Wien 1914

Wir steuern auf ein Jubiläumsjahr zu. Im Juli 2014 begann der erste Weltkrieg und seit der Frankfurter Buchmesse weiß ich, das diesbezüglich sehr viele Bücher geschrieben wurden und eines davon wurde am Mittwoch vorgestellt.
“Wien 1914, von Edgar Haider, offensichtlich einem ehemaligen ORF-Redakteur in der Wien-Bibliothek, aber als ich dort vor sieben Uhr eintraf, erklärte mir ein Herr, daß die Veranstaltung im Wappensaal stattfinden würde und es war, als ich dort eintraf, auch sehr voll und sehr viele Plätze in den vorderen Reihen reserviert, so daß ich weiter hinten einen Platz fand und bis es begonnen hat, auch einem Gespräch in der Reihe hinter mir zuhören konnte.
Dann kam Edgar Haider, der mir bisher nicht sehr viel sagte und erzählte über das Wien von 1914, in dem mein Vater gerade zwei Jahre alt war und meine Mutter noch nicht geboren war.
Edgar Haider erzählte über das Kaiserhaus und dem alten Franz Joseph, der Schönbrunn nicht mehr sehr viel verließ und es keine Audienzen mehr gab.
Die Ö1 Mitarbeiter Agathe Zupan und Bernhard Fellinger lasen Texte aus dem Buch, zum Beispiel von einem Opernabend wo im Jänner Parisival aufgeführt wurde und dann vom Ausbruch des Krieges, wohin alle junge Männer mit Begeisterung fuhren, als die Bahnhöfe in Kasernen umgewandelt wurden. Vorher hat er schon Die Opferzahlen angeführt und dazu gesagt, daß in Wien 1914 siebenmal so viel Kinder, Frauen und alte Leute als sonst gestorben sind.
Ein sehr interessantes Buch, für das sehr viel recherchiert haben muß, so zitierte er Presseartikel und gab einen sehr lebhaften Eindruck, wie es damals ausgeschaut haben muß, wenn die Erzherzöge mit ihren grünen Kutschen einkaufen fuhren und die Wiener staunend und tratschend auf der Straße standen und es auf der anderen Seite die Mietskasernen in den Arbeiterbezirken gab, in Ottakring und Rudolfsheim zum Beispiel, wo es schon das Hochquellwasser gab, während man das in Erdberg in den ebenerdigen Häusern von den Brunnen holen mußte.
Nachher ging es in die Wien- Bibliothek, zu Brot und Wein, wo es in dem Ausstellungskabinett auch eine Ausstellung über den ersten Weltkrieg und das Wien von 1914 zu sehen gab, zum Beispiel viele alte Feldpostkarten, von denen ich auch einige noch von meinem Großvater, den ich gar nicht kannte, in einer alten Schachtel in Harland habe oder ein Plakat, das die Leute aufforderte, mit einem gewaschenen linken Arm zur Impfung zu gehen.
Sehr beeindruckend, obwohl ich über diese Zeit ohnehin schon sehr viel gelesen habe, zum Beispiel Gustav K. Bieneks “Rabengasse”, das das Erdberg, ab 1916, genau diese Häuser ohne Wasseranschluß beschreibt, die dann durch die berühmten Gemeindebauten des roten Wiens ersetzt wurden und Karl Kraus “Letzte Tage der Menschheit”, der auch diese Kriegsbegeisterung, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann, kann man ebenfalls öfter hören, ich kann mich auch noch gut an die Radiofortsetzungen von 1974 glaube ich, gut erinnern, die ich damals hörte, aber auch heute noch immer wieder wiederholt werden.

Erich Hackls neues Buch

Heute wieder Terminkollisionen, beziehungsweise wollte ich eigentlich in die “Gesellschaft für Literatur” um mir wieder einmal die “Junge Literaturwerkstatt Wien” anzuhören, dann habe ich aber gesehen, Erich Hackl liest in der “Alten Schmiede” aus “Dieses Buch gehört meiner Mutter” und davon habe ich schon einiges gehört.
Ich bin ja, schreibe ich jetzt wieder, kein unbedingter Erich Hackl Fan, aber seine dokumentarische Schreibweise ist meinem Realismus nicht ganz unähnlich, die Themen interessieren mich und dann laufe ich ihm bei literarischen Veranstaltungen immer wieder über dem Weg, habe einige seiner Bücher gelesen und er hat mir auch einmal im Krems beim Kramer-Preis zwei der meinigen abgekauft.
Dokumentarische Themen über die kleine “Sidonie”, die “Hochzeit in Auschwitz”, die “Familie Salzmann” und und und jetzt ein Buch über die Mutter, das klingt interessant. Viel weiter habe ich nicht nachgedacht, als ich mich mit rauchenden Kopf nach meiner letzten Stunde, dazwschen habe ich ein bißchen das Kapitel acht meiner “Verbrüderung” korrigiert und vom Literaturhaus die Nachricht erhalten, daß sie aus Platzgründen wahrscheinlich doch nicht eine Rezension meines “Literaturgeflüster-Texte-Buchs” bringen können, in die “Alte Schmiede” gegangen bin.
Am Stefansplatz gibt es jetzt auch einen Weihnachtsmarkt, wo haben die Leute früher ihren Punsch getrunken und was trinken sie im Sommer, wenn es keine Punschstände gibt? Und in der “Alten Schmiede” war es sehr voll. Ruth Aspöck habe ich gesehen und Kurt Neumann hat in seiner bewährten Art wieder lange und genau das Buch eingeleitet, das kein Buch über Hackls Mutter ist, wie er betonte, sondern er ihr ihre Stimme gab, dafür, wie er meinte, einige Überlegungen vorher anstellte und das ganze in Strophenform episch anlegte.
“Lesen müßen Sie es selber!”, hat er noch dazu gesagt und ich habe mir gedacht, daß ich, wenn ich meine Bücherbeschränkungspläne jetzt endlich ernst nehme, warhscheinlich nie dazu kommen werde und Erich Hackl hat gemeint, er würde es ohnehin zu einem Drittel lesen.
Die Stimme der Mutter, die Versform ist mir nicht so aufgefallen, wohl aber die genaue Beschreibung des ländlichen Lebens im Mühlviertel. Die Mutter, die eigentlich Henriette heißen hätte sollen, wurde, weil der Vater und der Onkel diesen Namen vergessen haben, auf Maria getauft, als die Zigeuner aus dem Dorf verschwanden war nicht die Familie schuld daran und, als der alte Hund vom Schinder abgeholt hat, hat die kleine Maria die Schule verlassen und ihn wieder zurückgeholt.
Erich Hackl beschreibt die ersten fünfundzwanzig Jahre der Mutter, bis sie mit Mann und Kind das Dorf verläßt und nach Steyr zieht, die NS-Zeit kommt dabei natürlich vor und in der Diskussion erklärte Erich Hackl noch genauer, warum er diese Form gewählt hat.
Die Mutter hat ihm als Kind sehr viel von diesen ersten fünfundzwanzig Jahren erzählt, nachher hat er noch zweimal recherchiert, beziehungsweise die Mutter dazu befragt und einmal als sehr junger Schriftsteller einen Text geschrieben, wo er sein eigenes Begräbnis beschreibt.
Fragen aus dem Publikum gab es keine, Kurt Neumann forderte noch einmal zum Bücherkaufen auf und interessant, wie viele Leute das taten, so daß sich lange Schlangen zum Signieren bildeten, ja Weihnachten naht und da soll man Bücher schenken.
“Auroras Anlaß” habe ich aber auf meiner 2014 Leseliste.

Vom Adventrundgang zum Literaturhaus

Den Adventrundgang “Alles Gute” durch den siebenten Bezirk gibt es, glaube ich, schon das zehnte Jahr oder noch viel länger, irgendwann bin ich nach dem Lesefrauenjourfix daraufgekommen und dann getreulich Jahr für Jahr mitgegangen.
Entweder von der Hauptbücherei ins Museumsquartier oder umgekehrt, vorbei an den vielen Kulturinstitutionen des Bezirks, die jährlich wechselns oder auch gleich bleiben, Punsch und Kekse, irgendwo auch Würstel oder Brote. Eine tolle Sache und seit 2008 habe ich auch darüber gebloggt. Silvia Bartl hat das organisiert, so war das Literaturhaus immer eine der Stationen, da gab es Tee, Mandarinen, Wurstsemmeln, die meistens die Bibiane verteilte und junge Literatur, Daniel Glattauer hat, glaube ich, einmal über die Vanillekipferln gelesen, Arno Geiger, Bernhard Strobel, Cornelia Travincek, seit vorigen Jahr ist das Literaturhaus nicht mehr dabei und heuer gabs am 9. im Literaturhaus die Sisyphos-Verlagspräsentation, auch eine jährliche stattfindende Veranstaltung des kleinen Klagenfurter Verlags rund um Ludwig Roman Fleischer, mit einem Buffet, zu der ich in den letzten Jahren aber irgendwie nicht gekommen bin.
Heuer las Irene Wondratsch dort und Reinhard Wegerth präsentierte sein neues Buch und Dietmar Füssel, so war das lange in meinem Kalender angeschrieben, bis ich durch die Hauptbücherei realisierte, am 9. 12. gibt es auch den Adventrundgang, ab siebzehn Uhr in der Hauptbücherei.
Da hatte ich schon längst eine sechszehn Uhr Stunde vereinbart, bin aber eigentlich immer eher schnell, aber da die Mariahilferstraße jetzt so eine Art Fußgängerzone ist, fährt der 13 A anders und die Bücherschränke, obwohl ich schon wirklich genügend Bücher habe, wollte ich auch nicht auslassen, so bin ich zu spät gekommen, das heißt um viertel sechs, die Eröffnungsreden hatten aber gerade erst angefangen und Ottwald John wartete auch schon um mir das gestern im “Wortschatz” gefundene Buch “Kultur ohne Heimat” mit Bildern von Stefan Zweig, Kurt Weil, etc, das ihn sehr begeistert hat, so daß er es sich unbedingt ausborgen wollte, zurückzugeben. Eigentlich habe ich ja gedacht, ich sehe das Buch nie wieder, ja ja ich bin mißtrauisch und wohl auch ein gebranntes Kind, aber das klappte wunderbar, manche Rezensionsexemplare, die ich gerne hätte, treffen dann nicht ein, aber ich brauche eigentlich keine Bücher mehr, das ist schon klar.
Es begann in der Hauptbücher musikalisch mit den “Klangnomaden” und “sterzinger-musser-mikula” mit Helge Hinteregger am Megaphon, der wieder “Fürchtet euch nicht!”, immer rief, begleiteten den Rundgang, diesmal waren auch ein paar Ordner in Warnjacken dabei und es werden immer mehr Leute, die sich anschließen, einige bekannte Gesichter, Silvia Bartl, die es, glaube ich, nicht mehr organisiert, habe ich wieder gesehen und die zweite Station war wieder das Theater “Spielraum”, wo ein paar junge Leute standen, die ihre neue Produktion erklärten und daraus eine Szene spielten. Mit dem Theater ging es dann gleich weiter und zwar an einem neuen Ort, nämlich dem Amthaus in der Hermanngasse, da präsentierte die “Schule des Theaters” “Wintertwist”, schenkte mir eine rosa Sonnenbrille und hatte zeitlich so überzogen, daß ich mich gleich verabschiedete und vorerst ins Literaturhaus ging.
Da waren schon die Ruth und der Herr Grüner, der Robert kam nach und noch ein paar andere Bekannte und Simon Konttas moderierte.
Zuerst kam Itrene Wondratsch mit ihrem Buch “Ooleslef”, das sind Texte, die aus Fehldrucken entstanden sind, lyrische Prosa, die sie dazugeschrieben hat und sicherlich ganz spannend, dann folgte Reinhard Wegerth mit seinem zweiten Band des “Stimmenromans” “Früher und hier” spielt in den Sechzigerjahren und erzählt, wie der zwölfjährige Knabe in seinem Stockbett so wackelt, daß die Schwester nicht mehr schlafen kann, dann geht er beichten und als er schon etwas größer ist, bringt der aus England “Gras” nach Hause.
Dazu passte dann auch Ludwig Roman Fleischers, der offenbar ein ähnlicher Vielschreiber, wie ich ist, Erzählband “Nichts als die Wahrheit” und die Titelgeschichte habe ich schon einmal im Radio gehört und Dietmar Füssels Buch, der sich gerade in Mexiko befindet und das daher von Ludwig Roman Fleischer gelesen wurde, “Der Sohn einer Hure”, ein satirischer Roman, steht schon auf meiner Leseliste und kommt demnächst dran.
Dann gabs Wein und Wasser, Weißbrot, zwei Aufstriche und auch ein Stückchen Kuchen, ich habe mich mit der Ruth und dem Robert unterhalten und bin dann in Richtung Museumsquartier aufgebrochen.
Das heißt, ich habe auch im Theater Spittelberg vorbeigeschaut, die Verspätung wurde aber aufgeholt, weil ein Veranstaltungsort aufgefallen ist, so war auch im Architekturzentrum, wo Krippen gebaselt wurden, schon alles finster und ich kam gerade ins Tanzquartier zurecht, wo es Punsch und Lebkuchen gab und ein Video und im Dschungel Wien gabs wieder eine Performance mit “Adventsbezug”.
Eine junge Dame stand mit Geschenkpaketen am Eingang, wirbelte dann herum, auf den Sitzen lagen Taschentücher und eine Mediationsübung gab es für alle auch und im Anschluß Punsch oder Glühwein, so daß ich mich noch mit dem Stammbesucher unterhalten habe, den ich auch bei der “Buch-Wien” öfter traf und am Montag einen stimmungsvollen Adventrundgang erlebte, der für mich, ich habe das schon geschrieben, das Weihnachtsfest fast ersetzt. Das war auch am Morgen in den “Gedanken für den Tag”, daß die Leute einen ganzen Monat lang, den Adventkalender leerfressen, sich mit PUNSCH UND Keksen übersättigen und dann zu Weihnachten, wo es eigentlich erst beginnt, nicht mehr in Stimmung sind. Für mich, weil nicht religiös, hat das intensive Adventmonat. das Fest im positiven Sinn ersetzt, aber diesmal werde ich noch einen intensiven Lesemarathon machen und der Adventrundgang und das etwas andere Punschtrinken, war gepaart mit der Sysyphos-Verlagspräsentation wieder schön und stimmig und einiges sicher ebenfalls Interessantes habe ich auf diese Art und Weise sicherlich versäumt, aber alles kann man nicht haben und braucht es auch nicht.

Adventbrunch bei Ruth Aspöck

Nach dem sehr intensiven November, mit Geburtstagsfeiern, Ungarnreise, “Nanowrimo”, “Buch-Wien” und einigen Literaturveranstaltungen, hat jetzt der Dezember angefangen, den ich diesmal vielleicht ein wenig weniger adventlicher als sonst begehe. Da gibt es zwar die Weihnachtsbücher, fünf Stück haben sich da im Lauf des Jahres bei mir angesammelt und zwei habe ich davon auch schon gelesen, Punschtrinken war ich auch mit dem Alfred und der Anna am Spittelberg, die Weihnachtsdekorationen habe ich heraufgeholt und die Wohnung und die Praxis damit geschmückt und auch die traditionellen Veranstaltungen, wie das xxxxxx-small gab es wieder in veränderter Form und morgen wird es wieder den Adventrundgang geben.
Alles eigentlich, wie gehabt nur die Stimmung fehlt vielleicht ein wenig, obwohl ich bei meinen Neujahrsplänen eigentlich einen Adventkalender mit der Nika Weihnachtsfrau in den Blog einstellen wollte.
Dazu ist es bisher nicht gekommen, habe ich ja mit meiner Leseliste, meiner Praxis und dem Korrigieren der “Brüderschaft” genug zu tun, habe ich ja auf meiner Leseliste noch etwa zwanzig Bücher, die ich in diesem Jahr lesen noch lesen wollte und wenn ich zu Weihnachten einen Lesemarathon mache, komme ich nicht dazu, auch noch einen Adventkalender zu schreiben.
Aber man muß nicht alles machen und ich habe meine literarischen Vorsätze für 2013 bisher auch recht gut erfüllt.
Am Freitag war auch noch die traditionelle Nicht-Weihnachtsfeier der “Auge” und am achten Dezember, Maria Empfängnis, der diesmal auf einen Sonntag fiel, hat uns Ruth Aspöck zu einem Adentbrunch eingeladen. Das hat sie schon einmal gemacht, im Vorjahr bin ich am achten Dezember zur Wotrobakirche hinausmarschiert und habe an meiner Schulfreundin Edith Broczas Beerdigungsfeier teilgenommen.
Diesmal wieder ein vorweihnachtliches Frühstück bei Ruth und Robert in der Burggasse und so bin ich mit dem Alfred kurz vor elf, als wir die Lichterkette am Tannenbauum im Garten, montiert hatten, mit dem “Literaturgeflüster-Texte-Buch” als Präsent hinmarschiert.
Im “Wortschatz” gab es ein tolles Buch über die Emigrantion nach Amerika nach 1938, das sich Ottwald John gleich von mir ausborgen sollte.
Erika Brunngraber war mit ihrem Hund auch noch da und das Frühstück war sehr gut.
Kerzen brannten. Es gab Wurst und Käse, Eier Marmelade und dann noch Weihnachtskekse und eine Diskussion über die rechten und die linken Germanistenprofessoren, beziehungsweise die vergleichende Literaturwissenschaft, die die meisten der Anweisenden ein wenig studiert haben.
Ruth Aspöck hatte auch ein Geschenk für mich, nämlich eine Rezension, die Helmut Schönauer über “Kerstins Achterln” machte, das ich ihm bei der letzten GAV-GV gegeben habe. Ihr hat er seine letzten Rezensionen geschickt, mir noch nicht.
Also tut sich wieder ein bißchen etwas literarisch. Susanne Schneider hat mir vor ein paar Tagen auch die Einladung zum “Sechsten Wiener Katzenfasching” am ersten Februar geschickt. Da muß ich noch einen Text dazu schreiben. Ich habe aber schon eine Idee, wie sich das Thema Katzen vielleicht mit Rolf Schwendter verbinden läßt. Vielleicht kann ich das in den Weihnachtsferien machen. Die diesmal auch recht lang sein werden. Da werde ich viel lesen und vielleicht doch ein oder zwei “Nika-Weihnachtsfrau-Artikel” schreiben. Der Alfred korrigiert aber schon an den “Dreizehn Kapiteln” und da gibt es ja ein diesbezügliches. Über Weihnachten und Silvester haben wir auch gesprochen. Vielleicht läßt sich Letzterer gemeinsam mit Ruth und Robert in Harland feiern. Dann sind wir ins Museumsquartier zu den “Komischen Künsten” gegangen, weil der Alfred unbedingt ein Poster zu den “Kunstcartoons”, der Ausstellung, die dort gerade läuft, kaufen wollte und ich habe ich mich, als wir wieder zu Hause waren, in die Badewanne gelegt und den “Joel Spazierer” zu lesen angefangen.
Mit meiner Leseliste bin ich wegen den Weihnachtsbüchern, denen, die ich in Ungarn las und die, die ich mir von der “Buch-Wien” nach Hause brachte, wie beschrieben, in Rückstand.
Aber eigentlich hätte ich das Köhlmeiner-Buch auch nach Ungarn mitnehmen können, weil ja wenigstens die ersten Kapiteln dort beginnen.

Weihnachtserzählungen

Das “Knaur LeseFestival”, irgendwann einmal im Schrank gefunden und noch mit D-Mark Preisen angeschrieben, bietet “die schönsten Erzählungen zur Weihnachtszeit und ein buntes Kaleidoskop brillanter Kostproben weltbekannter Autoren”, an und rührt wahrscheinlich nicht zufällig an das Tränenpotential, der Mittelschichtfamilien, die diese Geschichten zu lesen bekamen und noch bekommen werden.
Weihnachten von unten aus ferner und fernerer Zeit, könnte man es etwas respektlos nennen und feiert dann gleich “Heiligabend” mit Maxim Gorki und da gibt es, wie es früher mal so üblich war, einen Erzähler.
Ein Ich läßt sich von einem abgerissenenen Subjekt in einer Gaststädte für ein Bier seine Geschichte erzählen, als er einmal mit Jaschka Sisow auf der Straße war und sie sich die Kopeken für ein weihnachtliches Abendessen “zusammenbettelten”, beziehungsweise so einrichteten, daß sie zufällig die Geldtaschen der feinen Damen “geschenkt” bekamen, da waren ein paar Rubel drin, so daß sie sich einen Schinken kaufen konnten, damit wollten sie nach Hause, trafen dabei einen betrunkenen Steuereintreiber mit dem sie dann feierten und der dann auch “zufällig” den Geldbeutel bei ihnen vergaß.
Mit Victor Hugo geht es weiter und der erzählt “Das Mädchen mit den Schwefelhölzern”, bei dem ich immer weinen muß, gleich noch einmal mit dem Schicksal “Der kleinen Cosette”, die ist acht und sitzt im Gasthaus Thenardier unterm Tisch und strickt Strümpfe für die beiden Töchter des Hauses. Draußen gibt es einen Weihnachtsjahrmarkt und dort eine wunderschöne Puppe, die sich keiner leisten kann und die Kleine wird in den Wald zur Quelle um Wasser geschickt, fürchtet sich vor Geister, da kommt auf einmal ein alter ärmlich gekleideter Mann daher, trägt ihren Zuber und nimmt im Gasthaus Quartier, wo es für Arme das Doppelte kostet, ißt nicht viel, ist mit dem Heu zufrieden, gibt der kleinen aber die Münze, die sie verloren hat, gibt der Wirtin auch Geld damit sie spielen kann und als sie Schläge bekommen soll, weil sie sich am Püppchen der Wirtskinder vergreift, geht er hinaus und kauft ihr die wunderschöne Puppe und wir ahnen, daß er wohl ihr unehelicher Vater ist, den die später Reue packt, erfahren sonst aber nicht sehr viel.
ein wenig behaglicher wirds mit E.T.A Hoffmann im “Marie und ihr Nußknacker”, das wir alle wohl als Ballett kennen, denn da geht es in eine Medizinalratsfamilie, die wohlerzogene Marie spielt mit ihren Puppen, der freche Fritz mit seinen Zinnsoldaten und als siesich dann an der Glasscheibe des Spielzeugskasten stößt, erlebt sie wohl die Fieberträume, die E.T.A. Hofmanns phantastische Geschichte ausmacht und Leo Tolstoi erzählt und von einem Schuster, der nach dem Tod seines Sohnes fromm wird, die Bibel liest und auf die Erscheinung Christi wartet, die er dann auch in Form eines armen Straßenkehrers, einer armen Frau und eines Straßenjungen trifft.
Die Geschichte von Alphonse Daudet und den “Drei stillen Messen”, habe ich, glaube ich, schon im Vorjahr gelesen. Dann gibts eine Geschichte von Selma Lagerlöf, der Nobelpreisträgerin von 1909,Marcel Pagnol erzählt von Weihnachten in einem Knabeninternat und Truman Capotes “Weihnachtserinnerung” führt in seine Kindheit, wo er als Knabe mit einer alten Freundin, Früchtekuchen buk, den Weihnachtsbaum holte und ihr aus Mangel an Geld einen Drachen bastelte. Das Weihnachtsbäume holen scheint eine beliebte Erinnerung zu sein, erzählt doch auch Stefan Andres, leider hat das Buch keine Autorenbiografen und alle Dichter sind mir nicht bekannt, davon, wie er als Knabe den Weihnachtsbaum vom Gemeindewald klaute, dabei vor dem Wildhüter flüchtete und von der Familie als Versager belächelt wurde. Erich Kästner erinnert sich an “Sechsundvierzig Heiligabende”, in Dresden, bei Muttern, während in München sitzt und leider in die im Krieg zerstörte Stadt nicht fahren kann.
Dann geht es mit Max Kruse zur “Christnacht” nach München, wo zwei Kinder Tobias Traxl ein schönes Fest beschweren.
Heinrich Bölls “Monolog eines Kellners” habe ich, auch schon , wie B. Brechts “Paket des lieben Gotts”, im “Weihnachtsbuch” des Vorjahrs gelesen.
Rudolf G. Bindig läßt wieder das Christkindlein am Weihnachtsmarkt aufmarschieren und drei armen Kindern ihr Geschenk bewahren, während in “Ausgerechnet Rimini” von Monika Boette vordergründig gar nichts weihnachtlich ist. Das heißt der Tag natürlich und reißt der berühmte Sänger vor seinen Eltern, seinen zwei Frauen und seinen Kinder aus, fährt nach Rimini um dort der Flötistin zu begegnen, die er schon vorher im Orchestergraben treffen hätte können. Zu Weihnachten ist aber alles anders, so begegnen sie einander bei Eugenio Ferrani und sagen beglückt “Buona sera!”, zueinander.
Zdenek k. Slaby läßt in Prag das kleine Männchen seine schöne Puppe finden und Wolfgang Schnurre führt mit seiner Leihgabe wahrscheinlich in das Berlin der Zwischenkriegszeit. Da hat der Vater, ein Präparator seine Arbeit verloren, die Tochter hat noch eine als Küchenhilfe, so bringt sie den Bienenstich und das Gänseklein nach Hause und der Weihnachtsbaum wird ausgebraben, mit Staniol behangen und am übernächsten Tag wieder zurückgebracht und es war am zweiten Adventwochenende schon ein paar besinnlich schöne Badewannestunden, die ich mit dem Lesefestival zur Weihnachtszeit verbrachte.
Das Buch war schon ein bißchen abgegriffen und schon mal gelesen, am Cover steht ein Bäumchen und vier bidermeierlich bekleidete Mädchen blasen Trompete oder schauen ehrfürchtig, das Bäumchen an, daneben gibt es noch das Püppchen und den Puppenwagen und dazu passt vielleicht ein bißchen, die gestrige “Buchandels-Flash Mob Aktion”, die ich auf der “Ihr Buch hat ein Gesicht-Facebook Seite” gefunden habe, wo man in den kleinen Laden gehen und möglichst viele Bücher kaufen sollte, statt beim “bösen” Amazon bestellen und auf der “To do list” konnte man ebenfall lesen, daß man neben “Weihnachtskarten schreiben und Kekse backen auch einen Stapel Bücher kaufen soll”.
Nicht alle werden das vielleicht können und so ist es gut, daß man sie sich die auch im Laufe des Jahres aus dem offenen Bücherschrank nehmen und im Monat Dezember lesen kann.

Küsse unterm Weihnachtsbaum

Der Dezember ist herangekommen und damit die Zeit der Weihnachtsbücher und, ich glaube, ich bin auch durch “Leselustfrusts-Blog” darauf gekommen, mich damit beschäftigten, beziehungsweise durch die offenen Bücherschränke, in denen sich ja gelegentlich welche finden, so daß ich es mir angewöhnt habe, sie zu sammeln, auf die Liste zu schreiben und im Dezember der Reihe nach herunterzulesen.
Zwar bin ich nicht religiös und auch kein unbedingter Konsumtyp, aber doch ein bißchen sentimental und für Weihnachten sehr empfänglich und da das offensichtlich nicht nur mich betrifft, gibt es auch Weihnachtsbücher in großer Zahl und so haben sich diesen Dezember fünf auf meiner Liste angesammelt und das erste, ein romantischer Liebesroman aus dem neunzehnten Jahrhundert, habe ich mir, glaube ich, Anfang Jänner oder war es noch Dezember letzten Jahres?, vom Alfred vom “Thalia Abverkaufsstoß” in der Kremsergasse kaufen lassen und es jetzt auf einem Zug gelesen, weil ich Zeit hatte und meine Leseliste noch lang ist.
Trazy Cozzens “Küße unterm Weihnachtsbaum”, eine Mischung aus “Küß mich Kätchen” und “In achtzig Tagen um die Welt”, am Buchumschlag steht etwas von “Liebe, Abenteuer und Romantik”, bei der Biografie der Autorin, daß sie in den USA schon einige Preise gewonnen hat und mit ihrer Familie dort lebt.
Das ist nicht sehr viel, aber vielleicht kann das Buch für sich sprechen, das am Buchrücken auch noch “Als Lesevergnügen für lange Winterabende empfohlen wird.”
Es beginnt in Conneticut 1897 am “Thanksgiving-Tag”. Der wird in Amerika ja immer sehr gefeiert, also auch in der Familie des Eisenbahnkönigs Carrington. Das heißt, seine Damen stehen zu Hause und bereiten den Truthahn vor, das Personal scheint an diesem Tag Ausgang zu haben, die Herren gehen derweil auf Jagd und diesmal ist auch Mister Carringtons jüngste Topchter Meryl dabei, die gerade von der Universität, wo sie ein Studium abgeschlossen hat, zurückgekommen ist und nun große Pläne im Kopf hat, sie will Papas Nachfolgerin im Eisenbahnimperium werden, denn, jawohl Frauen können das auch und sie hat auch schon einen Kaufvertrag ausgearbeitet und ist auch in seiner Firma tätig. Da darf sie allerdings nur Akten ablegen und Papa, der leider nur fünf Töchter und keinen Sohn hat, hat in Joe Hammond, der gerade aus Mexiko zurückgekommen ist, auch schon einen Nachfolger gefunden, mit dem tritt Meryl, die wahrscheinlich so an die zwanzig sein wird, genauer habe ich es in dem Buch nicht gefunden, in Konkurrenz, zuerst beim Moorhühner schießen, da trifft sie zwei, Joe leider drei und so handelt sie während des Festessens mit ihm einen Vertrag aus. Papa will nämlich eine Eisenbahnlinie in San Francisco kaufen und hat ihn damit beauftragt, Meryl aber schon den Vertrag gemacht. Wer von den beiden der erste ist, wird Abteilungsleiter und der andere findet sich damit ab.
So weit so gut, aber im Winter 1897 ist es nicht so einfach nach San Fransisco zu reisen, zumindestens für eine junge Dame nicht, weil die muß ja schon eine ganze Reihe von Koffern und Hutschachteln mitnehmen, um anständig gekleidet zu sein, während die Männer mit viel leichteren Gepäck reisen können. So versäumt sie auch fast den Zug, bzw. bekommt sie nur ein Billett, in dem sie sich als Joes Frau ausgibt, was aber auch bedeutet, daß sie mit ihm im Schlafwagen in einem Bett liegen muß und 1897 war eine Tochter aus gutem Hause sicherlich noch Jungfrau.
Sie ist aber, weil sie Joe schon von ihren Kindertagen kennt und schon damals mit ihm in Rivalität stand, wohl auch ein wenig verliebt in ihm und schreibt das auch in ihr Tagebuch, das sie ebenfalls mit sich führt und Joe nützt das enge Bett auch aus, indem er das nur mit Höschen und Leibchen bekleidete Mädchen fest an sich drückt.
Am nächsten Tag beim Frühstück vergießt sie ihren Fahrplan und Joe mogelt nun an der Abfahrtszeit, am Abend gibt es zwei Stunden Pause, damit man Abendessen gehen kann, Joe macht drei daraus, führt Meryl in eine Spelunke und läßt sie dort stehen, sie rächt sich, in dem sie in sein Hotelzimmer kommt, ihren Schmuck in seinen Morgenmantel gleiten läßt und ihn dann wegen Diebstahls verhaften läßt. Joe hat aber ihr Tagebuch, in dem Zug sind ja ihre Sachen geblieben. So kommt er frei, läßt den anderen Zug in dem sie sich nun befindet, anhalten, es kommt zu einer Verfolgungsjagd und einer sehr verfänglichen Situation. Joe schlägt ihr dann Versöhnung bis San Francisco vor. Aber da wird die Eisenbahn von zwei ehemaligen Mienenarbeitern überfallen, die das Geld und den Schmuck der Reisenden wollen, Meryl will ihr Armband nicht hergeben, sagt naiv “Ich bin Mister Carringtons Tochter!”, wird prompt von den Beiden entführt und Joe muß sich sehr bemühen sie frei bekommen, was ihm auch gelingt. Im Hotelzimmer macht er ihr dann einen Heiratsantrag, sie lehnt ab, gibt sich ihm so hin, reist danach nach San Fransisco mit ihrem Vertrag, aber Mister Philbotton verhandelt nicht mit einer Frau, was Joe, der nach ihr das Büro betritt, wieder einen Vorsprung verschafft. Der Vertrag ist aber wirklich ausgezeichnet, auch Joe hätte das nicht besser machen können, so unterschreibt Herr Philbotton, Joe handelt noch einen kleinen Zusatz aus und das Weihnachtsfest ist in Conneticut inzwischen herangekommen. Alle Töchter haben sich im Hause Carrington versammelt, eine ist sogar aus Indien mit ihrem Ehemann angereist gekommen und Meryl hat einen Entschluß gefaßt, sie wird die Firma verlassen und so, wie es sich gehört nur mehr für Keller und Küche tätig sein, da kommt aber Joe und macht ihr ein besonderes Geschenk, ein Türschild “Meryl Carrington, Abteilungsleiterin, Geschäftsbereich Westgate”, denn das war der Zusatz den er mit Mister Philbotton ausgehandelt hat. Es kommt noch zu einigen Plänkeleien, er geht, nein sie, nein er, bis die Beiden nun doch zu heiraten und die Firma gemeinsam zu leiten beschließen (bis das erste Kind kommt, wird das schon gut gehen), die Schwestern haben sich vorher noch Gedanken über das zwanzigste Jahrhundert gemacht, das ja in zwei Jahren kommen wird, das da wohl geschehen wird in Punkte Frauenrecht etc und die Mama macht sich noch Sorgen, was mit ihr nun wird, nachdem ja alle ihre fünf Töchter jetzt brav unter der Haube sind?
Nicht unbedingt das, was ich sonst lese? Ja und nein, denn ich habe einmal Hedwig Courths Mahler sehr gern gelesen und die hat auch öfter solche Themen behandelt und sich immer ein bißchen schwer mit dem Frauenrecht und der Moral getan, aber Trazy Cozzens ist, wenn ich es richtig verstehe und dem Buch auch kein Geburtsjahr zu entnehmen ist, eine heutige Autorin, die den Romantikroman 2003 erscheinen ließ, so ist er sicher ganz amüsant zu lesen und ärgern kann man sich auch ein bißchen und denken, die Frauen 1897 hatten es, auch wenn sie der Oberschicht entstammten, nicht gerade leicht, denn für sie war es in der freien Wildbahn eines Eisenbahnwaggon zwischen Conneticut und San Fransico viel schwerer als für die Männer, die mit Colt und leichten Gepäck immer ein bißchen voraus waren.

Von den komischen Künsten zum AAI

Vor cirka einem Monat habe ich eine Einladung bekommen ins Museumsquartier zur Präsentation des “Unnützen Wien Wissens” zu Punsch und Keksen zu kommen und da ich ja Punsch und Kekse sehr liebe, bin ich der Einladung nachgekommen, obwohl ich das Buch schon gelesen habe.
Bisher hat es mit den Einladadungen zu den “Komischen Künsten, die mich ja immer sehr lieb mit Rezensionsexemplaren versorgen nicht geklappt, so war ich sehr neugierig den Shop der “Komischen Künste” im Museumsquartier kennenzulernen, nur leider hat es wieder nicht geklappt, denn dort hat nichts stattgefunden oder hätte ich es übersehen?
Im Museumsquartier bin ich ja immer sehr unsicher und so bin ich die ganze Längsseite abgegangen und dabei ist mir eingefallen, daß es ja eine Nachfolgerveranstaltung von xxxxxxx-Small, die bis vor zwei Jahren regelmäßig im Amerlinghaus gegeben hat, im AAI gibt, weil Fritz Widhalm die Kleinverlagsschau nicht mehr organisieren wollte.
Daß es die im vorigen Jahr im AAI gegeben hat, habe ich zwar gehört, bin aber nicht hingekommen und jetzt habe ich vor ein paar Tagen ein Mail bekommen, daß es die Veranstaltung vom Mittwoch bis Samstag, ebenfalls bei Punsch und Keksen geben wird und daß dabei das “Fröhliche Wohnzimmer, aa-Infohaus, academic publishers, der-wisch, edition ch, edition exil, freibord, farnblüte, herbstpresse, hochroth und zeitzoo” ausstellen werden.
Also fast alles wie gehabt und ich hatte geplant, am Samstag hinzugehen, weil am Freitag das AUGE-Weihnachtsfest stattfinden wird, habe aber umdisponiert, weil ich am Wochenende sowieso nicht so gerne zu Veranstaltungen gehe.
Leider habe ich aber das Einladungsmail auf meinen Schreibtisch liegen lassen, so daß ich nicht ganz sicher war, wo und wann die Veranstaltung stattfinden wird, bin also zurückgegangen, um mir die Information zu holen.
“Türkengasse Nummer 3 von siebzehn bis einundzwanzig Uhr.”
Da bin ich dann vor dem offenen Bücherschrank vis a vis der Buchhandlung Kuppitsch vorbeigekommen, wo jetzt zwar keine Leseexemplare mehr lagen, dafür aber G.K.Chesteron “Das Geheimnis des Pater Brown”, Sinclair Lewis “Die Benzinstation” und Italo Cevins “Das Schloß, darin sich Schicksale kreuzten”, alles alte Taschenbuchgaben und dann noch zwei originalverpackte Zeitschriften, die ich aber liegen ließ.
Im großen Saal des Afroasiatischen Instiuts fand gerade eine Lesung von Ilse Kilic und Fritz Widhalm statt, als ich es erreichte.
in paar Büchertische, ein paar Besucher und Ilse Kilic las gerade eine Stelle aus einem ihrer Bücher, wo sich die Autorin Ilse Kilic mit ihrer Protagonistin in ein Vertragsverhältnis begibt, dann folgte eine Lesung der beiden aus dem achten Verwicklungsroman und danach gab es den Punsch.
Die Kekse waren nicht da und auch nicht alle der angeführten Verlage, eigentlich nur sehr wenige, aber Christian Katt, Rudi Polak, Heinrich Hendrich und die Kilics waren da und dann noch ein Stand der Schmuck verkaufte und sehr wenige Besucher.
Schade, daß die bewährte Kleinverlagmesse das Amerlinghaus verlassen hat, würde ich sagen, aber es gibt noch bis Samstag ein Programm und am Samstag habe ich gehört, wird Gerhard Jaschke lesen, also hinkommen und Bücher kaufen, wenn man sich für die Kleinverlagsszene des Wiener Literaturlebens interessiert und der Punsch kann ich vermelden, war sehr gut, die Kekse kommen vielleicht auch noch, denn der Veranstalter war heute gar nicht da.
Mein “Literaturgeflüster-Texte-Buch” habe ich natürlich eifrig herumgezeigt.

Buchpromotion

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Seit Montag ist es da, das “Best of Literaturgeflüster”, das Beste, wie ich heute ein paar Mal bei meiner kleinen Aussendung geschrieben habe, von den inzwischen eintausendsechshundertvierzig Artikeln die seit Juli 2008 entstanden ist oder eigentlich die Zusammenfassung der literarischeren Artikeln, der Reisebeichten, Glossen, Skizzen, etc. Die Idee ist mir ja im April 2012 gekommen, als ich mit den letzten zwei Büchern in einer Krise war, dachte, ich kann nicht schreiben und auf mein beharrliches Literaturflüstern auch kein wirkliches Feedback und Aufmunterung bekam.
Dann habe ich eineinhalb Jahre korrigiert und korrigiert, beziehungsweise noch zwei andere Bücher vorgezogen und jetzt ist es fertig geworden und ist mein dickstes Buch.
Über dreihundertneunzig Seiten hat es und neunundsiebzig Artikeln. Das Cover ist fast zufällig in den Kalliographie-Workshop während der Schnuppertage des Writersstudio entstanden, das heißt der Alfred hat das diesbezügliche Ergebnis dazu genommen, ich hätte ja eine “Literaturgeflüsterseite” dafür vorgeschlagen. Jetzt ist es fertig und es sind wieder sehr viele Hoffnungen damit verknüpft, denn ich denke ja, es ist ein tolles Buch und ich halte auch das Literaturgeflüster mit seinen eintausendsechshundertvierzig Artikel und seiner sehr akribischen genauen und natürlich subjektiven Berichterstattung über den Wiener Literaturbetrieb der letzten fünfeinhalb Jahre für sehr toll.
Ich weiß, ich scheine dabei sehr allein und mein Geflüster sehr leise zu sein und unterzugehen, beziehungsweise vom Literaturbetrieb nicht sehr beachtet und nur von ein paar Spamern gelegentlich für schlecht befunden.
Ich mache aber trotzdem weiter und habe auch eine Zeitlang überlegt, ob ich mir nicht siebzig oder hundert Stücke drucken lassen soll.
Ich bin bei den gewohnten fünfzig geblieben und habe auch an eine größere Aussendung gedacht, beziehungsweise, die schon bei meiner letzten Aussendung so angekündigt.
Dann habe ich heute sieben Bücher weggeschickt, ein Belegexemplar an Stephan Eibl-Erzberg, der mir ja einen sehr euphorischen Besprechungstext dafür schrieb, ein Buch wie üblich an die “Alte Schmiede”, eines an die “Dokumentationsstelle für Literatur”, an die “Gesellschaft für Literatur” bei der ich ja sehr gerne lesen möchte, an die Edith Ulla Gasser von Ö1 und dann natürlich das Belegexemplar an die NB, an Stefan Gmünder habe ich auch noch ein Buch geschickt. Herr Blaha, der mir die zweite wirklich schöne Besprechung schrieb, wird eins bekommen, Andrea Stift, die ja darin öfter vorkommt und mir auch eine Rezension für das Literaturhaus schicken will, Gustav Ernst hat eines bekommen, Herbert J. Wimmer und und und…
Das war es dann schon natürlich, weil das “Best of” höchstwahrscheinlich auch nicht mehr als die schon vorhandenen eintausendsechshundertvierzig Artikel bewegen wird, ich finde es aber trotzdem ein tolles Buch, bin sehr stolz darauf und ansonsten werde ich natürlich weiterschreiben, so wie ich es kann.
So schlecht finde ich das aber eigentlich inzwischen gar nicht mehr, weiter lesen, weiter im Wiener Literaturbetrieb herumkrebsen und den Leuten dort mehr oder weniger, je nach Temperament, auf die Nerven gehen, Belegexemplare erschnorren oder mich wo hineindrängen, wo ich nicht geladen war.

Ein Tag mit Gustav Ernst und Erich Klein

Am Mittwoch wurden die Kultur- und Ehrenpreise der Stadt Wien vergeben und Gustav Ernst hat den für Literatur, Erich Klein den für Publizistik bekommen, eine Gelegenheit, da die beiden auch am Abend in der neuen MUSA-Reihe lesen werden, einen Blogbeitrag Gustav Ernst zu widmen, den ich ja, glaube ich, schon von den Anfängen meiner Beschäftigung mit Literatur kenne.
Seit den Siebzigerjahren aus “Wespennest” seiner Autorenreihe, die er, damals glaube ich, hatte, zumindest ist “Einsame Klasse” in einem Autorenverlag herausgekommen und ich habe damals meine Texte ja noch sehr herumgeschickt und 1980, glaube ich, bei dieser “Literatureck-Reihe” in der “Alten Schmiede” gelesen, wo alle lesen durfte und die “Alte Schmiede” zwei Diskutanten zur Verfügung stellten, die darüber sprachen.
Bei mir waren das Marie Therese Kerschbaumer und Gustav Ernst und weil Gustav Ernst in Wien auch viel literarisch unterwegs ist, sehe ich ihn öfter bei Literaturveranstaltungen. Ich habe einige seiner Bücher gelesen und in letzter Zeit schenkt er mir auch seine “Kolik-Ausgaben”.
So habe ich ihm bei der “Priessnitz-Preisverleihung an Anna Weidenholzer” Ende Oktober darauf angesprochen, daß ich gerne zu derPr4eisverleihung, die Nachricht habe ich www.buecher.at entnommen, bzw. hat sie mir, glaube ich “Kolik” geschickt, kommen möchte.
“Elf Uhr, Wappensaal”, hat er mir gesagt und bei der “Buch-Wien Eröffnung” hat mir Julia Danielczyk auch ein “Musa-Programm” und ihre Mailadresse in die Hand gedrückt.
Als ich knapp vor elf mit dem “Literaturgeflüster-Texte-Buch” den Wappensaal erreichte, hat gerade eine Bedienerin, die Rathausstiegentür geschlossen und ein Herr mich in den Wappensaal hineingelassen, wo Gustav Ernst gerade eine Rede hielt, wie das so mit den Verlagen und der Literatur ist, daß nur mehr junge attraktive Frauen eine Chance haben und mittlere Verlage ihre Produktionen einstellen, weil die Leute nicht mehr soviel lesen und das Feuilleton nur mehr einige wenige Starautoren ununderbrochen feiert, während die anderen, der Rest ohne die Stipendien und Preise, der Stadt Wien, zum Beispiel verhungern würde.
Aber von denen der Stadt Wien können auch nicht alle leben, gibt es ja nur vier und zweihundert reichen darum ein und dann gibt es ja noch die, wie mich zum Beispiel, die das gar nicht mehr tun und trotzdem schreiben.
Gustav Ernst wünscht sich einen österreichischen Buchpreis, eine gute Idee finde ich, obwohl den wahrscheinlich Daniel Kehlmann, Thomas Glavinic und Michael Köhlmeier und zur Not vielleicht noch Peter Henisch oder Gustav Ernst gewinnen würden und mehr Stipendien, auch sehr gut.
Dann kam der Hofrat Denscher, stellte die Preisträger vor und das waren zwölf, denn es wurden auch die Preise für Architektur, bildende Kunst, Musik und sogar für Wissenschaft und Volksbildung mitvergeben. Dann kam die Übergabe mit der Urkunde und dem Blumenstrauß und danach Erich Klein mit der Dankesrede, der sich glaube ich, mit der Frage beschäftigte, was Literaturpreise für das Nachkriegsösterreich bedeuten, weil es die “Preise der Stadt Wien” seit 1949 gibt.
Danach wars festlich mit Wein, Brötchen und Süßen und SiSi Glockner ist begeistert auf mich zugekommen, ansonsten waren nur wenige literarische Bekannte zu sehen, was vielleicht dadurch verständlich ist, das nur ein Preis für Literatur und ich glaube vier für die bildende Kunst, vergeben wurden.
Friedrich Achleitner ist aber, wie ich zu spät gekommen und hatte wohl auch die ursprüngliche Beginnszeit. Sonst waren Daniela Strigl, Alexandra Millner, Robert Huez vom Literaturhaus da, den ich gleich mein Literaturgeflüster-Texte-Buch” zeigen konnte, für das ich ja gerne eine Literaturhausrezension haben will und wenn es geht, eine in der “Kolik”, auf jeden Fall habe ich das Buch Gustav Ernst mitgebracht, er kommt ja in meinen Blog öfter vor, im Buch, wo eher die literarischen Texte enthalten sind, glaube ich, nicht soviel Walter Famler war, glaube ich, auch noch da und natürlich Julia Danielczyk, Karin Fleischanderl und und und.
Am Abend ist es dann im “Musa” mit den Lesungen der beiden Preisträger weitergegangen. Seit Oktober gibt es ja diese Veranstaltung wo am ersten Mittwoch im Montag die Preisträger und Stipendiaten der Stadt Wien vorgestellt werden schon und ich finde das sehr toll und denke auch, daß der Steuerzahler ein Recht hat zu wissen, was mit seinem Steuergeld passiert und wer davon gefördert wird, obwohl ich schon weiß, daß das die meisten Leute höchstwahrscheinlich nicht sehr interessiert.
Mich aber schon und so bin ich nach meiner Diagnostik und einer neuerlichen Aussendung meines “Literaturgeflüster-Texte-Buch” und einem davon in der Tasche, das ich eventuell Julia Danielczyck geben wollte, in die Felderstraße marschiert. Gegeben habe ich das Buch dann Herbert J. Wimmer, der bei den Gästen war und Julia Danielczyck erklärte in ihrer Einleitung, daß es diesmal um Utopien, die Siebziger Jahre und die politischen Veränderungen gehen würde.
Erich Klein begann mit seiner Leseung und der in NÖ geborene Publizist und Übersetzer, den ich ich von den “Literatur im Herbst” Veranstaltungen kenne, der in den Neunzigerjahren zehn Jahre in Moskau lebte, las einen Essay darüber, der im “Wespennest” erschienen ist, der die Revolutionen von 1991 und 1993 schilderte, wo nach dem Freiheitsgefühl, die Panzer durch die Gegend schoßen, sich die Leute auf den Boden legten und von den Passanten als betrunken, bekifft oder verrückt verlacht wurden.
Dann kam Gustav Ernst und der las, was mich besonders freute, nicht aus “Grundlsee”, was ich eigentlich erwartet hatte, sondern aus “Einsame Klasse”, seinem 1979 zuerst erschienenen Roman, den ich mir damals auch kaufte und gelesen habe.
“Deuticke” hat ihn 1996 noch einmal aufgelegt, jetzt ist er vergriffen, Gustav Ernst las aber drei Stellen daraus vor, die erste handelt davon, daß sich die beiden Protagonisten, ihresgleichen Schriftsteller, erkundigen, wer heuer den “Preis der Stadt Wien” gewonnen hat?
Gustav Ernst natürlich und der hat fast fünfundzwanzig Jahre dazu gebraucht, kam in der zweiten Stelle als besonders begnadeter “Wichser” vor und dann auch noch die Symbolisten Nicolas Born und Peter Handke, die es neben den Realisten wie Scharang, Innerhofer, Wolfsgruber etc, auch gegeben hat. Außerdem handelt der Roman auch von der “Arena-Bewegung” 1976, dem Feminismus und noch viel anderem.
Ich sollte das Buch, das ich in Harland stehen habe, noch einmal lesen, aber dazu fehlt mir die Zeit und so kann ich mich nur auf die Diskussion konzentrieren, wo sich Julia Danielcyck nach den Utopien und dem Feminismus jeder Zeit erkundigte.
Der später geborene Erich Klein, der damals wohl noch zur Schule gegangen ist, war da sehr skeptisch und hat an die Dissidenten gedachte, die damals über Wien in die USA integrierten und sich über die Studentinnen geärgert, die während seiner Studienzeit strickten und ich denke, daß sich die Utopien, die ich damals hatte “Ich will den Nobelpreis für Literatur, aber zumindestens einen Preis der Stadt Wien bekommen!”, in Resignation umgewandelt haben, aber dann ging es schon zum Small Talk, zum Brot und Wein.
Daniela Strigl war da, Andrea Grill, Judith Nika Pfeifer, Günter Kaindlsdorfer und natürlich noch viele andere und wir haben inzwischen das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” fotografiert, so daß ich noch einen diesbezüglichen Promotionsartikel schreiben kann, das mir auch sehr wichtig ist und, wie, ich glaube, das literarische Wien der letzten fünf Jahre sehr gut dokumentiert.

Elfriede Jelinek spielt Gameboy

Andrea Stifts gesammelte Geschichten von 2005 bis 2011, in der “Edition Keiper” erschienen, in einem Vorwort erzählt die 1976 in der Steiermark geborene Autorin von den Schwierigkeiten solche Geschichten zu sammeln und herauszugeben. Wie soll man sie in einem Erzählband zusammenfassen, wenn sie nicht viel miteinander zu tun haben?
Andrea Stift entschied sich für die Dreiteilung “Dunkel” – “Schunkel” und “Furunkel” und beginnt in der Abteilung “Dunkel” mit dem Ernst des Lebens, der uns wahrscheinlich nicht nur in der Südsteiermark sondern auch überall sonst auf der Welt passieren kann.
Da sind zwei über fünfzig, haben drei Kinder, ein halbfertiges Haus und einen Kredit, der ihnen im Nacken sitzt und sie zusammenschmiedet, obwohl sie sich sonst nicht mehr riechen und auch nichts mehr miteinander zu tun haben wollen.
Das ist ist die erste Geschichte, mit “Am nächsten Morgen eine grausige Entdeckung” geht es gleich weiter mit den Familienidyllen, denn das ist einer Exekuter und muß in die Sozialwohnungen, den Fernseher pfänden, weil die Alleinerziehenden Mamis nichts als das Bestellen aus Versandkatologen im Kopf haben. Manchmal kommt er auch in bessere Gegenden, wenn ihm da niemand öffnet, seufzt er auf, ruft die Polizei und den Schlüßeldienst und manchmal findet man dann in der teuren unbezahlten Wohnung, wo die Fliesen im Badezimmer noch nicht aufgeklebt sind drei Leichen.
Ja, Andrea Stift hat nicht eine sehr poetische, sondern auch eine sehr realistische Sprache, legt die Finger in die Wunden der Idyllen der Südsteiermark und beschäftigt sich, als “Ohrenschmaus-Jurorin” und wahrscheinlich auch sonst sehr verständlich auch viel mit Behinderten, die in der schönen Steiermark zuerst intregriert, wenn es das Behindertenprogramm zuläßt, dann aber als unbezahlte Arbeitskräfte in den Wirtshäusern und den Weinkellern auch ordentlich ausgenützt und geschwängert werden sie obendrein auch noch oft auch.
Am Stammtisch der Kindergärten, wo sich die besser situierten und auch anderen Mamis wöchentlich treffen wird auch darüber geredet. Denn da gibt es eine Supermutter, die ihrer Petra mit Down-Syndrom, mongoloid darf man nicht mehr sagen, denn da haben sich die Mongolen dagegen aufgeregt, schon vorzeitig mit viel Mühe und Aufwand das Lesen beigebracht, immer ein bißchen am Limit voraus, hat und dann findet eine andere Mami, ehemalige Sprechstundenhilfe eines Gynäkologen, bevor er sie geschwängert und geheiratet hat und nun mit der anderen Hilfe auf Kongreße fährt, heraus, daß die Supermami ihn auf Unterhalt klagte, weil er vergessen hat, sie auf die Behinderung bzw. die entsprechende Untersuchung hinzuweisen, das ist, denke ich ein realer Fall und leider so passiert, daß Behinderung als Störfall gilt, fortan sprechen die anderen Frauen nicht mehr mit ihr.
Aber auch die Geschichte von dem “Priesteraltersheim”, wohin Schriftsteller über achtzig zwangsweise deportiert werden, weil sie vorher dem Staat für Stipendien alle ihre Werke überschrieben haben, ist zwar ein bißchen skurril überhoben, entbehrt aber wahrscheinlich nicht die Realität des Schriftstellerlebens und kann uns in der direkten Sprache das Gruseln lehren.
Weiter geht es mit dem Trinken, die eher Jungen tun es und stinken dann so stark in der U-Bahn, daß sich niemand zu ihnen setzt und der Luis der Gelegenheitsarbeiter am Land der für ein zwei Flaschen Weinbrandt für jede Arbeit zu haben ist, bis ihn dann so sehr der Krebs erwischt, daß er sich erhängt. Die Kinder entdecken ihm beim Fußballspielen, die Väter holen ihn von der Wäscheleine herunter.
“Einmal Villach -Lilienfeld, Bitte”, habe ich schon in der “Alten Schmiede” bei den “Bedenklichen Beziehungen” gehört, als ich dort meine “Sevim”, Andrea Stift ihren Erzählband vorstellte. Und dunkel geht es auch in den neuerbauten Häusern zu, die Lehrer für ihre Kinder bauen und die Töchter dann des Nachts in einer Kiste, die man sich wohl als Sarg vorstellen muß, wem wunderts, daß dann Verhaltensstörungen entstehen, die auch wohl “Pia” hat, die sich schneidet und in der Psychiatrie auf Medikamente eingestellt wird, so daß man mit ihr die Hölle erlebt.
In der Abteilung “Furunkel” beschäftigt sich Andrea Stift mit dem, das Samuel Beckett angeblich am Hintern hatte und beweist in brillant satirischer Art, daß man auch über einen Dichter einen Text schreiben kann, zu dem einer nichts einfällt.
Sonst gehts um Sex in der Abteilung, sowohl um den mit Männern, als auch mit einem Auto und in “Fremder Welt” träumt die Mutter von einem Fick mit einem Schauspieler und bringt sich danach um, die Tochter sucht Kontakt mit dem Schauspieler, der Vater heiratet eine Feuerwehrfrau, der Sohn errät alle Träume und verschenkt sein letztes Geld und der Vater verbrennt sich in seinem Gartenhäuschen, als ihm die Tochter den Schauspieler vorstellen will.
Die beeindruckenste Gescvhichte für mich war aber “Haben wollen”, da fährt die Murschak jeden Samstag mit einem Fahrrad zu einem kleinen Haus am Waldrand, das sie unbedingt besitzen will und das einen kleinen Mann gehört. Die Murschak hat Geld, hat sie doch schon drei Männer unter die Erde, beziehungsweise zu einem Schlaganfall gebracht und offenbar Zeit, so setzt sie sich vor das Haus und jausnet und nachher fallen die Nüße und die Äpfel vom Baum, das Gras verdörrt, der Holunder geht ein, so daß der kleine Mann bei der “Hexe” zur Selbsthilfe greifen muß, jetzt kann man die ja nicht mehr einfach anzeigen und am Scheiterhaufen verbrennen lassen, also muß der Flobert des Großvaters her, was auch gelingt, nur leider trifft der letzte Schuß ihn selbst, so daß auch er verstirbt.
“Schunkel” sind die lustigen Geschichten, aber so lustig ist die, wo die Protagonistin, Schriftstellerin, die offensichtlich, ob der biografischen Angaben, Andrea Stift selber ist, eine Stunde zu spät von der Lesung in der “Gesellschaft für Literatur” in Wien, nach Graz kommt, wo die zwei Söhne warten und sich außerdem noch einen tollen Titel für eine tolle Geschichte, mit der sie den nächsten Wettbewerb gewinnt, um als Schriftstellerin überleben zu können, einfallen lassen muß, nicht.
“Elfriede Jelinek spielt Gameboy”, fällt ihr dann ein und im Vorwort kann man noch lesen, daß die Nobelpreisträgerin Andrea Stift versichert hat, noch nie damit gespielt zu haben.
Dazu passt noch die “Furunkel-Geschichte” “Nicaragua wohltemperiert” von einer Lesereise mit Andreas Unterweger und Sonja Harter zum dortigen Poetenfestival. Wo die Leute von der Poesia sehr begeistert sind, laut “Viva!”, brüllen, die freundliche Polizei aber vor dem Eingang steht, um die bettelnden Kinder zu vertreiben und die weniger freundlichere ein paar Dörfer weiter. Da würde auch ich mich nach dem Sinn eines solches Festivals fragen, obwohl ich zu einem solchen auch gern eingeladen werden würde, aber ich schreibe ja keine Poesia.
In “Schunkel”, das ich, wie gesagt gar nicht immer so lustig empfunden habe, geht es noch einmal ums Auto, beziehungsweise ums Fahren lernen und um die Frage, warum die meisten Schriftsteller kein solches haben?
Die Geschichte von dem Vater der zum Autorennspielen zur Tochter kommt, weil die ihm, um seinen Pensionsschock zu mildern ein solches kaufte, er aber keinen Computer hat und dann in ihrer Verzweiflung, der Schwester auch ein solches schenkt, verlautet, daß es bei ihr viel bequemer ist und sich dann wundert, daß die nicht mehr mit ihr redet, würde ich aber als ganz lustig bezeichnen.
Dann gibt es noch eine über “Parcelsus”, über eine “Slowenienreise”, über den “Tomatenfisch” und dann noch eine höchst satirische, über die Zahnspange, die den Mund der Schriftstellerin für einige Zeit entstellte und auch sonst zu Komplikationen führte.
Höchst interessante, satirische, bitter böse, aber auch sicher realistische Texte, die zum Teil schon in Zeitschriften, wie den “Mansukripten” veröffentlicht wurden und deren Lektüre ich nur sehr empfehlen kann.