Drei Geschichten zur Geschichte

In den Siebzigerjahren als Studentin, als meine Reisemöglichkeiten sehr beschränkt waren, denn allein und sehr schüchtern, bin ich gelegentlich im Sommer mit dem Zug nach Linz gefahren und habe mir die Stadt angesehen und in den Buchhandlungen bin ich da auf die “Aufbau-Bücher”, des 1922 in Bad Goisern geborenen Schriftsteller und Kommunisten Franz Kain gestoßen.

“Das Schützenmahl” und der Wirtshausroman “Das Ende der ewigen Ruh”, sowie “Die Donau fließt vorbei”,  stehen in meinen Bibliothekskatalog.

Ich habe Franz Kain dann wahrscheinlich bald persönlich kennengelernt, habe ich ja auch  das Volksstimmefest besucht, wo er regelmäßig gelesen hat.

Ab 1989 lese ich dort regelmäßig und ich kann mich an eine Lesung erinnern, wo er den Regenschirm über mich ausgebreitet hat.

1997 ist der Gemeinderat in Linz gestorben, seine Bücher werden seither in der “Bibliothek der Provinz” herausgegeben und in der DDR ist er in den Siebzigerjahren erschienen, weil er, wie Judith Gruber Rizy, die eine Dissertation über ihn geschrieben hat, einige Jahre dort Korrespondet der Volksstimme war und in diesen Zusammenhang auch Anna Senghers kennenlernte,  im “Werkl im Goehtehof” erwähnte, denn dort gabs heute eine Lesung aus seinen Werken.

Drei Erzählungen aus dem Band “Der Weg zum Ödensee”, keine “Frauen lesen Frauen Veranstaltung”, des ersten Wiener Lesetheaters, denn Franz Kain, der ja auch eine schreibende Tochter hatte, die ich ebenfalls am Volksstimmefest kennenlernt, war ja ein  Mann.

Es haben aber die Lesetheaterfrauen gelesen, nämlich Judith Gruber Rizy und Gabriela Schmoll und dann noch die GAV-Geschäftsführerin Magdalena Knapp Menzel und für mich überraschend Vera Albert, die ich ja durch den ÖAAG-Supervisorenpool kennenlernte, die aber seit einigen Jahren  literarisch behziehungsweise verlegerisch tätig ist.

Das “Werkl im Goethehof” in Kaisermühlen, in dem ich auch schon mal gelesen habe, war bummvoll, als ich es erreichte,  sehr viele Bekannte, die ich vom Lesetheater beziehungsweise von den Volksstimmefesten kennen.

Werner Grüner, Hilde Langthaler, Elfi Resch, Matria Lautischer und und …

Und Judith Gruber-Rzy, die die Veranstaltung zusammenstellte, erzählte, daß Franz Kain, dessen Vater an der Oktoberrevolutin beteiligt war, schon mit vierzehn Jahren  Mitglied  des kommunistischen Jugendbundes war, dort verhaftet wurde, dadurch nur mehr Holzarbeiter werden konnte und später, die Geschichte durch Geschichten erzählen wollte.

Drei davon wurden von den Frauen vorgetragen und ich muß sagen, sie waren äußerst spannend und eine gute Erinnerung an Franz Kain, der inzwischen, glaube ich, schon ziemlich vergessen ist.

Die erste “Nachrede für Habsburg”, erzählte wahrscheinlich eher, die Geschichte von Franz Kains Vater.

Denn da saß der Ich-Erzähler  in Sibirien, weil ihn  sein Kaiser dorthin schickte und erzählt, weil er Zigaretten will, einem Holzhändler Geschichten über das Kaiserreich oder Franz Josef, denn Bad Goisern liegt ja in der Nähe von Bad Ischl und in Bad Ischl war die Kaiservilla, wo Franz Josef sechzig Jahre lang seine Sommer verbrachte und so erzählte der Protagnoist und erzählte und fing schon selber an seine Geschichten zu glauben, wie die warmen Eier für die Kaiserin Elisabeth jeden Morgen geliefert werden mußten, weil sie das Klar für ihre Haare brauchte und eine Kuh viertelliterweise gemelkt wurde, damit die Herrschaften ihren Gesundheitstrunk trinken konnte und 1914 als der Thornfolger erschoßen wurde, stand der Prtogonist auf der Leier und weißte das Vorzimmer der kaiserlichen Gemächer aus und wurde angebeblich so zum Zeugen, wie dem Kaiser diese Nachricht übermittelt wurde, die nicht sehr schön war und wahrscheinlich auch nicht freute.

Die zweite Geschichte “Revolutinsferien”, ist nicht weniger originell und packend, die haben, die Kinder 1934 bekommen und prüsten sich damit, die Knaben spielen Krieg und die Hahnenschwänzler bekämpfen die Sozischweine, während das Mädchen lieber beschwichtigend am Feuer sitzt und Kartoffeln brät.

Die dritte Geschichte geht noch ein Stückchen in der Geschichte weiter, denn da geht es in das Strafbataillon in das Franz Kain geschickt wurde und da liegen die Soldaten in einem Mohnfeld, erleben ihre Kindertage und wissen, daß  sie nicht mehr nach Hause kommen.

Sehr interessant wieder einmal an den oberösterreichischen Dichter und an meine alten DDR-Ausgaben erinnert zu werden, die wohl in Harland in den Regalen stehen.

Wäre spannend sie wieder zu lesen und Judith Gruber Rizy hat auch noch zwei Aufsätze über sein Leben geschrieben.

Leben in der Bibliothek

“Ich bin das Bibliotheksgespenst!”, flüstert Dorothea Wewerka, die Hauptprotagonistin meines derzeitigen “Works on progress”, fortwährend geheimnisvoll vor sich hin und man weiß eigentlich nicht so genau, was sie damit meint.

Die erste oder zweite Idee zu meinem neuen Werk, die erste war wohl das mit dem Endbahnhof und der Depressiven, die dorthin mit dem Autobus fährt, war das, eine Wohnungslose in einer Bibliothek lebt und was macht sie wohl dort? Sie kommuniziert mit den Bücher,  atmet ihren Geist ein, sie erlebt Geschichten mit den Romangestalten, das sagt sich wohl so leicht dahin, plappern würde es wohl mein kritischer Kritiker nennen, aber wenn man es dann aufdröseln will, zerfließt das, was man damit meint sehr schnell.

Also doch eine Geschichte über eine Obdachlose, die dort schläft, weil alles andere höchstwahrscheinlich zu kitschig wäre und in den Nußknacker und zu H. C. Andersen gehört?

Aber es gibt ja, glaube ich, wirklich so Aktionen, wo sich Leute in Buchhandlungen einschließen lassen und dann die Nacht höchstwahrscheinlich lesend verbringen.

Das verstehe ich zwar auch nicht so ganz, was daran so toll sein soll, denn ich kann mich ja auch den ganzen Tag dort aufhalten und in den Büchern schmökern und wer bitrte tut das schon?

Aber die Initialidee zu diesen Artikel war ohnehin eine ganz andere und gehört in die Büchergeschichtenkategorie und nicht in die über die Schreibberichte, denn ich habe in meinem Schlafzimmer, in dem ich mich auch momentan befinde und vor mich hinschreibe, tatsächlich sehr viele Bücher und ein gar nicht so kleiner Teil davon ist ungelesen.

Als ich in die Krongasse eingezogen bin, hat zwar die Anna mein heutiges Schlafzimmer bewohnt und ich habe mir in dem Wohnzimmer, wo wir damals schliefen, zwei grüne Erde Bücherregale gekauft, dann zog die Anna aus, wir übersiedelten und ich kaufte mir auch für das Schlafzimmer zwei Regalreihen, dann kam noch ein drittes und auf die anderen Seite, des inzwischen zum Wohnzimmer gewordenen Zimmers kam auch noch ein Regal.

Im Schlafzimmer gibt es inzwischen auch noch zwei kleinere Regale und darauf und an der Wand neben dem Schlafzimmertischchen gibt es inzwischen ganze Bücherstöße.

Die Jahresbücher liegen am Klo, denn ich bin eine Badezimmerleserin und die ausgelesenen Bücher transportiere ich regelmäßig nach Harland, wo es in dem großen Wohnzimmer inzwischen zwei große Bücherreagle gibt.

Ein Leben mit Büchern also und weil ich sehr viel sammle, sammelt sich auch sehr viel an und es gibt auch manchmal Unfälle bei den Bücherstößen und die im Schlafzimmer sind zum größten Teil noch ungelesen und da räume ich und schlichte ich bei meinen Leselisten auch immer wieder um und das Leben und Schlafen zwischen ungelesenen Bücherstößen ist auch eine sehr romantische Vorstellung.

Leben in einer Bibliothek, ein verlockender Gedanke, die Dorothea Wewerka die vermeintlich Wohnungslose, betreibt das ja illegal, die Leute die am Parkplatz in Leipzig oder in Frankfurt übernachten, können, habe ich gehört, die ganze Nacht lang die Buchmesse besuchen und wenn man viele ungelesene Bücher hat, kann man sie immer wieder umschichten, ein Bücherquizz veranstalten, eine Schreibübung indem man sich ungelesen eines oder mehr herauszieht und dann einen Roman oder eine Wurfgeschichte darüber schreibt, oder auch seine Leselisten immer wieder verändertn.

Ich bin ja eine, die sehr viel liest und auch immer wieder quer durch den literarischen Gemüsegarten, die Chiklits, Selbstgemachtes, genau mag, wie das Experimentelle, die Worträusche oder die Buchpreiserlisten.

Die auch gerne Altes liest, inzwischen aber Buchpreisbloggt und von letzten August bis Dezembert mit dem Rezensionsexemplaren nicht fertig wurden.

Diesmal habe ich mich auch, was ich bisher nicht so tat, durch die Frühjahrsvorschauen ein bißchen gewühlt oder bekam die entsprechenden Angeboten und vor zwei Jahren hat glaube ich das Buch “Tojstoi und der lila Sessel”, wo eine Frau, um eine traumatische Situation zu überwinden ein Jahr lang jeden Tag ein Buch gelesen hat.

Das möchte ich vielleicht auch so gern tun, wie jedes Monat ein Buch zu schreiben und kann höchstwahrscheinlich wohl beides nicht.

Bei den selbstgemachten Büchern waren es im letzten Jahr fünf die herausgekommen sind, drei davon waren schon im Vorjahr geschrieben und gelesen habe ich hundertachtundvierzig Bücher, also eigentlich sehr wenige. Da war ich schon mal besser. Aber man kommt mit dem Lesen sowieso nicht nach, die Leute schreiben ja sehr viel und lesen wahrscheinlich immer weniger, aber ich interessiere mich eigentlich dafür und würde, wenn ich könnte wirklich gerne alles lesen und um jetzt wieder zu meinem Work in Progress zurückzukommen.

Die Endbusfahrerin Therese Schwarzenberg ist ja suizidgefährdet, beziehungsweise hat sie, weil sie nicht viel Sinn in ihrem Leben sieht, schon zwei Selbstmordversuche hinter sich, sie hat auch einen Psychiater, Theo Hardenberg, bekannt aus zwei früheren meiner Bücher und dem sagt sie, daß sie sich erst wirklich umbringen kann, wenn sie alle ihre Bücher aufgelesen hat oder er sagt das zu ihr und sie antwortete ihm, daß das ja unmöglich ist und wenn sie hundert, zweihundert oder auch tausend Jahre würde.

Stimmt, aber das Büchersammeln ist sehr schön und das Leben und Wohnen in einer Bibliothek natürlich auch. Ich tue das umgeben von meinen Bücherstößen und wenn ich nachts einmal nicht schlafen kann, überlege ich, was ich als nächstes lesen könnte und um auf mein Bibliotheksgespenst zurückzukommen.

Da weiß ich inzwischen schon ein bißchen besser, was das sein kann,  was der Sinn des Ganzen ist und was es mit dem Titel “Vor dem Frühstück kennt dich keiner”, zu tun hat, weiß ich inzwischen auch, beziehungsweise muß ich das, bei der Schlußszene vielleicht noch ein bißchen herausarbeiten.

Und wem es interessiert, ich lese derzeit ein sehr altes Buch, einen Fund aus dem offenen Bücherschrank, nämlich Ferdinand Kögls “Bildnis einer Verschollenen”, ein, wie ich vorlaut motzen würde, sehr seichter Unterhaltungsroman, heute würde das wohl nicht mehr durchgehen und dann kommt etwas aus dem fröhlichen Wohnzimmer an die Reihe. Die ersten Rezensionsexemplare aus der Frühjahrsproduktion sollten auch bald kommen und weil ich mir ja vorgenommen habe, heuer angesichts meiner schon wartendenden Bücher auf der Leseliste sowenig, wie möglich Neues zu bestellen, werde ich das “Unnütze Bremerwissen” aus dem “Holzbaumverlag” auslassen, obwohl der Bremer Literaturpreis ja bald vergeben wird, den, das kann ich auch gleich flüstern, heuer Terezia Mora und Senthuran Varatharajah, den ich vom Bachmannpreislesen kenne, bekommen werden.