Sterne pflücken

Das dritte Weihnachtsbuch, beziehungsweise Buch von meinem Bücherchristbaum habe ich der 1959 in Linz geborenen und in St. Pölten lebenden Doris Kloimstein zu verdanken, die ich zu den Zeiten kennenlernte, als ich von St. Pölten nach Wien in meine Praxis gependelt bin und daher einmal zu einer Regionalversammlung der IG-Autoren dorthin ging.

Das ist lange her. Damals war sie, glaube ich, Obfrau der LitGES oder hat die Zeitscherift “Etcetera” aufgebaut.

Sie hat mich auch zu einer Lesung eingeladen, wo ich mit Manfred Wieninger lesen hätte sollen, der war aber noch in seinen Plagiatsskandal verstrickt und hat daher abgesagt, dann habe ich sie einmal in St. Pölten getroffen, als gerade die “Frequency” stattfand und man die Traisen eigentlich nicht befahren durfte.

Am Markt treffen wir uns jetzt öfter und sie war auch ein regelmäßiges Mitglied der Schreibgruppe, die es seit Sommer ja nicht mehr gibt, war Dramaturgin oder Regieassistentin im Stadttheater St. Pölten, hat oder spielt immer noch Geige, arbeitet bei der katholischen Kirche, obwohl sie sehr kritisch ist, ist Mitglied des PEN und veranstaltet diesbezüglich viele Frauenveranstaltungen und Ausstellungen.

Also eine sehr vielseitige Frau und das merkt man dem kleinen Weihnachtsbüchlein, das sie mir zusteckte, als ich sie Anfang Dezember bei einer Veranstaltung zum Frauenwahlrecht im Literaturhaus getroffen habe, auch an.

Klein aber fein, das heißt ein Umfang von nicht einmal vierzig Seiten und dann noch wunderschöne Bilder der ebenfalls in Linz geborenen Karin Köppl.

Engel und auch einmal eine Marienfigur mit dem Kindchen und dem Esel kommen darauf vor und immer wieder eine gut zu erkennende Geige spielende Doris Kloimstein und von ihr sind in dem Büchlein zwei Prosatexte “Wechselgespräch” und “Weihnachtsstimmung” genannt und eine Reihe von Gedichte, die eine oder einem mehr oder weniger in Weihnachtsstimmung versetzen können.

Das “Wechselgespräch” ist, wie ich denke, ebenfalls für Doris Kloimstein typisch, wie sie leibt und lebt. Da hat sich eine doch wieder einmal überarbeitet, so daß sie plötzlich Stimmen hört, die ihren kritischen und  wahrscheinlich auch Widerspruchsgeist rührt.

“Weißt Du”, sagte die Stimme. “Du wirst dich erholen und weitermachen. Einfach weitermachen.”

“Das muß ich sowieso”, brummte ich, ob mit oder ohne Deinen guten Ratschlag.”

“Sicher sagte die Stimme, “morgen wenn Du  am Abend neben dem Christbaum im Ohrensessen sitzt, dann reden wir weiter.”

Dann geht es in die “Weihnachtsstimmung”.

Ein Engel ist da auf linken Seite zu sehen und Doris Kloimstein beginnt ihren Text mit “Weihnachten – ja ich mag Weihnachten” und fährt bei paar Zeilen weiter fort “Wenn Mitte November die Nikoläuse reihenweise in den Supermärkten herumstehen, dann mag ich Weihnachten nicht.”

Um mit den zeitgenössischen Autoren fortzufahren, die es sich nicht leisten können “Gott zu loben, wenn sie in der Literaturszene ernst genommen werden wollen.”

Dann kommt sie zu den Liedern, die bei ihr zu Hause zu Weihnachten gespielt oder gesungen werden “bevor alle nur mehr in Richtung Küche schauen, aus der Kulinarisches herausduftet.”

“Stille Nacht” und “Es wird schon glei dumpa”, führt sie an. Aber im letzten Jahr hat sie auch “Dschingl Bells” geprobt. Dann “hat der Christbaum Feuer gefangen und “Dschingl Bells” ist für das nächste <Jahr ausgefallen.

Ja, Doris Kloimstein ist sehr hintergründig und kann durchaus zynisch sein, wie man vielleicht auch bei ihren Gedichten merken kann.

“Will die Sterne am Kleid des Engels zählen so wie damals und mich freuen Will die Berechnungen vom Tisch wischen wie ein Kind die Bauklötze und an das Wunder glauben”, heißt es da etwa oder

“Lichterketten, Tannenzweige – niemand sieht den Sinn dahinter Immer wieder wird es Winter heißt der brav gelernte Satz” um im “Dornenwald unserer Gedanken” zur Hoffnung zu kommen, denn

“Unendliche Hoffnung auch im Schmerz denn ein Licht und unendliche Liebe dereinst und heute”

So endet das Buch, um zu den beiden Biografien zu kommen und man hat sich, vielleicht neben den Christbaumkerzen schnell durch die fünfunddreißig Seiten durchgeblättert, dabei ein paar Kekse, Villekipferl oder Lebkuchenherzen genascht und ist, je nach dem, wie man zu Weihnachten steht, besinnlich oder rebellisch geworden.

Beides ist, glaube ich, in dem Buch vorhanden, gehört zu Doris Kloimstein, wie ich sie kenne und die zarten schönen pastellfarbigen Bilder von Karin Köppl passen dazu und sind auch ein Gewinn.

Weihnachtsgeschichte

Weihnachtsduft, Weihnachtskerzen, Weihnachtsruhm, etcetera, überall  in jedem Raum, vorallem was die Ruhe betrifft, hat die freiheitliche Partei wieder ein Video gemacht, wo H. C. Strache, der Vizekanzler, den Hubers, die weihnachtliche Rube verspricht, in dem er die Eulen vertreibt und dafür mehr Polizisten eisstellte und besser ausrüstete und ein schärferes Fremdenrecht geschafften hat, so daß es ganz ruhig ist, worüber sich die Hubers wundern und nichts passieren kann.

Das Letztere scheint nicht ganz zu stimmen, denkt, die vom Weihnachtsstreß und einem weihnachtlichen Geburtstagsessen mit Punsch, Vitello Tonnato, Ente mit Rotkraut und Preiselbeeren, Käseplatte und köstlichen Topfenknöderln Erschöpfte, hat sie doch gerade von der montenegrinischen Mafia gehört, die Mitten im weihnachtlichen Einkaufstreiben im Lugeck in der Innenstadt einen Menschen ermordet und weitere angeschossen hat.

“Der Weihnachtsfrieden ist gestört!”, empören sich auch lautstark die patriotenischen Identitären und sie denkt kurz daran, ob sie den zuviel genossenen Punsch mit den Preiselbeeren wieder hinauskotzen soll? Aber nein, das nicht, das ist nicht nötig, soviel hatte sie doch nicht intos, nur das sehr junge Mädchen, das beim Nachhausegehen von dem exquisiten Heurigen in Grinzing am Boden vor der Bushaltestelle lag und betrunken vor sich hin stöhnte, daß ihr schlecht wäre, hatt das höchstwahrscheinlich getan und den weihnachtlichen Frieden beiehungsweise Einkaufsstreß vielleicht ausgehalten.

Der Liebste hat ihr wieder auf geholfen, sie auf die Bank des Wartehäuschen gesetzt und gefragt, ob alles in Ordnung wäre und man sie allein allein könne, ist doch der Bus gerade eingefahren und nachdem sie schon zweimal den Halteknopf gedrückt hat, ein und wieder ausgestiegen ist, hatten sich die Mitfahrenden schon empört und ihren Wunsch nach einer stöteungsfreien Weiterfahrt angemeldet.

Sie hat diese dann nicht so ganz gehabt. Erstens drückte der Magen, zweitens war sie von all dem Weihnachtsstreß  müde und erschöpt und hat eigentlich schon vor einer dreiviertel Stunde, als der DJ seinen weihnachtlichen Liedermix beendet und die Tanzenden ihre Bewegungen eingestellt hatten, nach Hause gehen wollte.

Der Liebste hat aber ein anderes Erschöpfungspegel und wollte das noch nicht, so daß es sehr lang gedauert hat und sie auch energisch vorausgehen und dann die Betrunkene vor der Bushaltestelle gefunden hat, bis sie das konnte.

Der U-Bahnzug, der zum Glück in Heiligenstadt schon in der Station wartete, war dann auch sehr voll von trinkfreudigen Ausgehenden oder Weihnachtsstreßopfern, die, eine Runde junger Burschen mit wahrscheinlich keinen Migrationshintergrund, stiegen dröhnend, brüllend, singend ein paar Stationen weiter ein und torkelten bedrohlich durch den Wagen, beziehungsweise hieben sie schwungvoll auf die Haltegriffe und anderen Gegenstände ein, so daß sie sich nicht ganz sicher war, ob sie sich fürchten sollte oder nicht?

Der Liebste hat sie dann vor der nächsten Station angeschrieen in erklärt, daß das nicht ginge und sie sich benehmen sollen, so daß sie Zug verließen und weihnachtliche Ruhe, es war schon halb eins am Morgen, wieder eingekehrt war.

Weihnachtsfriede, Weihnachtsfreude, Weihnachtsduft in jeden Raum. Den hat sie dann nicht besonders beachtet, obwohl ihr Weihnachtstischchen im Schlafzimmer schon festlich mit Kerzenschmuck, Adventkaldender und Weihnachtspäckchen, die meistens von einer Hilfsorganisation stammten, die diesen kleinen Care-Schachteln, neben einem Strohsternchen oder einem Keksausstecher auch einen Zahlschein beigelegt hatten, stammten, dekoriert war

Sie zog sich aus, hörte sich noch kurz ein Video über die Störung des Weihnachtsfriedens durch die meontenegrinische Mafia an und es gruselte ihr ein bißchen, hatte sie sich doch zur Zeit des Geschehens ziemlich in der Nähe, nämlich am unteren Ende der Känrtnerstraße befunden und war vom Cafe Museum kommend, bis in die Johannesgasse marschiert. Hatte aber nichts von der Unruhe bemerkt und auch die Politzeikontrollen und, die Hubschauber, die sich laut Video über der Stadt befunden haben sollten, nicht gesehen.

Ausziehen, waschen, Zähne putzen und noch ein paar Stunden Schlaf genießen. Sollte es doch am nächsten Morgen in den weihnachtlichen Frieden und den Zweitwohnsitz hinaus gehen, wo sie mit ihren Liebsten, der noch vor seinem Laptop saß und die von dem Fest geschossenen Fotos einordnen wollte, das weihnachtliche Winterfest verbringen wollte.

Um acht sollte es losgehen und um sieben aufgestanden werden. Es meldete sich aber schon vor sechs, als sie sich noch in ihren tiefsten Träumen befand, des Liebsten Handie, sie war noch immer eine diesbezügliche Verweigerin und hörte der Tochter Stimme, die mit verzweifelter Stimme von ihrem Weihnachtsstraß berichtete, der so arg war, daß sie ihn nicht aushielt und nicht schlafen konnte, Weihnachtsfriede, Weihnachtsfreude, Weihnachtsruhe in jeden Raum und eigentlich war es trotz H. C Straches Bemühungen am Vorabend sehr laut gewesen. Nur die Eulen hatten ihr nicht gefehlt.

Das war eine fast gänzlich selbst erlebte Weihnachtsgeschichte und ein Adventkalenderfester gibt es auch.

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