Drei Romane in einem

Das hat man, wenn man sich Clemens Berger neuen Roman “Im Jahr des Pandas” einverleibt, hat der Autor während der Lesung im Literaturhaus gesagt, die für mich die erste dortige Veranstaltung nach der Sommerpause war.

Clemens Berger, der 1979 geborene, burgenländische Autor, der irgendwann so zwischen 2009 und 2010 steil aufstieg im österreichischen Literaturbetrieb und sich bis jetzt auch darin gehalten hat.

Ö1hat mich, glaube ich, auf ihn aufmerksam gemacht, dann kam das Fest bei “lex liszt 12”, dem kleinen burgendländischen Verlag mit einem tollen Buffet und dann das “Streichelkonzert”, wo ich da  ja einen Teil des Sommers 2010 in Wien verbrachte, auch bei den O-Tönen war.

Die Novelle “Ein Versprechen von Gegenwart”, wo ich, glaube ich, auch im Literaturhaus war, ist schon bei “Luchterhand” erschienen und im Vorjahr war der Burgenländer auch Stipendiat der Stadt Wien und daher Gast im MUSA und da habe ich mich ein wenig geärgert, als er sagte, er pfeift auf den Literatrurbetrieb oder der interessiert ihn nicht.

Mich schon und das sehr und deshalb gehe ich auch zu so vielen Veranstatlungen, lese soviele Bücher und versuche auch zu schreiben und weil Anna Mitgutschs “Annäherung” auf die öst LL kam und ich deshalb “Luchterhand” angeschrieben habe, haben die mir sowohl, das Buch geschickt, als auch eine Einladung zu der Berger-Lesung, der jetzt auf Lesereise ist.

Im Literaturhausprogramm ist es auch gestanden und daher war es in der Zieglergasse sehr voll. Eine Menge junger Menschen, die ich noch nie gesehen habe, denn das Literatrurhaus hat  kaum Stammpublikum oder dieses schon vertrieben, aber eine Ausstellung, die Hanno Millesi und Xaver Bayer gestaltet haben, zur Literaturzeitschriftenlandschaft der 1970 Jahre, ab da habe ich auch schon hingeschickt und meine Texte sind auch bei “Log”, bei “Sterz” nicht und einmal sogar beim “Wespennest” erschienen, das gibt es alles nicht mehr, denn der Literaturbetrieb hat ja jetzt Eventcharakter, so moderierte  Ernst A. Grandits die Veranstaltung, Vertreter vom Verlag waren da und es gab auch, was jetzt schon selten ist, ein Bufet, aber zuerst die Lesung und das Gespräch und einen Clemens Berger, der erstaunlich freundlich war und sich sogar für das Kommen des Publikums bedankte.

Der Roman hat siebenhundert Seiten und drei Handlungsstränge, der erste ist der von Pia und Julian, das sind zwei wahrscheinlich junge Leute, die bei einer Sicherheitsfirma arbeiten und bei den Geldautomaten, die Gelscheine auswechseln.

Keine Ahnung, ob es das wirklich gibt und, ob das nicht einfach, wie ich dachte, die Bankangestellten machen, wenn man es aber macht, bekommt man bald Allmachtsphantasien, behauptet jedenfalls Clemens Berger und beginnt einen Bankraub zu planen.

Pia und Julian machen das und befinden sich dann bald auf der Flucht durch ganz Europa, aber nicht zu viel verraten und so fragte Ernst A. Grandits, den Autor auch immer, ob man das jetzt noch erzählen darf?

Dann gibt es einen Künstler namens Kasimir Ab, der malte sich reich durch seine grünen Bilder und jetzt steigt er aus und begibt sich des Nachts in die Obdachlosenszene und eine Tierpflegerin in Schönbrunn gibt es auch, die die Geburt eines Pandababies, deshalb auch der Name, betreut.

Das sind die drei Romane in einem, die Clemens Berger in mehrjähriger Arbeit zu einem Monsterroman verbunden hat und mir scheint er ein wenig an der Klamaukschiene, die ich ja nicht mag, zu sein.

Aber vielleicht waren das auch des Moderators launige Fragen, denn ich träume nicht den ganzen Tag von einem Geldraub, nein.

Ich träume vielleicht eher vom Buffet und da gab es Brötchen und Wein aus einem Weingut, den Vea Kaiser vermittelt hat und sie stand auch hinter dem Tisch und schenkte aus.

“Lesen Sie wohl!”, sagte Ernst Grandits noch, bevor Robert Huez das Publikum zum Burffet entließ und mich juckte es ihn zu fragen, wer morgen wohl auf die dBp Shortlist kommt? Dann ergab sich aber keine Gelegenheit dazu.

Clemes Berger wird es sicher nicht sein, obwohl ihm Robert Huez, als einen der bedeutendsten österreichischen Gegenwartsautoren vorstellte.

Er steht aber nicht auf der LL, was wieder einmal klarmacht, es gibt mehr als nur zwanzig Neuerscheinungen pro Saison und das Buch hat sich, wie ich beobachtet konnte, auch gut verkauft.

Jedenfalls hielten es mehrere in der Hand und jetzt lesen lesen lesen, aber das tue ich ja gerade mit  Sibylle Lewitscharoff und das “Streichelinstitut”, das will ich noch erwähnen, würde ich gerne einmal in den offenen Bücherschränken finden, diesen Roman eher weniger, denn ich bin nicht so für den Klamauk, auch wenn er sich, wie in dem Gespräch herauskam, sowohl mit einer Gesellschafts- als auch mit einer Kapitalismuskritik verbindet.

Rauschzeit

Nun Buch zehn und das ist ein Flop, könnte man so flapsig bloggen, nein, tue ich natürlich nicht, denn der 1954  in Meßkirch geborene Arnold Stadler hat ja den “Büchner-Preis” bekommen und sein Name verfolgt mich schon seit einiger Zeit mit dem Geruch von Ansehen und Reputation, ich hab ihn, glaube ich, auch einmal bei “Rund um die Burg” gehört, mit Alex Steger verwechselt, ja meine legasthene Ader, die meine Leser zur Verzweiflung bringt und mich manchmal auch ein t vergessen läßt. Der “hinreißende Schrotthändler” steht noch auf der heurigen Leseliste und ich werde ihn höchstwahrscheinlich nicht mehr schaffen, denn mein zehnten LL “Rauschzeit” ist elendslang.

Fünfhundertvierzig Seiten, dabei könnte man das, was darin geschieht auf einer Seite zusammenfassen. Der Klappentext tut das auch und eigentlich hätte man dann schon alles gelesen und was den “Titel” betrifft, so habe ich ihn, glaube ich, nicht ganz verstanden, denn mich haben die zwei Tage von Mausi und Alain eher gelangweilt, als in einen Rausch versetzt und mir gedacht, das kenne ich doch alles schon, einiges, weil ja auch in den Fünfzigerjahren geboren und in den Siebzigern studiert, habe ich auch selbst erlebt, nicht alles natürlich, denn das, was da vielleicht auf die SL kommt, würde Tobias Nazemi wahrscheinlich als “Altherrenprosa” bezeichnen und vielleicht auch aufstöhnen, nicht schon wieder dasselbe von der der Liebe und dem Tod und zu lang ist es außerdem.

Also es geht um das Glück, das hat die jüngere Anna Weidenholzer viel kürzer zusammengebracht, sie hat aber auch noch nicht soviel Lebenserfahrung und um zwei Tage im Juni 2014 eines mittelalten Ehepaars. Sie sind vierzig und reden schon vom Sterben, da setze ich als über Sechzigjährige etwas aus, aber Arnold Stadler ist ja auch nicht viel jünger und bei “Amazon” hat einer entdeckt, das manches, was in dem Buch vorkommt, erst zwei Jahre später geschehen ist.

Alain und Mausi, die eigentlich Irene heißt, sind ein mittelaltes, intellektuelles Mittelschichtehepaar, wohnen in Berlin und er, Alain fährt auf einen Übersetzerkongreß nach Köln, sie soll mit Freunden in die Oper “Toska”, eine “Folteroper”, wie Stadler lang ausführt, gehen.

Das wäre es eigentlich schon, nun ja die Spannung und die Handlung, er trifft dort eine Jugendliebe wieder, die ihm 1983 bei einem gemeinsamen Meeresaufenthalt, der damaligen Clique mit einem Mann davon gefahren ist, sie trifft einen Dänen in der Oper und bleibt eine Nacht lang wach und betrinkt sich, um seine Telefonnummer zu erfahren.

So weit, so what und eigentlich schon alles, weil man ja auch nicht spoilern soll.

Auf den fünfhundertfünfzig Seiten und den sechs Teilen, die meistens abwechselnd Kapitelüberschriften, wie Mausi und Alain tragen und dann gibt es noch einen zweihundert Seiten Teil, wo Alain von seinem Leben erzählt, passiert trotzdem noch sehr viel, es gibt aber auch sehr viele fast Bernhardsche Wiederholungen, vom World War I und II wird erzählt,  es ist auch eine deutsch französische Freundschaft oder Familie und die Paare, die sich auseinandergelebt haben, so leben Mausi und Alain in zwei Wohnungen mit Verbindungstür nebeneinander, ja die Mittelschicht kann es sich leisten, sind auch familiär verbunden, so tauchen überall Tanten und Erbschaften auf.

Es geht nicht nur, um das Glück sondern auch um den Tod, so hat sich Elfi, eine Freundin aus der damaligen Clique auch umgebracht und die Vierzigjährigen reden schon alle übers Sterben, haben Patientenverfügungen, die Arnold Stadler seltsamerweise irgendwie mit Sterbehilfe und “Dignitas” in Verbindung bringt oder ist das Ironie?

Aber ein Longlistenbuch sollte schon fachlich stimmen und nicht vielleicht Voruteile und Ängst schüren und verstärken. Gibt es jetzt gar nichts Postives an dem Buch, von dem ich mich wundere, daß es auf der LL steht, weil es mich nicht sehr berührte und auch nicht viel Neues bietet, was ich bei der anderen  Dichter-Altherrenclique nicht schon gelesen hätte?

Doch natürlich, die schöne Sprache, deshalb ist es ja wahrscheinlich auch darauf, in der es immer wieder schöne Sätze und poetische Neuwendungen gibt.

Ich habe also endlich mal einen Arnold Stadler gelesen, freue mich auf den “Schrotthändler” und mache mit Sibylle Lewitscharoff weiter. Die Halbzeit ist beendet und die Shortlist steht ja auch schon fest.