Von den Fortsetzungsgeschichten zum Roman?

Ich habe ja meine Schreibcamppläne, beziehungsweise meine Strohwitwenzeit bis jetzt sehr gut, wie geplant verbracht und alles Vorgenommene eigentlich punktgenau erfüllt.

Das WienBesichtungsprojekt, die Pfingst-Bücherkastentour, die “Blogbusterleseproben”, die Spontantexte bei der öffentlichen Raumbeschreibung mit der Ruth und auch mit meinen Fortsetzungsgeschichten beziehungsweise Annika Bühnemanns Schreibchallenge.

Jetzt bleiben mir noch drei Tage bis der Alfred wiederkommt und da werde ich morgen Freitag doch zu der “Schundheft-Party” der Margit Heumann hingehen und ansonsten fleißig Praxis machen, während ich heute und auch den Samstag für meine Fortsetzungsgeschichten reserviere.

Da den ganzen Tag zu Hause bleibe und Marathon-Geschichten schreibe, beziehungsweise in der Badewann meine eigenen Bücher weiterlesen werde.

Die, die meinen Blog regelmäßig verfolgen, werden sich erinnern, daß ich im April, als ich noch am “Bibliotheksgespenst” korrigiert habe, schon den Plan hatte, jetzt nicht wieder schnell schnell mit etwas, nämlich mit der Idee von der Frau, die jeden Abend in der Pizzeria sitzt und dort ein Glas Wein trinkt, anzufangen, dann in ein paar Wochen den x-ten Text über eine depressive Frau vollende, der dann als fünfundvierzigstes selbstgemachtes Buch erscheint und niemand schaut es an und höchstens ein Kritiker schreit “Nicht schon wieder soviel sinnlosen Content!”

Aber was ist die Alternative, habe ich überhaupt eine? Die die mich und meine schon über dreitausend Artrikel länger lesen, wissen, daß ich, wenn ich was Neues anfange, immer gern schreibe, jetzt nehme ich mir aber wirklich und ganz ehrlich ein Jahr Zeit dazu und bin dann in den besagten paar Wochen fertig.

Was ja eigentlich toll ist, wenn das so gut geht. Ich will aber auch, ganz ehrlich, mehr Aufmerksamkeit und nicht immer ganz am unteren Rand stehen, die Erfolge der anderen miterleben, während sich bei mir kein Hund rührt, wenn ich beim neuen Buch ein Gewinnspiel mache oder um eine Rezension ersuche.

Wie ich die Aufmerksamkeit bekomme weiß ich nicht, hätte ich doch gedacht, das Bloggen wäre eine gute Möglichkeit dazu und, ob es wirklich nur an den Flüchtigkeitsfehlern und den falschen “s” liegt, würde ich eigentlich auch bezweifeln, was aber dann?

Das Jammern natürlich, das ist schon klar, daß das meine Leser vielleicht nicht immer hören wollen und der Erfolg liegt auch im Tun, schreiben die anderen Blogger und haben damit Erfolg, also habe ich mir die Monate Mai und Juni zum Recherchieren und Ideensammeln vorgenommen, die oben schon erwähnten Pläne gemacht, die Bodenseeradfahrt mit der Ruth und das öfentliche Schreibprojekt mit ihr sind noch dazu gekommen und auch, was ebenfalls sehr hilfreich war, Annika Bühnemann Schreibchallenge zehn Geschichten in einem Monat, nämlich bei ihr, der Juni, zu veröfentlichen. Da hat sie zwar erst zwei hineingestellt und wer sonst noch an der Aktion mitmacht ist mir auch nicht ganz klar, weil ich ja nicht bei Facebook bin.

Ich habe aber schon im Mai damit angefangen, weil ich mir ja schon im vorigen Jahr dachte, es ist eine gute Idee vielleicht erst einmal mit Geschichten anzufangen.

Da habe ich dann auch, noch angeregt durch meinen Kritiker Uli und das “Werfel-Symposium”, die “Stipendiatin” geschrieben und dann nach dem ich vom Bodensee wieder zurückwar, den diesmal einzigen Reisetext, denn ich habe ja eigentlich wieder ziemlich bald, nachdem die Fenster geputzt und die “das Bibliotheksgeschpenst” fertig war, mit dem neuen Projekt angefangen.

Vielleicht kann ich da nicht anders. Also die Figurenbögen für die Mathilde, ihre Zwillingsschwester, des Moritz Lichtenstern, ihrer Tochter Lily und da ist dann auch noch die Slavenka Jagoda dazugekommen, die ich eigentlich als Text für mein “Literaturgeflüster feiern” mit dem ich meine Strohwitwenzeit begonnen habe, geplant hatte, aber jetzt denke, die macht ihr Stipendium in New York am österreicchischen Kulturinstitut, wo die Lily Kuratorin ist und einen Blogroman über eine unsichtbare Frau will die Lily vielleicht auch schreiben, aber da muß ich noch konzipieren.

Die Ideen mit den Zwillingsschwestern, wo die eine von den Eltern der anderen vorgezogen wurde, dem Kind der Mathilde, von dem Moritz nichtś weiß und, daß der ihr von der Natalie weggeheiratet wird, hatte ich schon bald im Kopf und da kamen auch die Schreibimpulse, der Annika Bühnemann bezüglich ihrer Challenge, die ich sehr produktiv fand, zum Beispiel die von der Geschichte über einen Süchtigen, der seiner Sucht nicht nachgegehn konnte, das war meine Auftakt Projekt Geschichte, die ich bei der Mai-Gruppe geschrieben haben. Dann folgten glaube ich noch zwei, bevor wir nach Bregenz fuhren, die, wo sich der Moritz mit der Mathilde beim Begräbnis ihrer Schwester trifft und ihr sagt, daß er mit ihr abhauen und von vorn anfangen will und die, wo ein Kind erfährt, daß ihre Eltern gar nicht ihre Eltern sind, das ist die Lily und so habe ich schon im Mai ein paar Geschichten eingestellt.

Ich will ja eigentlich mein eigenes Projekt machen und gar nicht so bei einer Challenge, wo ich mich auch nicht angemeldet habe, mitmachen und das war inzwischen bis Ende Juni einfach bezüglich meines vorhandenen Konzepts Szenen sammeln und damm im Juli schauen, ob ich daraus einen Roman machen kann und, daß ich das will, war schon sehr bald klar und noch etwas ist mir aufgefallen:

Das Schreiben war bei mir ja manchmal etwas mühsam, wenn ich es zwar wollte, aber eigentlich nicht so recht wußte worüber?

Das ist mir bei  den “Berührungen” das letzte Jahr so passiert und da haben mir die “Wurfgeschichten” ein bißchen  geholfen.

Beim “Bibliotheksgespenst” war das auch so, daß ich lange ohne Konzept geschrieben habe, was ja auch meinem Kritiker aufgefallen ist.

Dem fällt ja alles Schlechte an mir auf und das Gute vielleicht gar nicht, aber es stimmt, wenn man ungefähr weiß worüber man schreiben will und sich dann einen Impuls nimmt und einfach eine Szene darüber schreibt, dann wird das sehr spannend, wahrscheinlich, weil man da immer ein paar Lücken, beziehungsweise was nicht Gesagtes dabei hat.

So schreibe ich beispielsweise derzeit nicht chronologisch, sondern, das, was mir zu dem Impuls, Annika Bühnemann verwendet inzwischen bevorzugt Bilder, einfällt.

Neun Mathilde Geschichten, wenn ich sie so nennen will habe ich inzwischen, wenn man das “Angekommen” mit der Slavenka Jagoda mitrechnen will, fünf davon wurden im Mai,  vier im Juni veröffentlicht.

Im Mai habe ich, was die zehn Geschichten-Challenge betrifft, sieben Texte im Blog veröffentlich, fünf Mathilde, dann den “Grenzverkehr” und die “Stipendiatin”, weil ich die fünfnzehn öffentlichen Raum-Geschichten. die in den letzten Wochen entstanden sind, nicht als Ganzes im Blog veröffentlicht habe.

Bis Ende JMuni will ich noch weiter so ungeordnet Szenen nach einem Bild oder einem Impuls dazu schreiben, ganz halte ich mich da auch nicht nur an die Annika Bühnemann.So ist die Angekommen-Geschichte, glaube ich nicht nach einem Motiv und, daß ich die Mathilde mit dem Moritz am Albertinaplatz zusammenkommenlassen will, war ein Einfall, den ich aus dem öfentlichen Raum Projekt übernommen habe.

Die habe ich in der Juni Schreibgruppe geschrieben, da hat der Klaus Khittl wieder die Themenverfehlung beanstandet, aber gut, ich will ja die Schreibgruppe zum Romanszenenschreiben verwenden, was die anderen, was mich ein wenig wundert, gar nichtso wollen, denn ich denke ja, daß es spannend sein könnte zu sehen, wie da ein Roman entsteht?

Ist es offenbar nicht, für mich war es das aber schon und in meiner Strohwitwenzeit war ich mit meinen Wien- Herumrenn- Projekten und meiner Praxis auch so beschäftigt, daß die Fortsetzungsgeschichten bis jetzt eher nebenbei passierten..

Obwohl ich noch im Mai eine nach einem Bild Impuls wo ein einsamer Bahnsteig zu sehen ist geschrieben habe, da steht der Moritz und bekommt den Brief von Natalies Anwalt, daß die Lily seine Tochter ist und auf den Satz “Ich habe nie etwas Unvorhergesehenes getan, bis heut nicht” ist mir die “Wiedergutmachung” eingefallen.

Die habe ich am Pfingstmontag geschrieben, bevor ich mich mit der Ruth getroffen haben.

Und heute und Samstag, dann den ganzen Tag Szenen schreiben und dannh bis Ende des Monats sehen, wie weit ich damit komme?

Ein paar Impulse habe ich schon vorbereitet und danach wird wahrscheinlich doch ein Roman aus dem Ganzen entstehen.

Ich weiß noch nicht so genau, ob ich zu der tradionellen Schreibweise zurückkehren werde oder damit weitermache, daß ich mich nach meinem Konzept eher lose von Szene zu Szene hantle. Das hat schon etwas an sich und der Nebeneffekt ist, daß meine Leser. wenn sie wollen, noch  ein bißchen intensiver meine Schreibarbeit verfolgen können, wie aus den Fortsetzungsgeschichten ein Fortsetzungsroman werden könnte.

Das heißt nicht ganz, denn Ende Juni werde ich wahrscheinlich aufhören, die Szenen direkt in den Blog zu stellen. Das wird vielleicht zuviel, habe ich ja jetzt schon Sorge, daß in den nächsten Tagen sehr viele Artikel erscheinen könnten und meine Leser schreien dann “Nicht soviel, hör auf damit, nicht so viel sinnloser Content!”

Aber sinnlos ist der ja nicht, auch wenn jetzt in den Geschichten noch einiges unlogisch ist und die Reihenfolge auch nicht stimmt.

Ich denke, das ist vielleicht etwas ganz Neues und eine Mischung zwischen Blogroman und aktiver Romanentstehung, das Experiment das durch das Bloggen möglich ist und am Ende wird, sofernein Roman aus dem Projekt entsteht, das Ganze wieder selbst herausgegeben und mit einer Vorschau veröffentlicht.

Da habe ich auch eine neue Idee, auf die mich Annika Bühnemann gebracht hat, die schon beim “Bibliotheksgespenst” wirksam werden wird, sofern meine Leser mitmachen, was wahrscheinlich das Problem sein wird.

Denn da möchte ich eine Leserunde machen, das heißt zuerst wieder eine Vorschau, wie gehabt, mit drei Fragen, wo man das Buch gewinnen kann.

Die löse ich dann, wenn das Buch da ist auf und stelle nochmal fünf Bücher zur Verfügung, für die, die es lesen  und mir einen Kommentar dazu schreiben wollen, so daß wir einen kleinen Austausch machen können.

Das werde ich ab jetzt immer anbieten, obwohl die Rückmeldung bei meinen Gewinnspielen ja eigentlich Null  ist. Aber wer will, kann sich schon jetzt an den bis jetzt neun vorhandenen Bloggeschichten festlesen und mir einen Kommentar dazu schreiben.

Würde mich freuen wenn einmal etwas anderes kommt, als “Sie plappern, sind trottelig und haben einen sinnlosen Content!”, denn das ist, ich schreibe es noch einmal, meine Mathilde-Geschichte wahrscheinlich nicht, sondern ein neues interessantes Blogprojekt, zu dem ich aber auch meine Leser brauche, damit das Ganze ein Austausch werden kann.

Ein verpatzter Valentinstag

Es war Valentinstag, wie unschwer an den roten Nelken, die mit einem kleinen ebenso gefärbigen Valentinsherz umbunden waren,  zu erkennen war, die in den kleinen weißen Vasen auf den Tischen standen und Guiseppe hatte ihr, als er ihr das obligatorisch Gläschen Valpolicella auf den Tisch gestellt hatte, noch  extra ein ein kleines, in rotes Stanniolpapier verpacktes Schokoladeherz dazu gelegt.

“Für Sie Sgnora!”, hatte er gesagt und sie angelächelt, bevor er die Speisekarte vor sie ausgebreitethatte und sich erkundigte, ob sie schon wisse, was sie essen wolle?

“Wir haben ein ausgezeichnetes Bruschetta oder wünschen Sie einen Salata mista!”, fragte er.

Sie überlegte und entschied sich für das in Olivenöl geröstete Weißbrot mit der Tomatengarnitur und Guiseppe, von dem sie nicht sicher war, wie gut er wirklich Italienisch konnte, nickte zufrieden.

“Va bene, Guido, unser Koch wird sich freuen, Sie haben einen ausgerzeichneten Geschmack, Signora, dann komme ich gleich mit der Vorspeise. Bis dahin wünsche ich einen schönen Valentinstag oder besser Abend, denn den Tag haben Sie wahrscheinlich schon gehabt!”, smalltalkte er, klappte die Speisekarte wieder zu und sie nickte, während  sie ihm zusah, wie er die leeren Gläser vom Nebentisch abservierte.

Einen schönen Valentinstag oder Abend, wie lange hatte sie das schon nicht gehabt? Die letzten Jahre waren die ihren eher Routine gewesen und nur am Abend hatte Guiseppe sie in der Pozzeria mit einem solchen Herzchen erfreut, daß sie sich als Nachspeise aufheben und statt eines Dessert nach der Bruschetta verspeisen würde, während sie, wenn sie so nachdachte, nur ein einziges Mal in ihrem Leben einen richtigen Valentinstag erlebt hatte. Damals in Berlin vor mehr als dreißoig Jahren, als sie dort im Starverlag gearbeitet hatte, um von ihrer unerfreulichen Vergangenheit und Familiensituation wegzukommen und dort sehr bald den jungen Lektor Moritz Lichtenstern kennenlernte, in dem sie sich verliebte.

Es war wohl das erste und wahrscheinlich auch das einzige Mal gewesen, daß sie sich verliebte, obwohl sie damals gar nicht mehr jung gewesen war, aber das Leben vorher war, auch wenn sie durchaus Männerbekanntschaften gehabt und mit ihnen auch das eine oder das andere Mal ausgegangen war, eher unerfreulich gewesen, in Wien, wo ihr die ungerechte Bevorzugung Natalies, gegen die sie sich nur  schlecht wehren hatte können, im Nacken gesessen hatte. Hatte sich deshalb wahrscheinlich nicht so recht enthalten und frei fühlen können, wie sie sich erinnerte, als sie ihr Glas hochhob, um einen Schluck Wein zu trinken.

Sie konnte selber nicht so genau sagen, was sie damals daran gehindert hatte, sich frei zu fühlen und sich zu verlieben, wie das normal gewesen wäre und die meisten anderen so taten.

Aber die ersten zwanzig oder dreißig Jahre ihres Lebens waren für sie sehr hart gewesen. Die ersten fünfzehn war sie, wie sie es empfunden hatte, immer im Schatten Natalies gestanden. Dann hatten sie die Eltern nach der Beendigung der Pflichtschule in einem Geschäftshaushalt, als Mädchen für alle gegeben, mit der Begründung, daß sie sich eine weitere Ausbildung nicht eisten konnten und sie jetzt alt genug wäre, auf eigene Beinen zu stehen.

So hatte sie mit Fünzehn, wo sie das doch noch gar nicht war, erwachsen sein müßen und auf die drei kleinen Kinder der berufstätrigen Frau Zawric, die mit ihrem Mann die kleine Elektrofirma führte, aufpassen und den Haushalt schupfen und sich daneben, weil sie Natalie ja nicht den Vorzug lassen hatte wollen, auch noch in einer Handelsakademie angemeldet und es in Fernkursen dort bis zur Matura gebracht.

Das hatte naturgeemäß länger gedauert und so war die bevorzugte Schwester, die das scheinbar nicht verstanden hatte, schon mit ihrem Medizinstudium fertig, als sie endlich die Matura schaffte.

Dann hatte sie den Zawrics gekündigt, was die Eltern eher gleichgültig zur Kenntnis genommen hatten, von denen sie eigentlich sicher war, daß sie sie gar nicht bei der Weihnachtsfeier haben wollten und nur zu höflich waren, um sie direkt hinaufzuschmeißen und “Was willst du hier, wir haben doch nur eine Tochter!”, zu sagen. Sie war wahrscheinlich, wie das die Psychoanalytiker nennen würden, aus verletzten Stolz oder, um es ihnen doch zu beweisen hingegangen und hatte wahrscheinlich auch aus diesem Grund  stolz erzählt, daß sie sich in Berlin für die Stelle einer Verlagssekretärin beworben hatte.

“Wie du meinst!”, hatte der Vater, wie sie sich erinnern konnte, uninteressiert gesagt, was sie wahrscheinlich bewogen hatte, besonders begeistert “Auf jeden Fall!”, zu antworten, so daß sogar Natalie, die gerade von der Lehranalyse erzählte, die sie demnächst beendet würde, intereressiert aufgeblickt und “Berlin soll eine interessante Stadt sein, vielleicht sollte ich da meine Praxis aufmachen!” hinzufügte und sie hatte, wie sie sich eingestehen mußte, das nicht ernst genommen. Hatte sich im Gegenteil sogar gefreut, damit die bevorzugte Schwester, die breitspurig von ihrer Lehranalyse berichtet und damit alle Bewunderer auf ihrer Seite gehabt hatte, endlich mit etwas beeindrucken zu können. Sie hatte also Natalies Ausruf nicht ernst genommen und bald darauf vergessen. War doch anderes viel wichtiger gewesen. Sie hatte ihre Koffer gepackt, war nach Berrlin gezogen, hatte dorr vom Verlag eine kleine Garconniere vermittelt bekommen,  hatte Moritz kennenglertn und sich in ihm verliebt. Ob sie das den Eltern und Natalie geschrieben hatte, wußte sie gar nicht mehr. An Natalie hatte sie eigentlich nicht geschrieben, den Eltern wahrscheinlich eineKarte in dem Bestreben, daß man das als Tochter so tut. Eine Karte miit ihrer Adresse und ihnen wahrscheinlich auch mitgeteilt, daß sie gut in Berlin angekommen sei und ihr die Arbeit im Verlag gefalle. Von Moritz hatte sie mit Sicherheit nichts geschrieben. Htte sie da doch wahrscheinlich intuitiv  ein Gefühl abgehalten Natalie nicht zu tief in ihre Karten blicken zu lassen, denn bei den wenigen Malen, wo sie mit Natalie auf einem Fest oder einer Veranstaltung, der Hochzeit eines Verwandten, der auch sie eingeladen hatte, , gewesen war, war es schon vorgekommen, daß Natalie sich auf die jungen Männer, die vielleicht auf sie ein Auge geworfen hatten, gestürzt und sie ihr ausgepannthatte und Natalie, die Zwillingsschwester, hatte ihr nicht nur  bloß gesehen, wie ein Ei dem anderen. Sie war im Gegenteil immer viel Akttraktiver, Eleganter, Teuerer, Gepflegter, etcetera gewesen. Sie war die Gymnasiastin und spätere Medizinstudentin, während die mitlaufende zweite Tochter zuerst in der Haptschule und später Mädchen für alles war und das interessierte die jungen Männer natürlich nicht zu sehr, wie mit Natalie über Sigmund Freund zu diskutieren oder ihr vorzuschalgen, daß sie sie analysieren solle.

Kein Wort von Moritz also zu Natalie, da war sie sich sicher. Die Schwester war aber, wie ein Wunder trotzdem gerade am Valentinstag vor dreißig oder wahrscheinlich schon einunddreißig Jahren aufgetaucht. Hatte an ihrer Tür geläutet, sogar bei ihr übernachten wollen, weil sie, wie sie sagte nach Berlin gekommen war, um sich hier nach einer Praxis umzusehen und auf diese Art und Weise hatte sie auch Moritz kennengelernt.

“Voila, Signora, Sie schauen so grimmig drein, ist etwas mit dem Valpolicella nicht in Ordnung?”, wollte jetzt Guiseppe erschrocken von ihr wissen, als er ihr die gerösteten Brotscheibben auf den Tisch stellte.

“Doch, doch!”, antwortete sie rasch.

“Ich habe nur an etwas nicht so Angenehmens gedacht!”

Er nickte und schlug ihr vor, dann doch rasch an etwas Erfreulicheres zu denken.

“Denn an einem Valentinstag soll man doch fröhlich sein und sich freuen oder irren ich mich da und Sie sind anderer Meinung?,” fragte er in seiner freundlichen Art und sie  antwortete genauso rasch “Doch, natürlich!” und dachte bei sich, wenn das nur so einfach wäre.

Das war es aber nicht. Denn sie hatte den Valentinstag vor dreißig oder schon einunddreißig Jahren mit Moritz allein, in der kleinen Weinstube, die es zwei Straßen vom Verlagshaus gab, verbringen wollen und war mit ihm auch in einer der kleinen Nische gesessen. Er hatte ihr, daran konnte sie noch genau erinnern, eine langstielige und sicher sehr teue Rose, an die ein ebensorotes goldenes Valentinsherz geheftet war, wie es hier an den Nelken steckte, zum Rendezvous mitgebracht, hatte sie sie ihr überreicht, dabei tief in die Augen geblickt “Für die schönste aller Frauen!” oder ein ähnliches Kompliment gemurmelt, das sie gerne hörte und auch glaubte und dann war auf einmal Natalie aufgetaucht, die sie in ihrer Wohnung glaubte, hatte sich neben sie gesetzt, sich, als Schwester vorgestellt und alles war aus und anders gewesen.

Denn ab da hatte Natalie das Wort an sich gerissen, hatte von sich und ihrer gerade abgeschlossen Lerhanalyse  und davon erzählt, daß sie sich nun in Berlin bei ihrer Schwester, das hatte sie wirklich so dahingelogen, niederlassen wolle, Moritz tief in die Augen geblickt und sich bei ihm erkundigt, welchen Bezirk er ihr  empfehlen würde und Moritz, das konnte sie nicht leugnen, war über die Unterbrechung gar nicht so sehr erfreut, sondern eher irritiert und gestört gewesen. Er hatte Natalie zwar höflich, wie es seiner Art entsprach geantwortet. Sie war aber gänzlich sicher gewsen, daß Natalie keine Bedrohung für sei und er sich nichts aus ihr mache und ein paar Wochen später war alles aus und anderes gewesen, obwohl es die langstielgige und ínzwischen vertrockente Rose noch gegeben hatte. Sie hatte in einer Vase in ihrerm Zimmer gestanden und sie hatte sie auch mitgenommen, als sie noch einmal ein paar Wochen später, Berlin fluchtartig verlassen hatte.

“Wie schmeckt die Bruschetta, Signora?”, wollte Guiseppe jetzt von ihr wissen, als er gekommen war, um den leeren Teller  abzuservieren. Da hatte sie schon nach dem Schokoladeherzchen gegriffen, es ausgepackt, im Mund zergehn lassen und das rote Staniolpapier auf den Teller gelegt.

“Die Schokolade schmeckt sehr gut!”, sagte sie entschlossen, um sich von dem schweren Thema endgültig abzulenken und Guiseppe nickte, griff in seine Kellnerschürze, um noch ein rotes Herzchen auf den Tisch zu legen und “Für Sie, Signora, damit Sie nicht mehr traurig sind, denn schöne Frauen sollen am Valentinstag Freude haben und nicht weinen!”, hinzufügte, bevor er sich erkundigte, ob sie noch ein Glas Wein wünsche?

Sie nickte, fühgte aber entschlossen hinzu, daß er ihr danach die Rechnung bringen solle. War sie doch nicht  in der richtigen Stimmung länger die rote Nelken und die roten Herzchen anzusehen und Guiseppe, der ja eigentlich Mehmet hieß, von einem schönen Valentinstag schwärmen zu hören.

Tschik

Jetzt kommt ein Kultbuch oder ein moderner Klassiker, wie man vielleicht rschon sagen könnte, jedenfalls das 2010 erschienene “Tschik” Jugendbuch und Roadmovie, das auf mehren Preislisten stand und jetzt auch verfilmt wurde, des 1965 geborenen Wolfgang Herrndorf, der sich 2013 wegen seiner fortgeschrittenen Krebserkrankung in Berlin erschossen hat.

Von Wolfgang Herrndorf dessen Austieg beziehungsweise, die Erfolge seiner Bücher “Tschik” und “Sand” ich  hautnah miterleben konnte, habe ich “Plüschgewitter” sein Debut, im Schrank gefunden und seltsamerweise, obwohl ich mich ja sehr für das Thema interessiere, habe ich “Arbeit und Struktur”, wo er sich mit seiner Krankheit auseinandersetzt, weder im Blog sehr viel gelesen noch ist das Buch bis jetzt zu mir gekommen.

Vielleicht passiert das noch, habe ich ja auch vor kurzem erst Stefanie Sargnagels “Fitneß” in einem der Schränke gefunden.

“Tschik” lag jedenfalls im Vorjahr in Margot Kollers Keller und da ich mich von dort bedienen durfte, habe ich das Buch, das inzwischen auch verfilmt wurde, was im Vorjahr in Leipzig sehr beworben wurde, auch gelesen.

In zwei Tagen habe ich es ausgelesen und ich muß sagen, es war eine Überraschung, obwohl ich es für ein Jugendbuch halte und die Roadmovieelemente manchesmal für mich auch zu slapstickartig waren, hat mich vor allem die Beschreibung der Lebensumstände des vierzehnjährigen Maiks gefesselt, denn ich habe es ja sehr mit der realstischen Literatur.

Das Buch ist nicht chrologisch geschrieben, zumindest steht das Ende am  Anfang und dann beginnt die rassante Erzählung des vierzehnjährigen Maik Klingenbergs, den es eigentlich beschissen ging, bevor Tschik in sein Leben kam und den Sommer in dem das Buch spielt, zu dem schönsten seines Lebens machte.

Das erinnert ein bißchen an Andre Kubicek, obwohl West-Berlin, beziehungsweise das wiedervereinigte Berlin, spielt das Buch ja 2010, gemeint ist.

Aber da ist ein Vater, der im Sommer vierzehn Tage mit seiner Sekretärin auf Reisen geht, die Mutter ist in der Entzugsklinik. Er drückt dem Filius zweihundert Euro in die Hand und sagt “Mach es gut und ruf mich an, wenn du was brauchst””

Und Maik geht es beschießen, hat er doch erkannt, daß sie ihn in der Schule für einen Langeweiler halten und das Mädchen in das ersich verliebt hat, Tatjana Cosic lädt ihn und noch ein paar andere Langweiler, als einzige nicht zu ihrer Geburtstagsparty ein.

Ja, das Leben kann hart sein, wenn man vierzehn ist und das ist es egal, daß man der beste in Mathematik und Hochsprung ist.

Aber da ist schon Tschik oder eigentlich Andrej Tschichatschow, der aus der Russland oder der Mongolei kommtoder eigentlich in Deutschland zuerst in der Förderklasse, dann in der Hauptschule war und es jetzt aufs Gym, geschafft hat, in die Klasse gekommen.

Er gehört aber genauso zu den Langweilern oder nicht Eingeladenen wie Maik und während, der am ersten Ferientag im Bett liegt und ihm die Decke auf den Kopf fällt, kreuzt Tschik mit einem gestohlenen Lada auf und die beiden beschließen zuerst kurz bei Tatjana Party aufzutauchen und dann in die Ferien in die Walachei zu fahren.

Das ist, wenn man erst vierzehn ist, nicht ganz so einfach und so fahren die beiden eigentlich in der nächeren Umgebung im Kreis herum, machen mehr oder weniger nette Bekanntschaften, erleben Abenteuer, fühlen sich von der Polizei verfolgt, bevor, um wieder an den Anfang zurückzukommen, Maik auf der Autobahn in einen Schweinetransporter hineinfährt, ein paar Tage ins Krankenhaus muß und es auch zu einer Gerichtsverhandlung kommt, denn er ist schon vierzehn und nicht, wie er irrtümlicherweise glaubte, erst mit Fünfzehn strafmündig.

Muß daher Wiedergutmachung leisten, Tschik kommt dagegen in ein Heim und, als die Schule wieder anfängt, ist alles anders.

Der Langweiler hat sich zum Abenteurer gewandelt und Tatjana fragt sogar brieflich, was ihm passiert ist. Er hat sich aber inzwischen in eine andere verliebt und freut sich auf das Wiedersehen mit Tschik.

So einfach, so what und jetzt habe auch ich dieses Buch gelesen, das ja inzwischen schon fast zu der älteren Bpcherchallenge zählt, die die Blogger im Vorjahr machten, das heißt, wegen der Verfilmung auch nicht so ganz, hat es  ja erst Wolfgang Tischer vom “Literaturcafe” kürzlich erwähnt, so daß es sogar mein Kritiker Uli, der sonst ja nicht soviel liest, gelesen hat.