Sebastian Ferien im Kanzleramt

Jetzt kommt passend zum Vortrag im Literaturmuseum ein satirischer Roman, könnte ich so schreiben, aber den habe ich ja schon auf meinen Bücherchristbaum liegen gehabt und mir vom Alfred bei der letzten Kleinverlagsmesse im Museumsquartier kaufen lassen und erst jetzt gelesen, weil ich vorher soviel Neuerscheinungen “abzuarbeiten” hatte, dabei ist Michael Ziegelwagners zweiter Roman ja auch erst im Vorjahr erschienen.

Bei dem ersten, der dann auf die Longlist von 2014 gekommen ist, war ich im Literaturhaus bei der Präsentation und da sagte mir der Name des 1983 in St. Pölten geborene, der Redakteur des Frankfurter Satiremagazins “Titanic” gearbeitet hat, noch nichts und nun ein Roman über die österreichische Regierungsbildung und den Aufstieg des Sebastian Kurz zum Bundeskanzlers.

Das kann ja, da es in meiner “Unsichtbaren Frau” auch darum geht und dort auch ein “Minister Basti” vorkommt, nur spannend sein und ein “must to read” und ist es ja auch spannend zu sehen, wie die anderen, solche Themen verarbeiten.

“Das Schuljahr beginnt! Sebastian ist neu in der Klasse, startet aber gleich voll durch. Mit seinen zwei besten Freunden will er viel verändern. Alte Schustrukturen hinter sich lassen und das Lehrpersonal in eine erfolgreiche Zukunft führen. Michael <ziegelwagner verbindet Enid Blyton mit österreichischer Innenpolitik. Aber: Droht am Ende doch Zoff mit den Lehrern?”, steht am Buchrücken und darunter ist noch angeführt, daß die Illustrationen von Leo Riegel stammen und die sieht man gleich am Cover.

Ein lächelnder Sebasti mit roten Wangen und den großen Ohren, die beiden anderen abgebildeten Personen könnten Elisabeth Köstinger und Reinhold Mitterlehner ähnlich sehen.

Da ich mit den Namen, wie Karoline Edelstaberl als Hilfslehrerin und  Direktor Albux Vandebore meine Schwierigkeiten hatte, das sind die, die ich noch eindeutig zuordnen konnte, frage ich mich, wie es den deutschen Lesern geht, die sich mit der österreichischen Bundesregierung vielleicht  nicht so auskennen?

Die Geschichte ist aber sehr einfach erzählt und hat mit der Bildung der österreichischen Bundesregierung vielleicht gar nicht so viel zu tun, wie das Cover mit dem Ballhausplatzbild suggerieren könnten. Genau genommen ist auch der Titel falsch, denn der Sebastian der da mit seinem Trolley zum Schloß Ballhausplatz mit der U-Bahn gefahren kommt, um dort in die Oberprima einzutreten, macht ja keine Ferien, sondern wird als Schüler ins Nobelinternat aufgenommen, wie ihm der hilfreiche Hausmeister, der sich um den Schlotternden und Zitternden annimmt, gleich freundlich erklärt. Dann kommt er in die Klasse, wo Professor Koffner von ihm gleich was über die Logarithmen hören will und der Junge stottert oder redet sich herum: “Ein wichtiges Thema, Logarithmieren, danke für diese Frage. Wenn Sie mir kurz erlauben, Herr Professor, ein bisschen auszuholen.. ein Satz nur zur Klarstellung, denn da werden….”

Mit diesem Talent muß man Klassensprecher werden und der junge antiautoritäre Musikprofessor Dr. Samstag, der vielleicht an Wolfgang Schüssel erinnern soll, der kurz die Klasse von Professor  Koffner übernimmt, hilft ihm dazu und springt danach singend aus dem Fenster.

Dann steht “Ende” auf der Seite Mitten im Buch und danach geht es mit einem Sebastian, der traurig am Weihnachtsabend vor dem leeren Keksteller sitzt, weil seine Eltern kein Geld für die U- Bahnfahrt nach Hause haben und nur einen Brief schreiben “Wir können dir dieses Jahr zu Weihnachten nichts geben. Keine Playstation zum Spielen, keine Pakete zum Auspacken, keine Schokoschirme für den Christbaum. Wir haben nichts. Wir können dich nur bitten: Glaub an dieses Österreich..!”

Das ist auch von irgendwo gestohlen und passt nicht in den zeitlichen Rahmen. Was aber nichts macht, denn es kommt gleich der Hausmeister in verwandelter Gestalt. Den habe ich nicht  zuordnen können, was auch nichts macht, weil er sich gleich in den Pfeife rauchenden Direktor Alex van der Sowieso verwandelt und den Jungen auf das Dach bringt, wo die drei Berte, die Burschenschaftler der Schule, das fliegende Klassenzimmer in veränderter Form aufführen und Phrasen werden in dem Buch natürlich auch sehr viele gedrocschen.

Ein paar Beispiel gefällig?

“Wir brauchen Ziffernoten – Genau! Die verbale Beurteilung führt nur zu Verweichlung und Indifferenz!”

“Sanktionen für Schulschwänzer” – “Flexi- Schule! Mit Ausdehnungsmöglichkeiten bis zu zwölf Stunden!” – “Kopftuchverbot”.

Das sind wir aber schon bei der Wahlversammlung unter dem Marillenbaum. Denn Sebastian soll ja auch noch Schulsprecher werden. Der Direktor hat ihm das vermittelt, denn der hat ja bei seiner Wahl versprochen, nie und niemals einen blauen Bundeskanzler anzugeloben. Also bitte, bitte, lieber Sebastian, hilf mir aus der Klemme!”

Der tut das natürlich gerne, obwohl er eigentlich niemals Schlusprecher, sondern immer nur ein ganz normaler Schüler sein wollte und am Ende sehen wir ihn bei der Anglobung oder heißen Rede am Podest vor der vollen Klasse, am Fenster steht “Geil, Geil, Geil !” geschrieben und richtig, ein  “Velociped”, als Wahlhilfe hat es natürlich auch gegeben.

Köstlich kann ich da nur schreiben, wieder was gelernt, wie man satirische Romane verfaßt und nur eines ist wirklich schade, wie die “Literaturgeflüsterin” immer schreibt, daß der “Milena- Frauenverlag” jetzt auch Männer verlegt. Das ist meine Meinung, darum komme ich nicht herum!

Herzstücke

Jetzt kommt wieder ein Buch, wie ich es liebe, ein Sachbuch über den Literaturbetrieb und die Autoren, zwar in der Theaterabteilung, der weiche ich ja meistens aus und lassen dann die Theaterstücke in den Bücherschränken liegen oder ich kaufe sie aus der Abverkaufskiste und ärgere mich dann darüber, weil ich sie wahrscheinlich nicht lesen werde.

Aber der1932 in Frankfurt geborene Karlheinz Braun war wohl ein Theatermann mit Herz und Seele und so heißt auch sein großes, über sechshundert Seiten Buch das bei “Schöffling” erschienen ist “Herzstücke” mit dem Untertitel “Leben mit Autoren und im Nachwort steht, daß der alte Herr keine Autobiografie schreiben wollte. Aber wenn er ein Buch über die Autorenschaft der letzten sechzig Jahre schreiben will, dann ist es auch ein Buch über die Geschichte Nachkriegsdeutschland und so fängt es im ersten Teil auch mit der Kindheit an.

Er ist der Sohn eines evangelischen Autohändlers, der eine Katholikin heiratete und weil man das in dem Dörfchen aus dem sie stammten, nicht tundurfte, zog die Familie nach Frankfurt und nach dem Bombenfall mit ihren Söhnen wieder in das Heimatdörfchen zurück.

1950 kam er wieder nach Frankfurt, wo Karlheinz das Goethe-Gymnasium besuchte, dann Germanistik studierte und sich schon bald in einem Studententheater engagierte, wo er Günter Grass, Bertold Brecht und Stücke des absurden Theaters aufführte. Seine Dissertation schrieb er über Max Frischs “Stiller” und trat dann, er hat inzwischen geheiratet und erwartete sein erste Kind Ende der Fünfzigerjahre bei “Suhrkamp” als Lektor in der frisch gegründeten Theaterabteilung ein.

Im dritten Teil schildert Karlheinz Braun, wie er sich erst in einem Zimmer mit einer Sekretärin in die Verlagsarbeit einarbeiten mußte, er ist viel herumgereist und hat viele Autoren, die von der Gruppe 47 kamen, wie Wolfgang Hildesheimer, Peter Handke, Martin Walser und Thomas Bernhard entdeckt, darunter nur wenige Frauen, die es in den sechziger Jahren als Theaterautorinnen noch nicht sehr gab, aber Gerlind Reinshagen und Marielusie Fleißer und er bleibt zehn Jahre bis 1969 bei “Suhrkamp”.

In dieser Zeit wurde es auch politisch, der Brecht-Boykott, der ja vor allem in Wien von Friedrich Torberg und Hans Weigel ausging, wurde überwunden, Martin Walser schrieb seine ersten Stücke, in denen er den Holocaust aufarbeitete und Peter Weiss seine “Auschwitz-Stücke”.

Es kam die Studentenrevolte und bei “Suhrkamp” kam es zum “Aufstand der Lektoren”, so daß dann Karlheinz Braun 1969 mit dem Lektor Walter Boehlich, den er in einem langen Kapitel dem ” Suhrkamp-Leiter” Siegfrid Unseld gegenüberstellt, “Suhrkamp” verließ und mit ihm den “Verlag der Autoren gründete, einer, wo die Autoren die Eigentümer sind und die Lektoren, wie Karlheinz Braun als Delegierte fungieren.

Fast alle “Suhrkamp-Autoren” bis auf Peter Weiss machen mit, trotzdem sitzt der Verlag zunächst ohne Arbeit da, da die Autoren meist keine neue Stücke hatten, da hilft Urs Widmer, auch eine ehemaliger “Suhrkamp-Lektor” aus, der die Stücke von Eugene Labiche übersetzt und die “Experimenta” ein Avantagarde-Theaterfestival gab es auch.

Da wurde ein “Boulvardstück von ***” gespielt. Das Bühnenbild zeigte ein leeres Wohnzimmer mit Honecker-Bild. Das Telefon klingelt solange, bis  einer der Zuschauer ranging. Die Stimme in der Leitung sagte “Fühlen Sie sich wie zu Hause!”

Die Bühne füllte sich langsam, wurde zertrümmert und wieder aufgeräumt. Ob sowas wirklich ohne Inzensierung funktionieren kann, bin ich mir nicht sicher.

Der Übergang zur Wiener Gruppe, H. C. Artmann und Gerhard Rühm, der dann auch Gesellschafter beim Verlag wird ist damit  da und natürlich Peter Handke, dessen Stücke ein wichtiger Bestandteil des Verlages waren, bevor er sich  von ihm  trennt.

Es gibt in München auch einen Filmverlag und Hörspielproduktionen. KHB, wie er sich nennt, macht sich in Vorträgen über das realistische Theater Gedanken, fährt zum steirischen Herbst, wo er die österreichischen Autoren Harald sommer und Helmut Eisendle kennenlernt.

Peter Rosei hat er  schon vorher im Verlag gehabt. Ansonsten arbeitet er mit Botho Strauß, Hans Magnus Enzensberger, Heiner Müller aus der DDR, Gerd Loschütz, Dario Fo und und zusammen, bevor er 1976 einen “Brief an die Autoren” schreibt, in denen er ihnen mitteilt, daß er für drei Jahre an das Schauspielhaus Frankfurt gehen wird.

1979 kehrt er zurück, hat einige Krisen zu lösen, bekommt vom Regisseur, der Friederike Roths “Klavierspiele” so betreut, daß die Leute gehen, eine Ohrfeige und holt den linken österreichischen Autor, Gustav Ernst, den er ebenfalls beim steirischen Herbst kennengelernt hat, in sein Team, dessen Theaterstücke “Tausend Rosen” und “Blutbad”, im Volkstheater aufgeführt, für ihn aber zu sexistisch waren.

Elke Heidenreich, die berühmte, die sich ja sehr für das Lesen einsetzt, die aber auch Fernsehsketches machte, war mit ihrem Ex-Mann in dem Verlag vertreten und auf einige Autorenfilmer, wie beispielsweise Wim Wenders ging er auch in einem Artikel ein.

Bei Rainer Werner Fassbinders Film  “Berlin Alexanderplatz” soll er die Rolle des Rechtanwalts Dr. Löwenhund spielen und hat Schwierigkeiten den Text zu lernen, was erst mit dem alten Trick das Textbuch unters Kopfkissen zu legen, während er mit Fassbinders Crew Kegeln geht.

Und von den internationalen Autoren werden der Chilene Antonio Skarmetea und der Brasilianer Augusto Boal erwähnt, der, glaube ich, das freie Theater gründete.

1989 ging die DDR zu Ende was KHB auch sein Kapitel schließen  und das nächste, dann bis 2004 dem Jahr seiner Pensionierung weiter gehen läßt.

Gert Jonke den ersten “Bachmannpreis-Träger” hat er schon 1969 kennengelernt. Es gibt einen langen Brief an ihn betreffs seines “Naturtheaters”, wo es einige Regieanweisungen gibt.

Dea Loher, die glaube ich, mal auf der Longlist des dBps stand, wird erwähnt und die Walser Tochter Theresa, die mit dem Schriftsteller Karl-Heinz Ott verheiratet, von dem ich einige Bücher in meinen Regalen habe, die er 2007 also nach seiner Pensionierung in Konstanz besucht und sich an ihre Stücke erinnert.

Zu den unzähligen Verlagsautoren zählt auch Thea Dorn, die einen Krimi geschrieben hat, der in meinen Regalen steht, jetzt im “Literarischen Quartett” tätig ist und sich nach Theodor Adorno benannte.

Die Fragen, was das Theater ist und was es soll, wird in zahlreichen Artikeln erwähnt und es gibt zwei Essays oder Briefe die sich mit Botho Strauß befaßen. Ein nicht abgeschickter Brief an den Autor, der auch den Verlag verlassen hat, ist mit 2006 datiert, da war KHB nicht mehr im Verlag, hat ihn seinen Nachfolgern schon früher übergeben und beschäftigt sich jetzt im  Älterwerden und dem Blick zurück.

Die “Herzstücke” stammen eigentlich von Heiner Müller, aber ein Leben mit Autoren ist natürlich auch mit zahlreichen solchen verbunden und für die eher unbedarfte Leserin, die das Theater nicht unbedingt zu ihrem macht, war die Mischung zwischen Zeit- Theatergeschichte und Autobiografie sehr interessant, obwohl ich einiges, ich gebe es zu, überblättert habe, weil mein Herz ja der Prosa gilt und ich mit einigen Namen und behandelten Themen daher nicht soviel anfangen konnte.

So habe ich auch in meiner Besprechung vieles ausgelassen und mich eher auf das mir bekannte, also beispielsweise die österreichische Autorenschaft bezogen.

Im Leben mehr Glück

“Reden und Schriften”, des 1954 in Steyr geborenen Erich Hackl, der, glaube ich, mit “Abschied von Sidonie”, das inzwischen zur Schulbuchlektüre zählt, berühmt geworden ist und seither unzählige Bücher geschrieben hat, in denen er sich mit realen Schicksalen von Holocaust oder sonstwie Verfolgte beschäftigt.

Aus dem letzten diesbezügliche Buch am Seil” habe ich ihm sowohl im Literaturhaus als auch in Göttweig lesen gehört, jetzt sind bei “Digoenes” sozusagen seine “Gemischten Schriften”, eine Ansammlung aus mehreren Jahren und Jahrzehnten erschienen, in denen man sich gut durch das Werk und die Denkweise Hackls lesen kann, der ja ein sehr kritischer Schriftsteller ist, sich nicht nur für den Holocaust als auch für die lateinamerikanische Literatur interessiert und auch sonst glaube ich ein sehr gesellschaftskritischer Autor ist, der unter anderen auch den “Wildgans-Preis” bekommen hat.

Die “Reden und Schriften” sind in vier Abteilungen gegliedert. In der ersten die “Heimatkunde”, ein derzeit ja sehr aktuelles Thema, heißt, werden in einem “Alphabet der Auslassungen” mehrerer bekannter oder auch unbekannterer Dichter, die, wie Franz Kain oder seine Tochter Eugenie zum Beispiel, das Leben Hackls geprägt haben, erwähnt.

Dann geht es in “Geschichte, die immer erst anfängt” um drei stayrische Widerstandskämpfer und dem Fußballer Rudi Strittich hat Hackl auch eine Geschichte gewidmet.

Erich Hackl ist den Spuren des im achtzehnten Jahrundert lebenden spanischen Komponisten Sebastian Duron nachgegegangen und zieht Verbindungen zum spanischen Bürgerkrieg.

Die nächsten Texte sind dann den Spaniern gewidmet, die in Mauthausen interniert waren und auch im Holocaust umgekommen, während sich der letzte Text der ersten Abteilung “Im Leben mehr Glück” einem uruguayischen Gewerkschafter widmet, der während der urugayischen Militärdiktatur mit seiner Familie Asyl in Österreich hatte und in der Praterstraße wohnte.

In der Abteilung “Andenken” gibt es viele Grabreden, die Erich Hackl bevorzugt zu halten scheint. Bei einer, bei der von Friedl Hofbauer, 2014 nach Ostern am Zentralfriedhof war ich anwesend, bei der von Eugenie Kain in Linz-Urfahr nicht, da gab es nur eine Gedenkleseung im Völkerkundemuseum, im Rahmen der Volksstimmefestlesungen.

Erich Hackl hat aber auch die Grabreden für Leopold Spira und seinen Freund, dem Spanienkämpfer Hans Landauer gehalten und eine Rede zum neunzigsten Geburtstag der  Zeitzeugin Dagmar Ostermann im Theater Hamakom, wo ich ihn ja auch aus der “Familie Salzmann” lesen hörte.

Die Laudatio an den Kramer-Preisträger Fritz Kalmar, die 2002 in Krems stattfand, wo Erich Hackl dessen Roman “Das Wunder von Büttelsburg” in Beziehung setzte, habe ich auch gehört und da hat mir der Autor, wenn ich mich nicht irre, meine beiden Kinderbücher “Lore und Lena” und “Mutter möchte zuwanzig Kinder” abgekauft.

Ob er sie gelesen hat, weiß ich nicht, er ist aber viel beschäftigt, kommen doch noch viele Reden auf bekannte oder unbekannte Schriftsteller, der nächste ist der Schweizer Autor Niklaus Meienberg, der 1993 in Zürich gestorben ist, von dem ich auch noch nie etwas gehört habe, obwohl ich mich ja vor einem halben Jahr und auch so recht intensiv mit der Schweizer Literatur beschäftigte.

In “Im Blick eimmer ein Gegenüber”, geht es um den Fotografen Dieter Masuhr, der die Krisengebiete Nicaragua, Bosnien und Palästina bereichst und auch schriftstellerisch tätig war.

Dann kommen noch zwei mir unbekannte Autoren, nämlich die Rezenson von Günther Weisenborns “Der Verfolger”, wo einer sich mit einem Holocausttäter auseinandersetzen will, das aber an mangelnder Zeugenaussagenbereitschaft nicht kann und um das Leben des 1907 in Wien Alsergrund geborenen Arztes Paul Engel, der nach Südamerika emigrieren mußte, dort unter den Namen Diego Viga zu schreiben begonnen hat, was aber, wie Erich Hackl, der sich eine Verbreitung seiner Werke im österreichischen Sprachraum wünscht,  nicht sehr bemerkt wurde.

Dann kommen Texte zu Fred Wander, Ruth Klüger, für die Hackl wieder eine Laudatio gehalten hat und Jura Soyfer, wo Hackl beklagt, daß ihn der Literaturprofessor Schmidt-Dengler nur für einen literarischen Außenseiter gehalten hat.

Dasselbe gilt auch für den mir bisher unbekannten Richard Zach, einen steirischen Dichter und Widerstandskämpfer, der von den Nazis hingerichtet worden ist.

Die nächste Abteilung heißt “Auf einen anderen Kontinent”, geht nach Südamerika und da werden mir zum größten Teil unbekannter Dichter erwähnt. Hackl erwähnt aber auch Gisela Tenenbaum, über die er das Buch “Als ob ein Engel” geschrieben hat, das ich einmal vom Otto geschenkt bekommen habe, die während der argentinischen Militärdiktatur verschwunden ist.

Er hat “Vor mehr als drei Jahrzehnten”, wie er 2011 schrieb, die Dichterwerkstätten Nicaraguas besucht, die vom damaligen Kulturminister Ernesto Cardinal gegründet wurde und der den sogenannten “Laiendichtern” Regeln wie “keine Reime, konkrete Begriffe, Eigennamen von Ortschaften, Flüßen und Leuten, sehen reichen hören, schreiben wie man spricht, keine Gemeinplätze, Sprache verdichten, keinen Superlativ und subjektive Gefühle objektive beschreiben gab”.

Regeln die eigentlich sehr logisch sind und an die man sich vielleicht auch anderswo halten sollte.

Eine “Rede auf Alfredo Bauer”, der 1924 in geboren, 2016 in Buenos Aires gestorben ist und2002 den “Kramer Preis bekommen hat, gibt es auch und in einem argientinienschen Altersheim hat er 2017, die hunderthährige Hedwig Lüftig besucht, die 1938 Österreich verlassen mußte.

Der letzte Teil des Buches ist den Dankesreden gewidmet. Hackl hat den “Kreisky”,  den “Solothurner Literaturpres”, den “Ehrenpreis für Toleranz im Denken und Handel des österrreichischen Buchhandels”, den “Adalbert Stifter” und wie schon erwähnt den “Wildgans-Preis” und wahrscheinlich auch andere, dessen Reden im Buch nicht enthalten sind, bekommen.

Er zeichnet sich, wie ich schon beim “Wildgans-Preis” merken konnte, durch durchaus kritische Reden dabei aus und das Buch ist, möchte ich zusammenfassen, durchaus spannend und interessant zu lesen, weil man sich dabei  ein gutes Bild über den kritischen Dichter, der sich vor allem für die Verfolgten und Unterdrückten einsetzt, machen kann und am Dienstag, kann ich gleich flüstern, wird es in der “Gesellschaft für Literatur” eine weitere Hackl-Rede und zwar über die Neuauflage der “Dunklen Jahre”, den seit 1948 erstmals wiederaufgelegzen Exilroman, von Friederike Manner, die 1904 in Wien geboren wurde und sich dort 1956 das Leben nahm, geben.

 

Die Gastgeberin

Die 1962 im Burgenland geborene Karin Ivancsics, die von 1986 bis 1989 Lektorin im “Wiener Frauenverlag” war, als er noch nicht “Milena” geheißen hat und noch keine Männer verlegte, kenne ich, glaube ich, aus dieser Zeit und wahrscheinlich aus der GaV, war bei einigen ihrer Lesungen in der “AS”, bei den “Wilden Worten” und in der “Gesellschaft“, habe auch einige ihrer Bücher, gelesen, die ich mir meisten aus Abverkaufskisten oder Bücherwänden gezogen habe, “Aufzeichnungen einer Blumendiebin” hat sie mir, glaube ich, geschickt und als sie jetzt aus ihrem neuen, bei der “Bibliothek der Provinz” erschienenen Roman “Die Gastgeberin”,  nochmals bei Richard Weihs gelesen hat, ich aber wegen meines Gips nicht kommen konnte oder wollte,  hat sie mir auch dieses Büchlein geschickt, so daß ich mich fast, als eine Expertin, der auch in der “Fried-Gesellschaft” engagierten Autorin, die auch für die GAV, die in “Memorian-Lesungen” organisert und die in einer Mischung zwischen realistisch und experimentell schreibt, bezeichnen könnte.

Oder auch nicht vielleicht, denn “Die Gastgeberin”, die ein schönes Cover mit  August Mackes “Portrait mit Äpfel”, ziert, hat mich etwas ratlos zurückgelassen, weil Karin Ivancsics, glaube ich,  vieles offen und der Leserin, die Deutung überläßt.

Wenn die dann noch zufällig Psychologin ist, weiß sie damit viel oder auch nur wenig anzufangen. Es ist aber eine Geschichte, die sich mit dem Leben und dem Tod beschäftigt.

Da hat sich ja erst vor kurzem Robert Seethaler im “Feld” mit den Toten beschäftigt und hat sie aus dem Gräbern sprechen lassen. Bei Karin Invacsics, ist es der Monolog einer Frau, die sich aus dem Leben zurückgezogen hat, weil sie ein Trauma, eine Psychose oder auch etwas anderes hat.

Sie kann jedenfalls nicht schlafen, obwohl sie schon die Lichtlampen, Medikamente und auch Psychotherapie ausprobiert hat und die nach außen, sie hat offenbar Malerei studiert, auch ein unauffälliges präkäres Leben führt.

Sie gibt Kurse an der Volkshochschule, am Donnerstag oder Freitag. Die restliche Zeit verbringt sie schlaflos in ihrer Wohnung. Der Kühlschrank ist leer. Sie wird aber von der Nachbarin Marie versorgt und von ihrem besten Freund Max angerufen, der sich mit ihr treffen will. Sie zieht sich aber ins Bett zurück und ist von ihren Erinnerungen, das heißt ihren Toten umgegeben, wird sie doch am Buchrücken, die “Totenflüsterin”, genannt.

So ist auch ihre Wohnung von Felix und Elsa und noch einer Reihe von toten Künstlern bevölkert, die sie nicht schlafen lassen und unruhig durch ihr Leben ziehen.

Elsa war ihre Schulfreundin, die mit fünzehn an Leukomie verstorben ist und dann gab es noch eine Julia, die ebenfalls an Krebs verstarb. An die hat die Erzählerin einen Brief geschrieben, beziehungsweise kommt er an sie zurück. Marie, die eine Portion Lasagne bringt, übergibt in ihr und die Erzählerin hat sowohl an den Pfarrer und an den lieben Gott geschrieben, um nachzufragen, wieso er die Menschen zu sich holt und nun irrt sie schlaflos in ihrer Wohnung herum und fragt sich, wo Julia bleibt und warum sie nicht, wie Elsa zu ihr kommt?

Sie hat vielleicht auch Schuldgefühle, weil sie sich zu wenig, um sie gekümmert hat.

Dann kommt es aber zu einem tröstlichen Ende, Julia erscheint und teilt mit, daß die Toten beschloßen haben, sich aus der Wohnung zu entfernen und die Erzählerin somit Max und dem Leben zurückgeben.

So habe ich mir die hundertfünfzig Seiten, die ich mehr für eine Erzählung, als für einen Roman halten würde, gedeutet.

Es könnte aber auch ganz anders sein, läßt Karin Ivancsics ihre Erzählerin ja mit ihren Lesern kommunzieren und schließt ihr Buch mit den Worten “Erschrecken Sie nicht, wenn ich bei Ihnen klopfe, machen Sie mir ruhig auf. Was aber, wenn ich Ihnen sage:  Ätsch, gar nicht wahr, habe mir alles bloß zusammengeträumt. Und was, wenn ich Sie morgen zu einem Konzert in meinen Salon einlade – Amy singt “Love is a losing game” und Prince begleitet sie auf der Gitarre -, würden Sie kommen? Den Preis für die Eintrittskarte kennen Sie, Elsa und Felix werden Sie abholen.”

Der Sänger

Jetzt kommt wieder ein biografischer Roman, nämlich einer über den 1904 in Dawideny geborenen und 1942 in einem Schweizer Internierungslager verstorbenen Sänger, Joseph Schmidt, der mit seinem “Ein Lied geht um die Welt” in den 1930 Jahren einer der berühmtesten Sänger Deutschlands war, obwohl er mit seinen etwas über einem Meter fünfzig eher kleinwüchsig war und daher für die berühmten Tenorpartien auf der Bühne  nicht wirklich geeigent.

Der 1944 in Bern geborene Schweizer Autor Lukas <hartmann, der mir bei meiner Schweizer Literaturrecherche wohl entgangen ist, hat ihn geschrieben und bei “Diogenes” herausgebracht, wo er vor kurzem erschienen ist.

Von den berühmten Tenor, der in einem Schweizer Internierungslager schmählich gestorben ist, habe ich schon früher etwas gehört und es war es auch sehr interessant sich in diese Sängerbiografie einzulesen.

Lukas Hartmann scheint sehr sorgfältig, wie er in seiner Danksagung erwähnt, dafür recherchiert zu haben. Es sind auch einige schon erschienen Biografien über den Sänger angegeben, an denen und in einigen Archiven er sich orientiert hat und ich denke, daß es wohl immer etwas schwierig ist, bei einem Roman über eine wirklich gelebt habende Person, die Fakten von der Fiktion zu unterscheiden.

Das 1942 in Frankreich beginnende Buch liest sich aber leicht und flüßig. Da ist der schon etwas schwächliche Sänge, dessen Stimme nicht mehr die beste ist, bei einer Familie untergebracht, der er ein Abschiedskonzert gibt. Am nächsten Tag oder Abend wird er mit seiner Freundin Selma und zwei anderen Flüchtlingen, die Flucht über die Schweizer Grenze versuchen.

Dort ist man aber nicht mehr so freundlich zu den jüdischen Flüchtlingen, hat Angst vor Hitler und spricht auch davon, was die Flüchtlinge den Schweizern kosten, daß das Boot voll ist oder, ob sie wirklich so bedroht und gefährdet sind?

Das klingt, als hätte Lukas Hartmann von den rechten Blogs abgeschrieben und Josef Schmidt wird auch wirklich, als er die Schweizer Grenze passieren will, mit seinem inzwischen ungültigen rumänischen Paß, er ist in der Bukowina geboren und dem deutschen oder österreichischen, wo ein “J” hineingestempelt ist, abgewiesen.

Ein Flüchtlingshelfer, der an seinem guten Anzug, das Vermögen erkennt, spricht ihn an und bietet ihn an, ihn mit seinem Auto über die Grenze und dann in einem anderen bis zum Genfer Bahnhof zu bringen, wo er nach Zürich erster Klasse weiterfährt, um von den Kontrollen Ruhe zu haben. Dort muß er sich bei der Polizei melden, wird in ein Internierungslager gebracht und wird dort, wegen seiner Prominenz aber nicht sonderbehandelt, sondern ganz genau wie allle anderen Häftlinge auch. Das heißt, er muß arbeiten und auf seinen geschwächten Gesundheitszustand wird zuerst nur wenig Rücksicht genommen.

Einer seiner Mithäftlinge ist Manes Sperber. Es ist auch ein Arzt und ein Sanitäter dabei, die ihm dann doch in das Kantonspital Zurüch bringen. Da trifft er wieder Selma, die Krankenschwester Sophie ist sehr freundlich, der Assistenzarzt, der ihn untersucht, stellt eine schwer Laryngitis fest, eine Herzschwäche scheint auch dazu zu kommen. Der Professor weigert sich aber ihn genauer zu untersuchen, spricht von Simulanz und Schmidt muß obwohl ein jüdischer Arzt sehr heftig protestiert, in das Lager zurück. Dort wird er zwar in eine Pension überstellt, wo sich die Wirtin liebevoll, um ihn kümmert. Es ist aber schon zu spät, denn Schmidt stirbt am 16. November 1942.

Dazwischen gibt es immer wieder kursiv gedruckte eingestreute Sznen, die sowohl von einem der Verantwortlichen, dem seine Hände gebunden sind, als auch von einer sich inzwischen in einem Altersheim befindnen älteren Dame handeln, die als junges Mädchen in dem Dorf, wo sich das Lager befand, wohnte, von dem internierten Sänger für den sie mit ihrer Freundin schwärmte, erfuhr und sich wünschte, daß er für sie singen oder ein Konzert in dem Dorf geben sollte.

Sehr interessant, in Zeiten, wie diesen, wo man ja wieder so viel von den Flüchlingen, der Migration, der Überbevölkerung und dem “Bevölkerungsaustausch” hört, vom Schicksal Josef Schmidts zu lesen und auch davon, daß die Schweiz vielleicht gar nicht so hilfreich zu den jüdischen Emigranten war, wie ich es immer in der Schule gehört habe.

Schwanenkuss

Ich habe ja, wie ich immer schreibe, mit den Krimis meine Schwierigkeiten, obwohl ich ganz gerne welche lese, weil das ja meistens zügig vor sich geht und sie sehr spannend sind, in letzter Zeit das Lokalkolorit und die politischen Situation mitberücksichtigen, aber, das ist mein großer Einwand, eigentlich unrealisitisch sind, wenn pro Exemplar ein bis zwei Morde passieren, da geht man am schönen Traunsee oder auch am Donaukanal spazieren und schon stolpert man über Leichen, was im richtigen Leben Gotteseidank nicht so ist, daß die Nachbarin ermordert wird, der Freund oder der Geschäftspartner….

Deshalb habe ich auch beim Schreiben solcher, meine Schwierigkeiten, weil meine Morde keine sind. Aber dann ist es ja kein Krimi und die Leser stöhnen, habe ich bisher gedacht und mich auch geärgert, wenn sich manche Krimiautoren damit brüsten, daß Mord ihr Metier ist und sie die gezückte Messer beispielsweise  auf ihrer Website haben.

Bei der 1976 in Steyr geborenen und in Linz aufgewachsenen Lisa Grüner, die jetzt bei “Gmeiner” den Kriminalroman “Schwanenkuss”, wie auch am Cover steht, herausgebracht hat, ist das anders, denn eigentlich ist es keiner, obwohl der Beschreibungstext durchaus danach klingt und auch sehr neugierig macht.

Die Krimihandlung, wenn es überhaupt eine ist, beginnt aber erst auf circa Seite dreihundert und da werden drei Schwäne tot im Traunsee bei Gmunden aufgefunden und die junge Unternehmensberaterin Carina Senner, wird verdächtigt, sie ermordet zu haben.

Die hat eine Erinnerungslücke und einen Schnitt auf ihrer Hand und ist nach Gmunden gekommen, um einen dort ansäßigen Konditor zu überzeugen, daß sie das Patent für die “Schwanenbussis”, die er erzeugt, in der Hand hat, was, wie auch am Buchrücken steht, heftige Turbulenzen in der Traun- und Schwanenstadt auslöst.

So weit, so gut und auch sehr spannend, in den vorherigen dreihundert Seiten erzählt Carina, wie sie zu Schwänen steht. Da gibt es Kindheitserinnerungen. Sie kommt dann nach Wien, studiert mit ihrem Freund Stefan, der sehr ehergeizig ist und sie eigentlich antreibt, Betriebswissenschaft. Sie wäre eher lockerer und betrinkt und betrügt ihn öfter. Aber er ist nur ihr guter Freund und so gehen wir mit Carina durch einige Romanzen und fahren mit ihr nach Frankreich, bis sie ihren Job, als Unternehmensberaterin antritt, von ihrem Chef gepisackt wird und dann ihren Traum auslebt, das Besondere, nämlich die “Schwanenbussis” zu erzeugen.

Sie läßt sich, weil sie gerne Schokolade mag und auch den “Schokomichi” kennt, das patentieren, fährt deswegen auch mit Stefan nach Gmunden, um herauszufinden, ob das Schwierigkeiten machen könnte.

Aber dann stagniert das Ganze. Carina kommt wegen ihrem Chef nicht dazu sich, um die Sache zu kümmern, findet auch keinen Chocolatier, der ihr die dazu nötigen Prototypen erzeugt, betrinkt sich mehrmals dazwischen, was zu einigen sehr skurillen und meiner Meinung nach, eher unnötigen Szenen führt, bis ihr der schon erwähnte Gmundener Konditor zuvorkommt und Spannung in die Geschichte bringt.

Carina wird durch den Mordverdacht zu den wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens gebracht, steht im Buchtext. Das passiert dann auch auf eher normale Art und Weise, daß sie sich mit dem Konditor einigt. Eher unlogisch habe ich gefunden, daß sie am Schluß bei einem ganz anderen Traummann landet und der Freund Stefan, der ihr bisher immer zur Seite stand und auch gehörig eifersüchtig war,  plötzlich unwichtig wird.

Kein wirklicher Krimi also, was mir aber eigentlich sehr angenehm ist, daß die Schwäne am Ende der Geschichte auch auf sehr natürliche Art und Weise gestorben sind und spannend ist das Buch eigentlich zu lesen und auch sehr leicht und angenehm, obwohl mich die Tolpatischigkeit der Carina, die auch noch Alpträume hat, wo symbolträchtige schwarze und weiße Schwäne vorkommen,  die mir  auch nicht sehr logisch erschienen und sich ständig und nicht erst am Traunsee verletzt und schneidet, aber trotzdem keine Borderlinerin ist, manchmal nervte und auch, daß sie soviel säuft.

Vielleicht sollte man das Buch also etwas kürzen. Daß ein Kriminalroman aber ganz ohne Tote auskommt, finde ich sehr spannend und würde ich unbedingt zur Nachahmung empfehlen, weil es so, wie ich hoffe, doch viel realistischer ist.

Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Jetzt kommt ein Krimi oder auch der dritte Roman des 1985 in Genf geborenen Joel Dicker, der mit “Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert” einen Bestseller geschrieben hat.

Das habe ich nicht gelesen und auch das Nachfolgerbuch “Die Geschichte der Baltimores” nicht, dafür hat mir “Piper” die “Stephanie Mailer” geschickt und ich muß sagen, ich habe in drei bis vier Tagen ein wahrhaft amusantes Buch gelesen, das eigentlich an vielen Stellen in seiner Vielfalt von über sechshundert Seiten, wo eigentlich mehrere Handlungstränge in zwei zeitlichen Ebenen erzählt werden, sehr platt ist, dafür aber so spannend geschrieben, daß man sich gerne darüber hinwegliest und auch ein bißchen erstaunt ist, daß es in einem Krimi so viel über den Literaturbetrieb geht und, daß eigentlich, die meisten der vielen Protagonisten einen Roman schreiben oder ihr Leben für ein Theaterstück hergeben und wenn diese Person dann noch ein Polizeichef ist, schüttelt man den Kopf und denkt “Hut ab, ich hätte mich wieder nicht getraut, so platt vor mich hinzuschreiben.

Die “Amazon-Kunden” und es gibt schon sehr viele, die das Buch gelesen habe, haben das zum Teil auch bemerkt, sich aber mit den vielen Personen, die in den Buch vorkommen, was mich ein wenig wunderte, ein wenig schwer getan, aber wenn man vorher “Coming of Karlo” gelesen hat, dann fällt einem das Lesen wahrscheinlich gar nicht schwer.

Warum geht es? Um eigentlich zwei Fälle beziehungsweise zwei Zeitebenen, denn imJahr 1994 wurden in dem öden Kleinstädtchen Orphea an der amerikanischen Ostküste, nicht am Genfer See, während dort ein Theaterfestival stattfand, vier Personen ermordet, die Familie des Bürgermeisters und dann noch eine vor ihrem Haus vor sich hinjoggende Frau.

Im Jahr 2014 will einer der Polizisten, die den Falls damals aufgeklärt haben, in Pension gehen, auf seiner Abschiedsparty tritt plötzlich die Journalistin Stephanie Mailer auf und erklärt ihm, daß er sich damals geirrt hat und es eigentlich ganz anders war.

Die verschwindet dann, wie schon der Titel sagt, und Jesse Rosenberg, das ist der Polizist, beschließt, bevor er sich in den Ruhestand verabschiedet, er ist erst fünfundvierzig und damals war es sein erster Fall, den Fall aufzuklären und kehrt nach Orphea zurück.

Dort wird dann bald die Leiche der Journalistin gefunden, ihre Wohnung wurde vorher durchwühlt und man kommt darauf, daß sie ein ungeheurees Interesse an den Fall hatte, aber eigentlich hat sie ein Buch darüber geschrieben, denn sie wollte  Schriftstellerin werden, hat vorher auch in einem renomierten New Yorker Literaturmagazun gearbeitet und dort spielt es sich wirklich irre ab.

Es gibt nämlich einen gefürchteten Kritiker, der allen erzählt, daß Kritiker keine Bücher schreiben können, hat er Wolfgang Herles oder Helmuth Karasek nicht gelesen?, könnte man da fragen.

Aber halt, er schreibt natürlich auch oder will das gerne, traut es sich aber nicht. So hat er Stephanie Mailer den Auftrag gegeben, die gerade aus der Redaktion entlassen wurde und das wird Meta Ostrowski dann auch, weil der Chefredaktuer einer ehemaligen Postsortiererin namens Alice hörig ist und sich ihretwegen hoch verschuldet hat.

Die beiden ehemaligen Aufklärer klären jetzt den Fall mit einer jungen Polizistin, namens Anna, die der jetztige Bürgermeister geholt hat, damit sie Polizeichefin werden kann, wenn der derzeitige in Pension geht, was aber natürlich nicht gelingt, weil die männglichen Polistien das nicht zulassen und der ehemalige Polizeichef, der von 1994 hat sich auch sehr seltsam benommen, hat er doch auch ein Theaterstück geschrieben, das “Die schwarze Nacht” heißt und ist  besessen das Stück weiterzuschreiben, obwohl er nichts zusammenbringt.

Jetzt lebt er in Los Angeles,  probt das Stück seit Jahren und wird von dem neuen Bürgermeister nach Orphea zurückgeholt, um das Theaterfestival zu retten, das nach dem Stephanie Mailer gefunden wird, eigentlich abgesagt werden sollte.

Jetzt passiert die Farce in der eher banalen Krimihandlung, denn der Polizeichef probt und holt sich als Darsteller sämtliche Protagonisten, die 1994 in den Fall verwickelt waren und versprich auch, während der Aufführung den Mörder zu enthüllen.

“Der Mörder ist…!”, echot also die neunzehnjährige drogensüchtige Dakota, die ihre Freundin am Gewissen hat,  auch Schriftstellerin werden wollte und deshalb Schuldgefühle hat und wird während der Vorstellung angeschoßen. Das Ermittlerteam sucht weiter nach dem Mörder, der auch der von 1994 ist, weil der Schuß aus der gleichen Waffe kam.

Am Schluß klärt sich alles auf. Vorher werden noch ein paar andere Leute erschoßen.  Steven Bergdorf erschlägt  seine Alice und vergräbt sie im Yellowstone Nationalpark, wohin er mit seiner Familie und einer stinkenden Leiche im Kofferraum fährt.

Aus Schuldgefühlen schreibt er dann einen Roman darüber, der zum Bestseller wird und ich muß sagen, trotz der  Ein- und Zweisstern-Rezensionen, die bei “Amazon” zu finden sind, mir hat es gefallen, denn ich mag ja Romane über den Literaturbetrieb und ich mag auch ganz gerne Krimis, obwohl ich die, wie ich ja immer schreibe, eigentlichnicht zusammenbringe, weil ich  keinen Leichen und keine Mörder und Ermordeten mag.

Coming of Karlo

Während ich seit meinem Sturz vor sechs Wochen vom Abgang der Rudolfshöhe dreißig Bücher, die Krankenhausgeschenke, die Frühjahrsneuerscheinungen,  die Debuts,das Politische und das das noch vom Frauentag stammte, gelesen habe, habe ich mich vom Gründonnerstag bis Ostermontagmorgen mit den sechshundertzwanzig Seiten von Lisa Kränzlers Erwachsenwerden-Roman “Coming of <Karlo”, im “Verbrecher-Verlag”, erschienen, der ja für das kleine feine oder auch dickere Poetische, steht, herumgeschlagen,  dabei öfter gestöhnt und an Arno Schmdt und die Erfahrungen gedacht, die ich mit seinem “KAFF Mare Krisium” machte.

Dabei ist es laut Buchtext ja ganz einfach, denn da wird, zwar zuerst, was ich noch immer nicht ganz verstanden habe, etwas von “toxischer Männlichkeit” geschrieben, aber dann hinzugefügt “daß der “siebzehnjähjrige Karlo herausfindet, daß sein Vater nicht sein Vater ist. Zudem plagt ihn eine Fußballverletzung, obwohl sie verheilt sein soll. Dann lernt Karlo Gwen kennen. Sie ist direkt, stark, faszinierend – er verliebt sich in sie und sie in ihn. Er ist unbeschreiblich glücklich. Doch hat sie auch was mit einem anderen? Karlo ist verzeiweifelt, Karlo ist vor Eifersucht rasend, Karlo zieht sich in den Wald zurück. Schließlich kommt es zu einer Konfrontation, die in einer Katastrophe endet..”

Klingt eigentlich ganz einfach und hat man, vor allem wenn man sich für Debuts und die Befindlichkeit junger Literaturtalente interessiert, auch schon öfter gelesen.

In diesem Fall aber, wenn die 1983 in Ravensburg geborene Autorin Lisa Kränzler, die ich durch das “Bachmannlesen” kennenlernte, die auch noch bildende Künstlerin ist, ist es das aber nicht, sondern ganz im Gegenteil.

Nach diesen Einleitungssätzen würde man sich schon einmal wundern, wieso die Autorin dafür, das das doch ganz einfach scheint, sechshundertzwanzig Seiten braucht und liest man dann noch weiter, daß Lisa Kränzler bei einem Interwiev erzählt, daß es es als “Die Summe ihrer Existenz und alles was sie ist, betrachtet.”

“Rund sechs Jahre habe sie daran gearbeitet, ihr Leben investiert, Schreibblockaden ausgehalten und teilweise den “Zustand vollkommenen Wahnsinns” erreicht.”

Das habe ich erst später gelesen, zuerst nach der Buchbeschreibung und der Frage, wozu dafür sechshundert Seiten, das Buch aufgemacht und gemerkt, das wird jetzt schwer, denn diese Coming of Age Geschichte ist sehr sachlich und daher auch sehr unverständlich geschrieben.

We ein Sachbuch ist sie aufgezogen mit  “1, 2, 2.1 bis zu 76” auf Seite sechshundertneun mit Fußnoten, Erklärungen und auch experimentellen Telen, wo es schwarze Seiten, Groß und Kleinbuchstaben und Wörter, die mit Buchstaben gemischt sind und so ist mir das Lesen gar nicht so leicht gefallen und ich habe auch sehr lange dazu gebraucht.

Ich bin ja, wie meine Leser wissen, keine Buchabbrecherin, sondern lese mich durch alles durch und wenn ich es nicht mehr verstehe, dann überlese ich es, bis ich an das Ende komme und so oder einen Eindruck habe, über den ich dann berichten kann.

Ich ziehe aber auch gerne “Amazon” und das, was ich sonst noch an Rezensionen finden kann, zu Rate, wurde aber hier enttäuscht, denn obwohl das Buch schon am einundzwanzigsten März erschienen ist, gibt es noch keine Rezensionen bei “Amazon” was eigentlich auch nicht verwundert, denn die Durchschnittsleser und die, die etwas Spannends zur Unterhaltung wollen, tun sich wahrscheilich nicht mehr so einfach sechshundertSeiten Sprachexeperiment an, denn das kann man dann bei einer “Spiegel Online Rezension”, der einzigen, die ich bis jetzt gefunden habe, lesen:

“Krank vor Liebe. Mit “Coming of Karlo” hat Lisa Kränzler einen Roman über das Erwachsenwerden geschrieben, der Fragen nach Männlichkeit auf den Kopf stellt – und in seiner intensiven Sprachwut seinesgleichen sucht.”

Weiter unten steht noch “Nach einer Abfuhr von Gwen verschanzt er sich am See. Hier wird sein Leiden für den Leser so unerträglich, wie unlesbar. Als Karlo alle Sicherungen durchknallen, sind seine Gedanken nur noch Scherben, hinausgeschrieen in Majuskeln, Passagen, die klingen, wie ein rassant geschnittener Film, in dem grelle Stroboskopblitze und wummernde Beats in Ohren und Augen schmerzen. Auch Lisa Kränzlers Wörterrausch ist bisweilen eine Zumutung fürs Hirn, Zumutung, Qual. So wie das echte Leben eben auch.”

Ob das echte Leben oder das was, die Leserin, der Leser zur Unterhaltung, nach einem stressigen Arbeitstag zur Entspannung haben will, aus seitenlang englischen und deutschen Großbuchstaben, wo manches schwarzgeschrieben und auch durchgestrichen ist, es Pfeile und auch andere Anmerkungen oder Textpassagen wie “MEIN GEWÄSSER – FALLEN MEIN GESETZ- GALLEN  MEINE GELIEBTE- FALLEN”, besteht, wage ich, die Vielleserin , der eigentlich nichts Geschriebenes mehr fremd ist zu beweifeln.

Die werden knurren und das Buch, das auf der diesmonatlichen ORF-Bestenliste von Dagmar Kaindl von der Zeitschrift “Buchkultur” empfohlen wurde, wahrscheinlich weglegen und wenn es dann im August womögich auf der Longlist des dBps steht, werden wahrscheinlich sowohl die Blogger als auch die Buchhändler stöhnen, weil unlesbar und daher auch verkäuflich, während die Kritiker von der hohen Qualität schwärmen und Preise vorschlagen werden.

So weit so what und nicht neu und auch nicht unbekannt, der Widerspruch zwischen dem Lesen und dem Schreiben und damit man mich nicht mißversteht, ich habe bei dem Konvolut, das wie “Spiegel-Online” weiter schreibt, aus “Mythologie, Bibelbezügen, Homer und Camus-Zitaten, sowie Disneyfilmen und Kopfpornos” besteht durchaus auch Interessantes und Verständliches gefunden, obwohl ich zwischendurch auch ein bißchen gestöhnt und  überflogen habe, denn dieser Siebzehnjährige, der nach einer Fußballverletzung sein Bein nicht mehr bewegen kann, daher auf Krücken durch das Buch humpelt, aber dabei durchaus seine Mitschülerinnen durchvögelt, macht es der Leserin nicht leicht, denn die Psychologin stellt sich einen fußballspielenden Siebzehnjährigen eigenlich nicht als Camus- und Homer Leser vor.

Es wird aber auch eine Lateinstunde beschrieben, wo Mel oder Melanie, die vor Gewen an der Reihe war, wie weiland das Gretschen an der Margarite zupft “Liebt er mich oder liebt er mich nicht?”, wissen will und Gewen wird als Unterschichtkind, Tochter eines Sporttrainers beschrieben, der zwischen seiner Beratungsstunden an Proteinriegeln nascht. Als  es zwischen Karlo und Gewn zu einer Rauferei kommt, wo sie ihn nach einer Ohrfeige mit einem Kugelschreiber in die Brust sticht, werden, beide Elternteile  in die Sprechstunde zum Lateinlehrer bestellt.

Die Beiden verlieben sich unsterblich, wie weiland Romeo und Julia. Gwen ist ihrem Karlo, der vorher entdeckt hat, daß sein Vater nicht sein Vater ist, so daß es in dem Buch auch für mich eher unverständliche Frank und Ilsa Szenen, das sind die Eltern oder nicht Eltern, gibt und die Mutter Ilsa ist Alkoholierin, was ich wieder für realistscher halten würde, auch nicht treu. Sie geht mit einem Russen, der ihr dafür Drogen gibt, die sie an jüngere Schüler verdealt. Er betrügt sie auch mit einem Mädchen, das auch noch einen mißverständlichen Namen hat.

Dann kommt es aber zu dem schon erwähnten Zusammensturz. Im Buchtext steht etwas von einem “Wald in dem es zu einer Konfrontation oder Katastrophe kommt”, die beiden tummeln sich aber eher, soweit ich es und “Spiegel online” verstanden habe, in einem See, gehen darin fast unter. Karlo rettet aber Gwen, was in einem Krankenhaus und wieder in unverständliche Passagen, die, wie aus einem erste Hilfebuch klingen, endet und ich habe ein sprachlich sehr interessantes Buch gelesen, das wie schon erwähnt, womöglich zur Longlist des dBps und den entsprechenden Leser- und Buchhändlerprotesten führen wird, das ich nicht ganzverstanden habe, weil ich mir natürlich nicht, wie Lisa Kränzler zum Schreiben, sechs Jjahre, sondern nur vier Tage Zeit zum Lesen genommen habe, dafür aber auch nicht in den Wahnsinn getrieben wurde, sondern nur denke: “So ist es eben mit der Literatur! Das, was die Kritker loben, wird oft unverständlich sein und aus Worträuschen bestehen, was aber wenn es Lisa Kränzler Erkenntnis brachte, nichts macht. Die Leser können sich ja aussuchen, was sie lesen und was eher nicht und da ich ja auf alles, was geschrieben wird, neugierig bin, habe ich mich mit interesse durch das Buch gelesen, obwohl ich eine Coming of- Geschichte wahrscheinlich oder sicher anders geschrieben hätte, dafür aber auch nicht auf eine Buchpreisliste oder andere Preisnähe komme und mir am Schluß noch dar Satz eines Teilnehmers einer Schreibwerkstatt, die ich bei der Gewerkschaft ca 2000 besucht habe, einfällt, der mir sagte “Ich schreibe zu verständlich, als daß es als Literarisch gilt, was ich eigentlich, wenn ich es so recht betrachte, sehr schade finde.

Deine kalte Hände

Nun kommt der dritte Roman der 1970 geborenen koreanischen Schriftstellerin Han Kang, deren “Vegetarierin” mir ja sehr gefallen hat.

“Menschenwerk” das zweite Buch ist nicht zu mir gekommen und mit dem dritten Roman, den die Autorin, glaube ich, aber als erstes geschrieben hat, hatte ich so meine Schwierigkeiten.

Ist es doch eine Rahmenhandlung, die laut Klappentext und Beschreibung von menschlicher Einsamkeit und einem exentrischen Künstler erzählt.

In der Rahmenhandlung,  dem Prolog und dem Epilog, erzählt die Schriftstellerin H. wie sie bei einem Besuch in der Stadt Gwangju, das ist auch die, wo Han Kang geboren wurde, auf das Werk des Bildhauers Jang  Unhyong aufmerksam wurde, der vor allem Gipsabdrücke von weiblichen Körpern machte.

Zufällig geriet sie in eine Ausstellung seiner Werke, begegnete ihn dann während einer Theateraufführung und schließlich bekam sie von seiner Schwester, zu dem Zeitpunkt, wo er schon verschwunden war, sein Tagebuch zugeschickt.

Das ist dann der Roman “Deine kalte Hände” und erzählt im ersten Teil von der Jugend des Bildhauers in einer eher kalten lieblosen Umgebung.

Es gab zwei jüngere Schwester, einen strengen Vater der Hochschullehrer war und sich mit der Mutter nicht gut verstand, eine seltsame Tante, die ihm des Diebstahl eines Geldbetrages verdächtige, deshalb wurde er vom Vater solange geprügelt, bis er den Diebstahl, den er nicht begangen hatte, zugab.

Dann ist er schon Bildhauer und  begegnet die hundert Kilo schwere L. die alle wegen ihrer Unförmigkeit anstarren. Er ist aber von ihren Händen begeistert, will Gipsabdrücke machen und begegnet ihr später wieder, als sie fünfzig kilo abgenommen hat, buliminisch ist und ihm erzählt, daß sie erst durch die Vergewaltigung, des Freundes ihrer Mutter, so zugenommen hat.

Jetzt wohnt sie bei ihm, er begleitet sie durch ihre Magersucht und muß sie, als sein Vater gestorben ist, verlassen.

Drei Tage später kehrt er in sein Atelier zurück, da ist sie verschwunden, sie hat hat das Atelier zerstört und er muß es ein paar Tage lang aufräumen.

Dann kommt er durch Vermittlung eines Freundes in Kontakt mit der Innenarchitektin E., die die Handskulpturen abkaufen will.

Er beginnt  mit ihr ein Liebesverhältnis, will zuerst ihr Gesicht, dann von ihrem ganzen Körper Abdrücke machen, was in einem ziemlichen Eskaltaion endet, da E. auch von ihm Abdrücke macht und die beiden, wie in dem Buch steht, schließlich in einer gemeinsamen Selbstauflösung  verschwinden.

H. erkrankt, ob dieser Aufzeichnungen, gibt das Buch erst später der Schwester zurück, die die Werke ihres Bruders ausstellen will. Da kommt es dann zu einer Begegnung von einem Paar von dem man nur vermuten kann, daß es der Bildhauer und E. waren.

Der Ton war spannend und für mich ungewöhnlich, der Erzählstil ebenfalls. Berührend waren für mich die Stellen wo L.s Magersucht beschrieben wurden. Mit den anderen Teilen der Geschichte, vor allem mit dem Schluß, habe ich mir eher schwer getan und die “Vegetarierin” hat mir, glaube ich,  besser gefallen.

Vielleicht ist es ein Anfangswerk und Han Kang hat, die in einem kurzen Nachwort schreibt, “daß sie vor allem dankbar ist, daß sie lebe und daß es ihr vergönnt sei, als Schriftstellerin zu arbeiten”, ihren mich in der “Vegetarierin” so berührenden Stil,  später erst gefunden.

Tunnel über der Spree

Der 1944 in Wetzlar geborene Schriftsteller, Essayist und Reporter, wie in “Wikipedia” steht, feierte am dreizehnten April seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag. Zu diesem Zweck gab die “Frankfurter Verlagsanstalt” einen Sammelband mit dem Untertitel “Traumpfade der Literatur” heraus, wo es, wie man sagen könnte, auf eine Reise durch die literarische Vergangenheit des Autors geht und in sieben oder acht Abschnitte, kurze Portrait seiner Weggefährten, Erinnerungen an Begegnungen in deren Wohnungen oder auf Kongressen, aber auch skurille Geschichten, um Dichterpersölnlichkeiten oder die Aufarbeitung ihrer Themen geboten werden.

So beginnt es schon bei “Wer lacht hier, hat gelacht”, eine Reminiszenz, wie darunter steht, mit “Das schallende Gelächter von Walter Höllerer, das wiehernde Gelächerter von Hubert Fichte,  das bärbeißige Lächeln von Uwe Johnson, über Peter Weiss, zu Siegfried Unseld, dem das Buch auch gewidmet ist, und so weiter und so fort.

Jetzt weiß man schon, wer Hans Christoph Buchs Weggefährten sind, der glaube ich, auch bei der “Gruppe 47” war und im ersten richtigen Abschnitt, geht es dann hauptsächlich in die Sechzigerjahre und nach “WestOstBerlin”, denn im Zweiteren hat er Wolf Biermann vor seiner Ausbürgering öfter besucht, hörte zu, als der auf seiner Gitarre das “Stasilied” probte: “Menschlich fühl ich mich verbunden mit den armen Stasi-Hunden”, als es an der Tür läutete, ein solcher Einlaß begehrte und gemütlich “Hallo Wolf,  Ich möchte wissen, wer dieser, wie heißt er doch gleich – dieser Che Guevara, von dem neuerdings so viel jeredet wird, wer det eigentlich war?”, fragte und von Biermann dann  ein Lied über den Commatadore gesungen bekam und aufgeklärt wurde.

Günter Grass kommt in den späteren Abschnitten natürlich auch vor, über den äußert Buch sich sehr kritisch, meint, daß ihm “Ein weites Feld”, das Buch das er nach der Wende geschrieben hat, nicht gefallen hat, während man das über “Grimm” mehr Beachtung schenken sollte. Er erinnert sich an Siegfrief Unseld, besucht auch Marcel Reich-Ranicky in seiner Wohnung und schreibt über Martin Walser, den er am Bodensee besucht.

In den “Literaturgeschichten” gibt es dann eigene Texte über die Literaten und deren Werke, so eine über “Peter Schlemihils letzte Reise”, eine über “Schillers Schädel” und ebenfalls sehr berührend, wenn er in den Leib des tuberkulosekranken Franz Kafka schlüpft und ihn einen Brief an ein kleines Mädchen schreiben läßt, das seine Puppe verloren hat.

In “Bagatellen zum Massaker” beschäftigt er sich mit der berühmten Frage, ob Schriftsteller eine größere moralische Verantwortung hätten, als die “normalen  Menschen” und beantwortet sie mit Beispielen von sowetischen oder auch Nazi-Schriftsteller, die andere denunziiert und verraten haben und sich dafür schöne Villen und Häuser bauten.

In “Spiel mir das Lied vom Tod” geht es nicht nur um Paul Celan und seine berühmte Todesfuge. Hans Christoph Buch spannt hier den Bogen weiter über Goethe und Richard Wagner, bis zu dem, der sich in Ostdeutschland umbrachte, weil er seinen Betrieb wegen den Supermarktketten nicht mehr aufrechterhalten konnte.

Dann wird ein Besuch bei Günter Grass versichert, zu dem der Autor, wie schon geschrieben, ein eher distanziertes Verhältnis hatte, der ihm aber bei einem Besuch im März 2012, fragte, “ob wir eine Neuauflage von 1968 brauchen würden.”und der, wie ich gerade feststellte, am gleichen Tag, nämlich am 13. April 2015 gestorben ist, an dem Hans Christoph Buch Geburtstag hat.

Im nächsten Teil, “Blick zurück nach vorn”, geht es zunächst um einen anderen Buch-Vertrauten,  nämlich um den in der DDR geborenen Gert Loschütz, der 2018 auf der dBp-Longlist gestanden ist und von dem ich das nominierte Buch gelesen habe.

Dann wird aus dem Briefwechsel zitiert, den Hans Christoph Buch in den Sechzigerjahren mit den 1979 verstorbenen Nikolas Born führte.

Nach Kapiteln über Reinhard Lettau und den mir völlig unbekannten Gerd-Peter Eigner, geht es dann zum “Schlußwort in eigener Sache” und zu den Identitätsfragen, den berühmten: “Wer man ist, woher man kommt und wohin man geht?”, die ja keiner wirklich beantworten kann.

Hans Christoph Buch, hatte aber eine haitische Großmutter, weshalb sich sein Vater mit dem Ariernachweis schwer tat, war Reiseschriftsteller, schrieb Kriegsreportagen, wurde, wie er im letzten Text einer Rede anläßlich einer Preisverleihung schreibt, vom Literaturbetrieb nicht oder zu wenig anerkannt. War wahrscheinlich auch das, was man einen “Achtundsechziger” nennt, ein links denkender Schriftsteller, der mit den gleichgesinnten Intellektuellen seiner Zeit befreundet war und ich, die ich mich ja für jede Art des Literaturbetriebs interessiere, weil oder weil ich ja auch außerhalb stehe, habe wieder ein sehr interessantes Buch gelesen, bin eingetaucht in die Welt des literarischen Deutschlands der Neunzehnsechzigerjahre und ich liebe ja solche Bücher, habe unlängst von Hilmar Klute ein Ähnliches gelesen und Doris Kloimstein hat mit zwei Pen- Kollegen ja vor kurzem auch eines über den österreichischen Literaturbetrieb herausgegeben.