Eure Heimat ist unser Albtraum

Jetzt kommt ein Buch mit einem ziemlich provokanten Tiel, AFD, FPÖ und Patrioten werden vielleicht wütend in die Luft springen, das ich auf “Buzzaldrins-Blog”, den ich  früher viel gelesen habe, gefunden habe.

Die 1986 in Karlsruhe geborene, türkischstämmige Fatma Aydemir, die mit ihrem Debut “Ellenbogen”, 2017 großes Aufsehen erregte und Hengameh Yaghoobifarah, 1991 in Kiel geboren, haben, wie im Vorwort steht, im März 2018, die Idee dazu gehabt, als in Deutschland das Innenministerium in das sogenannte “Heimatministerium” umbenannt wurde und haben dazu vierzehn Autoren und Autorinnen mit Migrationshintergrund eingeladen, einen Text oder Essay dazu zu schreiben.

Die Autoren und die Herausgeber sind sehr jung und sichtlich auch sehr selbstbewußt. So führen sie eine sehr laute, man kann auch sagen, rotzig freche Sprache, um sich wahrscheinlich auch gegen, die zu wehren, die ihnen das “Gendern” verbieten und sie in ihre “Heimat” die, vielleicht nie ihre war, zurückführen  wollen.

So wird in dem Buch auch sprachlich sehr gegendert und beispielsweise “frei – r Redakteur” geschrieben, etcetera.

Ich verwende das wahrscheinlich nicht, obwohl ich für das Gendern bin und, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, auch das Wort “Gutmenschin” noch immer nicht als Schimpfwort betrachte, sondern eigentlich eine sein möchte.

Seit drei Jahren, das habe ich auch schon geschrieben, diskutiere ich dagegen mit dem Uli, den wahrscheinlich Bücher, wie dieses auf die Pame bringen und er mir eher die vom “Antaios-Verlag” empfehlen möchte. Sehe, was sich da in letzter Zeit an Debatten abspielt und habe mich immer schon gewundert, daß die Migranten und Asylwerber, die dort angegriffen, beschimpft und, als Gewalttäter hingestellt werden, sich nicht dagegen wehren.

Die, die 2015 aus Syrien gekommen sind, sind wahrscheinlich noch nicht so selbstbewußt und können wohl auch nicht so gut Deutsch, um sich dagegen zu wehren.

Die Kinder der zweiten oder dritten Generation der Türken, die als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland oder Österreich gekommen sind, können es dagegen schon und wenn sie dann noch zufällig Autoren und Autorinnen sind, entstehen Bücher, wie dieses, wo man sich, denke ich, nicht von dem vielleicht etwas provokanten Titel abschrecken lassen, sondern sie lesen und  darüber nachdenken und darüber diskutieren sollte.

Die 1985 in der SU geborene Sasha Marianna Salzmann, die 2017 mit ihrem “Außer sich” auf der Shortlist des dBp stand, ein Buch, ich schreibe es gleich dazu, das mir nicht so gefallen hat, weil ich das Besondere und Einzigartige darin nicht verstanden hat, beginnt den “Essayreigen” und beschreibt in “Sichtbar”, die doppelte oder dreifache Diskrimierung, die sie als Frau, Lesbe, Jüdin und Migrantin ausgesetzt ist und verweigert sich gegen das sich Unsichtbar machen und das sich Verstecken.

Sie zitiert eine Studie in der über vierzig Prozent der Gefragten gemeint haben, daß “Homosexuelle nicht so ein Geschrei wegen ihrer sexuellen Orientierung machen sollen”.

Was ich verstehen kann, daß es einem sowohl nervt immer wieder gefragt zu werden, “Woher kommst du und, wie lebst du?”, als auch, wenn alle, um dich schreien, “Nur die Homosexuellen sind die wahren Menschen!”, wenn man selber heterosexuell ist.

So beginnt wahrscheinlich die Diskriminierung und das gegenseitige Mißverstehen, denn ich habe auch schon geschrieben, daß ich eigentlich immer gerne jemanden fragen möchte, woher er kommt, weil mir das ja mehr von dem Menschen vererät, aber ich schaue mir in Büchern auch meist zuerst, die Biografien der Autoren an und möchte  gerne wissen, wann sie geboren sind und halte das auch nicht für Diskrimierung.

Mit der Herausgeberin  Fatma Aydemir geht es weiter und die scheint, wie ebenfalls schon erwähnt, sehr selbstbewußt zu sein und erregte so mit ihrem Text “Arbeit” auch den Unmut mancher “Amazon-Leser”, weil sie sich gegen das ewige “Burn-Out” der Deutschen mokiert, während man den Gastarbeitern und Migranten, also ihren Eltern und Großeltern immer sagte, daß sie mehr als die Deutschen und auch immer nur die schlechtere Arbeit, die diese nicht wollten, verrichten müßen und sich dadurch ihre Gesundheit ruinierten.

Fatma Aydemir hat es als Enkeltochter eines Gastarbeiters auf die Universität geschafft, schafft es auch mit dem “Migrantenbonus” zu einer Einladung für ein Volontariat zu kommen, wird darauf von einer deutschen Mitbewerberin abgesprochen , bekommt die Stelle am Ende nicht und schafft es vielleicht auch mit ihrem Schlußsätzen “Ich will den Deutschen ihre Arbeit wegnehmen. Ich will nicht die Jobs, die für mich vorgesehen sind, sondern die, die sie für sich reservieren wollen – mit der gleichen Bezahlung, den  gleichen Konditionen und den gleichen Aufstiegschancen.”, Unmut zu erregen und zu provozieren.

Der  1983 in Hannover geborene Deniz Utlu thematisiert in seinem Text, die Frage, wie man sich in einer Gesellschaft sicher fühlen und Vertrauen haben kann, wenn es jederzeit passieren kann, daß man sich am falschen Ort befindet und dann plötzlich, wie es 2002 Murat Kurnaz passierte, für vier Jahre in Guatanamo befindet und sich der deutsche Staat für den in Bremen Geborenen und Aufgewachsenen nicht sehr einsetzte.

Dann kommt ein Text der “Bachmann-Preisträgerin” von 2016, die 1972 in London geborene Sharon Dodua Otoo, die von ihrem Sohn und seinen Erlebnisse erzählt, die er in der Grundschule hatte, als sich dort ein weißes Mädchen mit einem Radiergummi vor ihn hinstellte, um seine schwarze Hautfarbe von ihm zu entfernen, denn “Schwarze Haut kommt vom Teufel.”

Erlebnisse und Vorurteile, die schwarze Kinder schon im Kindergarten ausgesetzt sind und  dort meist nicht viel Unterstützung bekommen und der Sohn erst lernen mußte, damit umzugehen und solche Sätze vielleicht, als eine Schwäche derjenigen, die sie aussprechen, zu interpretieren, weil sie es nicht besser wissen.

Der 1982 geborene und seit 2011 in Berlin lebende Enrico Ippolito, Kulturchef von “Spiegel-online”, schlägt mit seinen Text “Beleidigung”  in dieselbe Kerbe und erzählt von einem, der als Kind immer “Sphaghettifresser” geannt wurde und jetzt Jahre  später mit seiner “nicht rassistischen” Freundin in einer Kneipe sitzt, ein Bier nach dem anderen trinkt und nicht weiß, ob er  paranoid oder vielleicht auch rassistisch ist, wenn er ebenfalls auf seine Wertsachen schaut, wenn beispielsweise ein Roma in seine Nähe kommt und oder einen Deutschen “Kartoffel” nennt.

Und Hengameh Yaghoobifarah, eine nach eigenen Worten “dicke, queer, Kanakperson, erlebt die Diskriminierung von allen drei Seiten und muß immer wieder erlebn, von “deutschen Annikas” ohne Erlaubnis fotografiert zu werden.

Die Kulturwissenschaftlerin Mighu Sanyal beginnt in ihren Text wieder mit der berühmten “No go- Frage” “Wo kommst du eigentlich her” und setzt sich danach mit der Entstehung des “Heimatbegriffes” auseinander, was der 1987 in Berlin geborene Max  Czollek, der mit seinem “Desintegriert euch” bekanntgeworden ist, aufgreift und in zwölf Bausteinen zur “Gegenwartsbewältigung” weiter fortführt, während Olga Grjasnowa von der ich schon zwei Bücher gelesen habe, in ihren Text sich mit den “Privilegien” beschäftigt, die die verschienen Zuwandererungsgruppen haben und meint, daß sie seit 2015 nicht mehr so oft gefragt würde, wann sie wieder nach Hause gehe, weil sich das Interesse auf die Migratengruppen verlegthat, “die als ungebildet und als religiöse Eiferer gelten, Frauen schlecht behandelt und teure Handies haben.”

Die 1974 geborene Vina Yan, die zu der zweiten Generation in Österreich lebenden koreanischen Einwanderer gehört, habe ich schon einmal im Literaturhaus gehört, sie beschäftigt sich in ihrem Text mit dem “Essen”, während sich die in Polen geborene Margarete Stankowski mit der “Bildung” beschäftigt und in ihrem Text herausarbeitet, wie wichtig die Muttersprache für die zugewanderten Kinder ist, daß diese sich dafür aber oft genieren und sie in der Schulde auch nicht so gefördert und als besondere Qualifikation angesehen wird.

Die 1981 in Bremen geborene Sprach- Islam, Genderforscherin und Rapperin Reyan Sahin setzt sich wieder sehr provokant und offen mit der selbstbestimmten weiblichen Lust einer womögich türkischen kurdischen oder arabischen Frau auseinander, die in einer Gesellschaft, wie dieser unterdrückt oder mißverstanden wird.

Am Schluß gibt es eine Zusammenfassung, beziehungsweise einen Aufruf zur Solidarität und des sich miteinander Verbinden, um gegen Gewalt und Alltagsdiskriminierung aufzutreten,  der 1982 in Hanau geborenen Theatermacherin und Aktivistin Simone Dede Ayivi, was mich an die Anfangsdiskussion mit dem Uli zurückführt, denn unser politischer Streit hat ja  angefangen, als ich das Buch von Sasha Batiany gelesen und gemeint habe, daß es nicht so wichtig ist zu fragen, wie ich mich in der Vergangenheit verhalten hätte, sondern wichtiger in die Zukunft zu schauen, um aufzupassen, daß das niemals wieder passiert und ich denke, daß ein Buch wie dieses, so provokant und widersprüchlich es vielleicht auch ist und ich habe damit, daß ich jetzt nicht mehr fragen soll, wer der andere, mir gegenüber jetz ist, auch meine Schwierigkeiten, -dazu helfen kann, die anderen, die jungen aufmüpfigen Migranten und Migrantinnen der zweiten und dritten Generation besser und damit auch die gesellschaftliche Lage, in der wir leben, zu verstehen und kann das Buch allen und natürlich auch dem Uli sehr empfehlen, dem es aber wahrscheinlich zu provokant ist, deshalb noch ein Hinweis, auf die anderen gesellschaftlich relevanten Bücher, die ich in  letzter Zeit gelesen habe, da wäre einmal Robert Misik “Herrschaft der Niedertracht”, “No more Bullshit” wendet sich vor allem gegen den Alltagsexismus.

“Das Herz verläßt keinen Ort an dem es hängt”, beschäftigt sich mit der Literatur derer, die um oder nach 2015 nach Deutschland gekommen sind und Dilek Güngür hat sich in “Ich bin Özlem” auch mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Augenblicke

Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich gar nicht lesen wollte, hat mir  doch der 1965 geborene und in Solothurn lebende Stefan Schär, vor einigen Wochen, ein Mail geschickt, wo er mir sein bei “Book on Demand” erschienenes Buch, das hunderteins überraschende Geschichten oder Aphorisen, Gedankden und Notizzen über das Leben enthält zum Lesen angeboten und wollte mir das Buch in Print oder E-Form schicken.

Seit ich blogge passiert mir das, das ich angeschrieben werde und mir Leute oder Verlage ihre Bücher anbiete. Ich frage auch selber welche an und seit ich noch nicht Buchpreis lese und daher mit Angeboten überhäuft bin, habe ich solche Anfragen immer gerne angenommen, möchte ich doch, daß die Leute auch meine Bücher lesen und habe auf diese Art und Weise auch schon wirklich sehr viel außergewöhnliches gelesen, was sonst wahrscheinlich an mich vorbei gegangen wäre.

Aber seit ich bei den Vorschauen nicht wirklich nein sagen kann, häufen sich bei mir im Badezimmer die Bücherberge und auch ich muß auswählen, obwohl ich das ja auch bei mir nicht will, daß die Blogger “Leider, leider!”, meine Bücher ablehnen, weil “Selbstgemachtes, nein , das wollen wir doch nicht!”, so habe ich auch Herrn Schär freundlich abgeschrieben und dann bemerkt, daß er mir das PDF der “101 Augenblicke”  schon mitgeschickt hat und, daß ich es dann liegenlasse, nein das kann und wollte ich nicht und so habe ich mir jetzt zwischen den Debuts, den Mühsam- Originaltexten und auch den Thrillern und den dicken Wälzern, die ich noch in meinem Badezimmer habe, jetzt eine vergnügliche Stunde gegönnt und bin durch die hundert Geschichten von denen die kürzeste nur aus dem Wörtchen “Hmmh”, besteht, gegangen und habe  eine sehr liebevoll zusammengestellte Sammlung gelesen, die Stefan Schär, wie er mir schrieb, auch sehr bewußt und genau zusammenstellte.

Denn da gibt es sehr Ungewöhnliches, wie die Geschichten vom lieben Gott, der sich über die Dummheit der Menschen wundert, aber auch seine Schwächen hat, bis zu den ganz banalen, wo die Kindern ihren Eltern geduldig den neuesten Kleider- und Musikgeschmack erklären und die sich dann erinnerten, daß sie das bei ihren Eltern auch einmal taten.

Es gibt die Geschichte von einem, der nach seinem Tod nach zwölf bei seiner Witwe läutet und die, wo sich einer an das Kämmen der verlorenen Haare seiner verstorbenen Frau erinnert und die, wo es um das Schreiben geht, da will einer über den “Herrn Keuner”, wie es ja auch Brecht und noch einige andere getan haben, schreiben und es dann doch nicht tut oder der, der bei seinem Roman über den zweiten Satz nicht hinauskommt und tut er es dann doch, stellt er seine Sätze genau und liebevoll zusammen, kommt dann die Lektorin und dreht ihm alles um und läßt ihn beschämt zurück.

Sehr eindrucksvoll und interessant die Geschichten des Stefan Schär, die man bei ihm bestellen, aber auch auf seiner Website und bei Instagram finden kann, da er dort täglich eine davon hineinstellt, so daß man nichts versäumt und nichts verloren geht und das Cover ist auch schön bunt und zeigt eine fröhliche Menschenschar, die Hand in Hand durch das Leben wandert und die Augenblicke sichtlich genießt.

Das Leben ist eins der Härtesten

Jetzt kommt wieder ein Debut und zwar von einer sehr jungen Frau, der 1991, geborenen Giula Becker, die für “Das Leben ist eines der Härtsten”, bei “Rowohlt”, erschienen, schon einen Debutpreis bekommen hat und mir ging es recht ambivalent mit dem Buch, das in seiner Absurdität und Skurillität, am Klappentext steht wieder etwas von “grandios-komisch” an Nele Pollatscheks Debut erinnert hat und am Anfang, im ersten Teil war ich baff, denn ich dachte, das ist ja ungefähr das, was ich in meinem nächsten Romanprojekt beschreiben will und habe mich gefreut, daß  die jungen Autorinnen alle sehr realistische Romane zu schreiben scheinen.

Denn da gibt es vier Personen, Silke, Renate, Willy-Martin und Frau Goebel und die werden im zweiten Teil für drei Tage in ein “Tropical Island” eine Art Wellnessparadies in der Ex-DDR, wenn ich es richtig verstanden habe, aber da hat mir das Buch schon nicht mehr so gefallen.

Der erste Teil ist aber wirklich sehr eindrucksvoll geschildert, daß ich wieder dachte “Wui, wie kann die das schon mit achtundzwanzig Jahren?” und um es kurz zusammenzufassen. Es passiert wieder einmal viel zu viel und die Tragik wird wahrscheinlich sehr geschickt, um den Lesergeschmack zu treffen, mit der Komik aufgewogen oder überbordet, so daß ich das Buch eigentlich als sehr traurig empfunden habe und dazu passt auch der Titel und der Schlußsatz den Silkes Oma immer sagte:

“Das Leben ist eines der Härtesten, wenn die Depressionen im Winter wieder schlimmer wurden und ihr nichts anderes mehr übrigblieb, als über die ganze Sache zu lachen.”

Da denke ich auch, wie kommt eine Achtundzwanzigjährige zu diesen Sätzen? Hat sie sie erlebt oder nachempfunden und um, mit dem Anfang zu beginnen oder wieder ordentlich zu spoilern, Silke hat einmal im Leben, als sie ihren damaligen Mann Unterlagen zu einer Konferenz bringen sollte, die Notbremse gezogen und das hat ihr ganzes Leben zersötrt. Sie sitzt jetzt, wahrscheinlich Jahre später, auf einem Berg von Schulden oder eigentlich arbeitet sie in einer Bahnhofsmission, denn sie hat auch und das fand ich sehr interessant und sehr schön ausgearbeitet, ein Helfersyndrom.

Diese Bahnhofsmission wird köstlich geschildert. Denn der Leiter ist ein Herr Marquart und der will ein hippes Szenelokal aus der Sozialeinrichtung machen, so daß es eine teure Kaffeemaschine gibt und die Obdachlosen hinausgegreult werden.

Silke spielt da nicht mit, sondern geht mit Zippo, das ist einer der Obdachlosen, der Krebs hat, zum Arzt und will, da die Sozialsysteme offenbar für die Behandlung nicht aufkommen, was zum Glück, glaube ich, noch nicht so realistisch ist, dafür Geld sammeln.

Sie hat aber auch eine Freundin namens Renate, die ihr damals in ihrer Krise geholfen hat, die ist eine sehr skurrile Person, deren Hund gestorben ist. So daß sie sich aus der Depression, in der sie sich seither befindet, nur durch massive Impulskäufe retten kann und Willy-Martin ist ein Taubenpfleger mit Hundephobie, der beim Online spielen, eine Kerstin kennengelernt hat. Die zieht über Nacht mit ihrem Hund bei ihm ein und vergreult ihn aus seiner Wohnung, so daß  beide bei Silke landen, die gerade von ihrem Ex-Mann, der wieder zu ihr will, besucht wurde und sich außerdem, um die neunzigjährige Frau Goebel kümmert, die nur noch den Wunsch hat, in dieses Tropical Ressort zu kommen.

So fahren die vier mit Willy-Martins Taubenlaster dorthin und dort passieren skurrile Sachen. Renate flippt völlig aus, wird aus dem Paradies hinausgeworfen, ißt Unmengen an Sachen und zerstreitet sich  mit ihren Freunden und im Teil drei, der bezeichneterweise “Das Finale”, heißt, wird versucht das Ganze wieder zusammenzuhalten und zu einen guten oder auch skurillen Ende zu bringen.

Silke wammelt das Geld für Zippos OP, der aber verschwunden ist, verkauft dafür ihre wenigen Sachen auf einem Flohmarkt. Willy-Martin dem es gelungen ist, Kerstin hinauszuschmeißen und seine Wohnung vom Hundekot zu säubern, hilft ihr dabei. Entdeckt dabei Renate, die dabei ist, ihre Impulsvekäufe wieder zu verkaufen und Willi-Martin bringt Silke auch auf die Idee es mit einem Spendenlauf zu versuchen.

Der endet natürlich auch kurill mit nur vierzig Euro Einnahmen. Frau Goebel stirbt dabei , macht Silke zwar zur ihrer Erbin, hat aber auch nur etwa zweihundert Euro. Am Schluß kommt Renate aber mit einem Säckchen in dem 150 000 Euro stecken und alles alles wird gut.

Silke begleitet Zippo ins Krankenhaus und wir haben gelernt, daß das Leben eines der Härtstens ist und dabei, wie es sich vielleicht der Verlag wünschte, ein paar skurille Tränen gelacht, die bei mir aber, die ich ja alles sehr ernst nehmen, eher steckengeblieben bin und am Schluß nicht so recht weiß, was ich von diesem Debut halten soll?

Ein gutes Buch? Ein schlechtes Buch? da bin ich mir nicht so sicher. Wahrscheinlich ist das Potental von beiden enthalten. Ich hätte es gestraffter und  weniger skuriller gemacht, aber dann wäre es wahrscheinlich kein so großer Erfolg geworden und die  die Tränen wären einen beim Lachen auch nicht gekommen oder stecken bleiben.

 

Sechs Tage im April

Nach Robert Misiks Streitschrift zur Lage der Nation nach einem guten Jahr schwarz blau neu, geht es jetzt  hundert Jahre zurück, denn ich interessiere mich ja  sehr für die politische Situation bis oder ab dem ersten Weltkrieg und da hat mir der “Verbrecher-Verlag”, den ich ja vorigen Herbst durch das Debutpreislesen besonders kennenlernte, ein besonderes Buch geschickt, was mich etwas erstaunte, bringt er offenbar nicht nur zeitgenößische Literatur und da auch einige Debuts heraus.

Er beschäftigt sich auch mit Erich Mühsam und da hat der 1967 geborene  Markus Liske gemeinsam mit Manja Präkel deren 2017 Debut ich ja vor kurzem gelesen habe, schon einige Bände mit seinen Originalzitaten aus Briefen und Tagebüchern herausgegeben.

Wir haben den April 2019 und da gab es vor hundert Jahren “Sechs Tage bayrische Räterepublik”, das heißt, die hat schon im November angefangen, jedenfalls hat Volker Weidermann schon 2017 das Buch “Träumer” darüber geschrieben und jetzt geht es, fast pünktlich zu Ostern,  hundert Jahre zurück, wo Erich Mühsam an  der Spitze der Räterepublik tätig war, bis er verhaftet wurde und Markus Liske hat wieder Originalzitate verwendet, sich aber, was höchst löblich und wahrscheinlich auch sehr wichtig ist,  nicht nur auf die Titel gebenden, sechs Tage im April bezogen, sondern geht eigentlich durch das ganze Mühsam Leben, um auch das Vor- und Nachher zu verstehen und das,  die Originalzitate in kurzen oder längeren Ausschnitten zu lesen, ist zwar etwas mühsam, aber sicher auch sehr interessant, denn ich bin ja  keine  Mühsam Expertin, habe aber gesehen, daß ich zwei Bücher von ihm habe, eines, “Der Bürgergarten” habe ich mir 1983, also noch in DDR-Zeiten in Budapest gekauft, als ich mit dem Alfred das erste Mal in meinem Leben dort war.

Es war nicht ganz leicht in das Buch hineinzukommen, obwohl Markus Liske immer schön zusammenfaßt, es auch ein Vorwort gibt und unter die Textausschnitte auch immer genau angibt, woraus er zitiert, so habe ich mir “Wikipedia” zu Hilfe genommen und werde  daraus zitieren, daß Erich Mühsam, der von den Nazis 1934 im KZ Oranienburg ermordet wurde,  1878 in Berlin als Sohn eines Apothekers geboren wurde.

Er hat dort das Gymnasium besucht, ist aber  wegen “sozialdemokratischer Umtriebe” vertrieben, was für den weiteren  Lebenslauf des Anarchisten, Publizisten und Antimilitaristen sehr bezeichnet ist.

Er hat sich dann  als Apothekergehilfe ausbilden lassen, bevor er einige Jahre durch die Welt zog und sich 1909 in München Schwabing niedergelassen, wo es in dem Buch schon einige Texte gibt, so etwa die, wo er das Wesen der “Bohemiens” beschreibt.

Er hat in München  den “sozialistischen Bund” gegründet und ist mit Gustav Landauer, der ja ebenfalls führend an der Räterepublik beteiligt war, in Berührung gekommen. 1911 hat er  “Kain – Zeitschrift für Menschlichkeit” herausgegeben, aus der es in dem Buch immer wieder Texte gibt.

So etwa einer über die “Polizei”, denn Erich Mühsam wurde 2010 verhaftet und freigesprochen, dann gibt es einige Artikel über den “Sozialismus” und das “Wahlrecht”.

Dann kommt der erste Weltkrieg, wo Mühsam 1915 seine Frau Zenzl heiratete,  seine Zeitschrift einstellte, die  er nach 1918 wieder aufleben ließ, so daß es in dem ersten Kapitel, das die Ereignisse bis zur Räterepublik erklärt  auch Tagebucheintragungen und Gedichte gibt.

Der zweite größere Teil “Alle Macht den Räten” beginnt mit dem berühmten Gedicht “Fanal”, dann geht es zunächst in das Jahr 1920, wo Mühsam noch im Gefängnis sitzt, die Ereignisse vom April 1919 aufschreibt und  einen Brief an Lenin hinausschmuggelt, in dem er das falsch Dargestellte Ereignisse korrigiert, was aber nicht gelungen ist, da Lenin starb und sich die SU vom sozialistischen Musterstaat, an den Mühsam lange glaubte, ja in eine Diktatur verwandelte.

Dann geht es in den November 1918 zurück, wo die Revolution mit einer Demonstration, organisiert von Kurt Eisner und Erhard Auer, auf der berühmten  Münchner Theresienwiese begann und die Republik ausgerufen wurde, wie auch von Volker Weidermann in seinem Buch beschrieben wurde.

In den “Kain-Flugblätter” erscheinen  ab November, während Eisler an der Spitze der neuen Regierung steht, berührende Aufrufe an die “Soldaten! Arbeiter! Volksgenossen!” zum Thema “Krieg – Revolution – Friede”.

Im Dezember 1918 versuchte Mühsam fast alle bürgerlichen Zeitungen Münchens zu besetzen, was aber durch das Erscheinen von “Ministerpräsidenten Eisner” mißlang, wie er in dem Artikel “Mein Putsch gegen die Münchner Zeitungen” beschrieb, wo interessant, auch schon die Worte “Lügenfreiheit der Presse” vorkommen, die derzeit ja so gern von den patriotischen You Tubern benutzt werden.

Es kam zur Streichung des Weihnachtsgeldes der Kieler Matrosen, die ja die Novemberrevolution ausgelöst habn, was Mühsam zum Artikel “Gegenrevolution”, in seiner “Zeitschrift für Menschlichkeit” veranlaßte.

Und da er für “Alle Macht den  Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräten!”, ist, schreibt er einen “Boykottaufruf” für die Wahlen, die in der Räterepublik kommen sollen und hat seine Schwierigkeiten mit Kurt Eisner, der ihn verhaften lassen wollte.

Im Februar gab es dann den Putschversuch, bei dem Kurt Eisner ermordet wurde, was von Mühsam in einem Essay  sehr bedauert wurde und die Revolution wieder belebt wurde, da es wie Mühsam schrieb, “Das Proletariat erweckt wurde und es zum Generalstreik kam”.

Bei dem Anschlag sollten auch Landauer und Mühsam ermordet werden, die sich  aber nicht in München befanden, so daß Mühsam nach dem Anschlag, gemeinsam mit Ernst Toller und Gustav Landauer vom siebenten bis dreizehnten April  an die Spitze der Räterepublik gesetzt, während in Unbarn die Räterepublik unter Bela Kun schon im März ausgerufen wurde, was Mühsam sehr begrüßte und in einigen Essays euphorisch beschrieb.

Am Palmsonntag, den 13. April wurde Mühsam  verhaftet und ins Zuchthaus Ebrach gebracht, wo er in Hungerstreik tritt und die Ereignisse zu beschreiben beginnt. Die Räterepublik hat noch einige Wochen weiter bestanden. Mühsam wurde zu fünfzehn Jahren Festungshaft verurteilt und 1924 amenstiert.

Der dritte Teil  “Testament der Freiheit” beginnt mit dem Gedicht “Gefängnis”, wo Mühsam seine Hafterfahrungen beschreibt und es dann zu einer Beschreibung der Gerichtsverhandlung Juni kommt.

1930 setzt er sich in einem Text mit der “Kunst und dem Proletariat” auseinander und beginnt, wie Markus Liske schreibt, sich für die “Rote Hilfe” einzusetzen und Gedenkartikel über Gustav Landauer, Eugen Levine und sogar Kurt Eisner zu schreiben und setzt sich mit Sowet-Russland auseinander.

1933 kommt Hitler an die Macht und Mühsam wird am achtundzwanzigsten Februar von der SS verhaftet und in verschiedenen Gefängnissen und Lagern Folterungen und Verstümmelungen ausgesetzt, bis er im Juli 1934 stirbt.

Seine Frau Zenzl, die in die SU geflüchtet ist, kommt dort jahrelang in Lager und kann erst in den sechzigerjahren in die DDR ausreisen und ich habe ein  spannendes Buch mit spannenden Originaldokumenten gelesen, das weit mehr, als die im Titel erwähnten, sechs Tage beschreibt, was nicht immer  einfach war, viel Aufmerksamkeit und Konzentration verlangte, aber wahrscheinlich ein authentischeres Bild der Ereignisse gibt, als wenn man einem Roman darüber liest.

Mich hat das Buch an den Revolutionsworkshop erinnert, den ich ja derzeit meines Unfalls wegen nicht besuche und auch daran, daß ich ja noch einen Krimi über die Rebubliksgründung in Österreich im November 1918 auf meinem Stapel liegen habe.

Mein Geschichtsbild hat sich wieder etwas verschärft und besonders spannend finde ich es auch, die Ereignisse vor hundert Jahren mit der heutigen Zeit zu vergleichen, was mir manchmal so aktuell erschien, daß mir fast das  Gruseln kam.

Herrschaft der Niedertracht

Jetzt kommt wieder was Politisches, bin ich ja auch, wenn das der liebe Uli nicht so gerne haben will, sehr gesellschaftlich engagiert, war das schon immer oder als Tochter eines sozialistischen Parteifunktiönärs, die in einem der typischen alten Gemeindebauten aufgewachsen ist, eigentlich schon sehr lang, obwohl das erste Mal, als ich wählen durfte, habe ich das aus Prostest gegen meinen Vater mit der ÖVP getan, ja mit neunzehn oder über zwanzig, ist man noch jung und dumm und dann war ich auch kurz SPÖ-Mitglied, weil ich da genauso kurz bei den “Kinderfreunden” gearbeitet habe und da mußte man das, wenn man angemeldet werden wollte, sein.

Danach bin ich wieder ausgetreten,  habe begonnen beim “Volkssstimmefest” beim “Linken Wort” zu lesen und berichte auch hier, obwohl das ja vorwiegend ein literarischer Blog ist, gelegentlich über gesellschaftspolitisch Relevantes und gebe hier auch meine politischen Glossen ab.

Literarisch schreibe ich auch sehr politisch, so habe ich in der “Vier Tagebuch-Frau” die ersten hundert Tage von schwarz blau,  im Jahr 2000 beschrieben, im “Bibliotheksgespenst”, liest meine Heldin dann das Buch in der Hauptbibliothek, während draußen schon für schwarz- blau gerüstet wird und das habe ich dann auch in der “Unsichtbaren Frau” beschrieben.

So lese ich neben dem Literarischen auch immer gerne was Politisches, mein Lesegeschmack ist ja ohnehin sehr breit und immer über den Tellerrand hinausgehend und da ist ja auch in der letzten Zeit sehr viel erschienen, von wo mir wahrscheinlich nur ein Bruchteil zu lesen gelingen wird.

Aber kaum war ich aus dem Spital wieder draußen und habe “Morgenjournal” oder “Leporello” gehört, wurde dort RobertMisiks neues Buch besprochen und die Videos des 1966 geborenen Journalisten sind mir auch schon lang bekannt.

Gelesen habe ich, glaube ich, noch nicht sehr viel von ihm, wohl aber damals im Ulm als dort “Thalia” abverkaufte, dem Alfred eines seiner Bücher um einen Euro gekauft und im Herbst war ich auch im “Kreisky-Forum” bei einer Veranstaltung, die sich “Die rohe  Bürgerlichkeit” nannte, die von ihm moderiert wurde und dieser Ausdruck wird auch in dem eher dünnen schwarz gecoverten Büchlein gebraucht.

“Herrschaft der Niedertracht” oder auch die “Sprache der Gewalt”, sind Themen, die mich sehr interessieren, denn ich habe mich ja auch für den “Van der Bellen- Hofer- Wahlkampf” sehr interessiert und da angefangen, die diesbezüglichen Facebookseiten zu lesen und bin da auf die ersten Haßkommentare meines Lebens gekommen.

Später kamen die dann  auch der Uli zu mir und ich habe angefangen, mich auch dafür zu interessieren, um herauszufinden, was jetzt ein “Troll” und was ein “Glaubenskrieger” ist?

Ich lese den Blog des Ulis, seit es ihm gibt und kommentiere ihm auch regelmäßig, weil, ich glaube, daß es sehr wichtig, ist, daß man das, was die Rechten posten, um die Welt auf ihre Seite zu ziehen nicht unwidersprochen stehen lassen darf und Robert Misik setzt sich in seinem neuen Buch, einer “Streitschrift”, wie er es nennt und die den Untertitel “Warum wir so nicht reagiert werden wollen”, gibt, auch damit auseinander oder eigentlich tut er das, wie der Untertitel schon verrät mehr mit der neuen österreichischen Regierung und versucht das nach der  Einleitung in sieben Kapitel, von denen das Erste bezeichnenterweise den Titel “Klimakatastrophe” trägt und da geht es, um nicht mißberstanden zu werden, nicht um Greta Thunberg und den Widerstand, den sie mit ihren Schulstreiks auslöst, sondern eigentlich, was mich anfangs etwas erstaunte, um Gemeinplätze, werden da doch Zitate an Zitate gereimt, die mir, der politischen Aktivistin, die bis vor kurzem zu den Donnerstagsdemonstrationen gegangen ist und das nach Ostern wieder tun will, schon bekannt erschienen.

Es geht um den Sozialabbau, den Köchinnen die gekündigt werden, weil sie nicht zwölf Stunden arbeiten wollen oder können, weil die Kindergärtnerin dann vieleicht schon nach Hause gegangen ist und die Kinder alleine vor der Kindergartentüre stehen würden. Es geht um die abgebauten NGOs und, daß das Geld zwar den Mindestsicherungsbeziehern weggenommen, dafür aber den Schönheitschirurgen zugesprochen werden soll, etcetera.

War also vielleicht ein klein wenig enttäuscht vom erstten Kapitel und habe gedacht, das weiß ich doch schon alles und habe das längst mit dem Uli durchdiskutiert, aber der glaubt mir das sowieso nicht und hält, glaube ich, die ÖVP für rechtsradikal, zumindestens wenn ich ihm ein Video schicke, wo auf Krone-TV halbwegs objektiv duskutiert wird.

Dann gehts aber gleich zu Kapitel zwei und seiner Einschätzung über Sebastian Kurz und das ist interessant, weil er ihn für eine Kunstfigur hält, heißt es doch da gleich in der Überschrift. “Der Kunstfigur Sebastian Kurz kann man nichts vorwerfen, seine Werte verraten zu haben, denn er hatte ja nie welche”.

Das habe ich so vielleicht nicht ganz so gesehen, würde Herrn Kurz für eher machthungrig halten und offenbar für genial begabt, daß er das mit so jungen Jahren so erfolgreich durchsetzen konnte. Daß man dafür seine Emotionen beherrschen muß, ist klar und einige Sager, wie die von den “Kindern, die in manchen Familien die einzigen sind, die morgens früh aufstehen müßen!”, halte ich für arg.

Denke, daß er wahrscheinlich sehr früh aufstehen wird, um zu seinen Terminen zu recht zu kommen. Das ist aber der Preis für seinen Erfolg und wenn ich keine Arbeit habe, ist es wenigstens ein Luxus, Zeit zu haben. Aber schlafen werde ich dann wahrscheinlich auch nicht gut, weil ich ja angsichts der Neiddebatten, um mich herum, schon längst Schlafstörungen haben werden.

Da sind wir dann schon beim nächsten Kapitel, wie denn der Rechtspopulistmus funktioniert?

Nur so, daß die Armen auf die, die noch ärmer sind, hinuntersehen. Die ÖVP- FPÖ war bei der letzten Wahl offenbar deshalb so erfolgreich, weil sie den Leuten, die vorm Abstieg Angst hatten, einredete, man müßte die bösen Ausländer ausweisen, damit sie einem nicht die Arbeit und die Sozialleistungen wegnehmen. Fakt war dann, daß dann schon in der ersten Woche nach der Wahl, die ersten Klientien zu mir kamen und mir von ihrer Angst erzählten, daß ihnen nun ihre Wohnung, ihr Auto und ihr Sparbuch, durch die neue Form der Mindessicherung weggenommen werden würde.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich also mit dem “Neuen Autoritarismus an der Macht” und über den wundere ich mich schon länger, wenn ich beispielsweise in der Früh “Morgenjournal” und zu Mittag beim Kochen das “Mittagsjournal” höre.

Die Angst ist ein guter Ratgeber und treibt die Wähler in den Wahlkabinen dazu, die radikalen Parteien zu wählen, auch wenn sie dann, wie sich später herausstellen wird, die ersten Verlierer sind.

Dieses Thema wird auch in den anderen Kapitel, die sich mitden “Radikalen Rechten”, beschäftigen, erläutert und am Schluß  heißt es wieder: “Warum wir nicht so regiert werden wollen!”

Das ist vielleicht eine links-sozialistische Verallgemeinerung, denn einige wollen, das, wie mir ja der Uli immer schreibt, noch immer.

Ich beispielsweise aber nicht und so ist die Frage, was man dagegen machen kann, wahrscheinlich besonders wichtig und die wäre, denke ich, sich zu währen, das Richtige wählen, damit die “Herrschaft der Niedertracht” bald überwunden wird und wir wieder zu einem menschlicheren Migteinander kommen und, ich glaube auch, daß es sehr wichtig ist, mit den anderen zu reden und das ist auch der Grund, warum ich das immer noch und sehr regelmäßig mit dem Uli tue und ihm dieses Buch auch schon empfohlen habe und das auch weiterhin tun werde!

Livia Klingl “Biedermeiern” und wahrscheinlich auch “No more Bullshit” von Sorority ist aber ebenfalls sehr zu empfehlen.

Lidschlag

Noch ein Buch der kleinen feinen “Wagenbach-Salto-Reihe” mit wieder einer mir bisher unbekannten Autorin, nämlich  der 1975 in Buenos Aires geborenen Kunstkritikerin und Kuratorin Maria Gainza, deren Debut  “Lidschlag”, gleich in  zehn Sprachen übersetzt wurde und  der Band “Lidschlag” beinhaltet elf Skizzen, würde ich sagen, die alle von einer Kunsthistorikerin namens Maria handeln, die in Buenos Aires mit prekären Jobs lebt und da beispielsweise interessierte Touristen durch Privatsammlungen führt, wie man in dem ersten Text “Dreuz Hirsch” erfahren kann.

Und Alfred Hirsch ist ein 1810 in Paris geborener und 1860 dort verstorbener Maler, mir ebenfalls bisher unbekannt und so gleite ich wieder durch ein Buch in dem es um Bilder und Museeumsbesuche geht.

Da hat ja Hanno Millesi kürzlich durch das kunsthistorische Museum geführt und durch Roberts Gabe, die er mir ins Landesklinikum St. Pölten brachte, bin ich ja vor kurzen auch durch die Kunst des Malers Velasques und seine Prinzessisnnenbilder gewandert.

Der zweite Text ist dem 1902 verstorbenen Fotografen und Maler Candido Lopez gewidmet, der im Paragayischen Krieg einen Arm verloren hat. Die schwangere Erzählerin fährt, um der Hitze der Stadt zu entgehen, in das Museum, das seine Bilder ausstellt, um dort zu erfahren, daß die immer noch restauriert werden. Eine Rahmenhandlung, um den Bruder der ersten Frau ihres Mannes, Charly, der im Urwald eine Farm bewirtschaften will, gibt es auch.

In “Ruinenromantik” geht es um den 1808 verstorbenen Maler Hubert Robert, während Maria Gainza in “Die schöne Zuflucht”, die Erinnerung an ihre Freundin Alexa, die in Angola als Journalistin arbeitet, sowie einen Roman schreibt, mit der sie als Kind mit ihrem Vater einen Tiermaler besuchte,  dem der Vater  ein Katzenbild abkaufte, mit der Biografie des  1968 in Zürich verstorbenen  japanisch-französischen Maler Tsuguharu Foujita, der sich mit einer Katze portraitierte, verknüpft.

In der nächsten Geschichte fährt sie mit Freunden ans Meer, bleibt dort im Auto sitzen, passt auf das Gepäck und die Musikanlage auf. Hört die “Doors”, dreht sich piniennadeldünne Joints und denkt an das  Bild “Stürmische See” oder  “Mer orageuse” von Gustave Courbet.

Dann kommt Maria Gainza von einer japanischen Keramikkugel, die sie im Bücherregal ihrer Freundin Amalia entdeckt zu Henri Toulouse Lautrec und erzählt auch ein bißchen von ihrer unglücklichen Kindheit und der schlechten Beziehung, die sie zu ihrer Familie hatte.

Danach begibt sie sich wegen zuckender Augenlider zum Arzt und blickt während sie im Wartezimmer sitzt auf ein Poster des lettischen Farbfeldmalers Mark Rothko und macht hier ihre kunstgeschichtlichen Verknüpfungen, bis ihr der Arzt verkündet, daß sie eine harmlose Augenentzündung hat.

Eine Geschichte hadelt vom katalanischen Maler Josep Maria Sert von der sich ihr Onkel Marion das Boudoir seines Palais einrichten ließ.

In der nächsten Geschichte soll sie, da Jurymitglied, zu einer Sitzung nach Genf fliegen, was aber durch ihre Flugangst verhindert wird, die Verknüpfung zur bildenden Kunst passiert hier durch den autodidaktischen Maler Henri Rousseau, der offenbar auch einmal eine Ballonfahrt machte.

In den letzten beiden Geschichten geht es, um den argentinischen Maler Augusto Schiavoni und den Renaissancemaler El Greco und wieder verknüpft Maria Gainza, die Biografien- mit ihrer Familiengeschichte, was beim Lesen manchmal etwas anstrengend ist, den vielen Verknüpfungen  zu folgen und zu verstehen.

Aber sicher  interessant, die persönliche Geschichte  mit den verschiedenen Künstlerbiografien zu verknüpfen und so  sehr  literarisch eine neue Art der Kunstvermittlung zu kreieren.

“Ein verführerisch kluges Debut über eine Frau, die durch Bilder und fesselnde Künstlergeschichten auf ihr Leben, ihre Familie und Freunde schaut. Höchst originell, bestechend schön, ein Buch das man genießen soll” hat der “Guardian”  geschrieben und am Buchrücken steht sogar:  “Blicke, Bilder und Geschichten: ein Buch in dem sich Kunst und Leben auf einzigartige Weise verweben – verführerisch gut erzählt von einer argentinischen Exzentrikerin.”

Das Letztere würde ich weglassen.

Ins Schwarze

Weiter geht es mit “Wagenbach” und der schönen roten “Salto-Reihe”, die mir ja immer wieder mir bis jetzt unbekannte Autoren aus anderen Ländern näherbringt.

In diesem Fall geht es um den 1978 in Avignon geborenen Vincent  Almendros, der mit “Ins Schwarze” einen, wie im Buch steht, Sommerkrimi geschrieben hat.

Das stimmt, würde ich meinen, nicht ganz, wenn man jetzt an einen ganz  konventionellen Krimi denkt, denn dem Lehrer, der mit seinem ersten Buch den “Prix Francoise Sagan” gewonnen hat, geht es mehr, um die Verdichtung, als um einen spannenden Plot.

So ist es, würde ich sagen, eine recht düstere Geschichte, die noch dazu ein Motto von JeanPaul Satre, aus den “Fliegen” hat, was hier passiert.

Ein junger Mann kommt mit seiner Freundin, die von ihm schwanger ist, namens Constance nach Jahren in seinem Heimatort, weil hier seine Cousine Lucie heiratet.

Es beginnt sehr düster in der leeren Wohnung, wo tote Fliegen auf sie wartet, obwohl die Mutter, die inzwischen mit dem Onkel, dem Bruder seines verstorbenen Vaters lebt, aufgeräumt hat.

Der Onkel kommt auf Besuch und Laurent, das ist der Held, erzählt seiner Freundin, die er seltsamerweise Claire nennt, daß die Mutter ihm nach dem Tod des Vaters vergiften wollte, so daß er bei seinen Großeltern aufgewachsen ist.

Sie werden dann von der Mutter zum Mittagessen eingeladen, sie kredenzt Zunge, die Freundin wird darauf krank und Laurent muß von Lucie, die Tierärztin ist , Medikamente für sie holen.

Inzwischen wird er von einem Luc angerufen, der seine Schwester Catherine sucht, die verschwunden ist.

Laurent drückt ihm weg und nach und nach stellt sich heraus, daß er seine Freundin Catherine ermordet hat, so daß schließlich nichts aus einem fröhlichen Hochzeitsfest wird.

Eine kurze, das Büchlein hat nur etwa über hundert Seite, düstere, aber sehr eindringliche, sprachlich dichte Geschichte, die neugierig auf den Autor macht, so daß ich wieder gespannt bin, was ich von Vincent Almendros noch lesen oder hören werde.

Zur Wildnis

Jetzt kommen “45 Kurze aus Berlin”, von Helmut Krausser, das hat nichts mit unserem Bundeskanzler zu tun, sondern sind fünfundvierzig kurze Texte, von denen die meisten zwischen 2015 und 2018 als Kolummnen im “Zitty-Magazin” erschienen sind und jetzt bei “Wagenbach” als Buch herausgebracht wurde.

Von dem 1964 geborenen Helmut Krausser habe ich schon einiges gelesen und ihn, glaube ich, auch einmal bei “Rund um die Burg” gehört.

Seine Tagebcher “Juli, August, September” habe ich gelesen, die “Weltmeisterschaft”, “die letzten schönen Tage”, habe ich einmal im Schrank gefunden und bei “Piper” ist jetzt, glaube ich, auch ein Buch von ihm erschienen, das ich aber erst bekommen muß.

Jetzt also die kurzen Kolumnentexte, die in eine Neuköllner Kneipe führen, die von einem Manni geleitet wird, der keine “Touris” mag, aber sonst ein Herz für alle Schichten und alle poltisch Inkorrekten hat und weil ihm die Behörde verbietet, Essen anzubieten, hat er eine Mikrowelle, wo man selber seine Buletten und Bockwürste hineinlegen kann.

Der Schriftsteller Krausser kommt mehrmals in der Woche dorthin, um Backgammon zu spilen, wird dabei manchmal von einen Gitarristen gestört oder erzählt dem Wirten seine Erlebnisse, die er in einem Copyshop machte, als dort auf der Straße ein Hund überfahren wurde.

“Jetzt weißt du worüber du diese Woche du deine Kolumne schreiben wirst!”, meint der Wirt nur lakonisch.

In der Kneipe geht es auch höchst politisch zu, denn 2015 begann ja die Flüchtlingswelle, da schieden sich die Geister und die Stimmen mehrten sich, die sich dadurch bedroht fühlten und keinen großen Austausch wollten. So wird dort, wie auch im Netz viel politisiert. Die politisch Korrekten wollen eine korrekte Ausdrucksweise und wehren sich dagegen, wenn jemand “Innerer Reichsparteitag” sagte. Sie wehren sich auch gegen sexistische Äußerungen und, daß der “Othello” im Theater oder Oper von einem weißen alten oder auch jüngeren Mann gespielt wird, der davor zur schwarzen Schminke greift.

Gabi und Sonja, zwei Lesben haben endlich durchgesetzt, daß sie heiraten können. Jetzt wollen sie im “Zur Wildnis” ein Fest ausrichten, aber AFD-Wähler beispielsweise nicht bewirten. Der Wirt Manni wehrt sich dagegen und so findet die Feier schließlich woanders statt und Ahmed, der Dachdeckerlehrling möchte lieber Künstler werden und fragt Helmut Krausser, wie das geht?

Der verweigert die Auskunft, denn erfolglose Künstler laufen ja  schon viel zu viele herum, was zu einen späteren Text führt, wo ihm ein Stammgast beichtet, sein Sohn hätte in einem Buchladen Lyrik mitgehen lassen.

Das wäre an sich ja ein hehres Ziel, wenn einer stiehlt, um sich bilden zu können. Da aber laut Helmut Krausser ohnehin schon jeder zweite schreibt und dann sehr gern, wie beispielsweise ich, umsonst oder um nur wenig Honorar liest, ist auch das in Zeiten, wie diesen eine harte Konkurrenz für die Dichter mit dem Brotberuf, deren Einnahmen ohnehin immer geringer werden.

Spanier stümen das Lokal und stören durch ihr lautes Reden oder Singen, die Backgammonspieler. So kommt es zu einer Bedrohung mit einer Waffe und ein George kommt auch einmal dazu und will mitspielen, zieht dann aber ohne Gewinn ab.

Und so geht es durch die fünfundvierzig kurze Texte und wir bekommen, denke ich, dadruch ein sehr aktuelles zeitkritisches Bild von dem Berlin zwischen 2015 und 2018, wo sich die Linken mit den Rechten matchen und  viel passiert, was Helmut Krausser aufgegriffen und in seinen Kolumnen und jetzt in dem Sammelband verewigt hat.

Ein spannendes, interessantes Buch, das ich auch meinen Freund Uli empfehlen könnte, denn ich denke ja, daß man nicht nur nach links und auch nicht nur nach rechts sehen soll, sondern beides objektiv vermischen, so daß man ein reales Gesamtbild von der gesellschaftlichen Situation bekommen kann, was durch dieses Buch, glaube ich, sehr gut geschieht.

Heinz und sein Herrl

Nach den vergessenen Dichterinnen geht es jetzt wieder nach Österreich, zu den Debuts und zu “Kremyr&Scheriau”, wo ich Dank Veranstaltungspause jetzt schon die zweite Frühjahrsneuerscheinunglese, nämlich Eva Woska-Nimmervolls “Heinz und sein Herrl” und die 1969 in Mödling geborene, habe ich ja schon bei den “Wilden Worten” aus ihrem damals noch unvollendeten roman lesen höre und habe, glaube ich, mit ihr auch schon am Volksstimmefest gelesen und muß sagen, es ist ein interessantes Buch, ein spannendes Debut.

Bei der Lesung habe ich den Inhalt nicht so mitbekommen und mir gedacht, “Was soll das? Ein Roman wo ein Hund die Hauptrolle spielt, so was “Lustiges”, mag ich eigentlich nicht!”

Irrtum, es ist ein sozialkritischer Roman, in der Manier, wie ich auch schreibe. Am Buchrücken steht zwar etwas von “raunzig bis romantisch, die Geschichte von Heinz und seinem schrullig-paranoiden Besitzer”.

Da bin ich wieder einma voll nicht d àccord, denn ich mag es eigentlich nicht, wenn man alles, was irgendwie abseits des Mainstrreams ist, als “schrullig komisch” bezeichnet.

Denn da ist der, glaube ich, namenloser Besitzer des Heinz, des Hundes, der lebt in einen Gemeindebau in Floridsdorf, lebt vom Arbeitsamt, hat Panickattacken oder ist ein Hypochonder, so daß ihm die Ärtzin zu der er immer geht, um sich zu erkundigen, ob er nicht vielleicht doch Krebs hat und sie das endlich erkannt hat?, zur Kriseninverention schickt.

Dort fährt er hin, geht jedoch nicht hinein, kommt nicht dazu, denn er landet mit seinem Hund, der Heinz wie sein Nachtbar heißt, auf einer Hundedemonstration, dort lernt er die Krankenschwester Irene kennen, so weit so gut.

Oder doch nicht so gut, denn als er vorher mit seinem Hund nach Hause ging, traf er den Nachbarn im Hof. Heinz, der Hund wollte hin, das Herrl rief “Hein komm her!”

Der Nachbar war beleidigt, das Herrl griff zum Besenstil,  der Nachbar stürzte und irgendwer rief aus dem Gemeindebau:”Ich habe alles gesehen!”

So weit, wieder gut, blöd nur, daß der Nachbar etwas später an einem Schlaganfall stirbt und das Herrl, der Hypochonder bildet sich nun ein, schuld daran zu sein.

Er macht sogar Anzeige auf der Polizei. Dazu nimmt er, Sigrid, seine Anwältin mit. Ansonsten ist das Herrl eher ein sozialschwacher Typ, der nicht einmal einen Computer hat, so daß er zu einem Freund oder anderen Nachbarn geht, um sich von ihm eine E-Mail- Adresse einrichten zu lassen, auf der er Irene <nachrichten schicken kann.

Dort kommt es aber zu einem Erpressungsversuch von einem Sheriff, der nun fünfhundert Euro vom  Herrl haben will, sonst würde er der Polizei alles erzählen.

Aber keine Angst, alles geht gut aus und, ich habe, würde ich sagen, endlich einmal einen Roman gelesen, der, wie ich es mir wünsche, nicht so abgehoben ist, sondern von seinen feinen kleinen Andeutungen lebt und trotzdem oder gerade deshalb, sehr unterhält.

Dem Buch war ein “K&S” Programmheftchen beigelegt. Die Literaturschiene dieses eigentlich sehr großen “Indie-Verlages” gibt es ja schon seit 2015 und seither sind, wie darauf steht, 6099 Seiten, 29 Bücher, 21 Autorinnen und 17 Debuts erschienen.”

“Wui ganz schön beachtlich!”, könnte man sagen und um ein wenig anzugebendreiundzwanzig habe ich davon  gelesen. Und noch ein weiteres Detail, alle davon waren von jungen Frauen, obwohl es auch einige männliche Autoren gibt.

Vielleicht noch etwas zum Cover und zur optischen Getaltung, die bei “K&S”, meistens, nicht immer, manchmal sind die Covers auch ganz schön kitschig, sehr schön gestaltet sind.

Diesmal ist es wieder eines nach meinem Geschmackt, nämlich ein stilisierter Hund als Titelbild und ein solcher auf jeder Seite und die Seiten sind rotgefärbt, “Mach Platz!”, steht darauf, was vielleicht auch schön stimmig ist.

Der Tod des Löwen

Weiter geht es mit einer vergessenen Autorin aus dem “Hommunculus-Verlag”, nämlich mit der  1850 in Prag geborenen und 1924 in Berlin getorbenen, wie in “Wikipedia” steht deutschen Schriftstellerin Auguste Hauschner, die mit Max Brod befreundet war und 1916 einen Roman oder eine Novelle über Rudolf II  von Habsburg, den Rabbi Löw und den Berberlöwen Mehmet Ali geschrieben hat.

“Der vergessene Prag-Roman” steht ia Cover und im Gegensatz zu Gutit Alsen, hat Auguste Hauschner eine “Wikipedia-Seite”, ein Nachwort von Veronika Jicinska, die auf die Lebensdaten von Augste Hauschner eingeht gibt es auch.

Sogar ein Personeverzeichnis zu Beginn des Buches und vor allem sehr schöne Radierungen von Hugo Steiner-Prag, die mich fast mehr beeindruck haben, als wie am Buchrücken steht, die historische Geschichte “voller Mystik und schwarzer Romtantik, die im Prag des frühen siebezehnten Jahrhunderts spielt, da ich es mit der schwarzen Romantik und der Mystik nicht so sehr habe und mich die historischen Romane eigentlich nur bis zum ersten Weltkrieg interessieren.

Gut, da wurde das Buch geschrieben und ich glaube eigentlich auch, daß es, wie  Veronika Jicinska meint, mehr eine Novelle, als eine Roman ist.

Am Buchrücken steht noch geschrieben, daß Prag  der eigentliche Hauptprotagonist des Buches ist, das habe ich auch nicht so sehr empfunden, räume aber ein, hier , wenn auch verspätet, wieder etwas zum Tschechien-Schwerpunkt der Leipziger Messe gelesen zu haben und so bin ich durch das nächtliche, mystische Prag des frühen siebzehnten Jahrhunderts gehetzt.

Das wahrscheinlich in der Burg des Hradschins beginnt, denn da kann der Kaiser Rudolf von Habsburg nicht schlafen. Die Rivalität zu seinem Bruder Matthias, der in Ungarn herrscht, quält ihn

Am Buchrücken wird etwas von einem Verfolgunswahn geschrieben. Ein Komet ist es, der den Kaiser unruhig macht, so daß er sowohl seinen Kämmerer, als seinen Leibarzt ruft und dann im nächtlichen Prag im judenviertel verschwindet, um dort den berühmten Rabbi Löw aufzusuchen, der der ja den Golem erschuf, aber darum geht es in dem Buch gar nicht.

Der Kaiser will vom Rabbi in die Geheimnisse der Kabbala eingeweiht werden, verliebt sich dabei in dessen fünfzehnjhrige kranke Tochter Golde. Besucht auch den Löwen Mehmet Ali zu dem er seine seltsame, ebenso mystische Verbindung hat, besucht die Alchemisten der Stadt und den Hofstronom, läßt sich dann sein Lager neben dem Löwen aufschlagen, um am Ende zu seinem Kammerdiener und zu Dr. Mayer zu sagen “Ich hätte ihm seine Freiheit früher widergeben sollen, es war zu spät.”

Eine wahrlich geheimnisvolle mystische Geschichte aus dem alten  Prag von einer vergessenen und, wie ebenfalls in “Wikipedia” steht, auch gesellschaftskritische Dichterin, die ich allen an der Historie, an Prag und an der Mystik Interessierten sehr empfehlen kann.