Im Naturhistorischen Museum

Im Naturhistorischen Museum gibt es, habe ich heute im Radio gehört, eine Ausstellung über Katzen, aber es dürfte noch eine andere über das Leben “Wie alles begann” geben und dazu gab es, um fünf in Kooperation mit der “Alten Schmiede”  eine Veranstaltung , im dortigen Vortragssaal zu Raoul Schrotts “Erste Erde Epos” und die habe ich mir zwar angestrichen, war aber nicht besonders motiviert, schon um fünf statt ins “Literarische Quartier” ins Naturhistorische Museum zu gehen.

Warum eigentlich nicht, das wäre einmal eine Abwechslung im literarischen Einheitsbrei, aber wir haben ja gerade die Hundertmarks zu Besuch und da bietet es sich vielleicht an, mit ihnen etwas anderes zu machen, habe ich gedacht und ganz früher habe ich auch mit dem Alfred  zu unserem Harland Wochenende fahren wollte.

Dann hat es sich ergeben, daß ich am Mittwoch statt, wie geplant zu der Veranstaltung mit Wolfgang Martin Roth und Herbert Mauerer in die AS mit dem Alfred den Hundertmarks und dann noch mit deren Freunden Reini undManfred, die auch zufälligerweise gerade in Wien Urlaub machen, in die Stephanskirche zu einem Orgelkonzert gegangen bin und heute wollte die Hundertmark zu der Veranstaltung, warum also nicht?

Als wir den Vortragssaal betreten wolltenm ist gerade Robert Huez der Literaturhausleiter von dort herausgekommen, der Herr Pauer, der pensionierte Lehrer, der jetzt im Litetraturarchiv aushilft und mit dem ich manchmal nach Hause gehe, war da und noch eine Reihe anderer Besucher. Ob es sich dabei, um ein literarisches Publkum oder das des Naturhistorischen Museums handelt, weiß ich nicht.

Es war jedenfalls eine sehr schränge Veranstaltung, die zuerst vom Generaldirektor Christian Köberl und dann von Kurt Neumann eingeleitet wurde und dann hat der 1964 in Landeck geborene Autor von dem ich gelegentlich etwas höre, nicht aus seinem Epos mit den siebenundzwnzig Geschichten und den anschließenden Anhang gelesen, sondern erzählt, wie er dazu gekommen ist, sich mit der Entwicklung des Lebens zu befassen.

Weil, wenn man in die Buchhandlungen geht, zu neunundneunzig Prozent nur Bücher findet, in denen es um Menschen und um ihre Beiehungsen geht, aber Raoul Schrott wollte sich, glaube ich, mit der wiissenschaftlichen Entstehung des Lebens befassen und seinen Ursprung erforschen.

So hat er ein Expose geschrieben, es eingereicht, dann ist ein Hörspiel daraus geworden, aber auch ein  Buch und er erläuterte, warum er es nicht, wie ihm sein Verleger, Michael Krüger geraten hat, in Prosa verfasste, weil das die Leuten dann auch lesen würden, sondern die epische Form wählte und von Metaphern und all dem, mit dem er zu der poetischen Form kommt und hat am Schluß dann noch eineAndekdote von einer Reise gegeben.

Da ist er mit einem Freund namens Norbert und einen Innuit in ein abgelegenes Gebiet gereist. Das heißt, er hat sich von einem Hubschrauber dorthinbringen und nach einer Woche wieder abholen lassen. Dazwischen wollten sie Kanu fahren, dabei haben sie aber sowohl das Boot, den Proviant und auch die Pumpgun verloren mit der sie sich gegen Bären schützen wollten. Haber aber nach den Steinen gesucht, die für sie den Ursprung des Lebens darstellten, wurden auch von einem Bären überfallen und vom Hubschauber fast übersehen, sind aber trotzdem zurückgekommen und Raoul Schrott hat, wie er sagte viel gelernt und das Schreiben des Buches sein Leben sehr verändert.

Das war schon einmal ein schräges Plaudern über ein poetisch sehr anspruchsvolles Buch, dann wurde es noch ein bißchen schräger denn der Direktor und die Mikrobiologin Christa Schleper führten in je zehn Minuten in die Entstehung der Welt und in das Leben ein. Denn um halb sieben mußten sie fertig sein, da da das Museum geschlossen wurde.

Wem das aber zu wenig war, beziehunsweise auf den Geschmack gekommen ist, der kann sich auch die Ausstellung ansehen und durch dasMuseum schlendern, wenn es wieder geöffnet ist.

Das Buch konnte man sich natürlich auch kaufen und signieren lassen. Wir sind aber langsam nach einem Gespräch mit Ottwald John, der uns auf die Nestroy Spiele, wo er auch mitspielt aufmerksam machte, in Richtung “Waldviertler Hof2 gegangen und haben dort zu Abend gegessen.

Die allgemeine Tauglichkeit

Was ist der Sinn des Lebens? Was ist ein Verlierer und was ein Loser und ist man selber schuld, wenn man nichts auf die Reihe bringt und von Hartz IV leben muß und soll man sich  bemühen, wieder aufzusteigen und ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu werden und macht man sich was vor, wen man das nicht tut, stattdessen seine Tage auf einer Parkbank mit einer Flasche verbringt und den schönen Frauen wehmütig nachschaut oder ihnen ein “Hey Schatzi!”, hinterherruft?

Der 1963 in Ungarn geborene und seit seinem vierzehnten LA in Deutschland lebende Akos Doma, der mit seinem “Weg der Wünsche” das letzte Jahr auf der LL des dBp gestanden ist, hat sich mit all diesen Fragen beschäftigt und, als ich im vorigen Herbst gerade sein Buchpreisbuch gelesen habe, das in der Bloggerszene übrigens nicht sehr gut angekommen ist, bin ich vor meinem Bücherregal gestanden und habe gesehen “Hey, da gibts ja noch was, von dem mir bisher unbekannten Autor!”, denn ein paar Monate vorher hat offenbar ein Buchhändler oder ein Rezensent seine Leseexemplare ausgeräumt und in den “Wortschatz” gestellt und das sind ja dieZufälle, die ich liebe und an Hand derer ich mich spoilernd und nacherzählend durch den Literaturbetrieb hantle und nicht aufhöre meinen Senf in die literarische Öffentlichkeit zu spritzen, als würde ich dazugehören.

“Der Weg der Wünsche”, hat den Weg eines Jugendlichen von Ungarn nach Deutschland nacherzählt und wurde so warscheinlich stellvertretend, als ein Flüchtlingskrisenbeispiel auserwählt, obwohl 1956 ja schon lange her ist und “Die Allgemeine Tauglichkeit” beschäftigt sich mit unserer Gesellschaft und dem Neoliberalissmus, beziehungsweise dessen Auswüchsen könnte man sagen und ich füge hinzu Akos Domas tut das auf eine sehr witztige fast schlemische Art.

Da sind also vier Aussteiger, der “verrückte” Ludovig, der sich wenn man nicht auf ihn aupasst, immer umbringen will, Ferdinand, Fern, genannt, der Ich-Ezähler, den seine Frau einmal aus dem Haus geschmissen hat und der jetzt auf der Parkbank sitzt und den Frauen nachschaut, der Russe Igor, den sie in Tschetschenien ein Loch in den Bauch geschossen haben und das jetzt immer noch so wehtut, daß er nicht anders kann, als sich mit billigenVodka zu betäuben und der Iraner Amir, der illegale Kleptomane, der hier bleiben muß, weil sie ihm im Iran für sein Stehlen, die Hände abhacken würde.

Sie alle leben in einem heruntergekommen Haus und versuchen so weit es die oben geschilderten Umstände zulassen ihr Leben zu genießen. Die Klomuschel steht offen in der Wohnküche, am Dach hausen andere Obdachlose, im Winter ist es kalt, Amir organisert das Leben, Igor säuft und läßt sich im Winter einsperren, um sich ein bißchen zu erholen, Fern trifft seine Tochter im Park, die ihm einen Brief an ihren Papa mitgibt und muß manchmal Ludovic, das einsame Genie, dem Hochsensiblen, der die Gesellschaft nicht aushält, zurückholen, wenn er sich wieder in den Schnee legt, um von dieser Welt abzuhauen.

In diese Idylle kommt eines Tages Albert und tut nicht, was man von ihm erwartet, nämlich am Dach zu übernachten und dann wieder abhzuhauen. Nein, er fängt an, das Geschirr abzuwaschen, Ludovigs Haschischgärtchen zu zerstören und den Freunden einzureden, sie müssen doch etwas aus sich und ihrem Leben machen.

Er fängt auch gleich selber damit an, läßt sich ein Telefon auf den Dachboden legen, wozu frage ich mich, wenn er doch auch ein Handy hat, aber vielleicht, damit Fern es ihm in seiner Wut aus der Wand reißen kann, kauft sich neue  Kleider und den Freunden Sachen für die Küche.

Er erkennt auch Amirs Maltalent und Igors Kochkünste, so soll der eine ausstellen, der andere, in dem Geschäft in dem er selber arbeitet, bei den russischen Wochen, als Kosar verkleidet hinter der Theke stehen und Fern beginnt er etwas von seiner Frau und seinem Kind vorzuschwatzen und dann, daß sie alle aus dem Haus eine Pension machen sollen.

Das tun sie dann auch, Amir malt eine Sonne an die Fassade, alle anderen verputzen und renovieren das Haus und dann  kommt die Eröffnung und die Freunde, angetrieben von Fern, der dem Ganzen mißtrauisch gegenübersteht hauen ab.

Vorher zertrümmern sie noch ein bißchen die Pension und überfahren Albert und dann sind sie am Meer, in der Freiheit und wieder unzufrieden, Igor will zurück, die Polizei kontrolliert sie, das Handy läutet ständig und Amir wird  erwischt und soll abgeschoben werden.

In dieser Situation gehen sie doch ans Handy und erfahren von Maria-, das ist eine Prostituierte, die die Freude einmal mieteten und sie Fern zum Geburtstag “schenkten”, in dem sie ihm vorgaukelten, sie sei eine blonde unschuldige Postbotin, Albert hat sie dann auch gerettet und sie hat das Haus mitgeputzt, -daß Albert gestorben ist.

So fahren die drei Freunde, Amir ist ja bei der Polizei, zurück und Sybille, das ist eine Fernsehjsprecherin, in die die Freunde sich verliebten und ihre  Fotos den Zeitungen ausschnitten und in dem Haus aufhingen, bis der Superguru, sie ins Haus brachte und mit ihr eine Beziehung anfing, kommt mit einem Koffer, um sich zu verabschieden.

Am nächsten Tag ist das Begräbnis. Aber das ist nicht echt, denn Albert ist nicht wirklich gestorben, er hat die Freunde, die eigentlich nach Schweden wollten, nur zurückgelockt, jetzt sind sie bei seiner Hochzeit und alles wird gut.

Igor will mit Maria die  Pension weiterführen, Amir, der von der Polizei geflüchtet ist, bekommt eine Ausstellung und kann dann nicht mehr abgeschoben werden und Ferns Frau und Kind wurden von Albert auch eingeladen.

Das vollendete Glück und die Idylle also. Kann das gut gehen und können das, die mit einer Vergangenheit, wieoben geschildert, aushalten?

Ludovig kann es nicht, haut ab, die Freude schneiden ihm vom Baum herab und es ist ein bißchen unklar, ob er gestorben ist oder wieder in dieses schöne heile Leben zurückkkehren und es “schaffen” wird?