den, der sich für Georgien interessiert und vielleicht noch keine Ahnung von dem Land und seiner Hauptstadt Tiflis oder Tblissi,”heiße Quelle”, wie das jetzt heißt, hat.

Oder auch nicht, denn wenn man keine Ahnung von der Stadt, wie sie ausschaut und welche Geschichte sie hat, tut man sich wahrscheinlich schwer mit dem Ich-Erzähler, ein, ich glaube, namenloser Regisseur, der für einen Tag seine Wohnuing verlassen muß, und in der Stadt herumstreicht, weil sein Freund Tazo sie für ein Liebesverhältnis braucht.

Einen Tag herumschweifen, ist es etwas, was ich auch öfter mache, ich suche da meistens Impressionen für mein nächstes Werk und diesbezüglöich kann man sich an dem Buch ein Vorbild nehmen, denn wenn man es so Achil Kikodze angeht, kommt am Ende vielleicht wirklich ein Roman heraus, obwohl das Buch keinen Plot oder Handlung hat oder doch vielleicht ein Höhepunkt und ein Spannungsbogen, der vom Anfang gekonnt zum Ende führt.

Er verläßt also sein Haus in dessen Flur ein Spiegel hängt, so daß sich die Liebespaare in der Nacht dort treffen und ihre Kippen hinterlassen, trifft dabei Medico seine Nachbarin und schon kommt es  zur ersten Geschichte, denn dem Park in dem er kurz darauf verweilt, trifft er Leo, das ist ein Strafentlassener und der war oder ist in Medico verliebt, hat ihr vor Jahren einen weißen BWM geschenkt, den sie aus Stolz nicht anrührte, so daß er bis zum Verrosten vor der Haustür stand.

Er geht dann in ein Cafe und sucht in seinem Handy nach einer Nachricht von seiner Tochter, die in Amerika studiert, er findet die Fotos, die ihm seine verflossene Geliebte Nelly von ihrer Israel und Jordanienreise schickt, die sie mit ihrem Mann, einen Tierarzt macht und ärgert sich darüber.

Dann geht es weiter durch die Stadt, in ihre Geschichte und in seine Vergangenheit, seine Eltern, seine Filme, seine Freunde und Dozenten werden erwähnt und auch das Stadtgeschehen, was der nicht so Tiflis Kundigen ein wenig Schwierigkeiten macht und wer sich jetzt fragt, wieso heißt das Buch so komisch?

Ich habe, muß ich gestehen, lange auch “Südseeelefant” gelesen. Ein solcher steht vor dem Museum und es gibt ein Foto vom Protogonisten und seinem Freund Tazo mit dem er studierte und der jetzt seine Wohnung braucht.

Er findet in seinem Handy dann ein Foto von Tazos Sohn, der hat eine geballe Faust herumgeschickt und macht sich Sorgen um ihn. So ruft er Taios Frau an, die ihren Mann auf Geschäftsreise wähnt, verlangt des Sohnes Nummer, trifft sich mit ihm in einem Mc Donald und erfährt von ihm, daß er gemobbt wird.

So ruft er die Mobber an und bestellt sie um sechs in den Park. Dorthin erscheint dann auch Leo, das ist der mit dem BMW um ihn beizustehen. Es klärt sich alles auf, das heißt doch nicht so ganz oder der Regisseur hat geschickt eine dramatische Wendung eingebaut, denn ein Schuß löst sich unbeabsichtigt, trifft Leo an der Zehe, so daß er ihn in seine Wohnung schleppen will, aber nein, dorthin kann er ja nicht, also bei Mediko anläuten, die ihn dann verarztet.

So daß wars, der noch weihnachtliche Gang durch Tiflis, in dem ich nie war, weiter als bis Litauen, Estland, Lettland und eineinhalb Tage in Lemberg bin ich, was die ehemalige SU betrifft ja nie gekommen, so daß es gut ist, sich vielleicht ein paar Tiflis-Videos anzusehen, um den Weg des Stadtstreichers  ein bißchen nachvollziehen zu können.

Das Leben des Vernon Subutex I

Jetzt kommt ein “Welt- oder “Spiegel-Bestseller”,  ein Kultbuch der französischen Autorin  Virginie Despentes, 1969 geboren, das fast an mir vorbeigegangen wäre, denn als ich im Frühjahr 2017 in Leipzig mit einer “Kiwi-Pressedame”, die Verlagsvorschau durchging, hat mir dieser Name noch nichts gesagt. Frankreich war dann im Vorjahr Gastland in Frankfurt und in “Ex Libris” habe ich dann von dem Buch gehört, es mir und die beiden anderen Folgebände, die glaube ich bis zu “Charly Hebdo” und die Anschläge von Paris führen, die aber noch nicht gekommen sind.

“Ein Abgesang auf die Grande Nation? Nein, ein Abgebrüll! Viginie Despentes legt mit “Das Leben des Vernon Subtex” einen grandiosen Roman über die französische Gesellschaft vor – voller Wut, voller Witz, voller Pop!”, steht am Buchrücken und das stimmt, beziehungsweise ist noch hinzuzufügen, daß es die Autorin stark, scharf und deftig angeht und man in eine Welt der Brutalität hineinkommt, die man wahrscheinlich noch nicht so oft gelesen hat.

Dagegen ist Thomas Klupps Jugendroman, ein Kinderspiel, könnte man so sagen und das stimmt auch und ebenfalls, daß man das eine, als Vorspiel, des anderen betrachten könnte und bei Virginie Despentes geht es natürlich nach Paris.

In das Paris vor 2015 und da hat Vernon Subutex seinen Plattenladen verloren. Na klar, Schallplatten gibt es  keine mehr, die Buchhändler haben es da noch besser und er lebt lange Zeit, Sozialsystem scheint es in Frankreich keines zu geben, so vor sich hin, verkauft seine Restbestände und hat einen Freund, den Sänger Alexandre, der seine Miete zahlt. Der  wird aber tot in einem Hotel aufgefunden und das Buch bebinnt.

Die Gerichtsvollzieher stehen eines Morgens vor seiner Tür, sagen ihm, er soll eine Tasche packen und lassen ihm einen Monat Zeit seine Möbel abzuholen.

Vernon ist aber bei Facebook und hat eine Menge Freunde, so sagt er, er wohne in Kanada, wäre für eine Weile nach Frankreich zurückgekommen, um seine Sachen zu ordnen und sucht eine Unterkunft für ein paar Tage.

So weit, so gut und dann geht es eigentlich sehr lange von Vernon weg und es werden stattdessen, die Geschichten von verschiedenen Künstlertypen, Pornostars, Transsexuellen, etcetera erzählt.

Einen Handlungsfaden gibt es doch und der dreht sich um Alexandre. Vernon hat ja Kassetten von ihm. Ein Produzent will sie haben, weil er fürchtet, daß da über ihn etwas zu finden sein könnte. Eine Journalistin will ein Buch über ihn schreiben und so wird Vernon gesucht, der zuerst ein paar Tage hier und ein paar Tage da übernachtet. Mal in einem billigen Hotel für eine Nacht nächtigt, in einer großen Wohung Platten auflegt und sich dabei in eine schöne Frau mit Penis verliebt. Einer anderen Frau, die in ihn versessen ist, stieht er einige Sachen und sie zieht dafür im Facebook über ihn her, bis er wirklich auf der Straße landet, bettelnd am Boden sitzt, von ein paar rechten Jungs angequatscht wird, von anderen Obdachlosen Tips bekommt und ihn eine Mutter eines Freundes retten will.

Die Geschichte führt dann wieder an den Ausgangspunkt zurück, beziehungsweise wird der Freund zusammengeschlagen und Vernon flüchtet in ein wahres Finale kräftiger Stimmen und man kann gespannt sein, wie es weitergeht?

Teil eins ist jetzt als Taschenbuch erschienen, Teil drei im Herbst im Harcover, Teil zwei war schon im Frühjahr dran.

Wie ich fälschte log und Gutes tat

Jetzt kommt noch einmal fast ein Weihnachtsbuch, jedenfalls endet es am dreiundzwanzigsten Dezember beim Christbaum schmückem mit dem schönen Strohstern, obwohl es in “Ex libris” als Jugendbuch bezeichnet wird, was ich auch ein bißchen bezweifle, denn man soll, sagte die fünfundsechzgjährige Pädagogin in mir, die nicht auf schlechte Ideen bringen, reichen doch höchstwahrscheinlich, die, die sie schon haben und füge deshalb hinzu, daß ich glaube, daß dem 1977 geborenen Thomas Klupp der beim “Bachmann-Preis” gelesen hat und dessen “Paradiso” ich gelesen habe, da ein hervorragender Schelmenroman gelungen ist.

Einer, der sehr sehr überspitzt, wie es woh Klupps Art zu sein scheint, die schönen Zeiten wie diese schildert, in denen wir aufwachsen und leben müssen und er sucht sich dabei ein Mittelschichtbubi heraus. Benedikt oder Ben ist fünfzehn, sein Vater Chefarzt, die Mutter stammt zwar von einem Bauernhof und ist wahrscheinlich deshalb so darauf bedacht, daß ihre Kinder, wieder in Zeiten, wie diesen Musterschüler sind, weil man es sonst im Leben ja nur zur Putzfrau oderMüllmann bringt.

Also müssen es immer “Einsen” und höchstens “Zweien” sein. Benjamin ist auch Tennischampignon und als dieser wird er im Kepler-Gymnasium, das eine sehr fortschrittliche Direktorin hat, mit seinen zwei Freunden dazu ausgewählt, die Coverboys einer Antidrogenkampagne zu sein.

Toll, das Problem ist nur, daß die Freunde, wie wahrscheinlich viele Jugendliche in diesem Alter, ihre Wochenende am “Butterhof verbringen und da wird gedealt, gekokst und wahrscheinlich noch anderes verbraucht, wie es nur so geht.

Die Mutter, die ihren Sohn dafür bezahlte, daß er sie immer, wenn ihre Freuninnen vom “Lions Club” anwesend sind, anrief, damit sie ihre Sprachkenntnissen beweisen kann, hat als Vorzeigefrau Flüchtlinge in ihrem Haus aufgenommen, die dann die kaputte Spüle reparieren oder bei Charity-Parties mit weißen Handschuhen grillen und damit es noch besser geht, hat sie auf diesen Parties auch die Drogendealer eingeladen, die dann die Schecks für die geplanten Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung stellen.

Man sieht Thomas Klupp geht es scharf an, zeichnet ein scharfes Bild von der Gesellschaft von heute mit allen ihren Schwächen und verwendet einen ultrascharfen <jugendton dabei, der es den ölteren <lesern gar nicht so einfach macht.

Die Schule wird haarscharf geschildet und da können dann die Älteren, die heutigen Zustände mit denen die sie vor zwanzig dreißig oder vierzig Jahren vergleichen, denn damals hat es noch kein elektronisches System gegeben, mit dem die Eltern mit der Schule komminizieren konnten Die Noten wurden noch mit der Hand unterschrieben.

Das heißt, das funktioniert auch heute noch und deshalb tut sich unser guter Ben auch so schwer. Ist er doch in dem Alter, wo ihm das Lernen an  sich egal ist. Die Mädchen sind ihm wichtig und da hat er und auch das ist trefflich geschildert, eine Pseudofreundschaft mit einer Marietta, die ihn auf den Hauptplatz des Stätdchens bestellt, um ihren Freundeinnen ihren tollen Freund zu zeigen.

Abknutschen nach Bestellung sozusagen und in der Klasse setzt sich ben neben die brave Margarete, damit sie ihm abschrieben läßt. Denn er muß ja immer “Einser” und “Zweier” nach Hause bringen, steht aber in Wirklichkeit, weil ihn das ja nicht interessiert, auf “vier” oder “fünf” und Lehrer Sargnargl, der in wirklichkeit Scharnagel hat und an Krebs leidet, macht es seinen Schülern auch noch besonders schwer. Auch an das können sich die Älteren warhscheinlich erinnern, daß sie solche Lehrer hatten. Die supergeile Direktorin, die den Klassenraum mit “Guten Morgen, liebe Schhüler und Schülerinnen!”, beschallen läßt und sie zu höheren Leistungen anspornt, damit der Notendurchschnitt stimmt und sie eine gute Evaluierung erhält, fehlte wahrscheinlich und das hat mich bei dem Buch auch so beeindruckt wiedermal zu lesen, daß der Leistungsdruck heute wahrscheinlich sehr sehr hoch ist und es den Schülern, nicht so einfach macht und so entwickelt der gute Benny seine Fälscherwerkstatt, sitzt statt in der Stunde im Keller, um seine Zeugnisse und Schularbeiten zu fälschen und der Mutter ein “sehr gut” vorzutäuschen.

Und damit nicht die Frau Professor nach Hause kommt und der Mutter doch erzählt, daß er den Förderkurs in Anpruch nehmen muß, verkauft er die mütterlichen Antiquitäten, um damit dem armen tscheschischen Musterschüler ein Smartphone zu kaufen, damit der ihm dafür auf dem Klo die Schularbeit schreibt.

So etwas habe ich schon in einem Jugendbuch aus den Fünfzigerjahren gelesen “Drei Mädchen am See” hat das, glaube ich, geheißen und Alfreds Lehrer Sladky von der Wandergruppe hat auch einmal davon erzählt, daß seine Schüler eine Schularbeit einmal fälschen wollten und er hat klar erkannt, daß Schummelzettel vorbereiten, auch viel Lernarbeit erfordert.

In Thomas Klupps Roman ist natürlich alles sehr übertrieben und so kommt es noch zu einem Einbruch in des strengen Lehrers Wohnung und zu einem fast Herzinfarkt, bevor das Weihnachtsfest beginnen kann und die Glocken erklingen und dieses ist ja auch schon fast vorbei.

Sterne pflücken

Das dritte Weihnachtsbuch, beziehungsweise Buch von meinem Bücherchristbaum habe ich der 1959 in Linz geborenen und in St. Pölten lebenden Doris Kloimstein zu verdanken, die ich zu den Zeiten kennenlernte, als ich von St. Pölten nach Wien in meine Praxis gependelt bin und daher einmal zu einer Regionalversammlung der IG-Autoren dorthin ging.

Das ist lange her. Damals war sie, glaube ich, Obfrau der LitGES oder hat die Zeitscherift “Etcetera” aufgebaut.

Sie hat mich auch zu einer Lesung eingeladen, wo ich mit Manfred Wieninger lesen hätte sollen, der war aber noch in seinen Plagiatsskandal verstrickt und hat daher abgesagt, dann habe ich sie einmal in St. Pölten getroffen, als gerade die “Frequency” stattfand und man die Traisen eigentlich nicht befahren durfte.

Am Markt treffen wir uns jetzt öfter und sie war auch ein regelmäßiges Mitglied der Schreibgruppe, die es seit Sommer ja nicht mehr gibt, war Dramaturgin oder Regieassistentin im Stadttheater St. Pölten, hat oder spielt immer noch Geige, arbeitet bei der katholischen Kirche, obwohl sie sehr kritisch ist, ist Mitglied des PEN und veranstaltet diesbezüglich viele Frauenveranstaltungen und Ausstellungen.

Also eine sehr vielseitige Frau und das merkt man dem kleinen Weihnachtsbüchlein, das sie mir zusteckte, als ich sie Anfang Dezember bei einer Veranstaltung zum Frauenwahlrecht im Literaturhaus getroffen habe, auch an.

Klein aber fein, das heißt ein Umfang von nicht einmal vierzig Seiten und dann noch wunderschöne Bilder der ebenfalls in Linz geborenen Karin Köppl.

Engel und auch einmal eine Marienfigur mit dem Kindchen und dem Esel kommen darauf vor und immer wieder eine gut zu erkennende Geige spielende Doris Kloimstein und von ihr sind in dem Büchlein zwei Prosatexte “Wechselgespräch” und “Weihnachtsstimmung” genannt und eine Reihe von Gedichte, die eine oder einem mehr oder weniger in Weihnachtsstimmung versetzen können.

Das “Wechselgespräch” ist, wie ich denke, ebenfalls für Doris Kloimstein typisch, wie sie leibt und lebt. Da hat sich eine doch wieder einmal überarbeitet, so daß sie plötzlich Stimmen hört, die ihren kritischen und  wahrscheinlich auch Widerspruchsgeist rührt.

“Weißt Du”, sagte die Stimme. “Du wirst dich erholen und weitermachen. Einfach weitermachen.”

“Das muß ich sowieso”, brummte ich, ob mit oder ohne Deinen guten Ratschlag.”

“Sicher sagte die Stimme, “morgen wenn Du  am Abend neben dem Christbaum im Ohrensessen sitzt, dann reden wir weiter.”

Dann geht es in die “Weihnachtsstimmung”.

Ein Engel ist da auf linken Seite zu sehen und Doris Kloimstein beginnt ihren Text mit “Weihnachten – ja ich mag Weihnachten” und fährt bei paar Zeilen weiter fort “Wenn Mitte November die Nikoläuse reihenweise in den Supermärkten herumstehen, dann mag ich Weihnachten nicht.”

Um mit den zeitgenössischen Autoren fortzufahren, die es sich nicht leisten können “Gott zu loben, wenn sie in der Literaturszene ernst genommen werden wollen.”

Dann kommt sie zu den Liedern, die bei ihr zu Hause zu Weihnachten gespielt oder gesungen werden “bevor alle nur mehr in Richtung Küche schauen, aus der Kulinarisches herausduftet.”

“Stille Nacht” und “Es wird schon glei dumpa”, führt sie an. Aber im letzten Jahr hat sie auch “Dschingl Bells” geprobt. Dann “hat der Christbaum Feuer gefangen und “Dschingl Bells” ist für das nächste <Jahr ausgefallen.

Ja, Doris Kloimstein ist sehr hintergründig und kann durchaus zynisch sein, wie man vielleicht auch bei ihren Gedichten merken kann.

“Will die Sterne am Kleid des Engels zählen so wie damals und mich freuen Will die Berechnungen vom Tisch wischen wie ein Kind die Bauklötze und an das Wunder glauben”, heißt es da etwa oder

“Lichterketten, Tannenzweige – niemand sieht den Sinn dahinter Immer wieder wird es Winter heißt der brav gelernte Satz” um im “Dornenwald unserer Gedanken” zur Hoffnung zu kommen, denn

“Unendliche Hoffnung auch im Schmerz denn ein Licht und unendliche Liebe dereinst und heute”

So endet das Buch, um zu den beiden Biografien zu kommen und man hat sich, vielleicht neben den Christbaumkerzen schnell durch die fünfunddreißig Seiten durchgeblättert, dabei ein paar Kekse, Villekipferl oder Lebkuchenherzen genascht und ist, je nach dem, wie man zu Weihnachten steht, besinnlich oder rebellisch geworden.

Beides ist, glaube ich, in dem Buch vorhanden, gehört zu Doris Kloimstein, wie ich sie kenne und die zarten schönen pastellfarbigen Bilder von Karin Köppl passen dazu und sind auch ein Gewinn.

ds`weinochdn

Und jetzt kommt das zweite Buch von meinem Bücherchristbaum und Adventkalender, das zweite Weihnachtsbuch des Jahres, eines das nicht aus der “Wundervollen Buchhandlung” stammt und eines das  auch  zwischen dem Geburtstagsfest und Weihnachten zu mir gekommen ist, nämlich Franz Blahas in ottakringischen Dialekt, wo er offenbar aufgewachen ist, zwischen 2001 und 2016 für die Weihnachtsfeier im “Häferl”, dem Treff für Haftentlassene, wo ich auch schon mal gelesen habe, geschriebe Gedichte, die er jetzt herausgegeben hat und am dem Tag im Ottakringer Bezirksmuseum vorstellte, als das letzte KAV-ÖAAG- Refelexionstreffen mit Sekt und Brötchen war, so daß ich zu der Präsentation nicht kommen konnte.

Herr Blaha, den ich schon länger von Lesungen zu denen er auch als Besucher geht und auch einige seiner Publikationen kenne, war aber so lieb, mir das “Weihnachtsbuachl” zur “Poet-Night” vorbeizubringen, so daß es heuer bei mir doch sehr weihnachtlich wird.

Man sieht, ich komme trotz aller “Winterfestumbauaktionen” nicht darum herum und kann so am vierundzwanzigsten Dezember nicht nur einen Christbaum, sondern einen besinnlichen Gang durch Franz Blahas Kindheit, wie ich vermute, die sich auch zum Teil mit meiner deckt, denn ich bin ja ab 1953 in Hernals in der Wattgasse aufgewachsen und habe als Kind oft die eine Großmutter, die in Ittakring in den sogenannten Jubiläumsbauten lebte und die andere, die mit ihrer Tochter, meiner Tante Grete und ihrer Enkeltochter Susi, meiner Cousine, in einem Gemeindebau in der Hütteldorferstraße im vierzehnten Berzirk, ein Stückchen weiter unten lebte, geben.

Die Gedichte sind, wie Franz Blaha in seinem Vorwort schreibt im Ottakringer Dialekt geschrieben und wurden der besseeinem ziemlichen <hren Verständichkeit wegen, nicht in Hochdeutsch, sondern im “Normaldialekt” übersetzt und das ist gut so, denn sie wären sonst ziemlich unverständlich, denn ich bin ja auf Wunsch meiner Mutter in Hochdeutsch aufgewachsen, damit ich es einmal besser habe im Leben, wie das damals so  hieß und kann mich an dieses Ottakringisch auch nicht wirklich erinnern und glaube, daß die, in den Siebzigerjahren verstorbene Großmutter, ebenfalls Hochdeutsch, wahrscheinlich mit einem mehr oder weniger starken tschenischen Akzent, gesprochen hat.

Die Gedichte also bei der Weihnachtsfeier für Haftentlassene,Obdachlose und andere Menschen, die es wahrscheinlich nicht so gut im Leben haben und wie schon geschrieben, viel Nostalgisches und Sachen an die ich mich bei meinen Weihnachtsfesten in der Wattgasse, die ich eigentlich trotz der Kinderbücher von Friedrich Feld von Vera Ferra-Mikura, die Weihnachtsgaben der “Kinderfreunde” für die SPÖ-Mitglieder, was mein Vater ja bekanntlich war und sehr aktiver Berzirksfunktionär mit Kanditat Nummer sechszehn für die Bezirksvorsteherliste, kein sehr angenehmes war, denn die Mutter hat, wenn sie von ihrer Arbeit als Kindergartenhelferin nach Hause gekommen ist, noch bis weit in die Nacht des Vierundzwanzigsten geputzt und gebacken und war dann am nächsten Tag, wo es den Karpfen und die Pute vorzubereiten und den Christbaum aufzuputzen galt, nicht mehr so gut aufgelegt und der Vater drohte mir, daß es keine Geschenke gäbe, wenn ich nicht hoch und heilig an das Christkind glaube, was ich so zwischen dem ersten Trotzalter und der Pubertät ernster genommen habe, als ich es wahrscheinlich sollte.

Nun gut, so waren sie wahrscheinlich die Nachkriegsweihnachten in die Wirtschaftswundergeneration. Einen Christbaum hatten wir, das habe ich schon geschrieben, Krippe ist keine darunter gestanden und so habe ich auch an den “Ochs und den Esel” nicht so sehr geglaubt, denen Franz Blaha seine erstenGedichte widmete.

Das Cover ziert eine “Hausgrippe” nach einem Foto von Andreas Praefcke. Vorher gibt es noch ein Gedicht, das wahrscheinlich auch aus Franz Blahas Kindheit stammt, wo sich die dreißig Schilling am Tag verdienende Mutter, die ihrem Sohm ein Buch, um diesen Betrag kaufte, darüber ärgert, daß er es, statt es schön Tag für Tag einzuteilen, um länger davon etwas zu haben, ratzeputz sofort auslas.

Ja damals hat man sich über die lesenden Kinder noch geärgert und sich gefragt, ob sie niechts besseres zu tun hätten? Heute würde man sich darüber freuen, weil sie dann bis zur Matura wüßten was “Pathos” heißt, vielleicht mehr als fünf österreichische Autoren kennen und sie auch gelesen haben.

Die Zeiten ändern sich, heute biegen sich die Christbäume und die Geschenke darunter sind so teuer, daß die Schuldnerberatungsstellen vor Weihnachten im Radioempfehlen, daß man  nicht mehr ausgeben, als man hat und an den Einkaufssamstagen möglichst keine Kreditkarte mitnehmen soll, während Franz Blahas oder eine andere Oma vor demn schönaufgeputzen Christbaum der Zweitauserjahre steht und sich daran erinnerte, daß früher, als der Bundeskanzler keinen Baum zu Weihnachten versprechen konnte, alles viel schöner und viel besser war, die Gans , die es damals nicht gab, viel besser schmeckte, die Kerzen heller strahlten, etcetera. Ja, die Erinnerung kann trüben oder man hat sie sich verklärt.

Und so erinnert sich auch Franz Blaha an die Zeiten, als er erst ins Zimmer durfte, als der Christbaum schon aufgeputzt war und die Mutter am Fenster stand und ihm verkündete, daß das Christkind gerade hinausgeflogen war, weil es ja noch so viele andere brave Kinder und Franzu Blaha hasste dann diese, bescheren mußte, bevor er sich am Christbaum erfreute, an denen die Zuckerln hingen, die er selbst mit der Mutter eingewickelt hat, “weil man dem Christkind ja helfen mußte.”

Das Christkind trifft er dann an der Straßenbahnhaltestelle, als er vom Ottafkringer Friedhof kam, wo Anmerkung, nicht nur meine Großmutter begraben liegt, sondern auch Gerald Bisinger, Gerhard Kofler, etcetera und das erkundigt sich, ob hier der J-Wagen zum Karlsplatz fährt, aber die Straßenbahnen haben jetzt andere Nummern,  fahren andere Routen und das Christkind war offenbar schon lange nicht mehr da.

Auch kein Wunder, denn der Weihnachtsmann oder Santa Claus mit dem roten Mantel, der mit Renntieren im Schlitten fährt, hat es aus Amerika kommend, längst verdrängt und schmeißt jetzt seine Geschenkpackerl durch den Kamin und ein solches Gedicht, wo der heilige Klaus vorm PC sitzt und nicht gestört werden will, gibt es auch.

Dreizehn länger oder kürzere Weihnachtsgedichte in breiten Ottakringer Dialekt also, die sich in der Übersetzung, El Awadalla und ihr “morgenschtean” wird auch noch erwähnt, gut verstehen lassen und einen wahrscheinlich in die eigene Kindheit zurückführen, auch wenn man vielleicht viel später und nicht in Hernals oder Ottakring aufgewachsen ist und die ich allen Weihnachtsnostalgikern und auch Weihnachtshassern empfehlen kann, ob sie Petra Hartlieb in ihrer wundervollen Buchhandlung so leicht besorgen kann, weiß ich nicht. Franz Blaha ist aber ein sehr eifriger Literaturvermittler, hat oder hatte jetzt auch eine Schreibwerkstatt in der Pannaschgasse und wird sicher weiterschreiben.

“Ich wünsche euch schöne Weihnacht`n mit Kekserln und Kerzerln und ein schönes neu s Jahr”, das erstere habe ich zwar schon geschrieben, wiederhole es aber gern!

Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung

Nun kommt am Vorabend des vierzundzwanzigsten Dezember mein erstes Weihnachtsbuch, das eigentlich keines ist, weil es die stressige Zeit davor beschreibt, denn ich habe mir durch das Bloggen angewöhnt im Dezember Weihnachtsbücher zu lesen und zu sammeln.

Im Jahr 2015 habe ich sogar eines geschrieben und mir angewöhnt, an manchen Tagen ein Adventkalenderfenster in den Blog zu stellen, dann ist die Leseliste aber zu lang geworden, daß keine Zeit mehr war für angesammelten Weihnachtsbücher und das neue Kapitel. So habe ich in den letzten zwei Jahren, glaube ich, nur die Weihnachtsbücher gelesen, die Rezeptionsexemplare waren und heuer ist das wieder anders, denn Margit Heumann hat mir ja auf meine Frage was ich mir zu Geburtstagwünsche “Ein Buch natürlich (weil ich ja noch keines habe)?, einen “Thalia-Gutschein” geschenkt, das war zu Zeiten der “Buch-Wien” und wenn man dort hin will, muß man  seit einigen Jahren, wie Benedikt Föger bei einer seiner Eröffnungsreden so schön erwähnte, durch eine improvisierte Buchhandlung gehen und da habe ich auf den Stapeln zuerst Petra Hartliebs “Winter in Wien” die Geschichte von Arthur Schnitzlers Dienstmädchen gesehen. Das kostete circa elf Euro, wenn ich den Nachfolgeband auch gesehen hätte, wär das Problem gelöst gewesen, denn das hätte ich gern gelesen. Es war aber November und Petra Hartlieb hatte auf der “3Sat-Louge” am Vortag gerade ihr neues Buch “Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung” vorgestellt, was vom Preis auch passte, denn die 1967 in München geborene, in OÖ aufgewachsene und lange in Hamburg lebende Petra Hartlieb hat ja 2004 in der Währingerstraße eine Buchhandlung übernommen. Krimis hatte sie da oder danach auch schon geschrieben und ich sie daraus auch lesen gehört und dann ist sie mir als  “Gegen-Amazon-Kämpferin” aufgefallen, die offenbar alle Leute mit einem solchen Päckchen in der <hand ansprcach und “Entschuldigen sie warum kaufen Sie nicht bei mir fragte<ß”

Das hat mir nicht so gut gefallen, aber schreibe ich dazu, ich kaufe weder bei “Amazon” noch bei “Hartliebs-Bücher” und da würde ich mir nur ein ein bis höchstens drei Eurobuch aus der Abverkaufskiste ziehen. Ist ein Schlechtpunkt für mich, ich weiß, ist aber so.

Dann erschien 2014 die “Wundervolle Buchhandlung”.

Die Blogs überboten sich an Lobpreisungen und ich bin in Harland in diesem Jahr glaube ich, um Weihnachten mit dem Rad nach St. Pölten gefahren, habe mich in den “Thalia” gesetzt, das Buch durchgeblättert und mich gewundert, denn soviel Tolles, wie die Blogs schwärmten, habe ich nicht darin gefunden.

Dann bin ich ein paar Jahre später wahrscheinlich nicht um Weihnachten wahrscheinlich vom Literaturhaus nach Hause gegangen, vom “Wortschatz” stehen geblieben und habe die “Wundervolle Buchhandlung” dort gefunden.

Vielleicht war es sogar ein Leseexemplar, die die “Bücherinsel” aussortiert hat, die tun das manchmal und stempeln dann ihren Namen hinein oder einer der anderen Literaturkritiker oder Blogger die in der Gegend wohnen, ist es gewesen.

Das weiß ich jetzt gar nicht so genau, habe aber bei “Amazon” und auch bei einigen Bloggern über das Nachfolgebuch gelesen und dort erfahren, daß gar nicht soviel Neues drinnen stehen soll und ein “Amazon-Leser” hat sich sogar über die genervte Buchhändlerin beschwert, die über ihre Arbeit jammert und die Bücher von einer Asylwerbertin einpacken läßt.

“Uje!”, habe ich gedacht “wenn ich jetzt schon alles weiß!”

Denn wahrscheinlich hat mich das altmodische Cover mit dem Bäumchen und dem Mann im roten Anhzug mit einem Buch in der Hand vor den Bücherregal angezogen und muß sagen, ich bin postiv überrascht, denn wirklich bekannt war wahrscheinlich nur das erste Kapitel, wo Petra Hartlieb erzählt, wie sie zu ihrer wundervollen Buchhandlung kam.

Dann kommen die Weihnachtsanekdoten und die mag ich ja sehr gern und es interessiert mich auch, wie es in einer Buchhandlung zugeht.

Petra Hartlieb hat inzwischen eine Filiale in der Porzellangasse, einen Lagerraum gegenüber, so daß sie nicht mehr zur Weihnachtszeit ihre Bestellungen im Eßzimmer lagern muß, in das sie aber noch heute offenbar im Dezember nie kommt, um gemütlich Punsch zu trinken, denn Weihnachten  beziehungswweise das Monat davor, ist die streßigsteZeit für den Buchhändler. Wird da doch zwanzig Prozent des Umsatzes gemacht und Petra Hartliebs Buchhandlung ist um diese Zeit auch immer bummvoll. Der Herr Primar, wahrscheinlich vom naheliegenden AKH, kommt kurz nach Geschftsschluß noch mit seinem Bestellzettel herein. Die Kunden bringen Vanillekipferln und nur eine Dame will sich fünf vor sechs noch vierundzwanzig “Pixie-Büchlein” einpacken lassen. Sie tut es dann selbst, nimmt sich aber das Papier dafür mit und zu Petra Hartliebs Kunden gehören neben Ärzten und Kammersänger auch Doris Knecht, oder ist sie mit der nur befreundet und verkauft ihre Bücher, die lädt sie jedenfalls auch im Dezember zu ihrem berühmten Parikahendl, Rezept im Anhang, was ich sehr unnötig finde, ein und Petra Hartlieb sitzt dann da und schweigt, weil sie zu müde zum Reden ist, hat sie doch den ganzen Tag hunderte Bücher beschrieben und genauso viele eingepackt, obwohl sie jetzt ja die besagte Syrierin hat, die früher Mathematiklehrerin war, ihr jetzt aber zur improvisierten Weihnachtsfeier einen selbstgemachten Brunnen bringt.

Wenn plötzlich ein Virus herumgeht und Petra Hartlieb und ihr Mann Oliver, der in der Nacht, die Bestellungen abarbeitet, zu kotzen anfangen, ist das genauso eine Katastrophe, die sich gut auflöst, wie wenn plötzlich der Strom ausfgällt oder der Computer nicht mehr funktioniert und dann kommt einmal ein Herr Mayerhofer mit seinen abgeholten Bestllungen zurück, denn das waren nicht seine Bücher und ein paar Tage später kommt sein Bruder, denn der heißt auch so und bestellt ebenfalls bei Petra Hartlieb, also werden fortan auch die Vornaamen auf die Bestellungen geschrieben und natürlich sollen die Kunden kommen und bestellen, denn Weihnachten ist ja zwanzig Prozent des Jahresumsatz, auch wenn die Buchhändler und die anderen Verkäuferinnen, wie der unzufriedene “Amazon-Kunde” erwähnte, am Vierunzwanzigsten um dreizehn Uhr kaputt aus dem Geschäft gehen und unter dem christbaum einschlafen, während das kleinereKind beseelt mit seiner Puppe spielt.

Ein amüsantes Buch das ich, die Nichtkäuferin” in zwei Schwüngen beschwingt in der Badewanne ausgelesen habe und “Fein!”, denke, “wenn die Leute vor Weihnachten so viele Bücher kaufen!”

Obwohl ich ja immer höre, daß die Zahl der Leser zurückgeht und auch der Buchhandel vor kurzem eine Zahl veröffentlicht hat, um wieviel Prozent der Umsatz zurückgegangen ist. Bücher gibt es ja immer noch in Hülle und in Fülle, weil die Leute zwar offensichtlich weniger lesen, aber gern selber schreiben wollen, aber in einem kann ich dem “Amazon-Kritiker” zustimmen, daß achtzehn Euro, in Österreich sind es wegen der Mehrwertsteuer noch einmal fünfzig Cent mehr für das sehr dünne kleine Büchlein wirklich sehr viel sind und ich mir das zum Normalpreis nicht kaufen würde, obwohl ich vor kurzem dem Schuster achtzig Euro für die wiederholte Reperatur meiner zwei Paar Waldviertlerschuhe gegeben habe und dann bin ich zum abverkaufenden Antiquariat nebenan gegangen und habe mir zwei Bücher um je drei Euro gekauft und bevor meine Leser jetzt aufstöhnen und sagen, daß ich den Weihnachtsfrieden mit meinen Bemerkungen störe, kann ich auf morgen und übermorgen hinweisen, wo noch zwei dünne Weihnachtsbüchlein kommen, die mir zwei befreundete Autoren geschenkt haben.

Im Blick

Nun kommt das zweite Buch aus der “Kremayr& Scheriau” Frühjahrsproduktion, da hat mir Tanja Raich schon in Leipzig die Frühjahrsvorschau übergeben.

Barbara Riegers Debut habe ich noch vor unserem Urlaub besprochen. Danach kamen die “Buchpreise” und die Bücherflut. Die zwei anderen Bücher habe ich noch später bekommen, so daß sich das Lesen in diesem Jahr wahrscheinlich nicht mehr ausgegehen wird.

Barbara Riegers “Bis ans Ende Marie” ist ein, wie das so schön heißt “Coming of Age”- Roman, also einer der vom Erwachsenwerden handelt und da habe ich mich ja mit “Bookster” zerstritten, weil ich ihm die Frage “spoilerte”, ob die Marie und die Erzählerin dieselbe Person wären?

Ich weiß das noch immer nicht so genau, aber bei Marie Luise Lehners dritten Buch, das wieder als Roman gehandelt wird, obwohl es keiner ist “Im Blick” stellte sich mir eine ähnliche Frage, ob das “Du” zu dem, die Erzählerin spricht, ein Mann, eine Frau oder überhaupt geschlechtlos ist?

Darum geht es auch in dem Buch, das man vielleicht auch als ein “Coming of age” bezeichnen könnte, um das Erwachsenen werden als Frau in dieser Gesellschaft, um Frauenfreundschaft, lesbische Beziehungen, Gewalt an Frauen und noch um vieles mehr.

Die 1995 geborene Marie Luise Lehner habe ich, glaube ich, bei einer Lesung der Sprachkunst im Literaturhaus kennengelernt, da hatte sie, glaube ich, schon ein Buch, das zweite, ihr erstes bei “Kremayr & Scheriau” “Fliegenpilze aus Kork” habe ich gelesen und war dann beim vorigen “Alpha” sehr erstaunt “And the winner is…” zu hören.

“Was eine so junge Frau?”

Und ihr jetziges Buch, das aus längeren oder kürzeren sprachlich kunstvollen  Sequenzen besteht, ein paar Gedichte sind auch dabei, macht es einer oder einem vom Inhalt her, auch nicht sehr leicht, es zu lesen. Sind die Fragen oder die Antworten, die es darauf gibt, oft sehr unbequem, verstörend oder überhaupt nicht so leicht zu stellen und zu beantworten.

Es gibt zwei Handlungsstänge. In dem einen wird das Aufwachsen  der namenlosen Erzählerin, einer lesbischen Frau, wie sie sich outet, zu einer Anja von deren zehnten bis einundzwanzigsten Lebensjahr erzäht.

“Anja und ich sind gemeinsam zehn…, etcetera.”

Im Zweiten, die Beziehung des Ichs zu einem du, von dem mir obwohl es bei “Amazon” anders steht, nicht so klar wurde, ob das jetzt die Liebhaberin ist?

Es gibt lange blonde Haare und einen schmalen Körper, ja, dann aber auch wieder sehr männliche Verhaltensweisen. Es gibt auch eine Beziehung, “Die Wölfin”, von der sich das “du” nicht so ganz lösen will und das Ich dann nicht vom “du” obwohl, sie es will, es versucht, sehr unglücklich darüber ist, ihr Wort bricht, etcetera.

Bis mir klar wurde, daß das vielleicht genau das ist, was Marie Luise Lehner erzählen will, daß die Geschlechterzuordnung eben nicht so eindeutig ist und sie wanken und schwanken kann.

Im dritten Strang oder besser zwischendurch wird die Gewalt an den Frauen in allen ihren Facetten und Formen thematisiert.

Marie Luise Lehner ist eine sehr junge Frau und wenn man davon ausgeht, daß sie das Buch mit vielleicht zwei- oder dreiundzwanzig Jahren geschrieben hat, ist klar, daß es eine sehr junge, für eine über Sechzigjährige vielleicht auch verstörende und nicht so leicht zu verstehende Sprache ist, in der sie das tut.

Die Erlebnisse in der Schule der beiden Mädchen werden thematisiert. Die Schüler zwingen die Lehrer ihnen endlich Sexualaufklärungksunterricht zu geben. Es gibt einen Konstatnin von dem alle behaupten, daß er schwul wäre.

Er dementiert das lange, hat eine Freundin namens Charlote, die er dann auf einem Ball unfair behandelt. DieMädchen der Schule sind deshalb lang bös auf ihn. Die Lehrer rufen die Mutter in die Sprechstunde, sagen “Ihr sohn ist schwul, er soll sich aber anders anziehen, weil er so in der Hierarchie unten durch ist und sich nicht wehren können wird!”

Reagieren Lehrer wirklich so? In meiner Schultzeit nicht und auch in der Rahlgasse wo die Anna war,  würde ich es nicht vermuten, obwohl die Rahlgasse eine sehr fortschrittliche Schule war und vielleicht auch noch ist.

Konstantin outet sich der Erzählerin dann doch. Trifft sich auch mit einem, den er auf einer Plattform kennengelernt hat. Er trifft ihn in einer U- Bahn-Station. Da geht einer auf ihn zu, er umarmt ihm. Es stellt sich aber heruas, daß er ihm nur ein WFF- Abuchauftrag verkaufen wollte.

Die jungen Frauen wachsen sehr selbstbewußt auf, nehmen Drogen, interessieren sich für Kunst, studieren Kunstgeschichte oder Tanz. Reisen viel in der Welt herum und wollen auch den arabischen Raum per Auostop und Coachsurfing erobern.

Aber wie tut man das, als junge Frau in einer Welt der männlichen Gewalt, wo man von den Eltern immer gehört hat, daß man aufpassen muß und zu keinen fremden Mann ins Auto steigen oder in die Wohnung gehen soll?

Da muß muß man schon Strategien entwickeln, sich zu wehren, um einigermaßen unverletzt durch dieWelt zu kommen und da sind wir schon beim Thema von Bettina Wilperts Debutroman, denn es ist auch eine Welt, wo der Alkohol und die Drogen fließen. Pillen werden einen zugesteckt und dann kann es schon sein, daß man sich dann plötzlich in einem Bett befindet, einer Sex von einer will und man sich vielleicht nicht wie man will, wehren und ihn wegstupsen kann.

Dazu gibt es auch eine Szene über die sich nachdenken und diskutieren läßt. Es geht um eine Paula, eine Freundin oder Kollegin von irgendwem. Sie steigt zu einem Mann ins Auto, der zeigt ihr dann seinen Schwanz und streichelt ihr über den Schenkel.

Was jetzt? Soll sie ihn anzeigen?

“Ja!”, raten die engagierten Frauen. Sie tut es und er wird wegen mangelnden Beweisen freigesprochen.

Die über Fünfundsechzigjährige würde auch hier raten, aufpassen zu wem man ins Auto steigt, die Hand wegnehmen und “Steck deinen Schwanz weg!”, energisch sagen.

Anzeigen würde ich das nicht und denke auch, daß das wahrscheinlich nicht nötig ist und auch, wenn die jungen Feministen jetzt aufschreien, denke ich schon, daß ich nicht ganz “unschuldig” bin oder mich vielleicht nicht wundern sollte, daß da eine Hand auf meinen Schenkel liegt, wenn ich zu einem fremden Mann ins Auto steige.

Aber ich bin mit Achtzehn während meines Praktikums in St. Christoph am Arlberg auch öfter nach Innsbruck oder Vorarlberg oder auch nur nach St. Anton Auto gestoppt und es ist nie etwas passiert, obwohl die Älteren natürlich mahnten, daß man das nicht tun soll!

Ein sehr interessantes Buch also, in einer sehr schönen modernen Sprache geschrieben und die politischen Situation, die Demonstration der Identitären, gegen die das Ich mit seinem du, wenn ich mich nicht irre,  demonstriert, wird erwähnt, die Einsparungen der Regierungen bei Frauenprojekten, also hat Marie Luise Lehner das Buch wahrscheinlich später als mit Zweiundzwanzig, sondern in diesem oder letzten Jahr geschrieben.

Es ist kein Roman und Anfangs habe ich gedacht, daß ich damit nicht viel anfangen kann. Dann habe ich weitergelesen. Es ist mir klar geworden, daß es vielleicht nicht so wichtig ist, herauszufinden, ob das “du” jetzt ein Mann oder eine Frau ist und, daß es wahrscheinlich doch sehr interessant und wichtig ist, was uns Marie Luise Lehner da mit ihrer frischen Sprachkunstsprache da erzählt.

 

Römisches Fieber

Nun kommt wieder  ein Buch der Herbstleseliste, im September erschienen, eines das nicht auf der deutschen Liste stand, das wahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre, obwohl ich es, glaube ich bei “Morawa” liegen gesehen habe, was schade gewesen wäre, denn dem 1965 geborenen, in Tokio lebenden Christian Schnalke ist im “Römischen Fieber,” übrigens ein Debut, das, glaube ich, nicht auf der Bloggerdebutlonglist gestanden ist, in leichter lockerer Manier, ein würde ich sagen, moderner Gespenster- oder Schauerroman gelungen.

Susanne Röckl hat ja mit dem “Vogelgott” etwas Ähnliches versucht und ist damit auf der Shortlist des dBp gestanden, Christian Schalkes Buch ist dazu wahrscheinlich zu locker und zu spannungsgeladen, dafür weniger sprachgewaltiger und, ich glaube, daß man hier, was mir ja bisher eher schwer gefallen ist, die Anwendung der “Heldenreise” gut nachvollziehen kann.

Es beginnt mit einer Anmerkung des Autors, daß man an einem 1818 gemalten Bild des Künstlers Carl Fohr alle damals in Rom lebenden deutschen Künstler sieht. Einer davon ist bis heute unbekannt, diesen hat er das Buch gewidmet, beziehungsweise eines über ihn geschrieben und in der Nachbemerkung kann man lesen, daß das Buch eineMischung zwischen Dichtung und Wahrheit ist. Einige der handelnden Personen wie etwa Caroline von Humboldt hat es tatsächlich gegeben. Andere wie das Geschwisterpaar Cornelius und Isolde Lohwaldt  oder den Helden Franz Wercker nicht und bei wieder anderen hat er gemischt, beziehungsweise hat ihn die Phantasie von der Wirklichkeit weggetrieben, so ist aus Angelika Kaufmann eine Aura geworden, etcetera.

Das Buch beginnt 1818 am Gardasee. Dahin ist der Held Franz Wercker, der von Kindheit an Dichter werden wollte, Sohn eines Zimmermanns war und eine schwere Kindheit hatte, was Schnalke leicht und locker mit heutigen Worten erzählt, gefohen, weil er seinen Vater, der ihn lebendig begraben wollte, erschlagen hat und ihm die Polizei schon sucht.

Er will sich in den See stürzen, da sieht er aber einen jungen Mann hineinfallen. Es ist der Dichter Cornelius Lohwaldt, der mit einem Stipendium des bayrischen Königs ausgestattet, auf den Weg nach Rom ist.

So nimmt er dessen Gestalt, Sachen und Papiere an und wird in der deutschen Künstlerkolonie, die es in Rom gibt, liebevoll aufgenommen.

Er verliebt sich in die junge Malerien Carla Seidler, die es offenbar auch wirklich gab, aber Louise geheißen hat, beginnt ein Liebesverhältnis mit Aura Kaufmann und schreibt einen Roman, der von einem Kritiker gegen den er E.T. A Hoffmann verteidtigte verrissen wird.

Die tapfere Carla schickt ihn aber an den alten Goethe mit dem sie im Briefwechsel steht. Der berühmte Verlag “Cotta” wird ihn verlegen, indessen aber beginnen die Wolken des Schicksals heranzuwuchten beziehungsweise sich die Spannungsbögen zu verdichten.

Isolde, die lugenkranke Schwester von Cornelius, merkt in dem Brief den Franz in verstellter Schrift an die Eltern geschrieben geschrieben hat, daß da etwas nicht stimmt und fährt nach Rom, den Bruder zu überraschen. Der will zwar gerade abrreisen, weil ihm Cornelius Mutter die Ankunft Isoldes mitteilte, weil er aber auch zum Kronprinzen soll, der sein Manuskript hat und sich das wegen des Verrisses nicht ganz traut, rät ihm Carla “Wollen wir mutig sein!” und so packt er seine Sachen, um erst am nächsten Tag mit ihr nach Neapel zu reisen.

Als er aber nach geglückten Besuch zurückkommt, findet er Isolde in seinem Zimmer. Sie hat eine gespensterhafte Gesellschafter und einen buckligen unheimlichen Kutscher bei sich, läßt ihn von diesen fortan überwachen und zwingt ihn, mit ihr in einen Palazzo zu ziehen, denn sie möchte in Rom einen Salon aufbauen, kann das aber als Frau vor zweihundert Jahren nicht ohne den Schutz eines Verwandten tun.

Der Ereignisse überschlagen sich. Das geheime Liebesverhältnis zwischen Aura und Franz hat sich aufgelöst. Sie kommt stattdessen in sein  Zimmer und raubt ein Amulett, in dem die Geschwister zu sehen sind und als sie bei einem Künstlerfest Franz und Isolde zur Rede stellen will, erschlägt diese sie und befiehlt Franz ihre Leiche in den Tiber zu werfen.

Franz wird, da Cornelius homosexuell war und deshalb nach Rom flüchten wollte, selbst dieser Neigung angeschuldigt und  verhaftet. Kommt aber wieder frei, beichtet seinem Freund, dem Maler Georg, wer er wirklich ist, wofür dieser dann von Isolde und Teresa, der Gesellschafterin, vergiftet wird und als er Carla auch noch beichtet, werden beide vom unheimlichen Kutscher in die Katakomben gezerrt. Carla soll dort verhungern. Franz in den Tiber geworfen werden, damit die Schwester sich von ihm lösen kann. Der unheimliche Kutscher entpuppt sich aber doch als ein Mensch mit Seele, der sich von Carla malen lassen wollte. So  wird das Paar gerettet. Es kommt aber alles ans Tageslicht und Franz des merhfachen Mordes angeklagt, in den Kerker, um hingerichtet zu werden.

Um nicht alzu sehr zu spoilern, es ist ja ein Rezensionsexemplar, verrate ich nur, es nimmt alles ein mehr oder weniger glückliches Ende, so weit es nach diesen Spannungsbögen möglich ist. Carla reist nach Weimar zurück, um ihren Vater zu pflegen und Franz verläßt Rom, um unter einen anderen Namen ein neues Leben zu beginnen und ich kann schreiben, ich habe selten ein so spannendes Buch gelesen, das mich sogar veranlaßte, länger als geplant in der Badewanne zu bleiben, weil ich mit dem Lesen nicht aufhören wollte und kann das Buch also beispielsweise als Weihnachtsgeschenk sehr empfehlen, wenn man etwas Spannendes lesen will aber auch einen guten Einblick in das Leben in Rom vor zweihunder Jahren, in manche politischen Ereignisse und in die damalige deutsche Künstlerwelt bekommen woll.