Elijas Lied

Jetzt kommt schon Buch vier der heurigen Bloggerdebutshortlist, die ja am dreißigsten November bekanntgegeben wurde.

“Elijas Lied” von der 1994 in Essen geborenen Amanda Lasker-Berlin, das auch für den Debutpreis der LitColgone vorgeschlagen wurde und ich muß sagen, das Buch, das sonst sicher an mir vorbeigegangen wäre, ist eine Überraschung, nämlich ein eher unübliches Thema, Tabus werden angeschrieben und Sprache ist auch ungewöhnlich und nicht so abgelutscht.

Es geht um drei Schwestern, Elija, Loth und Noa, also ungewöhnliche oder biblische Namen und die treffen sich wiedermal um einen Ausflug ins Moor zu machen, wie sie es schon als Kinder taten. Elija ist die älteste, schaut aber am jüngsten aus, denn sie hat das Down-Sndrom und die Gutmenschen-Eltern, die auch gläubig sind, haben sich entschlossen, ihr eine Chance zu geben und sie trotzdem zu bekommen. Sie war auch einmal schwanger, hat das Kind aber nicht bekommen. Da haben die Eltern für sie unterschrieben und jetzt spielt sie Theater und lebt da das aus, was sie im echten Leben nicht erleben kann. Also ganz schön kritisch und sehr ungewöhnlich, das jemand dieses Thema thematisiert. Ich habe das durch den “Ohrenschmaus” ja auch einmal versucht, aber von JuSophie beispielsweise eine harsche Kritik bekommen.

Die andere Schwester ist Noa, die hat ihr Studium ebenso wie Loth aufgegeben und arbeitet jetzt in einer Kantine, sie hat einen Freund, der glaube, ich in höheren Etagen arbeitet und was auch eher ungewöhnlich wenn nicht eher unrealistisch ist, betätigt sie sich als Prostiutierte und geht da in Pflegeheime. Ob es sowas wirklich gibt, weiß ich nicht, vielleicht bin ich da naiv, aber Valerie Fritsch hat sich in ihren ersten Texten auch mit diesem Thema beschäftigt. Es zieht also wahrscheinlich die Debutanten an, über sowas “Verbotenes” zu schreiben. Die dritte Schwester ist Loth und die hat sich den Patrioten oder neuen Rechten angeschlossen und da bin ich verblüfft, wie genau Amanda Lasker-Berlin recherchiert hat, wird ja, glaube ich, Martin Sellner mit seiner amerikanischen Frau, natürlich namenlos genannt, wie das Gut Schnellroda mit dem Ehepaar Kostriza-Kubitschek, wo Loth an einigen Sommer- beziehungsweise Winterakademien teilnahm und dort die blonden Kinder mit ihren dicken Zöpfen herumrannten.

Der Roman ist in eine genaue Tagesstruktur gegliedert, beispielsweise “von acht bis elf” bis “von null und weiter” gegliedert und da hasten die Geschwister durch das Moor, essen zu Mittag Kaiserschmarren, kommen dann in die Nacht und in ein Gewitter, flüchten in eine Kirche und Elija scheint am Schluß in einem See umzukomme oder ist die am ende doch von Noa gerettet worden und kann mit ihrer Regisseurin im Flugzeug bis in die Schweiz und nach Frankreich zu einem Theaterfestival reisen.

Amanda Lasker-Berlin lese ich in ihrer Bigorafie hat schon mit achtzehn ihr erstes Theaterstück aufgeführt und studiert jetzt Theaterregie und ich bin unsicher bezüglich der Bewertung. Denn bis jetzt wäre es trotz der unzweifelhaft vorhandenen Anfängerschwäche bei mir auf Platz eins.

Kerzen, Killer, Krippenspiel

Auf die Idee im Advent Weihnachtsbücher zu lesen hat mich, glaube ich “Leselustfrust” gebracht, die hat 2010 glaube ich ein Adventspecial ausgerufen und dann allmählich mit dem Nloggen aufgehört, ich habe mit dem Weihnachtsbuch lesen angefangen, was damals noch leicht möglich war, die im Laufe des Jahres gefundenen Schätze aus den Bücherschränken aufzulesen, dann wurde die Leseliste aber länger und spätestens seit dem Buchpreisbloggen habe ich die aufgeschriebenen Weihnachtsbücher ungelesen wieder ausgetragen.

Vielleicht vorgenommen, aber das nächste Jahr und weiter gesammelt und einmal war auch ein Adventkalender dabei, vierundzwanzig Türchen. Eins für jeden Tag, der kugelt auch irgendwo ungelesen herum. Dafür gibts aber den eigenen Adventkalender, den ich ja auch irgendwann zu planen und 2015 zu schreiben angefangen habe und im Vorjahr gab es dann ein tägliches Adventkalenderfensterlesen.

Richtig der “Holmes-Adventkalender” war auch einmal dabei, den gibts in Fortsetzungen, aber einmal habe ich ihn nicht bestellt, das nächste Mal dann nicht bekommen.

Aber Weihnachtsbücher und Buchadventkalender gibts zum Glück zu Hauf, ist Weihnachten ja ein wichtiges Fest, was heuer Corona bedingt ohnehin ein wenig flachzufallen scheint und das Punschtrinken mehr oder weniger illegal und kommt die Polizei, mit dem Becher schwupps um die Ecke, was zwar für nicht Corona-Erleber ein wenig makaber klingen mag, aber zu den Weihnachtskrimis führt und da habe ich einmal einen gelesen und Krimiadventkalender scheint es auch in Serie zu geben.

Einen habe ich dieses Jahr gefunden auf meine Liste geschrieben und pünktlich am ersten Dezember mit dem Lesen der ersten Geschichte begonnen. Ein Deutschlandkrimiadventkalender, den es auch in Serien zu geben scheint und jeden Tag ist ein anderer Ort dran, was inZeiten der Reisebeschränkungen, wo man seinen Advent ja höchstens Indoor feiern kann, vielleicht auch ganz passend ist.

“24 Weihnachtskrimis vom Nordseestrand zum Alpenrand”, steht am Cover, unsere Eva Rossmann kann ich gleich spoilern und damit die deutsche Grenze sprengen ist auch dabei und beginnen tuts pünktlich am Ersten in Sylt. Die lehrerin Gisa Pauly hat “Familiengrufti” geschrieben und da geht es hübsch makaber zu. Nämlich um ein Familiengrab in dem nur mehr ein Platz frei ist und in das nun alle hineinwollen. Die alte Dora, die von ihrer Schwester gepflegt wird, denn die will auch hinein, tut das und wünscht sich nur noch einmal Sylt im Schnee zu sehen und dann abzukratzen. Ein Wunsch, der von Neffe und Nichte, die die zweihunderttausend im Testament vorgesehen Euro erben wollen, zu erfüllen versucht wird. Mit Kunstschnee rasen sie heran und zaubern vor Doras Fenster ein Schneeparadies, die will aber ins Wohnzimmer hinunter, um auch den Garten zu sehen. Gerda versucht es zu verhindern. Die Nichte rollt den Kunstschnee aus und der Neffe, der vom Apotheker schon das Gift besorgen wollte, rutscht auf seinem Motorrad dann auf diesen aus.

Am zweiten Dezember gehts wieder auf eine Nordseeinsel, nämlich langeoog. Nie gehört, denn dahin hat sich eine Oma nach dem Tod des Opas zurückgezogen und sich seltsam verändert. Die Enkeltochter wird zu Weihnachten hingeschickt und erlebt ein total geschmücktes Haus. Im Wohnzimmer sitzt eine Hippiefrau. In der Küche steht die Oma und bäckt Plätzchen und bis zum Weihnachtstag kommen alle Weihnachtsmänner auf der Insel um. Sie rutschen im Schnee aus, so daß am nächsten Tag drei Weihnachtsfrauen durch den Ort huschen und die Plätzchen an die Kinder verteilen. Apropos Weihnachtsfrau, die gibts natürlich auch bei mir und das zweite Türchen ist auch schon geöffnet.

Am dritten Dezember bleibts noch in Ostfriesland, denn dort, in Ostermoordorf wird ein Weihnachtsmann gesucht. Christiane Franke hat die Geschichte von dem Herbert, der sich um Weihnachtsmann zu werden einen Bauch angefressen hat und auch alles tut, um den sich ebenfalls bewerbenden Nachbarn auszuschalten, geschrieben. Nur leider bekommt er zu dem Zeitpunkt, als die Polizei erscheint, einen Herzinfarkt, denn der Nachbar ist schlauer gewesen.

Am vierten Dezember gehts nach Hamburg in die Elbphiloharmie. Da soll sich ein Sologeiger bei einem Konzert beweisen, hat aber einen Zwillingsbruder, der ihn erpreßt. Der liegt jetzt als Engel vor ihm, scheint vom Himmel gefallen, hat aber vorher LSD ins Glas gemischt bekommen. Also muß man seine Leiche beseitigen, die “Orchestervioline namens Swantje, die auch gern Solo spielen will, hilft ihm dabei, nur leider ragen die Flügel aus dem Wasser, also springt der Violinist hinein und Swantje kann für ihn spielen. Mit LSD sieht man aber alles anders und spielt wahrscheinlich auch falsch.

Am fünften Dezember geht es nach Berlin in das noble Viertel Grunewald. Da steht Alice mit einer Weihnachtsmütze in ihrer feudalen Villa und setzt sie einer Marmorstatue auf. Die ist, erfahren wir bald, ihr Ehemann, denn der hat im letzte Jahr das gewünschte Collier seiner Sekretärin statt ihr geschenkt. Jetzt ist er eben verschollen. Alice muß auf seinen Totenschein warten. Da ruft die beste Freundin an und schluchzt ins Telefon, denn ihr Mann, der Kompagnon von Alice Albert hat dessen Sekretärin übernommen und will ihr nun ein Schmuckstück schiken. Das geht doch nicht und so beginnt Aice zu routieren und nach Kapstadt fliegen. Ein paar Briefe werden noch aufgegeben und am Ende hat sie dann einen Diamanten, der einmal die Sekreätrin war, um den Hals. Ein bißchen makaber könnte man meinen. Die Story wurde aber von Profis geschrieben. Nämlich Saskia und Veit Etzold und die ist Fachärztin für Rechtsmedizin, ihr Mann Autor von spekulären Todesfällen.

Am sechsten Dezember bleibt es in Berlin und es geht von Andreas Gößling geschrieben, zu einem Luk oder einem Krippenspiel. Der ist zweiundvierzig und seine Mutter Elsa liegt tot im Bett. Wie sie dort hingekommen ist, weiß man nicht, nur daß sie in einer Schuhschachtel eine Menge Euroscheine hat. Die nimmt das Söhnchen nun und geht dorthin, wo Berlin schon etwas schäbig wird. Da wird ein Krippenspiel aufgeführt. DerJosef gefällt ihm nicht, der möchte er selber sein. So verteilt er die Scheine. Nimmt dann den Engel mit nach Haus und stellt ihm die ganze Schuhschachtel hin, nur leider hat der einen Penis und am Ende fliegt Luk selbst als “Engelchen, flieg!”, aus dem Fenster hinaus und ich bleibe am Nikolaustag etwas verwirrt zurück. Denke, es gibt schon merkwürdige Adventgeschichteoder wenn ich wieder an den Anfang gehe, wo es ja ein abgewandeltes “Von drauß vom Walde komm ich her” gibt das mit “nun wertet das nachfolgend Geschriebene aus eurer Sicht. Sind gute Gschicht, sinds böse Gschicht?”

Am siebenten Dezember geht es nach Bielefeld, obwohl die Geschichte von Mechthild Borrmann “Einmal Ägypten” heißt, denn das ist der Traum eines Ehepaares, einmal dorthin zu reisen. Dafür spart der Mann seit er einen Herzinfarkt erlitt und daher Frührentner ist, aber die Tochter ist geschieden und braucht mal eine Waschmaschine oder Sachen für die Kinder. So ist das Konto bald leer und über die Bank muß er sich auch ärgern. Da muß man alles selber machen und die Angestellten sind unfreundlich. Da spuckt ihm der Automat aber einmal eine Zinsnachzahlungvon fünfunddreißigtausend Euro aus und alles ändert sich.

Am achten Dezember gehts auf einen Weihnachtsmarkt. Eine Kommissarin fährt dort hin, denn dort gibts eine Leiche und Harald Gilbers spart in “Ein Mörder sieht rot-grün” auch nicht an Kunstkritik. Denn da inszeniert ein verhinderter Schauspieler ein Weihnachtsstück und einer. der eigentlich farbenblind ist und als Buchhalter arbeitet, träumt von der Künstlerkarriere, aber leider will keiner seine Figürchen kaufen.

Am neunten Dezember geht es in den Harz und da vorerst in eine Kirche, dort sprechen die Damen den Gemeindemitarbeiter Markus Draugard an und wollen ihn trösten, weil seine Frau ihn verlassen hat. Er will aber nur in den Wald hinaus, um sich an seiner Schwiegermutter zu rächen, was aber nicht so wie geplant gelingt.

In “Bert-Bernd der Engel und ich” zeigt Rudi Jagusch am zehnten Dezember, wie man perfekt die Genres mischen kann. Da geht es zuerst in den Unglückstag eines erfolglosen Detektiven, der statt vom Gerichtsvollzieher den Besuch eines Engels bekommt. Der heißt Angela, ist eine ehemalige Schulkollegin und will, daß er ihr hilft ihren mann zu ermorden. Er macht natürlich für Geld und Sex alles und am Schluß stehen alle am Weihnachtsmarkt und trinken Punsch, was man jetzt wahrscheinlich in Köln, wo die Geschichte spielt, auch nicht darf. Bert-Bernd, der Engel, die Schulklasse und auch noch die Sekretärin und in den Dom geht es Schluß auch.

Am elften Dezember geht es nach Bonn am Rhein, ins Beethoven-Haus und zu einer erfolgreichen Jungunternehmerin über fünfzig, die bäckt die berühmten Elisen-Lebkuchen, denn ihr Herbert hat sie verlassen. Jetzt ist er das Backtriebmittel für ihre Lebkuchen und da sie immer positiv denkt, verschluckt sich auch ihre Rivalin an den lebzelten, beziehungsweise bekommt sie eineAllegie davon.

Am zwöften Dezember geht es in das kleine Dörfchen Vogelsberg und zu einem Weihnachtsmann, der auf seiner Tour alle seine Kumpels, die er verdächtigt mit seiner Frau geschlafen zu haben, umbringen will. Am Ende erwartet ihn die Frau, serviert nach Mandeln schmeckenden Weihnachtsstollen, erklärt, sie hatte nie mit den Kollegen etwas, aber jetzt wird sie ihn verlassen.

Am dreizehnten Dezember führt uns Katja Bohnet nach Gießen und da kommen zwei Polizisten zu einer Leiche die an einem Feuerwehrschlauch aufgehängt ist und deren die Füße fehlen. Einer der Kommissareist ein Turgenjews Spezialist und zitiert mehrmals “Die Väter und Söhne” und der Tote bekommen wir heraus, war ein Autohändler, der seine Schwiegertochter, die die Mörderin war, im Fußballspielen trainierte und das Ganze ist wohl auch, als eine gewisse Ironie auf das Krimigenre zu interpretieren.

In Limburg an der Lahn verpackt Oma Rotraud sorgfältig den Adventkalender mit der Giftpraline, die für den Nachbar bestimmt ist, der sie aus der Wohnung ekeln will. Dann geht sie die Werkzeuge entsorgen und als sie zurückkommt ist der kalender verschwunden. Der Enkel der zur Weihnachtsfeier muß, hat sich ihn ausgeborgt. Sie hetzt zum Schloß um das Stück zu holen. Der Chef erwischt sie, lädt sie ein und verteilt dann auch noch die Pralinen. In letzter Sekunde kann Rottraud sie sich noch schnappen. Nur um vom Enkel am nächsten Tag zu erfahren, daß er die Kalender ausgetauscht hat, weil er schon abgelaufen war.

Wem die bisherigen Adventkrimis, Mann will seine Rivalen ermorden und kommt selbst dabei um, zu banal waren, den kann ich am fünfzehnten Dezember in die Stadtbibliothek von Bayreuth verweisen. Denn da ist schon das zweite Wort Thomas Bernhard, denn Thomas Kastura, der Autor hat Germanistik studiert und so schickt er einen erfolglosen Autor zu einer Adventlesung, wo sein Rivale der sehr bekannter Krimiautor Gratasch auftreten soll. Er hat vorgesorgt und aus dem Darknet einen Auftragsmörder bestellt, der ihm den Kopfschuß geben soll. Eine schöne Gratasch-Verehrerin setzt sich neben ihm und berührt ihn an der Schulter, was bei Thomas Kastura zu köstlichen Bernhard-Passagen bewegt, denn der ist ja ein Autor den man herrlich nachahmen kann. Also gibt es “sentimentalitätsdurstige Beamtenweiber und frühpensionierte Krankenschwestern” etcetera. Und während er in Worten wie “Gratasch-Salat” und “Gratasch-Verhinderer” schwelgt, wird das akademische Viertel überschritten und statt dem berühmten Autor tritt nur eine verlegene Bibliothekarin auf, die von einer Verhinderung des Autors spricht. Aber es gibt ja Ersatz, die schöne Nachbarin hat sie darauf aufmerksam gemacht, daß ja noch ein Autor im Publikum sitzt, den sie bitten, würde, etwas was ich mir ja auch schon gewünscht habe und während ich noch dachte “Uje, jetzt kann er nicht auftreten!”, schwelgt er in seinem Glück, bis er dann den Kopfschuß spürt und ich kann noch verraten, daß ich jetzt endlich verstehe, warum man keine Genre mischen soll, denn ein Thomas Bernhard Verschnitt in Krimimanier klang wenigstens für mich am Schluß unerträglich und die Krimileser werden wohl auch nicht soviel von Thomas Bernhard lesen wollen und dessen Anhängern sind Krimis wahrscheinlich sowieso viel zu banal.

Am sechzehnten Dezember geht es ins Mittelalter. Denn da reitet eine gescheite Frau mit ihren drei Töchtern von Nürnberg in ein Kloster. Aber leider liegt zu viel Schnee, so müßen sie bei einem Ritter übernachten. Der ist ein ungeselliger Kerl, serviert schlechtes Fleisch, seine zwei Neffen und zwei seltsame Nonnen sitzen mit am Tisch und am nächsten Morgen ist er tot und blutige Mistelzweige gibt es als Auflösungshilfe auch.

Am siebzehnten Dezember wird in Karlsruhe eingebrochen und zwar immer in Häusern oder Wohnungen, wo vorher der Nikolaus bei den Kindern war. Ein pensionierter Polizist verdingt sich auch als solcher. Der ist einsam und erzählt seine Erlebnisse in einer Kneipe und ein Freund oder Bekannter, der Besitzerin geht dann einbrechen.

Am achtzehnten Dezember geht es in den schwäbischen Wald und zur “Mühlenweihnachten”, denn da holt ein Müller eine Agnieszka vom Bahnhof ab, die bei ihm einziehen soll. Die scheint offenbar besser Deutsch zu sprechen, als sie vorgibt und dem Sex weicht sie auch aus. Schickt ihn dagegen ins Gasthaus einen trinken während sie sich alles genau anschaut. Die Mühle läßt sie sich auch vorführen, dann schenken sie sich Bücher. Er bekommt den “Max und Moritz” denn für Bildbände über Mühle interessiert er sich, sie “Shades of grey”. Dann versuchen sie das in Echt zu praktizieren. Sie legt sich auch im Slip aufs Bett. Schnallt sich die Handschnellen aber nicht an, sondern haut ihm mit dem Baseballschläger eine übern Kopf bevor sie dann an ihm das praktiziert, was er einmal bei ihrer Schwester tat.

Am neunzehnten Dezember sind wir in Stuttgart auf dem Weihnachtsmarkt. Da soll ein Posaunenchor ein Konzert geben. Aber der dicke Willi mit der Tuba ist nicht da. Der wird dann später tot in der Kirche aufgefunden und eine junge Komissarin klärt das Ganze auf.

Am zwanzigsten Dezember führt und Eva Rossmann dann ins Weinviertel nach Treberndorf, denn da lebt eine syrische Flüchtlingsfrau bei einer Maria, einer Weinbauerin, trägt Dirndl und hilft am Weihnachtsmarkt. Haßpostings gegen den Bürgermeisger und gegen die Windmühlenbefürworter oder ihre Gegner gibt es auch und als Lilia am Ende einen Aufsatz über ihr Weihnachten schreiben soll, gibt ihn ihr die Lehrerin kopfschüttelnd zurück. Zwar keine Fehler und die richtige Grammatik, aber Themenverfehlung, denn so läuft das deutsche oder österreichische Weihnachten ja nicht ab.

Am einundzwanzigsten Dezember sind wir in München, beziehungsweise in einem Gefängnis, wo ein Schriftsteller namens Bronsky, so steht auch über der “Mangoldtragödie”, auf Seite dreihundertneunundachtzig und bei den Lebensläuften, daß Max Brosky ein Pseudonym für Franz-Maria Sonner, von dem ich, wenn ich mich nichts irre, schon was gelesen habe, den Weihnachtsglocken lauscht und erzählt, wie es ist in einer Kleinstadt zu leben, wo man vom Feinkosthandel total überwacht wird, so daß es schließlich zum Blasphemievorwurf kommt.

Am zweiundzwanzigsten Dezember führt uns Su Turhan in den “Dönersquare”, das ist eineKebab-Bude in München und wünscht uns “Mutlu Noeller!”, also “Frohe Weihnachten!” auf türkisch. Denn da hilft Yusuf, was ja Josef heißt, dreimal in der Woche aus. Der war mal im Gefängnis, holt also gleich das Messer, als Meryem, also Maria mit dem schwangeren Bauch, die aus Sofia eingeflogen kam, nicht zahlen will. ein Drogenfahnder sucht auch nach ihr, der wird aber von Albert, der in Afghanistan seinen Arm verloren hat, ruhig beziehungsweise auf Schnaps gestellt. Ein türkisches Pärchen zahlt die zeche und das Christkindlein wird dann am Klo geboren. Herbergssuche im Multikultiland.

Am dreiundzweanzigsten Dezember gehts in den Allgäu aber eigentlich zurück zum Nikolaustag, vielleicht hätte man die Geschichten besser ordnen sollen, denn ich habe ja schon welche, die am Weihnachtstag spielen, gelesen. Egal, denn der berühmte Kommissar Kluftinger der Autorengruppe Klüpfel und Kobr von der ich schon viel gehört, aber, glaube ich, noch nichts gelesen habe, muß einen Fall aufklären, wo Diebsgut vielleicht in einem Knderheim versteckt ist. Wie bekommt man das heraus? In dem man sich als Nikolo und Krampus verkleidet, bei den gelangweilten Kindern und Jugendlichen eine Show abzieht und sie ein bißchen traumatisiert und dann auch noch den Rivalen verprügeln läßt.

Am vierundzwanzigsten Dezember geht es in die Schweiz, zu Tom Zai, den Wölfen und zu einem Wildhüter, der Drohbriefe bekommt, weil er Wölfe in sein Revier angesiedelt hat, deshalb hat er seine Frau vernachläßig und will zur Versöhnung in der Weihnachtsgeschichte, die auch zu Nikolo spielt mit ihr in ein Superrestaurant gehen. Dann kommt die Nachricht, die Wölfe sind ausgebrochen, beziehungweise wurde sie von den Gegnern in eine Falle gelockt und seine frusterierte Frau droht zu allem Überfluß sich von den Maffia-Russen in ihr Hotelzimmer entführen zu lassen.

So das wars mit den vierundzwanzig Weihnachtskrimis und für die, die es weniger kriminell haben wollen, verlinke ich noch einmal zur “Nika, Weihnachtsfrau”, die habe ich heuer trotz meines Versprechens nicht in die Bücherschränke gelegt, war auch nur einmal im “Wortschatz” und habe das “Frühlingserwachen” hineingelegt. Jetzt radle ich noch einmal nach Altmannsdorf und da habe ich ja die “Hierarchien” zur Auswahl, die “Sommerelebnisse”, die zwar nicht zur Jahreszeit passen, gibt es auch zur Auswahl und jetzt wünsche ich ein frohes Fest und hoffe ihr habt euch alle brav durchgetestet, das Corona-Weihnachtsmärchen gibts dann übermorgen!

2 5 7 8 9 10 14 19 20 23 24 25 29 30

Hawaii

Jetzt komme ich zu der Bloggerdebutshortlist, von der ich schon zwei Bücher gelesen habe. Lucia Leidenfrosts “Verlassene Kinder” und Deniz Ohde “Streulicht”, das dritte Buch ist das Debut des 1986 geborenen Cihan Acar, der in Heidelberg Rechtswissenschaften studierte und in Heilbronn lebt und Hawai ist, da darf man sich nicht täuschen lassen, auch von dem farbenprächtigen Umschlag des bei”Hanser”erschienenen Buches nicht, ein heruntergekommenen Viertel in Heilbronn in dem zumeist Türken leben. Chian Acar ist auch türkischer Herkunft, das zweite Debut also, das von der zweiten oder dritten Migratengeneration geschrieben wurde oder handelt und es gefällt mir, glaube ich, besser als “Streulicht”, mit dem ich, vielleicht auch, weil es soviel gelobt wurde, nicht so viel anfangen konnte.

Von “Hawaii” habe ich eigentlich nur von diesen “Papierstau-Podcast” erfahren, der alle dBp-Bücher besprochen hat und glaube ich, auch bedauerte, daß es nicht darauf stand. Dann hat mich das Cover auf der Bloggerdebutliste beeindruckt. Dann wars auf der Shortlist und ich hatte keine Ahnung wovon es handelt.

Es handelt von Kemal Arslan das ist ein zwanzigjähriger junger Mann. Sohn türkischer Eltern, die in Hawai leben oder lebten. In dem Buch fahren sie gleich einmal in die Türkei zurück und Kemal kommt von dort. Denn er er war Profifußballer, so erfolgreich, daß ihn die Kinder in dem Bau seiner Eltern sofort erkennen und ansprechen. Aber seine Karriere ist vorbei. Er hatte einen Unfall, sein Fuß ist kaputt. Er kann nicht mehr spielen. Jetzt ist er arbeitslos und er muß neu anfangen und sich neuorientieren und so irrt er im Sommer, in den sogenannten Hundstagen durch Heilbronn herum und macht zum Teil surreale Erfahrungen. Das Buch spielt von Donnerstag bis Sonntag, also in drei Tagen und zwei Nächten, beginnt bei einer türkischen Hochzeit, spielt dann in einigen Clubs, zwei Freunde Emre und Hakan gibt es auch und eine Exfreundin namens Sina, die stammt aus einem guten Haus, ist ziemlich wohlhabend oder ihre Eltern sind es und Kemal hat sie mitten in seiner Karriere verlassen. Jetzt will er reumütig zu ihr zurück, sie hat aber schon einen Freund.

Der Vater sorgt sich um die Zukunft seines Sohnes. So vermittelt er ihm eine Stelle, bei Tayfun, der hat ein großes Unternehmen aufgebaut und will Kemal auch anstellen. Durch seie Freunde erfährt er, der Vater oder besser Onkel hat viel Geld für die Vermittlung zahlen müßen, das ist so üblich und Tayfun schenkt ihm eine Rolex, die sich aber als Fälschung erweist.

Kemal irrt durch die Stadt in der nicht oder nicht mehr verwurzelt ist, aber sowohl deutsche, als auch türkische Identitäten hat und macht zum Teil recht surreale, skurille Erfahrungen dabei. So gibt einen alten Mann, der sich auch Kemal nennt, der ihn verfolgt und in eine Straßenschlacht, die die ganze Stadt zerstört, wo die Türken gegen die Nazis geraten und auch Tayfun verwickelt ist, gerät er auch. Das Wasser ist auch verdorben, also ein bißchen dystopisch und das kaputte Auto mit dem er Selbstgespräche führt und das alle haben wollen und, das er schließlich Paul, das ist Sinas Bruder, schenkt, gibt es auch.

Am Schluß, also nach den Kämpfen, wo die Stadt zumindestens teilweise in Schutt und Asche liegt, packt Kemal seine Reisetasche,, um wie die letzen Säthze lauten:

“Das mit der Reise ohne Ziel stimmt gar nicht. Ich wußte genau, wo ich hinwollte. An einem Ort an dem ich der sein kann der ich bin. Nicht Kemal, der Fußballer, nicht Kemal, der Arbeitslose, der Herumtreiber, der Versager, der Verrtäter, der Verkäufer, der Typ zwischendrin. Sondern einfach nur ich. So einen Ort muß ich finden. Und wenn es ihn nicht gibt, dann muß ich ihn halt für immer suchen.”

“Hawai ist ein rauschhafter Trip durch Heilbronn, der den Leser sofort in seinen Bann zieht”, hat Benedikt Wells am Buchrücken geschrieben und Abbas Khider läßt wissen “Ein toller Roman! Unterhaltsam, oft schräg, voller ungewöhnlicher Bilder und kluger Geschichten.”

Das Letztere stimmt, glaube ich und das ist wahrscheinlich auch der Vorzug des Buches, der ungewöhnliche Ton, in dem einige Genres durcheinander gemischt sind, Cihan Acar ist auch Hip-Hoper und da habe ich ja vor kurzem ein paar Lektionen bezüglich dieser Jugendkultur benommen und es gibt im Netz auch ein paar Videos wo Cihan Alcar durch Hawai zieht und die Orte, zum Beispiel das Wollhaus, die Alle, ein bestimmter Club, die in dem Buch vorkommen, zeigt.

Sofort bin ich nicht in das Buch hineingekommen und so leicht zu lesen, wie einer bei “Amazon” geschrieben hat, ist es und bin ich nicht. Es war aber ein Gewinn und so kann ich den Debutfrauen nur danken, daß sie es auf die Shortlist setzen, denn sonst wäre es wahrscheinlich an mir vorbei gegangen.

Patience geht vorüber

Jetzt kommt das dritte Buch der fünf aus den Neunzehnhundertzwanziger Jahren, die ich vor ein paar Monaten angeboten bekommen habe. Zwei habe ich schon gelesen, das vierte wartet noch auf mich, das fünfte ist nicht gekommen. Dafür das Erste zweimal und ich muß sagen Margaret Goldsmiths “Patience geht vorüber” war eine Überraschung, obwohl ich, ich gebe es zu, zuerst einmal die Nase rümpfte, als ich das orange Büchlein auf den vier Frauenköpfe zu sehen sind, bekommen habe und dann noch etwas von einer lesbischen Beziehung zwischen zwei Mädchen, die im Jahr 1918 ihr Abitur oder Matura machten und das in einer Berliner Konditorei feierten, las.

Margaret Goldsmith entnehme ich dem Nachwort, beziehungsweise “Wikipedia”, war eine amerikanische Journalistin, die 1894 geboren wurde, ihre Jugend in Deutschland verbrachte, hauptsächlich in England lebte und unter anderen Erich Kästner übersetzt.

Das Buch ist der Malerin Martel Schwichteberg gewidmet, von der auch das Cover stammt und ist 1931 das erste Mal erschienen. Ich habe etwas gebraucht, um mich hineinzulesen und irgendwann erstaunt zu denken, interessant interessant und diese Margaret Goldsmith, die 1971 gestorben ist, war offenbar wirklich eine genauso selbstbewußte Frau, wie ihre Protagonistin Patience.

Die ist die Tochter einer Engländerin, wuchs in Berlin auf und ging gleich nach oder auch schon vor der Matura 1918 eine Beziehung zu ihrer Schulkollegin Grete, eine Sozialistin ein. Patience hat einen adeligen Namen nämlich von Zimmern, was ihr Schwierigkeiten in der sozialistischen Gewerkschaft, in der sie vorübergehend arbeitet, macht, es taucht dann auch ein Adeliger, mit einem Kriegstrauma würde man wohl heute sagen, auf, der die junge Patience heiraten will, weil er glaubt, aus dem Krieg nicht mehr zurückzukommen und verspricht ihr, daß sie dann mit ihrer Grete auf dem Gut seiner Eltern wohnen und auch mit ihr Reisen machen kann. Ja, so wars wohl zu Beginn des vorvorigen Jahrhunderts, bei der Courths- Mahler, die ich ja mal viel gelesen habe, kommt sowas uns heute verrückt erscheinendes auch öfter vor. Patience wird aber Journalistin. Der Ehemann kommt aus dem Krieg zurück. Die Mutter zu der es auch Schwierigkeiten gibt, geht nach England und die drei leben kurz in der Wohnung, bevor Patience, die verläßt, verspricht die Miete weiter zu bezahlen und sie geht dann für ihre Berliner-Zeitung nach England, wo die Mutter, die inzwischen Abgeordnete ist, nicht mit dem verheirateten Mann, zu dem sie eine Beziehung hat, leben kann. Patience geht mit dessen Sohn eine kurze Beziehung ein. Die mißlingt, dann geht sie nach Berlin zurück, um Medizin zu studieren. Das alles klingt vielleicht zu phantastisch einfach, aber die Hausmädchen oder die verhärmten Arbeiterfrauen, die jedes Jahr ein Kind bekommen und sich dann schämen mit ihren dicken Bauch neben ihren Mann spazieren zu gehen, werden zumindestens auch thematisiert und was für mich verblüffend war, die neue Sachlichkeit, die ja den Neunzehnhundertzwanziger Jahren beschrieben wird, wo ich ja auch einmal bei einem Vortrag in der “Wien-Bibliothek” war und die auch die fünf Bcher wahrscheinlich thematisieren wollen. Margaret Goldschmith spricht auch das an, beziehungwweise läßt sie ihre Ärztin Patience an dieser Gefühlskälte leiden. Sie hat sich ja in ihrer Jugend ausgelebt, bemerkt dann, daß sie lieber in der Krebsforschung, als mit Patienten arbeiten will und geht, als sie diese Gefühlkälte bemerkt sogar zu einem Psychiater, der rät der “Gnädigen Frau”, daß es schade ist, daß sie Witwe ist, denn sonst würde er ihr ein Kind empfehlen. Gesagt, getan, die neue Sachlichkeit macht es möglich oder auch nicht, denn die noch Studentin sucht sich imHörsaal sofort den passenden Kanditaten, einen schwedischen Studentn aus und lädt ihn über Nacht bei sich ein. Es gelingt nur nicht, was man heute damit interpretieren könnte, daß der Körper oder die Seele daauch ein Mitspracherecht hat. Also studiert sie fertig. Geht ins Labor zu einem Professor, der in Amerika einen Vortrag halten soll, aber nur schlecht Englisch kann. So muß Patience ihn begleiten. Der guten Sitte wegen, wir sind inzwischen Mitte Neunzehnhundertzwanzig, fahren sie getrennt und da trifft Patience, ein Kind, das auf sie zugeht und die Mutter, wieder sehr konstruiert würde ich sagen, auch wenn mich die Kritiker deswegen kristisieren, erleidet am Schiff einen Blindarmdurchbruch und stirbt während der Notoperation, vorher hat sie Patience mit dem deutschen Konsul, der sich auch am Schiff befand, das Adoptionsrecht überschrieben und das Kind, das Patience nach ihrer Mutter Victoria nennt, hüpft lustig mit ihrer “Peschi” herum, die für den Professor übersetzt und diesmal zu dritt mit dem Schiff zurückfährt. Dort wird es aber, wie uns die Geschichte lehrt, höchstwahrscheinlich auch nicht lustig werden. Aber da schließt das Buch, das ich wirklich sehr interessant fand, obwohl man es natürlich auch als kitschig interpretieren könnte, was die wenigen Kritiken, die es nach Erscheinen gibt, wie man dem Nachwort entnehmen kann, auch taten.

Mit Vicki Baum, die ja auch über die neue Sachlichkeit geschrieben hat, war Margaret Goldsmith auch bekannt, beziehungsweise ist ihr Buch, glaube ich, in einem Seitenverlag von “Ullstein” erschienen.

Betrachtungen

Nach den Zuständen des amerikanischen Gesundheitssstem beziehungsweise dem in den US-Krankenhöuser in pandemischen Zeiten, kommt gleich ein neuer Corona-Text. Ein Corona-Essay der1975 in london geborenen und in New York lebenden Zadie Smidt, die 2018 den österreich Staatspreis für europäische Literatur bekommen hat und von deren ich schon einige Romane gelesen haben.

Corona Essays-Betrachtungen über den pademischen Zustand. Ein Thema das ja nicht nur mich sehr interessiert und an dem sich auch andere abschreiben, obwohl über die vielen Corona-Gedichte und Corona- Texte ja von den Verlagen und anderen Vips meist belächelt wird, ich finde es interessant und wichtig für mich zu lesen und auch psychoh

Corona Essays-Betrachtungen über den pademischen Zustand. Ein Thema das ja nicht nur mich sehr interessiert und an dem sich auch andere abschreiben, obwohl über die vielen Corona-Gedichte und Corona- Texte ja von den Verlagen und anderen Vips meist belächelt wird, ich finde es interessant und wichtig für mich zu lesen und auch psychohygienisch wichtig sich damit auseinanderzusetzen und darüber zu schreiben und so habe ich das nicht nur selbst schon von Anfang an getan, sondern auch begonnen Corona-Texte zu lesen und zu sammeln.

Einer der Ersten war von Paulo Giordano von dem ich auch schon einige Bücher gelesen habe “In Zeiten der Ansteckung”, sehr früh in dem Corona gebeutelten Italien geschrieben und hat für mich nicht so besonders neue Erkenntnisse enthalten.

Corona-Essays oder Betrachtungen über die Lage also von Zadie Smith und sie packt das Thema auch auf ihre Art und Weise an, in dem sie tief in die Vergangenheit und in die Literatur zurückgeht. Marc Aurel in die Hand nimmt und sich Gedanken über das Leben in der Krise macht und das auch noch mit vielen Zitaten belegt. Eindrücklich ist das Bild, wo sie in New York hinter einem Gitter Tulpen sieht und dabei beobachtet, daß die auch noch von anderen Frauen angestarrt und wahrgenommen werden, um sich in Zeiten der Krise etwas Hoffnung zu geben und sich an etwas Schönen zu erfreuen. Interessant dabei, daß Zadie Smith in ihren “Betrachtungen” Pfingstrosen aus den Tulpen macht und ich habe über Pfingsten in Corona-Zeiten, wenn nicht schon einen Essay dann doch einen Artikel geschrieben.

Der beste Präsident aller Zeiten, wie er sich wahrscheinlich selber nennt, kommt in den “Betrachtungen” natürlich auch vor, beziehungsweise zwei seiner Zitate “Wir wollen unser altes Leben zurück” und “In Amerika gibt es keinen Tod”, das führt dann, wie schon bei Timothy Snyder zu der Feststellung, daß man in Amerika sterben kann, wenn man die falsche Krankenversicherung hat oder die Polizei am falschen Fuß erwischt, beziehungsweise ein Schwarzer, ein Hispanic ist oder an der Armutsgrenze lebt.

Dann kommt es zu den Priveligen, die man hat oder nicht hat und mit denen man den Lockdown leichter als andere übersteht. Etwas was mich, die Maskenverweigerin oder Ribellin ja auch sehr beschäftigt, weil ich, die ich mich ja für sehr benachteiligt halte, es für ein Privilegium halte, daß mein Mann gern einkauft, ich immer schon zu Fuß gegangen bin, keine Mutter in einem Altersheim und kein schulpflichtiges Kind habe und daher ein maskenloses Leben führen kann. Die systemrelvanten Berufen sind der nächsten Punkt, der Zadie Smidt beschäftigt.Ja die waren auf einmal sehr wichtig, die Krankschwestern, die Suermarktkassiererin, die Herren von der Müllabfuhr etcetera, die zwar beklatscht wurden, aber wohl immer noch nicht ihre Extraprämie erhalten haben. Während andere Berufsgruppen eingesperrt im Lockdown sich für einmal für sehr unwichtig halten mußten, was für die Pysche ja auch nicht gut ist. Ich habe mich daraus mit dem Lesen und dem Schreiben und auch mit den Betrachtungen über die Lage gerettet und das führt Zadie Smith zu der berühmten Frage, die Cornelia Travnicek, glaube ich, so gar nicht leiden kann, nämlich zu der, warum man schreibt und sie hat auch eine Antwort parat, damit man wenigstens beschäftigt ist. Das würde in einem College wahrscheinlich zu einem Lacher führen, stimmt aber in den pandemischen Zeiten sehr wohl, deshalb gibt es ja soviele Corona-Gedichte, Tagebücher und Gedichte, die ich, ich wiederhole mich, für systemrelvant halte und auch unseren Nachkommen ein gutes Bild über die Lage vermitteln können. Und was machen dann die, die nicht schreiben wollen oder können? Sie backen, kochen, renovieren ihre Wohnung, stricken Deckchen, etcetera. Was die Psychologin in mir wieder zu der berühmten Tagesstruktur führt, die ich nicht nur in Zeiten, wie diesen für besonders wichtig halte.

Dann kommen einige Erlebnisse, die Zadie Smith, während des ersten Lockdowns, hat es soetwas in Amerika gegeben, die Essays wurden, glaube ich, im Mai geschrieben, machte. Sie berichtet von dem Nagelstudio in dem sie sich regelmäßig massieren läßt und überlegt, wieviel Maniküren, Pediküren, etcetera, die Kosmetikerinnen machen müssen, um die Miete zu bezahlen. Geht dann, weil sie New York verlassen will, auf die Bank um Geld zu holen, Maske und Ärmel über die Hand beim Berühren des Liftknopfes, werden erwähnt und hört eine ihrer fiktiven Figuren schimpfen, daß sie sich von einer “Grippe” nicht vertreiben lassen will und eine alte Frau hofft, daß sich doch die Hausbewohner, um sie kümmern werden, weil sie einen Rollator braucht.

Es folgen noch eine Reihe von Beispielen und Vergleiche und es ist sehr interessant die Covid-Betrachtungen einer in in London geborenen und in New York lebenden Autorin mit denen von Österreich und Deutschland zu vergleichen. Ein paar weitere Covid-Bücher stehen auch noch auf meiner Leseliste.

Die amerikanische Krankheit

Jetzt kommt ein Sachbuch und zwar ein Bericht über die Situation in den amerikanischen Krankenhäuser vor und während der Pandemie des amerikanischen Historiker Timothy Snyder, der auch lange in Wien lebte und sich viel mit dem Holocaust beschäftigte.

Im Dezember 2019, also vor einem Jahr ist er während eines Vortrags in München krank geworden. Eine Blindarmentzündung wurde verschleppt und erst in Amerika entdeckt. Da hatte er aber schon einen Leberschaden und eine Sepsis, wurde aus mehreren Krankenhäuser entlassen und litt sehr am Zeitmangel der Ärzte, die sich nicht die Zeit nahmen, in seine Befunde zu schauen oder ihm zu zuhören.

Dann kam auch noch die Pandemie und Timothy Snyder hat das Buch offenbar auch aus vielen Tagebuchnotizen geschrieben, heißt es doch “Vier Lektionen der Freiheit aus einem US-Hospital”.

Im Prolog und in der Einleitung geht es, um die schon beschriebene Krankenhausgeschichte. Snyder berichtet von seiner Wut und dann dasseiner Ohnmacht und kommt im ersten Kapitel dazu, daß “Gesundheitsversorgung ein Menschenrecht ist”, das jeder haben müßte, es aber vor allem in den USA viele Ungleicheiten gibt und vor allem Schwarze und Ärmere schlechter behandelt werden.

Im zweiten kapitel “Erneuerung fängt bei den Kinder an”, berichtet er für mich überraschend von den Unterschieden, die es zwischen dem österreichischen und den amerikanischen System gibt und ist von dem österreichischen Gesundheitssstem sehr begeistert. Sein erstes Kind wurde in einem öffentlichen Wiener Krankenheit geboren. Er war begeistert, daß man da nichts zahlen muß, begeistert vom Mutter Kind-Paß und den Geubrtsvorbereitungskursen und auch davon, wie die Ärzte und die Schwestern mit den Patienten umgingen. Das vergleicht er dann mit der Geburt des zweiten Kindes, das in einem amerikanischen Krankenhaus erfolgte.

Der dritte Teil führt zu Präsident Trump und den Fehlern, die er während der Pandemie machte, wo es zuwenig Tests und zu wenig Schutzmaterial gab, die Krankheit hinuntergespielt und nicht nicht richtig informiert wurde, so daß sie viele menschenleben kostete und und viele Leute nicht richtig behandelt wurden.

“Arzte sollen das Sagen haben”, ist die Forderung des viertel Teils. Da wird das kommerzialisierte System des Krankenhausesbetriebes in der USA kritisiert. Die Ärzte und die Schwestern haben keine Zeit sich mit den Patienten zu beschäftigen, müßen mehr in den Computer schauen und auch sehr viel dokumentieren und es gibt noch immer sehr viele Amerikaner, die nicht krankenversichert sind. Während der Pandemie wurden sie oft entlassen, waren dann erst recht nicht krankenversichert und weil sie sich nicht trauten zu Hause zu bleiben, haben sie die Krankenheit auch weiterverbreitet und das Virus erst recht zur Ausbreitung gebracht. Da wünscht er sich ein besseres Krankensystem, in dem die Ärzte das Sagen haben und sich für die Freiheit der Patientin einsetzen können, schreibt er und rechnet in seinem Buch mit Amerikas Reaktion auf die Pandemie scharf und offten ab, wie auch am Buchrücken steht.

“Sein Buch ist ein aufwühlender persönlicher Krankenbericht und gleich eine dringende Warnung an uns alle, die Kommerzialisierung der Medizin zu verhindern und den Sozialstaat nicht aus der Hand zu geben.”

Eine Warunung auch an uns alle, da ja durch die Pandemie auch das sehr gelobte europäische und österreichische Sozialsystem in Gefahr ist abzusinken und seinen guten Ruf zu verlieren.

Und so kann man wohl den Schlußsatz “Um frei zu sein, brauchen wir unsere Gesundheit, und für unsere Gesundheit brauchen wir einander” nur unterstreichen und Amerika unter seinem neuen Präsidenten, von dem ich auch ein Buch auf meinen Bücherstapel liegen habe, endlich ein besseres Gesundheitsystem und eine Krankenversicherung für alle wünschen.

Von schlechten Eltern

Jetzt komt das fünfte Buch der Schweizer Buchpreisliste, Tom Kummers “Von schlechten Eltern” und ich muß sagen, es ist eine Überraschung und ich bin nicht ganz sicher, würde es aber wahrscheinlich doch als das “beste” oder auf jedenfall ungewöhnlichste Buch des Jahres interpretieren und ihm den “Buchpreis” gewünsch, obwohl ich da bisher ja eher für den Charles Lewinsky gewesen wäre. Von dem 1961 in Bern geborenen Tom Kummer habe ich das erste Mal etwas gehört, als er mit einem Japitel aus dem Buch beim “Bachmannpreis” gelesen hat. Da wurde erwähnt, daß er früher Journalist war und mit seinen Artikel aufgeflogen ist, weil er wie Claas Relotius, die Fiktion mit den Facts vermischt hat und das tut er, wie ich glaube, auf sehr geniale Art auch in dem Buch, in seinen Büchern, denn der Protagonist des Romans heißt Tom. Tom Kummer und er hat seine Frau namens Nina an Krebs verloren und der wirkliche Tom Kummer, der Faktenvermischer hat schon vorher einen Roman geschrieben, der “Nina und Tom” heißt und wo es genau darum geht und am Ende des Buches, das ist auch interessant, gibt es sogar eine Leseprobe daraus, so daß man nachlesen kann, was man vielleicht wissen sollte.

Es geht und das ist auch sehr interessant, um dasselbe Thema, als in dem Buch der Schweizer Buchpreisträgerin. Es geht, um den Verlust eines geliebten Menschen. Um das Sterben und die Trauerarbeit und das Spannende ist für mich, die zwei verschiedenen Arten, wie das thema behandelt wird.

Ich weiß nicht, ob es meine Leser erahnen, aber mir gefällt der Stil von Tom Kummer mehr. Er ist die Art, wie ich mich dem Thema annähern würde oder auch nicht. Denn Tom Kummer spielt dafür wahrscheinlich zusehr mit den Facts und den Ficts. Spielt das genüßlich aus, läßtt dabei auch keine Tabus ungeschoren und sagte in einem Interviews. Ich habe mir die Gespräche von zwei Lesungen angehört, daß er eigentlich keinen Spannung- und keinen Handlungsbögen und den Leser in die Irre führen will.

Das will ich eigentlich nicht, aber trotzdem ist es wahrscheinlich das Spiel, das mich fasziniert, so daß ich das Buch seiner Radikalität wegen auch für sehr gut halten würde.

Da ist also Tom, der Protagonist. Er hat, wie sein Autor viele Jahre in Los Angeles gelebt. Jetzt ist er nach dem Tod seiner Frau Nina nach Bern zurckgekommen und arbeitet als Vip-Taxifahrer, in der Nacht. Das heißt, er kutschiert Vips und Diplomaten meist aus Afrika, das ist auch sehr interessant, von einer Stadt zur anderen, weil er die Schweiz am Tag nicht erträgt. Er hat auch zwei Söhne, einer heißt Frank, ist achtzehn und in Los Angeles zurückgeblieben. Der Zweite ist zwölf und heißt Vince und Schwierigkeiten mit einem Nachbar und dem Jugendamt gibt es auch und eine Nähe zwischen dem teitenrauenernde Vater und dem Sohn die in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich wirklich die Nachbarn und das Jugendamt alamieren könnte.

Das meinte ich mit den Tabubruch, wo ich zwar ein Fragezeichen dahinter setzen würde, aber denke, Tom Kummer traut sich was. Es geht, um die Trauer und das Sterben und manchmal erscheint der gute Tom auch ein wenig paranoid und Tom Kummer sagte in dem Gespräch auch, daß erseine Trauer durch das Buch verarbeiten mußte, daß er die Schweiz haßt, das verstehe ich auch nicht so ganz, er wird aber seine Gründe haben und, daß er tatsächlich viel in der Nacht mit dem Auto herumgefahren ist, weil er die Schweiz am Tag nicht ertrug, aber dadurch sehr gut kennenlernte, was wohl auch einer der Widersprüche ist.

Ein sehr interessantes Buch und ein Gewinn, wenn mir vielleicht auch wieder ein bißchen zu hoch und zu abgehoben, denn allzusehr möchte ich von Tom Kummer nicht in die Irre geführt werden, gefällt mir aber sehr das Buch und das Lesen war ein Gewinn.

Anette, ein Heldinnenepos

Jetzt gehts zum letzten Buch der deutschen Buchpreisliste, das gleich das Siegerbuch geworden ist, Anne Webers Heldinnenepos, den Witzel, habe ich 2015 auch zuletzt gelesen.

“Archipel” dagegen eher früh und ich muß sagen, ich bin mit dem Buchpreis einverstanden, obwohl ich eigentlich auf Thomas Hettche tippte, ja ich habe es mit den berühmten Namen und die in Frankreich lebende 1964 geborene Anne Weber schon in der”AS” gehört und auch schon was von ihr gelesen.

Die 1923 in der Bretagne geborene Anne Beaumanoir hat AnneWeber vor ein paar Jahren kennengelernt und nun aus ihrem Leben ein Versepos gemacht. Bei einem Versepos denkt man, denke ich, wahrscheinlich an etwas altmodisches, schweres, komplizierte, Anne Weber bringt es aber erstaunlich leicht zusammen. Erstaunlich modern und gut und schnell zu lesen, das Leben der alten Franzlösin, die in ihrer Jugend im kommunistischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung tätig war. Jüdische Kinder oder Jugendliche rettete, Medihzin studierte und später im Algerienkrieg zu zehn Jahren Haft verurteil wurde,weil sie da wieder im Widerstand tätig war. Ein Heldinnenleben eben und interessant, von deralten Dame etwas zu hören, die ohne AnneWeber höchstwahrscheinlich nie kennengelernt hätte.

Interessant aber auch, daß sich die alte Dame in dem von Anne Weber beschriebenen Leben nicht wiederkannte und es nicht als ihres akeptierte.

Ich bin, wie schon geschrieben mit dem heurigen Buchpreis sehr einverstanden, fand die ganze Liste sehr spannend, nicht so viele Debuts wie im vergangenen Jahr, nicht soviele Midlifekrise Männer, die von ihren Ängsten vor dem Tod und dem Pech mit den Frauen erzählen, sondern eine durchaus interessante Mischung und bin mit dem deutschen Buchpreislesen jetzt fertig geworden. Mit der österreichischen Liste war ichs schon. Jetzt muß ich nur noch den Tom Kummer lesen, um die wirklich kurze Schweizer Liste zu beenden und dann kommen noch ein paar andere Neuerscheinungen bevor es an das Bloggerdebutpreislesen geht, da warten ja auch noch drei Bücher auf mich und richtig meine Bücherbestenliste des verrückten Jahres 2020 wird es pünktlich vor Silvester auch noch geben.

Das Palais muß brennen

Hurrah, hurra, ich bin fertig mit der österreichische Buchpreisliste, nachdem ich jetzt auch das dritte Debut, Mercedes Spannagels “Das Palais muß brennen”, gelesen habe und die 1995 geborene, habe ich ja schon im Sommer fast live bei den O-Tönen gehört. Fast live bedeutet, weit hinten auf der Bank und ist man zu weit nach vorn ans Absperrgitter gekommen, hat einem der Securitguard weggescheucht. Nun ja, wir leben in Corona-Zeiten. So habe ich die nächshten zwei Lesungen nur per Livestream gehört. Aber da hatte ich schon das Buch auf meinen knien und konnte mitlesen und der klappentext liest sich ja vorallem, für mich, die ich mich ja sehr für politische Literatur interessiere, sehr spannend. Da geht es um die Tochter einer rechtkonservativen Bundespräsidentin die neun Windhunde hat. Die Mutter hat sie, die Tochter, den Mops namens Marx und da denkt man, spannend. Noch dazu, wo ich mich ja mit dem “Bibliotheksgespenst” und der “Unsichtbaren Frau” und wahrscheinlich noch in anderen Büchern mit der Politik versucht habe. Geht man zu “Amazon” liest man die Enttäuschungen, denn da schreibt einer oder eine, geht es ja nur um Sex und ums Kiffen und ich muß gestehen, ich habe mir auch ein bißchen schwer getan, in das Buch hineinzukommen. Aber spannend und interessant ist es allemal und man kann ja nachdenken, wie man es selbst besser machen hätte können?

Da ist Lu oder Luise, die Tochter der Präsidentin, die Rechtswissenschaft studiert, eine Schwester namens Yara hat, eine Freundin Lili, die von der Mutter nur die “Proletin” genannt wird, aber die stammt ja selbst aus dem Plattenbau. Jetzt residiert sie in dem titelgegebenen Palais und Luise, die auch dort wohnt, rennt von Zimmer zu Zimmer. Einen Ferdi, der die Hunde betreut gibt es auch, der ist ein Burschenschaftler und die Mutter will ihn mit Lu verkuppeln, aber die rebelliert. Schwingt Zitate und Sprüche, plant eine Kunstaktion gegen die Mutter am Opernball. Dazu kommt es dann leider nicht. Denn ein Henry hat vorher schon in dem türkisen Zimmer gefilmt, wo sich die Mutter einer Korruption nicht abgeneigt zeigte. So müßen sie und ihre Töchter das Palais schließlich verlassen und richtig, fast hätte ichs vergessen, am Opernball ist Lu noch mit Sef im Frack aufgetaucht und hat die Mutter mit ihrer lesbischen Freundin brüskiert. Die nimmt dann ein Angebot an, nach Russland ins mittlere Mangement zu gehen und Yara zieht in das Tatoostudio in dem sie schon vorher arbeitete. Lu plant auch eine Reise und die Revolution ist vollzogen?

Natürlich nicht und jede zwanzigjährige macht wohl eine rebellische oder phiosophische Krise durch und der Präsidentintochter ist es in dem Palais ja eigentlich ganz gut gegangen und inzwischen haben sich die Zeiten ohnehin verändert. Jetzt stehen die Rechten auf den Anti Corona-Demonstrationen und ich habe schon überlegt, ob ich nicht die “Stoppt den Corona-Wahnsinn-Petiton” der FPÖ unterschreiben soll?

das alles hier, jetzt.

Jetzt kommt das Siegerbuch des Schweizer-Buchpreises und das vierte, das ich schon von der Shortlist, die ja nur aus fünf Büchern besteht, gelesen habe. Anna Sterns sehr experimenteller und sprachfreudiger Roman, den ich, meine Leser wissen es, die geringsten Chancen auf den Preis gegeben hätte, aber damals am achten November habe ich ja nur den “Halbbart” und “Aus der Zuckerfabrik” gelesen, weil sie auch auf der deutschen Longlist standen und von der 1990 in Rorschach geborenen und in Zürich lebenden kurzhaarigen jungen Frau habe ich 2018 das erste Mal gehört, als sie in Klagenfurt gelesen hat, da wurde ihr Text gar nicht so besonders von der Jury goutiert und dann stand sie auf einmal auf der Shortlist und hat einen Preis gewonnen, was vor allem Wolfgang Tischer sehr empörte, der darauf Transparenz bei der Shortlistlfestlegung forderte, was inzwischen auch geschieht und bei “das alles hier, jetzt.” , wo wieder alles kleingeschrieben ist, was, glaube ich, Wolfgang Tischer auch sehr ärgert, ich bin das von den österreichischen Experimentellen eher gewohnt, geht es um die Trauerarbeit und das ist schon mal ein interessantes Thema. Da ist eine oder ein ananke früh gestorben und Anna Stern betonte auch bei Lesung aus dem Züricher- Literaturhaus, die man sich als Video ansehen kann, daß sie die Geschlechterpronomen er und sie in das du ausgehen lassen wollte, etwas was jetzt sehr modern ist, ich aber auch nicht so ganz nachvollziehen kann, beziehungsweise macht es das Lesen schwer und das hat mich und wahrscheinlich auch andere Leser im ersten Teil sehr verfolgt, denn das gibt es zwei Textteile, eine fett und eine dünn gedruckt und auf der fetten Seite bewältigt ein oder eine ichor, die Trauer und auf der anderen Seite geht es in die Jugenderlebnisse. Anna Stern sagte im Gespräch bei der Lesung, daß sie die Namen erfunden hat, indem sie die Buchstaben aneinanderreihte, wieder um eine Zuordnung zu erschweren ananke und ichor stammen aber aus der griechischen Mythologie, die beiden Textteile hat sie, weil bei ihr auch eine Person jung gestorben ist, in ihrem Notizbuch aufnotiert, also wieder sehr konstruiert, was das Verständnis erschwert, obwohl es bei “Lovely Book” den Tip gibt, das Ganze laut zu lesen, damit man es besser versteht.

Anna Stern war dann die viele Trauer selbst zu viel und so beschloß sie am Ende der Geschichte ein wenig konkreter zu werden, so sitzen das erzählede du, vienna, eden und cato betrunken in einer Bar und schmieden den Plan einen adenauer, das ist offenbar das alte Auto, das am Cover zu sehen ist, auszuborgen und damit zum Gab zu fahren. anankes Urne auszugraben und sie im Meer zu versenken.

Das habe ich wieder sehr spannend, originell und ungewöhnlich empfunden und denke Anna Stern ist vielleicht doch nicht so streng experimentell, wie sie es vorgibt und ein interessantes Buch ist es allemal.

Also Gratulation zum Preis und ich bin gespannt, was ich von der jungen Frau, die auch eine Dissertation über Antbiotikaresistenz schreibt, noch so hören oder lesen werde.