Das Eis-Schloss

Als 2019 Norwegen das Gastland der Frankfurter Buchmesse war, habe ich, glaube ich, bei Ex Libris vielleicht oder auch auf Bücherblogs von Tarjei Vesaas “Eis-Schloss”gehört, hatte Angesichts meines Buchpreislesen, was da ja stattfand, wahrscheinlich keine Zeit mich weiter damit zu beschäftigen. Ein paar Knut Hamsuns hatte und habe ich in meinen Regalen, einen Jan Fosse, der mich, glaube ich, auch sehr beeindruckt hat,habe ich gelesen. Das war es dann und so hatte ich denNamen Tarjei Vesaas auch vergessen,als seine “Vögel” auf die Übersetzungsliste des “Preises der Leipziger Buchmesse” kam, habe die “Vögel”dann gelesen und “Wow!”, gedacht.

“Das ist eines der besten Bücher, das ich in der letzten Zeit gelesen habe!”

Nachgegooglet, bin dann auf das “Eis-Schloss” gekommen, mich zurückerinnert, es angefragt und jetzt, wie es der Zufall will, habe ich es nach”Therese und Isabelle” gelesen und kann meine Paralellen ziehen oder Vergleiche machen.

“Therese und Isabelle”, da schreibt eine wahrscheinlich erwachsene Frau über die Erlebnisse, die sie wahrscheinlich als Internatsschülerin hatte und löste im Frankreich der Fünfzigerjahre einen Skandal damit aus und ich, die prüde realistische Leserin,dachte mir dabei “Was soll das? Das ist doch privat und wahrscheinlich ein wenig langweilig mich in die verbotene Liebeslust einer Siebzehnjährigen in einem Kloster einzulesen und da ist da ein wahrscheinlich auch fünfzigjähriger Mann, der 1963, wie Doris Lessing in ihrem Nachwort schreibt, einen Literaturpreis dafür bekommen hat, sein Leben langin einem norwegischen Dorf lebte und in einem norwegischen Dialekt schrieb und er schreibt von der heimlichen, verbotenen oder was auch immer Liebe zweier elfjähriger Mädchen. Vom Schweigen,von Geheimnissen und nimmt als Metapher das Eis dafür. Denn das was mich an Tarjei Vesaas wahrscheinlich so phasziniert ist seine Symbolik, die Metaphern, die er für seine wortkargen Geschichten verwendeten, die 2021 natürlich viele Fragen auslösen.

Was ist da Geschehehn, war das ein Mißbrauch, den Unn erlebte und über den sie ihrer Freundin Siss nicht erzählen konnte?

Es geht also wieder in ein norwegisches Dorf mitten im Winter. Da sind zwei kleine Mädchen Unn und Siss, Uinn hat ihre Mutter verloren und ist zu ihrer Tante ins Dorf gekommen und steht jetzt eine zeitlang schweigend in der Schule abseits herum, bevor sie, sie ist eine gute Schülerin, Siss auffordert sie zu besuchen. Sie springen dann in der Kammer herum, nachdem sie der redseligen Tante entkommen ist. Unn fordert Siss auf, sich auzuziehen, man denkt “Aha!” und an Isabelle, wenn man das Buch zwei Tage vorher gelesen hat. Sie ziehen sich aber wieder an. Unn zeigt Siss ein Fotoalbum mit dem Foto von ihrem ihr unbekannten Vater, der ein Auto hatte. Dann muß Siss nach Hause, kommt dort aufgelöst an und kann nicht über das sprechen, was geschehen ist.

Am nächsten Tag kann Unn nicht in die Schule. Kann Siss nicht wiedersehen. So bricht sie zum Wasserfall und zu dem Eis-Schloß auf, was es dort gibt und kommt nie mehr zurück. Das Dorf sucht sie, Siss will unbedingt mitkommen. Sie wird krank, sondert sich in der Schule ab, bis die Tante die das Haus verkauft und wegzieht, ihr bei einem Spaziergang das Versprechen abnimmt, das Schweigen oder was auch immer zu brechen und Siss kann nach und nach wieder Beziehungen zu einem Jungen und einem Mädchen aufnehmen und mit ihnen im nächsten Frühling zum Eis-Schloss wandern und zusieht, wie es im Wasser versinkt.

Was hat man gelesen? Eine Kinderfreundschaft, eine lesbische Liebe, eine Mißbrauchsgeschiche und was auch immer? Beschrieben wird das alles ja nicht, sondern nur in einer starken Symbolik mit starken Naturbeschreibungen angedeutet und wieder ein sehr eindrucksvolles Buch gelesen. Schade, daß Tareij Vesaas trotz des Gastlandes Norwegen und der Neuübersetzung zumindestens im deutschen Sprachraum so vergessen ist, aber Hinrich Schmidt-Henkel ist ja mit seinen “Vögeln”, das auch sehr metaphenrreich, aber etwas weniger geheimnisvoller und wenn ich mich nicht irre, auch etwas realistischer ist, für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominiert und kann, wenn er den Preis gewinnt, den Autor wieder in Erinnerung rufen.

Therese und Isabelle

Der “Aufbau-Verlag” hat nicht nur Tove Ditlevson autobigorafische Trilogie herausgegeben, sondern hat jetzt auchdie von 1907 bis1972 gelebt habende Violette Leduc wiederentdeckt, die in den Fünfziger-und sechzigerjahren auch eine von Simone de Beauvoir ermuntert, skandalumwitterte Autobiografie geschrieben hat.

Therese und Isabelle ist der erste Teil eines Romans, den sie in den Fünfzigerjahren bei “Gallimard” herausgeben wollte, die Geschichte einer Liebe zweier siebzehn-und achtzehnjährige Klosterschülerinnen ,der Mittelteil ist der Liebe zu einer Lehrerin in einer aufregenden Taxifahrt gewidmet, wie ich dem Nachwort entnehme und im Teil geht es um eine Abrreibung, damals auch verboten, so daß das Ganze nur zensuriert oder gar nicht erscheinen konnte.

Inzwischen ist aber Violette Leducs Leben, die bevor sie zu schreiben angefangen hat, Verlagssekretärin war, verfilmt worden und jetzt hat, wie ich ebenfalls dem Nachwort der “Geschichte einer Zensur” entnehme, von “Aufbau”, das erste Mal unzensiert, auf Deutsch wahrscheinlich, herausgekommen und ich bin, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, was die Sexualität betrifft, etwas verklemmt, obwohl ich schon sehr viel, auch erotische Romane gelesen habe und durchaus offen gegenüber jede Art von Lebe bin.

Hundertsechzig Seiten erotische Szenen zwischen zwei Schülerinnen zu lesen, habe ich als eher langweilig empfunden. Ein Anderer mag sich vielleicht daran begeilen, was wohl auch nicht sehr gut ist. Den Sex eher selber machen, denke ich da, statt in Skandalen zu ersticken oder sich zu begeilen und wenn man jung ist, muß man sich natürlich sexuell orientieren.

Muß man mit Siebzehn in ein Internat, weil die Mutter wieder heiratet und der Stiefvater eine vielleicht nicht will, führt das wahrscheinlich zu Einsamkeit und dann vielleicht auch zu der “verbotenen” Liebe, die von verklemmten Nonnen oder Aufseherinnen mißtrauisch überwacht wird.

Ja das Zölibat ist schuld, daß sich viele Prieser an Kinder vergriffen oder Kinder von ihren Köchinnen bekommen. Eine Siebzehnjährige braucht aber viel Liebe, um ihre ersten Erfahrungen, egal ob zu männlichen oder weiblichen Partnern zu machen oder sich in ihren Körpern wohl zu fühlen und dafür wahrscheinlich auch eine stabile Famile.

Wie sich der Lockdown auf die heutigen Siebzehnjährigen auswirkt und welche Störungen er auslöst, wird man erst später herausfinden und hier geht es darum, daß Therese offenbar in das Internat kommt, ihre Schuhe putzt und sich dabei über die selbstbewußteMusterschülerin Isabelle ärgert. Die zieht sie dann in ihre Koje, der Schlafsaal ist offenbar durch Vorhänge von einander getrennt und irgendwo schläft auch eine Aufseherin. Also muß man leise sein, damit einem nicht die anderen Schülerinnen hören.

Violette Leduc schildert das alles sehr offen und auch sehr erotisch. Vor Liebe bricht Therese dann auch einmal zusammen oder tut nur so und so muß Isabelle sie in die Stadt zum Arzt bringen. Sie gehen aber in ein Stundenhotel und mieten sich dort ein Zimmer. Schwören sich, ins Internat zurückgekommen, daß sie sich nie verlasen werden.

“Meine Mutter holte mich ab. Ich sah Isabelle nie wieder”, lauten dann die letzten Sätze, die gleich darunter stehen.

Nun ja, nun ja, könnte ich schreiben, ein interessantes Buch. Violett Leduc war auch in einem Internat, entnehme ich “Wikipedia” und hat wohl das oder etwas Ähnliches in den berühmten Zwanziger bis Dreißigerjahre erlebt, in den Fünfzigerjahren darüber geschrieben und ich füge, nachdem vielleicht alle über die starke Sprache und die literarische Neuentdeckung schwärmen,”Was für ein Temperemt, was für ein Stil”, hat Simone de Beauvoir darüber geschrieben, noch an, daß ich in den Siebzigerjahren oder so, Simone de Beauvoir aber auch viel Hedwig Courths-Mahler, die ich immer noch für sehr gut halte, gelesen und da gab es einen Roman, wo ein Mann seine Frau vor oder nach der Hochzeit verläßt und auf Weltreise geht. Denn er hat einen Brief zugesteckt bekommen, wo die Frau einem Fritz heiße Liebesschwüre schickte, wo wohl auch etwas von “Wir werden uns nie verlassen!”, steht.

Die Frau reist ihm nach Hongkong oder so nach und gerät dabei ahnungslos und naiv in verschiedene Gefahren. So lauern ihr beispielsweise Mädchenhändler auf, die das junge weiße Blutverkaufen wollen. Am Schluß klärt sich alles auf und es gibt ein Happyend, denn der Fritz war natürlich eine Friederike und das Ganze eine harmlose Internatsfreundschaft.

Damals habe ich das kommentarlos hingenommen. Heute würde ich wohl auch an etwas anderes denken, habe ich inzwischen ja einige Romane über die wilden Zwanzigerjahre, die in Berlin und auch woanders gelesen und in diesem Sinn würde ich auch meinen, daß es sich lohnen würde, kommentiert und vielleicht etwas ausgedünnt, Hedwig Courts-Mahler wieder zu entdecken.

Und muß ich wieder schreiben, ein Roman, wie drunter steht, ist das Buch natürlich nicht, sonder wohl eher ein Memoir, aber dieser Ausdruck war Violett Leduc wahrscheinlich nicht bekannt.

Das Liebesleben der Pinguine

Bevor es mit dem “Preis der Leipziger Buchmesse-lesen” weitergeht, warten noch ein paar Rezensionsexemplare auf mich und da gibts, glaube ich, auch wenns nirgends draufsteht, das Debut “Das Liebesleben der Pinguine”, des 1991 in München geborenen Bernhard Heckler, der für die “Süddeutsche”, die “Zeit” und andere Magazine schreibt und für seinen Roman einen gar nicht so originellen Titel gewählt hat.

“Gibt es das nicht schon?”, fragt man da wohl und liest dann Heinz Strunks Botschaft: “Bernhard Heckler hat ein sehr gutes Buch geschrieben. Ich wünsche ihm viel Erfolg” am Buchrücken.

Das klingt auch nicht sehr originell und nach langer Beschäftigung und dann steht noch etwas von “Smartphones und Laptops und Fitneßstudios”, die Welt, der in den Neunzigerjahren Geborenen, zu lesen, obwohl es in dem Buch bis in die Achtzigerjahre zurückgeht und die Handlung ist vielleicht auch ähnlich dem Muster, wie Peter Roseis “Märchen vom Glück” aufgebaut ist.

Vier Protagonisten, die einen Vierer oder Dreier bilden und beginnen tut es, als Niko und Sascha fünfzehn sind. Nura, deren Vater aus Ghana kam weshalb sie Afrolook trägt, ist zwei Jahre älter. Sascha und Nura sind ein Paar. Dann bricht der zum Austauschsemester nach Italen auf und überträgtNiko die Fürsorge für Nura, der ihn prompt betrügt.

Niko und Nura bleiben einige Jahre zusammen und im neuen Jahrtausend arbeitet Niko in einer Firma, die Proteinprodukte herstellt, kommt darauf, daß er auf Männer steht und fliegt zu seinem Freund, einen iranischen Straßenmusiker nach Istanbul. Nura ist Ghostwriterin. Das heißt, sie arrangiert die Dates für eine Datingplattform und kommt da in Kontakt mit einem Franco, der ist noch im vorigen Jahrtausend in Sizilien bei einem Mafia-Onkel aufgewachsen, der ihn zum Schutzgeld einsammeln schickt. Da verliebt er sich in die Bäckertochter Antolella, die zum Studium nach Deutschland will. Der Onkel verhindert das zuerst. Franco nimmt aber Sascha, ein Stück auf seinem Moped mit und jetzt ist er nach Deutschland gekommen. Über hundert Kilo schwer, trainiert für den “Strongest man-Wettbewerb”, arbeitet als Landschaftsgärtner und geht zu Nura, damit sie ein Date für ihn arrangiert. Die wittert in ihm den Stoff für einen Roman und wendet sich an eine Agentur. Franco trifft beim ersten Date auf die eßgestörte Jamila, die aus Beirut kommt und überraschenderweise geht alles gut, während Franco noch versucht mit seiner Tochter Gianna, die er von Antoella hat, Kontakt aufzunehmen.

Das gelingt vielleicht durch das Freilassen von zwei Schwalben, denn Franco beschäftigt sich auch mit dem Verkaufen von illegalen Tieren und da kommt es zu einer beeindruckenden Szenen, die zu den Pinguinen führt. Denn Nura will Frano ein paar Tage begleiten, um Stoff für ihren Roman zu bekommen.

“Ich denke mir die Gescichte selber aus, aber ich tue mir leichter, wenn ich ein reales Vorbild habe!”, steht irgendwo. Etwas, was auch für mich zutrifft, obwohl ich damit schon öfter Ärger hatte.

Die begleitet ihn also zu einem Herrn Oberländer, der Franco, die geschmuggelten Tiere verkauft. Der ist in aufregung, denn seine Mutter hatte einen Schlaganfall und liegt am Boden. Auf die Rettung wird gewartet. Aber im Nebenzimmer wartet ein Pinguin, der aus einem Tierpark gestohlen wurde. Den soll Nura in ihrem Bad verstecken. Sie bringt ihn aber in den Zoo zurück und hat noch ein anderes Problem. Denn sie hat Sascha wiedergetroffen und ist nun im dritten Monat schwanger. Hat ihm das aber noch nicht gesagt. Tut das erst und das halte ich auch für eine originell Szene, als das Baby tritt und sie ihm das mitteilt. Zur Aussprache zwischen ihr, Niko und Sascha kommt es auch.

Franco hat während dem “Strongest man-Wettbewerb” eine Gehirnblutung erlitten, Jamila einen Selbstmordversuch unternommen. Trotzdem geht das Leben zu Anfang des einnundzwanzigsten Jahrhunderts weiter und wenn ich mich nicht irre, nicht einmal so schlecht und zwischendurch gibt es immer wieder ein paar Einschübe, damit man sich mit den Pinguienen oder ihrem Liebesleben besser auskennen kann.

Wien-Reihe mit Florian Gantner und Eva-Maria Hanser

Auch die “Wien-Reihe“fand heute in der“Alten Schmiede”mit gelichteten Publikum statt, Anna-Lena Stabauer begrüßte, Julia Danielczyk, die Literaturreferentin der Stadt Wien freute sich über die Anwesenden und im Print-Programm ist noch etwas gestanden, daß der Stipendiat Florian Gantner mit Gabriele Anderl lesen würde, die hat offenbar einen der Preise gewonnen und hat ein Buch über das “Jüdische Leben in Margareten” geschrieben, das mir der Alfred einmal brachte. Sie wurde aber durch die Stipendiatin Eva-Maria Hanser ersetzt, die aus einem Schulroman las und dann im Anschluß Julia Danielczyk sehr gekonnt erklärte, daß es sich bei der Erzählerin um eine Wohstandverwahrloste handelt, die außer ihrer Mutter keine Familie, aber einen großen Freundeskreis hat und jetzt in dieses Internat verpflanzt wird in dem alles seine Ordnung hat und offenbar auch sehr gesteilt ist. Die Schüler tragen keine Uniform, sondern Markenkleidung, die die Erzählerin haßt und spannend ist vielleicht auch der Unterschied zu dem Internat von “Therese undisabelle”.

Heute ist alles moderner und glänzender, aber trotzdem vielleicht auch emotional schwierig und daran knüpft der 1980 geborene Florian Gantner, der sowohl in Rauris als auch beim “Wartholzer-Literaturpreis”gewonnen hat, an, den ich sowohl bei seiner “GAV-Aufnahme-Lesung” als auch bei den “Textvorstellungen” der “AS” hörte, jetzt las ereinen Text namens “Arno”. Da geht es um einen Kron oder Krohn. Das Ganze spielt 2030 ist also etwas futuristisch und der bewirbt sich, weil er schon lange arbeitslos ist bei den “Eternal Partners”.

Zum Bewerbungsgespräch geht er etwas gelangweilt hin.

“Sie suchen einen neue Herausforderung?”, fragt die Personalerin, die seine Bewerbung noch in einem altmodischen Schnellhefter hat.

“Nein eine Einnahmequelle!”, sagt oder denkt er. Dann wird seine Stimme aufgenommen, ein Bild gemacht. Die Personalerin sagt noch, sie suchen viele mittelalte Herrn. Dann geht er nach Hause zu seiner Martha und man erfährt bei den “Eternal Parnters” geht es ähnlich zu, wie bei “Herr Kato spielt Familie”. Er muß bei Witwen den Patner spielen und wie man in der Szene fünf erfährt, mehrmals wöchentlich die Voilere reinigen, damit sich die Kanarien, die um den Verstorbenen trauern , sich an ihn gewöhnen und einen Anzug von dem totenArno muß er auch dabei tragen. Vorher hat er mit einem Freund Minigolf gespielt und der geht ins Alterheim, den Bewohnern vorlesen. Also sehr futuristische Berufe ,die ein bißchen was von der der neuen Normalität, die in England durch den Neoliberalismus schon viel weiter is und die Florian Gantner bei seinem Aufenthalt dort erlebte, erzählt.

Interessant, der oder ein anderer Roman erscheint im Herbst bei “Residenz” und im Oktober gibts die nächste “Wien-Reihe” mit zwei noch nicht bekanntgegeben Gästen.

Vielleicht kann man da schon ohne Test und Maske hingehen. Der grüne Impfpaß wird ja jetzt sehr progagiert, aber wenn dann alle schon geimpft sind, soll ja alles, wie ich heute ständig hörte und sich der Kanzler und der neue Gesundheitsinister überbieten, alles geöffnet werden. Allerdings gehe ich auch mit normalen Mund-Nasenschutz nicht dorhin und registrieren laße ich mich auch nicht, obwohl die “Alte Schmiede” die ohnehin hat und mich wahrscheinlich immer noch kennt, obwohl ich ja seit März 2020 nicht mehr dort war.

Gesund, frei, widerständig

Klingt ein bißchen nach FPÖ, ich gebe es zu, ist aber vielleicht trotzdem wichtig, wenn man den berühmten drei Gs, geimpft, getestet, genesen, mit denen man ab letzten Mittwoch in einen Gastgarten, ein Fitneßstidio oder in ein Flugzeug steigen kann, etwas entgegensetzen will und denkt, daß sein Impfzeugnis eigentlich weder dem Kellner noch einem Securityguard etwas angeht und einem die Freiheit, wie ich immer höre, wegen einem Virus, auf das auch selber achten kann, gar nicht genommen werden kann.

Was macht man also, wenn man sich nicht zur Impfung zwingen lassen will, weil man denkt, das ist vielleicht doch noch nicht so ausgereift und außerdem ist es vielleicht auch ein bißchen eigenartig , wenn ich das istmachen muß, um endlich wieder frei leben.

“Wir sind frei!”, hat Herbert Kickl auch einmal mal, glaube ich, gesagt, als es um das berühmte Freitesten ging. Im Jänner oder Februar wars wahrscheinlich, mit dem man dann zum Friseur gehen durfte. Nun ich habe mir meine Haare inzwischen selbst geschnitten und denke, daß jetzt, wo das Wetter zwar noch nicht wirklich schöner wird, es aber trotzdem schon im Garten grünt und der Flieder blüht, das freie Leben angesagt ist und das sollte man sich auch ohne Freitestapp gönnen. Denn vom Würstlstand kann man sich, habe ich gehört, seine Käsekrainer ohne Maske und Registrierung holen und sich sogar dann schon auf die nächste Bank setzen und muß nicht die fünzig Meter weiter hatschen, was, glaube ich, ohnehin nicht wirklich eingehalten wurde.

Am Mittwoch wurden also fünfzigtausend Restaurants aufgesperrt. Die berühmten Zahlen sind auch prompt hinuntergegangen. Das haben die Zukunftsforscher vorausgesagt, ich gestehe, ich habe es nicht so recht geglaubt und warte schon darauf, daß die indische Mutation, die sicher irgendwo hinter einem Pfeiler lauert, auftaucht, um das Ganze wieder rückgängig zu machen.

Aber unser Kanzler war sehr zuversichtlich, als er am neunzehnten Mai mit der Staatssekretärin Mayer, seinem Vizekanzler und Ministerin Köstinger ins Schweizerhaus zum Stelzenessen marschierte.

“Stelze nein, die ist mir zu schwer!”, hat der Vizekanzler in die Mikrophone gesagt und entschloßen den Kopf geschüttelt und der Bundeskanzler wurde ein wenig ärgerlich, als ihm eine Frau unerschrocken nach der Impfpflicht fragte und, wie es damit sei, ob dann die Kinder am nächsten Schuljahr nur noch geimpft in die Schule dürfen und, ob das Jugendamt anmarschiert käme, wenn man sein Kind nicht testen lasse wollen?

“Lassen Sie mich ausreden und jetzt Mittagessen! Haben Sie noch ein wenig Geduld!”, hat er gemahnt, denn er wurde ja angezeigt, weil er beim Ibiza-Ausschuß nicht die Wahrheit gesagt haben soll.

Deshalb soll, wie man hört, vielleicht bald die FFP2-Maskenpflicht fallen, was mich besonders freut. Hörte man doch allethalben, daß man die, wenn man sich nicht impfen lassen will, in Zukunft tragen muß und damit als die zweite Klasse in der Klassengesellschaft auffallen wird.

Das sollte man nicht so einfach hinnehmen, denke ich und auch nicht auf den Belohnungsfünfziger hoffen, wenn man sich vielleicht doch impfen läßt, damit man ohne Ärger ins Kaffeehaus gehen kann!

Das sollte nicht sein, das ist vielleicht doch unnötig! Da sollte man vielleicht ein bißchen Widerstand üben und wenn es sein muß, sich weiter einkaufen lassen und den Kaffee halt beim Takeaway holen. Das geht, habe ich festgestellt und natürlich ist es klar, daß es gut ist, wenn sich fünfzig, sechzig odermehr Prozent freiwillig und ohne Druck impfen lassen, weil dann gibts wahrscheinlich, hoffentlich oder auch vielleicht, die berühmte Herdenimmunität mit der man in das freie Leben aufbrechen kann! Aber das sollte, betone ich noch einmal, ohne wenn und aber, absolut freiwillig sein!

Ich sollte es machen, wenn ich mich dann geschützt fühle und keine Angst mehr habe, krank zu werde und nicht, damit ich mich nicht mehr jeden zweiten Tag mehr testen lassen oder sonst zu hausbleiben muß und ich denke, die fünfzig Prozent wird es auch ganz ohne Zwang,wenn man die Impfung als sinnvoll erachtet, geben und die anderen sollten vielleicht doch ein bißchen auf Widerstand setzen.

Friedlichen Widerstand natürlich und so waren, ich betone es, auch die Demonstrationen auf denen ich im letzten Jahr war und da war ich auch auf einigen, wo zwar auch Martin Sellner irgendwo gestanden ist und Österreichfahnen geschwungen wurden, aber dreitausend Schuß Munition mit denen auf die Polizei geschoßen wurde, habe ich nirgendwo gesehen und so denke ich, daß es vielleicht nicht ganz richtig ist aus jeden Corona- Kritiker gleich einen Terroristen zu machen, weil man keinen Widerstand haben will!

Frei, gesund, widerständig. Neunundneunzig Prozent der Bevölkerung sind ja symptomfrei und sollten ihren Gesundheitsstatus nicht überall beweisen müssen. Auch wenn am vierten Juni der grüne Impfpaß kommt. Die EU hat das, glaube ich, vor einigen Tagen beschloßen. Die Datenschützer schreien aber auf und rufen “Halt, da ist ganz persönliche Daten, Beruf, Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Rehaaufenthalte, etcetera, drinnen, mit denen man vielleicht Mißbrauch betreiben kann!”

Also Vorsicht und vielleicht versuchen auch ohne Impfpaß für den Türsteher möglichst normal zu leben! Ich denke, es geht! Sollte gehen und ich werde es tun! Auch wenn ich vorläufig noch in die “Alte Schmiede” streame statt mit Maske dorthin zu gehen.

Wenn man im Cafe Prückl einen Impfpaß braucht, fällt wahrscheinlich auch die Sommerlesereihe des “Podiums” aus und vielleicht auch die des Lesetheaters im Weinhaus Sittl und jetzt, wo alle mit ihrem Impfpaß, die das wollen, endlich in den wohlverdienten Pfingsturlaub aufgebrochen sind und hoffen, daß sie dann auch eine Teststraße finden, um damit am Dienstag wieder zurück nach Deutschland oder wohin auch immer, zu können, denn die Lutschtests, die vielleicht auf der Hotelrezeption liegen, gelten nicht als Nachweis, bin auch ich in mein Pfingsten aufgebrochen, das ich frei, gesund und widerständig, in Wien verbringe.

Also kein Pfingsmarkt in Nußdorf an der Traisen. Da war ich schon einige Jahre nicht und das letzte Mal sehr hetzig mit dem Auto auf einen kurzen Spritzer, weil der Alfred kurz dachach auf Reisen ging und vorher noch die Betreuung seiner Mutter organiseren mußte. Aber am Sonntag auf die Mostalm, dann halt ohne Gastgarten und ohne Registrierungspflicht, bis es dann hoffentlich endgültig maskenlos und ohne Impfpaß frisch, frei und fröhlich, in die neue Normalität geht, die uns unser Bundeskanzler für den Sommer versprochen hat und, füge ich noch an, die vierzehn Auserwählten, die im Juni wieder aus dem Wohnzimmer in Klagenfurt lesen dürfen, wurden auch schon bekannt gegeben, von denen ich Magda Woitzuck, JuliaWeber, Nava Ebrahimi und Nadine Schneider kenne.

Eurotrash

Jetzt kommt das vierte Buch der Belletristikliste des “Leipziger Buchpreises” und ich muß sagen, diese Auswahl ist sehr interessant, äußerst unterschiedlich und zeigt, da würde ich die Frau Mayröcker, die ich nicht gelesen habe, ausnehmen, die Grenzen des Schreibens auf und Christian Krachts “Eurotrash” kann man irgendwie und irgendwie auch nicht als Pendant zu Helga Schuberts Lebensgeschichtenband vom “Aufstehen” sehen.

Ähnlich oder nicht, den Erstens ist der 1966 in der Schweiz geborene Christian Kracht sechsundzwanzig Jahre Jünger, als die 1940 in Berlin geborene Helga Schubert und dann gilt der Schweizer Buchpreisträger von 2016, glaube ich, als Skandalautor.

Gelesen habe ich bisher noch nichts von ihm. Habe aber sowohl sein “1979” als auch “Die Toten” in den Harlander Regalen stehen und habe die Bücher wohl bei den “Thalia-Abverkäufen” erworben und wie bei Helga Schubert geht es um etwas Persönliches, um die Reise in sein Leben, heißt der Protagonist doch Christian Kracht und hat auch einen Roman namens “Faserland”geschrieben. Es geht auch um die NS- Vergangenheit seiner Familie. Der Unterschied ist wohl, daß Helga Schubert versuchte ihr Leben ernsthaft und künstlerisch aufzuarbeiten, während der Popliterat wohl wieder versucht seine Leser auf die Schaufel zu nehmen, an der Nase herumzuführen ode reinen Skandal auszulösen.

Muß man das wirklich tun, um aufzufallen oder für einen Buchpreis nominiert zu werden und was wäre, wenn ich das versuchen würde?

Bestseller steht wohl irgendwo über dem Buch und am Buchrückchen hat Peter Handke “Christian Kracht ist ein ganz schlauer Bursch” schreiben lassen, was mich ein wenig wundert, daß er das so sieht und Daniel Kehlmann hat geschrieben: “ChristianKracht ist ein Meister der wohlgebauten Sätze, hinter deren Eleganz sich das Grauen verbrigt. Seine Romane handeln von Deutschland, von Gespenstern, von Krieg von Wahn und allen erdenklichen Schrecken, aber sie sind auch voll melancholischer Komik, und sie verbergen allesamt ein Geheimnis, dem man nie ganz auf den Grund kommt.”, das würdeich nicht so empfinden. Es wundert mich aber weniger, kommt Daniel Kehlmann in dem Buch doch vor, das heißt, der Held wird ein paarmal mit ihm verwechselt und er widerspricht nicht.

Das habe ich am Mondseeauch einmal erlebt, daß Gerhard Rühm dort von einen Passanten gefragt wurde, wer er sei und der, glaube ich, H.C. Artmann antwortete.

Aber das war ein GAV-Treffen, obwohl literarisch geht es in dem Buch auch hoch her, wohl der Versuch Christian Krachts seine literarische Bildung zu beweisen, trotzdem würde ich das Buch vor dem der Iris Hanika reihen, liest es sich doch leichter, dieses Roadmovie, wo ein Christian Kracht nach Zürich reist, um seine Mutter zu besuchen. Die ist über achtzig, lebt von Wodka und Psychopharmaka, war vor kurzem auch in der Psychiatrie in Winterthur und klagt über ihre Haushälterin, die sie ständig bestehelen würde. Vorher hat er über seine Familie, die autobiografische Züge trägt, resommiert, aber sehr reich und sehr furchtbar war und in NS- Greuel verwickelt und mit Axel Springer und anderen Berühmtheiten verbandelt. Diese Stellen erinnern ein bißchen an Thomas Bernhard und sein Geschimpfe.

Dann wird es aber zum Roadmovie, denn Kracht packt seine Mutter, die zieht sich ein gelbes Chanel oder anderes Kostüm an und macht sich mit ihr aufdie Reise. Vorher halten sie bei einer Bank in der Bahnhofstraße und heben sechshunderttausend Franken ab, packen sie in ein Plastiksackerl und setzen sich mit dem Vorsatz das Geld zu verschenken in ein Taxis. Die Mutter glaubt, er würde sie in ein Hotel bringen. Er hat aber vorher einen Öko-Pullover gekauft und dabei einen Prospekt zugesteckt bekommen, der auf eine Kommune hinweist. Sie fahren mit dem Taxi dorthin und geben dem Fahrer zweitausend Franken. In der Nacht werden sie, weil sie mitdem Geld geprahlt haben, fast überfallen. Sie hauen am nächsten Morgen ab.

Vorher kommt eine eigentlich spannende Szene. Weil die Mutter hat noch einen künstlichen Darmausgang und kann sich ihre Stomabeutel nicht selber wechseln, so daß der Sohn, dem dabei graust, helfen muß. Am nächsten Tag kommen sie zu einem kleinen Flughafen und wollen nach Basel fliegen, da werden sie auch fast um ihr Geld betrogen. Zum Glück taucht aber der Taxifahrer wieder auf und rettet sie. Dann will die Mutter auf einen Gletscher um dort die Edelweiße zu sehen. Sie treffen auf der Hütte aber nur auf drei alte Inderinnen, denen sie auch ihr Geld schenken wollen, das dann durch den Wind verweht wird. Sie bleiben noch in der Gondel stecken, dann will die Mutter nach Afrika, um dort ihr Geld zu verschenken. Der Sohn bringt sie aber in die Psychiatrie nach Winterthur und verabschiedet sich von ihr.

Tut mir leid so toll kann ich diesen “Trash” nicht finden. Auch wenn es zugegeben, leicht und spannend geschriebend ist und noch eine Stelle hat, die ich zitieren will:

“Aber du solltest dir mal ein Beispiel nehmen an, an wie heißt der an, Knausgard oder an Houllebecq oder an Ransmayr oder Kehlmann oder an Sebald“, sagt die Mutter zum Sohn während sie zu den Edelweißfeldern fahren.

Die Frage warum das Buch “Euro- und nicht Frankentrash” heißt, da es doch um diese geht, die ein “Amazon-Rezensent” stellt, kann ich mir auch nicht beantworten.

Sauerstoff für die Literatur

Das Festival”Rund um die Burg” vor dem Burgtheater in einigen Zelten von Freitag sechzehn Uhr bis Samstag sechszehn Uhr gibt es seit 1992 mit dem “Who is who”, der österreichischen Gegenwartsliteratur. Damals habe ich ja meinen Vater betreut und bin irgendwie erst verspätet hingekommen und es die ganze Nacht lang durchzuhalten ist mir erst noch später geglückt. Das war aber ein Ereignis am Freitagnachmittag eine Tasche mit Weste, Broten und Wasse reinzupacken und dann die Nacht im Zelt zu verbringen. Welch ein Ereignis für die Literaturbesessene. Den Versuch dort zu lesen, habe ich natürlich auch unternommen. Aber leider nicht geglückt und dann hieß es das Festival ist bakrott oder am eingehen und wurde in “Rund um die Burg- neu” von “Wien live” https://literaturgefluester.wordpress.com/2014/05/24/rund-um-die-burg-mit-lyrik-bim/übernommen und stark verkürzt, so daß ich erst vor zwei Jahren wieder hinkam, da hatte ich erst vor kurzem meinen Gips verloren und wieder angefangen mir die Literatur live zugeben und im Vorjahr gabs das dann natürlich nur digital, das heißt aus den Wohnzimmer der Autoren gesendetund heuer sollte es eigentlich gemischt stattfinden, wurde dann aber moderiert von Helmut Schneiie derund einer Barbara Kaudelka in die Bel Etage des Cafe Landtmanns, das ja jetzt wieder geöffnet hat,verlegt und dem Ganzen das Motto “Literatur ist Sauerstoff fürs Gehirn” gegeben und begonnen am Freitag um zwei hat es mit Barbara Frischmuts “Kein Engel vor meinerTür”, die ich ja erstvor ein paar Tagen der “AS” noch ohne Publikum erlebte.

Ein Gewinnspielgibt es auch, da kann man einen “Morawa-Gutschein” gewinnen, da wüßte ich schon was ich nehmen würde. Aber ich habe ja nie Glück und einige der vorgestellten Bücher ohnehin schon gelesen und außerdem eine elendslange Leseliste und nächste Woche gehts ja auch nach Leipzig oder zu dem, was davon überblieb und da werden wohl auch eine Menge Bücher besprochen.

Der zweite Leser war der 1971 in Klagenfurt geborene Daniel Wisser, dessen Debutroman “Doplergasse acht”einmal im Amerlinghaus hörte und mir dachte, wenn das bei”Riter” erscheint, kann mir das auch gelingen. Inzwischen hat er den “österreichischen Buchpreis” gewonnen, in Klagenfurt hat er auch gelesen und seinen neuen Roman bei der”Schreibart online” vorgestellt. Der heißt”Wir bleiben noch”und jetzt hatDaniel Wisser drei Stellen gelesen,der Held ist ja ein Viktor, der nach Viktor Adler heißt, eine Iris verläßt, weil die kein Kindbekommen hat, dann in ein Nazi-Kaffee geht, den Arne Carlsson Park in Wien Währing besucht und dann noch die Url imit dem Auto vor den Stephansdom fährt und dann kam nochheraus, daß DanielWisser am Freitag seinen fünfzigsten Geburtstag hatte.

Dann kam die 1977 ebenfalls in Klagenfurt geborene Silvia Pistotnig,die ich schon einmal in der “Alten Schmiede” hörte mit ihrem dritten bei “Milena”erschienenen Roman “Teresa hört auf”, die in einem Maturareisebüro arbeitet und sich der Welt veweigert, in dem sie sich nicht wäscht, nicht schläft, sich auch der Bulimie bedient und ein Verhältnis zu einer dicken Frau hat.

DasDebut der 1983 in OÖ geborene Romia Pleschko, die sowohl eine Schauspielschule,als auch die “Leondinger Akademie” besuchte,”Die Ameisenmonarchie” habe ich schon gelesen.

Dann ist es gleich bei”Kremayr &Scheriau geblieben, beziehungsweise zu Barbara Rieger und ihren “Friss oder stirb” gegangen, wieder eine Bulimie und Helmu tSchneider erwähnte auch die beiden Fotobücher “Kinder der Poesie”und das der Kaffeehausliteraten und der “Reigen reloided”, der auch noch vorgestellt wird, wurde auch erwähnt, wie auch, daß Barbara Rieger, als Schreibpädagogin arbeitet.

Dann kam Polly Adler oder Angelika Hager, die ich von “Rund um die Burg-alt” kenne, wo sie regelmäßig aufgetreten und mich in ihre “Fortpflanz-Kolumnenbücher”einführte, was eigentlich nicht meinem Lesegeschmack entspricht, ich aber schon einiges von ihr in den Schränken gefunden habe und sich jetzt mit “Eine Rückholaktion in unser schönes analoges Leben”, über unsere Smartphonesucht lustig macht.

Dann wurde es wieder literarisch,denn dann kamder 1971 in Washington geborene John Wray, der “Bachmannpreisräger” von 2017, von dem ich schon einiges gefunden und “Gotteskind” gelesen habe, mit seinem auf Deutsch geschriebenen Erzählband “Madrigal”, mit dem er auch in Klagenfurt gewonnen hat, eine Art Litanei eines Amokläufers, der offenbar frisch aus der USA gekommen ist, weil er von einem Chatlag sprach.

Dann blieb es in Amerika, denn es ging, wie Barbara Kaudelka ihn vorstellte, zum einzigartigen Franzobel und seiner “Eroberung von Amerika”, die er schon in der “AS-Nachschicht” bei Walter Famler vorstellte.

Dann war es Zeit für einen Krimi und für Andreas Pittler, der im Herbst einen Roman über den”Vienna Dshihad”geschrieben hat, der im Mai 2021 spielt,wo Corona schon vorüber ist und man keine Masken und keinen Impfpaß braucht und Andreas Pittler, wie er bekannte, offenbar zu vorschnell war.

Danach kam der bekannteste Philosoph Österreichs, nämlich Konrad Paul Liessmann,der ein Buch über ein Nieztsche Gedicht geschrieben hat, was wie Helmut Schneider in seinerEinleitung erklärt hat, der Grund war warum er Liessmann eingeladenhat, weil das heurige Programm, was ich sehr schön finde, ein hauptsächlich literarisches war.

Der österreichische Rockstar Austrofred oder Franz Adrian Wenzl hat ein Buch”Die fitten Jahre sind vorbei”, geschrieben, in dem die Fragen seiner Fans beantwortete und mit gelber Dompteurjacke über den nackten Bauch einen Corona-Text”Wann ist in der Kultur wieder was los?”, verlas und darin das Spucken von Otto Schenk beschrieb.

Bevor es dann wieder literarisch wurde, kam noch der Schauspieler Adi Hirschal mit seiner Autobiografie “Da stimmt was nicht.”

Literarisch wurde es dann mit Thomas Arzt “Gegenstimme,” aus dem ich auch schon lesen hörte, wo er den 10.April1938 beschreibt, wo sein Großonkel gegen den Anschluß Österreich an Deutschland stimmte und der mit einer Phantasies prache,die mich ein wenig an Anton Wildgans oder Max Mell erinnerte, die Geschehnisse im Dorf beschrieb.

Aus Lydia Mischkulnigs “Richterin” habe ich auch schon im “AS-Livestream gehört und habe das Buch auch auf dem Harlander-Bücherstiapel liegen, ebenso wie Mieze Medusas”Du bist dran”, dann war es am Freitag Schluß bis es am Samstag um zehn wieder weiter ging und noch einmal acht Autoren und Autorinnen an die Reihe kommen, so daß dann der ganze Kopf mit Sauerstoff wohl gefüllt ist und man sicher keine Maske braucht und dann ist es auch mit dem zweiten Roman “Junischnee” der 1954 in Kursk geborenen Ljuba Arnautovic von der ich auch “Im Verborgenen” gelesen und auf verschiedenen Lesungen gehört habe. Jetzt geht es um ihren Vater Karli, der ja nach 1934 nach Moskau geschickt wurde und dort im Kinderheim Nummer sechs für Schutzbundkinder zuerst in einem sowetischen Paradies unter der Stalin Diktatur aufwuchs, bis die Kinder umgesiedelt, Karli zum Straßenkind wurde und von Kleinkriminalität lebt.

Der nächste Leser war der 1962 in Wien geborene Stefan Slupetzky auch kein unbeschriebenes Blatt und ein Tausendsasser, bekannt geworden ist er, glaube ich, durch seinen “Lemming”, dann gibt es das Trio Lepschi, ein paar ungewöhnliche Romane und jetzt ein Buch über Grabreden, zum Beispiel, die über den August Mustermann oderüber einen Sportler, das noch nicht veröffentlich ist und im Herbst erscheinen wird.

Dann kam die mir unbekannte Judith Fanto,1962 geboren, Medizinjuristin und offenbar in den Niederlanden lebend,die ihren Debutroman “Viktor” über ihre Familie geschrieben hat und der Viktor eine Verbindung zu Daniel Wisser vielleicht, taucht im März 1938 in Naziunform bei seiner vor Angst schlotternden Familie auf.

Danach Robert Sommer, nicht der vom “Augustin”, sondern der, der ein Buch namens”SexOH!loge” geschrieben hat, wo ein Mann von seiner Frau zum Paartherapeuten geschleppt wird oder sich im Internet Sexartikel bestellen will.

Die nächste war dann die 1980 in Belgrad geborene, die beim “Bachmannpreis” gelesen hat, den “Alpha”und den “Priessnitz-Preis” bekam und deren “Superheldinnen” ich gelesen habe. Sie war auch beim “Kolik-Slam” in der “Gesellschaft” und hat eine Geschichte gelesen, die in dem im Vorjahr in der “Eine Stadt-ein Buch-Anthologie, erschienen ist, die das “Kitzelmonster” heißt, wo ein Monster alle Schwachen kitzelt und die Erzählerin kein Blut sehen kann. Also eine sehr flapsig geschriebene Horrorgeschichte und das führt zu dem noch nicht erschienenen neuen Roman “Die beschissene Zeit”, von dem, glaube ich, schon damals in der”Gesellschaft “die Rede war.

Von Gabrie Kögls “Gipskind” habe ich schon einiges gehört, das, wie Helmut Schneider erwähnte, schöne Rezensionen bekommen hat, aber noch nichts von der 1960 in Graz geborenen Autorin gelesen. Es geht um eine Jugend am Land eines offenbar behinderten Kindes und Gabriele Kögl las die Stelle, wo die “Kleine” mit einerCousine und ihren Eltern auf Urlaub nach Jugoslawien fuhr und vorher ist noch eine Barbara an einer Sommergrippe gestorben, also passend zu den Corona-Zeiten, wie Gabriele Kögl auch betonte.

Dann kam die mir schon bekannte Bettina Balaka und las ihren “Reigen reloaded-Text”, den ich aber zugegeben, nur sehr oberflächlich folgte, denn in OE24-TV, meinem momentanen Leblingssender trat wieder Wolfgang Fellner auf, der sich in den letzten Tagen zurückgezogen hatte, weil es gegen ihn eine Me too-Anzeige gab und berichte empört, daß gestern in Salzburg einer seiner Reporter verhaftet wurde, weil er den Auftritt des Kanzlers, der wieder von Buhrufen garniert war, fotografierte, was ich sehr arg finde, weil wir sowas sonst ja eher von anderen Ländern kennen.

Dann kam wie Barbara Kaudelka euphorisch betonte, das Grande Finale mit Christian Klinger, einem <juristen der bei “Picus” einen in Triest spielenden Roman namens “Die Liebenden von der Piazza Oberdan” geschrieben hat.

Vom Aufstehen

Buch drei der Belletristikliste der für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominierten Bücher, “Ein Leben in Geschichten”, der 1940 in Berlin geborenen Helga Schubert, Psychologin und Schriftstellerin,von der ich noch enen anderen Geschichenband “Blickwinkel” aus der “Edition neue Texte”, erschienen 1985 im “Aufbau-Verlag” in meinen Regalen stehen habe, denn ich habe mich jadamals oder eigentlich überhaupt sehr die die DDR-Literatur interessiert und mir die schönen alten “Aufbau-Bücher” in den Buchhandlungen, die, diese hatten oder beim Volksstimmefest, in Budapest, etcetera, regelmäßig gekauft.

Helga Schubert war in den späten Achtzigerjahren einige Zeit in der Jury des Bachmannpreises. Hätte dort auch lesen sollen, aber von derDDR keine Ausreisegenehmigung bekommen, was mich etwas wundert, lasen dort doch regelmäßig DDR-Autoren und haben auch gewonnen. 1989, glaube ich, auch Kerstin Hensel, mit der ich durch Christine Haidegger vermittelt, im Briefwechsel stand. Im letzten Jahr wurde Helga Schubert aus dem Dörfchen in dem sie mit ihren Mann wohnt, zugeschaltet und hat, glaube ich, mit der Titelgeschiche des jetzt erschienenen Bandes gewonnen und jetzt gibt es das “80 Jahre Leben in 29 Erzählungen” zu lesen und das finde ich interessant, hat die alte Dame doch wirklich fast ein Jahrhundert Geschichte erlebt und ich bin, was den “Preis der Leipziger Messe”, betrifft, gespannt. Habe da ja meine Favoritin, deren Buch ich wahrscheinlich nicht lesen werde, aber sonst wäre ich sehr dafür.

Es beginnt in der Hängematte oder mit dem “Idealen Ort”, denn die kleine Helga, die 1947 eingeschult wurde, rief am letzten Schultag, die Mutter an, erzählte ihr von ihrem Zeugnis, ließ sich mahnen, wenn nicht alles “sehr gut” war. Dann stieg sie in den Zug, um die Ferien bei der Großmutter zu verbringen, die die Enkeltochter im Dorf als die Tochter ihres gefallenen Sohnes vorstellte und der ist 1941 in Russland gefallen. “Die gnädige Frau!”, die Mutter wurde in einem Brief vom Kompaniechef davon unterricht, was die alt gewordene Helga Schubert, an das Brecht Gedicht “Und was bekam des Soldaten Weib aus dem weiten Russenland?”, erinnerte.

Vorher gibt es noch die “Vierte Strophe” des Schlafliedchen, das die Mutter der kleinen Helga vorsang:

“Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe meine Äuglein zu, Vater, lass die Augen Dein über meinem Bettchen sein”, die also lautet:”Kranken Herzen sende Ruh, müde Augen schließ zu, Gott im Himme halte Wacht, gib uns eine gute Nacht”, die die kleine Helga nie sag.

Die DDR wurde bald gegründet und als der Sohn der geschiedenen Helga Schubert, 1977 eine Lehrstelle suchte und Förster werden wollte, wurde sie vom Direktor des Institus für das er sich bewarb, gleich “Haben Sie verwandte ersten Grades im Westen?”,gefragt, denn dann hatte der Bewerbling keine Chance und die Sekretärin brauchte gar nicht erst einen Kaffee für die Mutter kochen.

Dann kam der 9. November 1989, mein Geburtstag, füge ich an, die Wende und der Fall der Mauer, die alles wendete und man in den Westen durfte. Die vorher verpassten Gelegenheiten werden aufgezählt und die Schriftstellerin wurde von einem deutschen Literaturprofessor vor kurzem gefragt, ob sie sich als DDR-Schriftstellerin verstanden hätte? Wenn ja, warum, wenn nein ,warum nicht?

Da gibt es die verschiedensten Antworten und die Märchen werden erwähnt. Da gibt es ja das von des “Kaisers neuen Kleider”, an das ich in der letzten Zeit auch öfter denken mußte und mich fragte, warum da nicht mehr Leute “Er ist doch nackt!”, schrieen und dann wird die Frage beantwortet, warum Helga Schubert ihren Osterrbaum immer erst sehr spät schmückt? Die Ostereier erst immer kurz vor der Auferstehung darauf hängt denn in der Nachkriegszeit hat die Religionlehrerin den Kindern, die Geschichte noch viel schreckhafter erzählt, als man das heute tun würde.

Dann kommt noch ein Verlagslektor in den kleinen Ort in dem Helga Schubert mit ihrem Mann lebt. Sie führt ihn herum und erzähllt ihm, was da alles einmal geschehen ist. Zum Beispiel gab es RAF-Terroristen, die dort im Mitropa-Restaurant ihre Bockwürste aßen und Helga Schubert erklärt dabei, wie das Geschichten schreiben, offenbar ihre Spezialität, geht und so springt Helga Schubert in ihren Geschichten durch ihr Leben. Springt nach vor und auch zurück. So erzählt sie, wie sie für einen Kollegen “Uwe Johnson” in den Osten schmuggelte. Dann geht es in die Gegenwart und zu den Pflegeschwestern, die täglich kommen, um ihren Mann zu betreuen und wieder zurück zu den “Wahlverwandtschaften” oder zu der wahrscheinlich schwierigen Beziehung zu ihrer hundertein Jahre alt gewordenen Mutter. Die hatte eine große Liebe zu ihrer Urenkelin Milli, einen Altersdiabetes,der nicht von den Süßigkeiten abhielt und eine Flucht vorden Russen mit der kleinen Helga gab es auch, die das ihrer Tochter immer wieder vorhielt, so daß diese relativ lange Geschichte recht distanziert klingt “Die Vater meiner Mutter”oder “Die Schwiegermutter meiner Mutter” heißt es da sehr oft und ist wohl literarisch bewußt gewählt, aber nicht immer ganz einfach zu lesen und dann geht es an die Ostsee, wo die Schiffe nach Schweden und Dänemark fuhren und sich 1961 die junge Helga Schubert ausrechnete, daß sie in vierzig Jahren nach ihrer Pensionierung dorthin reisen können würde, dann sind es aber durch die Wende nur achtundzwanzig Jahre gewesen.

Dann gehts schon zum “Alt sein”.

“Ncht alt werden, nicht alt geworden sein, sondern, alt sein. Nicht Angst vor dem Alter, nicht Angst vor Siechtum und Tod, sondern: alt sein.”

Wie wahr. Die Pflegeschwester wird beim Hinausgehen nach ihren Dämmerungserfahrungen gefragt und sie erzählt von ihren Nahtoderlebnissen.

Zu Ostern geht es manchmal zu Fastenseminaren. “Von allem genug”, pregdigt dort die Fastenleiterin und im Sommer geht sie zu der jungen Kurpastorin, der sie beichtet, daß sie das vierte Gebotnicht halten kann.

“Ich kann sie nicht lieben, so wie sie mich nicht lieben kann. Du sollst deinen Vater und deine Mutter lieben, auf dass es dir wohl gehe…”

“Irrtum, sagt die Pastorin. Von Liebe ist in dem Gebot nicht die Rede. Sie brauchen sie nurzu ehren.”

Dann geht es über den “Ersten Tag im Jahr”, zur Titelgeschichte, die eigentlich und genau genommen eine Zusammenfassung des vorher geschrieben ist. Sie liegt im Bett und denkt über ihr Leben nach. Da kommt die Pastorin und das vierte Gebot vor und noch einmal die Mutter, die die Urenkelin mehr liebte als die Tochter und noch in ihrer Todesstunde sagte, daß sie sie dreimal töten hätte können.

Interessant, interessant der Gang durch das Leben von Helga Schubert. Schade, daß ihre Psychotherapeutenerfahrung weitgehend fehlt. Der Krieg und die DDR ist für die Verlage natürlich wichtiger und spannend wieder, wer wird gewinnen oder ist die FM eine Konkurrenz?

Für den Peter Henisch beim österreichischen Buchpreis war sie es. In Leiphzig ist das wohl anders, obwohl Helga Schubert sie auch erwähnte und davon geschrieben hat, daß sie einmal in ihrem Wohnzimmer saß und ihr gestand, daß sie” keinen Tag hier leben” könne.

Peter Rosei mit Publikum

Hurrah, hurrah, es gibt wieder Publikum in der “Alten Schmiede”, wenn man seinen Reise- und Impfpaß oder Testzeugnis mitnimmt, kann man sich wieder natürlich nur mit FFP-2-Maske in den wahrscheinlich schachbrettartig gelichteten Vortragssaal setzen und ich wundere mich ja immer daß es Leute gibt die das tun. Es waren aber Köpfe im Livestream zu sehen. Für mich ist das nicht und man kann auch, wie die schwarz gekleidete Johanna Öttl noch einmal betonte, bis September die Veranstaltungen per livestream ansehen und diesmal gab es eine Doppelveranstaltung mit dem1946 geborenen Peter Rosei, den ich ja das letzte Mal in Rauris gesehen habe und von dem ich, ich habe nachgesehen, acht Bücher in meinen Regalen habe.

Das ist zugeben nur ein kleiner Teil des umfangreichen Roseiischen Werke. Ich war auch ein paar Mal bei seinen Veranstalten, bei den 2016 in der “m AS” zum siebzigsten Geburtstag veranstalteten Smposium zu seinen “Wiener Archiven”, glaube ich, abernicht, da habe ich nur drei von den fünf oder sechs Bücher, die sie umfassen, gelesen und ein Jahr früher gab es beim Literaturfestival Gmunden eine Rosei- Veranstaltung und Alexandra Millner, die unermüdliche Lteraturwissenschaftlerin, ebenfalls schwarz gekleidet, hat aus den beiden Veranstaltungen ein Buch zusammengestellt.

“Extended Rosei” das jetzt bei Ritter erschienen ist und das sie vorstellte.

Ich würde das Roseiische Werk auch in zwei Teile gliedern, in die Reise Texte und dann die, die sich als Globalismuskritik äußern und von den acht Büchern, die ich habe, ist auch eines, das ich mir einmal kaufte, als ich noch in der Otto Bauergasse wohnte.

Da habe ich mein Geld ja oft in den Buchhandlungen gelassen und hatte dann Schuldgefühle deshalb, so daß ich einmal beschloßen habe, mir jede Woche ein Buch zu kaufen. Ich weiß nicht mehr genau, ob es die 1974 erschienenen “Wege” oder das 1987 bei “Residienz” erschienene “Von hier nach dort waren”, aber wahrscheinlich war es doch der “Suhrkamp-Text” und beide Bücher zählen wohl zu den Reisetexten.

Dann habe ich noch außer den drei Glabilisierungsromane “Mann und Frau”, 1984 erschienen, “Kurzer Regentag” und einen “Sonderzahl-Band” in meinen Regalen.

Alexandra Millner hat das Roseische Werk auch in einige Teile gegliedert und dann die Referenten aufgezählt, die damals die Texte oder die Referate darüber geschrieben haben.

Sebastian Fasthuber, Ronald Pohl, Kurt Neumann, etcetera, waren dabei und einer hat Balzac zu einem Vorbild von Rosei gemacht, was dieser im Publikum sitzend, dementierte und meinte Kafka, Musil oder Doderer wären eher seine Vorbilder, aber die fünf Wien-Romame sind vielleicht einem Balzackschen Werkzklus nachempfunden und dann erklärte Peter Rosei genau, daß man als Schriftsteller anders, als als Literaturwissenschaftler arbeitet. Da schreibt man drarauf los, während die dann alles analysieren und im zweiten Teil, nach der Pause, wo man, wie Johanna Öttl erklärte, hinaufgehen und seine Masken auslüften konnte, las Peter Rosei dann aus seinem neuen Roman dem “Märchen vom Glück”, ebenfalls bei “Residenz” erschienen, das auch schon in Rauris oder war es in der “Gesellschaft”, erwähnt wurde, das wie Johanna Öttl erklärte, eine episodenhafte Aneinanderreihung vom Leben von fünf Personen darstellen, die sich miteinander verbinden, dann wieder auflösen oder wieder zusammenkommen, Karriere machen oder vielleicht auch sterben.

Andras, der Ungar aus Stein am Anger, der als Arbeitsmigrant nach Wien gekommen ist, in einem Supermarkt Obst schlichtet und dann in einem See ein paar Frauen herummrundert, Lena aus der Steiermark, die eibenfalls in einem Supermarkt arbeitet, Sonja, die Altenpflegerin und eine Putzfrau. Mit Lena kommt er dann zusammen und die zweite Stelle, die Peter Rosei las führte nach Brünn zu einer Eva, die als Kellnerin arbeitet.

Peter Rosei hat die Lesung damit begonnen, daß er von den Grausamkeiten, die Märchen beinhalten sprach und nach der Lesung erklärte er noch, was er unter Glück versteht.

“So das ist jetzt genug!”, erklärte er dann nach einer Weile, alle klatschten und Johanna Öttl erklärte noch, daß es einen Büchertisch gäbe, der aber von außen zugängig wäre, damit man ohne Maske einkaufen könne.

eVerrückt, nicht wahr, füge ich dazu, vielleicht läßt sich darüber auch ein Märchen oder eine Dystopie schreiben und Peter Rosei, das hätte ich jetzt fast vergessen, hat noch erklärt, daß man das Inferno leichter, als das Glück beschreiben kann. Natürlich, weil einem das Glück ja meist als kitsch ausgelegt wiürde.

Apropos Casanova

Jetzt kommt das zweite Buch, der Sparte Übersetzung, das heuer für den “Leipziger Buchpreis” nominiert wurde und ich muß schreiben, die übersetzten Bücher bergen für mich Überraschungen und sehr viel unbekanntes.

So sind die “Vögel”, glaube ich das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Don Passos “USA-Trilogie” habe ich zwar schon seit November in Badezimmer liegen unddieser Autor war mir im Gegensatz zu Tarjei Vesaas und Miklos Szentkuthy auch schon bekannt und ich habe den “Manhatten Transfer” auch schon mal gelesen oder übeflogen von einem Miklos Szentkuthy habe ich aber noch nie etwas gehört und sein “Apropos Casanova aus dem “Brevier des heiligen Orpheus” scheint ein ähnliches Gustostückler, wie Theodor Sappers “Kettenreaktion Kontra” zu sein und es istauch in einem speziellen Verlag, der “Anderen biblothek” begründet von Hans Magnus Enzensberger, in einer speziellen Ausgabe erschienen, die man fast für die schönsten Bücher nomieren könnte, herausgegeben von Christian Döring, übersetztvon Timea Tankö, die ja für den Preis nominiert wurde.

György Dalos hat das Nachwort geschrieben. Das Buch ist in rot und schwar zgehalten, dieSeitenzahlen werden unterande rgeschrieben und es gibt und das ist auch ungewöhnlich ein mehrere Seiten langes Inhaltsverzeichnis, das man fast,wie einen Kurzroman lesen könnte.

György Dalos beschreibt das Lebend es eher unbekannten ungarischen Autors, der als Miklos Pfisterer in einer bürgerlichen katholischen Familie in Budapest geboren wurde und von 1908 und 1988 lebte. Das Brevier ist 1937 erschienen und wurde gleich der Blasphemie rverdächtigt, aber auch von den <kommunisten verfolgt.

“Apropos Casanova” ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil beschreibt “Das Leben eines Heiligen”, nämlich das von “Alfonso Maria de Liguori 1696-1787”, da war mir das Ganze noch ein bißchen unverständlich. Dann ging es hinein in das Leben Giacomo Casanovas, 1725-1798, dessen Eltern, wie das erste Kapitel gleich verkündet, Schauspieler waren. In längeren oder kürzeren Kapitel wird das Leben beschrieben, das in Venedig begann, wo die Verführer öfter Mönchskutten trugen, um bei den Damen vorgelassen zu werden. Er erwähnt eine Bettina, ein Fräulein Vesian, eine Philosophin und beschreibt auch, die Erotik oder den Sex in Kutschen, was beim damaligen Straßenzustand und den Dienern, die hinten aufsaßen und den verschlossenen Damenkleidern invielen Schichten, wohl besonders aufregend war.

Die freie Liebe, der Inzest, die lesbischen Beziehungen werden beschrieben und regen zum Nachdenken, wie sich das erotische oder sexuelle Verständnis im Lauf der Zeit, im Sinne der Me too -Debatten, wohl verändert hat.

Die Reisen nach Neapel, Rom oder nach Alexandria werden beschrieben, da muß der Giacomo auch in Quarantäne, die er auf einen Balkon, “Halb Zimmer, halb freie Natur” verbringtund dabei einer schönen Sklavin huldigt, beziehungsweise heute ein wenig unverständlich, das Sklaventum preist.

Weiter gehen die Kommentare über die Lektüre von Casanovas Werk zu den Pallazzi, wo der Begnadete neben Kardinälen und Marchesen meist Unterschlupf gefunden hat. Sehr genau werden die Gärten im Renaissancestil beschrieben und hier wird behauptet, daß es “In tialien keine Natur gibt und bei der “Errichtung von Gärten Natur und Schönheit unbekannte Begriffe”, wären “und es lediglich den alleinselig machenden Lxus gibt.”

Die Musik spielt in diesen Szenarien natürlich eine große Rolle, die Mozartopern, Don Giovanni beispielsweise und Papst Benedik XIV, zu dem Casanovaoffenbar jederzeit Zutrtt hatte und ihm darum bat in der Fastenzeit Fleisch essen und verbotene Bücher lesen zu dürfen. Dann muß er in der Liebe zwischen einem Kardinal und einer Marchesa vermitteln, die er im Hauskleid vorfand, was damals wohl etwas Ähnliches wie ein Negligee oder noch weniger bedeutete und er ihr im Namen des Kardinals unbeholfene Briefe oder Gedichte schreiben mußte, damit sie nicht erkannte, daß sie von ihm waren. Am Balkon haben sich die Beiden getroffen, dem Mittelding zwischen Natur und Schlafzimmer, wie wir schon wissen, während sich der Kardinal in diesem befand, was in der Inhaltsangabe mit “Der schlummernde Kardinal, Casanova und die Marchesa am Balkon”, beschrieben wird.

Vollends erotisch phiilosophierend wird es dann, wenn es weg von Casanova und zu “Abelard und Heloise” oder zu Tinorettos “Susanna im Bade” geht. Da hat ja Szenkuthy das berühmte Bild im Kunsthistorischen Museum in Wien gesehen. 1937 ist er dann mit seinem Freund Istvan Söter nach Italien gereist und hat da die Tintoretto-Sonderausstellung im Palast derFamilie Bevilaquva in Venedig gesehen, die ihm sehr beeindruckt hat, da sich da das Bild, das in der seiner Vorstellung hatte, von dem Realen unterschied, so daß er nach Budapest zurückgekommen, mitseiner Frau Dora Eppinger noch einmal nach Venedig reiste, um das Bild erneut zu sehen.

Dann gehts wieder zurück zu Casanova, seine Beziehung zum Geld wird reflektiert und wieder sein Verhältnis zu Musik. Er spielte offenbar nicht nur Karten im Theaterfoyer, sondern auch Violine in kleinen Theatern, schenkte seinen Geliebten ein Klavier und Noten in einem Korb und am Schluß werden Casanova noch Andrew Marvells “Betrachtungen über die Liebe”gegenüber gestellt.

“Wenn wir nicht im18. Jahrhundert leben können, so sollten wir uns mit der Liebe nicht befassen”, heißt es auf Seite zweihunderteinundvierzig des Romans einer geisigen Reise.

Interessant, interessant Miklos Szenkuthys Casanova-Lektüre und die philosophischen Betrachtungen, die er sich darüber macht. Ein interessantes Buch, wieder eines, das ich nicht so ganz verstanden habe, weil ich mich nur eher schnel ldarber gelesen habe, aber einen interessanten mir bisher unbekannten Schriftsteller kennenlernte und natürlich sollte, könnte, müßte man sich mitden Schriften Casanovas oder zumindestens seiner Biografie weiter befassen und darüber seine eigenen Betrachtungen anstellen.