Nancy Cunard

Zu Beginn der Zweitausendzwanziger Jahre kommen die Bücher, die Biographien der Neunzehnhundertzanzigerjahre beschreibenl. Das hat im Vorjahr damit angefangen, als mir fünf Bücher von Frauen aus dieser Zeit angeboten wurden, vier davon habe ich gelesen und jetzt geht es weiter mit dem Jahrneunzehnhundertzwanzig und Unda Hörner, die “Die Frauen um Babylon” geschrieben hat. Da ging es um Deutschland, jetzt geht die 1961 in Kaiserslautnern geborene Unda Hörner, nach England, beziehungsweise nach Paris, um sich da mit der exzentrischen Reedertochter Nancy Cunard beschäftigt, die 1996 in Leicestershire geboren wurde und 1965 gestorben ist.

Sie hatte schon einmal eine ezentrische Mutter, die um, in die höchsten Kreise zu gelangen von Amerika nach England ging,so daß ihre Tochter dort in einen Schloß geboren wurde. Die Mutter war viel auf Reisen. die Tochter wurde von Bediensteten aufgezogen, wurde dann auch nach Paris geschickt,um dort zu lernen, eine gute Ehefrau zu werden. Sie heiratete dann sehr jung einen Offizier, die bald zur Trennung führte. Nancy Cunard begann sich bald mit Literatur zu beschäftigen, schrieb eine Zeitlang Gedichte, bevor sie in den Zwanzigerjahren nach Paris zog und dort mit ihren kurzen Haaren und den vielen Armreifen, siehe das Coverbild und schloß sich dort den Surrealisen an, lernte Andre Breton, Tristan Tzara Louis Aragon und noch einige andere Größen kennen.

1925 stirbt der Vater und hinterläßt der Tochter das Erbe. Die gründet damit einen Verlag “Die hours-press”, wo sie ihre surrealistischen Freunde verlegt und und ein Lyrik-Preisausschreibung ausschreibt. Es kommen lauter mittelmäßige Gedichte, uje uje, zum Glück liegt dann am Morgen als die Ausschreibungbeendet ist, ein Poem von Samuel Beckett auf der Türschwelle, den Nancy Cunard dami tentdeckt. Der Verlag kann die Vielseitige aber nicht so lange begeistern. Neue Interessen tauchen auf und von Louis Aragon hat sie sich auch schon getrennt. In Venedig lernt sie den afroamerikanischen Jazzpianisten Henry Crowders kennen und erregt damit nicht nur die Pariser Gemüter, wird aber damit auch zur “Black Lives Matter-Iikone oder Vorläuferin, will mit ihm nach Afrika. Sie trägt ja ständig afrikanischen Armreifen. Henry rät ihr aber ab. So reist sie mit ihm nach new York und dann nach London zu ihrer mutter, die von ihrem neuen Freund auch entsetzt ist. Sie schreibt einen Artikel “Black man an white Ladyship”, der von der Öffentlicheit ehr als Tochter Mutter Konflikt und daher nicht so ernst genommen wird.

Eine “Negro-Anthologie”, ja so hieß das damals noch, wird auch herausgegeben. Dann kommt der spanische Bürgerkrieg. Nancy Conard reist dorthin und gibt dann auch eine Anthologie heraus, um die Kämpfer zu unterstützen. Von Henry Crowder hat sie sich schon getrennt und als Hitler in Wien einmarschiert, wundern sich die Freunde, daß sie sich nicht so sehr dafür interessiert. Sie reist stattdessen zu Pablo Neruda nach Chile, kommt nach dem Krieg der ja alles auspowert nur unter Schwiergkeiten, zuerst, nach London, dann nach Paris zurück, wo sie das Haus am Land, wo sich derVerlag zuerst befand zerstört vorfand.

Die Verlegerin und exentrische Avantgardistin ist auch zerstört. Es gibt zwar noch zwei Biografien über zwei verstorbenen Freunde, Gedichte beginnt sie auch wieder zu schreiben. Sie fängt aber zu trinken an, es gibt einen jüngeren Liebhaber, der sie auch verkäßt und am Schluß, das sind schon die Sechzigerjahre, die Existenzialliste Camus und Satre scheinen Cunard auch nicht so sehr zu interessen, erleidet sie nach einem Sturz einen Schenkelhalsbruch, beginnt zu toben und zu schreien, bis sie schließlich 1965 in einem Pariser Hospital stirbt und Nancy Cunard ist zumindestens für mich bisher unbekannt gewesen ist.

Ein interessantes Buch schreibe ich also wieder, danke den Autoren, die jetzt die berühmten Frauen der Neunzenhundertzwanzigerjahren entdecken, die wie man ja an diesem Beispiel deutlich sieht, hinter den Männer verschwinden und sich, wenn sie so exzentrisch und selbstbewußt wie Nanc Cunard sind, in Psychiatrien verschwinden oder Alkoholexzessen verfallen und natürlich waren es die materiell gut gestellten, gebildeten Frauen, die solches überhaupt schaffen konnten.

Ja, das Leben ist ungerecht, das merkt man auch diesmal wieder und ein Buch über Gertrude Steinvon ihrer berühmten Biografin Alice B. Toklas, die, glaube ich, auch mit der Verlegerin bekannt waren, steht auch noch auf meiner Leseliste.

Der Weltreporter

Ich will ja, wie ich immer schreibe, einen utopischen Roman über Corona schreiben, sowas, wie1984 schwebt mir da wohl vor und habe es auch schon dreimal versucht. Die Ergebnisse werden wohl wieder ziemlich unbemerkt bleiben und ich bin auch nicht ganz sicher, ob man das kann, wenn man so mitten in einer Sache steckt und das Ende nicht sieht.

Andere Autoren können es und tun es wohl auch wahrscheinlich und so ist jetzt Hannes Steins “Der Weltreporter – Ein Roman in zwölf Reisen” zu mir gekommen und der ist in vieler Weise interessant.

Bei “Amazon” steht, es ist gar kein solcher, sondern zwölf phantastische Reisegeschichten, die, weil der Verlag es so wollte, in eine Rahmenhandlung hineingefügt wurde und dann gibt es noch einige andere interessante Aspekte, bevor ich ins Detail gehe.

Nämlich schonmal das Vorwort, wo Hannes Stein schwört, daß es kein Covid-Roman ist, denn das Manuskript war schon im Jänner 2020 fertig und da hatte man das Wort gerade erst einmal gehört. Dann geht es um das Lügen und da gibt es sowohl die Relotius-Geschichte, die von dem Reporter, der Preise für Reportagen bekommen hat, die er sich selbst ausdachte. Tom Kummer hat auch so eine Geschiche und Daniel Kehlmann, der jetzt mit den Allgorithmen schreibt, hat ja in “F,” glaube ich, behaupet, daß alle Schriftsteller lügen. Da kann man viel darüber nachdenken, wie das gemeint ist, denn natürlich lügen sie nicht. Sie denken sich was aus und lernen in Schreibseminaren, daß sie übertreiben müßen,um gut zu sein und die Geschichte,daß jeder Mensch vier bis achtzigmal oder so am Tag lügt,wird auch in dem Buch erwähnt.

“Nein ich doch nicht!”,wird man da denken. Aber dann sagt man nicht,daß die Suppe versalzen ist, die Freundin schlecht ausschaut, der Partneraus dem Mund riecht und mit all dem hat sich, glaube ich, der1965 in München geborene in Salzburg geborenen Weltreporter Hannes Stein, der jetzt, glaube ich, in New York lebt, beschäftigt, von dem ich schon “Nach uns die Pinguine” gelesen habe.

Ich habe auch ein Gespräch zwischen Hannes Stein und einem Literaurhausleiter, glaube ich, über das Buch per stream verfolgt und ich kann sagen und das hat auch Hannes Stein so angesprochen, es ist nach einem ziemlich konventionellen Muster gestrickt.

Eine junge Studentin namensJulia trifft in einer Hotelbar einen alternden Journalisten Bodo von Unruh, der in einem berühmten Journal arbeitet und der tischt ihr zwölf phantastische Geschichten auf.

Nein, stimmt so nicht. Die Geschichten sind ja, wie schon geoutet, in die Rahmenhandlung eingefügt und zu der kommt noch dazu, daß das Ganze in einer Pandemie spielt. Es ist nicht Covid schwört Hannes Stein in seinem Vorwort. Aber man kommt in die Hotelbar nur hinein, wenn man über einen Immunitätsausweise verfügt. Die Beiden verfügen über einen solchen. Julia, die Philosophie studiert und sich vor allem mit griechischen Philosophen beschäftigt, hat den Kontakt zu ihrer Familie darüber verloren und fährt jetzt Taxi. Sie geht mit dem alternden Reporter Bodovon<unruhgleich ins Bett. Ja, dastun die modernen Frauen. Ihr fällt an ihm einestarke Bräune auf.

“Ja, ich war in den letzten drei Monaten in Braislien!” sagt er. Dann entfällt seiner Briefkasrte ein Abo eines Solariums. Julia denkt sich nichts dabei und die erste Geschichte, daß es im brasilianische Urwald eine Münchner Räterepublik gibt, die eine Mischung zwischen Monarchie und Sozialsmus ist und der Ludwig VII, der dort herrscht, ist ein Schwarzer.

Dann sitzt Julia in der Vorlesung. Da kann man auch nur mit Ausweis oder zu bestimmten Zeiten hinein, Bodo schickt ein SMS und lädt sie zum Essen ein. Das wird mit den bestsen Küchenutensilien hergestellt, schmeckt aber so scheußlich, daß sie dann Pizza bestellen und die nächste Geschichte führt in ein Restaurant am Rande der Welt, das “the fobidden pleasures” heißt. Wenn man dort hinwill muß man nicht nur hundertfünfzigtausend Dollarzahlen, sondern auch unterschreiben, daß man freiwillig will und allen Aufforderungen folgen muß. Dann wird man narkotisiert, bevor man hingefahren wird. Dann kommt man zu einem Container,wo ein paar Vips sitzen und Blechgeschirre serviert bekommen. Auf der Menukarte steht “Mehlwurmcockt”ail” “lauwarmes Vogelnest”, Fliegenpilzrisotto”etcetera. Alles serviert mit köstlichen Weinen und alles schmeckt auch köstlich,obwohl man sich da zuerst überwinden muß. AmSchluß kommt noch das “Fünferlei vom Langschwein”, der Koch liegt in seinem Blut und man kann darüber nachdenken, wie das mit dem Essen so ist, wieso manche Menschen kein Schweinefleisch essen und die Chinesen angeblich Hunde als Delikatessen verspeisen.

Julia lernt auf ihren Taxifahrten eine alte Italienerin namens Graziella Brunesci kennen, die ein Detektivbüro führt und sie nach der Wahrheit fragt und die dritte Geschichte führt uns nach Sibiren,beziehungsweise in den Staat Utopia, der hinter einer verborgnen Mauer liegt, wo die Menschen ein Schlaffaffenleben führen,es fliegende Autos gibt,die Babies aber, wenn sie die Wahrscheinlicheit haben, später krank zu werden auf Euthansanaaiestationen kommen.

Dann gehts nach England und zu der Erkenntnis, daß Shakespearre eine Frau war und während Bodo nach Afghanistan fährt und dort in der “Eidgenossenschaft in Neu-Bern gekidnappt wird, fängt Julia etwas mit einem afghanischen Studenten namens Achmed an.

Dann geht es nach Israel nach Hebron, denn Bodo will eine schwarze jüdische lesbische Bestellerautorin, deren Name Yael Maerisira ist, die im Rollstuhl sitzt, faschischte Ansichten hat und sich einen Diktator für Israel wünscht, interwieven.

Nach Deutschland zurückgekommen lädt er Julia und ihre Freunin Renate in ein Spitzenrestaruant ein, die orangen Ausweise zeigen, Renate wird in der Nase gebohrt, nein, das konnte Hannes Stein wahrscheinlich nicht im Jänner letzten Jahres wissen und Julia möchte endlich den Fotografen ihres Freundes, der ihn auf allen seinen Reisen beleitet, Jacques Lacoste , der ihn auf allen seinen Reisen begleitet, kennenernen. Er kommt aber nicht, schickt stattdessen ein SMS, daß er nach Amerika muß und Bodo ihm nachfolgen soll. Das führt zu einem Streit zwischen ihm und Renate und eine Diskussion über “Sinbad dem Seefahrer”, die Julia offenbar noch mehr die Augen öffnen soll.

Die Reportage über Amerika wird offenbar in der Zukunft geführt, in der das Buch auch zu spielen scheint, denn der fünfundvierzigste Präsident, ich habe nicht nachgezählt, aber di e Baseballkappe und die Beschreibung stimmt wahrscheinlich, wurde längst abgewählt und vergessen. nur ein kleines indianisches Dorf hält ihm noch die Treue und dann steht Julia mit ihrem Taxi Epiket lesend vor einem Sexcluc namens “Aphrodite” und wänd sie noch über die Freiheiten, die der Mensch hat nachdenkt, steigt einer ein, der Bodo verdächtig ähnlich sieht. Aber der ist doch in Indien. Es kommt zu einer Verfolgungsjagd, wo Bodos Nachbarin Julia droht, die Polizei zu holen, während sie ihm mit “Mistkäfer und ungeputztes Arschloch!”, beschimpft.r

Bodo berichtet dagegen aus einem Aschram, wo der Guru seinen Schülern den “traszendentalen Orgasmus”beibringt, das heißt, er kann seine Schüler lehren, eine Frau in einem Bus oder in einem Hörsaal dahin zu bringen, also eine ganz schöne Männerfiktion, könnte man so sagen und als Julia den Zurückgekommenen zur Redre stellt, erzählt er ihr von einem Doppelgänger.

Das hat die Detektivin Julia auch einmal erzählt. Die nächste Reportage handelt von der Besteigung des Mount Everest. Dort erlebt der Held in seinen Fieberträumen offenbar eine Begegnung mit dem Yeti und in eine österreichische Alpenhütte kehrt am Gipfel dann auch noch ein, bevor er zu der bayrischen Burg des ostdeutschen Soziologen Ernst Ablbrecht Hochmeisters aufbricht, der seine Schweinchen Siegfried und Hagen nennt und mit seinen zehn adoptierten indonesischen Kindern wieder an Götz Kubitschek erinnert, obwohl seine Frau eine Polin ist und der sich am Schluß am Blut berauscht.

Julia besucht Bodos Appartement. Dazu hat sie inzwischen den Schlüßel und will endlich in das Appartement des Fotografen eindringen. Die schlaue Studentin knackt den Code. Drinnen ist aberkein Bett , sondern eine Fotoausrüstung, ein Gardarobenständer und eine teure Computeanlage. So schnappt sie die Visitenkarte der Detektivin und ruft diese an. dann geht es in die Oper und danach präsentiert Julia das Ergebnis der Detektivin, man kann alles faken und einen Film darüber bestellen.

Julia beginnt ihn zu erpressen und die vorletzte Reportage kommt aus Australien, da bleibt dann auch der Fotgraf hängen und die letzte Reportage stammt von Julia selbst, denn Bodo hat sogar seinen Immuausweis gefälscht. Er leidet an der Krankheit und stirbt und im Himmel beginnt er dann mit mit Jesus, mohamed, Krisha und wem auch immer zu pokern und seinen Kaffeesud zu lesen, bevor er hinter der geheimnisvollen Tür verschwindet.

Wir bleiben zurück und denken “Wui! Da hat sich einer aber enorm ausgelassen, sowohl Kapitalismus als auch Kommunismuskritik geübt und dabei wahrscheinlich großen Spaß gehabt! Ein grandioser Roman über alles, der, wie offenbar bei Hannes Stein üblich keine Grenzen kennt und jedes Tabu bricht, auch wenn man dabei, was bei Hannes Stein nachweislich nicht der Fall ist, seine Heimatgrenzen nie verlassen hat.

Abels Auferstehung

jetzt wäre es sich wahrscheinlich ausgegangen,Thomas Ziebulas zweiten Leipzig-Krimi mit in diese Stadt zu nehmen, wenn es die Buchmesse, wie geplant gegeben hätte. Hat sie aber nicht, denn sie wurde schon lange auf Mai verschoben, weil da das Wetter ja schöner ist und man die Messe auch im Freien abhalten hätte können. Jetzt gibt sie angesichts der steigenden Zahlen aber doch wieder nur Online oder überhaupt nicht und Thomas Ziebulas zweiter Stainer-Roman spielt im März 1920 und schließt sich nahtlos an den ersten an.

Also ein richtiger Fortsetzungsroman, denn einige Personen außer dem Inspektor kennen wir schon und der kommt zu Beginn vom Begräbnis seiner Frau zurück. Wir erinnern uns, so endet der “Rote Judas”, betrinkt sich, flucht vor sich hin und auch die Rosa Sonntag, die Malerin, die auch in einem Nachtclub singt und ihren Bruder Hagen kennen wir auch, sowie die letzte Straßenbahnfahrerin Fine König, die jetzt, nach dem die Soldaten aus den Gefangenenlagern zurückkommen sind, wieder an den Herd zurück soll und vielleicht die Art, wie der Mörder sein Geständnis durch das ganze Buch hindurchzieht.

Der beschreibt zu Beginn, wie man dazu kommt, einfach vor sich hinzutöten. Man fängt einmal damit an, der Krieg hat es vielleicht auch beigebracht und die Hemmungen genommen, kann man nicht mehr aufhören und muß am Ende, wenn die Leichen schon den Weg säumen, selbst den Strick nehmen.

Es fängt auch für die, die den ersten Band gelesen hat, vielleicht ein unverständlich an, in die Handlung hineinzukommen, denn da wird einer zuerst in Basel in den Rhein gestürzt und man denkt “Wui!”

Dann kommt Paul Stainer vom Begräbnis seiner Frau zurück und wacht betrunken auf und von einem Fechtduell der Leipziger Burschenschafter der illegalen oder vielleicht schon legalen Nazis, ist auch schon im Klappentext die Rede.

Dann geht zu Marlene Wagner, das ist eine ziemlich freidenkende Journalistin der Leipziger Volks- einer linken – zeitung, die soll über das Fechtduell schreiben, ein Herr Thorwald kutschiert sie dorthin, der jüdische Student Fritz Sternberg, der es schon vor dem Krieg geplant hat, wird später tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden und das Buch besteht aus drei Teilen.

“Der Maler” das ist jener Fritz Sternberg, ist der erste, “Die Journalistin”, die zweite, denn die wird später auch ermodet und der dritte heißt “Das Mädchen”, das ist die siebzehnjährige Tochter der Straßenbahnfahrerin und die kommt, spoilere ich, gleich, mit dem Leben davon und so geht es dahin und wir in die Handlung hinein.

Paul Stainer hat mmer noch Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis und seiner “Kriegsneurose”. Deshalb soll er degradiert werden, denn die nationalen Vorgesetzen haben etwas gegen ihn und Rosa Sonntag, die auch Malerin ist, will ihren Bruder, der ihr ja im ersten Teil übel zusetzte, eines auswischen.

Sie ist nicht nur Sängerin, sondern auch Malerin und soll das Hochzeitsbild ihrer Frunddin Clara malen. Die war schon mal verheiratet, mit Adrian Adamek, der in Verdin gefallen ist. Jetzt will sie seinen Bruder Konrad, einen Pelzhändler heiraten und einen dritten Bruder, Roman gibt es auch. Der lädt Marlene Wagner zum Abendessen ein, die wird aber ermordet, weil den Nationalen ihr Burschenschaftsartikel nicht gefallen hat? Und vorher war sie in Basel, weil der tote Soldat ihr Bruder sein hätte können. War er aber nicht und der Tote hatte ein Zigarettenetu bei sich, dem Marlene nachspürt, weil sie einen Artikel über den toten Soldaten schreiben will.

Nach und nach klärt sich alles auf und man erfährt auch viel, wie es in Leipzig vor hundert Jahren ausgeschaut haben soll und, daß es schon damals schwierig war, wenn man mit einer Siebzehnjährigen im Bett erwischt wurde oder auch nicht, denn die konnte man damals noch schnell heiraten.

Mona König weiß aber nicht, ob sie das will? Geht sie doch noch zur Schule und verdingt sich als Komparsin im Theater, wo gerade “Macbeth” gespielt wird. Dort kommt es zu einer Verfolgungsjagd. Am Schluß klärt sich, wie schon beschrieben alles auf. Der Mörder, es war wieder eineÜberraschung und ein anderer als erwartet, hängt sich auf. Stainer entschuldigt sich bei dem Verdächtigen, der er vorher hart angefaßt hat und hat seine Gedächtnis wieder zurückbekommen und jetzt können wir gespannt sein, wie es weitergeht und ob ich jemals wieder ohne Maske und grünen Impfpaß nach Leipzig komme, um dort vielleicht den möglichen dritten vierten oder fünften Teil zu lesen?

Immer noch wach

Das zweite Buch eines Bloggerdebutjury-Kollegen, das erste oder wahrscheinlich doch zweite Buch, des 1986 geborenen Fabian Neidhardt, den ich aus oder vom “Literaturcafe” kenne und der irgendwie auch ein Selfpublisher ist oder war und jetzt ein Buch bei “Haymon”, herausgebracht, wow!

Früher habe ich dort ja auch einmal meine Manuskripte hingeschickt. Der Titel verwirrte mich anfangs, weil mir nicht ganz klar war, worum es geht, um einen Scheintod oder in ein Hineingleiten in eine andere Welt? Eigentlich nicht wirklich das, was mich sehr interessiert, obwohl ich über den Tod, das Sterben, das Älterwerden, die Demenz oder auch um die Therapieverweigerung oder eine mißglückte Sterbehilfe geschrieben habe.

Das Buch ist dann bald zu mir gekommen. Es steht noch drin, daß man es vor März nicht besprechen soll. Nadine Rendl sagte mir, es wäre aber schon der Februar, daß es erscheint. Jetzt habe ich es aber doch vor März nicht geschafft und mir daher auch vorher das Gespräch zwischen ihm und Wolfgang Tischer im “Literaturcafe” angehört, das Buch gelesen und jetzt bin ich wieder einmal baff.

Bin ich ja ein alter Leseprofi, so daß man sagen könnte, da ist mir nicht mehr sehr viel fremd und ich beschäftige mich auch meistens sehr erfolglos, wie man die “Heldenreise” anwenden kann, habe zufällig Benedict Wells neues Buch, das, wie ich es nennen würde, sehr gut konstruiert ist und das Beste von all den schon geschriebenen Büchern wiedergibt und Anja Baumheiers “Erfindung der Sprache” die das auf einem sprachlich etwas weniger erhöhten dafür aber unterhaltsameren Niveau ebenfalls tut, vor kurzem gelesen und nun Fabian Neidhardts “Immer noch wach” und es beginnt eigentlich ganz konventionell, so wie man es schon öfter gelesen hat und ich es auch in “Im Namen des Vaters” beschrieben habe.

Da ist Alex, er ist dreißig, hat ein Cafe und eine Freundin namens Lisa, einen besten Freund namens Bene, mit diesen führt er das Cafe und als er sieben war, ist sein Vater an Magenkrebs gestorben. Die Mutter hat lang getrauert und nicht vom Vater erzählt. Dann findet sie einen Freund und als der sie verläßt, stirbt sie, es war ein Herzinfakt, nicht der Strick, glaube ich, Fabian Neidhardt nennt es am gebrochenen Herzen. Alex studiert BWL und eröffnet dann mit Bene, das Cafe, das “Türrahmen” heißt, was, wie ich dem Gespräch zwischen Fabian Neidhardt und Wolfgang Tischer entnahm, sehr originell findet.

Dann bricht er irgendwie zusammen, hat Kopfweh und Magenschmerzen und der Arzt sagt “Sie haben Krebs und ich erkläre Ihnen nun, was wir machen können! Sterben werden Sie aber ohnehin!”

Das fasse ich jetzt einmal so zusammen. Da gibt es das Trauma mit dem Vater und Alex entscheidet sich, sich nicht behandeln zu lassen, sondern zuerst seine To do – Liste abzuarbeiten. Das klingt jetzt etwas klischeehaft und wird auch so beschrieben und dann will er ins Hospiz und Lisa und Bene zurücklassen. Sie sollen ihn nicht besuchen, weil er nicht will, daß sie ihn in seinem letzten Zustand sehen. Auch ein wenig klischeehaft und gut konstruiert, weil ich nicht sicher bin, ob das wirklich jemand so macht und sich das traut, die Chemo, die einen letztlich ja zerstört zu verweigern. Die Idee, aber dann wenn die Schmerzen kommen in ein Hospiz zu gehen, finde ich gut und merke sie mir für den Fall, daß…

So beginnt das Buch, das immer zwischendurch erzählt, in die Vergangenheit geht und wieder zurück, etcetera.

Er bekommt, ich weiß nicht, ob man das braucht, von seinem Arzt die Befürwortung für das Hospiz, zieht hin. Dort ist wirklich alles schön und liebevoll. Er muß aber nach elf Wochen eine Untersuchung für die Verlängerung machen. Aber erst kotzt er sich aus, verläßt tagelang nicht sein Zimmer, bis er Kaspar, einen alten Krebskranken, der nicht sterben kann, kennenlernt und ins Leben bzw. ins Hospiz findet. Lernt die anderen Patienten kennen, läßt sich durch das Haus führen und dann sind die elf Wochen vorbei und jetzt wird es wirklich originell, weil zumindestens von mir noch nicht gelesen.

Zumindestens nicht so. Die Spontanremisssionen, wo der Krebs dann später wieder kommt, gibt es und das würde man auch erwarten, am Ende des Buches, nicht in der Mitte. Er geht zur Untersuchung und die Ärztin teilt ihm einige Tage später mit, es war ein Irrtum, der Tumor ist gutartig und er kann im Hospiz nicht bleiben. Wui, was tut er dann? Hat er seinen Anteil an dem Cafe ja schon an seine Freundin Lisa überschrieben und als er mit seinen Koffer das Cafe erreicht, sieht er sie mit seinem Freund Bene in inniger Umarmung, wui, was macht man dann?

Das habe ich ein wenig klischeehaft empfunden, es geht aber gleich weiter mit den Listen, denn in den elf Wochen sind in dem Hospiz einige Leute gestorben. Einer der vorher mit ihm Schach spielen wollte, einer der auf einen Achttausenderr wollte, einer wollte tanzen und eine heim in das Dorf aus dem sie stammt. Das will er nun für sie erledigen. Trauerbewältigung würde ich diagnostizieren und vielleicht auch nicht wirklich realistisch. Es gelingt auch nicht alles, denn auf einen Achttausender kann man nicht wirklich, wenn man vorher noch nie wandern war und als ihn der, der ihm das klar macht, verläßt, steht plötzlich Bene am Tisch und schreit ihm” Arschloch!”, entgegen. Das habe ich einmal bei einer meiner Klientinnen, deren Freund sich erschoßen hat und sie mit dem neugeborenen Baby zurückließ, auch so erlebt. Sie sprechen sich aber aus und er erfährt, Lisa ist nicht seine Freundin und hat das Kind, das von Alex war, inzwischen verloren, also wieder zurück?

Geht noch nicht gleich, denn da ist ja Kaspar, der auch noch nicht so ganz loslassen kann. Der tut es dann, hinterläßt Alex sein Boot, aber der schüttelt den Kopfund fährt wieder heim, beziehungsweise zu dem Cafe.

“Ich weiß nicht , was passieren wird. Und das ist okay. Hauptsache, ich bin dabei.”, lautet der vielleicht etwas flapsig klingende letzte Satz.

Einen Abspann gibt es auch in dem Fabian Neidhardt, die Entstehung des Buches erklärt. Er hat dafür auch in einem Hospiz praktiziert und am Anfang steht noch “Wir freuen uns daß du diesen Text in Händen hältst und hoffen, daß er dich genauso sehr verzweifeln lässt und genauso sehr tröstet, wie uns, dass er dich berührt, überrascht und dich auch noch nach der Lektüre noch lange nicht losläßt.”

Etwas was inzwischen auf vielen Klappentexten steht und dann meistens nicht zutrifft. Bei diesem Buch aber schon. Harte Kost vielleicht für einen jungen Menschen, der den Tod vielleicht gerade erst bei seiner Geroßmutter erlebte. Aber etwas, was jeden von uns betrifft und das man vor allem auch in Corona-Zeiten nicht verdrängen soll.

Ein gutes Buch also, hervorragend geschrieben, gehört als Pfichtlektüre in jede Krankenpflegeschulebibiliothek und darüber was da jetzt konstruiert, übertrieben oder unrealistisch ist, zu diskutieren, ist sicher auch sehr spannend, denn die Meisten wird nach der Krebsdiagnose wahrscheinlich immer noch eine Chemotherapie erwarten und wird vielleicht von den Alternativen träumen. Dieses Buch zu lesen, kann eine solche sein.

Nach vorn, nach Süden

Jetzt kommt ein Jugendbuch,ein Roadmovie, der erste Roman von Sarah Jäger vom Debutblog, der Mitorganisatorin des Bloggerdebutpreises, der Buchhändlerin, deren zweites Buch, glaube ich, gerade erschienen ist oder erscheinen wird.

Ich lese jetzt einmal das Erste und das isti nteressant, weil es Elemente enthält mit denen ich mich auch schon beschäftigt habe und von Städten handelt, die ich schon bereist habe.

Es beginnt und das ist mir auch sehr sympathischin einem Hinterhof, einer deutschen Stadt, Essen vielleicht, steht nirgends, aber da ist ja das Cafe, wo der Bloggerdebutpreis vergeben wird, eines Pennyladens, wo die Jugendlichen abhängen, die dort, als Aushilfen beschäftigt sind oder waren, die Verlierer der Gesellschaft sind, ledige Mütter oder Dauerpraktikantin derTürke Can ist auch dabei und unser Pavel und Marie, die als das Buch beginnt, gerade Geburtstag hat, deshalb gibt es im Hinterhof eine Party. Can verbrennt die Würstchen und Marie trauert immer noch Joe nach, der vor einem halben Jahr verschwunden ist und ihr nur ein paar Karten von Fulda, Frankfurt, Würzburg Ulm, Freiburg, also immer weiter nach Süden kommen und so beschließen sie ihn zu suchen, weil ja Sommer ist und man sich da ja gern auf Reisen begeben kann oder konnte, es hat aber nur eine der <jugendlichen einen auto und einen Führerschein und das ist die Erzählerin, die Germanistik studiert, sich als Außenseiterin fühlt und von den anderen nur Entenarsch genannt wird.

So fahren Can, Marie und sie am nächsten Morgen los, haben aber ein Problem, denn Entenarsch hat noch wenig Fahrpraxis und daher eine Autobahnphobie. Sie fahren zuerst auch nach Münster, um sich von Joes Mutter informationen zu holen und die erzählt gleich das Problem. Sie ist nämlich, weil ihr das Leben mit Mann und Kind langweilig war, mit ihrem Freund abghauen, als er zwölfwar und hat dem Sohn nur “Elfchen” geschickt.

“Aha, das Trauma!”, könnte man nun denken. Sie erzählt auch von einem Freund, der in Fulda wohnt und zeigt das Fotoalbum von den Nordseeurlauben, die sie früher mit Mann und Kind immer machte und die Reise geht nach dem die Drei bei einer Pennyaushilfe übernachtet haben, einmal Penny ist immer Penny und alle halten offenbar zusammen, los nach Fulda. Dort treffen sie den Freund im Park und der erzählt, daß Joe zwar bei ihm war, aber wieder weg ist und erzählt von einem Festival, wo er Joe treffen will.

Das findet am Mittwoch statt, so fahren die drei zurück. Denn das Geld geht ihnen aus und Can hat auch zu wenige T- Shirts mit. Es kommt auch zu einer vorsichtigen Annähering zwischen ihm und Entenmarsch und enthüllt ihr sein Trauma. Die geht dann in ihre kleine Wohnung räumt sie auf, schmeißt ihre Lehrbücher den Müll und beschließt das Studium zu lassen, dann hebt sie ihre Ersparnisse ab und die Reise geht wieder los. Diesmal fährt auch Vika mit ihrer kleinen Tochter mit, denn ihr Ex, der Otto macht in der Band, die auch bei dem Festival auftritt. Kurz vor dem Gelände bricht Entenarschs Auto zusammen, was die Suche ein wenig erschwärmt und Joe erscheint auch nicht beim Festival, so daß Marie mit einer Erbsendose und einer Wodkaflasche fast durchdreht, was weitere Spannung in das Buch bringt und die Gruppe, die inzwischen mit einem geborgten Wohnmobil nach Ulm gefahren ist, beschließt nach Süden aufzubrechen. Entenarsch ist aber inzwischen die Nordsee eingefallen,findet Joe auch dort und am Schluß erfahren wir noch ihren Namen.

Sie heißt Lena, ich hätte vorher fast an Dörte oder Doris gedacht und das Leben geht auch im Hinterhof weiter oder wird doch nicht so wie man es sich wünscht und es sich plant und jetzt bin ich auf Sarah Jägers zweites Roman gespannt.

Aber vorher steht noch Fabian Neidharts “Immer noch wach” am Programm und der ist ja auchJurymitglied beim Bloggerdebutpreis und tritt auch in Wolfgangs Tischer Literaturcafe prominent auf, so daß sich der Bloggerkreis und die Erfahrungen, die man dort macht, wieder schließt.

Die Mutter von Nicolien

Jetzt kommt ein “Wagenbach Quartbuch”, da bekomme ich ja immer die E-pubs geschickt. Ein Roman des 2008 verstorbenen niederländischen Autors J. J. Voskuil, der mit dem Mehrteiler “Das Büro” bekannt geworden ist und der sich in dem Buch, das aus kleinen Skizzen besteht, die von den Fünzigerjahren bis ins Jahr 1985, dem Tod der Mutter, hinüberführt, sich mit der Demenz beschäftigt.

Der Erzähler ist ein Maarten und der trifft sich mit seiner Frau Nicolien und deren Mutter, die in Deen Haag wohnt, das Ehepaar wohnt in Amsterdam, immer wieder zum Kaffeetrinken. Hier ist interessant, daß die Mutter mit Sie angesprochen wird, aber vielleicht liegt das an der Übersetzung und am Anfang ist die Mutter noch recht fit und mir ist es wieder etwas schwer gefallen, in das Buch hineinzukommen, wußte ich doch länger nicht, daß Nicolien eine Frau und die Tochter der Titelheldein ist und die Demenz, das zunehmende Vergessen, wird auch erst später greifbar.

Anfangs erscheint die Mutter fit. Erst später, die Szenen sind immer mit dem genauen Datum überschrieben, merkt man, daß sie viel vergißt. Sie soll irgedwo hinfahren, findet den Weg nicht mehr, findet dann auch nicht aufs Klo und entschuldigt sich dann immer mit dem Alter.

“Sie sind nicht alt!”, kommt dann immer als Antwort und liest man das Buch 2021, fällt einer auf, wie schwer sich das Ehepaar mit der zunehmenden Vergeßlichkeit der Mutter tut und, wie unverständlich sie für es ist.

Heute ist man da schon weiter, weiß damit umzugehen, macht Gedächtnistests, kennt zunehmend Therapien.

Nicolien und ihr Mann stehen dem verfall der Mutter erstaunlich hilflos gegenüber, fangen darüber auch zu streiten an und die Mutter wird zunehmend vergeßlicher, verschwindet aus der Straßenbahn, wird dann von einem Mann nach Hause bgeleitet, ruft immer wieder an und weiß dann nicht warum. Nicolien versucht ihr, als die Nummern geändert werden, auch das Telefonieren anzugewöhnen und berührend ist der Satz “Meine Tochter meint, daßich hier bin!”

Die Mutter wird dann nach Amsterdam genommen, wo das Paar wohnt. Aber da hat die Mutter Angst, verschwindet aus der Kammer in der sie wohnt, erzählt den Passanten, daß sie ihre Tochter sucht die in Amsterdam wohnt, landet dann in einem Krankenwage und erst in den Siebzigerjahren rät ein Arzt, die Mutter ist dann schon über achtzig und wundert sich bei ihren Geburtstag darüber, sie in einem Pflegeheim unterzubringen.

Nicolien fällt das schwer, aber bei ihnen in Amsterdam geht das nicht, die Mutter zu sich zu nehmen und um nach Den Haag zu ihr zu ziehen ist Marten der Weg in sein Büro zu lang. In dem Altersheim scheint es auch viel strenger als heute, also vor Corona-Zeiten zuzugehen, die ersten drei Wochen keine Besuchszeit, denn sonst bleibt sie nicht bei uns, sagt die Pflegeschwester und zu den Besuchzeiten stauen sich die Angehörigen im Foyer, dann sitzen alle im Cafe und schauen zu, wie die Frauen ihre dementen Männer mit Eierlikör und Törtchen füttern. Die Mutter will nach Hause, verfällt immer mehr und stirbt, wie schon geschrieben 1985. Das Buch oder die sehr berührenden Skizzen über die Demenz, den Tod und das Sterben enden beim Begräbnis und die Demenz ist ein Thema, das mich sehr berührt, das mich in meiner Familie, ich habe ja meinen Vater betreut und auch meine Schwiegereltern waren und sind davon betroffen, hautnahm miterlebte, habe auch in der “Anna” und in anderen meiner Texte darüber geschrieben und mich auch in meinen Pflegehelferkursen, die ich im Geratriezentrum am Wienerwald, als es noch gab gehalten habe und in meiner Diagnostik, damit beschäftigt. Sehr beeindruckend also über ein wahrscheinlich in den Achztigerjahren geschriebenes Buch darüber zu lesen und was hier geschildert wird mit dem zu vergleichen, was man inzwischen wahrscheinlich in unzähligen Ratgebern nachlesen kann, weil ja wahrscheinlich jeder jeden kennt, der davon betroffen ist, damit lebt oder jemanden betreut.

Ameisenmonarchie

Jetzt kommt wieder ein Debut aus der “K&S-Literaturschiene”, die mir ja so getreulich ihre Neuerscheinung schicken,nämlich der Roman der 1983 in geborenen Romina Pleschko, die eine Schauspielausbildung machte und die “Leondinger Akademie” von Gustav Ernst absolvierte und in dem Buch über das am Buchrücken steht “Was passiert hinter den Fassaden der Großstadt? Ein Wohnhaus wird zur Schnittstelle für allerhand Kurioses. Witzig, schräg und klug: ein tabuloser Genuß”, hat einen erstaunlich frischen frechen Ton und erzählt eigentlich das, was ich schon in den Achtzigerjahren in meiner “Die Gasse oder Marthas Wohnungen” zu schreiben versucht hat und, glaube ich, der Inhalt des Siegerkurzghörspiels von “Track5” war.

Ein Haus beziehungsweise seine Bewohner werden in kurzen Szenen geschildert. Da gibt es den Frauenarzt Herb senior, seinen Sohn Herb Junior und desssen Gattin Magdalena. Der, einer ehemaligen Architekturstudentin, die dann zu malen anfing und jetzt, ähnlich, wie die oda in “Der Erfindung der Sprache”, im Laufe ihrer Ehe verstummte und mit einem abgeschabten Hausmantel, der seine Federn am Kragen verliert herumläuft, mischt er Beruhigungsmittel in die Salami, von der sie sich hauptsächlich ernährt. Dashabe ich schon von Hausärzten gehört, daß die ihre Frauen mit den “little helpern” süchtig machte und ich habe es auch in “Kerstins Achterln” thematisiert.

Der Sohn ist schwul und soll trotzdem die Praxis übernehmen und Herb Senior beschäftigt sich mit seinen drei blonden Assistenteninnen, die den Junior nicht ernst nehmen, mit den neuesten Fertilisationsmethoden, die man im Osten viel billiger als in Wien bekommt.

Der Sohn verfällt einen Abgeordneten einer “Nicht wählbaren Partei”, der später Minister wird und bekocht ihn hingebungsvoll, bevor der ihn verläßt und ich fragte mich, wieso geht er nicht in die Praxis? Aber da herscht ja noch der Vater und eine Kosmetikverkäuferin namens Karin gibt es in dem Haus auch. Die ist alleinerziehende Mutter, bloggt viel in einem Familienforum und wird vom Nachbarn namens Klaus gestalkt. Dann wird sie seltsamerweise vom Abgeordneten schwanger und kann den Beruf aufgeben, dem Kaufhaus, einer japanischen Firma kündigen, das seine Angehörigen unterdrückt und am Schluß wird dieser Klaus Lottomillionär, gibt das Geld in teuren Hotels aus, wo er Berühmtheiten nachfährt und ihre Haare sammelt. Herb Senior erleidet einen Schlaganfall und der Junior bandelt mit einem Junkie an, wird von ihm aber ermordet oder niedergstochen.

Also eigentlich viel Handlung in dem Buch, dessen einzelne Szenen manchmal etwas zusammenhanglos wirken, als wären es kurze Skizzen, die zu einem Ganzen zusammengeführt wird. Der Ton ist frisch und modern und es werden Themen angeschnitten, die man vielleicht sonst noch nicht gelesen hat.

Ein interessantes Buch, das ich auf die Longlist des Bloggerdebuts empfehlen kann und dann wird es spannend sein ob es auf sie Shortlist kommt

“Kremayr und Scheriau” ist da sehr prominent unterwegs und hat schon einige ShortlistBücher hervorgebracht. Das Cover ist wieder sehr ästhetisch. Es zeigt eine Hausfassade mit verschiedenen Fenstern hinter denen man die Silhouetten der Bewohner studieren kann. Eine Feder von Magdalenas Morgenmantel gibt es zwischen den Kapitel auch immer wieder zu finden und ein ähnliches Projekt in dem Hausbewohnter beschrieben wurde, hat ja auch einmal Tim Krohn mit seinen Crownfounding-Romanen gestartet, das, glaube ich, nach dem dritten Band vom Verlag gestoppt wurde.

Dieses Haus ist sicher sprachlich anspruchsvoller beschrieben und daher eine Leseempfehlung, auch wenn ich den Titel wieder nicht ganz verstanden habe. Aber vielleicht sind die Ameisen ein Synonym für die Hausbewohner, die sich durch ihr Leben wurschteln.

Die Wäscheleinen-Schaukel

jetzt geht es nach Syrien, Vancouver und wieder zurück. Es geht in die arabische Geschichtenerzählertradition eines LGBTQ- Aktivisten und, ich glaube, es war der Titel, der mich als Erstes auf dem Buch des 1984 in Damaskus geborenen Ahmad Danny Ramadan,der 2012 nach Kanada geflüchtet ist und dort mit seinem Ehemann lebt, aufmerksam machte und es ist ein sehr interessantes Buch, das in der Zukunft zu spielen scheint, in der ein alter Mann dessen Lebenspartner im Sterben liegt, mit dem tod Cannabis raucht und ihm, um ihm von seinem grausamen Geschäft abzuhalten, wie weiland Scheherazade, die auch erwähnt wird, Geschichten erzählt.

Er erzählt ihm und uns sein Leben. Das Aufwachsen in Syrien, bei der Mutter, die ihrem Sohn oder war es der Vater auf dem Balkon des kleines Hauses in dem sie wohnten, eine Wäscheleinenschaukel baute, auf der sich dann die Mutter wiegte und im Kissen Jasminsamen pflanzte, so daß sich später die Blüten, um die Schaukel renkten.

Später verlor sich dann die Idylle, die Mutter wurde wahnsinnig. Der Vater gab dem Sohn zur Großmutter Samira, die sich und ihre Söhne durch das Nähen von französischer Mode an die besseren Damen verdingte, bis einer der Söhne erwachsen geworden, der Mutter das Geschäöft verbot. Ja, in Syrien herrscht oder herrschten strenge Sitten, die Frauen trugen Kopftücher und lange Mäntel und schminkten und tanzten sich offenbar zu Haus.

Der Erzähler entdeckt bald, daß er schwul ist und als er das, mit Sechzehn, glaube ich, dem Vater eröffnete, brach der ihm eine Rippe. So floh er nach Ägypten oder zuerst zu einem Freund, der, als dessen Schwulsein entdeckt wurde, verheiratet wurde und sich dann erhängte, als die Frau früher, als erwartet zurückkam, im Ehebett einen nackten Mann entdeckte.

Die syrische Geschichte wird erzählt, der Krieg, die Gewalttaten, denen auch die schwulen Männer ausgesetzt waren. Der Freund wird kennengelernt und als die Zustände in Dmaskuus zu schlimm waren, beschloßen die Männer über Lybien nach Kanada zu fliegen.

Jetzt leben sie dort in einem schönen Haus. Der Freund ist offenbar an Krebs erkrankt. Der Geschichtenerzähler, “Hakawati” heißt das auf Arabisch erzählt ihm um und für sein Leben und kocht ihm dabei immer wieder Omletts, die er, um sie sämiger zu machen, immer wieder mit ein paar Löffeln Mehl vermischte, wie es ihm einmal die Mutter lehrte.

Sehr interessant vom Leben syrischer homosexueller geflüchteter Männer zu hören, die Tradition des Geschichtenerzählens einmal auf diese Art und Weise zu hören, vor allem das Bild von dem Tod, der ihm immer wieder um ihn ist und ihm und den Freund sogar ins Krankenhaus begleitet, finde isch sehr eindrucksvoll.

Man erfährt auch viel über Damaskus, den Kämpfen, der arabischen Sprache und am Schluß gibt es auch eine Danksagung an den Verlag und die Lektoren ohne die das Buch nie entstanden wäre. Es hat auch schon Preise bekommen und wurde übersetzt und auch das Cover mit den vielen Wäscheklammern ist sehr interessant.

Und wenn man sich fragt, wieso das Buch in der Zukunft spielt und der Protgonst, der offenbar wie sein Autor in den Achtzigerjahren geboren wurde, über achtzig ist, als er erzählt?

Vielleicht sind das die tausend und ein Nächte, die Scheherazade zum Erzählen braucht, die Ahmad Danny Ramadan erzähltechnisch verwendet? Aber das wären auch nur drei Jahre.

Die Erfindung der Sprache

jetzt kommt ein Unterhaltungsroman mit wahrscheinlich Bestsellerqualität, denn die 1979 in Dresden geborene Anja Baumheier hat mit “Kranichland” und “Kastanienjahre” schon zwei solche geschrieben, von denen ich schon gehört aber nicht gelesen und auch nicht in meinen Regalen habe.

“Rowohlt” hat mir das bei “Kindler” erschienene Buch zugeschickt und es erinnert mich, obwohl es trotz seines Titels sprachlich wahrscheinlich nicht so anspruchsvoll ist, an Benedict Wells neuen Buch.

Beide scheinen jedenfalls mit vielen literarischen Anspielungen sehr konstruiert zu sein und Anja Baumheier spielt auch sehr auf die “Heldenreise” an. Sie macht Adam, ihren Hauptprotagonisten zu einem solchen und läßt ihn auf eine solche gehen und ich, die ich ja bekanntlicherweise meine Schwierigkeiten mit diesem hochgelobten Schreibhilfsmittel habe, könnte, wenn ich mir nur die Zeit dazu nehme, das Buch durchgehen und über jeden Kapitel, die einzelnen Stufen des von Campell ermittelten Schemas notieren und noch etwas ist sehr interessant, die Namen.

Heißt der Held doch Adam Riese, eine Zola Hübner, eine Udine Abendroth, eine Bonna Poppinga gibt es auch und ich habe beim “Verrückten Traum der Thea Leitner” ja einen Günther Grass als Helden gehabt und wurde von Elfriede Haslehner sehr deshalb gerügt und bei der “Sophie Hungers”,die ja auch ein Roadmovie ist, gab es einen regen Kommentarwechsel mit meiner ersten Kritikerin.

Es geht also doch solche Namen zu verwenden und sogar vermutlich in Bestsellerränge zu kommen, literarische Anspielungen, was mir auch immer vorgeworfen wird, sind offenbar auch erlaubt und pschologisch hat sich Anja Baumheier offenbar auch sehr schlau gemacht und ich könnte dieses Buch wahrscheinlich wieder meinen Angstpatientin sehr empfehlen, denn darum geht es in dem Buch, um Panikattacken und sogar Autismus und noch vieles mehr, offenbar hat Corona im letzten jahr viele Autoren auf die Idee sich mit dem thema Angst zu beschäftigen, gebracht.

Interessant ist auch der Schreibstil, denn da wird sowohl vorwärts, als auch rückwärts erzählt. Da ist also Adam Riese. Er ist dreiunddreißig, Sprachwissenschaftler, wohnt in Berlin und gerade bei einem Speeddating. Das endet fürchterlich, den Adam ist sehr unbeholfen, obwohl wahrscheinlich ein Genie. Er hat eine Sprachassistentin, ja das Buch ist sehr modern und lebt von Listen, die seine Therapeutin Dr. Modder mit ihm entwickeln hat, darauf stehen sieben Dinge, denn die Zahl sieben ist für Adam auch sehr relevant,

1.Nehmen Sie eine aufrechte, offene und starke Körperhaltung ein.

2. Atmen Sie ruhig in den Bauch länger aus als ein, und zählen Sie dabei im Kopf bis drei.

3. Nutzen Sie die wassermagie, trinken Sie Ihre Angst weg” und so weiter und so fort.

“Einatmen, ausatmen!”, spielt auch eine große Rolle und als Adam in seine Vorlesung gehen will, geht es so richtig los. Denn Adam, der auf einer kleinen ostfriesischen Insel mit seiner tschechischen Großmutter Leska, seiner Mutter Oda und seinem Vater Hubert aufgewachsen hat, hat diesen, als er dreizehn war, verloren. Der ist einfach verschwunden. Danach hat seine Mutter mit dem germanischen Heldennamen, die Radiomoderatorin war, zu sprechen aufgehört und jetzt ist sie vor einer Buchhhandlung umgefallen und ins Spital gekommen. Denn sie hat dort ein Buch namens “Die Erfindung der Sprache” entdeckt. Die Großmutter, eine begnadete Köchin, die allen immer ihre Plastikdosen mit ihren tschechisch-friesischen Köstlichkeiten in die Hände drückt und dazu deutschtschechisch radebrecht “Ach, Ubocik, was du redet. Ich denke Karel Gott, Goldene Stimme aus Prag. Nur mehr Kilogramm auf Hüftchen, weil Hubertcik ist Leckermäuchen.”, ruft ihn an und fordert ihn auf schnell zu kommen, was Adam in Panik versetzt. Denn er hat ja viele Phobien. So bucht er im Bus einen zweiten Platz, um den Abstand zu halten.

Ja, das Buch scheint 2020 geschrieben zu sein, so daß auch unser neues Sprachvokublar einfließt, obwohl es um Corona gar nicht geht. Dafür um vieles andere, wie beispielsweise einen Plagiatsskandal. Adam kommt jedenfalls an, erfährt, daß die Mutter in dem Buch, das von einer Zola Hübner geschrieben wurde, entdeckte, daß, der verschwundene Hubert zu leben scheint und hört auch zu essen auf, so daß Adam handeln muß.

Was er umsoleichter kann, als ihm die Universiät zu suspendieren scheint, weil er, wie ihm sein Kollege Dr. Nacht flüstert, plagiiert haben soll. Das gibt Adam den Weg frei, sich auf ein Roadmovie zu machen und seine Heldenreisezu absolvieren. Denn er bekommt das Buch in seiner Lieblingsbuchhandlung, der Udine Abendroth nicht gleich. Dafür erscheint aber Zola Hübner, die Logopädin, die etwas seltsam spricht “Käffchen, Gerätchen”, aber die Frage ausspricht, ob Adam vielleicht Autist ist und ausschaut wie Lisbeth Salanda aus der Steg Larsson-Reihe, auch eine Spezialität Baumheiers, daß die Personen öfter, wie Filmhelden ausschauen und fordert ihm auf, mit ihr nach Hubert zu suchen.

Denn der Verschwundene, der sich auch schon auf der Insel, wo er als Leuchtturmrestaurator aufgetaucht, seltsam benommen hat, war irgendwann in Göttingen und hatte ein Verhältnis mit Zolas Mutter, die nach dem französischen Dichter Emile Zola heißt, denn die Mutter schwärmte für die Franzosen und ist dann auch verschwunden. So überfredet sie ihm, sich mit ihr in ihr alterschwaches Auto zu setzen und nach Bad Kissingen zu fahren, wo es Spuren und das Grab von Huberts Vater gibt. Noch ein Detail, Zola hat sich Hubert als “Über” Giant vorgestellt und auf dem Grab des Großvaters steht Pavel Obri, was offenbar auf tschechisch, Riese bedeutet, denn der Großvater war auch ein Tscheche und Schauspieler im Prager Nationaltheater. Dort fahren die Beiden dann auch hin und mehrere Heldenreisenstufen passieren. Das Auto wird gestohlen, taucht dann wieder wieder auf und Zola vefrschwindet, weil ihr Ex, das Arschloch, ihre Mutter bedroht.

So muß der arme Held seine Reise alleine weiter machen. Stimmt nicht ganz, denn dem Katzenphobiker ist inzwischen eine solche übern Weg gelaufen, die er “Zola, die Katze” nennt und in die er sich sofort verliebt. Die Spur führt dann nach Frankreich, in die Betagne. Dort wird Hubert noch zusammengeschlagen, sein Geld wird gestohlen, damit alle Heldenreisenstufen erfüllt sind, bevor er auf einer weiteren Insel seinen Vater, der sich inzwischen “Herve le Braz” nennt, was auf bretanisch Riese heißt und das Gemischtwarengeschäft, der Insel betreibt. Die Restfamilie, sowie die Buchhändlerin tauchen auf und um nun noch den Rest zu spoilern, Achtung, ich habe viele der unzähligen Details ausgelassen, fängt Oda am Schluß auch noch zu sprechen an.

Spannend und interessant könnte ich nun wieder schreiben. Ein bißchen kitschig ist es sicher auch und an einem Faux paxs ist Anja Baumheier elegant vorbeigeschrammt. Denn um Huberts Geheimnis zu lösen, outet er sich am Schluß, er ist schizopheren und deshalb vor allem geflüchtet. Er hat auch seinen Sohn ein Buch mit dem Titel “Mein Leben in zwei Welten” bevor er verschwunden ist, hinterlassen und ich habe gedacht “Uje, uje, jetzt kommt das mit dem “Zweigespalten” als Erklärung!”

Etwas worüber sich Prof Katschnig, der gewesene Pyschiatrieprofessor vom AKH, ja sehr wehrte, die Schizophrenie so zu erklären. Wurde dann auch nicht so definiert und unterhaltsam ist das Buches sicherlich, gut recherchiert ebenfalls und man kann sicher viel daraus lernen oder darüber nachdenken.

“Ein grosser Roman über die Magie der Sprache, die Kraft der Gemeinschaft und eine ganz besondere Familie”, steht am Buchrücken. So kann man es auch interpretieren.

Warum das Buch “Die Erfindung der Sprache heißt” ist mir auch nicht so ganz klar. Gut, Adam hat erst mit Zwei sprechen zu begonnen. Aber das hat die Anna auch getan und wird bei der Lia wahrscheinlich ebenfalls so sein.

Meiner Meinung nach hätte “Die Überwindung derAngst” besser gepasst. Aber das würde vielleicht als zu plakativ empfunden.

Hard Land

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich jetzt das beste Buch in diesem Jahr gelesen habe, das ich gern auf der nächsten deutschen Buchpreisliste oder auf dem des Leipziger Buchpreises stehen sehen würde oder, ob es vielleicht zu kitschig und zu aufgesetzt ist?

Brillant geschrieben und äußerst spannend ist das neue Buch des 1984 in München geborene Benedikt Wells von dem ich noch nichts gelesen habe, obwohl ich mir, glaube ich, einige seiner Bücher von den Thalia-Bücherabverkaufstürmen kaufen ließ. Auf jedenfall, ein Coming of Age, Roman, der das Retrogefühl der Neunzigachtigerjahre in einem Kaff in Amerika wiederauferstehen oder neu erfinden ließ.

Mit einem klassischen ersten Satz “In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb” und dann lese ich auf seite 285 und das ist Grund, warum ich ein wenig mißtrauisch bin “Im Sommer 1963 verliebte ich mich und mein Vater ertrank”, das ist der erste Satz aus dem Roman “Salzwasser” von Charles Simmons. Ich habe nachgegooglet, Autor und Buch gibt es, wie auch einen William Morris,der wurde 1896 in England geboren, war Maler, Architekt, Dichter und Drucker und wahrscheinlich nie in seinem Leben in dem amerikanischen Kleinstädtchen Grady und hat wahrscheinlich nicht das titelgebende Gedicht geschrieben, wie ich auch nicht weiß ob es das Städtchen gibt oder ob es von Benedict Wells erfunden wurde.

In dem heruntergekommenen Kleinstädtchen in dem der sechzehnjährige Sam aufwuchs, war er aber der bedeutenste Dichter und in der Highschool mußte man, so wie ich mich in der Straßergasse, ein Jahr mit dem “Faust” beschäftigen mußte, mit ihm und seinem berühmten Gedicht beschäftigen und mußte herausfinden, warum es in diesem Coming of age-Gedicht geht?

Es gibt in Grady auch vierzehn Geheimnisse, die stehen jedenfalls auf einem Straßenschild, daß man sie ergründen soll. Aber jeder hat wahrscheinlich seine eigene und der heranwachsende Sam, der in diesem Sommer sechzehn wird, hat sie auch.

Das heißt, er hat eine an Krebs erkrankte Mutter, einen schweigsamen Vater mit dem er sich schlecht versteht, eine ältere Schwester, die das Kaff schon verlassen hat und er hat Panikattacken, war deshalb beim Pschologen, fühlt sich als Außenseiter und soll den Sommer eigentlich bei Verwandten verbringen, was er nicht will.

Die Mutter, die den Buchladen in diesem Kaff führt, vermittelt ihn daher einen Job in dem, glaube ich, einzigen Kino und das verändert sein Leben total. Denn da lernt er Kirstie kennen. Sie ist die Tochter des Besitzers, soll nächstes Jahr nach New York zum Studium gehen. Jetzt schupft sie mit zwei Freunden, Cameron und Hghtower, die auch dan das Kaff verlassen werden, den Laden und die drei grenzen Sam erst mal aus. Dann kommen sie ihm aber näher und als der sechzehnte Geburtstag naht läßt Kirstie Sam versprechen, daß er alles tut, was sie von ihm will und gibt ihn dann drei Prüfungen auf.

Er muß in einem Laden etwas stehlen, dann über die Selbstmordklippe in einen See springen. Sie springt gleich mit ihm und am Schluß muß er etwas auf der Gitarre spielen. Dadurch überwindet er seine Angst und verlebt eine aufregende Nacht. Aber eigentlich hätte er seine Eltern, um zehn in einem Restaurant treffen sollen. Er kommt erst am nächsten Morgen heim. Vor der Haustür steht der Krankenwagen und die Mutter liegt tot am Boden, uje uje.

Beim Begräbnis soll der verhaßte Referend, die Grabrede halten. Der Vater will es so, obwohl es sich die Mutter nicht gewünscht hätte. Die Schwester macht mit Sam aber aus, wie man das umgehen kann. Dazu kommt es beinahe nicht, denn Sam verprügelt sich vorher mit einem seiner Feinde und kommt daher verletzt und verschmutz in die Aufbahrungshalle. Das ist wahrscheinlich wieder etwas zu aufgesetzt. Er spielt dann mit seiner Schwester einen Rocksong, er hätte ein frommeres Lied singen und mit seinem Vater versöhnt er sich auch.

Trotzdem hat er ein hartes nächstes Jahr vor sich, in dem ihm auch der “Inspektor” oder Deutschleher mit seinem “Hard land” nicht richtig helfen kann. Er bekommt auf den verlangten Aufsatz auch nur eine zwei minuns. Den einzigen Einser hat, wie sie ihm später erklärt, Kirstie bekommen. Sie erklärt ihm am Ende auch das vierzehnte Geheimnis.

Wieder raffiniert, das Buch ist in vierzehn Kapitel geschrieben. Also klärt jedes eines auf und der “Peter Pan” mit seinem ebenfalls berühmten ersten Satz, spielt auch eine Rolle.

Ein beeindruckender Coming of Age Roman über eines Sechzehnjährigen in den Neunzehnachtzigerjahren, die wie die Fünfziger oder Sechziger klingen und das man den berühmten amerikanischen Romanen aus dieser Zeit vielleicht schon gelesen hat.

Was ein wenig retro klingt und warum hat Benedikt Wells ein amerikanisches Provinzstädtchen als Sujet gewählt?

Fragen über Fragen, ich habe jedenfalls ein überraschendes Buch gelesen, das ich schon einer Klientin mit Höhenangst empfohlen hat. Vielleicht hilft es ihr, auch wenn sie nicht die Klippen hinunterspringen wird und jetzt bin ich gespannt auf die Rezensionen und möchte wissen, wie, den anderen das Buch gefallen hat?

Ein Diogenes-Bloggertreffen, wo das Buch besprochen wurde, gab es schon, das aber leider auch ein bißchen ein Geheimnis blieb, weil ich ja kein Ton hatte und daher nur Benedict Wells sehen und die Chatnews lesen konnte.