Geschlossene Gesellschaft zur guten Literatur

In der “Alten Schmiede” hat ja, wie schon berichtet die neue Saison mit einem Projekt und der Buchvorstellung “Was ist gute Literatur” begonnen.

Daran hat sich am Donners- und am Freitag ein Symposium, wo diese Fragen weiterdiskutiert wurden, angeschlossen.

“Interessant!”, habe ich gedacht, als ich das Programm vor ein paar Wochen zur Hand genommen habe, meine Donnerstag fünf Uhr Stunde, die ich schon eingetragen hatte, verschoben und dann erst gesehen, die vier Sessions finden im Schmiederaum, als geschlossene Veranstaltung mit Übertragung ins Literarische Quartier in den Kellerraum statt und das hat mir nicht gefallen.

Die “Alte Schmiede” hat ja schon länger an den Nachmittagen Veranstaltungen für angemeldete Schulklassen, da stand früher dabei, Restplätze für das allgemeine Publikum, jetzt wird das in den Schmiederaum und zur Videowall verbannt, was mir auch nicht gefällt, so daß ich da eigentlich nicht hingehe und ich habe die zwei Veranstaltungstage aus meinem Kalender auch wieder hinausgestrichen.

Für den Donnerstag Stunden eingeteilt, am Freitag hatte ich keine und bin am Mittwoch zu der öffentlich zugängigen Veranstaltung ins literarische Quartier gegangen.

Dort habe ich meinen Psychologiekollegen Wolfram Huber getroffen, den ich fragte, ob er zu den geschlossenen Sessions kommt, er hat nur vage geantwortet, wahrscheinlich hat er das Problem, das ich damit hatte auch nicht erkannt und am Donnerstag habe ich mich den ganzen Tag gefragt, ob ich am Freitag zu Hause bleiben und an meiner Klara-Geschichte, zu der ich wegen meines intensiven “Buchpreis-Lesens” ohnehin nicht richtig hineineinkomme, weiterschreiben soll oder doch in in die “Alte Schmiede” gehen?

Kurt Neumann hat das allgemeine Publikum am Mittwoch ja in den Kellerraum eingeladen, erklärt, warum diese Trennung, die ich eigentlich ganz ehrlich, als Diskriminierung empfand, hat er nicht dazu gesagt.

Es gab aber auch eine Alternativveranstaltung, nämlich Freitag und Samstag Kleinliteratur und Kunstfilme beispielsweise von der neuen “Veza Canetti-Preisträgerin” Ilse Kilic im WUK, aber da begannen die interessanten Veranstaltungen erst am Nachmittag und so bin ich etwas hin- und hergerissen heute morgen in die “Alte Schmiede” gegangen.

Man findet ja jetzt immer genau dort hin, wo die Veranstaltungen stattfinden, weil die Alternativtüren verschlossen sind, obwohl die Vortragenden sich schon im Schmiederaum befanden und die Assistenten, die anderen Teilnehmer und zu meiner Überraschung. auch Kurt Neumann, nahmen im Kellerraum Platz, wo eine Leinwand aufgestellt war und einige der Teilnehmer hatten Kaffee und Kipferln in der Hand, obwohl es unten nur Getränke gab.

Etwas, was mir auch nicht gefällt und nicht mit der nötigen Konzentration, die die Diskutanten im geschlossenen Raum haben würden, wie mir Annalena Stabauer begründete, als ich sie fragte, “Warum es diese komische Präsentationsform geben würde?”, zu erklären wäre.

Sie war sehr freundlich und hat gemeint, es hätten sich auch schon andere beschwert und ich habe mich, wie schon beschrieben, diskriminiert und ausgeschlossen gefühlt und finde, die Kommunikationsform auch nicht gut, denn dann hat man keinen Kontakt zu den Vortragenden, kann nicht fragen und nicht mitdiskutieren und könnte sich das Ganze eigentlich auch zu Hause als Video oder Livestream ansehen und bräuchte nicht extra hingehen.

Die erste Session begann, Thomas Eder diskutierte mit den zwei Literaturwissenschaftlerinnen Katja Mellmann und Christiane Schildknecht, den Anne CottenFerdinandSchmatz Briefwechsel. Es gab Hangouts und das Ganze war sehr interessant, weil es dabei, um psychologische beziehungsweise philosophische Literaturaspekte ging und daß es eine psychologische Literaturwissenschaft, beziehungsweise Forschungen zum “Erzähltrieb” gibt, habe ich gar nicht gewußt.

Die Session dauerte drei Stunden mit einer Pause in der Mitte. Da stieg ich mit meinem Wasserglas, die Stiegen hinauf und beobachtete, wie das Publikum die Türen öffnen wollte, um zum Kaffee zu gelangen, aber die waren ja geschlossen und Helmut Neundlinger, bei dem ich mich auch beklagte, erklärte mir, daß ihm die konzentrierte Diskussion angenhemer wäre, weil die Leute wahrscheinlich eh nur “Blödsinn” fragen würden.

Es ging aber im zweiten Teil und auf den Hangouts, um die Kommunikation und das gibt es ja einen Sender und einen Enmpfänger und das ist der Bestandteil der guten Diskussion und wenn ich im Keller sitze und auf einer Leinwand sehe, daß einen Stock über mir konzentriert diskutiert wird, kann ich eigentlich nicht wirklich kommunizieren.

Zu Mittag bin ich nach Hause gelaufen und habe mir Fischstäbchen gebraten, weil ich wengen der Bücherpost, die ich vielleicht versäume, eigentlich nicht mit einem Cheeseburger am Donaukanal spazieren gehen wollte.

Dann kam wieder eine Autorensession, nämlich die drei eher experimentellen oder sprachkünstlerisch arbeitendenen Autorinnen Birgit Kemper, Anja Utler und Martina Hefter moderiert von Florian Huber und das war sehr interessant, obwohl die Autorinnen sehr viel vom Tanz gesprochen haben.

Es wurden auch Gegenstände besprochen, die die Autorinnen mitgebracht haben, aber dann ging es ins Medias Res und zu den Fragen, ob Literatur verständlich sein müsse oder nicht und der Autor für den Leser schreibt beziehungsweise, wie das mit den großen Literaturgöttern, wie Thomas Bernhard etcetera sei, die die kleinen Autorinnen verdrängen.

Oswald Egger und seine Performances in Berlin wurden einige Male erwähnt und dann gabs nochmals eine lange Pause mit zugesperrten Türen, bis es dann, um halb acht mit dem Schlußplenum weiterging, wo man Fragen stellen durfte und die vier Herausgeber, die vier Sessions kurz vorstellten, so daß ich eine Ahnung bekam, was ich versäumt habe.

Denn da gab es auch eine Autoren- beziehungsweise eine Bibliothekar- und Übersetzerrunde.

Die Autoren waren Ilma Rakusa, Semir  Insayif und Alois Hotschnig moderiert von Anna Kim und die Bibliothekarinnen und Übersetzer diskutierten, glaube ich, auch über die Verständlichkeit beziehungsweise, ob Bücher wie beispielsweise, das von Thilo Sarrazin zum Bildungsauftrag gehören oder nicht.

Eigentlich doch ganz gut, daß ich mich in den Keller setzte, denn ich interessiere mich ja für Literatur und habe im Sommer noch vor meinem Longlistenlesen mich ja auch mit dieser Frage, beziehungsweise mit Tobias Nazemis Kriterien beschäftigt.

Ob ich bei dem Symposium wirklich herausbekommen habe, was gute Literatur ist, bin ich ich mir nicht ganz sicher, was höchstwahrscheinlich auch gar nicht möglich ist, die Verständlichkeit gehört aber sicher dazu und die Vielschichtigkeit.

Für mich ist es, wie schon beschrieben die Authentizität und auch der gesellschaftliche Anspruch, während mir die wunderschöne oder auch die experimentelle Sprache alleine eher doch zu wenig ist.

Und für die nächsten Symposien würde ich mir wieder eine Einraumlösung mit der Möglichkeit zur allgemeinen Diskussion und Fragen stellen, auch wenn die vielleicht nicht sehr genützt wird, wünschen und Kaffee und Wasser für alle oder für keinen, weil irgendwie gehört ja auch der demokratische Anspruch und die Gleichheit zur guten Literatur oder sollte ich mich da irren?

Die Verteidigung des Paradieses

Buch neun der LL, ist eines von den dickeren, bis jetzt waren es ja eher dünne, die ich gelesen habe, aber jetzt kommen die umfangreicheren an die Reihe und es ist ein Abenteuerroman.

Das steht zwar auch auf den “Witwen”, aber dieser ist ein richtiger, ein Weltuntergangsroman, wahrschein auch ein Sci Fi und meiner Meinung nach, eher etwas für solcherart begeisterte Jugedliche, um auf die LLzu kommen, bedarf es aber wahrscheinlich des philosophischen Hintergrunds und so steht das auch am Buchrücken und der 1977 geborene, in Augsburg lebende Thomas von Steinaecker ist ein mir bis dato eher unbekannter Autor, mag sein, daß ich schon einmal den Namen hörte, aber sonst nicht viel.

Um was geht es, um die Fortsetzung von Heinz Helles “Eigentlich müßten wir tanzen” könnte man unken, jedenfalls heißt der Held auch Heinz und möchte ein guter Mensch werden.

Aber ist er das überhaupt?, steht, glaube ich, als Frage auf dem Klappentext und es passiert sehr viel in dem  vierhundertsechs Seiten Buch.

Zuerst geht es in ein Kinderzimmer oder in eine Erinnerung, an die Zeit, wo der kleine Heinzi des Nachts aufwachte und sich aus dem Kühlschrank was zum Trinken holte.

Dann kommt ein Schnitt oder es geht elf Jahre später los auf einer Alm. Da feiert Heinzi seinen fünzehnten Geburtstag. Die Katastrophe hat stattgefunden und Heinzi lebt mit seinem elektronischen Kuscheltier, das Ganze dürfte in der Zukunft spielen mit fünf weiteren Überlebenden und einigen Affen dort und ist sauer, weil sie seinen Geburtstag vergessen haben.

Dem ist nicht ganz so, denn Cornelius der “welteste Leader,” wie es im Neudeutsch heußt, während sich Heinz  an die “Vountergangssprache” zu erinnern versucht, schenkt ihm am Abend ein paar bunte Hefte und gibt ihm den Auftrag, die Geschichte aufzuschreiben, denn Heinz hat auch einen sonderbaren Chip und kann die  die berühmten Romananfänge rezitieren, während ihm sein elektronisches Haustier Märchen erzählt.

Dann kommt die nächste Katastrophe, die Schleusen brechen, der Fluß trockenet aus und sie müßen das, was ein bißchen an die “Wand” erinnert, verlassen.

Fliehen über die ehemalige Autobahn, treffen auf Leichen, es gibt also doch Überlebende, Mutanten und Plünderer und  Jorden, ein ehemaliger Berufssoldat, schießt alles nieder, was ihm in den Weg kommt.

Anne, die demenzkranke Krankenschwester verläßt die Gruppe, während Özlem auf der Alf ein Baby geboren hat, das sie auch mitschleppen.

Sie kommen in eine Art ehemaliger Zirkus, wollen auf ein Schiff nach Frankreich, das sich als eine Falle erweist. Die Toys erproben aber den Aufstand und erretten ihre Meister. Nun bleibt auch Cornelius zurück und wird  von den anderen aufgefressen, Özlem wird geopfert, Heinz kümmert sich um die kleine Xiwang.

Verliert auch sie und landet in seinem letzten gelben Heft in Paris in einem Kloster, das sich in einem Hochhaus befindet, wo er, glaube ich, siebenundachtzig Jahre später stirbt.

Er war auch noch ein Klon, der zum Schriftsteller bestimmt war, nur das Programm funktionierte nicht so ganz, so daß seine Aufzeichnungen, die er in den schwarzen, gelben und was auch immer Heften, nicht, den Erwartungen der Leser entspricht, wie Anita, seine Betreuerin vorsichtig andeutet und ich bin auch  ein bißchen erstaunt über die Bandbreite der heurigen Longlist und eigentlich ist das Buch, die “Philosophie über den Sinn des Lebens”, auch ein bißchen eine Fälschung oder ein Fake, wie man so sagt, denn einen eigentlichen Weltuntergang hat es ja nicht gegeben, aber viele andere Sachen und  Ebenen und das alles kunterbunt durcheinandergemacht, so daß man genug darüber zu diskutieren hat.

Ob der Kannibalismus und die Freigabe zur Vergewaltigungs beispielsweise unbedingt notwendig war oder eben vorkommt, weil es für die spannende Haltung nötig war?

Aber die letzte LL war auch breit gefächert, bin neugierig, ob das Buch auf die Shortlist kommt, am Dienstag werden wir es  wissen.

Auf den anderen Blogs ist von dem Buch, das über eine ganze Bandbreite von Stilen verfügt, Denglisch ist die Umgangssprache und es gibt sogar Zeichnungen und die berühmte “Pfandbriefwerbung” aus der “Rororo-Reihe” in Sci Fi- Mutierung darin, noch nicht viel zu lesen.

Ich bin wahrscheinlich nicht die richtige Schience Fiction  und Weltuntergangsleserin, aber Abwechslung muß sein und einige jüngere Leser werden von dem Buch vielleicht auch begeistert sein.