Da war ich eigentlich noch nie

Im Sommer liest man Sommerbücher, auf diese idee hat mich eigentlich “leselustfrust” vor jahren einmal gebracht, mein langer Sub hindert mich inzwischen daran, das zu tun, aber manchmal kommen die Bücher auch so auf mich zu, wie es mir mit”Der Wunderkammer des Reisens in Deutschland so” ging, denn da gibt es ja den “Verlag des kulturellen Gedächtnisses” das,wie soll ich sagen schöne bibliophile Raritäten verlegt. Mit der “Wunderkammer der deutschen Sprache” hat es angefangen und jetzt geht es um das Reisen durch Deutschland, was ja in Zeiten, wie diesen ein bißchen schwierig ist oder eigentlich auch nicht, denn es sollen ja jetzt alle reisen,womit sich das Delta Virus dann auch munter verbreitet,die Maturanten es aus Mallorca nach Österreich brachten oder wie es das Cover zeigt, eine Reise in die Vergangenheit, sieht man da ja einen alten Fotoapparat, eine Frau mit einer Reisetasche und Stöckelschuhen, einenSchifahrer und und und…

“Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an das Reisen in Deutschland denken?”, wird da im Vorwort gefragt und ich, die ich ja im Nachbarland wohne, denke da an die Reisen nach Hamburg und Hannover, als Zehnjährige, dann meine Leipzig Frühlinge, die Radreise mit der Ruth 2007 von Ybbs nach Regensburg, dann die Radreise von Ulm nach Regensburg und und und von oder nach Passau sind wir auch ein paarmal mit der Anna geradelt und die ersten Reisen habe ich mit meinen Eltern auch in ihrem altenVW-Käfer unternommen.

Also in der Badewanne oder am Balkon liegen und zumindestens geistig in dem schön illustrieren Buch durch Deutschland reisen,wo wieder einmal alle diesbezügliche Bereiche erwähnt werden und es von der Vergangenheitdurch in die Gegenwart geht. Mit dem Finger auf der Landkarte kann man das natürlich ebenfalls machen und da die diesbezüglichen Zuordnungen treffen und dann gibts auch noch das Brauchtum, also die “Waldkirchner Rauhmacht”,die “Oldenburger Kohlfahr”tbis hin zur “Leipziger Buchmesse”, die ja früher im März stattfand. Es gibt das Reisen mit der Kutsche, wie man das um 1840 machte oder die Fußreisen, die früher en vogue waren. Da gibt es dann Ratschläge, was man dazu alles mitnehmen soll? Die literarischen Museen und Gedenkstätten werden auch angeführt, wie den “James Krüss Turm” oder das “Michael Ende Museum” in Bayern. Die Zoos werden auch angeführt und da habe ich gelernt, daß es auch einen in Leipzig gibt, da war ich noch nie führe ich an. Aber vielleicht komme ich noch einmal dorthin. Und um die ganze Welt kann man ja angeblich mit der Eisenbahn fahren oder sollte das einmal können und das Buch führt eine lyrische Kritik an “Oh Eisenbahn,was bist du kommen, hast WanderersRuhe uns genommen!”

Schon 1880 hat man sich um denUmweltschutz Sorgen gemacht und dann geht es auch schon zu den Nationalparks. Souveniers sind natürlich auch ein Thema, da gibt es die Stocknägel, die man sich mit einem hübschen Bildchen auf seinen Spazierstock pinnen kann und dann sind wir auch schon bei den Hotels und was die machen, damit die Gäste nicht die Bademäntel oder das Leintuch als Souvenier mitnehmen?

Da fällt mir Heinrich Spoerls “Wenn wir alle Englein wären”, ein Buch von meiner Großmutter, ein ,wo das da auch einmal ein Thema war. Dazu passen dann die Kurorte mit ihren Kurschatten. Das hat ja Stefan Zweig, glaube ich im “Brennenden Geheimnis” ganz schön beschrieben, wo der Knabe eifersüchtig auf den Liebhaber der Frau Mama war, sie dann aber nicht verriet. Das Rotlichtmilieu muß natürlich auch erwähnt werden. Da gab es ja in Berlin in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren regelrechte Bordellführer, die die Touristen anlockten oder auch in die Irre führten und eine “Dampfschifffahrt ins Reintal” und wie das 1828 so war, wird auch beschrieben. Zum Kunstgenuß gehören außer den schon erwähnten Schriftstellerstuben, auch die Freiluftmuseen.

1862 ist Theodor Fontane durch die Mark Brandenburg gewandert und hat ein Buch darüber geschrieben, das Sagen, Ortsbeschreibungen, Geschichen, etcetera, enthält. eine über das Schloß Freienwalde, das Witwe von Friedrich Wilhelm II bewohnte, die von ihren Enkelkindern dort oft besucht wurde, ist in dem Buch auch abgedruckt und Johanna Schopenhauer hat sich 1828 über die reisenden Engländer im Rheinland die ihrer Meinung nach arrogant auftraten und “Die ganze Ordnung” störten, mokiert.

Dazu passen die Auszügeaus einem Englisch- Lehrbuch für Kellner ,1924, denen beigebracht wurde, wie man sich auf der Station im Hotel und auch beim Billardspielen unterhält. Dann kommen die Zimmermädchen an die Reihe, die 2019 beschrieben, wie sich die an den Gästen revanchieren, die Zahnbürsten benützen, mit den Handtücher das Klo reinigen, die Kleider anprobieren, etcetera.

Otto Julius Bierbaum hat 1909 das “Erste Autoreisebuch der deutschen Literatur” geschrieben und meinte “Es wird zwar, wie ich glaube, nicht mehr lange dauern und das Reisen im Automobil ist etwas gewöhnliches , vor der Hand aber gehören löngere Reisen dieser Art noch zu den Seltenheiten”

Hinweise für den Familienausflug gibt es auch, sowie eine kurze Geschichte des Verkehrsfunks, wo das Bild von einer Reihe von VW-Käfers die im Stau stehen am Beeindrucksten ist und Ludwig Ganghofer hat 1892 den Radführerschein gemacht, den man damals offenbar brauchte und dann über seine Radtouren geschrieben.

Radtouren für Frauen, beziehungsweise Bücher darüber gibt es auch. Das hat die Radfahrpionierin Amalie Rother 18987 geschrieben und darin auch erklärt, warum sich die Französinnen nicht auf Radtouren machen. Denn Ersten waren sie zu unselbständig, zweitens konnten sie ihren Kosmetikkoffer nicht auf das Rad mitnehmen. Obwohl es schon damals den Service gab, sich seinen Koffer ins Hotel vorschicken zu lassen.

In der DDR war das Campen sehr beliebt, weil es zu wenige Hotels gab. Die Campingplätze haben meist auch sehr schöne stimmige Name und wenn man in der DDR schon campte, hat man da wahrscheinlich auch fotografiert. So hat in den Neunzehnhundertfünfzigerjahren Walter Dreizner, der 1961 bei seinem Bruder in den USA war, in die DDR zurückkehrte, was er bereute, 1957 einen “Urlaubsfotoratgeber” herausgegeben, wo er Tips gab, wie man “Die Sonne ins Bild” bringt oder die Köpfe auf den Fotos nicht abschneidet.

Johanna Schopenhauer, die Mutter des Philosophen,die sich ihr Leben, als Reiseschriftstellerin verdienen mußte und die offensichtlich sehr kritisch war, hat noch einen Artikel über lärmende Kinder im Hotel, die sie störten geschrieben und dann geht es beim Thema Reisen auch sehr wichtig, zur Eisenbahn und da um den Knigge, beziehungsweise dem richtigen Benehmen im Zugabteil eine “Mitropa-Speisekarte” aus dem Jahr 1957 ist abgedruckt. Da konnte man Ochsenschwanzsuppe und PragerSchinkenbrot um drei Mark neunzig zum Frühstück essen und ein Gedicht aus der “Mitropa-Zeitung”, wo einer die “Kraftsuppe” lobte ist auch abgedruckt:

“Ich sitze gern an schönen Tagen, so mittags zwischen zwölf und zwei, im weißgedeckten Speisewagen, bei einer Tasse Kraft mit Ei”.

Dann gehts um Fliegen und das ist auch interessant. Denn darüber haben sowohl Kafka als auch Ringelnatz gedichtet.

Das Kegeln und das Golfen wird beschrieben und dann natürlich auch das Schifahren und wir haben uns durch das Buch gelesen. Der Urlaub ist vorbei. Da gibt es auch einen Artikel und ich kann das schön illustrierte Buch wieder nur in den höchsten Tönen loben und das Lesen in Zeiten, wie diesen, wo man nach seinem Mallorca- oder wo auch immer Urlaub vielleicht in Corona-Zeiten in Quarantäne muß, sehr empfehlen. Am Balkon oder auf der Terrasse kann man das vortrefflich, muß dabei weder Maske tragen noch einen 3G-Nachweis bringen und ist so auf diese Art und Weise sowohl durch Deutschland, als auch durch das letzte Jahrhundert gereist.

Micky Cola

Jetzt kommt ein ungewöhnliches buch, mit einem ungwöhnlichen Cover und einem ungewöhnlichen Autor aus dem “Gmeiner-Verlag” Nein der “Gmeiner-Verlag” ist für den 1957 in Wien geborenen Gerhard Loibelsberger, der die “Naschmarktmorde” und das “Schönbrunner-Finale” geschrieben hat,nicht ungewöhnlich. Das Genre ist es, handelt es bei seinem neuen Werk doch, wie am buchrücken stehtum einen “futuristischen Thriller” und dann steht noch “Dies ist die Story eines Songwriters, der seine Epoche in Liedern von seltener Kraft und archaischer Schönheit beschrieb.”

“Aha, könnte man da sagen, denn daß Gerhard Loibelsberger vielleicht auch nochMusiker ist oder war ist nicht so ungewöhnlich, da hat er anerkannte Kollegen, auf die das auch zutrifft, vielleicht sind also die elf Songsm die man sich auf sein Hand hinunterladen kann, von ihm sein. Auf einer der ersten Seiten steht noch, daß das Buch einem Mike Lynn gewidmet ist, mit dem er vor vielen jahren die Figur des Micky Cola erfunden hat und dann noch, daß alle schokierenden Passagen der Ex-Frau gewidmet sind. Die arme Frau könnte man denken, denn wahrscheinlich kann viel in dem Buch als kraftvoll oder schockierend empfunden werden. Es gibt zwischen den Kapitiln, die englische Namen tragen Illustrationen, ein “City Rap Glossar” gibt es auch, wo erklärt wird, daß “bitsch” “Hündin,Schlampe” und “bien sur”, “na sicher” heißt, was insofern erwähnendswert ist, daß in dem Buch viel Französisch gesprochen wird und dann sind wir schon in der schönen neuen Zukunftswelt und natürlich ist die nicht schön sondern dystopisch.Das kann in Corona-Zeiten garnicht anders sein. Es ist eineWelt wo das Coca Cola, das Einheitsgetränk ist. Das mag vielleicht noch von früher stammen und der Micky Cola wird eigentlich nur MC genannt. Der ist ein Popstar oder Rocksängder und irrt im ersten kapitel durch eine regendüstere Welt in seinem Trenchcoat, findet überall verstümmelte Leichen, hat auch kraftvolle Sexerlebnisse und eine bmt-Technologie (brainsteered micortechnolgy), das ist ein plasmartiger Mikrochip, die den humanoiden Normalverbrauchern hinterm Ohr implantiert wurde. Es gibt kein Geld mehr und nur die Außenseiter wie auch MC einer ist, verwenden noch solches. Aber der hat auch einen Avatar oder eine kyernetische Hündin, die er durch Kaugummi kauen ernährt. Klingt ganz schön kompliziert und ist es auch das erste Kapitel, wo noch vieles von der futruristischen Gewalt in der futoristischen Welt erklärt wird.

Dann wird MC verhaftet, muß in die “Mmines of Waste” zur Zwangsarbeit. Aber von dort wird er von der schönen la Madame der das “South Florida Mines of Waste” gehört, wo es noch Sonne und Gemüse gibt, während der Normalverbraucher ja in einer Regenwelt lebt, befreit. Buns fliegen herum und im dritten Kapitel kommt er dann in “Hells <kitchen” wohnt dort in einem Hotel, das von einem halben Zebra geführt wird. Das er dann auch fick. Der Koch ist eine Fledermaus, und die erklärt ihm, wie die Normalverbraucher ernährt werden. Dda gibt es “Frankn´ furter Dogs, Champignon gratinee, Monkey burgers, die alle aber aus was ganz anderem, als erwartet, bestehen. Reis ist die Mangelware und den bekommen nur die Oligarchen und im nächsten Kapitel zieht MC überhaupt in den Krieg gegen die “Wiedervereinten Nationen”.

Da wird er dann Wolfsmann genannt und begegnet im nächsten Kapitel Gott, der sein Vater ist und der ihm dann alles, was man vielleicht bisher noch nicht verstanden hat, noch einmal erklärt. Es git die “Knights of knowledge” und auf einigen Seiten sind nur Großbuchstaben geschrieben, die das Lesen fast unmöglich machen.

Das Cover ist bunt und im Coca-Cola Stil. Es könnte, fürchte ich, Kinder auf das Lesen aufmerksam machen, wofür dasBuch absolut nicht geeignet ist. Aber interessant schreibe ich mal, die Altherrenphanatsien des ersten Weltkriegsspezialisten und die aktuelle Corona Situation, die einen ja wirklich in Dystopien bringen kann, mag da wohl auch förderlich gewesen sein.

Das Duell

jetzt kommt ein Geburtstagsbuch au dem Jahr 2019, ja ich bin spät daran, denn da habe ich mir von der Anna ja einen “Thalia-Gutschein” schenken lassen, mir fünf Bücher dort besorgt und erst den “Hammer” davon gelesen. Jetzt kommt Volker Weidermanns, dem FAZ- oder Spiegelredakteur, der das literarische Quartett geleitet hat “Ostende”, “Träumer”, über die Weimarer Rebublik geschrieben hat, “Duell”, die Beziehung zwischen dem deutschen Kulturpapst Marcel ReichRanicki und dem Nobelpreisträger Gunter Grass daran. Und das ist ja zweifellos ein Buch,das mich interessiert, habe ich ja, glaube ich, sogar ein Buch Reich Ranickis über Günter Grass, habe ein paar seiner “Quartette”, ich bin ja keine Fernsehfrau, gesehen, sein Buch “Mein Leben” gelesen und nach seinem Tod, 2013, den sehr berührenden Film darüber gesehen.Von Günter Grass habe ich glaube ich, einiges, aber nicht sehr viel gelesen, ihn einmal bei einer Ausstelungseröffnung im Wien Nuseum, wo er grüßend hereingekommen ist, er war damals, glaube ich, schon Nobelpreisträger und auch später einige Male in Leipzig gesehen.

Volker Weidermann beginnt mit einem Foto,wo zwei alte Herren in Lübeck zeigt, als Grass “Weites Feld” erschienen ist, das ich gelesenhabe, hat MRR es im “Quartett” zerissen, was dann auf dem “Spiegel-Cover” abgebildet war und als sie sich das letzte Mal gesehen habe, hätten sie sich, wie, einer ausrief, umarmen sollen,es aber nicht getan.

Dann geht es in die Jugend und in das dritte Reich zurück, denn der eine wurde ja 1920 in Wloclawek, der andere 1927 in Danzig geboren, MRR oder Marcel Reich, wie er damal hieß, war der Sohn einer von der deutschen Literatur sehr begeisterten Mutter, die ihm die Liebe zu dem Land beibrachte. Der Neunjährig ewurde in das Land Goethes geschickt, machte dort Abitur und wurde noch bevor er studieren konnte, nach Polen ausgewiesen, lebte dort mit seinen Eltern in der Wohnungseines Bruders, der Zahnarzt war, lernte seine Tosia kennen, deren Vater sich erhängte, wurde, als die Deutschen kamen, Dolmetscher im Judenrat, wurde ins Ghetto einquartiert, wo er die Todeslisten schreiben mußte. Seine Eltern wurde deportiert, er floh mit Tosia im Februar 1943 überlebte den krieg durchs Geschichten erzählen bei einem Arbeiterpaar und meldete sich dann mit Tosia bei der polnischen Armee, wo sie in der Zensurabteilung beschäftigt waren, während GG in Danzig ein begeisteter Hitler-Junge, aber auch von der deutschen Literatur sehr begeistert war, beide haben viel gelesen und Karl May, glaube ich, nicht besonders gemocht, grass hat sich dann, bevor der Kunstbegeisterte studieren konnte, mit siebzehn zur Waffen SS gemeldet, worüber er lang geschwiegen hat und sich erst später in der “häutung der Zwiebel”,glaube ich,outete. er wurde 1948 an der Kunstakademie in Düsseldorf aufgenommen,seine Anna heiratete, die 1954 mit seiner Schwester, seine Gedichte an die “Gruppe 47” schickte, worauf er dann dort eingeladen wurde. Er lernte dort die Bachmann und Celan kennen, ging mit Anna nach Paris, wo er an seiner “Blechtrommel” zu schreiben begann.Reich-Ranicki oder Ranicki wie er seinen Namen in Polen umwandeln mußte wurde erst 1994 entlarvt, daß er für den polnischen Geheimdiest gearbeitet hat. Er ging mit Toisia als Botschafter nach London, wurde dort aber, weil zu arrogant und nur über Literatur und Musik schwafelnd, diffamtiert ,zurück beordert, kam ins Gefängnis wo er Anna Sehers “Siebentes Kreuz las, die neben Thomas Mann ein weiteres Idol für ihn wurde. 1958 lernte er im Hotel Bristol inWarschau Günter Grass kennen, den er zuerst für einen bulgarischen Agenten hielt. Bei der Gruppe 47 gewann die “Blechttrommel” aber den Ppreis der Gruppe. Reich Ranicki, derinzwischen nach Deutschland zurückgekehrt war,veriß und hielt “Katz und Maus” den dritten Teil, der “Danziger Trilogie” für das bessere Buch, schrieb in allen Redaktionen wieder unter den Namen Reich Kritiken und stieg bald, als haber Pole, halber Deutscher und ganzer Juder zum gefürchtesten Kritiker Westdeutschlands auf, der alles wollte, nur nicht als unterwürfig und sich als Bittsteller gebärdend.

Das Duell, der Konkurrenzkampf zwischen Kritiker und Staatsdichter, der manchmal auch als privat bezeichnet wird, Weidermann nennt es auch Boxrunden,geht weiter, Grass schreibt den dritten Teil seiner Danzinger Trilogie, schreibt auch Gedichte, die außer die, die politisch sind, MMR gefallen, Grass beginnt für Willy Brandt, dem SPD-Politiker Partei zu ergreifen und erregt sich auch über den Bau, der Berliner-Mauer am 13. August 1961 und empört sich da über das Schweigen der Schriftsteller, etwas, was man, wie vieles andere, in dem Buch, auch auf die heutige Situation beziehen kann.

Nach den “Hundejahren” kam das “Tagebuch einer Schnecke”, da ist, glaube ich, MRR als Geschichtenerzähler verewigt. Dafür will er Honor, bekommt ein Auqarell versprochen und einen “Butt” serviert. Er haßt zwar Fische und hat Angst vor den Gräten. Der nächste große Roman wird aber erscheinen und MRR bekommt endlich in der FAZ eine fixe Anstellung. In der Hamburger “WELT” hat man sich vor den “Rabauken” gefürchtet. Er geht dann auch in Pension, und bekommt das “Literarische Quartett” als Gegenleistung. Da wird dann zuerst das Indientagebuch, denn dorthin ist GG vor MRRs scharfer Zunge geflüchtet, zerrissen. Später passiert das dann, wie schon beschrieben mit dem “Weiten Feld”, den Fontane-Roman, der in den Neunzigerjahren, nach dem Zerfall der DDR erschienen ist und eine lebenslange Haßfreudschaft scheint geboren.

1999 ist dann MRRs berührende Biografie herausgekommen,der den arroganten überheblichen Kritiker in einem anderen Licht sehen ließund GG hat den Nobelpreis bekommen. Da gab es, glaube ich ,noch einen Kampf bezüglich der Gratulation und dann kommt es, schreibt Weidermann zu der Frage, wer den Kampf grwinnt?

Der, der länger lebt? Das wäre Günter Grass der am 13. April 2015 in Lübeck gestorben ist, da waren wir gerade in Ungarn, Marcel Reich-Ranicki, da gab es vorher noch den Skandal um den Fernsehpreis, den er nicht genommen hat und Werbung für das Telefon hat er, glaubeich, auch gemacht, ist am achtzehnten September 2013 gestorben, war aber älter.

Also hätte er das Duell wenn es wirklich eines gegeben hat, gewonnen, der eine hatte eine Holocaust- Vergangenheit und ist dann zum scharfen deutschen Kritikergeworden. Der andere hat seine Hitler Jugend vielleicht nie kompensiert, hat sich dem Realsozialismus und der SPD zugewandt und so waren die beiden, die beide aus Polen kamen, sehr verschieden und ich schließe das Leseerlebnis mit der Feststellung, daß ich mehr GG lesen sollte und auch das “Mein Grass-Buch” wiederlesen., Ich habe da ja einiges in den Regalen, aber leider keine Zeit. Die Weiderische Kurzfassung ist wahrscheinlich nurein Ersatz und eine Erinnerung und, daß es keine Kritiker mehr a la MMR gibt, bin ich eigentlich sehr froh, denn ,ich glaube, daß niemand beurteilen, kann was jetzt ein gutes oder ein schlechtes Buch ist. Dieses füge ich an, war aber interessant und wieder viel gelernt.

Corona in Buchenwald

Jetzt habe ich meinen vor einer Woche geposteten Vorsatz,diesmal kein bei der Lese.Auslese vorgestellten Bücher zu bestellen, gebrochen, denn ich bin ja eine Sammlerin von CoronaBüchern und habe einige von ihnen schon gelesen, bin aber an dem Corona-Buch des 1929 geborenen ivan Ivanij, dem österreichisch- serbischen Diplomaten und Schriftstellers, der einmal Dolmetscher Titos war,vorüber gegangen, habe ich von ihm doch schon einige Bücher gelesen und wahrscheinlich “Nicht schon wieder Buchenwald!”, gedacht und “Was kann ein über Neunzigjähriger über Corona schreiben?” Wieder einmal weit gefehlt und sich sehr geirrt. Denn das Buch, ich habe wieder ein E-Book gelesen, ist höchst interessant, humorvoll geschrieben und zeigt eine ganz andere Seite des Themas auf, mit dem ich mich ja selber sehr intensiv beschäftigt habe. Wir schreiben April 2020, der fünfundsiebigjste Jahrestag der Befreiuung des KZ-Buchenwalds und da war eine große Feier geplant. Neunundvierzig Überlebende sollten mit ihren Begleitern anreisen. Dann kam Corona und alles wurde natürlich abgesagt. Zwölf der alten Herrn hielten sich nicht daran und stellten den Antrag auf eigene Kosten doch kommen zu können. Es wird beraten. Lehnt man ab, hat man schlechte Nachrede. Also müßen alle unterschreiben, daß sie es auf eigenes Risko unternehmen und werden in dem berühmten Hotel Elephant in Weimar einquartier. Einer der alten Herren ist offenbar ein Alter Ego des Autor, Sascha oder Alexander Mihalyi-Mihajlovic, der seinen Namen öfter gewechselt hat. Er kommt mit Sohn und dessen Freundin angereist und wird gemeinsam mit dem Amerikaner Franco, der eigentlich ein Italiener ist in das Hotel gefahren. Dort werden sie begrüßt, eine junge Ärztin bringt einen Fragebogen und verspricht eine spätere Untersuchung. Die anderen reisen an und am nächsten Morgen erleidet Franco schon beim Frühstück einen Hustenanfall. Er wird sofort ins Universiätsklinkum in Jena transportiert. Vor der Türe formieren sich die maskierten Wächter, die allen befiehlt im Speisesaal zu bleiben. Der russische Militär Igor spricht von der SS. Die eleganten Politiker beruhigen, Alle müssen in ihre Zimmer in Quarantäne. Dorthin wird eine Videokonferenz verlegt, Saschas Sohns übernimmt die Moderation und Sascha, der sich den “Decamerone” mitgebracht hat, schlägt vor, den in den Quarantänetagen nachzuspielen. Denn da war ja im vierzehnten Jahrhundert, die Pest in Florenz und so haben sich zehn junge Leute mehr oder weniger schlüprige Geschichten erzählt. Die junge Ärztin, die alle untersuchen muß, heißt Gerda Meier. Ihr Urgroßvater war ein großer Nazi. Sie hat deshalb Schuldgefühle und sich von ihrer Familie getrennt. Das Hotel übernimmt alle Kosten und bietet sogar koschere Küche an, die die elf Atheisten nicht wollen und außerdem in der Hotelküche höchstwahrscheinlich gar nicht richtig durchzuführen ist. So erzählen die alten Herren, die aus allen Teilen der Welt kommen, Botschafter oder Zeugen Jehovas sind und nicht alle Juden waren ihre Geschiche. Einige handeln von den Zuständen im KZ, wo es einen griechischen Boxer gab,einen spanischen Freihitskämpfer, der von JorgeSeprun geschützt wurde. Der Dichter H. G. Adler, dessen Gedichte ich gelesen habe und die auch in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt wurde, wird erwähnt, sowie Ovids Verbannung an das schwarze Meer und der Golem wird natürlich auch erwähnt.

Nach und nach erweitert sich auch der Bewegungsradio der elf Buchwaldianern, am 11. April, dem Befreiungstag dürfen sie sogar von einem Kamerateam begleitet ins KZ fahren. Da kommt auch der alte Franco mit dem Krankenwagen hin, wird von seiner Enkelin, einer indianischen Ureinwohnerin, wie man das jetzt ja sagen muß, begrüßt. Es gibt auch eine junge Holländerin, die nach Anne Frank benannt wurde und ihrer Namensvetterin, beziehungsweis deren Vater Otto, eher kritsch gegenübersteht und eine schöne Geschichte von einem Jungen, der operiert werden mußte, aus der narkose dann hinuausgeprügelt wurde und enttäuscht war, weil er da gerade in dem Lager Bergen Belsen, wo er sich befand, von Zwetschenknödeln träumten.

Franco kommt auch zurück und erzählt seine Geschichte, die Quarantäne ist herum, die Arztin betont, daß man noch so wenig über dieses Virus weiß, rät allen sich weiter untersuchen zu lassen und wundert sich, daß von den zwölf nur einer erkrankte und dieanderen negativ waren. Dann verläßt man wieder Buchenwald und kehrt zurück in sein Leben und ich denke, daß die Verknüpfung zwischen Buchenwald und Corona eine interessante Variante ist, die sich da der alte Dichter über die Pandemie ausdachte oder, wie er sie für seine Themen verwendete.

10 Tage im Herzen der Ferne

Ein neugierig machender Titel und ein Buch über Albanien, was für mich der Ausschlag war, mich dafür zu interessieren. Im Sommer einen Roadtrip machen. Eine Reise in ein mir unbekanntes Land, das ist interessant und, wie dann in dem Buch zu lesen stand, daß von einem Manager namens Nico Mateew stand, der bulgarische Wurzeln zu haben scheint, mehr biografische Angaben waren nicht zu finden, kommt oft manches anders, als man denkt und das ist dann der Reiz daran. So ist das Buch, das ist auch interessant im “Book on Demand Verfahren”, das die “Randome Verlagshausgruppe” anbietet, erschienen ist, sondern eher die Geschichte eines Ausstiegs mit anschließender Sinnerfüllung. Wieder etwas Philosphoisches, aber leichter zu lesen als der Liebeskrimi von Sabine Haupt und auch gut nachvollziehbar. Beginnen tut es mit den Ferien bei der Großmutter und ihren Kalendersprüchen. Der Sinnvollste davon lautet “Wer wenig braucht ist frei”, etwasm was das Kind oder Jugendliche damals nicht verstanden hat. Dann kommt das Öpkonomiestudium und der der Einstieg in eine Firma, was alles im ersten Teil “Der Werdegang” an Hand von leicht erfaßbaren Metaphern erklärt wird. So erlebt er gleich die Pensionsfeier eines Kollegen. Der Chef lobt ihn sehr, am nächsten Tag ist er vergessen. Ein Kollege fragt ihn, warum er den ganzen Tag in den Computer schaut? Die Kollegen tragen alle Anzüge und Kostüme und verbergen darin ihre Persönlichkeit. Eines Tages übergibt ihm der Chef ein paar Schachteln mit dem Auftrag das Archiv zu ordnen. er verschiebt die Schachteln, weil er nicht weiß, was er damit anfangen soll. Eine Woche später räumt der Portier die Schchteln weg und der Chef bringt neue, was fast an Kafka erinnernd könnte. So geht es ins erste, zehnte, elfte Jahr. Er findet eine Frau, bekommt drei Kinder und fährt einmal zu der väterlichen Familie nach Bulgarien, wo ihn der Onkel erstaunt fragt, was er so macht? Er kommt zurück, erleidet einen Bandscheibenvorfall, muß in die Röhre und beschließt sich dann nochmals Urlaub zu nehmen und nach Albanien zu fahren und dort einen Film über das Land und seine Küche zu drehen. Dazu sucht er sich zwei Filmemacher ,einen Chinesen und einen Amerikaner, bucht sich einen Fremdenführer und bricht in das arme Land auf,über das er sich vorher bei “Wikipedia” informierte. im Flugzeugkommen sieschon mit dem abgeschobenen Edy ins Gespräch, der Chinese hat sich für das arme land underdressend angezogen und fällt damit auf und der Fremdenführer bringt sie statt, wie ausgemacht zu einem Taxifahrer, zu seinen Schwiegereltern, wo das erste Essen stattfindet. Der Schwiegervater serviert Raki, das selbstgebraute Nationalgetränk und hat Schwierigkeiten, die, wie auch die anderen, vorgefertigen Fragen, wie “Was verdienen Sie?” und “Was sind ihre größten Sorgen?” zu beantworten. Am nächsten Tag kommt der Fremdenführer zu spät in das Hotel, dann kommen sie auch zu spät zu dem Biobauern, wo das nächste Interview stattfinden soll. Das macht aber nichts, stellt sichheraus, denn der Koch, den sie am Nachmittag interviewen, wäre auch zu spät gekommen. Der ging in den Neunzigerjahren nach Italien als Hilfsarbeiter, lernte dort das Kochen, errichtete in Rom ein Restaurant und ging dann, eine typische Antwort, um seinem Land etwas zurückzugeben nach Albanien zurück und errichtete auch ein Restaurant, wo er die traditionelle Küche etwas revolutionieren wollte. Vier Großmütter sollen das laut plan in der küche ausprobieren und über das land schimpfen. Sie kommen aber herausgeputzt, bekommen im Extrazimmer serviert und sind eigentlich recht zufrieden oder merken keinen Unterschied. Der Kindergarten Nr. 34 wird besucht, denn die sind, wie, glaube ich, auch in der SU alle nummeriert und tragen keine putzigen Namen, wie “Schneewittchen” oderso.Die Kindergärtnerinnen tragen, was für uns ein wenig altmodisch wirkt, sterile weiße Kittel und die Köchinheißt Salije, was auf Albanisch die “Tugendhafte” bedeudet, was Nico Mateew immer genau anführt, will ihrem Land auch was zurückgeben und kocht daher immer frisch mit naturbelassenen Lebensmittel und schüttelt den Kopf auf die Frage, ob das biologisch ist, weil sie mit diesem Begriff nichts anfängt und auch interessant in Albanien gibt es keinen McDonald`s weil, wie der Fremdenführer meint, sich niemand dafür interessiert oder die Lebensmittel nicht aus heimiischen Anbau hätten stammen dürfen. Sie reisen dann nach Berat der Stadt mit den tausend Fenstern und erleben unvergeßliche Stunden bei einer Familie in einem kleinen Haus, wo sie keine Ahnung haben, wo die Bewohner schlafen, verspeisen dann in einer Tankstelle, den von einem TV-Koch bekommenen kuchen, besuchen ein Galadinner, das der Präsident für seine Bürger gibt. Da kommen sie zu spät, weil der Fremdenführer vorher auf einer Autobahn halt macht, um sich mit einer Frau, die dort auf einem Fahhrad Popcorn verkauft, zu unterhalten. Kommen aber doch rechtzeitig und erfreuen sich an den Tanzenden, die alle glücklich “Albanien, Albanien!”, singen, was man in Deutschland wohl nicht so tun könnte.

Von einem Restaurant geht es zum anderen. Eines befindet sich in einem Bunker, in einem anderen Spitzenrestaurant werden in Vorraum die Speisen billig an die Leute verkauft, die sich die Sternpreise nicht leisten können. Ein anderer Restaurantbsitzer dreht den Fragebogen, den Nico Mateew mitgebracht hat, einfach um und stellt die Fragen an die Filmemacher. Aber da ist es schon klar, daß die Aussteiger, die Seele und die Zufriedenheit in dem kleinen, angeblich so armen Land, das auf Nachhaltigkeit setzt, weil ihm gar nichts anderes überbleibt, gefunden haben. Nach zehn Tagen geht es dann zurück .Nico Mateew erflebt ein Weihnachtsfest mit seiner Familie und reist dann später mit dieser nochmals hin, um die Großmutter Domenica zu besuchen und auch die Töchter erkennen, daß es in Albanien glückliche Menschen gibt.

Ein interessantes Buch, das einen sehr ungewöhnliches Blick auf ein bisher wahrscheinlich unbekanntes Land bietet. Ein richtiges Sommerbuch könnte man meinen, das Lust auf eine Reise nach Albienen macht, die der Alfred auch starten will, obwohl Nico Mattew seine unvergeßliche Reise ja im Dezember machte und zehn Tage, sowohl für einen Film, als auch für einen Selbsterfahrungstrip wahrscheinlich viel zu kurz sind.

Lichtschaden.Zement

Von Amerika komme ich jetzt in die Schweiz und zu einen “philosophischen Liebeskrimi und intellektuellen Liebesroman der 1959 in Giessen geborenen und seit 1980 am Genfersee lebenden Literaturwissenschaftlerin Sabine Haupt.

Das klingt interessant und ist auch genereübergreifend. Die Probleme der Welt umfassend wird da die Lebesgeschichte zwischen der Hotelmanagerin Hella und dem ehemaligen Priester Raffaele, der nach Panikattacken, als Verwalter in einer Zementfabrik arbeitet, beschrieben. Zement ist auch das treibende Thema, um das sich in dem sehr schön gestalteten Buch, das im Verlag “die brotsuppe”, erschienen ist, wo die beiden Protagonisten kapitelübergreifend ihre Geschicthe erzählen,alles dreht.

Es geht auch in die Vergangenheit zurück und in die Zukunft, beziehungsweise in die Gegenwart, wo die Zementmafia in Europa eine Mauer bauen will, um die Flüchtlinge nicht ins Land zu lassen und ins Mühlviertel ins Lager Gusen, wo Hitler offenbar auch ein Zementwerk aufbauen wollte und Raffaeles Vater dort traumatisert wurde. So schreit er nächtens auf, was nicht nur Raffaele, sondern auch dessen Bruder Angelo sehr irritiert. Der erleidet eine Psychose, hält sich für einen Dämon und wird in der Psychiatrie interniert, wo er am Ende des Buches auszubrechen versucht. Hella will dagegen im SPA-Bereich ihres Hotels eine Zementtherapie einführen, vor allem, um Raffaeles Verknöcherungen, er leidet an Rückenproblemen, zu heilen.

Klingt ganz schön kompliziert und ist es auch. Sehr genau und sorgsam ausgearbeitet und wahrscheinlich auch gut recherchiert, auch wenn vermutlich viel zu viel in die dreihundert Seiten hineingepackt wurde, wo man wahrscheinlich zehn Romane schreiben hätte können.

Es geht auch, um die Frage nach der unsterblichne Seele, an die die pragmatische Hella nicht glaubt und den nicht so philosophisch orientierten Leser werden vielleicht die Handlung und die Spannung fehlen, obwohl es die natürlich gibt. Vor allem am Schluß werden die Protagonisten durch einen unterirdischen Stollen getrieben, geraten der Mafia in die Hände und ich habe wiedermal erfahren, wie vielseitig die Gegenwartsliteratur ist und wieviel sie, den über den Tellerrand schauenden Leser bieten kann.

Muttermilch

Wir bleiben in Los Angeles und Hollywood, gehen nur hundert Jahre nach vor und kommen zu Melissa Broder, von der ich schon “Fische” gelesen habe, das mich nicht so beeindrucht hat. Bei “Muttermilch” ist das anders, denn das ist sehr beeindruckendes Buch, das alle Tabus zu brechen weiß. Liebe zwischen Frauen das moderne Judentum, Eßstörungen oder einfach eine ganz moderne tabulose Coming out Geschichte. Da ist Rachel, die ist, glaube ich, soMitte zwanzig, hat wie auch anders, ein Problem mit ihrer Mutter und eine Eßstörung. Das heißt, sie kaut Nikotinkaugummis, ißt zu Mittag, einen Salat und Proteinpulver und wenn sie mit ihrem Chef, sie arbeitet in irgendeiner Filmproduktionsfirma als Assistentin zu einem Arbeitsessen gehen muß, geht sie aufs Klo, ihren Powerriegel essen und hat dann Probleme, wenn daneben eine Frau sitzt, die wartet, daß sie verschwindet, damit sie scheißen kann und dann scheißt sie los und Rachel kann ihren Riegel nicht essen. Sie geht auch manchmal in ein Frozen Joghurt Shop, um sich da eine Miniportion mit alles ohne zu kaufen. Da trifft sie aber einmal auf die fette Miriam, die Tochter des Kettenbesitzers, die sie verführt. Zuerst hört sie nicht auf Rachel und gießt ihr ihren Becher besonders voll. “Kostet dasselbe!” und haut auch alle mögliche Toppings darauf. Rachel will den Becher wegschmeißen. Aber Miriam steht rauchend dort, wo sie den Becher hinschmeißen will und lädt sie in einaltes Hollwoodykino, das heißt, vorher in ein chinesisches Restaurant ein. Dort fallen dann die Schranken Sie essen zusammen vier oder noch mehr Portionen und Rachel sagtsich, jetzt kann ich einen Tag alles essen und kauft Unmengen Fastfood ein. Sie nimmt sehr schnell sechs Kilo zu und Miriam lädt sie zu sich nach Hause zum Sabbat ein. Sie kommt aus einer orthodoxen Familie, ihr Bruder, der Rachel mit Schläfenlocken vorher das Eis verkaufte, ist beim Militär in Israel und die Familie ist sehr nett zu Rachel. Das Essen köstlich und dann fragt Rachel, die sich in Miriam verliebthat, ob eine orthodoxe Jüdin eine Freundin küssen kann. Miriam wehrt zuerst ab. Dann kommt sie in Rachels Wohnung, der Sex ist toll. Es gibt aber auch einen Schauspieler in Rachels Agentur, der sich um sie kümmert oder sie verführen will. Rachel will zum nächsten Sabbat noch einmal zu den Schwebels. Das endet in einer Kathastrophe, denn am Sabbat darf ja gar nichts tun, das heißt auch keinen Sex haben. Rachel kommt trotzdem in Miriams Zimmer. Die Schwester und die Mutter merken es und dann beginnt Rachel auch noch die Palästenenser zu veteidigen, so daß die Mutter sie aus dem Haus schmeißt. Es kommt zum Sex mit dem Schauspieler, der ist zwar nicht so befriedigend und laut Vertrag darf Rachel auch keinen mit ihm haben. Miriam erscheint nocheinmal verschwindet dann aber. Rachel wird entlassen und ruft dann am dreiundfünfzigstn Tag, das habe ich jetzt vergessen, doch ihre Mutter an. Die Kassentheraeutin, was ein wenig abschätzend erwähnt wird, bei der sie am Anfang war, hat ihr ein Mutterkommunikationsverbot verordnet und in der letzten Stunde auch eine Skulpur machen lassen, die zwischendurch verschwindet, dann aber wieder auftaucht. Sie schenkt sie Miriam und drei Jahre später sieht Rachel sie wieder. Miriam schiebt einen Kinderwagen mit Zwillingen. Rachel hat wieder Kontakt zu ihrer Mutter und sowohl hertero als auch lesbische Bezihungen. Wieviele Kilo siezu oder abgenommen hat, ist nicht ganz klar, aber ein spannendes Buch das die alten Themen wirklich neu und tablos beschreibt, hat mir gut gefallen und wird auf den Klappentexten auch hochgelobt. So schreibt die Vogue “Melissa Broda hat eine schwindelerregende Geschichte über Liebe, Lust, Abhängigkeit, mütterliche Sehnsucht und …Frozen Joghurt” geschrieben und Oprah Magazine meint sogar “So wenig jugendfrei, dassselbst Philip Roth erröten würde. Muttermilch ist ein Buch, das man an einem Stückverschlingen wird.”

Ein anderes Land

Von james Baldwin, dem 1924 in New York geborenen Schriftsteller und Bürgerrechter habe ich das erste Mal bei einer “Literatur im Herbst”gehört, als dort ein Film über ihn ausgestrahlt wurde. Dann habe ich “Giovannis Zimmer”, in einem Schrank gefunden,das jetzt,wie auch die anderen Baldwien-Bücher neu übersetzt werden. So ist “Ein anderes Land “zu mir gekommen, auf das ich sehr neugierig war und bin jezt ein wenig verwirrt. Fehlt mir doch irgendwie der rote Faden, ansonsten könnte ich sagen, es ist eine Art Reigen, die sehr deutlich die Gewalt zeigt, die in den Neunzehnhundertsechhzigerjahren zwischen den Schwarzen und den Weißen herrschte. Deshalb ist das Buch wahrscheinlich auch lesenswert und deshalb als Folge, der Black live matter – Bewegung wird Baldwin wahrscheinlich wieder aufgelegt. Der klappentext klingt noch ganz klar und spannend.

“Dies ist eine Geschichte von Scham und Schuld, von Liebe und Einsamkeit im New York, der Fünfzigerjahre. Warum hat Rufus Scott, ein begnadeter schwarzer Jazzer aus Harlem, sich das Leben genommen? Seine Schwester Ida und eine Handvoll Freunde suche nverzweifelt nach einer Erklärung. Aber sind finden nur Wahrheiten, die neue Wunden schlagen – auch über sich selbst.”

Dann liest man im ersten Teil von einem sehr heruntergekommenen Rufus und seiner Liebe zu der weißen Südstaatlerin Leona,die Liebe endet tödlich. Rufus springt von einer Brücke. Leona wurde von ihrer Familie zurückgeholt und in ein Iirrenhaus gesteckt. Ihr Mann hat schon vorher ihr ihr Kind weggenommen und die Liebe zwischen beiden ist gescheitert, weil ein Schwarzer keine Beziehungs zu einer Südsaatlerin haben darf. So meint es jedenfalls seine Schwester Ida. Vorher hat er aber Leona geschlagen, getrunken und viel Gewalt ausgelöst. Da hatte ich schon Schwierigkeiten, weil ich die Gewalt in der Liebe nicht verstanden habe.

Dann sucht Ida ihren Bruder und wir kommen nach Greenwich in eine Künstlerkolonie, zu Rufus Freunde. Da gibt es Eric, einen Schauspieler, der ist aber gerade in Frankreich und liebt den jungen Yves, es gibtRichard , das ist ein Pole und seine Frau Cass.Sie haben zwei Kinder.Cass ist vordergründig eine Hausfrau, dann fährt sie im Taxi zu ihren Liebhabern, zum Beispiel zu Vivaldo. Beide Männer sind Schriftsteller. Der Eine wird dami tberühmt, der andere eher nicht und arbeitet in einer Buchhandlung un daußer, daß sich die Paare gegenseitig betrügen, gibt es auch eine Beziehung zwischen Vivaldo und Eric, während Vivaldo mit Ida zusammenlebt und Cass betrüg tRichard mit Eric.

Es ist die Gewalt,die in dem Buch sehr offen beschrieben wird,,die mich am meisten beeindruckte. Nicht der Liebesreigen,den ich bei Schnitzler wahrscheinlich besser gelesen habe. Es sind die Diskurse, die zwischen den Weißen undSchwarzen, die hier sehr deutlich beschrieben werden. Die Gewalt der Polizisten, die die schwarzen Kinder zusammenschlagen oder sind es die weißen Kinder, die das tun. Es geht aber und das hat mic hauch erstaunt, die Gewalt oft auch von den Schwearzen aus. ich zitiere ida:” Aber Cass,frag dich doch mal, guck raus und frag dich: Würdest du nicht auch alle Weißen hassen, wenn man dich hier in dieses Gefängnis sperrenwürde? – Vivaldo wollte nicht wissen,dass mein Bruder zugrunde ging,weil er nicht wissen will,dass mein Bruder noch am leben wäre, wenn er nicht so auf die Welt gekommen wäre,als Schwarzer.”

Das Buch wurdevon Miriam Mandelkow übersetzt, die in einem Nachwort und das finde ich interessant , sich Gedanken über den Gebrauch der verschiedenen “N”-Wörter macht.”Negro” steht,glaube ich einmal imText. Dann gibt es noch die “Farbigen”, also die “Colored” und Rene Aguigah hat das Nachwort geschrieben.

Das große Geld

Im dritten Teil der “USA-Trilogie” kommt alles nach sechzehnhundert Seiten langsam zusammen. Die Kritiker mögen meinen, das das alles für den heutigen Lesegeschmack zu langartmig ist und heutige Lektorenwürden vielleicht einiges hinausstreichen und ich frage mich auch wieder wieviele Leute die Neuübersetzung von Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl wirklich gelesen haben? Ich habe jedenfalls vierzehn Tage dazu gebraucht und nicht abgebrochen, liebe Kritiker, denn das tue ich Erstens überhaupt nie und Zweitens hatte ich keinen Grund dazu. Denn ich habe das gewaltige Opus sehr interessant gefunden und bin darauf gekommen, daß ich einmal vor fast fünzig Jahren auch ähnlich montageartig zu schreiben angefangen habe. Die “U-Bahn-Geschichten” sind ein Beispiel dafür und hier bekommt man in den Neunzehnhundertreißigerjahren geschriebenen Bände, glaube ich einen guten Eindruck, über das damalige Amerika, das und das finde ich interessant, in manchen Teilen sogar erstaunlich aktuell erscheint.

So wird die spanische Grippe erwähnt, ist doch der Vater, von Mary French, ein altruistischer Hausarzt, daran gestorben. Die eher bürgerlicher Mutter war mit seinem sozialen Engagement nicht einverstanden und hat sich später wieder gut verheiratet. Die Tochter wurde Sozialarbeiterin und in die Gewerkschaftsstreiks vermittelt.

Aber kehren wir an den Beginn des dritten Teils zurück. Kehrt da doch Charley Anderson , den wir schon vom ersten Teil kennen, aus dem Krieg zurück und fährt mit dem Schiff an den großen Banken vorbei, was schon ein Hnweis auf den Titel ist. Dann ist vom großen Geld lange nicht die Rede, denn der Flieger, der später in der Autobranche tätig ist, säuft und hurt sich durch das Leben. Hat mehrere Unfälle, weil er betrunken am Steuer sitzt und, wie einer seinerÄrzte lapidar feststellt, wie alle Flieger, ein verdammt schlechter Autofahrer ist.

Eine Margo Dowling kommt vor. Die ist eine Varieteänzerin und Schauspielerin, die zuerst in Kuba unter dem Patriachat der weiblichen Verwandten ihres Ehemanns fast verkommt. Dann wird sie eine berühmte Hollywoodschauspielerin, degradiert ihren Ex-Mann Tony zu ihrem Chauffeur und wird schließĺich vom Tonfilm, weil sie eine Fistelstimme hat, aus dem Business vertrieben.

Am Schluß treffen wir dann auf die Bekannten von Teil eins und zwei und da erlebte ich wieder eine überraschende Aktutallität, geht es doch um eine geplante Gesundheitsdiktur mit der das große Geld zu verdienen ist. Krankenversicherung war ja nicht vorhanfden. Daher kostetKrankeheiten und Geburten oft ein Vermögen und machte die Betroffenen arm oder sie gingen nicht zu den Ärzten und in die Spitäler.

Da kam ein sehr gesundheitsbewußter Tycoon, der in den Restaurants, die Kellner zusammenschiß, wenn sie den Kohl zu weich und die Karotten zu hart servierten, das Rauchen und den Alkohol verbot während er sich in den Varietees am nackten Fleisch der dortigen Damen durchaus amüsierte, auf die idee in Drugstores patentfreie Medikamente anzubieten.

“In meinen Augen”, unterbrach ihn Colonel Judson,”ist dieses sogenannte Gesett zur Llebensmittelqualität nichts weiter als ein Klassengestz zum Wohl der Ärzteschaft. Natürlich wollen die Ärzte,dass wir sie konsultieren, bevor wir eine Zahnbürste oder eine Schachtel Laktritz kaufen.”,

J W. fuhr fort, wo er aufgehört hatte. “Die wissenschaftlich entwickelten Naturheilmittel sollen den Laien befähigen, frei und selbständig zu entscheiden und kleinere Beschwerden zubehandeln, ohne einen Arzt aufsuchen zu müssen.”

So wird mit dem Tycoon ein großer Handel abgeschlossen, aber J. W. Morrehouse erleidet eine Herzschwäche, während seine Sekretärin Miss Williams sich zu einersäuerlichen alten Jungfer entwickelt hat.

In den Portraits der berühmten Persönlichkeiten werden unter andern Isadora Ducan, Rudolfo Valenino und der Zeitungstycoon William Randolph Hearst skizziert.

Ein interessantes Buch. Ein wenig mühsam zu lesen, vor allem, wenn man es mit den vielen dünnen Seiten in der Badewanne versucht, aber ein interessanter Gewinn undein interessanter autor, der ja, wie schom im ersten Teil erwähnt, 1970 in Baltimore gestorben ist.

1919

Jetzt kommt der zweite Teil der “USA-Trilogie” des1896 geborenen John Dos Passos, der eigentlich einen falschen Titel hat. Denn der Band spielt im Krieg, zum großen teil in Frankreich und Italien, wo sich die schon aus dem ersten Teil bekannten Personen zu Friedensverhandlungen oder im Dienst des roten Kreuzes hinbegeben haben und 1919 war der World War I ja schon zu Ende.

Ansonsten das gleich Prinzip, so daß der Band wirklich eine Fortsetzung ist, obwohl es ja keine Handlung gibt, keinen Plot im Sinn der Heldenreise, sondern ein montageartiges Skizzenbild der USA, beziehungsweise der Amerikaner, denn die Handlung spielt ja, wie erwähnt zum größtenteil in Frankreich und da gibt es auch sehr viele französische Passagen, die man im Anhang in der Übersetzung nachlesen kann.

Das haben wohl die Übersetzer Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl so entschieden und das schon bekannte Prinzip der “Wochenschauen” und dem ” Auge der Kamera” und die schon bekannten oder bereits im Teil eins erwähnten Personen sind Joe Williams, der Matrose der Handelsarmy und Bruder von Janey Williams, die im ersten Teil zur Sekretärin von J.W. Moorehouse aufgestiegen ist. Der ist ein Pechvogel wird von seiner Frau betrogen, mehrmals verhaftet und eingebuchte, kommt dann auch nach Frankreich und läuft mit aus einem brennenden Schiff mitgenommenden Seidenstrümpfen davon, die er eigentlich einer Prostiutierten versprochen hat.

Eleonor Stoddards Freundin Evelne Hutchins hat auch eigene Kapitel und da kann man das Experimentelle von Dos Passos beobachten, denn da wird zuerst die Kindheit Evelines einer Pfarrertochter beschrieben und man die Stimme der Gouvernante “EuerVater” und “LiebeMutter”sagen und die Geschwister Margarete, Adelaide, George werden Arget, Lade und Gogo genannt.

Einen Richard Ellsworth Savage und ein “Töchterlein” gibt es auch. Die ist, glaube ich, eine Anwaltstochter und irrt wie Dos Passo, die Frauen seiner Zeit wohl erlebte, etwas ambivalent von einem Liebhaber zum anderen herum. Die Frauen haben alle Angst schwanger zu werden und wissen nicht, wie sie verhüten können. Die Präservative wurden, glaube ich, gerade erst erfunden und so kommt das Töchterlein, das eigentlich Anne Elisabeth Trent heißt, in Schwierigkeiten, als sie bemerkt schwanger zu sein. Die Männer wollen nichts mehr von ihr wissen. Von der Hilfsorganisation, wo sie tätig ist, wird sie hinausgeschmissen, beziehungsweise in die USAzurückgeschickt.

So betrinkt sie sich, wirft sich einen betrunkenen Flieger an den Hals und verlangt von ihm mitten in der Nacht Loopings zu drehen. Ja damalswar das wohl noch möglich und ein brutaler Suizidplan. Aber mitten oder am Ende des Wold War I waren die Zeiten hart und so wird auch der schielene Joe Hill, der jüdischer Abstammung ist, studieren möchte, sich aber auch der Revolution verschreibt, gehörig durcheinader gebeutelt und, daß Woodrow Wilson der Präsident Amerikas war, haben wir inzwischen auch erfahren.

Es gibt in den zwischendurch immer wieder eingestreuten Kurzgeschichten auch eine über Theodore Roosevelt und der Band endet mit “Die Leiche eines Amerikanders”, der dann Woodrow Wilson einen Strauß Mohnblumen bringt.

“Bist du erst tot

ist vorbei die Not

und du kriegst Brot.”, liest man vorher in der “Wochenschau XXX”. Da steht auch “Hände falten Schnauze halten”, ein Spruch den ich schon woanders gehört habe.