Das Loch

Das dritte bei “Kremayr&Scheriau” erscheinene Buch der 1985 in Freudenstadt geborenen Simone Hirth, die das “Leipziger Literaturinstitut” besuchte und offenbar mit Kind als Lektorin und freischaffende Autorin in Kirchstetten lebt.

Ich schreibe offensichtlich, denn in dem Briefroman “Das Loch”, geht es um Briefe, die eine offensichtlich in das “Mutterloch” gefallene Frau an Gott und die Welt schreibt. um von dort wiederherauszukommen,.

Auf den etsten Seiten steht aber gleich “Handlungen und Personen in dem Buch sind erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlich existierenden Personen ist nicht beabsichtigt und wäre daher Zufall.” und dann sind diese Briefe an den Kanzler, an die Frauenministerin, an Jesus, Buddha, Mohamed, gerichtet.

Gut, könnte man sagen, der Kanzler und die Frauenministerin trägt keinen Namen und Jesus und Buddha hat es vielleicht nicht gegeben, den “Werther” auch nicht, denn der ist eine Romanfigur, die Ulrike Meinhof, schon, und die Madonna, die Popikone, nicht die “Maria”, die Mutter Jesus, die auch noch vorkommt und dann gibt es noch den “Frosch”, das “Mumeltier”, und und , daß Simone Hirth sehr originell ist und ungewöhnliche Einfälle hat, weiß ich schon von ihrem Debutroman, obwohl das, was da in den Briefen vom 31. Dezember 2017 bis 31. Dezember 2018 da beschrieben wird, gar nicht so originell ist, sondern das, was wahrscheinlich jede Mutter im ersten Lebensjahr ihres Kindes erlebt und ich das Buch, die Doppelszusendung, ich habe es zweimal bekommen, wahrscheinlich der Anna geben werde, die zwar eine Tochter und keinen Sohn hat, aber vielleicht ebenso empfindet oder doch nicht so ganz, denn die namenlose Briefschreiberin, das heißt, sie unterschreibt ihre Briefe manchmal mit “Henriette”, dann aber wieder mit “eine Gläubige”, “eine Mutter”, “eine Fernseherin”, etcetera, hat das “Literaturinstitut in Leipzig” absolviert.

Das steht auch in einem der Briefe, hat eine Lesung und eine Stipeniuumswohnung, die sie mit Sohn und Mann Jakob, bezieht und auf eine Buchmesse geht es auch.

Aber dann ist es schon aus, denn die Tagesmutter in dem Ort, er wird “Unterfelden” genannt, ist über Jahre ausgebucht. Der Bürgermeister hat keinen Kindergartenplatz für die zweite Mutter, die sie dann doch kennenlernt. Der Mann Jakob scheint sich zu vertschüßen und ist nie da, wenn der Sohn schreit und die Schweigermutter stellt ihr ein Glas Nutella in den Eiskasten, das dann auch einige Briefe bekommt, bevor es verschimmelt weggeschmissen wird.

“Liebes Loch, du kannst deine Koffer packen du bist raus, gute Reise!”, steht als versöhnlichesEnde auf einer Ecke der orangen hinteren Vorumschlagseite und ich kann das Buch jeder jungen Mutter oder auch den anderen, die sich für das erste Jahr mit Kind, das schreit und schreit und doch sehr geliebt wird, sehr empfehlen.

Eine interessante Lektüre, obwohl mich am Anfang der Titel abgeschreckt hat, was aber eigentlich unverstänlich ist, denn ich habe ja auch schon von einem “Pensionsloch” geschrieben.

Heute ist Mittwoch

Jetzt kommt der neue und wie im Klappentext steht, bisher politischste Roman des 1948 im heutigen Kosovo geborenen und in Kanada lebenden oder gelebt habenden David Albahari, den ich einmal bei der “Literatur im Herbst” kennenlernte und von dem ich “Die Ohrfeige” und “Mutterland” in meinen Regalen, aber noch nicht gelesen habe.

Im Klappentext steht weiter etwas von “Schwarzen Humor und erzählerischer Raffinesse mit der vermeintliche Wahrheiten über  Opfer und Täter in Frage gestellt werden” und es ist wahrhaft ein in sich habender Roman oder Kammerstück, für das man etwas Geduld benötigt um sich in es hineinzulassen und nicht in den vermeintlichten Widersprüchlichkeiten stecken zu bleiben.

“Es ist Mittwoch”, heißt das Buch, steht auch im Klappentext, weil am Mittwoch ein Mann, der namenlos gebliebene Ich-Erzähler, seinen an Parkinson erkrankten Vater in eine Belgrader Klinik zu einem Dr. Stankovic zur Untersuchung bringt und man denkt, aha, das Buch spielt an einem Tag, aber weit gefehlt, denn der Sohn geht auch am Donnerstag mit seinem Vater in die Klinik und sonst an die Donauufer spazieren und versucht da aus ihm seine Täterschaft im kommunistischen Gewaltregime herauszulocken, beziehungsweise erzählt der Vater sie ihm, weil sie laut Klappentext bei ihren Spazierengängen einem Mann begegnen, der ihm an seine Vergangenheit erinnern.

Der Sohn ist Ende fünfzig, seine Schwester drei Jahre älter, geschieden und deren Töchter, die Zwillinge, Mila und Anka, die deshalb und das gehört wohl zu dem beschriebenen Humor, so heißen, weil man leichter zum Abendessen “Mlilanka, essen fertig!”, rufen konnte, so daß diese nur in der Wir-Form redeten, was den Großvater reizte.

Jetzt sind die Zwillinge längst erwachsen, der Sohn ist nach dem Tod, der an Krebs verstorbenen Mutter zum Vater gezogen, um ihm beim Anziehen zu helfen, beziehungsweise zu den besagten Untersuchungen zu bringen und die Mutter hat der Vater, der offenbar, um einiges älter als sie war, obwohl das im Buch, glaube ich, nicht explizit erwähnt wird, kennengelernt, als er ein junger oder älterer Kommandeur war und sie noch Zöpfe hatte, die sie laut ihm abschneiden oder ihre Unterhose ausziehen sollte.

“Die Zöpfe gebe ich nicht her und die Unterhose hängt noch auf der Wäscheleine, weil man sie feucht nicht anhziehen und mit einer schmutzigen auf keine Kommatur gehen soll!”, sagte die Mutter und hat den Vater, der sie später quält, geheiratet.

Diese Stelle wird, was vielleicht ein wenig ungewöhnlich ist, dreimal im Buch wiederholt, später erfahren wir, der Monolog des Buches gibt das Geschehen nicht chronolisch wieder, daß sie den Vater, der nicht nur bei der Enteignung, die Bauern erschoß und folterte, sondern selber in einem Lager, auf der berüchtigten “nackten Insel” war, an das ihn jener Unbekannte auf der Promenade erinnerte, verraten hat, in dem sie angab, daß er “Stalin in den Arsch kroch oder so”

Jetzt ist aber die Mutter gestorben, der Vater anParinkson erkrankt, die Schwester, deren Gatte ebenfalls ein Ekel war, geschieden und bekocht Vater und Sohn täglich, während sie sich weigert ihn in seiner Wohnung zu besuchen. Auch so ein Widerspruch.

Es geht um die Frage der Schuld und, wie man es aushält, einen solchen Vater zu haben, das wurde schon erwähnt und darum, ob der Parkinson, die Strafe Gottes oder von wem auch immer, für das kommunistische Foltern ist und der schwarze Humor äußert sich auch gleich am Anfang, als der Sohn den Art nach Viagra fragt, weil der Vater dieses nehmen will.

“Warum nicht?”, antwortet dieser.

“Parkonson spricht nicht dagegen, nur der hohe Blutdruck täte dieses!”

So stapfen sie in die Apotheke, die Apothekerin hat nur eine 100 mg Packung. Sie kaufen noch ein paar solche und die Schwester schimpft dann mit dem Sohn, als die Packung in der Manteltasche leer ist, der Sohn geht wieder zu Dr. Stankovic, denn der Vater hat etwas von der Krankenschwester Nadica erzhlt, mit der er gern-

Die lacht dem sohn aus und sagt, sie habe ihn das Wasser für die Tablette gegeben, ihn ins Wartezimmer gesetzt und später laut vor den Patienten gefragt, ob er eine Erektion hätte?, worauf er errötet verschwunden wäre. Das tut der Vater, dement geworden, um vor seiner Vergangenheit zu flüchten, wie der Sohn vermutet oder mit dem Arzt deshalb darüber streitet, später noch einmal. Denn jetzt will der Sohn ihn in ein Heim überstellen, wird aber ein paar Tage später aus der Klinik angerufen, daß der Vater während der Untersuchungen verschwunden ist.

Ein interessantes Buch in dem man viel über die Geschichte Jugolsawien erfahren kann, in einem interessanten Stil geschrieben, den ich sehr empfehlen kann und mir daher wieder vornehme, auch meine anderen Albahari-Bücher, eines habe ich  bei unserer Donauradreise vor ein paar Jahren in Ulm bei dem Thalia-Abverkauf, den es dort gab, um einen Euro gekauft, möglichst bald zu lesen.

Robin und Lark

Eine Neuerscheinung einer mir bisher unbekannten kanadischen Autorn, “Robin und Lark”, der 1972 in Montreal geborenen Alix Ohlin, die schon viele Preise gewonnen hat und das kreative Schreiben lehrt.

Bei “Robin und Lark”, geht es um ein Frauenleben oder auch, wie im Klappentext steht, um die Beziehung zweier ungleicher Schwestern, die von einer sehr jungen und wahrscheinlich überforderten gefühllos ambivalenten und sehr auf ihr eigenes Leben bezogenen, alleinerziehenden Mutter, ziemlich auf sich allein gestellt aufgewachsen sind und die irgendwie Vogelnamen bekommen haben. Lerche und Rotkehlchen und Lark die ältere, nimmt sich um die vier Jahre jüngere Robin an, erzieht sie mehr, als es die Mutter tut.

So kommen sie zu einem “Hexenhäuschen”, wo aber keine Hexe, sondern eine Klavierlehrerin lebt, die Robins großes Talent erkennt.

Lark, die Erzählerin fühlt sich dagegen von Filmen angesprochen, ist schon als vierjährige, wie sie schreibt allein in einem Kino gesessen und hat das Geld für die Karte der Mutter geklaut. Das erscheint mir ein wenig unglaubwürdig, mit der politischen Korrektheit geht es auch sehr locker zu, so wird offen geschrieben, daß die Mädchen klauen und ihre Freunde dealen und Lark bewirbt sich in einem College in Amerika. Sie hat sehr gute Noten, so bekommt sie ein Stipendium, muß aber trotzdem einige Jobs aufnehmen, so wird sie die Assistentin einer Filmlehrerin und Robin von der sie in dieser Zeit wenig hört, hat sie auch verlassen.

Die taucht aber bald in den USA auf, weil sie Schwierigkeiten mit einem der  Freunde ihrer Mutter hat. Lark kümmert sich um sie, sie ziehen zusammen in eine Wohnung, wo Lark schon während des Sommers gelebt hat, weil sie nicht nach Kanada zu der Mutter fahren wollte.

Sie verschafft ihr auch Klavierstunden und als sie das College hinter sich hat, wird Lark auf eine Filmhochschule in New York aufgenommen. Robin bekommt einen Freiplatz  an einer Nobelmusikuni, wo ihr Talent ein wenig heruntergebrochen wird.

Die schüchterne Lark, die kaum aus sich herausgeht, überwindet sich und spricht plötzlich einen berühmten Filmemacher, der auf die Uni kommt, an und wird später sowohl seine Geliebte, als auch seine Assistentin, während Robin auf Auslandstournee gehen soll.

Aus Schweden kommt dann eine Karte mit der Aufschrift “Such nicht nach mir!”

Die impulsive Unberechenbare hat die Tournee abgebrochen und bleibt für einige Jahre verschwunden. Später erzählt sie der Schwester, daß sie damals schwanger war, das Kind aber verloren hat. Sie bricht ihre Pianistenlaufbahn ab, jobt an verschiedenen Stellen und zieht sie schließlich in die Berge zurück, wo sie Wölfe und Klaviere rettet.

Lark verläßt, als sie Mitte dreißig ist, den Filmemacher, weil sie ein Kind  will, er aber schon eine Tochter hat, zieht nach New York , wird Cutterin und widmet sich fortan ihrem Kinderwunsch.

Was nicht so einfach ist, denn mit denDatingforen klappt es nicht so sehr, so probiert sie es mit der künstlichen Befruchtung, was mich ein wenig wundert, daß das in Amerika oder Kanada so leicht geht, die Schwester wird jedenfalls die Leihmutter und die eigene Mutter stirbt knapp sechzigjährig, bevor sie, weil dement geworden, in ein betreutes Wohnheim umziehen soll.

“Robin und Lark” ist ein tief berührendes Werk. Ein poetischer Bericht über das Leben zweier Frauen, ihr Scheitern, ihre Hoffnungen und letztlich ihre Befreiuung”, steht am Buchrücken und ich bleibe ein wenig ambivanent zurück, denn einerseits ist es sicher ein berührendes Buch, dessen Sog eine mitreißen kann, andererseits ist aber auch eine Aufeinanderreihung der Episoden eines vielleicht ein wenig ausgeschmückten, prekären Frauenlebens und man könnte sagen, daß die für einen Roman doch so geforderte Plot und die Handlung fehlt.

Winterbergs letzte Reise

Nun kommt noch ein Nachtrag zum Tschechien Schwerpunkt, der letzten Leipziger Buchmesse, ein Buch das  mir der Alfred in Göttweig kaufte und das natürlich auch zum Centrope-Workshop der Gegenwartsliteratur passt, nämlich Jaroslav Rudis “Winterbergs letzte Reise”, das auf Deutsch geschrieben wurde und ich habe den 1972 in Turnov geborenen Schriftsteller, glaube ich, bei meinem ersten “Literatur und Wein” Besuch kennengelernt, inzwischen “Grand Hotel” und “Die Stille von Prag” von ihm gelesen und den “Winterberg” mir in Göttweig von dem sehr freundlich grüßenden Autor auch signieren lassen und es ist ein fulminates Buch, das wie am Buchrücken steht “Die Geschichite Mitteleuropas, so wie noch nie erzählt” .

Bei “Amazon” schreiben einige, daß sie das Buch abgebrochen haben, weil es aus vielen Wiederholungen besteht und es stimmt, es ist auf eine, was wahrscheinlich Rudis Spezialiät ist, eher flapsige Art geschrieben. Manches erscheint mir auch übertrieben, bei manchen  bin nicht so recht mitgekommen, habe es überlesen, etcetera.

Da ist also der Ich-Erzähler Jan Kraus, ein Altenpfleger, so um die fünfzig würde ich schätzen, wenn ich die Handlung richtig mitbekommen habe, er ist aus der Tschechoslowakei geflüchtet, war im Gefängnis und hat genauso seine geschichtllichen oder Lebenstraumen, wie der alte Wenzel Wintersberg, 1918 geboren, also so alt, wie die Feuerhalle in Reichenberg und die Tschoslowakei und jetzt in Berlin lebend oder sterbend sozusagen und Jan Kraus, wurde von seiner Tochter zu ihm bestellt, um ihn zu betreuen oder, wie es Jan Kraus nannte, ihn auf seiner letzten Überfahrt zu begleiten.

Er liegt auch im Bett, als Kraus in der Wohnung auftaucht, der hält ihm aber ein Buch hin und liest ihm Worte vor und nach ein paar Tagen, was ich ein wenig unrealistisch finde, ist er kerngesund und macht sich mit Kraus auf eine Fahrt durch die alte Donaumonarchie mit einem alten Baedeker von 1913 auf, um seine erste Frau die “Frau im Mond” Lenka Morgenstern wiederzufinden, die ihm, weil sie als Jüdin Reichenberg verlassen mußte, Karten aus Wien, etcetera bis Sarajevo schrieb, wo dann nichts mehr kam und die Beiden machen sich auf eine Eisenbahnfahrt, um diese Städte zu bereisen.

Aber eigentlich wollen sie nach Königsgrätz oder das Buch beginnt dort, denn Königgrätz, beziehungsweise die Schlacht dort, ist an allem schuld, wie Wintersberg sagt, schuld an seinem historischen Leiden und so reisen die Beiden mit dem Baedeker dahin. Wintersberg liest vor, unterhält laut den ganzen Zug mit den Preisen der Hotel von damals, wieviele Heller man Trinkgeld gibt und den Orten, die in dem alten Buch empfohlen werden. Kraus haßt und verflucht ihn, will ihm mehrmals verlassen, bringt das nicht zusammen und in Wien besuchen sie sowohl die Kaisergruft und das heeresgeschichtliche Museum. Sie trinken natürlich Bier und logieren oder essen im Cafe Sarajevo, nahe dem heutigen Hauptbahnhof, da treffen sie dann auch die Tochter Silke wieder, die Kraus zuerst verhaften lassen will, ihn später aber zur Weiterfahrt auffordert und so reisen die Beiden weiter. In Brünn wird ihre Reise unterbrochen, weil Kraus einen Herzanfall erleidet, ins Spital muß, wo Winterberg ihn jeden Tag besuchen kommt und ihn jedesmal eine Flasche Bier mitbringt, die sich dann auf seinem Nachtkästchen häufen.

Sie reisen weiter nach Sarajevo, aber dorthin gibt es keine Züge mehr, so müßen sie von Zagreb aus, wo sich angeblich der schönste Weihnachtsmarkt befindet, ja richtig, das Buch spielt im Winter, um die Weihnachtszeit, mit dem Bus fahren, was aber auch nicht gelingt, denn die Bosnier, die dort heim zu ihren Familien reisen, bieten ihnen Schnaps an, der Wintersberg so in Rage bringt, daß er aus dem Bus geschmissen wird.

So geht es zurück nach Berlin, wo sie aber auch nicht lange bleiben und schließlich entschwindet Wintersberg in einem Schneestum oder kommt dort um, macht sich auf, auf seine letzte Reise und Jan bleibt in der Wohnung bei der Tochter sitzen oder will sich auch auf seine letzte oder vorletzte Reise machen.

Man weiß das nicht so genau , denn das Buch ist sehr widersprüchig und Jaroslav Rudas, ein Meister des Erzählens und höchstwahrscheinlich ein sympathischer Mann.

Wieder da

Das ist jetzt keine Rezension von Timur Vermes Kultbuch “Er ist wieder da”, obwohl ich das Buch, glaube ich, zu Anfang des vorigen Jahres im Schrank gefunden habe aber das Lesen noch nicht schaffte, sondern ein Bericht zu zehn Jahre offener Bücherschrank in der Zieglergasse, den es dort ja seit 2010 gibt und von mir fleißig frequentiert wird.

Er wurde dann auch einmal erneuert und unter der Patronanz von Nermann Nietsch wiedereröffnet und als ich im Sommer oder Herbst einmal vorbei kam, war er o Schreck verschwunden, und der Platz auf dem er steht, eine Baustelle, wird ja derzeit die ganze Wiener Innenstadt zu einer Fußgängerzone umgestaltet und ein Herr sagte mir auch beim “Wortschatz” am Margaretenplatz, daß er bis Weihnachten verschwunden sein würde.

Weihnachten ist vorbei und der Schrank nicht aufgetaucht, aber dafür eine Notiz auf der Seite bzw. am Platz, am 5. Februar um zehn Uhr ist Eröffnung und da bin ich natürlich hin, obwohl mir gar nicht so klar ist, ob das jetzt ein großes Ereignis sein wird oder nicht?

Es war dann auch nur ein Kleineres, als ich ein paar Minuten nach zehn dort auftauchte, denn der Schrank vorhanden, jetzt, glaube ich, von einem anderen Künstler gestaltet, ein paar Leute standen, um ihm herum. Schachteln standen am Boden und so ein Stehtischenchen war aufgestellt, auf dem eine Sekt Flasche stand. Frank Gassner war, glaube ich, da, der sich mit einer Frau unterhielt, die sich erkundigte, ob die Sitzgelegenheiten auch wieder aufgestellt werden würden, weil sie da gerne lesend gesessen hätte. Sie kommen, versicherte er und der Schrank gefüllt, aber mit gar nicht so besonderen Stückchen, den Tom Wolfe sah ich zwar und noch ein dickes Stück und ich habe mir James Joyces “Portrait des Künstlers als junger Mann” und Eva Menasses “Sieben Todsünden” herausgefischt, sowie, “Die Farbe Lila”, die ich, wie ich ientdeckte, aber schon hatte, also in den “Wortschatz” zurücklegen werde und bin dann in den Bürosupermarkt in die Neubaugasse um Büroklammern zu kaufen gegangen und als ich zurückkam, waren die Leute, das Tischchen, die Schachteln und der Sekt verschwunden und vor dem Schrank stand ein einzelner Mann.

Also ein sehr kurzes Event, aber trotzdem Bücherfreunde aufgepasst, der Schrank ist wieder da und kann bedient werden.

Geben und nehmen auf der einen und auf der anderen Seite und ich füge hinzu, daß ich diese Initiative des öffentlichen Raumes sehr sehr toll finde. Frank Gassner geht es, glaube ich, gar nicht so sehr um die Leseförderung, sondern eher, um das Kunstprojekt.

Die Schränke, die es in Wien aber jetzt zehn Jahre gibt, haben eingeschlagen wie die berühmten Schwammerln aus dem Boden. Mein Leseverhalten hat es verändert, habe ich doch durch den Schrank so manches Schmankerl gelesen, an das ich sonst vielleicht nicht herangekommen wäre und es gibt inzwischen zahlreiche Schränke in Wien, von denen ich wahrscheinlich gar nicht alle kenne, bei der Eröffnung im Hegerpark bin ich aber gewesen, bei dem in der Grundsteingasse habe ich einmal gelesen und sonst gibt es natürlich den “Wortschatz”, der aber nicht unter Frank Gassners Fittiche fällt, ich frequentiere, wie schon beschrieben die Schränke häufig und regelmäßig, lese aber inzwischen auch Neuerscheinungen und habe da, als ich mit meinen Bücherschrankfunden, sowie einen Glühweingewürz und zwei Glühweinhäferln, die ich bei diesem Geschäft in der Zieglergasse, bei dem man auch die Zaunerstollen kaufen kann, als Schnäppchen bekommen habe, David Albaharis “Heute ist Mittwoch”, das ich schon gelesen habe, ein zweites Mal bekommen , während ich immer noch auf Nele Pollatscheks Brexitroman warte.

Peter Kreisky Buch

Irmtraut Karlsson, Robert Misik, Erwin Riess, Julia Herr

Irmtraut Karlsson, Robert Misik, Erwin Riess, Julia Herr

Als ich vor ein paar  Jahren Christl Fallenstein in ihremPflegeheim besucht habe, habe ich Eva Brenner dort getroffen, ihr, wie ich mich erinnern kann, eines meiner Bücher gegeben und mit ihr Adressen ausgetauscht. Seither bin ich in ihrem Verteiler und bekomme von ihr regelmäßig Informationen, beziehungsweise Einladungen zu ihren Veranstaltungen, zu denen ich meistens nicht hingehe.

Aber heute habe ich mich entschieden, an der Präsentation des von ihr herausgegeben Buches “Den Bruch wagen” über den 1944 in Stockholm geborenen und 2010 bei einer Wanderung  verstorbenen Lebensgefährtes Peter Kreisky, des Sohnes des ehemaligen Bundeskanzlers,  zu gehen, denn mir ist der sehr stark seinem Vater ähnlich sehende Linkssozialist öfter bei Demonstrationen und anderen Veranstaltungen gegegnet, so kann ich mich erinnern, daß ich vor oder hinter ihm ins Wien Museum gegagen bin, als dort die Ausstellung über Ernst Jandl eröffnet wurde und die Theaterwissenschaftlerin und Expermeimentalleiterin Eva Brenner habe ich wahrscheinlich bei einem der Adventspaziergänge durch den siebenten Bezirk in ihrem Experimentaltheater, die “Fleischerei” kennengelernt und auch sonst immer bei verschiedenen Veranstaltungen gesehen.

Im Bruno Kreisky Forum in der Armbrustergbasse war ich auch ein paar mal, vor längerer Zeit als dort die Kreisky Preise vergeben wurde und dort das Buch “Die Sprache des Widerstandes”, zu blau schwarz eins, in dem ich auch einen Text habe, einen Preis bekommen hat, einmal bei einem Fest der “Kramer Gesellschaft” und das letzte Mal vor circa eineinhalbJahres bei einer von Robert Misik moderierten Diskusionssionsveranstaltung. Der hat auch heute moderiert und als ich um halb sieben die Armbrustergasse erreichte, sind vor mir ein paar Leute in die ehemalige Kreisky-Villa gegangen und es war schon erstaunlich voll.

Die Angela und den Josef habe ich gesehen, Konstantin Kaiser, Marius Gabriel und noch eihn paar andere Bekannte und zuerst erzählte Eva Brenner etwas über das Buch, das heißt, zuerst bab es überhaupt einen Ausschnitt von einen Film über Peter Kreisky, in dem er, glaube ich, etwas über seine politische Einstellung erzählte.

Das Buch ist, erzählte Eva Brenner weder eine Bografie noch ein Memoir, sondern ein Einblick in das linke politische Leben seit 1968 und am Podium waren die Politikerin Irmtraud Karlsson, die Peter Kreisky am längsten kannte, dann Erwin Riess, der Autor der Groll Romane, den ich immer am Volksstimmmfest treffe und Behindertensprecher, der einige Geschichten über seine Bekanntschaft mit Peter Kreisky und dann über sein Engagement bezüglich des selbstbestimmten Behindertenlebens etwas erzählt und Julia Heer, eine junge SPÖ- Politikerin, die den Kreisky Sohn zwar nicht persönlich kannte, aber trotzdem an ihm erinnerte oder sich über ihn eingelsen hat.

Nachher gab es wieder  Wein, Brot, Salz und Olivenöl und ich habe ein bißchen bereuet nicht in die alte Schmiede zur Teresa Moira gegangen zu sein, weil die Veranstaltung nicht sehr literarisch war, aber ich bin ja auch gesellschaftspolitisch interessiert und kann mich an den sehr linkssozialistischen Kreisky Sohn, der in der Arbeiterkammer gearbeitet hat, sehr gut erinnern und schätze ihn auch sehr.

Zsuzsanna Gahse mal zwei

Die 1946 in Budapest geborene, 1956 nach Wien emigrierte und in Müllheim in der Schweiz lebende Zsuzsanna Gahse, die als Übersetzerin tätig war oder ist, schon dreißig Bücher geschrieben hat und die ich auch schon mal in der “Alten Schmiede” hörte, hat zwei neue Bücher herausgegeben.

Den Prosatext “Schon bald” der in der “Edition Korrespondenzen” erschienen ist, in dem es um das Ausräumen einer drei Zimmerwohnung geht, die dann in ein Theater umgewandelt wird und die bei “Sonderzahl”  unter den Namen “Andererseits” erschienene  Stefan Zweig-Poetik- Vorlesung, die sie in Salzburg gehalten hat und die wurden heute in der “AS” vorgestellt.

Cornelius Hell moderierte und schrieb dann während der Lesung eifrig mit, was Zsuszanna Ghase etwas zu irritieren schien, den sie blickte ihn mehrmals an und erzählte dann von einem verstorbenen ungarischen Schriftsteller der auf einer Budapester Book Fair gelesen hat und dieselben synchronen Armbewegungen, wie sein Übersetzer machte, was sie an Cornelius Hell erinnerte und ich habe schon beim Hingehen, wo ich die Autorin noch einen Augenblick mit Zsusza Bank verwechselt habe, ja ich weiß, ich bin ein bißchen legasthen und bringe manchmal etwas durcheinander, gedacht, daß es wahrscheinlich wieder ein experimenteller Abend wird und das war es dann auch, war doch Bodo Hell anwesend, Herbert J. Wimmer , Christa Gürtler und Linda Christanell hat sich wieder neben mich gesetzt und ich habe in Anschluß lange mit ihr diskutiert, weil sie als bildende Künstlerin und wahrscheinlich ebenfalls experimentelle Autorin, einen anderen Zugang, als ich hatte, die ich ja wußte, was mich erwartete und so auch begierig zuhörte, als Zsuszanna Ghase bei ihren Vorlesungsteilen von den musikalischen Autoren Thomas Bernhard etcetera vortrug und dann im Gespräch mit Cornelius Hell, die Frage beantwortete, wer die unmusikalischen Autoren seien?

Da habe ich mir schon gedacht, daß das wohl die Erzählenden sein müßen, die, die nach einem Plot, einer Handlung und einen Spannungsbogen suchten und Zsuzsanna Gahse bestätigte, das dann auch und meinte, daß sie mit solchen, die sehr ernst wären und nur erzählen würden nicht viel anfangen könne, meinte aber, daß sie auch erzähle und erwähnte in ihrer Vorlesung auch ihre Wohnungsausräumerzählung, in der das sechs oder sieben Personen machen, die alle sprechende Namen haben und sie an György Tabori, oder György Ligetti beziehungsweise Nathalie Sarraunte erinnerte oder an sie denken ließ, ein paar Namen hat sie auch erfunden, darunter eine Grit, wegen des Klanges, da habe ich aber an die Gerstl gedacht, weil die ja auch mit diesen Namen arbeitet und eine Vorlage zu ihrem Prosatext ist auch ein 1960 erschienener Roman eines Franzosen, der sich gegen die Konsumgesellschaft wendet und zwei Soziologiestudenten schildert, die ihr Studium aufgeben, weil sie sich schöne Dinge kaufen und auch eine Wohnung einrichten wollen.

Interessant, interessant, die experimentelle Literatur und auch das Gespräch mit Linda Christanell, die mich dann fragte, ob ich etwas von Literatur verstünde?

Ich denke schon, habe ich ihr geantwortet, beschäftige ich mich ja schon über vierzig Jahren damit.

Der rote Judas

Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich erst in Leipzig lesen sollte, denn es spielt in dieser Stadt im Jännner 1920, als die letzten Kriegsheimkehrer mit nur einem Arm oder einen Bein von der Gefangenschaft zurückkamen, da man aber mit den Neuerscheinungen, wenn möglich nicht so lange warten soll und das Buch auch im Jänner bis Februar spielt, also auf zu Thomas Ziebulas “Roten Judas”, der offenbar vorher schon viele historische Romane und Fantasy geschrieben hat und es jetzt einmal mit einem historischen Krimi versucht und ich muß sagen, es ist ein sehr gutes Buch mit allen geforderten Spannungseffekten, auch wenn vielleicht darum, nicht alles so logisch erscheint, gut recherchiert scheit es aber  zu sein.

Ich habe ja schon einige Krimis und andere Bücher über das Jahr 1918 und dem Ede des World War ones gelesen, den ich ja auch literarisch die letzten Jahre begleitet habe, die spielten aber meistens in Wien und da kann ich noch anfügen, über die Weimarer Republik habe ich auch etwas gelesen.

Also wieder schön der Reihe nach, damit sich meine Leser nicht aufregen, daß ich schon wieder unverständlich schreibe, da ist der ehemalige Kommissar und jetzige Major oder so was, Thomas Stainer, der mit dem Verwundetentransport aus Frankreich heimkommt.

Er ist zwar nicht körperlich verwundet, aber traumatisiert, also doch, hat Gedächtnislücken, Schreikrämpfe, etcetera. Kann nachts nicht schlafen, weil ihm die Schrecken von der Front durch den Kopf gehen und wurde deshalb auch psychiatrisch behandelt. Seine Frau hat ihn auch verlassen, beziehungsweise lebt sie jetzt mit einem ebenfalls traumatisierten Oberarzt ihrer Klinik, sie ist Hebamme, zusammen.

Er wird aber trotzdem wieder in den Polizeidienst einberufen und da und das ist eine der Unlogigkeiten in dem Buch zum Inspektor hinaufbefördert und hat gleich einen oder mehrere Fälle aufzulösen, denn es werden einige Kriegsheimkehrer ermordet und langsam führen die scheinbar unabhängigen Fälle zu einem einzigen großen zusammen.

Tiere, was das Buch sehr sympathisch macht und ihm seine besondere Note gibt, kommen auch wieder vor. Als Stainer zum Dienstantritt fährt, muß die Straßenbahn stehenbleiben, weil Bengels ein Kätzchen in eine Blechdose gesperrt haben und über die Straße jagen. Das nimmt er zu seinem Dienstantritt mit und nennt es Eule. Es gibt dann noch einen Schäferhund, auch ein Symbol, einen die Internationale singenden und unflätig schimpfenden Papgei und einen Kanarienvogel, der zusehen muß, wie der, er ihn füttert, ermordet wird und die polizeilichen Ermittlungen werden durch die eigene Kollegenschaft auch immer wieder behindert. Akten verschwinden und tauchen später im Papierkorb auf, Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Zeugen verschwiegen, etcetera, denn die Polizeimannschaft ist, wie offenbar das ganze Land in zwei Lager, in das Rote und das Nationale gespaltet. Paul Stainer gehört zu der roten Fraktion. Ich kann gleich spoilern, daß er der rote Judas ist, während sein durch den Krieg querschnittgelähmter Vater, der trotzdem mit seinen Orden und dem Uniformmantel im Rollstuhl herumfährt der nationalen Seite angehört und an der Front, wo unaussprechliche Grausamkeiten passierten und unnötige Schießbefehle gegeben wurden, hat es Leute gegeben, die sie verweigerten, deshalb zum Tod verurteilt wurden, trotzdemmehr oder weniger verwundet nach Leipzig zurückkamen, sich selbst anzeigen oder Bücher über die Greuel schreiben wollten und nun nach und nach erhängt oder erschoßen werden und nach einer Aktentasche im Kartoffelkeller, auch einer der Unlogikeiten oder Akten im Tresor einer Villa in Gohlis wird auch besucht

Rilkes Gedichte kommen immer wieder vor, die Straßenbahn fahrenden Schaffnerinnen, die auch in dem Buch “November 1918” erwähnt werden und auch etwas, was vielleicht, als das Moralisierende des Autors interpretiert werden könnte.

Denn Stainer will seine Edith zurück. Sie scheint das auch zu wollen, trotzdem werden aber sie und Dr. Brandt erschoßen, weil die Täter diesen für Stainer hielten, was diesen dazu veranlaßte, besonders scharf hinzusehen, seine Befugnisse übertreten und den Mörder seiner Frau schließlich im Wasser ertrinken läßt, weil man mit einem Arm ja nicht schwimmen kann.

Interessant, die traumatisierten Männer, so deutlich habe ich das noch nie gelesen, die Stainer schließlich in die Obhut eines Psychoanayltikers und auf die berühmte Coach führen, weil er so sein Amt nicht länger ausüben kann und viele weitere Details, die das Buch, das ich wirklich nur empfehlen kann, auch in Wien  sehr lesenswert machen.

Ein herrlicher Flecken Erde

Die 1968 geborene  Radka Denemarkova, die in Prag Germanistik und Böhemistik studierte, habe ich im Juni 2018 in der “Gesellschaft für Literatur” kennengelernt, als sie dort Cornelius Hell vor den “Gläsernen Vorhang” holte.

Damals gab es nur ein Buch auf Deutsch von ihr, nämlich den “Herrlichen Flecken Erde”, das um zehn Euro verkauft wurde, so daß ich es mir signieren ließ und dann sozusagen auf meinen St. Nimmerleinstagstapel legte. Von dort im Vorjahr wieder hervorgeholt, denn da war ja Tschechien Gastland in Leipzig, was ich mir zwar nur von meinen Zimmer aus angesehen habe, aber Radka Denemarkova von der es inzwischen ein oder zwei neue Bücher gibt, war in aller Munde, und von ihrem China-Buch, das auch Stephan Teichgräber letzten Mai auf seinem Festival vorstellte hat sie, glaube ich, auch in der “Gesellschaft” erzählt und das was dort vom “Flecken Erde” berichtet wurde, hat mich gar nicht so auf das Buch happig gemacht, ein Mädchen kommt vom KZ in das tschechische Dorf zurück und wird von dort vertrieben und wurde beim Lesen wieder mal überrascht, vor allem von der Sprache und der Art, wie Radka Denemarkova dieses für die Tschechen wohl sehr schwierige Thema darstellt.

Sie versucht das Greuel und die Schrecklichkeit in einer sehr abgehobenen symbol- und metaphernreichen Sprache darzustellen, vermischt das immer wieder mit den realen Fakten und hat fast absurd wirkende Nebensächlichkeiten dabei, wie die Linsen, die man in dem Laden, in dem Haus, das einmal ihren Eltern gehört, als geschenk bekommt, wenn man dort, um über hundert Kronen einkauft oder die Erdnußflocken die sich die alte Frau  Stolarova immer wieder in den Mund steckt.

Es beginnt im Sommer 1945, der Krieg ist aus, die sechzehnjährige Gita, die ihre Eltern und ihre Schwester Rosalie im KZ verloren hat, weil sie Juden waren, kommt von dort, in den Gutshof ihrer Eltern zurück, sieht dort fremde Leute am Tisch sitzen und Linsen essen, es sind, glaube ich, die Angestellten ihres Vater Rudolf Lauschmanns, der Landmaschinen sammelte und ein Museum errichten wollte.

Sie wird von drei nun in dem Dorf regierenden Männern zusammengeschlagen, in den Schuppen eingesperrt und soll dort wohl verhungern, die Schwester des Hausbeschlagnahmers rettet sie aber und veranlaßt sie in das Lager, wo die Deutschen aufgesammelt werden, um zurückgeschickt zu werden,  zu gehen.

Sie ist aber keine Deutsche, weil hier geboren und ihr Vater war kein Nazi, sondern Jude, wie sie beteuert, so daß sie zu ihrer Tante Ottla nach Prag gehen kann, dort studiert sie Medizin, wird Pathologin und kommt erst fünfzig Jahre später, als ihre Eltern rehabilitiert wurden, mit einem Rechtsanwalt und ihrer Enkelin, die Jus studiert, in das Dorf zurück.

Sie will  eigentlich nur ein Denkmal ihres Vaters errichten lassen, die Dorfgemeinschaft richtet sich aber gegen sie und der Bürgermeister packt unappettliche Sachen aus, denn der Sohn, des damaligen Hausbesetzers, Denis ist auch Arzt in Prag, so bricht er seine Schweigepflicht und deckt auf, daß Gita Lauschmannova schon ein erstes Mal verheiratet war und wurde auch in der Psychiatrie behandelt, ist also, aha, unzurechnungsfähig, frohlockt der Bürgermeister.

Mit dem sohn Denis hat es noch eine andere Bewandnis, er kommt nämlich schon im Prolog vor, da ist er ein Kind, spielt im Garten und buddelt dort unter dem Baum einen Totenschädel auf, das ist der Bruder von Gita, der vor ihr aus dem KZ zurückkam und in den Gutshof wollte und nach dem die alte Gita immer noch sucht und ihn lebend glaubt, jetzt deckt sie aber vor der Dorfversammlung, während Denis Schwester Natasa, die in Gitas Geburtshaus jetzt einen Laden hat und dort die Linsen in Säckchen packt und sie von einem berühmten Schauspieler, der auch in dem Dorf ein Haus hat, signieren läßt, eine Farce in dem Buch würde ich sagen, auf, daß sie, als junge Frau in Prag das erste Mal verheiratet, während ihr vier Monate alter Sohn im Nebenzimmer schlief, von vier Männern vergewaltigt wurde, die dann auch dem <kind den Kopf abhackten, das und ihre vorigen Traumatisierungen brachten sie auf die Psychiatrie und Denis Mutter klärt ihren Sohn nun auf, wie es damals war, was ihn die Seiten wechseln und zu ihr halten läßt.

Gitas Tramatisierung,  ihr Verhältnis zu ihrer Tochter aus zweiter Ehe und ihre Unfähigkei ihr ihre Liebe zu zeigen, wird sehr dicht beschrieben und die Linsen als Symbol, kommen auch wieder vor, wie auch Gitas Kinderstuhl in dem Haus in Puklice mit dem Bärenmotiv, den sie sich eigentlich für ihr erstes Kind holen will und  jetzt in einem Schuppen steht.

Das Buch ist in einige Teile gegliedert, die immer wieder die zweite, dritte, bis sechste Rückkehr zum Titel vor.

Absurde Stellen untermauern die Tragik, so kommt Denis mit Gita zum Bürgermeister, um ihm von dem Denkmal zu überzeugen und der hält die Beiden, Denis ist ungefähr sechzig, Gita über siebzig, für ein Brautpaar und die alte Mutter soll jetzt statt dem Schauspieler, die Säckchen signieren, verlangt die Tochter Natasa, die Krämerin, die weigert sich, stopft ihre Erdnußflocken in sich hinein und schreibt dann zu Natasjas Mißfallen “Zur Erinnerung herzlich ihre Gita Lauschmannova”, darauf.

“Ein starkes Buch”, hat die Zürcher Zeitung auf die Rückseite geschrieben.

“Eine mutige Auseinandersetzung mit der deutsch-tscheischen Nachkriegsgeschichte”, steht noch darüber und ich hebe vor allem die interessante Sprache, die manchmal irritiert und vielleicht auch verstört hervor, die mich an  Radka Denemarkova und an dem Buch sehr überraschte.