Das Geheimnisgeschichtenlexikon des David Silvester Marek

“David Silvester Mareks Texte zählen zum Eigenartigsten, Unverständlichsten, aber auch Faszinierendsten. Geheimnisvollsten und Poetischsten, was ich je gelesen habe”, hat Franzobel auf den Buchrücken, des bei “Klever” erschienenen Buches geschrieben und der 1971 in Währing geborene Autor, der seine Texte immer wieder beim “Ohrenschmaus” einreicht, dort auch gewonnen hat und der erste Stipendiat, des vom Bund gewährten Stipendiums war, so daß er mit Franhzobel einen Geschichtenband entwickelt hat, hat noch “Alle Erinnerungen sind Katastrophengebiete”, dazu geschrieben.

Das erinnert stark an Thomas Bernhard würde ich sagen, das vom”Ohrenschmauslektor” und “Bachmannpreissträger von 1995 herausgegebene Buch und die von David Silvester Markek zum Preis eingereichten Texte eher nicht.

Da fielen durch ihre originellen Namen und ihre Dialogform auf. Von einem David Bergretter, einer Lena Raubkatze und und war da immer die Rede. Bahnhöfe und Straßennamen spielen da auch immer eine Rolle, zählen Eisenbahnen doch zu David Silvester Mareks liebsten Beschäfrtigungen. Er hat auch seine Lieblingsschutzhütte und und nennt Richard Wagner als seinen Lieblingskomponisten, Luis Trenker zum Lieblingsregisseur und Maxi Böhm zum Lieblingskabarettisten.

Das sagt schon alles und man könnte nun denken, wenn ein solches Ausnahmetalent und beim “Ohrenschmaus”, fallen bei den immer mehr werdenenden eingereichten Texten, immer wieder die gleichen Talente auf, die dann auch gewinnen, auf der Ehrenliste stehen oder ihre Texte auf der Schokolade haben.

Peter Gstöttmeier zählt dazu, Viktor Noworsky, der der neue Stipendiat ist, auf einen Ausnahmeschriftsteller und Sprachkünstler wie Franzobel trifft, daß der in seiner gemeinsamen Arbeit mit dem Stipendiaten, dessen Werk umkrempelt und ihm seine Sprache aufdrängen wird.

Tröstlich gleich im Vorwort von Franzobel zu lesen, das dies nicht der Fall war und sich David Silvester Marek, mit dem ich auch bei der letzten “Buch Wien” gelesen habe, bei der Buchpräsentation am Badeschiff im September war ich nicht, weil da zeitgleich, sowohl das zehn Jahresfest der Blumenhandlung in der Krongasse als auch der “Kramer-Preis” in Niederhollabrunn vergeben wurde, durchzusetzen verstand und bei seinem Ton geblieben ist.

Trotzdem ist das Buch, in seiner Form und Struktur ein wenig anders geworden, als die mir bisher bekannten Texte und sei nicht nur, daß bei Bergretter, das Alter Ego des autors, wie ich erfahren habe, der Vorname David fehlt und die Lena, die bei den Geschichten immerwieder auftaucht, keinen Nachnamen trägt. Trotzdem sind die Namen nach wie vor die Spezialität in dem Buch, Frranzobel erwähnt das auch in seinem Vorwort, wo er den Autor  als eine Mischung zwischen  H. C. Artmann,  Fritz Herzmanovsky-Orlando und Elfriede Jelinek beschreibt.

Ansonsten sind die Texte zu einem Lexikon zusammengefaßt, die mit dem Buchstaben A wie “Alpensiedlung” beginnt und bei Z mit “Zusammenziehungsaufbaustraße” endet, was schon einmal ein hochkompliziertes Wort ist.

Franzobel beginnt seine Einleitung auch gleich mit “Wer denkt sich  Wörter wie: Klomuschelbeweihräucherungsrosarotbrillenschlangengraben, Wachsbergüberkreuzungssumpfgebierge oder Verbesserungsheimleuchtmüheschuldturm aus?”

“Handlung” führt er später noch an, wird man in den Texte keine finden, es tauchen aber in den geheimnisvollen Geschichten immer wieder die gleichen Personen auf, wie der schon erwähnte Bergretter, die Lena oder auch zwei Personen wie Friedrich Hilfsberg und Wolfgang Ablenkung und dann wird in den einzelnen Geschichten, die Namen wie “Aufbausuche” “Aufreißzirkus” oder “Baustellengräben” etcetera tragen, munter durch die Bezirke Wiens hin- und hergesprungen. Der Heimatbezirk und seine Straßennamen tauchen öfter auf, von Neuwaldegg ist öfter die Rede und Bergretter sucht in seinen Texten auch öfter nach dicken Damen, wie es ja auch einmal Heimito von Doderer tat oder geht in den Bezirken Wiens überhaupt auf Frauensuche, wo dann immer wieder auch bestimmte Berufsgruppen, wie der “Reiseleiter” der “Bürgermeister” oder der “Reporter”, auf.

Es gibt dialogartige Text mit den sprechenden Namen auch wenn Franzobl oder David Silvester Marek, die bei den Einreichungen noch vorhandenen Vornamen gestrichen haben und auch märchenhafte Texte, wie bei “Feenlicht” oder beim “Hoffnarr.

Ein “Ferkel” taucht auf, verläßt seinen Bauernhof, wahrscheinlich um nicht geschlachtet zu werden und beginnt zu suchen oder zu wühlen: “Doch nichts ist zu finden. Das Ferkel rennt wieder im Kreis herum. Doch wohin es schaut, ist nichts zu finden. Es wird immer heißer.”, endet es geheimnisvoll.

An Motiven taucht das “Kinderheim” immer wieder auf. Vielleicht eine Lebenserinnerung von David Silvester Marek, der hier seinen Vornamen nennt und auch die Lena, die Johanna und die Christina kennt, wo mir zumindestens die erste und die letzten aus den “Ohrenschmaus-Texten” bekannt sein dürften.

Es gibt einen “Komödienphotograpen” und der hat auch seine sprechenden Protagonisten. Nämlich einen Joseph Scherbenstrahl, eine Maria Strudelfladenkuh, einen Dieter Spritztrümmerleuchturm, sowie einen Ludwig Distelkloster und so weiter und so fort.

Da könnte die auch an sprechenden Namen interessierte Autorin und Jurorin direkt neidisch werden.

Da sich das aber nicht gehört, gehe ich zum letzten Satz weiter, wo es “Die wunderliche Betrachtung der Moderatoren ist das Wechselkonzert für die rauchenden einfachen Erklärer, die nicht mehr weiter wissen bei ihren Überlegungen zur Unterhaltung.”

Was verstanden? Ich auch nicht viel, aber Franzobel hat ja in seinem Vorwort nicht umsonst von den “sowohl unverständlichsten, als auch faszinierendsten poetischen Sätzen, die er je…” geschrieben.

Die “Krokodiklwüstenstadtbahn” gibt es auch, mit der Station “Krokodilnetzzeitungsfischer”, wenn man es noch nicht wüßte, hat man es jetzt begriffen, daß es stimmt, das David Silvester Marek ein großer Sprachschöpfer und wahrer Wortakrobat ist und sehr berührend finde ich seinen Text “Liebe”:

“Vieles gäbe es hier zu tun, wenn es nur nicht so schwierig wäre, in die verwirrendsten Werkstätten Ordnung zu bringen. Da braucht dieliebe sehr lange.”,setzt David Silvester Marek lakonisch dazu.

Und beim Buchstaben “M” sind sowohl, wem wundert es, die “Mädchen”, als auch das “Märchenabenteuermuseum”, zu finden.

Vom “Quadratsiedlungsberg” geht  es über den “Quellengrabenmisttiergarten” zum “Räuberhöhlenwald”, wo die “Räuber” verfolgt werden und am Ende der Reiseleiter kommt und sagt: “Lange Umbaudämme mit vielen neuen Siedlungen bringen Erlebnisabenteuer.”

Wie schon beschrieben, höchst geheimnisvoll. Dagegen geht es beim “Trost” entgegen der Ankündigung erzählender zu. Denn da kommt “Lena verzweifelt durch den Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum gelaufen, fällt einem Mann umarmend um den Hals und sagt weinend “Der Boasim hat meinen Namen blöd ausgelegt.”

Es folgt eine eine Irrfahrt von Purkersdorf-Gablitz, nach Hadersdorf-Weidlingau und am Schluß hat der Mann Lena noch versprochen sich mit ihren Fragen zu beschäftigen, hat er ja doch viele Bucher dazu.

Jetzt habe ich den Buchstaben “S” ausgelassen und da begegnen wir einen mir schon bekannten Protagonisten, der uns auch bis jetzt begleitet hat und noch weiter begleiten wird, nämlich den “Sucher” und der ist ein “Sammler” und sucht oder hat “Sinn.”

Viele Bücher hat und sammelt er auch, so zum Beispiel, das mit der Aufschrift “Vom Klodeckel bis in die Unterwelt” oder das mit dem Titel “Der gefährliche Umbau zwischen den Siedlungsschluchtspalten.”

Wenn wir  im Alaphabet weitergehen kommen wir zum Buchstaben “V” und da gibt es, sowohl die “Versorgungsschulratshofinseln”, als auch das “Versorgungsterrassenhofgebirge”, als auch den “Vertröstungszirkus” und über “X” und “Y” zum “Z” und da zun “Zipfenmützenschneider”, bevor es mit der schon erwähnten “Zusammenziehungsaufbaustraße” zu einem Ende geht.

Zu einem Vorläufigen nur, hat doch Franzobel in seinem Vorwort geschrieben, daß es sich bei den vorliegenden Texten nur um eine kleine Auswahl handelt, denn die Texte, die allesamt ziwschen 2010 und 2017  entstanden sind, stellen nur ungefähr ein Zehntes des Gesamtumfanges dar, den das “Geheimnisgeschichtenlexikon” eigentlich umfassen könnte.

“Viel Vergnügen!”, beim Lesen dieser Auswahl”, hat Franhzobel noch gewünscht und ich kann noch ergänzen, daß ich, die ich David Sylvester Mareks Texte wohl schon seit 2010 kenne, durch das Lesen seines Lexikons auf viele mir bisher unbekannte Facetten gestoßen bin und von der Sprachgewalt des Wortakrobaten wirklich sehr beeindruckt war.

Wieder einmal Jahresrückblick

Es ist soweit, 2018 geht zu Ende und man kann sagen, es war auf der einen Seite, ein ganz gutes Jahr, gab es doch zwei literarische Höhepunkte und da waren, sowohl der April, als auch der November besonders intensiv.

Denn ich habe im April in der “Alten Schmiede” zwar etwas verspätet, aber immerhin mein “Literaturgeflüster-Texte-Buch” vorgestellt, da war dann schon der “Hammer” mit meinen und Ruths Texten zur “Kunst im öffentlichen Raum” herausgekommen und am achtzehnten April gab es den ersten diesbezüglichen Spaziergang, wow, ein bißchen so, wie es eigentlich sein sollte und im November gab es noch einmal einen Spaziergang durch den neunten Bezirk und auf der “Buch-Wien” habe ich im Rahmen  des “Ohrenschmauses” ein Stückchen aus der “Mimi” gelesen.

Ansonsten war ich im März wiedermal  in Leipzig und vorher in Essen bei der “Bloggerdebutpreisverleihung”, wo ich Klaus Cäsar Zehrer und Christian Bangel kennenlernte.

Danach gab es den Osterspaziergang der LitGes, wie gewohnt und auch die Lesung beim “Linken Wort” beim “Volksstimmefest”, die Lesung bei der “Poet Night” und mein “Literarisches Geburtstagsfest”, wo ich  jeweils mehr oder weniger ein Stück aus der “Unsichbaren Frau” gelesen habe, dem Buch, in dem ich den Herbst 2017 im Rahmen des “Nanowrimo 2017” beschrieben habe und daraus habe ich auch im “Bepop” gelesen, die man, wenn man so will, auch als eine außertourliche Lesung bezeichnen kann, zu der mich der liebe Rudi eingeladen.

Buch ist in diesem Jahr nur eines herausgekommen, nämlich die Bloggeschichten “Besser spät als nie”, zu Jahresanfang, aber die Fortsetzungsgeschichte, “Die Unsichtbare Frau” ist schon in der Druckerei und ich werde sie demnächst bekommen.

Geschrieben habe ich ab Sommer den Rohentwurf zur “Magdalena Kirchberg”, bei der ich jetzt beim Korrigieren bin und da habe ich vorher auch ein paar Artikel zum “Zeitmanagement”, “Regelmäßig schreiben”, “Konzeptänderungen” etcetera verfaßt. Das war im Sommer.

Vorher ab Jahresbeginn habe ich wieder ein bißchen mein Schreiben vorgestellt, über meine “Kinderbücher”, die “Depressiven Frauen”, die “Politischen Bücher”, die “Bekannten Gestalten”, die “Schreib- und die Bücherschrankmotive”, etcetera, geschrieben.

Außer in Leipzig war ich wieder auf der “Buch-Wien” und beim “Buchquartier”, bei vielen Veranstaltungen, wie den “Wilden Worten”, den “O-Tönen”,“Literatur und Wein” in Göttweig und in Krems, beim “H .C. Artmann-Festival”, bei einigen Preisverleihungen, den “Bachmann-Preis”, den Tanja Maljartschuk gewonnen hat, hat es gegeben  und ich habe wieder tüchtig gelesen, wenn auch weniger als in früheren Jahren, ich habe Buchpreis gebloggt und mich durch die österreichische und die deutsche Liste gelesen.

Ansonsten dieses Jahr sehr viele Neuerscheinungen und in zwei Jurien bin ich nach wie vor auch.

Da gibt es schon länger den “Ohrenschmaus”, den Literaturpreis für Menschen mit Lernschwierigkeiten und seit 2016 juriere ich auch beim “Bloggerdebut-Preis” mit, was mir großen Spaß macht, denn ich interessiere mich ja sehr für Literatur.

Reisen hat es auch gegeben, eher kleinere, denn ich bin ja im Gegensatz zum Alfred nicht sehr reiselustig, war aber heuer vor Leipzig, zwei Tage in Würzburg und zwei Tage in Essen, dann sind wir im Sommer zehn Tage in die Schweiz, nach Genf, Bern und Zürich gefahren, wo ich die Bücherschränke erforschte und einige Buchhandlungen besuchte und kurz danach sind wir noch ein paar Tage mit der Ruth um den Neusiedlersee gefahren.

Das waren die erfreuelichen oder die gewöhnlichen Dinge, zu den eher unerfreulichen würde ich die politischen Entwicklungen, den Rechtsruck, etcetra bezeichnen.

Es gibt wieder Donnerstagsdemonstrationen, da war ich auf vier und das ganze Jahr habe ich mich mit dem Uli gecatscht, was manchmal mehr, manchmal weniger erfreulich war, aber ich denke, man soll es wenigsten versuchen politische Korrektheit einzufordern, auch wenn das, wie es aussieht, ein Faß ohne Boden ist.

Das war im Großen und Ganzen 2018 und richtig, daß ich “zehn Jahre Literaturgeflüster” mit Sekt und Torte gefeiert habe, das hätte ich jetzt fast vergessen!

Und zwei Workshops bei Stephan Teichgräber einen zum Thema “Utopie” und einen zur “Revolution” habe ich auch besucht, um mich ein wenig literaturwissenschaftlich weiterzubilden, während es, was wahrscheinlich auch ein wenig schade ist, die “Schreibgruppe” seit Herbst nicht mehr gibt.

Verluste gibt es auch zu vermelden, so ist in diesem Jahr der “Büchner-Preisträger”  Wilhelm Genazino,  am 12. Dezemer in Frankfurt verstorben, den ich sowohl einmal in Gottweig bei der “Literatur und Wein”, im Literaturhaus und in der “Alten Schmiede” hörte, sondern auch der ewige Nicht-Nobelpreisträger Philp Roth, der andere große Amerikaner Tom Wolfe am 14. Mai, Philip Kerr am 23. März und auch die österreichische Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger mit ihren ganz armen Kindern und Frauen, die eine hervorragende Oma  gegen Rechts gewesen wäre, die mit dem Krückstock, wie sie einmal am Ballhausplatz beim Johanna Dohnal- Gedenken verkündete, gegen die Nazi-Verharmloser angetreten wäre.

Und außerdem habe ich gerade erfahren, ist der israelische Schriftsteller Amos Oz von dem ich noch einiges zu lesen habe, vor drei Tagen gestorben.

Außerdem, hat es in diesem Jubuläumsjahr außer fünfundvierzig Jahre Matura und fünfundvierzig Jahre erfolgfrei schreiben, dem fünfundsechzigjährigen Geburtstag und Ende meines Diagnostikkassenvertrages, auch die Erinnerung an den März 1938, das Wien unterm Hakenkreuz, fünfzig Jahre 1968 und hundert Jahre Republik gegeben, was zu einigen literarischen Veranstaltungen und Büchern führte, die ich noch im nächsten Jahr lesen werde.