Hurrah, hurrah, es ist fertig korrigiert mein Literaturgeflüster-Texte-Buch, 214 Seiten bzw. 75.986 Worte oder 79 Artikel der letzten fünf Jahre wird es haben und liegt jetzt am Tisch am Alfred, damit er ein PDF daraus machen kann.
Wie es dazu kam, daß ich den umgekehrten Weg der Kehrtwende beschritten haben und aus den besten meiner fast 1500 Blogartikel ein “selbstgemachtes Buch” machen werde?
Erinnern wir uns, voriges Jahr geriet ich bei der “Wiedergeborenen” und auch der “Paula Nebel” in eine Krise. Nach jeweils viderzig Seiten wußte ich nicht weiter, wollte, aufhören, es wegschmeißen, dachte, ich kann es nicht, etc.
Heute weiß ich, es war wohl die fehlende Resonanz und Anerkennung, die ich ja immer noch nicht habe. Da schreibe ich und schreibe und keiner schaut hin und merkst oder wenn, schreibt er nur, daß ist das Schlechteste, Uninteressanteste, das ich je gesehen habe.
Nein, liebe Kritiker ist es sicher nicht, so prominent bin ich nicht, daß ich am schlechtesten von allen auf der Welt schreibe, ich bin wohl Durchschnitt und vielleicht auch ein bißerl patschert, so daß ich zwischen allen Sesseln sitze, aber damals, beim wiederholten Jammerartikel, im April 2012 ist mir die Idee des Literaturgeflüster-Texte-Buchs gekommen. Richtig, der Otto hat mir das schon viel früher einmal geraten. Aber da dachte ich etwas überheblich, ich machs nicht, wenns ein Verlag will, soll er sich melden. Jetzt machte ich es selbst und setzte glaube ich schon im Mai oder Juni eine Artikelauswahl zusammen. Es sollten es die eher literarischeren Texte werden, die Glossen, Reiseberichte und allgemeine Betrachtungen übers Leben und das Schreiben.
Weil der Alfred aber, als ich die Zusammenstellung hatte, in Australien war und ich mir den Text nicht selber schicken konnte, habe ich inzwischen mit “Kerstins Achterln” angefangen und als das dann auf Alfreds Schreibtisch lag, war es November und ich dachte, ich mache beim “Nanowrimo” mit. Das wurde dann mein dreißigstes Indie-Buch und etwa ab Weihnachten habe ich dann angefangen am “Texte-Buch” zu korrigieren. Das war nur scheinbar einfach, weil zweihundert Seiten sind ja viel und da hatte ich erst einmal Mühe die Apostrophe richtig zu setzen. Aber jetzt ist es geschafft und wer mir was zum Literaturgeflüster schreibt, kann eines der fünf Bücher haben, die ich zum Fünfjahrestag verlosen wollte.
Jetzt bin ich in der dritten Sommerfrischewoche fertig, die ich ja diesmal zu einem Stadtschreiben nützen will und sitze ein bißchen in der Patsche, denn eigentlich sollte ich jetzt ja meinen “Fünftagemarathon” machen” auf den Westbahnhof, in den “Thalia”, in die Innere Stadt, nach Schönbrunn, ins AKH, etc, gehen und das “13 Kapitel -Buch” recherchieren, das ich als nächstes schreiben will.
Da gibt es ja schon einige Notizen in meinem großen gelben Buch, ist mir ja bei der letzten Buch-Wien eingefallen, daß ich sowas machen will. Einen Roman aus dreizehn Kapiteln schreiben und jedes hat eine andere Person als Protagonisten, die man schon vom vorigen kennt. Daß die erste Laura Augustin heißt, sechzig Jahre wird und für zehn Jahre ungelesene Bücher im voraus hat, weiß ich schon, die anderen Einfälle habe ich inzwischen vergessen und muß mein Wissen wieder aus den Notizen aktivieren.
Aber jetzt habe ich ja noch fünf Wochen, die ich Mittwoch bis Sonntag in St. Pölten verbringen, dort Radfahren und Stadtschreiben will?
Geht das und kann man beide Ansprüche verbinden? Natürlich, ganz leicht sogar. Gibt es ja das schöne kleine Stadtschreiberbuch, das in den ersten zwei Wochen schon ziemlich voll geworden ist. Einige freie Seiten für einen Text habe ich zwar noch und die Ideen einen Tag in den St. Pöltner Buchhandlungen zu verbringen und dort vielleicht fünf Kapiteln aus fünf Bücher lesen, ist mir auch gekommen und dann wollte ich auch einen Lesemarathon mit den Sommerbüchern machen “Fünf Bücher in fünf Tagen” oder so und wenn ich mit den Harlander-Büchern und denen die ich mir aus Wien mitbringen werde, fertig bin, werde ich mich aufs Rad setzen zur Telefonzelle bei der “Seedose” fahren, ein Buch schnappen, man kann das ja gezielt oder auch im Blindversuch machen und damit lesend den ganzen Tag verbringen.
Ein paar andere Stadtschreibernotizen lassen sich sicher auch noch machen. So war ich noch nicht beim Naturlehrpfad und nicht in Herzogenburg. Aber ich kann mich ja genauso gut mit dem gelben Buch in St. Pölten in den Sparkassen- oder Schillerpark setzen, aufs Arbeitsamt, in die Krankenkassa gehen oder sonstwohin, wo ich Menschen finde und meine Notizen machen.
Das heißt ich kann ja schon als selbsternannte St. Pöltner Stadtschreiberin mit der Materilsuche oder vielleicht auch mit dem Roman beginnen. Mal sehen, wie es wird, ich bin ja sehr schnell und sehr diszipliniert und diesmal soll es auch wirklich der große Roman werden, mit dem ich mich übertreffe und der alle interessiert! Es gibt ja noch sehr viel Zeit und eine Sommerfrische ist für ein Romanrohkonzept sicher gut geeignet.
Day: 16. July 2013
Meine erste Reise
Sechzehn wahre Geschichten, herausgegeben vom FAZ Redakteur Hans Scherer, geschrieben von Autoren und von Redakteuren, die zum größten Teil in einer Sommerserie des “Reiseblattes” der FAZ erschienen sind.
Am Titelbild des Diogenes Taschenbuch, aus dem Jahr 1998, das ich vor einiger Zeit im “Wortschatz” fand, sitzt ein schönes Mädchen im Fünfzigerjahrelook mit einem blau-weiß gestreiften Bikini, einem Pferdeschwanz, neben einem Mofa und lächelt freundlich und ich habe mir das Buch für die Sommerfrische, bzw. die Montage und Dienstage in Wien aufgehoben.
Denn die Geschichten kann ich ja einzeln lesen und man kann sich das Buch auch für das Platzbesetzen bei den Filmfestivals am Karls- oder Rathausplatz mitnehmen.
Nun bin ich ja eine, die Kurzgeschichten gar nicht so gern mag, da ich sie aber immer wieder finde, habe ich mich an das Lesen schon gewöhnt und die ersten Reisen von Schriftstellern wie Walter Klier, Jens Sparschuh, Martin Mosebach oder FAZ-Redakteueren, sind ja für eine, die gar nicht so besonders reiselustig ist, ihre ersten Reisen aber wahrscheinlich in den Fünzigerjahren in der Beiwagenmaschine des Vaters, mit den Eltern und der Schwester Uschy durch Österreich machte, um einmal den Großglocker zu sehen, sicher interessant. Heuer haben wir auch keine Reise geplant, also ist es interessant, ein bisschen hineinzuschnuppern, wo die Redaktuere und die Schriftsteller, wie Hans Scherer in seinem Vorwort schreibt, “das erste Mal ohne Eltern, hilfreiche Onkel, Tanten, Großeltern und ohne Schutz einer Schule oder Jugendorganisation hingekommen sind.”
Für die 1946 in Nantes geborene Gabrielle Wittkopp-Meinardeau war das Nizza und sie schildert diese Stadt an der Cote d` Azur, die in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts das Refugium der Reichen und der Schönen war, ehe sie zum Massentourismus verkommen ist, auch sehr genau.
Hans Scherer erzählt dann von seiner ersten Reise nach Norderley, das ist in Friesland, er ist sechzehn und es geht ihm nicht gut, die Mutter schickt ihm eine Woche hin, er wohnt im Kurhotel, daß es später, als er die Reise zu Recherchezwecken nicht mehr gibt, wurde es doch um ein schickes Nordeseebad zu machen im Zeiten des Wirtschaftswunders abgerissen. Ein Heine-Denkmal gibt es auch.
Gustav Seibt erzählt von seiner Reise nach Rom, das war schon seine zweite, das erste Mal war er nach der Matura oder dem Abitur, wie das in Deutschland heißt, mit der Klasse da, da zweite Mal ist er mit einem Freund von Siena aus zu Fuß hinmarschiert und hat natürlich viel mehr gesehen.
Hans H. Krüger war als junger Mann in Südostasien, da hat ihm die FAZ wahrscheinlich die zweite Reise nicht mehr hinspendiert und der 1927 geborene Ludwig Harig erzählt in einem Romanausschnitt wieder von einer Nizza-Reise, da ist einer mit einer Frau und seinem Bruder in einem grünen Auto im Sommer 1953 hingefahren. Während Dirk Schümer eine Bildungsreise nach Florenz schildert, die noch dazu in einem Zelt auf einem Campingplatz verbracht wird.
Martin Mosebach, von dem ich ein Frankfurt-Buch gelesen habe, geht auf große Wallfahrt nach Vierzehnheiligen und schafft die große Schlachtplatte nicht und Ulrich Weinzierl, erzählt von vielen Reisen, die er als junger und auch älterer Mann gemacht hat. Als Dreizehnjähriger mußte er die Großmamama durch Euroüpa begleiten, nur 1968 wollte sie nicht nach Paris, den studentischen Unruhen wegen nicht und dem “Radetzkymarsch” hat sie ihm wegen seiner erotischen Szenen wegen auch vorenthalten, das kann ich nun nicht ganz nachvollziehen, aber Weinzierl war auch bei den Salzburger Festspielen und hat dort Thomas Bernhard gesehen und noch viel mehr. Ein interessanter Text, dem man die schriftstellerische Ader anmerkt, während es Jens Jessen mit seinen Eltern nach Dänemark verschlagen hat und der Schriftsteller Jens Sparschuh schwärmt von der sächsichen Schweiz, in der ich auch schon mal war, aber diese Reise kann man nicht wiederholen.
Paul Ingendaays Reise ging nach Irland und beim Widerkehren stellte er mit Bedauernd fest “Was bleibt, ist der Plüsch der Seele” und hatte Schwierigkeiten mit dem modernen Irland von heute, das nicht mehr so wie damals war, als er mit Frank, der schon einmal ein Jahr Englischlehrer in Peking war, ein Zimmer bei Mister Carey einem ehemaligen Polizisten mieten wollte.
Mit Siegfried Diehl geht es dann endlich nach Giechenland, dorthin wo alle wollten, als ich studierte, aber die jungen Männer in dem Buch, mit einer Ausnahme sind alle Männer, die über ihre ersten Reisen schreiben, waren meist in den Fünfzigerjahren auf diesen und Griechenland wurde damals noch genauso als Bildungsstädte wie Italien besucht. Sirtaki mit Alexis Corbas fing man erst später an zu tanzen und Udo Iwannek fuhr nach Boston weil ihm ein Freund eine Baseballkappe von den Red Sox mitbrachte.
Der Tiroler Walter Klier, den ich von seiner Zeitschrift “Gegenwart” kenne und der mit Stefanie Holzer 1990 unter dem erfundenen Pseudonym Luciana Glaser den Roman “Winterende” herausgegeben haben soll, beschreibt wie er mit sechzehn in England war und “Weinen mit Meryl Streep” von Lutz Herbert ist besonders insteressant. Da fährt einer nämlich nach Bad Harzburg, dicht an der ehemaligen DDR gelegen, um sich dort in ein Hotel einzuquartieren und endlich seinen Führerschein zu machen. Die vielen Kinos haben ihm nämlich bisher daran gehindert. In Bad Harzburg gibt es nur eines, das von einem alten Paar geführt wird und ständig denselben Film spielt, also bleibt ihm gar nichts anderes über als den Führerschein zu schaffen, vorher bekommt er aber noch einen Abzess am Hintern, das ihm fast daran hindert, dann wird dank der Salbe eines Apothekers aber alles gut.
Die sechzehnte Geschichte ist wieder von Hans Scherer und sprengt das Thema, schildert sie diesmal nämlich die letzte Reises eines der an der Rheinstrecke immer alle Bücher und Zeitschriften ausbreiten um doch nie zu lesen. Bevor die Reise zu Ende ist, wird er vom Schaffner tot im Abteil aufgefunden und ich habe die männlichen Adoleszenzgeschichten der späteren Reporter und Autoren sehr genossen, mich an meine ersten Reisen ins Work Camp nach Epsom nach meiner Matura und die zwischen Rigorosen und Promotion nach Dänemark 1979 erinnert und werde mich demnächst, das “Erste allgemeine Nichtreisebuch” geben, das ich vom Alfred vor Jahren schon zu Weihnachten bekommen habe.
Und hier ein paar Sommer– und Reisebücher