Pandemische Zeiten

Jetzt kommt eine Neuerscheinung, die Büchersendungen aus Deutschland kommen wieder an, hipp hurrah, da ist ja offenbar einiges verlorengegangen und wurde über PDFs oder österreischische Auslieferer nachgeholt und die “Pandemische Zeiten – Corona, Kapitalismus, Krise und was wir dagegen tun können”, aus dem marxistischen “Manifest-Verlag”, ist ein brandaktuelles Buch, denn wahrscheinlich nicht nur Ende Mai erschienen, sondern in diesem wahrscheinlich auch geschrieben und hergestellt und das Thema “Corona”, meine Leser wissen es, interessiert mich sehr.

Eine Linke bin ich auch, aber nicht unbedingt eine Theoretikerin, so war ich mir gar nicht so sicher, ob ich marxistische Analysen, die ja oft nur schwer verständlich sind, wirklich lesen möchte?

Vielleicht hat mich auch der Name eines der Herausgegeber,, Sascha Stanicic, veranlaßt das Buch zu bestellen, ich glaube, zwar nicht nur, das Thema war schon das ausschlaggebende und über allzu Theoretisches kann man ja wie bei Arno Schmidt auch schnell darüber gelesen. Dann kam das Buch und ich wurde wieder an den Sascha Stanisic erinnert, dachte, wußte gar nicht, daß der so politisch ist, aber schreibt sich der nicht zweimal nur mit “s”, statt mit “sch” und “c”? Tut er auch, denn der Sascha Stanicic ist ein linker Gewerkschafter und das Buch ist viel viel interessanter, als erwartet und offenbar auch nicht so schwer zu lesen, stellt es ja schon im Vorwort die Frage, die ich mir bei meinem Corona-Text immer noch stelle, kann man mitten in der Krise darüber schreiben?

Kann man natürlich nicht, wissen auch die Herausgeber, nur eine aktuelle Bestandaufnahe geben und das Ganze dann später, wenn alles vorbei ist, beurteilen.

Es ist eine Antholigie in fünf Teile gegliedert und der erste beschäftigt sich mit den Veränderungen, die sei Ende Februar oder Anfang März in Deutschland oder auch in Österreich passierten und da ist ja interessant, daß Österreich ein wenig strenger und viel restriktiver, als die Deutschen war, so haben sie, glaube ich, eine viel größere Arbeitslosikeit als die Deutschen und die deutschen Infektionszahlen sind, glaube ich, sogar ein bißchen besser, aber das nur am Rande.

In den vier Artikeln des ersten Teiles, wo der erste von dem jetzt schon zweimal zitierten Sascha Stanicic ist, werden die Veränderungen, die Maßnahmen und Lockdowns diskutiert.

Winfried Wolf beschäftigt sich in “Eine Erschütterung des Weltkapitalismus mit offenem Ausgang” mit den Börsen und der Autoindustrie, Inge Höger mit dem “Demokratieabbau in Krisenzeiten”.

Da muß man aufpassen, daß der Entzug der Freiheitsrechte, die angeblich nötig waren, nicht nachher bleiben, weil man damit ja viel bequemer alle überwachen kann.

Aber wie kann man das, wenn man nicht demonstrieren darf? Das ist zwar seit Anfang Mai ohnehin vorbei und in Deutschland sind die Leute ja noch früher als in Österreich auf die Straße gegangen, das sind zum Teil aber keine Linken, sondern die sogeannten Verschwörungstheoretiker und in Österreich auch die FPÖ und die Identitärren, als auch nicht das, was man sich vielleicht wünschen sollte und dann wird es besonders interessant, denn ein Andreas Pittler vergleicht die Krise mit Sarajewo, da war ich schon auf den falschen Stanicic draufgekommen und dachte, ich schau mir an, was das für ein linker Gewerkschaftler ist?

War aber schon der österreichische Historiker und Krimischreiber, der ja auch eine Gusenbauer-Biografie geschrieben hat, die ich mal gefunden habe und der zeichnet ein sehr scharfes Bild über die Regierungsbeteiligung der Grünen und meint, was ich eigentlich nicht so scharf gesehen habe, daß das ja eigentlich immer eine eher bürgerliche Partei war, wenn er schreibt: “Der neue Parteichef, (gemeint ist der Herr Kogler) hatte eine Clique machtgeiler, prinzipienloser Spießer um sich geschaft, deren Loyalität er sich zu huntert Prozent sicher sein konnte”, Seite 61 und damit schließt “Und wenn es in Österreich gelingt, ein breites und tragfähiges Bündnis zu schmieden, das dem kapitalistischen Raubzug einen ernsten Kampf ansagen kann, dann hat die “Corona-Krise” wenigstens einen positiven Aspekt gehabt”. Da wäre ich zwar ein wenig skeptisch, war aber im Jänner bei der Grünung einer neuen Linkspartei, die ich allerdings auch nicht auf den Demos bei denen ich war, gesehen habe.

Der zweite Teil ist den “Folgen von Pandemie und Wirtschaftskrise” gewidmet und da werden so ziemlich alle Bereiche behandelt, die mich auch schon beschäftigten, beziehungsweise in den Medien zu hören waren.

Die Spitäler wurden jahrelang kaputt gespart und hatten jetzt zu wenig Schutzausrüstung, zuwenig Personal und dieses zu wenig Gehalt. Eine Ärztin beklagt in einem Brief diese Zustände genauer.

Es geht um die Probleme der Sexarbeiterinnen, die jetzt das ja nicht tun können und meistens nicht sozial abgesichert ist. Schwierigkeiten beim Schwangerschaftsabbruch werden befürchtet und füge ich hinzu, die Schwiergikeit mit Maske gebären zu müßen, daß hat Stadtrat Hacker zwar betont, muß man in den Wiener Spitälern nicht, ich habe aber ein Video gehört, wo das anders beschrieben wurde.

In den Schulen gibt es Probleme, die Obdachlosen haben sie und die Gewalt in den Familien hat wahrscheinlich auch zugenommen. Vor Ostern sind, glaube ich, in einer Woche bei uns erstaunlich viele kleine Mädchen aus den Fenstern gefallen und Ostdeutschland ist von der schlechten Wirtschaftslage und der steigenden Arbeitslosigkeit durch den Lockdown wahrscheinlich besonders stark betroffen, da nimmt dann natürlich der Einfluß der AFD zu und der Rechtsruck verstärkt sich, was man ja auch bei uns in Österreich sehr stark merken kann.

Der nächste Teil beschäftigt sich mit den Kämpfen in den Betrieben und der Rolle der Gewerkschaften, denen ja in Pandemischen Zeiten und wahrscheinlich auch danach ein großes Gewicht zukommt, ein österreichisches Beispiel kann ich auch gleich geben. Da sollte das Personal einer Fluggesellschaft ja zu Dumpingprisen unter dem Mindesteinkommen arbeiten. Die wollten das zum Teil auch, die Gewerkschaft war dagegen und es kam zu einer Demo gegen die Gewerkschaften. Ja, in Zeiten, wie diesen ist vieles äußerst seltsam und auf den Kopf gestellt.

Im vierten Teil werden dann die einzelnen Länder aufgeschlüßelt, aber wahrscheinlich kann man auch das verallgemeinern, das überall das Gesundheitswesen kaputt gespart wurde, es keine Schutzmasken und Ausrüstungen gab und in den Ländern, wo das krasser, als in anderen war, hat sich das dann auch besonders stark ausgeprägt, wie ja auch herauskommt, daß Corona eine Kranheit der Armen ist, die in Massenquartieren, wie Flüchtlingsheimen oder Schlachthöfen oder Postverteilerzentren besonders sich stark verbreitet, wo die Leute in ihren Quartieren wenig Platz haben und auch wenn sie krank sind, arbeiten müßen, weil es keine Krankenversicherung und keine <lohnweiterzahlung bei den Scheinselbständigen gibt.

In Indien und Afrika wirkt sich das noch viel krasser aus, weil man dort oft nicht einmal das Wasser hat, um sich die Hände zu waschen und nein es ist vielleicht doch nicht nur eine Krankheit der armen, wie das Beispiel Ischgl, das natürlich auch vorkommt, beweist. Da wurde um dem Profitausgall zu entgehen von den ÖVP Politikern vertuscht und dem Personal auch verboten sich testen zu lassen, damit ja nichts aufkommt und nichts vorzeitig geschlossen werden muß.

Ein Forderungskatalog der Gewerkschaft und der Linken, wie man in Zukunft solche Zustände verhindert, gibt es auch, ob der dann aber verwirklicht wird und ob Corona den Kapitalismus sinnvoll bekämpfen kann, würde ich aber sehr bezweifeln.

Der Tag als meine Frau einen Mann fand

Wieder ein Buch von meiner Backlistleseliste, ein Buch aus dem Bücherschrank, nämlich Sibylle Bergs “Der Tag an dem meine Frau einen Mann fand”, 2015 erschienen und nicht auf der dBp stehend, aber wieder einmal Skurrilität der letzten Schweizer Buchpreisträgerin, deren “GRM:Brainfuck” ja eine starke Dystopie war und spannend, daß wir jetzt ja, wenn auch in einer anderen Weise inzwischen in einer solchen leben, allerdings noch nicht so ganz gechipt sind.

Von der 1962 in Weimar geborenen und in Zürich lebenden Autorin, die ich letzten Winter, sowohl in Wien als auch in Basel erlebte, habe ich das erste Mal etwas gehört, als ich den Schreibratgeber las, den ich einmal über die Cornelia von Goethe-Akademie bekommen habe.

Da wurde ihr “Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot” sehr gelobt und ich habe mir ihren Namen wahrscheinlich schon wegen des skurrilen Titels gemerkt.

Dann habe ich im Schrank ihr Kolumnenbuch “Gold”gefunden, als ich “Paul und Paula” geschrieben habe, hat mir Klaus Khittl “Vielen Dank für das Leben” geborgt, von dem er sehr begeisgtert war und richtig, 2009 als ich ja auf der Jagd nach dem Buchpreisbüchlein war, ist sie mit “Ein Mann schläft” auf der deutschen Longlist gestanden.

Das Buch habe ich noch nicht gelesen, wohl aber “GMR”, das wie schon beschrieben sehr steil und übertrieben ist und “Der Tag als meine Frau einen Mann fand” kann ich gleich anfügen, ist es auch und es ist wohl typisch Sibyille Berg, die ich ja schon in Leipzig daraus lesen hörte, die wohl wirklich eine außergewöhnliche spitze Schreiberin ist, daß man während des Lesens ständig hin und herschwankt, denn einiges an dieser Midlifegeschichte ist sehr berührend und total nachvollziebar, anderes wieder so abgehoben, daß man nur den Kopf schütteln kann, aber das ist ja angeblich das, was die Leser haben wollen und für Literatur halten.

Es geht um ein Paar, Intellektuelle, Mittelschicht, so zwischen vierzig und fünzig, er mittelmäßiger Regissuer, sie Ehefrau aber auch in einem Antiquariat tätig, Rasmus und Chloe, zwanzig Jahre verheiratet und wie das so ist, total auseinandergelebt.

Das Buch ist in kurze Kapitel aufgeteilt, die alle fast Geschichten als Titel haben, wie “Rasmus entfernt Körperflüßigkeit aus seiner klösterlich kargen Wohnung” oder “Ein Jahr später—- Cloe liegt schlaflos”.

Man sieht also aus zwei Perspektiven erzählt und es beginnt irgendwo in einem Entwickungsland, der Name wird nicht genannt, es könnte aber vielleicht Thailand sein, weil es in dem Buch ja um viel Sex und auch um einen Massagesalon geht.

Rasmus, der einmal ein begnadeter Regisseur werden hätte können, die Kurve aber nicht gekratzt hat, daher in eher mittelmäßigen Theatern tätig ist, ist mit Chloe dorthin gezogen, um mit Jugendlichen ein Theaterprojekt aufzuziehen. Diese stelle finde ich grandios und kann sie, die ich ja auch unterrichtet habe, gut nachvollziehen. Er will mit den Jugendlichen diskutieren, ihnen Kapitalismuskritik beibringen und sie wollen nur Bier trinken.

Er geht dann mit Chloe in einen Massagesalon, dort rauchen sie etwas und Chloe verliebt sich unsterblich in den Masseur mit den roten Haaren. Das Paar fliegt wieder in ihre Eigentumswohnung nach Deutschland zurück, die eigentlich Rasmus Mutter, einer feministischen Finnin gehört, Chloe holt Benny, das ist ihre Liebe und außerdem ein rumänischer oder bulgarischer Roma nach, legt ihn sozusagen in Rasmus Ehebett. Es gibt dann auch wilde Sadomaso-Orgien, Rasmus Mutter taucht auf und spielt zuerst mit, dann verkauft sie die Wohnung, um nach Rumänien zuziehen, Rasmus erlebt einen Herzinfakt und am Ende reist Benny wieder ab und das Paar findet sich für die nächste Runde ihres Lebens in einer kleinenren Wohnung ein.

Midlekrisis einmal total rasant erzählt, das ist wohl Sibylle Bergs Stärke, mir war manches zu stark. Manches konnte ich, wie geschrieben gut nachvollziehen und irgendwie auch auf mein Leben anwenden, obwohl ich ja mit den Sexorigien nicht so mitbieten kann und habe inzwischen noch ein Berg Buch, nämlich “Ende gut”, 2004 erschienen, gefunden. Mal sehen, wann ich es lesen werde.

Lauter Vernaderer

Jetzt gehts gleich weiter mit dem Corona-Roman “Kein Frühlingserwachen mehr”, nämlich zur Szene 15:

“Als Viktor Neumann seine Wohnungstür aufsperrte, fühlte er sich befreit, wie schon lange nicht und war so guter Laune, daß sie nicht einmal seine Nachbarin, eine immer grantige, aber auf süßlich tuende Frau, wegwischen konnte, die prompt ihren Kopf aus dem Türspalt streckte und scheinbar freundlich “Schönen, guten Abend, Herr Magister! Haben Sie sich die Füße ein wenig vertreten? Denn von der Arbeit können Sie nicht kommen, da Sie sich, wie Sie mir erzählten, in Heimarbeit befinden!”

Viktor Neumann atmete durch, dann schaute er die Nachbarin an und schüttelte den Kopf.

“Doch, Frau Günther!” und konnte das “Frau Karl!”, gerade noch unterdrücken, weil er nicht sicher war, daß die alte Dame, eine sogenannte Hofratswitwe oder gewesene Zahnarztgattin, die Anspielung verstehen würde.

“Von der Arbeit nicht vom Spaziergang, aber den, keine Sorge, habe ich auch gemacht! vom Museum bin ich nach Hause gegangen und systemrelevante Artbeit ist, wie Sie wissen, erlaubt und das ist es, wenn man vor Ort etwas vermessen muß und auch spazierengehen ist wichtig, damit man keine Thrombose bekommt! Und wie ist das bei Ihnen, Frau Günther? Auch draußen die Seele ausgelüftet? Das rate ich für die Zeit, wo Sie Ihre Enkel nicht sehen können!”

“So ist es!”, seufzte die und fügte ein wenig freundlicher hinzu, daß sie die Enkelkinder sehr vermisse.

“Obwohl sie sehr brav sind und für mich einkaufen, damit ich nicht nach draußen muß!”

“Sehr schön!”, antwortete er.

“Dann will ich mich wieder in meine Quarantänenhöhle begeben und falls die Enkel einmal nicht kommen und Sie etwas brauchen sollten, melden Sie sich bei mir!”, bot er an und machte die Türe hinter sich zu.

“So ist es alter Drachen!”, dachte er bei sich und setzte hinzu, daß es sehr interessant war, schon im eigenen Wohnhaus das Denunizantentum beobachten zu können.

“Die Rosi fühlt sich auch von ihrer Tochter überwacht!”, fiel ihm ein und da waren wieder die Erinnerungen an den schönen Nachmittag von dem er Elfriede Günther am besten nichts erzählte, damit sie ihn nicht bei seinem ehemaligen Universitätsprofessor vernadern konnte. Der bekam zwar nicht mehr viel mit, wie ihm die Rosi zu erzählen wußte. Dafür beobachtete ihre Tochter Beate sehr genau. Denn die hatte vorhin ein wenig gestört, obwohl sie im Museum nicht anwesend war. Aber Rosi hatte sie behindert. Das hatte er gespürt, obwohl der Nachmittag sehr schön gewesen war und seine Stimmung, die schon am Boden gelegen war, stark verbessert hatte. Die Decke war ihm auf den Kopf gefallen, dem ein erlaubter Spaziergang, wo die Polizisten angeblich mit Maßstöcken an einem vorübergingen und jeden, der fünf Zentimeter zu wenig Abstand hielt, einen Strafzettel von fünfhundert Euro verpasste, nicht abhelfen hatte können. Das brauchte er nicht, mit Elfi Günther am Donaukanal spazieren zu gehen. Als er die letzte Bierflasche in den Abfalleimer geworfen hatte und überlegte, ob er schon wieder in den “Spar” hinuntergehen sollte, um sich ein neuerlicher Sixpack zu holen, das letzte hatte er gestern gekauft, allmählich fiel er damit sicher auf, warihm eingefallen, daß Rosi bei ihrem letzten Meeting davon gesprochen hatte, daß sie ins Museum gehen wolle, um den Ausstellungssaal noch einmal zu vermessen und er hatte aufgeatmet. Das war die Lösung. Das Museum war die Rettung und beim Vermessen konnte Rosi sicher seine Hilfe brauchen. Und da sie dabei mit dem Maßband hantierten, konnte auch der Sicherheitsabstand kein Problem darstellen. So war aus dem Sixpack Bier eine Flasche Prosecco und ein Säckchen Erdnüße daraus geworden und er war erwartungsvoll in Richtung Felderstraße marschiert. War dort eine halbe Stunde trübselig in seinem Büro gesessen, hatte schon “Operation mißlungen!”, gedacht, als er es am Eingang rascheln hörte und Rosi ihn erschrocken ansah, als würde sie Einbrecher im Büro vermuten.

“Ich bin es Chefin, keine Sorge!”, hatte er beruhigt und der Nachmittag war schön geworden. Viel schöner, als erwartet, denn er und Roswitha waren sich erstaunlich nah gekommen. Viel näher als zwischen Chefin und Assistent erlaubt und der Altersabstand vermuten würde und da hörte er schon die Stimme seiner Großmutter, die ihn “War das wirklich nötig Viktor? Sie ist eine alte Frau und außerdem mit deinem ehemaligen Universitätsprofessor verheiratet von dem sie zwei Kinder hat!”, mahnte.

Sie erinnert mich ein bißchen an dich, Oma!”, verteidigte er sich gegen die imaginäre Stimme in seinem Kopf.

“Sie ist genauso mütterlich und liebevoll, wie du und, daß wir das Verhältnis zwischen Chefin und Assistenten ein wenig überschritten haben, Oma? Die Quarantäne, diese blödsinnigen Zwangsbeschränkungen sind schuld, daß mich der Lagerkoller packte und Roswitha hat mir gestanden, daß sie sich ein wenig in mich verliebt hat! Daß ich sie an ihren Sohn Albert erinnere, hat sie nicht gesagt, wie ich selbstverständlich auch nicht erwähnte, daß du das bei ihr tust! Sie hat nur beteuert, daß sie ihren Egon noch nie betrogen hat und ihn sehr lieben würde!”

“Aber-?”, hat sie dann mit schuldbewußten Lächeln hinzugefügt und ihm übers Haar gestrichen “-da er jetzt nicht mehr der Alte ist und ich mich eigentlich sehr jugendlich fühlte!”, hatte sie sagen wollen und dann mit einem Blick in sein Gesicht, das natürlich jünger war, erschrocken innegehalten.

“Bea meint, daß ich das nicht mehr bin, sondern aufpassen soll, weil ich zur Risikogeruppe gehöre! Sie hat sicher auch etwas gegen meinen Museumsbesuch! Da ich mich aber wirklich jung fühle-? Was soll es, Vik? Ich freue mich dich getroffen zu haben! Denn ich mag dich sehr und da wir in einer Ausnahmesituation sind, ist-“

“Einmal keinmal und erlaubt! Wir werden es auch niemanden verraten!”, hatte er unbekümmert geantwortet und ihren Mund mit einem Kuß verschloßen. Das war es gewesen. Ein langes Gespräch, eine Flasche Prosecco lag dazwischen und zum Vermessen der Ausstellungsräume waren sie dann nicht gekommen, wie Roswitha nach einer Weile erschrocken feststellte.

“Ich muß nach Hause, Janina und Egon werden sich schon wundern, wo ich geblieben bin! Ich fürchte, das Vermessen müssen wir auf ein anderes Mal verschieben!”

Er hatte strahlend genickt und “Natürlich, Chefin! Es hat mich sehr gefreut und stehe gerne zur Verfügung, wenn du mich wieder brauchst! Es war ein wunderschöner Nachmittag!”, geantwortet. Hatte nachdem sie nach einem hastigen Kuß verschwunden war, die Erdnußpackung und die Proseccoflasche entsorgt, damit niemand etwas von ihrer nicht so ganz erlaubten Sitzung merken konnte und war beschwingt nach Hause gegangen. Hatte genauso beschwingt in Frau Günthers grantiges Gesicht geschaut und lächelte auf diese Art und Weise jetzt auch Christines Foto an, das immer noch auf seinem Schreibtisch stand.

“Was sagst du dazu, Christine?”, fragte er die entschwundene Freundin.

“Meinst du auch, daß das ungehörig ist? Der Altersunterschied zu groß und es sich nicht gehört, seinen ehemaligen Professor mit seiner Chefin zu betrügen? Das gehört sich vielleicht wirklich nicht! Da hast du schon recht, was soll ich aber machen? Ist sie doch eine wunderbare Frau, der man es bestimmt nicht ansieht, daß sie zur Risikogruppe zählt” – Wie geht es dir, Christinchen? Bist du immer noch in New York auf deiner University? Von dieser Stadt hört man ja Schlimmes, wenn man die Nachrichten sieht! Wie geht es dir? Paß auf dich auf, auch wenn du nicht zur Risikogruppe zählst, sondern gesund und viel jünger bist! Schick mir doch ein Mail, damit ich weiß, wie es dir geht!”, hörte er sich denken, schüttelte dann über sich erschrocken den Kopf und dachte wieder an die Großmutter.

“Du hast schon recht, Oma!”, sagte er zu ihrem imaginären Geist.

“Wenn du wissen willst, ob mich die Covid 19 -Krise zum Überschnappen brachte! Vielleicht ist es so! Es war aber ein wirklich wunderschöner Nachmittag mit meiner Chefin, auch wenn sie fünfunddreißig Jahre älter und mit meinem ehemaligen Doktorvater verheiratet ist, war es das und ein bißchen Freude gehört in Zeiten, wie diesen ja dazu und darf vielleicht auch sein!”

Die letzte Partie

Das nächste Backlistbuch habe ich einmal im Schrank gefunden und mir genommen, weil es von “müry salzman” war, dem kleinen feinen Verlag, in dem Laura Freudenthaler, die ja heuer beim Bachmann-Digital liest, ihr ersten Buch herausgebracht hat, Malte Borsdorf “Flutgebiet” ist dort erschienen und noch ein paar Bücher aufstrebender Jungautoren.

Den Namen Regine Koth Afzelius, habe ich glaube ich nicht gekannt oder habe ich gewußt, daß sie ein GAV-Mitglied ist? Kennengelernt habe ich sie bei dem einzigen GAV-Jour fix bei dem ich war, da bin ich neben ihr gesessen, mit ihr ins Gesoräch gekommen und wurde an das Buch erinnert.

Inzwischen gibt es von der 1962 geborenen Autorin, noch ein zweites von mir im Schrank gefundes Buch , “Der Kunstliebhaber” das in der Edition Roesner” erschienen ist, wo Anita C. Schaub ihr Frauenbuch, wo auch ein Portrait von mir enthalten ist herausgab und auch die Bruni einiges verlegte.

Dieses Buch ist neuer als die 2016 erschienene “Letzte Partie” denn es wäre, glaube ich, eine Woche nach dem Shutdown bei den Textvorstellungen” glaube ich, vorgestellt worden. Das ist also entfallen, das Buch muß ich noch lesen, die “Letzte Partie” stand aber schon auf meiner Leseliste und ich war sehr gespannt den Stil der mir literarisch noch unbekannten Kollegin kennenzulernen.

Im Klappentext ist es auch sehr schön beschrieben, vielleicht nicht gerade besonders neu und originell de Geschichte von der Eva, die in einem Restaurant ihren Adam kennenlernt. Da würden bei mir die Kritiker wahrscheinlich wieder wegen der sprechenden Namen den Kopf schütteln, sie sieht den Traummann in ihm. Er will aber nicht bei ihr bleiben, das stürzt sie in eine Krise aus der ihr eine Freundin und ein Therapeut heraushelfen. Am Ende beschließt sie sich selbst zu finden und droht Rache an.

So weit, so gut und auch sehr klar. Die folgenden zweihundert Seiten sind dann viel unübersichtlicher und man könnte meinen die Handlung verschwimmt in viele Nebensächlichkeiten und vieles kommt lange nicht so klar, wie in der Beschreibung heraus.

So passiert die geschilderte Begegnung mit Adam in den Restaurant, glaube ich, auf ein oder zwei Seiten, dann ist es schon vorbei und das Paar hetzt durch das Kapitel. Eine Freundin namens Judith gibt es auch. Dann trennt Eva sich und zieht zu einem skurillen Tierarzt, der wie ein Hund bellt, ins Konzert zu spät kommt oder ist das Eva, die das tut?

Wahrscheinlich, denn er schaut sich dort mit dem Operngugger, die schönen Damen im Orchester an. Er führt Eva auch zu einer Sadomasoparty und als der Fensehkontrolleur nachschauen kommt, versteckt er im fünf Minuten Tempo alle Fernseher und tritt dann naß aus der Dusche dem Kontrollor entgegen. Das klingt originell, ist aber, glaube ich, schon veraltet, weil jetzt kein Kontrolleur mehr kommt.

Das mit der krebskranken Freundin und dem Therapeuten Otto kommt dann wieder nur etwas verschwommen heraus, da dachte ich eher die Freundin Judith wäre die therapeutin. Einen Erwin, der sich von einem Robert trennte und wieder versöhnt, gibt es auch und ein Kuchenrezept auf Italienisch.

Das alles sehr hastig mit einer schönen Sprache und vielen literarischen und auch anderen Anspielungen erzählt.

Ich bin ein wenig ratlos und auch überfordertgewesen und jetzt auf das neue Buch grspannt, da ich es ja gerne strukturierter und realisitischer habe.

Der Heimweg

Und wieder ein Schmankerl oder ein Preview-Stück aus meinem derzeitigen Work on Progress “Kein Frühlingserwachen mehr”, das derzeit im Rohtext fertig ist. Die Szene 14, wo die Roswitha das Wien-Museum verläßt in dem sie sich trotz Ausgangssperre und Homework mit ihrem Assistenten Viktor getroffen hat.

Ob mein Blog nun mein Schreiben ersetzt hat mich einmal meine Psychologenkollegin Irmgard G. gefragt, der ich auf die Sprachambulanz gefolgt bin.

“Nein!”, habe ich geantwortet.

“Natürlich nicht!” und das ist und bleibt auch so.

Kommentierer schreiben mir manchmal, sie hätten noch nichts von mir gelesen. Nun man kann meine Bücher bei mir bestellen, sofern sie noch nicht vergriffen sind. man kann sich auf der Homepage in die Leseproben einlesen, es gibt inzwischen aber auch einiges im Blog zu finden.

Die beiden “LiteraturgeflüsterBücher” etwa, die Szenen aus denen später “Besser spät als nie” geworden ist und im Dezember gibt es immer wieder ein Adventekalenderfenster aus der “Nika, Weihnachtsfrau”.

Man sieht, ich versuche mein einsames Schreiben immer etwas aufzupäpplen und öffentlich sichtbar zu machen und weil es ja noch keine Veranstaltungen gibt und ich nicht sieben Bücher in der Woche lese, das Corona-Thema mich aber sehr interessiert, stelle ich, immer wenn es passt oder ich eine Lücke hätte, eine Szene aus meinem derzeitigen Work on Progess, den Corona-Roman, der eigentlich mehr eine Erzählung ist, hier hinein.

Vielleicht nicht ganz einfach, so leicht in einen Text hineinzuspringen. Es gibt aber im Blog einige Artikel, die über den Schreibprozeß berichten und die Szene 5, 7 und 19 gibt es schon. Die Szene 15 kann ich spoilern, wird wahrscheinlich bald folgen.

“Es war fünf vorbei, als Roswitha Herweg, das Museum wieder verließ. Ihre Haare waren ungeordnet und es fröstelte sie, als wäre im Museum die Heizung ausgefallen. Was auch so war. Die Heizung war seit zwei Wochen ausgeschaltet. Deshalb war ihr kalt, so daß sie froh war, daß sich in ihrer Handtasche, der lila Schal befand. Den band sie um ihren Hals, statt, um Mund und Nase. Denn das Gehen auf der Straße ohne das war erlaubt, auch wenn sie immer wieder besonders Vorsichtige mit Mundschutz an ihr vorüberlaufen sah. Sie hatte den Schal nur über ihre orange Jacke gewickelt und wunderte sich ein ein wenig, daß ihr kalt war, denn im Museum war es trotz abgeschalteter Heizung heiß zugegangen und genau das brachte sie durcheinander. In ihrem Kopf spielten ihre Gedanken Ping Pong. Dazu brauchte sie keine Beate, die aber, wie sie auf ihren Handy sah, dreimal angerufen hatte. Sie hatte eine sehr besorgte Tochter, aber während der Sitzung im Museum war sie nicht ans Telefon gegangen. das würde sie erst zu Hause tun, wenn sie Egon und Janina erklärte, warum sie, um elf das Haus verlassen hatte, um ihre Bankfiliale aufzusuchen und erst um halb sechs abends aufgelöst, mit einem Schal um den Hals gewickelt, widerkam. Das Zahlscheineinwerfen brauchte auch in Corona-Zeiten nicht so lang, wie sich sowohl Janina, als auch Bea denken würden und nur Egon, der, wenn er nicht wieder ausgebüchst war, um zu seinen Vorlesungen zu gelangen, in seinem Arbeitszimmer gesessen war, würde es egal sein. Gerade er hätte aber Grund sich zu empören, während es Janina und das Töchterlein nichts anging, warum sie trotz Ausgangsbeschränkung so lange nicht zu Hause war. Sie würde es ihnen aber erklären. Natürlich, keine Sorge, denn Arbeiten war erlaubt. Das erklärten sowohl der Bundeskanzler, als auch der gestrenge Innenminister, beinahe bei jedem Interview, auch wenn sie nicht beweisen konnte, daß eine Ausstellungsplanung über das”Rote Wien” zu den systemrelevanten Arbeitsgängen zählte und sie außerdem, wie ihr brandheiß einfiel, auf das Abmessen der Räume vergessen hatten. Viktor war schuld daran. Ihr Assistent, Viktor Neumann, ebenfalls Historiker, wie Egon und dreißig Jahre alt, wie ihr Sohn. Sie wußte das und hatte es nicht vergessen. Viktor Neumann, der mutterlos und ohne Freundin in seiner Garconniere gesessen war, hatte die gleiche Idee, wie sie gehabt. Er hatte das Museum zwar nicht vermessen wollen. sich aber gemerkt, daß sie das wollte, um sicher zu sein, daß die Pläne stimmten, wenn vielleicht im Juni oder schlimmstenfalls im September, die Ausstellung eröffnet werden konnte und hatte sich, wie er ihr mit jungenhaften Grinsen eingestand, in Erwartung, sie zu treffen, aus seiner Quarantänenhähle geschlichen. In den “Spar” war er gegangen, wie er ihr mit demselben jungenhaft verschämten Lächeln gestand. Hatte dort von einer maskierten jungen Damen einen Mundschutz überreicht bekommen und war von ihr aufgefordert worden, einen Einkaufswagen zu benützen. Mit diesem war er maskiert durch den Markt gefahren und hatte in ihm eine Flasche Prosecco und ein Säckchen Erdnüße gepackt.

“Denn weißt du, Chefin, schön Frau, daß ich das gerne mit dir verzehren möchte, um meine Einsamkeit zu vergessen! Wenn du dich traust, lade ich dich gerne dazu ein!”, hatte er gesagt und war dabei ihrem Mund und ihrem Körper unvorschriftsmäßig nah gekommen. Viel zu nah war das geschehen. Jeder Sicherheitsabstand wurde mißachtet, hatte sie noch gedacht. Als sie aber abwehren konnte, war sie von dem Duft seines Rasierwassers überwältigt worden, hatte die Nähe schließlich, sie konnte es nicht leugnen, gern zugelassen. Verbotenerweise war sie ihm sehr nah gekommen. Das könnte sie ihrer Tochter Beate, ihrem Sohn Albert, der Personenbetreuerin Janina und auch Egon, ihrem angetrauten Gatten, der einzige, der wirklich davon betroffen war, sagen. Würde es aber nicht, Egon vielleicht und der würde sie verstehen oder, wie eher anzunehmen war, würde es ihn, der nur seine Studenten und seine Vorlesungen im Kopf hatte und sie ,wenn sie ihm am Weggehen hindern wollte “Hexe!”, nannte, nicht interessieren. Den anderen würde sie ihr Fernbleiben mit einer unverschiebbaren Arbeitssitzung rechtfertigen. auch wenn sie über den Erdnüße und dem Prosecco, auf das Vermessen vergessen hatten. Denn es war keine Arbeitssitzung gewesen, die sich die letzten Stunden zwischen ihnen abtespielt hatte. Absolut nicht, sondern etwas, das ganz und gar verboten war, auch wenn diese Gesetzesübertretung wieder mit fünfzig und auch nicht mit fünfhundert Euro Verwaltungsstrafe zu begleichen war. Es hatte sie auch kein Polizist gesehen. Es war keiner mit einem Maßstab ins Museum gestürmt, um festzustellen, daß die Kuratorin Roswitha Herweg und ihr Assistent ViktorNeumann diesen nicht eingehalten hatten. Kein Geldbetrag würde tilgen, was geschehen war und Beate hatte recht, wenn sie sie rügen würde und da, während sie die Landesgerichtsstraße hinunterging, wieder ihr Handy summte, atmete sie durch und nannte ihren Namen.

“Hallo, Mama!”, hörte sie prompt Bea säuseln und hielt ihr Phone so weit wie möglich von ihrem Ohr entfernt, um ihre besorgte Stimme nicht zu intensiv zu hören, mit der sie ihr mitteilte, daß sie sich Sorgen mache.

“Wo warst du Mama? Ich konnte dich nicht erreichen! Janina, die ich das fragte, ist auch besorgt! Du bist, um elf auf die Bank gegangen, hat sie gesagt. Jetzt ist es halb sechs und du bist noch nicht zu Hause! Wo bist du gewesen? Ist etwas passiert?”, hörte sie ihre aufgeregte Stimme keuchen, matmete durch und überlegte, während sie Beate erklären hörte, daß sie ihre Bankgeschäfte bequem online erledigen konnte und das Haus, wie gerade im Rundfunk durchgegeben worden war, überhaupt nicht verlassen sollte!

“Älteren Personen und Risikogruppen wäre davon abzuraten und würden ersucht, sich ihre Einkäufe von anderen besorgen zu lassen!”, hörte sie sie kreischen und hinzufügen, daß dazu Janina da wäre, die, wie sie ihr versichert hatte, das auch gern täte!

“Wo warst du Mama? Ich mache mir große Sorgen! Albert ist ebenfalls besorgt!”, hörte sie sie weiter keuchen und unterbrach sie dann energisch “Im Museum, Kind! Das heißt bis ungefähr fünf war ich dort und habe-“, flunkerte sie und hoffte dabei nicht verlegen zu klingen “-die Räume vermessen und geschaut, ob die Planung passt! Das mußte sein und ist erlaubt! Das gehört, wenn du so willst, zur systemrelevanten Tätigkeit und ist wichtig, wenn die Ausstellung, wie geplant im Juni eröffnet wird und tun wir das erst später, kann es auch nicht schaden, wenn alles stimmt! Also habe ich getan, was nicht online zu erledigen ist! Du brauchst dich nicht aufregen! Im Museum ist mir, da es geschloßen ist, nichts passiert!”, sagte sie energisch und ließ bewußt Viktors Anwesenheit aus.

“Das habe ich auch Janina und deinem Vater mitgeteilt, daß ich nach der Bank in die Felderstraße schauen werde und dort hat es ein bißchen gedauert! So eine Ausstellung macht, wie du dir vorstellen kannst, viel Arbeit! Ich habe auch ein bißchen vorgeplant, damit ich nicht so schnell wieder hin muß!”, flunkerte sie mit roten Ohren, dabei verschweigend, daß sie mit Viktor vereinbart hatte, sich demnächst wieder zu treffen. Damit er nicht so einsam war, weil sie eine so mütterlich verständnisvolle Frau war, die ihn an seine Großmutter erinnere, wie er vor sich hingestammelt hatte und sich dabei so dicht an sie presste, wie es wahrscheinlich nie ein Enkelsohn bei seiner Großmutter tun würde.

“Jetzt habe ich das Museum ohnehin schon verlassen und biege in die Josefstädterstraße ein! In einer Viertelstunde bin ich zu Hause! Das kannst du Janina und dem Papa ausrichten, der aber, wenn er nicht wieder ausgebüchst ist und Janina nach ihm suchen muß, sicher viel ruhiger ist und sich keine Sorgen macht, was du auch nicht brauchst! Es ist alles in Ordnung und nichts geschehen! Ich traue mir zu, trotz meiner dreimonatlichen Überfälligkeit, die Josefstädterstraße entlangzugehen und der alteHerr, der mir gerade entgegenkommt und der wahrscheinlich zwanzig Jahre älter, als ich ist, hat kann ich dir versichern, offenbar auch keine Angst!

Wovon Schwalben träumen

Jetzt kommt ein Buch von meiner Backlistleseliste, das der Alfred kaufte, als Daniela Meisel es bei den “Wilden Worten” vorstellte.

Das weiß ich auch nach der Lektüre noch nicht wirklich, das Buch erzählt aber womöglich, die Geschichte der Großmutter der 1977 in Horn geborenen Daniela Meisel, die Biologin ist und schon weitere Romane und Kinderbücher geschrieben hat und die ich bei der Veranstaltung zum Frauentag im Literaturhaus hörte, der letzte Veranstaltung, bei der ich vor Ausbruch des Lockdowns bezüglich der Corona-Krise war.

Erzählt wird die Geschichte jedenfalls von einer Enkeltochter, die glaube ich, ebenfalls schreibt, Biologin ist und ein Verhältnis zu einem Fritz, dem Institutsvorstand oder Professor hat und aus einer guten Familie kommt und sie jetzt nicht recht weiß, ob sie ihn heiraten soll oder nicht.

Die Großmutter ist in einem Dorfgasthaus aufgewachsen, das in Horn sein könnte, Name wird nicht genannt, im Anhag steht aber unter der verwendeten Literatur, die “Geschichte des Horner Friedhofes”.

Freda ist ein uneheliches Kind, die Mutter eigentlich eine recht modebewußte Frau, schupft mit der Großmutter und dem Großvater, den “Jägerwirten” und kocht dort Erdäpfelgulasch. Der Vater ist ein Grafensohn und Freda wird als “Bankert” gehäselt.

Es kommt aber doch zu einer Hochzeit, der Vater ist offenbar der “Dirketor” des Dorfpostamtes und hat ein Pantscherl mit einer der Angestellten dort. Mit der zieht er nach Wien, bekommt ein Kind von ihr, die Ehe wird geschieden, Freda noch mehr gehänselt und freundet sich mit Benjamin, dem Sohn des jüdischen Krämers an.

Das Ganze spielt in den Neunzehnhundertdreißigerjahren, der Anschluß kommt, Benjamin verschwindet. Dann kommt der Krieg, ein Paul erscheint, zieht in den Krieg wird später von Freda, die die Enkeltochter als fortschrittliche Frau schildert, geheiratet.

Broschen und Ketterln finden sich im Nachlaß der Großmutter und ein Ticket nach Aygpten kurz vor ihrem Tod ausgestellt und Freda beschließt dorthin zu fliegen, da sie das mit ihrem Fritz, der nur Dienstreisen mag, nicht könnte.

Nichts wirklich Neues, aber wohl ein Erinnerungsbuch von Daniela Meisel, wiede ein Buch, das das Leben der kleinen Leute im Krieg sehr poetisch und metaphernreich schildert.

Pfingstsonntag Normalität mit der Ruth

Wir sollen ja jetzt allmählich, weil die Zahlen so gut sind, zu der alten oder vielleicht auch neuen Normalität, so genau weiß man das noch nicht, zurckkehren.

Also seit ersten Mai wieder Besucher in seiner Wohnung empfangen, zu Ostern war das ja noch verboten und man wußte auch nicht so genau, ob jetzt die Polizei durch die Türe stürmen und nachsehen darf, ob man vielleicht einen solchen unter seinem Bett versteckte?

Zum Muttertag war das schon anders. Da waren wir in Harland, haben gegrillt und die Doris Kloimstein dazu eingeladen, die sich dann doch nicht zu kommen traute, obwohl es am Markt meiner Meinung nach ja gefährlicher, beziehungsweise mehr Menschen waren, in Harland nur die Oma, die Anna und das Baby und das habe ich gehört, ist ja nicht so gefährdet und hat wahrscheinlich auch weniger Gelegenheit jemanden anzustecken, vor allem weil es ja noch nicht in den Kindergarten geht.

Jetzt ist aber überhaupt alles leiwand, weil die Geschäfte schon offen, die Hotels auch, die Bäder haben aufgesperrt, obwohl man sich bei diesem Wetter wahrscheinlich noch nicht, um einen der begehrten freien zehn Meter Plätze raufen muß.

Es ist Pfingsten und da wären wir, wenn wir in Harland wären und er stattgefunden hätte, zum Pfingstmarkt nach Nußdorf an der Traisen gefahren. Hat aber beides nicht, so bin ich auf die Idee gekommen, die Ruth zum Essen einzuladen, um dieses Pfingsten ein wenig literarischer zu machen.

Die Ruth ist auch eine Bezugsperson mit der ich während der Krise regelmäßig telefoniert habe, am ersten Mai habe ich sie dann bei der Oper getroffen. Sie ist schön mit Maske aufmarschiert, hat sie dann aber hinuntergegeben und jetzt hat sie auch keine aufgehabt, sondern mir eine weiße Eule mitgebracht, weil sie ihre Eulensammlung wegen ihres Wohnungsumzugs auflöst und sie sie daher in meinem Bücherregalen aufgestellt haben will. Da muß ich zwar wahrscheinlich erst Platz schaffen, ein Pfingstrosenstrauß war aber auch dabei und die “Autorensolidarität, die Zeitschrift der IG-Autoren, die man abonnieren muß, um sie zu bekommen, so daß ich nur die Nummern habe, die bei den GVs gratis aufliegen. Aber interessant, als mich die Cornelia Stahl am Freitag zum Eisessen abgeholt hat, hat sie mich auch gefragt, ob ich die neue Nummer, die gerade ausgeschickt wurde, schon bekommen habe?

Habe ich nicht, aber jetzt habe ich das Heft in dem viele viele Fotos von der letzten GV abgebildet sind, darunter einige von mir, die aber leider weder besonders schön noch besonders scharf sind.

Ein Portrait vom lieben Rudi gibt es auch und leider auch eine unerfreuliche literarische Nachricht, die ich allerdings nicht aus der “Autorensolidarität” sondern von der Facebookseite der “Gesellschaft” habe, Alfred Kollertisch, der Begründer der “Manuskripte” ist gestorben und dem habe ich ja, meine Leser wissen es wahrscheinlich, als ich noch meine Texte herumschickte, jahrelang etwas zugeschickt und einmal, als ich in die Gav aufgenommen wurde und einen Text im “Wespennest” hatte, ihm hoffnungsvoll geschrieben “Einmal werden sie mich auch nehmen!”

So kann man sich täuschen. Werden sie nicht, denn ich schicke nichts mehr hin, habe aber jahrelang das Heft zugeschickt bekommen, weil mir Hans Jörg Waldner einmal gesagt hat, ich solle im Kulturamt der Stadt Wien anrufen und mich auf die Gratisabonnentenliste setzen lassen. Dann habe ich eine Rechnung und die Mahnung sie zu zahlen bekommen und bin mit einem Telefontat mit dem Herrn Kolleritsch und der Frau Danielcyck draufgekommen, daß die ihr Abo schon lange aufgekündigt hat. Ein paar Mal ist das Heft dann noch zu mir gekommen und als ich mich dann mit der Sekretärin geeinigt habe, daß ich es wenn sie es mir weiterschicken, rezensieren werde, hat das aufgehört.

Also auch ein Großer weniger und in der “Autorensolidarität” kann man lesen, daß auch Kurt Bracharz, von dich schon was gelesen habe und mit dem ich 2005 bei dieser “Text und Kritik-Werkstatt” war und Hans Eichhorn gestorben sind.

Aber zurück zum Pfingsonntäglichen Mittagessen, Antipasti, nämlich Roastbeef und Artischocken, hat es zum Prosecco gegeben, danach Garnelen, anschließend Saltim Bocca und zum Desert ein Erdbeertiramisu, das ich schon am Samstag vorbereitet habe.

Literarische Gespräche, denn die Ruth hatte noch einiges vor, wird ja das Admiralkino wiedereröffnet und dort der Dohnal-Film gezeigt, den wir schon im Februar gesehen haben, bevor wir zu der Ruth ins Hinterthal zum Schiurlaub gefahren sind und die wird dort ihr “Auf Buch- Zündete Funken” verkaufen, so daß wir uns ein bißchen über die vergangenen feministischen Zeigten, die Elfriede Haslehner, den Arbeitskreis etcetera unterhalten haben.

Ein Leben mit Normalität, langsam scheint das einzukehren und weil am fünfzehnten Juni ja wieder ohne Maske in die Geschäfte gehen kann, kann ich dann dem Baby rechtzeitig zum ersten Geburtstag auch eine Puppe kaufen und die Ruth will hat sie gesagt, wieder nach St. Pölten fahren, da können wir sie beispielsweise mit der Doris Kloimstein am Markt treffen, wenn die nicht da gerade in Innsbruck oder Bregenz ist, aber die hat mir jetzt einen regelrechten Gedichtereigen geschickt und mir auch mitgeteilt, daß man jetzt schon den Gottesdienst ohne Maske besuchen darf. Es geht also aufwärts, mein treuer Stammkommentierer Manfred Lagler-Regall, den ich schon vermißt habe, hat sich auch bei mir gemeldet und mir sein neues Buch als PDf geschickt und der Alfred hat die Ruth, weil wir für morgen Tafelspitz eingeplant haben wieder zum Essen eingeladen. Die wollte zwar mit der Erika Brunngraber, der Tochter des Superstars spazieren gehen, kann das aber auch mit uns auf die Mostalm machen, weil wir das auf den Montag verschoben haben. Das Restaurant war zwar, als wir das letzte Mal dort waren noch geschloßen, obwohl schon der fünfzehnte Mai vorüber war, aber schauen wir mal, ob auch da schon die Normalität eingekehrt ist und noch etwas Erfreuliches kann man für nach Pfingsten vermelden. Die Kinder dürfen da nämlich wieder ohne Maske in die die Schule gehen und sie dürfen auch laufen, Ballspielen und singen, was ich als Psychologin sehr sehr gut finde, weil ich mir schon Sorgen machte, wieviel Traumatsierungen da entstehn werden, die die Psychologen der nächsten Generationen aufzuarbeiten haben, aber da, richtig, werde ich nicht mehr davon betroffen sein, kann mich also auf den morgendlichen Besuch und den morgendlichen Spaziergang freuen und das Besuchsverbot und die Kontaktsperre der letzten Wochen auf diese Art und Weise ein wenig kompensieren.

Pfingsten zu Corona-Zeiten

Pfingsten hat für mich, meine Leser wissen es, obwohl ich ja nicht religös oder katholisch bin,, eine besondere Struktur oder meine Rituale und Erinnerungen.

Eine der frühsten Erinnerungen sind wohl die Pfingstrosen, die ich im Gartenhäuschen meiner Eltern am Almweg erblickte. Dann kommt eine lange Pause und dann die Pfingstausflüge mit dem “Klub der logischen Denker” nach St. Gallen in der Steiermark nicht in der Schweiz.

Das erste Mal bin ich da 1977 mit dem Herrrn Lembacher nach meinem Dissertantengespräch, die Voraussetzung meine Dissertation zu beginnen, dorthin gefahren. Wir hatten eine Panne in St. Pölten, das erste Mal, das ich in dieser Stadt beziehungsweise in einer Tankstelle dort gewesen ist, dann gab es nur ein Doppelzimmer, bis ich dann natürlich in ein einzelzimmer übersiedelt bin. Ein paar Mal bin ich da mitgefahren,

Ich kann mich an ein Pfingsten erinnern, das war wohl 2000, wo wir die Doris Kloimstein besuchten, ich ihr stolz mein neues Buch, es war wohl die “Viertagebuchfrau” für eine Rezension im “Ecetera” überreichte und dann über ihr “Eigenverlag nehmen wir nicht!”, sie hat es wohl anders formuliert, betroffen war. Sie hat mir dann eines ihrer Bücher gegeben und ich kann mich erinnern, daß ich ihr auf eine Karte geschrieben habe, daß ihre Gedichte oder was es war, auch nicht besser als meine realistischen Romane wären.

Das ist auch lang vorbei. Dann war mal der Alfred mit dem Karl irgendwo auf der Welt unterwegs, was er jetzt nicht kann und ich in Wien beim Bachmann-Symposium oder Ausstellung im Palais Palfy.

Da bin ich zuerst auf einen Spaziergang auf den Spuren der Bachmann gegangen, habe vor dem Cafe Raimund von Hans Weigels “Unvollendete Symphonie” gehört, das ich am inzwischen gelesen habe und am Nachmittag wollte ich von Neuwaldegg auf den Kahlenberg wandern. Bin aber, glaube ich, ab Salmansdorf mit dem Bus gefahren und dann vom Leopoldsberg über den Nasenweg nach Nußdorf zurück.

Nußdorf ist auch so ein Schlagwort, nämlich ein berühmter Heurigenort in Wien, aber auch der Sitz von Alfreds Lieblingswinzer oder den, der ihm das Spritzmittel für seine Weintrauben gibt, durch den sind wir auf den Pfingstmarkt in Nußdorf an der Traisen gekommen, den wir seit <jahren immer besuchen, wenn wir zu Pfingsten in Harland sind.

Das sind wir heuer nicht und der Pfingstmarkt ist, glaube ich, auch Corona bedingt abgesagt, obwohl er ja in Freien stattfinden würde, aber wohl immer noch zu viele Menschen und am Klo, wo sich die dann ja drängen müßte man wohl Maske anlegen und auch wenn man, was der Alfred meistens wollte, in Traismauer mit dem Zug zurückfahren wollen.

Aber wir bleiben ja heuer sowieso zu Pfingsten in Wien und da habe ich ja auch noch ein Pfingsten, wo der Alfred mit dem Karli wieder irgendwo war, vergessen, wo ich mich zu einem Lesemarathon aufmachte, da zwei Tage lang, glaube ich, zu Hause gelesen und die restlichen zwei mich auf Bücherschranktouren aufmachte.

Wie werden wir Pfingsten heuer in Corona-Zeiten verbringen, wo ja inzwischen schon die Friseure, aber da gehe ich ja mit Maske nicht hin, die Geschäfte, detto, die Lokale, wo man sich in den Gastgarten ohne setzen kann und ansonsten eine zum Betreten brauchen würde und jetzt sogar schon die Hotels geöffent haben.

Das ist mir zwar egal, weil wir ja sowohl in Wien, als auch in Harland eine Wohnung, beziehungsweise ein Haus haben und zu Pfingsten eigentlich nie auf Urlaub gefahren sind, aber das Leben normalisiert sich langsam und ich habe ja sowieso immer versucht normal zu leben.

Das heißt, ich habe immer ein Drittel meiner Stunden live gemacht, am Abend habe ich in der Badewanne gelesen, statt zu Veranstaltungen zu gehen, die es ab hundert Persoen ja ab Ende Mai auch schon geben soll, ich aber keine Ahnung haben, ob die “Gesellschaft” die “AS” oder das Literaturhaus da ein Programm anbieten können, aber mit Maske, eh schon wissen und meine Normalität besteht ja im Vermeidungsverhalten, denn mit Maske würde ich mir sehr komisch vorkomen und dem Glück, daß der alfred ohnehin auch schon früher soviel eingekauft hat, daß ich das kaum machen mußte.

Am dreißigsten April ist die Cornelia Stahl zum Interview zu mir gekommen, das haben wir schon Anfangs März kurz vor dem Lockdown ausgemacht und beibehalten obwohl die Ausgangsperre ja bis ersten Mai galt und erst am letzten Tag, glaube ich, durchgesickert ist, daß man sich ohnehin immer besuchen hätte dürfen.

Am ersten Mai sind wir dann gleich zu Demonstrationen gegangen, weil erstens Tag der Arbeit und es dann auch gut ist, gegen oder den Kurzschen Plan alles perfekt mit Überwachungsapp, Maske, Testung und vielleicht auch Impfzwang zu organisieren, etwas zu tun.

Da die Corona-Demos aber offenbar eher in rechter Hand liegen und sich inzwischen ohnehin schon einiges gelockert hat, beziehunsweise sich schon der Mainstream gegen die Maskierung ztu wehren scheint, werde ich das vielleicht lassen, habe mit dem Alfred am letzten Sonntag aber schon auf der Rudolfshöhe gegessen und dann in der Radlerschenke einen Kaiserspritzer zu trinken.

Das habe ich mir ja im letzten Jahr angewöhnt bei meinen Radtouren zu tun, aber neben der Schank ein Schild mit “Bitte Maske bei der Bestellung!” Wir kommen ohnehin erst nächste Woche hin und für den Pfingstsonntag haben wir ja die Ruth zum Essen eingeladen und da kann ich gleich wieder eine Gedächtnislücke schließen, denn als ich mit ihr, als der Alfred wieder irgendwo mit dem Karl war, den öffentlichen Raum erforschten, haben wir das auch zu Pfingsten gemacht, beziehungsweise bin ich da, glaube ich, allein auch zur Seestadt hinausgefahren, habe dort den Pfingsmarkt beobachtet und ein Würstel gegessen.

Zwei Meter Abstand für Kunst und Kultur

Ich bin ja in den letzten Wochen in Wien fast nur aus dem Haus gegangen, um auf die Bank, zum Briefkasten, zur Mülltonne und zum Bücherschrank und natürlich zu Demos zu gelangen.

Klingt in in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen, der Maskenpflicht und des Sicherheitsabstandes ein wenig absurd, war aber so und die ersten Demos hat es für mich am ersten Mai gegeben, da ist der Maiaufmarsch in sehr sehr abgespeckter Form in die Demo für Kunst und Kultur hineingefloßen und ich habe mich zweimal ein wenig gewundert. Erstens, daß ich niemanden kannte und zweitens habe ich mich gefragt, was ich hier eigentlich mache, außer meine Füße zu vertreten, denn ich habe ja weder beim Härtfallfond noch beim Künstlerunterstützungsfond eingereicht, weil ich ja keinen literarischen Einnahmensverlust, da sowieso keine literarischen Einnahmen habe.

gewundert habe ich mich auch, keine Literaten dabei gesehen zu haben und auch, daß Gerhard Ruiss nicht das Wort ergriffen und eine schwungvolle Brandrede gehalten hat.

Als ich vor zwei Wochen auf diesen Spaziergang für das Ende der Maskenpflicht gewesen bin, habe ich einen Teilnehmer zu einem anderen etwas von einer Kunstdemo sagen gehört, bin aber erst zu Hause darauf gekommen, daß ich die versäumt habe oder eigentlich aus den obigen Gründen wieder nicht.

Inzwischen waren ja schon die Restaurants und die Geschäfte aufgesperrt und die Künstler mit der Staatssekretärin Ulrike Lunacek höchst unzufrieden, weil die bei einer Pressekonferenz etwas von “Kein Küßen und kein Spucken auf der Bühnen und auch keine Blasmusik!”, gesagt hat.

Das führte dann zum Rücktritt, inzwischen ist Andrea Ecker, die jetzt Mayer heißt, Staatssekretärin und die Kinos, beziehungsweise, Veranstaltungen bis unter hundert Personen können heute aufsperren, die Salzburger Festspiele wird es auch geben.

Die neue Staatssekretärin hat einen neuen Unterstützungsfond für bei der SVA versicherte Künstler, also auch nicht für alle, angekündigt und Gerhard Ruiss hat mir ein Mail geschrieben und mich zu der dritten Demo für Kunst und Kultur eingeladen.

Es geht also etwas weiter, habe ich gedacht und bedauert, daß ich wieder eine fünf Uhr Stunde hatte, also zu spät kommen werde.

Aber vorher hat mir noch Cornelia Stahl gemailt, daß das Interview, das sie am 30.4. mit mir machte am 23. 6 zwischen achtzehn Uhr und achtzehn Uhr dreißig im “Literaturfenster” im Radio Orange gesendet wird.

Wer es hören will, bitte vormerken. Dann hat sie mich noch in den Eissalon am Margaretenplatz eingeladen, wo der Service, ein bißchen anders als früher, Selbstbedienung und nur Wegwerfgeschirr, war und literarisch ist diese Woche auch einiges losgewesen.

So habe ich sehr viele Kommentare bekommen, der Rudi , die Margit Heumann, hat sich gemeldet, Peter Cak hat mir gesagt, daß er die Schreibgruppe gerne wieder beleben möchte, Doris Kloimstein hat mich gefragt ob ich auf die Demos gehe?

Mit der Ruth habe ich abgemacht mich dort mit mir zu treffen. Als ich aber nach dreiviertel sechs losgestapft bin, hat es zu Schütten angefangen. Das hat dann zwar wieder aufgehört. Die Ruth war aber offenbar schon weg oder vielleicht auch gar nicht da, als ich patschnaß den Maria-Theresia Platz mit dem Denkmal der Kaiserin zwischen den zwei Museen erreichte. Ein Orchester war unter einem Zeltdach improvisiert, der Schauspieler Cornelius Obonja hat Ulrike Lunacek verteidigt und wurde ausgebuht.

Ich denke auch, daß sie genau soviel dafür kann, wie die anderen Minister, daß nichts weitergegangen ist und wahrscheinlich auch nicht weniger Ahnung von der Kultur als Werner Kofler oder Sebastian Kurz hat, aber man geht ja immer auf die Frauen los und versucht sie hinauszudrängen. Susanne Scholl, die Literatin, Journalistin und Oma gegen Rechts habe ich wieder versäumt, aber die Rede der Schauspielerin Andrea Eckert angehört. Lukas Cejpek gesehen, Gerhard Ruiss nach seiner rede gefragt, ob er mein Buch bekommen hat. Ein Kunstministerium wurde wieder gefordert und das bedingungslose Grundeinkommen. Es gab musikalische Einlagen, eine Frau hat ein Lied gesungen, Dudelsackpfeifer haben den “Lieben Augustin”, gespielt und gesungen: “Geld ist weg, Kultur im Dreck” und am Schluß, da war mit schon ziemlich kalt, hat noch Harry Stojka gespielt und ich glaube auch gesungen.

Der geforderte Mindesabstand von zwei Meter wurde nicht ganz eingehalten, von der Regierung wird aber ohnehin nur einer verlangt und im Freien gibt es auch keine Maskenpflicht und die soll ja “Hurrah, Hurrah!”, in vierzehn Tage in den Geschäften wegfallen und nur mehr in den Verkehrmitteln, beim Friseur und wahrscheinlich auch bei den Innenveranstaltungen gelten, also vorläufig keine “Alte Schmiede” und kein Literaturhaus, etcetera, aber die werden wahrscheinlich im Juni ohnehin kein Programm zusammenbringen. Dann kommt ja die Sommerpause und bei mir gibt es, kann ich schon verraten, während ich meinen Corona-Kurzroman korrigiere und vielleicht auch noch verändere noch mindestens zwei Szenenschmankerl, denn ich bin ja eine aktiv schreibende Frau, auch wenn ich im Literaturbetrieb so danebenstehe, daß ich weder eine “Steuerbefreiung bei Kunstankäufenm noch eine umgehende Verbesserung der Künstlersozialversicherung” fordern kann und richtig Erwin Leder, den ich vom Lesetheater kenne ist auch aufgetreten und hat etwas von einem Schweigemarsch der Kunst erzählt, der am ersten Juli am Ring stattfinden wird, denn wenn es “Keine Kunst und Kultur gibt, stirbt das Land!”,

Das weiß ich jetzt nicht so genau, ob das wirklich stimmt. Für mich waren die Corona-Zeiten jedenfalls sehr intensiv, was das Schreiben und das Lesen betrifft.

Digitaler Bachmannpreis

Der Bachmann-Preis oder die “Tage der deutschsprachigen Literatur” in Klagenfurt”, wie es ja richtig heißt und den es seit 1977 gibt, ist mir ja, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, sehr wichtig.

Das heißt, ich hätte immer schon sehr gerne dort gelesen und habe auch zwei oder dreimal Mal ist es, glaube ich, gewesen, meine Texte dorthin geschickt.

Aber “Keine Chance, keine Chance!”, wie es so schön heißt, dazu bin ich wahrscheinlich sprachlich zu ungenau, zu wenig abgehoben, vielleicht auch zu konventiell oder einfach nicht im Literaturbetrieb, ich habe mich aber immer schon dafür interessiert und habe versucht soviel wie möglich davon mitzubekommen.

Das war in den Siebzigerjahren, wenn man keinen Fernseher hatte, auch nicht so einfach und damals, das hat man heute wahrscheinlich schon vergessen, war dieser Preis, wo das erste Mal öffentlich über einen Text diskutiert wurde und Marcel Reich-Ranicky hatte ja eine sehr scharfe Ausdrucksweise und ein starkes Fingerwackeln, war er vor allem in Österreich sehr umstritten.

Die IG- Autoren haben sich dagegen aufgelehnt und, ich glaube, es war am Anfang gar nicht so einfach Autoren dafür zu finden, die haben sich dann meistens herumgewunden und Ausreden dafür gefunden, wenn sie schließlich doch gelesen haben. Das Preisgeld war wahrscheinlich schon verlockend. Das ist heute längst besser geworden, die Autoren reißen sich darum, kommen sie ja dadurch mit den Publikumsverlagen in Kontakt und verlegen dann vielleicht bei “Suhrkamp” oder “Hanser”.

Wolfgang Tischer vom Literaturcafe hat sich auch des Bachmanns-Preises angenommen und reist jedes Jahr dafür mit seiner Badehose zum schönsten Betriebsausflug der Welt, Cornelia Travnicek hat sich einige Jahre die Finger wund gedrückt, bis sie 2012 lesen durfte. Und 2013 sollte der Preis überhaupt abgeschafft werden. Da gab es scharfe Proteste und ein Eingestehen der Preis wird bleiben und heuer wieder in diesem Schicksalsjahr, wo sich das Corona-Virus ja über uns stülpte und uns einen Mundschutz verordnete, beziehungsweise in eine Pleitewelle hineinschleuderte, hieß es ja Ende März, als alle Veranstaltungen bis Juni abgesagt waren, daß es das Klagenfurter Wettlesen, das ja immer Ende Juni, Anfang Juli stattfand, auch nicht geben wird.

Warum, habe ich mich gefragt, kann man doch eine gerade eine Veranstaltung, wie diese sehr leicht digital durchführen und außerdem kann ja im Juli alles anders sein und vierzehn Autoren vor sieben Juroren kann man ja mit Sicherheitsabstand lesen lassen und der Kameramann kann ja das alles mit Mundschutz filmen? Wo ist das Problem?

Die Jury hatte auch keines und rief zu einem digitalen Wettbewerb auf, Wolfgang Tischer mit seinem grimmigen Humor, den ich nur sehr schwer verstehe, machte einen Aprilscherz oder meinte es vielleicht ernst, daß er keinen ungeschminkten Klaus Kastberger in seiner Küche im Video-Chat sehen wollte, da war schon bekanntgegeben, daß der Preis digital vorbereitet wird und am 28. Mai werden die Details bekannt gegeben. Daß die Veranstaltung vom 17. bis 21. Juni stattfinden wird, war dann auch schon bekannt und heute weiß man wieder etwas mehr.

Nämlich, daß Kärnten fast virusfrei ist und Landeshauptmann Kaiser sich für Erleichterungen und Grenzöffnungen einsetzt. Morgen werden die Hotels eröffnet. Da wird für einen Urlaub am Wörthersee geworben. Veranstaltungen bis hundert Personen sind ab morgen auch erlaubt. Also wäre wahrscheinlich auch ein richtiger Bachmannpreis mit oder ohne Maskenpflicht mglich. Sitzen da halt dann nur die ausgesuchten Verlagsvertreter mit Sicherheitsabstand im Publkum und das Publkumviewing am Lendhafen könnte mit diesen auch stattfinden.

Mir ist das aber egal, bin ich ja nur einmal live vor Ort gewesen und würde es mir auch heuer nur per livestream ansehen.

Möglich wäre es, vielleicht ist die Literatur dem Landeshauptmann auch nicht so wichtig, daß er die digiatlen Vorbereitungen nicht stören wollte, obwohl die zugelassenen hundert Personen ja ein paar Hotelbetten gesichert hätten.

Die ausgesuchten Autoren haben, was mich auch schon ein wenig wunderte, schon zum Zeitpunkt der Absage festgestanden. Jetzt wurden sie wieder eingeladen oder vielleicht auch andere, denn ich habe schon ein Buch bekommen, wo es, glaube ich, schwarz gezeichnete Seiten gibt, denn die Texte dürfen ja nicht schon veröffentlicht sein.

Es gibt auch zwei Kommentatoren, nämlich Julya Rabinowich die ja auch schon dort lesen durfte und Heinz Sichrovsky. Sonst soll alles in den Arbeitszimmern der Juroren, bei denen Philipp Tingler und Brigitte Schwens-Harrant heuer neu sind, Hubert Winkels wieder den Vorsitz hat und sonst aus Klaus Kastberger, Insa Wilken, Nora Gomringer und Michael Wiederstein bestehen, stattfinden.

Die Lesereihefolge wird ausgelost, die Bachmann-Preisträgerin von 2016 Sharon Dodua Otoo wird die Festrede “Dürfen schwarze blumen malen” halten und nun zu den vierzehn Glücklichen von denen es heuer, was ich sehr gut finde, fünf Österreicher oder innen gibt.

Das sind auch die meisten, die ich kenne, denn der Durchschnittsautor wurde in den Neunzehnachtzigerjahren geboren. Eine Außreißerin, was mich auch sehr freut, nämlich die achtzigjährige Helga Schubert aus der ehemaligen DDR gibt esaucch. Die hätte 1980 lesen sollen. Hat aber keine Ausreisegenehmigung bekommen, dafür war sie von 1987-1990 in der Jury und ich würde mich jetzt schon freuen wenn sie gewinnt.

Von den fünf ÖsterreicherInnen kenne ich vier, nämlich Laura Freudenthaler, Lydia Haider, Jörg Piringer, das sehr experimentell- digiatle GAV-Mitglied und Carolina Schutti, die 1990 in Mainz geborene Hanna Herbst, arbeite lange in Österreich und wird daher unter D und A gereiht und der 1961 in Graz geborene Egon Christian Leitner, von Klaus Kastberger eingeladen, war mit bisher völlig unbekannt, dürfte aber ein sehr schräger Typ und höchstwahrscheinlich aus sozialkritisch sein.

Der 1987 in Greiz geborene Maththias Senkel hat schon 2012 in Klagenfurt gelesen, Die restlichen Schweizer oder deutsche Autoren sind mir völlig unbekannt.

Ich bin also gespannt und freue mich auf das Livestreaming. Der Literaturkurs fällt heuer aus. Die Autoren sind aber schon für 2021 ausgesucht,

Da können wir also nur hoffen, daß uns das Corona-Virus dann schon verlassen hat. Die Zahlen sind aber, wie ich höre ohnehin sehr gut. Nur von der Maskenpflicht will man noch nicht abgehen. Gerüchteweise soll das ja erst nach der Zwangsimpfung passieren. Das wäre nicht sehr gut für mich und würde mich wahrscheinlich noch mehr vom Literaturbetrieb, als ich es schon bin wegbringen.

Aber nein, das stimmt ja nicht, schreibe und lese ich ja mehr denn je und bin ja auch dabei hier nach und nach meinen Corona-Text zu veröffentlichen, so daß ich in Klagenfurt oder in meinem Wohnzimmer ja gar nicht lesen dürfte, denn meine Texte sind ja jetzt meistens schon veröffentlicht.

Die O-Töne merke ich noch an, soll es diesen Sommer geben und können ja wahrscheinlich, wenn es nicht regnetm maskenlos besucht werden. Die Salzburger Festspiele gibt es abgeschminkt und wahrscheinlich mit Maske zum Abendkleid und Frack, auch. Aber da fahre ich ihnehin nicht hin, wie auch nicht nach Frankfurt, daß es auch in abgeschminkter Form geben wird und da wurden die Details heute ebenfalls in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Gastland wird Kanada mit einem wahrscheinlich digitalen Auftritt sein.