Weihnachtslyrik

Jetzt kommt ein bißchen Lyrik zur Weihnachtszeit kann das nicht schaden, obwohl keine Weihnachtsgedichte, sondern die Bersprechung zweier Haymnon-Bände, die im Sommer in der Abverkaufkiste beim Morawa gelegen sind und zwar zuerst C. W. Bauers “mein lieben mein hassen mein mittendrin du”, von dem es damals gleich zwei Bücher in den Kisten gegeben hat und auf den 1968 in Kärnten geborenen, in Innsbruck lebenden, war ich schon sehr neugierig, hat ihn mir doch Gerlinde Tamerl, glaube ich, auf der “Buch-Wien” 2011 vorgestellt, da hatte er auch einen Preis oder ein Stipendium gewonnen, dann habe ich ihn heuer bei “Literatur und Wein” in Göttweig gehört und auf der “Buch-Wien” hat er heuer auch gelesen, allerdings aus einem neueren Gedichtband. Nun denn komm ich endlich dazu etwas von dem sympathisch lächelnden Dichter zu lesen und sie waren sehr interessant diese Gesänge an eine Geliebte, könnte man respektlos sagen, erzählt sich Bauer doch durch eine Liebe von der ersten Begegnung von der Fahrt im Schnellzug nach Italien, von dem Hotelzimmer, in dem sie nur auf Strümpfen geht, bis hin zu dem Tag, wo er sie dann, fünf Männer oder fünf Frauen weiter im Supermarkt sieht, wo sie immer noch dasselbe einkauft.
Und das ganze höchst poetisch, an die Gesänge des Herrn Naso erinnernd, manchmal in mit italineischen Wortbrocken garniert und am Schluß gibt es auch eine Erklärung beziehungsweise ein Nachwort von Niklas Holzberg, der da fragt “Müssen wir, um Bauers Gedichtsammlung adäquat interpretieren zu können, wirklich alles verstehen?”, der bekennt dann ehrlich, “daß ihm einiges im Dunklen geblieben ist.”
Mir wahrscheinlich auch, trotzdem habe ich die klare Sprache und die Mischung zwischen Heutigen und längst Vergangenen sehr genossen und freue mich schon auf das Lesen von Bauers Roman.
Vorerst aber kommen noch die Goldfische dran, denn es lag ja noch ein zweites Bändchen in den Kisten, nämlich Kurt Lanthalers “Goldfishs reisen um die halbe welt” und das ist etwas ganz anderes, weil weit vergnüglicher, lustiger, die Reise, um einen Abraham Goldfisch, der fünfzig Mal in seinem Glas die Welt halb umdrundet und dabei mancherlei erlebt.
“Goldfish schwamm ins ueberall Goldfish war sich buckelwal”, heißt es da immer wieder, in leichten Abwandlungen.
Zwei Gedichte gibts auf Italienisch, Lanthaler ist ja Südtiroler, mit der entsprechenden Übersetzung im Anhang.
Dort gibts auch eine Erklärung des Autors, wie es zu den Gedichten gekommen ist und wo sie schon vertont oder aufgeführt wurden. Man kann sie, glaube ich, auch auf seiner Homepage nachlesen oder sie sich bei ihm unter “info@lanthaler, betreff:Goldfisch” bestellen.
Informationen zum Autor, der 1960 in Bozen geboren wurde und schon einige Kriminalromane geschrieben hat, von dem ich einen gelesen habe, gibts dort sicher auch.

Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes

Jetzt kommt ein weiteres Juwel in Sachen Gegenwartsliteratur aus dem “Wortschatz” in dem ich ja schon wahre diesbezügliche Schmankerln gefunden habe und sie mehr oder weniger schnell auflese.
Der Erzählband des 1982 geborenen Grazers für den er auch den “Preis der Leipziger Buchmesse” bekommen hat, ist erst 2011 erschienen und wurde damls auch sehr prominent besprochen, inzwischen gibt es zwar den Roman “Indigo”, der, glaube ich, im letzten Jahr auf der Long- oder auch auf der Shortlist des dBps stand und den habe ich noch nicht gefunden und ein Gedichtband, habe ich bei Cornelia Travnicek gelesen, soll demnächst auch erscheinen. Also läßt sich für die weiteren Lesejahre trotz aller Buchbeschränkungspläne hoffen und von dem jungen österreichischen Nachwuchsautor habe ich wahrscheinlich 2007 das erste Mal gehört, als Ö1 Ausschnitte aus seinem bei “Residenz” erschienenen Roman “Söhne und Planeten” brachte, den habe ich dann 2008, glaube ich, am “Stattersdorfer-Flohmarkt” gekauft, 2009 gelesen und komplizierter als erwartet gefunden. Dann ist es mit der Karriere des jungen Autors rasant aufwärts gegangen. Stand er ja 2009 schon mit “Frequenzen” auf der Shortlist des dBP und wechselte von “Residenz” zu “Suhrkamp”, den “Bremer-Literaturpreis” hat er bekommen und 2008 einen beim Bachmannlesen.
Wie sind die “grotesken, skurrilen, gewalttätigen und immer wieder zärtlichen Geschichten”, wie auf der Buchrückseite steht? Sie sind genauso und erstaunlich verschieden. Einige gar nicht so kompliziert, wie nun erwartet, andere dagegen eher schon.
Das Titelbild ziert ein Mädchen mit kurzen Haaren im weißen Nachthemd, das mit aufgestützten Händen auf einem altmodischen Bett sitzt, hinter ihr ein großer Bär.
Also auch ein bißchen skurril und geheimnisvoll. So beginnt es dann auch mit “Milchglas” einer sprachlich sehr anspruchsvollen Geschichte, die vom Erwachsenwerden erzählt und wie das ist, auf einmal ohne seinen Bruder im Zimmer zu schlafen, darüber, daß die Eltern streiten und man weiß nicht recht warum, dann natürlich von der Erstkommunion und den Mädchen in den weißen Kleidern, die man in der Kirche sieht, das Quälen Schwächerer kommt auch vor und am Ende, die Vision, wie der Pfarrer kommt und man muß die Kirchenscheibe aus Milchglas hinunterschlucken.
Überhaupt sind einige der Setz-Geschichten erstaunlich gewalttätig und Sadomaso-Sex kommt auch öfter vor. Da kann man sich natürlich fragen, was das mit Literatur zu tun hat? Wahrscheinlich schon werden die Kritiker wohl antworten und es sind auch nicht alle Texte so.
In der “Waage” geht es um das Zusammenleben in einem Wohnhaus, da steht auf einmal eine alte Waage im Hof neben den Mistkübeln und der Hausbesitzer drängt alle Mieter sich abzuwiegen und schreibt das Gewicht auf einen Zettel und hängt ihn im Hausflur auf. Am Ende stellt sich der Erzähler auch auf die Waage und greift zu einem Stein, als ihm seine Frau und die Nachbarn aus den Fenster dabei beobachten.
“Die Visitenkarten” sind dagegen “nur” skurril und der Wirklichkeit entfremdet, wachsen aus den Visitenkarten einer jungen Managerin doch plötzlich Pestbeulen und der Gestank der daraus kommt, macht das Zimmer unerträglich, so daß sie das Geld mit der Pinzette angreifen kann.
Beim “Gespräch der Eltern in Hänsel und Gretel” wird das Märchen nacherzählt, ein bißchen aktualisiert und Sex, ja richtig, Sex ist auch dabei.
Den gibt in der “Vase” dagegen eher nicht, hier macht es Clemens J. Setz mehr psychoanalytisch und, daß er ein hervorragender Literaturkenner ist, geht auch aus den Geschichten hervor, steht da doch etwas von “Judith Hermanns eindimensionalen Figuren” oder war das in einer anderen Geschichte? Es geht jedenfalls um einen berühmten Schriftsteller, der die Totenwache im Beerdigungsintitut bei seiner Mutter halten will und dabei einige Geräusche verursacht, obwohl man nachher keine Spuren einer Verwüstung findet.
In “Weltbild” geht es um das, was ich Sadomaso-Sex nennen würde, da läßt sich eine junge Frau von ihrem Freund in einen Käfig einsperren und das treibt dann ein geschiedenes Paar, er Lehrer, in “Die Blitzableiterin oder Education Sentimentale” noch viel bunter mit bestellten Prostituierten oder seinen Nachbarn und das ist nicht unbedingt das, was ich gerne lesen will, wenn ich mich mit Gegenwartsliteratur beschäftige, auch wenn es ein preisgekrönter Erzählband in der Geschichte enthalten ist, die von einem vielversprechender Nachwuchsautor geschrieben wurde.
Dann wirds wieder spannender, literarischer oder was auch immer.
“Die Geschichte “Mütter”, wo ältere Frauen auf den Strich gehen, um für Geld junge Burschen in ihre Wohnung zu begleiten, ihnen zu kochen, sie zu trösten und zutureden ihr Studium doch zu beenden, habe ich, glaube ich, schon wo gehört und die “Leiche” hat Clemens J. Setz, wenn ich mich nicht irre, bei einer “Rund um die Burg-Veranstaltung” gelesen. Da findet einer eine tote Frau und versteckt sie unterm Teppich, hinter dem Heizkörper etc, das ist wohl die Fanatsie des Dichter, denn man müßte, wenn einem das wirklich so passiert, im normalen Leben, die Polizei anrufen.
Clemens J. Setz hat, wenn ich mich wieder richtig erinnere auch etwas gesagt, wie er zu diesem Einfall gekommen ist.
Der der Titelgeschichte ist ihm irgendwie eingefallen und hat “Aha, Mahlstädter Kind!”, klingt gut gedacht und heraus ist ein Skulptur gekommen, auf die alle einschlagen, um den Ton die letzte Form zu geben. Ein Kiril eine Lea und ihre Katze kommen auch noch dabei vor. Kiril passt auf Leas Katze auf, während sie auf das Kind einschlagen geht. Ihre Nase wird dabei auch eingeschlagen, ein Motiv das in mehren Geschichten vorkommt und einen Albert auf den Kiril wohl eifersüchtig ist, gibt es auch.
Im “Das Herzstück der Sammlung”, wird es wieder skurril. Clemens J. Setz scheint ein ziemlicher Komiker zu sein, wie ich bei einigen seiner Lesungen oder Twitternachrichten merken konnte. Da gibt es die “Setz-Sammlung”, ein Archiv, in die ein junger Mann eine Besucherin führt, ihr die “Setz-Texte” erklärt, auf einer alten Kaffeemaschine Kaffee kocht und erzählt, daß das Archiv geschlosssen wird, da gibt es aber ein Zimmer, in dem der Dichter im Gitterbett liegt und am Ende läßt sich die Besucherin noch in das Archiv einschließen.
“Condillac” ist auch irgendwie seltsam oder so real, wie es eigentlich gar nicht sein kann. Da ist einer Hilfskraft einer Blindenbibliothek, die von Pädagoginnen besucht wird, die sich über taube und blinde Kinder unterhalten, die auch noch nichts fühlen können. Das ist schlimm und schrecklich, was macht man nur mit solchen Kindern?, etc.., am Schluß kommt von eine Anmerkung von einem französischen Philosophen Etienne Bonnot de Condilliac 1714-1780.
Im “Riesenrad”, wohnt eine junge Frau in einem solchen. Ihr belangloser Tag wird beschrieben, sie geht in die “Wheel-Bar” Mittagesssen, trinkt Tee, hört Musik, wird von einem Techniker besucht und am nächsten Tag soll ihre Schwester mit ihren Söhnen kommen, die das Rad sehen wollen. Sie ruft sie aber in der Nacht an und sagt ihnen ab.
In “Charakter IV” wohnt einer außerhalb des Planeten und will einem Roboter die Liebe zur Musik beibringen und in “Kleine braune Tiere” geht es um einen Computerspielerfinder, während in “Die Entschuldigung”, eine Sekretärin einem Chef erzählt, daß der neue Mitarbeiter von seinen Kollegen gemobbt wird. Was macht man dagegen? Clemens J. Setzt ist dazu wieder eine sehr skurille Geschichte eingefallen, die man lesen sollte, wie wahrscheinlich das ganze Buch, des jungen vor Einfällen strotzenden Sprachmeisters, dem das Schreiben, wie ich behauptet würde, großen Spaß machte und vielleicht auch seine Leser und Kritiker dabei ein bißchen an der Nase herumführen wollte.
In den “24. Dezember-Weihnachtsgeschichten” gibt es übrigens auch einen “Setz-Text” zu lesen.