Heimkehr nach Fukushima

Buch zwölf des dBps, allmählich wird es, denn die folgenden drei Bücher sind auch viel dünner und eines das mich an meinen Schweiz Urlaub erinnert, wurde doch Adolf Muschg, 1934 in Zürich geboren und sein Buc lag das mit der Italien-Schweizerin Gianna Molinari auch in der kleinen feinen Berner-Buchhandlung auf, die ich am Tag nach der Longlistverkündung, betreten habe, während der Alfred mit meiner vollen Büchertasche aus den Schränken und Arnos Geigers “Drachenwand” draußen auf mich wartete.

Was soll ich schreiben? Das ist jetzt das Buch des schweizerischen Philiph Roth oder Martin Walser? Das Alterswerk des Vierundachtigjährigen der sich in seinem Werk mit der Liebe und den Tod des alternden Mannes beschäftigt und interessiert das wirklich die mittelalterlichen Deutschlehrinnen, die noch Bücher kaufen und sie lesen?

Ich wollte das schreiben, ich gebe es zu, bis ich etwa bei Seite zweihundertzwanzig des zweihundertvierzig Seiten Buches war und suche auch noch vergeblich nach dem You Tube Video, wo eine sagte, sie hätte das Buch abgebrochen, weil sie die Szene wo sich der Protagonist mit der jüngeren Japanerin in der verseuchten Erde wältz, unerträglich fand.

Ich habe es nicht mehr gefunden, aber Adolf Muschg hat auf dem blauen Sofa in Frankfurt selber über diese Szene gelächelt und was ist das Buch dann? Ein geniales Alterswerk des vierundachtigjährigen bekannten Schweizer Dichters?

Das scheint mir nun doch übertrieben, weil es mir ja ganz ehrlich auch auf die Nerven geht, wenn die Achtzig- oder Sechzigjährigen, der Paul Neuhaus, der Held des Buches, ist, glaube ich, gerade darüber, auf ihre letzten Reisen gehen und dabei die Lieben ihres Lebens nochmals erleben und über den Tod resumieren.

Da denke ich natürlich, was ist, wenn ich das machen würde? Was würden die Verlage dazu sagen und wer würde das lesen?

Aber die Vehemenz mit der Adolf Muschg diese schon hundertmal geschriebenen Themen bearbeitet, dabei vom Hundersten in Tausendste kommt und alles,  alles, was ja gar nicht dazu passt, dazu vermengt, ist wirklich beeindruckend und als er verlassen und frustriert in seinem Hotel in Hakone sitzt, über die verlorene Liebe und den Tod nachdenkt, dabei den Fujiyama beobacht und plötzlich nach Wien-Ottakring und auf das Harry Lime Thema kommt, dachte ich zuerst “Das passt ja gar nicht dazu!” und dann “Das ist genial und warum soll er das nicht schreiben und so sein Leben bewältigen und zusammenfassen?”

Ob man das lesen will oder soll, ist eine andere Frage. Die bücher liegen aber in den Buchhandlungen auf, es stand auf der deutschen Longlist, auf der Schweizer nicht, da steht von den dBp Büchern nur die Gianna Molinair und sonst noch der Peter Stamm.

Es ist aber überhaupt die Frage, wer heute noch Bücher liest und wen das wirklich interessiert, daß hier ein sechzigjähriger Architekt und Schriftsteller namens Paul Neuhaus, der mit seiner Freundin Schwierigkeiten hat, plötzlich einen Brief von Freunden aus Japan mit einer Einladung nach Fukushima bekommt, weil dort der Bürgermeister eine Künstlerkolonie aufbauen will, um die Leute in das verseuchte Land zurückzubringen und die Wirtschaft zu beleben.

Weil ihm seine Suzanne gerade verlassen hat, fliegt er hin, hat und das ist auch ein wenig verwunderlich, aber warum nicht, als ich einmal nach Amsterdam geflogen bin, habe ich im Flieger auch Elias Canettis “Blendung” gelesen, die damit ja nichts zu hat, Adalbert Stifters Werke mit und die werden in dem Buch immer wieder so zwischendurch zeilenlang zitiert und ich glaube im Anhang auch nicht extra ausgeweisen, aber das ist ein verlegerischen Problem.

Im Hotel Imperial in Tokyo wird er von den Freunden, der Germanistin Mitsuko und ihren MannKen erwartet, die ihm eröffnen, daß Mitsuko ihn durch die verseuchten Gebiete begleiten soll, da Ken an Leukämie leidet und sie also nicht begleiten kann.

Es kommt, wie es kommen muß. Die Beiden fahren mit dem Shinkansen, dem japanischen Schnellzug, eßen  ihre Bento Box, haben Geigerzähler und Schutzanzüge dabei, werden dann von dem bürgermeister erwartet und fahren ein paar Tage lang durch die versuchten und verlassenen Dörfer und interviewen dabei Familien, worüber sich Paul Neuhaus seine schriftstellerischen Gedanken macht. Sie müssen vor Wildschweinen flüchten, wälzen sich, wie schon beschrieben in der verseuchten Erde, was ich eigentlich auch nicht sehr nötig finde, deshalb habe ich das Buch aber nicht abgebrochen, denn ich will mich ja gern und freiwillig durch die dBp Longlist lesen.

Am Ende gibt es noch ein Abschiedsessen, da taucht dann der Ehemann auf. Der muß ins Krankenhaus, so begleitet seine Gattin ihn. Paul bleibt allein zurück, beziehungsweise sind  schon zehn Tage in einem anderen Hotel gebucht, wo er verlassen auf der Hotelterrasse sitzt, den Fujiyama beobachtet und über Gott und das Leben sinniert.

Dann kommt der Tag der Abreise, Mitsuko erscheint natürlich im Hotelbuffet, gesteht, daß sie schwanger ist und zu ihrem Mann ins Krankenhaus muß und ich habe wirklich nicht verstanden, von wem das ist? Denn, um eine Schwangerschaft festzustellen, braucht man wahrscheinlich mehr als zehn Tage oder irre ich mich da?

Es gibt auch noch einige andere beeindruckende schöne geschriebene Szenen, denn Adolf Muschg versteht ohne Zweifel sein Handwerk, obwohl, wenn ich schon wieder beim Motzen bin, mir ein Zweiundsechzigjähriger als fast Fünfundsechzigjährige nicht wirklich alt erscheint und, daß sich der Gedanken über eine mögliche Demenz macht, erscheint mir zu literarisch aufgesetzt.

Es gibt aber noch eine eher peinliche Szene von einem früheren Abendessen mit dem Bürgermeister, wo er sich nachher nackt im Bet vorfindet und nicht weiß, wer ihn ausgezogen hat?

Träume und Fieberfantasien gibt es auch und eine geheimnisvolle Karte, die ihm der Hotelportier nachträgt, als er ins Taxi steigt. Es gibt eine antike Schale, die er dem Paar mitbringen soll und dann einem Hotelangestellten schenkt und, wie schon beschrieben noch hunderttausend andere Einfälle, die eigentlich nicht zusammenpassen, so daß ich schon das Obige formulierte und dann innehielt und plötzlich dachte:

“Es ist ein geniales Buch, vielleicht oder gerade deshalb, weil man die Zusammenhänge nicht versteht. Aber sie sind auf jeden Fall bewußt oder unbewußt, das, was Adolf Muschg beschäftigte und daher für die Leserin interessant und jetzt noch ein paar Japan- oder andere Buchbezüge, weil das Japanthema in der Literatur derzeit sehr modern ist und ich, schreibe ich noch dazu, ja auch schon zehn Tage dort war, wenn auch natürlich nicht als Stipendiatin, wie die anderen, die dann ihre Japan-Bücher geschrieben haben.

Alina Bronskys  “Baba Dunjas letzte Liebe”, auch ein dBp Buch hat, das mit Tschernobyl versucht und Marion Poschmanns “Kieferninsel” führt uns in ein anderes, sehr lyrisches Japan und in einen Selbstmörderwald.

Gott der Barbaren

Jetzt kommt Buch elf des dBps und das fünfte der deutschen Shortlist. Ja, ich weiß, ich bin spät daran, da  schon die Siegerin feststeht, aber Stephan Thomes “Gott der Barbaren” hat auch über siebenhundert Seiten und ein Thema, mit dem ich eigentlich nicht so viel anfange, denn ich habe ja einmal geschrieben, daß mein Interesse beim historischen Roman beim ersten Weltkrieg endet und über die Kriege in China im neunzehnten Jahrhundert, habe ich ebenfalls noch nicht so viel gehört und kenne mich auch in der Geschichte  und der Literatur Chinas nicht so aus, obwohl ich da ja einmal einen kleinen  chinesischen Literaturschwerpunkt hatte.

Beim  1972 in Hessen geborene Stephan Thome, der glaube, ich schon lang in Taipeh lebt und fließend Chinesisch spricht, ist das natürlich anders und er war auch schon mit zwei anderen Romanen, nämlich  “Grenzgang” und “Fliehkräfte” auf der deutschen Shortlist und ich habe sowohl “Grenzgang”, als auch “Gegenspiel”, die andere Themen behandeln, auf meinen Regalen, die Bücher aber noch nicht gelesen.

“Gott der Barbaren” also, das Buch, das uns nach China und ins neunzehnte Jahrhundert, in den Taiping- Aufstand und den zweiten Opiumkrieg zurückführt und das beispielsweise von Sophie von “Verstand”, als das Buch des Jahres bezeichnet wurde.

Meines ist es nicht, war aber am Tag der “Buchpreisverleihung”, als ich gerade die Haratischwili las und  zu meiner Favoritin wurde, nicht ganz sicher, ob es nicht doch Stephan Thome werden würde?

Er wurde es bekanntlich nicht, was vielleicht daran liegt, daß nicht viele der schwindenden Leserschaft, die Geduld auf bringen, sich durch die siebenhundert Seiten zu lesen, obwohl ich bei “Amazon”, eine Rezension gefunden habe, wo jemand schreibt, daß er zwei Tage und zwei Nächte dazu brauchte.

Ich habe eine Woche mit jeweils am Morgen ein paar Stunden in der Badewann dazu gebraucht und tue mir noch immer schwer, den Inhalt zusammenzufassen und herauszufinden, um was es dabei eigentlich geht?

Obwohl, natürlich, es geht um den zweiten Opiumkrieg und eine christliche Aufstandsbewegung und das wird in drei Strängen, in Briefen, Zeitungsberichten, mit chinesischen Schriftzeichen, etcetera von den wichtigsten Personen erzählt.

Frauen, kann man gleich anmerken, kommen wenig in dem buch vor, obwohl sich ein großer Teil über das Entsetzen, das ihre verkrüppelten Füßen bei den Europäern auslöst, beschäftigt und es auch eine Frauenstimme gibt, die mehrere Kapitel hat, aber die kommt interessanterweise in dem Glossar, der handelden Hauptpersonen nicht vor, was ich sehr schade finde.

Die Konkubine des verstorbenen Kaisers und Mutter des chinesischen Thronfolgers, die gemeinsam mit Prinz Gong nach dem Tod des Kaisers, die Macht übernahm, kommt dagegen im Glossar vor und das ist wohl bei aller Grausamkeit vielleicht auch interessant und wenn wenn ich es richtig verstanden habe, sind das historische Personen, von Stephan Thome, dem Chinaexperten, hervorragend recherchiert.

Die wahrscheinlich, wie ich sagen würde, Hauptperson, nämlich der deutsche Missionar Philipp Johann Neukamp, der nach einer Masernerkrankung, vorrübergehend erblindete, dann in Leipzig, den Revolutionär und Freiheitskämpfer Robert Blum, kennenlernte und danach noch, als junger Mann, obwohl er nicht sehr gläubig war, als Missionar nachChina ging, dort mehrere chinesische Dialekte, lernte und sich auch Fei Lipu nannte und schließich in Amerika, als Geschäftsmann sein Leben beendete, ist, glaube ich, erfunden.

Verwirrt? Ich versuche zusammenzufassen:

Es gibt drei oder vier Handlungstränge, die die Jahre von 1850 bis 1865 in China erzählen, nämlich den schon erwähnten Missionar, der später seine Mission verläßt, sich eigenmächtig nach Nanking, wo der Aufstand stattfindet, durchschlägt, dabei auch seinen Arm verliert.

Dann gibt es den General Zeng Guofan, der Hunan Armee, der eigentlich ein Philosoph und Büchernarr wäre, von der “Gnade des Herzens” spricht, aber aus Disziplin dann doch die Ungehorsamen und Bösen niedermetzeln läßt, dann, den des Chinesen, der sich in einem Fiebertraum für den Sohn Gottes hielt und den Taiping-Aufstand anzettelte und den Lord Elgin, den englischen Sonderbotschafter, der für die Königin, den Opiumkrieg führen soll, gibt es auch und noch eine Reihe von Neben- oder Hauptfiguren.

Das ganze sehr verwirrend und Stephan Thome muß sich wohl sehr lange und sehr ausführlich damit beschäftigt haben. Im Klappentext wurde der Zeitbezug erwähnt, da denke ich, daß, das wahrscheinlich, ein Lockmittel ist, den Leser zu den siebenhundert Seiten zu bringen, wenn man ihm sagt “Lies, dann wirst du unsere Zeit und beispielsweise die IS besser verstehen!”

Ich habe nicht sehr viel Zeitbezug gefunden, obwohl das Buch mit einer Zeitungsnotiz aus dem Dezember 2012 endet und ich tue mir, wie schon erwähnt, schwer die Handlung wiederzugeben.

Chinesische Kriege und ihre Grausamkeiten im neunzehnten Jahrhundert werden hier erzählt, von denen ich wahrscheinlich nicht sehr viel verstanden habe und mich jetzt, außer daß ich weiß, daß es sie gegeben hat, in der Geschichte wahrscheinlich noch immer nicht sehr viel besser auskenne.

Was ich aber an dem Buch besonders finde, sind die vielen kleinen Anektdoten, die es erzählt und die hängenbleiben.

Da sind die Grausamkeiten, zum Beispiel, die Rede, die der General an seine Soldaten hält, als er welche hinrichten läßt, weil sie, glaube ich, ein Huhn oder Reis gestohlen haben oder die Aufregung, in die  Lord Elgin versetzt wird, als er seinen Sekreätr Maddox beauftragt, ihm ein “Zimmermädchen”, zu beschaffen und ihm dann dieser wirklich eine zitternde verkrüppelte Gestalt bringt, die von ihm dann Madam genannt wird, obwohl sie ihn, da sie nicht Englisch spricht, natürlich nicht versteht.

Da ist auch die Übersetzung, die der Missionar Philiph seiner Braut Elisabeth, die in Hongkong, als Leiterin eines Waisenhauses tätig ist, in Pidgin-Chinesisch oder Englisch, das dort gesprochen wird, überbringt:

“Top-side allo tree no catschee bobbely. Kennst du das?”

“Über allen Gipfeln ist Ruh”, übersetzte ich.

Da fing jene Elisabeth schallend zu lachen an. Sie wird aber auch von Kopfschmerzen geplagt und wird dann von einem Vetter, des himmlischen König und Anführer der Taiping-Rebellion, Hong Jing, einem ebenfalls sehr gelehrten Chinesen und Freund von Philipp mit Akkupunkturstäbchen behandelt und siehe da die Kopfschmerzen sind weg.

Später stirbt sie aber doch und Philipp will nach Nanking reisen, verliert dort seinen Arm, wird zum König ernannt und flieht schließlich nach Amerika.

Man lernt viel in diesem Buch und versteht vieles nicht. Zumindest ist das mir so gegangen, daß mir lange nicht klar war, wer jetzt eigentlich die Barbaren sind?

Die Chinesen, die englischen Besatzer, die von den Chinesen auch “rothaarige Teufel” genannt werden und, die die Weisheit der Chinesen, die jahrelang Schriftzeichen lernen müßen, um Beamte zu werden, wohl gar nicht erkennen und sie wohl selbst für ungebildet und barbarisch halten.

Ja, die Chinesen sind mir sehr fremd, ich habe ein paar Bücher gelesen, dabei auch eine Überraschung erlebt und darüber ein Kapitel in einem meiner Bücher geschrieben, obwohl ich nicht Chinesisch spreche und auch keine Zeit habe, das zu lernen und Stephan Thome, der das sehr wohl getan hat und sehr gut chineschisch spricht, hat ein Buch über das China des neunzehnten Jahrhunderts geschrieben, das ich sehr empfehlen kann und auch hoffe, daß sich viele, obwohl man ja kaum mehr Zeit zum Lesen hat und dem Buchhandel auch die Leser und die Käufer verloren gehen, über die siebenhundert Seiten machen.

 

Dritte österreichische Debutpreislesung

Heute fand in der Arbeiterkammerbibiothek in der Prinz Eugen Straße zum dritten Mal die Vorstellung der drei Debutpreisfinalisten statt, die ich zum zweiten Mal besuchte, denn 2016 fand es ja zeitgleich mit der “Veza Canetti Preisverleihung” an Ilse Kilic statt und da habe ich mich dafür entschieden weil ich ja auch schon alle drei Bücher gelesen habe, im Vorjahr war ich da und heuer auch und von den drei Finalisten

1.Ljuba Arnautovic “Im Verborgenen”

2. David Fuchs “Bevor wir verschwinden” und

3. Marie Gamillscheg “Alles was glänzt”, die ich ja alle drei schon bei den O-Tönen gehört habe, habe ich inzwischen das Buch der Ljuba Arnautovic gelesen, das des David Fuchs wartet noch auf mich und das der Marie Gamillscheg wird, so wie es ausschaut nicht zu mir kommen und wenn ich von den O-Tönen und der Shortpreislesung eine Prognose abgeben kann, würde ich mir da des David Fuchs als Preisträger wünschen und bis dahin werde ich es wohl auch mit dem Lesen schaffen, obwohl ich es dem 1981 in Linz geborenen Onkologen nicht glaube, daß er das Buch nicht zu seiner Psychohygiene geschrieben hat, vielleicht weiß er es noch nicht, daß es ihm dazu nützt, ich würde es aber für ausgeschlossen halten, wenn es ander wäre, aber auf mich kommt es nicht an.

Gar nicht soviele Leute in der Arbeiterkammerbibliothek, ich glaube ja, daß sich der österreichische Buchpreis ziemlich im Verborgenen und im Geheimen abspielt und kein Mensch etwas davon weiß und  Ute Weiner, die Bibliotheksleiterin sagte in ihrer Einleitung auch, daß sie den Büchern recht viele Leser wünsche und glaube, daß sich einige der Nominierung wegen die Bücher gekauft hätten.

Das glaube ich zwar nicht, es gab aber einen Büchertisch und einige Besucher hatten auch die Bücher vor sich liegen und ließen sie sich signieren.

Es kam aber der Arbeiterkammerdirektor Christoph Klein und hielt eine flammende Rede auf die Wichtigkeit der Arbeiterkammer, die ja der derzeitigen Regierung ein Dorn im Auge ist und dann kamen die Lesungen der drei, beziehungsweise das Gespräch und das Interview das Ute Weiner mit ihren führte.

Ljuba Arnautovic habe ich ja schon öfter daraus lesen gehört und kannte auch die zwei ausgewählten Stellen. David fuchs hat, glaube ich, auch das gelesen, was er bei den O-Tönen präsentieren, bei Marie Gamilgscheg weiß ich es nicht mehr, aber ihr Buch ist sicherlich das literarischte der drei, obwohl ich noch immer nicht so genau weiß, worum es darum geht.

Velleicht kommt es noch einmal zu mir, man soll ja die Hoffnung nie aufgeben und es gibt auch immer wieder Überraschungen, aber hier im Anschluß Brötchen und Wein, beziehungsweise kleine Schinken- oder Käsesemmerln.

Angelika und  Josef waren da, die Frau K. und noch einige andere literarisch Interessierte. Ich habe mich mit Ljuba Arnautovic ein wenig unterhalten. Ich habe ihr alle Gute gewünscht und ich glaube auch, daß sie Chancen für den Preis hat. Aber meine Prognosen sind ja, wie man am heurigen deutschen Buchpreis sieht, nie richtig, also bin ich gespannt und die Einladung zur Preisverleihung am fünften November ist auch schon bei mir, so daß ich es ja erfahren kann.

Die Katze und der General

Buch zehn des dBp und das vierte Shortlistbuch, ich weiß, ich bin spät daran, aber Nino Hartatischwilis Roman hat über siebenhundert Seite und es ist das erste Buch der 1983 in Tiflis geborenen, das ich gelesen habe.

“Ihr achtes Leben” ist ja durch alle Blogs gegangen und ich habe auch in Göttweig daraus gehört, bei diesem Buch waren die Blogger und Book Tuber etwas zurückhaltender, wahrscheinlich war es ihnen zu lang und auch bei “Amazon” gab es “Ein-Stern-Rezensionen”, Manfred Rebhandl im “Standard” hat es nicht gefallen. Er hat es für mißĺungen gehalten und ich habe mich die letzte Woche durch das Buch gelesen und bin zu dem Schluß gekommen, daß es den eBp gewinnen müßte, denn Maxims Billers wahrscheinlich schnell dahin geschriebenes Geschichtchen, das noch dazu bereits schon von seiner Schwester geschrieben wurde, kommt nicht dagegen an.

Gut man könnte sagen, daß man es wahrscheinlich kürzen hätte können und nicht alles so genau auserzählen hätte müßen. Man kann den Plot wahrscheinlich auch ktischig nennen. Er ist aber einer von denen, der mir gefällt und über Tschetschenien und den ersten und zweiten Krieg, den es dort gegeben hat und ich habe vor zehn Jahren sehr viel Traumadiagnostik mit Asylwerbern von dort gemacht, habe ich sehr sehr viel erfahren.

Es ist auch, glaube ich, hervorragend komponiert und ich gebe zu, daß ich mit fünfunddreißig Jahren und wahrscheinlich auch jetzt nicht so gut schreiben konnte und kann, würde es aber sehr gern.

Also voila, wieder ein bißchen vor mich hingespoilert, obwohl das meiste schon im Klappentext steht, denn, daß Nura, die junge aufrechte Teschetschenein, deren Ehrgeiz es ist, den Rubik-Kubik- Würfel zusammengebracht zu haben, vergewaltigt und ermordet wurde, ist von Anfang an bekannt und haben die Booktuber erzählt, die sich durch das Leseprobenheftchen gewühlt haben.

Der Prolog erzählt von der Achtzehnjährigen, die in ihrem mittelalterlichen Dorf Mehl holen geht, wo alle Frauen Kopftuch tragen müßen und von ihren Brüdern und Cousinns bewacht werden, sie will von hier weg und spart schon das Geld dazu, als sie nach Jause kommt und die Nachricht hört, die Russen sind hier.

Dann geht es in das Jahr 2016 und nach Moskau oder Berlin, denn der General, Alexander Orlow, der keiner ist, sondern ein Oligarch, hat sich dorthin zurückgezogen. Er ist der Sohn eines hohen Militärs, wurde von der ehrgezigen Mutter auch in eine solche Laufbahn gedrängt, will aber lieber Literatur studieren. So geht er zu den Aufnahmsprüfungen der Militärakademie nicht hin oder läßt sich durchfallen. Kommt aber im Jahr 1996 doch irgendwie nach Tschetschenien, in das Dorf und soll dort die Küche betreuen. Da hat er einen Kjumpel Aljoscha, der eigentlich in Frankreich das Kochgewerbe erlernen will und von Coq au vin träumt. So kaufen sie Nura Hühnchen und Eier ab und die besoffenen Obersten und Führer, die sie haben, wollen auch im Dorf Krieg spielen, halten Nura für eine Terroristin und vergewaltigen sie.

Orlow und Aljoscha werden gezwungen mitzutun, Nura stirbt, Alexander zeigt sich selber an. Es kommt sehr ungewöhnlich zu einem Prozeß, den er erzwingt, aber der aufrechte Anwalt, den er besorgen konnte, wird ermordet und Oberst Petruschow, der stärkste der drei Mittäter, bietet ihm eine hohe Stelle in einem Konzern an, wenn er schweigt. Er tut es schließlich, wird Oligarch, verliert seine Jugendliebe Sonja und auch seine Tochter Ada, die die Schuld ihres Vaters in den Selbstmord trieb und im Berlin des Jahres 2016, sieht Orlow  auf einem Plakat, eine Schauspielerin, die der ermordetetn Nura verdammt ähnlich sieht.

Er engagiert sie, Katze genannt, die aus Georgien kommt, für ein Video, das er den drei Mittätern übermitteln läßt. Es gibt dann noch Schapiro, den Orlow im Gefängnis kennenlernte und der sein Leibwächter ist oder für ihn die Kohlen wegräumt und einen deutschen Journalisten Onno Bender, die Krähe genannt, man sieht das Buch ist sehr gut komponiert, der sich auf Orlows Spuren setzte, in Ada verliebte und ihr auch von der Schuld des Vaters erzählte.

Das Ganze wird hin und hererzählt und schließlich landet man zu Silvester 2016 in einem wunderschönen verschneiten tschetschenischen Bergdörfchen, wouerst Coq au Vin, ohne Wein, weil Alkohol ja in Tschetschenien verboten ist, gegessen und schließlich bei Wodka, russisches Roulette gespielt wird.

Hier endet meine Nacherzählung mit der Wiederholung, daß mir das Buch sehr sehr gut gefallen hat, den Thome und  “Nachtleuchten”, die auch noch auf der Shortlist standen, muß ich noch lesen.

Was das so Besondere an “Archipel” ist, habe ich noch immer nicht begriffen, obwohl man beide Autorinnen in Frankfurt auf sämtlichen Sofas finden kann und ich mich demnächst in ein Georgien-Buch vertiefen werde, das, wie ein Wunder oder welche Energie, auch von Nino Haratischwili, die ja in Hamburg lebt, übersetzt wurde.

Deutscher Buchpreis und österreichische Shortliste

Am Montagabend wurde also zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse der vierzehnte deutsche Buchpreis vergeben, der mich, könnte man so sagen, seit ich blogge,  sehr interessiert, vorher ist er eher an mir vorbeigegangen und seit 2015 lese ich eifrig mit und blogge darǘber.

Da habe und das war mein Ziel alle Bücher gelesen, ab 2016, wo es ja auch schon den öst Bp gab, waren es neunzehn, im Vorjahr achtzehn und heuer werden es wohl wieder achtzehn werden.

Da ich aber wegen unserer Schweizreise erst eine woche später zum Lesen, beziehungsweise mit dem Anfragen angefangen habe und außerdem eine Menge Nichtbuchpreisbücher, die ich paralell lese, auf meinem Bücherstapel habe, bin ich heuer sehr sehr langsam und lese mich gerade durch mein zehntes LL beziehungsweise viertes Shortlist-Buch, nämlich das der Georgerin Nno Haratschiwilli, das über siebenhundert Seiten hat und von dem ich gleich schreibe, daß es mir sehr sehr gut gefällt.

Vorher war ich ja der Ansicht und habe das auch Robert Huez im Literaturhaus so mitgeteilt, daß Maxim Biller denPreis bekommen wird, aber das Buch der Haratischwilli ist, meiner Meinung nach, viel biel besser, Manfred Rebandl im “Standard” und manche “Amazon-Rezensenten” sind da zwar anderer Ansicht, aber ich dachte am Schluß, sie wirds, weil ja auch das Messegastland heuer Georgien ist, gewinnen oder doch  Stephan Thome, den ich aber noch nicht gelesen habe.

“Nachleuchten” von  Maria Cecilia Barbetta, habe ich erst vorige Woche von “Netgalley” bekommen, beziehungsweise ist es das Einzige, der mir da fehlenden vier Bücher, das der Anja Kampmann ist mir ja kurzfristig verloren gegangen, das ich öffnen konnte. Der “Vogelgott” den ich gelesen habe, schien mir zu speziell für de nPreis bezeihungsweise dem “Massengeschmack und “Archipel” ebenfalls schon gelesen, hat mir  nicht so gefallen.

Der Livestream wird ja immer um sechs übertragen, da habe ich in den vorigen Jahren öfter hieneingehört und bin dann zu einer Veranstaltung gegegangen, einmal habe ich sogar selber gelesen. Im Vorjahr habe ich eine Stunde verschoben, um mir den ganzen Lifestream anschauen zu können. Heur hatte ich dann eine Stunde, so bin ich als der Klient gegangen war, gerade in das Video vom Stephan Thome hineingekommen, dachte mir “Schau an, also doch der “Gott der Barbaren”!”, dann trat Heinrich Riethmüller vom Börseverein auf die Bühne und verkündete Inger Maria Mahlke ist die Preisträgerin und ich dachte “Nein und ich liege wirklich immer daneben!”

Da kann man offenbar nichts machen und auf den österreichischen Buchpreis hoffe, wo ja am Dienstag die Shortlist bekanntgegeben wird und da bin ich in meiner Schätzuing bei der Longlist  richtiger gelegen, hatte da schon fünf Bücher gelesen, inzwischen sind es sieben, ein achtes steht noch auf meiner Leseliste, das Buch vom Daniel Wisser und das von Robert Seethaler ist leider noch nicht zu mir gekommen und ich tue mir beim Schätzen der Shortlist etwas schwer, denn meiner Meinung nachkönnten sowohl Milena Michiko Flasar, Arno Geiger, Margit Schreiner, Heinrich Steinfest, Robert Seethaler und Josef Winkler darauf kommen, dann entweder Hanno Millesi oder Daniel Wisser, dann wären es aber sieben und nicht fünf Bücher. Also mal sehen, warten wir auf die Bekanntgabe und schauen wir, wie schief ich da wieder liegen werde. Mal sehen, ich bin gespannt und lese mich ansonsten weiter durch meine drei oder vier Herbstleselisten.

Nun ist sie da, voila, die Shortlist und wieder eine Überraschung, denn die erwarteten großen Namen Geiger, Seethaler, fehlen, leider auch Margit Schreiners Platzgeschichte und statt  Hanno Millesi ist es Daniel Wisser aus dem “Jung und Jung Verlag” geworden, das einzige Buch auf der Liste, das ich noch  bekommen muß. Vielleicht kann ich Anna Jung auf der Preisverleihnung nochmals anschnorren.

Also um nicht allzu verwirrend zu sein, das sind die fnf uind das Buch von Gerhard Jäger ist für mich die Überraschung, damit hätte ich, wie geschrieben nicht gerechnet.

Also, die Shortlist des öst Bp, besteht aus:

1. Milena Michiko Flasars “Herr Kato spielt Familie”

2.Gerhard Jäger “All die Nacht über uns”

3.Heinrich Steinfest “Die Büglerin”

4.Josef Winkler “Laß dich heimgeigen Vater, Oder den tod ins herz mir schreibe”, was ich noch lesen muß und

5. Daniel Wisser “Königin der Berge”, das noch zu mir kommen sollte.

Wer wird gewinnen? Josef Winkler wahrscheinlich, der ja schon “Büchner-Preisträger” ist. Ich würde mir, wie zu vermuten, Heinrich Steinfest wünschen, denn das hat mir von den drei Büchern, der Liste die ich gelesen habe und sonst auch, am besten gefallen und die Jury besteht, damit man sich orientieren kann, wie weit ich mit meinen Schätzungen vielleicht schon wieder falsch liege aus: Bernhard Fetz, Konstanze Fliedl, Jens Jessen, Evelyne Polt-Heinzl und der Buchhändlerin Bettina Wagner, also kännte es schon der <Herr Winkler werden und ansonsten bin ich im Gegensatz mit dem dBp sehr zufrieden, eine schöne Wahl, obwohl natür,lich sehr viele andere schöne Bücher fehlen, aber wie gesagt, man kann ja selber alles was man möchte lesen und ich habe das in diesem Jahr  schon sehr getan.

Bungalow

Jetzt kommt Buch neun des dBps, eines das meiner Meinung nach, leider nicht auf der Shortlist steht, nämlich der dritte Roman, der 1992 in Freiburg im Breisgau geborenen Helene Hegemann, die 2010, also achtzehnjährig einen Skandal mit ihrem ersten Roman “Axolotl Roadkill” auslöste, den ich gelesen habe.

“Jage zwei Tiger”, 2013, erschienen, nicht mehr und jetzt bin ich, weil es auf der dBp Longlist steht, auf dieses Buch gekommen, das auf den Blogs und Vlogs sehr unterschiedlich beurteilt wird.

Die meisten sagen “Wollen wir nicht, wegen dieser Copy und Paste-Geschichte, die ich inzwischen eher differenziert betrachte und einige sind vielleicht auch mit der Mischung zwischen Dystopie und harter Sozialbeschreibung, die wahrscheinlich Helene Hegemanns Spezialität ist, überfordert und sagen “Wir wollen eine Dystopie lesen und nicht seitenlang, die Beschreibungen einer  Jugendlichen, die rotzfreche Sachen von sich gibt und provozieren will!”

Eine hat es eine Mischung zwischen Poesie und Provokation genannt und ich denke, das stimmt und ist gut ausgedrückt.

Natürlich ist das Buch überfrachtet und Helene Hegemann hat wahrscheinlich wieder einmal viel zu viel hineigepackt und überfordert damit ihre Leser.

Aber mir hat, ich wiederhole es, das Buch sehr gut gefallen und ich würde es beispielsweise sehr gerne gegen “Archipel”, wo ich das Besondere nicht herausgefunden habe, auf der Shortlist austauschen.

Was passiert in dem Buch? Schwer zu sagen, denn, weil so viel passiert, ist es für den Normalleser, der ich wahrscheinlich gar nicht bin, schwer mitzubkommen.

Da ist also Charly, die nach Charlotte Rumpling von ihrer alkoholkranken Mutter, Charlotte genannt wurde. Sie ist erwachsen und sitzt nach einer Katastrophe, einem Krieg, dem Umweltzusammenbruch oder was sonst auch immer, in der nahen oder ferneren Zukunft an einem Ort, ich glaube, in de rKaribik und schreibt ihre Jugenderinnerungen auf.

Aber so beginnt das Buch gar nicht. Es beginnt, als Charly, glaube ich, siebzehn ist und sich im namensgebenden Bugalow ihrer Nachbarn befindet. Dort liegt sie mit dem Oberköper auf der Waschmaschine und läßt sich von Nachbarn Georg ficken. Seine Frau Maria schaut dabei zu.

Schön provokant, in Zeiten, wo die sexuellen Mißbrauchsskandale geahndet werden, habe ich wohl gedacht,  in Videos gesehen, daß sich Booktuber darüber empören und war beim Weiterlesen verwirrt, weil da nicht das kam, was ich in den Vorschauen gelesen habe.

Denn da wurde in einigen Kapitel, die beiden, Georg und Maria beschrieben und erst in Kapitel vier oder so fängt es so richtig an und kann wahrscheinlich abstoßen oder faszinieren. Nachdenken kann man darüber allemal, wenn man, ob der Verfrachtetheit dazu kommt.

Denn jetzt ist Charly zwölf und lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter in einem Hochhaus und von dort sieht sie auf eine Bungalow-Siedlung, wo die Reichen wohnen und bekommt ihre untere Sozialklasse damit so richtig mit.

Ich bezweifle, daß das in Wirklichkeit so passiert, denn die Reichen würden sich ja von den Assis nicht in ihre Wohnzimmer sehen lassen. Charly tut das aber und beobachtet, wie eine Frau, die sie die “Blockwartin” nennt, aus ihrem Bungalow hinausstirbt. Das Schauspielerpaar Maria und Georg ziehen dort ein und eine Abhängigkeit beginnt, die Helene Hegemann, glaube ich, sehr gut beschreibt.

Sie nennt es “Ich will nicht von ihnen adoptiert werden, sondern mit ihnen ficken!” und beschreibt dann Studien von Schwänen, die sich auf das nächste Ding fixieren lassen, beispielsweise ein Tretboot, wenn sie ihre Mutter verlieren.

Aber Charly hat noch eine Mutter. Die liegt im Bett und säuft. Manchmal steht sie auf und liefert sich mit Charly einen Kampf oder ein Schreiduell. Dann versucht sie wieder ein paar Tage lang nichts zu trinken und Charly und dem Vater normale Welt vorzuspien. Ja, richtig, einen Vater gibt es auch. Der kommt zu Weihnachten und zum Geburtstag, bringt ein Geschenk und verabschiedet sich wieder und wenn das Geld ausgeht haben Mutter und Tochter tagelang nichts zu essen.

Das Ganze spielt, wie beschrieben, in der Zukunft, etwas, das ich eigentlich auch unnötig finde. Mir würde die Sozialbeschreibung reichen und eigentlich, wenn man genau liest, ist es so gar nichts mit der Zukunft, gibt es ja Festnetztelefone und Schauspielernamen, die, glaube ich, aktiv unterwegs sind. Es gibt aber auch Flugautos, Ozonwarnungen, wo man das Haus nicht verlassen darf, etcetera und dazwischen geht Charly ganz normal in die Schule, beobachtet ihre eßgestörten Mitschülerinnen, während sie real hungert, weil die Mutter kein Geld mehr hat. Beobachtet, wie die frustrierten Jugendlichen Hamster kaufen und von einer Mauer fallen lassen und sie steht daneben und ärgert sich, daß sie nicht reagieren konnte.

Das scheißnormale Alltagsleben halt. Der Lehrer ist Afrikaner. Charly wird zu manchen Parties nicht eingeladen und, als die neuen Nachbarn kommen, beginnt sie sie, so könnte man es nennen, zu stalken.

Das Ganze wird, wie beschrieben, in Rückblednungen erzählt. Es ist von einer Selbstmordwelle die Rede, eine Explosion löst den Krieg aus. Die Mutter wird in die Psychiatrie eingewiesen, als sie ihr eigenes Grab schaufeln will, entkommt aber als einzige der brennenden Psychiatrie, weil sie ihre Medikamente nicht genommen hat und dadurch normal reagieren konnte.

Ja, sozialkritisch ist das Buch, der wahrscheinlich blitzgescheiten und vermutlich auch überforderten jungen Frau und der letzte Satz lautet:

“Das ist das Letzte was ich von ihr gehört habe. Ich bin dann ja irgendwann abgehauen.”

Ja, es ist ein Buch über die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihrer Mutter. Eine Haßliebe und wahrscheinlich die Geschichte einer überforderten Seele und Helene Hegemann hat, glaube ich, ihre Mutter auch sehr früh verloren,  ist mit Dreizehn zu ihrem Vater, einem Theaterschaffenden, gezogen und  da zu schreiben angefangen.

Ein ungewöhnliches Buch, das abgesehen von der Dystope, die mich genervt hat, sehr zu empfehlen ist, wenn man etwas von den Leiden oder den Krankheiten der heutigen Jugend erfahren will.

Im Verborgenen

Nun habe ich, weil es auf die Debutshortlist des öst Bp gekommen ist, Ljuba Arnautovics Familiengeschichte, ein “Roman nach wahren Begebenheit mit Orignaldokumentenm, die aber keine strenge Widergabe realer Personen ist”, steht im Anhang, doch gelesen und die Familiengeschichte, der 1954 in der SU geborenen Übersetzerin, Autorin und Journalistin, die ich vom “Exil-Preis” kenne, ist sicherlich interessant und Ljuba Arnautovic, arbeitet inzwischen, glaube ich, auch schon am zweiten Teil, zumindestens hat sie beim “Volksstimmefest” ein Stückchen daraus gelesen.

Die Familiengeschichte rührt an mehreren Teilen der Geschichte Österreichs, Russlands, etcetera, des vorigen Jahrhunderts, ist sehr realistisch geschrieben und leicht zu lesen, aber nicht fortwährend chronologisch erzählt und ist zum größten Teil die Geschichte von Ljuba Arnautovics Großmutter Genoveva, 1901, glaube ich, geboren, die viel erlebt hat, mit sechzig Jahren auch noch Jus studierte und sich sozusagen den Traum ihres Lebens erfüllte.

Beginnen tut das Buch mit dem Teil, den ich Ljuba Arnautovic schon mehrmals lesen hörte. Es ist 1944 und die Polizei findet einen Abschiedsbrief eines Walter Israel Baumgartens, der ins Wasser geht, weil er der Vorladung der Gestapo nicht folgen will.

Da kennt man sich noch nicht recht aus, kommt aber bald zu Genoveva, die streng und unnahbar geschildert wird und, die im Büro der evangelischen Gemeinde, als Sekretärin arbeitet. Sie versteckt jenen Walter, während die Polizei zu seiner Ziehmutter Aloisa kommt, um ihr seinen Selbstmord mitzuteilen, im Hinterzimmer ihrer Wohnung.

Dann geht es zurück in das vorige Jahrhundert, beziehungsweise in die Kindheit von Walter und Genoveva. Walter ist das jüngste Kind einer jüdischen Familie, wurde aber evangelisch aufgezogen und Aloisa ist das ehemalige Dienstmädchen, das nach dem Tod der Mutter, den Vater heiratete, eigentlich ins Kloster gehen wollte, aber die sieben Kinder ihres Arbeitsgebers, der auch bald gestorben ist, aufzog.

Während Genoveva,  Tochter mährischer Eltern, immer studieren wollte, es aber nur in die Handelsschule schaffte, dann einen Bosnier heiratet, von ihm ihr erstes Kind bekam, sich aber scheiden ließ, weil er sie nicht arbeiten lassen wollte, damals brauchte eine Frau dazu ja noch die Einwilligung ihres Mannes. Danach lebte sie mit einem Kommunisten namens Karl zusammen, bekam ein zweites Kind und als der Februar 1934 kam und die Eltern verhaftet wurden, schickten sie Slavko und Karl als sogenannte “Schutzbündlerkinder” nach Moskau, wo es ihnen zuerst sehr gut ging, der älteste Sohn Slavko, aber verhaftet wurde und 1942 im Gefängnis starb.

Karl ist mit seiner russsischen Frau und seinen zwei Töchtern, 1960 nach Österreich gekommen, aber ein großer Teil des Buches spielt in den letzten Kriegstagen, wo Genoveva im Hinterzimmer ihrer Dienstwohnung Walter und noch einige andere Juden versteckt und sie da vor dem Nazi-Hausmeister  und Blockwart vorbeischmuggeln mußte.

Sie kommt Walter näher, heiratet ihn nach dem Krieg auch. Er erhängt sich aber kurz danach, so daß ihr wahrscheinlich nichts mehr anderes, als das Jusstudium blieb und hier schildert Ljuba Arnautovic auch sehr eindringlich, die Angst der kleinen Mädchen vor der strengen Großmutter, die ihnen immer wieder das Foto ihres Sohnes Slavko zeigt und sie nicht verstehen können, wieso dieses “Kind ein Onkel sein kann?”

Ljuba Arnautovic hat, glaube ich, auch schon an einem Feature über  diesen Onkel gemacht und schreibt jetzt wahrscheinlich im zweiten Teil darüber und es ist sicherlich eine sehr spannende Familiengeschichte, die zu diesen Roman verarbeitet wurde, die in einer Zeit spielt, die mich sehr interessiert, so daß ich sehr froh bin, daß das Buch nun doch zu mir gekommen ist und mir  Maria Antonia Graff, die jetzt die Pressearbeit für “Picus” macht, wie mir Luba Arnautovic beim “Volksstimmefest” sagte, das PDF schickte.

Ein schönes Paar

Endlich, endlich, ganz langsam, geht es im Sinne des dreifachen Herbstlesens an Buch acht des dBps obwohl ich warhscheinlich wieder fast alle Bücher bekommen werde und nächsten Montag schon die Preisverleihung ist und wir wissen werden, ob Maxim Biller,  Nino Haratschwilii oder vielleicht doch ein anderer, das Rennen macht und das ist, habe ich, den Vorschauen entnommen ein  DDR-Roman, nämlich Gert Loschütz “Ein schönes Paar”.

Gert Loschütz? Noch nie etwas gehört, obwohl der 1946 in Genthin Geborene, wie ich “Wikipedia” entnehme, einmal mit Elfriede Jelinek zusammen war und das Buch wurde in Leipzig am Freitag offenbar gleich in der Früh am blauen Sofa vorgestellt und dort hat die Moderatorin den Autor mit David Lynch verglichen. Der ist, habe ich ebenfalls “Wikipedia” entnommen, ein Regisseur und Meister des Schwarzen und Skurrillen. Aber das ist ist das zweihundertvierzig Seiten Büchlein eigentlich gar nicht oder höchstens dahin konstruiert und es ist auch kein DDR-Roman, obwohl auch Gert Lüschütz 1957, wie seine Protagonisten in den Westen gekommen ist und ein Liebesroman, wo die Helden, wie es irgendwo steht, an der Liebe scheiterten, ist es eigentlich auch nicht. Was ist es dann?

Eine sehr schöne und tatsächlich etwas geheimnisvoll durch die vielen Auslassungen und Sprünge wirkende Geschichte, von einem Paar, er 1918 geboren, sie wahrscheinlich etwas später, das sich vor dem Krieg kennenlernte, heiratete, einen Sohn bekam, Philipp, ein Photograph und Erzähler des Ganzes und die später, nämlich 1957 in den Westen gingen.

Sie, Herta ist Schneiderin und liebt schöne Kleider, er, Georg, Berufssoldat und da fährt er irgendwann nach Bonn läßt sich dort als Berufssoldat anheuern und als er in die DDR zurückkommt, liegt dort ein blauer Amtsbrief im Postkasten und das Paar zuckt aus.

Georg muß in den Westen, bevor die Stasi kommt, die Mutter mit dem Kind kommt später nach, was sie auch tun und weil man kein Geld mitnehmen darf oder das im Westen nichts Wert ist, kauft sie eine Kamera, die sie später verkaufen will, was aber nicht geht, was offenbar das Unglück der Geschichte ist.

Denn nun verläßt die Mutter Mann und Kind und schreibt jahrzehnte lang nur noch Ansichtskarten: “Mir geht es gut, wie geht es dir?”

Das habe ich schon in “Amerika” gelesen und in “Opoe” forscht einer ja auch seiner Großmutter nach, wie Philipp es bei seinen Eltern tut. Denn das Buch, das habe ich noch nicht erwähnt, beginnt mit dem Tod des Vaters. Die Mutter stirbt ein paar Wochen später, kommt aber noch in einem schönes Kleid zum Begräbnis und antwortet auf die Frage, daß sie “zufällig” vorbeigekommen ist.

Denn die Beiden waren nicht geschieden, obwohl sie seit vierzig Jahren getrennt lebten. Die Mutter zuletzt in einem Pflegeheim. Der Vater mit einer Haushälterin uind Philipp muß nun mit seiner Freundin Milia, die eigentlich die Frauen liebt, auch so was Geheimnisvolles, Angedeutetes, die Wohnungen ausräumen und sinnt dem Vergangenen nach.

Gert Loschütz hab ich irgendwo gelesen oder gehört, ist schon 2005 aus der Shortlist des dBps gestanden und ich finde es sehr spannend, wie man aus eigentlich nichts soviel machen kann. Denn darin ist der Autor wohl ein Meister, könnte man doch sagen, da passiert eigentlich nicht soviel Außergewöhnliches. Denn alle Eltern sterben ja einmal und man muß dann die Wohnungen ausräumen, entdeckt Briefe, Fotos, Tagebücher und sinniert nach und, wie die Trennung der Beiden mit der Flucht aus der DDR und der Kamera zusammenhängt ist mir nicht ganz klar geworden. Das war wahrscheinlich aber auch gar nicht die Absicht des Autors, der aus Alltagssplittern eine geheimnisvoll anmutende Geschichte macht, in der Zivildiener in Kaftans herumrennen, was ja nicht gerade alltäglich ist.

Die vier Weltteile

Nun kommt schon Buch sieben der östBp, ich hatte da ja den Startvorteil zum Zeitpunkt der Listenveröffentlichung schon fünf Bücher gelesen zu haben, nämlich Hanno Millesis “Die vier Weltteile” und die, die mich lesen, wissen, daß ich den 1966 in Wien geborenen, den ich manchmal bei Verantaltungen in der “AS” etcetera, auch im Publikum sehe, sehr mag.

Der Name ist mir schon seit den Zeiten bekannt, als ich mich noch um ein Staatsstipendium beworben und die Liste der glücklich Auserwählten zurückbekommen habe. Dann hat er bei Ernst Kostals “Psychose-Veranstaltungen” im Literaturhaus gelesen und da haben mich seine sehr beeindruckenden makabren Kindsschilderungen sehr gefallen unde stimme auch dem zu, was ich den Pressestimmen über Hanno Millesi gelesen habe, daß er ein Meister der skulrillen Alltagsbeschreibung in allen ihren Details, wäre.

Er hat  2006 beim Bachmannpreis gelesen und im Vorjahr den “Priessnitz-Preis” bekommen, wo ich, was mir immer noch leid tut, aus Termingründen nicht bei der Preisverleihung war.

Ich war dafür bei mehreren Lesungen im Literaturhaus beispielsweise, habe aber noch nie ein Buch von ihn gelesen, den “Schmetterlingstrieb” aber im Vorjahr im Schrank gefunden und jetzt mein erster Millesi von dieser schönen Buchpreisliste und muß sagen, ich bin, wie weiland bei Valerie Fritsch enttäuscht, denn dieser “Museumsbesuch mit Folgen” ist, wie ich finde, ein sehr “künstliches” Buch und etwas, was sich in Wahrheit höchstwahrscheinlich nicht so abspielen würde.

Schon die Idee ist in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich etwas billig. Da geht eine Gruppe von Menschen, eine Familie ist es, glaube ich, nicht, sondern zwei Erwachsene Wanda und der  sehr geschwätzige und fast  so allwissend,  wie Maxim Biller, tuende Erzähler mit vier Kindern Tessa, Konrad, Iggy und Emiliy ins kunsthistorische Museum und als sie zum Ausgang wollen, kommt der Aufseher mit dem Funkgerät und murmelt etwas von technischen Problemen, so daß sie noch in den Räumen bleiben müssen.

Der Erzähler erzählt uns in Laufe der hundertzweiundfünfzig Seiten, was geschehen ist. Ein Terrorist Hussein Y, genannt, wollte aus religiösen Gründen eines der Madonnenbilder mit einer Spraydose zerstören. Mußte beim Eingang aber seinen Rucksack zeigen und verletzte so mit einem Messer zwei Personen und während  unten im Foyer, die Einsatz- und Reporterteams anströmten, rennen die sechs von Saal zu Saal und verlieren sich in den Bildern.

In einer der Rezensionen habe ich die Frage gelesen, ob das Buch nicht etwa der Versuch sein könnte, dem Leser einen Museumsrundgang schmackhaft zu machen und ihm so auf unterhaltsame Weise, die Bilder, die dort hängen, zu erklären.

Das glaube ich nun nicht, daß es Hanno Millesi, der Kunstgeschichte studiert hat, so billig  machen würde. Aber ich war  schon einmal im kunsthistorischen Museum, wo zu bestimmten Bildern, einige kommen glaube ich in dem Buch auch vor, Schauspieler dazu geschriebene Texte lasen, was mich aber besonders störte, ist die Künstlichkeit, die das Buch ausstrahlt.

Da weiß ich, unter mir geschieht ein Terroranschlag, die Aufseher tun nichts und wenn man sie fragt, wann man hinaus kann, drücken sie nur scheinbar auf ihr Funkgerät, Wanda hat sogar die Angst, man könnte geopfert werden und nie mehr hinauskommen und dann rennt man von Bild zu Bild und  gibt kunsthistorische, beziehungsweise höchst kunstvolle literarische Betrachtungen darüber ab?

Der Erzähler steht auch einmal am Fenster und sieht die Polizei und die Rettungsautos unten anfahren, der Aufseher schlägt den Kindern vor, sich Bruegels “Kinderspiele” anzusehen und die vier schlagen dann Purzelbäume im Museum und diskutieren übers Reifenspielen. Ich denke eher, daß heutige Kinder dieses Bild  wahrscheinlich langweilig finden, habe mir aber während des Lesens immer wieder die entsprechenden Bilder, so weit ich sie, als solche indentifizieren konnte, im Netz angeschaut, was auch ein Kritikpunkt an den Verlag wäre, daß es in Anhang kein Verzeichnis der zitierten Bilder gibt, denn das sind sehr viele.

Peter Paul Rubens “Die vier Weltteile” ist der Titelgeber, dann kommt der “Turmbau von Babel” vor, die “Judith mit dem Holofernes”, was wieder sehr schön die Grausamkeit dokumentierte, die in diesem Museum, wo es ja von Schlangen, Drachen und abgeschlagenen Köpfen auf den Bildern, nur so wimmelt, herrscht und man eigentlich die Frage stellen könnte, ob es hier nicht vielleicht ein Jugendverbot geben sollte, der “Heilige Sebastian” und und vor.

Die sechs diskutieren über die Bilder, die Kinder stellen Fragen, eine verwirrte Frau taucht auf, die den Erzähler nervt, ein Touristenpaar hat das alles gar nicht mitbekommen, zwei alte Männer in karierten Hosen und Regelmantel fangen zu streiten an und ein offensichtlicher Rechtsanwalt, einer der skurrilen Einfälle Hanno Millesis, würde ich vermuten, kauert zitternd am Boden. Er wollte die pause zwischen zwei Verhandlungen für ein bißchen Kunst nutzen und jetzt das.

Die Kinder bauen ihn ein bißchen auf und finden dann auch einen Lift mit dem sie zu dem Zeitpunkt, wieuns der Erzähler verrät, sich Hussein Y. schon auf dem Weg ins Krankenhaus befindet, hinunterfahren und an den Reportern und sonstigen Getümmel vorbei, das Museum verlassen,  mit der Straßenbahn nach Hause fahren und dabei noch die weise Erkenntnis mitnehmen “Daß der Museumsbesuch nicht umsonst gewesen ist.” Die Kinder werden sich dann noch die Frage stellen, ob in Zukunft nicht jeder Museumsbesuch so dramatisch sein muß.

Natürlich nicht und auch ich habe, wie man vielleicht sagen könnete, einen sehr vergnüglichen Rundgang gemacht, aber Hanno Millesi, den ich, ich wiederhole es, sehr mag, eigentlich für “besser” gehalten.

Die Rezensenten kann ich noch erwähnen, betonen, daß es schon ein Buch, das in einem Museum spielt, nämich Donna Tartts “Diestelfink” gibt.

Dann gibt es noch “Die alten Meister” füge ich hinzu, wo einer ja auch ins kunsthistorische  Museum geht, wo niemand Bilder mit Spraydosen, was ja eigentlich noch ziemlich harmlos ist, beschmieren will, sondern die ganze Zeit  resumiert, ob er am Abend ins Burgtheater gehen soll und die Vorstellung dann, nachdem er es tat, eine “fürchterliche” war, was mich einmal mit der kleinen Anna auf den Zug nach St.Pölten wartete, sehr zum Lachen brachte und ich selber, kann ich noch erwähnen, habe in “Kerstins Achterl”  auch eine Szene, wo im kusthistorischen Museum vor einem Gemäde von Velazques Geburtstag gefeiert und eine Marmelade promotet wird.

Der Vogelgott

Buch sieben des dBps 2018 und eines das auf der Shortlist steht, von dem ich schon in der letzten Leseauslese in der “Gesellschaft” sehr viel Lobendes gehört habe, so daß ich sehr gespannt auf das Lesen war. Der obligtorische “Jung und <Jung”, der es regelmäßig auf die LL schafft und wieder von einer Frau, nämlich von der 1953 in Darmstadt geborenen Susanne Röckel, von der ich sonst noch nicht viel gehört habe geschrieben wurde.

Das Buch wird überall oder jedenfalls sehr viel wegen seiner Mystik, deren Bann man sich nur schwer entziehen kann, gelobt und sowohl mit E. T. A. Hoffmann, als auch mit Edgar Allen Poe verglichen.

Dem stimme ich nur teilweise zu, das heißt an E. T. A Hoffmann, den ich ja sehr mag und früher viel gelesen habe, hat es mich nicht erinnert und Edgar Allen Poe habe ich nicht gelesen und ich würde auch eher meinen, daß kein Roman ist, sondern aus vier Erzählungen besteht, die alle von einer Familie handeln und mit den Vogelgottmotiven, die mir nicht immer nicht ganz klar wurden und die ich auch mehr oder weniger gut ausgearbeitet fand, besteht.

Es beginnt mit einem Prolog und der ist sehr mystisch und kann eine durchaus in den Bann ziehen. Da reist ein Vogelforscher in ein seltsames Land um einen seltsamen Vogel zu suchen. Die menschen sind dort sehr komisch und starren ihn nur an. Es gibt kein Essen und eigentlich auch kein Hotel, sein Rucksack mit den Ferngläsern wird gestohlen und als er auszieht, um einen seltsamen Vogel den er gesehen hat, zu erlegen, begegnet er auch einem seltsamen Mann mit einem seltsamen widerlichen Geruch, der einen an Mephisto erinnern könnte. Aber der ist ja kein Gott sondern das Gegenteil. Gezeichnet ist das Ganze mit “Konrad Weyde. Der Vogelgott. Unveröffentliches Manuskritpt” und der ist Lehrer, Vogelforscher und der Vater von Theodor, Dora und Lorenz und denen sind die anschließenden drei Kapitel gewidmet, von denen das erste “Im Land der Aza” noch viel von jener Anfangsskurlilität hat, die später, wie ich bemängelt würde, ausdünnt.

Da ist also Theodor, der jüngst Weyde, vom strengen Vater, am meisten geliebt, der studiert Medizin, hat aber keine rechte Lust dazu. Hört also damit auf und geht eines Abends in ein ebefalls seltsames Lokal, wo er einen seltsamen Mann, der auch diesen unheimlichen Geruch hat trifft, der Vic Tally heißt, seltsame Namen gibt es also auch und der heuert ihn an für ein Jahr als Arzt oder medizinischer Helfer nach Aza zu gehen. Dazu braucht er ein Visum ein ebenso seltsamer Herr Petri gibt ihm das, warnt ihn aber vor einem “Chief Ali”, den dann in Aza Town keiner kennt.

Dort wird er in einem ebenso heruntergekommenen Hotel einquartiert, muß lange warten, bis er in das Missionsspital kommt, wo ihm die Nurses zuerst mißtrauisch beäugen, dann ein jungesMädchen namens Miranda bei ihm einquartieren, einen seltsamen Aufstand gibt es auch, so daß er schließlich in der Psychiatrie landet.

Kapitel zwei “Die Madonna mit der Walderdbeere” das von Dora, der Kunsthistorikerin handelt, die über den, ich glaube, im sechzehnten Jahrhundert gelebt habenden MalerJohannes Wolmuth promovieren will, erscheint mir schon viel ausgedünnter, denn während nur Theodors Handie ahnen läßt, daß der in der Jetztzeit lebt, geht Dora in ihr ehemaliges Wohnhaus zurück, in dem sie mit ihren Brüdern, dem strengen Vater und der kränkelnden Mutter lebte und sieht, das ist jetzt ein moderner Wohnblock und das Kapellchen, in dem sie als Kind oft mit der kranken Mutter war und in dem das oben beschriebene Bild, des Malers hängt ist hinter einem Container verborgen. Der schlüßel ist beim Diakon zu holen und der ist, wen wundert es, ein ebenso seltsamer Mann.

Dora beginnt zu forschen, entdeckt unter dem Bild ein anderes, der Vogel Greif kommt auch vor, als sie das aber ihrem MannHans, auch ein Kunstprofessor und ihrem Dorktorvater sagen will, sind die entsetzt und aus der Dissertation wird nichts Rechtes und dann geht es zu Lorenz dem ältesten der Weyde-Kinder. Der ist Journalist, hat eine Frau und zwei Kinder und schon einmal etwas mit einem Stubenmädchen in einer Pesnion mit der er mit der Familie Urlaub machte,  gehabt, die heißt Clara und hat auch den dumpfen Geruch. Sie will ihn aber nicht wirklich und so geht es in die Stadt zurück, wo er, der seit der Zeitungskrise nur mehr freiberuflicher Mitarbeiter des “Tagblattes” von seinem Chef den Auftrag bekommt, über den Tod eines Kindes zu schreiben.

Dessen Geschwister zeigen ihm die vogelähnlichen Zeichnungen des Kindes und er bekommt heraus, daß viel Kinder schreckliche Träume haben und dann in ein Sanatorium eingeliefert werden. Das ist eigentlich eine Pharmafirma und gehörte einem Herrn Morton, den wir schom vom Dora Kapitel kennen.

Da trittt er in den “Vettern Stiftungen” auf, wo Dora ein Stipendium hat, wird aber von seinem Begleiter hypnotisiert, so daß er immer kleiner wird und er hat als Gymnasias,t er war Schüler an der Schule, wo Lorenz Frau unterrichtete, ein Stück über Prometheus geschrieben, das die gerade mit ihren Kindern aufführt.

In der Klinik gibt es auch einen ähnlich hypnotisierenden Professor Toryk Allt und Lorenz Chef will von der Reportage, die der ihm anbietet, auch nichts wissen. Er forscht aber weiter, begegnet im Turm der Klink dem Herrn Morton, der mit dem Rollator geht und  ihm seine Vogelzeichnungen zeigt.

Es kommt auch der Herr Petri wieder vor, der der Zeitung seine Geschichte über die Kriegshandlungen im Land der Aza anbietet und am Ende finden sich die Geschichter allezusammen in Theodors Klinik wieder und erinnern sich an ihre Kindertage wo sie im Garten “Verschwinden” spielen.

“Wer sich auf diese fantastische Geschichte einlässt, entkommt ihr nicht mehr!”, steht am Buchrücken. Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Vor allem die ersten zwei Geschichten haben mich vom Ton sehr berührt und ich habe gedacht, etwas anderes als die vielen Midlifekrise-Kriegs- und DDR-Romane, die sonst auf der Liste stehen. Dann sind mir vor allem in den letzten zwei Kapitel die Verbindungen zu dem Vogelgottmonster zu aufgesetzt und willkürlich erschienen und ich habe wahrscheinlich, wie die “Einstern- Amazon-Rezensenten”, nicht alles verstanden und wenn ich Susanne Röckels Lektor wäre, hätte ich an den letzten beiden Geschichten noch mehr gearbeitet.