Noch einmal Oberösterreich

Die oberösterreichische Literatur ist in letzter Zeit in Wien sehr oft zur Geltung gekommen und zwar hat es schon vorigen Donnerstag im “Werkl am Goethehof” begonnen, wo Judith Gruber-Rizy Franz Kain vorstellte.

Weiter ging es am Dienstag im Literaturhaus mit “Oberösterreich erforschen” präsentiert von Helmut Rizy und daraufhin habe ich mich entschlossen, diesen Donnerstag in die “Alte Schmiede” und nicht in die “Gesellschaft für Literatur”, wie ich es eigentlich plantem zu gehen, denn dort präsentierte sich in der “Literatur als Zeit-Schrift-Reihe”, die oberösterreichische Zeitschrift “Rampe” in der ich, lang lang ists her, auch ein paar Texte hatte.

Inzwischen präsentiere ich ja mich und mein Schreiben fast ausschließlich im Internet und im “Literaturgeflüster”, was, wie ich in der Veranstaltung wieder hören konnte, ja immer noch nicht als sehr literarisch gilt, für mich ist es aber trotzdem eine gute Möglichkeit der Präsentation und ein schönes Archiv und diesbezüglich werde ich gleich einmal nachsehen, wann ich welche Texte in der “Rampe” hatte.

Und zwar hatte ich den “Brief an die Herren der Akademie”, ursprüglich, glaube ich, für den Frauenverlag geschrieben und in St. Pölten einmal gelesen, in der “Rampe” 1/89 und die “Geschichten vom lieben Gott”, die ich auch beim “Sichten und Vernichten Symposium” in Salzburg vortrug, in der “Rampe  2/93”

Das ist lange her, die Belegexemplare liegen noch in Harland und Honorar gab es auch dafür, dreihundert Schilling pro Seite, hörte ich, heute in der “Schmiede”, das war viel Geld und die “Rampe” war damals und vielleicht noch heute eine der wenigen Zeitschriften wo es Honorar gab und geantwortet haben sie auch immer und die Fahnen zur Korrektur geschickt.

Aber ich greife vor, erst stellte Lena Brandauer, die gemeinsam mit Daniel Terkl und Paul Dvorak die Reihe betreut, das Podium vor.

Die Zeitschrift gibt es seit 1975, da war Fritz Lichtenauer mit dem ich auch immer korrespondierte, der Redaktuer, inzwischen wird das von Bernhard Judex erledigt und die Zeitschrift, die glaube, ich gegründet wurde, um die oberösterreichische Literatur zu fördern, gehört heute zum “Adalbert Stifter Institut”.

Früher gab es zwei Hefte pro Jahr, jetzt gibt es vier, eines ist einem Thema gewidmet, eines frei, die beiden anderen sind, glaube ich Themenhefte, die Oberösterreichern bzw. den oberösterreichischen Preisträgern gewidmet sind.

Es wurden aber immer auch nicht Oberösterreicher genommen, das ist auch der Grund, warum ich Texte drinnen hatte und mein erster Text wurde, glaube ich durch Gerald Bisinger vermittelt und der hatte im ersten oder zweiten Heft, das es gab ein sogenanntes “Scheißgedicht”, das hat der Frau Fussenegger, die damals auch im Redaktionsteam saß nicht gefallen, so gab es ihr Dementi und das war alles in Dias zu sehen, die August Bisiner, Gerald Bisingers Sohn, der ja in der “Schmiede” der Techniker ist, an die Wand projezierte.

Denn vor dem Gespräch mit Fritz Lichtenauer stellte Bernhard  Judex die Hefte vor, erzählte, was dazu, sagte, daß es immer Antwortbriefe gab und las auch ein Beispiel eines enttäuschten Autors vor.

Dann wurden zwei Autoren, nämlich  Claudia Bitter und Constantin Göttfert vvorgestellt, die Texte in den neueren Heften drinnen haben und zu ihren Erfahrungen mit der “Rampe” befragt.

Die 1965 in OÖ geborene Claudia Bitter kenne ich, glaube ich, weil sie beim “Siemens Literaturpreis” gewonnen hat und den 1979 geborenen Constantin Göttfert, der in Leipzig studierte, habe ich schon bei einigen Lesungen gehört.

Claudia Bitter hatte öfter Texte in der “Rampe” weil sie auch öfter vom Land OÖ Prämien bekommen hat, sie schickt ihre Texte auch gerne an Zeitschrfiten und schreibt auch extra Texte dafür, Constantin Göffert hat glaube ich erst einen Text und ist meistens auch mit seiner Romanarbeit beschäftigt, so daß er nur hinschickt, wenn er einen passenden Text hat.

Dann wurde noch ein Themenheft präsentiert, nämlich das, das der 1972 in Wels geborene FlorianNeuner über den 1960 in Ried am Innskreis geborenen Christian Steinbacher herausgegeben hat.

Florian Neuner hat schon drei Themenhefte unter anderem eines das Waltraud Seidlhofer gewidmet war, betreut und erzählte etwas über die Arbeit und die Zusammenstellung des Heftes, das man dann am Büchertisch kaufen konnte, dann kam der Autor selber, der einmal den “Wartholz-Literaturpreis” gewonnen hat, aber auch “Heimrad Bäcker Preisträger” ist und sehr experimentell und visuell arbeitet, gab eine wahre Werkschau von sich, worin er die Zeit zurück bis zu den Anfängen seinen Schreibens zurückging und in dem er performte und deklamierte auch seine anderen Bücher vorstellte.

Ein sehr interessanter Abend, der einen genauen Einblick in die oberösterreichische Literatur und ihre Förderung gab, die so reichhaltig ist, das man nicht alles haben kann, denn während der in Ried am Innkreis geborene Christian Steinbacher seine Anagramme und Zettelgedichte präsentierte, trat in der Hauptbücher der 1958 in Wels geborene und in Ried am Innkreis lebende Dietmar Füssel auf und stellte seinem historischen Roman aus dem alten Ägypten “Wiederholte Geburten” vor, aber den habe ich ja schon gelesen, während ich das bei Christian Steinbachers “Die Treffsicherheit des Lamas”, das noch aus den Büchertumen der Literatur im März stammt, noch immer nicht getan habe.

Zum Glück publiziert Christian Steinbacher aber nicht nur in der “Rampe” sondern auch im “Feribord” und da ist ihm das Heft 24 gewidmet und daraus las er auch ein Stückchen vor.

In der “Zeitschriftenreihe” wurden schon “Literatur und Kritik” und sechzehn andere vorgestellt.

Hans Fallada

Der Name Hans Fallada war mir, glaube ich, immer schon als berühmter deutscher Schriftsteller bekannt, den “Kleinen Mann”, Band eins der “Rororo Taschenbuch Ausgabe”, habe ich, glaube ich, in den offenen Bücherschränken gefunden, sowie den ersten Hans Fallada, den “Blechnapf” den ich gelesen habe und auch nicht sehr viel anfangen konnte, erschien mir das Buch, glaube ich, als sehr umständlich, obwohl ich mich da schon in die “Wikipedia-Biografie” eingelesen habe.

Fallada ist das Pseudonym für Rudolf Dietzen und die Fallada-Bücher habe ich auch, wenn immer ich sie gefunden habe, gesammelt.

So habe ich auch “BBB-Bauern Bonzen und Bomben” gelesen und wohl einen ähnlichen Eindruck, wie beim “Blechnapf” gehabt.

Der “Kleine Mann”, der im vorigen Jahr bei “Aufbau”, die den Autor ja inzwischen unzensiert wieder auflegen, vollkommen herausgekommen ist, habe ich in der alten Ausgabe gelesen und hat mir  besser gefallen.

Das vorige Jahr habe ich dann mit einem Fallada, ich glaube, einen Kauf aus einer Abverkaufskiste einer der beiden Buchhandlungen auf der Wiedner Hauptstraße, die es nicht mehr gibt, begonnen, eines der leichten Unterhaltungsbücher mit denen Hans Fallada, wie ich jetzt weiß, den Krieg überstanden hat.

Ich habe im Vorjahr dank dem “Aufbau-Verlag” aber auch den letzten Fallada “Jeder stirbt für sich allein” gelesen, der dort schon etwas früher unzensuriert erschienen ist und jetzt die Biographie, die der 1965 in Berlin geborene Peter Walther pünktlich nach dem siebzigsten Todestag, geschrieben hat, der in Potsdam das “Brandenburgische Literaturbüro” leitet und Mitbegründer des Literaturportals “literaturport” ist.

Und die kann ich jeden  und vor allem psychologisch Interessierten sehr empfehlen, denn Falladas Lebenslauf, der auf dem ersten Blick wahrschlich unwahrscheinlich klingt ist, glaube ich, ein Paradebeispiel der Bipolarität und der Spaltung und gibt Zeugnis eines sehr bewegten Lebens in einer sehr bewegten Zeit.

1893 wurde er ins Greifswald als Sohn eines höheren Juristen geboren, es gab zwei ältere Schwestern, ein jüngerer Bruder folgte und der kleine Rudolf war in seiner Jugend oft krank, kam hier schon mit dem Morphium, das ihn sein ganzes Leben verfolgen sollte, in Berührung und hatte auch eine durchaus expressionistische Jugend.

So schrieb er an die Eltern einer Jugendfreundin Briefe, in denen er sich und sie eines unsittlichen Verhältlnisses bezichtigte. Es gab auch ein Duell oder einen Doppelselbstmordversuch mit einem Freund, den Dietze überlebte.

So kam er in Sanatorien wurde dort von Arthur Tecklenburg einem Schüler  von Kurt Binswanger, einem berühmten Psychiater und seiner Tante Ada betreut und das erste Buch “Der junge Goedschal-ein Pubertätsroman” ist auch sehr expressionistisch.

Der Herr Landesgerichtsrat fianzierte die Schriftstellerversuche des Sohnes unter der Bedingung, das das Buch, wenn es erscheint, unter einem Pseudonym herauskommt, so wurde der Hans Fallada, weil Rudolf Dietzen Grimms Märchen liebte, geboren.

Nach dem Sanatorium begann er seltsamerweise nicht mit einem Studium, sondern mit einer landwirtschaftlichen Lehre.

Er arbeitete später auch als Buchhalter, wo es zu Unterschlagungen kam, womit er seine Süchte, Alkohol, Morphium, Zigaretten, Schlafmittel, finanzierte.

So macht er die Studien für den Brechnapf, lernt auch seine Suse, das Vorbild für das Lämmchen aus dem “Kleinen Mann” kennen, hatte mir ihr drei Kinder, ein viertes ist gestorben, lernt Ernst Rowohlt kennen und hat mit dem “Kleinen Mann” einen Welterfolg.

Es kommen noch andere Romane, einer “Wolf unter  Wölfen” auch im Schrank gefunden, wartet noch auf meiner Leseliste, das Gefängnistagebuch von 1944 “In meinem fremden Land” wurde auch bei “Aufbau” neu herausgegeben und ist gerade zu mir gekommen und als der Krieg kam, lebte Dietzen mit seiner Familie, später auch mit seiner Mutter, in Carwitz, das ist ein Mustergut, wo er mit den verschiedenen Haustöchtern verschiedene Verhältnisse hat, Unterhaltungsromae schreibt, aber weil wegen seiner Süchte und Tobsuchtsanfälle wehruntauglich auf eine Tour durch  zu den Reichsdiensten ins besetzte Frankreich geschickt wird, wo es ihm sehr gut gefällt und er auch lobende Berichte schreibt.

Er kommt aber auch wieder in die Psychiatrie oder in ein NS-Gefängnis, denn er schießt auf Suse und dort schreibt er, was ebenfalls  unglaublich klingt einen Bericht gegen das NS-Regime.

E schreibt aber auch einen nichtantisemitischen semitischen Roman, der nie erscheint, wird nach dem Krieg, die Ehe mit Suse wurde geschieden, er hat sehr bald eine ebenfalls süchtige junge Frau namens Ulla wieder geheireirat, für kurze Zeit Bürgermeister, wird von Johannes R. Becher, dem DDR Kulturministier, protegiert und dazu veranlaßt “Jeder stirbt für sich allein” zu schreiben und stirbt  1947 an einer Überdosierung in einem Krankenhaus.

Sehr interessant, sehr widersprüchlich und sicherlich empfehlenswert sich mit der unzensurierten Fallada- Gesamtausgabe zu beschäftigen. Ich werde aber auch die alten Bücher, so weit vorhanden, lesen.

“Zwei Lämmchen weiß wie Schnee” und “Die Stunde eh du schlafen gehtst”, warten da noch auf mich.

Aber auch einige andere Fallada Bücher, wie beispielsweise “Der Trinker”, Fallada hat ja sehr viel aus seinem persönlich Erlebten geschöpft, würde ich  gern lesen und freue mich, wenn ich dazu komme.

Eine Art Biografie “Damals bei uns daheim” hat er auch geschrieben und ein Buch “Wir hatten mal ein Kind”, wo der Tod der verstorbenen Tochter verarbeitet wird.