Sempre Susan

Von der 1951 geborenen amerikanischen Schriftstellerin Sigrid Nunez von der ich mir erst vor kurem ihren Besteseller “Der Freund” in Bad Radkersdburg um einen Euro gekauft habe, habe ich auch ihr Buch über die 2004 verstorbene Schriftstellerin und Essayistin Susan Sontag, die ich gerade mit Erica Jong verwechselt habe, auf das mich “Aufbau” aufmerksam machte und es mir dann von dem Gutschein der Schwiegermutter zu Weihnachten von “Thalia” holen lassen. Jetzt ist sich das Lesen ausgegangen, denn von Sigrid Nunez und ihren Büchern hört man in der letzten Zeit sehr viel und da schreibt die Autorin locker, daß sie Susan Sonntag 1976 in New York kennengelernt hat.

Da war sie gerade mit ihrem Studium fertig, träumte davon Schriftstellerin zu werden, arbeitete bei der “Review of books” und wurde als eine Art Sekretärin zu ihr vermittelt. Denn Susan Sonntag hatte gerade ihren Brustkrebs überwunden, sah schlecht aus, hatte einiges aufzuarbeiten und überraschte Sigrid Nunez gleich durch ihre Freundlichkeit und, daß sie sie gleichwertig behandelte, obwohl sie ja eigentlich der Müttergeneration angehörte. Sigrid Nuenz verliebte sich in ihren Sohn David mit dem sie dann zusammen in das Haus von Susan Sonntag zog und beschreibt, daß dort nie gekocht wurde, sondern Suppe aus der Dose oder auswärts gegessen wurde.

Susan Sontag hatte damals eine Affaire mit dem Schriftsteller Joseph Brodsky und in Paris eine Freundin, die wenn sie nach Amerika kam, Susan Sontag bekochte, aber die Beziehung der Beiden war, als Sigrid Nunez sie kennenlernte, schon sehr schlecht.

Das Buch wird am Klappentext als das beste Buch über Susan Sontag gelobt und ich kann wieder einmal nicht umhin zu bemerken, wie gut andere Schriftstellerkarrieren klappen, denn ich habe 1976 ja in Wien Psychologie studiert und auch von einer schriftstellerischen Karriere geträumt, bzw. die ersten diesbezüglichen Versuche gemacht.

Sigrid Nunez führt dann die Vorbildwirkung an, die Susan Sontag für sie hatte und führt die Widersprüchlichkeit der bisexeuellen Essayistin und Filmemacherin auf. Susan Sontag war offenbar sehr snobistisch, Sigrid Nunez bestreitet das, meint dann aber, daß sie immer Taxi gefahren ist und führt das Beispiel an, daß sie mit ihrem grünen Mantel aufder Straße stand und die Hand hob, um nach dem Taxi zu rufen, wo man dann ein Lochunter der Achsel sah, daß nie beseitigt wurde. Ihre Wohnung sah immer, auch als sie schon sehr erfolgreich war, sehr studentisch aus. Sie hatte viele Bücher und empfahl sie ihren Freunden. Sie war eine sehr gastfreundliche Person, haßte es aber auf der Uni schreiben zu unterrichtete, wie das ja in Amerika sehr üblichist, daß man das dort lernt, machte es wenn nur des Geldes weges und verabscheute auch die Schriftsteller die davon lebten.

Ihre Idole warenBecket, Italo Calvin, Bohumil Hrabal, Peter Handke und Stanislaw Lem, während sie von Philip Roth und John Updike nicht so viel hielt.

Sigrid Nunez Beziehung zu David Rieff ging bald auseinander. Siebeschreibt auch die enge fast inzestiöse Beziehung, die Susan Sontag zu ihren Sohn hatte und meinte auch, daß ihre Romane und Kurzgeschichten nicht so gut waren, wie ihre Essas, daß sie aber darunter litt. Nach ihrem Tod 2004, stie starb an Leukämie, ließ ihr Sohn sie in Paris beerdigen und die persönlichen Einnerungen Sigrid Nunez sind sehr interessant und widersprüchiges. Man erführt sehr viel Persönliches und nicht so viel über ihre Werke darin, so daß ich wieder schreibe, lesen, lesen.

Ich habe, glaube ich, noch nichts von ihr gelesen. Aber wahrscheinlich einige Bücher in meinen Regalen und auf dieseArt und Weise einen kurzen prägnanten interessanten Eindruck der höchstwahrscheinlich sehr widersprüchigen Ikone bekommen.

Das Polykrates-Syndrom

Da ich soviele Neuerscheinungen habe, komme ich kaum, wie vorgenommen zum Backlistliesen, obwohl ich da ja ein Backlistbuchpreis-Lesen plante, weil ich auf Flohmärkten oder sontwo Bücher bekommen habe, die einmal auf den Buchpreislisten standen. So ist es mit Antonio Fians “Polykrates-Syndrom.”

Und weil wir bei der “Fanin” sind, ich bin auch sowas bei dem 1956 in Klagenfurt geborenen, den ich einmal irgendwo im Zug der GAv oder sonstwo kennengelernt habe. Wahrscheinlich war durch eine Lteraturzeitschrift, dann hat Gerhard Jaschke einmal ein “Freibord” herausgegeben, wo er alle Staatspreisträger vorstellte. Antonio Fian war dabei, hat dann seine Dramolette im Standard” da habe ich meine Favoriten und sehr viele “Droschl-Bände” herausgegeben. Ich war bei seinen Lesungen in Stream oder auch live, live sogar im Bregenzer Wald und bei der “Literatur und Wein” und ich war glaube ich auch beider ersten Kolik Lounge im Schauspielhaus, wo er aus seinem “Polykrates-Syndrom”, das ja 2014 auf der dBp stand, gelesen hat, wo es um einen Angestellten eines Coypshops geht, der von einer schönen Frau besucht wird, derer dann nachgeht, etcetera.n Ansbach habe ich von der damaligen deutschen Buchpreisliste erfahren, da hat es ja noch Buzzaldrins Buchpreislesen gegeben und damals in der Form, das sie die Bücher vorstellten und man sich um sie bewerben mußte. Ich habe das getan, “Kastelau” bekommen, die Streeruwitz und Antonio Fian nicht, obwohl “Atalante”, glaube ich, damals sagte, gebt es der Österreicherin!

Mußte nicht sein, denn manche Bücher kommen auch so zu mir und so lag das Buch ohne Schuthzumschlag vier Jahre später, ich glaube, um fünf Franken in der Züricher Volksbuchbhandlung und voila wenigstens ein Backlistbuch geht sich aus und ich muß wieder schreiben, eine Üüberraschung, obwohl ich über Antonio Fians Stil und was ein Polykrates-Syndrom ist, nicht länger nachgedacht habe.

Nun gut, da geht einer einer Frau nach, das kennt man schon von den Dramuletten. die Überraschung war dann da, als plötzlich eine Liche in der Küche lag, davon habe ich im Schauspielhaus und auch später bei der Buchpreisdiskussion nichts mitgekommen und ich muß sagen, es ist auch ein Wien-Buch, denn Antonio Fian führt einen durch Favoriten und auf den Karmelitermarkt und er führt auch ganz schöne Sprachspieie an. So wird das einzige Fest der Kommunisten jährlich auf der Jesuitenwiese im Wiener Prater abgehalten, inzwischen hat, nun gut, auch Herbert Kickl dort gesprochen, Der Karl Marx Hof befindet sich in Heiligenstadt, zum Radiokulturhaus kommt man meistens von der Taubstummengassen und Polykrates war laut Antoio Fian oder auch so einer, der an sein Glück nicht glaubte und es sich durch Opfer erkaufen wollte und da wären wir bei der Fragen, welchem Genre ich das Buch zuordnen soll?

Ich denke,es ist ein schwarzer oder satirischer Liebeskrimi. Lleicht lesbar und man erfährt viel dabei von Antio Fians skurrilen Humor, der seine Stärke zu sein scheint, von Wien, vom Leben der Mittelschicht, etcetera. Das Buch wurde vielleicht schon früher geschrieben. Jedenfalls zahlt man in Schilligen und Harald Juhnke scheint auch noch zu leben, sonst scheint das Buch aber sehr aktuell zu sein.

Das ist Arthur, er hat Geschichte studiert, arbeitet aber nicht als Lehrer, sondern Halbtags in einem Copyshop, gibt Nachhilfestunden,hat einen Freund der Taxi fährt, mit dem er Billard spielt, seine Frau Rita ist AHS-Lehrerin und möchte Direktorin werden. Seine Mutter war ebenfalls Lehrerin, lebt jetzt in seinem Altersheim und fühlt sich dort verfolgt.

Das ist die Ausgangslage, wo eines Abends kurz vor Geschäftsschluß, eine schöne junge Frau in einem grünen Mantel in dem Shop auftaucht, auf einen Zettel “Das ist ein schönes Hemd!”, schreibt und ihn auf der Kopierplatte liegen läßt. Er geht bzw. fährt ihr in der U-Bahn nach. Sie wohnt in Favoriten, der Copyshop in Uninähe. Sie wird von einem Arschloch” bedroht und als er ihr helfen will, wird er zusammengeschlagen.

Die Schöne, die Alice heißt, taucht nochmals in dem Shop auf und bestellt ihn in ein Cafe. Er verliebt sich kopfüber in sie. Seine Ehe ist nicht sehr gut. Sie scheint nicht immer die Wahrheit zu sagen und hat auch seltsame Ideen. Und dann findet er, als er mit einem Blumenstrauß in ihre Wohnung kommt, “Arschloch” tot am Boden liegen. Sie erzählt ihm eine skurrile Geschichte. Er hilft ihr die Leiche wegzuräumen, verstrickt sich dabei in einige Lügen. Sie taucht dann plötzlich, die Geschichte spielt um Weihnachten und Rita hat einen großen teuren Weihnachtsbaum besorgt, in der Wohnung auf und behauptet einige Meinungsumfragen durchführen zu wollen. Vorher ist schon nackt vor seinem Nachhilfeschüler aufgetaucht, der ihm die Geschichte, daß sie seine Schwester wäre, nicht glaubte. Dann behaupten, um Arthur noch ein bißchen zuzusetzen, beide Frauen von ihm schwanger zu sein und als Arthur, Weihnachtsgeschenke besorgen war und in seine Wohnung zurückkommt, findet er Alice tot am Boden und Rita erzählt ihm dieselbe durchsichtige Geschichte und verlangt von ihm die Leiche wegzuräumen.

So kommt es zu der skurrilen Situation, daß er, während im Nebenzimmer stimmungsvolle Weihnachtsmusik läuft, die Leiche zersägt und interessant dabei ist noch, daß ich diese Stelle, noch ehe ich beim Lesen so weit war, schon bei einer ORF Rezension gefunden habe und, ich dachte, man dürfe nicht spoiler

Es gibt noch einige skurrile Situationen, bis dieLeiche glücklich in schwarze Müllsäckeverpackt in der Abfalltonne liegt. Seltsamerweise schmeißen die beiden sie in die ihres Hauses hinein und die Polizei scheint sich auch nicht sehr um die Verschwundenen zu kümmern. Seine Mutter ist auch noch gestorben und man weiß nicht recht, war an der Geschichte, daß die Schwestern, die Bewohner umbringen wollten, etwas dran oder nicht. Der Lainz-Skandal, wo einige überforderte Hilfsschwestern, das vor einigen Jahren taten, wird erwähnt und Arthur ist auch noch ein erfolgloser Sketscheschreiber, der all das, was um ihn herumpassiert auch noch aufschreibt, um es mal an das Fernsehen zu verkaufen. Arthur, der seineleser ständig ansprich, kommuniziert auch noch mit dem toten Arschloch und der toten Alice, die ihm ständig Ätzes oder ihm beschimpfen geben, was das Lesen wieder etwas erschwert, weil man dann nicht weiß, was ist da Wahrheit und was Phantasie oderdie innensicht des Protagonisten.

Ein skurilles Buch vom erfolgreichen Dramolettenschreiber, den ich ja sehr mag. Es ist nicht auf die Shortlist gekommen und Antonio Fian hat den Preis auch nicht gewonnen. Es ist aber wieder interessant, was so alles auf den Nuchmpreis -Listen steht und man es erst bemerkt, wenn man die Bücher liest.

The Hill we climb

Jetzt kommt der dritte Gedichtband in einer Woche oder eigentlich ein ganz besonderes, ein zweisprachigs Langgedicht auf vierzig Seiten mit einem Vorwort von der amerikanischen Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey und Erläuterungen der drei Übersetzerinnen Uda Strätling, Hadija Haruna-Oelker und Kübra Gümüsay “das berühmteste Gedicht der Welt – im Zeichen von Aufbruch, Hoffnung und Gerechtigkeit”, wie am Buchrücken, des kleinen dünnen “Hoffmann und Campe-Bändchen” geht.

Wem das zu großspurig erscheint, kann ich verraten, daß es sich um das Inuaugurationsgedicht zur Amtseinführungvon Joe Biden, das die 1998 in Los Angeles geborene US-amerikanische Lyrkerin Amanda Gorman, die sich für soziale Gerechtigkeit, Gendergleichheit und gegen Rassismus und Unterdrückung einsetzt, am 20. Jänner 2021gehalten hat und die dadurch offenbar weltberühmt wurde.

Das lila Buch mit dem sehr selbstbewußten Frauengesicht, ist dann in diversen Blogs und literarischen Seiten, die ich lese, sehr oft aufgetaucht und ich habe mir von der Amtseinführung Joeoe Bidens, dessen Buch über seinen Sohn ich gelesen habe, einiges auf OE24 angehört, das Ganze aber, ich gebe es zu, nicht sehr aufmerksam verfolgt und daher von der jüngsten Inaugurationsdichterin der Geschichte nicht viel mitbekommen, gar nicht gewußt, daß es das gibt und in Amerika üblich ist, wohl aber, wie schon erwähnt, das Buchcover oft gesehen und im April, glaube ich, ein Mail von einem Bücherblog bekommen, der mir einen Büchergutschein versprach, wenn ich auf ihn hinweise.

Am “Welttag des Buches” ist es sich ausgegangen und ich habe dann bei “Amazon” nachgeschaut, was sich da ausgeht und so ist es Amanda Gorman “The Hill we climb” geworden und ich habe in der Badewanne mitbekommen, was ein Inaugurationsgedicht ist und was da Amerika bewegte. Es geht um den Aufbruch in eine neue Welt von der die junge Frau hoffnungsvoll vortrug: “Wir treten das Erbe eines Landes und einer Zeit an, /da ein kleines, dünnes, Schwarzes Mädchen,/ Nachfahrin von Sklavinnen, Kind einer /alleinerziehenden Mutter,/davon träumen kann, Präsidentin zu werden, und/ nun hier, heute, für einen Präsidenten vorträgt”

Sehr viel hoffnungsvolle Aufbruchsstimmung, die wahrscheinlich, wenn man an den Sturm des Capitols denkt, der am 6. 1. von Ex-Präsident Trump angestachelt vor sich ging, vergegenwärtig, nicht nicht so ganz realistisch ist. Aber Amanda Gordon dichtete weiter:

“So führt der Weg ins versprochene Licht,/ den Hügel hinauf, wenn wir uns trauen./ Denn amerikanisch sein ist mehr als/ der uns überkommene Stolz -/es ist die Vergangenheit, die wir beerben/ und wie wir gutmachen werden”.

Noch eine Stelle will ich zitieren “Unser Weg führt uns nicht zurück zu dem, was war,/ sondern voraus zu dem, was werden soll:/ Ein Land, das angeschlagen ist, aber ganz,/ guten Willen, aber gefeiert/wehrhaft und frei.”

Wieder läßt sich anführen, hoffnungsvoll und euphorisch, wie es bei einer Inaugurationsfeier wohl auch sein muß. Die Realität wird zeigen, ob es unter dem neuen Präsidenten zu einer Veränderung kommen kann.

Den Rest selber lesen und sich sein eigenes Bild machen, das Gedicht ist ja nicht lang, kann ich empfehlen. Man kann es auch in Englisch tun, wo die Sprachgewalt wahrscheinlich sichtbarer wird.

Von Michelle Obama, der Ex-Präsidentengattin, gibt es noch ein Zitat am Buchrücken: “Die Kraft, die von Amanda Gormans Worten ausgeht, ist einfach umwerfend.”

Von den Anmerkungen der drei Übersetzerinnen, die über einige Seiten gehen, kann ich noch zitieren, daß mit dem “hill” das Capitol, das ja gestürmt wurde oder werden sollte, gemeint ist und die Übersetzerin merken auch, ähnlich wie bei dem Baldwin-Buch, die Schwierigkeiten an, die es bei dem Wort “colour” gab.

Interessant, interessant und sicher ein historischer Moment, den man nicht versäumen sollte. Ein neuer Präsident, nach dem umstrittenen alten, eine junge schwarze Frau, die zur Inauguration eingeladen wurde und da man die Hoffnung nicht aufgeben soll, kann man gespannt sein, was sich in der nächsen Zeit im Umgang mit den anderen und auch in der Weltpolitik ändern wird und kann.

Der Charme der langen Wege

jetzt gibts schon ein bißchen Vorauslesen, denn der 1966 in Wien geborene Hanno Millesi stellt sein neues Buch erst nächste Woche bei den O-Tönen vor und interessant ist auch, daß ich es nicht direkt vom “Atelier-Verlag” bekommen oder von dort angefordert habe. Dann hätten sie es mir wahrscheinlich als PDF geschickt, sondern von einer Literaturagentur das Angebot bekommen habe, so habe ich das Printbuch, was mir ohnehin lieber ist und ich weiß nicht, ob es meine Leser wissen, bin eine Fanin des Autors, dessen Namen ich wahrscheinlich das erste Mal hörte, als ich vom Bund die Nachricht bekommen habe, daß es leider, leider, kein Stipendium für mich gäbe, er aber eines bekommen hat oder war das erst später und ich habe ihn direkt im Literaturhaus bei Ernst Kostals “Wahnsinnsmptom”, wo er sehr beeindruckende Kindertexte gelesen hat, kennengelernt?

Ab da war ich, glaube ich, die Fanin und habe auch bedauert, daß sein Text beim “Bachmannpreis”,wo er später gelesen hat, nicht besonders aufgefallen ist. Das Literaturhaus hat dann ihn, beziehungsweise seine Bücher öfter vorgestellt. Eines seiner Bücher habe ich einmal im Schrank gefunden, aber leider noch nicht gelesen. 2018 ist er dann auf der Longlist des Öst Bp gestanden. Da habe ich das PDF der “Vier Weltteile” gelesen und Hanno Millesi ist, könnte man sagen, einer der, durch seine leise Skurrilität auffällt und so ist es auch hier, wo es um einen Geräuschmacher geht, der sein Gehör verloren hat und dann wird es sehr verwirrend bzw. dstopisch.

Es gibt auch Zeichnungen in dem Buch, die wahrscheinlich vom Autor stammen , der ja auch, glaube ich, Kunst studiert hat und Assistent von Hermnann Nitsch war. Eines zeigt das Denkmal der Kaiserin Maria Theresia am Wiener Maria Theresienplatz. Das Haus des Meeres kommt auch vor und der botanische Garten. Dann geht es aber um eine Stadt namens Z., die auch noch zerstört wurde und zu Beginn, der in einem Kino spielt, tritt der Protagonist Lambert oder Bert auch auf eine Reise in das Weltall auf.

Am Buchrücken steht “Was wie die Laserkanone am Raumschiff Außerirdischer klingt, ist in Wirklichkeit Glasreiniger, der auf eine erhitzte Glasplatte gesprüht wird.”

Dann gibt es offenbar einen Unfall, Lambert, der als Bert in einem Soundstudio arbeitete, verliert sein Gehör, verwandelt sich in in Lambert zurück und geht zu seiner Haushälterin, Frau Hauptmann, die ständig mit einem Staubsauger werkelt und ihn zu unterdrücken scheint. Dann zieht er mit einer Schubkarre und einer DX durch die Stadt. Einen Freund mit einer Imbißbude, der dort alles, also auch Müsliriegel frittiert gibt es auch und als Lambert einmal in die Wohnung seiner Eltern aufbricht, findet er dort in seinem ehemaligen Zimmer offenbar einen Flüchtlingsjungen der sich Sandip nennt. Den macht er dann zu seinem Partner, irrt dann durch das zerstörte Z, wo die Leute selbst ihre Häuser verbrennen und die Leserin ist etwas verwirrt.

Hanno Millesi ist sehr skurril, hat einen unterschwelligen Humor, der mir mir immer sehr gefiel und mich deshalb zu seiner Fanin machte. Ich habe ihn früher auch öfter in der “Alten Schmiede” oder im Literaturhaus im Publikum getroffen, wo er mich auch immer freundlich grüßte und so bin ich auf die Lesung nächste Woche im MQ, sehr gespannt. Hoffentlich regnet es nicht und zitiere zur Abwechslung einmal die letzten Sätze, die mich ebenfall sehr beeindruckt haben und seinen Stil gut erkennen lassen:

“in Frau Hauptmanns Pupillen gespiegelt, begleiten ein paar Flammen ihren Blick ins Innere der Wohnung, und ehe sie daran geht, die üblichen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, muß Frau Hauptmann daran denken, dass ihr Arbeitsgeber alljährlich an diesem Tag behauptet, er verstehe sich darauf mit nichts als einer Packung Prinzenrollenkekse ein weit bedrohlicheres Geräusch zu erzeugen. Um sich einen seiner nicht enden wollenden Vorträge zu ersparen, hat Frau Hauptmann – das fällt ihr jetzt ein – sich nie danach erkundigt, ob er dafür die Kekse oder die Verpackung verwenden würde.”

Wieso das Buch so heißt, habe ich übrigens nicht ganz verstanden. Für mich hätte “Der Geräuschemacher” besser gepasst. Aber villeicht gibt es diesen Titel schon.

Aussichten

Gedichte 2020-2021. Ich bin ja keine dieGedichte schreibt, lese aber gelegentlich welche und gehe auch regelmäßig zu den Tagen der Lyrik, den LyrikFestivals etcetera und jetzt das dritte Buch und der zweite Gedichtband in diesem Jahr, des 1939 in Haslach geborenen Peter Paul Wiplinger, bei dessen achtzigen Geburtstagsfest ich war und der mir seit einiger Zeit so getreulich mit handschriftlicher Beilage, seine Werke schickt und ich muß schreiben, wieder eine Überraschung, habe ich bei den Nominierten des Leipziger Buchpreises mein Lieblingsprosabuch gefunden, dann ist das der beste Gedichtband den ich seit langen gelesen habe, obwohl ich mir ja erst gestern Lyrischen von Dirk Peterdorff vorgenommen habe und da ist es meist so, daß man schöne Sprache gedichtet dargeboten bekommt, “Poesie in gestiefelten Schuhen” und vom Leben meist keine Spur, so daß man oft zweimal lesen muß, um die Gedankensprünge des Dichters zu erfassen.

Daß es auch anders gehen kann, hat der Zweiunaachtzigjährige eindrücklich bewiesen und thematisiert das auch selbst “Dichtung auf ihre Alltagstauglichkeit/ überprüfen dieses Satzfragment/ fiel mir dabei lächerlicherweise ein.”

Und das ist es, Peter Paul Wiplingers Gedichte sprechen von Krankheit, von der Angst vor dem Tod, etcetera und er stellt auch gleich die Frage vom “Regelwerk” der Kunst, etwas was ich meinen kritischen Freund Uli ins Gedächtnis legen will: “solch klugscheißersprüche darf man/ in einem Gedicht nicht verwenden/ sagst du und ich entgegne/ wer zum teufel stellt denn/ solche regeln auf und verbietet mir/ klugscheißersprüche in einem gedicht/ zu verwenden / – na ja sagst du noch von deinem krebs/ solltest du auch nicht sprechen/ jedenfalls nicht so offen und nicht im gedicht/darauf ich wütend und zugleich unsicher/ ich soll also das jetzt wichtigste in meinem leben/aus meinem schreiben ausklammern weil unfein/ ich soll diesen scheißkrebs und die scheißsprüche,/nicht so nennen wie ich das im wirklichen leben tue/ weil das dem regelwerk der ästhetik nicht entspricht/ weil die wahrheit nicht fein genug ist für die poesie/”

Nein, das ist es nicht, obwohl es wahrscheinlich viele Dichter bisher so taten, aber allzu zu privat und persönlich soll es natürlich auch nicht sein “es ist nicht so/daß ich nicht weine/ja natürlich bin ich/auch sentimental/ aber das ist meine/ privatangelgen heit/ das hat nichts verloren/ in einem gedicht”

Und da sind wir schon bei den Schreibanleitungen, wie man zum dichten kommt. Aber zurück zum Anfang zu den Gedichten, die zwischen 2020 und 2021 geschrieben wurden und dabei, glaube ich, alle persönliche Befindlichkeiten des Autors umfassen. Philosophie ist natürlich auch dabei, wenn es um die Lebensaussichten geht: “aussicht gibt es / keine mehr sagt er/ überall ist nur nebel /aber das hinaufsteigen / und das hinuntersteigen/ das lohnt sich/ denn das ist ein erlebnis”.

Da haben wir schom im ersten Gedicht den Sinn des Lebens lapidar zusammengefaßt und dann kommt die “Einberufung” zur Krebsoperation ins AKH. Etwas was den Dichter sehr beschäftigt. Das Gespräch mit dem Professor und das Gespräch mit der Krankenschwester nachher, die sein Bett frisch überziehen soll und er zu schwach ist, ihr zu sagen, daß er das nicht merh braucht.

Die Angst vor dem Tod und dem Sterben kommt auch immer wieder vor und da würde ich Peter Paul Wiplinger gerne einen Satz mitgeben, den ich bei einem Vortrag von Professor Musalik einmal hörte, wo es um das Sterben ging.

“Wo wir sind, ist der tod nicht und wo der Tod ist, sind wir nicht!”

Also braucht man sicht da vor nicht fürchten, hat er gelautet. Lieber sein Leben genießen bis zu den letzten Stunden, so gut es geht. Einen Baum pflanzen, ein Gedicht schreiben. In diesem Fall viele schöne Gedichte, die ehrlich sind und keinem Regelwerk folgen müßen, würde ich empfehlen.

“ich bin jener/ der im 81. lebensjahr ist/ ich bin jener/ der krebs hat /ich bin jener/ der gedichte schreibt/ ich bin jener /der am liebsten einfach nur so dahinleben möchte /ich bin jener/ der weiß, daß alles einmal sein ende haben wird”

Das Thema Corona, das Peter Paul Wiplinger bedrohlicher, als ich zu erleben scheint, kommt auch natürlich vor:

“Corona 2020 Berichterstattung/ wirtschaft/wirtschaft/wirtschaft/kein Wort von/sterben sterben/sterben sterben/kein händehalten/in der todesstunde/15 minuten- abschied/ dann sterben/tox/welch erbärmliche/unmenschlichkeit” und für mich zum erstenmal poetisch thematisiert, die Corona-Impfung:

“wir fahren mitder u1/nach der corona-impfung/von jenseits der donau heim/zum stephansplatz und dann/ mit der u3 zum rochusmarkt”

“TODESGEDANKEN” sind es, die Peter paulWiplinger, manchmal quälen und sie in eindrucksvollen pragmatischen Sätze verpackt:

“ich ziehen meine/ schwarzen socken an und denke an den tod/ ich ziehe meine schwarze hose an/ und denke an den tod/ ich ziehe meine weißen bosxershorts an und denkeplötzlichach/ verdammt noch mal/war das leben schön/ wenn man sie auszog/

Da kann kam Peter Paul Wiplinger vielleicht auch verzieihen, daß er nach dem er im Krankenhaus den Besuch des Priesters verweigerte und man ihm stattdessen eine Psychologin schickte, bedauerte, daß sie “völlig unerotisch” aussah und er dann dazu kommt es als “unsinnig” zu empfinden, daß er sein Leben für den Nachlaß schön ordentlich in bene-ordner verpackte. Das muß sein denke, ich damit Spuren bleiben, damit man alles nachlesen kann, die ich, das im Blog, statt in Ordner mache und auch die Nationalbibliothek nicht anfrage, ob sie von mir vielleicht etwas haben will?

Sehr beeindrucken die “Aussichten des alten Dichters, der auch, wie schon erwähnt Schreibanleitungen gibt “entweder teilt mir das gedicht etwas neues mit oder eben nicht” “eine einzige wortlkauberei/ ist das sagst du abfällig zu mir/ dashat doch mit einem gedicht/ nicht das geringste zu tun/” und sehr viel Lebensweisheit bringt, manchmal etwas melancholisch ist und vielleicht auch trauig, so daß ich mit einem Liebesgedicht schließen will:

“ETWAS WIE LIEBE

wie ist mein herz so müd nach dir/ /verflogen ist die gier/ der jungen leidenschaft/ jetzt sitze ich verloren/ in meiner dunkehaft/ wie ist mein herz/ so müd nach dir/ im kerzenschein/ da bin ich dein /obwohl wir längst/verloren sind”

Also auch ein wenig melancholisch, obwohl Peter Paul Wiplinger, der sich in den diversen IGs auch sehr für seine Kollegen, vor allem für die aus Osteuropa einsetzte, auf ein langes erfülltes dichterisches Schaffen zurückblicken kann und ich mir auch noch viele schöne Gedichtbände von ihm wünsche.

Und schön finde ich auch noch ,daß Peter Paul Wiplinger “daß” mit scharfen” ß”schreibt.

Aberleben

Wieder eine Neuerschenung und ein Buch, das sowohl auf der deutschen, als auch auf der Schweizer Buchpreisliste stehen könnte,

“Aberleben”, des 1934 in Zollikon geborenen Adolf Muschg, von dem ich “Heimkehr nach Fukuschima” gelesen habe und ich muß sagen, es ist wieder ein sehr kompliziertes Buch, eine Altherrenphantasie könnte man munken, den die alten Herren schreiben offenbar öfter und lieber über sich selbst, als die Frauen oder haben Protagonisten, die vor oder nach dem siebzigjährigen Geburtstag vor ihren Krembsdiagnosen und ihren Frauen fliehen und ein neues Leben oder Liebe finden.

Philip Roth und Martin Walser sind Meister darin, Adolf Muschg ebenso, aber der geht nicht nur in die Vergangenheit, beispielsweise ins Mittelalter oder zu Schillers Urururenkel zurück, sondern nach vorn und bindet, wie Ulrich Woelk, die Genderdebatte aber auch, hört her das Corona-Virus ein.

“Und wasdasVirus betrifft, fuhr Wohllebe fort, Epidemien hat es in der Geschichte der Menschheit immer gegeben. Und wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder gegangen. Leider hat man dafür erst mal Sündenböcke gebraucht. Damals waren es die Juden, heute der Kapitalismus. Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis das passende Gegenmittel gefunden ist. Das Gewinnstreben, das Sie geißeln, wird für Tempo sorgen. Und dann ist der Impfstoff eine Goldmiene.”

Das steht auf Seite 349. Also zurück zum Anfang. Der Held ist ein PeterAlbisser, offenbar Held früherer Muschgs Romane. Der ist siebzg und verläßt Zürich und seine Frau Henny, um seiner Krebstherapie zu entfliehen und geht nach Berlin,wo er an einer Sitzung der Akademie der Wissenschaften teilnehmen will. In seiner Jackentasche findet er eine Einladung im Osten eine Weihnachtspredigt zu halten und sich dort in einer Mühle in Aberleben einzuquartieren. Vorerst quartiert er sich aber im Gästetrakt der Akademie ein und triff eine Judith, das ist eine Filmemacherin, die er einmal zur Präsidentin derAkademie vorgeschlagen hat, wieder.

Später quartiert er sich in einem seltsamen Haus, das einer seltsamen Adeligen gehört, ein, der Hausmeister ist der schon erwähnte Schiller Urururenkel und redet alle in der dritten Person an. Welch Gelehrigkeit könnte man sagen, das typische Buch für die Mittelschicht-Muschg-Vereherin. Einen Vortrag über das ewige Leben eben hat es vorher auch schon gegeben und Albisser wollte eigentlich einen seiner früheren Romane umschreiben und die krebskranke Ruth darin wieder erleben. Die trifft er dann später in Marokko bei einer Theateraufführung, denn die Filmmacherin Judith ist dortin gegangen, um “Amphitryon” neu zu inszenieren und da auch Männer Frauen spielen zu lassen und umgekehrt.

Aber vorher reist Albisser ja noch in die Ex-DDr zu seiner Weihnachtspredigt. Da hat er eine merkwürdige Begegnung mit einem altem Ritterfräulein oder Schloßgespenst, denn das gehört einem Verein an, der eine alten Burg renovierten, die ihnen jetzt an einen Investor wegverkauft wurde. Dieser Investor taucht immer wieder auf. Vorher war er in Berlin bei dem Vortrag, nachher in Marokko.

In der Mühle, die später abbrennt, erfährt Albisser, daß er Großvater geworden ist, seine Frau Henny taucht auch auf und spielt in Marokko beim Theater mit denn Albisser sagt den Vortrag ab und begibt sich zu der Aufführung. Dort begegnet er nicht nur Judith und seiner Tochter, von der vorher nichts wußte, sondern sogar seiner Romanfigur, die plötzlich zum Leben erwacht ist.

Sehr kompliziert? Absolut und ein Sprühregen von Einfällen, die der Dichter, der ja hübsch älter, als sein Protagonist ist, auf seine Leser niedermäßt und ich muß wieder schreiben, daß ich vieles nicht verstanden, beziehungsweise überlesen habe und wenn mich wer fragt, was das Neue an dem Roman ist-?

Die vielen Einfälle und der sprunghafte Wechsel vom Mittelalter, Schiller, der Holocaust und die Juden kommen auch noch vor, zu der Genderdebatte und dem Virus, denn einer stirbt bei der Aufführung daran. Das habe ich noch zu erwähnen vergessen. Das ist alles sehr gelehrt und kompliziert, aber mir würde wieder mal der strigente Handlungsfasen fehlen und schreibe daher, da passiert wieder so viel, daß man zehn Romane darüber schreiben könnte. Das ist mir auch chon mal vorgeworfen worden, ich weiß und die Idee mit den Romanfiguren, die plötzlich zum Leben geraten oder den umgeschriebenen Büchern, ist ja auch etwas was mir gefällt, aber hier denke ich, sehr kompliziert, daher unrealistich, aber eine sehr schöne Sprache und viel Gelehrsamkeit und jetzt bin ich gespannt, ob Adolf Muschg, wenn schon nicht den deutschen Buchpreis, den Schweizer gewinnt?

Für ein Leben

Ich sage immer, daß man man oft das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt erwischt und so ist es auch mit “Für ein Leben”, des 1960 geborenen Ulrich Woelk, der 2019 mit “Der Sommer meiner Mutter”, auf der Longlist des dBps gestanden ist, beschäftige ich mich doch gerade in meinem neuen Projekt mit dem Feminismus und dem Gendern und Ulrich Woelk tut das in seinem Monsterroman, der über sechshundert Seiten besitzt auch und das ist ihm wohl ein ironischer Schachzug zwischen den Genres gelungen. Denn was ist der Roman? Ein feministischer Erotikroman, so könnte man es wohl am besten bezeichnen,der manchmal etwas ktschig ist oder haarscharf daran vorbeischifft. Kein noch so plattes Thema ausläßt oder docheines,wasichamSchlußanführen würde,wie ich den Romanbeendet hätte und der dabei höchst spannend und auch leicht lesbar ist, obwohl man mehrmals sagte könnte “Stop, Halt, spar deine Phantasie ein, das geht denn doch zu weit!”

Um was geht es? Um zwei Frauen in Berlin nach der Wende. Um Niki oder Nikisha Sri Lamont,1989 fünfundzwanzig Jahre alt, die als Kind von Hippieeltern in Afghanistan geboren wurde. Gezeugt wurde sie in Lourdes füge ich noch an.Vier Jahre in einem Ashram lebte, dann mit ihren Eltern nach Mexiko ging, dort Medizin studierte und 1989 als Ärztn in einem Weddinger Krankenhaus zu arbeiten anfängt und dort gleich einmal eine Fehldiagnose stellt und um Ljubina Sellen, genannt Lu, Kind einer kroatischen Mutter, die als sie, glaube ich, Dreizehn ist, an Lungenkrebs stirbt, worauf ihr Vater ausrastet und sie hintereinander zu zwei Mietern des Wohnhauses flüchtet.

In zwanzig Kapitel, die Namen tragen, wie “Die Töchter Egalias”, “Die Erfindung des Paradieses” wird das erzählt und erzhltechnscht ist hier interessant, daß jedes Kaptel eigentlich in sich abgeschlossen ist und zu Beginn ein bißchen weiter ist, so daß die Handlung dann rückläufig aufgerollt wird und da ist viel zu erzählen.

Es beginnt also, daß Niki fünfundzwanzig ist und da gleich, während die Ostberliner die westdeutschen Spitäler stürmen, einen Patienten mit einer Hodenentzündung hat. Dem stellt sie die falsche Diagnose und heiratet ihn später. Auch das erfährt man gleich auf der ersten Seite. Niki hat ein Helfersndrom, wurde von ihren Hippieeltern, wie beschrieben in Lourdes gezeugt, als die von Paris kommend nach Indien aufbrachen. In Mexiko wurde sie dann für einen Engel gehalten. Deshalb konnte sie sich auch ihr Studium finanzieren, hat sie doch den Sohn eines Bauern geheilt und den dann zu einem Kind verholfen. Der kann ihr nichts als einen Lottoschein als Dank schenken mit dem gewinnt sie dann aber gleich einmal 123 574,87 DM gewinnt, was für das Studium reicht und man sieht schon, wohin es geht.

Es passiert wirklich viel in diesem Buch und manches ist, wie erwähnt sehr übertrieben, so daß man denkt, jetzt hör mal auf und man kann es zuläßig sein, daß sich ein Mann auf diese Art und Weise lustig über den Feminsmus und die Lesbenbewegung macht?

Lu flüchtet, nach dem Tod der Mutter, als der Vater in seiner Verzweiflung zu trinken beginnt und dann alles zusammenschägt, zuerst in die Nachbarwohnung zu dem Musiker Hans, der Katzen hat, die Musikernamen tragen und sich mit der Stille in der Musik beschäftigt und weil sie das nicht aushält etwa sspäter einen Stock hinunter zu Victor Belkow, der aus dem Osten geflohen ist oder abgeschoben wurde und der sie einmal erschreckte, weil sie seinen Penis sah, als er einen Ventilator verrückte. Das führte zu ihrem Entschluß niemal Sex mit Liebe zu haben, aber vielleicht war daran auch ihr Vater schuld, der sich immer Frauen aus dem Osten bolte, sie dann in seine Draga zu verwandeln versuchte und später wieder alles kurz und klein zuzsammenschlug,was zu einem Koma führte, so daß er in das Krankenhaus kam, wo Niki Ärztin war.

Die wohnte inzwischen bei einem Maler in Untermiete, wo sie ein Vagina-Diptychon in ihrem Zimmer hatte, das sie mit Büchern verstellte, der Niki ständig fragte, ob sie vielleicht lesbisch sei und vermutete, daß mit ihrer Sexualität etwas nicht in Ordnung sei. Um das aufzuklären, reiste sie nach Lourdes, macht da die Bekanntschaft mit einem Pater Leo, der sie einteilte, die behinderte Bernarda, die nach einem Impfschaden im Rollstuhl saß, zu betreuen. Die sollte, um die Aufmerksamkeit der Presse zu erregen, auf einer Bahre zur Prozession getragen werden. Dasklappte aber nicht, also legte sich die hilfsbereite Niki darauf, flüchtete aber kurz darauf, weil, die Sanitäter, die Bahre fallen ließen und das neue Wunder von Lourdes war geboren, das natürlich in die Zeitung kam. Die las Clemens Rubener, der sich als ein ausgebrannter Schriftsteller entpuppte, der mit seinem zweiten Roman nicht und nicht weiterkam, in seiner Writer in Residence Wohnung in Aix en Provence. Erinnerte sich an seineÄrztin und reiste nach Berlin, um sie zuheiraten,was sie auch prompt tat.

Zur Hochzeit ließ sie sich ganz nach indischen Brauch den ganzen Körper bemalen, wurde aber auf der Hochzeitsfeier ins Spital zurückgerufen,denn der Komapatient Herbert Sellen war plötzlich wach gdeworden, stand am Dach und wollte hinunterspringen und das Krankenhaus war ratlos. Mutig pirschte Niki sich im Hochzeitskleid an ihn heran, wo Herbert Sellen dann vor ihre Füße fiel und versuchte ihr Strumpfband zu küßen, weil er glaubte, sie wäre Draga und man das nach kroatischen Brauch so machte. Kurz darauf fiel er wieder ins Koma. Niki verließ aber ihren Ehemann, um eine Beziehung mit Lu zu beginnen, die inzwischen Schauspielerin geworden ist und in einem alternativen Theater im Sommernachtstraum statt dem Lysander eine Lysandra spielte. Dazu war sie auch am ganzen Körper mit Henna bemalt und stand, als die Nachricht aus dem Krankenhaus kam, gerade nur mit einem Mantel bekleidet, in der Pause vor dem Theater. Die Beiden zogen zusammen und ein besonderes Detail ist Ulrich Woelk auch noch eingefallen, ließ er Niki doch schwanger sein und das war dann eine unbefleckte Empfängnis, denn die Ehe wurde ja nicht vollzogen und Sex vor der Trauung wird von der Kirche ja nicht anerkannt.

Die beiden Frauen reisten mit dem kleinen Pablo ein paar Jahre später nach Mexiko zu Nikis Eltern, wo Lu wieder bei einem Film mitzuspielen begann. Sie verließ,weil sie ja nicht glücklich werden durfte, Niki, verheiratete sich in LA, begann noch einmal in einem Film zu spielen und bekam dann auch noch den Morbus Wilson, den Niki diesmal richtig diagnostizierte und wir sind mit Ulrich Woelk durch ein halbes Jahrhundert der Lesben- und Frauengeschichte gewandert und ich kann nur wiederholen, sehr gut recherchiert, das Ganze sicher auch ironisch zu interpretieren. Aber leicht und gut zu lesen, obwohl es manchmal, wie schon geschrieben haarscharf an der Grenze zum Kitsch dahinschrammt und auch wieder viel zuviel des Guten ist.

Es hat mir wirklich gut gefallen, wieder eines der 2021 Highlighst, neben den “Vögel” und der “Muttermilch” und da geht es ja auch um Sex und lesbische Liebe und ich bin jetzt nur neugierig, ob das Buch wieder auf die deutsche Buchpreisliste kommt? Ich würde es empfehlen, denn “Der Sommer meiner Mutter” hat mir, glaube ich, nicht sogut gefallen

Und wie hätte ich den Roman beendet? Meine Leser wissen es wahrscheinlich. Ich hätte Clemens Rubener einen Roma schreiben lassen, in dem er Nikis seltsame Verwandlungen schldert mit dem er dann den deutschen Bchpreis gewinnt.

Inneres Wetter

Jetzt kommt wieder eine Neuerscheinung, nämlich”Inneres Wetter”, der 1961 geborenen Elke Schmitter, von der ich “Frau Satoris” gelesen habe, das von Marcel Reich-Ranicki sehr gelobt wurde und hier geht es um einen Geburtstag des siebenundziebigjährigen Georg Kupfer, der verwittwet ist und drei Kinder hat, Sebastian, Huberta, Bettina, alle in den Sechzigerjahren geboren, also über fünfzig, da das buch 2014 zu spielen scheint. Zumindest gibt es Mails, die darauf hinweisen, da möchte Bettina nämlich ihre Geschwister veranlaßen für den Vater eine Überraschungsparty zu veranstalten.

Alles sher banal und gewöhnlich würde man sagen, daß man den Geburtstag seines Vaters feiert. Meistens ist der auch darauf vorbereitet. Aber hierzieht sich alles auf zweihundert Seiten hin und ist auch in drei Teilen gespaltet, findet der Geburtstag des Vaters, glaube ich, im Oktober statt. Es beginnt aber im Frühling, da wird dann ein Tag beschrieben. Dann folgt der zweite Teil, der “Zwei Tage im Sommer” heißt und der dritte wenig originell “Drei Tage im Herbst” und dazwischen plätschert es dahin und wir erleben das “innere Wetter” oder das Alltagsleben der Geschwister, bis es soweit ist, daß sie den Vater in einem Restaurant treffen und sich von der Kellnerin die Speisekarte erklären lassen.

Die drei Geschwister und ihre Familie gehören wahrscheinlich, wie auch Elke Schmitter der Mittelschicht an. Am Interessantesten ist aber Sebastians Frau Mora, die aus Dalamtien stammt und von der wir relativ viel erfahren. Sie verkauft tageweise in einer Boutique, da werden ihr einmal einige Schals gestohlen. Die Diebin trifft sie dann am Elternsprechtag ihres Sohnes Ben oder ist es der der Tochter Adiana wieder. Ben spricht jedenfalls wenigmit den Eltern und steht im Verdacht Autist zu sein.

Gesellschaftls- und Alltagsereignisse, wie julian Assange oder die Flüchtlingsfrage werden erwähnt und Bettina hat auch zwei Freudninnen, Angelika und Selma. Zu Beginn des Buches gibt es ein Personenverzeichnis. Angelika hat Probleme mit ihrer Wohnung. Selma berichtet von einer Tagung, Huberta ist Ethnologin und warlange in Äthiopien und die Handlung, der Plot und die Spannung fehlen wieder.

Es wird, das habe ich auch in einer Rezenson gelesen, dahin geplätschert. Der Vater weiß natürlich von der Party die Geschwister haben es ihm verraten und sich auch Sorgen gemacht ob er am Tage der Überraschung daheim sein wird und muß tun, als wüßte er von nichts und das Interessanteste an dem Buch ist wahrscheinlich der Stil. Da gibt es Briefe und Mails und vieles ist auch kleingeschrieben.

Schwierig ist auch der ständige Perspektivenwechsel. Denn da wußte ichoft nicht,wo ich jetzt bin und wer jetzt spricht, denkt oder handelt. Aber natürlich ist das Midlifeleben der intellektuellen Mittelschicht und ihre Probleme interessant und das war wohl auch die Absicht des Romans, den ich eigentlich wieder nicht als solchen bezeichnenwürde das aufzuzeigen.

Ich finde trotzdem es wurde zuviel bla bla und zuviel Auwand, um so etwas Alltägliches wie den Geburtstag des alten Vaters gemacht,obwohl natürlich klar ist, daß jedes der Kinder, Schwiegerkinder und auch die Freundinnen ihre Probleme haben, die sie trotz des Geburtstags bewältigen müssen. Aber da das Buch in Vor-Corona-Zeiten spielen, haben sich diese inzwischen auch schon überschlagen, sind andere und vielleicht auch größer geworden.

Die Obstdiebin

Weiter gehts mit den Harlander Backlistbüchern, sprich denen, die ich mir von dem Geburtstagsgutschein der Anna 2019 besorgte, nämlich Peter Handkes, des damaligen Nobelpreisträgers Peter Handke und der 1942 in Griffen geborene, gehört wohl zu den umstrittensten Schriftsteller, wie auch die Nobelpreisdiskussion im Literaturcafe deutlich zeigte.

Eine Schlaftablette, ein Langweiler, wie das dort diskutiert wurde und der O -Ton der dortigen Kommentierer war, daß man ihn, auch wenn er den Nobelpreis bekommen hat, nicht lesen müße. Muß man natürlich nicht, aber dann hat man keine Ahnung von seinem Schreiben und interessant ist es sicherlich sich in die Langsamkeit und das Flanieren des sicherlich umstrittenen Schriftsteller, der wahrscheinlich auch ein schwieriger Mensch ist, einzulassen. Ich habe Peter Handke von dem ich in der Schule, ich habe 1973 maturiert schon ein bißchen was gehört, aber damals habe ich Thomas Mann und Hermann Hesse gelesen, mir aber, glaube ich, auch den “Hausierer” gekauft. Das “Wunschlose Unglück” zuerst abgelehnt, weil für experimentell gehalten, dann als ich es gelesen habe war ich erstaunt, wie realsistisch es war.

Ein Buch über den jungen Handke habe ich gelesen, war auch auf einigen Diskussionsveranstaltungen und die “Fahrt im Einbaum” wo es um die Jugolsawiendebatte ging. Da wurde Handke für sein Eintreten für die Serben ja sehr angegriffen und beschimpft, was mich besonders störte, als das auch Sascha Stanic anläßlich seiner Buchpreis-Rede tat. Er hat da als bosnischer Flüchtling wohl eine andere Sicht darauf, aber das Leben ist vielseitig und es hätte sicherlich auch gereicht,”Da habe oder will ich nichts dazu sagen!”, dadazu sagen oder sich einfach für den Preis zu bedanken und sich zu freuen.

Ich habe mich über den Nobelpreis gefreut, war über die Hatz, die Handke da entgegen schlug überrascht und befremdet und nun hinein an einem Sommerfrischenwochenende in die” Obstdiebin”. Was erwartet mich da? Habe ich wohl gedacht und zuerst auf die über fünfhundertfünfig dünn bedruckten Seiten geschaut. Im Beschreibungstext steht etwas von Roman oder Geschichte, das zweitere ist ein O- Ton Handkes, der seine “Einfache Fahrt ins Landesinnere”, als das “Letzte Epos” bezeichnet und da verläßt er die Niemandsbucht. Das ist der Titel eines anderes Handke Werks, das ich nicht gelesen habe, um sich auf die Suche nach einer Obstdiebin zu machen. Ein Bienenstich den er sich zuzog, als er mit nackten Füßen durch das Gras ging, hat ihn dazu veranlaßt, so daß er das Buch, das noch auf seinen Tisch lag, liegen ließ und los maschierte. Das Ganze ist in einem durchgeschrieben undeinDauermonolog. Es gibt Absätze, aber keine Kapitelüberschriften und schon gar nicht einzelne Teile, nur eine wahrscheinlich vom Verlag angefügte Kapittel oder Iinhaltsangabe, die”Der Gare-Saint-Lazare bis hin zu “Einer Festrede” lautet, damit man sich wahrscheinlich in den fünfhundert Seiten Labyrinth doch nicht so sehr veriirrt. Für die, die also einen Plot, eine Handlung mit dem entsprechenden Spannungsbögen wollen, werden sich vielleicht enttäuscht abwenden und “Da passiert ja nichts!”, schreien.

Irrtum, es passiert eigentlich sehr viel. Man muß aber wahrscheinlich geduldig sein und einen langen Atem haben um Peter Handke auf seiner Reise durch Frankreich zu folgen. Denn es sind eigentlich ganz banale Dinge, die ihm da auf seiner Suche nach der Obstdiebin passieren. So fallen ihm, als er über den Markt stolpert, er ist durch seinen Stich da auch etwas behindert, die Kanalsationsplatten auf, die da am Boden verlegt werden, um das Kabelfernsehen, die Telefonnetze, das Gas, etcetera zu verlegen. Vorher hat er sich über das Auto des Therapeuten, der täglich seinen Nachbarn pflegen kommt, gewundert. Dann trifft er die Clochards beim Bahnhof, grüßt sie, trinkt mit ihnen ein Schlückchen Wein und dann bei einem Buffet, um den Rauchgeschmack aus dem Mund zu bekommen noch ein Glas Wein. Er wünscht sich für seine Reise nach Paris Segenwünsche, gibt den dortigen Clochard nochmals Geld, wird als er das beim Zweiten verweigert, von diesen wüst beschimpft. Das sind dann die Segen, dann will sich der ältere Mann, die jungen Frauen im Zug ansehen und blickt in Kopftücher und Verschleierungen. Sieht dann die Doppelgängerin der Obstdiebin, die als der Zug an der Provinzgrenze kontrolliert wird, die Kontrolleure wüst beschimpft.

Ein schöner Handke-Satz ist der von denFrauen im Zug, die sich nach dem Aufwachen schminken, obwohl sie ans Meer und nichts ins Landesinnere fahren. Dann geht es schon zur Obstdiebin und wir erfahren ab etwa Seite hundertzwanzig etwas mehr von ihr und was es mit ihr auf sich hat. Da ist auch interessant, daß Handke schreibt, daß er keine Kriminalgeschichte schreiben will, weil er die als nicht Plotschriftsteller natürlich haßt. Die Obstdiebin ist eine junge Frau heißt Alexia oder auch nicht, war in Russland, will Russisch lernen, hat einen russischen Vater und eine verschollene Mutter, aber auch das stimmt wahrscheinlich nicht so ganz. Sie wird als Streunerin und Herumtrampende beschrieben, obwohl sie mal hier mal dort als Kellnerin, Zimmermädchen oder auf Flußfischmärkten gearbeitet hat. Es wird beschrieben, wie sie zur Obstdiebin wurde. Der Vater hat sie dazu, wie zu einer Mission oder Berufung, die sie hätte, dahingetrieben. Mit Ausnahmen von Trauben und Nüßen klaut sie immer nur einzelne Früchte, wie beispielsweise Birnen, die sie dann oft gar nicht ißt. Handke verfolgt sie auf ihrer Reise und da sieht sie an der Oise chinesische Flußfahrer bei deren Anblick sie beschließt das Obstdiebstum aufzugeben.

Sie flüchtet dann von Handke in einer einfachen Sprache erzählt, nach Cergy, telefoniert mit ihrem Bruder, nimmt ein Abendessen ein, landet dann in Courdimanche und nimmt dort an einer Totenwache teil. In dieser Außensicht geht es mit dem auktorialen Erzählen auf der Suche nach der Mutter, die Bankfrau ist, weiter. Der Krieg wird erwähnt, findet die Obstdiebin doch einen Napf aus Aluminium, der von einem Soldaten stammen könnte, “versteinert, wie ein Stock” dabei, wieder so eine eine schöne Handke Wendung und die Frage der Schuld wird thematisiert.

Die Obstdiebin Alexia wandert dann durch die Au und begegnet verschiedene Tiere dabei, so kreuzt ein Hund, ein Rabe, ein Wal, ein Goldfasan und auch eine vermißte Katze ihren Weg und dann der Pizzabote Valter, der ihr das Gepäck trägt, Mühlenbrot für sie beaorgt und dann mit ihr Essen geht.

Im Cafe l´ Universe bekommen sie dann die Geschiche von dem Selbstmörder Zdenek erzählt und ein alter Mann hält eine Hymne auf Haselnüße. Sie gehen in eine kurdische Kebabbude, dort trifft Alexia eine Schulfreundin, die sie dann mit Valter verläßt, um weiter an der Grenze zwischen der Ile de France und der Picardie in einen Dschugel geraten, wo sie auch das Kätzchen wiedertreffen, das dann von seinem Besitzer abgholt wird.

Wir treffen auf eine alternde Lehrerin die im Sommer, die Geschichte spielt in derSommerhitze einen Kriminalroman schreiben will und Alexia und Valter ziehen dann in derAuberge deDieppe ab, wo si esich nacch einem Tanzabend trennen und einen Traum von der Muttter gibt es auch.

Nach einigen Hin- und her, geht es dann an die Baustelle, wo der Bruder Lehrling ist., Sie gehen auf ein Fußballspiel und am Schluß gibt es noch ein Familienfest und ich habe eine Woche lang einen sehr spannenden Text des “Deutschreibenden in der französischen Niemandsbucht”, wie auf Seite 525 steht, gelesen und bin etwas erstaunt, wie scheinbar einfach Handke es sich da macht, wenn ich so schreiben würde, würde es sicher heißen, da passiert ja nichts! Da ist keine Spannung, Handlung drinnen und außerdem ist es oft surreal und schwankt von einem Thema zum anderen. Einmal sind wir im Krieg, dann wieder im Dschungel und Uli aufgepaßt, der Nobelpreisträger gendert ebenfalls nicht, sondern schreibt von “weiblichen Maurern, Dachdeckern, Elektrikern, Zmmerleuten”, die Sprache ist sehr schön und irgendwo habe ich gelesen, daß das ein sehr ungewöhnlicher Handke ist. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht so viel von ihm gelesen habe, habe das Lesen aber sehr genoßen und nein, liebes Literaturcafe, eingeschlafen bin ich dabei nicht!

Machtkampf im Ministerium

Jetzt kommt ein Buch, das eigentlich schon veraltet ist, denn von einem “Machtkampf im Klassenzimmer” oder diesbezüglich im Ministerium hat man schon länger nichts gehört, ging es im letzten Jahr ja eher um das Dauertesten, das Maskentragen und ob die für die Kinder schädlich, neurotisieend, traumatisierend oder nicht ist. Aber die Spannungen, die es in den Schulen gab, werden sich durch den mangelnden Unterricht dort, sicher nicht verbessert haben und die Deutschkenntnissse werden durch den Digitalunterricht auch nicht besser geworden sein. Es gibt vordergründig aber andere Probleme, da wird da die Abschiebung von Afghanen gefordert und der Delta Cluster im U- Ausschluß diskutiert, etcetera.

Aber der Reihe nach. 2018 hat die sozialistische Gewerkschafterin und Lehrerin an einer Schule im zehnten Bezirk, glaube ich, Susanne Wiesinger, ein Buch über den “Machtkampf im Klassenzimmer” geschrieben, im dem sie auf die Probleme, die es an den sogenannten Problemschulen, wo alle kinder migrationshintergrund haben, gibt. Hat sie da ja beobachtet, daß sich ihre Schüler nach den Anschlag von Charly Hedo Anfang 2015, darüber eher freuten und daß es auch schwierig ist, wenn an den Schulen Broschüren verteilt werden, die die Mädchen dazu aufforderten zu ihren lesbischen Bedürfnissen zu stehen, die muslimischen Mädchen sich aber nicht einmal ihren ehepartner aussuchen dürfen und oft noch zwangsverheiratet werden.

Das Buch hat Aufsehen erregt. Ich habe es nicht gelesen aber mehrere Interviews darüber gehört und Bildungsminister Fassmann hat sie deshalb zur Leiterin einer Ombudsstelle bestellt, in der die Probleme aufgezeigt und Lösungen erstellt werden sollten.

So ist Susanne Wiesinger ein Jahr durch alle Bundesländer gereist und hat mit Lehrern, Schülern, Eltern Interviews gemacht und dabei gleich beklagt, daß ihr da zu ihrer Sicherheit Berater oder Spitzel zur Seite gestellt wurden, die ihr immer sagten, daß sie das und das, den Journalisten nicht sagen dürfe. Sie hat deshalb öfter überlegt, ihren Job hinzuschmeißen und wieder an die Schule zurückzugehen. Bildungsminister Faßmann hat sie aber immer ermutigt zu bleiben und so ist Anfang 2020, also noch vor Corona ein weiteres Buch herausgekommen, wo sie diese Schwierigkeiten, bezeihungsweise den Machtkampf, den sie im Ministerium erlebte, beschrieb. Ich habe das buch von Doris Kloimstein, die ja an Bildungsfragen auch sehr interessiert ist, überrreicht bekommen, angesichts meiner langen Leseliste es aber auf der nächste Jahr verschoben und jetzt ist ja vieles anders geworden. Also spannend zu sehen, was sich in dem Jahr verändert hat. Anfang 2020 habe ich noch einige Diskussionen darüber gehört. Susanne Wiesinger wurde, glaube ich, nach Erscheinen von ihrer Ombusfrauposition abgesetzt.Seither habe ich nichts mehr von ihr gehört und keine Ahnung, ob sie jetzt wieder an ihrer Schule ist und, wie die Situation dort ausschaut?

Jetzt sind aber ohnehin Ferien. Die Kinder ab zwölf werden geimpft, die ab sechs sollen sich in Wien dreimal wöchentlich testen lassen, um ins Bad und ins Eisgeschäft zu dürfen. Aber das fällt ja, wie in Susanne Wiesingers Buch steht, für die muslimischen Mädchen ohnehin aus, weil die ja weder mitturnen noch schwimmen gehen dürfen.

Es gibt ein Vorwort von Konrad Paul Liessmann, der auf die hohen Ansprüche, die man von der Bildung hat, hinweist, die vom jeweiligen Standpunkt gesehen, sehr widersprüchig ist und, daß die Kinder, die betroffen sind, überbleiben, beziehungsweise von den jeweiligen Parteien lustig hin und hergeschoben werden.

Von den Kontrollmaßnahmen, die Susanne Wiesinger gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit erlebte, habe ich schon geschrieben. Sie beklagte vor allem, daß die Schulleiter und die Lehrer ihre Meinung nicht frei äußern, sonder nur das sagen dürfen, was die Partei von ihnen verlangt, obwohl sie vielleicht ganz anders denken oder in den Schulen etwas anders erlebten und, daß man gleich als rechts hingestellt wird, wenn man auf Probleme aufmerksam macht. Was jetzt auch die Corona-Kritiker sehr stark erleben.

Dann kommt man gleich zu den verpflichtenden Deutschklassen. Da wurden ja seit der türkis- blauen Regierung die Schüler getrennt und die, die nicht gut Deutsch sprachen, wurden seperat unterrichtet und waren nur beim Zeichnen und dem Turnen in der Klasse. Dagegen gab es ja massiven Widerstand, weil es als diskriminierend erlebt wurde. Ich sehe es aber eher als postiv, denn wenn ein Kind aus Afghanistan kommt, nicht Deutsch kann und dann gleich in der NMS sitzt, wird es nichts verstehen und daher auch nichts lernen. Susanne Wiesinger meint aber, daß es eher, die schon hier geborenen Kinder sind, die in die Schule kommen und nicht Deutsch können und meint hier,was mich erstaunte, weil ich es anders erlebte, daß hier oft die Eltern besser Deutsch, als die Kinder können. Erstaunlich deshalb weil es ja auch eine Kindergartenpflicht gibt und die Kinder ja ständig auf ihre Deutschkennsse überprüft werden. Eine Frage ist auch das Kopftuchverbot, daß es ja, glaube ich, inzwischen in den Schulen gibt. Iinteressant ist hier auch, daß ich dle im letzten Jahr, wo ich ja in Wien wenig auf der Straße war, auch kaum Kopftücher gesehen habe und der verpflichtende Ethikunterricht, gegen den sich, glaube ich, die katholische Kirche sträubt, wurde jetzt, soviel ich weiß, auch eingeführt.

Ein Problem sieht Susanne Wiesinger in der, we sie sagt, mangelnden Mischung in den Schulen, gibt es ja offenbar Problemschule mit hundert Prozent Migrantionshintergrund, die landen dann alle in den Rest- sprich neuen Mittelschule, wie die Hauptschule jetzt vornehm genannt werden, um die Kinder oder Eltern vor dem Ran in die AHS abzuhalten, will die ÖVp ja keine Gesamtschule und sträubt sich mit Händen und Füßen dagegen. So gehen alle, die das können ins Gymnasium. Die verlieren dadurch auch an Niveau und Susanne Wiesinger beklagt auch, daß in den Unterstufen schon viele Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen gehen, die dann Schwierigkeiten haben dem Schulstoff zu folgen. Susanne Wiesinger spricht auch von sekundären oder primären Analphabetismus oder der Schweiergkeit sinnerfassend lesen oder verstehen zu können.

“Nenne drei innere Organe?” lautet eine Frage “Ottakring und Simmering”, lautet die Antwort, das sind aber Wiener Randbezirke. Es gibt Schwierigkeiten mit der Evolutionstheorie, dem Schwimmen und Turnen, wie schon erwähnt, so daß sich manche Lehrer das nicht durchzunehmen trauen oder sich auch weigern mit ihren Schülern nach Mauthausen zu fahren, denn die könnten sich dort antisemitisch äußen und dann wären die Lehrer schuld.

Susanne Wiesinger schreibt von einer tschetschenischen Schülerin, die ihre Mitschülerin zwang den Hjiab zu tragen und von einem anderen Mädchen dem die Haare abrasiert wurden, weil sie sich zu wenig bedeckte. Dem Jugendamt hat das Mädchen dann erklärt, sie hätte sich mit Kaugummi verklebt und eine Lehrerin war sehr hilflos, daß sie ihrer Schülerin nicht helfen konnte, die sich ritze oder schnitt. Sie hat das Jugendamt verständigt, das hat aber auch nicht sehr viel getan, als eine Therapie zu empfehlen, die dann nicht angenommen wurde und Schwierigkeiten hatte Susanne Wiesinger auch bei ihrem Ombudsfraujob, da beklagte sie das mangelnde Interesse der Wiener bildungsdirektion, wie der Stadtschulrat heute, glaube ich, heißt, die Wiener SPÖ warf ihr Verrat vor und unterstellte ihr ÖVP- oder FPÖ- lastig zu sein. Sie zitiert aber auch einen Besuch in Vorarlberg, wo die Lehrer und Schuleiter alle behaupteten keine Probleme zu haben und lieber mit ihr über Politik diskutieren wollten. Susanne Wiesinger meint, daß Problemschüler, aber auch Problemschüler von einer Schule zur anderen verlagert werden, ohne daß die Schulleiter Informationen über die Problemlage bekommen.

Die Lehrer meint Susanne Wiesinger erleben in den Klassen viel, wogegen sie nichts machen können, werden immer mehr zu Sozialarbeitern und sind beispielsweise hilflos, wenn immer mehr Mädchen von den Schulen verschwinden, weil sie verheiratet wurden, etcetera. Susanne Wiesinger führt hier das Beispiel einer türkischen Maturantin an, die es geschafft hat und nicht versteht, warum das bei den anderen nicht so ist? Ihre Eltern kommen ja auch aus der Türkei, hatten aber nichts gegen die Bildung ihrer Kinder und das von drei tschetschenischen Modeschülerinnen. An der Maschine mußten sie Hijab lüften, die Männer waren dagegen. Es könnte ja ein Mann vorbei kommen und ein Stückchen Haut sehen. So wurde verdunkelt und Susanne Wiesinger bespricht die Dilemmen vor denen viele Lehrer stehen. Anpassung an die muslimischen Normen oder die Schüler verschwinden. Die Mädchen fahren nicht am Schikurs mit, weil sie dort angeblich ihr Jungfernhäutchen verletzen. Das kommt aus den Muscheen meint Susanne Wiesinger und beklagt, daß die Eltern nicht mitarbeiten wollen und ist für Strafen und Abschafffung der Mindestsicherung, wenn sie ihre Kinder nicht auf den Ausflug schicken. Da bin ich grspalten, den die türkischen Familien haben einen anderen kulturellen Hntergrund. De Kinder nur an die Werte der Schule anzupassen, trifft es da wohl auch nicht. Die Lösung wäre der Kompromiß und das Gespräch. Das ist aber mühsam und in den Schulen ist die Autonomie von den vielen Vorschriften, die aus den Ministerien von Leuten, die nichts von der Praxis verstehen, ohnedies immer mehr bedroht.

Am Schluß gibt es eine zehn Punkteempfehlung und ein sehr schöner Graphikteil wo an Hand von Schultaschen und Belistiften, die Problemlage noch einmal optisch erklärt wird. Das Buch wurde unter Mitarbeit eines Jan Thies geschrieben und ich füge am Schluß noch an, daß es trotzdem sehr gut ist, daß ich es erst jetzt, nach der Pandemie in der wir ja immer noch stecken, gelesen habe.

Denn jetzt verstehe ich den Machtkampf zwischen der Stadt Wien und dem Bund und die Entmündigung, die inzwischen ja alle getroffen hat noch viel besser und mich würde wirklich interessieren, was sich in den eineinhalb Jahren in unseren Schulen geändert hat? Ein bißchen bekomme ich das, die ich ja meine Berufslaufbahn in den Kindergärten der “Kinderfreunde” und im schulpschologischen Dienst begonnen habe, sowie bei “Rettet das Kind” Gastarbeiterkinder betreut habe, in meiner Praxis auch mit.