Zwei Buchvorstellungen

In der “Alten Schmiede” stellt jetzt Angelika Reitzer unter dem Titel “Lesung und Lesart – neuzuentdeckende Bücher” vor und diesmal waren es zwei kleine feine von steirischen Autoren und die 1971  geborene Angeilka Reitzer ist ja auch Steirerin, nämlich Franz Weinzettl und Andreas Unterweger, alles mehr oder weniger gute bekannte.

Den 1955 in Feldbach geborenen Franz Weinzettl kenne ich eher weniger oder sagen wir, er ist mir eher als Autor des früheren “Residenz-Verlags” bekannt und das dort 1990 erschienene Buch “Im Pappelschatten” habe ich auf meiner 2016 Leseliste.

Also eine Neuentdeckung des Autors, der inzwischen bei der “Edition Korrespondenzen” verlegt und da über Züge und jetzt über Friedhofbesuche geschrieben hat.

“An der Erde Herz geschmiegt” heißt der Band, der wie Angelika Reitzer einleitete von Friedhofbesuchen erzählt, die der Besucher in der Weltstadt, der Hauptstadt, der Heimatstadt, etcetera absoviert. Namen werden nicht genannt, mal besucht er mehrmals am Tag einen, mal weniger, er geht dort zu den Gräbern von flüchtigen Bekannten, sucht aber auch, die von Schriftstellern auf, denn er ist selbst ein solcher uns schreibt dann darüber.

Die erste Geschichte hat Franz Weinzettel gelesen, da geht es zuerst an das eine Ende der Weltstadt, zu einem  Verwandten, den er zwar im Leben gemieden hat, ihm jetzt aber eine Kerze stiftete, dann ans andere Ende auf den jüdischen Friedhof, wo man eine Kopfbedeckung tragen muß.

Angelika Reitzer fragte im anschließenden Gespräch nach der Recherchearbeit und ob Franz Weinzettel auch jetzt noch auf Friedhöfe gehen würde, er tut es nicht, denn dieses Thema ist jetzt abgeschlossen und das nächste wird irgendwann folgen, so wie er auch jetzt nicht mehr als sonst mit Zügen fährt, aber da manchmal noch auf  sein diesbezügliches Buch angesprochen wird.

Dann ging es weiter zu Andreas Unterweger und den habe ich 2008, glaube ich, über Andrea Stift kennengelernt, mit der ich ja damals eine Blogbekanntschaft hatte.

Da ist auch sein erstes “Droschl-Buch” “Wie im Siebenten” erschienen, das habe ich inzwischen auch auf meiner Leseliste.

Dann folgten “Du bist mein Meer” und  “Das kostbarste aller Geschenke” wo sich der  1978 in Graz geborene, der inzwischen in Niederösterreich lebt und Vater ist, “Notizen” zu seiner Vaterschaft machte und jetzt ist das “Gelbe Buch”, wieder bei “Droschl” erschienen, wo es um eine Kindheit im gelben Haus, im gelben Land geht und wo, wie Angelika Reitzer in der Einleitung erklärte, verschiedene poetologische Textformen vereint wurden.

Das erste Kapitel handelt von einem “Alten Waschbär” und sollte eigentlich ein Kinderbuch werden.

Das wollte der Verlag auch nicht haben, Andreas Unterweger hat aber weitergeschrieben, dann war der Lektor zufrieden und so ist das “Gelbe Buch” mit einem roten Cover entstanden und Andreas Unterweger, den ich schon öfter bei Lesungen hörte, ist wirklich ein eher unkonventioneller Autor mit unkonventionellen Ideen und so geht es in der Kindergeschichte, zu der Andreas Unterweger durch sein Haus in Niederösterreich, das eigentlich rosa ist, beziehungsweise durch die Landschaft dort inspiriert wurde, um einen Biber, der jeden Morgen schwimmt, im Sommer tut er das, denn die Sommer sind hell und schnell, während die Winter lang und dunkel sind, der Großvater kocht den Buben Tomatensauce, die sie nicht mögen und bei der Nennung des Namens das Gesicht verziehen, während Paradeissauce ihr Lieblingsessen ist, geht.

Interessant das vierte Buch von Andreas Unterweger, der fünf Jahre daran geschrieben hat, spannend  was er als Nächstes schreiben wird, aber ich habe ja noch den Erstling zu lesen und freue mich darauf.

Und am Donnerstag werde ich von meinem Psychologiekollegen Wolfram Huber Besuch bekommen, der sich in seiner Pension intensiv mit Bertha von Suttner und Alfred Fried interessiert und mich deshalb schon einmal besuchte.

Ich habe  auch durch ihn angeregt, die Nobelpreisträgerin in mein “Schutzengelchen” einbezogen. Das Buch, dem Wolfram gewidmet, über das er mit mir sprechen will.

Vierundvierzig Gedichte von Reinhard Priessnitz

Der 1945 geborene Reinhard-Priessnitz ist mir eigentlich hauptsächlich als Namensträger des “Priessnitz-Preises” bekannt, der immer Ende Oktober zu seinem Geburtstag im Literaturhaus an einen meist  experimentell jüngere Autorin oder einen jüngeren Autor, vergeben wird, bekannt.

Stimmt nicht ganz, bei einem der Büchertürme die es bei der “Literatur im März” einmal gegeben hat, habe ich einen seiner Werkbände gefunden, aber noch nicht gelesen und Anfang dieses Monats war ich im Literaturhaus bei der “In Memoriam-Lesung”, da hat Ferdinand Schmatz auch die “Vierundvierzig Gedichte”, das einzige zu Lebzeiten erschienene Priessnitz-Buch vorgestellt.

Ansonsten war  der Name für mich eine Legende, wie der von Norbert C. Kaser, der inzwischen, glaube ich, eher vergessen ist, da habe ich mir in den Neunzigerjahren einmal ein Buch gekauft, daß das bei Reinhard Priessnitz nicht  so passiert,  sorgt, glaube ich, der “Priessnitz-Preis, die “Alte Schmiede” und der Nachlaßverwalter oder Werkherausgeber Ferdinand Schmatz, der diese “Stunde der literarischen Erleuchtung” auch gemeinsam mit Konrad Priessnitz, den 1974 geborenen Sohn, der auch an der Sprachkunst studiert hat und inzwischen Sonette veröffentlicht hat, gestaltete.

Das heißt eigentlich hat er sie fast allein gestaltet, denn Konrad Priessnitz ist erst kurz vor Ende gekommen und hat ein paar der Gedichte gelesen, die Ferdinand Schmatz vorher schon kommentierte und Kurz Neumann hat eingeleitet und erzählt, daß Priessnitz kurz vor seinem Tod ein Symposium in der “Alten Schmiede” unter dem Titel “Unvollendet” oder so, vorbereitet hat.

Er hat auch öfter in der “Alten Schmiede” gelesen. Ich glaube an die fünfzehn Mal in verschiedenen Rollen. Als Autor, Lektor und Kollegem wie Kurt Neumann betonte, der auch seine Kollegalität hervorgehoben hat. Ich war glaube ich, bei keiner dieser Lesungen, also fast ein Debut und auch eine Überraschung, denn nachdem ich bis jetzt gehört habe, habe ich mir einen sehr experimentellen Dichter vorgestellt und so hat ihn Ferdinand Schmatz, der das ebenfalls ist und Sprachkunstprofessor auch beschrieben und von Montage gesprochenm beziehungsweise einen Briefwechsel mit einem Freund vorgeselesen, wo Priessnitz sich auf sein Dichten bezieht und beschreibt, wie er monitert, neue Worte schafft, in dem er Silben verschiebt, Dialket und anderes einarbeitet, etcetera.

Dann gibt es aber durchaus Konventionelles unter den Gedichten zu hören, einiges was sich fast oder wirklich reimt, also eine Überraschung und ein Grund ihn zu lesen, vielleicht wenigstens die “Texte aus dem Nachlaß”, die in meinen Regalen  schlummern.

Ferdinand Schmatz, der Professor hat sehr viel erklärt und erläutert, von seiner Begegnung mit dem Dichter und dem Mißtrauen, das er damals gegen Gedichte hatte, gesprochen, was ich ich sehr interessant gefunden habe. Der Dame neben mir, ist es zu viel gewesen, so daß Sie “Fangen Sie doch endlich zu Lesen an!”, gerufen hat.

Da hatte Ferdinand Schmatz aber schon einiges gelesen und er hat auch mit dem Gedicht “Premiere” begonnen.

Dann gibt es zwei “Schneegedichte”, die ich als konventionell interpretieren würde. In den Brief an den Freund, schreibt Priessnitz auch, daß einiges gelang, einiges nicht.

“Da wird sich die Literaturwissenschaft wohl fragen, was das nicht Gelungene ist!”, ätzte Ferdinand Schmatz.  Ging  zum letzten Gedicht über und “der blaue Wunsch” wurde zweimal gelesen, zuerst von Schmatz, dann von Konrad Piessnitz.

Das Gedicht “Mund” dürfte eher der konkreten Poesie angehören und Ferdinand Schmatz erwähnte auch den starken Bezug zur Wiener Gruppe, zu Ernst Jandl und Friederike Mayröcker.

Sehr spannend, diese Wiederbelebung und die Freunde oder Piressnitzfans waren im Publikum auch zu finden.

Hans Jörg Zauner, auch ein “Neue Texte-Autor,” die Heimrad Bäcker “Edition”, die dann von “Droschl” übernommen wurde, wo auch die “Priessnitz-Werke” erschienen sind.

Angelika Kaumfann, Peter Rosei, Gerhard Jaschke, Judith Nika Pfeifer, Heinz R. Ungar und und…

Ich habe sicher einige vergessen und ebenso interessant, daß die Nicht-Lyrikerin, die ich ja bin, für meinen “Adventkalender” vor einigen Tagen, beziehungsweise mitten in der Nacht ein Gedicht geschrieben hat, wo ich  auch  experimentiert beziehungsweise verdichtet habe:”

“Weihnachtswald, Weihnachtskind,

Weihnachtsmann, komm her geschwind

Weihnachtsfrieden, ach genau

Weihnachtsmann sucht Weihnachtsfrau”

Mit Priessnitz sicherlich nicht zu vergleichen, ich finde es aber auch sehr dicht.

Stimmen aus dem Iran

“Die “Literatur im Herbst”, deren Eröffnungsveranstaltung ich wegen der “Poet-Night” leider versäumte, hat sich heuer ein ganz besonders brisantes Thema ausgesucht.

“Literatur aus dem Iran”,  von der ich, obwohl ich ja eigentlich sehr belesen bin und auch über den Tellerrand hinausschaue, nicht viel weiß und so waren mir die Namen auf dem Programm auch mehr oder weniger unbekannt.

Mit ausnahme von Ilija Trojanow, einem der Kuratoren natürlich,  dessen LL-Buch “Macht und Widerstand” auch so ziemlich eines der wenigen auf dem Büchertisch, das ich kannte.

Stimmt nicht ganz, denn dieses iranische Comic “Persepolis” wurde, glaube ich noch bei der “Literatur im März” einmal vorgestellt, aber der Eröffnungsredner, der 1956 in Teheran geborene Amir Hassan Cheheltan war mir unbekannt, zum Glück ist aber seine Rede nicht nur im “Wochenend-Standard” abgedruckt, sondern er stand gleich um fünf mit seinem neu auf Deutsch erschienenen Roman “Iranische Dämmerung” am Programm.

Vorher konnte ich noch beobachten, daß die iranische Gemeinde in Wien sehr groß sein dürfte, denn sie strömte zahlreich herein und hat dann, glaube ich auch, den “Brigitte Salanda Stand” ziemlich leer gekauft.

Amir Hassan Cheheltan absolvierte in England ein Studium der Elektrotechnik, lebt in Teheran und das Gespräch mit Ilija Trojanow drehte sich unter anderem um die Zensur.

Da gibt es in dem präsentierte Roman zum Beispiel eine Stelle mit einem homosexuellen Vater, das wurde aber so verklausuliert beschrieben, daß die es nicht bemerkte, sondern ihm eine andere Stelle mit einem Mädchen hinausstrich.

Nun ja zu Zeiten Nestroys hat es das, glaube ich, auch bei uns gegeben und der zweite Autor, der dann folgte, der 1959 geborene Sharam Rahimian, ist ebenfalls sehr jung zum Studium ins Ausland, nämlich nach Deutschland gegangen, nach der Revolution aber in Hamburg geblieben, so daß er inzwischen schon auf Deutsch Kriminalromane schreibt.

Andere seiner Romane liegen aber noch wie im Programm steht, bei der iranischen Zensurbehörde.

Vorgestellt wurde “Dr. N. liebt seine Frau mehr als Mossadegh”, wo es, wie der Autor betonte hauptsächlich um die Liebe geht. Es geht aber auch um ein Interview zu dem Dr. N. gezwungen wurde, wo er  seinen Chef verriet, daran  hat er dann sehr zu leiden, bezeihungsweise ist das der Romangegenstand.

Dann folgte eine Frau, nämlich die inzwischen in Amerika lebende, 1946 geborene Soziologin, Shaharnush Parsipur, deren Roman “Frauen ohne Männer” verfilmt wurde und der sowohl realisitische als auch surrealistische Elemente zu beinhalten scheint, so geht es um Männer ohne Köpfe und um Bäume, aber vor allem wahrscheinlich, um Frauen, die sich von der Männerherrschaft befreit haben.

Nach einer Pause gab es dann noch “Eine poetische Reise durch die klassische Lyrik aus dem Iran”, die von Ufuk Özturk ausgewählt und präsentiert wurde.

Begleitet wurde er davon musikalisch durch Nariman Hodjaty und Amirkasra Zandian und in fünf Stationen ging es durch die Gedichte von Attar, Hafez, Saadi, etcetera.

Ufuk Özturk hat die Stationen, beispielsweise das Tal der Liebe, das der Bedürfnislosigkeit, der mystischen Erkenntnis oder der Verwirrung genau erklärt. Einen noch gründlicheren Streifzug durch die iranische Literatur kann man aber auch in einem Aufsatz von Maryam Moayedpour im “Hammer” finden, den es wieder  als Spezialausgabe gab.

“Also sehr interessant!”, wie die neben mir sitzende Dame zu mir sagte, die mir erzählte, daß sie sich inzwischen nur mehr von iranischen Brot ernährt, das sie sich aus einem Spezialgeschäft im zwanzigsten Bezirk besorgt und die  sich gleich von einigen der Iranerinnen  einiges erklären ließ.

Am Sonntagvormittag ist es dann mit einem Werkstattgespräch in der “Alten Schmiede” zum Thema Lteratur und Macht zwischen Monireh Baradaran, das ist eine 1955 in Teheran Geborene, die inzwischen in Deutschland lebt und viel über Folter und ihre Jahre im Gefängnis geschrieben hat, den in Teheran lebenden und in deutschen Zeitschriften publizierenden Amir Hassan Cheheltan und Josef Haslinger, 1955 in Zwttl geboren, inzwischen Co-Direktor in Leipzig und Präsident des deutschen PEN, was mir zwar ein bißchen unverständlich ist, weil ich dachte, als GAVler darf man nicht beim PEN sein, beim deutschen PEN aber offenbar doch und  erzählte viel über das “Writer in Prison Programm”, für das sich der PEN sehr einsetzt, gab Beispiele und meinte, daß es am schwersten sei, sich für die Rechte der Blogger einzusetzen, weil man Blogs löschen kann, während Bücher  nicht zu übersehen wären. Daran spann sich eine Diskussion, weil Blogs ja wieder eine Möglichkeit sind, seine Stimme zu erheben, wenn man sonst keine hat, wie ich das beispielsweise betreibe und Monireh  Baradaran meinte, daß es manche Bücher nur über “Amazon” zu bekommen wären.

Das wurde dann auch sehr diskutiert und der Diskussionsleiter fragte Amir Hassan Chelltan dann noch, wie er es schaffe, in Teheran zu leben und trotzdem kritisch zu sein?

Das läge wahrscheinlich am Bekanntheitsgrad meinte der und weiter, daß es in Teheran zwar verbotene Bücher gäbe, man diese aber sehr leicht am Schwarzmarkt kaufen könne, wobei es ihm natürlich lieber wäre, offiziell erscheinen zu können, weil er auch verdienen will.

Am Nachmittag ging es dann mit zwei Frauen weiter, nämlich mit der 1966 geborenen, in Teheran lebenden Sara Salar, die als einzige der Frauen ein Kopftuch trug und von Jutta Himmelreich als junge Wilde bezeichnet wurde, in ihrem Roman “Hab ich mich verirrt”, der zuerst in großer Auflage erschien, dann von der Zensur verboten wurde, geht es um eine junge Frau, die einen Tag durch die Stadt fährt, um ihr Kind vom Kindergarten abzuholen und dabei über ihr Leben reusumiert.

Monideh Baradaran, die jahrelang im Gefängnis saß, gab dann ein Beispiel aus ihrem Bericht “Erwachen aus dem Alptraum” und zuletzt kam noch, der ebenfalls in Deutschland lebende Abbas Maroufi, der in Berlin eine Buchhandlung betreibt und ein Internetprojekt für schreibende Iraner startete. Er las mit Ilija Trojanow im Duett die Erzählung “Totenklage”, wo aus der Sich eines Jungen, der seinen Großvater begleitet, erzählt wird, wie eine Familie versucht ihren hingerichteten Sohn zu begraben.

Wirklich sehr beeindruckend, die iranische Literatur, die uns WalterFamler da vermittelte, jetzt müßte ich das alles oder einiges daraus, nur noch lesen.

 

Buch-Wien und Lesefestwoche

Buchmesse

Buchmesse

Zum achten Mal gibt es jetzt schon die “Buch-Wien” im Messegelände, die die gute alte “Buch-Woche”, die zuletzt im Wiener Rathaus stattfand, verdrängte und die wird  mit einer Lesefestwoche, literarischen Veranstaltungen in ganz Wien an den verschiedensten literarischen Orten, verbunden, die am Montag im Wiener Rathaus mit einer Präsentation von Tomas Sedlacek und Oliver Tanzers Buch  “Lilith und die Dämonen des Kapitals” eröffnet wurde. Dazu habe ich mich zwar an, aber später wieder abgemeldet, da mich erstens die Wirtschaft nicht so besonders interessiert und zweites auch Hilde Schmölzer ihr neues Buch über “Karl Kraus und die Frauen” in der “Gesellschaft für Literatur” präsentierte, wo ich  aber auch nicht war, sondern mit Alfred, Anna, Andreas und ihrem Hund Ouzo in dem vietnamesischen Restaurant zumGeburtstagsessen, an dem ich immer vorübergehe, wenn ich ins Literaturhaus will und dort ging die Lesefestwoche am Dienstag mit Feridun Zaimoglus “Siebentürmeviertel” weiter, interessant, aber das Buch habe ich  im Zuge meines heurigen Longlistenlesens schon gelesen und zweitens war wieder  Kassenpsychologen-Jour-fixe, wo ich mich seit Einführung des Kassenvertrags für Psychodiagnostik regelmäßig mit einigen Kollegen treffe, um diesbezügliche Probleme zu besprechen und uns auszutauschen.

So fing die “Buch-Wien” für mich heuer erst am Mittwoch an oder auch nicht wirklich, denn ich habe zwar jetzt  eine Einladung zur Eröffnung zugeschickt bekommen, wo Adolf Muschg die Eröffnungsrede hält, aber zeitgleich  gibt es in der “Alten Schmiede”, ebenfalls im Rahmen der Lesefestwoche “Textvorstellungen” und da stellte Sissi Tax ihre neue Prosa vor, aber auch Christiane Zintzen, die sich jetzt Chris Zintzen-Baden nennt, ihren Blog, der jetzt “acheronta movebo” heißt und da war ich im September sehr über die Nachricht “Ich habe mich umgebracht” irritiert.

Doris Glaser mit KandidatInnen

Doris Glaser mit KandidatInnen

So daß ich mich entschlossen habe in die “Alte Schmiede” zu gehen und erst zur “Langen Nacht” der Bücher, wo es wieder einen Literaturquizz mit Günter Kaindlsdorfer und diesmal mit Franzobel geben wird, zu gehen, was ich dann aber unterlies.

Ein bißchen hatte ich auch schon in die “Buch-Wien” hineingeschnuppert, finden da ja auch immer Preisverleihungen statt und da wurde am Mittwochvormittag das Ehrenkreuz der Stadt Wien an den ehemaligen “Hanser-Verleger” und Lyriker, der auch schon einige Romane geschrieben hat, Michael Krüger, vergeben.

Armin Thurnher hielt die Laudatio und Michael Krüger  eine Liebeserklärung an die österreichische Literatur, erzählte von den historischen Räumlichkeiten des “Zsolnay-Verlages”, den “Hanser” mit “Deuticke”  vor einigen Jahren übernommen hat und von seinen Begegnungen mit Albert Drach, dem er einmal den “Büchner-Preis” zusprach, worüber sich MMR sehr empörte und bezüglich des Ehrenkreuzes an Michael Krüger, empörte sich, glaube ich, die FPÖ, wie Stadtrat Mailath-Pokorny in seiner Eröffnungsrede launig feststellte.

Am Donnerstag ist es dann richtig losgegangen. Viele Schulklassen mit Kindern, die mit einem Ratespiel herumrannten, beim Saudi-Arabischen Stand, der diesmal kleiner war, die Gratisbücher, die es diesmal nicht nur in der Kinderform gab, einsammelten, sehr viele Mädchen mit Kopftüchern, die von ebensolchen Lehrererinnen begleiten wurden, sind mir dabei aufgefallen.

Thomas Raab

Thomas Raab

Langsam fing das Programm an. Am Vormittag schien es hauptsächlich für Kinder reserviert, obwohl ja auch die Pensionisten freien Eintritt hatten.

Ich begann dann mit einer solchen Veranstaltung auf der FM-4 Bühne und zwar wurde da der letzte Wortlautpreisträger Markus Fischer, der auch Trainer im Writersstudio ist, mit seinem Siegertext “Wild Campen” vorgestellt, dann wanderte ich zur ORF-Bühne, da interviewte Katja Gasser Daniela Striegl und Evelyne Polt-Heinzl zu ihrer Ebner Eschenbach Gesamtausgabe, die bei “Residenhz” erschienen ist und wo ich im Vorjahr einen Band gelesen haben.

Dann ging es  zur Kochbühne, da stellte Ute Maurnböck-Mosser “Kreolisches aus New Orleans” vor,  ein E-Book, das demnächst erscheinen wird und erzählte viel von ihren Reisen nach New Orleans nach Cathrina, dazu kochte sie einen Eintropf aus Okra, Schrimps und spanischer Wurst, der auf Reis serviert wurde.

Kaffee gab es beim ORF Bus und beim “Servus Stand”  und ich wanderte  zur ORF-Bühne zurück, wo ich Franz Schawerda, Ruth Aspöck und Peter Czak  traf und Michael Krüger seinen neuen Erzählband vorstellte, sowie Arno Geiger mit seinem “Selbstportrait mit Flußpferd”.

Danach kam der gestrige Festredner, der Schweizer Adolf Muschg mit seinem neuen Roman “Die japanische Tasche”, wo es glaube ich, um einen Selbstmörder, der vor einem Zug sprang und überhaupt um den Tod und das Sterben ging, das Adolf Muschg, der dann auch im anschließenden Kulturjournal über den Niedergang der Literaturkritik auftrat, sehr ausführlich kommentierte.

Bei der Diskussion waren noch Daniela Strigl und Karl Markus Gauß, die es mehrheitlich bedauerten, daß es jetzt nicht mehr zehn oder zwölf Großkritiker a la Reich Ranicki gibt, die vorsagen, was man lesen soll, sondern jeder Leser seine Rezension ins Netz stellen kann, “was ja keine Qualität haben kann”, sie aber trotzdem zu befürchten schienen, obwohl sie sich dann gleichzeitig den müdigen Leser wünschten.

Eva Jancak

Eva Jancak

Bei den deutschten Messen ist man da  schon weiter, da gibt es, wie man ja in Leipzig und in Frankfurt sah, regelrechte Bloggertreffen, hier folgte Valerie Fritsch, die ja mit “Winters Garten” sehr in den Literaturhimmel aufgestiegen ist und wahrscheinlich am Dienstag den “Alpha-Literaturpreis”  bekommen wird und erzählte Katja Gasser von den Vor- und Nachteilen des plötzlichen Ruhms. So kann sie sich gar nicht mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal in ihrem Bett geschlafen und den Abend mit ihrer Familie und nicht mit Literaturmenschen verbracht hat.

Dann ging es in die “Alte Schmiede” wo der 1948 geborene slowenische Dichter Drago Jancar seinen Neuen Roman “Die Nacht als ich sie sah” vorstellte, eingeleitet wurde er von Cornelius Hell, der die wichtigsten Werke des Autors vorstellte.

“Rauschen im Kopf” habe ich gelesen und bei einer Lesung in der “Alten Schmiede” war ich wahrscheinlich auch.

Das neue Buch handelt vom Ende des Krieges, beziehungsweise von einem Mord an einem Burgbesitzerpaar.

In fünf Kapiteln mit fünf verschiedenen Stimmen wird das Mißverständis erzählt und Drago Jancar erzählte in der Diskussion, daß es sich dabei um einen authentischen Fall gehandelt hat, den er bei Recherchen entdeckte.

Am Freitag war dann der Tag der Preisverleihungen, der mich am Messebesuch hinderte.

So wurde um elf im Rathaus der “Ehrenpreis für Toleranz in Denken und Handeln” an den  1961 in Tel Aviv geborenen und seit 1964 in Wien lebenden Doron Rabinovici, der auch GAV-Mitglied ist, der mit “Andernorts” 2010 auf der DBP Shortlist gestanden ist und von dem ich “Ohnehin” gelesen habe.

Armin Thurnher hat wieder die Laudatio gehalten und am Nachmittag wurde im Bundeskanzleramt der Staatspreis für Literaturkritik an die Kritikerin Brigitte Schwens-Harrant vergeben, die ich vor kurzem im Literaturhaus gehört habe.

Die Sendung “Von Tag von Tag” kam dann auch von der “Buch-Wien”, wo Rainer Rosenberg Monika Helfers neues Buch vorstellte, wo das tote Kind einer drogensüchtigen Mutter am Friedhof gefunden wird. Da habe ich ein bißchen hineingehört und bin dann in Richtung Ballhausplatz marschiert.

Auf der Margraetenstraße wurde ein neuer Bio-Supermarkt eröffnet, da gab es Müsliproben und anderes zum Kosten.

Beim Joghurtstand habe ich Anna Jeller getroffen, die da auch ihren berühmten Buchladen hat und im ebenfalls berühmten Kongreßsaal war es voll, als ich ihn erreichte.

Ministerialrat Robert Stocker hielt die Eröffnungsrede, dann gab es Musik von “Globl Glue”, die Stücke von Dave Brubeck und und Antonio Carlos Jobim spielten.

Stefan Neuhaus hielt die Laudatio und erzählte Lobendes über Brigitte Schwens-Harrant, die 1967 geborenen wurde, deutsche Philologie und Theologie studierte und seit einigen Jahren die Literaturbeilage der “Furche” herausgibt, die monatlich oder so erscheint und immer Interessantes  darzubieten hat.

Es gibt auch einen Literaturfernkurs der Erzdiözese, den sie leitet und ich habe sie, glaube ich, auch einmal bei dem “Winkler-Symposiums” gehört.

Ihre Dankesrede war nur kurz, sie bedankte sich bei allen und sagte, sie wolle mit ihnen feiern und so gab es auch Wein und Brötchen und das Who is Who der Wiener Literaturszene Daniela Strigl, Evelyne Polt-Heinzl, Radek Knapp, Sabine Gruber, Semir Insaif, Ralph Klever, Julia Danielczyk, Manfred Müller von der Gesellschaft für Literatur, die Leute vom Hauptverband, etcetera etcetera, haben sich unterhalten.

Am Abend gab es wieder ein tolles Festwochenprogramm im MUSA, Literaturhaus, Hauptbücherei, Gesellschaft für Literatur und und und, wo ich mich für die ukrainische Literatur und die Hauptbücherei entschieden habe.

Andrej Kurkow las aus dem dritten Teil seiner Trilogie “Die Kugel auf dem Weg zum Helden”, den ersten Teil “Der wahrhaftige Volkskontrolleur” habe ich gelesen und wurde damals auf der “Buch-Wien” von Andrej Kurkow, den ich ja schon öfter bei Lesungen hörte, signiert. Jetzt las er eine Stelle wo der Künstler der mit seinem Papagei inzwischen im Gefängnis gelandet ist, aus diesem wieder entlassen werden soll und dann noch eine über den Helden.

Die zweite Autorin war die mir bis jetzt unbekannte Maria Matios die ihren Roman “Mitternachtsblüte” präsentierte, da ging es nicht um satirische Beschreibung der Aufbaujahre der SU, sondern die Erlebnisse eines kleinen Mädchens aus der Bukowina, als dort die Juden abtransportiert und ermordet wurden.

Ernst Grandits moderierte und Susanne Scholl, die auch bei der Ehrenpreisverleihung gewesen war, half beim Übersetzen.

Am Samstag ging es wieder auf die “Buch-Wien” und da zuerst zu dem Stand, wo für die Flüchtlingshilfe und für die “Caritas” Leseexemplare oder Ausstellungsstücke um drei, fünf oder fünfzehn Euro verkauft wurden  und ich zuerst neun und dann noch einmal sechs Euro dort gelassen habe, dann zum “”Servus-Stand” um einen Kaffee und damit ins Literaturcafe, wo Liliana Corobea, das ist eine Moldawierin mit rumänischen bzw. Doppelpaß ihr Buch “Der erste Horizont meines Lebens” vorstellte, die Freitagabend auch im MUSA zu hören gewesen wäre. Sie tat es in der Nationaltracht und in ziemlich fließendem Deutsch und darin geht es um die Kinder in den moldawischen Dörfern, die ohne Eltern aufwachsen, weil die sich im Ausland ihr Geld verdienen.

Dann ging ich zur Kochbühne, wo Barbara Melle ihr Brotbackbuch vorstellte und es verschiedene Brotsorten zu verkosten gab und dann zur Donau-Lounge, wo ich ziemlich lange verblieb, mir zuerst den Lyriker  Marco Pogacar anhörte, dann den berühmten ungarischen Filmer Peter Gardos, der mit dem Roman über seine Eltern und deren Liebesbriefe “Fieber am Morgen” im ersten wiederaufgelebten literarischen Quartett sehr verrissen wurde und dann noch den ungarisch-rumänischen Schriftsteller György Dragoman und dessen Roman “Scherbenhaufen” über das kleine Mädchen Emma, der von Cornelius Hell moderiert wurde.

Doris Glaser

Doris Glaser

Dann war es wieder Zeit für die Kochbühne, beziehungsweise für die burgenländischen Hochzeitsbäckerinnen und ihre Kekse, dann ging ich schon auf die Hauptbühne, wo um sechzehn Uhr Vea Kaiser kam und allerhand Unterhaltsames über ihre Karriere und die moralisch oder unmoralischen Angebote, die sie durch sie bekommen hat, erzählte.

Thomas Sautner folgte noch mit seiner “Ältesten” und dann wurden zum neunzehnten Mal die “Exil-Literaturpreise” verliehen.

Jessica Beer, früher Hauptbücherei, jetzt “Resistenz-Verlag” moderierte, Musik gab es auch und drei Textbeispiele, das des Hauptpreisträgers Alexander Turek “Über den Dächern”, aber auch ein Stück der serbischen Autorin Barbi Markovic und des ungarischen Samuel Mago, danach wurden die Preise verliehen, die Anthologie hatte ich mir schon am Donnerstag geholt, es gab am Eingang aber “Kolik-Ausgaben”, so daß ich mit einer vollen Tasche nach Hause ging.

Am Sonntag ist es dann zuerst zur Donau-Lounge und zur Präsentation einer Burgenland-Anthologie gegangen, die seltsamerweise auch Texte von dem Salzburger Cornelius Hell und dem Bratislaver Michael Horetzky, aber keine wie Vladimir Fried erfragte, Roma-Texte hat. Dine Petrik hat aber einen Text darinnen, Clemens Berger, El Awadalla und Karin Invancic.

Dann gings in den ersten Stock zum Ö1-Quizz, wo sie offenbar doch literaturaffine Kanditaten gecastet haben und ich habe mich gewundert, daß sie mich gleich genommen haben, obwohl ich mich ja erst sehr spät gemeldet habe.

Außer mir ist ein Bibliothekar und ein Lektor angetreten, gewonnen habe ich leider nicht, aber es gibt ja ohnehin nichts zu gewinnen, außer einer Graphik, ein paar CDS und im Falle der richtigen Beantwortung der Zusatzfrage, den neuen Knausgard, aber da bin ich gar nicht so sicher, ob ich den lesen will und ein Buch habe ich doch bekommen, nämlich Ralf Rothmanns “Im Frühling sterben”, so daß ich jetzt für mich herausfinden kann, ob es auf meine Shortlist käme  und den Clemens J. Setz, eine meiner Fragen und auch das Buch, das ich empfohlen habe, hat dann ein anderer der Kanditaten bekommen.

20151115-141732

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Danach gabs noch ein Zusammensitzen bei Getränken und Brötchen und dann war es schon drei Uhr Nachmittag und ich habe den Rest der “Buch-Wien” im Literaturcafe verbracht, da meinen Psychologiekollegen Wolfram Huber, der sich ja für Bertha von Suttner interessiert, mit seiner Enkeltochter getroffen, Andrea Kern hat ihr zweites Buch über “Selbstmörder” vorgestellt, Claudia Erdheim ihres über “Die Judenstadt”, dann kam noch Janko Ferk, der Richter und GAV-Kollege aus Kärnten, der auch ein Buch über “Poesie und Brotberuf” beziehungsweise eines mit dem Titel “Bauer Bernhard, Beamter Kafka” hatte, Andreas Pittler schloß mit seinem letzten Bronstein Krimi, der schon im Jahr 1955 kurz vor dem Staatsvertrag spielt und den ich schon  gehört habe, ab und damit war die achte Buch-Wien, die wieder sowohl sehr interessant, als auch intensiv gewesen ist, beendet und jetzt heißt es nicht nur lesen, lesen, lesen, sondern auch schreiben, denn es ist ja inzwischen der fünfzehnte Nanowrimotag und die “Buch-Wien” hat mich aus dem Flow in dem ich so schön drinnen war, herausgebracht.

Aber eigentlich liege ich sehr gut im Kurs, nämlich bei 30.012 Worten, also drei Tage im voraus, einundsiebzig Seiten und dem sechzehnten Dezember. Den Handlungsfaden habe ich auch einigermaßen im Kopf, beziehungsweise aufnotiert, obwohl ich  alles durchkorrigieren sollte, um wieder in den Schreibfluß hineinzukommen.

Und ich will ja den Text, beziehungsweise ein Stückchen daraus, am siebzehnten Dezember bei den “Adventlesungen” im “Read!!!ingroom” vorstellen, worauf Doris Glaser auch in der Sendung hingewiesen hat.

Experimentelle und persönliche Veröffentlichungen

Statt zur Eröffnung der “Buch Wien” und  zur anschließenden “Langen Nacht der Bücher” mit dem Bücherquiz mit Günther Kaindlsdorfer und heuer mit Franzobel, wo ich im Vorjahr zwei Bücher gewonnen habe, die ich noch lesen muß, bin ich in die “Textvorstellungen” der “Alten Schmiede”, auch eine Veranstaltung im Rahmen der Lesefestwoche mit Christian e. Zintzen und Sissi Tax gegangen, denn mit Christiane Zintzens Blog “Inadäquat”, den sie 2007 in Graz im Rahmen der GAV-Vollversammlung vorstellte und den ich allmählich gerne las und meine literarischen Informationen von dort bezog, ist eine Veränderung vor sich gegangen.

“Sperriges Blog!” hat die 1966 in Moosburg an der Isar geborene Christine Zinzten, die auch langjährige Assistentin der “Alten Schmiede” war, gesagt, da unter der Reihe “Neues von Freunden” auf Veranstaltungen von meist experimentellen Autoren hingewiesen, einmal, 2008, als ich schon bloggte, hat sie auch die “Linke Wort Volksstimmelesung” angekündigt und mir auch als erstes einen Kommentar geschickt und mich in der Bloggerwelt willkommen geheißen.

Sie hat das Projekt “Mit Sprache unterwegs” kuratiert und vieles anderes und ich habe ihren Blog, obwohl er mir vielleicht ein bißchen zu exeperimentell war, gern gelesen und mich auf meinem Blog auch immer wieder darauf bezogen.

Inzwischen hat der Blog sich verändert, nennt sich  “Acheronta movebo” und Christiane Zintzen, die sich jetzt Chris Bader nennt, erzählt aus ihrem Leben.

Eine Mischung zwischen persönlicher Aufarbeitung und Literatur, interessant, der Grenzgang zwischen Kunst und Psyche. In diesem Fall es es wohl beides und ich habe ich noch nie einen ähnlich verstörenden, sowohl experimentellen, als auch persönlichen Blog gelesen und als solcher war er in der Veranstaltung, die von Michael Hammerschmid kuratiert wurde, auch angekündigt:

“Christian.e Zintzens vielgestaltiges überlandbekanntes Forum Forum für Literatur, tritt in eine neue Phase radikaler Wahrheitssuche und multimedial aufgelockerten lustvollen Selbstentwurf, in dem Ovid und Musikvideos direkte Benennungsversuche und transversale Verbindungsmanöver energetisch hochaufgeladnenen Sprach- und Ausdrucksstoff liefern.”

Die Psychologin würde es vielleicht anders formulieren und interpretiert vielleicht auch nicht nur die experimentellen Seite, aber erst einmal kam  die 1954 in Graz geborene Siss Tax, die seit langem in Berlin lebt , die ich 1996 in Klagenfurt kennenlernte, als sie dort am Bachmannpreis teilnahm.

Ihre Bücher sind bei “Droschl” erschienen und Michael Hammerschmid meinte über ihr Prosawerk “vollkommen unvollkommen”:

“Auch Sissi Tax setzt ihre Auseinandersetzung mit Sprache und Welt fort und geht den Grat zwischen Spiel und Forschung, zwischen Anarchie und Ironie, sowie zwischen Opposition und Positionierung höchst höchst lustvoll und denkerisch-poetisch weiter.

Sie las im Stehen ihre sehr schönen Textpassage, wo die Worte fast in Reimen und immer wieder ein bißchen dialektdurchzogen erklangen und hatte am Schluß auch eine Reihe Worte, die in ihren Texten nicht vorkommen, wie “Faschingskrapfen und Reichsschriftkammer”.

Dann kam Chris Zinten-Bader,  gab Einblick in seine Videos und spielte dabei selber mit, las ein paar der Blogpassagen, von denen er sagte, daß er den Blog bald löschen wird.

Ein interessantes Projekt, für mich noch nicht so ganz zuordbar,  ich lese seit September wieder regelmäßig  hinein und werde den Lebenslauf der Literaturwissenschafterin, die sich jetzt, glaube ich, als Coach betätigen will und auch im Grazer Literaturhaus ihren Blog vorstellen oder eine disbezügliche Veranstaltung moderieren wird, weiterhin verfolgen.

Angelika Kaufmann, Herbert J. Wimmer, Elfriede Czurda, auch Kurt Neumann, E.A. Richter und ich denke es war eine sehr eindruckvolle Präsentation und Transformation, die ich sicher weiterlesen möchte.

 

Gerhard Koflers Gedichtpräsentationen

Der Südtiroler Autor Gerhard Kofler, der lange GAV-Generalsekretär war, ist am zweiten November 2005, ich glaube, an Krebs gestorben, also auch ein Fall für die gestrige “In Memoriam-Lesung im Literaturhaus”, es sind von ihm posthum aber inzwischen bei “Haymon” drei zweisprachige Gedichtbände erschienen.

Gerhard Kofler hat auf Deutsch oder Italienisch geschrieben und seine Gedichte selber übersetzt, in den jetzt erschienenen “Meeressammlungen –  Collezione marini”, hat das Leopold Federmair für ihn getan und der Paduer Universitätsprofessor Furio Brugnolo hat die Bände herausgegeben, stellte er den dritten Band oder auch alle drei, alle haben, glaube ich, auch mit dem Meer zu tun und das Wort Meer scheint auch in jedem dritten Gedicht vorzukommen, gemeinsam mit dem 1971 geborenen Michael Hammerschmid vor, der ja selber Lyriker ist und in der “Alten Schmiede” schon einige Lyrikveranstaltungen kuratierte.

Hannelore Kofer, die Witwe und sein Sohn Kevin waren anwesend, Marie Therese Kerschbaumer, die mit Gerhard Kofler, glaube ich, befreundet war und die von Michael Hammerschmid, gemeinsam mit Gerald Bisinger auch erwähnt wurde.

Rudi Lasselsberger, Lisa Fritsch, Magdalena Kapp-Menzel, die neue GAV-Geschäftsführerin, Gerhard Jaschke, Angelika Kaufmann, etcetera.

Die Lesung war natürlich zweisprachig und ich nützte die Gelegenheit meine rudamentären Italienischkenntnisse zu perfektionieren.

Was, wie schon erwähnt nicht ganz so schwierig auf, tauchte doch das Wort “Mare” häufig auf und auch das der “Poesiea” und von einem griechischen Mittag wurde geschrieben und Michael Hammerschmid erwähnte, daß für ihn die Gedichte unter dem Motto “Meer, Erinnern und Gesang” stehen würden, aber auch die “Erwartung” tauchte auf und höchstwahrscheinlich die “Einsamkeit”, beziehungsweise das Wort “Solo”.

Schöne starke Gedichte und eine starke Erinnerung an den kleinen Mann mit dem meist dunkelblauen Anzug und den grauen Schnurrbart, der mich in der GAV ja irgendwie gefördert hat und ich bin oft bei ihm im Büro gewesen um mit ihm den “Tag der Freiheit des Wortes” und auch die anderen Veranstaltungen, die ich für die GAV organisierte, zu besprechen. So zum Beispiel auch die Frauenlesung, die, glaube ich 1998 oder 1999 in der “Alten Schmiede” stattfand, kurz bevor wir nach Belgrad zur Tante Dora gefahren sind.

Ich war auch bei seinem Begräbnis 2005 am Ottakringer Friedhof, habe einige seiner Gedichtbände gelesen und war auch bei seinen Lesungen. Beispielsweise kann ich mich auch an die Veranstaltung zur  Lyrik im März” erinnern, die er moderierte oder auch eines seiner zweisprachigen Gedichte las.

Anfang November ist ja eine Zeit des Erinnerns und Gedenken und gut daher, das an Gerhard Kofler, den Vermittler und Kompromißbereiten zu tun, der auch noch ausgerechnet an einem zweiten November gestorben ist, so daß er eigentlich einen Stamplatz bei der “In Memoriam-Lesung” bekommen sollte.

 

Autorenversammlung

Am Wochenende gab es wieder die GAV-GV, die am Freitag, wie schon seit einigen Jahren üblich, mit einem Treffen des kulturpolitischen Arbeitskreises, den Ruth Aspöck organisiert, begann.

Diesmal mit dem Thema Film. Die 1947 geborene feministische Regisseurin Käthe Kratz hielt das Impulsreferat und erzählte, daß es in den Neunzehnsiebzigerjahren keine weiblichen Regisseure gegeben hätte und sieeigentlich auch nur als Cutterin auf die Akademie aufgenommen wurde.

Dann hat sie aber doch Drehbuch und Regie studiert und kleine Arbeiten für Regisseure übernommen und einmal ihren erstem Fernsehfilm, den Herr Bacher gar nicht haben wollte. Dann ging es aber doch und es wurde ein Erfolg. So hat sie eine ganze Werkliste hinuntergedreht, bis sie vor zwölf Jahren infolge eines Burn-Outs damit aufgehört hat.

Nur eine kleine Gruppe Teilnehmer, Sven Daubenmerkl, der sich als großer Filmfan entpuppte, Magdalena Knapp Menzel, die neue Generalsekretärin, Ilse Kilic, Daniela Beuren von der Grauenfruppe, später kam noch Mila Haugova aus Bratislava dazu und das Thema Film ist eines, das mich nur am Rande interessiert, dafür aber die Frage, ob ich jetzt eine Amateuerin bin, wenn ich blogge und meine Bücher selber drucken lasse?

Manchmal fühle ich mich ja  so und die Tatsache, wieviele Leute, die dicken Bücher, die beispiesweise in diesem Bücherherbst erschienen sind, wirklich lesen, interessiert mich auch.

Käthe Kratz warf die Frage von Literaturverfilmungen auf, in eineinhalb Stunden den ganzen “Radetzkymarsch” beispielsweise und die meisten Romanverfilmungen, mit Ausnahme einer Donna Leon, die ich gesehen habe, waren schlechter als das Original, so daß ich beispielsweise gar nicht so gerne haben würde, das mich jemand verfilmt.

Alois Eder hat das einmal bei der “Globalisierungsnovelle” vorgeschlagen. Er hat wahrscheinlich gemeint, daß das Buch damit besser werden würde, aber in Echt interessiert das wahrscheinlich ohnehin niemanden und  bis die Neuaufnahmelesung begann, ging ich ein bißchen mit Ruth Aspöck am Graben spazieren.

Sie zeigte mir ein Pferd, das dort mit einem Soldaten, eine französische Istallation, vorübergehend aufgestellt ist und lud mich  auf ein Achtel ins Cafe Europa ein. Dann ging es schon los mit dem Neunerpack, je zehnminütigen Lesungen, würde ich mal schätzen, der im Vorjahr neuaufgenommenen Mitglieder, um die wir uns vielleicht gestritten haben und die “Alte Schmiede” war sehr voll von den Mitgliedern, die zur Generalversammlung angerist waren.

Dietmar Füssel hat mir seinen neuen Krimi gegeben, den ich demnächst lesen will, mit Margot Koller habe ich mein neues Buch getauscht und die 1969 in Bremen geborene und in Linz lebende Corinna Antelmann, von der ich einmal vom “Resistenz-Verlag” ein Buch gewonnen habe und die inzwischen einige Preise gewonnen hat und bei “Septime” verlegt, lasein Stück aus ihrem neuen Roman “Hinter der Zeit”.

Dann folgte Anton Blitzstein, bei dem ich ja vor kurzem bei einer Vernissage seiner “Wohnhausbilder” gewesen bin, mit vier kurzen Texten und der 1980 geborene Florian Gantner  las ein Stückchen aus seinen “!Sternstunden der Menschheit”, skurille Stückchen von Leuten die über die Mariahilferstraße gehen, in Gefängnissen sitzen, etcetera und dann noch sehr prägnanten Namen haben.

Die 1957 geborene Gertrude Maria Grossegger las Auszüge aus einem Langgedicht und die Linzerin Marianne Jugmaier ein Stück aus ihrem “Tortenprotokoll”.

Augusta Laar, die Organisatorin vom “Schamrock-Festival”, die in München lebt, las Gedichte, beispielsweise das vom “Tod in Ottakring” und der sowohl in Berlin als auch in Ottensheim lebende, man sieht viele der neuen GAV-Mitglieder sind Oberösterreicher, Stephan Roiss las einen sehr kurzen Text über eine Frau, die eigentlich nicht geboren werden sollte, dann kam Britta Steinwendter, 1942, geboren, die lange die Rauriser Literaturtage organisierte und las ein paar Gedichte, die auch ins Englische übersetzt sind und ein Stück aus dem Künstlerroman, den ich schon vor einem Jahr in der “Gesellschaft für Literatur hörte.

Die letzte Lesende war die 1983 geborene und wie ich glaube, in St. Pölten lebende Magda Woitzuck, die schon einige Hörspielpreise gewonnen hat und von der ich Erzählungen gelesen habe.

Dann war es aus und ich fuhr mit Ruth Aspöck zur Hauptbücherei, weil dort im Cafe Oben, Alfred sein zweites Geburtstagsfest veranstaltete, es gab Getränke und Fingerfood und außerdem wurde gerade ein Film mit  Josef Hader gedreht.

Am Samstag ging es dann zur Generalversammlung wo es um die geplanten Veranstaltungen des nächsten Jahres ging und die Neuaufnahmen diskutiert wurden.

Renate Aichinger, Michael Amon, Rene Bauer, Ines Birkhan, Bettina Gärtner, Michaela Hinterleitner, Nadine Kegele, Hildegard Kogarnig, Markus Lindner, Doris Nußbaumer, Anne Marie Pircher, Bruno Pisek, Marcus Pöttler, Stefan Reiser, Stefan Schmitzer,Wolfgang Schöner, Susanne Schweiger-Wanderer, Angelika Stallhofer, Elisabeth Strasser und Erich Wimmer sind jetzt neue Mitglieder.

Am Abend ging es wieder ins Gasthaus Pfudl, wo es diesmal besonders große Portionen gab.

Nanowrimo-Recherche und kroatischer Roman

Heute habe ich wieder ein bißchen Recherche für meinen Adventkalender gemacht, den ich ja am ersten November im Rahmen des “Nanorimos” beginnen will, gemacht.

Das heißt, ich bin die Mariahilferstraße zum Westbahnhof gegangen, um mir die Situation dort anzuschauen, beim “Thalia” habe ich einen Stop eingelegt, zuerst nach Cornelia Travnices “Junge Hunde” Ausschau gehalten, ein Buch, das am Mittwoch bei Petra Hartlieb vorgestellt wurde und gestern auch in Frankfurt präsentiert wurde und habe dann gesehen, daß es “Chucks”, ihren ersten bei “DVA” erschienenen Roman um 1.99 gab.

Jtzt muß ich nur noch herausfinden, wann ich ihn lesen werde, wollte ihn aber eigentlich schon immer haben und die “Jungen Hunde” wünsche ich mir natürlich auch, aber erst habe ich ja noch drei Bücher von der Longlist zu lesen, nachdem ich mit dem Peltzer gestern fertig wurde.

Aber weiter  mit der Recherche, beziehungsweise zum MC Donald, dort einen Cheeseburger mit Pommes frites gegessen und eine junge Frau neben mir fragen gehört, ob Amsterdam in Holland liegt?

Mir dazwischen aufgeschrieben, daß die Nika Weihnachtsfrau, wenn sie einen Hamburger essen gehen wird, ja den Sandler Gregor Stefan oder eigentlich ist es ein ehemaliger Lehrer mit Parkinson, treffen könnte und ein vorlautes kleines Mädchen namens Adriana, das laut “Weißt du nicht, Weihnachtsfrau, daß man von Zuckerl, Karies bekommt? Sie weiß es nicht, Mama!”, durch die Mariahilferstraße schreit.

Ja, ja, mit der ersten Planung meiner vierundzwanzig Adventkapitel, wenn jedes circa dreitausend Worte hat, geht es sich schön aus, begonnen und dazwischen ist auch die Buch-Wien, also wahrscheinlich wieder schreibefreie Tage. Zum Schreiben will ich diesmal aber erst am ersten November anfangen, in den Gerngroß, wo schon die Weihnachtsbäume stehen, bin ich aber schon gegangen und einen Mord in der Praxis ihrer Schwester soll es auch geben und einen Journalisten, den sie vielleicht während ihrer Arbeit trifft, der ihr beim Mord aufklären hilft und ihre Diplomarbeit über Thomas Bernhard, Ärger mit ihrer Chef, etcetera, etcetera….

Dann bin ich in meine Praxis gegangen und danach in die “Alte Schmiede”

Dort wurde ein sehr interessanter Roman, der 1946 in Zagreb geborenen Dasa Drindic vorgestellt.

Nämlich “Sonnenschein”, so heißt er auch auf Kroatisch, ist aber das erste auf Deutsch erschienene Buch der Autorin, die lange in Amerika und auch in Belgrad lebte und Englisch unterrichtete.

So fand das Gespräch zwischen ihr und Kurt Neumann auch auf Englisch statt und Kurt Neumann erklärte in der Einleitung, daß es sich um einen dokumentarischen Familienroman handelte und in dem Buch, das aus drei Teilen besteht, ist, das habe ich schon beim Durchblättern am Büchertisch gesehen, eine Art Telefonbuch enthalten, nämlich die Namen der aus Italien oder Kroatien deportierten Juden und, um eine dieser Familien geht es in dem Roman, der 2006 beginnt, in den ersten Weltkrieg zurückgeht. Diese Familie flüchtet sich, wie Kurt Neumann erklärte in den Faschismus und die Heldin Haya Tedesco bekommt von einem SS-Mann ein Kind, das wird ihr entführt, wächst in einer deutschen Familie auf und zweiundsechzig Jahre später. kommt es zu einer Begegnung zwischen Mutter und Sohn.

Dasa Drindic las ein paar Stellen auf Kroatisch, Kurt Neumann die auf Deutsch, eine Frau fragte sehr viel nach.

Es waren auch einige Prominente, wie Annemarie Türk im Publikum und wahrscheinlich auch viele Fans der Autorin, da sich anschließend eine lange Autogrammschlange bildete.

Ich ging nach Hause, habe ich ja genug zu lesen und die drei Finalisten des heurigen “Alphas” wurde auf der www. buecher.at Seite auch bekanntgegeben.

Jetzt muß nur noch die Einladung für die Preisverleihung am siebzehnten November kommen, obwohl ich alle drei Bücher der Endnominierten schon gelesen habe und eigentlich auch nicht bezweife, daß Valerie Fritsch die heurige Siegerin werden wird, aber mal, sehen, es gibt ja immer wieder Überraschungen. Ich bin gespannt.

Neue literarische Stimmen

In den “Textvorstellungen”, der “Alten Schmiede”, präsentierte Friedrich Hahn, diesmal drei neue literarische Stimmen, junge noch nicht so bekannte Literatur aus Österreich, zwei unveröffentlichte, ein veröffentlichter Text, die er aus Literaturzeitschriften kennengelernt und angeschrieben hat, obwohl gar so besonders jung sind die  zwei Frauen und der eine Mann mit den Geburtsdaten 1980,  1986, 1988, geboren, gar nicht.

Viel junges und älteres Publikum,  Nadine Kegele, Thomas Wollinger, Luis Stabauer und die 1980 in Graz geborene Britta Wedam, die mir, wie der nach ihr lesende Autor unbekannt war, hat mit einer  Kurzgeschichtenlesung begonnen, wovon die Erzählung “Im Wendekreis des Pfaues” im Etcetera erschienen ist.

Da hat sie Friedrich Hahn entdeckt, die Autorin angeschrieben und die Geschichte erinnert ein bißchen an Gertraud Klemms.

Eine Frau backt für den Kindergarten  Muffins, steckt Smarties hinein und der Mann fragt, nach den Haaren in der Bettwäsche. Die sind von ihrem Liebhaber, denn das Eheglück ist schon schal und während die Frau im Elend versinkt, findet sie dann noch irgendwo ein rotes Haar.

“Das Jahr mit dem traurigen Clown” war  ein sehr poetischer, fast lyrischer Text und im “Zoo” geht es wieder um das Betrügen und das sich Verlassen eines Ehepaars, während die Kinder die Tiere betrachten und schließlich mit der Mutter Eis essen gehen.

Friedrich Hahn stellte dann Fragen nach dem Schreiben, ob es schon Verlagserfahrungen, Verlagskontakte und Ideen die Kurzgeschichten in einem Erzählband herauszugeben gibt?

“Keine Zeit!”, antwortete die Autorin, die gerade ihr Germanistikstudium abeschloßen und vielleicht selber Kinder hat.

Der 1988 Osttiroler Mathias Klammer hat dagegen schon drei Bücher im “Arovell-Verlag” veröffentlicht und las zwei Szenen aus “Ein guter Tag zum Fliegen”, wo der Protagonist mit seinem toten Bruder spricht, sich Vorwürfe macht, sich nicht früher, um ihm gekümmert zu haben und dann mit einem krebskranken Mädchen auf Reisen geht.

“Wie weit autobiografisch?”, fragte Friedrich Hahn, seine wie er es nannte “Elke Heidenreich-Fragen?”

“Alles erfunden?”, antwortete der Autor.

“Hat alles nichts mit mir zu tun?”

Die Städte die beschrieben werden, hat er dann allerdings schon bereist.

Die dritte Lesende, die 1986 in Meran geborene Tanja Raich, war mir dann bekannt, allerdings nicht in ihrer Eigenschaft als Autorin, sondern als Programmleiterin, der neuen Literaturschiene von “Kremayr und Scheriau”.

Sie hat allerdings auch die “Leondinger Akademie” besucht, hatte ein “Rom Stipendium”, war in “Palliano” und da hat sie ein Monat mit einer Katze verbracht und einen Text darüber geschrieben.

“Die Katze ist ein fleischfressendes Tier”.

Auch eine unveröffentlichte Erzählung, die von einer Frau auf einer Insel handelt, die immer wieder von einer Katze besucht wird, die sie gar nicht mag, sie sinkt in eine Paranoia, wird menschenscheu und verschroben und am Schluß ißt sie die Katze auf, obwohl sie  Vergetarierin ist.

“Makaber!”, habe ich zu einer Besucherin gesagt, die mich beim Weggehen angesprochen hat. Sie hat der Text an Kafka erinnert, was möglich ist, da Tanja Raich ebenfalls Germanistik studierte.

Ich kenne mich bei Kafka aber nicht so aus und habe noch nicht soviel gelesen und hätte meinen psychologischen Blick eher auf das Innenleben und die Verstörung der Protagonistin geworfen.

Friedrich Hahn fragte auch nach dem Veröffentlichen und Verlegen. Da arbeitet Tanja Raich an einem Roman, den sie nicht bei “Kremayr und Scheriau” verlegten wird, weil das ein “don`t” ist, wie sie sagte.

Jetzt ist es nur noch spannend zu beobachten, wie sich die drei  Stimmen weiter entwickeln werden und ob sie eine solche Karriere, wie die auch in Neunzehnachtzigern geborenen, wie Valerie Fritsch, Clemens J. Setz, Anna Weidenholzer, Cornelia Travnicek, etc, erwartet.

Sonntagskind oder Kriegsroman

Nachdem ich mir am Montag die Vergabe des “Deutschen Buchpreises” per Livestram angesehen habe, bin ich in die “Alte Schmiede” gegangen, weil da, um acht Jan Koneffke, seinen nicht auf LL gekommenen, neuen Roman “Ein Sonntagskind” vorstellte und von Jan Konnefke, der 1960 in Darmstadt geboren ist, habe ich ja “Paul Schatz im Uhrenkasten” gelesen.

Ein Buch also, das mich interessierte, Buzzaldrin hat es, glaube ich, auch bei ihren Bücherbergen liegen.

So habe ich das “Buchpreisbloggen” auf später aufgeschoben und war dann etwas erstaunt, die “Alte Schmiede” relativ leer zu finden.

Die Autogrammsammlerin war da, aber sonst eigentlich wenige Besucher, obwohl auf einigen Plätzen Reservierungsschildschen lagen. Aber vielleicht sind die meisten schon in Frankfurt und eine Dame, die von Erich Klein, dem Moderator einen Büchersack bekommen oder ihm übergeben hat, hat auch erwähnt, daß sie sich bald dorthin begibt.

Jan Konffeke war aber noch in Wien und wurde von Kurt Neumann eingeleitet.

“Das Sonntagskind” ist, wenn ich es recht verstanden habe, der dritte Teil einer Familiensaga, wo es um die Familie Kannmacher geht.

In diesem Buch geht es um Konrad Kannmacher, einem Philosophen und Lehrer, 1928 geboren, der von seinem Vater Ludwig in den Vierzigerjahren abgehalten wird, sich freiwillig in die SS zu melden.

Er kommt dann zur “gewöhnlichen Wehrmacht”, gerät dort in Schuld, sieht Erhängte auf den Bäumen baumeln, hat später viele Frauenerlebnisse, macht 1968 durch, beschäftigt sich mit Kant und sein Sohn Lukas findet eines Tages Briefe, die sich auf seine Kriegsvergangenheit beziehen.

Der ist der Erzähler und Jan Koneffke hat bei seinem Vater auch einen dreißigseitigen Brief über seine Kriegserlebnisse gefunden. Das war der Auslöser dem dritten Teil der Trilogie diese Wende zu geben, erzählte er Erich Klein im Gespräch, das sehr lang und ausführlich gewesen ist.

Geht es in dem ebenfalls sehr dicken Buch, um Schuld und Sühne und natürlich auch um die Söhne, die die Kriegsvergangenheit ihrer Väter entdecken.

Solche Romane gibt es, glaube ich, sehr viele und sie werden offensichtlich immer noch geschrieben.

Einen sehr berühmten hat Peter Henisch, wie Erich Klein auch erwähnte, geschrieben.

Ralf Rothmann, der sich nicht auf die Longlist setzen ließ, hat mit “Im Frühling sterben” einen anderen geschrieben und es war sicher sehr interessant, mich nach und vor meiner Buchpreisbeschäftigung, auch mit diesem Roman, der sonst vielleicht an mir vorbeigegangen wäre zu beschäftigen und bin gespannt, ob ich ihn einmal finden und lesen werde.

Wieso das Buch “Ein Sonntagskind” heißt, wird, wie Erich Klein verriet, auf Seite dreihundert verraten.

Der Autor hat diese Stelle auch gelesen, es hat, glaube ich, etwas mit einem Lungenschuß zu tun, den er im Feld bekommen hat.