Das Schicksal

Im zweiten Teil von John Knittels berühmter Trilogie, geht es in ein komplett anderes Miliau und es ist auch in einem anderen Ton geschrieben, moderner, sozialkritischer, härter, realistischer und für mich auch besser vorstellbar.

“Und jeden Tag werden neue Menschen geboren und in die Welt gesetzt, ob es ihnen passt oder nicht. Im besten Fall können sie sich schnell einmal in der Welt umsehen, dann müssen sie wieder gehen. Traurig, dachte Andi und äußerst lächerlich.”

Ein Satz der von Thomas Bernhard stammen könnte.

Es geht in das Städtchen Lanzberg, ins Gefängnis zum Untersuchungsrichter Dr. Andreas von Richenau.

Der ist aus einem großen Haus und ein Wunderwuzzi, Sohn eines Adeligen, der auf einem Schloß residiert. Er hat sich aber den Spleen herausgenommen, zu studieren und als einfacher Untersuchungsrichter selbst zu seinem Lebensunterhalt beizutragen und er ist verlobt mit einem Fräulein Luise Frobisch, die aus keiner so vornehmer Familie stammt, dafür ist sie aber reich und durch und durch Geschäftsfrau.

Sie haßt alle Sozialisten und alle Arbeiter, die Rechte wollen und möchte aus ihrem Andi am liebsten  einen Geschäftsmann machen. Er soll in Papas Geschäfte einsteigen und mit ihr nach England reisen.Er ist aber ein einfacher Bursche, der sich seine Hände und Füße gerne dreckig macht. Das heißt, er geht am Sonntag vor der Kirche in den Kuhstall und assistiert der Kuh beim Kalben.

Luise ist entsetzt und vorher gab es noch ein Abendessen mit der aristrokratischen Familie, da gibt es die Erbtante Isabella, eine Mutter mit der er sich aber sehr gut versteht, einen Vater der auch Geschäftsmann ist und infolge der Wirtschaftskrise einiges verloren hat und einen Bruder namens Uli, der Geistlicher ist und Unmengen ißt, hat Daniel Kehlmann ihn als Vorbild für seinen Geistlichen in dem Roman “F” genommen?

Andi steht zu Mittag um zwölf am Fenster in seinem Büro und wartet bist die Lanzberger mit ihrem Fahrrädern zu ihren Mittagstischen fahren, erst dann nimmt er seinen Alfa Romeo und fährt in die Bahnhofgaststätte zum Essen, denn da serviert jetzt Fräulein Silvelie Lauretz und in die verliebt er sich und sie sich in ihn.

Aber er ist verlobt und sie hat ein schreckliches Geheimnis und ist außerdem Angehörige einer ganz anderen sozialen Schicht.

Sie ist aber sehr selbstbewußt und reich ist sie eigentlich auch, hat sie ja von dem alten Maler sein Haus und alle seine Bilder geerbt. Das Bargeld hat ihr aber der Vater genommen, so verdingt sie sich als Kellnerin, wird aber von einem  Kommunisten und seltsamen Vogel namens Henri, einem Freund von Andi, dessen Existenz eigentlich auch nicht ganz er klärt wird, in eine Konditorei vermittelt. In die Konfiserie Robert in der “in seinem großen Hauptfenster waren alle Arten von Kuchen ausgestellt, Pfannkuchen, Biscuits, Pralines und Schokoladen sämtlicher Sorten, in hübsche Schachteln von nur jeder möglichen Form und Farbe verpackt. Und eine riesige Registrierkasse verbarg sich hinter drei gläsernen Regalen, die mit Flaschen beladen waren: Cointreau, Anisette, Abricot Brandy, Cherry Brandy, Creme de Bananes, Pfirsichschnaps, Creme de Chocolat, Creme de Menthe, Creme de Rose, de Noyaux, de Vanille (pourdames) und daneben die ölig süßen erzeugnisse von Bols und focking, ihre Curacos, Pfeffermine und Danzinger Goldwasser.”

Das alles und noch eine Seite mehr in der tiefsten Wirtschaftskrise, aber in den All inclusive Hotels in Kreta, habe ich auf You Tube gesehen, geht es auch hoch her, während in Athen Obdachlose auf den Straßen hausen oder aus den Fenstern springen.

Andi tritt auf und bricht Silvelies Widerstand. Das heißt, er fragt nach ihrem freien Nachmittag, führt sie zum Soupieren aus, löst aber dann die Verlobung, während sie immer denkt, daß sie ihm alles sagen müßte, es dann aber doch nicht tut.

Ihr Bruder kommt einmal in die Konditorei und sagt ihr, sie muß noch einmal zum Richter und eine Aussage machen und der hat auch alles nach einer möglichen Leiche untersuchen lassen und es gibt in dem Dorf auch Gerüchte, die der Wahrheit ziemlich nahe kommen.

Als Andi ihr den Brief von seiner Entlobung schickt, kündigt sie in der Konditorei und geht in ihr Chalet. Sie schickt ihm aber dann ein Bild von ihr, die anderen Bilder zu verkaufen hat sie sich immer geweigert und so kommt er in seinen Uralub zu ihr in Nagelschuhen. Sie quartiert ihn bei sich ein. Ihre Mutter, der Bruder und die Schwester kommen auf Besuch und er will sie immer heiraten, was sie verweigert und so mit ihm leben möchte.

Er ist aber ein sehr selbstbewußter Mann. So hat sie keine Chance. Er kauft ihr teure Sachen, führt sie durch die Schweiz. Die Hochzeit soll in St. Mauritz stattfinden, Henri und Madame Robert, die Besitzerin der Konditorei, sollen die Treuzeugen sein.

Ihre Familie ist nicht eingeladen, seine Mutter kommt dann doch und ist von Andis neuer Braut, die besser als, die erste zu ihm passt, begeistert. So endet der zweite Teil und ich bin auf die Fortsetzung der Geschichte, “Die Erlösung”, sehr gespannt.

Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland

Nun kommt das Buch, das angeblich auf der Shortlist des dBP stand, von Nelia Fehn, der jüngsten Autorin, die jemals auf diese Liste kam.

“Nelia Fehn”, steht am Klappentext “geboren 1993 in Wien, lebt abwechselnd in Österreich und Griechenland. sie ist die Tochter der verstorbenen Schristellerin Dora Fehn. “Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland” ist ihr erster Roman.

Um Verwirrungen zuvorzukommen, “Marlene Strreuwitz” steht auch noch darunter und das Bild weiter oben von der jungen Frau mit dem Fotoapparat in der Hand, könnte auch die junge Streerwuwitz sein.

Das weiß ich nicht so genau, die typischen Streeruwitz Sätze, wie “Auf der Bank mußte ich dann doch weinen” oder “Dann war ich doch sehr froh im Freien geblieben zu sein”, werden die Autorin aber verraten und Marlene Streewuwitz im Doppelpack hat es in der “Alten Schmiede” vor kurzer Zeit auch gegeben. Da erschien mir die Autorin, als sie über ihre beiden Romane erzählte, sehr revolutionär und anachistisch, das Buch, das ich jetzt gelesen habe, Nelia Fehn unterscheidet im Vorgängerroman, der dann auf die Longlist kam, sehr genau zwischen “Buch” und “Roman”, ich eher weniger, liest sich vielleicht noch ein wenig leichter und schneller als die “Nachkommen”.

Kritiker könnten es auch leicht als Groschen oder ChickLit, ein sehr anarchistischer halt, abtun, aber das würde ich mal vermuten, hat die Autorin auch beabsichtigt, die ja in “Lisas Liebe” auch etwas Ähnliches versuchte.

Am Buchrücken steht etwas von “Eigentlich wollte Nelia sich Gedanken machen, wie ihr eigenes Leben nach der Matura nun weitergehen sollte. Aber dann wird die Reise durch Griechenland nach Athen zu ihrem Geliebten Marios eine abenteuerliche Irrfahrt durch eine zusammenbrechende Welt. Nelia will, dass alle wissen, was das heißt: mit den Folgen der Eurokrise zu leben”.

Es liest sich dann etwas weniger dramatischer oder mehr nach Suspense und Chicklithandlung aufgeplottet, denn eine sexuelle Belästigung und ein Unwetter haben ja nicht sehr viel mit der Krise zu tun.

Da ist also die Neunzehnhährige Nelia, die nach dem frühen Tod der Mutter, bei den Großeltern in Kaisersbad, ist Baden damit gemeint?, lebt und dort die Matura machte.

Sie hat zwei ältere Halbgeschwister, Georg, der in London lebt und Sidi, die auf einer griechischen Insel verheiratet mit einem Macho-Griechen, einen Verganressort führt Nelia ist ja auch Vegetarierin, leicht eßgestört und nach der Matura offenbar zu Sidi aufgebrochen. Dort hat sie Marios, einer der Verwandten von Sidis Ehemann kennengelernt und mit dem will sie sich in Athen bei einer Domastrion treffen.

Ein anderer Verwandter, in dem griechischen Dorf sind alle verwandt oder verschwägert, namens Evangelos soll sie zur Fähre bringen. Der versucht sie aber zu küssen. Nelia flieht entsetzt und versäumt das Schiff.

So beginnt das Buch. Nelia steht da am Hafen und ihr Rucksack fährt mit dem Schiff davon.

Sie geht zurück in den Ort, mietet sich auf Sidis Kosten in ein nobles Hotel ein und kann dort nicht schlafen, weil sich zwei Männer am Balkon miteinander vergnügen, so daß sie sich nur mit dem Schrei “Its”a mouse!” retten kann.

Ein wenig kitschig würde ich sage, oder so eine typische Streeruwitz-Attacke.

Am morgen geht es nach dem Frühstück Richtung Hafen zum nächsten Fähre. Logisch würde man denken, zurück, ist aber nicht so einfach, es muß ja durch Griechenland gereist werden.

Also überlegt Nelia, ob die achtunddreißig Euro dafür nicht zu teuer sind, da sie  nur mehr zweihundertzwanzig Euro im Täschchen hat. Rettung naht auch gleich durch einen Griechen, der ihr einen Segelturn mit Stelios und Stephanous schmackhaft machen will.

Nun könnte man denken, ein so prüdes Mädchen, daß wegen einem Kuß eine Fähre versäumt, geht nicht mit zwei unbekannten Männer auf ein Segelboot. Weitgefehlt, obwohl die Vergewaltigungsphantasien natürlich da sind, doch dann  passiert nichts weiter, als, daß die Beiden zuerst etwas schmuggeln, dann in Seenot geraten und zwischenlanden müßen. Nelia macht sich wieder davon, gerät in einen Sturm und in ein von Deutschen Regisseuren und anderen Künstlertypen gemietetes Haus, wo sie mit ihren Frauen den Sommer verbringen, sich von einem Griechen  bekochen lassen, saufen und eine Leihmutter namens Despina, die das Kind aber abtreiben lassen will, gibt es auch.

Die bringt Nelia am nächsten Morgen zur nächsten Fähre, die geht nach Santarin und hat einen Maschinenschaden. Alle geraten in Aufregung, denn Skandal und das, was offenbar derzeit in Griechenland üblich ist und früher in der DDR so war, die Schwimmwesten wurden verkauft, damit sich ein Reicher ein Haus auf einer Insel bauen kann und die, die dann untergehen, sind ihm egal.

Es geht aber niemand unter, das Schiff kommt an, Despina führt Nelia noch in das Häuschen ihrer Tante und dann geht es auf die Fähre nach Athen und dort angekommen, gerät sie zuerst in eine Polizeisperre, denn es gibt ja um den Syntagma-Platz ständig Demonstrationen und, das habe ich vergessen, es gab in der Zwischenzeit keinen Telefonkontakt zu Marios mit dem sich Nelia ja treffen wollte.

Jetzt sucht sie nach ihm, gerät in die Demo, wird mit Tränengas besprüht, verliert ihr Handy, auf eine Polizeistation gebracht, Aphroditi, eine Menschenrechtsbeauftragte der Syriza-Partei kümmert sich um sie, vermittelt sie an Kiki, ihre Freundin und gemeinsam suchen sie nach Marios, bekommen heraus, daß er auf der anderen Demonstration vor ein paar Tagen, von der Polizei verletzt wurde, mehrere komplizierte Knochenbrüche, die operiert werden müßen. Er ist aber schon über Neunundzwanzig und war trotz seines Studiums zwei Jahre arbeitslos, also nicht mehr sozialversichert und in ein öffentliches Spital kann er, weil er auf der Polizeiliste steht, auch nicht.

Nelia findet ihnschließlich, er liegt in einer Privatwohnung,  wird von einem Privatspital versorgt und verbringt offenbar noch einige schöne Tage mit ihm, bevor sie wieder nach Wien beziehungsweise, Kaiserbad zurückkehren und dort ihren Shortlistroman schreiben wird, mit dem sie den DBp doch nicht gewinnt und also die Operation für Marios nicht bezahlen können wird.

Aber das ist eine andere Geschichte, ein anderer Roman und in Athen und in Griechenland sieht es jetzt nach der Abstimmung und den Bankenkontrollen wahrscheinlich schon wieder ganz anders aus.

Petros Markaris kann ich noch erinnern hat auch über die Griechenlandkrise geschrieben und auf der “Buch-Wien” darüber berichtet, aber das ist noch einige Jahre länger her.

Paradiesvögel

“Paradiesvögel”, heißt das, glaube ich, erste Solobändchen des 1976 in Bremen geborenen Björn Ciesinski, bei “Holzbaum” besser bekannt, als HUSE,  dessen Zeichnungen in “Titanic” und verschiedenen “Cartoon-Sammelbänden” erschienen sind.

Am Buchrücken gibt es einen Beschreibungstext:

“Es war einmal im Paradies. Adam & Eva waren gerade ausgezogen (Gentrifizierung) und ein paar Paradiesvögel blieben ratlos zurück. Sie wetzten ihre Schnäbel am Baum der Erkenntnis. Und plötzlich erkannten sie: Das Debutwerk des jungen Künstlers HUSE besticht nicht nur durch erzählerische Überraschungselemente, sondern trumpft auch mit frischen und ungewöhnlichen Pointen & Liebe zum Detail auf.”

Dann geht es aber gar nicht nur um Paradiesvögel.

Eigentlich und genau genommen tauchen, die nur am Cover des blauen Bändchens auf. Denn schlägt man das Buch auf, erblickt man gleich “Die heilige Dreifaltigkeit.”

Aber richtig, ein Vorwort der Mutter, Frau Marlies Ciesinski gibt es auch, die “Von ihrem Baby  und seinen Windeln”, spricht.

“Und dann ist der junge Mann, in die Welt gezogen, um sie zu entdecken. Und hat zum Entsetzen der Familie, der Onkel, Tanten und Cousinen nicht Jura studiert oder Bankkaufmann gelernt. Was bist du für eine schlechte Mutter, nichts aus deinen Kindern geworden, sie machen was sie wollen und arbeiten nicht. Tja, ich habe total versagt.”

Ein seltsames Vorwort für eine Karikaturenband, könnte man denken, das Werk spricht aber für sich und so blättern wir uns wieder durch die Paradiesvögel und anderen Gegebenheitn, wobei ich wieder einiges schon von den anderen “Holzbaum-Bänden” kenne.

“Hab ich den Herd ausgemacht?” fragt sich so etwa der wahrscheinlich zwängelnde Christus am Kreuz.

Und “Tut mir leid Kinder. Ich muß weg. Hier habt ihr eine Vaterfigur!”, sagt der Mann mit Hut und Koffer und steckt den beiden Kleinen ein Püppchen entgegen.

“Zu mir oder zu dir?”, fragen sich zwei Schnecken und das Hündchen mit dem Handy im Park “hat noch nicht Gacki gemacht.”

Die Selbstmordprävention beim Zugfahren trägt ein Clowngesicht und “gescheiterte Lebensmittel” oder”Küchengeräte mit psychischen Stlrungen” gibt es auch.

Vielleicht ist an HUSE ein Psychotherapeut verlorengegangen. Die Mami wird sich freuen und das letzte Selbstportrait ist, wenn der Maler vom Hochhaus in seinen Rahmen springt.

“Hasso war alles andere als froh darüber, daß der Flohzirkus wieder in der Stadt gasgtierte”, stammt wahrscheinlich aus den “Cartoons über Hunde“, während der “Wochenplan”, der beim Kätzchen ein “Burn Out” besorgt, wahrscheinlich aus dem über “Katzen” ist.

Spannend spannend und ums Lesen und über den Buchhandel geht es in dm wirklich sehr weit gestreuten Paradiesvogelprogramm auch.

So stellt sich der letzte beim “Last  but not liest”, ohne Buch bei der Bushaltestelle an und am Schluß kommt natürlch noch die Werbung in eigener Sache:

“Das beste was der Buchhandel in Sachen komischer Kunst derzeit zu bieten hat!”

Also auf Leute, stürmt den “Shop der komischen Künste”, um euch davon zu überzeugen. Die anderen Karikaturenbändchen in dem HUSE vertreten ist, lassen sich vielleicht auch noch mitnehmen!

Nachkommen

Jetzt geht es weiter mit dem “Longlistenlesen”, nämlich mit Marlene Streeruwitz “Nachkommen”, die voriges Jahr auf der Longlist stand und einen Roman über eine Zwanzigjährige geschrieben hat, die mit ihren Roman “Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland” auf die Shortlist gekommen ist.

Marlene Streeruwitz ist mit der “Schmerzmacherin” 2011 darauf gekommen.

Ich habe mir beide Bücher zum Geburtstag gewünscht, da mich ja die Griechenland-Krise interessiert und durch die offenen Bücherschränke oder andere Gelegenheiten habe ich in den letzten Jahren sehr viel Streeruwitz gelesen und bin allmählich in ihren Stil hineingekommen.

Auf der “Buch-Wien” und auch in der “Alten Schmiede” habe ich sie lesen gehört und mir die Frage gestellt, mit welchen Buch ich jetzt beginnen soll?

Mit dem Roman oder mit der Shortlistverleihung? Wahrscheinlich doch mit dem Roman, weil es den zuerst gegeben hat und ich habe die beiden Bücher auch in meine Sommerfrische mitgenommen, weil ich auch über Griechenland und die Griechenlandkrise an Hand der Studentin Eleni, der Freundin der Sandra Winter schreiben will.

Dann hatte ich in der ersten Sommerfrischenwoche aber nicht sehr viel Gelegenheit dazu, denn da war ja das “Germanisten-Porno”, O-Ton Nora Gomringer über das Bachmannlesen und so habe ich, als ich mit John Knittels “Das Verhängnis” fertig wurde, mit den “Nachkommen” angefangen.

Wahrscheinlich wäre es umgekehrt doch besser gewesen, aber das Buch passt wieder gut zum Longlistenlesen, mit dem ich jetzt ja auch angefangen habe.

Also sind die “Nachkommen”, jetzt gelesen und ich sage, es war eines der leichtestens Streeuwitz-Bücher, denn die ist ja manchmal sehr kompliziert und nicht leicht nachzuvollziehen, aber hier erschien mir alles sehr vertraut, vielleicht, weil ich mich schon länger mit dem Literaturbetrieb beschäftige und da auch irgendwie daneben stehe, obwohl Nelia Fehn tut das eigentlich nicht.

Die ist eine Halbwaise, zwanzig Jahre, glaube ich, gerade die Matura gemacht und danach ist sie offenbar nach Griechenland gefahren, hat da aus ihrem Tagebuch den Roman gemacht, mit dem sie gleich auf die Shortlist gekommen ist.

Ein bißchen unrealistisch wahrscheinlich, aber die “Nachkommen” beginnen an dem Tag, da sie nach Frankfurt zu der Preisverleihung fliegen muß, wenn man nicht hinkommt, bekommt man das Geld nicht, steht in dem Buch, habe ich so gehört, die Herren vom Börsenverein haben das das letzte Jahr bei der Preisverleihung abgestritten.

Nelia will aber hin, denn sie braucht das Geld für ihren Freund Marios, der in Athen oder sonstwo auf einer Demonstration von der Polizei verletzt wurde und für die Operation in der Privatklink Döbling würde sie sechzigtausend Euro brauchen.

Der Preis ist aber nur fünfzigtausend und es ist auch nicht so leicht von Wien oder Kaiserbad oder, wo das Buch beginnt, wegzukommen, denn der Großvater ist gestorben und hat an diesem Tag das Begräbnis.

Sie fliegt aber trotzdem, trifft in Frankfurt ihren Verleger, das ist ein etwas windiger geiziger Mann, der sie auszunützen scheint und fährt in das Hotel, das der Börseverein für die Nacht nach der Preisverleihung für sie gebucht hat. Danach muß sie auf Verlegerkosten, der ihr noch keinen Vorschuß bezahlt hat, umziehen, weil sie auf der Messe Termine, Interwiews, etc hat, der quartiert sie in eine windige Pension ein, wo sie die Farbe des Kastens nicht ertragen kann.

Es ist auch kalt in Frankfurt, sie hat keinen Mantel, offenbar auch nicht viel Geld und so zieht sie herum, denn es gibt auch noch einen Vater in Frankfurt, zu dem sie bisher keinen Kontakt hatte. Er hat nur die Alimente bezahlt, um alles andere hat sich der Großvater gekümmert, hat sie die Matura machen lassen, mit achtzehn hat der Vater zu zahlen aufgehört. Jetzt meldet er sich und will Nelia oder Cornelia treffen.

Sie hat auch Probleme mit ihrer Ernährung, ist sie nämlich Vergetarierin und ein bißchen Messie dürfte sie auch sein, so sammelt sie auf den Empfängen oder, wo sie sich befindet, die Gurkenscheiben und die Baguettestückchen ein, holt sich aus einem Supermarktabfallcontainer das Obst heraus und wird dabei beobachtet.

Ein bißchen trist das Bild, das Marlene Streeruwitz da zeichnet, auf der anderen Seite wird sie überall erkannt und auf den Preis, den sie natürlich nicht bekommt, wie  auch die Streeruwitz zweimal nicht, angesprochen.

Sie muß Interviews geben, auf die Messe gehen und sich dort von der Security untersuchen lassen.

Der “Suhrkamp-Verlag” und sein Rechtsstreit kommt auch darin vor und, ich glaube, eine enttäuschte Nichtgewinnerin, zwei Jahre später soll das ja Clemens Meyer passiert sein, daß er enttäuscht,  die heiligen Hallen des Römers verlassen hat.

Der Titel “Nachkommen”, bezieht sich wohl darauf, daß Nelia ständig über ihre “Mami”, die hieß, Dora Fehn und war auch eine berühmte Schriftstellerin resumiert, ihrer bürgerliche Familie mütterlichseits, es gibt auch eine Schwester, die in Griechenland leben dürfte und der unbekannte Vater spielen natürlich eine Rolle, der auch seine Familie, Freundinnen, Kinder etc hat.

Es kommt zu einem Treffen, sie läuft dann davon, besucht ihn wieder in seiner Villa, in der gerade ein Empfang stattfindet und das letzte Kapitel spielet in einem Museum, in London wahrscheinlich, wenn ich das richtig verstanden habe, denn Nelia ist von Frankfurt wieder abgereist und betrachtet hier ein berühmtes Bild mit einer “Griselda”.

Marlene Streeruwitz hat da während ihrer Lesung in der “Alten Schmiede” einiges erklärt.

En spannendes Buch und eine verständliche Streeruwitz würde ich sagen, die politischen Themen sind mir vertraut, wie auch der Literaturbetrieb, der wahrscheinlich im realen Frankfurt nicht so schäbig ist, wie ihn die Streewuwitzt schildert und ich schreibe  auch oft darüber und die Frankfurter Buchmesse habe ich auch in zwei Büchern ein  beschrieben, in der “Mimi” wo der Johannes Staudinger auch auf der Shortlist steht und in der “Heimsuchung” kommt Frankfurt ebenfalls vor.

Spannend also das Loglistenlesen 2015 damit zu beginnen und als nächstes oder übernächstes kommt die junge Anarchistin dran.

Das Verhängnis

Weiter geht es mit dem Lesen mit John Knittel und einem beziehungsweise drei Bücher, aus dem Bücherkasten meiner Eltern.

“Via Mala” ein berühmter Titel, der in den Ohren klingt und wahrscheinlich längst vergriffen, aber öfter in den Bücherschränken zu finden ist, für die Schwiegermutter habe ich einmal einen Band herausgeholt und mich nun selber an die drei Leinenbände, der “Büchergilde Gutenberg” von 1937 herangemacht.

“Das Verhängnis”, “Das Schicksal”,”Die Erlösung”, es war gar nicht so einfach, die richtige Reihenfolge der Trilogie herauszufinden. Auf meiner Leseliste steht es auch falsch angeschrieben, denn in den Büchern steht “Via Mala” Roman und auf der nächsten Seite dann einer der oben genannten Titel und das I II II kann man nur ganz klein in den Fußnoten entdecken.

So war das bei den Büchern des vorigen  Jahrhunderts, keine Inhaltsangabe, keine Biographie, etc und nachgooglen konnte man auch nichts. Wie haben das die Leser damals gemacht, könnte man fragen, während sich heute die Blogger darüber streiten, ob ein seriöser Blog, den Übersetzer eines Buches angeben muß?

Wenn man bei “Wikipedia” nachschaut, erfährt man auch nichts von der richtigen Reihenfolge der Bände, nicht einmal, daß es ein Roman in drei Teilen ist und über John Knittel ist auch nicht sehr viel zu finden, aber doch soviel, daß er ein 1891 in Indien geborener schweizer Autor ist, 1979 in Graubünden gestorben, der seine Werke in Englisch schrieb und offenbar mit “Via Mala” berühmt wurde.

Erstaunlich global könnte man meinen und nun hineingesprungen, nachdem ich  herausbekommen habe, daß, die “Erlösung” offenbar doch nicht der Romanbeginn ist.

Leicht ist das Lesen über das Schicksal der ” schlechten Straße”, die von der Stadt Andruss bis zum Yzolla-Hospitz, beziehungsweise der Familie Lauretz, trotzdem nicht, denn John Knittel springt hinein in das Geschehen und man denkt, die ganze Zeit man kennt sich nicht aus oder liest vielleicht doch den falschen Band.

Das ist also der Sägewerkbeseitzer Lauretz, ein schlechter verkommener Mensch, ein Trinker, der ständig mit der Peitsche um sich schlägt, Frau und Kinder verprügelt, die sich vor ihm fürchten, dann aber doch widersprechen, ziemlich widersprüchig. Den Sohn Niklaus hat er zum Krüppel geprügelt, als dieser die Mutter schützen wollte, weshalb er wehruntauglich ist und sich dafür schämt, dann gibt es den behinderten “Mannli”, weil offenbar im Suff gezeugt, die Schwestern Hanna und Silvelie und der Vater hat in der Stadt noch andere Kinder von anderen Frauen und kommt nur gelegentlich in die Sägemühle, um zu prügeln oder in seinem verstaubten Büro nach Plänen für eine Brücke zu suchen, die er bauen soll.

Es herrscht Armut in der Familie, die sich hauptsächlich von Brot und Kartoffeln ernährt und der Vater darf nicht wissen, daß sich Silvelie im Hospitz verdingt, um der Mutter Geld zu bringen. Es gibt auch einen berühmten alten Maler zu dem Silvelie ein besonderes Verhältnis hat und einen Tagelöhner, der den Tyrannen am liebsten erschlagen will, gibt es auch.

Der Alte wird dann verhaftet und wegen “Gotteslästerlichkeit, Sittenlosigkeit, Trunksucht, sowie Ehebruch und Konkubinat”, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.

Silvelie erbt von dem Maler, der an einem Herzschlag stirbt, sein Haus und fünftausend Franken, da sie aber noch nicht volljährlig ist, nimmt der Vater, der inzwischen aus dem Gefängnis entlassen wurde, das Sparbuch an sich und fährt nach Zürich, das Geld abzuheben.

Silverlie fährt auch hin, der Rechtsanwalt und guter Freund des Malers, der sie betreut, kann aber nicht viel ausrichten, so waren in den Neunzehnhundertdreißigerjahren, wo das Buch zu spielen scheint, es gibt Automobile und Silvelie geht in Zürich ins Kino, die Gesetze.

Der Taglöhner  Jöry und Niklaus werden, als der Alte in der Nacht betrunken mit dem Geld zurückkommt aktiv und erschlagen ihn im Beisein der Mutter und der Schwester Hanna,  vergraben seine Leiche. Silvelie wollen sie sagen, er wäre, als er sie nicht angetroffen hat, wütend geworden, hätte fünfhundert Franken auf den Tisch geworfen und geschworen, nie mehr zurückzukommen.

Schließlich erfährt sie das Geheimnis doch, Niolaus stellt sie vor die Wahl, den Mund zu halten oder zum Richter zu gehen und sie alle anzuzeigen. So nimmt sie am nächten Tag ihren Korb und einen Teil des Geldes und verläßt das Haus.

Damit endet der erste Teil.

Mein Mann, der Kommunist

Ich bin, schreibe ich immer, keine besondere Freundin der großen Amerikaner, die bei uns  so hoch gehalten und als Vorbild für unsere Literatur gepriesen werden.

Richard Fords “Kanada” und James Salters “Lichtjahre”, der kürzlich gestorben ist, habe ich für langatmig empfunden und bei Philiph Roth, von dem ich das erste Mal etwas hörte, als ich bei der “Libro-Bestseller-Aktion”, das “Amerikanische Idyll” nicht gefunden habe, danach den “Menschlichen Makel” und “Exit Ghost” gelesen habe, ist es mir ähnlich gegangen.

Ausnahme sind John Updikes “Hasenherz” und Sylvia Plaths “Glasglocke”, aber bei Frauen ist das vielleicht anders und nun, den, wie ich irgendwo gelesen habe “besten” Roth Roman.

Philiph Roth rechnet mit der Mc Cartny Ära ab. Tut das wieder sehr langatmig auf fast vierhundert Seiten, verwendet dabei alle möglichen Katasthrophen die einem so passieren können und verwendet auch noch einen doppelten Erzählstil dabei, also ganz schön routiniert natürlich, wie es sich für einen, der jedes Jahr auf den Nobelpreis warten soll, ja gehört.

Philip Roths Alter Ego oder Erzähler ist, glaube ich, der Schriftsteller Nathan Zuckerman und der bekommt von seinem, inzwischen neunzigjährigen Englischlehrer, die Geschichten dessen Bruder Ira Ringold erzählt, wie Sheherazade tut er das in einigen Tagen, geht von vorne  zurück und wieder nach vorn und baut so Sämtliches ein, was in nur in einem Roman passieren kann und dabei hätte ich gedacht, ich habe keinen Erfolg, weil ich zu langatmig bin und nicht genug verdichte, bei den Amerikanern ist das offensichtlich anders und, um nicht mißverstanden zu werden, ich finde die amerikanische Geschichte sehr interessant, zu weitschweifig war es mir aber erzählt und ich habe auch recht lang mit dem Lesen gebraucht und weiß beim Nacherzählen jetzt auch nicht, wo ich anfangen soll?

Wahrscheinlich in den Fünfzigerjahren, wo MC Cartney eine Kommunistenhatz betrieb und da ist Ira Ringold, ein Jude aus nicht ganz so guten Haus, aus dem Krieg nach Hause gekommen, mit kommunistischen Ideen, die sind mir bei all den Verwicklungen nicht so ganz klar geworden. Er wurde aber von einem O Day indoktriniert, lebte auch sehr einfach in einer Hütte und da hat er auch den jungen Nathan kennengelernt und ihn eingeladen, einige Sommer mit ihm dort zu verbringen. Der besorgte Vater unterzieht ihm einem Verhört, fragt  ob er ein Kommunist sei?

Ira verneint, so gibt es einige schöne Sommer auf dem Land, Ira verheiratet sich dann mit Eve Frame, einer Schauspielerin, die schon drei Männer und mit einem einem Homoseuxuellen eine Tochter namens Sylphid hat. Er zieht zu ihr nach New York, wird Rundfunksprecher und lebt in nichtkommunistischen Luxus.

Die Ehe ist aber nicht sehr gut, Sylphid sperrt sich dagegen und zwingt die Mutter zu einer Abtreibung, was Ira ihr nicht verzeiht, der hat Bandscheibenprobleme, so braucht er eine Physiotherapeutin, das ist eine Estnin, die kommt zu ihm mit ihrem Behandlungstisch und macht bei ihm offensichtlich auch noch etwas anderes, als Massage und Eve, die beiden haben sich inzwischen getrennt und Ira ist zu seinem Bruder gezogen, bestellt sie einmal zu sich, um Ira einen Brief zu überbringen.

Dort läßt sie Helgi warten, weil sie den Brief immer wieder neu beginnt, so daß diese sich allmählich betrinkt und sie dann wüst beschimpft.

Das ist der Anfang der Geschichte, beziehungsweise der Titel des Buchs.

Eve hat nämlich sehr antikommunistische Freunde und die zwingen sie angeblich in ihrem Namen das Buch “Mein Mann der Kommunist ” schreiben zu lassen, das Ira wüst diskriminiert, als sowetischen Spion, Verführer, etc diskriminiert, seine Karriere ist vorbei, der Bruder muß sich auch einige Zeit als Staubsaugervertreter verdingen und Nathan auf einen Collegeplatz verzichten, er bekommt Weinkrämpfe und wird von dem besorgten Bruder in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Dort besucht ihn Eve, wird selbst hysterisch und in eine Zwangsjacke gepackt, das finde ich schon mal übertrieben.

Dann geht Ira wieder aufs Land zurück und verkauft fortan als Mienenarbeiter Steine an Touristen, er hegt auch Mordpläne an Eve, denn er hat, es wird wirklich immer komplizierter, schon einmal einen Menschen umbegbracht., Eve stirbt aber in den Sechzigerjahren an den Folgen des Alkohols, nachdem Sylphid sie verlassen und zu ihrem homesexuellen Vater nach Frankreich zurückgegangen ist. Ira stirbt ein paar Jahre später,  Nathan Zuckerman bringt seinen neunzigjährigen Lehrer, nachdem die Geschichte zu Ende erzählt ist, in sein Haus zurück und resumiert über das Leben und den Kommunismus, indem er auf die Sterne schaut.

“Die Sterne sind unentbehrlich.”, lautet so auch der letzte Satz des Buchs.

Europa Erlesen-Salzkammergut

Der “Wieser-Verlag” hat ja die “Europa-Erlesen-Reihe”, wo eine Reihe von europäischen Städten, Gegenden, etc, literarisch vorgestellt werden und die man, wie in den Vor-oder Nachworten empfohlen, bestens dafür geeignet sind, sie zu den jeweiligen Reisezielen als passende Lektüre mitzunehmen.

Der liebe Rudi Lasselsberger hat mir einmal das “Linz-Bändchen”, wo, glaube ich, ein Text von ihm enthalten ist, geschenkt und vor ein paar Wochen lag eine Reihe dieser Bände vollkommen neu und unbenützt, im Bücherschrank und so habe ich zugegriffen und da ich mir vor einigen Jahren angewöhnt habe, meine Reisen mit den entsprechenden Büchern zu begleiten, habe ich  das Bänchen eingepackt, als wir zu Sladky 27, 28 oder 29 aufgebrochen sind, weil ich dachte, das geht jetzt ins Salzkammergut, was, wie mich Hubertus Czernin, der Herausgeber, belehrte, nur zum Teil stimmt, denn das Tote Gebirge, liegt zwar im steirischen Salzkammergut, aber die ausgewählten Texte bezogen sich hauptsächlich auf Bad Aussee, Bad Ischl, das Ausseerland, etc und durch Bad Aussee, sind wir bei der letzten Sladky-Wanderung durchgefahren, als wir von der Rinnerhütte kamen, aber dort wollen wir von der anderen Seite, erst beim nächsten Sladky hinauf.

Egal. Die Salzkammergutlektüre hatte ich schon vorige Woche eingepackt, als es kurz zu Luis Stabauer an den Attersee ging, da allerdings einSalzkammergutbuch von Alfred Komarek, das ich dann nicht gelesen habe.

Auf den Berg habe ich gedacht, ist aber das kleine “Wieser-Bändchen” handlicher, was dann so auch nicht stimmte, weil ich zum “Tauplitz-Haus mit dem Auto hinfahren konnte und einige der Gruppe mit Reisetaschen angekommen sind.

Ich habe, als ich gesehen habe, daß es mit Peter Altenberg und Alexander Lernet-Holenia beginnt, das Lesen dann am Freitagbabend unterlassen, es aber am Samstag nach der verregneten Tour auf den Tragl wieder aufgenommen und das Buch auf einen Zug ausgelesen, beziehungsweise, durchgeblättert.

Herausgeber ist, der 2006 verstorbene Hubertus Czernin, das Bändchen ist 1998 bei “Wieser” herausgekommen, der sich im Nachwort outet, daß er seine Kindertage jedes Jahr mindestens zwei Monate im Salzkammergut, das ja bestens geeignet für die Sommerfrische war und ist, verbrachte und beginnen tut der Band mit einem Text von J. A Schultes, der 1809  “Über die vorteilhafteste Art das Salzkammergut zu bereisen” schrieb und da “Gmünden” “St. Gilgen”, “Ischel”, den “Hallstädter-See” etc, erwähnte.

Wirklich spannend wurde es  bei Alexander Lernet-Holenias,  1897-1976, “Hochwasser im Salzkammergut”, als der “Es regnet tagelang und nächtelang. Die Zimmer stehen leer.  Die Autobusse aus Tölz und Berchtesgaden bleiben aus. Des Ortes Vizebürgermeister, selbstverständlich SPÖ hat schon erklärt: Wenn das so weitergeht, so glaubt er doch noch an Gott, und seis auch nur, um ihm die Schuld an der verregneten Saison zu geben…”

Dazwischen habe ich den Alfred mit dem Otto Lambauer über die nächste Wahl und die FPÖ diskutieren gehört und gedacht, daß ich Lernet-Holenia bisher offensichtlich falsch einschätzte und weitergelesen.

Es kamen dann Texte von Fritz von  Herzmanofsky-Orlando und Peter Altenberg offensichtlich begnadete Salzkammergut Sommerfrischler und Hilde Spiel ist dort offensichtlich auch öfter gewesen.

Ihr Text  “Dieser See ist blau” ist offensichtlich ein Romanauszug aus “Verwirrung am Wolfgangssee” und Barbara Frischmuth, die 1941 in Altaussee geboren wurde und glaube ich, dort wieder lebt, ist mit einem Auszug aus ihrer “Klosterschule” vertreten, ein Buch das ich vor längerer Zeit gelesen habe und in Altaussee waren wir einmal, als die Anna ganz klein war und haben in dem Gasthau, wo wir geschlafen haben, prompt Barbara Frischmuth getroffen.

Sonst waren wir ein paar Mal am Grundlsee, sind dort um den See herumgegangen, beim letzten Sladky-Treffen, sind wir dorthin abgestiegen, die Litera-Mechana hat dort eine Autorenwohnung, wo Gertraud Klemm und die Ruth vor kurzem waren, ich aber wahrscheinlich nicht eingeladen werde, weil mein literarisches Ouvre ja angeblich zu klein ist.

Gustav Ernst hat auch ein Buch darüber geschrieben und ich habe in meinem doch vorhandenen selbstgemachten Werk in “Lore und Lena”, die Lore mit ihrer wiedergefundenen Mutter auch auf die Sommerfrische nach Altaussee oder Bad Aussee geschickt.

Aber weiter im Buch:

Carl Zuckmayer war offenbar öfter im Salzkammergut und hat das “Baden und Schwimmen im Wallersee” beschrieben und von Franz Carl Ginzkey gibt es eine “Sonate vom Attersee” und da war ich ja kurz letzte Woche und habe mir von dort Luis Stabauers “Atterwellen” mitgenommen, die ich vielleicht zum nächsten Sladky-Treffen als Lektüre mitnehmen könnte, wenn ich das Buch nicht zulange auf meiner elendslangen Leseliste stehen lassen und den Komarek nicht auf einen Berg hinaufschleppen will.

Von Alfred Komarek von dem ich ja die “Villen der Frau Hürsch” gelesen habe, gibt es auch einen Text über “Aussee und die Ausseer und  Gerhard Zeillinger, der 1964 in Amstetten geburen wurde, gibt in seinem Text “Ischl”, das er “zu seinen frühen Kindheitserinnerungen zählt”, einen hervorragenden Einblick über die Sommerfrischler dort, erwähnt Lehar und Perutz und die, die in Auschwitz ermordet wurden und daher nach 1945 nicht mehr nach Ischl kommen konnten, von wo sie 1938 vertrieben wurden.

Er erwähnt auch den Kaiser, seine Villa und seine Jagdleidenschaft, beziehungsweise, die Anzahl der Gemsen und Hirsche, die er geschossen hat.

Ein sehr interessanter Text und sehr zu empfehlen, wenn man sich einen Eindruck über die Sommerfrische im Salzkammergut machen will und dann gibt es natürlich Karl Kraus, der mich mit seiner “Ischler Esplanade” auch sehr überraschte.

Jakob Wassermann , 1873-1934, von dem einige Texte im Buch enthalten sind, dürfte im Salzkammergut begraben sein und dazu passt sehr gut Christoph Ransmayrs Text “Der Totengräber von Hallstadt”, wo er diesen, beziehungsweise den Friedhof dort beschreibt, wo man Totenschädel “bewundern” kann.

Friedrich Torberg und Hermann Bahr haben Texte und von Robert Schindel gibt es einen Auszug aus “Gebürtig”, das ich auch gelesen habe und der  1937 als Jutta in Amstetten geborene Julian Schutting hat einen langen Text über die “Oktobertage in Altaussee”, den ich vieleicht noch gründlicher lesen sollte, um ihn ganz zu verstehen.

Da ich mich ja bald in meine Sommerfrische nach Harland in St. Pölten aufmache, hätte ich dazu Gelegenheit, aber nein, lieber nicht, denn da gibt es ja die Harlandbücher auf der Leseliste und das Projekt über die “Prekären Sommererlebnisse der Sandra Winter”, das ich dort angehen will.

Das “Wieser-Bändchen” ist aber auf jeden Fall allen, die sich auf Sommerfrische nach Hallstadt, Bad Aussee, Bad Ischl, an den Attersee, Mondsee oder sonstwohin gegeben wollen, wärmsten zu empfehlen.

Man kann sich ein bißchen einlesen, in die längst vergangene österreichische Literautur und auch ein paar aktuelle Dichter, wie beispielsweise Andreas Tiefenbacher, den ich, glaube ich, einmal in der “Alten Schmiede” hörte, kennenlernte.

Die Texte sind, wie zu bemerken, oft Romanausschnitte, so daß man sich an die Lektüre der ganzen Bücher machen könnte, was im Sommer und in der Sommerfrische auch zu empfehlen ist.

brennt

Weiter geht es mit dem “Deutschen Lesen” beziehungsweise den Büchern, vom “Augustin-Flohmarkt” 2012.

Da habe ich ja Sudabe Mohafez “brennt” gefunden, 2010 bei “Dumont” erschienen und daraus hat sie 2008 beim Bachmnannpreis gelesen, das ist der, den ich, wie immer zwischen meinen Stunden, es gab, glaube ich auch eine Fortbildung und wir waren mit der Anna essen, Angelika Reitzer und Clemens J. Setz haben aus Österreich gelesen, Tillmann Rammstedt, dessen Text ich in Buchform sehr sehr überhöht gefunden hat, hat gewonnen und ich habe in den Pausen bei Christiane von Zintzen und Hella Streicher nachgeschaut, was die darüber bloggen und mir dann bzw. dem Alfred, die Frage gestellt, ob ich auch bloggen kann?

Eine Antwort, die, wie ich fürchte, sehr umstritten ist, denn manche halten ja das “Literaturgeflüster” für das allerschlechteste was sie je gelesen haben, aber das sind sicher Spamer, die glauben, das man das im Internet so machen muß.

Sieben Jahre wird mein literarisches Manifest trotzdem demnächst alt und wahrscheinlich mit einer Lesung auf der Wiedner Hauptstraße gefeiert werden und Sudabeh Mohafezs Monolog einer Frau, die aus einem brennenden Haus gerettet wird, ihre Katzen an sich presst, den Feuermann, der sie rettet küssen will, etc, hat mich tief beeindruckt, so daß ich, glaube ich, bei dem ersten Publikumspreis, den es gab oder bei dem ich mitmachte, für sie gestimmt habe und später  von ihr hörte, weil ihr Blog, zu denen gehört, der von Christitiane Zintzen öfter erwähnt bzw. präsentiert wurde.

2012, das Buch also in den Augustin Flohmarktregalen gesehen und mich lange auf das Lesen des Romans, der 1963 in Teheran geborenen und in Stuttgart lebenden Autorin, die eine deutsche Mutter und einen iranisches Vater hat, gefreut.

Sie ist, wie ich dem Netz entnehme, auch als Pädagogin tätig, hat ein Frauenhaus geleitet und “brennt” ist, obwohl hochliterarrisch und in der Sprache sehr differenziert poetisch, wieder so etwas wie ein Krisenbewältigungsroman oder die Schilderung eines Traumas.

Jetzt würde ich zwar wieder behaupten, daß man, wenn das Haus brennt und man vom Feuermann die Leiter hinuntergeführt wird, keine Zeit hat, für poetisch hochstilisierte Sätze.

Aber was weiß man schon so genau, vielleicht ist man gerade dann hochpoetisch und stilistisch dicht? Interessant ist, daß ich ja einmal fast ertrunken wäre, mit sieben und mich da noch an einige Gedanken erinnern kann, die ich damals hatte und, daß mir Ruth Aspöck, als ich sie vorige Woche am Markt von St. Pölten traf, erzählte, daß es in ihrem Haus gebrannt hat und eine Gasexplosion gegegeben hat.

In dem Studio im Haus der Ich-Erzählerin tut es das auch, es gibt ein “Puff-Geräusch”, das sie hörte und das ihr, wie ihr der Feuermann später erklärte, das Leben rettete. So ruft sie ihre Katzen, gibt sich Ich-Befehle und sinniert ständig davon, den Feuermann zu küssen, während die Leiter hinuntersteigt, ihren Namen bekanntgeben soll, etc.

Später wird klar, das Feuer war gelegt, sie muß mit der Polizei und einem anderen Feuerwehrmann nochmals in die ausgebrannte Wohnung, um nachzusehen ob was fehlt, kann sich dann entscheiden, ob sie vorläufig zur Cousine oder ins Obdachlosenasyl will und beginnt einen Dialog mit imaginären Personen. Ein Lars, eine Pia und ein Hjartan kommen dabei vor, der das Feuer offenbar aus Rache legte.

Die Stimmen im Kopf, normal nach einer posttraumatischen Depression, wie der Hausarzt und die Cousine Klara sagen, solange sie nicht schädigende Befehle geben, die Psychotherapie und Psychopharmaka empfiehlt, verraten langsam, daß Mane, die Musikerin, deren Studio abbrannte, in Island bei einer Aufnahme in einem Leuchtturm war und sich dort offenbar in den Musiker Hjartan verliebte, das aber nicht zulassen wollte.

Der ist tot und hat den Brandt doch nicht gelegt, denn jetzt taucht der Feuerwehrmann Sebastian, den sie am Anfang küssen wollte oder küßte, wieder auf und erzählt von einer Nachbarin, die als Brandtstifterin verhaftet wurde.

Ein “Klangkind”, das vierjährige Nachbartöchterlein der Cousine, deren Mutter ständig im Bett liegt, weil sich der französische Vater, auch eine Art jemanden zu verlassen, erhängte und sich Coraline den Kopf gegen die Mauer blutig stößt und dann behauptet, die Wand wäre auf sie gefallen, dringt in Manes traumatisiertes Leben, die eigentlich gegen Dezember wieder ausziehen sollte, weil die Cousine dann die Wohnung braucht.

Das Leben geht weiter, die Musikerkollegen werden aufgesucht, Mane kann in der nächsten Zeit nicht mitmachen, weil Störgeräusche im Ohr und sie nachts wegen der Stimmen, den Flaschbacks und anderen nicht schlafen kann und manchmal bis fünfzehn Tropfen Baldrian braucht.

Ob sie die Stimmen noch hört?, will die gestrenge Cousine wissen, als ihr Mane von der Entführung der kleinen Coraline erzählt, der sie doch täglich Spielsachen kaufte, weil die depressive Mutter, die offenbar für Mane, die posttraumatische Depression erleidet, das nicht will oder kann.

Uje, zu weit gegangen, also schnell verneint, nicht mehr, seit sie mit dem Fahrrad zu Sebastians Häuschen fährt und Pia kichert laut und in dem Häuschen des Feuerwehrmannes trifft sie seinen Zwillingsbruder Fabi, nach einem Zeckenbiß behindert, er malt oder fotografiert aber schön und will das auch bei Mane tun und Sebastrian möchte wissen, was sie an Weihnachten vorhat?

Da gibt es einen Plan, eine Idee, nämlich nach Reykjavik zu  Hjartans Schwester fliegen, die mit einem Pfarrer verheiratet ist und das Grab besuchen, wo zwei Namen stehen, Hjartan und Tira.

Das ist das Kind, mit dem im Bauch, sie sich damals um zwei Uhr aus dem Krankenhaus gestohlen und mit einem Taxi zum Flugplatz gefahren ist.

Der Rest ist einfach oder schwer und im Nachhein stellt sich heraus, daß wieder einmal alles ganz anders, wie erwartet war.

Der Brandt, hat ihn jetzt die alte Nachbarin gelegt oder nicht, hat nicht die PTSD ausgelöst, sondern offenbar eine vier Jahre alte Starre zum Verschwinden gebracht, so daß das Leben weitergehen kann, mit dem Feuerwehrmann, den sie küssen wollte oder küßte.

Aber vielleicht habe ich mir das nur so interpretiert und man kann das Buch bei der Fülle des Materials, das es bietet, auch ganz anders lesen.

Cartoons über Hunde

Nach den “Cartoons über Katzen” kommen jetzt solche über Hunde, die sich ja angeblich nicht verstehen und so kann es schon passieren, daß in der “Haustierhotline”, ein fröhliches Hündchen die Auskunft “Aber natürlich können Sie Ihre Katze in der Mikrowelle trocken!” gibt und der allbekannte Satz, “Er will nur spielen!”, kommt in allen seinen guten und auch bösen Varianten vor und so wird das Leben aus der Sicht des Hundes lustig aufs Korn genommen und wir können im schnellen Rundgang allen altbekannten Klischees begegnen und vielleicht auch neue kennenlernen.

“Wie lange dauer dieser Poststreik noch? Mein Hunde langweilt sich zu Tode!”, urgiert da die Omas übers Handy.

“Der treue Hund”, erhängt sich nach Ari Plikat mit dem Herrchen und zwei Herren in Anzug und Krawatte freuen sich darüber, daß ihr Hündchen in der Hundeschule lernte, sein Häufchen selber wegzumachen.

Da lernt man auch noch so einiges anderes, in der Regelschule schön in Reihe und Glied, während die Hündchen in der “Walddorf-Hundeschule”, sich schon einmal zur Musik im Takt bewegen.

Dorthe Landschulz hat erkannt, daß es lustig sein kann, sein Hündchen “Dot” zu nennen und sich Gedanken  darüber gemacht, wie es in Zeiten wie diesen, dem “Raucherdackel” gehen könnte.

Wenn vor der Hundeschule das Schildchen “Wir müssen draußen bleiben hängt!”, hat es wahrscheinlich der Unternehmer schwer und das berühmte “His Master`Voice” wird auch ein paar Mal variiert.

Überdas Hündchen können Mann und Frau auch leicht in Kontakt zueinander kommen:

“Apropos.. haben Sie heute Abend schon was vor?”, beziehungsweise kann das, wie Teja Fischer meint, bei der Frau am Strich, dem Freier schon mal “Einen Zehner!”, kosten, dem Liebesspiel der beiden Hündchen zuzusehen.

Über die Bevorzugung der Hunde wird gewitzelt:

“Sie bekommen den Job! Ich finde Sie niedlich!” oder “Ich habe gehört, er hat den Job bekommen, weil er der beste Freund vom Chef ist!” und Martin Zak stellt uns ein Hündchen vor, das mit einer Eistüte auf Rollschuhen vor einem Haus mit Verbotsschildern steht, wo alle drei unerwünscht sind.

“Na tol!”

Was macht Hund wohl in diesem Fall?

Von Rudi Hurzlmeier stammt das Titelbild, ein kampferprobtes Hündchen und Oliver Ottisch, der ja schon einige Solobände und Kalender bei “Holzbaum” hat, empfiehlt “einen künstlichen Darmausgang:

“Da ist das Sackerl fürs Gackerl direkt am Dackerl!”

Wie praktisch könnte man denken, es kommt aber noch viel besser, wenn Mann und Frau und Hündchen auf der Parkbank sitzen und der erstere einem staunenden Passanten erzählt: “Er ist adoptiert. Meine Frau kann keine Hunde bekommen!”

Oder andersrum und auch nicht weniger böse: “Da mein Mann eine Katzenallergie hat und der Vermieter keine Hunde erlaubt, mußten wir uns ein Kind anschaffen!”

Clemens Ettenauer und Johanna Bergmayr haben die hündischen Cartoon mit  “komischen Bildern von Ari Plikart, Dorthe Landschulz, Gerhard Glück, Johann Mayr, Lilli Bravo, Martin Zak, Michael Hottschulte, Michael Sowa, Miriam Wurster, Oliver Ottitsch, Rudi Hurzlmeier, Schilling & Blum, Til Mette, Uwe Krumbiegel u.v.m”, ausgewählt und ich kann das Buch allen Hundefreunden und vielleicht auch Hassern ans Herzlegen, auf eine mögliche Ausstellung im “Shop der komischen Künste im Museumsquartier” verweisen und  überlegen schon, welche Cartoons wohl als nächstes folgen werden?

Pferde wären vielleicht interessant, aber auch Elefanten, Löwen, Mause, ich bin gespannt!

 

Gewalten

Weiter geht es mit dem deutschen bzw. dem Leipzig lesen, denn ich habe mir ja für unseren Leipzig Kurzausflug zu Utes Geburtstagsfest Clemens Meyer “Gewalten-ein Tagebuch” mitgenommen, ein Buch, das ich mir bei unserem letzten Deutschland Urlaub, der Donauradreise von Ulm nach Regensburg, vor ziemlich genau einem Monat, bei diesem “Thalia Abverkauf” in Ulm  um einen Euro kaufte, dann mit dem Rad nach Regenburg und mit dem Zug zuerst nach Würzburg und schließlich nach Wien transportierte und zuerst auf eine viel spätere Leseliste setzte, es dann aber vorgezogen habe, denn in Leipzig ein Buch eines Leipziger Autors zu lesen, der noch dazu in dem kleinen Reclam-Stadtführer-Heftchen, als wichtiger Literaturvertreter angegeben war, passt ja gut.

Und von dem 1977 in Halle an der Saale geborenen Autor, der in Leipzig leben dürfte, habe ich schon einiges gehört. So hat er 2008 den “Preis der Leipziger Buchmesse” gewonnen. Sein  “Die Nacht, die Lichter” habe ich gelesen und weil ich ein wenig schlampig bin, habe ich nicht genau geschaut “Die Nacht der Lichter” geschrieben und dafür prompt eine Rüge des Autors abgefangen, der  sehr energisch sein dürfte, so war er ja auch 2013 für den dBp nominiert, bzw. auf der Shortlist und soll bei der Preisverleihung an Terezia Mora, wie ich hörte, ziemlich verärgert den “Römer” verlassen haben. Dafür hat er den “Bremer-Literaturpreis” gewonnen und in Leipzig bei der Messe tritt er auch regelmäßig auf, bzw. bloggt er darüber und wenn ich mich nicht irre, hat er dort auch sein “Gewalten-ein Tagebuch” vorgestellt, das 2012, bei S. Fischer erschienen ist und eine sehr interessante Textsammlung ist.

Elf Prosa Miniaturen, steht am Buchrücken, aha, also doch kein Tagebuch,wie der Umschlag denken lassen könnte? Aber so einfach ist es nicht, denn irgendwie hängen die Texte, die elf Geschichten, die alle. um das Jahr 2009 geschrieben worden sind, dafür hat Clemens Meyer auch eine Unterstützung bekommen, wie im Buch vermerkt steht, doch zusammen.

“Gewalten” ist die erste und man wird gleich hineingeschmissen, in die Gewalt des Lebens, beziehungsweise in die Psychiatrie und das Besondere an den Geschichten ist wohl auch, daß sie alle Ich-Erzählungen sind und einen Helden namens Clemens Meyer habenund dieser hat offenbar zuviel getrunken, hat randaliert und ist dann in die Psychiatrie-Notaufnahme gelandet, gefesselt, an der Wand fixiert, seiner Freiheit beraubt, etc.

Starker Tabak, eine starke Sprache, eine starke Geschichte. Nicht alle der elf Erzählungen  haben ein so einheitliches Thema, bei manchen monologisiert der Autor einfacher vor sich hin, trifft am Hauptbahnhof von Leipzig, den er ziemlich genau beschreibt, einen Bekannten, verliert seinen Hund, dem die letzte Geschichte gewidmet ist.

Der alte Hund, der sich an den vergorenen vom Baum herabgefallenen Kirschen Kirschen besäuft, kommt aber öfter vor, irrt sozusagen durch das Buch, wie der Autor Clemens Meyer, der auch einmal “German Amok” läuft und sehr viel von seiner Spiel-und Wettleidenschaft erzählt.

Ein Buch, das die Welt von unten schildert, ziemlich offen, ziemlich brutal und dann wieder viel an literarischen Wissen zu outen hat.

Eine starke Sprache, eine starke Stimme, die nicht nur Leipzig beschreibt, auch die Stadt M., beziehungsweise Berlin kommen vor und das sächsische Bergland wird auch aufgesucht.

Also doch ein Tagebuch, die Prosa Miniaturen des Jahres 2009, die aber auch von 2005 und viel mehr erzählen.

Eine interessante Stimme, die wie in der Beschreibung weiter steht “von Albträumen, jubelnder Euphorie, dem Wahnwitz der Zeit” und noch viel mehr erzählt und ein passendes Buch für ein Leipzig Sommerwochenende,  das ich ein bißchen durch Bayern schleppte und das wahrscheinlich auch zum Karl Heine Kanal und seinem ehemaligen Fabriksgelände passt.

Spannend ist es vielleicht auch diesen Miniaturen-Band mit Gabriele Wohmanns Kurzgeschichten zu vergleichen, die mich auf meiner vorigen “Deutschland-Tour” begleiteten.