Bürgermeister-Spezialführung

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Zum Abschluß meines selbsterwählten Stadtschreibermonats gab es ein ganz besonderes Schmankerl, auf das mich der Alfred aufmerksam gemacht hat, nämlich eine Spezial-Bürgermeisterführung vom Rathaus durch die barocke Innenstadt zu den Ausgrabungen am Domplatz, ist Matthias Stadler ja Historiker und das habe ich mir trotz Schreibklausur, die ja auch ganz gut vorangeht, nicht entgehen lassen. Also vor sechs vor dem Rathaus eingetroffen, als ich bei meinem ersten Stadtschreibertag vor einer Woche am Rathaus vorbeigegangen bin, standen dort die Neos und riefen zur Unterstützungserklärung auf, gibt es im Herst ja Wahl, jetzt standen da schon einige Leute und eine blonde Dame in einem Sommerkleid begrüßte freundlich. Kurz nach sechs kam der Bürgermeister im blauen Anzug und gestreiften hellblauen Hemd mit der Bürgermeisterkette um den Hals, die eigentlich ins Stastmuseum gehörte und führte in das Rathaus und das Bürgermeisterzimmer. Im Rathaus bin ich ja schon einmal bei dem Höfefest gewesen, als dort die Dusl las und Anfang Jänner, als mein Schwiegervater begraben wurde, habe ich für die Kommunisten unterschrieben, weil man das in NÖ ja auch mit einem Nebenwohnsitz kann und Stadtführungen habe ich auch schon zwei gemacht.

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Ist Robert Eglhofer ja auch Stadtführer und führte uns einmal mit der Ruth, als sie bei uns Sylvester feierten durch die Stadt und durch den Dom und eine Spezialführung mit Ruths Freundinnen gab, wo wir mit dieser kleinen Bahn gefahren sind und in einer Konditorei Kakao getrunken haben, gab es auch einmal. Jetzt ging es aber in das Bürgermeisterzimmer und dort stand Wasser und Wein, zwar ein Weißer, aber einer namens “Puppenfee”, wie der Bürgermeister erklärte, weil das ein Ballett ist, das in Viehofen geschrieben oder zumindest aufgeführt wurde und Bürgermeister Stadler scheint ein wirklich kompetenter und beinahe manisch übersprudelnder Mann, der erzählte und erzählte, daß das barocke Rathaus, wann immer Geld dafür vorhanden war, aus den gotischen und romanischen Frühformen hochgezogen und daher sehr stilreich sei. An der Decken gab es Fresken von Bramdtauer oder Daniel Gran, so genau habe ich es nicht verstanden, aber wunderschöne Deckenbilder mit dem Adler als Symbol der Macht und dann noch Frauengestalte,n die die verschiedensten Tugenden, wie Glaube, Liebe, Hoffnung und dann noch Weisheit, Beständigkeit und Gerechtigkeit darstellen.

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Nur mit der Gerechtigkeit hapert es ein wenig, denn 1945 kamen ja die Russen, besetzen das Rathaus und nahmen die Waage mit und eine alte Uhr gibt es auch, die eine Dame, die im Bürgerspital gut behandelt wurde, der Stadt hinterlassen hat und natürlich auch die Bildnisse der Bürgermeister, nicht alle, nur einige davon, Mathias Stadler ist der einundundreißigste und der sechste der demokratisch gewählt wurde und die früheren Bürgermeister hatten auch noch Gerichtsbarkeit zu vertreten. Einige der Bürgermeister kannte ich, auf jeden Fall den vorletzten Willi Gruber und dann natürlich Irene Wondratsch Großvater Hubert Schnofl, die ja ein Buch darüber geschrieben hat. Es gab aber auch einen Heinrich Raab und einen Otto Eybner, die berühmte Verwandte haben.
Dann ging es weiter in einen Saal, wo man die alten Mauern sehen konnte, durch den Sitzungssaal hinunter, wo es ein paar römische Funde und Urkunden zu bewundern gab, in einen Kellersaal, bevor es auf die Straße ging und der Bürgermeister den Rathausplatz erklärte. Das gibt es auch sehr viel Barockes und Barock bei den englischen Fräulein und den Karmeliterklöstern, die Joseph der II, aufgelassen hat. Der Bürgermeister sprach und sprach, die blonde Dame vom Tourismusbüro rief verzweifelt “Matthias, der Dompfarrer wartet um sieben!”
Der Bürgermeister hob die Hand, rief siegessicher “Das schaff ich schon!” und rannte fort in die andere Richtung. Erklärte das Gasthaus zu den “Drei Kronen” und die Poststationen, schlug ein Buch auf, um einen Brief Mozarts vorzulesen, der drei Tage lang mit der Kutsche von Salzburg nach Wien gefahren ist und in St. Pölten Station machte. Da gab es ja zwei Hauptstraßen, die Wiener- und die Linzerstraße, die den Hauptverkehr bildeten, bis in die Dreißigerjahre ist man am scharfen Eck vorbei von Linz nach Wien oder in die andere Richtung gefahren.

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Erst als der Bahnhof gebaut wurde, haben die Straßen mit der Kremsergasse, die heutige Hauptstraße, Konkurrenz bekommen und ein Wiener und ein Linzertor hat es auch gegeben.
Dann gingen wir durch die Herrengasse, wo der Büregermeister ebenfalls die verschiednen Häuser erklärte und vorher hat er noch das Bildnis des Herrn gezeigt, der vor hundertzehn Jahren die Elektrizität nach St. Pölten brachte.
Dann erreichten wir den Dom, der Dompfarrer sagte “Grüß Gott!” und die Dame vom Diözesanmuseum, wo es derzeit eine Sonderausstellung namens “Credo” gibt, wartete, um uns die Bibliothek zu zeigen. Der Bürgermeister führte durch den Dom, in dem wir schon mit dem Robert waren und als die Gabriele, Alfreds Cousine, heiratete, sind wir auch dort gewesen. Erzählte uns vom Domprobst Führer, der in Konkurs gegangen ist, so daß der Dom von außen ziemlich bescheiden wirkt, während er innen das herrlichste Barock enthält, das aber auch auf die gotischen und romanischen Formen aufgebaut wurde. Dann wollte der Bürgermeister noch in die Rosenkranzkapelle.

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“Matthias!”, rief die Dame vom Tourismusbüro noch einmal verzweifelt, “die Frau vom Museum will nach Haus!”
“Das mache ich schon!”, war die Antwort mit erhobener Hand und wir stapften in den Keller, weil die Rosenkranzkapelle ein Ort ist, den nur wenige Leute kennen, wie auch die Klimt-Fresken am Sparkassahaus.
Nach der Führung durch die Stiftbibliothek und durch den Kreuzgang, mit dem wir schon mit Robert Eglhofer gewesen waren, ging es zu den Ausgrabungen am Domplatz, denn da war ja einmal ein römisches Bad, dann ein Friedhof und eine Kirche, die von den Protestanten, oder war es umgekehrt, eingestampft wurde.
Der Bürgermeister ließ sich zwei Pläne reichen und erzählte von den 800.000 Knochen, die inzwischen schon gefunden wurden und gab einen Einblick in das mittelalterliche Leben ohne Wasser, Strom und Kanalisation dann ging es zurück zum Rathaus bzw. nebenan, dem im Haus Rathausplatz Nummer zwei hat Franz Schubert einmal gewohnt, an der Oper Alfonso und Estrella komponiert und eine Schubertiade aufgeführt.
Da ist mir eingefallen, daß es da vor Jahren eine Führung mit Alois Eder gegeben hat, von der ich allerdings zu spät erfuhr und um Schubert und St. Pölten gibt es die verschiedensten Legenden und es gibt auch das Schubertbründl bei der Ochsenburg und das Gerücht, daß er dort, “Am Brunnen vor dem Tore” komponiert hätte, was wie Mathias Stadler erklärte, nicht stimmt. Der Bischof hätte aber Schubert und seinen Freund Schober, die es in St. Pölten sehr lustig hatten und verschiedene Panscherln begannen auf die Ochsenburg verbannt und so sitze ich dort manchmal beim Bankerl vor dem Brunnen, lese oder schreibe eine Stadtschreibergeschichte.

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Im Schubertzimmer gab es ein echtes Hammerklavier, auf dem Schubert spielte und der Bürgermeister wußte auch über ihm viel zu erzählen. Am Ende gab es noch die Ouvertüre aus der Oper und einen Katalog einer Ausstellung zu “Biedermeier und Vormärz”, wo es auch Bilder von Schubert zu sehen gibt, die 1982 in Pottenbrunn stattfand, konnte man sich auch mitnehmen.
Dann sind wir noch ein bißchen auf den Rathausplatz gegangen, haben Chili con carne gegessen und Wein bzw. Bier getrunken. Den Film am Rathausplatz haben wir ausgelassen. Es war trotzdem ein wunderschöner Abend und jetzt geht es weiter mit der Schreibklausur.
Es gibt wie ich dem aufliegenden Prospekt entnehme Stadtspaziergänge zum Thema Barock, Jugenstil, Frauem etc für die man sich im Tourismusbüro anmelden kann. Wenn man St. Pölten literarisch will, wird man im Literaturgeflüster einiges finden. Die Osterspaziergänge der LiGes gibt es auch.

Schreibklausur

Mit meinen Sommerfrischen-Stadtschreiberplänen bin ich jetzt etwas durcheinandergekommen bzw. habe ich sie abgeändert, denn ich bin ja eine Schnelle und schon fest an der Romanarbeit, so daß ein Spaziergang durch die Stadt bishin zum Residenz-Verlag nicht ganz passte und es mich eher in Richtung Schreibklausur drängte. Zwar habe ich darauf fast ein dreiviertel Jahr gewartet, aber jetzt habe ich mit dem “13-Kapitel-Projekt” begonnen und es geht rasant dahin.
Ein bißchen habe ich schon darüber berichtet, daß mich das die vierte Woche begleiten wird und jetzt denke ich, es ist besser zu schreiben und zu schreiben und dazwischen eine eher kurze Runde Rad zu fahren, bzw. in der Früh und am Abend jeweils eine Stunde meine Sommerbücher lesen. Wie gehabt also und die drei Wochen Stadtschreiberzeit, die ich mir gegeben habe, sind auch recht intensiv gewesen, so hat sich mein Stadtschreiberalphabet gefüllt und zu einer kleinen Stadtschreibergeschichte wurde ich am Samstag am Markt bzw. in der Eduscho-afebar auch inspiriert, ich bin in den St. Pöltner Buchhandlungen gewesen, habe mich ein bißchen in meine St. Pöltner Literaturgeschichte vertieft, aber jetzt brennt es weiter zu schreiben, das zweiunddreißigste Indie-Buch, das ich dann ja auch einmal probeweise bei Amazon einstellen kann, um nicht restlos jenseitig und weg vom Fenster zu sein.
Denn ich schreibe und schreibe und eigentlich geht das ja ganz gut. Sehr gut geht das soar. Bis jetzt habe ich, vier Kapitelentwürfe, siebenundzwanzig Seiten und zehntausendneunhunderteinundsiebzig Wörter und den Handlungsrahmen eigentlich auch ganz gut skizziert. So habe ich, glaube ich, auch die zwölf Protagonisten oder Handlungsträger und einen ungefähren Plan wohin das Ganze gehen soll. Ein Problem, wenn man so will, könnte darin bestehen, daß ich wieder sehr schnell bin bzw. wieder kürzer als geplant werde. Die dreizehn Kapitel werden kürzere Geschichten und nicht wie geplant Kurzromane werden. Das ist wohl mein Problem, bzw. meine Eigenschaft und Stärke, um nicht so negativ zu formulieren. Man könnte ja auch sagen, daß das Ganze damit dichter ist. Zwar ist zu befürchten, daß ich mit dem Rohentwurf vielleicht schon Ende der Sommerfrische fertig bin, aber na und und macht ja nicht, weil es außer mir erstens sowieso niemanden zu interessieren scheint und vielleicht auch weil es mein Stil sein könnte. Und ich glaube, es ist, dichter, flüßiger und fließt auch mehr oder weniger problemlos aus mir heraus. Natürlich denkt es manchmal immer noch, das ist nicht gut genug! Das muß auch so sein, wenn ich mir die mangelnden Reaktionen um mich herum, bzw. das ist das schlechteste, was ich je gelesen habe, so ansehe, aber dann denke ich, daß ich natürlich schreiben kann und das auch sehr flott und intensiv betreibe und vielleicht hilft mir auch die Schreibklausur, wo ich mich mich möglichst nicht verzettle, dichter zu werden. Denn man kann ja auch die Sommerfrische zu einem Nanowrimo machen und dadurch weiterkommen. Dann müßte mir noch gelingen, daß das auch die anderen bemerken, aber das ist eine andere Geschichte und kann ich im Augenblick nur durch meine Schreiberichte zu beeinflußen suchen.
Also vier Kapiteln habe ich schon. Vorige Woche habe ich den Beginn, die erste Szene mit der Laura Augustin geschrieben und mehrmals umgearbeitet, bis ich damit zufrieden war. Am Montag folgte das Ernst Schwarz Kapitel, die Geschichte jenes Sinologen, der das “Gesprengte Grab” herausgegeben hat. Dann habe ich mich am Dienstag mit der Uschy Bischof nach Teheran begeben und am Mittwoch die Weihnachtsfrau Nika Horvath vorgestellt, die werde ich vielleicht auch im Dezember für einen eventuellen Adventkalender verwenden.
Wies weitergeht weiß ich wieder nicht so ganz genau, habe aber einiges aufgeschrieben, da gibt es ja das lesbische Paar Ruth Horvath und Vera Mosebach, deren Klienten Jakob Pröchtl, einem ehemaligen Plagiatsautor der jetzt den Erich Fried-Preis bekommt und seine Geschichte der Bloggerin Vera erzählt, die darunter leidet, daß sich niemand für ihren Blog interessiert, den Alzheimerpatienten Laurenz Wolkner und dessen Psychiater Stephan Horetzky u.u.u.
Ein wenig krankt es noch daran, daß ich mir ein bißchen schwer tue, an die Ernsthaftigkeit eines Romans zu glauben, irgendwie bin ich ja immer noch zu schnell unterwegs, obwohl ich andererseits konzentriert arbeite und auch damit zufrieden bin. Daß ich schreiben kann, glaube ich inzwischen und ich vergleiche mich ja auch permanent mit dem was ich lese und da habe ich vorhin die “Sommertöchter” der jungen Autorin Lisa-Maria Seydlitz durchgearbeitet und war gar nicht so begeistert, obwohl die Sprache natürlich viel dichter ist und die ein Hochschulstudium in Hildesheim hinter sich hat und als nächstes kommt Martina Gerckes neues Buch “Glücksstern mit Schwips” an die Reihe, also werde ich wiedermal ein E-Book und ein Chicklit lesen. Davor habe ich ja, glaube ich, auch immer ein bißchen Angst, daß ich dahin abgleiten könnte. Aber ich schreibe psychologisch realistisch und habe da auch einige interessante Themen, wie man meinen könnte und aus Wien habe ich mir einen Stapel Sommerbücher mitgebracht, zwei Krimis, die Sophie Kinsella und ein Buch über die Welt der “Lisbeth Salander” aber bevorzugt will ich ja schreiben und erst wieder nach Herzogenburg oder woanders hinfahren, wenn ich mit dem Rohentwurf fertig bin.
Stimmt nicht ganz, am Samstag geht es auf den Markt, um den Alfred dort zu treffen und am Donnerstagabend gibt es auch einen Sonderthemenspaziergang mit dem Bürgermeister zu dem ich mich angemeldet habe. Da soll es erst durch das barocke St. Pölten und dann zu den Ausgrabungen am Domplatz gehen und dann mit dem Alfred auf den Rathausplatz zum Filmfestival und am Sonntag fahren wir zum Martin nach Pernitz. Aber dazwischen schreiben und das ist spannend und interessant und es tut sich auch sonst ein bißchen, die tote Sommerhosenzeit scheint derzeit vorbei zu sein, so laufen seit dem Tod von Rolf Schwendter beim Alfred die Anfragen nach Fotos an, weil offenbar nur wir die aktuellen haben und das ist ja interessant für die, die immer auf mein Bloggen schimpfen. Einen kleinen Text für das Volksstimmefest bezüglich Rolf Schwendter könnte ich auch noch schreiben. Der “Maimißbrauch” ist ohnehin sehr kurz. Und Petra Ganglbauer hat eine Rezension der “Paula Nebel” geschrieben.
Sonst steht die Longlist des Fm4 Preises fest, da ist Katharina Tiwald dabei, die es ja immer wieder schafft literarisch aufzufallen und sich offenbar auch unermüdlich durch den hierarchisierten Literaturdschungel kämpft. Ihre “Messe für eine” habe ich auch auf der Leseliste, aber das wird noch etwas dauern bis ich dahin komme, derzeit bin ich ja bei den Sommerbüchern und bei meinem “13-Kapitel-Roman”, solang oder so kurz der auch werden wird.