Das Loch

Das dritte bei “Kremayr&Scheriau” erscheinene Buch der 1985 in Freudenstadt geborenen Simone Hirth, die das “Leipziger Literaturinstitut” besuchte und offenbar mit Kind als Lektorin und freischaffende Autorin in Kirchstetten lebt.

Ich schreibe offensichtlich, denn in dem Briefroman “Das Loch”, geht es um Briefe, die eine offensichtlich in das “Mutterloch” gefallene Frau an Gott und die Welt schreibt. um von dort wiederherauszukommen,.

Auf den etsten Seiten steht aber gleich “Handlungen und Personen in dem Buch sind erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlich existierenden Personen ist nicht beabsichtigt und wäre daher Zufall.” und dann sind diese Briefe an den Kanzler, an die Frauenministerin, an Jesus, Buddha, Mohamed, gerichtet.

Gut, könnte man sagen, der Kanzler und die Frauenministerin trägt keinen Namen und Jesus und Buddha hat es vielleicht nicht gegeben, den “Werther” auch nicht, denn der ist eine Romanfigur, die Ulrike Meinhof, schon, und die Madonna, die Popikone, nicht die “Maria”, die Mutter Jesus, die auch noch vorkommt und dann gibt es noch den “Frosch”, das “Mumeltier”, und und , daß Simone Hirth sehr originell ist und ungewöhnliche Einfälle hat, weiß ich schon von ihrem Debutroman, obwohl das, was da in den Briefen vom 31. Dezember 2017 bis 31. Dezember 2018 da beschrieben wird, gar nicht so originell ist, sondern das, was wahrscheinlich jede Mutter im ersten Lebensjahr ihres Kindes erlebt und ich das Buch, die Doppelszusendung, ich habe es zweimal bekommen, wahrscheinlich der Anna geben werde, die zwar eine Tochter und keinen Sohn hat, aber vielleicht ebenso empfindet oder doch nicht so ganz, denn die namenlose Briefschreiberin, das heißt, sie unterschreibt ihre Briefe manchmal mit “Henriette”, dann aber wieder mit “eine Gläubige”, “eine Mutter”, “eine Fernseherin”, etcetera, hat das “Literaturinstitut in Leipzig” absolviert.

Das steht auch in einem der Briefe, hat eine Lesung und eine Stipeniuumswohnung, die sie mit Sohn und Mann Jakob, bezieht und auf eine Buchmesse geht es auch.

Aber dann ist es schon aus, denn die Tagesmutter in dem Ort, er wird “Unterfelden” genannt, ist über Jahre ausgebucht. Der Bürgermeister hat keinen Kindergartenplatz für die zweite Mutter, die sie dann doch kennenlernt. Der Mann Jakob scheint sich zu vertschüßen und ist nie da, wenn der Sohn schreit und die Schweigermutter stellt ihr ein Glas Nutella in den Eiskasten, das dann auch einige Briefe bekommt, bevor es verschimmelt weggeschmissen wird.

“Liebes Loch, du kannst deine Koffer packen du bist raus, gute Reise!”, steht als versöhnlichesEnde auf einer Ecke der orangen hinteren Vorumschlagseite und ich kann das Buch jeder jungen Mutter oder auch den anderen, die sich für das erste Jahr mit Kind, das schreit und schreit und doch sehr geliebt wird, sehr empfehlen.

Eine interessante Lektüre, obwohl mich am Anfang der Titel abgeschreckt hat, was aber eigentlich unverstänlich ist, denn ich habe ja auch schon von einem “Pensionsloch” geschrieben.

Heute ist Mittwoch

Jetzt kommt der neue und wie im Klappentext steht, bisher politischste Roman des 1948 im heutigen Kosovo geborenen und in Kanada lebenden oder gelebt habenden David Albahari, den ich einmal bei der “Literatur im Herbst” kennenlernte und von dem ich “Die Ohrfeige” und “Mutterland” in meinen Regalen, aber noch nicht gelesen habe.

Im Klappentext steht weiter etwas von “Schwarzen Humor und erzählerischer Raffinesse mit der vermeintliche Wahrheiten über  Opfer und Täter in Frage gestellt werden” und es ist wahrhaft ein in sich habender Roman oder Kammerstück, für das man etwas Geduld benötigt um sich in es hineinzulassen und nicht in den vermeintlichten Widersprüchlichkeiten stecken zu bleiben.

“Es ist Mittwoch”, heißt das Buch, steht auch im Klappentext, weil am Mittwoch ein Mann, der namenlos gebliebene Ich-Erzähler, seinen an Parkinson erkrankten Vater in eine Belgrader Klinik zu einem Dr. Stankovic zur Untersuchung bringt und man denkt, aha, das Buch spielt an einem Tag, aber weit gefehlt, denn der Sohn geht auch am Donnerstag mit seinem Vater in die Klinik und sonst an die Donauufer spazieren und versucht da aus ihm seine Täterschaft im kommunistischen Gewaltregime herauszulocken, beziehungsweise erzählt der Vater sie ihm, weil sie laut Klappentext bei ihren Spazierengängen einem Mann begegnen, der ihm an seine Vergangenheit erinnern.

Der Sohn ist Ende fünfzig, seine Schwester drei Jahre älter, geschieden und deren Töchter, die Zwillinge, Mila und Anka, die deshalb und das gehört wohl zu dem beschriebenen Humor, so heißen, weil man leichter zum Abendessen “Mlilanka, essen fertig!”, rufen konnte, so daß diese nur in der Wir-Form redeten, was den Großvater reizte.

Jetzt sind die Zwillinge längst erwachsen, der Sohn ist nach dem Tod, der an Krebs verstorbenen Mutter zum Vater gezogen, um ihm beim Anziehen zu helfen, beziehungsweise zu den besagten Untersuchungen zu bringen und die Mutter hat der Vater, der offenbar, um einiges älter als sie war, obwohl das im Buch, glaube ich, nicht explizit erwähnt wird, kennengelernt, als er ein junger oder älterer Kommandeur war und sie noch Zöpfe hatte, die sie laut ihm abschneiden oder ihre Unterhose ausziehen sollte.

“Die Zöpfe gebe ich nicht her und die Unterhose hängt noch auf der Wäscheleine, weil man sie feucht nicht anhziehen und mit einer schmutzigen auf keine Kommatur gehen soll!”, sagte die Mutter und hat den Vater, der sie später quält, geheiratet.

Diese Stelle wird, was vielleicht ein wenig ungewöhnlich ist, dreimal im Buch wiederholt, später erfahren wir, der Monolog des Buches gibt das Geschehen nicht chronolisch wieder, daß sie den Vater, der nicht nur bei der Enteignung, die Bauern erschoß und folterte, sondern selber in einem Lager, auf der berüchtigten “nackten Insel” war, an das ihn jener Unbekannte auf der Promenade erinnerte, verraten hat, in dem sie angab, daß er “Stalin in den Arsch kroch oder so”

Jetzt ist aber die Mutter gestorben, der Vater anParinkson erkrankt, die Schwester, deren Gatte ebenfalls ein Ekel war, geschieden und bekocht Vater und Sohn täglich, während sie sich weigert ihn in seiner Wohnung zu besuchen. Auch so ein Widerspruch.

Es geht um die Frage der Schuld und, wie man es aushält, einen solchen Vater zu haben, das wurde schon erwähnt und darum, ob der Parkinson, die Strafe Gottes oder von wem auch immer, für das kommunistische Foltern ist und der schwarze Humor äußert sich auch gleich am Anfang, als der Sohn den Art nach Viagra fragt, weil der Vater dieses nehmen will.

“Warum nicht?”, antwortet dieser.

“Parkonson spricht nicht dagegen, nur der hohe Blutdruck täte dieses!”

So stapfen sie in die Apotheke, die Apothekerin hat nur eine 100 mg Packung. Sie kaufen noch ein paar solche und die Schwester schimpft dann mit dem Sohn, als die Packung in der Manteltasche leer ist, der Sohn geht wieder zu Dr. Stankovic, denn der Vater hat etwas von der Krankenschwester Nadica erzhlt, mit der er gern-

Die lacht dem sohn aus und sagt, sie habe ihn das Wasser für die Tablette gegeben, ihn ins Wartezimmer gesetzt und später laut vor den Patienten gefragt, ob er eine Erektion hätte?, worauf er errötet verschwunden wäre. Das tut der Vater, dement geworden, um vor seiner Vergangenheit zu flüchten, wie der Sohn vermutet oder mit dem Arzt deshalb darüber streitet, später noch einmal. Denn jetzt will der Sohn ihn in ein Heim überstellen, wird aber ein paar Tage später aus der Klinik angerufen, daß der Vater während der Untersuchungen verschwunden ist.

Ein interessantes Buch in dem man viel über die Geschichte Jugolsawien erfahren kann, in einem interessanten Stil geschrieben, den ich sehr empfehlen kann und mir daher wieder vornehme, auch meine anderen Albahari-Bücher, eines habe ich  bei unserer Donauradreise vor ein paar Jahren in Ulm bei dem Thalia-Abverkauf, den es dort gab, um einen Euro gekauft, möglichst bald zu lesen.

Robin und Lark

Eine Neuerscheinung einer mir bisher unbekannten kanadischen Autorn, “Robin und Lark”, der 1972 in Montreal geborenen Alix Ohlin, die schon viele Preise gewonnen hat und das kreative Schreiben lehrt.

Bei “Robin und Lark”, geht es um ein Frauenleben oder auch, wie im Klappentext steht, um die Beziehung zweier ungleicher Schwestern, die von einer sehr jungen und wahrscheinlich überforderten gefühllos ambivalenten und sehr auf ihr eigenes Leben bezogenen, alleinerziehenden Mutter, ziemlich auf sich allein gestellt aufgewachsen sind und die irgendwie Vogelnamen bekommen haben. Lerche und Rotkehlchen und Lark die ältere, nimmt sich um die vier Jahre jüngere Robin an, erzieht sie mehr, als es die Mutter tut.

So kommen sie zu einem “Hexenhäuschen”, wo aber keine Hexe, sondern eine Klavierlehrerin lebt, die Robins großes Talent erkennt.

Lark, die Erzählerin fühlt sich dagegen von Filmen angesprochen, ist schon als vierjährige, wie sie schreibt allein in einem Kino gesessen und hat das Geld für die Karte der Mutter geklaut. Das erscheint mir ein wenig unglaubwürdig, mit der politischen Korrektheit geht es auch sehr locker zu, so wird offen geschrieben, daß die Mädchen klauen und ihre Freunde dealen und Lark bewirbt sich in einem College in Amerika. Sie hat sehr gute Noten, so bekommt sie ein Stipendium, muß aber trotzdem einige Jobs aufnehmen, so wird sie die Assistentin einer Filmlehrerin und Robin von der sie in dieser Zeit wenig hört, hat sie auch verlassen.

Die taucht aber bald in den USA auf, weil sie Schwierigkeiten mit einem der  Freunde ihrer Mutter hat. Lark kümmert sich um sie, sie ziehen zusammen in eine Wohnung, wo Lark schon während des Sommers gelebt hat, weil sie nicht nach Kanada zu der Mutter fahren wollte.

Sie verschafft ihr auch Klavierstunden und als sie das College hinter sich hat, wird Lark auf eine Filmhochschule in New York aufgenommen. Robin bekommt einen Freiplatz  an einer Nobelmusikuni, wo ihr Talent ein wenig heruntergebrochen wird.

Die schüchterne Lark, die kaum aus sich herausgeht, überwindet sich und spricht plötzlich einen berühmten Filmemacher, der auf die Uni kommt, an und wird später sowohl seine Geliebte, als auch seine Assistentin, während Robin auf Auslandstournee gehen soll.

Aus Schweden kommt dann eine Karte mit der Aufschrift “Such nicht nach mir!”

Die impulsive Unberechenbare hat die Tournee abgebrochen und bleibt für einige Jahre verschwunden. Später erzählt sie der Schwester, daß sie damals schwanger war, das Kind aber verloren hat. Sie bricht ihre Pianistenlaufbahn ab, jobt an verschiedenen Stellen und zieht sie schließlich in die Berge zurück, wo sie Wölfe und Klaviere rettet.

Lark verläßt, als sie Mitte dreißig ist, den Filmemacher, weil sie ein Kind  will, er aber schon eine Tochter hat, zieht nach New York , wird Cutterin und widmet sich fortan ihrem Kinderwunsch.

Was nicht so einfach ist, denn mit denDatingforen klappt es nicht so sehr, so probiert sie es mit der künstlichen Befruchtung, was mich ein wenig wundert, daß das in Amerika oder Kanada so leicht geht, die Schwester wird jedenfalls die Leihmutter und die eigene Mutter stirbt knapp sechzigjährig, bevor sie, weil dement geworden, in ein betreutes Wohnheim umziehen soll.

“Robin und Lark” ist ein tief berührendes Werk. Ein poetischer Bericht über das Leben zweier Frauen, ihr Scheitern, ihre Hoffnungen und letztlich ihre Befreiuung”, steht am Buchrücken und ich bleibe ein wenig ambivanent zurück, denn einerseits ist es sicher ein berührendes Buch, dessen Sog eine mitreißen kann, andererseits ist aber auch eine Aufeinanderreihung der Episoden eines vielleicht ein wenig ausgeschmückten, prekären Frauenlebens und man könnte sagen, daß die für einen Roman doch so geforderte Plot und die Handlung fehlt.

Winterbergs letzte Reise

Nun kommt noch ein Nachtrag zum Tschechien Schwerpunkt, der letzten Leipziger Buchmesse, ein Buch das  mir der Alfred in Göttweig kaufte und das natürlich auch zum Centrope-Workshop der Gegenwartsliteratur passt, nämlich Jaroslav Rudis “Winterbergs letzte Reise”, das auf Deutsch geschrieben wurde und ich habe den 1972 in Turnov geborenen Schriftsteller, glaube ich, bei meinem ersten “Literatur und Wein” Besuch kennengelernt, inzwischen “Grand Hotel” und “Die Stille von Prag” von ihm gelesen und den “Winterberg” mir in Göttweig von dem sehr freundlich grüßenden Autor auch signieren lassen und es ist ein fulminates Buch, das wie am Buchrücken steht “Die Geschichite Mitteleuropas, so wie noch nie erzählt” .

Bei “Amazon” schreiben einige, daß sie das Buch abgebrochen haben, weil es aus vielen Wiederholungen besteht und es stimmt, es ist auf eine, was wahrscheinlich Rudis Spezialiät ist, eher flapsige Art geschrieben. Manches erscheint mir auch übertrieben, bei manchen  bin nicht so recht mitgekommen, habe es überlesen, etcetera.

Da ist also der Ich-Erzähler Jan Kraus, ein Altenpfleger, so um die fünfzig würde ich schätzen, wenn ich die Handlung richtig mitbekommen habe, er ist aus der Tschechoslowakei geflüchtet, war im Gefängnis und hat genauso seine geschichtllichen oder Lebenstraumen, wie der alte Wenzel Wintersberg, 1918 geboren, also so alt, wie die Feuerhalle in Reichenberg und die Tschoslowakei und jetzt in Berlin lebend oder sterbend sozusagen und Jan Kraus, wurde von seiner Tochter zu ihm bestellt, um ihn zu betreuen oder, wie es Jan Kraus nannte, ihn auf seiner letzten Überfahrt zu begleiten.

Er liegt auch im Bett, als Kraus in der Wohnung auftaucht, der hält ihm aber ein Buch hin und liest ihm Worte vor und nach ein paar Tagen, was ich ein wenig unrealistisch finde, ist er kerngesund und macht sich mit Kraus auf eine Fahrt durch die alte Donaumonarchie mit einem alten Baedeker von 1913 auf, um seine erste Frau die “Frau im Mond” Lenka Morgenstern wiederzufinden, die ihm, weil sie als Jüdin Reichenberg verlassen mußte, Karten aus Wien, etcetera bis Sarajevo schrieb, wo dann nichts mehr kam und die Beiden machen sich auf eine Eisenbahnfahrt, um diese Städte zu bereisen.

Aber eigentlich wollen sie nach Königsgrätz oder das Buch beginnt dort, denn Königgrätz, beziehungsweise die Schlacht dort, ist an allem schuld, wie Wintersberg sagt, schuld an seinem historischen Leiden und so reisen die Beiden mit dem Baedeker dahin. Wintersberg liest vor, unterhält laut den ganzen Zug mit den Preisen der Hotel von damals, wieviele Heller man Trinkgeld gibt und den Orten, die in dem alten Buch empfohlen werden. Kraus haßt und verflucht ihn, will ihm mehrmals verlassen, bringt das nicht zusammen und in Wien besuchen sie sowohl die Kaisergruft und das heeresgeschichtliche Museum. Sie trinken natürlich Bier und logieren oder essen im Cafe Sarajevo, nahe dem heutigen Hauptbahnhof, da treffen sie dann auch die Tochter Silke wieder, die Kraus zuerst verhaften lassen will, ihn später aber zur Weiterfahrt auffordert und so reisen die Beiden weiter. In Brünn wird ihre Reise unterbrochen, weil Kraus einen Herzanfall erleidet, ins Spital muß, wo Winterberg ihn jeden Tag besuchen kommt und ihn jedesmal eine Flasche Bier mitbringt, die sich dann auf seinem Nachtkästchen häufen.

Sie reisen weiter nach Sarajevo, aber dorthin gibt es keine Züge mehr, so müßen sie von Zagreb aus, wo sich angeblich der schönste Weihnachtsmarkt befindet, ja richtig, das Buch spielt im Winter, um die Weihnachtszeit, mit dem Bus fahren, was aber auch nicht gelingt, denn die Bosnier, die dort heim zu ihren Familien reisen, bieten ihnen Schnaps an, der Wintersberg so in Rage bringt, daß er aus dem Bus geschmissen wird.

So geht es zurück nach Berlin, wo sie aber auch nicht lange bleiben und schließlich entschwindet Wintersberg in einem Schneestum oder kommt dort um, macht sich auf, auf seine letzte Reise und Jan bleibt in der Wohnung bei der Tochter sitzen oder will sich auch auf seine letzte oder vorletzte Reise machen.

Man weiß das nicht so genau , denn das Buch ist sehr widersprüchig und Jaroslav Rudas, ein Meister des Erzählens und höchstwahrscheinlich ein sympathischer Mann.

Der rote Judas

Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich erst in Leipzig lesen sollte, denn es spielt in dieser Stadt im Jännner 1920, als die letzten Kriegsheimkehrer mit nur einem Arm oder einen Bein von der Gefangenschaft zurückkamen, da man aber mit den Neuerscheinungen, wenn möglich nicht so lange warten soll und das Buch auch im Jänner bis Februar spielt, also auf zu Thomas Ziebulas “Roten Judas”, der offenbar vorher schon viele historische Romane und Fantasy geschrieben hat und es jetzt einmal mit einem historischen Krimi versucht und ich muß sagen, es ist ein sehr gutes Buch mit allen geforderten Spannungseffekten, auch wenn vielleicht darum, nicht alles so logisch erscheint, gut recherchiert scheit es aber  zu sein.

Ich habe ja schon einige Krimis und andere Bücher über das Jahr 1918 und dem Ede des World War ones gelesen, den ich ja auch literarisch die letzten Jahre begleitet habe, die spielten aber meistens in Wien und da kann ich noch anfügen, über die Weimarer Republik habe ich auch etwas gelesen.

Also wieder schön der Reihe nach, damit sich meine Leser nicht aufregen, daß ich schon wieder unverständlich schreibe, da ist der ehemalige Kommissar und jetzige Major oder so was, Thomas Stainer, der mit dem Verwundetentransport aus Frankreich heimkommt.

Er ist zwar nicht körperlich verwundet, aber traumatisiert, also doch, hat Gedächtnislücken, Schreikrämpfe, etcetera. Kann nachts nicht schlafen, weil ihm die Schrecken von der Front durch den Kopf gehen und wurde deshalb auch psychiatrisch behandelt. Seine Frau hat ihn auch verlassen, beziehungsweise lebt sie jetzt mit einem ebenfalls traumatisierten Oberarzt ihrer Klinik, sie ist Hebamme, zusammen.

Er wird aber trotzdem wieder in den Polizeidienst einberufen und da und das ist eine der Unlogigkeiten in dem Buch zum Inspektor hinaufbefördert und hat gleich einen oder mehrere Fälle aufzulösen, denn es werden einige Kriegsheimkehrer ermordet und langsam führen die scheinbar unabhängigen Fälle zu einem einzigen großen zusammen.

Tiere, was das Buch sehr sympathisch macht und ihm seine besondere Note gibt, kommen auch wieder vor. Als Stainer zum Dienstantritt fährt, muß die Straßenbahn stehenbleiben, weil Bengels ein Kätzchen in eine Blechdose gesperrt haben und über die Straße jagen. Das nimmt er zu seinem Dienstantritt mit und nennt es Eule. Es gibt dann noch einen Schäferhund, auch ein Symbol, einen die Internationale singenden und unflätig schimpfenden Papgei und einen Kanarienvogel, der zusehen muß, wie der, er ihn füttert, ermordet wird und die polizeilichen Ermittlungen werden durch die eigene Kollegenschaft auch immer wieder behindert. Akten verschwinden und tauchen später im Papierkorb auf, Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Zeugen verschwiegen, etcetera, denn die Polizeimannschaft ist, wie offenbar das ganze Land in zwei Lager, in das Rote und das Nationale gespaltet. Paul Stainer gehört zu der roten Fraktion. Ich kann gleich spoilern, daß er der rote Judas ist, während sein durch den Krieg querschnittgelähmter Vater, der trotzdem mit seinen Orden und dem Uniformmantel im Rollstuhl herumfährt der nationalen Seite angehört und an der Front, wo unaussprechliche Grausamkeiten passierten und unnötige Schießbefehle gegeben wurden, hat es Leute gegeben, die sie verweigerten, deshalb zum Tod verurteilt wurden, trotzdemmehr oder weniger verwundet nach Leipzig zurückkamen, sich selbst anzeigen oder Bücher über die Greuel schreiben wollten und nun nach und nach erhängt oder erschoßen werden und nach einer Aktentasche im Kartoffelkeller, auch einer der Unlogikeiten oder Akten im Tresor einer Villa in Gohlis wird auch besucht

Rilkes Gedichte kommen immer wieder vor, die Straßenbahn fahrenden Schaffnerinnen, die auch in dem Buch “November 1918” erwähnt werden und auch etwas, was vielleicht, als das Moralisierende des Autors interpretiert werden könnte.

Denn Stainer will seine Edith zurück. Sie scheint das auch zu wollen, trotzdem werden aber sie und Dr. Brandt erschoßen, weil die Täter diesen für Stainer hielten, was diesen dazu veranlaßte, besonders scharf hinzusehen, seine Befugnisse übertreten und den Mörder seiner Frau schließlich im Wasser ertrinken läßt, weil man mit einem Arm ja nicht schwimmen kann.

Interessant, die traumatisierten Männer, so deutlich habe ich das noch nie gelesen, die Stainer schließlich in die Obhut eines Psychoanayltikers und auf die berühmte Coach führen, weil er so sein Amt nicht länger ausüben kann und viele weitere Details, die das Buch, das ich wirklich nur empfehlen kann, auch in Wien  sehr lesenswert machen.

Ein herrlicher Flecken Erde

Die 1968 geborene  Radka Denemarkova, die in Prag Germanistik und Böhemistik studierte, habe ich im Juni 2018 in der “Gesellschaft für Literatur” kennengelernt, als sie dort Cornelius Hell vor den “Gläsernen Vorhang” holte.

Damals gab es nur ein Buch auf Deutsch von ihr, nämlich den “Herrlichen Flecken Erde”, das um zehn Euro verkauft wurde, so daß ich es mir signieren ließ und dann sozusagen auf meinen St. Nimmerleinstagstapel legte. Von dort im Vorjahr wieder hervorgeholt, denn da war ja Tschechien Gastland in Leipzig, was ich mir zwar nur von meinen Zimmer aus angesehen habe, aber Radka Denemarkova von der es inzwischen ein oder zwei neue Bücher gibt, war in aller Munde, und von ihrem China-Buch, das auch Stephan Teichgräber letzten Mai auf seinem Festival vorstellte hat sie, glaube ich, auch in der “Gesellschaft” erzählt und das was dort vom “Flecken Erde” berichtet wurde, hat mich gar nicht so auf das Buch happig gemacht, ein Mädchen kommt vom KZ in das tschechische Dorf zurück und wird von dort vertrieben und wurde beim Lesen wieder mal überrascht, vor allem von der Sprache und der Art, wie Radka Denemarkova dieses für die Tschechen wohl sehr schwierige Thema darstellt.

Sie versucht das Greuel und die Schrecklichkeit in einer sehr abgehobenen symbol- und metaphernreichen Sprache darzustellen, vermischt das immer wieder mit den realen Fakten und hat fast absurd wirkende Nebensächlichkeiten dabei, wie die Linsen, die man in dem Laden, in dem Haus, das einmal ihren Eltern gehört, als geschenk bekommt, wenn man dort, um über hundert Kronen einkauft oder die Erdnußflocken die sich die alte Frau  Stolarova immer wieder in den Mund steckt.

Es beginnt im Sommer 1945, der Krieg ist aus, die sechzehnjährige Gita, die ihre Eltern und ihre Schwester Rosalie im KZ verloren hat, weil sie Juden waren, kommt von dort, in den Gutshof ihrer Eltern zurück, sieht dort fremde Leute am Tisch sitzen und Linsen essen, es sind, glaube ich, die Angestellten ihres Vater Rudolf Lauschmanns, der Landmaschinen sammelte und ein Museum errichten wollte.

Sie wird von drei nun in dem Dorf regierenden Männern zusammengeschlagen, in den Schuppen eingesperrt und soll dort wohl verhungern, die Schwester des Hausbeschlagnahmers rettet sie aber und veranlaßt sie in das Lager, wo die Deutschen aufgesammelt werden, um zurückgeschickt zu werden,  zu gehen.

Sie ist aber keine Deutsche, weil hier geboren und ihr Vater war kein Nazi, sondern Jude, wie sie beteuert, so daß sie zu ihrer Tante Ottla nach Prag gehen kann, dort studiert sie Medizin, wird Pathologin und kommt erst fünfzig Jahre später, als ihre Eltern rehabilitiert wurden, mit einem Rechtsanwalt und ihrer Enkelin, die Jus studiert, in das Dorf zurück.

Sie will  eigentlich nur ein Denkmal ihres Vaters errichten lassen, die Dorfgemeinschaft richtet sich aber gegen sie und der Bürgermeister packt unappettliche Sachen aus, denn der Sohn, des damaligen Hausbesetzers, Denis ist auch Arzt in Prag, so bricht er seine Schweigepflicht und deckt auf, daß Gita Lauschmannova schon ein erstes Mal verheiratet war und wurde auch in der Psychiatrie behandelt, ist also, aha, unzurechnungsfähig, frohlockt der Bürgermeister.

Mit dem sohn Denis hat es noch eine andere Bewandnis, er kommt nämlich schon im Prolog vor, da ist er ein Kind, spielt im Garten und buddelt dort unter dem Baum einen Totenschädel auf, das ist der Bruder von Gita, der vor ihr aus dem KZ zurückkam und in den Gutshof wollte und nach dem die alte Gita immer noch sucht und ihn lebend glaubt, jetzt deckt sie aber vor der Dorfversammlung, während Denis Schwester Natasa, die in Gitas Geburtshaus jetzt einen Laden hat und dort die Linsen in Säckchen packt und sie von einem berühmten Schauspieler, der auch in dem Dorf ein Haus hat, signieren läßt, eine Farce in dem Buch würde ich sagen, auf, daß sie, als junge Frau in Prag das erste Mal verheiratet, während ihr vier Monate alter Sohn im Nebenzimmer schlief, von vier Männern vergewaltigt wurde, die dann auch dem <kind den Kopf abhackten, das und ihre vorigen Traumatisierungen brachten sie auf die Psychiatrie und Denis Mutter klärt ihren Sohn nun auf, wie es damals war, was ihn die Seiten wechseln und zu ihr halten läßt.

Gitas Tramatisierung,  ihr Verhältnis zu ihrer Tochter aus zweiter Ehe und ihre Unfähigkei ihr ihre Liebe zu zeigen, wird sehr dicht beschrieben und die Linsen als Symbol, kommen auch wieder vor, wie auch Gitas Kinderstuhl in dem Haus in Puklice mit dem Bärenmotiv, den sie sich eigentlich für ihr erstes Kind holen will und  jetzt in einem Schuppen steht.

Das Buch ist in einige Teile gegliedert, die immer wieder die zweite, dritte, bis sechste Rückkehr zum Titel vor.

Absurde Stellen untermauern die Tragik, so kommt Denis mit Gita zum Bürgermeister, um ihm von dem Denkmal zu überzeugen und der hält die Beiden, Denis ist ungefähr sechzig, Gita über siebzig, für ein Brautpaar und die alte Mutter soll jetzt statt dem Schauspieler, die Säckchen signieren, verlangt die Tochter Natasa, die Krämerin, die weigert sich, stopft ihre Erdnußflocken in sich hinein und schreibt dann zu Natasjas Mißfallen “Zur Erinnerung herzlich ihre Gita Lauschmannova”, darauf.

“Ein starkes Buch”, hat die Zürcher Zeitung auf die Rückseite geschrieben.

“Eine mutige Auseinandersetzung mit der deutsch-tscheischen Nachkriegsgeschichte”, steht noch darüber und ich hebe vor allem die interessante Sprache, die manchmal irritiert und vielleicht auch verstört hervor, die mich an  Radka Denemarkova und an dem Buch sehr überraschte.

Ewig her und gar nicht wahr

Jetzt kommt eine Neuerscheinung, das erste Debut, das ich 2020 lese und von dem ich schon raten kann, wie es ihm bezüglich des Bloggerdebutpreises 2020 gehen wird.

“Wagenbach” hat mir das Quartbuch von Marina Frenck geschickt und die 1986 in Moldawien geborene und seit 1993 in Deutschland lebende, die auch Schauspielerin und Musikerin ist, ist eine neue frische Stimme im Literaturbetrieb und hat, könnte man so sagen mit einem rotzig frechen Ton, einer starken Poetik und vielen Wendungen und chronologischen Hin- und Herverläufen ihre Familiengeschichte erzählt oder die von Kira Libermann, einer Zeichenleherin, die Kunst studierte,  aber doch nicht so viel ausstellt, wie sie möchte oder man soll, die den dreijährigen Karlchen hat, den sie von seinen Großmuttern Lena und Susanna erzählt und die mit ihrem Freund Marc einem Journalisten doch nicht so zufrieden ist.

Sie zweifelt viel und stellt sich auch viel vor und dann geht es immer wieder in die Vergangenheit und an die verschiedensten Orte ihrer Familiengeschichte zurück, denn da gab es ja den Großvater Aaron, der als zehnjähriger aus Moldawien nach Ukbekistan flüchten und seinen Hund zurücklassen mußte, die Großmutter Sara deren Zehen und, ich glaube, auch ein Finger, während der Flucht abgefroren sind, die Eltern Lena und Wenja, die mit der kleinen Kira Chisinau verließen, um nach Europa zu kommen, immer wieder geht es nach vor und zurück, es geht zum Badeurlaub ans schwarze Meer,  die kleine Kira steht da mit einem Gummikrokodil und die Mutter trägt einen Bikini mit amerikanischen Sternenmuster trägt und Kira, die eifersüchtige, mit Marc unzufriedener, drückt auch ihre Zigaretten an ihrem Körper aus, um sich selbst zu spüren, sie stellt sich ihren Tod vor, unterzieht sich einer Operation, weil sie ein Magengeschwür hat und geht dann doch mit ihrem Karlchen als er fünfzehn ist, Drachensteigen, damit er auch eine Pubertät erlebt.

Alter Wein in neuen frischen Schläuchen, könnte man sagen, habe ich doch erst vor kurzem Alexander Osangs Familiengeschichte gelesen, Sasha Mariana Salzmann hat die ihre 2017 geschrieben  und Katja Petrowskaja hat mit “Vielleicht Esther” 3013 beim “Bachmannpreis” gewonnen.

Die Familiengeschichte ist für den Außenstehenden vielleicht nicht so aufregend, die Sprache war aber schön poetisch, die immer wieder überraschende Wendungen und Sätze enthält: “Mama und Papa brauchen die ganze Zeit für ihre Angst”, während es im alten Auto von Maldawien nach Deutschland geht, wäre ein solcher.

“Ein Mensch der nach sich selbst sucht, verwandelt sich in eine Autobahn”, ein anderer, über den man nachdenken kann.

Diese Sätze lassen aufhorchen, während mich die Handlung mit ihren schnellen Wandlungen und Zeitsprüngen, schließlich treffen alle, auch Marc mit seinen Eltern in einem “Irgendwo und einem Irgendwann in einem Frachtwaggon” zusammen, bevor es wieder in das “Berlin von heute” und auf den OP-Tsch geht, etwas verwirrte und ich nicht sicher bin, ob ich das Ganze, von denen ich viele Teile auch schon in anderen Büchern gelesen habe,  richtig mitbekommen habe.

Und den Titel füge ich, hinzu, der auch irgendwo in dem Buch vorkommt, empfinde ich als sehr schön, erfrischend neu und originell.

2019 in Cartoons und Graphiken

Ein weiterer Jahresrückblick und ein weiteres “HolzbaumBuch”, diesmal trotz des Titels, das erste aus dem neuen Jahr gekommene, sozusagen und eine weitere typische “Holzbaum-Reihe”, die ja sehr gerne alles auch in Graphiken abbildet und auch ein politisches Buch und da war ja in diesem noch sehr jungen Jahr schon einiges los von der Regierungsbildung bis zu der Gründung einer neuen Linkspartei, also schauen wir uns das Jahr 2019 und seine politischen und unpolitischen Gechehnisse noch einmal in  Cartoons und Graphiken an.

Katzi, Daniel Jokesch und Michael Dufek haben das Buch gestaltet und beginnen tut es gleich am Cover mit den Sommerhits, denn die bestanden ja wohl angeblich oder auch tatsächlich aus den Vengaboys und dem “We`re going to Ibiza”, dann geht es zu Ex-Minister Kikl, der übrigens inzwischen eine neue Brille hat und seinem “Multifunktionalen Asylpferd”, dann wird dem Bundeskanzler, dem neuen und dem alten, füge ich hinzu “H.C. Straches Handy Entsperrmuster” präsentiert.

Den Tagesverlauf von Wolfgang Fellner kann man auf einer Tabelle ersehen und man kann auch erfahren “Wie schnell die Österreicher auf der Autobahn fahren”, welche Slogans die SPÖ bei ihrem Wahlkampf verwendete, beziehungsweise die “Antworten des Kaptitalismus auf unser  2 Klassen-Gesundheitssystem”.

“Was tust du eigentlich gegen den Klimawandel?”, fragt dann eine Frau die andere.

“Ich trinke jetzt immer stilles Minieralwasser. Da ist weniger Co2 drin”, lautet die Antwort,  diesmal nicht in Form von Graphikkugeln dargestellt.

In diesen werden dagegen sowohl “Die Gedanken der Grünen vor der Nationalratswahl dargestellt” , als auch “Wer laut FPÖ an den Skandalen ihrer eigenen Partei schuld ist?”, was beides interessant zu sehen ist.

Dann geht es zu der “Keine Inhalt-Speisekarte” und zum “Kreislauf von Politikverdrossenheit, Demokratiedefizit, niedriger Wahlbeteiligung und journalistischen Versagen”, man sieht die Cartoon wechseln sich mit den Graphiken lustig ab.

Zwei Pfeile stehen auf der Straße. Auf der einen steht “Mehr Käse” auf der anderen “Weniger schwarze Mäuse” mit einer Katzengestalt. Raten wir mal in welche richtung die weißen Mäuse rennen?

Der “Wahlduellanseher” geht zum Psychiater, denn er braucht ebenfalls eine Analyse und dann wird analysiert, ob der berühmte H. C. für das Ibiza- Video Spesen verrechnet hat.

Und sehr zu empfehlen die Cartoons, in denen die SPÖ beweist, daß die Richtung stimmt.

Kanzler Kurz nicht mehr oder noch nicht im Amt, geht ins Museum, um sich die möglichen Koalitionsvarianten bildlich anzusehen, während Elvis Presley und Bruno Kreisky im Himmel spazierengehen.

Das Schuhmodell für “Die Richtung stimmt”, wurde auch erfunden, dem “Brexist” wird ein Fußtritt gegeben und zwei Frauen, eine rosa eine blau gekleidet, spazieren  auch immer fragend durch das Buch:

“Was ist eigentlich der Unterschied zwischen links und rechts? – Bei den Rechten sind die Ausländer an allem Schuld, bei den linken die Männer!”

Und am Schluß noch einmal zu Ex-Minister und jetzigen Klubobmann  Kickl, der die FPÖ-Wahlplakate inspziert und sich einen “Straxit jetzt”, wünscht.

“Ein langweiliges Jahr  war 2019 in Österreich sicher nicht – Ibiza-Gate, Neuwahlen und natürlich tonnenweise illegale Teigtascherl, – die Wiederauferstehung des türkisen Messias oder der Sommerhit der Vengaboys – hier bleibt kaum ein Moment unvergessen!”, wirbt der Buchrücken und ich füge hinzu, das Büch,ein ist ein Katalog für die dazugehörige Ausstellung, die bis heute in der “Galerie der komischen Künste” im Museumsquartier  läuft, die man noch bis achtzehn Uhr sehen kann.

Der Hammer

Nun kommt die Überraschung des Jahres, wenn man das im Jänner schon sagen kann, das zweite herausragende Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und ohne Stephan Teichgräbers Centrope-Workshop wäre ich vielleicht nicht darauf gekommen und möglicherweise auf der “Buch-Wien” beim Wein stehen geblieben, statt zur Lesung von Dirk Stermanns “Hammer” zu gehen, habe ich den doch bisher eher für einen Kabarettisten gehalten, dessen Scherze mir manchmal zu aufdringlich waren.

Dabei habe ich doch auch die “Sechs Österreicher unter den ersten fünf” einmal im Schrank gefunden. Wie man sich irren kann, obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob alles, was da über die Lebensgeschichte des bedeutenden Orientalisten Hammer von Purgstall zu lesen ist, wirklich der Realität entspricht oder nicht vielleicht doch von der Feder des Kabarettisten, der aber, glaube ich, auch Historiker ist, zu dick aufgetragen wurde.

Es ist jedenfalls eindeutig ein Buch der Sinne und so glaubt man sich zu Beginn im Mittelalter, weil da alles unerträglich stinkt und in Wien, die Buttenweiber herumgehen, die zum Hineinscheißen für ein paar Kreuzerln auffordern. Die Leute haben alle faule Zähne oder gebrochene Kiefer, dabei sind wir in Zeiten der französischen Revolution, wo ja  die Perücken weggeworfen wurden und der napoleonischen Kriege und als Joseph Hammer da in Wien “ausgebombt” wurde, erinnerte mich die diesbezügliche Schilderung eher an den zweiten Weltkrieg.

Aber trotzdem interessant in den Lebensweg des großen Orientalisten, der laut Dirk Stermann sehr sehr selbstbewußt war, ein Lobbuch führte und sich schon mit der Bekanntschaft Goethes brüstete, als der ihn noch gar nicht kannte, einzutauchen, von dem ich bisher eher nur den Namen gekannt habe.

Dirk Stermann scheint sich für das Buch auch sehr viel Mühe gegeben zu haben, in die Welt des Hammers, wie er am Schluß schreibt, einzutauchen. Er hat da die Quellen genannt, die er dazu benützt hatte, so zum Beispiel das Buch von Rudi Palla über die ausgestorbenen Berufe und so hat ja meine Bekanntschaft mit dem Buch in Stephan Teichgräbers Workshop auch angefangen.

War Joseph Hammer doch der Sohn eines grazer  Gubernialrats, das ist ein Steuerbeamte, das damals noch Grätz genannt wurde, der später geadelt wurde. Er kam mit Dreizehn nach Wien und wurde Sprachknabe, das heißt eine Dolmetscherausbildung gemacht.

Hat da unter den adeligen Mitzöglingen aus den besten Familien, so war einer seiner Kollegen der Sohn des damaligen Außenministers Graf von Thugut, gelernt und gelernt, bis ihm die Augen wehtaten, war bald der beste Schüler, der Türkisch, Arabisch, Persisch, etcetera konnte und wurde, als die Ausbildung beendet war, doch nicht nach Konstantinopel geschickt sondern hatte in Wien zu bleiben, um dort die Wissenschaft zu betreiben, wie seine Lehrer gutmütig sagten.

Nach <konstatinopel ist er dann doch gekommen und war auch bald Dolmetscher auf dem Feldzug in Ägypten gegen Napoleopn. Dann wurde er Legationsrat, weil er sich aber mit allen seinen Vorgesetzen verkrachte und wohl nicht sehr diplomatisch war, wurde er ins Fürstentum Moldau versetzt. In Konstatinopel, wie Istanbul wohl damals hieß, hat er auch die “Märchen aus tausend und einer Nacht übersetzt und da beschreibt Stermann, daß er die Originalausgabe von einem Derwisch geschenkt bekommen hat, die ihm aber erst sein einarmiger Diener in Moldau offenbarte. Er übersetzte auf Französisch und Englisch die Ausgabe, die ganz anderere Erkenntnisse, als das uns Bekannte, erbrachte. Leider gingen aber Original und die Übersetzungen verloren.

Nun gut, so wissen wir nicht wirklich, ob der Sultan Sheherazade statt zu heiraten, hinrichten, ließ.

Josep kam jedenfalls mit seinem Diener, der ein absoluter Taussendsaa war, nach Wien zurück und wurde dort diskriminiert und diskriminiert.

Er ließ sich das zwar nicht gefallen und schrieb Beschwerdebriefe an den berühmten Metternich, der ihm aber erklärte, daß er keine großen Geister, sondern einen eher kleinliche brauche, so daß er ihn weiter kleinhielt und überging.

Joseph von Hammer hat mit Vierzig die neunzehnjährige Caroline von Henikstein geheiratet, die aber vor ihm starb, wurde von der Gräfin von Purgstall adoptiert und war schließlich auch kurz Leiter der “Akademie der Wissenschaften”, aber auch dort gab es Querälen und Intrigen, so daß der große Geist vereinsamt unter der <hand seines Dieners, der ihm bis zum letzten Atemhauch Geschichten erzählte,  verstarb. Ein großes orientalisches Grab hat er sich auch bauen lassen und ich bin wirklich sehr entspannt in die Welt Napoleons, Franz I, dem er beim Suchen eines Balls helfen muß, während sein Vater verstarb und Metternicht, der natürlich wußte, in welcher Ritze des Palastes sich dieser befunden hat,  des ertaubenden Beethoovens, Grillparzers, des Wiener Kongreßes, bis zur 1848 Revolution, etcetera, eingetaucht, denn Joseph von Hammer-Purgstall hat 1774-1856 gelebt und ist am Cover des Buches im prächtigen orientalischen Gewand abgebildet.

Die Wunderkammer der deutschen Sprache

Jetzt kommt ein weiteres Schmankerl beziehungsweise ein Buch, das wegen seiner Ausstattung und Inhalt auch zu den schönsten Büchern gezählt werden könnte, die ja jetzt wieder in der Hauptbücherei ausgestellt sind, ein Buch über die deutsche Sprache in allen ihren Facetten, schön bebildert und illustriert, “gefüllt mit Wortschönheiten, Kuriositäten, Alltagspoesie und Episoden der Sprachgeschichte”, wie noch am Cover steht, herausgegeben von Thomas Böhm und Carsten Pfeifer und ein paar Bücher, die so ähnlich sind, habe ich ja schon vor längerer Zeit, als es den Blog der Christiane Zintzen noch gegeben hat, die jetzt ja zu einem Chris geworden ist, eine Einladung zu einer Veranstalltung ins Bundeskanzleramt bekommen, wo das Buch “Seitenweise- Was das Buch ist”, vorgestellt wurde, das man sich dann mitnehmen konnte.

Das ist nicht ganz so schön bebildert, sondern eher mit Artikeln gefüllt, ich habe es auch noch nicht gelesen, da ich bei den Rezensionsexemplaren aber schneller bin, ein Gang durch die “Wunderkammer”, was ja auch so ein schönes Wort ist und im Vorwort wird auch gleich erklärt, daß in den “Wunderkammern” früher die Kuriositäten des Lebens, also “Tierpräparate, Muscheln, Narwahlzähne”, etcetera ausgestellt wurden.

In der “Wunderkammer der deutschen Sprache” gibt es auch einige Kuriositäten und es beginnt sehr interessant, mit den Brüder Grimm und den Märchensätzen, denn hätten Sies gedacht, nicht alle Märchen enden mit “…und wenn sie nicht gestorben sind….”, sondern eigentlich nur sehr wenige.

“Katze und Maus in der Gesellschaft”, endet beispielsweise mit “…siehst du so gehts in der Welt” und “Hänsel und Gretel “…mein Märchen ist aus, dort läuft eine Maus, wer sie fängt, darf sich eine große große Pelzkappe daruas machen.”

Es gibt den Nachtjargon”, also das was die Dirnen,  die Zuhälter und die Türsteher vor den Lokalen so sprechen, da ist das oder der “Hachel” ein “Messer” und die “Bügelschwalbe” eine “Amateurprostituierte”.

Schriftsteller wie Karen Duve, Sibylle Lewitscharoff, etcetera, wurden nach ihren Lieblingsworten gefragt und Karen Duve hat den Stab, der an der Supermarkasse liegt einfach “Lunk” oder “Warenlunk” genannt und redet nun alle an der Kasse an, ihr doch diesen bitte zu geben.

Die Herkunft der Speisennamen also, wie der “Kaiserschmarrn” zu einem solchen wurde, wird hinterfragt, beziehungsweise aufgeklärt, wo dann meistens steht, daß das, was da gedeutet wird, meistens erfunden war.

Es gibt das “Schndahüpfln”: “Mir samma, samma mir! Was kost na die Welt? Hams Gwand volla Taschn und nirgends koa Geld”

Der Unterschied zwischen den “Homonymen”, den “Polysemen”, den “Homographen” und den “Homophonen” wird erklärt und dann kommt es zu den “Verdeutschungen”.

Manche Wörter haben sich eingebürgert, wie “Bibliothek” für die “Bücherei” oder umgekehrt, manche nicht, so sagt man nicht “Scheidekunst” zur “Chemie” und auch nicht “Gesichtskreis” zum “Horizont”.

Es gibt das erste “Grosswörterbuch der Deutschen Sprache”, das von Johann Christoph Adelung (1732 – 1806) stammt und sehr interessant, weil ich ja erst vor kurzem über das Leben mit einem Dreijährigen gelesen habe, die “50 Wörter, die die Zweijährigen” wissen müssen. Das wird in einer der “Mutter-Kind-Paß-Untersuchung” abgegrürft und ein paar solcher Kalauer, wie Jan Dosendorfer sie aufgeschrieben hat und ich mich aus dem Sprachschatz der Anna erinnern kann, gibt es auch zu lesen:

“In meinem Becher sind meine Packterien”, beispielsweise oder “Trägst du die Brille bis du tot bist?” und da kann ich gleich ein Erlebnis anfügen, das ich mal in der “Sigmund Freud-Uni” hatte, als da eine ältere Dame, wahrscheinlich eine Psychoanalytikerin, sich sehr bei ihrer Freundin darüber mokierte, als ihre Enkelin oder Enkel sie fragte “Wann sie sterben wird?”

Sie war sichtlich empört darüber und hat das mindestens eine halbe Stunde sprachlich und lachend zu bewältigen versucht. Ich habe mir gedacht, daß,ich, der Lia, füge ich heute hinzu, ganz ungerührt: “Das weiß ich nicht, aber wahrscheinlich in zwanzig Jahren!”, antworten würde.

Nach der “Nachsprache”, gibt es die “Sprache der Burschen” , die ihren Barbier “Balbuz” und einen “Studenten, welcher sich in einen Zweikampf einlässt, ohne etwas von der Fechtkunst zu verstehen: “Naturalist” nannten. Man sieht diese Sammlung ist schon älter, aber vielleicht wird manches noch von unseren Burschenschaftlern gebraucht.

Wie man den “Churfürsten” und den “Kaiser” anzureden hat, wird auch erwähnt und dann gibts interessant, das Kapitel, das, sich “Dichter beschimpfen Dichter nennt” und da erwähne ich nur ein besonders schönes und auch sicher aktuelles Beispiel, hat doch “Du bist doch das Lieblingsbuberl des deutschen Feuilletons. Deine Literatur ist doch nur mit dem Kopf ausgedacht, und zwar mit einem Limonadenkopf”, Herbert Achternbusch zu oder über Peter Handke gesagt und da kann ich an das Literaturcafe erinnern, wo vor kurzem Peter Handke ja als “Einschlafhilfe” bezeichnet wurde.

Die schwarze Kunst, die Buchdruckkunst” gibt es auch. Also wer wissen will was “Flattersatz”, ein “Bengel”, ein Furz, ein Schusterjunge” ist?, bitte auf den Seiten 78 -80 nachlesen.

Das “Vater unser” wird in seinen verschiedenen historischen Formen von Martin Luther bis ins Altdeutsche dargestellt und die “Worte- beziehungsweise die “Unworte des Jahres” gibt es auch.

Das hier ist, wie man sicher merken konnte, ein deutsches Buch, in Österreich werden diese Worte jetzt aber auch gezählt und da war 2018 “Schweigekanzler” das “Wort des Jahres” und “Datenschutzgrundverordnung” wurde zum “Unwort” gewählt.

Es gibt den “Fontane-Code”, denn der hat offenbar in seinem Schreiben sehr lange Worte, wie beispielsweise “Bekleidungszustände”, Erzieherinnenlaufbahn” oder “Gespensterbedürfnis” gebraucht.

Dann wird “Luther auf Maul geschaut” und untersucht, welche Worte er gern verwendete. Die Vogelnamen, die es so gibt, werden aufgezählt und das “Jägerlatein” bzw. die “Waidmannsprache”.

Georg Klein zitiert “zehn zauberhafte Umstandswörtlein”, wie “vielerorts” und “offenkundig”.

Kurt Tucholsky ist ein Artikel gewidmet, den er unter dem Pseudonym Peter Panther “Man sollte mal…” herausgegeben hat. Und im deutsch-österreichischen, beziehungsweise deutsch-schweizerischen Küchenlexikon wird erklärt, daß abbrennen – flambieren, beziehungsweise Pfümi- Plaumenschnaps heißt.

“Verdrehte Weisheiten”, wie “Ein leichter Schlag auf den Hinterkopf ist kein Ponyhof” oder “Ist die Katze aus dem Haus haben die Krümel” zu schweigen, gibt es auch und dann die “Scheinanglizismen”, aber da habe ich schon gewußt, daß man im englischen Raum, das Wort “Handy” nicht kennt, weil das nur “denglisch” ist.

Der Koran kann man erfahren, wurde schon von Friedrich Rückert und noch anderen ins Deutsche übersetzt und einen Blick in den Wortschatz der DDR gibt es auch, die haben versucht die Anglizismen zu vermeiden und daher “Kaskadeur” zum “Stuntman” gesagt, bzw “Arbeiterschließfach” zum Plattenbau und Walter Ulbricht “Spitzbart” genannt.

Die Höhen der “Bußgelder für Zungensünder im Straßenverkehr” werden angeführt, so mußte man beispielsweise bis 4000 Euro für das “Zeigen des Stinkefingers” zahlen.

Dann gehts zur schwäbischen Mundart und wir erfahren, daß da die Verwandtschaft “Bagasch” genannt wird und man “Bledda Sogga!”, schimpft. Was da wohl an Bußgeld zu zahlen ist?

Franz Hohler mag die Worte “gehen”, “Postauto” und “Jässli” was ein Kartenspiel ist und Felizitas Hoppe hat gleich eine ganze Menge von Lieblingsworten angegeben.

Dann kommen wir zum großen Goethe, der hier natürlich nicht fehlen kann, betrachten zuerst einmal ein wenig seinen Wortschatz und dann höchst aktuell angesichts dieser “Oma-Umweltsau-Debatte”, ein Gedicht, das der Herr Geheimrat geschrieben hat als er sich über seine Kritiker ärgerte:

“Und kaum ist mir der Kerl so satt

Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen,

über mein Essen zu räsonnieren:

“Die Supp hätt können gewürzter sein,

Der Braten brauner, firner der Wein.”

Der Tausendsackerment”

Schlagt ihn tot, den Hund”

Es ist ein Rezensent!”

So soll man nicht, ironisch oder nicht, kommentieren, damals und heute nicht, füge ich hinzu und gehe auf die nächste Seite, um zu lesen:

“Goethe ist im Grund nichts anderes als der Heilpraktiker der Deutschen, der erste deutsche Geisteshomöopath. Das ganze deutsche Volk fühlt sich gesund. Aber Goethe ist ein Scharlatan, wie die Heilpraktiker Scharlatane sind, und die Goethesche Dichtung und Philosophie ist die größte Schalatanierie der Deutschen.”

Wer hat das geschrieben? Machen wir ein Rätsel daraus, die ja in dem Buch   auch noch vorkommen. Auf Seite 191 steht die Antwort, ganz unten rechts, füge ich hinzu und ziehe weiter durch das Buch, komme zu den “Anagramen” und den “Palindromen”, den “Rätseln”, wie schon erwähnt und vielleicht auch ganz spannend, kommen wir zu den hundert Ausdrücken, wie man das männliche Glied noch benennen kann. Das ist im Buch in eine schöne Graphik gebunden, die man sich unbedingt ansehen soll und dann kommen wir schon zur “Schundliteratur” oder zum Heftchen-, Kriminal- oder Geisterroman, die wie man sieht, gar nicht so triviale Titel haben.

Die Zitate über die deutsche Sprache sind auch sehr interessant:

“Ich beherrsche die deutsche Sprache, aber sie gehorcht nicht immer.”, hat Alfred Polgar beispielsweise gesagt  und Friedrich Torberg meinte “Deutsch ist die gemeinsame Sprache, die Deutsche und Österreicher trennt.”

“Wir Deutschen haben die Welt beherrscht, fremde Völker, die Nordsee und die Natur – den Konjunktiv nie.” unkt Dieter Hildebrandt scharf, während der gute alte Fontane viel sanfter ist und “Mit gutem Deutsch und schlechten Französisch kommt man überall durch.”

Daß man heute dazu wohl Englisch beziehungsweise Denglisch braucht, steht vorher schon geschrieben.

Und was Heinrich Heine über Deutschland gedacht und geschrieben hat “Denkt man an Deutschland in der Nacht…” ist auch sehr interessant.

Dann wird es wieder modern und wir kommen in die Neuzeit und zu der leichten und einfachen Sprache um die man sich jetzt ja sehr bemüht, um Menschen mit Lernschwierigkeiten oder denen die noch nicht so gut Deutsch oder nicht sinnerfassend lesen können, das Verstehen von Texten zu erleichtern.

Der Einfluß der Zensur wird am Beispiel eines Briefes von Bruno Vogel “Es lebe der Krieg”, weitere Hinweise auf Seite 229 erwähnt.

Und dann kommen oder bleiben wir bei oder “Über Bücher, Literatur, Kritik und den Buchmarkt”

“Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns”, hat Kafka ja einmal gesagt, ein Zitat, das in den Bücherblogs oft zu finden ist und dem ich eigentlich nicht so ganz zustimme und wenn wir wieder zu Goethe schielen:

Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat.”

Goethe wird wohl auch das scharfe “ß” verwendet haben, wie wahrscheinlich Franz Kafka und ich natürlich und, um nochmal Theodor Fontane zu zitieren, ein Zitat, das mir diesmal gefällt:

“Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück.”

Wie wahr, deshalb verleihe ich auch nicht und borge mir nicht aus, obwohl ich, ganz ehrlich, ein paar Bücher in meinen Regalen stehen habe, die ich nicht zurückgegeben habe, aber das ist lange her und sicher schon verjährt, ich würde sie auch nicht mehr finden.

Und schon sind wir, was auch sehr interessant, sowie berührend ist, bei den “Letzten Worten” angekommen:

“Herr Pfarrer, in wenigen Minuten werde ich mehr wissen als Sie”, hat der Jesuit und Widerstandskämpfer Alfred Delp vor seiner Hinrichtung am 2. Februar 1945 gesagt und Dietrich Bonhoeffer, am 9. April 1945 “Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.”

Und um von den Hinrichtungen und dem zweiten Weltkrieg wegzukommen “Jetzt ist es an der Zeit, ein wenig über Gott nachzudenken”, E. T. A. Hoffmann, 1822 und Johannes Brahms hat sich wohl auch Sekt servieren lassen, wie der Maler Moritz von Schwind, der eine hat geschiwegen und die Augen geschlossen, der andere “O, das schmeckt gut. Danke!”, gesagt und Heinrich Heine hat wohl ein gutes Französisch gehabt, als er sagte “Dieu me pardonnera, c` est son metier.”, das war am 17. Februar 1856.

Ich bin durch das Buch gekommen, habe fast zweitausend Worte dazu gebraucht und vieles weggelassen, das man sich unbedingt ansehen soll, denn es ist sehr interessanter, lehrreicher und spannender Durchgang durch die deutsche Sprachen in wahrscheinlich allen ihren Formen und Facetten, das ich jetzt schnell, wie es meiner Art entspricht, überflogen habe. Manches habe ich überlesen,  manches genauer angeschaut und es ist auch ein Buch, das man öfter benützen sollte, das  zum Weiterlesen und  Weiterbeschäftigen anregt.

Und spannend auch, daß der Verlag, in dem es erschienen ist, sich “Das kulturelle Gedächtnis”, nennt.