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Und jetzt kommt das zweite Buch von meinem Bücherchristbaum und Adventkalender, das zweite Weihnachtsbuch des Jahres, eines das nicht aus der “Wundervollen Buchhandlung” stammt und eines das  auch  zwischen dem Geburtstagsfest und Weihnachten zu mir gekommen ist, nämlich Franz Blahas in ottakringischen Dialekt, wo er offenbar aufgewachen ist, zwischen 2001 und 2016 für die Weihnachtsfeier im “Häferl”, dem Treff für Haftentlassene, wo ich auch schon mal gelesen habe, geschriebe Gedichte, die er jetzt herausgegeben hat und am dem Tag im Ottakringer Bezirksmuseum vorstellte, als das letzte KAV-ÖAAG- Refelexionstreffen mit Sekt und Brötchen war, so daß ich zu der Präsentation nicht kommen konnte.

Herr Blaha, den ich schon länger von Lesungen zu denen er auch als Besucher geht und auch einige seiner Publikationen kenne, war aber so lieb, mir das “Weihnachtsbuachl” zur “Poet-Night” vorbeizubringen, so daß es heuer bei mir doch sehr weihnachtlich wird.

Man sieht, ich komme trotz aller “Winterfestumbauaktionen” nicht darum herum und kann so am vierundzwanzigsten Dezember nicht nur einen Christbaum, sondern einen besinnlichen Gang durch Franz Blahas Kindheit, wie ich vermute, die sich auch zum Teil mit meiner deckt, denn ich bin ja ab 1953 in Hernals in der Wattgasse aufgewachsen und habe als Kind oft die eine Großmutter, die in Ittakring in den sogenannten Jubiläumsbauten lebte und die andere, die mit ihrer Tochter, meiner Tante Grete und ihrer Enkeltochter Susi, meiner Cousine, in einem Gemeindebau in der Hütteldorferstraße im vierzehnten Berzirk, ein Stückchen weiter unten lebte, geben.

Die Gedichte sind, wie Franz Blaha in seinem Vorwort schreibt im Ottakringer Dialekt geschrieben und wurden der besseeinem ziemlichen <hren Verständichkeit wegen, nicht in Hochdeutsch, sondern im “Normaldialekt” übersetzt und das ist gut so, denn sie wären sonst ziemlich unverständlich, denn ich bin ja auf Wunsch meiner Mutter in Hochdeutsch aufgewachsen, damit ich es einmal besser habe im Leben, wie das damals so  hieß und kann mich an dieses Ottakringisch auch nicht wirklich erinnern und glaube, daß die, in den Siebzigerjahren verstorbene Großmutter, ebenfalls Hochdeutsch, wahrscheinlich mit einem mehr oder weniger starken tschenischen Akzent, gesprochen hat.

Die Gedichte also bei der Weihnachtsfeier für Haftentlassene,Obdachlose und andere Menschen, die es wahrscheinlich nicht so gut im Leben haben und wie schon geschrieben, viel Nostalgisches und Sachen an die ich mich bei meinen Weihnachtsfesten in der Wattgasse, die ich eigentlich trotz der Kinderbücher von Friedrich Feld von Vera Ferra-Mikura, die Weihnachtsgaben der “Kinderfreunde” für die SPÖ-Mitglieder, was mein Vater ja bekanntlich war und sehr aktiver Berzirksfunktionär mit Kanditat Nummer sechszehn für die Bezirksvorsteherliste, kein sehr angenehmes war, denn die Mutter hat, wenn sie von ihrer Arbeit als Kindergartenhelferin nach Hause gekommen ist, noch bis weit in die Nacht des Vierundzwanzigsten geputzt und gebacken und war dann am nächsten Tag, wo es den Karpfen und die Pute vorzubereiten und den Christbaum aufzuputzen galt, nicht mehr so gut aufgelegt und der Vater drohte mir, daß es keine Geschenke gäbe, wenn ich nicht hoch und heilig an das Christkind glaube, was ich so zwischen dem ersten Trotzalter und der Pubertät ernster genommen habe, als ich es wahrscheinlich sollte.

Nun gut, so waren sie wahrscheinlich die Nachkriegsweihnachten in die Wirtschaftswundergeneration. Einen Christbaum hatten wir, das habe ich schon geschrieben, Krippe ist keine darunter gestanden und so habe ich auch an den “Ochs und den Esel” nicht so sehr geglaubt, denen Franz Blaha seine erstenGedichte widmete.

Das Cover ziert eine “Hausgrippe” nach einem Foto von Andreas Praefcke. Vorher gibt es noch ein Gedicht, das wahrscheinlich auch aus Franz Blahas Kindheit stammt, wo sich die dreißig Schilling am Tag verdienende Mutter, die ihrem Sohm ein Buch, um diesen Betrag kaufte, darüber ärgert, daß er es, statt es schön Tag für Tag einzuteilen, um länger davon etwas zu haben, ratzeputz sofort auslas.

Ja damals hat man sich über die lesenden Kinder noch geärgert und sich gefragt, ob sie niechts besseres zu tun hätten? Heute würde man sich darüber freuen, weil sie dann bis zur Matura wüßten was “Pathos” heißt, vielleicht mehr als fünf österreichische Autoren kennen und sie auch gelesen haben.

Die Zeiten ändern sich, heute biegen sich die Christbäume und die Geschenke darunter sind so teuer, daß die Schuldnerberatungsstellen vor Weihnachten im Radioempfehlen, daß man  nicht mehr ausgeben, als man hat und an den Einkaufssamstagen möglichst keine Kreditkarte mitnehmen soll, während Franz Blahas oder eine andere Oma vor demn schönaufgeputzen Christbaum der Zweitauserjahre steht und sich daran erinnerte, daß früher, als der Bundeskanzler keinen Baum zu Weihnachten versprechen konnte, alles viel schöner und viel besser war, die Gans , die es damals nicht gab, viel besser schmeckte, die Kerzen heller strahlten, etcetera. Ja, die Erinnerung kann trüben oder man hat sie sich verklärt.

Und so erinnert sich auch Franz Blaha an die Zeiten, als er erst ins Zimmer durfte, als der Christbaum schon aufgeputzt war und die Mutter am Fenster stand und ihm verkündete, daß das Christkind gerade hinausgeflogen war, weil es ja noch so viele andere brave Kinder und Franzu Blaha hasste dann diese, bescheren mußte, bevor er sich am Christbaum erfreute, an denen die Zuckerln hingen, die er selbst mit der Mutter eingewickelt hat, “weil man dem Christkind ja helfen mußte.”

Das Christkind trifft er dann an der Straßenbahnhaltestelle, als er vom Ottafkringer Friedhof kam, wo Anmerkung, nicht nur meine Großmutter begraben liegt, sondern auch Gerald Bisinger, Gerhard Kofler, etcetera und das erkundigt sich, ob hier der J-Wagen zum Karlsplatz fährt, aber die Straßenbahnen haben jetzt andere Nummern,  fahren andere Routen und das Christkind war offenbar schon lange nicht mehr da.

Auch kein Wunder, denn der Weihnachtsmann oder Santa Claus mit dem roten Mantel, der mit Renntieren im Schlitten fährt, hat es aus Amerika kommend, längst verdrängt und schmeißt jetzt seine Geschenkpackerl durch den Kamin und ein solches Gedicht, wo der heilige Klaus vorm PC sitzt und nicht gestört werden will, gibt es auch.

Dreizehn länger oder kürzere Weihnachtsgedichte in breiten Ottakringer Dialekt also, die sich in der Übersetzung, El Awadalla und ihr “morgenschtean” wird auch noch erwähnt, gut verstehen lassen und einen wahrscheinlich in die eigene Kindheit zurückführen, auch wenn man vielleicht viel später und nicht in Hernals oder Ottakring aufgewachsen ist und die ich allen Weihnachtsnostalgikern und auch Weihnachtshassern empfehlen kann, ob sie Petra Hartlieb in ihrer wundervollen Buchhandlung so leicht besorgen kann, weiß ich nicht. Franz Blaha ist aber ein sehr eifriger Literaturvermittler, hat oder hatte jetzt auch eine Schreibwerkstatt in der Pannaschgasse und wird sicher weiterschreiben.

“Ich wünsche euch schöne Weihnacht`n mit Kekserln und Kerzerln und ein schönes neu s Jahr”, das erstere habe ich zwar schon geschrieben, wiederhole es aber gern!

Ein Bücherchristbaum

Bücherchristbaum

Bücherchristbaum

Zu Zeiten, wo sich die Rechten darüber aufregen, daß Weihnachten angeblich in ein Winterfest umgewandelt werden soll und sich Evelyn Schlags Taxifahrer, wie sie auf der “Zentralmaturaenquette” erstaunt verkündete, sich beklagte, daß “Weihnachten schon weggegendert wurde”, da hat er, glaube ich, etwas verwechselt und zwei patriotische Debatten ineinander vermengt, kommen nun meine weihnachtlichen Betrachtungen, denn ich bin ja als Tochter eines sehr aufrechten Sozialisten und einer im Herzen wahrscheinlich katholisch gebliebenen Mutter in einem Gemeindebau aufgewachsen und hatte jedes Jahr unter dem Christbaum ein Kinderbuch der “Kinderfreunde”, das die Sozialisten den Kindern ihrer Mitglieder zur Verfügung stellten, liegen.

In die Kirche sind wir nie gegangen, ich bin ja ohne Bekenntnis und habe nur auf Wunsch meiner Mutter in der Schule den Religionsunterricht besucht. Für mich hätte das Weihnachtsfest also immer Winterfest heißen können, aber Weihnachten geht auch und einen Christbaum hatte ich weder in der Otto Bauergasse, wo ich als Studentin wohnte, noch in der Gumpendorferstraße, wo die Anna geboren wurde oder noch in der Krongasse, nur in Harland. Da hatten ihn die Schwiegereltern im großen Wohnzimmer. Jetzt hat ihn der Alfred gekauft und die Vierundzwanzigstundenbetreuerin der Schwiegermutter putzt ihn auf.

Aber weil ich etwas verspielt bin und mehr den Advent, als das Weihnachtsfest zelebriere, habe ich heuer, da hatte ich keinen Adventkalender mir einen Bücherchristbaum auf meinem kleinen runden Schlaftzimmertisch vor meinen Bücherstapeln an den Wänden aufgebaut.

Die idee eines Bücheradventkalenders, also jeden Tag ein Buch im Dezember lesen oder sammeln, hatte ich ja schon länger, noch bevor ich meinen “Adventkalender” geschrieben habe, war die da und wurde aufgeschrieben.

Das tägliche Lesen eines Buches ist angesicht meiner elendslangen Bücherliste ohnehin nur Utopie und würde auch nicht gehen, wenn ich richtig in Pension gegangen bin, jetzt arbeite ich ja noch weiter, weil da  das Schreiben immer noch das Wichtigste wäre.

Aber ich liebe die Adventaktionen und versuche mir schon von Anfang an, das Literaturgeflüster im Dezember zu einem solchen zu gestalten.

Heuer war alles etwas anders, wegen der noch zu lesenden Neuerscheinungen,  kein Platz für ein neues Nika-Fenster, aber die Idee, den Bücherschränken, aus denen ich mich ja reichlich bediene, etwas zurückzugeben, in dem ich im Dezember bis zum vierundzwanzigsten, beziehungsweise, solange ich noch nicht in Harland bin, eines meiner Bücher hinein zulegen.

Nicht nur die “Nika”, denn da ich mir ja immer nur fünfzig Bücher drucken lasse, will ich noch im nächsten Jahr da etwas zu verschenken haben, sondern vielleicht rund durch den Krautgarten und so sind es, wenn ich mich richtig erinnere, dreimal die “Nika” geworden, zweimal glaube ich “Besser spät als nie”, das Vorläuferbuch zur “Unsichtbaren Frau”, eine “Volksstimmeanthologie”, einmal das “Bibliotheksgespenst” und einmal die Kroatiengeschichte “Claire-Klara-Clarissa” und die Bücher habe ich einmal in den Schrank bei der Belevederegasse, als wir zur “Auge-Weihnachtsfeier” gingen gelegt, einmal in den in der Zieglergasse und sonst immer in den “Wortschatz am Margaretenplatz und zweimal habe ich darauf vergessen.

Das war das eine Mal am ersten Dezember so um halb zwei in der Früh, als wir von der “Poet-Night” nach Hause gekommen sind, da habe ich noch schnell genug geschaltet, daß jetzt schon das Adventmonat angebrochen ist, obwohl ich mir  schon zwei Geschenkspackungen vom “Yves Rocher” gekauft und vom Herrn Blaha das erste Weihnachtsbuch bekommen habe und das zweite Mal war, glaube ich, der achte Dezember, als wir von der Ruth nach Hause gekommen sind, da habe ich auch irgendwie nicht daran gedacht und als Gegenleistung oder überhaupt, habe ich mir immer ein oder zwei oder wenn es ging auch drei Bücher aus dem Schrank genommen und mir auf meinem Tischchen, wie ein Christbaum aufgebaut. So daß es mit ein paar anderen Büchern, die mir die Verlage schickten, ich mir vom “Buchquartier” oder vom Literaturhaus mitgenommen habe und ein Verlagsprogramm und eine Leseprobe zu einem dreiundzwanzig Bücherstapel angewachsen ist, den ich hier stolz präsentieren will.

Die reihenfolge des Findens stimmt nicht ganz, da ich die Bücher der Größe nach aufgestapelt habe, um eine Chritbaumform zu bekommen und es sind, wie man feststellen kann, einige Schmankeln dabei, die ich mir selber zum Geschenk machte, während ich mir sonst keine Bücher wünschte und nur gespannt sein kann, ob ich noch welche bekommen werde?

Also öffnen wir die Adventkalenderfenster, freuen uns und staunen und ich räume den Baum zum Zitieren, rückwärts ab, bevor ich ihn wieder für das Foto aufbauen werde.

  1. Bianca Schmidt “Frau Bodenschlampe – Abnehmen ist nichts für Mädchen” (Leseprobe)
  2. Elfriede Jelinek “Michael ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft”
  3. Fanny Mendelsohn “Italienisches Tagebuch”
  4. Morton Feldmann “Der perfekte Mann”
  5. “Edition Korrespondenzen -Programm 2018”
  6. Gerda Marko “Schreibende Paare”
  7. Maria Sveland “Bitterfotze”
  8. Thomas Perle “Wir gingen weil alle gingen”
  9. Magdalena Diercks “auf halben weg”
  10. Michael Ziegelwagner “Sebastian – Ferien im Kanzleramt”
  11. Mieze Medusa “Freischnorcheln”
  12. Andrea Camillieri “Gewisse Momente”
  13. Gerasimos Bekas “Alle Guten waren tot”
  14. Mahmud Doulatabadi “Nilufar”
  15. Max Werner Lenz, Elsi Attenhofer “Die Urschweiz”
  16. Doris Lessing “Die Terroristen”
  17. Franz Blaha “ds´weinochdn”
  18. Wolfgang und Catarina Held “Mit Rucksack und Zeichenstift durch das tote Gebirge”
  19. Charles Bukowski “Mocking bird wish me luck”
  20. Doris Kloimstein “Sterne pflücken”
  21. Leo Katz “Brennende Dörfer”
  22. Peter Weiss “Die Ästhetik des Widerstands”
  23. Alexander Weiss (Hg) November 1918

Eine schöne Auswahl und viel Spaß beim Lesen, könnte ich mir selber wünschen. Eines davon habe ich ja schon gehört, weil von der Anna 2009 als Hörbuch bekommen und halt bevor jetzt meine Leser schreien “Fakenews, wo bleibt das vierundzwanzigste Buch?”, füge ich hinzu, daß das zu der Ruth gewandert ist, als ich sie am Freitag vor Weihnachten besuchte, um mir das Honorar von unserem VHS-Spaziergang im November abzuholen und mir ihre neue Wohnung anzuschauen, denn am Montag, als ich vom Mittagessen mit dem Alfred vom Waldviertlerhof zurückgekommen bin und einen Umweg zum “Wortschatz” machte, ist dort ein Buch vom österreichischen Autor Andreas Jungwirth gelegen “ni una palabra”( “Kein einziges Wort”) ist darauf gestanden. Und da ich nicht Spanisch kann, hatte ich gleich ein passendes Geschenk.

Ich wünsche meinen Lesern, egal ob sie Weihnachten, den Winter oder gar nichts feiern, der Christbaum aus Büchern oder aus Kerzen mit Lametta besteht, ein schönes Fest!

Und den Nika-Adventkalender gibt es auch:

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