Saruj

“Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr”, lautet der erste Teil des Projekts, der in Paris geborenen Künstlerin Bilbo Calvez, das mir vor ein paar Monaten angeboten wurde und das mich, weil ich mich ja mit diesem Thema sehr beschäftige und schon einmal ein Buch mit einem ähnlichen Titel besprochen habe, was in den Kommentaren auch eine heftige Diskusson auslöste sehr interessierte.

Jetzt habe ich mich etwa eine Woche in es durchgelesen, denn es ist sehr kompliziert und auch sehr theoretish geschrieben, obwohl es eine <liebesgeschichte beinhaltet und eine eigene Sprache verwendet der auch eine eigene Grammatik angeschlossen ist.

Der Inhalt ist eigentlich sehr trivial und wird am Buchrücken auch beschrieben:

“Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr, begleitet den Leser in eine Zukunft, in der es weder Geld noch Tausch gibt, keine Regierungen, keine Grenzen und keinen Polizeiapparat – dafür Vertrauen, Liebe und Heilung”.

Die Zukunft ist auch ein interessantes Thema, das mich wieder zu mir und meinen Schreiben zurückführt, habe ich mich vor kurzem ja auch mit einem Zukunftsroman probiert, um die Pandemie zu erklären und einen ebensolchen gelesen. Ja und “Dave” ,von Raphaela Edelbauer der letzten österr. Buchpreisträgerin, gibt es auch und daran erinnert oder knüpft die Serie der Bilbo Calvez auch an.

Das Buch scheint Mitte des einundzwanzigsten Jahrhunderts zu spielen und da treffen die Heldin Saruj , ein junges Mädchen, und der “Zeitreisende” genannte Kevalam, der gerade aus seiner Blase entkommen ist, zusammen. ihre Fortbewegungsmittel prellen aneinander. Sie hängen an einem Baum fest, was wieder an Karin Peschka erinnert, müßen gerettet werden und die Reise in das Leben ohne Geld beginnt. Denn Saruj hat sich auf eine Wallfahrt begeben, um ihre Sannyasini Didi betreffen und Kevalam begleitet sie und weil er aus der Vergangeheit kommt, ist ihm das System fremd und er stellt viele Fragen, wie beispielsweise, die, wie es gehen kann, daß eine Gesellschaft ohne Zwang funktioniert?

Wer putzt beispielsweise da die Klos?, ist da die Frage. Wir leben aber bereits im Zeitaltert der künstlichen Intelligenz, wo “Androiden” bereits Gefühle lernen und so begeben wir uns mit den Beiden auf eine Pilgerfahrt und interessant ist auch, daß die in Berlin gelandet sind. Dann wird aber lange eine Wüstenlandschaft beschrieben. Sie besuchen eine Art Ashram, dann ein ehemaliges Gefängnis, weil Bestrafung und Gefangene gibt es ja nicht mehr und auch eine Art Club in Berlin, der an das berühmte Berghain erinnert.

Überall werden Fragen gestellt, um das neue System zu erfassen. Wo ich nur sagen kann, daß der Kommunismus ja einmal ähnliche hehre Ziele verfolgte und elendig scheiterte, was mit Balbu Calvez idealen Zukunftssystem höchstwahrscheinlich ebenfalls passieren würde und interessant ist auch, daß etwa in der Mitte des Buches erklärt wirde, wieso es zu dem neuen System gekommen ist?

Die Pandemie war natürlich schuld. Zuerst die Zwangsimpfung, dann der Chip “ABC, Allzweckbodychip” genannt, der allen eingepflanzt wurde. Das hat dann Widerstand erzeugt, so daß sich das neue System gegründet hat.

Das Ganze ist, wie beschrieben, als eine Serie geplant. So steht “Fortsetzung folgt…” auf der letzten Seite des Romans. Dann kommt noch der Grammatikerklärungsteil und das Glossar. Fußnoten gibt es auch, Bilbo Calvez hat da sehr sorgfältig gearbeitet und der erste Teil endet damit, daß sich die Beiden trennen, weil Saruj ihren Opa besuchen will. Also seien wir auf die Fortsetzung gespannt.

Aus einer Zeit

Jetzt kommt noch ein Debut, obwohl der Bloggerdebutpreis für 2021 ja schon entschieden ist. Aber das Buch des 1988 als Kind von DDR-Flüchtlingen in Braunschweig geborene Maximilian Zech ist erst vor ein paar Monaten zu mir gekommen, obwohl es, glaube ich, genau vor einem Jahr erschienen ist und ich habe auch etwas gebraucht in den Stil hineinzukommen, beginnt es ja gleich mit einem Arztbrief.

“wir berichten über o.g Patientin, welche sich in der Zeit vom 14. 04. in unserer stationären Behandlung befand.”

Denn der Roman des in Leipzig lebenden Journalisten handelt von einem jungen Arzt namens Matthias Bode und am Klappen text steht etwas von “einer biedermaierlich anmutigen Innerlichkeit” und , daß das Leben dem Protagonisten, wie ein Traum erscheint. Bei “Amazon” kann man lesen “Die ganzen Kapitel sind ein Mix aus Philosophie, dem eigenen Sein, Gesellschaftskritik und sich selbst in Frage stellen”, was mich anfangs verwirrte.

Nach und nach kommt man in die Geschichte hinein, die nicht wirklich neu ist, wenn auch vielleicht ein wenig ungewöhnlich bedächtig geschrieben. Und da fällt mir ein, daß mir bei meinen Erstlingen gesagt wurde “Da passiert ja nichts!”, was mich damals auch verwirrte, denn es passierte schon einiges und das ist auch bei Maximilian Zech so.

Da ist also der junge Arzt. Er lebt in Göttingen, stammt aus der DDR und wir erleben zuerst einmal ein paar Krankengeschichten. Er arbeitet in einem Privatspital in der Onkologie und so besucht er ein paar Krebspatienten, schlägt ihnen Transplantationen vor und die loben ihn alle, weil er sehr einfühlsam ist und ihnen zuhört. Sie sterben aber, wie das auf einer Onkologie so ist, trotzdem und es gibt auch Probleme mit den Kollegen. Da ist Steffi, auch eine junge Ärztin, die ist verlobt, das ist vielleicht das Altmodische an dem Buch, daß das Wort öfter auftaucht, denn das ist man, glaube ich, heute ja meistens nicht mehr und Matthias verabredet sich mit Steffi, als sie Probleme mit dem Verlobten hat, in einem Studentenlokal. Sie kommt aber nicht. Stattdessen spricht ihn ein alter Mann an, der ihn, während er sich betrinkt, in philosophische Diskussionen über den Sinn des Lebens verwickelt.

Dann tauchen wir langsam in die Vergangenheit. Es gab eine Maja, seine erste Freundin, glaube ich, die ist jetzt verlobt und schwanger und im betrunkenen Zustand schreibt Matthias ihr ein Mail, das ihm dann ein wenig peinlich ist.

Er nimmt sich dann auch einen plötzlichen Urlaub, weil er nach Italien fahren will und verwirrt damit den Oberarzt “Haben Sie ein Burnout?” und kommt mit seinem alten Auto aber nicht so weit, sondern nur bis zur österreichischen Grenze und besucht da die kleine Kirche, wo der Großvater einmal Pfarrer war, bevor er in die DDR emigrierte. Jetzt ist sein Grab verschwunden. Der jetztige Pfarrer, der aus Salzwedel stammt, spricht ihn aber an und und wir erfahren, seine Mutter ist an Krebs gestorben, als er sechzehn war. Das war schlimm für ihn und auch, daß der Vater bald wieder verheiratete. Deshalb hat er den Kontakt zu ihm auch abgebrochen.

Ja er ist ein wenig streng, sieht das auch ein und freut sich, daß Maja sich meldet. Die fährt dann aber mit ihren Bauch zu ihrem Verlobten zurück und Matthias statt nach Italien in seinen Heimatort, wo aber jetzt aber in seinem Elternhaus wohnen, mit der Polizei drohen und er nur noch einen Schulfreund trifft. Er geht mit ihm zum Albaner Pizza essen, steht dann abreisebereit vor seinem Auto, um wieder, was er schon mit einem Patienten und dem alten Mann im Studentenlokal diskutierte, zu sinnieren:

“Alles könnte ich machen, ja, ich könnte so viel. Doch ich komme nicht los. Ich komme einfach nicht los.”, lauten die letzten Sätze.

Ja, natürlich ein neues Auto kaufen und doch nach Italien fahren oder sich mit dem Vater versöhnen, eine neue Freundin suchen und wieder ins Spital zurück oder vielleicht den Beruf wechseln, wenn er nicht der Richtige war, so daß der aus der Zeit Gefallene wieder in sie hineinkommt und eines hätte ich jetzt fast vergessen, die Literatur kommt in den Buch auch öfter vor. Denn Matthias Bode ist sehr an ihr interessiert, schreibt Gedichte, liest Eichendorf und einen Heinrich von Marenholtz, der wie sein Heimatort heißt, den ich aber bei Google nicht finden konnte, obwohl ein Gedicht von ihm abgedruckt. ist.

Ein ähnliches Buch über die Erlebnisse eines Arztes auf einer Krebsstation hat David Fuchs geschrieben, der aber selber Arzt ist.

Milch Blut Hitze

Jetzt kommt wieder ein Debüt, nämlich die elf Erzählungen der 1979 in Florida geborenen Dantiel W. Moniz, die Assistenzprofessorin für Englsch an einer Uni ist.

“Dantiel W. Monitz ist eine der aufregensten literarischen Entdeckungen aus den USA. Ihre gefeierten Erzählungen “Milch Blut Hitze” sind intime Portraits von Menschen aus den untersten Gesellschaftsschichten Floridas. Monitz nimmt uns mit auf die Schattenseite des Sunshine State, in die Alterswelten von Figuren, in denen es keinen Platz für große Träume gibt.”, steht in der Buchbeschreibung und damit sind wohl und das ist wahrscheinlich neu schwarze Frauen und Mädchen gemeint und all das wird mit einer sehr direkten neuen sehr n Sprache etwas Hintergründig erzählt.

Die Titelgeschichte erzählt von zwei dreizehnjährigen Mädchen, Ava und Kiera, die sich meistens bei Kiera treffen, weil deren Mutter offener, als die von Ava ist, sie spielen dürfen was sie wollen und nicht auf Ordnung und Sauberkeit achten müßen, wie ess Avas Mutter wünscht. So spielen sie Monster und Ava ist ein sexyes, wie Kiera meint. Die Mutter die Ava abholen kommt, rügt dann die schmutzigen Schuhe und schickt sie auf die Poolparty von Chelsa Zucker, damit sie andere Freundinnen findet. Die findet in einem Hotel statt, wo Avas Cousin mal Homeboy war und so fährt sie mit ihr aufs Dach hinauf und dort spielen die Mädchen ihr “Was ist wenn- Spiel” – “Was wäre wenn man vom Dach fiele?”, fragt Kiera und tut es. Ava kann dann die Antwort, daß ihre “Blutschwester” es tat, weil sie wissen wollte, “wie es sich anfühlt”, nicht formulieren.

In “Festmahl” geht es zu Rayna, die ist mit dem weißen Heath verheiratet, hat vor acht Monaten ihr Baby verloren und kann noch nicht so loslassen, wie es sich die anderen wünschen und es noch einmal probieren, weil das ja eine “ganz normale Sache” ist.

“Zungen” erzählt, wie es ist in einer bapistischen Gemeinde aufzuwachsen, wo Zey am Sonntag mit Eltern und Bruder in den Gottesdienst geht, der Pfarrer sie in sein Büro bittet, seine Hand auf ihr Knie oder ihre Schulter legt und fragt, ob sie “ein gottesgefälliges untertäniges reines und leises Mädchen ist?” Sie schüttelt die Hand weg. Der Pfarrer verbreitet Lügen, die Eltern glauben ihr nicht, des Pfarrers Sohn schlägt den Bruder zusammen und erzählt, daß Zey “mit dem Teufel fickt” und Zey weiß sich zu rächen.

“Den Himmmel verloren”, hat Fred und da stimmt die Buchbeschreibung nicht so ganz, denn es sind durchaus nicht nur die unteren Schichten, über die erzählt wird, sondern vielleicht die psychischen Ausnahmezuständen. Denn Fred hat viel Geld in der Tasche, gibt der Kellnerin Hilda, in der Bar, die er immer Dienstag besucht, pro bestelltes Glas reichlich Trinkgeld, hat eine teure Uhr und eine Frau namens Gloria, der er mit seinem Geld auch ihre Chemo- und Bestrahlungstherapien, wir sind in Amerika, bezahlen würde. Das <problem ist nur, Gloria will das nicht, sie will ihr Leben gut zu ende leben. Das heißt trotz ihrem Karzinoms rauchen. Sie verläßt ihn auch am Wochenende, um ihre Familie zu besuchen und da geht Fred wieder in die Bar. Da hat die Kellnerin aber weniger Zeit für ihn, so vertraut er sich einem Jungen namens Tony an und betrinkt sich. Als er zum Auto wankt, wird er von ihm überfallen, Geld und Autor ist weg und die Kellnerin hat auch keine Zeit für ihn, sondern geht mit dem Koch nach Hause. Sehr hintergründig die Geschichte, wie die anderen auch, das ist wahrscheinlich Dantiel Monitzs Spezialität.

Das trifft auch bei “Die Herzen unserer Feinde” zu, denn das ist ebenfalls eine sehr hintergründige Familien- beziehungsweise Mutter-Tochtergeschichte. Da ist Frankie, die hat ihren <mann irgendwie betrogen oder auch nicht so ganz. Der Mann ist aber ausgezogen und scheint nur noch das Geld zu überweisen und so bemüht sich Frankie um ihre Tochter Margot, die sie aus diesem Grund zu bestrafen zu scheint, beziehungsweise hat Frankie Schuldgefühle. Kocht und wäscht für die Tochter und deren Freundin, entdeckt in ihrer Wäsche Zettel mit französischen Nachrichten und ein großes Versöhnungsessen scheint es auch zu geben.

Um Religiösität beziehungsweise um die Fragen von Gut und Böse, Schuld und Sühne geht es in der nächsten Geschichte auch. Das ist Shayla, neun und die verbringt ihre Sommer gerne bei der Großmutter und ihrer Cousine Tweed, die dort aufwächst, weil ihre Eltern im Gefängnis sitzen. Shaylas Mutter vermutet daher das Böse auch bei Tweed und Shayla überlegt, wo das Böse bei ihr ist? Fährt dann mit ihrem Vater und seinen zwei jüngeren Geschwistern ans Meer und dort kommt es zu einem fast tödlichlichen Unfall, der sie noch lang begleiten wird.

In “Schnee” geht es um Trintiy, die ist dreiundzwanzig. Barfrau und frisch verheiratet. Der Sex klappt nicht so und sehr ausführlich wird die Beziehung, die die Barfrauen zu ihren Kunden haben beleuchtet. Die erzählen ihnen ihr Leben, Psychotherapie zum Spartarif wird das genannt. Die Barfrauen hören zu und der Umsatz steigt. Da kommt Snow ins Lokal blond, blauäugig, braune Haut und erzählt etwas von Spiritualität. Einen Kollegen ,der ebenfalls “Schnee” anbietet, gibt es auch und Trinity fährt statt zur Party nach Hause zu ihrem Mann.

In der nächsten Geschichte geht es um einen eingefärbten Teich bei dem Billie mit ihrem Mann Lyan wohnt. Sie fährt zum Lunch zu ihrer Mutter, denn die wird bald fünfzig und da soll eine Party steigen. Die selbstbewußte Käsesticks essende Mutter erzählt ihr, daß sie von Fischen geträumt hat. Das ist ein Fruchtbarkeitssymbol.

“Wann bekommst du ein Baby?”, fragt sie Billie. Die redet sich heraus, ist aber schon schwanger und hat nun zu überlegen, ob man in diese klimagebeutelte Welt ein Kind setzen soll oder nicht?

Es gibt eine Geschichte wo zwei Geschwister die Urne ihres Vaters nach Santa Fe bringen können. Noch eine, wo zwei Freundinnen sich bei der Großmutter der einen treffen, die mir ebenso ein wenig unverständlich war, wie die von den Dinnerclub, wo die Reichen und die Schönen offenbar in Tiergestalt auftreten.

Aber eine interessante Mischung und eine neue frische Stimme des amerikanischen Marktes, wo ich mit den großen Amerikanern ohnehin meine Schwierigkeiten habe. Bei den Amerikanerinnen scheint das wohl anders zu sein und interessant erschienen mir wieder die Namen, da gibt es einige die mit bisher unbekannt erscheinen, wie Shaya, Kit, etcetera. Manche erscheinen mir trotz der brisanten Themen wieder etwas altmodisch wie dender Cecilia.

Und was die Erzählungen betrifft, die mir ja eigentlich nicht so liegen, weil ich manchmal Schwierigkeiten habe, so schnell von einem Sujet zum anderen zu wechseln und ich dann nicht so schnell mitkomme.

Möchte aber einen österrreichischenen Erzählband zitieren, der mir sehr gefallen hat und vielleicht ähnlich seltsame Frauenschicksale behandelt, aber weil in einem kleinen Verlag erschienen, wohl nicht so bekannt werden wird.

Die Frauen von Schönbrunn

Historische Romane um die vorige Jahrhundertwende, vom ersten Weltkrieg aufwärts sind jetzt sehr modern und ich habe schon einige davon gelesen, das erste war glaube ich “Chuzpe” von Andreas Pittler. Dann folgten noch einige Krimis “Schönbrunner Finale” beispielsweise und jetzt die Frauen von Schönbrunn von Beate Maly.

“Ullstein” hat es mir angeboten und interessant, nicht zu verwechseln mit Beate Maxian, die auf mehreren Krimipreislisten stand. Die 1970 in Wien geborene schreibt keine Krimis, sondern einen eine Art Liebesromane, zumindest würde ich die “Frauen von Schönbrunn” so interpretieren und das Buch ist für alle Zooliebhaber, glaube ich, zu empfehlen. Ich bin das wahrscheinlich nicht so sehr, aber trotzdem ist es interessant über den berühmten Tiergarten zu lesen und das Buch beginnt im Prolog 1914, wo gerade Weltkrieg eins begonnen hat. Da geht Tierarzt Karl Moser mit seinen beiden Töchtern Emma und Greta dorthin, weil Greta den zwanzigsten Geburtstag feiert. Emma ist etwas jünger und will Tierärztin werden. Aber damals durften die Frauen nur in Zürich studieren, so beginnt sie als Tierpflegerin in Schönbrunn, um sich das Geld dafür anzusparen, während Greta mit ihrem Verlobten Gustav auf Vater und Schwester in einem Gasthaus warten.

Dann springen wir ins Jahr 1917. Der Vater und Gustav sind an der Front. Greta ist hochschwanger, Emma trainiert im Affengehege den Orang -Utan Fanny und streitet sich mit dem Vizedirektor Hubert von Kochan, der Zoologe ist und am liebsten das Gehirn des Affen sezieren will. Ein Tierarzt muß her. Der heißt Julius Winter, ist von der Front mit einem Granatsplitter im Bein zurückgekommen und hat von da ein Trauma, weil er dort hauptsächlich den Soldaten, die Beine amputieren mußte. Deshalb betrinkt er sich mit seinem besten Freund Johannes mit billigen Fusel, weil der an Front zurück muß. Julius kommt aus der Steiermark. Seine Mutter hat dort ein Gestüt und sein Bruder, der es bewirtschaftet, ist zum Leid der Mutter schwul, denn sie wünscht sich sehnlichst Enkelkinder.

Das Essen ist knapp. Im Tiergarten, wie auch überhaupt, so wird ein Eisbär angeschossen und der Tiergarten, der dem Kaiser gehört, steht ständig vor der Schließung und, daß Frauen dort überhaupt arbeiten können, verdanken sie den Männern an der Front. Es kommt ein Brief vom Kriegsministerium. Gustav wird als gemisst gemeldet, was Greta in so großen Schock versetzt, daß das Kind früher kommt und ausgerechnet zu dieser Zeit ist die Hebamme bei ihren Eltern am Land um Lebensmittel zu hamstern.

Da taucht Julius mit einem Geschenkkorb auf, um sich bei Emma zu bedanken und kann gleich der kleinen Gisela ins leben helfen. Ein Nachbar will das Haus der Schwestern kaufen. Emma muß das Silberbesteck ihrer verstorbenen Mutter verkaufen. Julius kauft es ihr zurück und bis zum Happy end sind noch einige Katastrophen zu überwinden. Man sieht Beate Maly hat die Heldenreise und das Stufenmodell genau studiert. Der Vizedirektor, der Fanny vergiften und Emma vergewaltigen will ,ist ein eindeutiger Antagonist. Direktor Kraus, den es wohl wie Fanny und das Zebra Charlie, das Kutschen durch den Schloßpark zog, wirklich gegeben hat, ist eine eher blasse Neutralfigur, hat aber gewußt, daß Karl Moser für die kranke Frau des Tierpflegers Franz Morphium abzweigte. Von Kochauf will Emma damit erpressen und als die noch von seinem Kuß unter Schok stehend zu ihm will, um ihm um Rat zu fragen, sieht sie ihm eine Frau umarmen.

Uje uje, aber das ist nur die Schwester Johannes, der gefallen ist, genauso wie auch der Vater und, als das Happy end dann in Form der Taufe der kleinen Gisela herangekommen ist, bleibt, um das das Ganze vielleicht nicht zu kitschig machen, Gustav nach wie vor verschollen. Ich hätte gedacht, er kommt zurück und Emma wird vielleicht doch nicht Tierärztin werden, sondern höchstwahrscheinlich Mutter, die den Affen Fanny dann vielleicht nur in ihrer Freizeit weitertrainiert und die Straßenbahnschaffnerinen haben nach dem Krieg ja auch weichen und an den Herd zuückmüssen, bis dann world war II kam.

Trotzdem ein spannendes leicht zu lesenden Buch, in dem man viel über den berühmten Tiergarten erfährt und einen Folgeband habe ich gesehen, gibt es auch schon. Mal sehen, ob er zu mir kommt.

Feuerland

Hurrah, hurrah, ich bin fertig mit dem vorjährigen Buchpreislesen, ist iMchael Hugentoblers “Feuerland” doch das letzte Buch der Schweizer Buchpreisliste, das etwas verspätet zu mir gekommen ist, so daß ich es jetzt erst lese, weil mir ja auch die Bloggerdebutshortlist vorziehen mußte.

Es ist aber interessant, daß ich es nach Michal Hvoreckys “Tahiti Utopia” gelesen habe. Denn es gibt Parallelen zwischen den Büchern, die von einem slowakischen und einem schweizer Autor geschrieben wurden. Haben sich beide doch, was jetzt sehr modern zu sein scheint, historische Persönlichkeiten ausgesucht und sich mit diesen auf eine Art utopische Reise begeben oder einen etwas skurril scheinenden Schelmenroman daraus gemacht.

Der Stil des Buches, das mich teilweise an E. T. Hoffmann erinnert hat und der sehr skurril ist, hat mir im Großen und Ganzen gefallen. Manchmal war es mir ein bißchen zu skurril. Aber eigentlich mag ich den den etwas altmodisch wirkenden Stil und es war auch relativ leicht zu lesen.

Es geht um ein Wörterbuch. Da könnte ich auch eine Verbindung zu “Wolkenkuckucksland” ziehen, das ja auch ein Lobpreis auf Bücher ist, aber das ist eher ein literarischer Abenteuerroman. So würde ich den 1975 in Zürich geborenen Thomas Hugentobler nach oder neben dem Buch der Martina Cavaldetscher reihen, das mir, obwohl viel moderner im Stil auch sehr gut gefallen hat.

Es geht um ein Wörterbuch, nämlich um das der Yamala, das es wahrschein ebenso gibt oder gab, wie den britisch-argentinischen Missionar Thomas Bridges 1842-1898 und den deutschen Ethnoglogen Ferdinand Hestermann 1878-1959.

Dann gibt es noch eine Art Nachwort, wo Michael Hugentobler, der Vielreisende, schreibt, daß er vor einigen Jahren in Argentinien war und da von einem alten Mmann “Vom Geist des Missionars” hörte, der “nach seinem Buch sucht” und dieses hat er dann tatsächlich in einer britischen Bibliothek gefunden und dann beginnt der Roman mit einer Szene auf einer Bank, wo ein Buch vergeßen wird. Ein Buch mit einem blau-rot marmorierten Rand, das der Finder, dem Davoneilenden nicht zurückgeben kann.

Dann sind wir im Jahr 1938 in Münster. Ein paar Tage vor dem Anschluß Österreichs und da lernen wir den als etwas seltsam beschriebenen Ferdinand Hestermann kennen. Er ißt fast nur Zwieback, raucht ständig “Lux” und hat im Hörsaal Schwierigkeiten mit einem Nazistudenten, der ihm sagt, daß sie bald alle Bücher holen werden und er auch auf den Index steht. Das bringt Hestermann auf die Idee das gefundene Wörterbuch der Yalmala, seinen großen Schatz, nicht den Nazis zu überlassen, sondern in die Schweiz zu bringen.

Das ist der erste Teil. Im zweiten gehen wir nach Patagonien und zu Thomas Bridges zurück, der auch ein wenig seltsam ist. Ziehsohn eines Missionars, der mit einem einheimischen Freund, den Wortschatz der Yamana-Indianer erforscht und dem das Buch dann gestohlen wird.

Teil drei spielt wieder 1938, Hestermann ist in der Schweiz, wird dort von einem “Mann mit dem bösen Mund” verfolgt, das gibt einige sehr sehr skurrile Szenen, baut dort eine Bibliothek auf und das Buch das er schließlich unter seiner Hose versteckt, wird ihm auch gestohlen und nach London gebracht, wo sich der Kreis schließt.

Wie schon beschrieben, ein sehr phantastisches Buch und ich habe als Studentin sehr gern E. T. Hoffmann gelesen. Man kann es vielleicht auch ein bißchen mit Elias Canettis “Blendung” vergleichen, das mich vor zig Jahren auch sehr beeindruckt hat.

Wenn man darüber nachdenkt oder sich in die Biografien der beiden Protagonisten einliest, denkt man wahrscheinlich, “Das waren wahrscheinlich keine so skurrile Figuren und darf man sie verhunzen?”

Eine Frage, die ich an meine Leser weitergebe und wie auch schon geschrieben, es wäre bei mir an zweiter Stelle des “Schweizer Buchpreises” gekommen.

Dann kann ich vielleicht noch anfügen, daß ich gerade ebenfalls versuche aus der “Effi Briest”, dem “Gretchen” und der “Frommen Helene” einen modernen Roman zu machen, der wahrscheinlich auch einen etwas altmodischen Diktus hat und bisher eine eher kurze Novelle geworden ist.

Tahiti Utopia

Am Cover ist eine Südeeinsulanerin mit Hawaikranz in den Haaren vor einer etwas kitschigen Meer- Bergkulisse zu sehen und der 1976 geborene Michal Hvorecky ist, glaube ich, ein sehr origineller Autor, den ich während meiner Bratislava-Wien Schifffahrt im Jahre 2011, die die “Alte Schmiede” organisierte, kennenlernte.

“Tod auf der Donau”, hat das Buch geheißen, das da vorgestellt wurde und hat mich auf den Autor aufmerksam gemacht, ihn dann ein paar Mal, glaube ich, in Leipzig oder auch auf der “Buch Wien” gehört und im Centrope Workshop das ich ja bis der Lockdown kam mit Stephan Teichgräber machte, hat der ein weiteres Buch von ihm gesprochen, das irgendwie untergegangen oder noch nicht auf Deutsch erschienen ist.

Auf Deutsch, glaube ich, schon, denn seit damals ist mir der Name des Übersetzers Mirko Kraetsch bekannt. Dann kam “Troll” heraus.

“Klingt gut!”, habe ich gedacht, den Autor auch auf der “Buch Wien” gesehen, wo es im Literaturcafe vorgestellt wurde, hat mir aber nicht so gut gefallen und bei meinem letztjährigen Frankfurt Surfing gab es ein Video vom Goethe Institut aus Bratislava, glaube ich, wo Micha Hvoretzky sein “Tahiti Utopia” vorstellte. Da habe ich mir das Buch bestellt, mir aber keine großen Erwartungen gemacht, wahrscheinlich sogar “Seltsam!”, gedacht und wurde wieder einmal, wie so oft überrascht. Obwohl manchmal etwas schwer zu lesen, da Michal Hvorecky mit der Vermischung zwischen Fantasie und Realität sehr spielt.

Den ersten Weltkrieg gab es wirklich und auch den slowakischen General Milan Rastislav Stefanik, der offensichtlich oder tatsächlich ein slowakischer nationalheld ist, der war offenbar auch in Tahiti, isjt aber nicht dort, sondern 1919 in der Slowakei gestorben, der war Astronom, Politiker und Militärpilot und das Buch switscht zwischen 1911 und 2020 hin und her. Aber keine Angst, die Pandemie, kommt darin nicht vor nur Michal Hvorecky bedauert in einem Video, das ich gesehen habe, daß er wegen Corona keine Lesereise machen konnten, es wurde aber, glaube ich, auf der letzten “Buch-Wien” vorgestellt und wenn man das Buch aufschlägt, gerät man vielleicht in Versuchung, es gleich wegzulegen. Sieht man da doch zuerst einen halbnackten Mann unter eine Palme. Dann kann man den “Traditinellen hymnischen Nationalgesang” lesen und es beginnt auch gleich mit “Der Himmel ist eine Schale. Auch der Mann ist eine Schale”.

Nun ja, nun ja, habe ich gedacht und ursprüglich geglaubt Michal Hvorvecky ist ein origineller Dichter, der die Literatur auf den Kopf stellt. Ist er auch, man muß nur weiterlesen, denn eigentlich ist es ja sehr interessant, wie da die Wirklichkeit mit der Fiktion vermischt wird und man lernt auch viel dabei.

Also zuerst beginnt es 1923. Da sind die Slowaken in Tahiti, haben dort eine nationale Minderheit gebildet und streiten sich mit den Franzosen und den Einheimischen herum. Denn die Ungarn, die sie in der Slowakei unterdrückten, haben sie vertrieben. So vögeln sie sich dort herum, das heißt das tut hauptsächlich der General und dann sind wir schon im Jahr 2020 und da schreibt die Ururenkeltochter einen Roman über den Opa. Dann wieder zurück in die Neunzehnzwanzigerjahre.

Also wieder ein Buch, das die 1920 beleuchtet. Da gibt es in Paris die Friedensverhandlungen, wo Stefanik mitmischt und dann erfahren wir, wie die Slowaken von den Ungarn unterdrückt werden. Ihre Sprache wurde ihnen weggenommen, etcetera, so daß ihnen nichts anderes überblieb, als geführt von dem General, auszuwandern.

Das heißt, sie marschieren wochen- oder monatelang unter erbärmlichen Umständen herum, bevor sie in München gepflegt und behandelt werden, dann kommen sie nach Tahiti und vermischen sich. Die Urenkeltochter reist später nach Ungarn, um dort ihr Buch vorzustellen und erlebt den unagarischen Nationalismus, ist aber von der Landschaft begeistert, obwoh Tahiti ihr Heimatland bleibt.

“In Ungarn hat mir trotz des Erlebnisses auf der Konferenz außerordentlich gut gefallen. Doch als ich auf der Anhöhe beim Strand die vier Obelisken des Grabmals erblickte, begriff ich, wo ich Hause war.”

So sehen wir am Schluß eine nackte Frau, offenbar die Uroma an einem Baumstamm lehnen und die “Pflichtlektüre, 4. Klass Grundschule, slowakische Sprache und Literatur in französich Polynesien” kann man auch finden.

Sandseele

Jetzt kommt ein Buch über Afghanistan, oder die Erfahrungen die ein deutscher Oberstleutnant 2008 dort machte. “Buch Contakt” machts möglich und da habe ich schon ein Buch über Albanien und eines über den Kosovo gelesen, die in kleinen oder wie bei diesen bei BoD erschienen ist. Geschrieben wurde esvon einem Wolf Gregis, der eine Offiziersausbildung machte und im Auslandseinsatz in Afghanistan war. Dann hat er Germanistik und Geschichte studiert und für den Roman “Sandseele”, das jetzt erschienen ist, ein Stipendium erhalten. Außerdem engagiert er sich in Verteranenverbänden und das Buch handelt von einem Martin Küfer, der eben vor zehn Jahren im Einsatz in Afghanistan war. Jetzt sitzt er in seiner schönen Wohnung, von seiner Frau Greta liebevoll mit IKEA-Dekorationen versehen, was ihm auf die Nerven geht.

Es geht ihm, seit er aus Afghanistan zurückgekommen ist, nicht sehr gut. Hat die Geschehnisse von damals verdrängt und die Erinnerungsstücke daran in eine Schachtel verbannt. Seine Frau Greta ist mit den Kindern in einem Spa-Hotel, endlich allein, sagt sich, er will arbeiten. Aber da holt ihn, als er sich mit den Nudeln, die Tagesschau ansieht, die Vergangenheit ein. Denn da ist ein Abdul Rahman, jetzt, Mahor, zu sehen, den er von damals kannte, was bei ihm Angstvorstellungen auslöst und er wieder zu rauchen beginnt. Er holt die Schachtel und packt nach und nach die Erinnerungsstücke aus. Da gibt es ein Bild von Abdul, seinen Freund, einen Schlüßelbund, einen Shemag, das ist eine Kopfbedeckung der Beduinen gegen den Sandsturm, der offenbar ins Afghanistan herrscht, etcetera.

Stück für Stück nimmt er sie aus der Schachtel auf der “Afghanistan” steht, heraus und geht dabei seinen bisher verdrängten Afghanistaneinsatz durch. Dazwischen wird, er, was für mich ein bißchen unverständlich ist, von seiner Greta immer wieder angerufen. Er geht aber nicht ran und man denkt, die Ehe ist offenbar nicht gut. So war es aber schon früher. Greta ist Krankenschwester und sehr häuslich, siehe die IKEA-Dekorationen, die er haßt. Er will in das Leben hinaus, will nach Afghanistan, sie will das nicht und man erfährt nun, wie er idealistisch nach Kabul gekommen ist. Da sitzt eine Bettlerin mit Burka, die sie Maria nennen. Er will zu ihr hin, wird aber vom Fahrer abgehalten, weil sie dann überfallen werden könnten. Als Nächstes sieht er, wie ein Soldat mißhandelt wird. Er will auch da helfen. Dann kommt es zu einer Aktion “Maiwand”, eine deutsch-afghanische Operation, wo er Abdul und seinen Onkel kennenlernt und es zu den Erlebnissen, kommt, die er zehn Jahre lange verdrängte und dabei auch einen Freund verlor.

Am Schluß schickt Greta Videos von den Kindern und er meldet sich bei ihr.

“Der Karton stand offen auf dem Boden, leer. Es war noch ein guter Karton, die Ecken nicht abgestoßen, sondern fest und gradlinig. Greta würde ihn noch gebrauchen können. Für die zu klein gewordenen Kindersachen, die sie auf dem Dachboden sammelte. Für das aussortierte Spielzeug, Bilderrahmen und Osterdekoration. Die Aufschrift “Afghanistan” würde ich wegradieren, dann fiel er unter all den anderen Kartons mit all dem anderen Krams auf dem Dachboden gar nicht auf.”, lauten die letzten Sätze.

“Man konnte dem Sand nicht entkommen. Nicht am Hindukusch. Man konnte auch den Erinnerungen nicht entkommen. Nirgends.”, steht am Buchrücken.

Nach der Danksagung gibt es einen Anhang, wo man erfahren kann, welche Musik Wolf Gregis beim Schreiben hörte. Man erfährt etwas über die Vereranenvereine und die Dienstgrade der Bundeswehr, was mich nicht so unbedingt interessante, aber sonst ein spannendes Buch gelesen habe.

Bananenangst

Jetzt kommt ein Debut, das, glaube ich, nicht auf der Bloggerdebutlonglist steht, der in Stuttgart lebenden Patricia Modispacher, die Germanistik, Philosophie und deutsche Literatur studierte, das als Jugendroman definiert wird.

Ich denke es ist ein erzählender Therapiebericht einer Eßstörung, wie weit er autobiografisch ist, weiß ich nicht, war mir die Autorin doch bisher unbekannt, im Buch ist kein Hinweis darauf zu finden und es erscheint mir einiges darin auch widersrpüchig und an die Grenzen gehend, obwohl sich das Buch sehr spannend liest , einen interessanten Einblick in die Störung und die Therapiemöglichkeiten gibt und glaube ich, Leuten, die Probleme mit dem Essen haben, zu empfehlen ist.

Es geht um die dreiundzwanzigjährige Soziologiestudentin Scarlett Schweighart, die die die Geschichte erzählt. Ja die Namen sind, glaube ich, auch ein Problem in dem Buch, gibt da doch eine Frau Kleist, eine Frau Samt, eine Frau Holz, eine Frau Best, etcetera und der Therapiebericht in zehn Kapitel beginnt mit einer Art Vorwort:

“Du weißt, daß es schlimm ist, wenn du vor Bananen Angst hast. Wenn du nicht mehr dazu fähig bist, eine Banane in dein Frühstückmüsli zu schneiden oder gar einfach als Zwischenmahlzeit in eine Banane zu beißen.”

Das klingt schon sehr eindrucksvoll und dann geht es in den Therapiebericht hinein, der in jeden Kapitel zuerst etwas aus dem Leben der Protagnostin, die sich zu einer Therapie entschlossen hat, erzählt.

Sie war immer dick, wurde von ihren Freundinnen gemobbt, als “Fetti” beschimpft und ausgegrenzt. Die Eltern haben immer gestritten. Der Vater hat die Mutter herunter gemacht. Die Beziehung zu ihrem Bruder Robin war sehr gut, aber als die Ehe geschieden wurde, ist der Bruder mit dem Vater fortgezogen. Die Beziehung zur Mutter ist sehr problematisch und offenbar scheint die Muutter mit dem Essen auch ein Problem gehabt zu haben.

Der Freund hat Scarlett verlassen und der Bruder hat die Schwester gezwungen, sich in eine psychosomatische Klinik zu begeben, weil er sie sonst einweisen lassen würde, weil er nicht zusehen, wollte, wie sie verhungert.

Das erste Kapitel beginnt mit dem Ersten Tag in der Kinik. Wir lernen die Theraupeuten, eben die Frau Best und die Frau Kleist kennen. Die Frau Best die Bezugspflegerin, wird von Scarlett oder “sexy Scar,” wie sie auch beschimpft wurde, “Arielle” wegen ihrer grünen Augen genannt und da stoßen wir im Lauf des Buches, das bis zum glücklichen Ausgang erzählt, vielleicht an eine Grenze, denn Scarleltt verliebt sich in sie, was nicht so unüblich sein dürfte, aber es passiert auch ein bißchen umgekehrt.

In der Klinik sind auch Patienten mit anderen Problemen, die Eßgestörten müßen aber mit “Eßbegleitung” essen und da finde ich einiges an den Therapiemethoden ein bißchen ungewöhnlich und bin nicht ganz sicher, ob das wirklich so passiert.

Man darf keinen Sport betreiben, Scarlett hat sich nämlich mit Sport und “gesunden Essen” zum Skelett hinuntergehungert. Jetzt darf sie keine Stiegen steigen und keinen Salat essen, sondern muß sich Butter auf ihr Brötchen streichen. Da bekommen die Patienten Magenkrämpfe, die auch genau beschrieben werden. Es gibt viele Therapien, wie ich es mir vorstellen kann. Die Frau Kleist ist die Psychotherapeuten, einen etwas seltsam scheinenden Ernährungsberater und eine Kunsttherapeutin, da malt Scarlett immer Fahrräder und Pinguine, was mit der Beziehung zum Bruder in Zusammenhang steht, gibt es auch und dann natürlich die Patienten.

Scarlett hat Schwierigkeiten mit einer Lisa, freundet sich aber sonst mit den Meisten an, kümmert sich auch als Patin oder Ersatztherapeutin, um sie und arbeitet das alles mit ihrer Therapeutin auf.

Das erscheint mir alles sehr authentisch und selbst erlebt. Ein wenig klingt das ganze Buch vielleicht zu therapeutisch, so berichtet Scarlett machmal so von sich, wie sie am ersten Tag der Therapie noch nicht gefühlt haben kann.

Manches kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Zum Beispiel die “Bananenangst”, denn als es Scarlett schon ein bißchen besser geht, darf oder muß sie Zwischenmahlzeiten einnehmen und kann da zwischen Studentenfutter einen großen und zwei kleinen Schokoriegel wählen. Einmal sucht sie sich eine Banane aus und besteht da Todeskämpfe bevor sie sich sie zu essen überwinden kann. Aber Bananen haben viel weniger Kalorien als fette Schokoriegeln oder Brötchen mit Käse und Butter, was Scarlett zu dieser Zeit schon ißt.

Scarlett hat sich ihr eigenes Abnehmprogramm zusammengestellt, Unmengen von Salat und Wasser, klar, aber im Therapieplan würde ich als Therapeutin, die Bananen vor den Schokoriegeln setzten.

Trotzdem ein gutes Buch, das die ganze Therapie bis zur Entlassung schildert und mit dem Satz “Wenn du dich liebst und akzeptierst, so wie du bist und Essen schmecken darf und kein Zeichen für Charakterschwäche mehr ist, dann weißt du, dass es gut ist”, endet, das jeden zu empfehlen ist, der abnehmen will oder vielleicht an einer Magersucht oder Anorexie, Wörter, die Scarlett nicht leiden kann, leidet.

Ich habe ja schon einiges über Eßstörungen gelesen, finde das Buch, wie schon geschrieben sehr interessant und denke darüber, ob die Widersprüche so passierten, Absicht waren oder vielleicht als ein wenig provokant zu verstehen sind, noch nach.

Wolkenkuckucksland

Jetzt kommt wieder ein Buch das ich von der 2021 Liste ,mitgenommen habe und das seit September, glaube ich, auf meinen Stapel liegt und dem ich im Netz immer wieder begegnet bin, ist es doch, wie ich vielleicht ein wenig frech schätzen würde, ein Abenteuerroman, der ähnlich wie Sharon Dodua Otoo,die ganz Geschichte zu umspannen zu versucht.

Es versucht es nicht mit der Frauen- sondern mit der Weltgeschichte, bzw., der der Bibliotkeken. Ein Lob des Lesen also und versucht die Geschichte von den Argonauten bis zur Argos neu zu erzählen. So was gibt es im Jugendbuchbereich wahrscheinlich zu Hauf. Bei C. H. Beck ist es wahrscheinlich Novum und der in Clevland 1973 geborene Anthony Doerr hat, glaube ich, einmal oder öfter den “Pulitzer-Preis” bekommen. Einer seiner Bestseller heißt “Alles Licht, das wir nicht sehen”. Ich muß gestehen, noch nie etwas davon gehört und habe mir beim Lesen auch ein bißchen schwer getan.

“Wolkenkuckucksland kann man nicht mehr aus der Hand legen, es ist eines dieser Bücher, die unser Leben verändert. Auf solche Bücher hofft man immer, aber es gibt sie nur ganz selten. Ein absolutes Meisterwerk”, schreibt Betsy Burton von The King´s Englisch Bookshop auf dem Rücken, auch davon habe ich noch nichts gehört und deckt nicht nicht mit meiner Wahrnehmung, es gibt aber einige Details die ich für interessant halte.

So schaut das Buch nach dem Lesen, es wäre mir ein paarmal fast in die Badewanne gefallen, es ist ja sehr umfangreich, ziemlich durchnäßt und zerfetzt aus und das passiert auch einem der Protagonisten in dem Buch. Da ist es zwar nicht die Badewanne, die gab es im fünzehnten Jahrhundert wahrscheinlich noch nicht. Der Protagonist namens Oumeir setzt es nachher aber wieder sorgfältig zusammen. Ich werde es auf die Heizung legen und trocknen lassen und Detail zwei, was mit dem Inhalt nicht so viel zu tun hat, zumindestens nicht was die Absicht des Autors betrifft.

Ich bin ja mit meinem letzten Text den “Arbeitstitel” auch in die Zukunft gegangen. Zuerst habe ich es mit 2099 versucht, aber wie sieht die Welt da aus? Dann bin ich bis 2053, meinen hundertsten Geburtstag, zurückgegangen und habe gedacht, da ißt man aus der Retorte und die KIs servieren das Essen und Anthony Doerr, ich muß es zugeben, ist perfekter als ich, no na, ist er ja unwidersprochen viel mehr Profi , obwohl er wahrscheinlich nicht so lange schreibt, wie ich, da kann man sich das Essen drucken lassen. Warum ist mir das nicht eingefallen? Aber zum Buch zurück.

Es geht um ein Buch, um einen Roman oder einen, der in Tafeln von einen Antonis Diogenes geschrieben wurde. Da findet man diese immer wieder in den fünfhundert Seiten verstreut und dann, was das Jugendbuch betrifft. Es geht um fünf Jugendliche, glaube ich und um einen alten Mann, der glaube, ich 2020 gestorben oder etwas später gestorben ist. Etwas später natürlich, denn 2020 war erst der Terroranschlag in der Bibliothek und da kann ich mich gleich wieder unterbrechen, genial oder interessant ist vielleicht auch, daß, ich glaube, daß Anthony Doerr, da die Covid-Krise in den Text einbezogen hat. Rennen doch alle mit Mundschutz herum und es gibt auch Sauerstoffmesser. Aber da sind wir schon in der “Argos”, das ist, glaube ich, eine Weltraumkapsel, denn die Welt ist tatsächlich oder angeblich untergegangen und da fliegt die vierzehnjährige Konstanze überwacht von ihrer KI Sybill um die Welt herum oder befindet sich in einer virtuellen Bibliothek und ein großer Teil des Buches spielt 2020 in einer Bibliothek in Lakeport. Da hat der sechsundachztigjährige Zenos, der vorher im Koreakrieg war, dieses “Wolkenkuckusland -Manuskript” irgendwo gefunden, es auf Englisch übersetzt und führt es mit sozial benachteiligten Jugendlichen auf. Die Aufführung wird aber unterbrochen, denn da gibt es einen Jugendlichen nam,ens Seymour der den Umweltgedanken mißversteht. Man sieht Anthony Doerr ist höchst aktuell und der plant einen Terroranschlag. Zenos rettet die Kinder. Aber gehen wir ins fünfzehnte Jahrhundert zurück und nach Konstatinpbel. Da stickt eine Anna bei einer Witew, stieht deren Wein und läßt sich dafür Altgriechisch beibringen. So fällt ihr dann das Manuskript in die Hände, das Omeir, der zum Krieg dorthin geschickt wird, nach ihrem Tod nach Urbino bringt, aus dessen Klosterbiliothek, es glaube ich, herkommt.

So ganz habe ich den welt- und zeitumfassenden Inhalt nicht verstanden und reime es mir selbst zusammen und Konstanze entdeckt in ihrer virutellen Bibliothek, unterstützt von einem Computerhund, ,das Buch, bzw. daß es auf dem Nachtkästchen ihres Vaters lag. Wie kam es dorthin? Er war natürlich eines der Kinder, die Zenos gerettet hat und interessant, interessant, kann ich nur sagen und äußerst spannend, wie sich dieses Buch in der Weltliteratur behaupten wird.

Wir es da ja schon als “Weltbestseller” bezeichnet, “Dieser ganze Roman ist einfach ein großes und stauneswertes Geschenk” schreibt Booklist, USA. Ö1 hat es, glaub ich, ebenfalls besprochen und da muß ich noch auf das Motto hinweisen, das es auf den ersten Seiten gibt, das natürlich auf Aristophases und seine “Vögel” hinweist.

Heimweh

Jetzt kommt ein Buch, das, glaube ich, schon seit Oktober auf meinen Badezimmerstapel liegt und das gleich zweimal zu mir gekommen ist. Einmal als Lese – und dann noch als Printexemplar, das Leseexemplar habe ich an Doris Kloimstein weitergegeben, so daß wir es gemeinsam lesen können und ich habe von dem 1963 geborenen irischen Autor Graham Norton, den “Irischen Dorfpolizisten” auch gleich zweimal gefunden, aber noch nicht gelesen.

Und ich muß sagen es ist ein interessantes Buch, an Hand dem man gut den Spannungsbogen verfolgen kann, nicht die “Heldenreise”, die habe ich gar nicht darin erkannt, es ist, glaube ich, eher die unchronologische Struktur, die von 1987 bis 2019 hin und herspringt und langsam Schicht für Schicht alle Geheimnisse von sich gibt. Es ist ungeheuer spannend geschrieben, weil man sich am Anfang nicht auskennt, spannender als ich es vom Buchpreislesen kenne und wenn man dann tief durchatmet, erkennt man vielleicht die Handlung ist eigentlich trivial. Es gibt zwei Themenstränge, ein Unfall mit tödlichen Folgen, die das Leben eines jungen Mannes verändert und dann die Einstellung zur Homosexualität, die sich seit 1987 auch sehr verändert hat.

Das Ganze scheint in einer irischen Kleinstadt namens Mullinmore zu spielen oder zu beginnen und da beginnt es am Vorabend einer Hochzeit. Zwei junge Leute Bernie und David wollen sich verheiraten, die Mutter kauft der Braut kauft sich noch das Hochzeitkleid.

Bernie und David sind mit ihrer Brautjungfer Camel und deren Schwester Linda im Auto des Arztsohnes Martin ans Meer gefahren. Der Sohn des Pubbesitzers Connor ist auch dabei. In den ersten Szenen bahnt sich das Unheil an, denn die sechs hatten einen Unfall. Das Paar und Camel sind tod, Linda schwer verletzt, die beiden anderen unverletzt und Connor hat das Auto gefahren erfährt man.

Dann wird beschrieben, wie schwer es ist in einer Kleinstadt mit dieser Schuld zu leben, vor allem Ellen Connors Schwester hat diese Schwierigkeit und es ist ihr peinlich. Die Eltern schicken Connor nach England, wo er eine Arbeit am Bau bekommt, in einer Männer-WG wohnt und die Beziehung zu Mullinmore un seinen Eltern abbricht.

Dort nähert sich Martin Ellen an, führt sie aus und heiratet sie schließlich.

Eine spannende Szene ist der Weihnachtsabend von 1988, glaube ich, da ist Connor in der Wohngemeinschaft allein und besucht eine Bar, da wird er von einem Mitbewohner beim Schmusen mit einem Künstler erwischt, der ihn hinauswirft und der Vater der in der Wohngemeinschaft anruft, kann ihn nicht erreichen.

Dann kommen die Zeitsprünge. Ellens Ehe ist unglücklich und ihr Mann, der inzwischen die Praxis des Vaters übernommen hat, ist ein Ekel und 2012 trifft Connor seinen Neffen Finbarr, den er erst später als solchen erkennt in einer New Yorker Schwulenbar. Es geht ihm schlecht, denn sein Freund Tim hat ihn verlassen, er betrinkt sich und erkennt dann in Finbarrs Zimmer das Bild seiner Schwester und Finbarr erzählt seiner Mutter, daß er den Onkel getroffen hat.

Dann geht die Handlung richtig los. Ellen besucht Linda, die inzwischen vom Koma erwacht ist und im Rollstuhl sitzt und die verrät ihr Connor saß gar nicht am Steuer, sondern Martin und Ellen erkennt, warum Martin sie geheiratet hat.

Es waren die Schuldgefühle etwas wieder gut zu machen, denn in einer Rückblende von 1987 erfährt man, daß Martin am Strand etwas getrunken hat und Connor nachdem der Unfall passierte, zwang zu sagen, er wäre gefahren, sonst verrät er seinen Eltern, daß er homosexuell ist und davon hatte Connor schreckliche Angst und ärgert sich noch Jahre später, daß er sich darauf eingelassen hat, noch dazu, da seine Eltern mit Finbarrs Homosexualität keine Schwierigkeiten haben und auch sein Vater regelmäßige Ausflüge nach Dublin machte, wo er einen Franzosen traf, also sehr viel Homosexualität in der kleinen Stadt, die vielleicht ein wenig unrealistisch ist.

Ellen stellt ihn zur Rede, zieht in den Bungalow seiner Eltern und er verschwindet. Das ist eine spannende Szene wo Ellen in dem Bungalow beschwingt erwacht, weil sie glaubt die Ehe hinter sich zu haben und dann beim Einkaufen von einer verstörten Pflegerin, die seine demente Mutter betreut und der Ordinationshilfe angerufen wird “Dr Coulter ist verschwunden!”

Der bleibt ein paar Tage weg und räumt Ellens Konto leer. Dann kommt er zurück und schlägt Ellen die Scheidung vor. Die findet dann noch ihr Glück und einen netten Mann. Finbarr heiratet 2019 seinen Freund Luke, denn das darf man dann und es gibt jetzt ein frugales>Hochzeitsfest, zu dem auch Connor und Linda kommen.

Ein spannender Roman mit interessanten Themen und wie geschrieben, wenn man darüber nachdenkt erkennt man ein paar Unlogigkeiten und auch die gewollte Planung.

Abgesehen von den schon geschilderten sehr packenden Szenen, ist Ellen ein bißchen widersprüchig, geschildert, weil sie am Anfang große Schwierigkeiten mit Connors Schuld hatte, dann aber über sich hinauswächst und eigentlich zu stärksten Figur wird. Dr. Coulter erscheint sehr unklar. Warum ist er Ekel und Connor eigentlich ein Looser, was ich auch ein wenig ungewöhnlich fand.

Aber interessant einen neuen Autor kennengelernt zu haben und da ein bißchen mitgenascht, wie man einen spannenden Unterhaltungsroman schreiben und wo es damit haken kann.