Das letzte rote Jahr

Jetzt kommt wieder eine österreichische Neuerscheinung oder ein bei FVA erschienes  Buch das mir gut gefallen hat, der 1981 in Zilina geborenen Susanne Gregor, die 1990 mit ihrer Familie nach Österreich gezogen ist und bei der “Edition Exil” ihren ersten Roman “Kein eigener Ort” herausgebracht hat, obwohl sie bei der Lesung im vorigen Jahr im Literaturhaus ja, glaube ich, sagte, daß sie nicht so gerne solche schreiben würde.

Jetzt ist der neue Roman bei FVA  vielleicht durch Mareike Fallwickls Hilfe, die damals auch gelesen hat, erschienen und ich muß sagen, er gefiälltmir sehr und war für mich eine postivie Überraschung, denn “Kein eigener Ort” hat mir nicht so gefallen.

Sie ist dann bald zu “Droschl” gewechselt, wurde vom Literaturhaus als Jungautorin präsentiert, ihren Roman “Terretorien”, der schon bei “Droschl” erschienen ist, habe ich noch nicht gelesen, wohl aber bei einem der Literaturhaus-Flohmärkte gekauft und nun habe ich ein sehr interessantes Buch gelesen, das das letzte Jahr in der Tschechoslowakei vor dem Weggang in den Westen und den Fall der Mauer schildert.

Misa, Rita und Slavka sind drei Freundinnen oder eigentlich drei vierzehnjährige Mädchen, also etwas älter, als es Susanne Greogor 1989 war, die in der Klein oder Großstadt Zilina, an der wir immer vorüberfuhren, wenn wir in die hohe Tatra wollten, leben.

Die Ich-Erzählerin Misa mit ihren Eltern und ihrem achtzehnjährigen Bruder Alan in der Mitte des Hauses, darunter Slavka mit ihrer Mutter, denn ihr Vater ist einmal von einer Reise nach Stockholm nicht mehr zurückgekommen, darüber Rita mit ihren Ärzteeltern und dem kleinen BruderMarcel, der immer am Hosenzipfel der Mutter hängt.

Die Eltern treffen sich Abends immer beim Wein in Misas Wohnung, die drei Freundinnen verbringen die Zeit abwechselnd miteinander und besuchen die selbe Klasse und in diesem Jahr, wo sie auch aufs Gymnasium wechseln, werden sie sowohl erwachsen, als auch ihre Freundschaft und das sozialistische System in dem sie aufgewachsen sind, zerbricht und das alles erzählt Susanne Gregor durchaus spannend, wenn das Buch auch zum Teil das die “Skizze eines Sommers” von Andre Kubizek erinnert, der ja etwas Ähnliches schildert, einen Jahrhundertsommer in der DDR, während das Regime bald zerbricht.

Aber so rosig ist es in Misas Leben, die gerne Bücher liest, was ihr Vater, der in einer Elketrofirma arbeitet und daher öfter Auslandsreisen nach Österreich machen darf, gar nicht, der Bruder kapselt sich ab, der Vater will daß sie mehr Sport betreibt und auch die Freundin Rita, die eine überzeugte Pionierin ist, während ihre und auch die anderen Eltern längst nicht mehr so überzeugt von dem Regime sind, kapselt sich ab und geht ihre eigene Wege, was sie zuerst des Nachts in Alans Zimmer führt und als Misas Eltern das erfahren, in eine Katastrophe ende, denn er ist achtzehn, sie vierzehn, also ist es eigentlich verboten, was sie machen und Slavka trainiert eifrig für den Sportkader, ist in ihrem Geschichtslehrer verliebt, ansonsten schminkt sie sich und zieht sich westlich an.

Ihre Karriere wird vor Schluschluß bei einer Sportaufführung unterbrochen, als sie sich den Knöchel bricht und den Sommer liegend mit Gips im Bett verbringen muß.

Ritas Eltern wollen auch nach Ungarn, von den Veränderungen dort, daß da die Grenzen geöffent wurden und die DDR-Bürger von dort in den Westen verschwinden, erfahren die Mädchen durch erlauschte Gespräche ihrer Lehrer oder aus dem Radio.

Ritas Vater Michal will von einem Kongreß in Ungarn nicht mehr zurückkommen. Er will aber auch Abteilungsleiter in seinem Krankenhaus werden, um nicht immer Nachtschichten schieben zu müssen. Trinkt aber so viel,  daß beides nicht klappt und die Katastrophe herannaht, als eines Tages Alan und Rita verschwunden sind, was von ihrem Familien erst einen Tag später bemerkt wird und es noch etwas länger dauert, bis ein Brief von Rita aus Hamburg kommt.

Das Leben geht aber weiter, Weihnachten wird im Haushalt von Misa, einen Brand hat es vorher auch gegeben, etwas chaotisch gefeiert, daß der Weihnachtsbaum fehlt, fiel auch erst später auf. Dafür überraschte aber der Vater, der die Tochter schon vorher zum Deutschstudum verpflichtet hat, daß sie ab Februar nach Österreich ziehen werden und das neue Leben  im westlichen Kapitalismus beginnt.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, da ist die Ich-Erzählerin, glaube ich, in Wien und schon Schriftstellerin, kellnert aber nebenbei und sieht im Fernsehen plötzlich Rita, so daß sie sich an das letzte roteJahr in Zilina erinnert und die Geschichte zu erzählen beginnt.

Alle unsere Jahre

Nun kommt eine Neuentdeckung, “Wagenbach” hat einen Roman der 1958 in England geborenen und schon lange in Kanada lebenden Kathy Page, die schon acht Romane geschrieben hat, “Alle unsere Jahre” im Original “Dear Evelyn” herausgebracht und will die Autorin, die auch im Herbst nach Frankfurt kommt, offenbar im deutschen Bereich bekannt machen.

So liegt das E pub schon lange in meinem E -Book- Folder. Jetzt ist das Buch  erschienen, wurde auch schon bei MDR vorgestellt und von Rainer Moritz sehr gelobt. Es ist ein Familienroman, der die Szenen der Ehe von Harry und Evelyn in sehr eindrucksvollen Bilder beschreibt und dabei ein langes Nachkriegsleben schildert.

Harry wurde in der Zwischenkriegszeit geboren. Die erste Szene schildert sehr eindrucksvoll die Geburt und erinnert dabei ein bißchen an die “Asche meiner Mutter”, die Eltern gehen in dem ärmlichen London, aber sehr liebevoll mit ihrem zweiten Sohn um und auch das nächste Kapitel ist sehr eindrucksvoll.

Da ist Harry schon älter und wird von einem einäugigen Lehrer unterrichtet, der im Krieg sein Auge verloren hat, den daduruch haßt und den Schülern auf sehr unkonventionelle Art und Weise, die Liebe zur Poesie nahebringen will.

Das mißlingt wahrscheinlich, der Lehrer wird versetzt, schenkt Harry aber zum Abschied ein Buch und die Liebe zu den Gedichten zieht sich durch den ganzen Roman, es werden auch Ausschnitte daraus zitiert.

Im dritten Kapitel ist Harry schon erwachsen, hat nicht studiert, obwohl er ein Stipendium bekommen hätte und lernt Evelyn in einer Bibliothek kennen, die liest dort gerade Daphe du Mauriers “Rebecca” und man könnte sagen, daß das ganze Buch auch in einem etwas altmodisch wirkenden Stil geschrieben wirkt, obwohl es bis in die Gegenwart hineingeht.

Harry und Evelyn, die wie im Beschreibungstext steht, sehr unterschiedlich sind, heiraten. Der zweite Weltkrieg beginnt. Harry wird eingezogen und kommt nach Westafrika. Evelyn bleibt zu Hause, bekommt ihr erstes <kind Lilly und sehr liebevolle Briefe von Harry von der Front.

Evelyn wurde von ihrer Mutter sehr geliebt und verwöhnt, haßt aber ihren trikenden tuberkolösen Vater und als sie an sein Sterbebett gerufen wird, ist sie nicht imstande “Ich liebe dich Dad!”, zu sagen, wie es die Mutter von ihr fordert.

Eine zweite Tochter, Valerie, wird geboren und ein Haus bezogen. Dazu werden Vorhänge gebraucht. Evelyn entscheidet sich für einen Stoff, der eigentlich noch immer viel zu teuer ist, obwohl ihr die Verkäuferin verrät, daß er im Abverkauf nur mehr die Hälfte kosten wird.

Sehr spät kommt die dritte Tochter Louise, die den Eltern wegen ihrer sexuellen Freizügigkeit Schwierigkeiten macht. So geht Evelyn deshalb auch zur Polizei, als sie einen Brief findet, in dem Louise darüber schreibt, was etwas absurd wirkt.

Dann werden die Eltern selber alt und Evelyn sehr ungeduldig mit Harry, der sehr ausgleichend ist und  ihr nicht sagen möchte, was er essen will, um ihr keine Mühe zu machen. Er braucht eine neue Hüfte, wird inkontinent, was Evelyn nicht aushält. So kommt er in ein Heim, während die Neunzigjährige mit einer der Töchter noch eine letzte Reise macht und Harry in sein Altersheim einen Brief aus Paris schreibt.

Der geht im Heim verloren und die Managerin bemüht sich sehr, ihm zu erklären, daß das vom überforderten Personal keine böse Absicht war und sie ihm auch schon gesagt haben, daß Evelyn ihn deshalb  so lange nicht besuchen kam, weil sie schon vor einigen Monaten, kurz nach ihrer Rückkehr von der Reise, verstorben ist.

Ein sehr interessantes Buch, das auf eine sehr eindruckvolle Art und Weise das Älterwerden und die Schwierigkeiten einer Ehe schildern. Für mich sind es die farbigen Bilder, die ich zu beschreiben versucht habe, die mich besonders beeindruckt haben. Nun bin ich gespannt, wie das Buch im deutschen Raum aufgenommen wird und was ich noch von Kathy Page hören oder lesen werde.

Die jüngsten Tage

Und noch ein Debut bevor es an das “Buchpreislesen” geht, nämlich Tom Müllers “Die jüngsten Tage”, bei “Rowohlt” erschienen, das schon länger in meinem Badezimmer liegt, aber erst  nach dem zwanzigsten August besprochen werden soll.

Also voila, Tom Müller wurde, bibografische Angaben gibt es leider keine in dem unkorrigierten Presseexemplar,1982 in Friedrichshain geboren, ging früh nach Italien, um die Sprache zu erlenen, was man in dem Buch auch merken kann und ist Verleger im “Tropen-Verlag”.

Das Buch, dein Roadmovie in die Vergangenheit könnte man so schreiben, ist vielleicht eine  sanftere Variante von Lukas Rietschel “Mit der Faust in die Welt” schlagen, denn es geht auch um eine Jugend in der DDR, die es jetzt ja bald dreißig Jahre nicht mehr gibt und außerdem ist Strippe gestorben. Der Ich-Erzähler Jonathan, ein Lehrer, soll deshalb zur Beerdigung nach Berlin fahren und mit dessen Mutter sprechen, was er beides nicht will.

So driftet er stattdessen ab in die Vergangenheit, in die Schulzeit, zu den Erlebnissen mit den Mitschülern und den Lehrerinnen, den Erlebnissen beim Eisenbahnfahren und natürlich geht es um das Italienisch, wo man die Zunge rollen lassen muß, um die Wörter richtig auszusprechen.

Er ist ein Fan Gabriele d`Annunzios, der Hund heißt Pasolini und eine Freundin namens Elena gibt es auch. mit ihr macht er urlaub in den Dünendörfern, es geht aber auch nach Italien, der Nonno wird besucht, etecerta.

In Episoden, die Übeschriften, wie “Vita”, “Pythagoras”, “Imperium”, etcetera, tragen, wird das fast zusammenhanglos erzählt, so daß sich Eine beim Lesen etwas schwer tun und wieder denken kann, was ist das Neue an dieser Geschichte, an diesem Roman?

Aber natürlich, es ist ein Debut und da werden die Kindheit, die Jugend und die Schwiergikeiten, die man dabei hat, ausgerollt und aufgearbeitet.

Auf der Longlist des Bloggerdebutpreises steht das Buch auch.

Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt?

Auftrag für Moving Kings

Jetzt kommt das neue Buch von Joshua Cohen, wieder bei “Schöffling & Co” erschienen, bei dessen “Buch der Zahlen” ich mir schon beim Lesen sehr schwer getan habe.

Jetzt wars ein bißchen besser, vermutlich, da ich das Print-Buch vor mir hatte, wo ich mir ja alles anstreichen und anmerken kann, was beim PDF im Laptop nicht so gut geht, aber der 1980 in New Jersey Geborene, den ich, glaube ich, schon einmal in Wien hörte und der auch 2017/2018 Gastprofessor in Berlin war, ist ja bekannt durch seinen sehr modernen, sehr flüchtigen und flapsigen Sprachstil und unterscheidet sich dadurch sehr von Thomas Meyer, der in seinem “Wolkenbruch” ja auch das moderne jüdische Leben schildert, aber das sehr viel bedächtiger und traditoneller als Joshua Cohen tut, der wahrscheinlich zu Recht zu den zehn besten jüngeren amerikanischen Autoren gilt.

David King hat in New York ein Transportunternehmen, das heißt, er räumt Wohnungen aus, meistens dort, wo eine Hypothek fällig war oder die Leute von einem Bundesstaat in den anderen ziehen, sich scheiden lassen, sterben, etcetera.

Dabei hat er, wie im Klappentext steht, selber alle Hände zu tun mit seinem Privatleben. Seine Büroleiterin Ruth will ihn unbedingt heiraten, seine Tochter Tammy tut auch nicht das was er will und dann holt er noch seinen Neffen von Israel in die Staaten, setzt ihn dort als Möbelpacker ein und all das das wird sehr flott und sehr rasant mit einer sehr flotten lockeren Sprache erzählt, so daß es niemand wundern wird, daß es am Ende des Buches zu einem Desaster kommt, einer der Einssätze mißlingt und David am Ende wieder ganz von Anfang an anfangen kann.

Hippocampus

Die 1971 in Wien geborene Gertraud Klemm könnte man wohl als eine postfeministische Autorin bezeichnen.

Ich habe sie, glaube ich, vor Jahren bei den “Textvorstellungen” in der “AS” kennengelernt, wo sie die Vorläuferform von “Muttergehäuse” vorstellte. Das Buch ist, glaube ich, zuerst bei “Arovell” erschienen, dann kamen ein paar Bücher bei “Droschl” und die Lesung beim “Bachmannpreis”, die von den Juroren als sehr wohlwollend aufgenommen wurde, ich aber eher dachte, das hatten wir doch schon, der Feminismus der Siebzigerjahre, Karin Struck, Gert Brantenberg und so, das was wir auch im “Arbeitskreis schreibender Frauen”, besprachen, ist doch schon vorbei und läßt sich wohl so nicht wieder aufwärmen.

Mit “Aberland” ist sie dann 2015 auf der LL des dBp gestanden. Dann kam “Muttergehäuse” bei <kremayr und Scheriau”, 2017 “Erbsenzählen” bei “Droschl”, das ich nicht gelesen habe und jetzt das neue Buch von dem ich mit guten Grund sehr gespannt bin, ob es auf Longlist, Shortlist des dBp oder gar den Preis bekommt.

Der gute Grund ist, das Buch handelt davon und vom Literaturbetrieb der 1960 und 1970 Jahre, ist eine Abrechnung desselben und das durchaus im Bernhardstil “In Angesicht des Todes ist das Gehorchen lächerlich geworden”, obwohl es ja ein Buch ist, das die Benachteiligung der Atorinnen gegenüber der Autoren aufzeigen will.

Da ist Helene Schulze, Jahrgang 1954 und die ist plötzlich gestorben. Es heißt, sie hätte sich zu Tode getrunken, ist an der Männerwelt und dem Literaturbetrieb zu Grunde gegangen, etcetera.

Elvira Katzenschlager ihre etwas jüngere Freunin soll ihren Nachlaß aufarbeiten und ist deshalb in das Haus nach Hintermoos gefahren, wo die Autorin gestorben ist. Die ist sehr jung mit ihrem ersten Buch namens “Rauhreif” berühmt geworden und dann vom Literaturbetrieb vergessen worden, obwohl sie beim “Bachmannpreis” gelesen hat, den Preis aber nicht bekommen hat, weil der kleine dicke Literaturkritiker herausfand, daß ein Satz von ihrem Text schon irgendwo erschienen ist.

Beim Ersteren habe ich an Brigitte Schwaiger, beim Zweiteren an Gabriele Petricek gedacht und bei Hintermoos an Friederike Mayröcker, die ja, glaube ich, mit ihrem Ernstl in einem Ort namens Rohrmoos öfter Urlaub machte. Helene hat dann geiratet, ist nach Kaiserbad, das ist, glaube ich, das Synonym für Baden, wo Gertraud Klemm, glaube ich, lebt oder lebte, gezogen, hat zwei Kinder geboren und sich ihnen und dem Ehemann gewidmet. Dann zog sie aber nach Hintermoos und hat noch einen Roman nämlich der “Drohenkönig” geschrieben, von dem im Anhang steht, daß das inhaltliche Konzept an die “Töchter Egalias” angelehnt ist und damit wurde sie für den deutschen Buchpreis nominiert.

Da hat die Kritikerin in mir gleich gedacht, das geht doch nicht, wenn sie schon gestorben ist, aber Brigitte Kronauer ist ja auch im Juli gestorben und bei den Facebooktips für die neue Longlist wird öfter ihr neuer Roman “Das Schöne, Schäbige, Schwankene”, genannt.

Es gibt aber noch ein paar Details, die nicht stimmen. Wird der Preis doch am Abend und nicht am Vormittag vergeben und auf der Shortlist stehen sechs und nicht fünf Autoren. Aber das sind wohl die Verfremdungseffekte, die ein guter Roman ja haben muß.

Helene Schulze wurde jedenfalls nominiert. Elvira Katzenschlager soll ihren Nachlaß ordnen und auch ein Interview geben, zu dem neben der Redakteurin auch ein junger Kameramann namens Adrian kommt.

Elvira Katzenschlager, die nicht mehr ganz gesund und wohl etwas schwierig ist, bricht das Interview ab, bereitet aber eine sogenannte Kunstinstallation vor, in dem sie Scheiße auf einen Hochstand schleppt, um die tote Helene, gegen das Unbill, das ihr die Männerwelt zugefügt hat, zu rächen. Ein Sturz, aber auch die Bandscheiben, lassen sie nach einem Assistenten suchen. So ruft sie Adrian an und heuert ihn für eintausendzweihundert Euro in der Woche an, ein solcher zu werden und der “Roadtrip des feministischen Aktionismus”, wie am Buchrücken steht, beginnt.

Zuerst wird die Scheiße noch irgendwohin geschmissen. Dann geht es nach Kaiserbad in den Kurpark, dort werden die Männerbüsten verkleidet und in Frauen verwandelt, denn Helene hat sich während ihres Hausfrauendaseins vergeblich für ein Frauenmuseum eingesetzt. Sie hat auch ein uneheliches Kind, das sie mit Fünfzehn eigentlich abtreiben wolle, eine bigotte Jungscharführerin hat sie daran gehindert. So ist ihr die nächste Kunstaktion gewidmet. Dann geht es nach Salzburg, wo eine Preisverleihung stattfinden soll, weil Helene aber den Preis nicht bekommen hat, werden der Kulturkritiker und die Jungautorin, die ihn bekommen soll, eingesperrt und Elvira hält auf der Bühne eine flammende Rede und so weiter und so fort, ich soll ja nicht so viel spoilern, höre ich gelegentlich.

Es geht also weiter mit den feministischen Racheaktionen. Elvira geht inzwischen das Geld aus, Helene kommt auf die Shortlist, bekommt den Preis dann nicht und Marlene Streeruwitz, die ja auch aus Baden stammt und dort wohl auch noch keine Denkmal hat, wird in dem Buch mehrmals erwähnt und hat auch schon über den Buchpreis und die dortige Nominierung geschrieben.

Es wird ihr am Schluß wird auch gedankt und ich denke, man könnte Gertraud Klemm durchaus als ihre Nachfolgerin betrachten und füge gleich hinzu, daß mir das Buch, die ich mich ja in meinem Schreiben auch öfter mit dem Literaturbetrieb befasse, gefallen hat und nun, wie schon erwähnt sehr neugierig bin, ob es auf die Longlist, Shortlist, etcetera, kommt, der österreichische Buchpreis wäre ja auch noch zu erwähnen und am nächsten Donnerstag das kann ich auch noch erwähnen, liest Gertraud Klemm daraus bei den O-Tönen.

Itlimoos

Bücherschrank

Bücherschrank

Nachdem ich am Montag mit dem Peter Stamm, meinem fünften Urlaubsbuch fertig geworden bin, hatte ich noch drei Bücher von Schweizer Autoren in meiner Büchertasche. Alain Claude Sulzers “Privatstunden”, Adolf Muschgs “Das gefangene Lächeln” und Martin Suters “Letzter Weynfeldt” und begann zu überlegen, welches davon ich noch lesen sollte, bevor es wieder nach Hause geht und ich mit Gertraud Klemms “Hyppocampus”, das ich ja auch noch im Gepäck hatte, weitermachen würde?

Zwischen dem Sulzer und den  Suter wollte ich mich entscheiden, da mich die Geschichte von dem Josef in Ägypten in der Sommerfrischenwelt von Locarno doch nicht so passend erschien und war auch des Timings wegens fast bei Martin Suter angelangt, von dem ich, glaube ich “Business Class” gelesen habe, aber sonst nicht viel, obwohl ich einiges von ihm gefunden habe, als wir bei nicht sehr guten Wetter in den kleinen Bergdörfchen herumfuhren und ich in einem solchen Caff bei Castaneda plötzlich einen Bücherschrank beziehungsweise eine diesbezüglich umfunktionierte Telefonzelle stehen sah.

“Da halten wir an!”, habe ich zum Alfred gesagt und noch dazu gefügt “Da wird es wahrscheinlich  nur was auf Italienisch geben!”, stand dann vor einem gefüllten Schrank, ähnlich, wie der in Altmannsdorf. Italienische Bücher hat es auch gegeben, aber auch ein Buch von einer Silvia Götschi und deren neuen Krimi “Itlimoos” habe ich ein paar Tage vorher in der Buchhandlung beim Bahnhof in Locarno in mehren Exemplaren stehen gesehen, also habe ich danach und noch nach einem Paul Auster gegriffen und wußte, was ich als sechstes Buch der Urlaubslektüre lesen würde.

Das Buch, das ich in den nächsten Tagen in meine ohnehin sehr volle Handtasche stopfte, um es auf der Piazza Grande, während ich auf den Filmbeginn wartete, zu lesen, ist auch einige Male naß geworden und schaut jetzt ziemlich ramponiert aus, ein Einwegkrimi sozusagen, stammt  von einer 1958 in Stans geborenen Autorin, die sich sehr für Psychologie interessiert, wie in der Beschreibung steht, die schon mehrere Valerie Lehmann-Krimis geschrieben hat.

“Itlimoos”, ist der fünfte und 2019 bei “Emons” einem deutschen Verlag, erschienen und Itlimoos ist, glaube ich, ein Ort am Zürichersee.

Das Buch spielt, nicht ganz passend, im Winter und da wird eine Leiche gefunden. Vorher gibt es  ein Kapitel, wo man den nicht sehr sympathischen Tobias Bauer kennenlernen kann, der in Itlimoos oder am Zürichsee eine Luxusvilla hat, wo er jeden Freitag wilde Parties mit viel Sex und jungen Frauen, die er mit Schmuck beschenkt, aber sonst mies behandelt, feiert. Beruflich ist er der Chef einer IT-Firma und das untersuchende Team ist eine  Frau Leuntnant namens Valerie Lehmann, die Silvia Götschi schon vier Fälle aufklären hat lassen. So gibt es schon einiges an Vorwissen, in das die Neuleserin eher informiert hineingeworfen wird.

So hatte Valeries Kollege Louis etwas mit einer Kollegin, die sich gerade kurz vor einer Geburt befindet, der Chef hat ein Burn-Out und soll abgelöst werden und eine neue Kollegin namens Dodo übernimmt, die Stelle der bald gebärenden Fabia. Da gibt es viel Konkurenzkampf und Geplänkel und man ist sich nicht sicher, wer jetzt der neue Chef werden wird?

Dazwischen wird ermittelt. Die Haushälterin wird  verletzt, man hat versucht ihr die Hand aufzuschneiden und, wie sich später herausstellen wird, ihr von dort einen Chip herausimplantiert, in der Villa aufgefunden. Tobias Bauer hatte zwei Partner. Roger Bulliard, der für das Wirtschaftliche zustäbdig war und dann einen Phil Williams mit Rasterlocken, der im Keller der Villa ein 6 D- Studio eingerichtet hat.

Dorthin war es zuerst für die Poizei unmöglich hineinzudringen.Später führt Phil Valerie hinein und läßt sie einen Flugzeugabsturz erleben, was in der Buchbeschreibung, als große Sensation angekündigt wird, aber eigentlich eher flach und gar nicht so sensationell neu geschildert wird.

Es ist auch nicht ganz klar, warum Tobi Bauer ermordet wurde, war es wegen des 6 D-Programms oder doch, weil er seine letzte Freundin brutal hinausgeschmissen hatte?

In der Villa gibt es auch eine Galerie mit den Portraits der verflossenen Freundinnen Bauers und das Gerücht, daß er eine neue, namens Madeleine haben sollte, die aber niemand kennt und deren Portrait auch verschwunden ist.

Der Maler wird ermordet und am Schluß stellt sich eine Polizistin, als Täterin heraus und ich schreibe wieder, es war äußerst spannend das Buch zu lesen.

Ich mag Krimis ja eigentlich gerne, obwohl ich auf der anderen Seite Gewalt ja ablehne und deshalb auch nicht wirklich welche schreiben kann. Freue mich, eine neue Schweizer Krimiautorin entdeckt zu haben und als ich mit dem Alfred in der Buchhandlung war, wurde ich wieder erinnert, daß auch Petra Ivanov Schweizerin ist, von der ich das neueste Buch im Wiener Badezimmer liegen habe und es Ende August lesen werde.

Nacht ist der Tag

Und dann habe ich mir auch ein Buch von Peter Stamm nach Locarno mitgenommen und zwar den 2013 bei “S. Fischer” erschienenen Roman “Nacht ist Tag” von dem ich eigentlich glaubte, daß er 2013 auf der LL des Bps gestanden ist und eigens nachgesehen habe, als ich ihn im Blognicht fand, ist er nicht, aber Peter Stamm war während einer “Buch Wien” im Literaturhaus und hat daraus gelesen und von Peter Stamm, der im letzten Jahr mit “Der sanften Gleichgültigkeit der Welt”, den “Schweizer Buchpreis” gewonnen habe, habe ich ja schon sehr viel gelesen.

Begonnen habe ich glaube ich mit den Erzählungen “Wir fliegen”, ein Buch das ich, glaube ich, bei “Morawa” um einen Euro aus der Abverkaufskiste gezogen habe.

“Nacht ist der Tag”, was ich später dort erstanden habe, hat schon zwei Euro gekostet.

Dazwischen habe ich noch “Sieben Jahre” und “Agnes” gelesen und jetzt ein Roman, der von der Krise und den Veränderungen einer Frau, einer erfolgreichen Moderatorin handelte und ich muß sagen, ich habe “Agnes”, ja einmal dem “Literaturcafe” gegenüber verteidigt, daßich mit dem Buch nicht so viel anfangen konnte, beziehungsweise auch nicht herausgefunden habe, was hier eigentlich wirklich das Neue und das absolut Literarische ist?

Es ist natürlich wieder sehr routiniert geschrieben und handelt in drei Teilen von der Moderatorin Gillian, die an einem Silvesterabend nach einem Streit mit ihrem Mann Matthias, der bei ihr Nacktfots gefunden hat, einen Unfall hatte.

Der Mann kommt dabei ums Leben, Gillian wacht mit einem entstellten oder zerstörten Gesicht in einer Klinik auf und geht ihr Leben durch.

Sie hat bei einer ihrer Sendungen einenKünstler kennengelernt, der Nacktfots von Frauenm ich glaubem fotografierte oder malte. Sie nahm mit ihm eine Beziehung auf, die Fots sind entstanden und jetzt reflektiert sie im ersten Teil darüber, während sie den Unfall verarbeitet, auf Krücken nach Hause geht, sich vor ihrem Vater, der Mutter und auch der Gesellschaft versteckt, etcetera.

Der zweite Teil ist  dem Künstler Hubert gewidmet. Er reflektiert seine Beziehung zu Gillian, hat auch Schwierigkeiten mit seiner Frau, die ihn wegen eines anderen verläßt, gerät in eine Schaffenskrise und bekommt ein Angebot in einem Kurort eine Ausstellung zu machen. Ohne Konzept fährt er dorthin und erfährt, das ist jetzt schon Jahre nach dem Unfall, im dritten Teil, das Gillian, die sich jetzt Jill nennt und durch mehrere Operationen ihr Gesicht wieder hergestellt bekommen hat, im anschließenden Eventhotel Managerin ist. Sie engagiert ihn, als es mit der Ausstellung nichts wird, für Zeichenkurse für die Gäste und fängt mit ihm eine Beziehung an.

Am Schluß verläßt er sie und sie beschließt  wieder den Kampf mit dem Leben aufzunehmen, sich nicht mehr länger zu verstecken, sondern ihren Job zu kündigen und wieder in die Welt oder sonstwohin zurückzukehren.

“Mit leisen Worten und eindringlichen Bildern erzählt Peter Stamms neuer Roman von einer Frau, der das ganze Leben genommen wird, die aber doch am Leben bleiben muss – eine Teragödie die zu einerm Neuanfang wird”, steht am Buchrücken und ein Stück darüber ist noch “Dieser Roman geht unter die Haut und lässt dich an deinen eigenen Grundsätzen zweifeln. Was kan ein buch mehr tun?”, geschrieben, was ich eigentlich nicht finde.

Eignermönchundjungfrau

Diesen  2004 bei dtv erschienenen Erzählband des 1961 in Frankreich geborenen Alex Capus, der in der Schweiz und in Italien lebt, habe ich, natürlich wegen seines Titels, der ja sehr eindeutig auf die Schweiz anspielt, auf unseren Locarno-Urlaub mitgenommen und wurde dann ein bißchen enttäuscht, denn die Schweiz spielt in den Geschichten eher eine untergeordnete Rolle, geht es doch, das ist zumindestens dem Beschreibungstext zu entnehmen, um den skurillen Alltag der Generation Dreißig.

Das stimmt, glaube ich, auch nicht so ganz, denn vieles bezieht sich, glaube ich, auf Alex Capus und ist wahrscheinlich seinem Lebenslauf zu entnehmen. Es kann also sein, daß er zum Zeitpunkt des Entstehens der meisten Geschichten,  es sind neunzehn, um die Dreißig war und sie haben oft auch einen Helden, namens Max dessen Freunde dann auch in anderen Geschichten wiederzufinden ist.

Beginnen tut es mit “Etwas sehr sehr Schönes” und diese Geschichte habe ich, wenn ich mich nicht irre, Alex Capus einmal bei “Rund um die Burg” lesen gehört, sie ist aber auch in einem Extrabändchen enthalten, das sich in meinen Regalen befindet.

Ich habe relativ viel von Alex Capus angesammelt, aber, glaube ich, noch nicht so viel gelesen und die Geschichte handelt davon, daß sich seine Mutter oder die des Ich-Erzählers, als wohlbehütete Lehrerin auf den Weg nach England aufmacht, um dort einen Sprachkurs zu besuchen, dort aber nie hinkommt, weil sie während des Zwischenstops in Paris seinen Vater kennenlernt.

Dann gibt es ein paar Schulgeschichten und auch ein paar skurille und da wäre vor allem, die dem buch denTitel gebende zu erwähnen, denn da will einer nach Bern reisen, kommt aber dort nie hin, weil er sich vorher von seinen Winden geplagt, praktisch in Luft auflöst.

Das ist wahrscheinlich der Stil Capus, daß er, wie ja auch dem Klappentext zu entnehmen ist, den Alltag immer wieder Skurilität verleiht, so gibt es eine Kellnerin, bei der der Max immer sein Frühstückshörnchen einnimmt, aber einmal ist sie nicht da, weil sie am Abend arbeiten mußte.

Da wurde sie von den Gästen mit Bier bespritzt, flüchtet davor in einen Keller mit einigen Weinflaschen, wirft die Tür irrümlich zu und, als der Llokalbesitzer ein paar Tage später seine Putzmaschine holen will, findet er sie betrunken vor.

Und so weiter und so fort, könnte man so sagen, wenn man sich durch das Buch durchliest, mehr oder weniger skurille Geschichten, die mit einem losen Band zusammengehalten werden und daher im Stil eigentlich recht ähnlich dem Episodenroman von Alain Claude Sulzer ist, den ich vorher gelesen habe.

Der Unterschied ist, daß das Buch nicht auf der Schweizer Buchpreisliste gestanden ist und jetzt sollte ich wahrscheinlich auch meine anderen Capus Bücher lesen. Aber wann komme ich dazu?

Aus den Fugen

Jetzt kommt noch ein Buch, das 2012 auf der “Schweizer Buchpreisliste” stand und das auch im Literaturhaus vorgestellt wurde, so daß ich den 1953 geborenen, in Basel und im Elsaß lebenden Alain Claude Sulzer, der glaube ich, auch einmal “Bachmann-Juror” war, daraus lesen hörte.

Das Buch, es ist ein “unverkäufliches, unkorrigiertes Arbeitsexemplar mit einer Sperrfrist vom 16. 8. 2012”, habe ich im Schrank gefunden und  natürlich in die Schweiz mitgenommen und es dort teilweise im Zelt gelesen, als der Regen heftig auf den Campingplatz herunterprasselte und dort schon die Enten auf dem Weg zum See schwammen.

“Sulzer rührt an den Kern des Tragischen … wie Leid wieder zu Schuld wird. Hervorragend ein großer Erzähler”, hat Oliver Jungen auf den Buchrücken geschrieben und der Clou des Buches, die Stelle, die der Autor auch in Wien gelesen hat, ist die, wie der Starpianist  Mark Olsberg mitten im Konzert in der Berliner Philharmonie den Klavierdeckel zuschlägt und mit den Worten, “Das wars, dann!”, die Bühne verläßt, ist nur ein Teil des Buches, das sich aus verschiedenen Episoden im Leben der anwesenden Konzertbesucher zusammensetzt, was manchmal fast ein bißchen kolportagenhaft und so wie ein Gesellschafts- oder Groschenroman wirkt.

Mark Olsberg ist natürlich homosexuell, sein Manager und früherer Liebhaber, ist auch auf dem Weg zum Konzert, wird aber dabei aber von seinem derzeitigen Freund Nico, der viel jünger und Plattenverkäufer ist, aber gesellschaftlich aufsteigen möchte, verlassen. Der geht dann ins Kino und trifft am Schluß den Pianisten in einer Kneipe, wo er ein Bier trinken will und eine neue Freundschaft zwischen zwei Männern beginnt.

Aber auch die Arztgattin Ester geht mit ihrer Freundin Solveig ins Konzert, der Arzt bleibt inzwischen zu Hause vor dem Fernseher, ist aber nicht mehr dort anzutreffen, als Esther wegen des Abbruchs verfrüht nach Hause kommt. Sie findet nur sein Handy vor, aus dem sie erfährt, daß er bei seiner Geliebten, einer MTA, die in seiner Praxis arbeit, ist.

Der Pianist hat eine Sekretärin namens Astrid, die leidet an Migräne, liegt daher während des Konzerts mit geschlossenen Augen in einem Nebenraum und bekommt von Olsbergs plötzlichen Abgang nichts mit.

Es gibt einen Kellner eines Cateringsservice, der für die abschließende Party engagiert wurde und als die nicht stattfindet, beschließt die Gastgeber, ein reiches Industriellenpaar, die sie veranstalteten, auszurauben. Dann gibt es noch eine Besucherin, die ihre Schwester haßt und mit deren Tochter, das Konzert besucht und so weiter und so fort.

Wirklich brillant geschrieben und auch spannend zu lesen, könnte man so unken. Aber ist das wirklich etwas Neues und ist das auch so interessant, aus dem Leben einer Societygesellschaft zu erfahren, die das Konzert eines Starpianisten besucht und dabei seine Schwächen, seine Sorgen,seine Geheimnisse und Intrigen hat.

Ist es nicht natürlich, aber, wie schon beschrieben, spannend und leicht zu lesen und auf der Piazza Grande in Locarno, wo ja auch die Schickeria in die abgesperrten Arelae hineingelassen wurde, während sich die bezahlenden Besucher ihre Plätze am Rand oder weiter hinten suchen mußten, wird es wohl auch nicht viel anders gewesen sein.

Da wird es auch Stars und Sternchen, reiche Manager und Arztgattinnen, die vielleicht von ihren Männern betrogen werden, gegeben haben und ich habe noch ein zweites Buch von Alain Claude Sulzer in meinen Regalen gefunden und es in die Schweiz mitgenommen, bin da aber nicht mehr zum Lesen gekommen, so daß ich es wieder ungelesen nach harland brachte, um es vielleicht für einen weiteren Schweizurlaub aufzuheben.

Jacob beschließt zu lieben

Den Bestseller, wie am Cover steht, des 1967 in Timisoara geborenen Catalin Dorian Florescu, der heute als Psychiater und freier Schriftsteller in Zürich lebt, habe ich, glaube ich, im Bücherschrank bei der Josefstädterstraße gefunden, als ich von GAV-Veranstaltung zu der mich Judith Gruber-Rizy eingeladen hatte, zu Sommeranfang, noch ein wenig hupelnd, nach Hause ging.

Als ich mich auf meine Schweiz-Urlaube und den “Schweizer-Buchpreis” vorbereitete, habe ich herausgekommen, daß er 2011, den  sogar gewonnen hat, so daß es keine Frage war, daß ich das Buch nach Locarno mitnahm, obwohl es mit der Schweiz eigentlich gar nichts zu tun hat, ganz im Gegenteil handelt Florescu darin, auf eine sehr gekonnte Art und Weise, ja die Geschichte der Deutschen in Temeswar ab und noch ein Detail am Rande, dem Buch war ein Kassenbon beigelegt, dem ich entnehmen konnte, daß es am 26. 10. 2012 in der Schalterhalle Ost, beim Eingang Kirchenallee, in Hamburg gekauft wurde, was ja auch sehr interessant ist, den Verlauf der Bücher und welche Reisen sie im Verlauf ihres Lebens machen, nachzuverfolgen.

Genauso interessant, wiem die, der Menschen, denke ich und genau davon handelt ja der Roman, der  im Juli 1924 beginnt, als der sehr ambivalent geschilderte Vater des erzählenden Protagonisten, Jacob mit “c” und nicht mit “k”, wie der Vater das schwäbische Dorf  Triebswetter im rumänischen Banat betritt.

Der tut das nicht gewaltfrei, bedroht er doch einen Apotheker dabei, um sich seine Braut, die “Amerikanerin” genannte Elsa zu holen und sich in dem Dorf breitzumachen.

Dazwischen kommen immer wieder Kapitel in denen Jacob, die Geschichte seiner Vorfahren bis  zum dreißigjährigen Krieg erzählen. Aber er wurde 1924 oder wahrscheinlich etwas später geboren und auch darüber ranken sich die Geschichten durchaus ambivalent und es ist nicht so genau herauszufinden, wie das damals wirklich geschah, auf einem Mistwagen, sagen die einen, die anderen erzählen es anders.

Der Vater, der inzwischen Elsas Vaters von seinem Hof verdrängt hat, hält nicht sehr viel von seinem schwächlichen oft kranken Sohn, so daß es den sehr oft zu der Zigeunerin zieht, die ihm bei seiner Geburt Hilfe leistete. Die hat auch einen Sohn und ihren Mann verjagt. Sie ist sehr dick und unförmig, erzählt dem Kind aber sehr schöne Geschichten und in den weiteren Kapiteln ist der Sohn ein schwächlicher junger Mann und muß sich auf dem Friedhof verstecken, weil in dem Dorf ja zuerst die Deutschen und dann die Russen einziehen, um die jungen Männer wegzuholen.

Sarelo, der Sohn der Zigeunerin, den der Vater inzwischen als seinen adoptiert hat, weil er stärker ist und wahrscheinlich auch von seinen Samen herstammt, will dessen Abtransport verhindern und so muß Jacob statt ihm nach sibirien ziehen, die Mutter und der Großvater schweigen dazu. Jakob kann aber aus dem Viehwqggon flüchten und verbringt einige Zeit achtzig Kilometer von Temeswar entfernt, bei einem Popen, der ihn aufpäppelt und ihm dafür zu seinem Gehilfen macht, sammelt er doch Leichenteile zusammen, um die Toten würdevoll am Friedhof zu bestatten.

Man sieht Catalin Dorian Florescu ist in seinem Stil sowohl makaer, als auch surrealistisch.

Später wird Jakob noch der Gehilfe eines Bettlers ohne Beine, bis er in sein Heimatdorf zurückkehrt und erfährt, daß sich Sarelo nun am Hof, der ja eigentlich ihm gehört, breit gemacht hat und den Vater und die Mutter ins Gesindehaus verbannte.

So beschließt Jakob sich den Deutschen im Dorf anzuschließen, die nach Lothringen, ihren ursprünglichen Herkunfsort zurückkehren wollen, der Vater verhindert es aber und ganz am Schluß kommen, glaube ich, wieder die Russen und transportieren Vater und Sohn in ein Niemandsland ab, wo sie ihnen eine Parzelle auf einer Wiese mit einem Stück Holz und einem Stück Glas geben und ihnen erklären, daß das nun ihre neue Heimat ist.

“Ein großer Roman über Liebe und Freundschaft, Flucht und Verrat – und darüber, wie die Fähigkeit eines Menschens zu lieben und ihn über alles hinwegretten kann”, steht am Buchrücken.

Das habe ich, der das Buch sehr gut gefallen hat, gar nicht so empfunden, denn ein Liebender ist der Jacob eigentlich nicht, eher ein Getriebener, der vom Schicksal, wie wahrscheinlich, die Deutschen im rumänischen Banat und auch alle anderen, die Syrier vielleicht, die sich in Deutschland niederließen und nun von den Rechten und den Patrioten, als “die üblichen Verdächtigen” bezeichnet und beschimpft werden, durcheinander gebeutelt wird und versucht mit mehr oder weniger Glück seinen Weg zu gehen und Catalin Dorian Floresco der ja auch seine Heimat verlassen hat, auf eine sehr schelmische Art beschrieben hat und dabei auch seinen Helden, so wie die Menschen halt sind, durchaus ambivalent und widersprüchig beschrieben hat.