Hörstücke

In der “Alten Schmiede” gibt es derzeit ein “Hör!Spiel!Festival” und es gibt überraschenderweise auch Termine am Sonntag, was eigentlich unüblich ist, aber heute fand ab drei, die Präsentation von drei Stücken von Hörspielautoren in voller Länge statt, die dann am Dienstag und am Donnerstag in einem Gespräch und Hörspielproben präsentiert werden.

Ich bin ja, wie ich immer schreibe, keine so besondere Hörspielfreundin, habe mir die letzte “Hörspielgala” und Raphaela Edelbauers “Darling” war auch auf der Nominierungsliste der 2019 gesendeten Hörspiele, ist aber nicht unter die ersten zehn gekommen.

Jetzt steht die junge Autorin, die an der Sprachkunst studierte und mit ihrem zweiten Buch gleich sowohl auf die deutsche als auch auf die österreichische Shortlist gekommen ist, aber am Dienstag am Programm des Hörspielfestivals, denn sie hat an der Angewandten, wo sie ja studierte gemeinsam mit Frieda Paris in der Klasse von Orhan Kipcak ein Hörspiel produziert und das wurde heute Nachmittag in voller Länge vor, sagen wir einmal, eher spärlichen Publikum präsentiert.

Aber Frieda Paris war da, die auch am Programm stand und bei der ich mich wegen Christl Fallenstein erkundigte, die sie ja gemeinsam mit einem anderen Sprachkunststudenten betreut und die unterhielt sich vor Beginn mit Annalena Stabauer, die die Veranstaltung moderierte, über die Doktorarbeit ihrer Mutter, die sie in ihr Hörstück einbaute.

Also zuerst die beiden Hörstücke der zwei Sprachkunststudentinnen. Raphaela Edelbaues Stück, das sie gemeinsam mit Corina Cinkl, produzierte und in ihm auch eine Autorin namens Raphaela Edelbauer auftreten läßt, heißt “Darling (Aus der Reihe das kryptische Journal” und beschäftigt sich mit den verschiedenen Überwachungs und Verschlüßelungstechniken, ist also hoch aktuell, auch wenn es zeitweilig in der Vergangenheit spielt.

Und Frieda Paris hat in “Ruhepuls, Rom”, hat, wie schon geschrieben, die Doktorarbeit ihrer Mutter verarbeitet, die sich mit den Täterprofilen von Mördern beschäftigte und die Beziehung zu ihren Opfern herausarbeitete und das hat Frieda Paris, die wie Annalena Stabauer in der Einleitung erwähnte, an einen experimentellen Roman schreibt, auch sehr experimentell gelöst.

Sie zitiert nämlich stellenweise Passagen aus der Arbeit und läßt sie dann in die Liebesgeschichte eines Paares einfließen, das in Rom spazieren geht.

Zwischen den Stücken gab es jeweils eine Pause, in denen ich mich auch mit Frieda Paris unterhielt, beziehungsweise meine Jonas Lüscher “Poetikvorlesungen”, die eigentlich ganz gut dazu passte, weiterlas und dann folgten zwei Hörstücke von Oswald Egger die er mit Iris Drögekamp produziert hat, mit der am Donnerstag ein Portrait haben wird, beziehunsweise dann von Bodo Hell vorgestellt wird und ich kenne den 1963 in Südtirol geborenen, glaube ich, von meiner Zeit als ich in der GAV-Jury war, beziehungwweise hat er da, glaube ich, eine Laudatio für den “Jandl-Preis” gehalten oder den solchen bekommen, ich habe ihn auch schon in der “AS”und im Literaturhaus gehört und auf der österreichischen Buchpreisliste ist er auch schon gestanden.

Ebendfalls ein experimenteller Dichter und schwerer zu verstehen, als die beiden Vorgängerinnen, würde ich meinen.

Das erste Stück hieß “Linz und Lunz” stammt aus dem Jahr 2013 und beschäftigt sich auf eben diese experimentelle Art mit dem dichter Lenz, das zweite geht in die Natur hinaus, heißt von “Drehen und Wenden der Blätter” und wurde 2006 produziert.

Mal sehen, ob ich am Donnerstag in die “AS” gehe, da wir ja nicht nach Leipzig fahren, hätte ich ja Zeit, am Dienstag werde ich wahrscheinlich die “Gesellschaft für Literatur” vorziehen, denn da werden Gedichte von Szilard Borbely präsentieren, über die ich mich schon mit Stephan Teichgräber unterhalten habe.

Mal sehen, nach der Veranstaltung bin ich jedenfalls in den zweiten Bezirk in “Magdas Hotel” gegangen, wo zum “Internationalen Tag der Frau”, der ja heute ist, eine Sandra, die Obdachlosenführungen macht, zur “Frau des Jahres” gekürt wurde.

Feenstaub

Als ich das erste Mal von Cornelia Travniceks neuen Roman “Feenstaub” gehört habe, dachte ich, die 1987 in St. Pölten geborene und in Traismauer aufgewachsene von der ich das erste Mal etwas bei den “Exil-Preisen” gehört habe, hätte ein Fantasy geschrieben.

Im Trailer in dem sie geheimnivoll an einem See spazierengeht, erklärt sie etwas von einem modernen Märchen das dem Peter Pan-Mythos nachempfunden sein könnte.

Peter Pan, da muß ich passen, denn das habe ich, glaube ich, nicht oder nur ungenau gelesen, weiß jedenfalls etwas von einem Jungen mit einem grünen Gewand, der nicht erwachsen werden will, einem Kapitän mit nur einer Hand wenn ich mich nicht irre, einem Papagei und einer Wendy oder Gwendolyn.

Ungenau, ich weiß, denn ich bin ja längst erwachsen und gebe das wieder was bei mir hängen geblieben ist und Disney ist da wahrscheinlich an mir vorbeigegangen.

Dann lese ich das Buch, das im März erscheint, aber schon etwa ein Monat in meinem Badezimmer liegt, lese es zwischen “Middlemarch” immer dann wenn ich im Bus oder bei einer Literaturveranstaltung sitze, denn ich habe meine PDFs ja im Laptop und den habe ich dann nicht mit und staune, daß der Roman aus sehr kurzen Sequenzen, die manchmal aus nicht mehr, als einen einzigen Satz bestehen und die sehr poetisch sind.

Ich habe von Cornelia Travnicek  sehr viel, ja fast alles gelesen, von “Die Asche meiner Schwester” über “Fütter mich” angefangen, “Chucks” natürlich und “Junge Hunde” von denen sie in Klagenfurt einen Ausschnitt präsentierte, ihren Gedichtband und sicher noch einiges anderes und bin erstaunt, denn für so politisch aktuell hätte ich die junge Niederösterreicherin, die PEN-Mitglied ist, eigentlich nicht gehalten und denke, daß es ihr  hervorragend gelungen ist, die aktuelle Situation, das was man in den Videos der Patrioten und der FPÖ täglich hören und sehen kann, auf so poetische Art zu verpacken.

Denn man kann das, was Cornelia Travnicek  in ihrem Trailer erzählt, auch ganz anders lesen.

Da sind drei Jungen, Petru, Magare, Cheta, die eigentlich ganz anders heißen oder anders genannt werden, die auf einer Insel leben und zum Taschendiebstahl in die Stadt ausgeschickt werden.

Das mit dem Nichterwachsenenwerden kann man sich so interpretieren, daß Taschendiebe ja klein und geschickt sein müßen und deshalb nicht erwachsen werden dürfen und damit sie ihr Leben aushalten, nehmen sie Feenstaub und glauben, daß sie damit fliegen können.

Man könnte Drogen auch ganz anders nennen und sie haben wahrscheinlich auch andere Namen.

Die Kinder oder sind es schon junge Männer, können zum Teil nicht lesen und sind von ihren Familien verkauft worden, damit sie, wie beispielsweise Petru, der Ich-Erzähler, Geld nach Hause für die Medikamente der erkrankten Großmutter, die natürlich schon längst gestorben ist, schicken können.

Das alles kennt man oder hat es in den Zeitungen gelesen oder im Fernsehen gesehen, daß es so passiert oder passieren kann und dann stiehlt Petru einmal ein Etui eines Mädchens, namens Marja, in das er sich verliebt. Sie hat eine Mutter namens Gewendolyn, das ist, glaube ich, die Fee in “Peter Pan” und einen Vater namens Georg.

Und der Krakadzil, ist der, dem die jungen Burschen ihre Beute ausliefern müßen und einen anderen Jungen namens Luc oder Luca soll Petru in das Gewerbe einschulen.

Der will aber zu seinem Bruder, so gibt Petru ihm das Geld und ein anderer Junge hat sich längst eine Pistole verschafft, um dem Ganzen zu entkommen.

Es kommt, wie es kommen muß oder nicht.

“Wo wir sind ist das Niemandsland.

Hier vergeht die Zeit langsamer, oder überall schneller, je nachdem wie man es sieht.

Es heißt alle Kinder verlassen eines Tages das Niemandsland. Ich habe nur nicht gewußt, dass sie das in Handschellen tun.”, schreibt Cornelia Travnicek lapidarisch.

Das heißt nach der Notwehr kommt die Polizei und der Anwalt. Es kommen auch Marja und Gwendolyn, die sich dafür entschuldigt, daß sie den Jungen leider leider nicht bei sich behalten kann.

Das heißt, er wird abgeschoben, kann aber dort, wo er hinkommt, eine Schule besuchen und einen Beruf lernen. Eine Telefonnummer von Marja hat sie ihm auch noch schnell zugesteckt, bevor er zum ersten Mal in seinem Leben ein Flugzeug besteigt und nun wirklich zu fliegen beginnt.

Ich würde sagen das beste und eindrucksvollste Buch von Cornelia Travnicek, das ich bis jetzt gelesen habe, das demnächst erscheint oder schon erschienen ist.

Cornelia Travnicek hätte auch auf der Leipziger-Buchmesse mehrmals lesen sollen und steht im März mit ihrem Buch auf Platz zehn der Ö1-Bestenliste.

Kein Leipzig wegen Corona

Am Mttwoch hätten wir nach Leipzig fahren sollen und hatte wieder schon alles vorbereitet, die Akkreditierung, die diesesmal mit einem Onlineticket passierte, ein Bloggertreffen, ein paar Termine für den Donnerstag, den fast ausgebucht, “Leipziger Buchpreis” um vier, wo ich diesmal die Bücher lese und gerade beim einzigen Sachbuch bin, das ich angefragt habe und dem anschließenden Empfang der Österreicher in Halle vier.

Wie gehabt, seit vielen Jahren, seit 2015 bin ich ja akkrediert  und habe nur ein paar Mal ausgelassen, weil der Alfred gerade auf Reisen war und im Vorjahr natürlich, weil ich mir das ja am zehnten März einen offenen Knöchelbruch zugezogen habe und mit Gips nicht nach Leipzig fahren wollte und heuer ist wieder alles anders, denn da gibt es ja seit Jänner den Corona- Alarm, ein Virus, das in China ausgebrochen ist und ich zuerst dachte, aha wie jedes Jahre, Schweinegrippe, Sars, Vogelgrippe, etcetera.

Als ich 2009 beim ersten “Nanowrimo” mitgeschrieben habe, gab es da ja auch ein Virus, das alle berunruhigt hat und das ich darin behandelt habe und als die Corono-Seuche oder Hysterie, die Welt überschwemmte, habe ich gerade mein Schreibebuch korrigiert, wo das Anfangskapitel ja enthalten ist.

In China wurden also die Städte abgesperrt, an den Flughäfen gab es Kontrolle und in den Videos häuften sich die Verschwörungstheorien von wegen abgesichtilich ausgelassenen Viren und die Meldungen, die man hörte, waren äußerst widersprüchlich, hieß es da doch, lange nicht so gefährlich wie die Grippe, aber als Ende Jänner das Virus Norditalien erreichte und eine Lehrerin im Gymnasium in der Albertgasse, die dort gewesen war, Grippe hatte, wurde die Schule abgesperrt, die Kinder nicht hinausgelassen und Polizisten mit Gasmasken liefen herum, obwohl die Lehrerin dann gar nicht infisziert war.

Spätestens da hatte ich wegen Leipzig, obwohl immer noch Pressemeldungen kamen, ein ungutes Gefühl und am vorvorigen Mittwoch, da war ja, glaube ich, die Geschichte mit dieser Schule, war ich im Literaturhaus und da erzählte mir eine Kammerrätin aus der Steiermark, der Autor würde in Leipzig sein Buch vorstellen.

“Wo?” habe ich  gefragt und einer, der offensichtlich auch Verleger war, mischte sich ein und fragte mich, ob ich sicher wäre, daß die Messe stattfände?

“Nein!”, habe ich geantwortet, “Ich bin nicht sicher!”, obwohl auf www.buecher.at, glaube ich, noch stand, daß sie vorerst nicht betroffen wäre, aber besondere Maßnahme, wie Desinfektionsmittel am Klo, getroffen werden würden.

Dann kam der Virus auch nach Deutschland, die Videos meldeten mehr oder weniger höhnisch von Hamsterkäufen und mokierten sich über die Leute, die mit Gasmasken, die Supermärkte stürmten, um billiges Toastbrot, das nach drei Tagen schimmelt und Konservendosen einzukaufen, aber es kursieren ja auch Videos von Vorratspflicht und Mitteiliungen, daß man sich Taschenlampen und Wasserflaschen einbunkern soll, obwohl ja nicht so klar ist, wieso ich das brauche, wenn ich wegen Ansteckungsgefahr zwei Wochen zu Hause bleiben soll?

Nun ja, die Angst ist wohl ein schlechter Ratgeber,  Panik verringert das logische Denken und fördert die Freude sich über Verängstigte lustig zu machen.

So gab es auch bei Tobias Nazemi vom “Buchrevier” eine Glosse, daß Leipzig natürlich nicht abgesagt wird, aber keine Bücher ausgestellt werden dürfen, weil das Papier ja die Viren verbreitet,  Gerüchte über die Bargeldabschaffung aus diesbezüglichen Gründen gab es auf den rechten Videos ja auch, daß es also nur Hör- und E-Books zu bewundern gäbe und die Besucher an den Eingängen Mundschutz und Ohrenstöpsel ausgehändigt bekämen, so daß die soziale Komminikation eingeschränkt wäre, worüber dann die Verleger jubeln, weil es geht ja endlich nur um das Buch und das Lesen.

Ich habe ja schon mit meinen Freund Uli öfter darüber diskutiert, daß ich es eigentlich nicht so mit den schwarzen Humor habe und habe zum Alfred gesagt, daß ich glaube am Montag oder Dienstag wird die Messe abgesagt. Am Montag, den zweiten März bekam ich noch eine Einladung zu einer Pressekonferenz, Monika Vasik hat mich aber am Abend in der “AS” gefragt, ob wir fahren werden und ihre Bedenken geäußert, daß man dann nicht mehr hinauskäme, wenn dort der Virus identifiziert wäre.

Noch bevor ich darüber nachdenken konnte, kam am Dienstag dann die Absage, worüber sich die Aussteller sicherlich nicht freuen werden, aber lesen kann man in der Zeit, wo man dann zu Hause sitzt und das ist sicherlich ein Vorteil, sich eine mögliche oder unmögliche Quarantänezeit  so zu vertreiben und es besteht bei mir diesbezüglich auch kein Bedarf, denn weil “Middlemarch” ja so umfangreich war, dümple ich ohnehin dahin und meine Neuerscheinungsleseliste, Bücher die ich ja unbedingt lesen muß, hat sich inzwischen auf ungefähr fünfzehn Stück angesammelt.In den letzten Tagen waren die Zuläufe auch besonders reichlich, weil die nominierten Buchpreisbücher kamen und seltsamerweise auch anderes, was ich gar nicht angefragt habe, nun ja, nun ja oder eigentlich sehr gut.

Cornelia Travniceks “Feenstaub” die ja in Leipzig auch prominent auftreten hätte sollen, ist ausgelesen,  David Fuchs  “Leichte Böden”, ein Buch, das er  in Leipzig im Österreich Cafe präsentiert hätte, liegt auf meinen Lesestapel, dann gibt es  noch ein paar bücher von Ulrich Becher, über den ich ja am Anfang gestolpert bin, als ich vor jahrzehnten ein paar ausrangierten Exemplare vor der städtischen Bücherei in der Gumpendorferstraße fand, darunter war auch der “Nachtigallzyklus”, den hat “Schöffling & Co” jetzt unter dem Titel “New Yorker Novellen”, wieder aufgelegt und auch seine “Murmeljagd”, die ich noch nicht gelesen habe.

Als noch keine Rede von der Absage war, habe ich überlegt, welche Bücher ich nach Leipzig mitnehmen soll und Anfang des Jahres habe ich auch einen Krimi gelesen, der in Leipzig nach dem ersten Weltkrieg spielt.

Diese Frage erübrigt sich, ich werde mich weiter durch meine Leseliste arbeiten, zu Literaturveranstaltungen gehen, sofoern sie nicht auch abgesagt werden und bezüglich des “Leipziger Buchpreises” meine Schtzungen geben.

Der wird wohl  vergeben werden, wann oder wo steht, glaube ich, noch nicht so ganz fest. Aber man kann sich ja vorsorglich durch die Bücher lesen und da ist man vielleicht auch von der Massenhysterie abgelenkt und es besteht keine diesbezügliche Ansteckungsgefahr.

Schade ist es natürlich doch, denn jetzt kann ich der Ute schon das zweite Mal nicht den “Hammer” mit unseren Stadtspaziergängen gehen und die Ulrike, ihre älteste Tochter, feiert ihren vierzigsten Geburtstag, wo ich ihr auch nur übers Netz gratulieren kann!

Vom Doml zum arabischen Frauentag

Am Freitag gibts dieses Semester wieder die Gegenwartsdramatik bei Stephan Teichgräber und obwohl ich ja kaum ins Theater gehe, hatte ich ihm etwas anzubieten, nämlich die Erkenntnis, daß Ivo Andric am 28. Juni 1914 in Krakau im Theater war, als in Sarajevo der österreichische Thronfolger erschoßen und damit den ersten Weltkrieg ausgelöst wurde.

Welches Stück er gesehen hat, ist in der Martens-Biografie nicht erwähnt, aber Stephan Teichgräber war ohnehin mit dem russischen Film beschäftigt und weil ich ihm erzählte, daß in Leipzig zwar die Messe mit dem Lesefest ausfällt, aber der Messestand in Magdeburg trotzdem aufgebaut wird und es auch bei “Leipzig liest”, mehrere Veranstaltungen gibt und ich ihn dann fragte, ob er nächsten Dienstag in die “Gesellschaft” geht, um dort der Präsentation eines neuübersetzten Gedichtband von Szilard Borbely, der sich ja 2014 umgebracht hat, beizuwohnen, sind wir erst spät zu den Theaterplänen gekommen, die hatten es aber in sich.

Denn Stephan Teichgräber hatte wieder das Burgtheater ausgewöhlt, wo es unter dem Titel “This is Venice”, einen Zusammenschnitt von Shakespeare “Othello” und dem “Kaufmann von Venedig” gibt, vielleicht werden wir uns das ansehen, obwohl ich nicht sicher bin, ob mir die Collage gefallen wird, bin ich ja keine Shakespeare-Freundin und auch keine der experimentellen Theateraufführungen, aber ich habe einmal im Volkstheater eine Aufführung des “Kaufmanns von Venedig” gesehen. Zumindesten den Beginn davon, wo der Shylock über die Bühne wandelte und dann von den Nazis in der Seitenloge ausgepfiffen wurde.

Richtig, das war Felix Mitterers “In der Löwengrube”, das mich sehr beeindruckt hat und Stephan Teichgräber ging dann gleich zum “Werk X am Petersplatz” über, das ist offenbar ein altes Theater mit einem neuen Namen, das von einem Ali Abdullah geleitet wird und Stücke wie “Baal”, “Blutiger Sommer” oder “Homohalal” von Ibrahim Amir am Spielplan, der einmal einen “Exil-Preis” für Dramaturgie gewonnen hat.

Das ist dann gleich die Einleitung zur Veranstaltung des arabisch österreichischen Hauses für Kunst und Kultur, wo ich einmal bei einer Peter Paul Wiplinger Veranstaltung war, im Amerlinghaus zum internationalen Tag der Frau, die um sechs laut Programm anfangen sollte, aber als ich fünf Minuten vorher dort ankam, war der Saal schon voll, ich hoffe, es haben mich keine Corona-Viren eingefangen, denn der Abstand von einem Meter war nicht gegeben und eine Frau hielt schon eine Eröffnungsrede.

Es waren auch einige Männer im Publikum die fotografierten, Frauen mit und ohne Kopftuch, aber meistens mit festlich glänzenden Kleidern. Die musikalische Untermalung stammte von Yasahar Abidoo und Yasser  Alsheikth, die sehr beklatscht  wurde, die Frauen haben mitgesungen, es gab eine Ausstellung von Bildern an den Wänden und eine Frau in einem glänzend roten Kleid, sagte, daß sie aus Syrien käme, viele Hobbies hätte, aber am liebsten Puppen machte, die auch ausgestellt waren.

Die Lesungen waren zweisprachig angekündigt, aber nur Ishraga Mustafa hielt sich daran, die anderen Frauen lasen oder performten nur auf Arabisch, eine dürfte aber eine Art Poetry Slam, der vielleicht auch erotisch war, vorgetragen habe, bei einer anderen fielen mir die Worte “Tick tack tack” und der Name Jasmina auf und es war sehr beeindruckend, obwohl ich nicht viel verstanden habe.

Einen Buffettisch mit Keksen un Baclava gab es auch. Der internationale Tag der Frau ist erst am Sonntag und am Montag darauf geht es noch einmal ins Literaturhaus, wo Ruth Aspöck, Daniela Meisl, Gertraud Klemm, Marlen Schachinger, moderiert von Helga Pregesbauer “ins Wort fallen” werden und ins Literaturhaus hätte ich auch heute gehen können, wo es einen “Kremayr und Scheriau-Abend” gegeben hat. Aber Lucia Leidenfrosts “Wir verlassenen Kinder” habe ich schon gelesen und Daniel Zipfel “Die Wahrheit der anderen” liegt auf meinen Badezimmerstapel und ich gehe aus ökonomischen Gründen ja nicht gern zu Lesungen, wo ich das Buch schon kenne oder noch lesen werde.

Zwei Lyrikbände in der Gesellschaft

Als ich den ziemlich leeren Vortragssaal in der “Gesellschaft für Literatur” erreichte, begrüßte Manfred Müller gerade das Publikim  zum dritten Lyrikabend dieser Woche.

Ja, richtig, es ist ja der Monat März und da war ich  schon am Montag in der “Alten Schmiede” beim “DichtFest”, aber als in der “Gesellschaft” das “Podium” seine letzten vier Portraits präsentierte, darunter das meiner vor einem Jahr verstorbenen Freundin Bruni, war ich mit dem Alfred im Kino am Spittelberg und als gestern in der Herrengasse zum “Tag der Lyrik” “Das Gedicht” von Studierenden der Schauspielschule von Elfriede Ott präsentierten, hatte ich mich für das Literaturhaus und Xaver Bayers “Horrorgeschichten” entschieden und heute hätte ich eigentlich in die Buchhandlung Orlando gehen wollen, aber da wäre ich wegen meiner sechs Uhr Stunde noch später hingekommen, also zweimal “Lyrik 2020”, wie es im Programm stand und da präsentierte die 1951 in Hainburg geborene Waltraud Haas ihr neues bei “Klever” erschienenens Lyrik und Prosabändchen “Schlaglichter” und eines seiner Vorgänger hat sie ja vor  mehr als Jahren gemeinsam im Robert Prosser präsentiert, wie ich mich erinnern kann.

“Gedichte und Prosa aus vierzig Jahren!”, erklärte Manfred Müller in seiner Einleitung, dazwischen Liebesgedichte und die Prosatexte sind meist Träume und die Lyrikzeilen kurz und prägnant und dann kam ein Gedichtzyklus einer sehr viel jüngeren Frau, die, glaube ich, zum ersten Mal in Wien gelesen hat, obwohl ihr Gedichtdebut bei “Droschl” erschienen ist, deshalb saß auch Henrike Blum im Publikum, außerdem waren Astrid Nischkauer, Christl Greller, Monika Vasik, das Stammpublikum halt gekommenm um das Debut der 1991 in Bern geborenenen und in Biel lebenden  Eva Maria Leuenberger “dekarnation” mit dem sie gleich mit dem Basler Lyrikpreis ausgezeichnet wurde, zu hören.

Der Zyklus besteht aus vier Teilen erklärte Manfred Müller “kahl”, “Moor” “Schlucht” und “Tal” im Programm etwas von einer bildbhaften Sprache und Manfred Müller erkundigte sich bei der Autorin, die mehrmals Finalistin beim “Open  Mike” war und aus der “Spoken Word Szene” kommt, nach der Entstehungsgeschichte. Sie hat sehr lange daran erarbeitet, erklärte die junge Frau und las dann aus dem Teil “Schlucht”, wo immer wieder der Satz “Das Bild knistert”, vorkam.

Manfred Müller empfahl das Kaufen und das Weiterlesen: “Denn Sie haben bestimmt noch nicht alles gehört”, da mir aber “Schöffling und Co” gestern ein Lyrikjahrbuch und dann noch einen Gedichtband schickte, habe ich mir das erspart und kann noch auf den von der GAV organisierte “Lyrik in März- Veranstaltung” warten.

Vom Doml zu Xaver Bayer und Ulrich Becher

Es ist März, das neue Semester hat angefangen und bei Stephan Teichgräber gibt es eine Fortsetzung der “Gegenwartsliteratur und der Gegenwartsdramatik”, so bin ich mit meinen Kalender, nach meiner drei Uhr Stunde hinmarschiert, um ihm zu eröffnen, daß ich nächste Woche doch kommen kann, weil Leipzig, leider, leider, wurde ja gestern abgesagt, was er noch nicht wußte, aber dorthin fahren wird, um seine Nichte zu besuchen.

Nun ja, nun ja und da ich die Bücher, die ich im letzten Semster für den Workshop gelesen habe, inzwischen in Harland ausgelagert habe, habe ich mich nach der neuenLeseliste erkundigt und Stephan Teichgräber hat neben  Anna Weidenholzer und Peter Rosei noch Vea Kaisers “Blasmusikpopp” angeschleppt und dieses Buch habe ich ja vor ein paar Wochen endlos gesucht und dann endlich gefunden, aber jetzt so eine elendslange Neuerscheinungsleseliste, daß ich wahrscheinlich gar nichgt mehr dazu käme und Geörgy Dragomans “Scheiterhaufen” würde ich ja auch gerne lesen und  Janos Terey “Budapester Überschreitungen” aber das ist ja noch nicht zu mir gekommen und hatte ich fast abgeschrieben, als ich am Abend im Literaturhaus Christoph Haacker begegnete, denn ich habe mich statt der Lyrik im März für Xaver Bayers “Geschichten von Marianne” entschieden, denn ich habe von dem 1977 in Wien geborenen “Priessnitz-Preisträger”, dessen erste Bücher ich gelesen habe, schon lange nichts gehört.

Und die zwanzig Horrorgeschichten bildeten am Tag eins, der Absage von Leipzig, um eine Massenepidemie zu verhindern, einen interessanten Kontrast, denn erstens sehr voll und zweitens ging es in einer vier Geschichten, die der Autor, moderiert von Barbara Zwiefelhofer gelesen hat, auch, um eine Dystopie und um eine Quaratäne, allerdings um keine wegen Corona, sondern wegen einer plötzlichen Kälte, die das Land erfaßte, so daß der Ich-Erzähler mit seiner Marianne zuerst alle Möbel in der Wohnung verheitzten, dann, die Bücherregale und die Schallplattensammlung, zuletzt kamen die Bücher dran und der Erzähler verkündete mit lauter Stimme “Ich übergebe den Flammen, die Bücher von Erich Kästner, eceterca…”

“Darf man das?”, fragte Barbara Zwiefelhofer im anschließenden Gespräch, aber der Erzähler verbrannte ja nicht nur Ray Bradburys “Fahrenheit 451” und alle Bernhard Werke sondern auch die vom Autor selbst,  die “Alaskastraße” also “, “Heute könnte ein glücklicher Tag sein”, “Die durchsichtigen Hände” , die “Geschichten von “Marianne”, etc, ob ihm draufhin wärmer geworden ist, war nicht so leicht herauszubekommen und richtig Jochen Jung, der Doyen, hat vorher noch das Publikum begrüßt und allen einen unvergeßĺichen schönen Abend gewünscht und in den vier von den zwanzig in dem Buch versammelten Geschichten, ging es um eine Liftfahrt mit den Einkaufstüten in den elften Stock des Hauses, aber der Lift blieb nicht stehen, sondern raste weiter tagelang in Stockwerk tausend bis zweitausend und in der nächsten Geschichte wird der Erzähler, der irgendwie dann doch in seine Wohnung gelangte, von zwei Drohnen verfolgt, während seine Marianne sich mit einer Freundin auf einer Kambodscha-Reise befindet und eine Horrorfahrt in einen Wald gab es auch.

Barbara Zwiefelhofer vom Literaturhaus bemühte sich verzeweifelt den Autor zu interviewen und Fragen zu seiner Schreibtechnik zu stellen, erwähnte Kafka und der  Michael Ende, blieb aber eher unwillig bei der Fragenbeantwortung, sagte nur ungefähr, “Der Leser hat immer recht und verraten sie nicht alles!” und nachher gab es ein exquisites Käsebuffet und alle “Jung und Jung-Autoren”, waren da oder sagen wir, ich habe Richard Obermayr, Hanno Millesi, Angelika Reitzer und Lorenz Langenegger erkannt, Theresa Präauer, Sabine Gruber gesehen und Christoph Haacker zuerst gefragt, ob er auf mich vergessen hätte und ihm dann meine zweite Ulrich Becher Geschichte erzöhlt, denn erinnern wir uns, ich habe in den Neunzigerjahren, als ich noch in der Gumpendorferstraße wohnte und das Gratisleben ausprobieren wollte, in einer Kiste vor der Städtischen Bücherei zwei ausrangierte Bücher zur freien Entnahme gefunden. Es waren Ulrich Bechers “Kurz nach Vier” und der “Nachtigallenzyklus” und ich habe nach ihnen gegriffen, weil mich erstens Bücher ja schon immer interessieren und ich zweitens den Ulrich wahrscheinlich mit dem Johannes R. verwechselt habe und dann die Bücher lange ungelesen im Badezimmer in der Gumpendorferstraße liegen gehabt, weil in ihren ja keine biografische Angaben, “Wukipedia” hat es noch nicht gegeben und bitte wer ist Ulrich Becher?

Das hat sich dann 2005, glaube ich, geändert, als wir außertourlich nach Leipzig fuhren, um einen runden Geburtstag der Ute zu feiern und da in der Stadt einen Tag spazieren gingen, denn da gabs bei “Hugendubel” einen großen Abverkauf und ich erwischte ein “Aufbau-BüchleinW, wo Briefe des Verlags an seine Autoren enthalten waren und da war einige von Ulrich Becher dabei.

2010 habe ich mich dann aufgerafft, “Kurz nach vier zu lesen” und zu rezensieren, habe da diese Geschichte hineingeschrieben, bin kurz oder länger darauf mit Alfreds Wandergruppe in die Berge gegangen und hatte danach einige Mails von Chrstiph Haacker in meiner In-Box, weil er glaubte, daß ich Orginalbriefe hätte, die er in der Neuausgabe verwenden könne.

Hatte ich nicht, das neue Buch von ihm aber bei der “Buch-Wien” bekommen und nicht gelesen, das heißt nur die bigoraphischen Anfaben, die drinnen standen, denn ich hatte es ja schon gelesen, Konstantin Kaiser hat dann auch einen Briefwechsel herausgegeben, die “Murmeljagd” ist auch erschienen und den “Nachtigallenzyklus” habe ich dann auch gelesen.

Dann ist es, wie mir Christoph Haacker sagte wieder etwas stiller, um den 1990 in Basel Verstorbenen geworden, aber jetzt hat “Schöffling & Co “Die Murmeljagd” und einen Band mit “New York Novellen” herausgebracht, die ich mir beide, ohne viel Nachzudenken bestell hat und erst in den Novellband hineingesehen habe, als die bücher gestern zu mir gekommen sind und natürlich die Entdeckung machte, das ist der “Nachtigallenzyklus” oder zumindestens ein Teil davon und also habe ich jetzt beide der damals gefundenen Bücher in einer Neuauflage und gelesen habe ich sie auch und ob jetzt Janos Terey “Budapester Überschreitungen” zu mir gekommen werden, bin ich gespannt, wenn nicht, werde ich wohl auch in keinen Lesenotstand geraten, wäre aber sehr gerspannt.

Middlemarch

Nun kommt wieder ein Buch das für den “Leipziger Buchpreis” nominiert wurde, George Eliots “Middlemarch”, die eigentlich Mary Anne Evans hieß und von 1819-1880 in England lebte, also vor kurzem ihren zweihundersten Geburtstag feierte, weshalb es das Buch auch in zwei deutschen Ausgaben, eine von “dtv”, eine von “Rowohlt” herausgegeben gibt, die von “Rowohlt” steht auf der Nominierungsliste und wurde von Melanie Walz übersetzt.

In England gilt George Eliot, neben Jane Austen wahrscheinlich, als die Klassikerin und das Buch wurde, glaube ich, auch vor kurzem zum “Buch des Jahres” oder so gewählt.

Ich habe, glaube ich, in der Schule von George Eliot im Englischunterricht gehört, aber bisher noch nichts oder nicht viel von ihr gelesen.

“Daniel Deronda” habe ich auf meiner Leseliste und in meinen Regalen und jetzt habe ich mich eineinhalb Wochen durch das über tausend Seiten lange Werk gewühlt. Ich habe die E-Book-Ausgabe gelesen, die fast zweitausenzweihundert Seiten hat, also ein sehr dicker Wälzer, wo ich mir wieder die Frage stellen kann, wieviele Leser jetzt nach den Neuübersetzungen greifen und sich durch das englische Kleinstadtleben von 1830 wühlen werden? Nicht sehr viele, glaube ich, obwohl es zu empfehlen wäre, denn diese Mariy Anne Evans war wohl eine sehr emanzipierte Frau, die unverheiratet mit einem verheirateten Mann zusammenlebte oder zumindest mit ihm liiert war, die journalistisch und übersetzerisch tätig war, von Emily Dickinson und Virginia  Woolf sehr gelobt wurde und sich unverhohlen gegen die Unterdrückung der Frau einsetzt und das auf eine sehr ironische Art und Weise tut.

“Middlemarch – eine Studie über das Leben in der Provinz” heißt das Buch, das aus acht Teilen besteht und, glaube ich, zuerst als Fortsetzungsroman gedacht war.

Die Hauptprotgonistin ist eine Dorothea, die mit ihrer Schwester Celia bei ihrem Onkel Mister Brooke lebt, der auch ihr Vormund ist. Das Buch beginnt, daß Dorothea den Schmuck der Familie betrachtet, den sie, weil fromm und ernsthaft, nie tragen wird und dann an ihre etwas leichtlebendigere Schwester verteilt. Dann verheiratet sie sich, vielleicht etwas unverständlich, würde ich sagen, an einen wesentlich älteren Gelehrten, einen Pfarrer, der jahrelang an einem Werk arbeitete, das er nie vollenden kann. Er stirbt und hinterläßt ein Testament, das beinhaltet, das Dorothea ihr Erbe verliert, wenn sie seinen Cousin Will heiratet, den sie auf der Hochzeitsreise in Rom kennenlernte und sich in ihn verliebte, worauf der knöcherne Ehemann eifersüchtig wurde.

So könnte man es etwas flapsig zusammenfassen. Dorothea schwört sie nie zu verheiraten und trägt, sie ist zu diesemZeitpunkt, glaube ich, einundzwanzig, für eine Zeit die Witwenhaube, wie das damals üblich war, dann vertauscht sie sich mit einer etwas leichteren und interessiert sich sehr dafür, wie sie Gutes tun, ihren Besitz verwalten und sich, wie  damals üblich für die Armen einsetzen kann?

Celia hat inzwischen einen Sir James geheiratet und den kleinen Arthur geboren. Es gibt mehrerer Pfarrer, die wohl damals die Provinz dominierten, den Arzt Dr Lydgate, der aus Paris kommt, vieles verändern und reformieren will, die Kapitel über die Medizin scheinen mir auch sehr modern geschrieben oder übersetzt, wird von der Rückständigkeit der Menschen in der Provinz gehindert, hat es schwer eine Praxis aufzubauen und verschuldet sich sehr schnell, weil er die schöne Rosamond, die Tochter des Bürgermeisters Vincy heheiratet hat, die sehr oberflächig und sehr anspruchsvoll ist, beim Reiten ihr Kind verliert und auch mit Will flirtet oder ihm ihre Liebe gesteht, die er aber, weil in Dorothea verliebt, standhaft vefrweigert.

Ihr Bruder Fred, der eigentlich Pfarrer werden soll, ist auch ein Leichtfuß und verschuldet, wird  vom Vater gezwungen fertig zu studieren, aber die Verwalterstochter Mary auch eine der sehr energischen Frauen in dem Buch, in die er verliebt ist, will das nicht, so steigt er in die Fußstapfen ihres Vaters und alles wird nach den schon erwähnten tausend bis zweitausend Seiten gut, denn Dorothea bricht die Konventionen, heiratet ihren Will, verzichtet auf Besitz und Erbe und noch ein paar andere Personen, wie einen korrupten Banker, der erpresst wird und ein Familiengeheimnis, um Will gibt es auch.

Ein interessantes Buch, das mich manchmal wieder ein bißchen an die Courths-Mahler, die ich ja früher viel gelesen habe, erinnert, aber die Stellung der Frau und, die Art wie George Eliot oder ihre Übersetzerin darüber schreibt, ist auch sehr spannend.

“Ich frage mich, ob irgendein Mädchen auf der Welt seinen Vater für den besten Mann der Welt halten kann”, fragt Mary Garth beispielsweise ihren Vater, als er ihr eröffnet, daß sie vielleicht doch bald ihren Fred heiraten kann.

“Unfug deinen Ehemann wirst du für besser halten!”, antwortet der darauf.

“Niemals”, sagte Mary, die in ihren gewohnten Ton zurückfiel. “Ehemänner sind eine untergeordnete Klasse von Männern, die man zur Ordnung rufen muß!”

Sehr fortschrittlich für das frühe neunzehnte Jahrhundert, in dem gerade die Eisenbahnen gebaut werden und es daher vorkommt, daß die Bauern, Arbeiter, die gekommen sind das zu tun, zusammenschlagen, weil sie um ihre Zukunft fürchten.

Auch sehr aktuell und könnte an die gegenwärtigen Zustände und Aufstände erinnern, so daß das Lesen allen, die sich die tausend bis zweitausend Seiten zurtrauen, sehr zu empfeheln ist.

Man brauchte wahrscheinlich einige Zeit dazu, bekommt aber auch einen ausführlichen Anhang, der Übersetzerin dazu mit, die in das Leben und in die Rezeption einführt.

Motti gibt es zu den siebenundachtzig Kapitel, der acht Teile jeweils auch und Fußnoten, die einen auch noch weiter in das frühe achtzehnte Jahrhundert und in die englische Gesellschaft einführen können, wenn die bei einem E-Book nur nicht so schwer zu lesen wären.

Jetzt kann ich mich an eine andere <neuerscheinung, nämlich an Cornelia Travniceks “Feenstaub” machen und der Übersetzerin alles Gute für den “Preis der Leipziger Buchmesse” wünschen und hoffen, daß ich demnächst dorthin fahren werde, was ja wegen der Corona-Hysterie die momentan herrscht, nicht so selbstverständlich ist.

DichtFest im März

Der März ist ja der Monat der Lyrik, das hat, glaube ich, Wolfgang Krauss in der “Gesellschaft für Literatur” so eingeführt, die GAV folgte dann mit der “Lyrik im März“, das “Podium” gibt einen jährlichen Flyer heraus und ich kann mich erinnern, als ich 1977 von der Wattgasse weg in die Otto Bauergasse gezogen bin, das war, glaube ich, im Februar, hörte ich im Radio von diesen Flyer, es ist mir aber nicht gelungen, ihn zu bekommen.

Jetzt liegt er in der “Alten Scmiede” und im Literatuhaus auf, in der “Gesellschaft”, die ja im März immer einige Lyrik-Veranstaltungen machen, wahrscheinlich auch und die “Alte Schmiede” hat das DichtFest, eine GAV-Veranstaltung, von Christine Huber organisiert, die viermal im Jahr, glaube ich, sechs meist experimentelle Dichter und Dichterinnen vorstellt.

Es gibt im Anschluß Wein, deshalb gehe ich bevorzugt hin, obwohl ich ja keine so besondere Lyrik- Freundin bin, das heißt nicht selber Gedichte schreibe, aber manchmal welche lese.

Zuletzt “luna luna”, den experimentellen Band, der für die “Leipziger Buchmesse” nominiet ist, wo es ja das Hangen und das Bangen gibt, ob die jetzt stattfindet oder vielleicht doch wegen des Coronoa-Virus abgesagt wird?

Das letzte Mal war ich wegen meines Gipsbein nicht dabei, diesmal habe ich wieder alles vorbereitet und zum ersten Mal auch die Bücher des “Leipziger Buchpreises” angefragt, die jetzt allmählich nach und nach zu mir kommen

Aber in der” AS” “Dicht-Fest”, diesmal mit fünf Lesenden, vier Frauen und ein Mann, die sechste Lesende ist ausgefallen und ich muß sagen, es war wieder sehr interessant und ich habe einige neue mir bisher unbekannte Stimmen kennengelernt.

Es war auch sehr voll im “Schmiedesaal” und die 1987 in Wien geborene, mir bisher unbekannte Manon Bauer hat begonnen mit ihren “Übersetzungsvariationen”.

Dann folgte der 1955 in Linz geborene Christoph Janacz, der sich einige Male bei mir gemeldet hat, als ich noch den “Tag der Freiheit des Wortes” organisierte.

Jetzt hat er gemeinsam mit Christian Tannhäuser den Band “Zwischenstrom” herausgebracht, der sich mit dem Mühlviertel, Adalbert Stifter und südbähmen beschäftigte.

Die dritte Lesende war die mir ebenfalls wohlbekannte Monika Vasik, die sich mit “hochgestimmt” den Sängerinnnen dieser Welt widmete, dann folgte, die mir auch ungekannte in Wels geborene  Sandra Hubinger mit ihren Band “gehen” und die letzte war Marion Steinfellner, die Putho- Tänzerin und neue Lebensmenschin von Herbert J. Wimmer, jedenfalls tritt sie öfter mit ihm auf und ich war schön öfter bei ihren Tanzperformances im Literaturhaus mit ihrem Band “liebs leben, dear live, momentanes”.

Sie hat im Stehen gelesen und es war wieder ein sehr beeindruckender Abend, der mit Wein, Soletti und Gespräche beendet wurde und wer Lust hat, dem kann ich die “Gesellschaft für Literatur” sehr empfehlen, denn da finden in den nächsten Tagen einige Veranstaltungen zur “Lyrik im März” statt und am achtzehnten gibt es GAV-Veranstaltungen.

Dazwischen findet Leipzig statt oder nicht, ich bin jedenfalls gespannt und habe mich auch mit Monika Vasik darüber unterhalten

Sibylle

Und noch ein weggestrichenes Stück, das ursprünglich, glaube ich, die erste Anhangszene des “Fräulein Nos” werden sollte.

“Hier geblieben, du Arsch!”, sagte Sibylle Neumayer und stellte sich mit ihrem ganzen Gewicht gegen die Salontüre, so daß Moritz den Raum nicht verlassen konnte, ohne sie zur Seite zu drücken und umzustoßen. Was er, wie sie sehr wohl wußte, körperlich imstande war und seine physische Überlegenheit auch schon oft genug zum Ausdruck gebracht hatte, was ihr ein blaues Auge oder Blutergüße an den Armen eingetragen hatte, die sie dann mühsam vor ihren Freundinnen verbergen und Ausreden ersinnen hatte müssen, die ihr diese, wie sie vermutete, ohnedies nicht glaubten. Aber heute war es anders. Da war sie  sicher und das gab ihr die Kraft, sich noch ein Stückchen größer aufzurichten, so daß es jetzt sie war, die ihm bedrohlich gegenüberstand und es waren nicht nur die Schritte, der Haushälterin, die im Flur zu hören waren und die sich gerade mit dem Gärntner und  Chauffeur Umit unterhielt, da war sie  sicher, daß es die Kraft des Briefes war, den sie in ihrer Jackentasche trug. Der Brief eines Berliner Notars, der ihr mitgeteilt hatte, daß irgendeine Tante, eine Hildegard Sibelinsky, die sie kaum kaum kannte und an die sie sich nur unscharf erinnern konnte, in einem Seniorenheim in Schöneberg verstorben war und ihr, der offensichtlich einzigen Verwandten, ihr ganzes Vermögen, das eine beträchtliche Summe, sowie einige Schmuckstücke zu umfassen schien, vermacht hatte, was ihr die Kraft gab, sich endlich gegen Moritz aufzulehnen und, was sie bisher nie gewagt hatte, weil sie seine Schläge fürchtete und auch von seiner Brieftasche abhängig war, Kontakt mit Fabian aufzunehmen, der den Schritt schon vor einigen Jahren unternommen hatte, was ihr fast einen Schädelbruch eingetragen  und es ihr viel Mühe gekostet hatte, die Ärzte in dem Privatspital, in das Moritz sie dann doch unter den drängenden Blicken der Haushälterin einliefern hatte lassen, zu überzeugen, daß sie gestolpert und gegen eine Wand gefallen war und kein Fremdverschulden vorlag.   Das war jetzt vorbei. Die Wunde konnte heilen und sie, wie sie Dank des Briefes sicher war, eine freie Frau. Ein Koffer und eine Reisetasche waren gepackt und standen im Schlafzimmer bereit. Das Taxi war bestellt und würde in einer halben Stunde erscheinen und diese hatte sie Zeit mit Moritz abzurechnen und ihm endlich, das zu sagen, was sie vorher nicht gewagt hätte. War sie doch, da hatte Fabian schon recht, noch von der alten Schule. Ein Heimchen am Herd, das in ihrer Mädchenoberstufe, die sie besucht hatte, zwar Französisch und Klavierspielen, aber nicht einmal Buchhaltung und Stenographie gelernt hatte und zu einer pianistischen Karriere, die sie eigentlich anstreben wollte, hatte es nicht gereicht.  Erstens waren dazu ihr Talent und ihr Durchsetzungsvermögen nicht groß genug gewesen und dann war bei einem ihrer ersten Bälle, die sie mit ihren Eltern besucht hatte, die sie wahrscheinlich unter die Haube bringen hatten wollen, Moritz aufgetaucht und die Zwanzigjährige hatte sic h in den acht Jahre älteren Burgschauspieler  verliebt. Ein Jahr später war sie verheiratet .  Kurz darauf wurde Fabian geboren und sie war  fortan Hausfrau und Mutter gewesen. Hatte sich von Moritz betrügen lassen, dem seine Verehrerinnen zu Füßen lagen, die ihm für einen charmanten Kerl hielten, während er zu Hause, in der Grinzinger Villa, wo es eine Haushälterin, eine Putzfrau und einen Gärtner gab, von dem sich Moritz auch ins Theater chauffieren ließ, die Sau herausließ, mit dem Haushaltsgeld sehr sparte, so daß sie manchmal, wenn sie sich, wenn er auf den Proben war, sich mit ihren Freundinnen in einem Cafe traf, nicht einmal einen kleinen Braunen leisten hatte können. Das war jetzt endgültig vorbei. Der Flug nach Berlin, um mit dem Anwalt alles zu besprechen und dem Begräbnis beizuwohnen, war schon bestellt. Vorher würde sie aber den Kontakt zu Fabian aufnehmen, den sie, sie gab es zu, kaum anzurufen getaut hatte, weil Moritz auch ihr Handy kontrollierte und ihm sagen, daß sie ihn in diesem Cafe gesehen hatte und daß sie stolz auf ihn war.

“Was soll das jetzt, du Hure?”, hörte sie Moritz keuchen, der nun doch versuchte, sie wegzuschieben. Aber da gab sie sich einen Ruck und rief “Du hörst mir jetzt einmal zu! Ich habe dir etwas zu sagen und wenn du das nicht freiwillig tust, werde ich den Umit und die Frau Danuta dazu holen, damit sie mir beistehen werden!” und drückte auf den Knopf der Fernbedienung, die sie in der Hand hielt.

“Das wirst du dir jetzt ansehen! Es ist dein Sohn, den du immer so verächtlich Versager nennst, der aber, obwohl ich hoffe, daß er nicht in deine Fußstapfen steigen wird, ein großes Talent ist! Ich habe mit seinen Professoren am Reinhardt-Seminar gesprochen, die mir das versichert haben und stellt dir vor, er wird den “Faust” in der Abswchlußvorstellung spielen! Das ist doch deine Rolle, von der du immer behauptet hast, daß außer dir, sie keiner zu spielen vermag! Der Fabian wird es aber sicher besser und morderner können!” sagte sie und blickte zu dem Bildschirm auf der jetzt die Aufführung in dem Cafe zu sehen war, bei der sie heimlich gewesen war und die sie mitgefilmt hatte.

“Da ist dein Sohn, sieh dir ihn an!”, sagte sie noch einmal, dann drehte sie sich um und rief  in den Gang hinaus, um die Haushälterin anzuweisen, ihr doch bitte ihren Koffer und die Reisetasche zu holen, weil sie unerwartet zum Begräbnis ihrer Tante nach Berlin reisen müße und lächelte, den jetzt sehr verdutzt aussehenen Moritz fast mittleidig an, während am Bildschirm eine schreiende Kopftuchrau und ein Fabian mit Schal und Rollkragenpullober zu sehen waren, der sie genauso, wie es jetzt Moritz bei ihr tat, verblüfft anzustarren schien.”

Fatma

Weil ich dem über tausend Seiten Wälzer “Middlemarch” noch nicht fertig bin, hier eine der vier Szenen, die ich im November, dem “Fräulein No”, in einem Anhang anfügte, um die gewünschte “Nanowrimo-Wortezahl” zu erreichen, die ich aber anschließend aus dem Text genommen habe:

 

“Fatma Sayan stand im Badezimmer und war damit beschäftigt ihr Kopftuch aufzusetzen. Es war ein schönes Blaues, das sie für heute gewählt hatte, das gut zu ihren Jeans und ihrem T-Shirt passte, auf dem “Fuck Moralists” stand und der Vater den Kopf geschüttelt hatte, als sie damit in die Küche gekommen war.

“Muß das sein, Fatma? Das sind sehr böse Worte!”, hatte er gemahnt.

“So spricht man doch nicht und zieht sich sowas auch nicht an!”

Ihr lieber Papa, der selber Rechtsanwalt war und sich immer sehr bemühte, einen korrekten Eindruck zu machen, damit man ihm, was sicher nie gelingen würde, für einen echten Wiener hielt und ihm seine iranische Herkunft verzeihen würde. Die Mutter war da anders und aus anderen Gründen mit ihr unzufrieden. Da war es das Kopftuch, das sie seit einigen Jahren so beharrlich trug, weil sie es als Zeichen ihrer Selbstbestimmung betrachtete, das der <mutter nicht gefiel. Denn, die war im Gegensatz zum Vater, der da konservativer war, eine fortschrittliche Frau. Hatte Soziologie studiert und arbeitete auch an der Universität als solche. Ansonsten hielt sie Deutschkurse für Migranten ab und betreute ehrenamtlich einen syrischen Flüchtlingsbuben, der gegen ihr Kopftuch nichts hatte und sich eher darüber wunderte, daß Frau Zarah keines trug und die schien es,  wie sie immer andeutete, nicht zu verstehen, daß ihre einzige Tochter so vehement auf das Tragen eines solchen bestand.

“Im Iran wirst du, seit dort die Mullahs herrschen, deshalb verfolgt, Schätzchen!”, sagte sie dann zu ihr und erklärte zum wiederholten Mal, daß sie und der Vater deshalb aus Teheran nach Österreich geflüchtet waren. Aus dem schönen Teheran, nach dem die Mutter, trotz ihrer Fortschrittlichkeit Heimweh zu haben schien und das sie eigentlich nicht kannte, weil sie, soweit sie sich erinnern konnte, nur zwei oder dreimal in ihrem Leben in der Heimatstadt ihrer Eltern gewesen war. Die Großmutter lebte aber mit zwei Onkeln, einigen Tanten und einer Unmenge von Cousins und Cousinen noch immer dort und die weiblichen Mitglieder der Familie waren verpflichtet, ein solches zu tragen, während sie dieses Symbol der Unterdrückung nie freiwillig aufsetzen würde, sagte sie dann immer mit einem Blick auf ihre Tücher, um hinzuzusetzen, daß sie nicht verstehe, wieso ihr das so wichtig sei und Fatma war eingefallen, daß Gerti Schuster, als sie sich verwehrte, von ihr so angestarrt zu werden, ebenfalls gesagt hatte, daß sie den Fetzen hinuntertun solle, weil er ein Symbol der Unterdrückung wäre. Sie war aber nicht unterdrückt. Fühlte sich nicht so und hielt das Kopftuch, das sie natürlich freiwillig aufsetzte, für ein Symbol der Freiheit und würde sich dieses auch nicht von den Rassisten, von denen sie hier ständig umgeben war, verbieten lassen. Natürlich würde sie das nicht, auch wenn ihr ebenfalls bewußt war, daß das im Iran, in Syrien, Afghanistan und anderen arabischen Ländern anders war und sie natürlich auch gegen die Unterdrückung der Frau und der Meinung war, daß jede selbst entscheiden sollte, was sie auf ihre Haare stülpte und, daß das im Iran, wo man dazu verpflichtet war, weil man sonst von der Sittenpolizei angepöbelt wurde, mußte, wie ihr die Mutter immer brühwarm erzählte und sie ihr auch immer die Videos zeigte, wenn sie schon wieder in der U-Bahn, wegen des Kopftuchs belästigt und beschimpft worden war, sehr wohl nicht durfte, wußte sie ebenfalls und brauchte von der Mutter deshalb auch nicht darüber diskutieren und sie verlangte auch nicht von ihr, daß sie ein solches auf ihre  schönen rotgefärbten Haare stülpte. Natürlich nicht, sie wollte nur selber in Ruhe gelassen werden im Hause Sayan und auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht ständig darüber diskutieren, daß sie das Kopftuch freiwillig trug und keine unterdrückte Tussi, sondern eine engagierte, frauenbewegte Muslima war, die später Menschenrechtsaktivistin werden würde. Dabei hatte die Mutter vorhin beim Frühstück gar nicht soviel gesagt. Denn die Mutter hatte andere Sorgen. Die Großmutter war in Teheran gestorben, wie ihr ihr Onkel Hassan, in dessen Haus sie gelebt hatte, vorhin am Telefon mitgeteilt hatte und sie mußte jetzt mit der Mutter, der Vater hatte berufliche Verpflichtungen und konnte sich nicht so schnell freimachen, nach Teheran fliegen. Der Flug war schon gebucht. In ein paar Stunden sollte er abgehen. Sie mußte ihre Vorlesungen und die Antirassismusgruppe, in der sie heute ein Referat abhalten wollte, absagen. Denn im Iran gingen die Begräbnisse viel schneller, als hier von sich und die Mutter würde sich, wie sie vorhin geklagt hatte, das verhaßte Kopftuch aufsetzen, während man sie dort, da war sie sicher, deshalb nicht anpöbeln würde oder doch vielleicht, weil sie es ja sehr nachläßig trug und es eher als ein Symbol für ihre Freiheit, statt als religiösen Zeichen verstand. Denn eine so strenge Muslima war sie zur Erleichterung ihrer Mutter, die das gar nicht war, nicht. Nur der Vater schien, wie sie merken konnte, immer mehr an seinen Glauben und seiner Herkunft festzuhalten, so daß er sehr bedauerte, sich nicht freimachen und mitfliegen zu können, während die Mutter, wie sie sicher war, das als lästige Pflicht betrachtete. – Das Kopftuch war gebunden. Jetzt noch einmal in die Küche gehen, sich vom Vater verabschieden und mit der Mutter und dem jüngeren Bruder, der sich darüber, daß er schulfrei hatte, mehr als über die Zwangsverpflichtungen nach Teheran reisen zu müssen, freute, mit dem Taxi zum Flughafen fahren und sie freute sich ganz heimlich, wieder nach Teheran zu kommen und die Stadt, die sie kaum kannte und die Familie zu sehen. Versprach dem Vater alle von ihm zu grüßen und ihn wegen seiner Unabkömmlichkeit zu entschuldigen und konnte es sich nicht verkneifen, die Mutter zu fragen, ob sie an das Kopftuch gedacht habe und sie ihr eines leihen solle? Die wurde ein wenig rot vor Ärger. Schüttelte den Kopf und murmelte etwas, das klang, daß sie sie eines in der Reisetasche hätte, es aber vor der Landung im flugzeug ganz bestimmt nicht aufsetzen würde.

“Was du eigentlich auch nicht bräuchtetst!”, hörte sie den kleinen Bruder, der gerade siebzehn geworden war und daher voll in der Pubertät steckte, zu ihr sagen und sie schüttelte den Kopf. Wollte eine verärgerte Antwort geben, wurde aber von der Mutter jetzt auch aufgefordert, vielleicht doch besser das T- Shirt zu wechseln.

“Vielleicht nimmst du ein neutraleres Schwarzes, Fatma! Denn so kannst du nicht zum Begräbnis erscheinen! Das würde nur die Familie erzürnen!”

Also schnell in ihr Zimmer huschen und das T- Shirt wechseln. Sie sah es schon ein, obwohl sie es auch im Flutzeug tun hätte können, dachte sie ein wenig trotzig und  daran, daß sie nun selbst beobachten konnte, ob es richtig war, was ihre Freundinnen  immer erzählten, daß die Frauen mit kurzen Röckchen und Kopftuchlos in Wien einstiegen und mit der Burka  am Ziellort wieder aussteigen würden, was eigentlich auch ein wenig komisch, aber die Folge eines Doppellebens ihrer zwei Identitäten war, was sie bisher nicht sehr gestört hatte, dachte sie und hatte inzwischen ein neutraleres Shirt gefunden und eine dunkle Jacke darüber gezogen, weil man seine Arme in Teheran auch nicht zeigen durfte. Nahm die Reisetasche und nickte, als sie den Vater rufen hörte, daß sie sich beeilen sollte, weil das Taxi schon eingetroffen war.”

So, das war die Füllszene. Drei weitere können noch folgen. Interessant ist dabei, daß aus der Fatma bei mir inzwischen eine Pakistanierin geworden ist und eigentlich  ursprünglich  anders geheißen hat.