Jiddische Gedichte

Ganz genau weiß ich selber nicht mehr, woher ich das Bändchen “Jiddische Gedichte” – übertragen von Hermann Hakel, herausgegeben von Armin Eidherr in der “Theodor Kramer Gesellschaft” gemeinsam mit dem “Lynkeuas-Verlag”, 2001, habe, aber ich denke, es könnte von einem der Büchertürme bei “Rund um die Burg” stammen und in mein Bücherregal gewandert sein.

Dann gabs das Buch über Hermann Hakel “Ein besonderer Mensch” bei der “Gesellschaft für Literatur” am “Zur freien Entnahme oder gegen eine kleine Spende-Tisch”, ich habs gelesen und dann die “Jiddischen Gedichte” auf meiner Bücherliste eingetragen und nun auf dem sehr heißen Hochschwab-Wanderwochenende gelesen.

Ein besonderer Mensch, der 1911 in Wien geborene und 1987 dort gestorbene Hermann Hakel?

Nun ich glaube er war in den Fünfziger und sechzigerjahren in Wien neben Hans Weigel und Rudolf Felmayer sowas wie der Reich Ranicky für die Literatur, der Förderer junger Talente, wie Ingeborg Bachmann etc und die zwei oder drei Herren haben sich, glaube ich, auch über ihre Entdeckungen zerstritten.

Erika Danneberg, die ich im “Arbeitskreis schreibender Frauen” kennenlernte und die eine Zeitlang mit ihm verheiratet war, hat, glaube ich kein gutes Haar an ihm gelassen und Dine Petrik, die eine Biografie über Hertha Kräftner, auch eine seiner Schützlinge schrieb, hat das ebenfalls getan.

Ein autoritärer älterer Herr, der durch die Kriegserlebnisse, die Emigration nach Italien, etc, sehr geprägt wurde, denke ich und kann mich erinnern, daß ich in den Achzigerjahren auch einmal Texte an die von ihm herausgegebene Zeitschrift “Lynkeus” geschickt und wie ich mich zu erinnern glaube, eine sehr freundliche und erklärende “Warum nicht-Antwort” bekommen habe.

Hermann Hakel hat sich auch, wie Armin Eidherr, ein Mitarbeiter der Kramer Gesellschaft im Vorwort schreibt, sehr um das Judentum und die jüdische Literatur gekümmert, ist in den Neunzehnhundertzwanziger Jahren in die Bukawiner gereist und dann hat er auch “in der Hitler-Zeit in italienischen Anhaltelaggern viele Emigranten aus Polen, Bessarabien, der Ukraine und der Bukawina” kennengelernt.

Er hat dann angefangen Gedichte aus der jiddischen Sprache ins Deutsche zu übertragen, wieviel genau er davon veröffentlicht hat, habe ich dem Vowort nicht so ganz entnommen, 2001 hat sich die Kramer-Gesellschaft gemeinsam mit Emmerich Kolovic, dem Hakel Nachlaßverwalter, der Übertragungen angenommen und ein sehr schön illustriertes Bädchen herausgegeben, in dem Gedichte von vierzig jiddischen Dichter und Dichterinnen enthalten sind, die zwischen  1862 und 1935 geboren wurden und von denen ich außer Marc Chagal, dem Maler und Itzig Manger niemanden kenne.

Die meisten entnehme ich den Lebensläufen sind nach Amerika emigirert.

Israel Stern 1884- 1942 ist im Warschauer Getto umgekommen. Von den meisten sind nur ein oder zwei Gedicht enthalten, von Chagall und einigen anderen auch mehrere.

Die meisten Gedichte gibt es nur in der deutschen Übertragung, bei einigen wird das jiddische Original gegenübergestellt, einen Lebenslauf des Autors gibt es am Schluß auch und die darin enthaltenen Begriffe, wie beispielsweise Sch´mah Jisroel, Schächter, Seder, etc werden genau erklärt.

Ein buch für Anfänger der jiddischen Literatur oder des Judentums, wie Armin  Eidherr in seiner Einleitung auch  meint und empfiehlt, daß man sich mehr mit der jiddischen Dichtung beschäftigen sollte.

Sollte man natürlich, sie wird vermutlich nich so einfach zu bekommen sein, mir ist eigentlich nur Josef Burg, der in dem Band nicht enthalten ist, vielleicht hat er keine Gedichte geschrieben bekannt und so habe ich mich recht begierig in die Gedichte der mir unbekannten und meist längst verstorbener Dichter gelesen und kann meinen Lesern hier auch nur ein paar Beispiele und den Ratschlag sich selber weiter mit den Dichtern zu beschäftigen geben, was man beispielsweise bei den Veranstaltungen der “Kramer Gesellschaft” ein bißchen tuen kann.

“In den roten Tropfen tunk ich meine Feder” so lautet auch der Titel des Buches, der nicht am Cover, aber auf der ersten Seite zu finden ist und das ist aus einem Gedicht von Rachel Fischman die 1935, also die jüngste der enthaltenen Autorinnen, in Philadelphia gaboren und 1984 in Israel gestorben ist, das “Sabbat” heißt.

“In den roten Tropfen tun ich meine Feder, wünsch mir, eure Finger sollen brennen von der Sonne meiner Woche, von der Woche heiß und rot.”

Und dann hat mich, um in dem Buch wieder zurückzublättern Josef Rolnik, der 1879 in Weißrußland geboren und 1955 in New York gestorben ist, mit seinem dem jiddischen Romanschriftsteller Ejsik Raboj gewidmeten Gedicht sehr beeindruckt.

“Ich und der Dichter Ejsik Roboj sind Nachbarn Tür an Tür manchmal geh ich zu ihm, manchmal kommt er zu mir.

Nur Bretter sind zwischen uns beiden, ein wenig übertüncht und einer hört des anderen Schritt, ich rechts, er links.

Wir kennen einander von der Henry Street bald fünfundzwanzig Jahr. Wir waren eins, heut sagt man von uns: Das ist schon fast nicht mehr wahr.

Ich arbeite in einem Wörter-Stell und er bei “Seibl und Minx”. Ich bin und blieb ein bißchen rechts und er ist durchaus links.”

Durchaus interessant sich in eine unbekannte, wahrscheinlich leider längst vergangene Welt mit meist wahrscheinlich unbekannten Dichtern und Dichterinnen, die aus Polen, Weißrußland, der Bukowina, etc stammen, einige wurden auch von Stalin hingerichtet, die meisten sind, wie erwähnt in New York gestorben und viele haben Bücher und Gedichtbände veröffentlicht, die wahrscheinlich inzwischen ebenfalls unbekannt und vergriffen sind.

Sicherlich ein Verdient Hakels sich damit zu beschäftigen, zu übertragen und herauszugeben, wie autoriär und frauenfeinlich er vielleicht sonst noch war und auch ein Verdienst der “Theodor Kramer Gesellschaft”, die Gedichte  herauszugeben, die jetzt lange ungelesen bei mir herumgelgen sind, ich jetzt aber einen wahrscheinlich nicht zu kleinen Eindruck davon mitnehmen konnte, aber natürlich muß man auch hier mehr und weiterlesen, in der Zeitsschrift “Zwischenwelt”, die ich regelmäßig zugeschickt bekomme, kann man das auch ein bißchen tun.

 

Die Chop-Suey-Gang

Ein zweiter Krimi, den ich vom Büchertisch der “Gesellschaft für Literatur”, bekommen habe und etwas gar nicht so Hochliterarisches, nämlich Jürgen Alberts “Die Chop-Suey-Gang”, der 1989 im “Heyne Verlag erschienen ist, den ich eigentlich am Wochenende auf dem Hochschwab minehmen wollte, dann aber schon in einem Schwung am Freitagabend in der Badewanne durchgelesen habe.

“Jürgen Alberts” steht in der Werbeleiste des Bändchens “legt in seiner “Bremer Polizei Serie”, den Beweis dafür vor, daß ein Polizeiroman spannend, straff und lakonisch sein kann.”

So ganz habe ich das beim Lesen nicht empfunden, vielleicht weil ich weder von Jürgen Alberts, noch von seiner Bremer Serie vorher etwas hörte und mir mit dem Polizeidezernat und seinen Typen dort, etwas schwer tat, es ist aber glaube ich, auch eher ein ungewöhnlicher Krimi, handelt er doch von einem homosexuellen Polizisten, nämlich dem Oberkommisar Joe Davids, der seine Homosexualität und die Tatsache, daß er sich für Frauen so gar nicht interessierte, sein Leben lang verstecken mußte.

In den Neunzehnhundertneunzigerjahren mußte man das als Polizist wahrscheinlich ganz besonders und so gerät er auch in einen Konflikt, als er sich in den Besitzer eines Chinarestaurants verliebt, weil der nämlich zu Beginn des Buches von der Maffia Besuch bekommt.

Die muß er bezahlen, besorgt sich auch einen Revolver, um sie abzuwehren und beschwört den Freund bei der Polizei nichts zu verraten und dann brennt ein anderes Chinarestaurant ab, zwei oder drei Hände werden gefunden und Joe Davids, der sich zur Aufklärung des Falles meldet, wird abgewiesen. Er darf oder traut sich das Wort Mafia auch nicht zu verwenden und als er es tut, wird er von seinem Vorgesetzen abgewiesen und so beginnt er allein zu recherchieren und diese Recherche führt ihn bis Amsterdam, denn dort hat die “Chop Sue Gang” begonnen ihre Koffer mit Rauschgif über die grüne Grenze nach Deutschland zu schmuggeln, denn sie will in Bremen über die China Restaurants einen Heroin Ring aufbauen.

Das wird in dem Buch erzählt und dann noch einiges andere, so gibt es zum Beispiel einen Polizeipräsidenten, der seltsame Reden schreibt, eine Rekrutenangelobung und eine Demonstration dagegen gibt es auch und Joe Davids wird auch wegen seiner homosexuellen Neigung geoutet, verliert fast den Job, bekommt aber doch heraus, daß  ein hoher Polizeibeamter von der Gang geschmiert wurde, er verliert auch seinen Freund, der von der Gang drogensüchtig gemacht, sich in der Schweiz sein Blut auswechseln und nicht bei der Polizei aussagen möchte und am Schluß verliert er auch das Leben und es wird bei der Polizei anläßlich seines Begräbnisses seiner gedacht.

Jürgen Alberts, entnehme ich “Wikipedia” wurde 1949 in Deutschland geboren und ist vor allem durch seine Kriminalromane bekannt.

Er hat schon sehr viele davon geschrieben, war mir aber bisher völlig unbekannt und ich finde es auch spannend ausgerechnet in der “Gesellschaft für Literatur”, die ja sehr literarisch ist und für Wolfgang Kraus, Albert Drach, Hermito von Doderer, etc, steht und bei der man mit “Selbstgemachten” nur beim “Dichterfasching” lesen darf, auf ihn gestoßen zu sein und auf den Hochschwab habe ich mir etwas anderes mitnehmen müssen, vielleicht passen die “Jiddischen Gedichte” herausgegeben von Hermann Hakel besser oder er besser zur “Gesellschaft für Literatur”, obwohl ich jetzt gar nicht sagen kann, ob ich das Buch von dort bekommen habe.

Anmerkungen, das sollte ich vielleicht erwähnen, gibt es vom Autor zu Entstehungsgeschichte des Buches auch,  so hat es 1983 wirkliche eine “China Mafia in der BRD” gegeben, wie der “Stern” anmerkte und an einer Stelle des Buches tritt auch Van de Wetering, ein inzwischen verstorbener holländischer Kriminalschriftsteller, von dem ich, glaube ich, ein Buch auf meiner Leseliste habe, auf.

Gamma Lex

Nun kommen zum Sommer passend die Krimis an die Reihe, denn obwohl ich Gewalt ablehne, lese ich sie gerne und “Gamma Lex” von dem  2012 in Purkersdorf verstorbenen Manfred Bauer, ist auch ein besonderes Buch, auf dem nicht einmal Krimi, sondern “Eine Schattenreise”, 1997 in der”Bibliothek der Provinz” erschienen, steht, für mich jedenfalls, denn ich habe mit dem  1957 in Wien geborenen Kommunikationsberater, Bibliothekar und Purkersdorfer Gemeinderat einige Jahre lang am Volksstimmefest gelesen, wo er auch seine Krimis vorstellte.

Die späteren erschienenen, in denen es meistens um Aufdeckung politischer Skandal geht und das passiert auch bei “Gamma Lex”, ein Buch, das von dem Büchertisch der “Gesellschaft für Literatur”, die man sich für eine kleine Spende nehmen kann, stammt und nun hinein in die Schattenreise, die auch zum Sommer passend, in Opatja beginnt, da schlurft Gamma Lex, das ist nicht sein richtiger Name, wie der lautet, wird in dem Buch nicht verraten, herum,  sucht nach einem Zentaurus und findet ihn nicht.

Dann geht es hinein in die Handlung, in die Vergangenheit und nach Wien, in die Gumpendorferstraße, wo der Gesetzesrächer, wie ich ihn nennen möchte, der ohne jeden Zweifel autobiografische Ähnlichkeiten mit dem Autor hat, auch herumschlurft, beziehungsweise sucht er, der den Naschmarkt als seine Heimat sieht, das Cafe Drechsler auf und dort findet er Zentaurus. Er sitzt an einem Tisch mit seinem Partner Ferdinand und einer Frau namens Lili und sie machen das, was sie immer machen, nämlich saufen, saufen, saufen. Das heißt eine Runde Bier für alle plus Marille wird nach der anderen bei dem Kellner Josi bestellt.

Zentaurus verabschiedet sich dann, er hat noch einen Termin, Gamma Lex geht mit Lilli nach Hause, weil er kein Geld für ein Taxi in die Shuttleworth Straße, wo er seine Schlafstatt hat, zu besitzen glaubt, das endet aber in einem Fiasko, denn Gamma Lex hat besondere sexuelle Vorlieben, auf die ich gar nicht näher eingehen möchte, denn “Gamma Lex” ist ein sehr männliches Buch, in dem Vögeln und Saufen eine große Rolle spielt.

Inzwischen bin ich beim Lesen  einiges gewöhnt und es geht auch flott weiter in der Handlung, denn Gamma Lex, der vom Beruf eigentlich Pressesprecher ist und früher in einer Bank gearbeitet hat, dem Direktor dort seine Reden schrieb “Sie werden das schon machen, schreibens irgenwas!”, schrieb als es um die Einsparungen ging, daß die Dienstlimousinen der Verstände eingespart werden sollen, was zu tobenden Applaus der unteren Chargen und zu seiner Entlassung führte, so teilt er sich jetzt mit Ferdinand die Arbeit in einem Würstelstand am Karlsplatz und dort erscheinen am nächsten Tag Lili und Ferdinand und erzählen Zentaurus ist verhaftet worden, weil er einen Stricher ermordet hat.

Zentaurus ist selbst ein Stricher und konnte es nicht gewesen sein, denn er war stattdessen bei einem Kunden, einem Wiener Gemeinderat und der läßt ihn jetzt mit dem Alibi in Stich, streitet ab, einen Stricher zu kennen und seine Frau und  ein weiterer Zeuge gaben  auch ein Alibi.

So weit so gut oder schlecht, aber eigentlich doch ganz fein, denn Gamma Lex war einmal auch Pressesprecher dieses Gemeinderates, so besucht er ihn, aber der schmeißt ihn hinaus und er verliert auch noch einen Werbeauftrag, den er von einem Herrn Decker, dem Inhaber einer schicken Werbeagentur bekommen hat.

Jetzt bricht Gamma Lex am Naschmarkt zusammen, die Marillen werden da wohl mitgeholfen haben und wird von der Prostituierten Judy bei “Toms Stand”, das ist ein Sauerkrautverkäufer, gefunden.

Die nimmt ihn mit nach Haus, hat flotten Sex mit ihm und verrät ihm dann noch, daß einer ihrer Kunden mit der Frau eines Politikers, den er berät, ein Verhältnis hat und immer mit ihr schläft, wenn er Politiker die Nacht außer Haus verbringt.

Dann gehen die Beiden ins “Lotushaus”, das ist ein Animierlokal im ersten Bezirk mit Separees und Gamma Lex geht mit Judy auch dorthin, sieht die Frau des Gemeinderats und Decker und trifft sich jetzt noch einmal mit dem PR- Berater und dem Gemeinderat, die jetzt viel kleinlauter sind und es stellt sich  heraus, die Frau des Politikers hat den Stricher ermordet, weil er sie erpresste. Sie hat es für ihren Man getan, der dann zurücktreten muß und seine Frau natürlich fallen läßt…

Eine eigentlich sehr einfache, aber durchaus böse Geschichte aus dem korrupten Leben der Wiener Politiker, drast erzählt mit den Marillen und dem Sado Maso Sex, aber durchaus spannend und am Schluß irrt Gamma Lex in Opatja herum, sucht Zentaurus, der ihn hinbestellte  und findet ihn nicht, eine weitere Leiche schwimmt im Meer herum, es ist nicht des Strichers, merke ich noch an.

Das Fenster

Jetzt kommt das letzte Buch dieses “Augustin-Flohmarktes”, den man eigentlich als Leseprojekt dieses Sommers bezeichnen könnte und eines, vor dem ich mich nicht gerade gefürchtet, ich habe es ja freiwillig genommen, aber doch öfter behauptet habe, daß ich es nicht verstehen werde und es einmal sogar mit Arno Schmidt verglichen habe, nämlich Richard Obermayrs “Fenster” 2009, bei “Jung und Jung” erschienen und wahrscheinlich auch Leseexemplar aus Anna Jellers Buchbeständen.

Und es war gar nicht so schlimm, könnte man diese Rezension, beziehungsweise Besprechung beginnen oder “Die Zeit ist es sonderbar Ding”, wie es die Marschalin im “Rosenkavalier”” besingt, der 1970 in Ried im Innkreis geborene Richard Obermayr, von dem Marie Theres Kerschbaumer, als er sich in  die GAV beworben hat, sagte, sie wäre bei seinen Texten nicht sicher gewesen, ob da einer nicht ihre Literaturkenntnisse testen und ihr irgendeinen Text unterjubelt hätte, hat er offenbar nicht und er ist mit seinen” Sprachräuschen”, wie ich es immer so respektlos nenne, 1996, als ich das einzige Mal  live beim “Bachmannlesen” war, dort auch nicht sonderlich auf- bzw. durchgefallen.

Dann hat er, glaube ich, bei “Floriana” und wahrscheinlich noch, wo anders gewonnen.

1998 erschien bei “Jung und Jung” oder war das damals noch “Residenz”, der erste Roman, “Der gefälschte Himmel”, den ich auf einem der Büchertürme der “Literatur im März” fand. Ich habe ihn in der Badewanne gelesen, beziehungsweise überflogen, als ich nicht mehr verstanden habe, worum es da ging.

Den “Priessnitz-Preis” hat er auch gewonnen und aus dem “Fenster” gelesen und sich im zweiten Roman, für den er mehr als zehn Jahre brauchte, was mich nicht wundert, sich mit der Zeit beschäftigt.

Ein interessantes Thema, woran sich sicher schon andere die Zähne ausgebissen haben, das man essayistisch, philosophisch, als Sachbuch und auch anders behandeln kann.

Richard Obermayer tut es sehr poetisch in seiner sprachbesessenen Art und so bin ich in einigen Badewannensessions mitgewirbelt, habe machmal gedacht, wie langweilig und wer will das Lesenß, meistens aber war ich bemüht, die Handlung, die mir beim Schreiben und beim Lesen ja immer sehr wichtig ist, zu erfassen.

Daniela Strigl hat, glaube ich, in ihrer Rezension geschrieben, kaum glaubt man ein Äutzerl in der Hand zu haben, ist es flugs schon wieder weg. Aber es gibt eine Handlung, wenn auch eine ziemlich ungewöhnliche, nämlich, wie ich es verstanden habe, die Beschäftigung mit der Vergänglichkeit und das mit vielen schönen Bildern, mit freien Assoziationen ist der Psychologin einmal eingefallen.

Der Ich-Erzähler, der seine Geschichte erzählen will, kommt aber immer wieder auf ihm wichtige Details zurück, die da der Vater und die Mutter wären.

Die Buchvorder- und Rückseite zieren auch ein Familienbild wahrscheinlich aus den Siebzigerjahren, eine Frau mit Kinderwagen, ein Mann mit einem Hut tragenden kleinen Buben auf der Schulter.  Mag das der kleine Richard sein? Dann steht im Klappentext noch etwas von einem “Schuß, einer Pistole und einer Kugel, die durch den Raum fliegt”, darauf wird auch immer Bezug genommen und erschien mir etwas verwirrend oder befremdlich.

Sonst könnte die Psychologin ja sagen, da ist ein junger oder auch älterer Mann und schaut auf sein Leben zurück. Erzählt vom Vater und der Mutter und an einigen Stellen, wo es ein bißchen narrativer wird, auch von seiner Freundin Cäcilia.

Er beschäftigt sich mit der Vergänglichkeit und das immer wieder mit wunderschönen Sprachbildern und Sätzen, kommt dabei vom Hundersten ins Tausendste und wieder zurück.Fragt sich, ob man seine Vergangenheit einholen, oder anders machen kann? Alles wichtige Themen, mit denen sich wahrscheinlich schon die größten Philosophen beschäftigt haben.

Richard Obermayr tut es sehr poetisch, wiederhole ich mich und er verwendet dabei auch öfter den Satz “Ich erinnere mich”.

Das ist ein literarischer Stil habe ich gelernt und habe auch das Buch von Patrik Ourednik gelesen.

Richard Obermayr oder der Ich- erzähler erinnert sich also an den Vater und seine Mutter, den Vater beschreibt er als sehr apathisch, die Mutter serviert eine Forelle, die Familie ißt Erbsenrahmsuppe, Motive von einem Zirkus und einem Artisten tauchen auf, Theatermotive und dem Zuspätkommen in die Vorststellung, so daß man erst nach der Pause hineinkommen kann.

Die Mutter ist Klavierlehrerin und es gibt auch ein Mädchen, das immer wieder dasselbe Stück falsch spielt, immer wieder die selben Fehler wiederholt, eine andere Klavierlehrerin hat immer zwei Tassen auf den Tisch stehen und serviert ihren Schülern Malzkaffee und Rosinenbrot und es gibt auch immer wieder sehr schöne Sätze und Wendungen, etwa dreißig habe ich mir angestrichen.

“Ob sich der Wanderzirkus der Geschichte noch einmal bei ihnen niederläßt und ein letztes, ein allerletztes Mal eine Vorstellung gibt?”, vielleicht oder “So weit kann das eigene Schicksal zurückreichen. So geduldig kann der Tod sein”.

“Seit dieser Aufführung ist die Kugel unterwegs und fragt sich zu mir durch.”

“Genausogut könnte man fragen: wo hört der Sommer auf und wo beginnt der Herbst”

Ach ja die Geschichte spielt im Sommer. Im August, geht dann nahtlos in den Winter über, wo es plötzlich Schnee gibt und der Protagonist hat es nicht gemerkt.

“Die Zeit ist ein sonderbar Ding!”, wir wissen es und wiederholen es wieder.

Die Mutter ist auch schon  gestorben, während der Erzähler durch das Leben taumelt, um seine Geschichte zu erzählen und dafür einen Anfang sucht.

Begräbnisse werden beschrieben und eines stammt aus einem Buch, das die Mutter gelesen hat. Da kommt ein Artist in den Ort, Schwanenstadt wird öfter erwähnt, wo einer verschwunden ist, dem er sehr ähnlich sieht. So wird ein Begräbnis insziniert, wo er den Toten spielt und so hüpft der Autor, hüpft der Leser  durch das Buch, durch die Zeit und hat einen sehr poetischen Roman über ein sehr wichtiges Thema gelesen.

2010, wo  es erschienen ist, ist es nicht auf der Longlist des dBp gestanden, weil wahrscheinlich dem durchschnittlichen Leser nicht zuzumuten und es wird vielleicht, wenn in fünf Jahren der dritte Roman erscheint, dieser auch nicht darauf stehen, trotzdem und das mag meine Leser nun verwundern, freue ich mich, die mit den bloßen Sprachräusche, der l art pour l art, wo in schönen Worten nichts passiert, darauf und werde ihn, soferne ich ihn finde, begierig lesen und mich wahrscheinlich auch weniger davor fürchten, ob ich alles verstehen werde?

“Als Richard Obermayr vor über zehn Jahren seinen ersten Roman vorlegte, wirkte er ebenso verstörend wie begeisternd. Ein neuer Autor war auf den Plan getreten, dem man Außerordentliches zutraute. Zu Recht: Sein zweiter Roman löst das Versprechen, das der erste gab, auf glänzende  Weise ein.”

Da kann ich nur gespannt sein und werde bis dahin wahrscheinlich weiter realistisch und weniger abgehoben schreiben.

Sommerfrischenhalbzeit

Der Juli ist vorüber, der August schon ein paar Tage alt, Zeit also über die heurige Sommerfrische Bilanz zu ziehen und festzustellen, daß der Juli, wie die meisten meiner Sommerfrischensommer sehr effektiv und intensiv gewesen ist. In drei Wochen habe ich meine Sommergeschichte “Die ereignisreichen Sommererlebnisse vier prekärer Literaturstudentinnen” hinuntergeschrieben,  vorige Woche einmal durchkorrigiert und durch eine Danksagung ergänzt. Denn wir haben jetzt auch schon das Titelbild, das wird Annas kleines Hündchen, ein Import aus Griechenland, namens Ouzo sein und da hat es gepasst, einmal eine Danksagung hinzuzufügen “Ich danke dem politischen Geschehen für die vielen Ereignisse, die ich in dem Roman verarbeiten konnte, obwohl das meiste, wie die Griechenlandkrise, die überfüllten Erstaufnahmelager, die Bootsflüchtlinge auf Lampedusa,etc, alles andere als erfreulich sind!” Hundertzehn Seiten, neunundvierzig Szenen und 52 423 Worte hat es derzeit und wird jetzt eine Weile so liegen bleiben, das raten auch so die Schreibeschulen, weil ich jetzt zuerst “Die Pensionsschockdepression” fertig machen will. Zwei Szenen werde ich am neunzehnten August, wenn dann die Longlist bekanntgegeben wird, wahrscheinlich ändern, ergänzen oder umschreiben müssen, denn das sind die, wo das auch im Text geschieht und Sandra Winter, die ja ihre Diplomarbeit über den “Deutschen Buchpreis schreibt”, zum “Thalia” in die Kremsergasse aufbricht, um sich dort mit Andy Hermann durch die nominierten Bücher zu wühlen und ein paar Kunden zum dBp zu befragen. Da habe ich nämlich vorausgedacht und ein paar österreichische Namen, beispielsweise die der Vea Kaiser und der Valerie Fritsch eingefügt und werde es  wahrscheinlich auf den aktuellen Status Quo bringen oder auch so lassen. Mal sehen, das ist ja noch ein bißchen Zukunft, aber auch das, was mich in den letzten Wochen so bewegte. Soll ich oder soll ich nicht mich heuer am Longlistenlesen beteiligen, bis jetzt habe ich am Tag der Longlistenvergabe immer einen Artikel und das, was ich über die niminierten Bücher gewußt habe, erwähnt, vor zwei Jahren habe ich eines angefragt, das Longlistenbüchlein habe ich auch gesucht oder angefordert und mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein oder zwei Bücher aus der Liste gewünscht. Mehr davon zu lesen, dachte ich, habe ich wegen meiner übervollen Leseliste keine Zeit und das würde auch jetzt zutreffen, aber dann sind die “Buchpreisblogger” dahergekommen und das hat mir keine Ruhe gelassen, die doch nicht ganz alleine werken zu lassen, denn das ist ja das Tolle am Bloggen, daß es keine offiziellen Blogger geben sollte, sondern alle dürfen können sollten…

Darf ich auch, wenn ich mir die zwanzig Bücher kaufe, dann kann und will mich wahrscheinlich keiner am Lesen hindern, Ich kann auch bei den Verlagen anfragen, das wird dann eine Weile dauern und alle Bücher werden auch nicht zu bekommen sein. So bin ich hin und hergeschwankt, gedacht, ich gehe am Samstag danach mit dem Alfred zum “Thalia” und wünsche mir meine Geburtstags- und Weihnachtsbücher dieses Jahr schon vorher. Dann bin ich gestern draufgekommen, die Liste wird dieses Jahr am Mittwoch bekanntgegeben, das ist der Tag, wo ich meistens in Richtung St. Pölten fahre und wenn ich da schon in den “Thalia” gehe, könnte ich gleich mit dem Lesen anfangen, wird die Shortlist ja schon am sechzehnten September bekanntgegeben und wenn ich bis dahin durch bin, könnte ich meine eigene Shortlist machen und mit der vergleichen, die die Jury gefunden hat. Dann bin ich auch noch daraufgekommen, daß wir am Samstag danach mit dem Herrn Sladky und der Wandergruppe in den Bergen sind, also müßte ich mit dem Geldbeutel zum “Thalia”, aber will ich wirklich vier-bis fünfhundert Euro ausgeben, nur um zu beweisen, daß ich ebenfalls zwanzig Bücher lesen kann? Das hat mich am Mittwoch auf der Fahrt von Wien nach St. Pölten sehr beschäftigt. Vor ein paar Jahren bin ich auf diese Art und Weise auch zu dem Ergebnis gekommen, daß es ein “Literaturgeflüster-Texte-Buch” geben wird. Diesmal ist mir eingefallen, daß ich am Donnerstag den 19. die Bücher ja nicht kaufen, sondern auch beim “Thalia” eines lesen kann und vorher die Verlage anfragen und meine Leser, ob sie mich vielleicht bei der Aktion unterstützen und mir ein Buch schicken möchten? Ich tausche es gerne mit eines meiner drei die im letzten Jahr entstanden sind und sicher nicht auf der Longlist stehen.  Den lieben Otto habe ich schon angefragt, als wir ihn am Sonntag ganz zufällig in Traismauer getroffen haben, als wir dort zum Bahnhof radgefahren sind, aber der liest alles am “Kindle” und das kann man ja nicht weitergeben. Einer der Nachteile des E-Booklesens finde ich. Aber so könnte es gehen und ich könnte alle Fliegen auf einmal erlegen und noch eine tolle Sommerausklangsaktion anfügen, die ich bei Gelingen, jedes Jahr wiederholen könnte. Da bin ich schon beim Lesen und das Sommerlesen war heuer auch ein Erfolg, außer John Knittels “Via Mala” habe ich mich durch einige ältere Longpreis oder beim Bachmannpreis nominierte Bücher gewühlt, dank dieses  “Augustin Flohmarkts” vor drei Jahren gewühlt und bin jetzt bei Richard Obermayrs “Fenster” angelangt, das meinen Lesefluß ein bißchen stoppen wird, das man, da es ja ein “Sprachrausch-Buch” ist, wie Daniela Striegl in einer Rezension meinte, nur häppchenweise lesen kann. Also gebe ich mir das Häppchen bevor ich dann den Longlistensprint loslege und hoffe, daß nicht sehr viele Sprachrauschbücher a la Richard Obermayr oder Reinhard Jirgl dabei sein werden, also ein lustiges Lesen und vom heurigen Sommer ist seine große Hitze anzumerken, die mich aber nicht besonders behindert, so bin ich vor zwei Wochen durch sie nach Herzogenburg gefahren und habe dort und auf meinen anderen Ausflügen immer ein paar kleine Häppchen in mein kleines Stadtschreiberbuch eingetragen. Am Mittwoche bin ich Frühstückslos mit dem Gutschein für ein “Leiner Frühstück”, den der Alfred zum Geburtstag bekam, nach St. Pölten gefahren und habe das, statt dem Brunch am Freitag den “Stadtbekannt” im “Siebenstern Beisl” servieren wird, genossen, am Sonntag war ich mit dem Alfred beim Kellergassenfest in Wagram bei Traismauer und ein paar literarische Veranstaltungen habe ich auch besucht, am Motag bin ich dabei über einige Bücherschränke gestolpert, wo ein bibliophiler Berliner oder Berlinerin seine Berlinotheka ausgesondert hat, habe so ein Büchlein über Berliner Stadtspaziergänge gefunden, Irina Liebmanns “Berliner Mietshaus”, das ich allerdings schon hatte und einen führer über das Schiller Haus in Weimar, in dem ich jetzt schmökern könnte, habe die beiden Führer aber in Wien gelassen, weil ich ja meine zwei Works in Progress korrigieren und mich durch meine Sommerleseliste lesen will. Am Wochenende geht es auf den Hochschwab, dann ist Alfreds Geburtstagsfest, dann wird die Longlist bekanntgegeben und ab da ändere ich meine Fahrradrouten, fahre nicht mehr auf die Schubertburg oder nach Wilhelmsburg sondern gehe nur mehr lesen zum “Thalia” oder später wenn wir wieder in Wien sein werden, zum “Morawa” auf die Wollzeile, zum “Thalia” in die Mariahilferstraße oder auch in die Buchhandlung Kuppitsch. Ich bin gespannt, ob und wie ich das schaffen werde, werde darüber berichten und freue mich sehr über Kommentare, Feedback, Reaktionen meiner Leser und Leserinnen, ecetera.

Der Sammler

Wieder ein Buch von Evelyn Grill, von der 1942 in OÖ geborenen und in Deutschland lebenden Schriftstellerin, die sozusagen Elfriede Haslehner einmal für ihren “Wiener Frauenverlag” entdeckte, habe ich schon viel gelesen und der 2006 erschienene Roman “Der Sammler” ist auch eines, das vorletzte, noch nicht gelesene, das ich vor fast zwei Jahren, bei dem “Augustin-Flohmarkt” kaufte, vorher habe ich von dem Buch schon einiges gehört und war, 2006 wahrscheinlich, auch auf einer Lesung bei “Rund um die Burg” und das “Messie-Thema” interessiert   die Psychologin, die ja auch eine Büchersammlerin ist.

Evelyn Grill greift alle oder viele heiße Eisen an, könnte man so sagen, tut es manchmal, meistens, oft mit einer Art Bernhardschen Boshaftig- und Gründlichkeit und sie versteht auch noch die schönen Künste in das Buch hineinzupacken, diese damit zu verbinden oder gegeneinander auszuspielen.

Da gibt es in einem feinen Italiener in der Stadt Mannheim, glaube ich, einen Stammtisch, wo sich jede Woche der Philosophieprofessor Gregor Voss nach seiner Vorlesung mit seinen Freunden trifft, seine Freundin Dora Stein, eine Schriftstellerin ist dabei, Evelyn Grill ist, glaube ich, auch mit einem Universitätsprofessor verheiratet, eine Studentin, ein Privatdozent, eine Sozialpädagogin, eine Psychotherapeutin, die auch Künstlerin ist und Alfred Irgang, ein Freund Voss, beziehungsweise war der auch mit seinen Eltern befreundet und Alfred Irgang, obwohl aus gutem Hause, der Vater war Fabriksbesitzer, die Mutter Halbjüdin und wurde von den Nazis verfolgt, hat Alfred, sehr zum Leidwesen seiner Eltern, die bürgerliche Laufbahn nicht geschafft, irgendwas ist da schiefgelaufen, vielleicht war er schon von Kindheit an ein eigenwilliger Knabe, der Nägel sammelte, etc.

Jdenfalls hat er sein Geschichtsstudium nicht geschafft, weil er so gründlich war und mußte nach fünzehn Semestern vom Vater wieder heimberufen werden, keine Doktorarbeit, nicht einmal viele Zeugnisse, dafür Mappen von Vorlesungsmitschriften, jetzt haust er in einer zugemüllten Eigentumswohnung, in einem eher schlechten Viertel, es scheinen auch Zuhälter dort zu wohnen, aus den anderen wurde er hinausgeschmissen, ist aber sehr wohlhabend, denn die Eltern haben ihm nicht nur Geld, sondern auch einen Beckmann und anderes wertvolles Inventar hinterlassen, nur findet man das nicht in der Wohnung nicht, denn Alfred schleppt Gebisse, Sardinenbüchsen, etc, an, häuft das in Gängen in seine Wohnung, wo sich schon die Kakerlaken tummeln, auf die begibt er sich in der Nacht auf Jagd, sonst lebt er von Jopghurt und Milchreis, die leeren Becher inventarisiert er dann und wirft sie nicht weg, seine Zähne sind kaputt, die Hände haben von dem vielen Dreck, in denen er wühlt auch schon Ekzeme und die Freunde, wenn er dann verspätet in den Stammtisch schreitet und dort seine Tomatensuppe löffelt, reden auf ihn ein, doch mal aufzuräumen, zum Zahnarzt zu gehen, sich zu rasieren, etc!

Besonders tut das Uta Aufbau, die Sozialpädagogin, denn die ist ja schon von ihrem Beruf her dazu verpflichtet, sie hat es auch seiner Mutter versprochen und sie spricht auch auf die Freunde ein, Alfred doch nicht zu unterstützen, in dem sie die Geschenke, die er ihnen immer aus den Mülltonnen mitnimmt, annehmen, nein, denn der Leidensdruck muß erhöht werden, erst dann ist Alfred bereit Therapie anzunehmen, wie das wahrscheinlich in den  Therapiebüchern so steht…

Die Freunde haben aber unterschiedliche Interessen, die Schriftstellerin will einen Roman über ihn schreiben, beziehungsweise will das vielleicht Gregor Voss, das sie das tut, Alfred will das auch und die Psychotherapeutin und bildende Künstlerin Kyra, will eine Kunstistallation aus seinen Sachen machen und schleppt auch einen Galeristen an, der ihm am liebsten mit seinem Gerümpel in seiner Galerie, als lebendes Kunstprodukt ausstellen will.

Alfred läßt sich von all dem nicht sehr beirren, denn er hat andere Probleme, die Heizungsableser will in seine Wohnung, ich hatte einmal eine Klientin, die hat mir ähnliches berichtet, das Gesundheitsamt will den Kammerjäger schicken und der Hausmeister bedrängt ihn, er soll einen Keller ausräumen, der ihm nicht gehört, sonnst….

Es gibt auch wilde Gestalten in dem Wohnhaus, die Alfred bedrängen, so larviert er herum, beschwichtigt den Hausmeister und fragt zuerst Rudi  Muster, das ist auch so eine Lichtgestalt, ein ehemaliger Stammtischbesucher, ein Akademiker ohne Geld, der vom Sozialamtlebt, weil er sich nicht verkopfen lassen will und den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen ist, ob er ihn für dreißig Euro in der Stunde, die Sachen aus dem Keller in einen anderen räumt, der ist entsetzt, weil körperliche Arbeit für ihn nicht zumutbar, überfordert ihn ja schon das Maschineschreiben, da trifft er plötzlich eine Matroschka, das ist eine obdachlose Frau ohne Zunge, die wurde ihr, weil verkrebst amputiert und zwischen den Beiden beginnt eine seltsame Liebesbeziehung und weil die Nachbarn ihm bedrohen, darf sie auch in der Wohnung schlafen.

Uta will mit Gewalt diese Zweckbeziehung verhindern, hat am Stammtisch aber wenig Verständnis und es kann erst etwas geschehehn, als Alfred von einer Ratte gebissen wird, eine Sepsis bekommt und ins Spital eingewiesen wird. Jetzt beginnen die Freunde zu handeln, das heißt sie räumen seine Wohnung auf, schmeißen den Müll weg, beziehungsweise fotografiert der Galerist alles und schleppt die Fotos und den Schlaftsessel, im Bett konnte man schon lange nicht mehr schlafen, in die Galerie.

Dora Stein macht auch Aufzeichnungen und Uta räumt mit Hilfe von polnischen Studenten, die in ihrem Hause wohnen, auf und als Alfred entlassen wird, hängt der Beckmann wieder an der Wand, alles glänzt und die Freunde erwarten ihn mit Sekt und Brötchen nach dieser “Eine saubere Wohnung für Alfred-Hilfaktion”.

Es kommt wie es kommen muß, Alfred bekommt einen Tobsuchtsanfall, schmeißt die Freunde hinaus und als er sich in seiner Verzweiflung aus dem Fenster stürzten will, sieht er unten die Stumme auf einem Berg Müll sitzen und winkt sie erleichtert zu sich hinauf.

Die Freunde zerstreiten sich an den nächsten Alfredlosen Stammtischen, war ihre Aktion jetzt gut oder nicht?

Darüber gehen die Meinungen auseinander, Alfred kommt ja nicht mehr und Uta erzählt, er räumt die Sachen aus dem Keller mit der Stummen in seine Wohnung, der Hausmeister ist zufrieden, das Gesundheitsamt und der Heizungsableser auch und die Heizkörper hat Alfred, der sowieso nie heizt, auch noch hinausgeworfen, also alles leiwand und paletti, bis die nächsten Kakerlaken kommen, könnte man so sagen.

Vorerst schon, denn das Semester geht zu Ende, da löst sich der Stammtisch sowieso auf und der Professor zieht sich mit Dora in sein Häuschen am Land zurück und ist nicht mehr erreichbar.

Die Schriftstellerin schreibt ihren Roman, ist aber mit dem Ende unzufrieden. Soll sie es so unbefriedigt enden lassen? ist das Literatur oder war der Anfang richtig?

Nach einigen Wochen kommt der erlösende Brief von Uta mit dem Nachsendungsauftrag, die Sache hat doch eine Wende genommen, denn im Keller von Alfreds Haus hat es gebrannt. Alfred war zwar nicht zu Hause, sondern auf seiner Mülltour, aber die Nachbarn, die zum Teil verletzt wurden und auch Angehörige verloren haben, richten ihre Wut auf den “Sandler” und sein Kellergerümppel, als Alfred kommt, will er in den Keller, denn da ist ja sein Eigentum, die Feuerwehr läßt ihn nicht hinein. Er fängt zu schreien an, da kommen die zwielichtigen Gestalten, die ihn schon mal bedrohten, heben das kleine dünne Männchen hoch, lassen es in der Luft zappeln und werfen es dann auf den Boden.

Alfred stirbt noch im Krankenwagen, er hat aber ein Testament hinterlassen, die Stumme ist die Erbin, die vorübergehend von Ute aufgenommen wird und ein Blick in die Wohnung zeigt, der Beckmann ist verschwunden.

Ute fügt noch dazu, was die anderen Stammtischbesucher machten, der Galerist und Kyra eine “In Memorian Alfred Irgang Ausstellung”, der Dozent und die Studentin nehmen den Ruf an eine andere Uni an, Uta hat auch noch Rudi in ihr Haus aufgenommen und die Schriftstellerin verspricht den Professor zu heiraten, denn jetzt kann ihr Roman ein gutes Ende nehmen.

Mit einem bösen Lächeln Evelyn Grills wahrscheinlich, endet der Roman und läßt vielleicht ratlose Leser oder viele Fragen zurück.

Denn, wie kann man einen pathologischen Sanmmler wirklich helfen? Die “Sigmund Freund Uni” versucht es und hat auch eine “Messie Gruppe”. Sie machte auch einen solchen Kongreß und hat Elfriede Gerstl, die ja auch eine Sammlerin war, zum Eröffnungsvortrag oder Lesung eingeladen.

Weniger schwere Fälle lassen sich vielleicht auch freiwillig therapieren und finden Lösungen, wie sie mit ihren Heizungsablesern und Gesundheitsproblemen umgehen können.

Hier hat Evelyn Grill würde ich sagen einen bitterbösen Roman über ein sehr reales Thema, das einen kleinen Teil der Bevölkerung betrifft, geschrieben und da ich auch manchmal mit solchen Klienten arbeitete, kann ich sagen, sie hat es das Milieau und die Schilderung gutgetroffen, wenn auch, wie von der Literatur  ja auch gefordert wird, gelegentlich übertrieben und so ist es ein bitterböser Roman geworden, der Sammler am Ende tot und nur die Schriftstellerin und der Galerist triumphieren.

Aber mit der Schriftstellerin,  Dora Stein, ist ja auch eine Österreichin, hat sich Evelyn Grill am Ende selber an der Nase genommen und sich über sich selber ein bißchen lustig gemacht?

Für mich ist es das beste Evelyn Grill Buch, das ich bisher gelesen habe.

“Vanitas oder Hofstätters Begierden” ist übrigens 2005 auf die Longlist des dBp gekommen.

Wiener Grätzl-Siebensternviertel

In der Sommerfrische zwischen Radfahrten auf den Feldern und dem Korrigieren des Sommerromanes, sich mit dem “Siebensternviertel” zu beschäftigen, durch das ich ja immer gehe, wenn ich von meiner Praxis-Wohnung zum klinischen Mittag will, die Adventrundgänge finden dort statt, die “Poetnächte” im Kulturcafe Siebenstern und es gibt auch von mir natürlich besonders gerne frequentiert, den “Offenen Bücherschrank” und das Literaturhaus, in dem Buch, glaube ich nicht erwähnt, befindet sich, da, ist vielleicht schon ein bißchen seltsam, aber wenn der Grätzlführer im Kulturcafe Siebenstern bei einem “leckeren Frühstücksbuffet und köstlichen Erfrischungen” vorgestellt wird und derMax wieder seine Knöllchen durch den Raum werfen wird, damit der glückliche Fänger die Überraschungsfrage beantworten kann, bin ichnicht am Ort und so surfe ich mich am Land durch den neuen” Stadtbekannt-Guide” und gehe in der Phantaisie shoppen, genießen, entdecken und mache auch solcherart meine Stadtspaziergänge, denn wie schon beschrieben, das “Siebensterngrätzl”, also das unregelmäßige Viereck im östlichen Teil von Neubau, dem siebenten Wiener Gemeindebezirk, zwischen Lerchenfelderstraße, Neubaugasse, Maria Hilferstraße, die ja glaube ich, vor kurzem auch mit einem großen Fest in ihrer neuen Fußgängerfreundlichkeit, gefeiert wurde und dem MQ ist mir bestens bekannt, wie eigentlich auch das “Wiener Grätzl -Josefstadt”, das ich um Weihnachten auch am Land besprochen habe und die anderen Stadtbekanntführer, die mir das Frühstücken, den Kaffee, etc schmackhaft machten und mein unnützes Wien-Wissen, das ich glaube habe, in verschiedenen Stufen teste.

Für die Konsumverweigerin die ich bin, ist die Auflistung der Cafes, Geschäfte, Galerien, Boutiquen, Restaurants, vielleicht ein wenig unnötig, aber einige der Schätze konnte ich schon entdecken und dafür auch anderes, wie den erwähnten Bücherschrank, das Literaturhaus, die Poetnächte, den Adventrundgang, etc, beisteuern, von denen “Stadtbekannt”, vielleicht keine Ahnung hat.

Aber erst einmal geht es ohnehin um die Historie, wie ist das Siebensternviertel entstanden?

Und da kommt man nicht um den Spittelberg herum, einmal ein Armenspital, dann ist das Viertel herabgekommen, diente den “lustigen Damen” zum Unterhalt und sollte abgerissen werden. Ein kultureller Aufschrei folgte und jetzt ist es das schönste Viertel des Bezirks, bekannt für seinen  Weihnachtsmarkt und da gibt es ja das Amerlinghaus, wo ich eine Zeitlang meine Lesungen machte, als mich das Literaturhaus hinausgeschmissen hat, auch etwas, was “Stadtbekannt” nicht weiß, meine Leser aber sicher schon und eines von den letzten zwei Kinos des Grätzels gibt es in dem Viertel auch. Das ist das Filmhaus Spittelberg und da war ich ja vor kurzem und habe mich mit Joseph Roth beschäftigt, das andere ist das Bellaria Kino ein Stückchen weiter entfernt und näher dem MQ gelegen und dort bin ich früher, als Studentin oder so sehr oft hingegangen und kann man heute noch die alten Filme aus den dreißiger, vierziger, fünfziger Jahren etc, erinnern und das Mobilar und das Outfit lese ich im Guide, soll immer noch so sein.

Vielleicht geht auch die Kassierin immer noch mit dem Fichtennadelduftspray spazieren, um die schlechte Luft im Raum zu verbessern und die alten Damen schauen sich verzückt, die alten Hans Moser Filme an.

Es gibt aber auch Bauwerke und Sehenswürdigkeiten und natürlich Kirchen, die St. Ulrichskirche wird wohl die bekannteste sein und da habe ich mal eine Führung gemacht, denn die Ruth Aspöck, die  auch in dem Grätzl wohnt und dort in einer sehr schönen Konditorei, die auch in dem Buch erwähnt wird und in die ich schon immer wollte, einmal ihren Geburtstag feierte, hat einmal auch am Augustinplatz ihre “Augustintage”veranstaltet, da habe ich meine “Letzter Versuch-Geschichte” gelesen, die der Christa Nebenführ so gar nicht gefallen hat und am St. Ulrichsplatz gibt es immer noch Geschäfte, die man als Kulisse für einen Film aus der Nazi oder Zwischenkriegszeit nehmen könnte.

In der Burggasse 3, also etwas weiter unten und schon wieder nahe am MQ durch das ich auch sehr oft gehe, beispielswerise wenn ich zu Veranstaltungen ins Rathaus oder auf den Rathausplatz möchte, gibt es das “Kleinste Haus von Wien” das nur sechs Fenster und und einen Grundriß von vierzehn Quadratmeter hat.

Der Uhrmacher oder Goldschmid “Schmollgruber” ist dort schon seit 1872  drinnen und Parks, Gärten und Grüne Oasen gibt es in dem Grätzel natürlich auch.

Der bekannteste ist der Weghuberpark vis a vis vom Volkstheater mit dem Raimunddenkmal, das Hani Niese Denkmal, ebenfalls eine berühmte Volksschauspielerin gibt es dort auch, während der Dorothea Neff Park, das ist die Volksschauspielerin, die ihre jüdische Freundin vor den Nazis versteckte, sich an der Kreuzugn zwischen Seidengasse und Bandgasse, also wieder mehr in Literaturhausnähe befindet.

Brunnen gibt es auch, nämlich den schon erwähnten Augustinbrunnen am Augustinplatz und ich auch vorübergehe, wenn ich von meiner Praxiswohnung zum klinischen Mittag gehe.

Dann gibt es natürlich, für mich nicht so interessant, eine Reihe von Hotels, denn “Wo würde man bei einem Wien-Besuch, denn lieber als im siebenten Bezirk, mitten im kulturellen Zentrum der Stadt Wohnen” und da fällt mir Andreas Unterwegers erstes Buch “Wie im Siebenten” ein, das ich, glaube ich, auch im Amerlinghaus hörte und wahrscheinlich auch im Bücherschrank Zieglergasse gefunden, aber noch nicht gelesen habe.

Für “Kunstaffine” gibt es eine Reihe von Gallerien, aber ich bin ja mehr literaturaffin und habe da schon einige Grätzlspezialitäten aufgezählt.

Es gibt das  Bezirksmuseum Neubau, das befindet sich auch im Amerlinghaus, allerdings auf der anderen Seite, als dort, wo ich beispielsweise immer zu den “Wilden Worten” von Richard Weihs, auch ein Grätzeloriginal würde ich vermuten, obwohl er, glaube ich, im sechsten wohnt und dort war ich im vorigen Herbst bei einer Bezirksveranstaltung, wo die beiden Cousinen Stift gelesen haben und Andrea Stift hat mich glaube ich ja als erstes auf Andreas Unterweger und sein erstes Kultbuch aufmerksam gemacht.

Es gibt im Siebenten auch Spas und andere Schönheitsinstitute, für mich wieder weniger interessant, also den Guide kaufen oder am 7. 8. ab 9 Uhr zur Buchpräsentation gehen und dann kommen wir zum Kapitel “Siebensternviertel-genießen.”

Da habe ich das Amerlinghaus mit dem Amerlingbeisl schon erwähnt, da gehe ich im Winter mit der Anna und der Alfred immer meinen Punsch trinken und als der “Exilpreis” noch im Amerlinghaus statt auf der  “Buchwien” vergeben wurde, hat es dort auch immer ein tolles Buffet gegeben, das das Beisl gestiftet hat.

Als ich übrigens, jetzt schon vor mehr als dreißig Jahren, im Sommer 1982 mein Inserat im “Falter” aufgegeben habe, daß ich Anschluß suche und gerne jemanden kennenlernen möchte, habe ich mich mit den Anrufern bevorzugt auch im “Amerlingbeisl” getroffen, mit dem Alfred, den ich auf diese Art und Weise auch kennenlernte, glaube ich, allerdings im Cafe Museum und das gehört nicht mehr zum Siebensternviertel.

Es gibt aber auch das Cafe Nil, da waren wir einmal nach den “Wilden Worten” mit der SisiGlockner, der Gabriele Petricek und der Erika Kronabitter, mit der Ilse Kilic waren wir, glaube ich dort auch einmal und das Cafe Ludwig, das jetzt Fortuna heißt, wo sich die “Westbahn Spontan- Schreibegruppe” immer trifft, gibt es in der Westbahnstraße auch, ist aber im Cafeteil des Gudies, glaube ich, ebenfalls nicht enthalten, dafür das Cafe Kandisky, wo die Irene Wondratsch einmal ihren Genußkrimi vorstellte und das wird auch bei den Stadtspaziergängen, die es auch in diesen Grätzelführer gibt, empfhohlen durch den Durchgang zu gehen, wo das Cafe Kandinsky und andere Lokalen liegen, ich tue das sehr gern, wenn ich beispielsweise von meiner Praxiswohnung zum klinischen Mittag gehe und einen Spaziergang dpeziell für mich, haben die Grätzelführer offenbar auch gefunden, nämlich den wo man vom sechsten durch den siebenten in den achten gehen kann, ich gehe dann noch ein Stückchen weiter bis zum neuen AKH in den neunten.

Einen Shopping guide gibt es, für mich wie schon beschrieben, wieder weniger interessant,  natürlich auch und den Rat, wenn man sich auf Einkaufstour durch den Siebenten macht, seine Kreditkarte nicht zu vergessen, denn da gibt es alles und es kann auch nichts passieren und nichts schiefgehen, außer daß man, wenn man vielleicht zuviel shoppt, seinen Kreditrahmen überzieht.

Das passiert mir wahrscheinlich nicht, ich schleppe nur zuviele Bücher nach Hause und mußmir dann beim “Leiner” oder bei der “Grünen Erde” ein neues Bücherregal kaufen, aber letzteres, liegt nicht mehr im Grätzel und hat die Humboldtregegalproduktion ohnehin schon eingestellt, weil die Leute jetzt offenbar alle lieber E-Books kaufen und daher keine Bücherschränke mehr brauchen.

Es gibt aber, das möchte ich vielleicht anmerken im Grätzel viele schone Schuhgeschäfte, wo ich glaube ich, zumindest schon einmal hineingeschaut habe, es gibt eine “Brillenmanufaktur”, die “Göttin des Glücks”, das Second Hand Geschäft “Humana”, da komme ich auch immer vorbei, es gibt ein Geschäft das “Kauf dich glücklich” heißt, da muß ich an die “Schäppchenjägerin” der Sophie Kinsella denken, das ich, wie ich ja immer schreibe, für eine der besten Beschreibungen der Kaufsucht halte, die ich kenne und es gibt “Schokov”, ein Schokoladengeschäft in der Siebensterngasse 20, in dem meine, nicht so konumverweigernde Tochter Anna öfter die Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke für ihre Familie kauft.

Dann gibt es, wie schon erwähnt die Stadtspaziergänge, wo man sich das alles anschauen, kaufen und genießen kann und wie schon geschrieben spazieren gehen kann man durch das Wiener Grätzl natürlich auch oder sich in das Museumsquartier setzen und dort gibt es die Museen und, das hätte ich jetzt fast vergessen, finden auch im Dezember die Ohrenschmaus-Preisverleihungen statt, zumindestens bis jetzt, da sie, wie ich hörte, ja vielleicht auch  mit der “Buch-Wien” kombiniert werden.

Sein Kampf – Antwort an Hitler

Jetzt kommt ein wahres Schmankel aus dem “Augustin-Flohmarkt”, ausnahmsweise kein Rezensionsexemplar und auch nichts was beim Bachmannpreis gelesen wurde oder auf der dBpListe stand, nämlich Irene Harands, 1935 im Eigenverlag herausgegebenes Buch, weil kein Verlag es im noch nicht angeschlossenen Österreich drucken wollte, 2005 im “EPHELANT-Verlag” auf Anregung von  Peter Marboe und Kardinal Schönborn, wieder herausgegeben und 2005, dem Jahr wo ja der Staatsvertrag sehr groß gefeiert wurde, gab es auch eine Nonstop-Lesung des Buches bei der Stephanskirche, die im Internet übertragen wurde, so daß ich mir Teile davon anhörte und mit dem Buch und Irene Harand zum ersten Mal in Berührung kam.

Damals hat es, glaube ich, auch die Literatur im März und ihre Büchertürme noch gegeben und da hatte ich ein paar Büchlein des “EPHELANT-Verlages”, meistens Literaturgeschichteliches auch gefunden, so daß ich dachte, kein Problem, das finde ich bestimmt im nächsten Jahr.

War aber nicht so, denn das Literaturfestival von Walter Famler und der “Alten Schmiede” organisiert, wurde dann eingestellt, beziehungsweise auf den Herbst verschoben, so daß ich 2012  wieder mit dem Buch in Berührung kam, natürlich danach griff, da ich da aber schon meine Leseliste hatte, die inzwischen weiter (endlos) angewachsen ist, hat es einige Zeit gedauert und ich habe mich auf das Lesen, eines sehr wichtigen Werkes, einer sehr engagierte katholischen, christlich sozialen  Wienerin, wahrscheinlich auch Monarchistin, die den 1943 ermordeten Kanzler Dollfuß sehr verehrte, 1900 geboren wurde, durch die Zustände in Deutschland empört, die “Harand-Bewegung” und eine Volkspartei gründete, sowie eine Zeischrift herausgab und 1938, als dann auch Österreich, was sie mit ihrem Buch  verhindertn wollte und eigentlich auch nicht daran glaubte, angeschloßen wurde, zum Glück mit ihrem Mann in England war, so daß sie nach Amerika emigrierte, wo sie 1975 starb, sehr freute.

1970 hat Peter Marboe, als Direktor des österreichischen Kulturinstituts in New York, Irene Harand kennengelernt, war von ihr und ihrem Engagement sehr begeistert, begeisterte auch den Kardinal, der auf auf das Cover schrieb “Christ und Atnisemit sein ist unvereinbar” und imVorwort, erwähnte, daß Kardinal Innitzer, sein Vorgänger, der ja glaube ich, die Nazis lobte oder wenigstens nicht energisch genug gegen sie auftrat, hat Irene Harand eines der Bücher gewidmet,  in seinem Dankschreiben schrieb “Der letzte Absatz Ihres Buches möge Gemeingut und Parole aller Nicht-Nazis werden.”

Warum der dann unter PS anfügte, “Bitte mein Urteil nicht zu veröffentlichen”, war dem Kardinal unbekannt. Vielleicht war er ein Feigling oder glaubte als Diplomat den Mund halten zu müssen, Irene Harand war das nicht und hat sich sehr offen mit Hitlers Kampf, der sie, wie das Hakenkreuz sehr empörte, auseinandergesetzt. Hat das Buch in heute fast naiv anmutender Art und Weise Kapitel für Kapitel widerlegt und sich dabei wahrlich kein Blatt vor den Mund genommen.

Dafür wurde es auch, das dann irgendwann doch in einer fünftausender Auflage, die sich aber glaube ich, nicht verkaufen ließ, herauskam, in Salzburg auf die Liste der verbotenen Bücher gesetzt und bei der Bücherverbrennung verbrannt.

IreneHarand hat sich aber 1935 nicht gescheut und auch nichts unversucht geleassen Hitler zu widerlegen und die braune Gefahr, von der sie wahrscheinlich nicht ahnen konnte, wie sich die noch ausbreiten wird, zu verhindern.

In elf Kapitel ist das Buch gegliedert, beginnend mit “Der Lüge, die Haptwaffe des Hakenkreuzes”, dann geht es weiter mit dem “Rrasenden Nationalismus” und dem “Rassenwahn” und Irene Harand beginnt Satz für Satz, die Lügen zu zerlegen, schreibt, daß Moses und Jesus Juden waren und, daß es sowohl keine reinraßigen Arier, als auch keine reinrassigen Juden gibt.

Die reinrassigsten Arier sind in Schweden zu finden, die Deutschen waren gar nicht so blond und blauäugig, wie sie zu sein vorgaben und als ein nationalsozialistischer Lehrer, die Parolen der Rassenhygieniker in seiner Klasse gleich demonstrieren wollte, fand er nur ein einziges Kind, bei dem die Merkmale zutrafen, das war natürlich jüdisch, der verzweifelte Lehrer fragte, nach möglichen Vermischungen “Ich bin reinrassig nichtarisch” war die Antwort.

Es geht dann weiter mit den “Rassischen” Eigenschaften der Juden” und den “Lügen vom jüdischen Wucher”.

Irene Harand weist nach, daß die Juden vom Staat gezwungen wurden Wucher zu betreiben, um das erwucherte Geld dann wieder dem Staat zu geben.

“Die Lügen über den Talmud” bis zu den “Ritualmordlügen”, da geht es hinein in die jüdische Geschichte, zeigt wie standhaft die Juden waren, wenn es um ihren Glauben ging, wie oft sie gefoltert und Morde beschuldigt wurden, die sie nicht begangen haben.

Es gibt auch ein Kapitel über den “Jüdischen Idealismus und Opfermut”, da wird dann am Schluß angeführt, wie tapfer die Juden im ersten Weltkrieg waren, daß die “Protokolle der Weisen von Zion” auf die Hitler seine Rassentheorie aufbaute, gefälscht waren, beweist sie auch und dann kommt es zum langen zehnten Kapitel “Juden sehen dich an”.

Das ist ein im damaligen Deutschland erschienes Propagandabuch eines Johann von Leer, der es dem berüchtigen Gauführer Julias Streicher gewidmet hat und in dem es um “Blutjuden”, “Lügenjuden”, “Betrugsjuden”, “Zersetzungsjuden” und “Geldjuden” geht, zu den “Blutjuden” werden die jüdischen Sozialisten gezählt, Albert Einstein und Lion Feuchtwanger zu den “Lügenjuden”, “Zersetzungsjuden” ist zum Beispiel der Sexualforscher Magnus Hirschfeld, Charly Chaplin gehört zu den “Kunstjuden”, etc.

Dem mußman natürlich die vielen Nobelpreisträger, Künstler, Erfinder, etc, entgegensetzen, die das Judentum hervorgebracht hat und die von Irene Harand sehr bemüht seitenweise aufgezählt werden, wobei sie nicht zu erwähnen vergißt, daß es natürlich auch unter den Ariern hervorragende Menschen gab, wie unter den Juden Betrüger, etc, waren.

Einer berühmtesten “Kunstjuden” war wohl Heinrich Heine, dessen “Denkt man an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht”, wohl als das Motto der nächsten nicht tausend Jahre, gelten konnte.

Juden haben aber auch das Telefon, das Auto, das erste Luftschiff gebaut bzw. erfunden, was wohl den meisten Nichtjuden, die da von Deutschland aufgehezt und mit einer verlogenen Rassenlehre konfrontiert wurden, gar nicht bewußt war.

Dann geht es weiter zur “Bilanz des Hakenkreuzes” und die war 1935 leider nur ein Vorspiel, von dem was später folgte, aber schon schlimm genug, denn es gab ja schon KZs und Bücher, die, von denen geschrieben wurden, die darin inhaftiert waren.

Fast naiv rührt es wieder an, wenn Irene Harand davon schreibt, wie zersetzend es für die deutschen Kinder sein muß, wenn sie sich zu Mittag in der Schule, um ihr Stück Brot und Glas Milch mit den jüdischen Schülern anstellen müßen und kommen dann die an die Reihe, schreit die Lehrerin “Jüdin geh weg!” ode,r daß das kein guter Deutscher sein kann, der in den KZs prügelt, foltert, etc.

Die Gesetze wurden gebrochen, die Gewerkschaften verhindert, die Preise stiegen an und wenn man in den deutschen Kinos in den Wochenschauen Julius Streicher, Goebbels, Hitler, etc, von den Herrenmenschen reden hörte, konnte man auch deutlich sehen, daß sie diesem Ideal optisch keineswegs entsprachen, sagen durfte man aber dagegen nichts.

“Es gibt keinen Zweifel, daß die Welt krank ist,” schreibt Irene Harand auf den letzten Seiten, und schließt mit den Worten “Das Hakenkreuz bedeuted eine große Gefahr für die Menschheit. Das Hakenkreuz ist die größte Gefahr des jahrhunderts. Wenn wir ihr begegnen wollen, müssen wir gerade die Waffen anwenden, die dem Hakenkreuz fremd sind: Idealismus und Opfermut, Vernunft und Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit.”

Wie man inzwischen weiß, hat das für die  nächsten Jahre leider nichts geholfen und irene Harands Buch ist auch nach seiner Neuauflage und nach dem Lesemarathon wieder untergegangen.

Für eine Aufführung im Lesetheater bei “Frauen lesen Frauen” war sie wohl auch zu austrofaschistisch eingestellt, wie mir Judith Gruber Rizy sagte, aber trotzdem, der Mut dieser Frau so katholisch und monarchistch sie vielleicht auch war, irgenwo steht auch, was die Rassenhygiene betrifft, daß man die Alkoholiker erst heilen soll, bevor sie Kinder bekommen sollten, ist zu bewundern und schade, daß so wenig Leute davon wissen, weil wir in einer Zeit, wo man angesichts, des überfüllten Flüchtlingslager in Traiskirchen, der hilflosen Politikerworte, die seit Monaten nicht in der Lage sind, etwas dagegen zu verendern, obwohl doch sicher genug Wohnungen, Kasernen, Schlößer, etc leerstehen, in den letzten Tagen in den Medien, von der Angst der Bevölkerung und der Zunahme der Haßtpostings im Internet, hören und lesen konnte, vielleicht schon wieder auf den Weg in eine Katatrophe sind, die wir verhindern  müßten, können, sollten….

Schwendter Lesung im Weinhaus Sittl

Bei der Aufzählung der Wiener Sommerveranstaltungen habe ich die Sommerlesungen des ersten “Wiener Lesetheaters” im Garten des Weinhaus Sittl, die dieses auch schon seit einigen Jahren im Juli und im August veranstaltet, vergessen, dabei war ich schon einmal dort, weil sie immer Montag um 19 Uhr stattfinden.

Aber ich gehe außer zu der Frauengruppe nicht so oft zu Lesetheaterveranstaltungen, deshalb ist mir fast entgangen, daß es zwei Schwendter Lesungen gegeben hat, zum sechsundsiebzigsten Geburtstag am dreizehnten August und zum zweiten Todestag am einundzwanzigsten Juli.

Die Geburtstaglesung war letzten Montag. eine Textcollage von Hahnrei Wolf Käfer und Andrea Pauli “Von der Unmöglichkeit Lese- zu- Theatern” und die habe ich, was ich sehr schade finde, leider versäumt.

Heute gab es von Hansjörg Liebscher verantwortet, das Stück “Einstein”.

Einstein war Christian Katt, Birgit Schwaner, Susanne Schneider, Christa Mitaroff haben unter anderen auch noch mitgewirkt und Hansjörg Liebscher erzählte in der Einleitung, daß das Stück vor fünfzehn Jahren schon einmal zum Geburtstag aufgeführt wurde, Franz Hütterer, Rolf Schwendter und, ich glaube, auch Ilse Aschner haben mitgewirkt, die alle schon gestorben sind und außerdem noch Birgit Schwaner, die wieder den physikalischen Genius gab.

Das Stück hat, glaube ich, zehn Szenen und beginnt im Patentamt,  Einstein hat offenbar dort gearbeitet, dann hat er die Relativitätstheorie erfunden “Es ist alles relativ, relativ” lautete das in Nestroyscher Manier nachempfundene Couplet und war irgendwie für die Atombombe verantwortlich, die über Hiroschima abgeworfen wurden. Es kommt in dem Text aber auch Tschernobyl und anderes vor.

Ein mir völlig unbekannter Schwendter Text, aber wahrscheinlich kenne ich nicht wirklich viel von ihm und wahrscheinlich ist auch nicht alles veröffentlicht.

Relativ viele Leute bei dem schönen Wetter in dem schönen Gasthausgarten und fast alles Bekannte, die mir versicherten, daß die Veranstaltung vorige Woche sehr interessant gewesen ist und ich viel versäumt habe.

Vielleicht sollte ich doch öfter zu den Sommerlesungen ins Weinhaus Sittl, beziehungsweise Pelikanstüberl gehen, auch wenn ich nicht so gerne konsumiere, vor dem Filmfestival am Rathausplatz, auf dem ich mich dann mit dem Alfred getroffen habe, geht sich das wahrscheinlich aus.

In vierzehn Tagen, gibt es Joe Bergers “Hirnhäusl“, da bin ich schon einmal bei einer Buchpräsentation und Ausstellung in der “Wien-Bibliothek” gewesen, die anderen Veranstaltungen, die beispielsweise freche oder Liebestexte präsentieren, interessieren mich nicht so, aber an Rolf Schwendter zu gedenken und einen für mich völlig fremden Text kennenzulernen war, sicher interessant.

Bei einigen seiner Geburtstagsfesten bin ich auch gewesen, zum fünfundsechzigsten Geburtstag hat Hahnreiwolf Käfer eine Veranstaltung im Theaterbrett veranstaltet, da habe ich ihm etwas aus einem meiner Bücher vorgelesen und die doppelte Ausgabe von Johannes R. Becher “Die hungrige Stadt”, die mein Vater in seiner Bibliothek hatte, geschenkt.

Zum siebzigsten war die Veranstaltung im Literaturhaus und datrüber habe ich schon gebloggt.

Experimentelles und Sozialkritisches im Sonnenpark

Bezüglich meiner Sommerfrischepläne in Harland bei St. Pölten, lesen in der Badewanne, Schreiben auf der Terrasse, Radfahren in Richtung Wilhelms- oder Herzogenburg, am Samstag Treff am Markt, am Sonntag Rudolfshöhe könnte man ja einwenden, wie es meine Tochter Anna einmal tat “Ist dir da nicht fad?”

Nein, ist es nicht und heuer sowieso nicht, ist da doch in knapp drei Wochen der Sommerroman im Rohkonzept entstanden, aber ein bißchen eintönig und strukturiert ist es schon und vor allem gibt es zwei Monate lang keine literarischen Veranstaltungen, nur am Montag das Filmfestival am Rathauspark und diesen Montag werde ich vielleicht zu einer Lesetheater Rolf Schwendter Performances in Weinhaus Sittl ins Pelikan Stüberl oder den Hof davor gehen, während ich das andere was in Wien los ist, das Sommerfestival im Read!!ingroom, die Ö-Töne im Museumsquartier versäume, macht ja nichts, muß man doch nicht überall sein, natürlich klar, aber dann war es doch ganz schön, als Freitagvormittag, als ich gerade mit dem Harand-Buch fertig geworden bin, ein Mail von der lieben Ruth aus Wien mit der Mitteilung “Das  ist nicht weit von euch, wäre das nicht etwas für dich?”, gekommen ist

Und die Veranstaltung war ein interdisziplinäre Symposium, das vier Tage lang vom Donnerstag bis Sonntag im Sonnenpark oder Parces  del Sole am Spratzener Kirchenweg stattgefunden hat und am Samstag gab es zwischen fünf und sieben einen literarischen Schwerpunkt mit Melamar, Andi  Pianka, Jopa Jotakin und Michaela Hinterleitner, also  Autoren um die GAV bzw. Ilse Kilics “Fröhlichen Wohnzimmerkreis”.

Am Freitag bin ich einmal auf meiner Fahrradtour zum Spratzener Kirchenweg gefahren, um mir das interdiszipliäre Festival anszusehen, um drei Uhr Nachmittag war da nicht sehr viel zu sehen, als ein Park mit ein paar Standl, wo ein paar Leute gesessen oder herumgegangen sind.

Am Abend ist dann die Anna nach Harland gekommen und als ich ihr von diesem Fest erzählte, hat sie gesagt, sie war im Vorjahr dort und wird wieder mitfahren und dann ist mir noch eingefallen, daß mir die Ruth von einer alternativen Bewegung oder einer Besetzung dieses “Sonnenparks” erzählt hat.

Am Samstag mußte ich dann nur noch den “Weißen Saal” finden, in dem der Literaturschwerpunkt stattfand, was sich nicht als schwer herausfinden sollte, stellte ich doch mein Rad an einer weißen Hauswand ab und als ich mich  auf die Suche begeben wollte, rief der Robert Eglhofer schon “Hallo Eva!”, heraus.

Und drinnen, ein Raum in dem die Ansicht eines alten Autos ausgestellt war, ein altes Radio aus den Fünfzigerjahren, wie wir auch ein solches einmal zu Hause hatten und ein alter Sonnenshirm war zu sehen, hat die Lesung dann zugleich mit Michaela Hinterleitner, der einzigen Autorin, die ich nicht kannte, begonnen.

Eine sehr freundliche extrovertiert wirkenden junge Frau, die ihre Texte gelesen hat, von denen einige in einem “Fröhlichen Wohnzimmerheftchen auch erschienen sind, die hinter dem Lesetisch auf einem Klavier zusammen mit Jopa Jotakins Bücher und dem “Feribord” das Melamar gewidmet ist, ausgestellt waren.

Jopa Jotakin folgte, den ich, glaube ich schon bei der GAV-Neuaufnahmelesung gehört habe und der auch einmal bei einer meiner Veranstaltungen im Amerlinghaus war.

Ein eher experimenteller oder performenter Autor würde ich schätzen, tritt er ja, wie der liebe Rudi, mit einer großen Tasche an das Vortragspult, aus der packte er dann zuerst wie Franzobl, eine Dose Bier, eine Megaphon und einen Sazstreuer, ein paar Blätter und sein Buch “für die fisch”, in der edition ch erschienen, war auch dabei, beziehungsweise ist dieses schon vorher am Lesetisch gelegen und dann ging es los mit einen sehr experimentellen, Texten, die er auch teilweise lautperformend präsentierte und dann einen, wie einmal Philiph Weiss beim Bachmannpreis, auch verspeiste.

Er teilte das Blatt aber vorher in einige Portionen, bestreute die Teile jeweils mit Salz und spülte auch jeweils mit einem Schluck Bier nach und die Blätter warf er nach dem er gelesen hatte auch auf den Boden.

Melamar folgte, auch sie ist, glaube ich, GAV-Mitglied und zum ersten Mal habe ich sie vor Jahren einmal in der “Gesellschaft für Literatur” gehört, vor zwei Jahren habe ich dann ihr Buch in einen der Schränke gefunden und auf einer unserer Hochschwab-Wanderungen gelesen, jetzt hatte sie auch das “Feribord 13, im Jänner 2015 erschienen, aus dem sie ihr Gedicht “i try not to cry” rezitierte, dann folgte eines Bücher den Ärger, das schon starke gesellschaftliche Bezüge hatte, denn es ist ja heutzutage in Zeiten wie diesen, wo so absonderliche Dinge passieren, wie überfüllte Flüchtlingslager, sekundäre Analphabeten, etcetera etcetera, wie man täglich in den Nachrichten hören oder lesen kann, nicht so leicht sich nicht zu ärgern oder zu weinen und Andi Pianka, den ich glaube ich das erste Mal im Cafe Anno sah und dann auch noch bei einem Poetry Slam im “Cinema Paradiso” hörte, folgte gleich mit einigen sehr starken politischen Texten, der erste Bezog sich auf die Bundesbahn, auf eingestellte Bahnlinien und den “Schatz im Silbersee”, der das einzige Buch ist, das der Landeshauptmann, glaube ich, gelesen hat oder liest, dann ging es weiter in die aktuellere Politik zu der Frau Merkl und ihren Sätzen, die sie jungen Flüchtlingsmädchen sagte oder zu den Booten ,die überfüllt sind und zu den “Sehr geehrten Damen und Herren Asylanten und auch Negern!”, denen der Staat Österreich derzeit ja so ein herzliches Willkommen gibt. Der Text war aber auch schon älter, so daß man sehr gut sehen konnte, daß es vor ein paar Jahren auch nicht wirklich besser gewesen ist.

Das war dann schon nach der Pause, die es vorher gab, so daß ich mich mit dem Robert, der Anna und ihrem Hund Ouzo durch das Areal ein sehr schöner großer Park, der jetzt auch verbaut werden soll, so daß es auch eine Unterschriftaktion zur “Rettung des Sonnenparks” gab, gewandert bin, es gab auch zwei Bücherregale zur freien Entnahme, wo man zwei Bücher von Melamar und dann noch das von der Katja Petrowskaja finden konnte, leider hatte ich beide schon und mir vor eineinhalb Jahren vom Alfred statt “Vielleicht Esther” nicht doch Sasa Stanisic “Vor dem Fest kaufen lassen”, aber es gab noch einen Richard Powers, einen Haruki Murakami und und und.

Nach der Pause gab es noch einen Durchgang von allen vier und ging es schon wieder nach Harland, da der Alfred zum Grillen rüstete, im Sonnenpark hätte es noch Konzerte, Filme und auch einen Jazzheurigen gegeben. Aber man muß ja nicht alles haben und das Experimentelle oder stark sozialkritische im Sonnenpark war sowieso eine interessante starke Abwechlung im Sommerfrischeneinerlei.