“Im Alphabet der Stadt – Roman einer Stadt”, ist das zweite Buch von Christoph W. Bauer, das ich noch auf meiner Leseliste stehen habe.
Und was soll ich sagen? Es ist ein interessantes Buch, das sehr viel über die Stadt Innsbruck zu erzählen weiß, ein Roman ist es, glaube ich nicht, obwohl der Autor eine sehr interessante Form gewählt hat, um sein enormes Wissen, das er sich aus den Stadtarchiven und anderen Quellen, im Anhang ist es genau angeführt, angesammelt hat, an seine Leser widerzugeben.
Es ist mir auch nicht ganz klar, an wen das Buch sich wendet? An die Innsbrucker wahrscheinlich, da allen anderen, wie mir vermutlich, die ich vor circa zwanzig Jahren das letzte Mal in dieser Stadt gewesen bin, der Kopf rauchen würde und sie mit der Fülle der Name und der Geschichte, die sie da serviert bekommen, nicht viel anfangen können.
Als Reiseführer ist es wahrscheinlich auch nicht geeignet, das es dazu zu sprunghaft ist und zuviel von anderen Städten erzählt, es gibt auch keine Bilder, Karten, Pläne. Ein Loblied der Stadt Innsbruck Innsbruck ist es auch nicht wirklich, “ein atemberaubender Roman eines zugereisten über eine überraschend aufregende Stadt”, schreibt “Kulturpanorama”, am Buchrücken, was ich auch nicht so nachvollziehen konnte.
Da trifft einer in einer Bar in Innbruck einen mit einem glasigen Blick, der schon ein bißchen Alkohol getrunken hat und der empfängt ihn mit den Worten “Ein Haus bekam ich vor vor die Nase gesetzt…”
Damit schließt das Buch dann auch zweihundertfünfzig Seiten später und dazwischen hat der eine mit dem anderen eine Zeitreise durch die Stadt Innsbruck gemacht, die im Mittelalter beginnt.
Ob er sich dabei auf ganz Innsbruck oder nur ein Viertel bezieht, ist mir nicht ganz klar geworden, dazu kenne ich mich in Innsbruck zuwenig aus. Es heißt auch öfter, das Haus in der und der Straße erzählt und am Anfang wird auch von einem “Konz Spitz, dem Besitzer des Hauses im unteren Aubruggen erzählt, der 1526 in der Stube einen Tisch, Stühle, Bänke hinterläßt..”
Der Erzähler geht mit dem Gast auch in das Getränkelager des Hauses, um seine Stadtchronik weiterzuerzählen, berichtet von den Feuerverordnungen des Mittelalters, von der Gerichtsbarkeit, den Folterungen, den Armen- und den Leprahäusern, der Pest und so weiter und so fort und ich habe gedacht, daß das eher die Schilderung des Mittelalters, als die Chronik einer Stadt ist, Hilde Schmölzer hat in ihrem Buch über die Pest etwas ähnliches unternommen.
Dann geht es auf einmal in das Jahr 1888 und der Erzähler fordert seinen Zuhörer auf, sich vorzustellen, er würde von Wien nach Innsbruck übersiedeln?”
“Warum sollte ich das tun?”, fragt der, der öfter Gegenfragen stellt.
Der Chronist erzählt vom Wohlstand der Stadt, um diese Zeit und läßt sein Gegenüber dann durch sämtliche Kaffeehäuser ziehen und dort eine Melange? trinken, die es damals gegeben hat und ihn dabei antisemitische Studenten erleben, die sich über Arthur Schnitzlers Aufstieg in Wien ärgern. Er erzählt dann auch von einigen Buchhandlungen und Druckereianstalten und läßt sein Gegenüber in in der Stadt immer älter werden, denn allmählich kommen wir in das Jahr 1938, als Adolf Hitler kam und da haben die Häuser der Stadt auch sehr viel von dem Jubel, der damals kurzfristig herrschte zu erzählen. Zwischendurch geht es dann einmal ins Jahr 2007, wo das Buch geschrieben wurde, es endet aber nach dem Krieg und hat zwischendurch auch noch eine Reihe von Namen und Familien aufgezählt, die den Krieg und die Reichskristallnacht nicht überlebten.
Ein interessantes Buch, das wahrscheinlich doch für die historisch interessierten Innsbrucker geschrieben wurde. Eine interessante Form, des 1968 in Kärnten geborenen und nach Innsbruck gezogenen Autors, den ich bisher als Lyriker kannte und der sowohl beim Bachmannpreis als auch den Reinhard Priessnitz Preis gewonnen hat.
Als roman würde ich es nicht bezeichnen, aber das hat wohl der Verlag so vorgeschlagen, um die Verkaufszahl zu steigern und interessieren würde mich auch, ob es ein Auftragswerk war oder ob Christoph W. Bauer selbst auf die gekommen ist sich mit dem Mittelalter und der Nazizeit der Stadt Innsbruck zu beschäftigen.
“Christoph W. Bauer erzählt die Geschichte von Innsbruck, der Stadt seiner Wahl. Dabei zeigt er, welch ein Genuß es sein kann, sich in der Historie zu verlieren!”, steht noch am Buchrücken. Was wohl stimmt, allerdings sind einige Epochen dabei ausgelassen.
Ein anderes Buch zur Tiroler Geschichte aus dem “Haymon-Verlag” habe ich zu Beginn des Jahres gelesen.
Day: 27. December 2013
Picknick der Friseure
Nun kommt wieder ein Buch, bei dem ich mir sehr schwer tat und es mir so ging, wie es mir wahrscheinlich gehen wird, wenn ich Richard Obermayrs “Fenster” oder ein Buch von Andrea Winkler lesen werde.
Dabei habe ich nach dem kleinen gelben Bändchen, zwanzig Geschichten auf neunzig Seiten, mit einer großen Zahnbürste auf der sich zwei kleine Männer befinden, freiwillig gegriffen, als ich vor ein paar Monaten an dem Nachfolgegeschäft der “Buchlandung” auf der Lerchenfelderstraße vorbeigegangen bin, habe ich mir ja keine Bücher mehr kaufen wollen, auch wenn sie nur, wie dieses “einen Euro” kosten.
Aber die Büchnerpreisträgerin von 2012, Felicitas Hoppe, hat einen bekannten Namen und ich habe sie 1996 in Klagenfurt persönlich kennengelernt, da hat sie einen Preis gewonnen, ihr Debutbändchen mit den zwanzig “grotesken und komischen Geschichten, die in der gegenwärtigen Literatur ihresgleichen suchen und voll atemberaubender Phantasie sind”, ist damals auch erschienen und haben sich bei mir eingeprägt.
Inzwischen habe ich Felicitas Hoppe in “Leipzig” aus ihren Roman “Hoppe” lesen gehört, die am 22. Dezember 1960 geborene, die gerade erst ihren dreiundfünfzigsten Geburtstag hatte, bekam im vorigen Jahr den “Büchner-Preis”, nun denn ich interessiere mich ja sehr für Literatur und will auch alles lesen.
Aber manches verstehe ich nicht und das, was nur aus schönen Sätzen besteht und dann noch einen sehr phantasievollen Inhalt hat, den ich nicht nachvollziehen kann, macht es mir schwer und Felicitas Hoppe tut das mit ihren Erzähldebut noch ganz besonders, denn sie springt in ihren kurzen Erzähltexten hin und her, erklärt nichts, sondern spricht von Väter, die plötzlich auf Möbelstücken sitzen bleiben und sich von den Möbelpackern nicht entfernen lassen oder solchen, die mit ihren Söhnen auf Pilgerschaft gehen, weil ihre Frauen Perücken trugen, die sie nicht leiden können, weil sie als Kinder gezwungen waren, im Theater zu spielen oder sie in Käfigen setzen und dann als Tanzbären ausbilden lassen wollen. Von Familien, die ihre Balkone vermieten, von denen man dann herunterfällt, von Frauen die in die Gärten gehen, weil ihre Geliebten nicht mehr Hand an sie legen wollen und und, schöne Sätze, phantasievolle Einfälle, aber was fange ich damit an?
Was ist der Sinn der Geschichte?, fragt es in mir und der nur zu unterhalten oder durch die Schönheit der Sprache zu entzücken, ist mir wohl zu wenig.
Noch dazu sind mir die Geschichten zu kurz, als daß ich mich daran gewöhnen kann. Die erste von der Geliebten, die schließlich bei einem Dirigenten bleibt, konnte ich noch etwas abgewinnen, bei den anderen Märchenhaften, Traumgebilden, bin ich aus oder wahrscheinlich gar nicht eingestiegen und habe nur gedacht, uje uje uje, um was geht es da?
“Felicitas Hoppe ist eine Erzählfundamentalistin”, schreibt die Zürcher Zeitung und mit dem bitterbösen, das in manchen Geschichten enthalten ist, tue ich mir ebenfalls schwer.
Nun ja, nun ja, vielleicht sollte ich die Texte mancher Autoren nicht lesen, aber ich interessiere mich nun mal sehr für Literatur und Felicitas Hoppe wird ja sehr hochgelobt.