Evelyn Schlags Jemen-Buch

Im zweiten Anlauf ist es jetzt doch gelungen, aus Evelyn Schlags “Yemen Cafe” zu hören, denn als ich im November zu der angekündigten Lesung in die “Alte Schmiede” wollte, hat mich Annalena Stabauer abgehalten, denn die Autorin krank und Lesung wird nachgeholt.

Heute war es  so weit und zu Evelyn Schlags Ehren sind auch zwei Verleger oder Lektoren aus dem “Zsolnay-Verlag”  gekommen und, ich glaube, auch einige Freunde, der 1952 geborenen und in Waidhofen lebenden Autorin, die mir schon lange ein Begriff ist und ich auch einige Bücher von ihr gelesen habe.

Das mit der Priesterliebe beispielsweise oder die “Architektur einer Liebe”, das mir einmal Trude Kloiber zum Geburtstag brachte.

“L wie Laura”, habe ich im Dezember beim Literaturhausflohmarkt gekauft und einen Erzählband habe ich auch einmal im Schrank gefunden, die ich ja eifrig frequentiere.

Annalena Stabauer, die einleitete, erzählte, daß das Buch von der Situation in Jemen ungefähr, um 2010 handelt und, daß Evelyn Schlag, die sowohl Lyrikerin, als auch Romanautorin und Erzählerin ist, sich immer auch mit gesellschaftskritischen Themen beschäftigt hat.

Jetzt also ein politischer Roman, der von einem österreichischen Arzt handelt, der nach Sanaa, die Hauptstadt Jemens in ein von Schweizern geführtes Spital geht und dort die politische Situation hautnah miterlebt.

Evelyn Schlag hat zwei Stellen aus dem Buch gelesen, die eine, die den Krankenhausalltag schildert, die schlechten hygienischen Bedingungen, kein Strom, keine Krankenschwestern, vielleicht auch keine Medikamente und es kommt auch ein Krankenpfleger vor, der zwei Jahre in Deutschland Medizin studierte, dann wegen seiner Familie in den Jemen zurückgeht und dort, weil sein Bruder entführt wurde, erpressbar ist.

Die zweite Stelle handelte davon, daß, der mit einem Freund, der ebenfalls in dem Krankenhaus arbeitet zu seiner Familie fahren will. Während der Fahrt werden sie öfter von Bewaffneten aufgehalten und durchsucht.

Sie erreichen schließlich ihre Familie. Der Krankenpfleger Hassan macht sich Sorgen, um seine sechzehnjährige Schwester. Es gibt mit dem Vater Schwierigkeiten und er fühlt sich auch zurückgesetzt, weil alle nur an den entführten Bruder denken.

In der Diskussion erzählte Evely Schlag, daß sie einen Arzt kennt, der in einem Spital in Jemen gearbeitet hat, der ihr viel von der Situation dort erzählte.

Selbst hinzufliegen ist jetzt nicht mehr möglich, der Alfred war in den später Achtzigerjahren mit dem Karli dort.

Es gibt aber in New York ein Restaurant, mit dem Namen “Yemen Cafe”, das Evelyn Schlag, als Buchtitel wählte, der Arzt wird öfter aus diesem Cafe angerufen und eine Frage war auch, warum das Buch männliche Hauptpersonen hat?

Evelyn Schlag antwortete, daß schon die Bachmann gesagt hätte, daß es wichtig wäre, die Männer aus der Sicht der Frauen zu beschreiben und der Arzt in dem Buch, hat auch einige Frauenbeziehungen, die, glaube ich, ebenfalls beschrieben werden.

Interessant, interessant, selber werde ich in der nächsten Zeit wohl nicht dazu kommen, das Buch zu lesen, da inzwischen ja wieder zehn Rezensionsexemplare auf mich warten und natürlich auch die beiden, noch nicht gelesenen Bücher, der Evelyn Schlag.

Einen Ungarn-Roman von ihr gibt es auch, da war ich bei einer Lesung und über die Situation im Jemen zu erfahren, ist sicher sehr interessant.

Evelyn Schlag erzählte noch, daß sie bei ihren Lesungen aus dem Buch Leute getroffen hätte, die im Jemen waren und die ihr gesagt hätten, daß es dort genauso wäre, wie sie es beschrieben hat, was ich ebenalls sehr interessant finde.

 

Junge Hunde

“Junge Hunde” ist der zweite oder dritte Roman, je nach dem, ob man jetzt “Die Asche meiner Schwester” das 2008 in der NÖ Edition erschienene Buch, der damaligen Stipendiatin,  als Roman oder Erzählung rechnet, der 1987 geborenenen Cornelia Travnicek, die ja bald nicht mehr unter Dreißig ist und deren literarische Karriere ich auch schon lang verfolge.

Zufall oder nicht, es ist das zweite Weihnachtsbuch das ich voriges Jahr bekommen habe, ich glaube, ich habe es zusammen mit Sandra Gugics “Astronauten” auf die Bücherliste gesetzt, die der Karl für mein Geburtstagsfest haben wollte, der Alfred hat mir dann die restlichen Bücher zu Weihnachten geschenkt. Jonathan Franzens “Unschuld” war, glaube ich, dabei und muß noch gelesen werden und Richard Schuberths “Chronik einer fröhlichen Verschwörung” ist schon gelesen und die Geburtstags- und Weihnachtsbücher habe ich mir 2015 vom Alfred anläßlich meines erstens deutschen Buchpreisbloggens ja schon im Sommer gewünscht, heuer hatte ich das nicht nötig, beziehungsweise hätte ich es auch nicht getan und Cornelia Travnicek habe ich, glaube ich, wie Sandra Gugic zuerst durch die “Exilpreise” kennengelernt, wo beide gewonnen haben.

Cornelia Travnicek hat sehr jung, nämlich 2005 dort den Jugendpreis für deutsche Muttersprache wahrscheinlich, gewonnen, da hat sie aber, glaube ich, schon in Zeitungen veröffentlicht und auchschon ein paar Stipendien bekommen und 2008 oder so habe ichbegonnen ihren Blog “Frau Travnicek in Wien” oder “am Land”, wie er jetzt heißt zu verfolgen und eine Serie, wie man den “Bachmannpreis gewinnt” oder “Bis Klagenfurt anruft”, hat sie für das “Litereraturcafe” auch geschrieben.

2012 hat Klagenfurt angerufen, aber, ich glaube, das passiert wahrscheinlich auf anderen Weg und sie hat mit einem Kapitel aus den “Jungen Hunden”, die dann 2015 bei DVA erschienen sind, den “Publikumspreis” gewonnen und den Blog, den ich den ich einmal als sehr informativ empfunden und daher sehr begeistert gelesen habe, gibt es nicht mehr in dieser Form.

Das heißt, es gibt ihn schon, aber der letzte Beitrag stammt von November 2015 und besteht aus Rezensionen bezüglich der “Jungen Hunde”,  aktuellere Beiträge gibt es nur mehr auf Twitter und auf Facebook, aber 2009 habe ich auf ihren Blog mitverfolgen können, wie sie über eine literarische Agentur zu DVA gekommen ist.

“Die Asche meiner Schwester” und “Fütter mich” habe ich gelesen,”Spannung Spiel und Schokolade”, die Fließtexte, die sie mir einmal zu meinem literarischen Geburtstagsfest brachte, habe ich inzwischen von meiner Leseliste heruntergestrichen, mir dafür vorgenommen, sowohl “Chucks”, den ersten DVA Roman, der inzwischen verfilmt wurde, sowie auch die “Jungen Hunde” zu lesen, was jetzt passiert ist.

Als “Coming of age-Geschichte” wird der Roman angepriesen, der ein Eis am Stil am Cover hat und im Trailer sieht man Cornelia Travinec mit aufgesteckten Haaren und einem chinesischen Schirmchen Zetteln durch die Luft werfen und geheimnisvoll lächeln, ja sie hat Sinologie studiert und das Buch ist durch das “Kranichsteriner Jugendstipendium”, das sie, glaube ich, für “Cucks” bekommen hat, gefördert worden und wurde, glaube ich, in Frankfurt sehr vorgestellt.

Eine “Coming of age-Geschichte”, ich weiß zwar gar nicht genau, was das ist, es geht aber um das Erwachsenen werden, habe ich, glaube ich bei “Amazon” oder am Klappentext gelesen und da sind Johanna und Ernst, beide Mitte zwanzig und befreundet oder Nachbarskinder. Das Buch hat neun Kapitel und jedes ist sehr kunstvoll unterteilt, zuerst gibt es immer einen Satz oder eine Seite über Bienen, dsnn erzählt Johannaa, dazwischen hat mit einem chinesischen Zitat Ernst einen Teil in Ich Form erzählt und dann kommt wieder Johanna.

Denn Ernst wurde von Sybille und Johannes, dem Imker adoptiert, stammt eigentlich aus China und jetzt fährt er nachdem er seine Bachelorarbeit geschrieben hat, dorthin, um seine Mutter zu suchen.

Johanna bleibt zurück und hat ebebenfalls viel vor, ihr Vater kommt, weil dement in eine betreute Wohngemeinschaft, denn so nennt man jetzt die Altersheime, schreibt Cornelia Travnicek launig. Johannas Bruder soll ihn dorthin bringen. Das Haus soll, weil verschuldet, verkauft werden und Johanna, die eigentlich eine Diplomarbeit oder Bachelorarbeit über Adoptivkinder schreibt, soll es ausräumen. Das Haus ist am Land, vielleicht sogar in Traismauer, wo Cornela Travnicek ja herkommt oder wieder lebt. Das AKH Zwentendorf wird jedenfalls erwähnt, sie hat auch eine Wohnung in Wien und eine Nachbarin namens Julia, deren Kind sie betreut und dann gibt es noch einen alten Mann, den Herrn Glantz mit seinem Hund Gloria und richtig zwei Hunde Balu und Baghira, wo der erste Ernst und der zweite Johanna gehört gibt es auch.

An dem Tag, wo der Vater in das Altersheim soll, liegt Bahira tot am Boden, Johanna muß ihn vergraben, bevor die Maklerin kommt, diese Stelle hat Cornelia Travnicek, glaube ich, in Klagenfurt gelesen und Herr Glatz gibt Johanna noch seinen Wohnungsschlüßel und bittet sie, nachzusehen, wenn sie ihn einmal länger nicht sieht.

Das ist die Handlung und sie ist eigentlich sehr überfrachtet und vielleicht auch ein wenig kitschig zu nennen, aber jedenfalls sehr realistisch, obwohl Cornelia Travnicek auch eine sehr blumige und kunstvolle Sprache hat, auch manchmal ein wenig überladen, wie die “Amazon-Rezenzenten”, die zum Teil auch nur einen Sternen vergeben, bemängeln.

Ich finde sie manchmal sehr lakonisch und manchmal sind sehr kluge Bemerkungen darin, wie beispielsweise, die Betrachtungen über das Altersheim oder, daß man jetzt betreute Wohngemeinschaft sagen muß und Ernst macht in China während er seine Mutter sucht, sehr schöne Beobachtungen an Kindern, wie die beispielsweise Eis essen oder von Touristen Fotografiert werden sollen, obwohl sie das nicht wollen und weinen.

Ja, richtig, Julia, die Nachbarin, eine Sängerin, auf deren Kind Johanna aufpasst, wenn sie abends singen geht, das ist etwas, das in meiner “Wiedergeborenen” auch vorkommt, hat kein Geld mehr die Wohnung zu bezahlen und muß nach Tirol oder Vorarlberg, wo sie herkommt zurückkehren.

Da kommt Johanna auf die Idee, sie könnte ja in das Haus einziehen, für das sich ohnehin kein Käufer findet. Ja und das habe ich jetzt ganz vergessen, Johanna Mutter, die ebenso eine Gutmenschin, wie die von Nele Pollatschek ist, ist schon lange nach Peru ausgewandertt, um dort die armen Kinder zu betreuen, der Bruder Stefan will jetzt auch  nach Kanada gehen und Johanna findet noch eine Karte, die vermuten läßt, das ihr Vater nicht ihr Vater ist und das alles mit Mitte zwanzig, wo man eigentlich erst langsam mit dem Studium fertig wird und ins Leben eintritt.

Wie geschrieben, etwas überfrachtet und vielleicht ähnlich unfertig auskomponiert, wie das mir ja auch oft passiert.

Am Ende stirbt Herr Glatz, hinterläßt Johanna sein Vermögen, so daß sie das Haus nicht verkaufen muß, den Vater wieder aus seiner Residenz holen, Julia als seine Pflegerin beschäftigen und mit ihr in eine WG ziehen kann.

Ja und Ernst, richtig, der ist  irgendwie in China verschwunden, Johanna, die Übermutter will ihn nun auch zurückholen.

Wie sie das machen will, habe ich nicht ganz verstanden, wie auch nicht wirklich, wer nun ihr richtige Vater ist, war es vielleicht der Bienenzüchter Johannes, Herr Glatz oder doch der, der wie die Mutter aus Peru mailt, der es immer bleiben wird und der mit dem Vornamen Herbert hieß?

Ein wenig ambivalent bleibe ich zurück, weil mir ein bißchen das Unfertige und das Überfrachtete an dem Roman aufgefallen ist,  der seiner Handlung und auch der Sprache wegen irgendwie schon beeindruckend war, aber vielleicht gekürzt, gestrafft und noch besser ausgearbeitet werden könnte. Aber wenn man an meinen vorherigen Artikel mit den Textfragmenten denkt, an denen ich mich vorwärtshantle, hangeln, sagt, glaube ich, Cornelia Travnicek in dem Buch irgendwo einmal, sieht man, daß ich es auch nicht besser kann, obwohl ich ja schon viel älter bin und viel länger schreibe.

Ja und vielleicht bleibt mir noch zu erwähnen, daß die “Heimsuchung” das Buch mit dem 2009 meinen ersten “Nanowrimo” schrieb, auch von einer jungen Türkin handelt, die nach dem Tod des Großvaters in die Türkei reist, obwohl sie dort sehr fremd ist und den Dialekt einer Ausländerin hat und in dem Buch spielen auch Blogs eine große Rolle, die ich damals gelesen habe.

Einer war der, der Cornelia Travnicek, die inzwischen auch Gedichte veröffentlicht hat und am 20. Jänner auch in einer Pub` n´  Pub Veranstaltung auftreten wird, zu der ich vielleicht hingehen werde.

Wiener Wunder

Zu Weihnachten ein Krimi statt einem Weihnachtsbuch, die “Buch-Wien 2014” und Franzobel machten es möglich und das Wort Weihnachten oder, die schon aufgestellten Dekorationen, kommen in dem Buch auch vor, spielt er ja in Wien, Ende Oktober und jetzt weiß ichs endlich, der 1967 in Völklabruck geborene Stefan Griebl, “Bachmannpreisträger von 1995 und seit einigen Jahren auch “Ohrenschmaus-Juror” ist wie ist ein großartiger Schriftsteller, bisher war ich da eher skeptisch. Aber er kann schreiben, versucht sich in allen Genres und traut sich auch an einen oder sogar schon zwei Krimis, obwohl die, ja nicht als große Literatur gelten und ihm, wie ich hörte, der Verlag abgeraten haben soll.

Aber “Das Krimischreiben ist wie für einen Antialkoholiker die Entdeckung des Weins. Ein berauschender Genuss. Man kann sich nicht vorstellen, wie man es solange ohne ausgehalten hat!”, schreibt er am Buchrücken.

Eine Satire ist es natürlich auch, sprachlich exzellent und dennoch nicht hochgestochen und ein Genuß beim Lesen, vor allem für eine, die, wie ich, ja Schwierigkeiten beim Schreiben eines Krimis hat.

Ein Mord soll es nicht sein, also fallen bei meinen Krimiversuchen immer Äste von den Bäumen und erschlagen die Leichen und bis zum zweiten Drittel des Buches könnte man glauben, Franzobel hat mir  nach- beziehungsweise vorgemacht, wie das richtig gehen könnte, aber dann wird es, wie schon im Klappentext steht, alles anders und die Geschichte wendet sich und am Schluß wird es vollends parodistisch und man kann das Vergnügen merken, daß der Autor wohl beim Schreiben hatte.

Aber warum geht es eigentlich?

Um einen Kommisar Falt Groschen, Franzobel ist auch ein Meister der sprechenden Namen, so heißt der Journalist Walter Maria Schmierer und einen Dr. Döblinger gibt es auch, das ist der etwas doofe Untersuchungsrichter, mit Vornamen Answer, obwohl er niemals solche gibt und der Kommissar bekommt ein Mail, daß sich demnächst ein Sportler tot aufgefunden werden wird, ein als Selbstmord getaqrneter Mord und der Sportler ist ein Leichtatleht des Dopings überführt und nun aus dem Fenster gefallen und fünf Tatverdächtige ergeben sich auch gleich.

Der erste ist der Manager Stanek aus dessen Wohnung Edgar Wenninger fiel, dann seine Ehefrau Marion, die Groschen fast im Bett mit ihrem Trainer Oktavian Tulpian erwischt und dann noch den Sportreporter Walter Maria Schmierer und den Doppingfahnder Hanns  Hallux mit zwei “n” geschrieben.

Falt Groschen führt sie alle an der Nase herum, während er das Gefühl hat ständig beobachtet zu werden. Dann bestellt er die Fünf, die er, während er mit seiner Frau gemütlich am Donaukanal essen geht, überwachen läßt, er tut das nur, um seine Frau als Köder zu benützen, am nächsten Tag in die Tatortwohnung, dort erklärt er ihnen, daß sie alle ein Motiv hätten, es aber leider doch ein Selbstmord war, weil der Gedopte sich an ihnen rächen wollte.

“Wui!”, habe ich gedacht, so muß man es machen. Es geht aber weiter. Erstens gibt es da noch einen seltsamen Nachbarn, der Falt Groschen ständig über dem Weg läuft und dann wird Karl Stanek, genannt Spritzen-Chary auch noch mit einem Gewehr im Mund tot in der Wohnung aufgefunden.

Ein Wortspiel oder eine Behauptung, daß niemand freiwillig mit Schuhen und Wertsachen aus dem Fenster springt und es deshalb ein Mord war, während Spritzen-Charly sich ohne Schuhe in den Mund geschoßen hat, gibt es auch, Franzobel scheint wirklich über eine große Phantasie zu verfügen.

Aber dann entarnt Groschen noch seinen Beobachter, trifft einen alten Schnorrer und ehemaligen Bekannten wieder und der Mörder war ein genialer Einzelgänger. Ehemaliger Wenniger-Verehrer, weil er selbst wegen eines verkrüppelten Fußes nicht so schnell laufen konnte und den hat er nur, weil seine Mutter, in der ehemaligen DDR in der sie aufgewachsen ist, einem Zwangsdoping, während man das in Wien ständig verharmlost, “ohne Doping kein Sieg!”, unterzogen wurde und der nun von seinem Liebling enttäuscht ist.

Ein vertauschtes Biertr und einen nochmaligen Fenstersturz gibt es auch , bevor sich alles aufklärt und man einen rasanten Sprint durch die Krimiphantasien eines “Bachmannpreisträgers” gemacht hat.

Für die deutschen Leser seis verraten. Man erfährt sehr viel von Wien dabei, aber ich habe  auch nicht gewußt, daß es in der Taborstraße einen kupfernen Hirschen auf einem Dachvorsprung zu sehen gibt und eine kleine Satire würde ich annehmen, ist für die Deutschen auch noch eingebaut, obwohl “Zsolnay” ja ein österreichischer Verlag ist oder auch nicht wirklich, sondern nur die kleine Schwester oder  der kleine Bruder des großen “Hansers”, aber weil die deutschen Großverlage ja den österreichischen Autoren, wenn sie nicht so berühmt, wie Friederike Mayröcker oder Marlene Streeruwitz sind, alle österreichischen Ausdrucke umschreiben und aus einem Karifol einen Blumenkohl etcetera machen:

“Zum Kotzen finde ich das!”, sagt Falt Groschen seinen Verdächtigen “Zum Speiben verbessert er sich selbst. Seine Frau wies ihm immer wieder darauf hin, gefälligst österreichische Ausdrücke zu verwenden – und keine deutschen. Paradeiser statt Tomaten, Erdäpfel statt Kartoffeln, Spritzer statt Schorle, Krapfen statt Berliner…”

Köstlich, köstlich und wo hat der Oberösterreicher nur so gut Wienerisch gelernt?

Eine Buchempfehlung, die man vielleicht noch schnell der Mami oder der Schwiegermutter auf den Weihnachtstisch legen sollte. Eine, die für alle passt, für die, die sich nur für die hehre Literatur interessieren und keine Genres mögen, denn Franhzobel ist ja “Bachmannpreisträger”, hat auch den Bernhardschen-Jargon bestens drauf und ist, wie weiter auf dem Klappentext steht “Einer der populärsten österreichischen Schriftsteller” und für die, die sich unterhalten wollen und gerne Krimis lesen, ist es auch geeignet, denn es ist ja einer.

Einer in dem man viel von Wien erfährt, sprechende Namen findet, Spannung, aber auch Wissen über das Wien und seine Klischees. Es scheint aber auch, was das Dopingwesen betrifft, gut recherchiert zu sein, spannend, lustig, satirsch und wieder ein Beweis, daß man vielleicht auch Krimis lesen kann und solche schreiben, auch wenn man gegen Morde ist, aber nein-.

Denn es war ja ein Doppel- oder sogar ein Dreifachmord, aber der nicht wirklich und eine unterschobene Bierflasche des Komissars  hat es auch gegeben, also doch ein dritter Mord, aber den hat dann ein anderer fast ausgeübt.

Vom Vielschreiber gibt es inzwischen noch einen zweiten “Groschen-Krimi”, das Cover ist auch einem Groschenroman nachgebildet, den ich leider noch nicht gewonnen und auch nicht gefunden habe und bei der Vorstellung eines “Works in Progress” bin ich vor einem halben Jahr auch in der  “Alten Schmiede” gewesen und habe ihn auch bei anderen Lesungen schon gehört.

“Wiener Wunder” ist aber, glaube ich, das erste Buch das ich von ihm, der ja einmal auch, ganz klein, im “Fröhlichen Wohnzimmer” angefangen hat, gelesen habe.

Wir ohne Wal

Weil ich ja jetzt mit dem “Shortlistenlesen” des “Bloggerdebutpreises” fertig bin, gehe ich zur “Longlist”, beziehungsweise den dort eingereichten Bücher über und lese natürlich nicht alle davon, die von “Kremayr&Scheriau” und Friederike Gösweiner habe ich auch schon gelesen, nur die, die ich mir inzwischen bestellt habe oder zum Geburtstag wünschte und das sind noch vier andere und das erste das auf meiner Leseliste steht und auf die Besprechung wartet, ist Birgit Birnbachers “Wir ohne Wal”.

Da war ich ja im September beim “Schlagabtausch zwischen Deuticke und Jung” und da hat ja Martina Schmidt den Debutroman aus Jochen Jungs Produktion sehr gelobt und ein Stückchen daraus vorgelesen.

Mir war die 1985 im Pongau geborene Autorin, die mit dem Buch inzwischen auch den “Literaturpreis der Jürgen Ponot Stiftung 2016” gewonnen hat, bisher unbekannt und Martina Schmidts Schwärmerein haben mich auch nicht so berührt, daß ich mir das Buch bestellt hätte.

Dann geriet ich aber auf diesen Debutblog und da hat ja der Blogger Marc, der mir inzwischen ein paar Kommentare geschrieben hat, das Buch auf seine höchstpersönliche Shortlist gestellt und ich bin neugierig geworden.

Das Thema ist auch sehr interessant und schließt an Friederike Gösweiners Prekariat der Dreißigjährigen an.

Hier geht es um die Generation fünfundzwanzig und von ihnen erzählt, die Soziologin und Behindertenpädagogin in zehn Kapiteln oder Episoden, denn eigentlich ist es wieder ein Episodenroman und in den einzelnen Kapiteln, die schöne Titel haben und denen auch immer ein Zitat voransteht, erzählt eine Person, deren Namen oben neben dem Titel steht, etwas einer anderen und so entsteht ein Reigen von Personen und Ereignissen, die wir, wie auch in meinen “Dreizehn Kapiteln” in den anderen Kapiteln gelegentlich wiederfinden.

Das Ganze ist sehr poetisch und sprachlich schön erzählt, deshalb ist es wohl auch bei “Jung und Jung” erschienen und deshalb hat die Autorin auch schon mehrere Preise bekommen.

Und der Wal, der Titel gebend ist, ist eine Installation, eine Performance, die die Künstlerin Anna, der das erste Kapitel gehört, über eine Kleinstadt installiert hat, der ist immer zu sehen und schwingt sich so  durch den Reigen bis zum letzten Kapitel, wo er plötzlich verschwunden ist und die Personen, Markus, Anna, Sanela, Eve, Nora, Ella, Lautsprecher, etcetera, die durch die Kapitel führen sind entweder Studenten, Künstler oder Schulabbrecher.

Ein paar gehören wohl auch zu den Klienten von Birigit Birnbacher, denn Therapeuten, Bewährungshelfer, betreute WGs, etcetera, spielen in dem Buch eine Rolle.

Die einzelnen Kapitel oder Episoden hängen nicht sehr zusammen und es liegt wohl auch an mir, daß ich ab Kapitel fünf irgendwie den Anschluß  verloren habe und nicht mehr wirklich wußte, um was es da eigentlich geht?

Obwohl der Klappentext  eine sehr schöne Zusammenfassung von dieser verlorenen Generation gibt, die da in ihrer Kleinstadt sitzt, Drogen nimmt, zu Sexparties gehen und auch aus Langeweile und im Drogenrausch Tankstellen überfällt und dann in einer sozialtherapeutischen Einheit landet, wo man mit seinem Bewährungshelfer Psychospiele spielen muß.

Aber wieder schön der Reihe nach, die ersten Kapitel waren auch sehr beeindruckend, ist da ja die Künstlerin Anna, die zu ihrer Schwester Johanna, die Tierärztin ist, nach Zürich fährt, von ihrer Kunstinstallation erzählt und darunter leidet, daß sie nicht sozialversichert ist und, daß der Vater die Schwester, nicht sie danach fragte, ob sie ihm eine Niere spenden will?

Dann wechselt die Szenerie, von der Performancekünstlerin geht es in die therapeutische Wohngemeinschaft, denn Marko hat mit einer Pistole  im Drogenrausch eine Tankstelle überfallen und der dortigen Kassierin eine posttraumatische Belastungsstörung beschert. So bekommt er einen Bewährungshelfer, muß für ein paar Wochen in die WG und als er entlassen wird, schleppt ihm seine große Liebe Sanela gleich zu einer Party in ein geschlossenes Schwimmbad und drückt ihm wieder ein Drogenbrieflein in die Hand. Er macht wahrscheinlich das Vernünftige und, das was die Bewährungshelfer raten würden, er fährt ihr im Bus davon.

Dazwischen gibt es ein Kapitel, wo einer oder eine nach einem Unfall und einem Wohnungsbrandt im Krankenhaus liegt und aus dem Fenster den Wal beobachten kann.

Dann geht es zu Sanela, die auch in therapeutischer Behandlung ist, um mit ihrer Paranoia zurechtzukommen, das habe ich dann schon ein wenig weniger dicht gefunden und denke im realen Leben passiert es wahrscheinlich, daß Beziehungen auseinandergehen, hier war mir das aber  zu wenig ausgearbeitet und ab da habe ich, wie ich fürchten muß, den Anschluß trotz der schönen Sprache  verloren  und bin  mit dem weiteren Geschehen, wo eine Frau von einer Brücke springt, ein paar der Protagonisten Parties besuchen, wo sie sich ausziehn müßen und es auch, um die Frage geht, wie ähnlich sich Menschen und Bananen sind, nicht mehr recht mitgekommen oder noch den vorigen nachgehangen, da die  einzelnen Episoden, doch mehr Erzählungen sind, die, wie andere Rezensenten meinten, eher gewaltsam zu einem Roman zusammengestoppelt wurden, um sich, als Roman verkaufen zu lassen.

Wahrscheinlich war es mir zu poetisch und zu abgehoben und eine realistischere Erzählung, wie es mit Marco und Sanella oder der Künstlerin Anna weitergeht, wäre mir lieber gewesen, als dieses hochpoetische Hopping von Kleinstadtereignis zu Kleinstastadtereignis, das beim Lesen auch sehr anstrengend wurde, wenn man noch bei der vorigen Erzählung war, sich aber schon auf die nächste Geschichte einstellen sollte.

Das Leben ist heutzutage, hart genug, da muß man wahrscheinlich gar nicht dreißig werden und trotz bester Ausbildung keinen Jobs bekommen, auch das Leben in einer Kleinstadt, wo es Wale, als Kunstinstallationen gibt und Bananenstauden vertrocken, ist es wahrscheinlich und kann, wie ich in dem letzten Buch, das ich gelesen habe, erlebte, auch ganz einfach erzählt werden und trotzdem packen.

So bleibe ich ein wenig ratlos zurück und ich bin gespannt, was ich noch von Birgit Birnbacher hören werde und, ob ich mit ihren anderen Texten besser kann?

Die alte Dichterin, die Literatur und die Kunst

“Ein Diskurs mit Poesie”, steht noch unter dem neuen, wieder im “Löcker-Verlag” erschienenen Buch meiner Freundin und Autorenkollegin Ruth Aspöck und Roman, obwohl das Buch noch viel weniger, das das von Thomas Melle ein solcher ist, sondern wieder eine Mischung zwischen einem “Memoir” und einem “Personal Essay”.

Das erste sehr verschlüsselt, denn die “alte Dichterin” mit Ruth Aspöcks Biografie und ihren Werken, nennt sich ja Elisabeth Schwarz, das zweitere viel stärker, denn es werden immer wieder Zitate aus Büchern  abgedruckt, an denen die Dichterin  ihr Leben resumiert oder Fragen, die sie vielleicht gar nicht beantworten kann, stellt.

Es ist das fünfte bei “Löcker” erschienene Buch, der 1947 geborenen Ruth Aspöck, die nächsten April ja siebzig wird, so daß wir schon eine Radumfahrt, um den Bodensee planen, denn als sie sechzig war, hat sieihren Verlag “Die Donau hinunter” aufgegeben und ist, um das zu feiern von Wien nach Bamerg mit dem Rad gefahren.

In ihrem Verlag sind schon einige ihrer Bücher erschienen. Sie hat ihn ja auch, wie sie Elisabeth Schwarz in den Mund legt, gegründet, damit ihre Sachen erscheinen können, später hat sie bei “Löcker” eine Heimat gefunden, ihre Tagebücher herausgebracht, Franz Grillparzer nachgefahren, ihre Kindheit nach Krieg resumiert und sich auch mit der Biografie einer bosnischen Flüchtlingsfrau auseinandergesetzt.

Man sieht, Ruth Aspöck war schon vorher autobiografisch und hat auch das verschleiert und dann wieder sehr aufgedeckt.

Die Frage, wie man mit der eigenen Biografie umgeht und, wie man sie beschreibt, ist ja eine, die auch mich sehr beschäftigt und mit Ruth Aspöcks Bücher kann man vortrefflich darüber nachdenken oder philosophieren.

Ausgangspunkt ist der Verkauf des Hauses im Mühlviertel, wo ja einmal der Verlagssitz war und sich noch die Bibliothek befand.

Die muß ausgeräumt werden. So sitzt die fast siebzigjährige Dichterin da, nimmt Buch um Buch zu Hand, überdenkt dabei ihr Leben, zitiert Okopenko, Sartre, Haslehner, sich selbst und noch einige andere und das nicht linear, sondern ziemlich durcheinander und auch sehr verschlüsselt.

So werden den Zitaten nicht direkt die Namen der Autoren zugeteilt, sondern da stehen schöne Worte, wie “Gedanken”, “Hoffnung”, “Literaturen” und man muß erst im zehnten Kapitel nachschauen, aus welchem Buch da zitiert wurde und, um das noch schwieriger zu machen, wurden “Gedanken”, “Hoffnung” Literaturen” nicht alphabetisch angereiht, sondern die Namen der Autoren und man muß erst mühselig nachsuchen, wo jetzt “Hoffnung” “Gedanken” oder “Literaturen” steht.

Ja, Ruth Aspöck macht es sich und ihren Lesern nicht leicht und sie ist sich glaube ich auch nicht ganz sicher, ob sie ein erfülltes Leben hatte, das da in zwanzig nicht linearen, sondern sehr sehr sprunghaften Kapitel, erzählt wird.

Wieder, wie schon bei ihren früheren Büchern, merke ich an, daß ich nicht sicher bin, wie ein Leser in Deutschland oder sonstwo, der Ruth Aspöck nicht kennt, das Buch interpretieren wird.

ich kenne ja einiges aus ihrem Leben, aber auch nicht alles, denn das Verschlüsseln, Verschweigen, Distanzieren, gehört wahrscheinlich zu ihrer Person und deshalb ist der poetische Diskurs in dem sehr viel Wehmut klingt, glaube ich, auch spannend zu lesen.

Die Worte “Demut” und “Zurückstellen” kommen öfter, wahrscheinlich auch in früheren Büchern vor und auch das Gefühl der Armut. Das des nicht Mithalten können mit den anderen, reicheren Kollegen aus den anscheinend besseren Familien, die die junge Elisabeth-Ruth auf der Universität trifft, als sie nach abgelegter Matura nach Wien kommt, um hier Theaterwissenschaft zu studieren oder noch besser Schauspielerin zu werden.

Das ist nicht geglückt, sie hat aber einige Leute kennengelernt, die Karriere machte und über, die nicht so erfolgreiche später dann die Nase rümpften, nicht gern in ihre Wohnung kamen, weil sie sie, wie Elisabeth-Ruth argwöhnt, als armselig empfinden würde.

Das kann ich beispielsweise nicht nachvollziehen, weil ich das Arbeiterkind aus dem Gemeindebau, erstens nie Freunde mit adeligen Namen und solcher Vergangenheit hatte, zweitens die Ruth, die ja in Wien, als Feministin und “Auf-Gründerin” sehr bekannt ist, immer, als sehr elegant empfunden habe und mich manchmal auch ein wenig darüber wunderte, daß eine “Linke” so elegante Kleider trägt.

Ein bißchen läßts sichs aber aus der Biografie der Dichterin erklären, die in dem Buch viele Fragen stellt, Anekdoten aus ihrem Leben erzählt und die eigene Biografie mitschwingen läßt.

Als Studentin ist sie nach Madrid Gegangen und hat darüber in ihrem Verlag, den “Ausnahmezustand für Anna” veröffentlicht.

Sie wäre schreibt die alte Dichterin lieber nach England gegangen, aber dafür bekam sie kein Stipendium.

Später war sie einige Jahrein Kuba, hat darüber in “Tremendo Swing” geschrieben. Hat, dazwischen, glaube ich, Ruth schreibt etwas davon, daß die schwarz blaue Regierung sie nach Kuba trieb, ihren Verlag gegründet. Wurde da von jungen Dichtern und Dichterinnen angeschrieben und hat sich auch öfter über sie geärgert, weil die es ihrer Meinung nach zu leicht nahmen, zu wenig genau und zu wenig ehrgeizig waren.

Denn das war die alte Dichterin, als sie noch eine junge Frau gewesen ist, aufrecht und offen und damit auch so undiplomatisch, daß sie es sich mit manchen Großen, die sie direkt auf Fehlstände angesprochen hat, verscherzte, so daß es nichts mit der großen Karriere wurde und sich die Dichterin immer ein wenig zurückgesetzt fühlt. Sich ihrer kleinen Wohnung, ihrer alten und abgenützten Möbel, etcetera, schämt, wie schon geschrieben, ich finde die Ruth und auch ihre Wohnung sehr elegant, wenngleich auch das Schlafizummer, das Wohnzimmer ist und das Bett jeden Tag ausgezogen werden muß.

Man erfährt also, wenn man genau zwischen den Zeilen liest, viel aus dem Leben, der jungen und älter gewordenen Feministin, die in Salzburg geboren wurde und von Linz nach Wien gekommen ist. Man erfährt aber auch viel aus dem literarischen Leben dieser Zeit und ihren Schriftstellerkollen. Kann Zitate aus Jean Paul Satres, 1948 erschienenen Essay “Was ist Literatur?”, lesen.  Erfährt viel über ihre Beziehung zu dem 2010 verstorbenen Andreas Okopenko, bei dessen letzten Geburtstagsfest und Begräbnis ich ja war.

Man erfährt sogar welche Theaterstücke, sich die “Theaternärrin” in den Sechzigerjahren angesehen hat, denn die sich mühsam vom kleinen Stipendium geleisteten Programmhefte und Theaterkarten hat sie aufgehoben.

Jetzt blättert sie nochmal darin, bevor sie sie leichten oder schweren Herzens entsorgt. Weggibt, wie auch viele der Bücher. Die Romane nimmt die örtliche Sozialstelle, die wissenschaftlichen Werke und die fremdsprachigen Bücher, die sie sich während ihrer Auslandsaufenthalte kaufte, kommen gleich in den Müll. Ja so ists mit der Wissenschaft, die Sozialhilfeempfänger werden wohl lieber Simmel, als Satre im Originalton lesen.

Aber auch Shaekspearre wird oft zitiert und dann die Faksimile-Ausgaben weggegeben.

Die zwanzig Kapitel, durch die uns die Dichterin führt, tragen Namen, wie “Abschiedstournee, die Erste”, Anspruch und Ehrgeiz”, “Groß und Klein”, “Mißlungen/zarte Hoffnung,”Sprache, Spiel und Träume”, und so weiter und so fort.

Man sieht, glaube ich, daran schon sehr gut, worauf es hinaus geht und mit was man konfrontiert wird, wenn man sich auf den Diskurs, was ich sehr empfehlen würde, einläßt.

Interessant dabei ist vielleicht auch, um jetzt ganz autentisch zu werden, daß ich beim Zitieren der Kapitel durch einen Anruf unterbrochen wurde. Die Rutha war in der Leitung und wollte wassen, ob ich am Nachmittag mit ihr in den “Musikverein” gehen will?

Leider habe ich da eine Stunde. Man sieht, die Dichterin ist  immer noch unermüdlich an Kunst und Kultur interessiert, obwohl sie sich schon die Frage stellt, ob und was sie als nächstes schreiben wird und anmerkte, daß sie im Alter gelassener wurde und nicht mehr so streitbar, wie früher ist.

Das Buch wurde auch schon im“Republikanischen Club” vorgestellt und ich empfehle es zu lesen.

Zwischen Schreiben und Lesen

Am neunundzwanzigsten und dreißigsten Oktober fand im “Odeon” eine “Enquette zur Literaturvermittlung” statt, wo die Literaturhäuser, die “Alte Schmiede” und die “Gesellschaft für Literatur” sich mit diesen Thema auseinandersetzten.

Dazu wurden auch eine Reihe, Margot Schreiner würde sie wahrscheinlich “Mittelschichtautoren” nennen, eingeladen, für eine Anthologie, die von Robert Huez vom Literaturhaus Wien, Edith Bernhofer vom Klagenfurter Literaturinstitut und Thomas Friedmann vom Salzburger Literaturhaus herausgegeben wurde, Texte zu schreiben.

Bei “Klever” erschien dann die diesbezügliche Anthologie “Zwischen Schreiben und Lesen – Über Situation, Herausforderungen und Möglichkeiten von Literatur und Literaturvermittlung in Österreich, die drei Bereich enthält.

Im ersten “Literaturbetrieb. Gesellschaft.Politik”, begann die 1953 in Linz geborene und heurige “Wildganspreisträgerin” Margit Schreiner mit ihren Essay “Aspekte zeitgenössischer Literatur und ihre Gesellschaftlichen Bedingungen” in dem sie sich mit dem Roman auseinandersetzt.

Das der in der Krise sei, war ihr Statement, was ich, die ich mich jetzt ja gerade mit den Debuts und dem Buchpreislesen auseinandersetzte und noch setze nicht so ganz verstanden habe, denn es gibt ja jede Menge solcher und Margit Schreiner merkt auch genau an, daß die immer dicker und dicker werden. Ja, natürlich, der von Clemens J. Setz umfaßte schon über tausend Seiten. Margit Schreiner unterscheidet auch noch zwischen Kleinverdiener, den sogenannten Mittelschachitautoren, zu denen sie sich wohl selber zählt und den Bestsellerautoren, da wird Charlotte Roches “Schoßgebete” als Beispiel genannt.

Gerhard Ruiss folgt mit einem Einblick in die Österreichische Literatur-Verlags-und Flörderlandschaft”, die IG-Autoren haben sich 1971 gedründet, die GAV 1973, “Manuskripte” und “Wespennest” waren damals die führenden Literaturzeitschifrten, eine Reihe kleiner gab es auch noch, wie man vor kurzem im Literaturhaus sehen konnte, das Literaturhaus wurde 1991 eröffnet, die “Alte Schmiede 1975”.

Dann folgte der doppelte Longlist- und einfache Shortlist Kanditat Reinhard Kaiser Mühlecker und führt als Beispiel,  die städtische Bibliothek in Stockholm an, deren Speicher geschlossen war, als er sich dort ein Buch ausleihen wollte, während Marlene Streeruwitz die politische, Stockholm wieder als postitives Beispiel an Fortschrittlichkeit nennt, während in Österreich ja 2000 die blau schwarze Regierung Einzug hielt, die Autoren gespalten oder zu Unternehmern machte, Widerstandsleseungen hat es damals auch gegeben und die berühmten Donnerstagsdemonstrationen.

Theresa Präauer, die ich als Illustratorin von Wolf Haas Kinderbuch kennenlernte, die aber jetzt auch schon drei Romane geschrieben hat, beim “Bachmannpreis” gelesen hat und mit “Oh Schimmi” derzeit an erster Stelle der ORF Bestenliste steht, hat als Thema für ihren Essay, die Lesungen gewählt und meint, sie hätte schon tausend beigewohnt, weil sie als Studentin eine Zeitlang hinter der Bar eines Literaturhauses gestanden hätte.

Das gilt auch für mich, da stehe ich zwar vor der Bar, beziehungsweise dem Tisch, an dem im Literaturhaus der Wein ausgeschenkt wird. Bei tausend Lesungen war ich aber höchstwahrscheinlich auch schon, gehe auch sehr gerne hin und habe eigentlich auch nichts gegen die vielgeschmähte Wasserglaslesung und Teresa Präauer, kann man noch anmerken ist auch eine Meisterin des Vortrags, bezeihungsweise der Performance, die man bei ihren “Oh Schimmi-Lesungen” merken kann.

Der zweite Teil des Buch befaßt sich mit dem Bereich “Bildung.Schule.Literaturvermittlung” und da setzte sich, der 1955 geborene Ludwig Laher mit der Zentralmatura auseinander und bedauert, daß man in Zukunft in der Schule keine Literatur mehr vermittelt bekommt und das Gymnasium verlassen kann, ohne einen Roman gelesen zu haben.

Seinen Aufsatz aus dem “Standard”, wo sich eine fiktive Schülerin dagegen wehrt, Altenhelferinnen Arno Geigers “Der alte König in seinem Exil” an Hand eines Textausschnittes empfehlen zu können, ist auch abgedruckt. Hier kann ich wieder nur einwenden, daß das Buch ein “Memoir” und kein Roman ist und ich denke, daß wir alle ja von Lesetips zehren sollen, die uns den Kauf eines Buches schmackhaft machen wollen, zumindest werden sie im Netz sehr empfohlen und auch sonst sehrverbreitet.

Der 1972 in Brünn geborene Michael Stavaric beschreibt in “Identität, Initiation und (literarische Heimat) seine Erfahrungen bei Schullesungen und gibt dazu Beispiele aus seinen Kindergedichten.

Dann geht es zum “Autorenleben” . Hier gibt die 1957 in Bozen geborene Erika Wimmer in “Maskenspiele. Die Dichterin, die Alte und ihr Biograph”, ein sehr beeindruckendes Beispiel einer literarischen Beziehung.

Der Biograph Jakob rast einer hundertjährigen Dichterin, der Text ist Rita Levi-Montalcini gewidmet, nach, um ihre Biografie zu schreiben und muß sich dabei allerlei Schrullen und Einschränkungen gefallen lassen, während, die Dichterin mit den Literaturvermittlern, den Lektoren, den Veranstaltern, den Redakteuren ringt, die ihren Gedichtband ebenfalls allerei Einschränkungen aussetzen und ihn  schlußendlich doch nicht besprechen, verlegen, vorstellen.

Dazu fällt mir die “Dora Faust” ein, in die ich ja auch meine Absage und Bewerbungsschreiben hineinverarbeitet habe.

Der 1965 in Dornbirn geborene Wolfgang Bleier, ein mir bisher unbekannter Autor, beschreibt sein Autorenleben sehr poetisch und Martin Prinz, der mit der “Letzten Prinzessin” von “Jung und Jung” zu “Suhrkamp” gewandert ist, ein “glücklicher” Autor also, sitzt zu Zeiten der Präsidentschaftswahlen und deren Wiederholungen im Cafe Floriani und versucht seine Auftragsarbeit für die Literaturvermittlungsanthologie zu schreiben, dazwischen muß er in zwei Tagen seine Fahnen durchgehen, macht Beobachtungen, etcetera.

Dann gibts noch einen Text des 1982 geborenen Bernhard Strobels in dem Buch, der sich mit den drei “Lebenslügen der Dichter”:

  1. Literatur verändert die Welt
  2. Die Dichter schreiben für die Nachwelt
  3. Es gibt eine Weltliteratur

beschäftigt.

Ein sehr interessantes Buch, das einige sehr interessante Aspekte des Literaturbetriebs aufzeichnet, bedauert, daß es keine Leser mehr gibt, die Subventionen eingespart werden und das alles auf mehr oder weniger literarisch anspruchlsvolle Art und Weise beschreibt.

Die experimentelle Literatur kommt dabei vor, die Genres, wie Krimis, Si Fis, Romantiks, also das, was die Leser vielleicht auch und verstärkt lesen wollen, wird dabei ausgespart, aber für die hat sich in den letzten Jahren noch eine anderer Art von Literaturbetrieb eröffnet, der in diesem Essayband eher ausgespart ist.

Karla Paul bei ihrem “Pup `n` Pub” aber sehr wohl erwähnte, als sie meinte, daß die wahren Bloger zwischen zwölf und sechzehn sind und genau darüber twittern, instagramen und vielleicht nicht mehr facebooken, weil sie dieses schon längst verlassen haben.

Und Anika Bühnemann, die ja recht erfolgreichen einen Blog namens “Vom Schreiben leben” betreibt, hat mir einmal gemailt, daß sich die Autoren, die das wollen, nicht um den Literaturbetrieb scheren, sondern Marketingkurse besuchen, ihr Cover und ihr Lektorat selbst bezahlen, danach ihre Marke aufbauen un beim bösen “Amazon” ihre Bücher dann mehr oder weniger gut verkaufen und bei allem bleibt für mich dann auch noch die Rolle des Lesers, übrig der vielleicht bei solchen Diskussionen, Veranstaltungen, Publikationen oft ein wenig übersehen wird und auch hier keinen Beitrag geschrieben hat, der angeblich nur acht oder neun Bücher im Jahr liest, aber einer jährlichen Überproduktion von siebzigtausend, wie man hört oder noch mehr Neuerscheinungen, ausgesetzt ist.

Ja, das Lesen ist schön, würde ich, die das ja sehr intensiv und auch gerne jenseits über jeden Genrerand betreibe, zum Schluß meinen, das Schreiben auch und es ist auch schön, daß es Institutionen, wie die “Alte Schmiede”, das Literaturhaus, “Die Gesellschaft für Literatur”, etcerera gibt und das man diese zumindestens in Wien immer noch ohne Eintritt zu bezahlen, besuchen kann.

Vom Leben und Sterben des Herrn Vatern, Bauer, Handwerker und Graf

Noch ein Buch aus dem steirischen “Keiper-Verlag” mit dem ich vor einigen Jahren auf der “Buch-Wien” über Andrea Stift in Kontakt gekommen bin, ich habe danach einige Bücher daraus gelesen, darunter Andrea Wolfmayrs “Roter Spritzer” und mit der 1953 in Gleisdorf geborenen Andrea Wolfmayr, Buchhändlerin und ÖVP-Politikerin, habe ich einmal, lang lang ists her gemeinsam in “Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen” eine Geschichte gehabt.

Dann habe ich lange nichts mehr von ihr gehört, ihr Buch “Spielräume” aber einmal im Schrank gefunden und  im Oktober 2013 mit ihr gemeinsam bei den “Textvorstellunge” gelesen.

Da war “Rot- Weiß-Gin”, das Thema, ich habe aus “Kerstins Achterln” gelesen, Andrea Wolfmayr aus der “Weißen Mischung” und bei den “Buch-Wien” treffe ich sie auch regelmäßig.

Bei der letzten hat sie mir, glaube ich, gesagt, als ich ihr von meinem Gefühl ausgeschrieben zu sein erzählte, daß die Themen bei ihr seit sie in Pension ist, herausrquellen und sie das bearbeitet, was sich  angesammelt hat.

Jetzt liegt wieder ein sehr interessantes Buch vor mir, eines das wahrscheinlich jeden betrifft und jede Frau besonders, weil sich die ja meist auch besonders intensiv mit der Pflege ihrer alten Eltern auseinandersetzen.

In dem Roman, der nehme ich an, sehr viel Autobiographisches enthält, also wieder ein “Memoir” seindürfte, er ist jedenfalls Andrea Wolfmayrs Vater gewidmet, geht es um Magdalena, die mit ihrem Mann Sepp im Haus ihres Vaters lebt, der an Harnwegsinfektionen leidet, Demenz und Parkinson hat und den sie bis zu seinem Tod begleitet.

In Tagebuchform von 2005 bis 2009 wird das beschrieben. Das Haus befindet sich in Weiherbach, eine Hütte als Zufluchtsort, für die fünfzigjährige Tochter gibt es auch und eine Familie, zwei Schwestern, einen Bruder, einige Tanten und die Putzfrau Eva, die sich, um den alten Mann kümmern.

Aber Ebva und Sepp wohnen im Haus mit ih, und der in den Neunzehnzwanziger Jahren geborene, wird von Magdalena auch als Tyrann beschrieben, der Herr Graf, der anschafft, mit dem Geld herumschmeißt, die Türen offen läßt, Auto fährt, obwohl er es nicht mehr kann, mit der Tochter schimpft und vorallem überall sein Blut und seinen Harn verbreitet, denn er hat eine Ziste an der Niere, will aber keine Medikamente, will nicht zum Arzt gehen, wie das bei alten Leuten oft so ist.

Ein “Feuchtgebiete desAlters” könnte man das Buch literarisch überhöht, vielleicht nennen und Magdalena ist mitten drin, hat noch ihre Kindheit aufzuarbeiten, hat Schuldgefühle, muß sich um alles kümmern, geht auch zur Therapeutin, die mit ihr bespricht sich abzugrenzen und den Verfall des Vaters nicht als persönliche Kränkung zu erleben.

Andrea Wolfmayer ist auch sehr direkt offen und erstaunlich ehrlich. So wird ihre Wut und ihr Zorn auf den alten Mann, auch sehr direkt beschrieben.

Loslassen und ihn beispielsweise in ein Heim geben, kann und will sie aber ebenfalls nicht. So werden die letzten Jahre sehr anstregend und das Aufschreiben und Berichten darüber, einerseits eine Entlastung für sie, andererseits sicher auch eine Hilfe für andere Töchter, Frauen, Schwestern, die das Gleiche durchmachen.

Das Auto wird verkauft, im ersten Stock eine Tür eingebaut, damit Magdalena und Sepp wenigstens etwas Rückzug haben und der Gestank von Urin und Kot, der Vater hat bald einen Dauerkatheder, dessen Stöpsel sich aber fortwährend löst oder vielleicht aus Widerstand gegen die Hilflosigkeit und Bevormundung herausgerissen wird, haben.

Dann kommt zuerst eine Altenpflegerin, dann die vierundzwanzig Stundenbetreuerinnen aus der Slowakei. Der Vater wird immer hilfloser und schwächer und die Tochter muß um ihre Selbständigkeit ringen, aufpassen, daß sie sich trotz aller Valditation, die ebenfalls betrieben wird, nicht verliert und schließlich doch loslassen.

Trotz aller Drastigkeit oder vielleicht gerade deshalb, ein wirklich eindrucksvolles Buch, das wahrscheinlich allen Töchtern, Müttern, Schwestern und vielleicht auch den Männern und den Söhnen, Brüdern zu empfehlen ist.

Anna Mitgutsch hat in ihrer “Annäherung” etwas Ähnliches beschrieben und ich habe sowohl, die Pflege meines Vaters, die mich auch oft genug überforderte, sowie, die meines Schwiegervaters, der kurz ebenfalls eine vierundzwanzig Stunden Betreuung hatte, hinter mich gebracht und kann daher das hier Beschriebene auch gut nachvollziehen.

Ob, wie am Buchrücken steht, wirklich “Nie zuvor das Leben mit alterskranken Angehörigen so packend geschildert wurde, bin ich mir gar nicht so sicher, habe ich doch schon einige diesbezügliche Bücher gelesen und auch geschrieben. Ist es ja auch ein Thema das wahrscheinlich jeden betrifft, so daß man sich wahrscheinlich auch damit beschäftigen sollte.

FanniPold

Nun ist der zweite Roman, der vorjährigen “Alpha-Preisträgerin” Karin Peschka, aus dem ich schon ein bißchen im “MUSA” und dann bei der Vorstellung in der “Alten Schmiede” etwas hörte, doch zu mir gekommen und ich muß sagen, er ist sehr interessant und gekonnt geschrieben.

Fast ein bißchen spannender als das Debut aus dem Nachkriegs-Wien der Neunzehnhundertfünfzigerjahre, weil es den Miff einer oberösterreichischen Kleinstadt perfekt beschreibt.

Ich glaube mich zu erinnern, daß Karin Peschka im “MUSA” sagte, daß sie sehr viel von dem beschriebenen, selbst erlebt habe, ist sie ja eine oberösterreichische Wirtstochter und die Fanni, die da mit dem Poldi nach einem mißglückten Tandemflug, beziehungsweise nach einer im wahrsten Sinn des Wortes haarsträubenden Harakiri-Aktion, in den Bäumen hängt, ist eine mittelalte Verkäuferin im Supermarkt der kleinen Stadt, wo die Geschäfte langsam sterben, ein neues Einkaufszentrum aber gebaut werden soll.

Sie ist verheiratet mit Bernhard, einem Bauernsohn, hat zwei Kinder und ist unzufrieden, denn sich nur jeden Mittwoch Abend mit den drei Freundinnen, bei Mario in der Pizzeria auf einen Salat zu treffen und sich sonst über ihren Chef zu ärgern, ist ihr zu wenig.

Es gibt aber auch einen jährlicher Ausflug der Freundinnen und der muß geplant werden, Grado oder Venedig?

“Sag, Fanni, deine Meinung?”, aber die spielt nicht mit und sagt stattdessen, sie habe Krebs.

Das löst eine Lawine von Hilfsbereitschaft, Adressen von Wunderheilern und Psychotherapeuten landen in Fannis Manteltasche, aber auch eine von Gerüchten aus und obwohl alle das Schweigen versprechen, weiß es bald der ganze Ort.

Fanni wird inzwschen zur Rebellin, schleudert Steine gegen ehemalige Trafiken, die jetzt als Kunstinstallationen genutzt werden und wird von einer alten Geschirrhändlerin, schnell in ihr Geschäft gezerrt.

Und während das alles, ganz genau mit Angabe von Datum und Ort des Geschehens erzählt wird, gibt es immer wieder die Szenen im Wald, wo Fanni mit dem Podl, einen Baumstamm in der Brust blutend am Baum hängt und keine Hilfe will.

Das Handy und die Perücke fallen auf den Boden und die Hilfe der Kurdin oder Inderin Nergis, die beherzt hinaufgeklettert kommt oder die des Lehrings Kreshnik, der auf Weisung seines Vaters etwas Nützliches in der Feuerwehrjugend tut, damit er nicht in den Kosovo abgeschoben werden kann, wird verweigert und langsam, ganz langsam wird man in den Bann des Buches gezogen und erkennt seine Dramaturgie und rafninierte Gestaltung, während am Anfang vieles Rätesel blieb oder unlogisch erschien.

Aber so soll es ja bei einem guten Roman sein und das öde Kleinstadtleben der sterbenden Stadt und das einer frustrierten Verkäuferin wird auf einmal sehr phantastisch und absurd geschildert.

Ameisen krabbeln in das Herz und über den Körper und gibt es wirklich einen Herzkrebs ersten oder zweiten Grades?

Ich habe nicht nachgegoolet und brauche das auch nicht, weiß nur, daß Panikattacken, wie auf Seite 267 steht, keine Psychose sind, aber das wird die Sozialarbeiterin, die aus der Wirtstochter wurde, auch wissen und zur Hebung der Spannung dient es allemal.

Ein Buch zum Nachdenken und Berühren lassen, in dem auch sehr viel Aktuelles steht, die Flüchtlingssituation, das Sterben der ländlichen Gemeiden, ja und ein Beispiel muß ich noch erwähnen, obwohl Karin Peschka, wie ich aus der ersten Besprechung weiß, nicht viel vom Spoilern hält.

Aber der Klatsch in den Kleinstädten ist ja unerbittlich und sieht jemand die halbwüchsige Tochter in das Auto eines älteren Mannes mit Wiener Kennzeichen steigen, der sie küßt und ihr Zigaretten überreicht, wird die Mutter schnell in die Sprechstunde der Frau Porfessor zitiert. Mmit der Tochter, die dann die Schokoladezigarettenpackung aus der Tasche zieht und der Mutter erzählt, daß die vom Onkel Hans seien und die Mutter erzählt, der erstaunten Lehrerin, daß der ihr Bruder ist und die Begrüßungsküßchen unter Verwandten zumindestens in unserer Gegen immer noch erlaubt und kein Fall für den Psychologen oder gar das Jugendamt.

Und FanniPold schreibt man als Ergänung für alle Rechtschreibfanatiker zusammen, weil das die Tandemsituation am Baum ausdrücken will, das habe ich auch erst nachher kapiert und in meinem “MUSA-Bericht” noch falsch geschrieben.

Traurige Freiheit

Buch zwei von der “öst. Debut Liste”, die man, wie ich festgestellt habe, nicht miteinander vergleichen kann, denn von den Ereignissen in Rechnitz, wo eine reiche Stahlerbin, 1945 mit Nazis Walzer tanzte, bevor die hundertachtzig Juden erschossen, geht es in die vermeintliche Freiheit der Generation Praktikum und in die prekären Arbeitsverhältnisse, derer, die als sie geboren wurden, angeblich alle Chancen hatten, studierten und jetzt von einem Vorstellungsgespräch zum anderen tappen und vor lauter Freiheit nicht weiterwissen.

Die 1980 in Tirol geborene Friederike Gösweiner hat ihn geschrieben, das Buch ist schon im Frühjahr bei “Droschl” erschienen, Alfred hat es in Leipzig, wo am “Österreich-Stand” vorgestellt wurde, entdeckt, es, wie das Buch von Sacha  Battyhany gekauft und es diesmal mir geschenkt.

Ich war auch bei den “Ö-Tönen”, wo es vorgestellt wurde, jetzt ist es bei den “öst Debuts”, steht auch mit einer Reihe anderer Bücher auf Debutlisten, was ja sehr schön ist, aber da werden wieder aus einer Reihe von Einreichungen einige, beziehungsweise am Schluß einer oder eine ausgewählt und die anderen bleiben über.

Ja, das Leben ist hart, wahrscheinlich nicht nur in der Generation Praktikum, aber da wahrscheinlich ganz besonders und Friederike Gösweiner hat es im Gegensatz zu ihrer Hannah weit gebracht, wird ihr Buch bei den Blogs sehr gelobt und hat gute Chancen vielleicht mehr als  einen “Bloggerpreis” zu gewinnen und es ist ein hartes Buch, ein sehr beeindruckendes.

Alice Strigl, die es für ihre Debutreihe auswählte, hat es sehr traurig genannt und das ist es auch, wie ich, die ich mich ja schon länger mit den prekären Arbeitsverhältnissen beschäfte, wahrscheinlich auch beurteilen kann.

Ein paar Fragen habe ich natürlich dazu, einiges erscheint mir unlogisch oder auch nur sehr gut konstruiert, denn die neun Kapitel mit denen der  kurze Roman erzählt wird, sind sehr gekonnt zusammengestellt und es gibt auch einige Metaphern, wie der vom “Fallen”, die das Buch begleiten und eigentlich könnte man  sagen, ist es der heitere Himmel aus dem Hannah, 30, nach diesen neun Kapiteln hinunterfälllt.

Denn sie hatte es ja gut, hatte Geschichte oder Journalismus in ihrer Kleinstadt studiert, lebt mit Jakob, einem Arzt, also auch sehr gut situiert, der irgendwo in einer Klinik wahrscheinlich seine Facharztausbildung macht und alle, Hannah inbegriffen, blicken zu ihm auf, dem Mann in Weiß. Aber auch Hannah will hoch hinaus und sieht die Chance ihres Lebens, denn sie hat das Angebot bekommen, in Berlin für ein halbes oder ganzes Jahr ein Volontariat zu machen.

Das spaltet die Beziehung, denn Jakob will keine aus der Ferne führen, so zieht Hannah aus, zuerst zu ihren Eltern, dann nach Berlin in die Wohnung ihrer Freundin Miram, die auch Journalistin ist und gerade eine Korrespondentenstelle in Moskau angenommen hat.

Die zweite Frage, die ich habe, betrifft das zweite Kapitel, denn das Volontariat, endet schon nach acht Wochen und nicht erst nach dem halben oder ganzen Jahr, die acht Volontärinnen werden feierlich mit Sekt, Brötchen und Schokolade verabschiedet, weil am Montag schon die nächsten kommen, sie dürfen aber weiter ihre Chance nutzen und freiberuflich Artikel anbieten.

So sitzt Hannah in Kapitel drei in der Bibliothek, denn Jakob wollte nicht, daß sie zurückkommt, schickt aber weiter Fragezeichen und Musiknummern, schreibt Bewerbung um Bewerbung, bewirbt sich auch einmal für eine “Lehrredaktion”.

Zwanzig werden eingeladen, drei genommen, Hannah ist, obwohl ja alle Chancen, natürlich nicht dabei, fängt zu kellnern an. De Eltern, die es gibt sind nicht damit zufrieden, schicken zum dreißigsten einsamen Geburtstag sechzig Euro und einen privaten Vorsorgevertrag und in dem Cafe, in dem alles zu klappen scheint, aber natürlich, um zu kellnern hat sie nicht studiert, lernt sie Stein, einen Journalisten aus Hamburg, der in Berlin einen Lehrauftrag hat und verheiratet ist, kennen, der soll ihr helfen, tut es aber nicht.

So vereinsamt Hannah in dem großen Berlin immer mehr und mehr, hat nur noch Kontakt zu Miram, die ihre Stelle, es wird in den Redaktionen ja überall eingespart auch verliert. Jakob meldet, daß er Vater wird, sie aber trotzdem nicht vergessen kann und so steht Hannah ein Jahr nach ihrer Anrkunft auf der Dachterrasse des Hochhauses am Geländer, schaut auf die Straße hinunter und überlegt wahrscheinlich, ob sie fallen oder, wie vereinbart Miriam vom Flughafen abholen soll?

“Ein genauer Blick auf das Wechselspiel von Hoffnungen, Resignation und Aubruch in der Generation der Dreißigkährigen” steht am Buchrücken.

Die “Amazon-Rezensenten” sind nicht alle mit dem Buch zufrieden, einige wollten mehr über den Bereich wissen, in dem Hannah ihren Journalismus betreibt.

Stimmt, das wird nicht erzählt, sonst ist die Atmosphäre aber erstaunlich dicht beschrieben und man merkt, was ja vieleicht auch abschrecken kann, daß da eine sehr unsichere und einsame junge Frau in die Freiheit des großen Berlins hineingesetzt wurde, aber hätte sie in Innsbruck bleiben und, wie es wahrscheinlich, die Generation ihrer Mutter tat, ihren Gott in Weiß heiraten sollen?

Die Arztgattinen von damals, wurden wie ich aus Gesprächen weiß, zum Teil von den von ihren Gatten verschrieben bekommenen “kleinen Helfern”, süchtig und Hannah braucht schon am Anfang der Geschichte “was zum Schlafen”.

Die Rezensenten sprechen auch von der Depression und nicht von dem Prekatiat, um das es in dem Buch gehen würde.

Und das vermischt sich natürlich auch, hat ja Stein, als er sie zum Essen einlud, das er dann nicht bezahle, auch von den “Tüchtigsten erzählt, die in Zeiten, wie diesen überleben”, während die anderen unterhehen und Hannah kennt  auch Freundinnen, die es geschafft haben.

Aber so leicht kann man sich wahrscheinlich nicht heraussreden, wenn man zwanzig Leute einlädt oder auf eine Liste setzt und dann drei von ihnen aussucht und den anderen ein bedauerndes Absagebrieflein schickt, daß sie halt leider nicht passte, es nichts mit den Qualifikationen zu tun hat, es in Zeiten wie diesen, aber keinen “Welpenschutz” geben kann!

Und wir spielen wahrscheinlich auch ein bißchen mit in dieser neoliberalen Marktwelt, wenn wir zu den Preisverleihungen gehen, wo drei ausgesuchte Leute vorlesen können und der Moderator anschließend bedauert, daß zwar alles schöne Texte, aber leider, leider nur einer gewinnen kann!

Friederike Gösweiner hat es bis ganz nach oben geschafft und wird sich vielleicht am Vorabend der Buch-Wien freuen oder ein bißchen traurig sein.

Viele andere, die, die vielleicht jetzt beim “Nanowrimo” mitschreiben oder selber publizieren haben es nicht so weit geschafft und auch der “Debutblog” hat bei seinen Debutbedingungen, genau, wie auch beim “öst Preis” hineingeschrieben, daß sich Selbstverleger nicht bewerben dürfen, aber auch die haben Wünsche, Täume, Hoffnungen, müssen, essen, Miete zahlen, auch wenn sie vielleicht, wie Hannah mit allen ihren Chancen,  nicht bei den Besten sind.

In diesem Sinne wünsche ich Friederike Gösweiner alles Gute und empfehle das Buch zu lesen und vielleicht ein wenig geduldiger zu sein und nicht nur nach oben, sondern nach unten zu schauen, wo sich die Hinuntergefallenen befinden, obwohl das vielleicht nicht so leicht ist, denn “die im Dunkeln, sieht man ja bekanntlich nicht!”

Sprache der Krähen

“Eine packende Kombination aus Thriller, Liebesgeschichte und Familiendrama”, steht im Klappentext des zweiten Romanes, des 1961 in Wien geborenen Georg Elterlein, den mir einmal, glaube ich, Anni Bürkl auf der “Buch-Wien” vorstellte, ich seinen Debutroman “Der Hungerkünstler” im Schrank gefunden, aber noch nicht gelesen, habe und von dem mir  auch Irene Wondratsch erzählte, als sie letzte Woche im “Rebulikanischen Club” traf.

Und das stimmt und hat mich Anfangs auch ein wenig verunsichert, weil ich nicht recht wußte, ob das jetzt ein Jugend- oder All Age-Buch ist, was ich da lese und mir die Handlung zuerst auch ein wenig zu eindimensional positiv erschien, später habe ich erkannt, sie ist genauest konstruiert und diese Mischung wahrscheinlich gekommt eingeplant und insgesamt ist es ein sehr spannendes Buch, das auch sehr viel Stoff zum Nachdenken gab.

Da ist also Leonhard aus der “Abschaumsiedlung”, die Mutter hat die Familie verlassen, als er und sein Bruder Kinder waren und, als der Vater dann erschossen wurde, hat das Jugendamt, das inzwischen, glaube ich “Amt für Familie und Jugend” heißt, den kleinen Bruder Max, bei dem noch Hoffnung herrschte, zu Pflegeeltern gegeben, den größeren ins Heim gesteckt.

Das ist inzwischen lange her, denn Leonhard ist schon Mitte Vierzig, als die Handlung beginnt. Er hat eine getarnte Schlosserei, lebt aber eigentlich von Raubüberfällen, war früher bei der Fremdenlegion und ein Trauma mit einer früheren Freundin, die auch bei einem Raubüberfall erschossen wurde, gibt es ebenfalls.

Da kommt die Nachricht, der Bruder Max, den er als Kind immer beschützte, zu dem er aber den Kontakt verloren hat, hatte mit seiner Frau einen Autounfall, beide tot, nur der zehnjährige Neffe, den er nie gesehen hat, überlebte, liegt aber im Spital und spricht nicht mehr und hat außer Leonhard auch keine Verwandten.

Das, stellt sich heraus, stimmt nicht ganz, es gibt norwegische Großeltern, denn die Mutter kam aus Norwegen, Leonhard ruft sie auch herbei, aber die wollen mit dem Enkel nichts zu tun haben, denn Tove hat ihnen diesen stets vorenthalten, sie kommen also nur, um die Leiche der Tochter überführen zu lassen.

So bleibt Leonhard, der eigentlich den nächsten Raubüberfall plant und auch von zwei Männer verfolgt wird, nichts anderes übrig, als sich um seinen Neffen zu kümmern.

Das gelingt ihm auch gut, konstatiert der Sozialarbeiter, der ihm einen Pflegeantrag nahelegen will, doch “soziale Kompetenz”.

Erik ist indessen in einer wahrscheinlich psychiatrischen Klinik und kommuniziert mit dem Onkel schriftlich, versucht auch öfter zu flüchten und nur Leonhard kann ihm aus dem Klo oder vom Dach herunterholen, so daß die Ärzte mit ihm kooperieren und er den Neffen probeweise nach Hause holen kann.

Der Türke Murat, der im selben Hof, wie Leonhard eine Autowerkstatt betreibt, organisiert die Möbel für das Kindeszimmer und Leonhard kommt so zu einem Kind, obwohl er gar nicht weiß, ob er das will und er dazu bereit ist.

Es gibt auch eine eher ungute Sozialarbeiterin, die ihm mit einem Fragebogen und einem Pflegeelternkurs schikaniert und die Krähen, als Symbol und Metaphern gibt es auch, denn die haben laut Max oder einen von Leonhards Kunden, zwei Sprachen, eine für die Familie und eine allgemeine und in dem Hof wo Leonhard wohnt und arbeitet gibt es auch eine “Morgenkrähe”.

Erik interessiert sich für sie und an dem Nachmittag, wo er probeweise zu Leonhard darf, wird, die von einer Katze überfallen und verletzt, die beiden retten sie und pflegen sie gesund.

Leonhard trifft auch eine Jugenfreunin wieder, muß aber auch seinen Raubüberfall planen und zu dem Zeitpunkt, wo er eigentlich ein Schiff überfallen soll, ruft die Klinik an, Erik ist verschwunden.

Es kommt zu einem Happyend und Leonhard zieht mit Erik und wahrscheinlich auch mit Tina, nach Frankreich, wo er  seit seinen früheren Raubüberfällen ein Haus hat.

Er hat vorher auch seine Hehlerin und die beiden Auftraggeber erschossen. Das war sein letzter Coup, bevor er sich ins Privatleben mit den Neffen, der wahrscheinlich wieder spricht, zurückzieht und das ist natürlich auch die Stelle, mit der ich Schwierigkeiten habe.

Denn Gewalt und Raubüberfäle mag ich eigentlich nicht und, ob die Mischung zwischen Sozialkompetenz und Fremdenlegion und Raubüberfälle wirklich so realistisch ist, wage ich auch zu bezweifeln.

Es ist aber spannend zu lesen und mal etwas anderes und die Sozialkritik, zum Beispiel, die an den Jugendheimen, wo die Kinder vergewaltigt wurden, wie Leonhard es erlebte, kommt auch vor.

Ob das Jugendamt oder dieses für Familie wirklich einem ehemaligen Heimkind und Fremdenlegionär, die Obsorge für einen traumatisierten Zehnjährigen gibt, glaube ich auch nicht wirklich.

Trotzdem erscheint mir das Buch gut recherchiert und es sind auch einige durchaus geglückte Spannungsmomente eingebaut.

Allerdings hoffe ich doch, daß im Alltagsleben nicht so viel geraubt und gemordet wird und, daß die Geschichte gut ausgeht, finde ich auch sehr schön.