Therapeutische Cartoons

Beim “Holzbaum-Verlag”, wo ich mich ja schon so durch alle seine Cartoons und auch das Literarische gelesen habe, habe ich mich wegen meiner elendslangen Leseliste ja  zurückhalten wollen, bin eigentlich kein lustiger Typ, habe aber hier ein bißfchen Humor gelernt und bei den therapeutischen Cartoons kann die Psychotherapeutin natürlich nicht aus, obwohl man hier natürlich den Papa Freud in allei seinen Formen und Facetten begegnet und ich ja Verhaltenstheraueptin bin.

“Wie sieht Psychoanaylse beim Werbepsychologen aus? Woran erkennt man einen Psychiater beim Blind Date? Und was machen Löffel bei der Sexualberatung?”

Diese und andere Fragen beantwortet das Buch beziehungsweise haben die “Besten Cartoonisten” des In und Auslands ihre Phantasien dazu preisgegeben, verrät der Text am Rücken und das Cover von Dan Piraro ziert ein Hündchen auf der Couch, das lustig vor sich hinplappert “Eigentlich geht es mir gut, ich möchte nur einen Platz, wo ich auf der Couch erlaubt bin.”

So ist oder könnte es sein, denkt sich der listige Cartoonist. Ja und das Freud 1905 eine Studie über den “Witz und seine Beziehung zum Unbewußten” geschrieben hat, hat der Beschreibungstext auch noch verraten.

Also blättern wir uns durch das Buch und schauen uns den Sigmund, der ja leicht oder wahrscheinlich durch seinen charakteristischen Bart eher schlecht zu karkieren ist, in allen seinen Farben und Formen an und erfahren ein bißchen was über Sinn und Unsinn der Therapien beziehungsweise die menschlichen Schwächen an:

“Auch Künstler?”, läßt Ari Plikart den Maler den “gewöhnlichen Herrn Doktor”, fragen, als der ihn sein Röntgenbild präsentiert.

Dann sitzt bei ihm sitzt der Papa noch oben auf der Sessellehne und fragt den offensichtlichen Kollegen auf der Couch, der mit einem offensichtlichen Überwachungsgerät auf ihn zielt: “Sie Sie ein Kontrollfreak?”

Das habe ich nicht so ganz verstanden, während ein anderer Psychiater “So, Schluss für heute – ich habe Hunger” zum Würstchen sagt.

Der mir durch “Holzbaum” sehr bekannte Daniel Jokesch, hat den Satz “Lebst du noch oder analysierst du schon?”, offenbar von “Ikea gestolhlen” obwohl “Freud” auf dem Werbeemblem steht.

Und beim “Deprimat” von Dorthe Landschuz, hängen vier Affen traurig am Baum herum.

In der “Selbsthilfegruppe der anonymen Harmoniesüchtigen” lernt man  das Streiten. Die Trainer freuen sich darüber, wenn das ordentlich gelingt, da könnte man natürlich an Heimito von Doderer und seine “Merowinger” denken und bei der “Klangschalentherapie”, wirft die Frau ihrem Mann die Schale an den Kopf und sagt “Es wirkt! Ich fühle mich schon ein bißchen besser!”, ob das wirklich der Sinn der Therapie sein sollte?

Und noch viel treffender ist der Cartoon, wo der Therapeut “Nun, ich hatte Sie ja gebeten, Ihre Paarprobleme einmal getrennt von einander zu notieren” und die Frau sitzt vor dem großen Stapel, während der Mann nur ein Blättchen mit “Zu wenig Sex” vor sich hat.

Beim “Jahrestreffen für Menschen mit sozialen Ängsten” sind alle Plätze und auch das Vortragspult natürlich leer, hat sich Fussel ausgedacht und HUSE ist auch schön hintergründig “Wie soll denn bitte schön diese langweilige Bootstherapie, “alle meine Probleme auf einen Schlag lösen”, Doc?!”, fragt der Klient im Boot und merkt gar nicht, daß dieser ihn in den Abgrund steuert.

Dann geht bei Kai Flemming der Meister Freud zu Meister Klimt, sieht sein Portrait mit einer Penisnase rügt entsetzt oder belustigt “Nana, was soll das denn Klimt?”, worauf dieser “Pardon, war eine freudsche Fehlleistung!”, sagt und ärgerlich wahrscheinlich, wenn man in den Therapeutin verliebt ist und von ihm statt einen Liebesbrief nur eine Rechnung kriegt, wie Katharina Greve listig zeichnet.

“Ich bin ein Hypochonder Herr Doktor!”, läßt Lo Graf von Blickendorf seinen Patienten sagen, worauf der Psychiater “Ach, das bilden Sie sich nur ein!”, antwortet und Martin Zak dagegen meint, daß “Menschen mit Minderwertigkeitskomplexen” ein Schildchen mit “Niemand an Bord” auf ihren Auto haben

Wahr der Satz von Michael Dufek “Ich könnte meine Sexsucht natürlich therapieren lassen. Ich könnte das Geld für die Therapie aber auch sparen und stattdessen damit in Bordell gehen!”

Das mag sich schon manch einer listig gedacht haben. Zum Glück gibts aber die Therapie auf Krankenschein und Michael Hochschulte nimmt es dagegen zynisch, wenn er Jesus “Mein Vater nimmt ständig Einfluß auf mein Leben sagen und den Therapeuten “Glauben Sie das wirklich?” fragen läßt, während er zu der Klientin, die lachend auf der Coach “Mir geht es gut!”, meint, “Wahnvorstellungen, also!”, sagen läßt.

Ich würde meinen, sie hat vielleicht eine Manie, sonst wäre sie ja nicht auf der Coach, sondern im Vergnügungspark und Oliver Ottisch mit dem ich ja, glaube ich, bei “Holzbaum” angefangen habe läßt ein junges Bäumchen den Stumpf “Wie erträgt man nur all die Gewalt in dieser Welt?” fragen. “Mit der Zeit stumpft man eben ab!”, lautet die Antwort über die es sich auch nachdenken läßt und böse, böse wird es, wenn der Klient “Das ist doch Gehirnwäsche was sie da betreiben!”, sagt und der Therapeut “Wir nennen es Psychoanalyse!”, antwortet. Das kann man wohl nur mit Humor nehmen und sich vielleicht fragen, was Papa Freud wohl dazu gesagt hätte?

Böse, böse und auch ein wenig lustig also. Ein Buch, das sich vielleicht als Weihnachtsgeschenk für den Therapeuten eignen könnte. Der strenge Analytiker, habe ich gehört, dürfte es dann nicht nehmen und ich habe mir überlegt, ob ich es nicht auf den Bücherstapel in mein Vorzimmer für die wartenden Klienten oder Angehörige legen könnte, aber was ist, wenn es mir jemand klaut?

Am Schluß gibts noch ein paar Ankündigungen, für die, die die “Wissenschaftlichen Cartoons” und die “Kunst in Cartoons” noch nicht gelesen haben.

Die Namen und die Biografien der sich beteiligt habenden Cartoonisten gibt es natürlich auch.

Das Herz verläßt keinen Ort an dem es hängt

In Zeiten, wo sich die Rechten mit den Aufzählungen von Gewalttaten von Flüchtlingen und Asylwerbern stammen, regelrecht überbieten, ist es vielleicht gut, den klaren Kopf zu bewahren,  nach links und rechts zu schauen und vielleicht auch ein Buch lesen, das uns durch literarische Begegnungen, die Menschen aus Krisengebieten näherbringen kann, denn da hat es ja einen “Blog” gegeben, der “Weiter schreiben” hieß, wo  Annika Reich und Lina  Muzur geflüchtete oder noch in Krisengebieten lebende Autoren mit Einheimischen zusammenspannte.

Die Texte, die daraus entstanden sind, sind jetzt  in einer Anthologie entanden.

Ich hatte das Buch schon seit November in meinem Badezimmer liegen, bin aber durch Sabine Scholls Vorlesungen  “Frauen schreiben Krieg” nochmals darauf gestoßen und habe jetzt einen etwas anderen Einblick in dieses aufgeheitzte Thema bekommen, das entspannen kann und daher sehr zu empfehlen ist. Einer dieser Tandempartner ist der ebenfalls aus Bosnien gefüchtete Sasa Stanisic, der mit einer in Damaskus lebenden Frau, die das Pseudonym Salma Samen wählte und der meint, daß das Buch ein Brückenschlag in beide Richtungen sein könnte: “Wenn wir mehr wüßten, von dem was andere wissen und wenn wir dieses Wissen in erzählte Geschichten auch anderen zur Verfügung stellen kömnen, dann würde vielleicht – hier und dort das Wissen die Empathie wecken und die Empathie das Handeln, das Handeln würde aber die Empathie nicht unnütz werden lassen.”

Wie wahr, denke ich und lese Salma Salems Text, die das Leben zwischen Beten und Bomben in Damaskus beschreibt, wo es kein Wasser gibt, um die Kleider zu waschen, die sie schon vor Monaten in die Putzerei brachte und als sie sie abholen will, ist die Putzerei geschlossen und sie erfährt von  einem Nachbarn, daß der Besitzer abgeholt worden ist.

Dann folgen drei weitere Syrierinnen,  die teilweise in Deutschland, teilweise in Syrien leben und spannend ist, daß bei dem Tandem Widad Nabi und Anett Gröschner um Häuser geht, die 1964 in Magdeburg geborene Anett Gröschner beschreibt eines, das in Berlin 1943 zerstört wurde, während die 1985 in Syrien geborene und in Berlin lebende Widad Nabi “von den Häusern die nicht mehr denen gehören, die sie verließen” schreibt.

Und die 1980 in Suweida geborene Noor Kanj, die mit Svenja Leiber zusammenarbeite, schreibt ebenfalls “Wer bringt mir mein Haus zurück”, während die Damaskus lebende Rabad Haidar in “Das Herz eines Wolfs kochen” eine sehr poetische Familiengeschichte geschrieben hat.

Dazwischen gibt es immer wieder Bilder und Illustrationen von ebenfalls syrischen oder afghanischen Künstlern, die ebenfalls sehr interessant anszuschauen sind.

Die 1983 in Tiflis geborene Nino Haratischwili, die ich ja gerne als letzte dbp-Trägerin gehabt hätte hat die 1989 geborene Syrierin Lina Atfah für den “Herta Koenig-Preis” vorgeschlagen und verrät in ihrer Laudatio viel von der jungen Lyrikerin, die wegen eines Gedichtes politisch aufgefallen ist und dann jahrelang nicht mehr veröffentlichen konnte. Jetzt lebt sie in Berlin und bangte lang, um ihren Vater der in Syrien verhaftet wurde.

Der 1971 geborene David Wagner, der 2013 den “Preis der Leipziger Buchmesse” kam, ging mit dem 1979 in Damaskus geborenen Fadi Jomar in Berlin spazieren, der wegen eines Liberetto, das er für eine Oper geschrieben hat, in Aix en Provence zum dortigen Festival eingeladen wurde und dann in Deutschland Asyl beantragte. Er lebte dann in einem Dorf und durfte erst nach Berlin, als er dort als Koch in einem syrischen Restaurant, eine Anstellung fand.

Die 1968 in Berlin geborene Tanka Dückers arbeitete mit dem 1987 in Saudi-Arabien geborenen Jemeniten Galal Alahmadi zusammen, der jetzt in Düren lebt und vier Gedichtbände auf Arabisch veröffentlicht hat.

Sehr beeindruckend sein  Gedicht “Vom Krieg”

“Die Kugel dringt ein durch den Ansatz der Seele

dringt ein durch überwachte Telefonleitungen

Abwasserrohre marode Stromkabel”

Die 1981 in St. Petersburg, damals wahrscheinlich Leningrad, geborene Lena Gorelik, deren Listensammlerin ich noch immer nicht gelesen habe, begleitete den 1983 in Homs geborenen Yamen Hussein, der derzeit zwischen Leipzig und München hin- und herpendelt und einen sehr beeindruckenden Text über seinen Großvater geschrieben hat, der  mit “Der Fluch des Gedächtnisses und die Schatten der Hubschrauber” betitelt ist.

Der 1983 in Celle geborene Martin Kordic, dermit seinem bei “Hanser” erschienenen Roman “Wie ich mir das Glück vorstelle” Aufsehen erregte, begleitete den 1953 in Damaskus geborenen Ali Al-Kurdi, der ein palästinensischer Schriftsteller und Journalist ist, derzeit in Weimar lebt und als politischer Gefangener zehn Jahre im Gefängnis saß.

In seinem Text, geht es um seinen Vater, den er lange nur als Foto an der Wand kannte, weil er mit der Mutter allein aufgewachsen ist, die ihn jeden Morgen aufforderte, seinen Vater, beziehungsweise das Foto zu begrüßen und den er später im Gefängnis besuchte, weil er “Ansichten hatte, die dem Regieme nicht gefielen.”

Antje Ravic Strubel, die 2001 in Klagenfurt gelesen hat, von der ich mehrere Bücher in meinen Regalen habe, begleitete vorigen März die 1992 in Afghanistan geborene und in Berlin lebende Mariam Meetra durch den Schnee in Leipzig und zu einer Lesung am Stadtrand, bei der leider nur wenige Zuhörer waren.

Olga Grjasnowa, die ja auch von Baku immigrierte, kümmerte sich um den 1996 in Budapest geborenen Rom Samuel Mago, den ich sowohl von der “Exil-Preisverleihung”, als auch von der ersten Widerstandsdemo kenne, denn die Herausgeberinnen erläuterten in ihrer Einleitung, daß sie auch Angehörige der Roma in ihr Projekt einbezogen wurden.

Nora Bossong von der ich ihren Roman über Antonio Gramsci, der ja auch von den Rechten vereinnahmt wird, gelesen habe, kümmerte sich um die 1982 in Hama geborene Lyrikerin Rasha Habbal und der Ex-Hanser Verleger Michael Krüger, der in seinem Artikel betonte, wie wichtig es ist, auch syrischen und von anderswo herkommenden Dichter in den Literaturbetzrieb zu integrieren, um den 1988 in Syrien geborenen  Ahmad Katlesh, der ebenfalls in Düren lebt.

Die 1974 geborene Kristine Bilkau, von der ich noch nichts gelesen habe, war die Partnerin des 1988 in Bagdad geborenen Omar Al-Jaffal, dessen Vater Deutsch studierte und Heinrich Böll übersetzte, den Sohn als er zwölf war, aber aus der Schule nehmen mußte, jetzt hat der sich auch mit Böll beschäftigt und einen Brief an ihn geschrieben, den er das erste Mal bei der “Böll-Poetry-Gala” in Halle an der Saale verlesen wurde.

Antje Ravic Strubel hatte noch eine Tandempartnerin, nämlich die in Schweden lebende Syrierin Souad Alkhateeb, die sich in “Catharine Deneuve sieht mir nicht ählich”, mit dem Erwachsenwerden und ihrer ersten Regel beschäftigte.

Dann folgten noch Ramy Al-Asheq und Monika Rinck, die ich, glaube ich, schon einmal im Literaturhaus hörte, der syrisch palästinensische Autor hatte, als er das Mail mit der Einladung zu dem Projekt bekommen hat, noch nichts über Monika Rinck gehört, so hat er sie ergooglet und dann in einem Text geschrieben “Was Wikipedia nicht über Monika Rinck weiß und außerdem noch einige Gedichte für das Buch beigesteuert.

“Lesen wir sonst immer nur über die Menschen, die sich zu uns flüchten, kommen sie hier endlich zu Wort”, hat  Anna Vollmer in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” und am Buchrücken geschrieben.

Da kann ich nur, wie wahr, hinzufügen und das Buch sehr empfehlen.

Adrian oder die unzählbaren Dinge

Jetzt kommt noch ein Buch von der Longlist des Bloggerdebuts und eines der vier “Kremayr&Scheriau- Herbstbücher”, von denen mir Tanja Raich schon im März in Leipzig den Katalog in die Hand gedrückt hat, dann sind zwei der vier Bücher erst verspätet gekommen.

Ich habe die 1983 in Villach geborene Angelika Stallhofer, die Marlen Schachingers “Schreibakademie” eine Ausbildung machte, schon im November bei Richard Weihs “Wilden Worten” aus ihrem Debut lesen gehört und als dann kurz darauf die Nachricht mit der Shortlist kam, habe ich sie mit Verena Stauffers “Orchis” verwechselt und gedacht, fein, da kann ich das Buch vorziehen, war aber nicht so und so habe ich wieder ein poetisches Debut aus der “Kremayr & Scheriau-Literaturschiene” und ein Stückchen neuerer österreichischer Frauenliteratur gelesen.

Was mir mißfällt an dem Buch, ich schreibe es gleich und da werden mir wahrscheinlich einige widersprechen, ist das Cover, ein Ausschnitt aus einem “Botticelli-Bild”, das in dem Roman, glaube ich, auch vorkommt.

Aber ich mag keine barocken Gemäde auf Buchumschläge und “Kremayr&Scheriau” hat eigentlich sehr sehr schöne Cover mit grafischen und geometischen Muster, die mir viel besser gefallen.

Nun bin ich eben eine Puristin und da kommen wir schon zu den Stärken, denn eigentlich habe ich gedacht, wieder ein poetischer Sprachrausch, wie man das jetzt eben in den literarischeren Schreibschulen so lernt und kann  sagen, poetisch ist es schon aber mit einem sehr sachlichen modernen Einschlag und ein sachliches Cover hätte wahrscheinlich auch besser zu dem eigentlich sehr modernen Thema gepaßt.

Adrian, der Held und Protogoniost, “Adrian in Adreanalin”, wie es seine Freundin, Anna die Schriftstellerin, vielleicht Angelika Stallhofers Vorbild, ist Werbecover, hat für seine Spots eine Kunstfigur namens Max Beier entwickelt, deren Sinn und Aufgabe für mich eigentlich nicht ganz klar herauskam.

Er arbeitet jedenfalls für eine Werbefirma. Seine Chefin Beate hat dottergelbe Schuhe, dann gibt es noch einen Christof, mit denen geht er zu einem Geschäftsessen. Dazu kommt noch der “Häusermann” der eine smarte Wohnanlage für die Reichen und die Schönen, die mehr Sicherheit wollen, baut.

Man sieht das Buch ist brandaktuelle, sogar die Slogans der Donnerstagsdemos  kommen darin vor, obwohl das Buch ja im Frühling zumindest schon angekündigt war.

Es ist auch sehr poetisch so kommen immer wieder Redewendungen vor und da schreit Beate, bevor der “Häusermann” erscheint, immer wieder lautstark “Wir arbeiten nicht für den Hugo” durch den Raum. Das ist wahrscheinlich das originelle an Angelika Stallhofers Sprachkunst.

Im zweiten Teil zieht dann Adrian mit einer Smartwatsch versehen am Handgelenk für eine Woche probewohnen in so ein Smarthaus ein und was dann geschildert wird, ist eigentlich gar nicht so originell sondern im Großteil schon das, was ich in einem “Miele-Katalog” gefunden habe, als ich mich noch für den “Siemens-Literaturpreis” beworben habe.

Das Haus hat also dreiunddreißig Kameras, die Adrian überwachen oder ihm im Gegenteil ein Gefühl der Sicherheit und ihm von den Gefahren, die beispielsweise die bösen Asylwerber auf ihn ausüben können, bewahren sollen. Der Smartspiegel begrüßt ihn freundlich mit “Guten Morgen Adrian!” und zählt seine Falten, der Kühlschrank verweigert ihm das Essen, denn er ist zu seiner Sicherheit auf Diätgesetz und die Schritte, die er täglich machen soll, werden ihm auch vorgezählt.

Aber eigentlich und das habe ich nicht so ganz verstanden, ist es ja die Werbefigur Max Beier, die in den Haus leben soll und die sitzt auch Adrian im Nacken und hat ihr Eigenleben und Adrian ist außerdem auf Anna eifersüchtig, weil die, während er ja das Smarthouse testen soll, mit einem Peer auf einem Literaturfestival ist.

Dann gibt es noch einen Gabriel und ein Kind und Adrians Vater, der in einem teueren Pflegeheim sitzt, so daß die Arbeit eigentlich nicht für den “Hugo” sein sollte und eine Tante Grete gibt es auch.

Eigentlich ein interessantes Thema für einen poetischen Roman, obwohl das mit den Kühlschränken, die einem das Essen verweigern, schon beschrieben wurden, während ich anderes sehr wohl sehr aktuell fand. Es gibt auch immer wieder Anspielungen auf das Schreiben,  Bücher kommen vor und ich habe wieder Mal ein interessantes Buch einer interessanten jungen Autorin gelesen und bin gespannt, was ich noch von ihr hören werde.

Troll

Jetzt kommt ein Buch, auf das ich mich sehr gefreut habe, seit ich bei meinem “Frankfurt-Surfing” auf dem blauen Sofa davon hörte, das mich aber eher enttäuscht, beziehungsweise ratlos, zurückläßt.

Wahrscheinlich habe ich Michal Hvoreckys dritten oder was auch immer Roman nicht verstanden und ich habe den 1976 in Bratislava Geborenen, ja einmal auf einer Schiffsreise von Bratilsava nach Wien kennengelernt, als er aus seinem “Donau-Roman” gelesen hat, den ich als sehr originell empfunden habe.

Stephan Teichgräber hat ihn dann einmal bei einem Centrope-Festival, das ich nicht besucht habe, eines seiner anderen Bücher vorgestellt, daß wir auch im Centrope-Workshop besprochen haben und jetzt “Troll” ein wichtiges interessantes thema, bekomme ich ja manchmal auch negative Kommentare. Es war mir aber muß ich sagen, schon am blauen Sofa nicht so ganz klar, was eine Trollfabrik ist, von der Michal Hvorecky immer gesprochen hat.

Ein Gebäude, wo die Trolle sitzen und ihre Fakenews, in die Welt verschicken? So ist es ja in der Wirklichkeit nicht so ganz.

Michal Hvorecky hat sein Buch auch auf der “Buch Wien” vorgestellt. Da habe ich ihn gefragt, wann er es geschrieben hat, weil Stephan Teichgräber meinte, es wäre schon ein älteres Buch, das jetzt von Mirko Kraetsch übersetzt, auf Deutsch herausgekommen ist und da habe ich gedacht, daß dann der Inhalt wahrscheinlich schon veraltet wäre.

Er hat es, glaube ich, 2015 geschrieben und Cornelius Hell oder Katja Gasser haben es bei der letzten “Lese.Auslese” ja auch auf ihre persönliche “Best of List” gesetzt.

Nun gut, das heißt schon einmal etwas und wäre eine Menge an positiver Vorschußlorbeeren und dann nehme ich das dünne zweihundert Seiten Bändchen in die Hand und bin verwirrt. Es besteht aus zwei Teilen, einem kürzeren und einem längeren.

Der Kürzere heißt “Kukav” und da wurde mir nicht ganz klar, ob das eine Parodie auf Bratilava zu Zeiten des Kommunismus ist?

Aber nein, das Buch spielt ja in der Zukuinft in der Stadt, die gerade einigen Dikataturen entkommen ist. Da ist von einem “Anführer-Vater” und einem “Anführer-Sohn” die Rede. Es gibt einen namenlosen Ich-Erzähler und der litt schrecklich unter seiner Kindheit und seinen Schäden, die ihm seine Mutter durch homöopathische Behandlungen zu Teil werden ließ.

“Hm?”, könnte man da schon fragen. Er wächst in einer Villa einer Funktionärfamilie auf, die aber überwacht wird. Der Vater verläßt mit seinem Bruder ihn und die Mutter und flüchtet wahrscheinlich ins Ausland. Er leidet an Übergewicht und kommt für fünf Jahre ins Krankenhaus, in dem es auch ziemlich skurill zugeht, obwohl die Krankenversicherung schon lange zusammengebrochen ist. So laufen dort die Scharlachtane und Wunderheiler herum. Er lernt aber Russisch und lernt auch die drogensüchtige Johanna kennen, in die er sich verliebt.

So weit Teil eins. Zitate gibt es immer wieder eingeblendet auch, deren Bedeutung und Bezung auf den Inhalt mir nicht ganz klar wurde.

In Teil II “Im Netz” haben die Zwei dann das Krankenhaus verlassen und gehen in die Trollfabrik, lassen sich dort als Hater anstellen und verbreiten Unwahrheiten und Fake-News im Netz, beziehungsweise in die Welt.

Das wird sehr ausführlich geschildert und jetzt habe ich noch vergessen zu erwähnen, daß das Ganze einen Prolog hat, wo der Troll oder Ich-Erzähler, von der Menge gehetzt mit einem Kaputzenpullover durch die Stadt rennt. Vorläufig aber verbreitet er eifrig Fake-News, obwohl er eigentlich das Gegenteil wollte, solange bis Johanna das Ganze aufdeckt und verhaftet wird.

Dann wendet sich das Blatt und die Trolle werden getrollt. Er läßt sich zum Monster umoperieren, weil er der gehaßteste Mensch der Stadt ist. So kommt es  zu der schon erwähnten Verfolgungsjagd. Es wird aber alles gut, die Beiden finden sich wieder und versuchen das Troll-Chaos aufzuarbeiten und die Wahrheit zu verbreiten.

So weit, so gut und nicht ganz verstanden .Jetzt sollte ich noch den “Donau-Roman” lesen, der mich damals sehr beeindruckt hat, von dem ich aber auch schon hörte, daß er jemanden nicht gefallen hat.

Seltsam, seltsam, das Trollwesen habe ich, die ich  ja auch manchmal mit solchen News konfrotiert bin, nicht ganz verstanden und würde fast vermuten, da ist die Fantasie mit Michal Hvorecky durchgegangen und er hat wahrscheinlich sehr lustvoll, einen überbordeten Roman geschrieben, dessen Botschaft ich aber nicht ganz nachvollziehen konnte und die mir auch in sich nicht schlüßig, sonder eher unzusammenhängend erschien.

Zum besseren Verständnis kann ich aber noch Michal Nvorecky vom “Blauen Sofa” zitieren, der meine, daß er eigentlich einen Science Fiction Roman schreiben wollte, von der Wirklichkeit aber eingeholt wurde.

Sophies Tagebuch

Ich habe mich ja in den letzten Wochen sehr mit den Stationen des Romanschreibens beschäftigt, was, wie ich bei den entsprechenden Webinaren hören konnte, zur Folge haben kann, daß man dann beim Lesen seiner Bücher daraufschaut und den Autoren sozusagen bei ihren eigenen Romanfahrplänen auf die Schliche zu kommen scheint.

So ist es mir bei dem  1948 geborenen Nicolas Remin gegangen, der in seinem kürzlich erschienenen “Sophie Tagebuch”, glaube ich, das Ploten und Planen, sowie die spannungsbögen so perfekt ausgebaut hat, daß  einiges fast übertrieben und unglaubhaft erscheint.

Es beginnt mit einem Prolog und im Jahr 1945, wo einer in den letzten Tagen des Krieges, eine Leiche in seinem Garten vergräbt und dabei am Schluß der Szene von jemanden ertappt wird.

Dann geht es los und in das Jahr 1989 hinein, nach Berlin, in den Oktober, wo im Osten der Stadt, der vierzigste Jahrestag der DDR gefeiert werden soll, dabei die Bürger schon davonrennen,  beziehungsweise anfangen in Massen zu demonstrieren.

Das rührt jenseits der Mauer die fünfundvierzigjährige Französischlehrerin Erika zur Linde, die eine dicke Brille, Parkas und Wanderschuhe trägt und immer sehr streng zu ihren Schülern ist, sehr wenig. Hat sie doch andere Probleme und wird  von der Sekretärin aus dem Unterricht geholt. Die Haushälterin ihres Vaters hat angerufen. Der alte Herr hat sich in seinem Arbeitszimmer erschoßen und sie soll schnell kommen.

Nein, das sagt sie ihr nicht so direkt und etwas Ähnliches, habe ich auch vor kurzem auch im “Schönen Paar” so gelesen.

Erika eilt also zu der Villa in Lichtenberg, findet den Vater, die Haushälterin erzählt von einem Brief aus Amerika, den der Vater, ein alter Offizier aus Adelsgeschlecht, vor einiger Zeit bekommen hat und  daraufhin ein paar Tage sein Bett nicht mehr verlassen hat.

Erikas Beziehung zu ihrem Vater war nicht sehr gut, hat er sie doch nach dem Tod der Mutter in den Fünfzigerjahren, als sie gerade sechzehn war, in ein Internat gegeben und jetzt besucht sie ihn nur mehr alle paar wochen zu einem Mittagessen.

Sie erbt trotzdem alles und begibt sich zuerst zum Notar, dann trifft sie seine Verlegerin, denn der Vater war Schriftsteller, hat in den Sechzigerjahren einen Kriegsroman geschrieben, sich dann aber plötzlich völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Die Haushälterin hat den Brief gefunden. Er stammt von einem Paul Singer und der schreibt, daß er der Neffe eines Felix Auerbachs ist, einem Juden, von dem der Vater, seiner <mutter geschrieben hat, daß er 1943 deponiert wurde.

Jetzt hat der aber eine Jüdin getroffen, die ihn noch später gesehen haben will und die Schwester hat dem Vater auch kurz vor seinem Rückzug, einen Brief geschrieben, in dem sie nach einem Mansukript des Bruders fragte. Der Neffe will deshalb nach Berlin kommen und mit dem Vater darüber zu sprechen.

Hat sich Ulrich zur Linde deshalb umgebracht?

Erika geht in die Villa, findet im versperrten Schlafzimmer ihrer Mutter ihre Tagebücher, die sie von 1939 bis 1945 geschrieben hat und beginnt darin zu lesen.

Das ist sehr spannend und man erfährt darin wahrscheinlich sehr genau, wie es sich in Berlin in dieser Zeit abgespielt haben könnte.

Die Mutter war 1939 ein neunzehnjähriges Mädchen, Tochter eines Parteimigliedes und Schwester eines SS-Mannes. Sie will nach der Matura Journalistin werden. Darf das aber nicht. Deshalb heiratet sie den Ulrich, der nichts dagegen hat, obwohl er eigentlich nicht sehr attraktiv ist und der hat einen Freund, nämlich jenen Felix Auerbach, einen Juden, der aber ein blonder blauäugiger Traummannn ist, den alle für einen Schweden halten und das ist wahrscheinlich, die Überthese Nikolas Remin, seine Figuren ja nicht klischeehaft wirken zu lassen.

Der blonde Felix entspricht dem Prototyp eines Nazis, will in den Krieg, eine Unform und das Ritterkreuz. Hält Hitlers Feldzüge eigentlich für gut, ist also sehr unsympathisch und die schöne, wahrscheinlich ebenfalls blonde Mutter ist sehr naiv und verliebt sich sofort in den schönen Jüngling. Sie sagt zwar noch sehr lange Dr. Auerbach zu ihm und geht mit ihm trotz aller Rassenverbote spazieren, ins Kino, in Luxusrestaurants und der Ehemann ist im Feld.

Er bekommt das Ritterkreuz und sagt nichts dazu. Sehr unglaubwürdig eigentlicht. Aber glaubwürdig, erscheint mir die Naivität und Unbesorgtheit der Neunzehnjährigen, die das um sie herum nicht versteht und sich eigentlich mehr Sorgen, um ihre Schönheit, als um alles andere macht.

Indessen, während sie all das liest, gehen auch in Erika Veränderungen vor. Sie legt ihre dicke Brille ab, kauft sich teure Jeans, geht zum Friseur , setzt sich Kontaktlisen ein und liest und liest, um all das, was die Mutter schreibt, zu verstehen, während sie Paul Singers Ankunft erwartet und währenddessen wird jenseits der Mauer Weltgeschichte geschrieben.

“Ich liebe euch doch alle!”, gesagt, Erich Honecker tritt zurück, Egon Krenz tritt auf und die Grenzen werden gestürmt, weil die Reisefreiheit, ob eines Versehens plötzlich für alle gilt.

Erika berührt das alles nicht sehr, ist sie doch in ihrer Phantasie vierzig Jahre früher und hat die Frage zu klären, ob der Kriegsroman nicht vielleicht von Felix Auerbach stammt, der besser schreiben konnte und der Vater ein Plagiator ist?

Sie kommt aber noch zu anderen Erkenntnissen, denn der Bechsteinflügel, der in der Villa steht, gehörte eigentlich Felix Auerbach. Gut, der hat ihn, um ihn nicht anderwertig arisieren zu lassen, beim Freund deponiert. Es gibt aber Porzellan und andere Sachen in der Villa, die der  Vater Sophie schekte und die hat er vorher “günstig” einem ausreisenden Nachbarn abgekauft.

Felix Auerbach wollte eigentlich noch 1939 mit seiner Schwester das Land verlassen, die schöne Sophie hindert ihn wohl daran. So bleibt er, kommt 1940 in eine Sammelwohnung, wo er jene Sarah Spielrein trifft, die später seinem Neffen von ihm erzählt. Er wird dann zwangsverpflichtet und muß sich später, das ist schon 1943, untertauchen. Das heißt, der arglose Ulrich besorgt ihm falsche Papiere und er zieht in die Villa, als Untermieter ein, während Ulrich an der Front ist und nur Stoffe und Kostüme schickt, die Erika später trägt, als sie zu ihren Treffen zu Paul singer geht.

Erika wurde 1944 geboren. 1943 mußten Auersbach und Sophie in den Luftschutzkeller und plötzlich redet sie ihm in ihrem Tagebuch als Felix an und Ulrich kommt jetzt aus einem Sanatorium zurück, hat sich verändert, ist vielleicht eifersüchtig, es kommt zum Streit….

Es gibt aber noch den Bruder Horst, den überzeugten SS-Mann, der nach dem Krieg verschwunden ist, aber jetzt aus dem Osten als SED-Parteimitglied wieder auftaucht.

Hat der Felix denunziiert, denn der wurde 1945 verhaftet. Kommt dann zwar nach ein paar Tagen wieder zurück, wird aber angeblich von Russen verschleppt, während Ulrich wieder angeblich, einen ihm angreifenden Russen tötet und vom Hausmeister beobachtet, im Garten vergraben hat, damit er nicht nach Sibirien muß.

Höchst kompliziert und auch höchst unglaubwürdig, mit all den Wendungen und den Spannungsbögen, von denen ich jetzt, um nicht zu sehr zu spoilern noch einiges ausgelassen habe.

Es ist aber, das will ich nicht bestreiten, sehr spannend zu lesen und scheint mir auch abgesehen von der zum Teil sehr widersprüchlichen Handlung sehr gut recherchiert und die historischen Details zu stimmen.

Jüngere Leser können sich daher vielleicht wirklich ein gutes Bild darüber machen, was in der NS-Zeit  passierrt ist, obwohl mir der kriegsbesessene Dr. Auerbach, schon ein bißchen zu übertrieben scheint und da steht auch irgendwo etwas, von einem zu “plumpen Drehbuchplott”.

Mir würde er als zu überladen erscheinen und der gute Felix vielleicht zu unsymathisch. Gut das sind die Erika und die Sophie vielleicht auch. Das heißt die Naivität der neunzehnjährigen Parteimitgliedtochter, die nur ihrer Karriere wegen in die Partei eintritt und sich ansonsten ihren Spaß mit dem gutaussehenden Juden macht, ist gar nicht so unglaubhaft, warum aber Erika plötzlich kündigt, verstehe ich nicht so ganz. Oder doch, sie hat ja jetzt geerbt, muß also nicht mehr in die Schule gehen und eine Liebesgeschichte, das kann ich noch verraten, erlebt sie auch noch als Überdrüber oder weiteren Handlungspunkt.

Den Himmel stürmen

Jetzt kommt der vierte Roman des 1982 in Turin geborenen  Paulo Giordano dessen ersten Roman “Die Einsamkeit der Primzahlen” ich Anfang  2012, als ich mir noch wöchentlich ein Buch vom “Wortschatz” holen,  um es dann mit einer wahrscheinlich überschaubareren Leseliste demnächst zu lesen, gefunden habe und von dem jungen Italiener sehr beeindruckt war.

Ich habe ein par Jahre später “Den menschlichen Körper” gefunden, aber noch nicht gelesen und vorigen Frühjahr im Leipzig hat mir Herr Grimm vom “Rowohlt-Verlag” auf “Den Himmel stürmen” aufmerksam gemacht, der auch in Frankfurt mit einem italienischen Buffet vorgestellt wurde.

Aber ich fahre ja nicht mehr nach Frankfurt, so habe ich mir das Buch ein paar Wochen später von meiner neuen Nachbarin abgeholt und jetzt gelesen und muß sagen, war ich schon von den “Primzahlen” sehr begeistert, bin ich es jetzt wieder, auch wenn ich mich zu erinnern, glaube, daß das Buch in einem anderen Stil geschrieben wurde, habe ich von den “Primzahlen” ja eine Borderlinestörung und eine schreckliche Kindheit der überforderten Jugend in Erinnerung, ist es hier anders, obwohl es eigentlich um ein ähnliches thema geht.

Ich habe mich in den letzten Tage, während des Korrigieren meiner “Magdalena” viel mit dem Romanaufbau und der Romanschule der Jurenka Jurk beschäftigt, die bietet sie, glaube ich, vor allem den Krimi und Liebesromanschreibern an, aber Paulo Giordano hat sich, glaube ich, auch mit dem Romanaufbau beschäftigt, bekommt ihn sehr spannend hin und die “Bigger als life-Regel” hat er, glaube ich, auch perfekt ausgeführt.

Dabei geht es höchstwahrscheinlich, um etwas Autobiografisches, ist ja Teresa, seine Heldin, auch 1982 in Turin geboren, sie hat aber, was ich auch sehr originell finde, eine krimilesende Großmutter, die in Apulien eine Villa hat und dorthin fährt Teresa jeden Sommer mit ihrem Vater, die Mutter weigert sich mitzukommen, was auch sehr seltsam ist.

Neben der Villa gibt es einen Ökohof, der einem Cesare gehört, der ist sehr fromm, fast sekterisch angehaucht, hat einen Sohn namens Nicola und zwei Pflegekinder, Bern und Tommasio, die er selbst unterrichtet und Teresa freundet sich in den Sommern mit den Burschen an.

Das heißt, nein, denn es ist eigentlich eine höchst dramtsche Liebesgeschichte, spnnend, wie Romeo und julio und mit einem fast ähnlich tragischen Ende.

Sie ist also schon als Jugendliche von Bern, dem Sohn von Cesares Schwester hingezogen und der ist ein halber Deutscher, obwohl er eigentlich Bernardo heißt, liebt Bücher vor allem den “Baron in den Bäumen”,  ein Baumhaus gibt es auch und natürlich wird Teresa, die eigentlich eine starke Frau ist, von ihm in die Liebe eingeführt. Es gibt aber auch eine Blutbrüderschaft und eine diesbezügliche Eifersucht zwischen den drei Freunden und als Teresa im nächsten Jahr wiederkommt, sagt die Großmutter, Bern ist nicht da und erzählt ihr etwas von einem Kind, das er hätte.

Das passiert im ersten Teil. Der zweite beginnt dann Jahre später eigentlich am Ende. Es ist Weihnachten und die Dreiunddreiígjährige wurde vom betrundenen Tommasio geholt, damit sie auf seine Tochter aufpasst, damit die Mutter nichts von seinem Zustand merkt und das Jugendamt einschaltet. Sie tut es und erpresst ihn damit, daß er ihr erzählt, was damals mit Bern und Violalibera, einem albanischen Mädchen passiert ist.

Psssiert ist, glaube ich, das, was ich auch in der “Brüderschaft” beschrieben habe. Es gibt aber kein Kind, weil Violalibera schließlich an der Abtreibung verstorben ist und es geht wieder weiter mit der Chronologie, als Teresa dreiundzwanzig ist, da studiert sie schon, stirbt die Großmutter und vermacht ihr die Villa. Im Nachbarhof  haben inzwischen Tommaso, Bern, Corinne,  Danco und Guilana besetzt und führen eine Ökowirtschaft. Cesare und Floriana sind verschwunden, der Sohn Nicola, den der Vater den zwei anderen Kindern immer vorgezogen hat, studiert zuerst Jus und wird dannPolizist.

Teresa verkauft die Villa und kauft den besetzten Hof, die Wohngemeinschaft löst sich auf, Bern und Teresa bleiben über und wollen ein Kind, was aber nicht gelingt.

So kommt es zu künstlichen Befruchtungsversuchen, das Paar braucht zehntausend Euro, damit sich Teresa  den Embrio in der Ukraine einsetzen lassen kann. Dafür heiraten sie sogar und sammeln bei der Hochzeit Geld. Die Schwangerschaft gelingt trotzdem nicht und Bern und Teresa trennen sich.

Sie bleibt allein am Hof, kämpft mit der Landwirtschaft, bis eines Tages die Polizei vor der Türe steht und Bern sucht, denn er und seine Freunde haben sich an einer Besetzung  beteiligt, um das Fällen von Olivenbäumen zu verhindern. Dabei wurde Polizist Nicola ermordet, Bern, Dancio und Guilana stehen unter Mordverdacht und flüchten.

Dann, das ist dann, glaube ich, schon der dritte Teil, wird es wieder seltsam. Tersea bekommt “Amazon- Pakete mit natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln und Büchern, obwohl sie nichts bestellt hat. Ahnt, daß sie von Bern stammen und eines Tages ruft auch eine Reisebüroangestellt an und sagt ihr Ticket nach Reykjawik liegt beret und sie soll sich dort die Gletscher anschauen.

Das hat sie auch nicht betellt, fliegt aber hin. Wird von Giuliana abgehlt und zu  einer Höhle gebracht, denn Bern, der sich schon bei der Olivenbaumbesetzung tagelang in den Bäumen, wie der berühmte Baron von Italo Calvino aufgehalten hat, ist jetzt in eine Höhle gefallen, hat sich das Bein gebrochen und kann nicht mehr heraus.

Sehr dramaltisch. Er stirbt und Teresa geht noch einmal zu Doktor Sanfelice, läßt sich die eingefrorenen Samen geben, fliegt  mit Tommaso noch einmal in die Ukraie und obwohl es keinen Leichnam gibt, läßt sie Bern  von Cesare, der das den Kindern auch immer gepredigt hat  und an die Seelenwanderung glaubte, beziehungsweise das Buch begraben und bereitet sich auf das die Geburt ihrer Tochter vor.

Ein sehr spannender Roman, leicht zu lesen und raffiniert ausgeführt. Im Nachhinein könnte man ihm ein wenig kitschig nennen. Während des Lesens ist man gebannt und sehr begeistert.Jetzt müßte ich noch Buch zwei lesen oder abwarten, was ich von dem jungen Italiener noch hören und lesen werde.

Nachtleuchten

Jetzt endlich, es ist schon Jänner 2019, kommt Buch achtzehn des dBp 2018 und das war es dann wahrscheinlich auch, denn Buch neunzehn und zwanzig scheinen nicht zu mir zu kommen, obwohl mir das von Christina Viragh vom Verlag versprochen wurde und ich auch eine diesbezügliche Datenschutzerklärung abgegeben habe.

Macht aber nichts, man braucht nicht alles lesen und 217 waren es auch nur achtzehn gelesene dBp- Bücher, allerdings stehen die restlichen zwei auf meiner Leseliste von 2019 und wenn ich es nicht wieder mit den Neuererscheunugen so übertreibe, hätte ich die Chance, den 2017-Jahrgang, wie den von 2015 mein erstes Buchpreisjahr, komplett zu lesen.

Und es ist ja auch nicht nur Buch achtzehn sondern auch das sechste der vorjährigen Shortlist, denn darauf ist ja die 1972 in Buenos Aires geobrene und in Berlin lebende Maria Cecilia Babetta, von der ich noch nie etwas gehört habe, gestanden und, daß das Buch zu mir gekommen ist, habe ich einer Schlamperei zu verdanken, denn “Fischer” hat es mir nicht geschickt, dafür “Hanser” seine zwei Bücher als E Books oder PDFs und da habe ich das der Anja Kampmann in der Mailbox, ähnlich, wie das Buch der Carmen Francesca Banciu verschlampt und habe gedacht, schaue ich da vielleicht bei “Netgalley” nach, bevor ich nochmals anfrage.

Habe da dann gleich alle restlichen Bücher bestellt, konnte da aber nur “Nachtleuchten” öffnen, so daß es bei zwei ungelesen bleiben wird und mit dem sechsten Shortlist Buch habe ich mir, ich schreibe es am besten gleich, nicht leicht getan und bin wieder einmal zwischen “fantastisch” und “unverständlich” hin und hergeschwankt und das ist es, glaube ich auch.

Da ich das Buch erst sehr spät gelesen habe, habe ich mir vorher das “Buchpreis-Video” angeschaut und da die Autorin sagen hören, daß sie da Buenos Aires, beziehungsweise den Vorwort Ballester, in dem sie aufgewachsen und, wo auch ihr Großvater eine Autowerkstatt hatte, schildern wollte.

Das Buch spielt in den Siebzigerjahren, also vor der Militärdiktatur in der Zeit, wo Peron stirbt und seine Frau Evita, das Präsidentschaftsamt übernimmt.

“Aha!”, könnte man nun sagen und eine Vorstellung, was einen erwartet wird, haben.

Ich hatte sie und habe mich gänzlich getäuscht, denn die kleinen Leute von denen das Buch handelt, sind sehr spiritistsch angehaucht, um nicht zu sagen mythisch- phantastisch, aber der phantastische Realismus kommt ja von Lateinamerika her und wenn man da jetzt wieder “Aha!”, sagt und zu dem Friseursalon, der “Zur ewigen Schönheit” heißt, nickt, irrt man sich wieder. Denn es gibt ein Video im Netz, wo Maria Celicilia Barbetta durch Berlin radelt und vor einem solchen Friseursalon steht, bezeihungsweise vor einem Geschäft in dem früher ein diesbezüglicher Laden war und die sehr sprachgewandte Autorin, die offensichtlich Lust an Sprachspielereien hat, zeigt auch auf ein Straßenschild auf dem “Ausfahrt freihalten” steht und erklärt, daß sie dann immer “Freiheit aushalten” denkt, wenn sie es sieht.

Das fünfhundert Buch ist in drei Teilen gegliedert, die je dreiunddreißig Kapitel haben und dann gibt es noch ein hundertstes, die “Vierte Dimension” genannt.

Die kleinen Leute in dem Buch sind die Automechaniker in der Werkstatt von Teresas Großvater und die ist vielleicht das alter Ego der Autorin, jedenfalls ein zwölfjähriges Mädchen, eine Artztochter, die Mutter ist, wie offenbar auch die von Maria Cecilia Barbetta italienische Einwanderin und der Vorort in dem das Buch spielt ist auch ein Einwandererbezirk.

Theresa bekommt zu Beginn des Buches ein Geschwisterchen und besucht außerdem eine katholische Schule, in dem es lauter alte Nonnen und eine junge Sour Maria gibt, die den Schülerinnen das zweite vatikanische Konzil näherbringen will. Sie fährt mit wehenden Schleier unterm Helm auf einer Vespa zu einem Pfarrer, der sich als ihr Bruder entpuppt, vorher hätte man, da es dort auch ein kleines Mädchen gibt, auch an eine verbotene Liebesbeziehuing denken können.

Teresa bringt jedenfalls von ihrer Lehrerin angestachelt eine Plastiknonnenfigur wochenweise zu allen Familien des Ortes und so gleiten wir durch die dreimal dreiunddreißig Kapitel und kennen uns, wenn wir das Buch nicht sehr genau und  am besten mehrmals lesen, höchstwahrscheinlich nicht aus.

Denn es passiert wahrlich viel in den dreimal dreiunddreißig magisch-phantastischenKapitel. Der erste Teil ist der “Bloody Mary” und den Klosterschülerinnen gewidmet, die aus externen und internen bestehen. Die Internen sind meist die armen Mädchen, die einen Freiplatz haben, die Externen zum Beispiel, die zahlende Arzttochter Teresa. Dann gibt es aber noch eine Adriana, deren Vater Rechtsanwalt ist, in dessen Haus Teresa die Madonna zuerst hinbringt, die könnte also eigentlich auch eine Externe sein. Sie ist aber eine zahlende Internatsschülerin und darf das Kloster nicht verlassen, weil der Vater soviel arbeiten muß, die Mutter ein Hündchen namens Mimi und ständig Migräne hat und das Dienstmädchen deshalb auch ständig beschäftigt ist.

Man sieht, es ist sehr komplziert, wird aber noch komplizierter und im zweiten Teil geht es sowohl in die Autowerkstatt, zu dem Großvater und seinen Gesellen, als auch in den schon erwähnten Friseursalon, der einem Celio gehört oder eigentlich seiner Mutter. Die hat einmal von Evita eine Nähmaschine geschenkt bekommen, die sie dann in eine Trockenhaube umtauschte. Jetzt ist sie alt und verstummt, offenbar ist eine Demenz damit gemeint, so daß sie von ihrem Sohn angekleidet und geschminkt wird und dann als Püppchen in einen Sessel sitzt, wo der Sohn mit ihr redet, während er seine Kunden frisiert. Die stirbt  im Laufe des Geschehens und im dritten Teil geht es, sowohl in das Intstituo Basilo, wo Celio wieder seiner Nutter begegnen will, als auch zu einer Frau und ihren Katzen.

Teresa und ihre Madonna taucht wieder auf und in dem Buch gibt es auch immer wieder experimentelle graphische Gestaltung, Buchstabenspiele, Räseln, seitenlang das selbe Wort, Fots, etcetera und Maria Cecilias Barbettas Sprache ist sowohl überbordend bis zum Kitsch und läßt dann wieder aufhorchen durch  neue Phrasen und Wortwendungen, so daß es sehr schön ist, durch das Buch zu gleiten, auch wenn man nicht sehr viel versteht und ich auch denke, daß die armen Leute in den Siebzigerjahren am Vorabend der Militärdiktatur vielleicht ein wenig weniger mystischer waren.

Aber was weiß man schon genau, Lateinamerika ist bekannt für seinen phantastischen Realismus und, daß der in der Diaspora sich vielleicht besonders schön entwickeln kann, kann ich mir auch vorstellen.

Der Mönch von Mocca

Jetzt kommt ein interessantes Buch aus der Herbstproduktion, Dave Eggers “Der Mönch von Mocca”, in dem der 1970 geborene amerikanische Kultautor , von dem ich den “Circle” gelesen und einige andere Bücher im Schrank gefunden habe, selbst darauf besteht, keinen Roman geschrieben, sondern die Lebensgeschichte eines Sohnes jemitischer Einwanderer, der es geschafft hat jemitischen Kaffee nach San Fransico zu bringen und trotz der Kriegswirren einen fairen Kaffeehandel aufzuziehen.

“Die Geschichte des gefährlichsten Kaffees der Welt”, steht am roten Cover und Dave Egger erzählt in seiner biografischen Beschreibung sehr schlicht die Lebensgeschichte des jungen <mannes, Moctahar Alkanshali, der mit seinen Eltern und seinen fünf Geschwistern in einer zwei Zimmerwohnung in San Fransico aufwuchs.

Der Vater war Buschauffeur und Moctahar, der sehr umtriebig und aktiv ist, wollte eigentlich Jus studieren, dafür hat er von einer griechischen Freundin auch einen Tasche geschenkt bekommen, in der sammelte er Geld für einen wohltätigen Zweck, das er gleich an Ort und Stelle überbringen will, leider verlor er auf dem Transport Geld und Tasche, so war es aus mit dem Traum des Studiums.

Er mußte Portier werden, um seine Schulden abzuarbeiten und blieb solange, bis ihm jemand die Geschichte des jemitischen Kaffees erzählte, der der beste ist, so daß er sponta in den Jemen, wo sein Großvater ein einflußreicher Mann ist, flog, alle Kaffeebauern abklapperte, ein Kaffeeimperium aufzubauen beginnt, aber leider in den Krieg hineinkam, so daß es noch eine abenteuerliche Flurchtgeschichte zu erzählen gibt, bis Moctahar mit seinem Koffer, in denen sich die Kafeebohnen befanden, nach Seattle zu einer Kaffeemesse kommen konnte und damit so berühmt wurde, daß er sich ein Zimmer in dem Wohnblock, wo er einst Portier war, leisten konnte.

Eigentlich eine sehr einfache Geschichte und auch sehr einfach, wenn auch spannend erzählt und so erfährt man sowohl von Kaffee sehr viel, als auch von der Geschichte Jemens.

Kein wirklicher Roman würde auch ich sagen, sondern ein spannend aufbereiteter Tatsachenbericht eines amerikanischen Erfolgsautor, der aber wahrscheinlich sowohl allen Islamphobikern, als auch allen Kaffeeliebhabern sehr zu empfehlen ist.

Dein Fleisch und Blut

Nun kommt ein Buch aus dem “Holzbaum-Verlag”, der mir ja immer so getreulich seine Bücher schickt und zur Abwechslung ist es, was mich besonders freut, kein Cartoon, da liegt noch einer in meinem Badezimmer, sondern ein Thriller, ich bin ja mehr für die Literatur, als die Satire, denn der “Holzbaum-Verlag! hat einen Thrillerwettbewerb ausgeschrieben und den hat die 1976 in Wien geborene Journalistin Nicole Marcarewicz gwonnen, die ich  aus Thomas Wollingers “Texthobelwerstatt” kenne und auch ihren Erzählband “Jede Nacht” gelesen habe.

Aus dem Vorliegenden Buch habe ich sie beim letzten “Buchquartier” lesen hören und jetzt habe ich mich ein bißchen durch das Kinderpornographiethema gelesen und ich muß sagen, es ist eigentlich kein Thriller, obwohl die Handlung Spannungselemente von mindestens drei ausweist, die mehr oder weniger geglückt ineinander verwoben sind.

Es geht, denke ich, Nicole Makarewicz, wie auch im Vorwort steht, um das Thema, das sie gekonnt aufgebreiten wollte. Im Vorspann wird auch noch genau erwähnt, daß alles an der Handlung und an den Personen erfunden ist. Recherciert scheint es dennoch genau zu sein. Im Anhang ist auch weiterführende Literatur und die Adressen von den entsprechenden Beratungsstellen angegeben.

Ein Thema also, das mich als Psychologin sehr interessiert und wo ich denke, daß alles, was hier geschildert wird, sehr realistisch ist.

Sehr viel Psychologisches kommt auch darin vor, die Heldin Leah ist keine Superfrau, sondern eine mit sehr viel Kanten und Schwächen, Emotionen, Allergien und psychischen Zusammenbrüchen. Trotzdem erscheint mir viel zu viel in die zweihundertzwanzig Seiten hingeingepackt zu sein und einiges an der Handlung auch unlogischk, so wußte ich schon in etwa der Mitte, wer der Täter ist, denn Leah hat ja nur einemMenschen von ihrem Verdacht erzählt und auch so ist die Leah, die Journalistin, die sich für das Thema Kinderpornographie interessiert und ein Buch darüber schreiben will, viel zu viel von den Fakten umgeben, als, daß es abgesehen von der Sachlage, wirklich realistisch sein könnte.

Es beginnt mit einem sehr beeindruckenden Bild, ein kleines Mädchen mit leeren Augen wird am Straßenrand gefunden, an ihm hängt ein Zettel “An Leah Sebelia” , aber eigentlich hat es schon viel früher begonnen. Nämlich mit Leahs Recherchen für ihr Buch, in die sie sich verbeißt und sie bekommt auch einen Zugang zu einen Pädophilenforum geschickt.

Es passiert aber noch etwas anderes. Sie liest plötzlich in der Zeitung, daß ein Mann, der den Namen ihrers Vaters trägt und von dem ihr ihre Mutter immer erzählte, daß er gestorben ist, als sie ein Kleinkind war, jetzt wirklich verstarb. Sie geht zum Begräbnis und lernt da ihre gehörlose Halbschwester Mara kennen, die als Hackerin sehr erfolgreich ist.

Von ihrer Mutter erfährt sie dann noch, daß der Vater sie als Baby mißbraucht  hat, so daß sie sich von ihm trennte, was schon einmal zu einem psychischen Zusammenbruch Leahs führt.

Das ist aber nur eine Nebengeschichte, denn Leah bekommt auch seltsame Mail von einem, der sie auf eine Fährte führen will und wenn sie das tut, Mara heckt für sie die Mitglieder des Pädophilenrings, die alle Namen aus Kinderbücherm, wie “Sindbald” oder “Baloo”, der Bär tragen, werden die dann ermordet und die Polizei findet Leah am Tatort, während der Täter entwischt.

Sie hat aber einen Zugang zur Polizei, nämlich den Leiter der Kinderportnograhieabteilung, der sie unterstützt und dem sie vertraut und sie hat auch einen Freund namens Max und dann noch einen anderen mit dem sie recherchieren geht.

Aber Max, der, glaube ich, Jurist ist, ist über Leahs verbissene Recherche nicht so erfreut, so trennt er sich von ihr. Sie kommt ihm aber, als sie wegen ihres Vater in der Krise steckt besuchen und da entdeckt sie eine “Winniepuh-Figur”, beginnt ihn zu verdächtigen, teilt ihren Verdacht auch mit und er wird dann auch ermordet, obwohl es offenbar ein Irrtum war.

Der Täter wird dann schließlich entlarvt. Vorher gibt es aber noch eine Spur zu dem entführten Kind einer ukrainischen Prostituierten. Das ist das kleine Mädchen an der Autobahn. Leah recherchiert in “Wolfis Bar”, wo sie arbeitete. Eine andere Ukrainierin, die ihr einiges erzählt, wird ermordet und die Spuren führen und das ist, glaube ich, nach einem realen Fall erzählt, der schon länger her ist, zu einem höheren Beamten eines Ministeriums, der an den entführten Kindern der Prostiuierten, die dann dem Ring als “Frischfleisch” zur Verfügung gestellt werden, beteiligt sein könnte, wobei hier einiges auf Leahs Speukaltionen beruht und nicht wirklich aufgeklärt wird.

Es geht trotz der vielen Mordfälle gut aus. das heißt die kleine Elina wird gerettet, bekommt eine Psychotherapie und eine Pflegefamilie und Leah besucht sie einmal in der Woche, um mit ihr zu spielen und wir haben viel über das Thema Kinderponrographie in allen seinen Facetten erfahren und einen sehr spannenden, ein wenig zu klischeehaften Krimi gelesen von dem mir vor allem gefallen hat, daß diese Leah ein Mensch mit Emotionen und Schwächen ist, die auch mal zusammenbricht, aber eigentlich viel zu viel erlebt, als daß es realistisch sein könnte.

Aber das lernt man ja in den Schreibwerkstätten und Romanschulen, daß alles spannend und übertrieben sein soll und so hat sich Nicole Markarewicz wahrscheinlich an dieses Prinzip gehalten.

Ich hätte es realistischer gefunden, wenn kurz der Mißbrauch als Baby erwähnt werden würde, um Leahs Besessenheit für dieses Thema zu erklären, statt nach dem Show not tell Prinzip ein Begräbnis und eine gehörlose Schwester zu erschaffen.

Das Geheimnisgeschichtenlexikon des David Silvester Marek

“David Silvester Mareks Texte zählen zum Eigenartigsten, Unverständlichsten, aber auch Faszinierendsten. Geheimnisvollsten und Poetischsten, was ich je gelesen habe”, hat Franzobel auf den Buchrücken, des bei “Klever” erschienenen Buches geschrieben und der 1971 in Währing geborene Autor, der seine Texte immer wieder beim “Ohrenschmaus” einreicht, dort auch gewonnen hat und der erste Stipendiat, des vom Bund gewährten Stipendiums war, so daß er mit Franhzobel einen Geschichtenband entwickelt hat, hat noch “Alle Erinnerungen sind Katastrophengebiete”, dazu geschrieben.

Das erinnert stark an Thomas Bernhard würde ich sagen, das vom”Ohrenschmauslektor” und “Bachmannpreissträger von 1995 herausgegebene Buch und die von David Silvester Markek zum Preis eingereichten Texte eher nicht.

Da fielen durch ihre originellen Namen und ihre Dialogform auf. Von einem David Bergretter, einer Lena Raubkatze und und war da immer die Rede. Bahnhöfe und Straßennamen spielen da auch immer eine Rolle, zählen Eisenbahnen doch zu David Silvester Mareks liebsten Beschäfrtigungen. Er hat auch seine Lieblingsschutzhütte und und nennt Richard Wagner als seinen Lieblingskomponisten, Luis Trenker zum Lieblingsregisseur und Maxi Böhm zum Lieblingskabarettisten.

Das sagt schon alles und man könnte nun denken, wenn ein solches Ausnahmetalent und beim “Ohrenschmaus”, fallen bei den immer mehr werdenenden eingereichten Texten, immer wieder die gleichen Talente auf, die dann auch gewinnen, auf der Ehrenliste stehen oder ihre Texte auf der Schokolade haben.

Peter Gstöttmeier zählt dazu, Viktor Noworsky, der der neue Stipendiat ist, auf einen Ausnahmeschriftsteller und Sprachkünstler wie Franzobel trifft, daß der in seiner gemeinsamen Arbeit mit dem Stipendiaten, dessen Werk umkrempelt und ihm seine Sprache aufdrängen wird.

Tröstlich gleich im Vorwort von Franzobel zu lesen, das dies nicht der Fall war und sich David Silvester Marek, mit dem ich auch bei der letzten “Buch Wien” gelesen habe, bei der Buchpräsentation am Badeschiff im September war ich nicht, weil da zeitgleich, sowohl das zehn Jahresfest der Blumenhandlung in der Krongasse als auch der “Kramer-Preis” in Niederhollabrunn vergeben wurde, durchzusetzen verstand und bei seinem Ton geblieben ist.

Trotzdem ist das Buch, in seiner Form und Struktur ein wenig anders geworden, als die mir bisher bekannten Texte und sei nicht nur, daß bei Bergretter, das Alter Ego des autors, wie ich erfahren habe, der Vorname David fehlt und die Lena, die bei den Geschichten immerwieder auftaucht, keinen Nachnamen trägt. Trotzdem sind die Namen nach wie vor die Spezialität in dem Buch, Frranzobel erwähnt das auch in seinem Vorwort, wo er den Autor  als eine Mischung zwischen  H. C. Artmann,  Fritz Herzmanovsky-Orlando und Elfriede Jelinek beschreibt.

Ansonsten sind die Texte zu einem Lexikon zusammengefaßt, die mit dem Buchstaben A wie “Alpensiedlung” beginnt und bei Z mit “Zusammenziehungsaufbaustraße” endet, was schon einmal ein hochkompliziertes Wort ist.

Franzobel beginnt seine Einleitung auch gleich mit “Wer denkt sich  Wörter wie: Klomuschelbeweihräucherungsrosarotbrillenschlangengraben, Wachsbergüberkreuzungssumpfgebierge oder Verbesserungsheimleuchtmüheschuldturm aus?”

“Handlung” führt er später noch an, wird man in den Texte keine finden, es tauchen aber in den geheimnisvollen Geschichten immer wieder die gleichen Personen auf, wie der schon erwähnte Bergretter, die Lena oder auch zwei Personen wie Friedrich Hilfsberg und Wolfgang Ablenkung und dann wird in den einzelnen Geschichten, die Namen wie “Aufbausuche” “Aufreißzirkus” oder “Baustellengräben” etcetera tragen, munter durch die Bezirke Wiens hin- und hergesprungen. Der Heimatbezirk und seine Straßennamen tauchen öfter auf, von Neuwaldegg ist öfter die Rede und Bergretter sucht in seinen Texten auch öfter nach dicken Damen, wie es ja auch einmal Heimito von Doderer tat oder geht in den Bezirken Wiens überhaupt auf Frauensuche, wo dann immer wieder auch bestimmte Berufsgruppen, wie der “Reiseleiter” der “Bürgermeister” oder der “Reporter”, auf.

Es gibt dialogartige Text mit den sprechenden Namen auch wenn Franzobl oder David Silvester Marek, die bei den Einreichungen noch vorhandenen Vornamen gestrichen haben und auch märchenhafte Texte, wie bei “Feenlicht” oder beim “Hoffnarr.

Ein “Ferkel” taucht auf, verläßt seinen Bauernhof, wahrscheinlich um nicht geschlachtet zu werden und beginnt zu suchen oder zu wühlen: “Doch nichts ist zu finden. Das Ferkel rennt wieder im Kreis herum. Doch wohin es schaut, ist nichts zu finden. Es wird immer heißer.”, endet es geheimnisvoll.

An Motiven taucht das “Kinderheim” immer wieder auf. Vielleicht eine Lebenserinnerung von David Silvester Marek, der hier seinen Vornamen nennt und auch die Lena, die Johanna und die Christina kennt, wo mir zumindestens die erste und die letzten aus den “Ohrenschmaus-Texten” bekannt sein dürften.

Es gibt einen “Komödienphotograpen” und der hat auch seine sprechenden Protagonisten. Nämlich einen Joseph Scherbenstrahl, eine Maria Strudelfladenkuh, einen Dieter Spritztrümmerleuchturm, sowie einen Ludwig Distelkloster und so weiter und so fort.

Da könnte die auch an sprechenden Namen interessierte Autorin und Jurorin direkt neidisch werden.

Da sich das aber nicht gehört, gehe ich zum letzten Satz weiter, wo es “Die wunderliche Betrachtung der Moderatoren ist das Wechselkonzert für die rauchenden einfachen Erklärer, die nicht mehr weiter wissen bei ihren Überlegungen zur Unterhaltung.”

Was verstanden? Ich auch nicht viel, aber Franzobel hat ja in seinem Vorwort nicht umsonst von den “sowohl unverständlichsten, als auch faszinierendsten poetischen Sätzen, die er je…” geschrieben.

Die “Krokodiklwüstenstadtbahn” gibt es auch, mit der Station “Krokodilnetzzeitungsfischer”, wenn man es noch nicht wüßte, hat man es jetzt begriffen, daß es stimmt, das David Silvester Marek ein großer Sprachschöpfer und wahrer Wortakrobat ist und sehr berührend finde ich seinen Text “Liebe”:

“Vieles gäbe es hier zu tun, wenn es nur nicht so schwierig wäre, in die verwirrendsten Werkstätten Ordnung zu bringen. Da braucht dieliebe sehr lange.”,setzt David Silvester Marek lakonisch dazu.

Und beim Buchstaben “M” sind sowohl, wem wundert es, die “Mädchen”, als auch das “Märchenabenteuermuseum”, zu finden.

Vom “Quadratsiedlungsberg” geht  es über den “Quellengrabenmisttiergarten” zum “Räuberhöhlenwald”, wo die “Räuber” verfolgt werden und am Ende der Reiseleiter kommt und sagt: “Lange Umbaudämme mit vielen neuen Siedlungen bringen Erlebnisabenteuer.”

Wie schon beschrieben, höchst geheimnisvoll. Dagegen geht es beim “Trost” entgegen der Ankündigung erzählender zu. Denn da kommt “Lena verzweifelt durch den Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum gelaufen, fällt einem Mann umarmend um den Hals und sagt weinend “Der Boasim hat meinen Namen blöd ausgelegt.”

Es folgt eine eine Irrfahrt von Purkersdorf-Gablitz, nach Hadersdorf-Weidlingau und am Schluß hat der Mann Lena noch versprochen sich mit ihren Fragen zu beschäftigen, hat er ja doch viele Bucher dazu.

Jetzt habe ich den Buchstaben “S” ausgelassen und da begegnen wir einen mir schon bekannten Protagonisten, der uns auch bis jetzt begleitet hat und noch weiter begleiten wird, nämlich den “Sucher” und der ist ein “Sammler” und sucht oder hat “Sinn.”

Viele Bücher hat und sammelt er auch, so zum Beispiel, das mit der Aufschrift “Vom Klodeckel bis in die Unterwelt” oder das mit dem Titel “Der gefährliche Umbau zwischen den Siedlungsschluchtspalten.”

Wenn wir  im Alaphabet weitergehen kommen wir zum Buchstaben “V” und da gibt es, sowohl die “Versorgungsschulratshofinseln”, als auch das “Versorgungsterrassenhofgebirge”, als auch den “Vertröstungszirkus” und über “X” und “Y” zum “Z” und da zun “Zipfenmützenschneider”, bevor es mit der schon erwähnten “Zusammenziehungsaufbaustraße” zu einem Ende geht.

Zu einem Vorläufigen nur, hat doch Franzobel in seinem Vorwort geschrieben, daß es sich bei den vorliegenden Texten nur um eine kleine Auswahl handelt, denn die Texte, die allesamt ziwschen 2010 und 2017  entstanden sind, stellen nur ungefähr ein Zehntes des Gesamtumfanges dar, den das “Geheimnisgeschichtenlexikon” eigentlich umfassen könnte.

“Viel Vergnügen!”, beim Lesen dieser Auswahl”, hat Franhzobel noch gewünscht und ich kann noch ergänzen, daß ich, die ich David Sylvester Mareks Texte wohl schon seit 2010 kenne, durch das Lesen seines Lexikons auf viele mir bisher unbekannte Facetten gestoßen bin und von der Sprachgewalt des Wortakrobaten wirklich sehr beeindruckt war.