Wieder ein Jahr Podiumportraits

Bei der Präsentation der “Podium-Portraitreihe”, diesen kleinen Heftchen, die zu den runden Geburtstagen, ab fünfundfünfzig bis achtzig etwa, der Mitglieder des Literaturkreises herausgegeben werden, war ich schon öfter und ich bekomme auch öfter so kleine Heftchen von den Jubilaren oder deren Erben geschenkt und jetzt wurden Band 83 bis 88 präsentiert und der 1955 in Kärnten geborene Religionslehrer Axel Karner, der mehrmals bei dem von mir organisierten Tagen der “Freiheit des Wortes” gelesen hat und mir auch schon einige seiner Gedichtbände zur Besprechung übergeben hat, hat mit einem sehr eindruckvollen Dialektgedicht über die Gewalt, die wir einander antun, begonnen “Die Goschn soll ich halten hast gsagt” undt dann Auszüge aus den “Stacheln des Rosenkranzes”, den Lissabonnergedichten und den “Chansons grillee”, die ich auch schon einmal im Literaturhaus hörte, gebracht, die nächste war die einzige Frau und auch die jüngste in der Runde, die 1960 geborene Ärztin Monika Vasik, die seit 2011 literarisch tätig ist und die ich sehr oft bei Veranstaltungen sehe.

Barbara Neuwirth hat ihr Portrait eingeleitet, sie hat aber auch selber die Themen vorgestellt, die ihr wichtig sind.

Die Politik, die Liebe, Krankheit und Sterben, sowie Natur und  hat in ihr Portrait auch unveröffentlichte Gedichte, sowie Proben aus ihren bisherigen, in der “Edition Hernals” entstandenen Gedichtbänden einfließen lassen.

Der nächste war der ebenfalls 1955 geborene und als Lehrer tätige Christoph Janacs aus Oberösterreich, der auch öfter bei den “Tagen der Freiheit des Wortes” gelesen hat. Er hat jetzt einen Bart, so hätte ich ihn fast nicht erkannt und hat für sein Portrait Gedichte, die er nach japanischen Mustern geschrieben hat, ausgewählt.

Dann kam Bernhard Widder an die Reihe, er ist auch in Oberösterreich geboren und hat Architektur studiert, reist viel herum, was auch in seinen Gedichten, von denen er einige in den Siebzigerjahren, die meisten zwanzig Jahre später, geschrieben hat, zu hören war.

Der 1945 in Bayern geborene und in Ungarn aufgewachsene Übersetzer, György Buda, den ich von einigen Literaturveranstaltungen und von der Donau Lounge der “Buch Wien” kenne, war der Älteste in der Runde, der seinen ersten Sologedichtband präsentierte, Einzelgedichte hat er schon in Anthologien veröffentlicht und der las von der “Mondstadt” das ist die Gegend um den Donauturm und ein Gedicht, das er Christl Greller zu verdanken hat, die  auch schon einen Band in dieser Reiehe hat. Mercedes Echerer hat das Vorwort für seinen Band geschrieben und der letzte Autor war der 1956 geborene Georg Bydlinsky, der erst im Mai seinen runden Geburtstag hat, der sein Vorwort, wie Martin Auer selbst geschrieben hat und zuerst zwei Gedichtzyklen über Triest und London, das letztere auf Englisch und dann noch drei Kindergedichte las, denn er ist  auch ein Kinderbuchautor und hat unter anderen einen Kinderlyrikpreis bekommen.

Israelische und palästinesische Spannungsfelder und Konflikte

Norbert Gstrein hat einen neuen Roman geschrieben “In der freien Welt”, der gerade erst erschienen ist und der heute Morgen im Morgenjournal vorgestellt und wahrscheinlich angekündigt wurde, daß daraus am Abend in der “Alten Schmiede” gelesen wird. Das habe ich zwar ein wenig verschlafen, mir aber gedacht, daß ich früher hingehen soll, weil vielleicht viele Leute kommen werden. War aber nicht so, ein Platz in der ersten Reihe war jedenfalls noch frei und Kurt Neumann leitete, das neue Buch dann lange und umständlich ein.

Daß es um den israelisch palästinenischen Konflikt, beziehungsweise die Kriege dort, geht, habe ich schon im Morgenjournal mitbekommen und auch gewußt, daß der 1961 in Tirol geborene Norbert Gstrein, bekannt für seine provokanten Themen, beziehungsweise Spannungsfelder ist, so hat er auch über den Jugoslawienkrieg geschreiben und wurde, glaube ich “Beim Handwerk des Tötens” angegriffen, daß man so nicht über den Krieg schreiben darf, hat über das Haus “Suhrkamp” einen Schlüßelroman geschreiben, den ich mit Vergnügen gelesen habe, seine ersten beiden Bücher waren, glaube ich, experimentell und bei “Selbstportrait mit einer Toten” geht es, glaube ich, um den Wiener Literaturbetrieb, mit “Eine Ahnung vom Anfang” ist er auf LL von 2013 gestanden und den “Wildganspreis” hat er auch bekommen.

Ich habe einiges von ihm gelesen, die “Englischen Jahre”, wo ich auch einmal bei einer Lesung im Literaturhaus war, stehen auf meiner Leseliste und jetzt also der israelisch-palästinensiche Konflikt.

So ganz habe ich bei der Einleitung von Kurt Neumann nicht ganz verstanden, worum es in dem Buch geht, er erzählte jedenfalls von einem amerikanischen Schriftsteller namens John, der Jack gerufen wird, der, Sohn einer jüdischen Mutter, um etwas Nützliches zu tun, nach Israel zuerst in den Kibuz und dann in die Army geht, danach in Amerika verkommt, trinkt, im Untergrund lebt und einen anderen österreichischen Schriftsteller namens Hugo kennenlernt.

Ein Festival in Gmunden gibt es auch und Hugo schreibt einen Schlüßelroman. Der eine hat dem anderen eine Freundin weggekommen, deshalb sind sie Freunde geworden, sagte Kurt Neumann. Da kannte ich mich schon nicht mehr recht aus, daß John bei einem Attentat ums Leben kam und Hugo über ihm schreiben wird, hat er auch erwähnt und noch hinzugefügt, daß er jetzt auf etwas vergessen hätte, da hat ihm das Publikum unterbrochen und gesagt, daß sie das selber lesen wollen.

Ja, ja, das Spoilern, was ich ja auch so gern betreibe, gilt als  inzwischen als Unart und “Amazon” streicht, glaube ich, solche Kritiken hinaus, Kurt Neumann hat sich aber nicht unterbrechen lassen, weil Norbert Gstrein aus dem zweiten oder dritten Kapitel seines Buches lesen wollte, das aus drei Kapiteln und einen Epilog besteht und dann würde man es nicht mehr verstehen.

Norbert Gstrein hat dann auch ziemlich hinten mit einer Stelle, wo John, dem Hugo sagt, daß er alles über ihm, aber ein gutes Buch schreiben soll, denn was hat er davon, wenn er ein Held ist und das Buch ist schlecht und sich dann etwas nach vorn und wieder zurück gelesen.

Eine Stelle, wo Hugo in Amerika in eine Buchhandlung kommt und einen Nachruf auf den toten Freund halten soll und da von einem nackten drogensüchtigen Mädchen erzählt, das er gerettet hat und das  später die jüngste Physik Profesorin von Tel Aviv wird und dann noch eine Stelle, wo Hugo nach Israel fliegt und im Flugzeug von einer pensionierten Lehrerin angesprochen wird, die ihm erzählt, daß sie leider keine Jüdin wäre, aber gern und oft nach Isreal fliegt, worauf er ihr erzählt, daß er ein Eisverkäufer wäre, der den Israelis besondere Sorten andrehen will.

Nachher hätte es laut Programm eine Gespräch zwischen Norbert Gstrein und Kurt Neumann geben sollen, der war aber vielleicht  beleidigt, jedenfalls hat er das Wort an das Publikum weiter gegeben und seltsamerweise haben sich mehrere Damen, darunter Evely Holloway gemeldet den Autor angegrifen, warum die Frauen bei ihm so schlecht wegkämen und warum er meint, daß die jungen Leute glauben, alle Juden umarmen zu müßen, um die Schuld ihrer Väter und Großväter gutzumachen, worüber sich Gstrein, glaube ich, lustig machte.

Auch, daß sich John für seine Schwäche schämt und stark sein will, um sich zu wehren, wurde kritisiert, was mir aber ebenso logisch, wie Norbert Gestrein erscheint, der mit den Angriffen erstaunlich locker umzugehen wußte, da habe ich bei Daniel Kehlmann ja schon einmal etwas anderes erlebt und auf die Frage, wieviel er für das Buch recherchierte, erzählte, daß er einen Schriftsteller und einen Journalisten als Berater gehabt hätte, die in dem Buch auch vorkämen und, daß er nicht unbedingt von dem israel palästinensichen Konflikt schreiben hätte wolle, sondern daß sich das im Lauf des Schreibens so ergeben hätte.

Er las dann noch ein Stück, nämlich von einer Literaturveranstalterin in Bad Ischl, die unbedingt Philip Roth zu ihren Lesungen einladen will, der aber ablehnte, weil er nicht in Deutschland oder Österreich lesen beziehungsweise von ihr umarmt werden will.

Ein spannender Roman und eine  interessante Lesung, denke ich, die ich bezüglich Norbert Gstrein bisher vielleicht ein wenig skeptisch war, spannend auch, ob ich das Buch einmal finden werde und ob es auf die neue LL kommt, aber ich habe ja noch die “Englischen Jahre” und auch einiges andere zu lesen.

Das Buch passt auch sehr gut zu der gestrigen Veranstaltung, denn ich interessiere mich ja sehr für den Holocaust und die Zeitgeschichte, obwohl ich keine Schuldgefühle habe und eigentlich nicht so viel umarmen will.

Lyrische Texvorstellungen

Der 1972 geborene Michael Hammerschmid, der 2009 den Priessnitzpreis,  2015 den Heimrad Bäcker-Förderpreis bekommen hat und  in der “Alten Schmiede” einige Lyrikfestivals organisierte, ist ein sehr lyrischer Mensch, dementsprechend waren die von ihm am Donnerstag moderierten “Texvorstellunge”n, auch drei Lyrikern, nämlich  Gregor M. Lepka, Ute Eisinger und Rene Steiniger gewidmet und trug das schöne Motto “Bilder, Tiere, Ding und Sprache”.

Ich wundere mich ja manchmal bei den “Textvorstellungen” über die Motti, beziehungsweise stelle ich fest, daß es eigentlich keinen roten Faden zwischen den Texten gibt und die auch nicht sehr zusammenpassen.

Diesmal war es, Zufall oder nicht, anders, denn der Gedichtband des 1936 in Salzburg geborenen Gregor M. Lepka, den ich von den GAV-Generalversammlung, wo er regelmäßig mit seiner Frau Waltraud Seidelhofer teilnimmt, sehr gut kenne, “Die Sicht auf die Dinge” besteht zu einem großen Teil aus einem Bildzyklus, die er für eine Ausstellungseröffnung eines Museums geschrieben hat und der bei “Arovell” erschienene Band, der 1964 in Mistelbach geborenen Ute Eisinger, die ich kennenlernte, als ich 1996 in der Jury für das BUMUK-Nachwuchsstipendium war und dann noch einmal bei einer Lesung, ich glaube, auch in der “Alten Schmiede” hörte, beschäftigt sich auch mit Bildbeschreibungen.

Da stach dann nur der 1970 in Paris geborene Rene Steiniger heraus, erstens hat in dem bei “Rote Zahlen” erschienenen Band “In Margine” Prosa und Lyriktexte vereint, zweites ging es bei ihm hauptsächlich um Tiergedichte, die dann noch so gestaltet waren, daß man sie öfter erraten oder durch einen Tierquizz bestimmen konnte.

Eine sehr interessante Art und Weise der Lyrik näher zu kommen, die Bildbeschreibungen waren es aber auch und der Monat der “Lyrik im März” folgt auch sehr bald, so daß man sich schon ein bißchen auf die Lyrik einstimmen konnte.

Dementsprechend waren auch relativ viele Lyriker im Publikum, Christine Huber, beispielsweise, die ja auch das “DichtFest” in der “Alten Schmiede” organisiert, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Waltraud Seidelhofer, aber auch Nils Jensen und Dieter Scherr.

Michael Hammerschmid hielt ein sehr schönes Einleitungsreferat,  fragte  in der anschließenden Diskussion, wie die Autoren zu ihren Beschreibungen kamen und wies  auf den Büchertisch hin, wo man sich mit den Texten versorgen und sie weiterlesen konnte.

Michael Hammerschmids bei “Klever” erschienener Gedichtband “Nester”, habe ich mir übrigens beim Bücherflohmarkt bei der “Buch-Wien” zugunsten der Flüchtlingshilfe gekauft.

Innere und äußere Textvorstellungen

Drei unterschiedliche Texte und Autoren wurden heute in der “Alten Schmiede” von Renata Zuniga unter dem Motto “Literarische Erkundungen im Inneren und im Außen” moderiert.

Die erste Autorin war die 1953 in Gleisdorf geborene Andrea Wolfmayr, mit der ich schon einmal bei den “Textvorstellungen” gelesen habe.

Ihr Buch “Roter Spritzer” ist voriges Jahr erschienen und jetzt schon wieder eine Publikation in der “Edition Keiper” “Jane & Ich oder die Therapeutinnen”, ein etwas  sperrig klingender Titel, es handelt sich um eine Familiengeschichte, wie Renata Zuniga in ihrer Einleitung erklärte.

Drei Personen, ein Vater, die Mutter und die Tochter erzählen, die Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven und Andrea Wolfmayr merkte an, daß die Hauptprotagonistin die Tochter Dora ist,  ihren Weg gehen wird. Andrea Wolfmayr erklärte etwas von einer bewegungslosen Hand und dann noch, daß sie über Dora zwei weiterere Romane schreiben will, Dora mit dreißig-vierzig und dann noch zwischen sechzig und achtzig, beide werden wahrscheinlich auch bei “Keiper” erscheinen und für den ersten hat sie lange gebraucht, beziehungsweise ihn schon vor langer Zeit geschrieben, bis er verlegt wurde.

Sie las  zwei Stücke, eine Art Traumsequenz der Dora, die zu ihrer Therapeutin Elfi geht und dann ein Stück der Mutter Vera, eine alkoholkranke Lehrerin, die über ihr Leben und über die Achtundsechziger Generation aus der sie stammt, resumiert.

Dann kam ein Sprung, nämlich der 1937 in Baden geborene Geologe, Peter Steiner, mit dem Andrea Wolfmayr, wie sie sagte, einmal vor dreiunddreißig Jahren gelesen hat.

Der Autor hat, wie er erklärte, die meiste Zeit seines Lebens im Ausland, Afrika, Süd- und Nordamerika, etcetera gelebt, dort als Geologe gearbeitet und dabei vierzehn Romane geschrieben.

Aus den letzten “Der Sandfallenbauer” bei “Laurin” erschienen, las er vor.

Da geht es um ein Ehepaar oder einen Mann, der ein Stück Land in Amerika bebauen will, aber von den Bibern, die dieses für sich zurückerobern, gestört wird.

Der letzte Autor war Paul Jaeg, der 1949 in Gosau geborene Verleger des “Arovell-Verlags”, der sich dort, das ist  eher ungewöhnlich, selbst verlegt und in “Als ich mir einen neuen Mond kaufte”, eine etwas märchenhafte Prosa und Gedichtesammlung vorlegte.

Zwei Prosatexte las er vor, dann kam eine Performance, denn er suchte sich eine Dame aus dem Publikum, drückte ihr einen Hammer in die Hand und ließ sie damit seine Gedichte über die Liebe, den Tod, etcerta, untermalen.

Seine Tochter wunderte sich in der Diskussion, daß die Texte so kurz und auch einfach wären und Paul Jaeg erklärte, daß er früher experimentell gewesen wäre, jetzt aber, für sein Publikum, einen Schritt zurückgegangen ist.

Dem  hat es, wie es schien gefallen, es gab viel Gelächter und drei sehr spannende Texte, die wieder einmal demonstrierten, wie vielfältig Literatur sein kann.

 

Hans Platzgumer neu entdeckt

Die “Alte Schmiede” hat  jetzt eine Reihe “Angelika Reitzer stellt mir ihren Gästen neu zu entdeckende Büche vor” und da war heute Hans Platzgumer mit “Am Rand” da, ein Autor, der mir nichts sagte, seinen Namen habe ich in den letzten Tagen aber öfter, wo gehört oder gelesen, also war ich auf die Entdeckung sehr neugierig und es war auch sehr interessant.

Sehr voll in der “Alten Schmiede”, ich glaube Norbert Gstrain, der nächste Woche seinen neuen Roman vorstellen wird, war da und eine Menge Leute, die ich, wie den 1969 in Innsbruck geborenen Autor, der in Lochau bei Bregenz lebt, nicht kannte und Angelika Reitzer erwähnte  in der Vorstellung, daß der bei “Zsolnay” erschienene Roman, letzte Woche herausgekommen ist, deshalb war auch der Verlagsleiter Herbert Ohrlinger, mit dem ich einmal in einer Jury gesessen bin, da und in dem Buch geht es,  um einen Mann, der eines Morgens um vier Uhr in der Früh aufsteht, kein Licht in der Küche macht, sondern sich mit der Beleuchtung eines Schlafzimmerlämpchens, Eier mit Schinken macht, Speckbrote einpackt und sich dann mit Zug und Bus aufmacht auf einen Berg zu fahren. Dort steigt er auf den Gipfel, setzt sich bei Sonnenaufgang hin, um bis die Sonne untergeht, einen Roman über sein Leben zu schreiben.

Er ist nämlich Schriftsteller, aber sehr pedantisch, so daß er bisher nie etwas zu Ende brachte, aber jetzt muß er wohl oder nimmt es sich vor und dann erzählt er, der Leserin, die das Manuskript finden wird, von einem Nachbarn, der als er ein Bub geworden ist, ein Jahr lang tot mit Kopfhörern vor dem eingeschalteten Fernseher gesessen ist und niemand hat sein Sterben bemerkt, obwohl die Nachbarn vorher  für die Kopfhörer gesammelt haben, damit sie durch seinen Fernseher nicht gestört werden. Seltsam also, daß erst ein Einbrecher kommen muß und die Tür offen läßt, damit die Mutter  in die Wohnung gehen und nach dem Nachbarn schauen kann und der Kleine steht dabei und beobachtet, seine Freunde wollen den Fernsehsessel dann im Keller aufstellen und ihn als den der Mumie vermieten. Da haben die Leute gelacht, ich habe das wieder nicht so lustig gefunden und es geht dann weiter, daß die Mutter des Erzählers eine “Hure” war, nach der Geburt hat sie sich aber vollkommen gewandelt, ist in ein Pflegeheim gegangen,  hat die Alten gebadet und gepflegt und drei Mal am Tag mit ihnen gebetet. Das Wort Nonne ist auch einmal gefallen und das ist eine Metapher, die ich mit Verlaub, noch ein wenig kitschiger finde, als die von der Mumie mit Kopfhörern am Fernsehsessel.

Der Erzähler hat dann noch zwei Morde vor, beziehungsweise hinter sich, denn eines Tages kommt der Großvater, der sich “Monarch” nennt, während die Mutter im Pflegeheim ist, verlangt von dem Kleinen, daß er ihm ein Bier holen soll und der tut das ein paar Mal, dann geht er aber weg und beschließt erst  zurückzukommen, wenn der Großvater verschwunden ist. Der zieht aber später in die zwei Zimmer Wohnung ein und von einem Freund, den er von seinen Leiden erlöst, wird im Programm auch noch berichtet.

Ein Buch über das Sterben also und Hans Platzgumer erzählte im Gespräch mit Angelika Reitzer, daß er auf die Idee gekommen ist, als er auf diesen Berg gegangen ist.

Da wollte er darüber schreiben, daß einer dort einen Roman schreibt, dann ist er nach Hause gegangen und es ist ihm gekommen, daß es ein Buch übers Sterben werden wird, denn er ist kein planender Autor, sondern setzt sich hin und läßt sich von seinen Figuren leiten und hatte nur einen Zettel, wo die Namen der handelnden Personen standen. Wenn dann einer gestorben war, hat er ihn abgehakt.

Da wurde wieder gelacht und eine kleine Stelle hat der Autor auch noch gelesen, nämlich, die, wie der Held Gerold Ebner zu seinen Ideen kommt, er setzt sich auf die Straße und schaut den Passanten zu und denkt sich etwas aus, aber weil da immer andere Leute sind, kommt er nicht weit und seine Romane sind nicht fertiggeworden.

Der Autor hat noch eine  Metapher gebracht, die mir Schwierigkeiten machte, nämlich die, daß sich der Held, statt sich vom Berg zu stürzen, ja auch auf seinen Manuskriptstapel stellen und damit in die Schlinge rutschen könnte, etwas was mir auch nicht sehr gefiel, wie ich überhaupt den Roman etwas konstruiert und aus der Zeit gefallen empfand.

Angelika Reitzer hat das im Gespräch auch angesprochen und Hans Platzgumer hat begeistert “Stimmt, er könnte auch an einem anderen Ort oder im vorigen Jahrhundert spielen”.

Da habe ich mich  wieder ein bißchen gewundert, daß er dann heute noch verlegt wird, dem Publikum hat es aber, glaube ich, gefallen.

Angelika Reitzer rief, glaube ich, zum Bücherkaufen und Signierenlassen auf, der sehr selbstbewußte Autor verneigte sich und ein Detail am Rande kann ich noch erwähnen, ihr “Wir Erben” lag in der “Morawa-Abverkaufskiste” um vier Euro, als ich in die “Alte Schmiede” gegangen bin.

Ich habe es nicht gekauft, weil ich es ja schon gelesen habe, also wer in Wien wohnt und es haben will, morgen früh hingehen und ich habe, für alle, die es wissen wollen, mit dem “Umschreiben von Paul und Paula” begonnen und hoffe nur, daß ich mich damit nicht um meine Spontanität und meine Pointen schreibe, aber das wollte ich ja, einmal lange an einem Text korrigieren, mal sehen, wie es damit weitergeht.

Zwischen Peter Handke und Jochen Jung

Von dem intensiven Salzburger-Literatur-Wochenende ist es gleich in die “Alte Schmied” gegangen, denn da ist es mit Salzburg  weitergegangen oder eigentlich mit einer “Stunde der literarischen Erleuchung”, wo Andrea Winkler eine frühe Peter Handke Erzählung vorstellte und der hat ja eine Zeitlang in Salzburg gelebt und Jochen Jung der berühmte “Residenz-Verleger” hat, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erwähnte, zu dem berühmten Dichter, beziehungsweise mit der 1975 entstandenen Erzählung “Die Stunde der wahren Empfindung” einen besonderen Bezug gehabt und die aus der Andrea Winkler Teile gelesen hat, hat mich an den am Sonntag in Salzburg gesehen Film “Die dunkle Seite des Mones” nach einem Roman von Martin Suter stark erinnert, geht es da ja um einen Mann namens Gregor Keuschnig, der träumt, daß er jemanden ermordet hat, was dann seit ganzes Leben, beziehungsweise seinen nächsten Tag verändert.

Er sagt seiner Frau, daß er nicht mehr mit ihr leben will, was sie allerdings, da er das in einem Reim tun, nicht glaubt, sondern weiterschläft und steht den ganzen Tag daneben und will sein Leben verändert.

In dem Film nimmt der Held, ein erfolgreicher Wirtschaftsanwalt Drogen, dann wird das Böse in ihm herovrgekehrt, er wird zum Mörder und seiner Frau sagt er ungefähr das Gleiche und eine Geliebte hat er auch.

In der Handke-Erzählung, die übrigens erstaunlich realistisch ist, Andrea Winkler hat es konventionell genannt, ist es nicht so arg und der Name Gregor erinnert natürlich an Kafka und zu einer “Verwandlung” kommt es auch oder auch nicht und das wurde von Andrea Winkler kommentiert, bezeihungsweise diskutiert und das Buch von dem es noch ein paar Exemplare gibt, konnte man sich in der Pause am Büchertisch anschauen, denn um halb acht, gab es eine zweite Veranstaltung, denn da kam Jochen Jung wahrscheinlich aus Salzburg und präsentierte, sein bei “Haymon” erschienenes Buch “Zwischen Ohlsdorf und Chaville”, wo es um zweiundzwanzig Portraits oder Episoden über Schriftstellerm geht, die der “Residenz-Verleger” Jochen Jung im Laufe seines Lebens kennenlernte.

Ohlsdorf ist der Ort wo Thomas Bernhard seinen Bauernhof hatte, Handke hat außer in Salzburg auch in Chaville, gelebt und am Freitag hat Jochen Jung im Radio ein Kapitel über Inge Merkl vorgestellt.

Jetzt hat er nach der langen Einleitung von Kurt Neumann, die ihm, wie er sagte etwas “verlegen” machte, Kurt Neumann erwähnte dabei, daß der  1942 in Frankfurt am Main geborene, Jochen Jung, am 1. Februar 1975 als Lektor in der Salzburger Gaisbergstraße angefangen hat, am 1. Februar 2000 wurde er dann bei “Residenz”, der inzwischen schon verkauft war, entlassen, hat seinen eigenen Verlag gegründet und zum Schreiben hat er inzwischen auch angefangen.

Kurt Neumann nannte das Buch einen “Episodenroman”, was mich ein bißchen wunderte, ich hätte es Schriftstellerportraits genannt und Jochen Jung begann natürlich mit einem Kapitel über Thomas Bernhard, dann las er eines über Gert Jonke und ein kurzes, wie Peter Handke mit seiner grauen Mütze in Salzburg spazieren geht und gar nicht das, was Kurt Neumann vielleicht erwartet hätte und am Schluß wiederholte er das Kapitel von Inge Merkl und erzählte, daß die inzwischen so vergessen, wie Diana Kempf sei, aber von Diana Kempf habe ich  ein Buch in einem der Salzburger Bücherschränke gefunden und von Inge Merkl warten auch einige Bücher auf meiner Leseliste. Aber es ist sicher interessant, sich durch das Jung-Buch zu lesen und Erinnerungen aufzufrischen, obwohl es, wie Kurt Neumann erzählte, momentan gar nicht zu bekommen, sondern erst neuaufgelegt werden muß, da die im August erschiene Auflage offenbar schon vergriffen ist.

Josef Winklers Abschiede

Der 1953 in Kamering geborene Josef Winkler, der 2008 den “Büchner-Preis bekommen” hat, hat ein neues Buch geschrieben, beziehungsweise herausgegeben “Abschied von Vater und Mutter”, das offenbar die Texte “Roppongi- Requiem für einen Vater” 2007  und “Mutter und der Bleistift” 2013 erschienen, vereinigt, das heute von Angelika Reitzer kommentiert und moderiert in der “Alten Schmiede” vorgestellt wurde.

Vorher hat es noch eine “Stunde der literarischen Erleuchtung” gegegeben, wo Andrea Grill und Alexandra Millners Albert Drachs “Vogeltexte” vorstellten, da hatte ich leider eine Stunde, denn das wäre sicher auch sehr interessant gewesen, habe ich ja schon einmal eine “Literarische Erleuchtung” über Albert Drach versäumt und Alexandra Millner hat ja glaube ich auch bei dem “Josef Winkler Symposium” vor zwei Jahren mitgewirkt, wo glaube ich, auch der Text “Mutter und der Bleistift vorgestellt wurde.

Der diesbezüglich erschienene Symposiumbericht lag am Büchertisch, auch, die neuen und die alten Bücher und auch ein Buch Josef Winkler und Karl May, den der hat, glaube ich, den großen Kärtner Bauernsohn das Lesen beigebracht.

Ich habe übrigens vor kurzem auch ein Winkler-Buch in einem der Schränke gefunden, nämlich “Leichnam seine Familie belauernd”, das ich leider nur gerade nicht finden kann, habe ich doch heute meine Bücherstöße umgeräumt um Margot Kollers “Im Paradies der Bücher” zu finden, damit ich es mitnehmen kann, wenn wir am Wochenende nach Salzburg fahren, was aber ohnehin nichts macht, weil ich zum Lesen des Winkler Buches derzeit ohnehin nicht komme und die Lesung war sehr sehr interessant, ist Josef Winkler ja einer, der über sein eigenes Leben schreibt und wie er selber sagte, vierzig Jahre nichts anderes als das in immer anderen Varianten und Wiederholungen getan hat.

Das erste waren die drei Kärntner Heimatromane “Menschenkind” “Ackermann von Kärnen” und “Muttersprache” wie sie glaube ich auch “Das  wilde Kärnten” genannt werden, dann kamen die Reiseberichte über Indien und Rom aber immer wieder die Auseinandersethzung mit dem Vater und der Mutter.

Zum Vater hat er ein schwieriges Verhältnis gehabt, der hat ihn offenbar erst später an und aufgenommen und ihm auch verboten zu seinem Begräbnis zu gehen und die Mutter ist schon als junge Frau verstummt, nachdem im zweiten Weltkrieg, ihr dritter Bruder Adam, gefallen ist.

Die Mutter soll sich auch wie Angelika Reitzer in ihrer Einleitung erwähnte, darüber beschwert haben, daß der Sohn soviel über sie und die Familie geschrieben hat.

Was ich verstehen kann, daß das für eine Kärntner Bauernfamilie nicht einfach war, einen Sohn zu haben, der berühmt damit wurde, daß er über seine Kärntner Kindheit schreibt und das ist in dem sogenannten “Mutterrequiem wo Ilse Aichingers Texte immer wieder mit dem Leichnam des toten Adams, dem Großvaters, dem Apfelbaum, dem Nußbaum und den Heiligenbildner im Schlafzimmer vernetzt werden, hervorragend gelungen.

Angelika Reitzer hat sich nach der Lesung auch nach der Bewandnis der Aichinger Texte erkundigt und Josef Winkler hat  geantwortet, daß er zum neunzigsten Geburtstag der Dichterin einen Text über sie schreiben sollte, es war aber wenig Zeit dazu, denn er war ja im Sommer in Indien, da hat er “Kleist, Moos, Fasane” mitgenommen,  dort den Text gelesen, beziehungsweise in seine Muttergeschichte verwebt.

Josef Winkler war in dem Gesrpäch überhaupt erstaunlich offen und erzählte von seiner Bezeihung zu seinem Vater und seiner Mutter, über den Vater konnte er sehr viel schreiben und hat das auch getan. Die Mutter hat ihn mit ihrer Sprachlosigkeit offenbar angesteckt und er konnte, als er zu schreiben anfing auch Thomas Bernhard in der Furcht, daß er dann so schreiben würde, nicht lesen.

Nach seinen ersten drei Romanen hatte er auch eine Verstummungsphase, dann ist er nach Kärtnen zu seinem Vater zurückgegangen und hat in der Auseinandersetzung mit ihm, seine Sprache widergefunden und so schreibt er vierzig Jahre “den gleichen Stuss” wie er es selber nannte und bewundere seine Kollegen, die so einfach eine Geschichte mit Plot und Handlung hinunterschreiben können, was ihm nicht gelinge und das finde ich sehr interessant und sehr ehrlich und habe, die ich damit ja irgendwie in der Mitte stehe, auch eine Auseinandersetzung mit meiner damaligen Kritikerin JuSophie gehabt, die meinte, daß nichts schwerer wäre, als Personen zu erfinden und, daß man von dem eigenen Ich wegkommen soll.

Die Literaturgeschichte lehrt, glaube ich, sehr gut, daß man das nicht muß, beziehungsweise nicht alle, es gibt eine Vielzahl von Autoren, die von ihrer Biografie leben und die wiederholen sich damit wahrscheinlich auch, wie es jetzt vielleicht gerade Robert Walser mit seinem neuen Roman “Ein sterbender Mann” passierte, den ich zwar nicht gelesen habe, wohl aber Tobias Nazemis “Brief an Martin”, der in dem neuen Selbstbewußtsein der Bücherblogger meinte, von den ewig gleichen Romanen enttäuscht worden zu sein.

Das kann man Josef Winkler vielleicht auch vorwerfen und der Leser muß wohl entscheiden, ob er eine spannende Geschichte mit einem erfundenen Plot haben will oder die Autobiografie eines Autors, der sein Leben lang Dasselbe  in wechselnden Variationen schreibt?

Ich finde beides wichtig, lese beides, interessiere mich auch dafür, wenn sich  Autoren oder Autorinnen mit ihrem Krankheiten, etcertera beschäftigen und bin auch nicht so ungeduldig Bücher wegzuwerfen, beziehungsweise würde ich es sehr anmaßend finden, einen Autor zu sagen, daß er vor zwanzig Jahren zu schreiben aufhören hätte sollen! Finde es aber spannend, daß Josef Winkler sein Kreisen, um seine Kindheit, selbst als “denselben Stuss” bezeichnet hat  und wahrscheinlich sollte ich mehr Josef Winkler lesen.

“Leichnam seine Familie belauernd” wartet noch auf mich und ich, die ich ja auch sehr viel über mich und die Kränkung nicht und nicht in den Literaturbetrieb hineinzukommen, schreibe, kann fröhlich vermelden, daß dies bald der 2500 Artikel ist, in dem ich über Veranstaltungen, Bücher oder mein Schreiben berichte.

Es ist, glaube ich, der 2498, weil die Besprechung von Dimitri Verhulsts “Die letzte Liebe meiner Mutter” für Mittwoch geplant ist und es von Pavel Kohouts “Henkerin” erst einen Entwurf gibt, weil ich das Buch in Harland noch nicht ganz gelesen habe, also “auch sehr viel Stuss”, den ich schreiben muß und immer wieder schreibe, wie wahrscheinlich auch Josef Winkler weiterschreiben wird und gleich von einer Idee erzählte, die ihn beschäftigt.

Angelika Reitzer fragte dann auch nach den neuen Plänen und er meinte, daß er wieder eine Sammlung von Skizzen  herausgegeben wird, weil man ja alle paar Jahre einen neuen Text veröffentlichen soll und erwähnte einen mexikanischen Autor, der nur zwei Bücher veröffentlichte und danach erklärte, daß ihm das Schreiben nicht mehr interessieren würde.

Jerome David Salinger und Harper Lee haben es, glaube ich, ähnlich gemacht, andere, wie Josef Winkler, Martin Walser und auch ich müßen schreiben, wenn sie vielleicht auch schon ein wenig ausgeschrieben sind, aber “Man schreibt immer denselben Roman, ein Leben lang”, ist auch das Vorwort von einen meiner Bücher.

Romanerweiterungsrecherche, Dichtfestschnuppern und Familienessen

“Paul und Paula” habe ich jetzt durchkorrigiert, war gar nicht soviel zu ergänzen, denn der Paul hat eigentlich gestimmt, sie läßt sich Pauli nennen, wird aber in der “Villa” als Paul angeredet und das steht auch in ihren Papieren. Die Kollegin vom “Sigmund Freud Museum” heißt jetzt Irmi Engländer und der Kollege, Stefan Zöhringer und das Ganze hat jetzt 23.477 Worte und nur einundzwanzig Szenen, denn da gab es einen Nummerierungsfehler und wurde an meine Testleserin Gloria G. geschickt.

Jetzt stellte sich natürlich die Frage, kann ich das irgendwie noch erweitern, damit ein Roman in einer “ordentlichen Länge” daraus wird und obwohl ich eigentlich skeptisch war, denn erstens war ich darin nie sehr gut, zweites kommt es mir in der Kürze sehr dicht, knapp und klar vor, bin ich am Nachmittag losgezogen, um ein bißchen was einzukaufen und mir vielleicht auch diesbezügliche Gedanken zu machen.

So bin ich in den “Freßnapf” gegangen, wo ich vor Weihnachten mit der Anna war und dort eine Verkäuferin gesehen habe, wo ich nicht sicher war, ist das jetzt ein Mann oder eine Frau oder war die Frau vielleicht einmal ein Mann und ansonsten in den “Kik”, um mir eine Jeans und zwei leichte Leiberln zu kaufen und dann über die Bücherschränke und den “Thalia” in die Hauptbücherei, um da vielleicht mein Konzept zu erweitern.

Das ist nicht gelungen, im “Wortschatz” hat es aber Jonathan Franzens “Unschuld” gegeben, leider habe ich mir das schon vom Karli zum Geburtstag schenken lassen und dann dachte ich, gehe ich in die “Alte Schmiede”, weil es da wieder ein “DichtFest” gab, allerdings nur kurz, denn für viertel neun, war ich mit der Anna in einem Restaurant in der Gumpendorferstraße verabredet, weil sie dem Alfred zu Weihnachten einen diesbezüglichen Gutschein für ein “Hotpot-Essen” zum Geschenk machte.

Auf den Weg in die “Alte Schmiede” bin ich über die Mariahilferstraße gegangen, wie schon im Oktober und Dezember zu den “Nika-Recherchen” und da in ein Geschäft hineingefallen, um mir Hose zu kaufen.

“Alles 14.90!”, stand auf dem Tisch, wo sie lag, eine schöne schwarze Strechjeans, also damit zur Anprobe und bei der Schlange warten, dann bin ich draufgekommen, auf dem Stück, das passte, stand 39.90 und nichts von der Ermäßigung, also wieder zurück, eine mit Ermäßigungspickerl suchen, zum Glück gab es die Gleiche in der passenden Größe und nochmals anstellen. Da hatte ich das Pech hinter ein vielleicht syrisches Paar mit Kinderwagen und sehr vielen Stücken zu geraten, die sehr gut Deutsch konnten und mit den Verkäuferinnen verhandelten, weil man nur sechs Stück anprobieren konnte, sie hatten aber achtzehn. Dauerte also eine halbe Stunde, bins ich dann die 14.90 Hose hatte und eine schöne Alltagsbeachtung, die vielleicht in einen meiner Romane kommen könnte und bin damit fast zu spät in die “Alte Schmiede” gekommen, wo ich mich hinten gleich beim Eingang setzte und Christine Huber zuhörte, die die diesmal fünf Lesenden, die das ohne Pause tuen sollten, vorstellte.

Markus Lindner, Johannes Tröndle, Sonja Harter, Erwin Enzinger und Stefan Schmitzer. Den 1970 geborenen Markus Lindner, der drei Zyklen mit den Namen “Animalia etc” hatte, wo er zum Beispiel ein Kalendarium 12. Dezember, 20 Dezember etcetera, sowie eine Speisekarte verlas, habe ich gehört und den Beginn von Johannes Tröndles “kurze Gedichte sind besser/ bezahlt”, eine Anspielung an die Tarfpoltik des ORF, wie Christine Huber in ihrer Einleitung betonte.

Sonja Harter hat sich in ihren Gedichten, glaube ich, auch auf die Realbedingungen der Schreibenden bezogen, aber da bin ich schon in Richtung Gumpendorferstraße gegangen, um mich mit dem alfred, der Anna und dem Andreas zu treffen, Dum Sums, Fleisch und Meeresfrüchte Suppenfondue und Kokuskugeln zu essen und am Donnerstag werde ich mir nochmal die Videos, die von Christoph  bzw. Christina Vivenz im Netz gibt, ansehen und dann mit der  intensiven Korrigerarbeit meines ersten Kurzromans oder längeren Erzählung von diesem Jahr beginnen, mit dem ich eigentlich zufrieden bin.

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In der “Alten Schmiede” gibt es eine “Zeitschriftengalerie” und seit einiger Zeit auch eine Reihe “Literatur als Zeit-Schrift”, die von Lena Brandauer, Paul Dvorak und Daniel Terkl moderiert und konzeptiert wird und die ging heute in die zwölfte Runde und zwar wurde da das dreizehnte Heft der Zeitschrift “Triedere – für Theorie und Kunst” zum Thema (Auto) Poetologien und ich muß gestehen, daß ich von dieser Zeitschrift noch nie etwas gehört habe, wohl aber von einigen ihrer Herausgeber und Autoren.

Es geht in ihr aber auch wie Matthias Schmidt, der mir unbekannte Herausgeber, erklärte, auch um die Grenzgebiete, wie Philosophie, bildende Kunst etcetera aber bei einem Heft, das “Poetologien” zum Thema hat, geht es natürlich schon um Literatur und deshalb waren auch viele mir bekannte Literaten im Publikum und der “Schmiedensaal” war sehr voll.

Es gab auch einen Büchertisch, wo man die älteren zum Teil unverkäuflichen Hefte bestaunen, die neuen kaufen konnte und da gab es auch ein Sonderheft zur Flüchtlingsfrage, das man gegen eine Spende, für den Deutschunterricht, erwerben konnte und da hat auch Chris Bader einen Text geschrieben und das ist Christiane Zintzens neuer Name, also höchst aktuell.

Peter Clar den ich von den Jelinek-Symposien beziehungsweise den “Volksstimmefesten” kenne, ist der zweite Herausgeber und der stellte das aktuelle Heft vor und erwähnte die Namen, der darin enthaltenen Autoren, so hat Michael Hammerschmid, glaube ich, geschrieben “Poetologie ist Poetologie ist…. und soweiter und so fort.

Die 1989 geborene Astrid Nischkauer stellte ihre Collage aus Interviews vor, die sie mit Autoren wie Monika Vasik, Elfriede Jelinek, Clemens J. Setz, Ilse Kilic, etcetera, etcetera gemacht hat, wo es um Schreibanfänge, erste Sätze, Schreibblockaden und anderes ging, was zur  Poetologie oder überhaupt zum Schreiben gehört.

Dann folgte der Zeitschriftenmeister und Poetryslamer Markus Köhle mit seinen in dem Heft enthaltenden und auch anderen Texten, die seine Sprach- und Wortgewalt zeigen, “Ich will Sprachingenieuer werden”, beispielsweise, als Antwort auf einen Text von Gert Jonke, der nur Schriftsteller werden wollte, aber das ist dem Performer zu wenig, so bezog sich sein Heft im Text auch auf eine Straßenbahnfahrt und die Poetologie stellt dann in etwa die Haltegriffe da.

Der 1967 in Klagenfurt geborene Romancier, Theaterautor und Fotograf Peter Truschner stellte dann eine andere Seite der Poetologie vor, nämlich die Verbindung von Theorie, Raum Zeit und Form und Fotos aus Bangkog und Burma und eine von den schönen bunten Karten, von Herbert J. Wimmer, die gemeinsam mit Gerhard Jaschkes “Feribords” zur freien Entnahme beim Ausgang liegen und von denen ich schon eine ganze Sammlung habe, die “volkskarte” mit der Aufschrift “komplexität für alle!” passt da auch gut hinzu, wurde er doch auch von Astrid Nischkauer interviewt und hat sich sich, glaube ich, auf seine Kartenproproduktion dabei bezogen, weil er seit 2000 einen Computer besitzt, der das Programm dazu hat, gibt es sie.

Herbert J. Wimmer war im Publikum, wenn ich mich nicht irre Jörg Zemmler, Stefan Gmeiner vom “Standard”, Monika Vasik, Gabriele Petricek, Günter Vallaster und und und..

Und ich kann von meiner vielleicht nicht so ganz poetischen Schreibwerkstatt berichten, der Rohentwurf von “Paul und Paula” ist fertig.

51 Seiten, 23 896 Worte und 22 Szenen, also knapp und kurz, mein kürzestes Buch, glaube ich, fast, gefolgt von der “Paula Nebel”.

Jetzt gehe ich das Ganze nochmals durch, finde ein paar prägnante Namen und schaue, wo sich die Paula Pauli nennt etcetera, das mache ich vielleicht am Mittwoch und am Donnerstag kann ich dann ganz poetisch durch die Stadt marschieren um herauszubekommen, ob und wie sich der Text vielleicht doch noch erweitern läßt, obwohl ich damit eigentlich nie sehr weit gekommen bin und, die vom Alfred erstellte Fassung vom “Sommerroman” habe ich heute auch zu korrigieren angefangen.

Ein paar Fehler gibt es noch, dann kann es das Buch vielleicht bald erscheinen, die “Vorschau” erscheint am Freitag und beim “Morawa” gibts wieder “Weiße Buch Wochen” und da habe ich mir ein Buch, um zwei Euro gekauft, das vielleicht auch  gut zum Thema passt, nämlich Martin Mosebachs “Das Rot des Apfels – Tage mit einem Maler”, wo es, glaube ich, Texte zu Bildern von Peter Schermuly gibt.

Wien literarisch betrachtet

Unter diesem Motto standen heute die “Textvorstellungen” in der “Alten Schmiede”

Renata Zuniga stellte unter diesem Titel Thomas Losch und Peter Campa sowie Ruth Aspöck mit ihrem “Jadran heißt die Adria” vor.

Thomas Losch und Peter Campa zwei originelle Wiener Typen könnte man meinen, dabei wurde Thomas Losch 1943 in Mumbay geboren und erst später mit seinen Eltern nach Österreich gekommen und hat 2009 auch bei dem von mir organisierten “Tag der Freiheit des Wortes” gelesen.

Jetzt stellte er sein bei “Sisyphus” erschienenes Buch “Der neiche Frisör hat ihr die letzten  Hoar ausgrissen” vor und das ist eine Ansammlung von Betrachtungen, wo sich der Erzähler oder Autor in eine Konditorei oder Gastgarten begibt und dort während er versucht, seine Prosatexte zu schreiben, den Leuten sozusagen auf den Schnabel schaut, das heißt ihre Wienerischen Äußerungen, daß ein Ehemann ein “Hendl in die Mikorwelle schieben soll”, beispielsweise, versucht auf Hochdeutsch übersetzen.

Er fährt auch U-Bahn oder Straßenbahn und begegnet dabei zwei “Giftlern”, die von einenm “Rauberl in einer Trafik” erzählen. Einze seltsame Formulierung von zwei jungen Burschen und wenn ich mich recht erinnere, hat Heidi Pataki, die verstorbene GAV-Präsidentin, auch einmal ein Gedicht gehabt, das von den Wienerischen Verniedlichungen handelte und dazu passt natürlich der 1954 in Wien geborene Peter Campa, der laut “Wikipedia” als “Vertreter der österreichischen Genreliteratur” bezeichnet wird und den ich auch als ausgesprochenes Wiener Original bezeichnen würde.

Kennenglernt habe ich ihm einmal während eines von Ernst Kostal organisierten “Wahnsinnsymposiums” und habe  seine “Zweite Reise” gelesen. Er ist auch Stammleser im “Read!!!ingroom” und hat dort, das hat mir Gabi Rökl am siebzehnten Dezember erzählt, dort schon seinen seinen “Friedrich Kudrna” vorgestellt. Das ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die, glaube ich, fertig, aber noch nicht erschienen sind und, die, wie Renata Zuniga in ihrer Einleitung erläuterte, von der “Wiener Seele” handeln.

Friedich Kudrna ist ein sechundfünzigjähriger pensionierter und geschiedener ÖBBler  und Peter Campa las drei Geschichten vor, die so lustig waren, daß er selber dabei mehrmals lachen mußte.

Die erste handelt von einem stichfesten Joghurt, das er in einem Supermarkt zu seiner besseren Verdauung kauft, dann aber wegen verschiedener unglücklichen Umstände vorzeitig, den Supermarkt verlassen muß.

Dann kam eine Geschichte von einem Reihenhausgarten, wo der Herr Nachbar durch ein Loch in seinen Garten blickt und ihn anzeigte, weil er den Rasen nicht genügend mähte und auch sein Fahrrad an den falschen Stellen anlehnt und dann gab es noch die Geschichte von der “Freude an der Arbeit”, die die Mutter dem kleinen Fritzi austrieb, in dem sie ihm anleitete, so lange den Boden aufzukehren, bis man von ihm essen konnte.

Dazu passte dann Ruth Aspöcks Buch über die bosnische Servierin Susana nicht ganz dazu oder doch wahrscheinlich, weil es ja in Wien spielt und die Susana von Bosnien wegen des Krieges in den Neunzigerjahren dorthin gezogen ist und interessant finde ich dazu die Parallelen zu den anderen Texten, insbesondere von dem von Thomas Losch, der  in den Gasthausgärten soviel Wienerisch hört, während Ruth Aspöck von den vielen Sprachen las, die die Flüchtlinge sprechen oder lernen müßen. Die Susana hat in Banja Luka Serbokroatisch oder Bosnisch gesprochen und Russisch in der Schule, aber kein Englisch gelernt und das Deutsche erst in Wien lernen müssen.

Ein paar bekannte im Publikum, die Journalistin, die mich einmal interviewen wollte, Ilse Kilic und auch der Herr, dern ich einmal im Literaturhaus ein paar meiner Bucher zum Rezensieren übergeben habe und dazu passt gut, daß heute im Literaturhaus die Regionalversammlung der IG Autoren gewesen ist, die ich versäumte, weil ich Peter Campa und seinen Herrn Kudrna hören wollte und noch etwas habe ich zu vermelden, das neue Buch ist gekommen und wird hier demnächst vorgestellt.