Der traurige Gast

Jetzt kommt die nächste Neuerscheinung und wieder eine, die einen aktuellen Ausgangspunkt nimmt, nämlich den Winter beschreibt, wo es auf den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt bei der Berliner Gedächtniskirche gab, den ich im “Bibliotheksgespenst”  auch beschrieben habe. Man sieht die Autoren, die sich mit dem Narrativ beschäftigen und nicht bloß experimentell vor sich her fabulieren, beschäftigen sich mit dem Zahn der Zeit, obwohl es bei Matthias Nawrats “Traurigen Gast”, dann wieder nicht so tagepolitisch aktuell ist, wie es der Buchrücken beschreibt.

Der 1979 im polnischen  Opole geborene Matthias Nawrat, hat 201 beim “Bachmannpreis” gelesen und gewonnen, daraus ist dann das Buch hervorgegangen, das ich mir bei einem der Literaturhausflohmärkte gekauft habe und es auch auf meiner ursprünglichen 2019 Leseliste hatte, dann habe ich die Bücher dort aber heruntergestrichen und als ich die Liste wieder anlegte, ist das Buch offenbar zu weit hinten in meinen Regalen gestanden, das nächste Buch “Die vielen Tode unseres Opa Jureks” habe ich aber gelesen, weil bei “Buzzaldrins-Gewinnspiel” gewonnen und jetzt die “Selbst und Weltbefragung von beeindruckender Qualität”, wie am Klappentext steht.

Roman, was “Rowohlt” dazugeschrieben hat, ist wieder einmal übertrieben, denn eine narrative spannungsaufgebaute Handlung, in der man sich der Heldenreise bedienen kann, hat das Buch eigentlich nicht, sondern drei Teile, wo der Ich-Erzähler, ein namensloser Schriftsteller durch Berlin herumspaziert und dort seine Beobachtungen macht oder doch, eine Handlung gibt es vielleicht schon.

So ist der erste Teil zum Beispiel mit “Die Architektin” beschrieben und da spaziert der Erzähler durch Berlin, geht in ein Restaurant neben der polnischen Kirche in ein polnisches Restaurant essen, ist er doch ein Pole mit dem Geburtsort Opole, also hat er wahrscheinlich doch einen Namen und eine Frau namens Veronika und mit der, will er seine Wohnung renovieren und hat irgendwo, die Visitenkarte einer ebenfalls polnischen Architektin namens Dorota gefunden, die er anruft und die ihn dann zu sich bestellt, weil sie ihr Viertel nicht mehr verläßt, sondern von zu Hause arbeitet.

Die besucht er dann ein paar Mal, ißt ihren eher geschmacklosen gesunden Kuchen, weil er nur aus Eiweiß besteht, zu der Wohnungsumplanung kommt es aber nicht, weil sie ihm stattdessen viel von ihrem Leben, ihrer Kindheit und den Kriegserfahrungen, ihrer Familie erzählt, die von dort herkommt, wo heute die Ukraine ist und, als er sie mit seinem Geburtstagskuchen besucht, trifft er nur den Vermieter in ihrer Wohnung, der ihm erzählt, daß sich Dorota vor zwei Wochen erhängte.

Im zweiten “Die Stadt” genannten Teil, geht es um den Anschlag am Beriner Breitscheidplatz und um die Gefühle die der Erzähler die nächsten Tage hat, wenn er, der Anschlag ist in seiner Nähe geschehen, das Haus verläßt, um Weihnachtsgeschenke für seine Eltern zu besorgen. Die Begegnung mit einem kleinen Jungen, der ihn fragt, ob er einbrachen will und, ob er ihn retten würde, wenn er ins Wasser springt und die Geschichte von einem eingesperrten rumänischen Mann, kommen in dem Teil auch noch vor.

Der dritte Teil “Der Arzt”, hat die dichteste Erzählstruktur, geht es hier doch nur um den ehemaligen Arzt Dariusz, der inzwischen an einer Tankstelle arbeitet und am Ende auch noch von dort entlassen wird, während es im  ersten Teil neben der Begegnung mit Dorota immer noch, um andere Begegnungen geht und es im Mittelteil, wo  der Anschlag am Weihnachtsmarkt stattfindet, überhaupt keine Handlung gibt.

Hier arbeitet der Erzähler, der ja schon drei Erzählbände hat, an einer Tankstelle und Dariusz, ebenfalls ein Pole, erzählt ihm sein Leben, das von einer gescheiterten Beziehung zu seiner Frau Marzena, seinem verschollenen Sohn, den er bis nach Südamerika nachgereist ist, Panikattacken, Alkohol und Medikamentenmißbrauch bis zu einem Gefängnisaufenthalts, wegen eines angeblichen Raubüberfalls führt.

Dariusz, ein von Leben gescheiteter, aber dennoch hochgebildet und einfühlsam, erzählt dem “Gast” sein Leben, begleitet ihm auf den Friedhof dabei und über den Roman, der keiner ist, liegt eine seltsame Melancholie und Schwermütigkeit, angefangen von der Selbstmörderin Dorota, dem Terroranschlag bis zu dem am Leben gescheiterten Polen, etwas das in der Zeit der narrativen spannenden Romanhandlungen seltsam unstrukturiert wirkt.

Mir, weil ich ja auch so schreibe, sehr sympathisch ist, weil  ich das “Verlieren, Verdrängen, Neuankommen und das Überleben in aller Schönheit, trotz aller Schrecken”, die leisen Töne in der Literatur  für sehr wichtig halte und es schön finde, daß es auch diese  Bücher gibt.

Gotteskind

Nun kommt meine erste oder zweite 2019 Neuerscheinung, die erste ist das Camilleri-Bekenntnisbuch gewesen, aber das ist schon Mitte Dezember zu mir gekommen, während ich John Wrays “Gotteskind” erst im Jänner bekommen habe in den letzten Tagen aber schon einiges über das Buch, das in Ö1 vorgestellt wurde und auch auf die Feburar ORF- Bestenliste gekommen ist.

Bestellt habe ich es mir, dem Autorennamen nicht dem Inhalt nach, habe ich den Namen des 1971 in Washington geborenen US- Amerikaners, der eine Känrtner Mutter hat und deshalb auch beim “Bachmannpreis” gelesen und gewonnen hat, das erste Mal auf einer meiner Frankfurt Surfings  und auch in Göttweig gehört, als dort sein Zeitreiseroman vorgestellt wurde und im Dezember oder so habe ich auch einen Wray auf Englisch im Schrank,”Lowboy”, das auf Deutsch unter “Der Retter der Welt” erschienen ist, gefunden und durch Ö1 habe ich erfahren, daß John Wray ein Meister des Stilwechsel ist und jetzt in die Welt der Dschihadisten eingetaucht ist.

Als ich das Buch bekommen habe, war ich erst einmal durch Cover und Titel verwirrt, “Gotteskind” ist einer, der mich unvorbenommen nicht vom Sessel reißen kann und der Hahn mit dem roten Turban konnte es auch nicht, eine Geschichte über eine junge Dschihadistin konnte das dann schon viel mehr, habe ich mich als ich die “Unterwerfung” gelesen und “Die Pensionsschockdepression” geschrieben habe, ja auch mit diesem Thema beschöftigt.

In den Ö1 Berichten wurde noch erwähnt, daß John Wray 2015 in Afghanistan war und daß es 2001 einen amerikanischen Taliban namens John Walker Lindh gegeben hat, der das Vorbild für das Buch war, dessen Heldin eine achtzehnjährige Amerikanerin namens Aden ist, die einen Vater als Islamwissenschaftler und eine Trinkerin als Mutter hat, alles hinter sich läßt und mit ihrem Freund Decker, einem gebürtigen Pakistani nach Pakistan reist, um dort den Koran zu studieren.

Das klingt einmal gut und ist sehr spannend und so war ich bis zum Ende des ersten Teils in das Buch auch sehr hineingezogen. Es beginnt mit Briefen an den “Lehrer”, das ist Adens Vater, den sie so anspricht und man erfährt, sie ist in der Pubertät von ihren Eltern enttäuscht worden und nun reißt sie aus, um die Welt zu erobern.

Das das vielleicht nicht die übliche Pubertätsreaktion ist, einfach alles hinzuhauen, sich die Haare abzuschneiden, den Busen zu bandagieren und dann monatelang den Koran zu studieren, diese Idee ist mir erst später gekommen, so  sehr hat es mich in das Buch hineingezogen.

Es gibt auch spannende Szenen, so gehen sie noch am Flughafen in Kalfornien zuerst in den Gebetsraum und wissen da gar nicht so genau wo der Osten ist, ihr Gepäck lassen sie draußen stehen und müßen es dann bei der Sicherheitskontrolle abholen. Sie kommen aber problemlos nach Pakistan, im Flugzeug wird Aden noch von einem pakistinischen Geschöftmann instruiert sich ja nicht den Dschihad anhzuschließen und der Lehrer der Koranschule erkundigt sich auch gleich besorgt, warum sie sich seine kleine Schule dicht an der afghanischen Grezne ausgesucht hat?

In den Ö1 Besprechungen habe ich gelesen, daß Aden sich erst dort zum Kampf entschieden hat, mir war aber immer klar, daß sie dorthin will, erst später habe ich mich gefragt, warum eigentlich, nur weil die Mutter trinkt und der Vater sie betrogen hat?

Aber gut,  es sind sehr viele frustrierte Jugendliche in den Dschidhad gezogen, da ist diese Aden Sawyer nur ein Beispiel von John Wray, der im interview erzählte, daß er viel recherchierte, danach alles vergaß und die Geschichte frei erfunden hat und es ist wirklich plastisch geschildert, obwohl ich meinen Geschmack nach zu aprupt in die Geschichte hineingeworfen wurde und den reiligösen Fanatismus der jungen Frau, die sich als Mann verkleidet und fortan Suleyman, wie auch jeder John Walker Lindh genannt wurde, nicht so ganz nachvollziehen konnte.

Es kommt auch zu Zerwürfnissen mit ihrem Freund Decker, der nicht so fromm, wie sie scheint und nicht versteht, daß sie keinen Sex und auch nicht mehr fluchen will. Er ist es, aber der zuerst über die Grenze geht. Der alte Lehrer hat einen Sohn namens Ziar, der schon ein Kämpfer ist und immer in die Schule seines Vaters kommt, um von dort Rekruten abzuziehen.

Aden will auch dorthin und im zweiten Teil wird dann die Ausbildung in dem Lager in Afhghanistan beschrieben, Decker kommt durch eine Explosion ums Leben, Aden schließt sich Ziar an und muß einen alten Mann erschießen, was sie widerspruchslos tat.

Ab da kippte bei mir die Lesefreude, denn der Alltag in der Koranschule, wo man den ganzen Tag Suren hinunterbetet, war durchaus spannend geschildert, aber warum Aden umbedingt kämpfen will,  war mir dann nicht so klar?

Irgendwann erfährt man dann vom Anschlag an die Twintowers und da habe ich erst kapiert, wir sind im Jahr 2001 und nicht 2018 und, daß sich dann der Suleyjman, jener fromme Superkämpfer plötzlich in Ziar verliebt und der erkennt, daß sie ein Mädchen ist, war mir auch nicht ganz klar.

Ab dann ist es für mich völlig verwirrend geworden und vielleicht die Phantasie mit John Wray durchgegangen, denn jener Ziar verhält sich durchaus widersprüchig. Aden ebenfalls und sie wird dann auch fast mit einem alten Mann verheiratet, dem sie nur dadurch entkommt, daß sie ihm umbringt und dann flüchtet sie offenbar nach Hause und ist geläutert oder nicht und das Buch hat mich ein bißchen ratlos zurückgelassen und ich habe nach John Walker Lindh gegoogelt und mir das Interwiev mit John Wray in Ö1 nochmals angehört.

Ein spannendes interessantes Buch wo man etwas mehr über den Dschihad und Afghanistan erfahren kann, war es trotzdem, wenn mir auch einiges unlogisch erschien, ich wahrscheinlich mehr Erklärung gebraucht hätte, mir das Ende eher unwahrscheinlich erschien und ich auch Adens Beweggründe für den Fanatismus genauer erkärt haben hätte.

Daniel Kehlmann ist es nicht so, wie mir gegangen, schreibt er doch am buchrücken “Ich stehe mit hilfloser Bewunderung davor, was John Wray hier fertiggebracht hat”, aber vielleicht  hat er sich besser informiert.

Als die Nacht begann

Nach dem November 1918 kam der zwölfte Februar 1934 und nach dem Februar 2018 habe ich im Schrank ein kleines in schwarz weiß gehaltenes Büchlein gefunden, ein Comic-Heftchen von Thomas Fatzinek von “Bahoe Books”, die Walter Famler bei der “Literatur im Herbst” 2017 besonders hingewiesen hat und dank des Fundes, kann ich am heutigen zwölften Februar, wo ja nicht nur Thomas Bernhard gerstorben ist, aktuell sein und auf ein weiteres Stück Geschichte eingehen.

Es beginnt mit der Geburt des kleines Oskars im Oktober 1911, da war meine Jancak-Oma gerade mit meinem Vater schwanger, der kleine Oskar auch ein Arbeiterkind,wurde in der Brigittenau geboren, der Vater war Arbeiter, die “Mutter hatte es auch nicht leicht mit ihren drei Kindern” und von der Republiksgründung im November 1918 hat der kleine Oskar, wie wohl auch meine damals drei und sechsjährigen Eltern nicht viel mitbekommen, dafür mehr vom 15. Juli 1927, wo ein “Heimwehrfaschist zwei Arbeiter ermordete und freigesprochen wurde”.

Da kam es zu einem Protest, bei dem “fünfundachtzig Menschen” getötet wurden.

Am “19. Mai 1930 gelobten die Heimwehren mit dem Kornburger Eid öffentlich ein faschistischen Regime zu errichten”, während Oskar eine Stelle bei den Wiener Verkehrsbetrieben bekam, also wahrscheinlich Schaffner wurde, mit den Eltern in den berühmten “Karl Marx Hof” ein Paradebeispiel des sozialistischen Wohnbaus des roten Wiens, zog und dort auch eine Freundin, die Emma, fand.

Er war bei der sozialistischen Arbeiterjugend und dem republikanischen Schutzbund, sie bei der KPÖ und 1933 kam Hitler in Deutschland an die Macht. Bundeskanzler Dollfuß führte in Österreich die Zensur ein und verbot “Schutzbund und KPÖ”. Der Maiaufmarsch wurde untersagt, Emil Fey Vizekanzler und ließ im Jänner 1934 die “Räume der Arbeiterbewegungen” untersuchen.

“Anfang Februar besetzte die Heimwehr Innsbruck und übernahm die Landesregierung und als sie das auch in Linz tun wollte, begann man sich dort zu wehren, während Oskar am zwölften Februar, wie gewohnt mit seiner Emma zur Arbeit ging, wo schon der Generalstreik angesagt war. Der stellvertretende Schutzbundführer, aber keine Waffen hatte und Oskar mit dem Fahrrad zurück zum Karl Marx Hof fuhr, dort ging es dann los. Es kam zu einer “langen Nacht” und “einem bösen Erwachen”.

Der Widerstand wurde gebrochen, Oskar mußte flüchten, ging bei der Tschechoslowakei über die Grezne, kam in die Sowetunion und später hat er in “Spanien gegen die Faschischten gekäpmft”.

“Aber das ist eine andere Geschichte”, so endet das Comicheftchen des 1965 in Linz geborenen Comicautors und Illustrators, der bei “Bahoe” 2018 auch ein Buch über die “Annexion Österreichs an das dritte Reich” und noch einiges andere herausgegeben hat.

Das müßte ich erst noch finden, bin aber Abend mit der KPÖ und der Bezirksvorsteherin ins “Filmcasino Margareten” gegangen um mir den 1984 entstandenen Film, die “Kameraden des Koloman Wallisch” anzusehen, zu dem Michael Scharang sowohl das Drehbuch schrieb, als auch Regier führte, der ja den Aufstand in der Steiermark anführte und am 19. Februar in Leoben hingerichtet wurde.

Seine Frau Paula hat das Buch  “Ein Held stirbt” darüber geschrieben, das meine Eltern in ihrem Bücherschrank hatten. Leider habe ich es, glaube ich, schon 2007 gelesen, so daß ich nicht darauf verlinken kann.

,Der Film im übervollen Filmcasino, war in Zeiten, wo wir, wenn wir nicht sehr aufpassen, vielleicht wieder in Bürgerkriegsähnliche Zustände hineinschlittern könnten, wie ich ja mit meiner Diskussion mit dem Uli merken kann, war sehr interessant. Ich habe ihn noch nie gesehen, obwohl die Tonqualität sehr schlecht war. Es gibt nur Michael Scharangs Privatkopie und der ORF, der den Film digitalisiert hat, scheint ihn weder herzugeben, noch ihn im Fernsehen zu zeigen, was in Zeiten, wie diesen ja ganz besonders wichtig wäre.

Thomas Fatzineks Comic ist wahrscheinlich besonderes jüngeren Menschen, die in diesen Teil der Geschichte eintauchen wollen, sehr zu empfehlen, weil man da sehr schön in die Vergangenheit vor fünfundachtzig Jahren hineintauchen kann.

 

Gewisse Momente

Jetzt kommt eine Art Bekenntnisbuch, die Lebenserinnerungen, beziehungsweise die an gewisse Personen und Begegnungen des 1925 geborenen sizilinischen Krimiautors Andrea Camilleri, von dem ich einige Bücher gelesen, einige in meinen Regalen stehen habe und der, glaube ich, auch ein Lieblingsautor meiner Schwiegermutter war.

Ich hatte mit seinen Krimis gewisse Schwierigkeiten, habe sie als eher altmodisch oder langatmig empfunden, kann mich aber erinnern, daß ich bei “Rund um die Burg” einmal bei “Buchkultur” eines seiner Bücher gewonnen und das erste Kapitel, das von einem Sandler der einmal Arzt war, handelte, gelesen habe und dann, als ich daraufgekommen bin, daß das Buch kein Roman, sondern ein Erzählband ist, dieses enttäuscht abgebrochen habe, was ich auch einmal bei einem Buch der Pearl S. Buck machte, obwohl ich ja sonst eine Fertigleserin bin.

Andrea Camilleri also, der alte Mann, das Buch wurde, glaube ich, 2015 auf Italienisch geschrieben und ist jetzt auf Deutsch herausgekommen, der in seiner Jugend den Faschismus erlebte , sich von diesem abwandte und durch Bücher, wie einew von Andre Malraux zum Kommunisten wurde, schreibt in seinem Erinnerungsbuch von den Begegnungen, die er mit sowohl berühmten als auch gewöhnlichen Menschen hatte und beginnt  mit einem lesenden jungen Mann, den er 1942, da war er, glaube ich, noch Schüler und wurde sowohl von jungen Lehrerinnen als auch alten Lehrern unterrichtet, in einem Cafehaus hatte, der ihn sehr beeindruckte, weil, er es verstanden hatte, zehn Tage nachdem er in den Militärdienst einberufen wurde, von dort wieder entlassen zu werden.

Dann kommt einge Geschichte die viel später spielt, nämlich als er katholisch heiraten wollte, aber keine Firmung hatte, da mußte er, um diese zu bekommen, vorher beichten. Das hat er aber vor zwanzig Jahren das letzte Mal getan. Der alte Bischof, der sie ihm aber abnehmen wollte, verwickelte ihn in ein dreistündiges Gespräch und das war es dann.

Es kommt dann eine Geschichte, in der er im Krieg eine Zeitschrift gründen wollte, aber verhaftet wurde, weil in seiner Reaktion Waffen versteckt waren. Er hat aber auch Pier Paulo Pasolini mit dem er sich nicht so besonders verstanden hat und Antonio Tabucci kennengelernt, den letzteren allerdings nie persönlich, sondern nur telefonisch oder durch Postkarten, der von ihm bekommen hat.

Andrea Camilleri hat in Rom an der Theaterakademie studiert und, was ich nicht wußte als Regisseur gearbeitet, da folgen einige Begegnungen mit merkwürdige Künstlernpersönlichkeiten.

So hat er in Genua für den Autor  Roberto Morsucci ein Stück inszeniert, das diesen nicht zu gefallen schien, nach der Premiere hat er dann erfahren, daß er sich umgebracht hat.

Das selben Schicksal hatte der  absurde Autor Arthur Aadamo, während er in Silvano Falleni einen genialen Bühnenbildner hatte, der seine Bühnenbilder nie zu Ende brachte und am Ende in einer psychiatrischen Klinik starb und einen seltsamen Kommilitonen hatter er in Rom auch, den er, während er ihm die Regiekunst beibtachte, beim Fliegenessen beobachtete.

Es gibt Begegnungen mit Schriftstellern wie Stefano D`Arrigo, Emilo Gadda, Elio Vittorino oder Primo Levi mit denen er spazierenging oder sich durch ein Theater führen ließ. Eine junge Ilatienischlehrerin, die seine ersten Gedichte las, hat ihm die Liebe zu den zeitgenössischen Lyrikern beigebracht.

Es gibt auch ein Kapitel, das seine Liebe zu Büchern und seine Lesebiografie beschreibt, von seinem ihm sehr beeindruckenden Italienischchlehrer der auf seine Art und Weise dem Faschismus widerstand wird berichtet und einer Begegnung mit einem kommunistischen Ingenieuer mit dem er und seine Freunde in im Mai 1942 im Schwimmbad über Literatur diskutierte.

Der Abschied von einem jüdischen Schüler, dessen unbekanntes Schicksal ihn in seine Träume verfolgte und den er später im Theater widertraf und eine sehr eindrucksvolle Begegnung mit einer Prostituierten, die sich nach dem Tod ihrer zwei Kinder, das Leben nahm, um frei zu sein, werden auch beschrieben.

Eine sehr eindrucksvolle Art in das Leben oder in die Erinnerungsmomente eines großen Autors den ich eigentlich nur  durch seine Krimis, die manchmal historisch waren, im Gedächtnis hatte.

“Ein Buch zum Staunen, Lachen, Weinen  – und ein wertvolles Stück Zeitgeschichte”, steht am Buchrücken und man erfährt, füge ich hinzu, auch wenn es dem nicht in der italienischen Literatur Geübten ein wenig schwer fallen mag, alles zu verstehen, einiges über das intellektuelle italienische Leben ab 1942 und Sizilien beziehungsweise Rom und eigentlich nur wenig über seine Krimis, die meine Schwiegermutter, glaube ich, in ihrer Gesamtausgabe früher in der Küche liegen hatte und das finde ich auch sehr interessant.

November 1918

Mit dem November 1918, wo die österreichische Republik gegründet wurde, habe ich mich ja im Vorjahr intensiv beschäftigt, bin in die Parlamentsbibliothek gegangen und habe mir da zwei historische Krimis angehört und in die Arena Bar zum “3. November 1918” dem Theaterstück von Franz Theodor Csokor und im “Doml” haben wir uns in diesem Semester ja auch mit dem November 1918 allerdings von Alexander Döblin und Alexej Tolstoi geschrieben, beschäftigt, während es in dem von Alexander Weiss herausgegebenen “Tarantl-Band” um den “November in der österreichischen Literatur” geht und die ist ja sehr interessant und mir Gerald Grassl das Buch auch freundlicherweise schickte, kann ich mich durch die Gedichte, Prosatexte und Fotografien wühlen und oh Überraschung eines vom Alfred aus dem “Literaturgeflüster” ist dabei und im Vorwort steht, daß das Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, sondern “bloß ein Lesebuch, das die LeserInnen zur eigenen Lektüre” veranlaßen soll”, sein will.

Dazu werde ich 2019 ob meiner elendlangen Leseliste, wo ich schon früh sein werde, wenn es  mir gelingen sollte, Gerhard Loibelsberger “Schönbrunner Finale”, das der Alfred in der Krimibuchhandlung der Lisa kaufte, zu lesen, nicht kommen. Also mich durch das Buch gelesen und in die Literatur, um den November 1918 wenigstens ein bißchen hineingetaucht.

Es beginnt mit einem Foto und einem Zitat von Karl Kraus “Österreich ist das einzige Land, das durch Erfahrung dümmer wird” und “Die letzten Tage der Menschheit” dienen wohl auch als Vorbereitungsliteratur, um auf den November 1918 hinzuweisen und einem Gedicht von Heinz R. Unger, der 2018 gestorben ist.

Dann kommt das Vorwort und ein Gang durch die Geschichte des Herausgebers, von dem ich leider, wie auch bei den anderen Autoren keine biografischen Angaben finden konnte, was mein Kritikpunkt an die sicher sehr lobenswerte Zusammenstellung ist, denn Google weiß auch nicht alles und einiges kann ich aus dem Geflüster zitieren, vieles aber nicht.

Der 1984 verstorbene Literaturhisotriker und Germanist Friedrich Achberger hat eine Zusammenfassung der Literatur und Politik “Zwischen 1918 und 1948” gegeben.

Von dem schon erwähnten Franz Theodor Csokor ist das Vorwort aus seinem Theaterstück abgedruckt und dann führt uns ein Artikel aus der Wiener Zeitung in die österreichischen Militärakademien und deren Erwähnung von zwei berühmten halb oder ganz österreichischen Dichtern nämlich Joseph Roths “Radetzkymarsch” und Robert Musil “Zögling Törless” ein, wo wir wie auch im nächsten Artikel, wo es um “Das Leben und Sterben des Gavrilo Princip geht, immer noch in der Republikvorbereitung nämlich den ersten Weltkrieg und seine Ingangsetzung geht.

Es gibt dann noch zwei Textauszüge zum Fall Princip, einer ist aus einer unveröffentlichten Erzählung von Lev Detela, der die Zeitschrift “Log” herausgab, zu der ich früher auch immer meine Texte hinschickte, der Zweite aus dem Roman “Die Schüße von Sarajewo” des 2005 verstorbenen Milo Dor.

Biografien sind, wie schon erwähnt, leider keine vorhanden, dafür aber öfter ein Bild der Autoren mit den Lebensdaten.

Alfred Polgar hat eine Satire zu den Musterungspraxen, wo auch die Skelette für tauglich erklärt wurden geschrieben, dann gibt es  das wahrscheinlich soäter entstandene berühmte Gedicht “Legende vom toten Soldaten” von Bertold Brecht und im “Braven Soldaten Schwejk” gibt es ja auch ein Kapitel über die Musterungen. Der wird in dem Buch nur mit einem Bild erwähnt, wie er brav in Polen auf einer Bank sitzt. Einen Text von Jaroslav Hasek, nicht viel weniger satirisch “Die Schicksale des Herrn Hurt” gibt es in dem Buch aber auch und dann theoretische Texte, wie beispielsweise über den “Prozess des Dr. Friedlich Adler”, der ja am 21. Oktober 1916 im Wiener Hotel “Meissl & Schan” den Ministerpräsidenten Stürgkg erschossen hat, von John Zimmermann und Artikel  des 2018 verstorbenen Hans Hautmann, einem, wie ich “Wikipedia” entnehme” österreichischen Zeithistoriker, der sehr interessant über die Streiks, die es im ersten Weltkrieg gegeben hat, sowie über die Auswirkungen der “Oktoberrevolution auf Österreich” berichtet hat. Da gibt es, noch interessanter, ein Plakat zu sehen, auf dem “Denkt an die Arbeitslosen kämpft für den 8 Stundentag” steht. Den würde ich sagen, wünscht man sich heute wahrscheinlich zurück und Kriegsgesdichte von Ernst Waldinger, der 1896 in Neulerchenfeld geboren wurde und 1970 in New York gestorben ist, weshalb ihm auch bei  einem Ostersapziergang des ersten Wiener Lesetheaters gedacht wurde, gibt es auch.

Es folgen ein paar Texte zum Matrosenaufstand von Cattaro der im Februar 1918 stattgefunden hat,  Hugo Huppert, Bruno Frei, Eva Priester und Franz Xaver Fleischhacker haben darüber geschrieben und wieder  von Hans Hautmann, dein Artikel von  Hans Hautmann, der sich mit den “Staatsverbrechen”, also, wie man mit den Deserteuren, Spionen, etcetera umgegangen ist.

Texte von Franz Kain, Hugo von Hoffmannsthal etcetera folgen und dann gibt es wieder einen Auszug aus einem Pittler Krimi und zwar nicht aus “Chuzpe” aus dem er ja in der Paralmentsbibliothek gelesen hat, sondern aus dem 2017 erschienenen “Wiener Kreuzweg” wo es um den Arbeiterrat, der die Ottakringer Brauerei besetzte und den dortigen Besitzer Baron Glickstein umbringen wollten, geht.

Dann gibts einen ausführlichen Karl Kraus Teil, mit Auszügen aus den “Letzten Tagen” und einen Artikel über die “Schuldfrage”, der Lyriker Theodor Kramer hat in den Dreißigerjahren einige Gedichte über den den Krieg und die “Heimgekehrten” geschrieben und wir kommen allmählich in den November und können die Monarchie hinter uns lassen, denn der Kaiser dankt ab und verläßt Schönbrunn, während der rasende Reporter Egon Erwin Kisch die “Rote Garde” gründet und mit der die “Neue freie Presse” stürmen will, wo sein Bruder offenbar Redakteur war, der ihn dann mit dem Hinweis, das der Mama zu sagen, mit seiner Truppe vertrieb.

Ob das wirklich so stimmte, kann vielleicht bezweifelt werden, Friedrich Torberg, hat es aber in seiner “Tante Jolesch” so beschrieben und dem Volk ging es schlecht in den Novembertagen. Es gab viel Elend und Hunger, aber auch Aufbruchmomente, so kam Theodor Körner, der spätere Bundespräsident zurck, die Republik hat sich gegründet und Joseph Roth, Franz Werfel, Robert Musil, Elias Canetti, Stefan Zweig, und auch andere, haben darüber geschrieben.

Joseph Roths Reportagen über das damalige Wien, der sich manchmal auch Josephus nannte, sind ganz besonders interessant und eindrucksvoll, die über die “Wiener Schaffnerinnen”, die nachdem die Männer zurückgekehrt waren, ihre Dienstkappeln und Taschen wieder abgeeben und zurück zu Kinder, Küche und Herd gehen mußten.

Eine Chronik der KPÖ, die sich ja auch im November 1918 gegründet hat, gibt es in dem Buch,  aber auch modernere Texte, beispielsweise ein Auszug aus den “Lebenslinien” von Käthe Kratz, die ich ja im Kreis der Ruth öfter treffe.

Es gibt einen Artikel und Plakate über das Frauenwahlrecht, das ja auch im November 1918 eingeführt wurden und einen aktuellen von  Martina Madner, die in der “wiener Zeitung im Dezember 2917 schrieb “Warum Frauen 2018 nicht nur feiern” werden und ganz zum Schluß kommen wir zu dem 1913 verstorbenen Rolf Schwendter, der 2012 auf dem Volksstimmefest zum Thema “Aus dem Bilanzbuch des zwanzigsten jahrhunderts” eines seiner berühmten Langgedichte geschrieben hat, in dem es auch um 1918 geht.

Da ist dann das abgebildete Bild aus dem “Literaturgeflüster” beziehungsweise aus der “Anthologie”, wo der Alfred auch immer Fotos beisteuert und  habe mich durch ein sehr interessantes Buch geblättert, das ich allen zeithistorisch Interessierten nur empfehlen kann und ihm einen hohen Verbreitungsgrad wünsche.

Alle Guten waren tot

Jetzt kommt wieder ein Debut, im November erschienen, das dann vielleicht für 2019 auf der Blogger Debutpreis-Liste stehen könnte, nämlich der erste Roman des 1987 geborenen und in Griechenland und in Franken aufgewachsenen Gerasimos Bekas, der auch einen deutsch-griechischen Helden für sein Buch gewählt hat.

Aris wurde in Griechenland geboren, von deutschen Eltern Helmut und Gitte adoptiert und jobbt jetzt in einem Krankenhaus oder Seniorenheim als Altenhelfer.

Dort wird er einer alten griechischen Dame, nämlich Frau Xenaki zugeteilt, die ihm mit einem delikaten Auftrag nach Griechenland schickt.

So weit so gut und sehr interessant, erinnert vielleicht ein bißchen an Hilmar Klute, obwohl jener Aris nicht schreibt, dafür hat er einen sehr rotzigen Ton und tut vielleicht auch recht seltsame Sachen und der Einstieg in das Buch war etwas schwierig, denn da liest man zuerst den Klappentext und bekommt dann im ersten Kapitel etwas ganz anderes, nämlich etwas von “Penetelinischen Marmor” vorgesetzt.

Es gibt auch immer wieder Rückblendungen, die im Jahr 1943  beginnen und bis, glaube ich, 1995 gehen, da sind wir in Griechenland und erfahren, die Geschichte des griechischen Mönchs Stylianos, während Aris  in Würzburg lebt, von seiner Arbeit auf den Pflegestationen, wo die Patienten fixiert und zugedröhnt werden, offensichtlich überfordert ist, so daß er öfter abhaut, um sich ein Bierchen zu vergönnen.

Einmal bestellt er drei zum Preis von fünf, ist davon dann betrunken und schlägt in weiterer Folge einen Polizisten zusammen, so daß er über Frau Xenakis Auftrag nach Griechenland zu fliegen um ihrer Enkelin Aphrodite einen Koffer zu überbringen erleichtert annimmt.

Das führt zu einigen skurrilen Szenen, was auch Gerasimos Bekas Spezialität zu sein scheint.

So geht auf den angegebenen Platz zu dem Kioskbesitzer, der den Schlüßel zu Frau Xenaiks Wohnung hat. Der läßt sich aber verleugnen und von einem jüngernen Taxler herumfahren und es dauert einige Zeit, bis er die Enkelin trifft. Die führt ihn auch ein bißchen an der Nase herum, läßt ihn mit ihren an Läusen leidenden Kind allein und das führt ihn dann ans Meer, obwohl die Mutter nur ein paar Häuser weiter ist, bis sich alles aufklärt und zu einem Happy end führt.

Ein spannendes leichter und locker und etwas bizzar oder skurril dahingeschriebenes Buch würde ich sagen. Ein spannendes Thema und das, was die heutige Jugend mit und ohne Migrationshintergrund in dem Deutschland von heute wohl erlebt und damit zurechtzukommen versucht.

So bin ich wieder gespannt, ob und was ich von dem jungen Autor noch hören oder lesen werde und wünsche ihm alles Gute.

Das Feld

Jetzt kommt wieder eine Überraschung oder eine Erneuerung der Feststellung, daß man aus Lesungen und Leseproben keinen richtigen Eindruck über das Buch bekommen kann, denn ich habe ja die öst Debutpreisgewinnerin von 2018 bei den O Tönen gehört, gedacht, wieder so eine neue junge literarische Stimme mit schöner Sprache und vom Inhalt ihres Buches nicht viel verstanden, was sich dann änderte, als ich das Buch, das auch nicht gleich nach der Anfrage zu mir gekommen ist, in der Hand gehalten, bei Roberts Seethalers “Feld”, das auch an jenem Abend im Museumsquartier vorgestellt wurde, könnte es mir ähnlich gehen und ich habe ein Seethaler-Vorurteil.

So ähnlich habe ich es, glaube ich, meiner Hauptschulkollegin Christa Unterauer nach der Lesung gesagt und, ich glaube, es ist die Art des 1966 in Wien geborenen und in Berlin als Schauspieler lebenden Autors, von dem ich das erste Mal etwas bei “Rund um die Burg” neu hörte, als dort sein “Trafikant” vorgestellt wurde und ich mich darüber wunderte, daß ich noch etwas von Buch und Autor gehört habe.

Er hat dann ein “Wien Stipendum” bekommen und wurde bei der Literatur im MUSA, ich glaube, gemeinsam mit Clemens Berger vorgestellt und da habe ich mich über die etwas arrogante Art der Autoren geärgert, die beide behaupteten, mit dem Literaturbetrieb nichts am Hut zu haben und, daß der sie nicht interessieren würde.

Da fühlt man sich als eine, die vergeblich dort hinein will und wahrscheinlich deshalb fast jeden Abend zu Literaturveranstaltungen geht, leicht angegriffen und außerdem war damals sein “Ein ganzes Leben” in aller Munde und mit dem Buch, beziehungsweise mit den Leseproben, die ich daraus hörte, habe ich nichts anfangen können.

Vielleicht sollte ich auch dieses Buch als Ganzes lesen, um zu schauen, ob der Eindruck bleibt, habe von Robert Seethaler in den Schränken bis jetzt aber nur “Jetzt wirds ernst” gefunden und im Oktober, glaube ich, in St. Pölten die Verfilmung vom “Trafikanten” mit Bruno Ganz als Sigmund Freud und, daß man dabei auch keinen Eindruck vom Buch bekommen kann, habe ich ebenfalls schon bemerkt.

Das “Feld” ist, glaube ich, ein Episodenroman, der aus neunundzwanzig längere oder kürzeren Geschichten besteht, die von Toten handelt, die alle auf dem “Feld”, dem Friedhof von Paulstadt liegen und ihre Geschichten erzählen.

Ein paar davon hat Robert Seethaler auf der Lesung im MQ vorgelesen und dabei immer dazu gesagt, daß er gar nicht so viel lesen möchte, was mich schon einmal störte, dann habe ich das Buch, das “Hanser” mir zuerst nicht schickte, doch noch einmal angefragt und jetzt als letztes von der vorjährligen östBp-Liste, es ist nicht auf die Shortliste gekommen gelesen und ich muß sagen, ich bin wieder überrascht, und Vorurteil abgeändert.

Ich habe mir, wie meistens die “Amazon Rezensionen” vorher angeschaut, die sehr unterschiedlich waren, einige haben mit dem Buch, das von der Literaturkritik hoch gelobt wurde, nichts angefangen können und geschrieben, sie verstehen den Lärm um das Buch nicht und die Literaturkritiker hätten keine Ahnung.

Ich glaube, ich verstehe es schon und hier sind es die leisen Tönen, die mir beim “Einfachen Leben” wohl abgegangen sind, die mich berührten.

Es beginnt mit einem alten Mann, der jeden Tag auf den Friedhof kommt, dort auf einer alten Bank sitzt und versucht das Rauschen der Stimmen, die aus den Gräbern kommen und die Geschichten, die sie erzählen können, zu verstehen.

Ein diesbezügliches Vorwort, das auf den Sinn des Buches hinweist, gibt es auch und dann beginnen die kürzeren oder längeren Geschichten, die manchmal nur aus einem einzigen Wort bestehen.

Es beginnt mit der Lehrerin, eine Geschichte, die Robert Seethaler auch im MQ gelesen hat, die sich an die letzten Worten die ihr Mann an sie gesprochen hat, erinnern will und an die Berührungen ihrer Hände denkt.

Sehr leise Töne also, die von der Liebe handeln und die betreffen auch den Lennie und die Louise. Der Lennie ist ein Taugenichts und ein Spieler, der bei ihr lebte, bis sie ihn hinausgeschmissen hat.

Dann gibt es den Pfarrer, der immer den Sinn im Glauben finden wollte und weil ihm das offenbar nicht gelungen ist, die Kirche abfackelte, es gibt den arabischen Gemüsehändler, der die Asche seiner Eltern verstreute und mit dem Pfarrer öfter um den Glauben stritt und noch vieles mehr, wo die Zusammenhänge eigentlich nur aus den Personen bestehen, die in Paulstadt leben oder gelebt haben.

Der Bürgermeister spricht aus dem Grab heraus und spricht von dem Freizeitzentrum, das er am Stadtrand errichtet hat und den Grund einem Bauern abgeluchst hat, der später in ein Altersheim gezogen ist.

Drei Personen sind dort verschüttet worden, eine ist die Schuhhändlerin Martha, die auch Gedichte und Romane geschrieben und sich mit ihrem Mann nicht sehr gut verstanden hat.

Eine verwirrte alte Frau fährt mit einem Handwagen durch die Straßen und wird in den verschiedenen Episoden erwähnt, einen Autohändler gibt es auch und eine Floristin, die ein paar Tage lang tot in ihrem Lagerraum gelegen ist, bis man ihr Verschwinden merkte.

Es gibt die sehr berührende Geschichte von den zwei alten Frauen in einem Sanatorium, die einander Kochrezepte erzählen, die der Hundertfünfjäjhrigen, der Ältesten am Friedhof, die erzählt, daß man über den Tod nicht sprechen darf so wie er ist und die des Herausgebers des “Paulstädter Boten und Chronisten” und und…

Neunundzwanzig Lebensgeschichten oder Momentaufnahmen der ehemaligen Paulstädter, die nur manchmal Bezug aufeinandernehmen und die die unterschiedlichsten Sachen über sich und die anderen erzählen. Manchmal über den Sinn des Lebens und die Frage nach dem lieben Gott sinnieren und manchmal auch etwas ganz ganz anderes für erwähnenswert halten.

Bei “Amazon” stellt einer der Rezensenten die Frage, wann das Buch spielt und führt Wolfgang Tischer vom “Literaturcafe” an, der meint, daß es nach dem Krieg spielen würde, weil der öfter thematisiert wird, was er widerlegt und die Handlung in die Achtzigerjahre vermuten würde.

Ich denke, da die Toten, die aus den Gräbern sprechen, wahrscheinlich zu verschiedenen  Zeiten gestorben sind, die Handlung wahrscheinlich keinen speziellen Zeitpunkt zuzuschreiben  und es ist wahrscheinlich auch die Spezialität Robert Seethalers, die kleinen leisen Töne in einer vielleicht etwas altmodisch anmutenden Sprache zu beschreiben und habe diese Episoden, Roman würde ich sie nicht nennen, obwohl ich habe nachgesehen, das natürlich wieder in dem Buch steht, für sehr beeindruckend gehalten, so daß ich die Einstern-Rezensionen, die es bei “Amazon” gibt, nicht nachvollziehen kann und auch nicht glaube, daß es sich um eine sinnlose Aneinanderreihung von Ereignissen handelt, die in dem Buch zu finden sind.

Obwohl Handlung gibt es eigentlich keine, es sind Gedankensplitter und Fragmente übers Leben und  das was einem wohl dort besonders beeindruckt hat und vielleicht ist gerade das das Besondere an dem Buch  und wohl auch Robert Seethalers Spezialität.

Entgleisung

Ich lese ja gerne über den Tellerrand und so kommt jetzt ein politisches Buch, ein Enthüllungsbuch, ein Buch über Donald Trump, “Eine ehemalige Mitarbeiterin” packt aus, lautet der Untertitel, am Cover sind der Präsident und seine ehemalige Mitarbeiterin und Kommunikationsdirektorin, die 1974 geborene Omarosa Manigault Newman zu sehen und ich bin eigentlich, wie ich das ja manchmal tue ohne größere Information an das Buch herangegangen.

Ein Buch über Donald Trump, da hat man ja seine Meinung, sein Wissen und seine Vorurteile, obwohl ich mich damit  nur sehr oberflächlich beschäftigt habe und von seiner ehemaligen Mitarbeiterin Omarosa Manigault Newman, ihrer Seite und ihres Standpunktes hatte ich überhaupt keine Ahnung. Also das Buch aufgemacht und mich hineingelesen.

Es beginnt mit dem Ende, nämlich mit Weihnachten 2017, wo Omarosa Manigault Newman von John Kelly entlassen wurde, beziehungsweise in einem Newsroom festgehalten wurde, um ihr ihre  Entlassung mitzuteilen.

Es geht um ein N-Tape, ein Video mit rassistischen Äußerungen Donald Trumps gegen Schwarze, wie ich es verstanden habe und Omarosa Manigault Newmans Beteuerungen, daß sie Jahre gebraucht habe, um Donald Trump als Frauenfeind und Rassisten erkannt zu haben und ihr das jetzt leid tue.

Dann beginnt das Buch mit der Kindheit der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen Afroamerikanerin. Sie schildert, wie unangenehm es ihr war, mit den Sozialmarken einkaufen zu gehen und wie sehr sie sich dafür geschämt habe. Das Buch ist ihrer Mutter gewidmet. Sie hat ihren Vater und ihren Bruder durch Gewaltakte verloren und sich dann offenbar sehr ehrgeizig hinauf bis an die Spitze gekämpft, in dem sie einige Schönheitswettbewerbe gewann, studierte und dann an Donald Trumpf Seite in einer Reality Show gearbeitet hat.

Sie spricht von einer starken Veränderung Donald Trump, meint, daß sich der schlanke, wendige Mann inzwischen sehr verändert hat. Sie hat ihm auch in seinem Wahlkampf begleitet und unterstützt. Beispiele werden  angegeben und man bekommt vielleicht eine Ahnung, wie es während des Wahlkampfes und später im weißen Haus zu gegangen ist.

Omarosa Manigault Newmann hat während dieser Arbeit auch Theologie studiert und sich, wie sie schreibt immer für die Rechte der Schwarzen eingesetzt und sie offenbar, die einzige Schwarze in Trumps Wahlkampfteam und seinem Mitarbeiterstab war.

Sie hat zweimal geheiratet, weil sie ihren ersten Mann durch einen Schlaganfall verloren hat und beschreibt Donald Trump als Dauerfernseher und Dauertwitterer, beschreibt ihn auch als den einsamen mächtigen narzistischen Mann, der stark und lautstark gegen Barak Obama und seine Mitbewerberin Hilary Clinton kämpfte.

Sie beschreibt, daß er unsportlich ist, sich schlecht ernährt und ständig Diat Coke trinkt,  das, wie sie meint den kognitiven Abbau fördern jnd zu Schlagananfällen führen kann und beschreibt in den drei Teilen des Buches ihre Wegentwicklung vom Trump Fan zu seiner Kritikerin.

Sie wollte sich offenbar schon länger vor ihm lösen, ganz ist ihr das aber nur durch ihren Rausschmiß gelungen. Danach hat sie dieses Buch beschrieben, das im Frühling, glaube ich, in Amerika und im November auf Deutsch bei “Piper” erschienen ist.

Ich habe mir noch einige andere Artikel über Omarosa Manigault Newmann und einige Twitternachrichten Donald Trumps darauf angeschaut  und denke, ein interessantes Buch gelesen und vielleicht ein bißchen mehr über die Persönlichkeit und den Stil Donald Trumps erfahren zu haben.

Es ist aber wahrscheinlich sehr schwer bis unmöglich dem Buch gerecht zu werden und es zu verstehen ohne die Hintergründe und die Gruppendynamik im weißen Haus zu kennen.

Ob Donald Trump dessen politische Meinung ich ja nicht teile und an dessen Regierungsstil vieles auszusetzen ist, was den Kopf schütteln läßt, wirklich so dement ist, wie Omarosa Manigault Newman ihn beschreibt, bin ich mir nicht so sicher und es hat mich auch erstaunt, das hier so direkt geschrieben zu finden.

Daß er von dem Amt von dem er angeblich am Erstauntesten war, daß er die Wahl gewonnen hat, überfordert ist und über eine wenig empathische, selbstbezogene Persönlichkeit verfügt, die über andere drüberfährt, kann ich mir aber vorstellen und glaube auch, daß man  wahrscheinlich nur so, an die Spitze der Macht gelangt.

Die deutschen und die österreichischen Patrioten sind aber von ihm begeistert, tragen die “Make Amerika great aigain-Kappen”, was ja sein Wahlkampfslogan war und zeigen Videos, wo katholische Privatschüler grinsend und singend vor den indianischen Ureinwohnern stehen, die sie betrommeln und geben die entsprechenden hämischen Kommentare ab, während Omorosa Manigault Newman, sich in dem Buch als die Frau beschreibt, der es immer nur um das Wohl der Afroamerikaner und um den Ausgleich ging und sie in ihrer langen Danksagung zuerst ihrer Familie gedenkt und mit “Ehre sei Gott in der Höhe!”, das Buch beendet.

Manaraga

“Manaraga – Tagebuch eines Meisterkochs”, der neue Roman des 1955 bei Moskau geborenen Vladimir Sorokin, den ich schon mehrmals in Wien, in der Hauptbücherei, im Literaturhaus und im Odeon gehört und gesehen habe.

Das “Eis” habe ich gelesen und das Spannende an dem “Meister der Grosteske”, wie er im Klappentext bezeichnet wird, ist wohl die Mischung zwischen Sci Fi und tradioneller Erzählweise, so habe ich mich jedenfalls beim “Schneesturm” gewundert, daß das, was ich hörte, wie aus dem vorvorigen Jahrhundert mit Kutsche und Landarzt und so klang.

In “Manaraga” geht es in die Zukunft, in das Jahr 2037, das ja bald gegenwärtig sein wird und wird man dann das Buch noch lesen? Und wieder, wie ich in letzter Zeit in einigen Büchern gelesen habe, hat der große neue Krieg Europa zerstört, die islamische Revolution hat stattgefunden und die Menschen tragen sogenannten “Flöhe” also Chips im Ohr, die ihnen die sogenannte Weisheit zuflüstern und damit maniupulieren und richtig, gedruckte Bücher gibt es auch nicht mehr.

Das heißt die wertvollen Erstausgaben werden in Museen aufbewahrt und von dort gestohlen, denn es gibt ein Event für die Reichen und die Schönen, die sich das leisten können. Sie lassen diese Bücher stehlen und veranstalten ein sogenanntes Book´n Grill, das heißt die Meisterköche, Geza, der Ungar, auf russische Literatur spezialisiert, ist einer davon, sich ihre Steaks, etcetera auf Tolstois oder Bulgakov grillen lassen, oder das Schnitzel auf Schnitzler.

Der Phantasie ist da keine Grenze gestellt. Man könnte sich höchstens fragen, wie man ein Schnitzel oder Austern grillt? Aber dazu läßt einen Sorokins überbordendePhantasie, der oft deutsche Wörter oder Phrasen im Original verwendete, keine Zeit. Denn es ist köstlich, was er da seinen Meister über seine skurillen Erlebnisse mit seiner skurillen Kundschaft erleben läßt. Da wird ein Menü auf einem Schiff serviert. Meister Tolstoi tritt sogar persönlich oder nachgeklont auf und läßt sich seine Originalausgabe verbrennen.

Gefakt und gefläscht wird natürlich auch dabei. Einmal sind die Seiten feucht und so läßt die Crew, die gerade den “Meister und Margarita” dreht, den Kochmeister vermöbeln und ein gefälschter “Nabokov” taucht auch auf und die Handlung beginnt oder dreht sich weiter und da muß man eigentlich sagen, daß der Einfallsreichtum des Meister Sorokins eigentlich begrenzt ist und der sogenannte Plot einer ist, den man wahrscheinlich schon hundert oder tausendmal lesen konnte.

Der Einheitsbrei eben, wie er für die Massen, in diesen Fall digital bereitgestellt wird, während sich die Elite ihre Orignale zubreiten läßt.

Es taucht also eine gefälschte “Ada” auf, hunderttausend Mal das selbe Original mit den selben Kaffeeflecken und die Kochgilde ruft eine Sondersitzung ein. Geza muß einige Termine deshalb absagen, der Verräter wird entlarvt und gleich hingemordet und Geza ausgewählt auf den Berg Manaraga zu fahren und die Druckmaschinen abzustellen.

Dann kommt es natürlich anders, als erwartet und das ist eigentlich platt und traugig und wenn mans bösartig will, eine simple Nachahmung von George Orwells “1984”, die Chips im Ohr werden einfach ausgewechselt und Geza ist wieder glücklich und überwältigt von der schönen neuen Welt, die ihm da geboten wird “Und der Strom meiner Tränen ergißt sich über die zarten Lenden”, lautet der letzte Satz.

Trotzdem, um nicht mißverstanden zu werden, ein spannendes Buch und ein absolutes Lesevergnügen, das sich auch leicht und schnell hinunterlesen läßt, weil es wahrscheinlich die packenden Bücherszenen sind und nicht die eher einfallslose Handlung, die hier bewegen und das im November erschienene Buch, von dem ich in den anderen Blogs und in den Medien noch nicht so viel hörte, zu einem “Meisterwerk” werden läßt.

und fließt die zeit wie wasser wie wort

Und wieder ein wenig Lyrik, die kommt ja bei meinen Bücherbergen und den dicken Schmökern von Romanen, die manchmal darauf liegen und ich ja auch eine dicht an der Realität befindende Romanschreiberin bin, oft ein wenig zu kurz, obwohl im März ja wieder der Mona der Lyrik naht, es in der “Alten Schmiede” und auch sonst wo die Lyrik-Festivals gibt und ich  auch erst vor kurzem bei einem Lyrikabend war, da habe ich die 1940 geborene Christl Greller getroffen, die  rührige bemühte GAV-Kollegin, die  Werbetexterin war und sich 1995, wie ich dem Klappentext entnehme, dem literarischen Schreiben zuwandte.

Gehört oder gelesen habe ich das erste Mal, glaube ich, von ihr, als ich so um 2000 muß das gewesen sein, eine eifrige Besucherin der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft war, zu der ich  durch “Luipold Stern-Preis” gekommen bin und sie dort, glaube ich, eines ihrer Bücher vorstellte.

Sie hat, entnehme ich, weiter dem Klappentext, drei Erzählbände, einen Roman und sechs Gedichtbände, die Erzähbände “Der Schmetterlingsfüßler” 1998 erschienen und “Schatten werfen” habe ich in meinen Regalen, ebenso das “Podium-Portrait-Gedichtbändchen”, das sie mir freundlicherweise einmal verehrte.

Als ich 2002 bei dieser Halbpreisschiene in dem damals noch nicht so existierenden Schmiedesaal in den Semesterferien, um fünf Uhr Nachmittag mit Uwe Bolius in der “AS” gelesen habe, war sie unter dem Publikum, da habe ich sie persönlich kennengelernt und sehe sie seither immer wieder im  bei Veranstaltungen, in der “Alten Schmiede”, im Literaturhaus, in der “Gesellschaft” und bei den “Mittleren” hat sie auch einmal gelesen.

Sie organisiert auch selber Veranstaltungen und da ist, wie beim vorliegenden sechsten oder siebenten Gedichtband, die Zeit das Thema, “Die Zeit und wir” heißt es da und da habe ich bei einer ihrer Veranstaltungen in der Klimt Villa gelesen, sucht sie für ihre Veranstatlungen ja immer ungewöhnliche Orte, ich war aber auch bei einem ihrer Lyrik Abende in der “Gesellschaft” und und.

Es gibt Preise und Gedichte, die im “Standard” und in Ö1 erschienen ist, ist Christl Greller ja, wie schon beschrieben sehr bemüht und so gibt es auch in dem vorliegenden in der “Editon  lex  liszt” erschienenen Band, sehr viel Kollegalität, nämlich ein Mottogedicht von Marie Therese Kerschbaumer, der großen Dichterin, die ich im Arbeitskreis schreibender Frauen schon in den soäten Siebzigerjahren kennenlernte und Zeichnungen, schöne zarte Graphikmuster von der 1935 bei Villach geborenen Angelika Kaufmann, die ich auch regelmäßig in der “Alten Schmiede” sehe, gibt es in dem Buch auch und ein Nachwort von Rudolf Kraus, der das Fließen und die Bewegung, der klein geschriebenen Texte erwähnt. Das Wasser und die Zeit, die als ständige Thema, das sich durch das hundertzehn Seiten Bändchen fließt. Die Vergänglichkeit ist ebenfalls ein ständiges Thema, das ja sowohl mit dem Fließen, als auch mit der Zeit zusammenhängt, ein Suchen, ein Bewegen und ein sich Ausdrücken und dann gibt es auch Momente, da findet sich nichts, man muß warten, stehenbleiben, ausatmen und an Morgen denken.

“hm” heißt das Gedicht “und denke und denke und denke – und finde nichts, das wichtig genug ein gedicht darüber zu schreiben. vielleicht morgen?” schreibt Christl Greller und man kann das Schwerfallen des Stehenbleibens und Verweilen müßen hautnah spüren und doch ist man zu diesem Zeitpunkt auf Seite zweiundsiebzig und ist mit Christl Greller schon durch viele bewegende Momente gegangen und sehr schön finde ich die Zusammenfassungen, ein paar kurze klare Worte, die unter manchen ihrer Gedichte stehen, beim “schneefall” zum Beispiel:

“auf den lippen eine flocke und zergeht. und kühl vor den augen der tanz, und leicht auf den schultern die liegengebliebene last.

morgen salzstreuung”

Es gibt Gedichte, die an ihre Reisen nach Norwegen erinnern und dann eines das den “pannonischen sommer” beschreibt: “und reben, reih und glied, in liebe aufgebunden. der see als streif am horizont”, die letzte Zeile wird refrainartig mehrmals wiederholt, was uns die pannonische Landschaft so richtig vorstellen läßt und das Gedicht “blattgold”, das die Vergänglichkeit des lebens, wie noch bei ein paar andere, wohl am stärksten zeigt:

“jetzt nicht mehr sparen, später ahorn und verschenkt, verschleudert er sein gold – und nützt ihm nichts, wenn es an sterben geht”

Man kann sehr schön in diesen zarten Zeilen ungehemmt von hinent nach vorne springen und sich dabei von der auch immer kritischen und manchmal auch melancholischer Sprachmelodie umhüllen lassen.

Kommt dann zur “doppelstunde”, wo Christl Greller den Zeitsprung beschreibt, wo die “sommerzeit wieder normalzeit” wird, die sich listig ausnützen läßt:

“einmal wunscherfüllung einmal ZWEImal leben seis nur von zwei bis drei zeiger zurückgestellt, stunde wiederholt. zweite chance gehabt – und doch: weiter wie immer”

Sehr beeindrucken würde ich sagen und so gleitet man sprachumhüllt durch das Bändchen, um über dem ebenfalls sehr beeindruckenden “Chipgedicht” zu einem Wien-Zyklus, den “Gesichtern einer Stadt” zu kommen, wo Christl Greller für jeden Monat vom Jänner bis Dezember ein eigenes Gedicht hat, das von den “farblosen tagen, der abgeschalteten weihnachtslichter am graben” im Jänner bis zum Dezember, wo es “auf jedem freien  platz im häusergewühl, eine holzhütte, sogenannter weihnachtsstand” gibt.

Und so bin ich an das Ende des Bändchen gekommen, kann mich bei Christl Greller für das von ihr gewünschte Lesevergnügen bedanken, ihr den Anklang den es bei mir gefunden hat, versichern, hoffe auch das entsprechende Feedback gegeben zu haben und kann ihr noch weitere Lyrikbände wünschen.