Writers & Lovers

Die 1963 geborene und in Massachusetts aufgewachsene Lily King ist durh den bei C. H. Beck erschienenen Bestseller “Euphoria” im deutschen Sprachraum bekanntgeworden.. Jetzt ist der Roman “Writers & Lovers” übersetzt von Sabine Roth erschienen, in dem es um Casey geht, die sich nach dem Tod ihrer Mutter verschuldet hat, in einem Schuppen lebt und mit dem Hund des Vermieters jeden Morgen Gassi geht. Dann jobbt sie mit einer Stunde Pause in einem Restaurant und dazwischen schreibt sie sechs Jahre lang erfolglos an ihrem Roman. Am Ende des Buches hat sie eine Agentin und einen Verleger gefunden, sich zwischen zwei Liebhabern entschieden und ist außerdem noch Englischlehrerin in einem College.

In einer Art Vorwort schreibt Lily King, daß sie in dem Buch sehr viel persönlich Erlebtes verarbeitet hat und ich muß sagen, ich bin über das Buch sehr erstaunt. Erscheint es doch einer, die sich nun fast fünfzig Jahre mit dem Schreiben beschäftigt, einige Bücher darüber geschrieben hat und da ein paar Mal von Verlegern oder Agenten gesagt bekam, daß sie nicht wüßten, was man damit anfangen soll und, daß man über das Schreiben nicht scheiben darf, seltsam banal und bekannt.

Auf der anderen Seite ist es ein Triumph, daß ein Buch über das Schreiben ein Besteller werden kann. Aber natürlich ist es auch sicher ein Thema, das viele, die selber schreiben, interessiert und warum soll man nicht darüber schreiben. Der Unterschied zu Amerika, wo man einen Master im creativen Schreiben machen kann, Casey in ihrem Restaurant ständig Schriftsteller bewirtet und Agenten etwas Selbsverständliches ist, ist auch sehr interessant.

Dann hat Lily King einen sehr unverwechselbaren Ton, obwohl mich nicht alle Szenen gleich ansprangen. An einigen habe ich hinweg gelesen, manches war sehr eindrucksvoll und schildert eindrucksvoll sarkastisch, die amerikanischen Umstände des way of live.

So hat Casey sich durch ihr Studium sehr verschuldet, sie ist auch nicht krankenversichert, erfährt dann, daß sie sich versichern lassen kann. Sie tut es und klappert sämtliche Ärzte ab, die alle sagen, daß sie “spitz” sei und dann bei ihr verschiedene Eingriffe machen wollen.

In dem Restaurant in dem sie sich sehr wohl fühlt, dann trotzdem gefeuert wird, lernt sie einen berühmten Schriftsteller kennen, bei dessen Lesung sie schon einmal war. Er hat zwei kleine Söhne und Geburtstag, die Söhne wollen ihn zum Essen einladen und geben ihr das Geld dazu. Das ist eine sehr beeindruckende Szene. Es gibt noch andere Liebhaber und beeindruckend ist auch die Stelle, wo sie sich auf Anraten ihrer Freundin Muriel in dem College als Lehrerin vorstellen geht und dort der Dozentin einen Vortrag über Thomas Bernhards “Holzfällen” hält. Das findet die Österreichierin besonders interessant, Erstens, daß eine Amerikanerin, das buch kennt und Zweitens, daß sie bei der Bewerbung als Englischlehrerin einen Vortrag darüber hält, was wohl ironisch zu verstehen ist.

Literatur oder literarische Anspielungen kommen überhaupt einige vor. Der “Fänger im Roggen” wird erwähnt und John Updike und alle, die erfahren, daß sie Schriftstellerin ist, fragen sie, wann kommt endlich der große amerikanische Roman?

Ineressant, weil ja fast aus einem Schreibratgeber, ist die Stelle, wo die Freundin Muriel, die, glaube ich, auch Lektorin ist, ihr Buch lesen will und ihr dann, den Ratschlag gibt oder sie ermahnt, nicht soviel Adjektive zu verwenden oder, daß alles packend sein muß und man zeigen und nicht erzählen soll.

Interessant, daß Lily King sich das traute, so einfach und banal vor sich zu schreiben, bei den “Amazon-Kritikern” wurde das dann bemängelt, aber trotzdem eine vier Stern-Bewertung gegeben und ich denke auch, Lily King hat einen eigenen Ton und ansonsten, meine Leser wissen es ja, finde ich Bücher über das Schreiben immer interessant und habe also wieder einmal was gelernt.

Wieso das deutsche Buch einen englischen Titel hat, würde ich bemängeln. Wäre doch “Schreiber und Liebhaber” auch sehr prägnant.

Im Stein

Weiter geht es mit Buchpreisbacklistlesen und zwar mit einem Shortlist Buch des Jahres 2013 und das warein sehr interessantes Jahr, denn da habe ich mich ja schon sehr für den dBp interessiert, habe begeistert von den wenigen Büchern, die ich gelesen habe, meine Prognosen abgegeben und kann mich erinnern, daß ich am Morgen der Longlistverkündung mit dem Rad in Traisen war, dann zurückkam, um mir die Ll durchzusehen und da hat ja Buzzaldrin mit dem Buchpreisbloggen beziehungsweise der Aktion “Vier lesen fünf oder fünf lesen vier” begonnen.

Da hat es mich das erste Mal gejuckt mitzumachen, mich das dann nicht getraut, mir aber Nella Veremejs “Berlin liegt im Osten” bestellt, sowie das Leseprobenbüchlein und über das dann gebloggt, daß, das nicht geht, beziehungsweise ich weder einen Eindruck noch Prognosen aus ein paar Seiten Text erstellen kann, habe ich bald erkannt und inzwischen auch schon vier Bücher von der Longlist gelesen, drei weitere habe ich inzwischen irgendwo gefunden oder aus der Abverkaufskiste gezogen, eines ist davon das Shortlist-Buch des 1977 in Halle an der Saale geborenen und in Leipzig lebenden Clemens Meyer, der bestimmt ein literarischer Außenseiter ist, Absolvent des Literaturinstituts, glaube ich, auch und Träger des “Leipziger Buchpreises”, “Die Nacht, die Lichter” habe ich gelesen, beim Bloggen aber, glaube ich, “der Lichter” geschrieben, was den Autor zu einem heftigen Kommentar veranlaßte und irgendwo habe ich dann auch gehört oder gelesen, daß er damals im “Römer” bei der Buchpreisverleihung, wo Terezia Mora gewonnen hat, laut mit den Türen knallend das Gebäude verließ.

Das Buch habe ich mir bei einem “Morawa-Abverkauf” um drei Euro gekauft und wollte es eigentlich schon vor drei Jahren lesen, aber dann hat mir Meredith Winter ihre zwei Bücher zugesandt und es ist sich nicht mehr ausgegangen, weil ja schon bald die neue Buchpreisliste kam.

Jetzt hätte ich eigentlich zuerst den “Pianisten” aus lauter Angst, daß ich dann nicht mehr dazu komme gelesen, aber der war in Wien und ich brauche für Harland Lesestoff und schleppe mich sehr langsam durch das fast sechshundert dicke Seite Buch, von dem die “Amazon-Rezensenten” schreiben, daß es schwer zu lesen ist, dabei habe ich ja damals mit den vier oder fünf um “Buzzaldrin” darüber diskutiert, wie schwer und unverständlich, ein anderes Shortlistbuch, nämlich der Reinhard Jirgl ist. Von der Unlesbarkeit des Clemens Meyers wurde damals nicht viel diskutiert, zumindestens kann ich mich nicht daran erinnern, zumindest scheint das Thema, das Rotlichtmilieu im Osten von der Wende bis zur Gegenwart, interessant und es ist wieder, was, glaube ich, auch nicht thematisiert wurde, kein Roman, obwohl das draufsteht, sondern ein Kalaidoskop oder Szenenbild der Nacht des dunklen oder auch hellen Gewerbes der Prostiution und das zieht sich, vielleicht ähnlich, wie “Manhatten Transfer” durch das Buch.

Es sind einzelne Geschichten, die schöne Titel tragen, kürzer oder länger sind und manchmal auch in mehreren Teilen, erzählt werren, beinahe namenlose Gestalten, aber auch Figuren, die immer wieder auftauchen und mehr oder weniger poetisch, die gar nicht so poetischen brualten Nachtgeschichten erzählen und dabei einen mehr oder weniger deutlichen Handlungsrahmen haben, der das Ganze dann vielleicht doch wieder zu einem unchronologischen Roman zusammenfügt.

Da gibt es, die Mädchen, die Frauen, die an den zur Tagesmiete geheuerten Zimmern am Fenster stehen, der alte Jockey, der seine Tochter sucht, den, derdavon lebt, daß er die Zimmer zu den Tagesmieten, an die Frauen vermietet, die von dem alten Polizisten, der Betablocker nimmt und morgens um acht zu einer fetten Hure geht, die ihm fröhlich mit einem Glas Sekt und “Guten Morgen, du Lieber!”, begrüßt. Dann geht er ins Moor und denkt an seine Leichen, die er jemals dort gefunden hat.

Es gibt den Ecki Edelkirsch, der im Äther oder Internet über die Vorzüge der meist aus Ungarn stammenden “Grabennympfen” in den “Wohnungen der Nacht” reimt und in “Den City”, in dem es auch einen Naschmarkt gibgt, wohl ein Synomym für das Rotlichtmilieu agiert.

“Schön bid du meine Freundin ja, du bist schön!” und dann den Mister Orpheus, den Herrn des Ganzen darüber interviewet, ob er Zwangsprostiution, beziehungsweise Sklavenhandel mit siebenzehn bis achtzehn Stunden Arbeitszeit betreibt.

In “Am Grenzfluß” fährt ein “Graf” genannter Macher der Nacht gegen Osten, um sich dort mit einem Oberst zu treffen und einiges zu erleben und der taucht in den anderen Geschichten auch immer wieder auf, da gibt es den Hans, den Nachtclubbesitzer, der in den Achtzigerjahren, in die Großstadt kommt, versucht es seinen Damen recht zu machen, dann plötzlich, weil in Diamantengeschäfte verwickelt, wo wir schon eine Anspielung auf den Romantitel haben, eine andere sind wohl die steinernen Katakomben, auf denen Eden City oder die Stadt der Engeln des Rotlichtmilieus erbaut wurde, einem Erpresser gegenüber steht und eine Leiche zu versorgen hat. Später fährt er dann im schwarzen Anzug zum Begräbnis seines Vaters und trifft eine Jugendfreundin wieder.

Im “Kongreß der Huren” berichtet eine solche von den Schwierigkeiten mit dem neuen Prostiutinsgesetz und eine ältere Führerscheinlose, die aus dem Osten kommt resumiert über ihr bisherigen Leben, während sie zur Arbeit fährt oder auf das Klingeln wartet.

Dann wird sehr eindrucksvoll offensichtlich von Kindesprostitution erzählt, in dem Walt Disney Figuren auftanzen, von einem Herr Duck und einem Bertel die Rede ist und am Schluß ganz lapidar geschrieben steht, “daß die Wohnung in der Mecklenburgerstraße im März 1993 geräumt wurde und daß der Betreieber zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.”

Der Osten, der Untergang der DDR und die Veränderung zur Marktwirtschaft mit ihren nächtlichen oder Nachtclubthemen wird thematisiert, etcetera.

Und Arnold Kraushaar, der mit den Wohnungsvermietungen und Freund vom Hans und anderen Protagonisten, auch AK genannt, was mich immer an die Arbeiterkammer erinnert, fährt in “Tokio im Jahre Null” fast surreal nach Japan, trifft dort die alte weißhaarige Frau Sansuri, die gut Deutsch spricht, Heine zitiert und trotzdem eine Geschäftskollegin ist, geht ins Kabuki-Theater etcetera.

In “Import/Export 90” denkt der alte Randy an seine Zuhälterkarriere zurück, wie das war wie er mit der Claudi und der Rosie mit dem Pommeswagen des Kuchenklaus in das Land der gefallenen Mauer gefahren ist und dort seine Dienste angeboten hat.

Nicht leicht zu lesen, wirklich nicht, dieser nicht chronologische, Geschichtenroman,in dem man erst spät in Verwicklungen der handelnden Prtagonisten AK, Hans Pieszeck hineinkommt aber eine schöne Sprache, ein schöner aber auch harter Sound, der wohl, als die Meyerische Spezialität gerechnet wird, die sich durch das Buch zieht, das eine Welt beschreibt, die den meisten Lesern von “Buchpreisromanen” wohl eher unbekannt ist, aber dennoch äußerst faszinierend ist und wofür Clemens Meyer, wenn schon nicht den dBp, dann doch den “Bremer Buchpreis bekommen hat und 2020 auch den “Klopstock-Preis”.

Mit hat das Buch trotz seiner teilweisen Unverständlichkeit weswegen ich auch sehr lange zum Lesen brauchte, gut gefallen.

Ob es den DBp verdient hätte, kann ich nicht sagen, habe ich von der LL- 2013 bis jetzt ja nur fünf Bücher gelesen, der “Frühling der Barbaren” von Jonas Lüscher, käme jetzt als nächstes dran, da jetzt aber die Neuerscheinungen kommen und mir Doris Kloimstein kürzlich den “Corona Fehlalarm?” von dem Ccorona kritischen Arzt Sucharit Bhakadi brachte, der mich themenbedingt natürlich sehr interessiert, weiß ich aber nicht, wann ich dazu komme.

Adams Erbe

Weiter geht es mit der “Buchpreis-Backleseliste” und jetzt geht es zu der Longlist von 2011 und zu Astrid Rosenfelds “Adam Erbe”.

Da habe ich mich ja schon ein bißchen für den Buchpreis interessiert, das Leseprobenbüchlein angefragt und mir auch den Eugen Ruge zum Geburtstag wahrscheinlich schenken lassen.

Das Debut der 1977 in Köln geborenen Astrid Rosenfeld ist aber ziemlich an mir vorbeigegangen und ich habe ihren Namen wahrscheinlich erst eingeprägt, als ich schon 2015 Buchpreis gebloggt habe und dann an einem heißen Samstag in Harland Buzzaldrins Gewinnspiel machte und dann im Oktober das umfangreiche Buchpaket von ihr bekam, wo auch Astrid Rosenfelds 2015 ebenfalls bei “Digoenes” erschienener Roman Zwölf Mal Juli” enthalten war. Das Buch habe ich, wie das mit der Buchhandlung und dem “Begrabenen Riesen” noch nicht gelesen, die anderen sechs aber schon, denn die Alina Bronsky hatte ich, weil ja auf der Longlist schon gelesen.

Und “Adams Erbe” lag wohl auf dem “Thalia-Bücherabverkaufstapel” in der Kremsergasse, da schnappe ich ja gelegentlich zu und stelle die Bücher ins Regal, wo sie dann verkommen.

Aber im Vorjahr habe ich beschlossen, die Bücherliste aufzulesen und so ist das Buch auf meiner Buchpreisbacklist gelandet und ich muß sagen, es zählt wieder zu den Highlights, da habe ich ja heuer offenbar ein glückliches Jahr.

Habe ich ja den Salinger gelesen, den “Cox”, den Wolf Haas, “Blasmusikpopp” und noch vieles mehr.

jetzt muß ich noch an den “Pianisten” kommen, dann war es schon jetzt ein Superlesejahr und das Buch würde unmittelbar an “Adams Erbe” andocken, das wieder von einer Holocaust-Nachfolgenden, die schreckliche Geschichte erstaunlich witzig und ungewöhnlich erzählt, obwohl den ersten Teil hätte ich warhscheinlich als Lektorin weggestrichen.

Die erscheint dem unvorgenommenen Leser vielleicht zu bizzar, so daß er das Buchwomöglich weglegt, bevor er an den wirklich packenden zweiten Teil kommt, aber da die wahrscheinlich schon öfter geschrieben wurden, hat Astrid Rosenfeld es wohl auch kompliziert machen wollen und mit Adams Erben angefangen.

Der heißt Edward Cohen und lebt in Berlin mit seiner Mutter und den Großeltern in einer Dachwohnung. 2000 ist er etwa zwanzig und so wie er aufwächst, wuchsen wohl viele alternativ erzogene Kinder auf.

Astrid Rosenfeld beschreibt es sehr bizarr. Die Großmutter heißt Lara und ist sehr streng und die Mutter ist nachdem sie von einem Sören oder Gören geschwängert wurde, wieder zu ihren Eltern gezogen und der Großvater Moses fängt zu weinen an, als er Edward erblickt und beginnt ihm von einem Adam, seinem Bruder zu erzählen, der schuld am Tod seiner Mutter und Großmutter ist, auch etwas gestohlen habe, etcetera.

Die energische Großmutter verbannt ihn daraufhin aufs Dach und sucht für die Tochter Ehemänner aus, damit sie sie und den kleinen Edward endlich los wird.

Das sind bizaare Gestalten, wie ein dauerredender Gynäkologe, der die Mutter immer beharrlich “Fräulein Cohen!”, nennt und dann mit den Beiden am Sonntag in den Zoo geht, dort lernt Edward einen Elvis- Verschnitt kennen, der die Elefanten besingt, aber auch ungewöhnlich brutal sein kann.

In den verliebt sich die Mutter und zieht dann mit dem Söhnchen eine Weile durch Deutschland. Er geht in keine Schule und wird später Püppchenerzeuger und damit sehr erfolgreich, bis er wieder nach Berlin zurückkommt, wo jetzt auch die Großmutter gestorben ist und er an sein Erbe, nämlich an ein Buch von diesen Adam kommt, das er für eine Anna geschrieben hat und der erste Teil ist an ein Amy, an eine Liebe Edwards geschrieben.

Der zweite Teil ist, wie schon erwähnt, sehr packend, obwohl und das ist wohl auch eine Schwäche des Buches, vieles dem ähnelt, was wir schon gelesen haben.

Adam wächst nämlich mit seinem Bruder Moses, in genau dieser Berliner Dachwohnung auf. Er wurde 1919 geboren, da ist sein Vater Maximilian verwundet aus dem Krieg zurückgekommen und liegt schreiend in seinem Zimmer. Die Mutter heißt Greti und in dem Dachzimmer wohnt die Gromutter Edna, die eine ähnlich strenge Person, wie Edwars Großmußtter Lara ist. Adam gilt als etwas zurückgeblieben und wird, weil in der Schule sehr unruhig, von einem Privatlehrer unterrichtet. Edna läßt ihn auch Geige spielen lernen, das soll er bei einem Herrn Bussler machen, der ein Freund seines Vaters war und im Krieg neun Finger verloren hat. Deshalb kann er nicht mehr selber Geige spielen. Adam hat aber genausowenig Talent, wie sein Großneffe Edward, der sechzig Jahre später zu einer bizarren Klavierspielerin geschickt wird.

Der ehemalige Maistro schließt sich dem genialen Adolf an und wird sogar Sturmbannführer, legt aber seine Hände schützend über die Familie Cohen, da er in die strenge Edna unsterblich verliebt ist und Adam verliebt sich in eine Anna, die wird nach Polen abgeschoben, Moses, der wegen dem Adolf nicht Medizin studieren durfte, verliebt sich in die strenge Lara und plant die Ausreise der Familie nach England, Bussler verschafft aber Adam falsche <papiere verwandelt ihn in einen Anton Richter und schickt ihn, der der Gehilfe eines Rosenzüchters war, nach Krakau, um dort die Rosen des Generalgouverneurs Hans Frank zu züchten. Er sucht dazwischen auch Anna, rät aber immer zur Geduld und wird dann in den Osten geschickt, wo ihm das, was er dort sieht, so entsetzt, daß er an Nervenschwäche stirbt, wie es die nervenstärkeren Nazis nennen.

Anton Adam beginnt nun selbst zu suchen, erfährt, daß Anna im Ghetto ist, und läßt sich dort hineinbringen, damit sie hinaus kann. Er soll dort eine alte Dame aus Wien bewachen, einen kleinen jungen namens Herakles gibt es auch und es endet damit, daß Adam in den Osten deportiert wird, aber vorher noch sein Buch geschrieben hat, das Edward Jahrzehnte später in der Berliner Wohnung findet. Er findet auch Anna Neunzigjährig in einem New Yorker Altersheim und wir haben einen sehr eindrucksvollen Bericht über das Warschauer Ghetto und die Verfolgung der Juden gelesen, das fast an mir vorbeigegangen wäre, aber jetzt freue ich mich auf das Nachfolgerbuch und natürlich auch auf den “Pianisten”, der ja auch vom Warschauer Ghetto handelt und den ich schon als Film gesehen habe.

Das Wetter vor fünfzehn Jahren

Jetzt kommt ein Buch von meiner Buchpreisbacklist, denn ich habe ja im Vorhahr beschloßen mit dem Backlistbuchpreislesen, das heißt mit den Büchern, die früher auf der dBp standen und die ich zwar in den Regalen, aber noch nicht gelesen habe, zu beginnen.

Das erste ist ein Fund aus der Seedosen-Bücherzelle, Wolf Haas “Das Wetter vor fünzehn Jahren”, 2006 erschienen und da auch auf der Longlist gestanden und wenn ich mich richtig erinnere, habe ich es einmal während eines Osterspazierganges der LitGes gefunden.

Von den 1960 in Maria Alm Geborenen, der mit seinen Brenner-Krimis berühmt geworden ist, habe ich einige Krimis gelesen und er ist, wie Thomas Glavinic wohl einer, der sich in den verschiedensten Stilen ausprobiert, beziehungswweise immer etwas Neues ausprobiert und das ist ihm, wie, ich glaube, mit “Das Wetter vor fünfzehn Jahren” exellent gelungen.

Die Handlung steht im Klappentext. Vittorio Kowalski, ein Bergwerksohn aus Essen, der mit seinen Eltern jedes Jahr auf Sommerfrische in ein österreichisches Dorf in eine Frühstückpension gefahren ist, hat sich dort als er Fünfzehn war, in die gleichalte Wirtstochter Anni verliebt.

Jetzt ist er dreißig, war seither nie mehr dort, hat sich aber von der Nachbarin der alten Frau Bachl, jeden Tag über das Wetter dort informieren lassen und ist irgendwann einmal mit diesem Wissen in “Wetten, daß” aufgetreten und zum Wettkönig geworden.

Jetzt reist er, nachdem er von Anni eine Karte bekommt wieder in das Dorf, kommt gerade zu ihrer Hochzeit zurecht und eine Katastrophe gibt es auch.

Das ist die Handlung des Romans und das Buch ist eigentlich ein Fake, denn diesen Roman gibt es nicht.

Nicht in der geschriebenen Form nur in der Form eines in fünf Tagen geführten Interviews ziwschen Wolf Haas und einer namenlosen Reporterin einer “Literaturbeilage”. Da wird dann auf über zweihundertzwanzig Seiten über den Roman gesprochen. Wolf Haas ist manchmal witzig, manchmal ironisch, macht sich über die offensichtlich Bundesdeutsche lustig, erklärt ihr die österreichischen Ausdrücke also was beispielsweise “Marillenmarmelade” heißt, erklärt ihr aber auch, das Bregenz in der Schweiz liegt und einige Schreibratgeber hat er wohl auch gelesen, jedenfalls könnte man das Buch als eine Schreibanleitung betrachten, denn Wolf Haas erklärt der Reporterin sehr genau, wie und warum er manches geschrieben hat.

Sie stellt ihm kritische Fragen, zitiert seine Sätze und so kommen wir in den Roman hinein, ohne ihn in dieser form gelesen zu haben und die dargebotenen Handlung ist eigentlich recht kitschig und konventionell, denn da klettern die beiden Fünzehnjährigen während eines Gewitters in eine Schmugglerhütte hinein, in der sich eigentlich Marias Vaters mit Vittorios Mutter treffen wollte, aber sie machen ihm, weil sie nackt im Heu liegen nicht auf, so verunfallt der Vater und als Vittorio nach der Wettshow wieder in das Dörfchen reist und gerade zu Annis Hochzeit mit dem Nachbarsohn zurechtkommt, geht er auch in die Hütte, stürzt dort ab und kann sich nur durch eine Sprengung retten. Dazwischen erfährt er noch durch gefundene Briefe vom Gspusi zwischen seiner Mutter und Annis Vater und das Ganze endet oder beginnt vielmehr mit dem Kuß den ihm die Anni in der Intensivastation gibt und so kann man auch einen Roman schreiben, beziehungsweise etwas Neues schaffen.

Ein interessantes Detail ist vielleicht auch, daß es laut Wolf Haas dieses Vittorio Kowalski und diese Wettshow wirklich gegeben hat und er ihm sogar in das Dörfchen nachreist und gerade zur Hochzeit zurechtkommt und die Reporterin will immer über diese Frau Bachl reden, es kommt aber nicht dazu, weil das Mikrophon vorher ausgeschaltet wird, beziehungsweise das Buch zu Ende ist. Also wirklich sehr raffiniert und gekonnt erzählt.

Und die Luftmatratze, die die Familie immer in den Urlaub mitnahm und die im Auto unter Vittorios Füße lag, ist am Cover abgebildet.

Beliebig oft wird sich dieser Schreibstil wohl nicht wiederholen lassen, aber ich bin froh, daß ich das Buch während eines Osterspaziergangs gefunden und jetzt zu Beginn meiner Sommerfrischenwochenenden gelesen zu haben, denn es ist ein richtiges Sommerbuch, das zu dieser Jahreszeit und den Ferien passt, auch wenn es schon vor vierzehn Jahren geschrieben wurde und Wolf Haas wohl noch weitere literarische Experimente machte, die teilweise in meinen Regalen auf das Lesen warten.

Jahrhundertsommer

Jetzt kommt passend zur Jahreszeit, ein Sommerbuch, obwohl es nicht wirklich eines ist, das zweite aus der “Wortreich-Edition” jedenfalls, das ich vor cirka einem Jahr im Schrank gefunden habe.

“Jahrhundertsummer” des 1974 in Luxemburg geborenen Raoul Biltgen, den ich einmal in einer Bar kennenlernte, als der “Molden-Verlag” dort ein paar Autoren lesen und dann die Zuschauer entscheiden ließ, welches Buch gedruckt werden soll.

Ich glaube sogar, Raoul Biltgen, der auch Schauspieler und Theaterautor und, glaube ich, sogar ein Freund, einer Kindergruppenfreundin der Anna, war, hat das Ranking gewonnen und bei diesem Buch bin ich ein wenig ratlos, denn es ist kein Krimi, wie ich Anfangs dachte, ein Liebesroman, wie der Klappentext vermuten läßt, allerdings auch nicht wirklich.

Ein Buch, das auch in Vorarlberg spielt, sowie in Wien und in zwei Strängen zeitlich verschieden und ineinander greifend von einem “er” und seiner großes Liebe erzählt.

Es beginnt auch ganz passend im Cafe Prückl, da sitzt der namenlose “er”, offenbar ein Student, trinkt Kakako und ißt toast, dann fährt er in den sechzehnten bezirk und kauft sich einen Revolver.

In chronologischen Sprüngen geht es dann ein Jahr zurück in den Jahrhundertsommer, wie Biltgen im Nachwort schreibt, von 2003, da arbeitet er bei den Bregenzer Festspielen.

Sie fährt die Bimmelbahn vom See zum Festspielhaus oder zum Bahnhof und er setzt sich mit einem Buch auf die Promenande und schaut sie an. Sie lächelt ihn an und eine Romanze beginnt. Sie verlaßen beide ihre Jobs und gehen auf Reise, die bis nach Frankreich führt. Dann fährt er nach Wien zurück. Die Uni beginnt, sie kommt ihm aber besuchen, sagt sie hätte ein Kind von ihm abgetrieben und verläßt ihn dann.

Das ist der eine Strang, der zweite ist, daß er sich nachdem sie ihn verlassen hat, mit dem Revolver erschießen will. Das mißlingt aber und er lernt schließlich eine andere Frau kennen und der Schluß ist ein wenig surreal und ich bin nicht sicher, ob ich das, was Clementine Skorpil die Krimiautorin auf den Buchrücken schreibt, für mich stimmig ist.

“Zwei heiße Sommer. Zwei Städte. Zwei Leben, je eines auf einer Seite einer hauchdünnen Linie zwischen Lebenslust und Todessehnsucht”, steht jedenfalls am Klappentext.

Vergoogelt!

Das nächste Buch, das ein Handy-Cover hat, dabei ist Julia K. Steins “Vergooglet” schon 2015 erschienen und ich bin in Internetkontakt mit der Autorin durch Annika Bühnemann gekommen, die auf ihr kostenloses Schreiseminar aufmerksam machte.

Seither schickt sie mir ihren Newsletter, wo sie auf ihre You Tube und Instragram Aktivitäten aufmerksam macht und sie schreibt auch manchmal beim “Nanowrimo” mit und macht dann dazu Videos.

“Vegoolget” ist ein typisches Chicklit nach Sophie Kinsella nachempfunden, könnte man so sage, zumindest agiert ihre Heldein ähnlich doof, wie das auch bei dieser Becky Bloomwood ist, wahrscheinlich noch ein bißchen doofer und möglicherweise gibt es auch das Vorurteil, daß Chicklit- Heldinnen doof agieren müßen, um sich dann an den Schultern ihrer starken Männer ausweinen zu können, bevor es zum Happy End kommt.

Es ist auch was Anne von “Goldschrifts-Blog”, die das Buch besprochen hat, kritisch anmerkte, der zweite Teil und sie rät zuerst den ersten Teil zu lesen, um sich auszukennen.

Aber den habe ich ja noch nicht gefunden, dafür aber ein paar Kinsellas und vom ersten “Shopoholic” war ich sehr begeistert.

Später nicht so sehr. Vielleicht ist das mit “Liebe kann man nicht googlen” auch so, ich weiß es nicht!

Da ist also Lena, dreiunddreißig und die dürfte im ersten Teil im Modemagazin “Grace” gearbeitet haben und sich dabei in den Inhaber, den feschen Björn verliebt zu haben.

Jetzt hat sie einen erfolgreichen Marketingblog, Björn, der im Gegenteil zu ihr aus guten Haus ist, als Freund und ist internetsüchtig. Das war sie wohl schon früher und das Buch beginnt auch gleich unmittelbar, als sich das Paar für das Wochenende in einem Wellnessschloß befindet, Lena immer googlen will und Björn ihr das verbietet. Sie machen dann Sport mit E- Bikes und Lena stellt ihr Bike einen Gang schneller als ausgemacht, was auch gleich Probleme gibt.

Dann überredet sie ihn bei der Geburtstagsparty seiner Oma teilzunehmen, um seine Familie kennenzulernen, obwohl sie das zuerst gar nicht wollte.

Lena ist also auch sehr wankelmütig und hat einen Exfreund namens Karsten. Den hat sie Geld geborgt, das er ihr zurückgeben soll, abern icht kann, weil sie Björn Geld für seine Wohltätigkeitsorganisation versprochen hat. Das bringt sie in Schwierigkeiten, deshalb verkauft sie all ihre Sachen und vermietet ihre Wohnung, sie wohnt in München, an zwei Mädels, die am Oktoberfest teilnehmen wollen, die veranstalten aber wilde Sexparties darin und ruinieren mehr als die Miete einbringt, die sie dann auch noch schuldig bleiben.

Ein angeblich schwuler Yogalehrer, der sich in Lena verlieb,t gibt es auch noch und eine Cordula, die offenbar früher in dem Magazin ihre Chefin war und sie hinauswarf. Jetzt hat Björn sie hinausgeworfen und Cordula überredet Lena zu einem Fernsehauftritt.

Die sagt zu, denn sie will, um das Geld zu bekommen einen Bloggerpreis gewinnen. Björn ist dagegen, weil er Angst, um den Ruf seiner Firma hat. Sie geht trotzdem, Cordula legt sie natürlich hinein und um das Kraut noch fetter zu machen, überredet David sie sich bei einer Party seiner Eltern wegen, als seine Freundin auszugeben. Er küßt sie dann für ein Foto, das wird Björn zugespielt, etcetera.

Das Happend gibt es natürlich auch. Das buch ist ja wahrscheinlich nach der Heldenreise konzipiert und das besteht darin, daß Lena den Bloggerpreis zwar nicht gewinnt, den gewinnt politisch korrekt, ein Rollstuhlfahrer. Lena ist ihm aber nicht böse, denn er überweist dafür das Geld mit dem er nach Mallorca fliegen wollte, an die Wohltätigkeitsorganisation und Lenas Vater, der von der Mutter getrennt ist, weil sie im ersten Teil offenbar bei seinen Experimenten nicht mitmachte, hat jetzt eine asiatische Freundin, eine junge Pianist namens Ling Ling, auch sehr originell und deren Mutter hilft Björn aus der Patsche und die beiden versöhnen sich natürlich auch, obwohl ich finde, daß sie eigentlich nicht zusammenpassen und Björn gegen die wankelmütige Lena viel zu farblos rüberkommt und ein skurilles Detail habe ich noch vergessen:

Lena will ja Geld auftreiben, dazu liest sie im Internet, daß auch Nichtmütter Muttermildch bekommen können und man die teuer verkaufen kann. So geht sie zu einer Freunin Babysitten. Als das Paar dann nach Hause kommt, liegt die kleine Marilu an ihren Busen und die Milchpumpe wurde auch in Betrieb gesetzt.

Geht es noch?, könnte man da noch fragen und halten die Chicklit-Autoren ihre Leserinnen wirklich so blöd, daß sie ihnen solche Detauls vorsetzen? jetzt weiß ich warum ich eigentlich nur wenig Chicklits lese und sie meistens stehenlasse, wenn ich sie im Schrank finde.

Ich bin kein dummes Buch

Hurrah, hurrah, ich habe ein Handy!”

“Was?”, werden meine Leser jetzt wahrscheinlich fragen.

“Du bist doch eine Handyverweigerin, willst du uns veräppeln?”

“Nein, natürlich nicht, denn es ist aus Papier, wie ich dem Alfred sagte, sieht aber sonst genauso aus und hat cirka hundert Seiten

Es ist aus der Reihe zum “Entsperren streicheln” des “Pretty Analog Verlags” und aha, also bin ich die falsche Zielgruppe ist doch das Büchlein für handysüchtige Studenten gedacht, aber da ich ja neugierig bin und über den Tellerrand hinaussehe und ich das Büchlein, wie am Rückcen steht auch “Ohne Vertragsverbindung benützen kann, der Display faltbar und kein Aufladen nötig ist!”, also etwas verwirrt und mit falschen Erwartungen hineingesehen und gleich eine Überraschung erlebt.

Gleich nein, nicht sofort, denn zuerst kommen die allgemeine Benützungsbedingen, ein kleiner Fragebogen und ein Gesicht zum Zeichnen, aha,aha, sowas habe ich schon gelesen und da ja auch schon Sommer ist.

Dann sollte ich eine Anna suchen, die handylos in einem Park spazierengeht, weil sie Geburtstag hat. Ich habe, glaube ich, aber nur den der ihr das geschenk bringt, gefunden und dann die Überraschung, aber zuerst noch das Gespräch mit dem Bot, dem Robeoter, der mit einem statt einem Menschen, die soziale Kommunikation vermittelt, der dann aber gleich in eine Schreibanleitung in einen Storytellingkurs hinüberwechselte und aha, also die Überraschung, die Ablenkung vom Phone erfolgt in einem Romanschreibkurs. Werden deshalb so viele Romane geschrieben oder wollen die Handysüchtigen das?

Das war die Überraschung, weil ich sowas ja gerade vorhaben, aber dann ist mir nichts anderes eingefallen, als eine achtundzwanzigjährige Anna mit Brille und Stupsnase zu meiner Protagonistin zu machen, die einen Roman schreiben will, aber nicht kann, weil der Antogonist, ihr Freund Simon, der Polizist, rothaarig und mit Sommersprossen, ihr Handy in einem Blumentopf versteckt und sie es erst suchen muß.

Dann geht es aber schon ganz anders weiter. Es gibt Spiele und auch Kochrezepte.

Pizza backen und Patschinken schupfen kann man in dem Büchlein lernen und eine alternative Anwendung einer Datingapps gibt es auch.

Dann kann man Tiere zeichnen oder ausmalen und eine Anleitung zu einer “Love- Speech-Bewegung” gibt es auch, Entgiftungstipps, Augenyoga und und und…..

Interessant, interessant, das kleine Papierbüchlein, um die handysüchtigen Studenten kreativ zu beschäftigen, ich weiß nicht, ob das klappt? Es hat mir aber Spaß gemacht, das Büchlein durchzublättern und nun hätte ich noch eine Frage, für deren Beantwortung man von mir ein Buch gewinnen kann. Wer hat mich auf die Idee mit dem Handy im Blumentopf gebracht?

Den Namen meiner Protagonistin habe ich dem Suchrätsel entnommen und außerdem heißt ja mein Töchterlein so, die schon längst ein Handy hat aber nicht bei Facebook und auch nicht sehr im Netz zu finden ist.

Ach ja und ehe ichs vergesse Ole Kretschmann hat das Buch geschrieben, das das von Ksenija Sundejeva gestaltet wurde, während Robin Bachmann, das ist ein fünfzehnjähriger Neffe, die Idee dazu hatte und der “Pretty Analog Verlag” bei dem das Büchlein erschienen ist, wurde 2019 ins Leben gerufen und steht für Kreativbücher zum Thema Digiatalisierung, wie ich noch weiter flüstern kann und das Bücher natürlich nicht dumm sind, das haben wir, glaube ich, jetzt gelernt, wenn wir es nicht schon vorher wußten.

Aber das Bild war noch da

Von dem 1952 in Vorarlberg geborenen Christian Mähr habe ich, glaube ich, zum ersten Mal etwa Ende der Neunzehnneunzigerjahre gelesen, als es noch den “Amadeus” am Getreidemarkt gegeben hat, denn da habe ich ein “Dumont-Leseprobenbüchlein” gefunden und da war ein Vorabdruck von “Simon fliegt” und ich interessiere mich ja für Literatur, das Lesen und die Bücher.

Später habe ich immer gelegentlich etwas von dem Vorarlberger, der in Innsbruck Chemie studierte, aber beim ORF gearbeitet hat, gelesen oder gehört, vielleicht war er auch einmal beim “”Bachmannlesen”.

In der “Alten Schmiede” hat er vor kurzem sein “Braunmüller-Buch” vorgestellt und in der “Edition Wortreich” hat er 2017 den Künstlerroman oder Kunstkrimi “Aber das Bild war noch da” und was die “Editon Wortreich” betrifft, bin ich mir nicht sicher, ob das der Verlag ist, der mich einmal angeschrieben, nach Frankfurt eingladen und mir Rezensionsexemplare versprochen hat.

In “Leipzig” habe ich dann einmal die Karoline Cvancara angesprochen und sie hat mir ein paar Bücher gegeben und bei einer “Edition Wortreich” Präsentation im Thalia auf der Mariahilferstraße war ich auch einmal, weil dort die Judith Gruber ihre Bücher herausgeibt und vor ungefähr einem Jahr lagen im Bücherschrank in der Zieglergasse ein paar “Wortreich- Bücher”, da habe ich drei “Wortreich-Bücher” gefunden.

Das Erste was ich gelesen habe ist der schon erwähnte Kunstkrimi und ich muß sagen, er ist interessant, denn ich erforsche ja immer sehr akribisch, wie es die anderen machen?

Die Handlung zu erfassen und gehörig zu spoilern ist hier gar nicht so einfach, obwohl Christian Mähr immer wieder Zusammenfassungen gibt, aber vielleicht selbst nicht weiß, ist das jetzt ein Krimi oder eine Kunstkritik, beziehungsweise alles zusammen oder nichts davon?

Er spielt jedenfalls auch sehr mit der Kritik und dem sich Lustig machen über die Literatur zum Beispiel, verwendet Kalauer, wie “Kunst kommt nicht vom Können, denn wenn mans kann…, und so weiter und so fort.

Das Buch spielt und das ist auch interessant in Vorarlberg, in Feldkirch, denn da habe ich ja als ich mit der Ruth und dem Alfred um den Bodensee gefahren bin nach Vorarlberger Literatur gesucht und in Feldkirch bzw. in der Nähe davon, haben auch meine “Mittleren II” stattgefunden”, so daß ich einen Nachmittag in dem Städdtchen herumgegangen bin und die dortigen Buchhandlungen besuchte.

Es beginnt damit, daß die Frau eines Malers diesem vorwirft, daß sie ein Bild, das das Haus darstellt, in dem sie einmal gewohnt hat, in der örtlichen Galerie zum Verkauf anbietet. In die geht dann der Krimischriftsteller Martin Fries, weil er auf den Straße, den Politiker Oswald Obwalter sieht und den will er ausweichen, sollte er sich doch dessen Roman ansehen und der ist seiner Meinung nach ein “Schmarrn”.

Obwalter geht aber auch in die Galerie, denn er will das Bild kaufen. Fries sagt ihm seine Meinung, der schlägt ihn zusammen und seine Karriere ist vorläufig futsch.

So weit so gut, das ist aber erst der Anfang. Ab dann überschlagen sich die Ereignisse und man weiß nie, ist das jetzt Realität oder Fiction? Wird da ein Romanplot geschmiedet oder sind wir mitten darin?

Um gestohlene oder gefläschte Rembrandts geht es auch und, um die Russenmaffia, die sich in das idyllische kleine Städtchen, indem aber auch James Joyce eine Inschrift am Bahnhoft hat, weil er dort, glaube ich, Englisch unterricht hat, begibt. Es gibt Tote, Brandanschläge, Entführungen, denn das Bild bringt Unglück und am Ende kommt es natürlich, wie es kommen muß oder, wie ich es bei mir ganz gerne hätte, der Roman von Fries regidiert oder umgeschrieben, wird ein Erfolg, der Maler stirbt oder wird in ein Schwimmbecken gestoßen, seine Frau erbt seinen Nachlaß und alle sind glücklich und zufrieden.

Der Leser hoffentlich auch, wie Christian Mähr, der ja oft die Seiten wechselt und die Genres sprengt, in seinen letzten Sätzen schreibt.

Unsere unverhoffte Reise

“Aufzeichnungen im weltweiten Ausnahmezustand 2020”

Corona-Texte interessieren mich ja, wie meine Leser wissen werden, sehr und ich rümpfe auch nicht die Nase oder fürchte mich vor denen, die vielleicht im Herbst in den Buchhandlungen liegen werden, wie ich Petra Hartlieb, glaube ich, kürzlich sagen höre, schreibe beziehungsweise korrigiere ja selber an einem solchen, habe sogar ein Corona-Gedicht für das Literaturcafe geschrieben, drucke mir immer die neuen Episoden von Marlene Streeruwitz “Pandemie-Roman” aus, etcetera und leide vielleicht doch ein bißchen an dem Veranstaltungsmangel, der mich momentan umgibt.

Das ist ambivalent, das habe ich schon beschrieben, weil ich schon vorher ein wenig frustriert darüber war, immer zu den Veranstaltungen der anderen zu gehen, so schreibe und lese ich derzeit zwischen meinen Stunden besonders viel und bin auch gleich wieder zu den “Wilden Worten” gegangen, als es sie gegeben hat, google immer ob es schon ein Programm der O-Töne gibt, “Folgt bald!”, steht da noch immer, geh nicht in die “Alte Schmiede” weil ich mir ja keine Maske umbinden will, freue mich aber scon auf die “Sittl-Sommerlesung”, die nächste Woche beginnt, hoffentlich bekomme ich da einen Platz.

Im “Republikanischen Club” habe ich mich für eine Veranstaltung an und dann wieder abgemeldet und war die letzten beiden Montage bei einer Veranstaltung, hätte auch diesen Montag zu einer ins Cafe Kreuzberg gehen können, wo Roswitha Springschitz ihre Corona-Aufzeichnungen vorstellte, aber leider hat mir der Alfred die Einladung dazu erst geschickt, als ich mit einem Klienten schon eine sechs Uhr Stunde ausgemacht hat.

So ist er allein gegangen, hat mir aber das Buch gebracht, das in der “Edition Morawa” erschienen ist und Roswitha Springschitz ist eine offenbar esoterisch veranlagte ehemalige Yoglehrerin, die schon viel bei “Morawa” publiziert hat und ich habe das Büchlein, obwohl ich ja eine strenge Leseliste habe, sofort gelesen, denn sonst würde ich das wahrscheinlich nie und außerdem interessiere ich mich ja auch schon aus Recherchezwcken für Coronatexte und da ist interessant, wie unterschiedlich die Zugänge sein können.

Roswitha Springschitz bezeichnet die Ausgangsperre und den Lockdown als “Unverhoffte Reise” auf die sie sich mit ihrem Mann Christian offenbar in ein Haus in NÖ zurückzieht, da bedauert, daß sie nun ihre Kinder, Enkelkinder und auch ihre Patentante, der das Buch gewidmet ist, nicht sehen kann.

Es gibt aber Bärlauch zu pflücken und lange Spaziergänge im Wald, selbstgebackenes Brot und rationalisierte Einkäufe, vor allem ab dann, wo man eine Maske braucht. Dann werden die offenbar Online bestellt und die Verwandten und die Kinder nur vor oder hinter den Türen gesehen.

Es gibt auch einen unerwarteten Todesfall und ein Enkelkind, das im Spital behandelt werden muß. Es gibt auch eine Krankheit oder ein sich Schlechtfühlen der Autorin, die von der Ärztin nur per Telefon behandelt wird.

Es gibt Ostereier für die Nachbarn, für die man die Einkäufe macht, die kochen dafür Suppen oder Kuchen und es werden auch die bedauert, die durch die weltweiten unverhofften Reisen ihre Jobs verloren.

Interessant, wie man den Lockdown empfinden und beschreiben kann und ich denke, was ich mir auch beim “Frühlingserwachen” denke, das ich ja als dystopischen Roman empfinde, beziehungsweise einen solchen in ihn hineinverpacken wollte, auch bei diesem Buch, was man sich wohl in zehn fünzehn Jahren denken wird, wenn man das Buch in die Hand bekommt?

Da wird man das, was ohnehin sehr distanziert beschrieben wird, wahrscheinlich sehr unverständlich finden und ich habe mir schon gedacht, daß ich das “Frühlingserwachen” wenn es fertig ist, der Lia, die ja auch mit Maske am Cover zu sehen sein wird, schenken werde, damit sie in zehm fünzehn Jahren nachlesen kann, was damals 2020 weltweit passierte und mir immer noch ein wenig seltsam erscheint, obwohl der Knockout ja schon vorüber ist und man schon wieder wirkliche Reisen machen kann und soll.

Andere Corona Texte habe ich auch gelesen, meine Auswahl gibt es hier.

der fänger im roggen

Nach Vea Kaisers Debutklassiker und Christoph Ransmayrs Sprachkunstwerk kommt jetzt ein echter Klassiker, eine Schulpflichtlektüre, glaube ich und ein Buch das ich schon 1973 oder 74 lesen hätte können, denn da hat es mir einer im Westpark Hospital wo ich mein Workcamp machte in die Hand gedrückt, auf Englsich natürlich und ich habe es abglehnt, weil ich dachte, viel zu experimentell.

Bei Pastor B. in Hamburg 1976 habe ich das mit Peter Handkes “Wunschloses Unglück” auch so gemacht”.

“Welch ein irrtum!”, könnte ich wieder jandeln, denn J. D. Salinger, der von 1919 bis 2010 lebte, hat nach dem “fänger” glaube ich nie mehr einen Roman veröffentlicht, wohl aber anderes geschrieben und die “Balken” habe ich früher im Schrank gefunden und gelesen und diese Coming of age Geschichte, dieses unsympathischen oder höchstwahrscheinlich nur unsicheren Sechzehnjährigen mit der großen Schnauze ist sehr interessant, auch weil ich ja schon andere Coming of age Geschichten von schnodderichen Jungautoren oder Autorinnen inzwischen gelesen habe und interessant ist auch, daß dieser Sechzehnjährige säuft und qualmt wie ein Schlot, gut das Buch wurde 1951 geschrieben und da ist Holden Caulfield, der Ich-Erzähler, er befindet sich zu Anfang des Buches in der Psychiatrie oder einem Sanatorium, wie man das vornehm nannte und der erzählt das, was da zu Weihnachten, 1949 wahrscheinlich, geschah.

Er ist der Sohn wohlhabender New Yorker, besucht das Pencey College, vorher ist er schon von einigen anderen Schulen geflogen, jetzt von dieser, weil er sich so gar keine Mühe machte, sondern in einem aufsatz über die Ägypter beispielsweise irgendeinen Unsinn schrieb. Jetzt besucht er den alten Geschichtslehrer, um sich zu verabschieden.

Es ist ein paar Tage vor Weihnachten. Er soll Mittwoch nach Hause fahren, weil er sich aber mit seinen Zimmerkameraden anlegt, fährt er schon früher und bummelt ein paar Tage lang in New York herum. Trifft eine Freundin, um mit ihr ins Theater zu gehen, kauft für seine kleine Schwester eine Schallplatte, die gleich zerbricht, nervt die Taxisfahrer mit der Fragen was die Enten im Central Park im Winter machen, geht in ein Hotel, wo ihm der Portier eine Nutte für fünf Dollar aufs Zimmer schickt. Er läßt sie kommen, bekommt, weil noch Jungmann Bammel und schickt sie heim. Der Portier kommt aber wieder und will jetzt zehn statt der fünf Dollar haben. Schlägt ihm zusammen, so daß er das Hotel verläßt. Er geht dann schon Sonntag, glaube ich, nach Hause. Die Eltern sind nicht da. So besucht er nur die kleine Schwester, geht dann zu einem anderen Lehrer, um dort zu übernachten. Flüchtet dann verschreckt, als er in der Nacht erwacht, weil ihm der über die Haare streichelt, dann dreht er offenbar vollends durch oder gleitet in eine Psychose.

Das finde ich grandios beschrieben, weil es das war, was ich Anfang der Achtzigerjahre bei meiner Freundin Elfi ähnlich erlebte. Er will New York verlassen und irgendwo, als Tankwart arbeiten und sich als taubstummer Einsiedler fortan in einer Hütte verstecken, schreibt aber seiner Schwester, um sich von ihr zu verabschieden.

Sie kommt mit einem Koffer zum Treffpunkt, denn sie will mit ihm gehen. Das will er nicht, so landen sie in einem Zoo, bezeihungsweise vor einem Karusell mit dem sie ihre Runden dreht. Es regnet in Strömen. Er bleibt auf der Bank sitzen, schaut ihr zu und ist glücklich wie noch nie.

Im letzten Kapitel ist er dann im Sanatorium, schreibt, er hat nichts mehr zu sagen oder doch von der Schule in die er demnächst gehen wird und von dem Psychoanalytiker, der ihm gut zuredet, sich das nächste Mal doch mehr anzustrengen, aber wie kann man das versprechen oder vorausagen?

Grandios denke ich. Im Internet gibt es einge Inhaltsangaben des Buches. Es ist Schullektüre, wenn vielleicht auch nur amerikanische, sogar eine, die mit Playmobils nachgestellt wird, also kein Spoileralarm. Also kann auch ich das ruhig tun, ohne anzuecken und das Buch denen, die es noch nicht gelesen haben sollten, nur empfehlen. Vielleicht statt des “Ullyes”, an den es mich sogar erinnerte, denn der Bloomesday ist ja für heuer vorbei.

Ich habe das Buch, das mich sowohl an Updikes “Hasenherz”, als auch an Silvia Plaths “Glasglocke” erinnert, in einer alten Ausgabe, die der Alfred mit Widmung eines Schulfreundes aus dem Jahr 1981 in Harland stehen hatte, gelesen, es aber im Vorjahr, als ich mit dem Alfred bei dem Fest der kubanischen Gesellschaft war, gemeinsam mit Karen Köhlers “Wir angeln Raketen” im Schrank gefunden, es aber zurückgestellt und es in Harland dann auch nicht gleich gefunden, so daß ich den “Cox vorgezogen habe.