Sommerbücher

Die Frage nach den Sommerbüchern scheint sich in einer Sommerfrische zu stellen und ist auch in der letzten Zeit in Blogs oder per Aussendung an mich herangetreten.
Daß man man im Sommer spezielle Bücher lesen kann, darauf bin ich, glaube ich, 2009 oder 2010 durch “Leselustfrust” gekommen, weil die damals in die Buchhandlungen gegangen ist und danach fragte.
Als wir vor zwei Jahren in Polen waren, hatte ich, glaube ich, ein Sommerbuch mitgenommen, das ich schon ein Jahr vorher in der hohen Tatra halb gelesen habe und Buzaldrin berichtete Ende Juni auch von einer “Zeit-Beilage”, die ihren Lesern Sommer und Urlaubslektüre empfahl.
Na ja, der Urlaub bietet sich an, den Lesern eine spezielle Lektüre zu verordnen, so empfiehlt die Zeit neun Bücher, wahrscheinlich Neuerscheinungen, das von Joachim Meyerhoff, der ja jetzt in Klagenfurt las, ist dabei und ich kann mich erinnern, als ich vom Klinischen Mittag nach Grinzing zum Zwischenweltsverlagfest hinausging, das war in der Woche, wo es so heiß war, bin ich in der Gymnasiumstraße bei einer kleinen Buchhandlung vorbeigekommen und stehengeblieben, um mich durch die Abverkaufskisten durchzuwühlen, da hat mich die Buchhändlerin angesprochen, daß es drinnen Bowle gebe, sie feierten nämlich ein Sommerfest und auf den aufliegenden Zetteln stand, daß der Sinn des Festes sei, daß man sich in Ruhe die Sommerlektüre besorgen könne, für die mit dem kleinen Geldbeutel, gäbe es einen Flohmarkt.
Ein Buch habe ich mir um einen Euro gekauft, es steht nicht auf meiner Sommerleseliste, denn da hatte sich schon das passende angesammelt. Bis zur “Wand” bin ich ja auf meiner Leseliste gekommen, als wir nach Harland zur Sommerfrische aufbrachen und, daß ich Hans Scherers “Meine erste Reise”, ein Buch das vor einiger Zeit im Wortschatz gefunden habe, nach Harland gemeinsam mit Julia Cameron “Der Weg des Künstlers”, dem kreativen Writinglehrbuch, mitnehmen wollte, hatte ich schon geplant.
Dann habe ich aber umdisponiert. Die “Erste Reise-Geschichten” in Wien gelassen, in das ich ja jede Woche zwei Tage komme und Geschichten lassen sich ja zwischendurch lesen und auch so bloggen und noch ein Sommerbuch nämlich Seydlitzs “Sommertöchter” hat sich da angesammelt, das ich in Wien lesen will und in Harland habe ich die erste Woche an den drei Bänden von Sigrid Undsets “Kristin Lavranstochter” gelesen, was zwar nicht unbedingt zum Sommer passt, aber auf der Liste steht und was dann auf mich im Juli und im August wartet, ist interessant und spannend und ich freu mich schon aufs lesen.
Nämlich ein paar Abverkaufsbücher vom “Thalia” in der Kremsergasse, die sich so nach und nach angesammelt haben.
Da wird nach der eingeschobenen “Cameron”, Nick Hornby “All you can read”, ein Buch übers Lesen folgen, auf das ich schon freue. Liza Marklund “Mias Flucht”, da geht es, glaube ich, um Gewalterfahrung. Sarah Kuttners “Mängelexemplar”, Reinhard Kaiser-Mühlecker “Der lange Gang über die Stationen”, Leah Cohns “Der Kuß des Morgenlichts”, lauter Bücher, von den ich schon gehört habe und die ich für sehr spannend finde. Als ich die Sommerfrische begonnen habe, habe ich bei meiner ersten Radtour den St. Pöltner oder Viehofner “Offenen Bücherschrank” bei der Seedose entdeckt, bei dem ich mich eindecken kann, wenn mir der Lesestoff ausgeht, obwohl der eher eine Ramschansammlung zu sein scheint und mit den Kästen am Margaretenplatz und in der Zieglergasse, wo man ja wahre Schätze findet, nicht zu vergleichen.
Ich werde aber meine doppelte “Sigrid Undset” hineinstellen, für die die es interessiert.
Und ein Buch, das auf meine Sommerleseliste kommen wird, habe ich doch gefunden, nämlich von Johannes Twaroch herausgegebene Texte zur “Niederösterreichische Literatur im Aufbruch – 20 Jahre Arbeitsgemeinsacht für Literatur”, was sicher sehr interessant zu Lesen ist und in die Sommerfrische passt.
Was sind aber eigentlich Sommerbücher? Krimis wahrscheinlich oder solche, die das Wort im Titel haben. Gesammelte Geschichten über Urlaub, Reisen etc oder das, was besonders interessiert, was bei mir die kreative Writingbücher oder Bücher über Bücher sind, die Urlaubsschmankerln sozusagen und da passt natürlich ein Buch über niederösterreichische Literatur zu Harland in St. Pölten.
Als ich dann nach Hause kam, habe ich ein Mail von Doris Lind, vom literaturmanagement.at, bekommen, die mir ja immer ihre Nachrichten schickt und die hat mich auf ein paar Sommerbücher zum Thema See aufmerksam gemacht.
“Grundlsee” ist dabei, das ich schon gelesen habe und Rene Freund “Liebe unter Fischen”, auf das ich noch warten muß. Aber auch Klassiker wie Gerhard Roths “Der See” und Barbara Frischmuth “Die Mystifikationen der Sophie Silber”, beides habe ich, glaube ich, schon gelesen, was mich daran erinnert hat, daß ich wahrscheinlich noch einige “Seebücher” auf meinen Leselisten haben.
Es ist ja auch eine schöne Vorstellung in den Urlaub mit einer ganzen Tasche Sommerbücher aufzubrechen. Manchmal findet man auch in den Bücherschränken diesbezügliches und die Harlander Sommerleseliste habe ich mir ja schon im letzten Jahr angelegt und dementsprechend erweitert.
Urlaub und Bücher gehören ja zusammen und da ich mir meine Sommerlesepläne nochmals durchgesehen habe, macht mir die Sommerfrische nochmals Spaß.
Weil ich in ihr ja intensiv am “Literaturgeflüsterbuch” korrigieren will, wird es keinen entsprechenden Lesemarathon geben. Es sei denn ich werde früher fertig und sitze am Land fest, weil ich meine Materialsuchtage besser in Wien mache, aber da habe ich ja Stadtschreiberpläne und mein diesbezügliches Büchlein hat sich inzwischen auch ganz schön gefüllt.
Was tut sich sonst in Sachen lesen, nachdem der intensive Klagenfurter Lesemarathon jetzt vorüber ist?
Es tut sich Neues in Sachen Martina Gercke, deren Seite ich ja sehr intensiv verfolge. Die hat ihre beiden “Küßchenbücher” ja neu bearbeitet wieder herausgegeben und die Leserunde bei lovelybook, nachdem zuviel Widerstand gekommen ist, zurückgezogen.
Jetzt soll “Glücksstern mit Schwips” als neues E-Book von ihr bei Amazon erschienen, das es schon als Cover zu sehen gibt und das ist auch interessant, wie sich das weiterentwickeln wird, obwohl ich mich vom E-Booklesen, weil ich ja keinen Reader habe und auch so, inzwischen zurückgezogen habe.
Im vorigen Sommer habe ich sozusagen als Experiment von Haymon die Vorschauen als E-Books bekommen, jetzt werde ich eher konventionell weiterlesen und spezielle Urlaubs- und Sommerbücher machen die Sommerfrische spannend, obwohl ich mich sonst eher konsequent an meine (endlos langen) Leselisten halte.

Der lange Gang über die Stationen

Es ist ein sehr bedächtiges Buch, das der 1982 in Kirchdorf an der Krems geborene Reihard Kaiser-Mühlecker da 2007 geschrieben hat. In einem altmodisch fast märchenhaften Ton erzählt da einer von seiner Frau. Er, der junge Bauer, der mit der Mutter und dem kranken, unsichtbaren Vater auf dem Hof lebt, heißt Theo oder Theodor und hat eine namenlose Frau, eine Städterin aus Linz dorthin gebracht.
So erzählt er uns von seiner Frau, mit der in arbeitsarmen Zeiten einen Ausflug durch die Gegend macht, von seiner ersten Autofahrt, auf die ihn ein Bekannter der Frau, sozusagen als Hochzeitsgeschenk nimmt. Die Frau, die Städterin ist schon mit dem Auto gefahren, er nur mit dem Zug und weil es an der Zeit ist, nimmt er sich auch ein halbes Jahr Auszeit und verschwindet irgendwohin Er kommt zurück und lebt weiter mit ihr auf den Hof, nimmt einen Knecht auf, der irgendwann mit einem Bündel erscheint und dann auch verschwindet.
“Irgendwann sehen wir uns wieder!”, sagt er zum jungen Bauern, der ihn vorher gefragt hat, ob er ihn nicht vielleicht zu hart halten würde? Es gibt Begegnungen mit einem alten Mann, mit dem Nachbarn, von der warmen Küche auf der immer irgendwelche Töpfe stehen, wird erzählt und von den toten Vögeln, die er, von den Katzen verfolgt, in die Erde gräbt.
Dann fährt er mit der Frau in die Stadt, nicht nach Linz, sondern nach Wien, wo er natürlich noch nie war und sich in den Weiten natürlich unwohl fühlt (von den großen Städten mit denen natürlich Innsbruck gemeint ist, hat Gerhard Kofler einmal in einem Gedicht geschrieben.)
Theo geht die Frau aber auf die Nerven, die ganz ungeniert in seinem Dialekt nach den Straßen fragt, die sie eigentlich kennen müßte, denn sie war schon einmal da. Er geniert sich für den Dialekt und eingeladen sind sie natürlich von dem Bekannten. Theo fällt nur ein nach dem Dach zu fragen und ist enttäuscht, daß man dieses ganz leicht reapieren kann.
Am Land zurück gibt es Sorgen und das Ehepaar entfremdet sich noch viel mehr mehr. Der Frau ist Theo zu ungepflegt, aber der muß sparen und will sich deshalb keine Rasierklingen leisten. Es gibt zwar einen Kredit für den Schafstall, den er bauen will, der Bankdirektor schüttelt aber besorgt den Kopf und wir lesen von einer Welt, wo es zwar Banken und Tanzlokale, aber keine Krankenkasse zu geben scheint. So kann sich die Mutter keine Brillen leisten und der Vater stirbt.
Der Freund und Nachbar mit dem und dessen toter Frau Theo in seiner Jugend tanzen war und der früher trank, als Theo ihn unbedarft zum Schnapstrinken auffordert, ist die Frau entsetzt, erhängt sich und Theo schafft es nicht, den Pfarrer zu einem christlichen Begräbnis zu überreden.
So begräbt er ihm am Hof. Darf man das überhaupt? Die Frau fährt immer öfter in die Stadt, ob zu ihren Bekannten oder zu einer Abteibung ist nicht ganz klar. Sie antwortet nur einmal nach der Rückkehr, als Theo sie fragt, ob ihr morgens noch schlecht sei “Jetzt nicht mehr!”
Am Ende verschwindet Theo, der für Schnaps und Zigaretten doch Geld zu haben scheint, mit beiden im Wald und wir haben ein beklemmendes Stück Literatur, eines sehr jungen Mannes gelesen, das die Literaturkritik glaube ich auch ein bißchen in Verlegenheit brachte, das Arnold Stadler, aber als “großes Glück”, am Buchrücken beschreibt.
Ein sehr bedächtiger, erster Roman, mit schönen, sehr genauen Beschreibungen, die immer wieder nicht in die Zeit zu passen scheinen, denn die Knechte, die gar nicht mehr so heißen, tragen, glaube ich, keine rotkarierten Bündeln mit sich herum und auch am Land ist man wahrscheinlich schon mit dem Auto gefahren, wenn die Städterin Sommerkleider mit schmalen Trägern und schöne Stiefeln trägt, der 2008, für einen jungen Autor ungewöhnlich, gleich bei Hoffmann und Campe erschienen ist.
Bei einer literarischen Soiree habe ich das erste Mal von ihm, der hoch gelobt und vielleicht auch ein bißchen berätselt wurde, gehört. Ich war auch bei einigen Lesungen.
“Wiedersehen in Fiumicino”, das dritte Buch, habe ich gelesen. Dazwischen erschien “Magdalenenberg” und jetzt “Roter Flieder”.
Alle vier Bücher bei Hoffman und Campe. Das letzte Mal habe ich Reinhard Kaiser-Mühlecker, glaube ich, in der “Aten Schmiede” bei einer Lesung, wo er Wolfgang Hermann moderierte, gesehen. Kurt Neuman fragte ihn da nach dem neuen Roman, der inzwischen erschienen sein dürfte.
Ein interessanter literarischer Erstling, den ich da bei “Thalia” in der Abverkaufskiste gefunden habe und eine interessante literarische Karriere, die Reinhard Kaiser-Mühlecker da gelungen ist, der sein Schreiben inzwischen auch verändert hat und neuzeitlicher geworden ist.