Rohtext fertig

Ich habe es ja schon gestern kurz angedeutet mit dem Rohtext von “Vor dem Frühstück kennt dich keiner” bin ich jetzt fertig, 93 Seiten, 44 Szenen und ein kurzer Epilog, derzeit 45 766 Worte, weil ich vorhin noch ein paar Zeilen angefügt habe, um den Titel, der mir einmal so spontan eingefallen ist, als ich noch gar nichts hatte und lange eigentlich nicht wußte, wie er zu meiner depressiven Endstationreisenden, beziehungsweise mit meiner Frau, die in einer Bibliothek wohnt, passten könnte.

Dann bin ich aber dabei geblieben und habe gedacht, ich erkläre das in der letzten Doro Szene, denn so könnt es gehen, habe aber gestern darauf vergessen, so daß ich es heute noch anfügte und ich bin wieder einmal nicht zufrieden.

Ich hoffe, es schreibt mir jetzt keiner “Sag ich doch immer, Sie können es nicht!” oder “Gehen Sie doch in ein Schreibseminar!”, aber ich denke schon wieder “Unvollkommen, nicht so geworden, wie es sollte, ich kann es doch nicht, etcetera!”

Natürlich, Freunde, das habe ich jetzt schon begriffen, es ist ein Rohtext und kann, muß, soll entsprechend überarbeitet werden, aber darin war ich ja bisher nie sehr gut und habe es dann meistens doch mehr oder weniger so gelassen, wie es nach dem Rohtext war, wenn ich auch ein paar Monate zum Korrigieren gebraucht habe.

Diesmal bin ich ja sehr schnell von meinen vagen Ideen die ich wahrscheinlich zu Weihnachten hatte, in die Handlung hineingekommen.

Ich bin nicht sicher, ob mir da der Satz “Sie haben nur Fregmente und jedes Kind weiß doch, daß man einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben soll!”, meines Kritiker Ulis geholfen hat, denke aber doch, denn dann ist sehr schnell konkret geworden und ich habe die letzten Wochen geschrieben und geschrieben und die Handlung wuchs auch in meinem Notizbuch und die Lücken wurden immer weniger, vor allem auf vorigen Freitag und Samstag trifft das, glaube ich, besonders zu.

Diese Woche war es dann ein bißchen anders, da habe ich zwar am Mittwoch auch sehr viel geschrieben, da war ich ungefähr an der Stelle, wo die Therese von Salzburg nach Berlin gefahren ist, die Szenen wurden aber immer kürzer, immer flüchtiger, eigentlich mehr ein Handlungsgerüst und als ich dann die wunderbaren Wortschöpfungen des Wilhelm Genazinos in der “Alten Schmiede” hörte, dachte ich, so machst du das auch, du nimmst jetzt dein Rohkonzept und formst zweiundvierzig sprachlich ausgearbeitete Geschichten daraus.

Nun gut, bei allen Szenen wird das vielleicht nicht gehen, ein Reiz des Textes ist ja vielleicht auch, daß sich die Handlung von Szene zu Szene beziehungsweise von Beobachtung zu Beobachtung oder aus den SMS, die sich Karo und Tessi hauptsächlich schreiben, ergibt.

Aber die Berlinszenen sind sehr kurz und haben eingentlich keine Handlung, da könnte ich Beobachtungen einfließen lassen, die die Therese beispielsweise im Brecht Haus oder auch im Bus macht. Da habe ich ja auf der Reise nach Belgrad einiges, wenn auch die Gespräche mit der bosnischen Frau und dem Chauffeur, Mirko, glaube ich, heißt er· vielleicht nicht so etwas unbedingt Neues ist oder etwas, was in meinen früheren Sachen auch vorkommt.

Die Aktion in Graz, das Werfen mit der Scheiße auf die Aktionkunst ist dagegen sehr konkret und da habe ich die Szenenentwicklung beim Schreiben auch sehr spannend gefunden.

Eine tolle Idee, das Gerüst sprachlich so auszuarbeiten, daß mir “Fischer” oder “Suhrkamp” schreiben: “Unbedingt!” machen wir!”

Daß das vielleicht dann doch nicht so einfach ist, habe ich gemerkt, als ich mir meine Szenenfragmente durchgelesen, beziehungsweise den Rohtext gestern fertig geschrieben habe.

Denn da ist wirklich vieles noch nicht fertig und es passt auch einiges noch nicht zusammen. Zwar habe ich jetzt eine Lösung dafür gefunden, daß die Handlung eigentlich so um den zwanzigsten Dezember fertig ist, die Bundespräsidentenangelobung aber erst ein Monat später stattfindet. Das wird in einem Epilog angedeutet. Der ist zwar sehr kurz, aber die Sophie sagt, dem Fabi, den sie  in ein Cafe mitnimmt “Du bist eine Figur in einem Roman einer Freundin meiner Schwester!”, das ist, glaube ich, ganz gut.

Aber, daß die Doro sich vor der Karo versteckt, beziehungsweise sich mit ihrer Tiefkühltasche Samstagabend an ihr vorbeidrückt, das ist schon auf Seite 80 und dann zehn Seiten später, nach dem sie Montagfrüh das Hinterzimmer verläßt, fröhlich mit dem Schlüßel auf das Dach hinaufgeht und “Hallo Karo, ich bin fertig!”, sagt, ist wahrscheinlich viel zu schnell, das müßte noch genauer ausgearbeitet werden und ich sollte dazu kommen, das zu können.

Solche Unklarheiten gibt es mehrere, die Tage stimmen immer noch nicht so ganz, denn die Doro ist schon in der Bibliothek am Samstag und am Sonntag und kommt das Montag früh aufs Dach, der Anschlag in Berlin war aber erst am Montagabend. Da werde ich mich vielleicht ein bißchen durchschummeln müssen und es ist auch die Frage, ob es wirklich so konkret sein muß und eigentlich das Ganze  auch ein Roman, den die Dorothea schreibt, auch wenn der mit der Wirklichkeit sehr verwoben ist und aus dem besteht, was die Tessi, der Karo SMSst beziehungsweise die Sophie mit dem Fabi erlebt.

Das gefällt mir ganz gut, könnte mir aber vorstellen, daß die Leser schreien “Das ist viel zu banal, da passiert doch nichts! Das habe ich schon auf Seite eins durchschaut!”, wenn ich auch denke, daß es vielleicht mein Stil ist, aber  natürlich noch  ausgearbeitet werden sollte.

Soweit bin ich jetzt, beziehungsweise war ich das schon heute früh nach dem Aufwachen und wollte diesen Artikel eigentlich auch schon zu diesem Zeitpunkt schreiben.

Dann dachte ich aber, da ich ja schon gestern geschrieben habe, daß ich fertig bin, ich brauche den Artikel gar nicht,  und habe gemerkt, daß ich gedtrödelt habe und getrödelt und der innere Widerstand mir sagte, ich will nicht zu bearbeiten anfangen und will mir auch meine sprachlich unvollkommenen dahingeschludderten Rohseiten, nicht ansehen.

Dann habe ich mir Booktube Videos angeschaut, auf die ich in den letzten Tagen gekommen bin. Und, daß die interessant sind, daran gibt es keinen Zweifel und da gibt es ja inzwischen schon sehr viele meist junge Frauen und eigentlich fast keine Männer, die ein Buch hochhalten und was ich, weil es mich ja auch betrifft und mich die letzten Tage neben meines Schreibens beschäftigte, erzählen, wie sie es mit ihrem Sub so halten.

Und mein SUB ist ja, glaube ich, besonders hoch, weil ich schon über vierzig Jahre sammle und jetzt habe ich mir die Zahl der Bücher ausgerechnet, die von den Frühahrsvorschauen zu mir kommen werden, das werden etwa zwanzig sein, achtzig alte habe ich auf meiner neuen Leseliste, wenn ich wieder Buchpreisblogge was ich ja eigentlich will, kommen nochmals so zwischen dreißig und fünfunddreißig Bücher dazu und dann dürfte ich eigentlich keine neuen Bücher mehr annehmen und wenn ich was Tolle in den offenen Bücherschränken finde, wie beispielsweise vor ein paar Tagen Sabine Grubers “Dalvadossi” dann weiß ich eigentlich gar nicht, wann ich das lesen werde?

Das sind Luxusprobleme und eigenlich nicht wirklich solche, denn dann lese ich halt den alten Arno Geiger oder den alten Kehlmann nicht, ist auch nicht wirklich schlimm, weil es ja egal ist, ob ich das Buch jetzt in meinem Regal habe oder ob es nur in der Buchhandlung steht, wo ich es auch nicht lese.

Also spannend diese Videos und vielleicht auch noch ganz besonders, weil es unter diesen jungen Frauen auch eine Konkurrenz zu geben scheint, die aber nur angedeutet wird, was ja dann noch besonders neugierig macht, so daß man zu suchen anfängt, ob man vielleicht nicht was darüber findet.

Es ist wahrscheinlich das alte Thema, das andere Bloger oder Vlogger angeblich so viel schlechter sind oder das mit den Rezensionsexemplaren, was ich noch immer nicht verstehe, daß das so viel Unruhe macht, weil ich seit ich Buchpreisblogge mich über die Anfragen nicht beklagen kann.

Aber mehr, als daß ich die Bücher dann lese und nicht zu meinen auf der Liste komme, kann ja nicht passieren. Und  das tue ich auch mehr oder weniger gehetzt, merke aber auch, daß manchen Bloggern meine etwas schlampige Art und mein Spoilern oder vielleicht auch das Buchpreisbloggen vielleicht nicht so gefallen dürfte und mir auf meine Kommentare meist nicht antworten.

Das ist aber auch kein Problem, weil ich es, wie das Schreiben für mich selber tue und ich eher die Gefahr sehe, vor lauter Videos anschauen, nicht zum Korrigieren zu kommen.

Da gibt es aber auch die Schreibschulregel, daß man den Rohtext erst einmal liegen lassen soll, bevor man ihn überarbeitet. Also brauche ich das Trödeln wohl, wenn es überschaubar ist, denn ich muß mich ja selber herausholen, weil es sonst  keiner tut.

Also habe ich mir gedacht, ich schaue mir ruhig ein paar der interessanten Videos an, wenn ich weiß, was ich anschließend tue.

Eine Hilfe ist wahrscheinlich auch dieser Artikel, auch wenn ich ihn nur alleine lese. Dann werde ich mein Notizbuch noch einmal hernehmen und mir vielleicht anmerken, was ich jetzt  verändern muß und dann wahrscheinlich, weil ich es das erste Mal zwischen Weihnachten und Silvester nur sehr oberflächlich tat, beziehungsweise irgendwann statt zu lesen nur mehr überflogen habe, die “Viertagebuchfrau” nochmals hernehmen. Denn die kommt vor in dem Text, die Doro schreibt  eine Fortsetzung, beziehungsweise liest sie darin und das gehört auch noch besser ausgearbeitet.

Und dann ab morgen, das Rohkonzept durchgehen und schauen, wieviel ich es verändern kann oder muß, daß vielleicht doch ein brauchbarer Roman herauskommt.

Da habe ich vielleicht einige Leser, die jetzt schreien “Sie können das ohnehin nicht!” und da antworte ich vorsichtig “Da bin ich mir nicht so sicher!”

Denn ich habe gestern ein Buch angeboten bekommen, in dem es um eine Frau geht, die nach einer Krebsdiagnose einen Bus kauft und damit durch die Welt fährt und damit ihr Leben  verändert und das ist in einem Publikumsverlag erscheinen und da habe ich ja einige Bücher, wo es um dasselbe geht.

Ich zitiere mal die “Dreizehn Kapitel”, “Und Trotzdem”, “Im Namen des Vaters”

Um einen blauen Bus geht es auch in der Kroatiengeschichte, allerdings um keinen Krebs, aber den haben die Helga Schwarz in “Und Trotzdem” und die fährt ihm mit dem Rad die Donau hinauf oder hinunter jedenfalls bis ans schwarze Meer, davon, während sich die Veronika Sieberer einfach nicht behandeln lasse.

Wenn ich  davon ausgehe, daß meine Bücher einfach noch nicht genügend überarbeitet sind, weil ich sie immer  zu schnell beendet habe, könnte ich da jetzt lernen, wie das die anderen machen, um ihren Roman zu einem großen Verlag zu bringen, denn die Themen oder das Handlungsgerüst ist ja offenbar da.

Also wird es vielleicht doch an der Grammatik und an der Sprache liegen. Mal sehen, vielleicht bekomme ich den Knick noch einmal heraus, denn so blöd, daß ausgerechnet ich es nicht kann und immer ganz unten bleiben, bin ich ja wirklich nicht und wenn es mir gelingt aus dem Rohgerüst vielleicht doch einen brauchbaren Roman zu machen, wäre dassehr schön.

Ein Problem habe ich vielleicht trotzdem noch, das ist, daß ich ja sehr dicht am aktuellen Geschehen bin, kommt ja beispielsweise nicht nur die Bundespräsidentenwahl sondern sogar der Anschlag in Berlin vor und davor wird ja auch immer abgeraten, zu aktuell zu sein, obwohl Marlene Streeuweitz, deren Wahlroman ich zur Einstimmung gelesen habe, das auch so macht und der Hans Fallada war ja, wie in seiner Biografie gelesen habe, sogar so aktuell, daß er in einem Nazi Gefängnis seinen Unmut über das dritte Reich aufschrieb, also kann man eigentlich über alles schreiben.

Sprachlich besser werden, kann aber nicht schaden und auf den Blog ein bißchen neugierig auf mein Schreiben zu machen, so daß sich, wenn ich dann die Vorschau habe, vielleicht doch einmal einer auf mein Gewinnspiel reagiert, wäre auch sehr schön.

Das wird aber noch ein bißchen dauern, bis ich da soweit bin, vorher kommt  noch die Vorschau zu “Claire-Klara-Clarisse” heraus, das der Alfred gerade korrigiert.

Nachrichten aus der Normopathie

“Nachrichten aus der Normopathie-Essays zum Zeitgeschehen” – Am 11. 2. 2014, also fast vor zwei Jahren ist der 1944 geborene Kommunist, Volksstimmejournalist und Literaturwissenschaftler Lutz Holzinger gestorben und der 1953 geborene Autor und GAV-Mitglied Gerald Grassl, Mitglied des Werkkreises “Literatur der Arbeitswelt”, der auch die “Edition Tarantl”, herausgibt hat es sich zur Aufgabe gemacht, sein Werk zu verlegen.

Die literarischen Arbeiten “Ein kurzer Sommer der Literatur” sind schon erschienen und wurden von mir auch besprochen, da Gerald Grassl mit dem ich regelmäßig am Volksstimmefest lese und ihn auch so auf diversen Veranstaltungen sehe, so freundlich ist, mir manchmal seine Publikationen zu geben.

In Band zwei geht es, um die gesellschaftlichen Arbeiten des Volksstimmeredakteurs, der im “Neuen Forum” angefangen und dann später, als es Volksstimme nicht mehr täglich gab, auch in der Obdachlosenzeitschrift “Augustin” publizierte.

Es gibt ein Vorwort von Gerald Grassl in dem er auf den interessanten Umstand aufmerksam macht, daß der Literaturwissenschaftler und Intellektuelle im Laufe der Zeit immer verständlicher wurde: “Lutz entwickelte im Laufe der Jahre eine Meisterschaft, komplizierte und komplexe wirschaftliche/politische Themen leicht lesbar aufzubereiten (ohne jedoch “volksdümmlich” zu werden”, schreibt Gerald Grassl, und das ist, glaube ich, ein sehr wichtiger Aspekt bei dem ich auch im “Literaturgeflüster” nicht umhin komme, mich damit zu beschäftigten, denn was hat man schon von Texten über die “Lohnarbeit und das Kapital”, wenn die Arbeiter, für sie ja geschrieben waren, sie nicht lesen, weil sie es einfach nicht verstehen.

Grassl führt noch ein Beispiel an, so hat er Lutz Holzinger einam gefragt : Kann heute noch von “der führenden Rolle der Arbeiterklasse gesprochen werden? DIE ARBEITER sind doch nur mehr eine kleine Schicht, die täglich kleiner werden. – Geh einmal zu meinem Stammwirt und höre ihnen zu – die meisten sind Mitglieder der SPÖ und wählen wahrscheinlich den Haider…”

Lutz Holzinger hat gelächelt und “Wer hat dein Frühstücksbrot gemacht, wer hat es verkauft, wer hat das Haus gebaut, in dem du wohnst? Wenn du mit Fertigbaumöbleln eingerichtet sein solltest, wer hat die Rohteile zugeschnitten und wer hat die Verpackung hergestellt? Dieses Problem hat bereits Karl Marx erkannt. … Und zur Unfreundlichkeit von Arbeitern am Morgen: Gehst du jeden Tag gut gelaunt in die Hackn?”

Das war wohl schon in der leicht lesbaren Zeit des Autors, die in dem Buch abgedruckten Texte stammen von 1973 bis 1995, denn zuerst kommen wirklich zwei Beispiele, der schwer verständlichen theoretischen Arbeiten, zu denen man wohl, wie Gerarld Grassl ebenfalls anmerkt und manchal auch eine “Wikipedia-Erklärung”, die es in den Siebzigerjahren noch nicht gab, daneben stellt, ein Wörterbuch braucht, um den Inhalt zu verstehen.

Dann wird es aber schon bald konkreter, wenn es um den “Konsumterror – zur Ästhetisierung des Marktes” geht, das ist ein Artikel aus dem “Neuen Forum” von 1972 und hat zugegeben auch keinen sehr verständlichen Titel. Es geht aber um den Konsum und die Werbung und da habe ich einige sehr interessante Aspekte dabei gefunden.

Schreibt Holzinger doch sehr genau, daß es für den Markt nicht reicht, einfach Mehl zu verkaufen und zu vertrauen, daß die Hausfrauen, schon zwischen “glatt und griffig” unterscheiden können und sich für ihre Speisen, die richtigen Sorten holen.

Nein, bei der Waschmittelindustrie wird zwischen “Persil”, “Omo”, “Weißer Riese” etcetera unterschieden, man kauft das Produkt, die Marke und dazu noch Statuszugehörigkeit, Glückseligkeit etcerta und weil der Preis ja stimmen muß werden die Angestellten eingespart, es boomt der Selbstbeidenungsladen, wo man zwar die angebliche Freiheit hat sich frei zwischen hundertzwanzig Joghurtsorten entscheiden zu können, in Wirklichkeit aber von der Werbung gesteurt wird und wenn auch das noch zu teuer ist, wird auf den Versandhandel ausgewichen. Da füllt man einen Bestellschein aus und einige Tage später bringt der Briefträger das Nachahmepaket und man hat den Laden eingespart.

Ja natürlich, der Text wurde 1972 geschrieben, wo es noch keinen Internethandel und noch Briefträger gegeben hat und das ist ja vielleicht das Iinteressante an dem Buch, daß sie die sonst schon vergriffenenen Zeitschriftenartikel zusammensammeln, so daß man ihn ihm, die politischen und gesellschaftlichen Veränderung der letzten vierzig Jahre sehr gut bemerkt.

Dann geht es in den Strafvollzug “Nützliche Verbrecher”, auch ein Artikel aus dem “Neuen Forum”, von 1972 und das ist wahrscheinlich vor oder zwischen der großen österreichischen Strafreform und wieder ist inzwischen alles anders, aber einiges daraus nachzulesen ist durchaus interessant und kann nostalgische Gefühle wecken.

Holzinger ist dazu auch in die großen österreichischen Strafanstalten gegangen und hat deren Leiter interviewt, die 1972 oder noch früher betonten, wie wichtig Sauberkeit und Ordnung ist, aber schon wußten, daß man für das Geld das man für zwei Gefangene kosten, fünf Bewährungshelfer einstellen kann, die dann fünfnhundert Leute betreuen.

Es gibt eine Statistik der Straftäter und einer der Leiter bedauert, daß es die Reform des Paragraphen 144 noch nicht gab, so hatte er nämlich einige Kindsmörderinnen einsitzen, arme Mädels vom Land, die dann regelmäßig zu weinen beginnen, wenn kleine Kinder auf Besuch in das Gefängnis kamen.

Interessant dazu vor Weihnachten habe ich eine Reportage in Ö1 zur heutigen Gefängnissituation gehört und wie traurig es für die Gefangenen ist, beim großen Fest nicht bei ihren Verwandten zu sein, wo ich mir dachte, ob es keine Besuchzeiten gibt, womit man dieses Problem ja verringern könnte, aber viele Gefangene haben wohl keine Verwandten, Freunde dürfen vielleicht nicht hinein und die Alternative mit der Fußfessenl von der ich zwar nicht weiß, ob sie ein Segen ist, gibt es heute auch, 1970 hat es sie wohl noch nicht gegeben.

Es geht dann weiter mit Artikeln zur Geldwäsche, mehrere zum Konsumverhalten von Arbeitern, solchen zur Kaufsucht, Konsumsucht nennt Lutz Holtzinger dieses Problem und ganz besonders interessant, einen über den fünften Bezirk und insbesondere zur Reinprechtsdorferstraße, wo es ja eine Zeitlang sehr viele und immer mehr Wettbüros gegeben hat, die den Arbeitern und auch Arbeitslosen das Geld aus der Tasche zogen.

Der Artikel ist aus dem “Augustin”, der Obdachlosenzeitung von 2012 und da war ich ja einmal bei einem “Augustin-Flohmarkt”, wo auch eine Proklamationen beziehunsweise eine Repbulik dagegen ausgerufen wurde. jetzt hat sich das Bild und die Anzahl der Wettbüro glaube ich wieder etwas verändert, die Billiggeschäfte gibt es aber immer noch in dieser Gegend.

Einen Artikel zur Geschichte der Armut, illustriert von Bildern von Pieter Breugel des Älteren gibt es auch und ganz besonders lang, so daß ich bekennen mußt, daß ich ihm nicht ganz gelesen, sondern eher nur überflogen habe, ist der Artikel zur Geschichte der KPÖ, beziehungsweise zur Geschichte Österreichs im zwanzigsten Jahrhunderts “Befreiung wovon und wofür”, der auch mit zahlreichen Illustrationen versehen ist und als Broschüre vom Bundesvorstand der KPÖ im April 1995 herausgegeben wurde.

Ein interessantes Buch, das ich den an der linken österreichischen Zeitgeschichte interessierten, sowie allen Lutz Holzinger Fans sehr empfehlen kann.