Bücherparty

Nachdem ich gestern fünf Fortsetzungsgeschichten, beziehungsweise fünfmögliche Kapitel meines Mathilde- Projektes geschrieben habe, die schon erschienen sind oder noch erscheinen werden, möchte ich mich heute wieder dem anderen für mich wichtigen Blogthema, nämlich dem Lesens widmen und da lebe ich nicht nur in einer “Bibliothek” beziehungsweise zwischen Bücherregalen und aufgestapelten Bühcherwänden, ich habe auch meine Leseliste und fülle beides mehr oder weniger regelmäßig mit Funden aus den offenen Bücherschränken, die ich mehr oder weniger regelmäßig frequentiere, auf.

Im Schnitt lese ich drei Bücher in der Woche, meistens morgens in der Badewanne und wenn ich zu keiner Veranstaltung gehe auch am Abend und ich bin, wenn man das so nennen möchte, derzeit ein wenig im Streß, meine ohnehin schon sehr reduzierte Leseliste zu schaffen, da ich ja, glaube ich, von März bis Mai nichts, als Frühlingsrezensionsexemplare und dabei ein paar wirklich sehr schöne und interessante Bücher gelesen habe, mich jetzt bis cirkca Mitte August  meinen Leselisten-SUB widmen kann, denn dann kommt  schon wieder die nächste LL, die österreichische und die deutsche undda werde ich ja wahrscheinlich wieder anfragen und lesen und bei paar Herbstvorschauen sind bisher auch zu mir gekommen und da habe ich auch ein paar Wünsche geäußert, so daß es wieder knapp oder leseintensiv werden kann.

Aber mit meinen Geburtstagsbücher von 2016 bin ich jetzt durch und in meiner Strohwitwenzeit, die jetzt ja schon beendet ist, habe ich diesmal zwar keinen Pfingstlesemarathon eingeplant aber am Freitag davor eine sogenannte Bücherkastentour und da einiges für mich sehr Interessantes gefunden. Das ich in meiner jetzt improvisierten ganz privaten Bücherparty gerne durchschauen will.

Ich war ja  am Freitag auf einer Schundheftparty aber da habe ich mir sowohl den Abomenntbezug, als auch das Hefterln schnorren tapfer verkniffen, denn ich habe ja nicht nur genug, sonder ziemlich sicher sogar viel mehr, als ich lesen kann und in den Bücherblog ändern sich da auch die Meinungen.

Habe ich da früher immergehört, daß es Spaß macht zu sammeln und, daß man Bücher niemals unter gar keinen Umständen hergeben soll, sprechen die jetz tauch schon von Loslassen und Minimalisieren, belächeln die, also auch mich, mit dem zu großen Sub und lesen, wie ich allgemein merken kann, viel weniger.

Das tue ich wahrscheinlich auch und habe auch heute den ganzen Tag geschrieben und hatte da in der Badewanne bei meinem eigenen Bücherlesen, das ich ja parallel betreibe, gerade nur das “Haus” wiederlesen und vom Viktor Klemperer “Warum soll man nicht auf bessere Zeiten hoffen”, eines der wenigen Rezensionsexemplare, das ich in diesem Monat bekommen habe, die Herbsterscheinungen kommen ja erst.

Viel weniger, als geplant, aber bei meiner Bücherkastentour vor zwei Wochen,  war ich fündig, da hat es vor allem, was ich sonst viel weniger erlebe, bei dem am Zimmermannplatz, jemanden gegeen, der, während ich dort gesessen bin und meinen beim Mc Donald`s gekauften Kaffee trank, sowohl ein Buch über die “Fünfziger und die Sechziger Jahre”, als auch eines über die “Wilden siebziger Jahre” hineingelegt und in beiden kann man  sehr gut blättern, obwohl, das über die Fünfziger und die Sechziger, weil bilderreicher, interessanter ist und in dieser Zeit wurde ich geboren und bin auch in die Schule gegangen und so interessieren mich die Bilder von den jungen Mädchen in den knappen Caprihosen und den Hulareifen, um die Hüften ganz besonders und interessant, vorhin in der Badewanne, habe ich ja im “Haus” gelesen und da kommet der Hulafreifen auch darin vor.

Am Zimmermannplatz habe ich auch ein Buch gefunden, mit dem ich mich, wenn ich nicht nur gern die eigenen Texte lesen würde, mich für den nächsten “Katzenfasching” des Lesetheaters, wenn es den noch gibt, anmelden könnte, nämlich ein Buch mit Katzentexten, die von Elfriede Ott, der Doyenne und Lebensfrau von Hans Weigel unter dem Titel “Katze was schnurrst du”, gesammelt wurde.

Dann bin ich ja über die Lerchenfelderstraße nach Hause gegangen und habe mir dort in der verstauben ein Euro- Kiste der kleinen Buchhandlung die es dort gibt, das Leseexemplar von “Das geträumte Land” von Imbolo Mbue, das ich auf den Blogs öfter gesehen habe, gekauft und Cornelia Travniceks “Junge Hunde” liegen lassen, denn das war das Weihnachtsbuch vor zwei Jahren und daher  schon gelesen.

Richtig fündig wurde ich aber beim “Wortschatz” erst zwei Tage später als ich mich mit der Ruth bezüglich unserer Büchertour in die Brandmayergasse begeben habe und dort am Hinweg Uwe Tellkamps,Dresdner Erkundungen “Die Schwebebahn” und am Rückweg dann noch Amoz Oz “Judas”, das glaube ich, 2015 den “Leipziger Buchpreis” bekommen hat. Da lag dann noch Ayelet Gundar-Goshen “Eine Nacht Markowitz” im Schrank und deren “Löwen wecken”, das damals auch sehr besprochen wurde, steht jetzt auf meiner Leseliste und  werde es demnächst lesen.

Spannend, spannend sich so durch seinen SUB zu wühlen, mir jedenfalls macht das großen Spaß, obwohl man bei den Book-Tubern schon Diskussionen hören kann, wie groß ein Sub sein soll oder darf?

Eine müßige Diskussion, wie ich finde, denn man hat ja nie alle Bücher gelesenund da ist es egal, ob ich sie im Regal stehen habe oder nicht.

Habe ich sie im Regal, kann ich sie, wie jetzt, jederzeit herausnehmen und darin schmökern, ein Kapitel lesen oder mir vornehmen, das Buch im nächsten Jahr auf jeden Fall zu lesen. Das gibt es bei den Booktubern auch einen Tag, wo sie sich ihren SUB hernehmen und dann entscheiden, was sie als nchstes lesen werden.

Nun da bin ich durch meine Leseliste ein wenig vorbestimmt, werde aber als nächstes, wenn nicht schon die Herbst- Rezisonsexemplare dazuwischen kommen, Barbara Frischmuths Ferienfamilie und Andreas Okopenkos “KIndernazi” lesen und ein Bilderbuch, wo man sich durch  durch das Leben von Jane Austen blätten kann, habe ich in dem englischen Delkiatessengeschäft, das auch eine Bcherkiste hat, in dem man aber manchmal auch Suppendosen oder Schokoladewürfel findet, auch gefunden.

Spannend spannend und während ich mich so durch meinen Sub wühle, die Dresden  Bilder von Uwe Tellkamp durchschaue, die ich ja brauche kann, während ich den Klemperer lese, mache ich mir schon ein paar Gedanken, was da vielleicht demnächst au den Longlisten stehen wird, wo ja Katja Gasser bei der deutschen LL diesmal den Vorsitz hat und die macht Ende Juni mit Cornelius Hell in der “Gesellschaft für Literatur” ja auch wieder ihre Leseempfehlungen und da hoffe ich ja sehr daß Zaimoglus “Evangelio”, sowie Olga Gjrasnowas “Gott ist nicht schüchtern” auf der Liste steht, sowie JuliaWolfs “Walter Nowak bleibt liegen” vielleicht, denn das habe ich schon gelesen und was die österreichische Liste betrifft, da bin ich besonders ratlos, beziehungsweise, denke ich, daß ich da wahrscheinlich nicht sehr viel gelesen haben werde, obwohl ich mich ja regelmäßig durch die “Kremayr und Scheriaus Debuts” lese, aber die stehen vielleicht nicht darauf und es die “O Töne” zu dem ich durch Alfred Altersteiltzeit auch heuer wieder gehen werde, gibt.

Also spannend spannend, das Lesen und das Schreiben und ich habe in meiner Strohwitwnzeit auch wirklich viel gelesen, ein paar neue Bücher nach Hause gebracht und natürlich mich mit meinen Fortsetzungsgeschichten eingeschrieben und da kann ich gleich vermelden, daß ich damit sehr zufrieden bin.

Erkenntnis am Hochzeitstag

Dann setzte die Musik ein und die Menge begann zu tanzen. Walzer, Donauwalzer, der Braut aus dem schönen Wien an der angeblich genauso schönen Donau zu Ehren und Natalie in dem weißen Kleid mit der Brüsseler Spitze, das sie  selber entworfen hatte und  von einer Schneiderin genau nach ihren Anleitungen nähen hatte lassen, den Schleier hatte sie inzwischen abgelegt, der sollte sie nicht stören, befand sich mitten in der Menge und schmiegte sich an Moritz, ihren Ehemann, der in seinem schwarzen Anzug eine absolut eindrucksvolle Erscheinung war. Imposant und sympathisch, absolut der Held des Abends. Sie jetzt aber so zornig oder auch irritiert anfunkelte, daß sie intuitiv “Uje, Jetzt kommt die Standpauke!”, dachte und tief durchatmenen mußte, damit sie nicht aus der Fassung kam.

Denn jetzt hatte er es geschnallt, daß er Natalie, die Psychoanalytikerin, die einzige und richtige Tochter ihrer Eltern und nicht, wie er geglaubt hatte, Mathilde, das Aschenputtelchen geheiratet hatte. Jetzt hatte er es begriffen, während er vor zehn Tagen, als die Hochzeitsanzeigen geliefert worden waren, noch an einen dummen Druckfehler geglaubt und darüber gewitzelt hatte, weil da N.Schmidt und nicht das erwartete M. stand und sie hatte getan, als ob sie der Fehler ärgere und es hatte sie auch wirklich ein wenig geärgert, daß auf ihrer Trauanzeige, ein schlichtes unscheinbares “N” und nicht, wie ihr eigentlich zukam und sie es sich immer so vorgestellt hatte: Dr. med Natalie Schmidt, Psychoanalytikerin, gestanden hatte.

Sie hatte es zwar selbst so ausgesucht und wenn man es so wollte, den angeblichen Fehler selber zu verantworten, weil es nicht anders ging, wenn Moritz sie statt ihrer Schwester heiraten sollte und, daß es so gekommen war, hatte sie, wenn sie eherlich war,  für ein Spel und eine Laune des Schicksals gehalten.

Irgendwie hatte sie, seit er sie damals auf der Tautenzienstraße angesprochen und sie für ihre Schwester gehalten hatte, der Teufel geritten und etwas in ihr hatte ausprobieren wollen, wie lange es ging, ihn in sie verliebt zu machen, ohne daß er den Irrtum merkte?

Und es hatte, was sie selbst ein wenig wunderte, geklappt, obwohl sie nur äußerlich, dem grauen Mäuschen ähnlich sah und auch das nicht wirklich. Denn er hatte sie  in der Ritterschen Weinstube in einem eleganten Kleid gesehen, während Mathilde mit der Valentinsrose in Jeans und einem graugestreiften Pullover daneben gesessen war.

Er hätte den Unterschied also merken können, daß sie plötzlich im Designerkostüm, geschminkt und parfumiert auf der Tautenzenstraße auftauchte, obwohl Mathilde in Krankenstand war und das Bett hüten mußte.

Er hatte es nicht getan, weil er es nicht merken wollte. Das war immer noch ihre These und etwas, was sie auch Dr. Gubinger, ihrem Lehranalytiker beweisen wollte und deshalb hatte sie zu spielen angefangen und sich die ganze Zeit gewundert, daß das so einfach ging und er nichts merkte.

Denn sie war mit ihm in seine Wohnung gegangen, hatte nur ein bißchen aufgepasst, daß sie sich nicht verriet und nicht aus Versehen im Besernkammerl statt am Klo landete, denn sie konnte nicht wissen, ob und, wie oft Mathilde schon in dieser gewesen war und, wie gut sie sich darin auskannte?

Sie tat das wahrscheinlich, wie sie später merkte. Aber sie hatte sich in Moritz Junggesellenheim mit den vielen Büchern auch bald ausgekannt. So groß war die Wohnung nicht und hatte die drei Tage ihres angeblichen Krankenstandes dort verbracht. Dazwischen war sie  zweimal bei Mathilde gewesen. Das erste Mal, um ihre Reisetasche abzuholen. Das zweite Mal, um ihr ihre Verlobung zu verkünden, worauf das graue Möuschen prompt reagierte und schreckhaft nach Wien geflüchtet war. Das wärere noch eine Schwierigkeit gewesen, weil sie das nicht ohne den Umweg in den Verlag und ihrem Chef zu kündigen tat.

Aber da war sie mit Moritz selbst in Wien gewesen, hatte ihn den Eltern vorgestellt und sich ihre Papiere abgeholt, um beim Standesamt in Lichtenberg später das Aufgebot zu bestellen. Und das war glatt gegangen, ohne, daß sie sich in den Weg gelaufen waren. Später war Mathilde aus dem Verlag verschwunden, weil sie, wie Moritz allen erzählte,  seine Braut geworden war und sich verändern wollte und auch hier hatte niemand etwas geschnallt. Er hatte nicht nachgefragt. Der Chef, der es anders wissen mußte, nichts verraten.

“Glück muß der Mensch haben!”, dachte sie ein wenig spättisch. Und sie hatte es auch und absolut keine Schuldgefühle. Denn es war ein Spiel, das sie ausprobieren wollte und so fand sie es nur faszinierend, daß es so leicht klappte.

Die nächste Schwierigkeit war die Trauanzeige gewesen. Aber da hatte er nur den Kopf geschüttelt und von den “Deppen!”, geredet die das “M” mit einem “N” verwechselten und sie hatte  so getan, als ob sie nichts höre. Sich das Kleid schneidern lassen, die Eltern zu der Hochzeit eingeladen, die natürlich auch nicht nach Mathilde fragten. Denn sie spielten dieses Verwirr- und Verdrängungsspiel selbst perfekt seit fünfunddreißig Jahren. An Mathilde hatte sie, damit, die sich auskannte, auch eine Anzeige geschickt, aber keine Sorge gehabt, daß sie zur Hochzeit kommen würde.

Sie war auch nicht gekommen. So kam der Tag heran und sie war in dem weißen Kleid mit dem Schleier zuerst zur Kirche, dann aufs Standesamt gefahren und da mußte die Erkenntnis natürlich kommen und tat es auch, denn der Standesbeamte, ein Herr Rainer Schneider, wie sie sich erinnern konnte, hielt ihr das Vermählungsbuch hin und forderte sie lauf auf ihren Namen: Dr. Natalie Schmid hineinzuschreiben, was sie auch tat.

Die Mutter und sein Vater unterschrieben, als Trauzeugen und sie sah an seinem Gesichtsausdruck, daß er jetzt etwas zu schnallen begann. Es war aber zu spät, einen Einwand zu machen, denn das Dr. Moritz Lichtenstern stand schon da. Der Standesbeamte gratulierte, die Eltern und die anderen Gäste taten das ebenfall und es ging auf in das Seehotel und dort zur Tafel, wo auch keine Gelegenheit zur Aussprache war.

Dann begann, die engagierte Musikkapelle den Donauwalzer zu spielen. Moritz mußte sie der Sitte nach auf das Tanzparkett führen und mit ihr allein die erste Runde tanzen.  Danach gesellte sich die Menge dazu. Sie tanzten mittendrin und Moritz sah sie jetzt scharf an, rückte etwas von ihr ab und fragte streng “Natalie? Du heißt Natalie und bist die Psychoanalytikerin und nicht Mathilde?”

Sie hatte sich inzwischen gefaßt, schaute spöttisch  und tat erstaunt.

“Natürlich, hast du das nicht gewußt? Mathilde ist meine Zwillingsschwester, die bei euch Sekretärin ist oder besser war, denn sie ist inzwischen nach Wien zurückgekehrt und hat eine andere Stelle angenommen. Wir sehen uns sehr ähnlich und man hat uns immer gesagt, daß wir leicht zu verwechseln sind, wie das bei eineigen Zwillingen üblich ist, obwohl wir grundverschieden sind. Im Charakter sind wir gänzlich anders und auch unser Berufsweg ist unterschiedlich verlaufen. Ich habe Medizin studiert. Math ist zuerst in die Hauptschule, dann auf die Handesakademie gegangen, weil sich die Eltern kein zweites Studium leisten konnten. Math ist danach nach Berlin gegangen und weil diese Stadt sehr interessant ist, bin ich ihr nach Abschluß meiner Lehranalyse gefolgt und habe in der Tautenzienstraße, wo wir uns, nachdem wir uns in der Weinstube kennenlernten, wiedergetroffen haben, meine Praxis aufgemacht. Ich finde, daß ich Math eigentlich nicht wirklich ähnlich sehe und auch einen gänzlich anderen Kleiderstil habe! Läuft sie doch, wie du sicher weißt, fast auschließlich in Jeans und Schlapperpullis herum, während ich mich dafür nicht erwärmen kann! Ich mag schlampig gekleidete Frauen nicht und schminke mich auch gern!”, versuchte sie möglichst harmlos zu sagen und nicht rot  dabei zu werden. Was ihr auch zu gelingen schien, obwohl er sie immer noch anstarrte, ihren Arm ergriff und sie, weil jetzt die Musik verstummte, zuerst auf die Terrassse und dann auf die Seepromenade hinausführte.

“Du bist nicht Mathilde, hast mich betrogen und dich bei mir eingeschlichen!”, sagte er jetzt scharf und sie schüttelte den Kopf und versuchte weiter harmlos dreinzusehen.,

“Wie kommst du darauf, daß ich Mathilde bin? Das kann nur ein Blinder sein, der mich mit ihr verwechselt! Aber ja, ich erinnere mich, auf der Tautenzienstraße hast du mich mit diesem Namen angesprochen! ich habe gedacht, das ist ein Scherz, weil ich ihr in meiner Kleidung  nicht ähnlich sehe und habe dir gesagt, daß sie wegen ihrer Halsschmerzen zu Hause ist und dann bin ich mit dir in deine Wohnung gegangen, weil du mich dorthin eingeladen hast und ich mich-” jetzt schwankte ihre Stimme etwas, weil sie nicht ganz sicher war, ob er ihr das glauben würde- “in dich verliebt habe! Ist etwas zwischen dir und Mathilde gewesen? Habe ich eure Kreise gestört?”, fragte sie daher in der Angreiferpostion weiter und versuchte spöttisch aufzulachen.

“Hat sie vielleicht deshalb so überstürzt ihre Stelle augegeben und ist nach Wien zurückgefahren? Ich habe mich schon darüber gewundert und auch, daß sie nicht zur Hochzeit gekommen ist! Ich habe sie, wie du weißt, eingeladen! Hast du wirklich geglaubt, daß ich Mathilde und nicht Natalie bin?”, wiederholte sie lauter und sah ihn dabei herausfordern an.

“Dann bist du sicher enttäuscht!”, setzte sie in dieser Art und Weise hinzu “daß wir jetzt verheiratet sind! Aber ich dachte, du liebst mich genauso sehr, wie ich dich! Glaubte, es wäre Liebe auf den ersten Blick gewesen, daß wir so schnell geheiratet haben und jetzt ein Ehepaar sind!”, sagte sie energisch und atmete noch einmal durch.

“Geglückt!”, dachte sie dabei.

“Er scheint mir zu glauben oder hat zumindest keine Möglichkeit auszuweichen ohne zuzugeben, daß er ein Trottel war und was soll es? Ich habe mich wirklich in ihm verliebt und wenn er so blöd ist, nicht zu merken, daß ich Natalie und kein graues Mäuschen bin , dann ist er selber schuld und ich kann ihm auch nicht helfen!”

Königsallee

2Im Sommer 1954 kommt der fast achtzigjährige Thomas Mann mit seiner Frau Katja und seiner Tochter Erika nach Düsseldorf in den Breidenbacher Hof, der sich offenbar in der Königsallee befindet, um aus seinem “Felix Krull” zu lesen.

Das ist eine historische Tatsache, der 1956 geborene Hans Pleschinski von dem ich gerne “Ludwigshöhe” lesen würde, hat einen Roman daraus gemacht, in dem er die Tatsachen mit der Fiktion verbindet und das Nachkriegsdeutschland der Fünfzigerjahre dadurch plastisch macht, in dem er scheinbar einen Skandal erzählt.

Denn Thomas Mann soll da Klaus Heuser getroffen haben, einen Freund seiner Kinder, dem er vor Jahren auf Sylt, als der ein Jüngling war, nahetrat und küsste und ihn später in seiner “Josefslegende” und auch im “Felix Krull” verweigt hat.

Der ist jetzt aus Asien zurückgekommen und mit seinem indoneischen Freund Anwar, ebenfalls in dem Hotel abgestiegen und Erika Mann bekommt das, als sie das Meldebuch durchsieht, heraus und bedrängt die Freunde das Hotel zu verlassen, weil man dem “Zauberer”, wie Thomas Mann genannt wird, nicht soviel Aufregung zumuten kann.

In fünfzehn Kapiel mit wechselnden Perspektiven wird die Ankunft der Manns bis zu dem Abend der Lesung und dem anschließenden Empfang erzählt und wir erfahren, wie schon erwähnt, viel  vom Deutschland kurz nach dem Krieg und dem Leben und Wirken von Thomas Mann.

Ich habe das Buch vor einiger Zeit im Schrank gefunden und in meiner Studentinnenzeit sehr viel, fast alles, von Thomas Mann gelesen und das meiste wahrscheinlich nicht verstanden.

In der Straßergasse nahmen wir den Tonio Kröger druch, um die “Biuddenbrocks” habe ich mich mit meiner Schwester gestritten, den “Felix Krull” verschlungen und war dann enttäuscht, weil ich mir etwas anderes erwartet habe, der “Erwählte” hat mich auf eine eigene Idee gebracht und und und….

In der letzten Zeit war nicht mehr viel Thomas Mann in meiner Lektüre und ich sollte den “Zauberberg”, den “Doktor Faustus”, etetera, sicherlich nochmals lesen, was ich aus Zeitgründen wahrscheinlich nicht tun werde, so war mir dieser biografischer Roman  willkommen, wenn ich auch, was die Anspielungen auf das  Erotische betrifft, ein wenig skeptisch bin, weil ich das ja nicht so mag und eher denke, man sollte sich auf die Literatur konzentrieren.

Aer Hans Pleschinski, auch wenn er im Tonfall manchal sehr pathetisch ist, ist ein Meister seines Fachs und läßt und erzählt uns in seinen fünfzehn Kapitel noch sehr viel anderes und am Schluß, bekommen wir noch heraus, daß Katja Mann, Klaus Heuser und seine Begleitung, sie dachte da freilich an eine Frau, doch noch zum Empfang eingeladen hat und die beiden sich im Taxi ausgesprochen haben.

Es taucht auch noch Golo Mann, ein Mann Sohn auf und drängt Klaus Heuser mit dem Zauberer über ihn, beziehungsweise über eines seiner Bücher zu sprechen und eine Nazigröße, ein gewisser Ernst Bertram, der sehr viel mit der Bücherverbrennung zu tun hatte, des Meister Büchers aber doch davor bewahrte, erscheint fast gespenstisch und will des Zauberers Vergebung und ein anderer Nazi wird aus dem Hotel ausgeladen, um mit dem alten Herrn gar nicht in Berührung zu kommen.

Ein Zwergin, die von ihren Eltern vor der Vernichtung bewahrt wurde, interviewt den Meister und fragt ihn, warum seine Protagonistien keine Proletarier sind und die Friseurgehilfin steht vor ihrem Laden in der Hotelhalle und schaut neugierig dem Geschehen zu.

Spannend spannend und als Schnelllektüre, um neugiergi auf den Meister und seine Bücher zu werden, sicherlich sehr geeignet.

Ich habe, seit ich blogge, zwar nicht Tomas Mann gelesen, aber Frido Manns “Mein Nidden” und vor dem Haus an der kurischen Nehrung, bin ich auch gewesen, aber nicht hineingekommen, weil am fünfehnten August auch in Litauen ein Feiertag und daher geschlossen.

Thomas Mann hat übrigens damals in Deutschland kurz vor seinem Tod zwar die eltern Klaus Heuers aber nicht ihn selbst getroffen.

Und ich könnte noch anmerken, daß ich vor kurzem ein anderes Buch eines Dichters, der in den Fünzigerjahren schlagartig berühmt geworden ist, gelesen habe, das sicher auch sehr zu empfehlen ist.