Zwei Erzählbände

In der “Alten Schmiede” geht es weiter mit den Präsentationen der Herbstneuerscheinungen.

“Lesart” nennt sich die Reihe, die Angelika Reitzer inzwischen präsentiert und Lydia Mischkulnig und Leopold Federmayr haben zwei solcher Bände.

Die “Alte Schmiede” hat ja auch zwei Räume, den “Schmiedenraum”, ein Museum ist das ja glaube ich nicht und das “Literatrische “Quartier” im Keller und da wechseln sich die Veranstaltungen ab, nicht nur bei den Symposien, wo die Diskutanten oben und die Zuhörer unten sitzen.

Buch eins, Lydia Mischkulnigs “Paradiesmaschine” wurde im Kellner vorgestellt, wo mich zuerst einmal Lidio Mosca Bustamante freundlich grüßte, ja es gibt sogar Leute, die auf mich  zukommen, statt mich zu ignorieren und zu meinen Geburtstagslesungen eingeladen werden wollen und die 1963 in Klagenfurt geborene Lydia Mischkulnig ist eine literarisch alte Bekannte “Halbes Leben” hat ihr Debutband geheißen, bei “Droschl” erschienen und noch sehr experimentell, ich habe ihn einmal bei “Rund um die Burg” gewonnen, dann kam das Lesen beim “Bachmannpreis” 1996, das Jahr, wo ich dort war und zuhörte.

Da las sie schon sehr schnell und hektisch, hat, glaube ich, was gewonnen und die Jury disktuierte, ob das jetzt Literatur oder Brigitte-Niveau sei?

Darauf erschien “Hollywood im Winter” das habe ich gelesen und es hat mir nicht gefallen,  “Schwestern der Angst” erschien mir sehr übertrieben, gehetzt und abgehoben, so habe ich sie, glaube ich, auch einmal im MUSA und auch bei Lesungen gehört.

Jetzt ein Erzählband und Lydia Mischkulnig begann mit der ersten Geschichte, die “Kloster neu Burg”, vielleicht so oder auch anders geschrieben, heißt. Lydia Mischkulnig las sehr deutlich und sehr akzentuiert. Es ging um einen Erzähler, ich glaube, ein Mann, der mit dem Fahrrad Benzin für den Rasenmäher holen fährt, da trifft er ein Paar mit Rucksäcken, das nach einem Wanderweg fährt, die Frau trägt zuerst Kopftuch, dann Schleier, Vergleiche mit den Nonnen tauchen auf, sehr schöne beinharte Beschreibungen, die ich mir leider nicht so lang gemerkt habe, daß ich sie mir aufschreiben konnte. Es geht dann auch, um Kinder und um eine Schatztruhe und Angelika Reitzer hat Lydia Mischkulnig sehr viel dazu gefragt.

Sehr abgehoben würde ich wieder denken, denn eine Frau mit Kopftuch oder Schleier geht wahrscheinlich nicht mit Rucksack in Klosterneuburg wandern, die zweite Geschichte kann man dagegen nacherzählen, da trifft sich ein Paar in einem Hotel, wo auch ein berühmter Fotograf logiert, der fotografiert die beiden und als die sich trennen, zerreißen sie das Foto, weil sie sich nicht einigen können, wer es bekommt, so bekommt jeder die Hälfte und erst nach dem Tod des Fotgrafen bekommen sie heraus, daß es als Ganzes einen riesigen Wert hat, so sind sie gezungen sich wieder zu vereinen. Das fand ich originell, während ich bei der dritten Geschiche, die von einem Heuschreck handelt, aussetzte.

Angelika Reitzer diskutierte zwar vorher das Prekatiat, da habe ja jetzt einige junge Autoren, wie beispielsweise Friederike Gösweiner, merke ich an, davon geschrieben, wie schwer es ist, in diesem Leben Fuß zu fassen, Angelika Reitzer hat es mit “Unter uns”, glaube ich, auch ein bißchen getan. Aber, wie ist das bei den Älteren?, fragte Angelika Reitzer und meinte wohl, daß es das nicht gäbe.

Aber ich habe mich ja jetzt durch einige “Altherrenprosa” gelesen, da geht es zwar nicht um Armut und um Mindespensionen, aber um das Sterben und die letzten Lieben, mit denen sie nach Sizilien aufbrechen oder die bei Kongreßen wieder treffen und berührende Bücher über Demenz gibt es auch.

Aber Angelika Reizter ist ja ein Siebzigerjahrgang, Lydia Mischkulnig ein bißchen älter und das Prekariat ist in der Geschichte “Tiere wie wir” spürbar, da gibt es Stellenabbau,  Einsparungen und einen Heuschreck zwischen den Fensterscheiben, der nicht hinauskann, die Ich-Erzählerin läßt ihn sterben und verbindet das mit ihrer persönlichen Geschichte.

Nein, das gefällt mir nicht.

“In der Literatur ist das erlaubt!”, sagte mir in der Pause Erika Parovsky, ja ich weiß, da muß ja alles fürchterlich und übertrieben sein, um interessant zu wirken, aber wenn ich zwar schreiben kann, daß Retortenkinder Halbwesen sind, aber bei einem Vortrag gepunsht werde, dann stimmt etwas nicht und wenn ich, die unverständlich Schreibende, die das angeblich nicht kann, die Geschichte geschrieben hätte, wäre eine Putzfrau aufgetreten und hätte den Heuschreck ins Freie gelassen, aber ich weiß, die Putzfrau wurde vielleicht auch schon eingespart und wir sind wieder bei den prekären Arbeitsverhältnissen.

Dann gings in die “Schmiede” und zu Leopold Federmayr, den 1957 in Wels geboren, der schon länger in Japan lebt und dort, glaube ich, unterrichtet, in Mexiko war er, glaube ich, auch, dort erscheinen auch seine Bücher und bei “Otto Müller” ist “rosen brechen” erschienen, österreichische Erzählungen oder Erzählungen vom Land beziehungsweise aus der Kindheit und Leopold Federmayr meinte, daß er oder auch andere Autoren, daraus die Stoffe beziehen würden und Urfassungen zu den Texten wären schon in Achtziger oder Neunzigerjahren erschienen, die er  umgearbeitet hat.

Er las einen Teil einer längeren Erzählung “Das Feld”, darum geht er spazieren, es war einmal ein Fußballplatz, dann wurde wieder Kukurruz angeplantz, zum Friedhof geht er auch und als Kind ist er an der Hand der Großmutter gegangen, der Vater spielte Fußball und konnte es nicht gut und er hat im elterlichen Gasthaus Toast serbviert und dafür zehn Schilling Trinkgeld erhalten.

Es gibt noch eine andere Erzählung, mit Kurztexten, deren Titel er von Erwin Einzinger “gestohlen” hat, der das gar nicht bemerkte, als er ihn einmal einleitete und Leopold Federmayr, den ich schon ein paar Mal lesen hörte, beim “Bachmannpreis” hat er auch einmal gelesen, erzählte ein bißchen was aus seinem Nähkästchen des Schreibens und seinem japanischen Leben.

Zwei interessante Bücher, die nicht auf den LL stehen, auf die deutsche können sie ja nicht, weil keine Romane, die österreichische ist auch schon besetzt, aber das Lesen ist sicher zu empfehlen.

Die sechs deutschen Shortlistbücher

Sie ist da, die Shortlist des dBp

  1. Rainhard Kaiser-Mühlecker “Fremde Seele-dunkler Wald”
  2. Bodo Kirchhoff “Widerfahrnis”
  3. Andre Kubiczek “Skizze eines Sommers”
  4. Thomas Melle “Die Welt im Rücken”
  5. Eva Schmidt “Ein langes Jahr” und
  6. Philip Winkler  “Hool”

Drei habe ich schon gelesen, zwei weitere, darunter die Doppelnominierung liegen bereits auf dem Bücherstapel am Klo, “Hool” müßte ich noch bekommen, würde mich aber interessieren.

In den letzten Tagen haben auch die Buchpreisblogger und Malte Bremer vom Literaturcafe ihre Empfehlungen abgegeben, letzterer an Hand der Buchpreisproben, was ich nach der eigenen Leseerfahrung eines solchen Heftchens vor drei Jahren für unmöglich halte, hatte aber zwei Treffer, die sogenannten offizellen, die diesmal, wie sie schrieben jedes Buch mindestens einmal gelesen haben, haben das ebenfalls und ich selbst, hätte von den zehn bis jetzt gelesenen Büchern auf jeden Fall auf den Melle getippt und ihn auch hinaufgegeben, Kirchhoff habe ich erwartet, war mir aber zu konstruiert, Eva Schmid überall sehr gelobt, mir wahrscheinlich zu leise, daß ich an sie gedacht hätte und heute morgen habe ich in der Badewann mit Sibylle Lewitscharoffs “Pfingstwunder”, das der Buchpreisblog, um Mara Giese verissen hat, angefangen und ich hätte es daraufgeschrieben und bin jetzt ein wenig enttäuscht, denn ich glaube, abgesehen vom Melle, dessen brillanten Bericht einer, seiner bipolaren  Störung ich ja nicht für einen Roman halte, ist es das bis jetzt beste Buch, das ich von der Liste gelesen habe.

Ich weiß schon Sibylle Lewitscharoff ist ein wenig schwierig, wegen ihrer Äußerungen, die zwar in Romanen höchst willkommen sind, am Vortragspult aber stören und irritierend wirken und ich habe das, was ich bisher von ihr gelesen habe, auch eher nicht verstanden, weil eine sehr abgehobene, schwirbelige Sprache, habe ich, glaube ich, irgendwo gelesen, aber das fand ich sehr brilliant,

Da fahren vierunddreißig Wissenschaftler auf einen Dante-Kontreß nach Rom und steigen dann zu Pfingsten in den Himmel auf, nicht alle, einer muß ja zurückbleiben und das erzählen und traut sich das auch nicht recht, denn kommt man nicht in die Psychiatrie, wenn man solches behauptet?

Spannend, spannend und ich werde das Buch auch weiterlesen, mir aber überlegen, ob ich die Shortlistbücher nicht vielleicht doch vorziehn soll.

Inzwischen ist auch noch Peter Stamms “Weit über das Land”, ein Buch, das dünner ist, als ich erwartet habe, zu mir gekommen und ich wäre was die deutsche LL-List betrifft, komplett, bis auf “Hool” und das Buch vom Händler, auf die österreichischen muß ich ja noch warten oder mir die Bücher zum Geburtstag wünschen.

Sophie Weigard von “Literaturen”, die auch schon zehn Bücher gelesen hat, schreibt auf ihren Blog oder Facebook- Seite, daß sie vielleicht, die zehn falschen gelesen hätte, das glaube ich jetzt nicht, ohne nachzusehen, ich glaube aber Melle und Schmid und vielleicht auch ein paar andere waren dabei, aber ich habe mir auch gedacht, daß ich noch nicht sehr viel “Preiswürdiges” ein blödes Wort, das ich nicht mag und auch nicht verwende, gelesen habe, obwohl ich die LL in ihrer Weite für sehr gut und interessant halte.

Aber zuletzt waren zwei Bücher dabei, interessant, sie sind auch von S.Fischer, die mir nicht so gefallen haben, Thomas Steinaeckers Abenteuerroman, den ich persönlich eigentlich für nicht sehr literarisch halte und dann Arnold Stadlers “Litanei” über zwei, die in Köln eine Jugendliebe treffen, beziehungsweise in Berlin in die Oper gehen und das über fünfhundert Seiten, das erinnert zwar ein bißchen an die “Alten Meister” und da habe ich sehr gelacht, als nach den dortigen fünfhundert oder so Seiten, über die Frage, ob man am Abend ins Burgtheater gehen soll, das Buch damit endete “Und dann war ich im Burgtheater und die Vorstellung war füchterlich”, ich zitiere aus dem Kopf und daher sicher nicht richtig.

Die anderen Bücher, die Sprachexeperimente, der jungen Autoren Anna Weidenholzer und Michelle Steinbeck, interessant, die Steinbeck war mir, glaube ich, zu sprachlich abgehoben, der Hans Platzgumer zu konstruiert, Dagmar Leupolds “Witwen”, sprachlich schön, aber vielleicht auch nicht lebensrelevant, das Cover meiner Meinung nach kitschig, nun ja,  man sieht, auch ich kann über Bücher mäkeln und es selbst nicht besser machen, wie meine Kritiker meinen, ganz im Gegenteil.

Also lesen, lesen, lesen, die Longlist, die Shortlist, die Schweizer, die österreichischen Bücher oder auch etwas ganz anderes, in der “Alten Schmiede” und im Literaturhaus fängt jetzt ja auch die Saison mit Präsentationen von Büchern an, die nicht auf den Listen stehen, es gibt also sehr viel und man kann es sich aussuchen.

Außer dem Stamm habe ich vorhin auch die “Lebenszeichen”, die Anthologie vom letzten Volksstimmefest bekommen, das habe ich ja meinem Kriiker Uli zu schicken versprochen.

Mal sehen, wie es ihm gefällt, fehlerfrei und lektoriert ist es wahrscheinlich, denn es ist ja so spät gekommen, weil es eingestampft werden mußte, weil der Richard Schuberth falsch geschrieben war, dessen Debut- oder nicht Debutroman, ich auch noch lesen möchte.

Spannend, spannend also diese Shortlist, mal sehen, was die Blogger, Kritiker und andere interessierte Buchmenschen dazu sagen.

Die Longlist war ja sehr überraschend, ich fand sie, wie beschrieben interessant, habe aber an den gelesenen Büchern  viel ausgesetzt, mal sehen, wie es mit den acht anderen wird, die noch zu lesen sind.

Laut den Buchhändler fangen die Menschen  jetzt erst an, in die Buchhandlungen zu laufen und sich für die Listentitel zu interessiert und natürlich kann man auch schon spekulieren, wer dann am Vorabend zur Buchmesse in Frankfurt den Preis bekommt?

Der Melle wäre da ein Kanditat, hat aber meiner Meinung nach, ich wiederhole es, keinen Roman geschrieben, Bodo Kirchhoff würde ich mir nicht wünschen, bei Eva Schmidt kann ich es mir eigentlich noch immer nicht vorstellen und die anderen Bücher habe ich noch nicht gelesen, bin aber auf dem Weg es zu tun.