Wir haben Raketen geangelt

Geschichten der 1974 in Hamburg geborenen Karen Köhler, die mit einer davon 2014 beim “Bachmnannpreis” lesen sollte, aber nicht konnte, weil sie die Windpocken hatte und man damals noch live dabei sein mußte. Im Vorjahr ist sie mit “Miroloi” auf der Longlist des dBs gestanden, da habe ich auch den Erzählband im Schrank gefunden, “Bestseller” steht darauf, was für Erzählungen einer recht jungen deutschen Autoren schon ungewöhnlich ist und die Erzählungen haben es in sich, obwohl sie genau genommen gar nicht so ungewöhnlich sind, aber in einer erstaunlich frischen fetzigen Sprache erzählt werden.

Da liegt eine junge Frau mit Krebs und künstlichen Darmausgang ohne Haare im Spital, warten auf ihren Freund und trifft den “Comandante” in der Cafeteria, der ist ein alter Mann im Rollstuhl, der eine Mischung zwischen Spanisch und Englisch spricht. Der kauft ihr eine Perücke, bestellt ihr ein Kleid, damit sie ihren Freund beeindrucken kann und, als es dann so weit ist, ist er gestorben und eine andere junge Frau trifft in Amerika in der Nähe von Las Vegas halbverdurstet und ohne Rucksack einen Indianer. Der gibt ihr zu trinken, kauft ihr Pommes Frites und eine Sonnenbrille, dann gewinnen sie zweitausend Dollar im Casino. Er wird zusammengeschlagen, hat hohes Fieber, sie päppelt ihn in einem Motel mit dem Federschmuck auf dem Kopf eine Nacht lang auf und resumiert dazwischen ihr Leben.

In “Polarkreis” geht eine kurz mal Zigaretten holen und schreibt ihrem Liebsten dann infolge Briefe und Postkarten aus Italien.

Dann wird eine junge Frau, die im Heimatdort einen Bioladen führt, von einem Jugendfreund, der Journalist geworden ist und damit einen Preis gewonnen hat, besucht, sie trinken Schnaps und Champagner. Dann führt sie ihn auf den Friedhof, wo ihre Schwester liegt. Er hat sie einmal ihr vorgezogen, dann lag er mit ihr nach ihrem Tod doch im Heu. Das Kind hat sie verloren und in der Nacht heimlich in der Schwester Grab gelegt.

Ähnlich daramatisch, die Titelgeschichte. Da erinnert sich eine an ihre Jugendliebe, der sie durch Selbstmord verlassen hat und in “Familenportraits” waschen Töchter in der Mittagspause, das Geschirr ihrer betrunkenen Väter, besuchen die Mutter im Altersheim, die sie beschimpft, eßen mit ihren Eltern zu Weihnachten Gans, etcetera.

In “Starcode Red” geht es auf eine Luxus-Yacht, wo sich, weil sie von ihrem Freund verlassen wurde, eine Schauspielerin als Entertainerin anstellen ließ und nun von den Vorschriften und Regeln der Security schikaniert wird.

In “Wild ist scheu” zieht sich eine mit einem Wasserkanister, einem Schlafsack und noch ein paar anderen Sachen auf einen Hochstand zurück,den Müsliriegel den sie auch noch bei sich hat, schmeißt sie hinunter, beachtet das Wild und wartet auf den ersten Schneee, während in “Findling” die siebzigjährige Asja irgendwo in den russischen Wälder ihre gesamte Familie begraben hat.

“Karen Köhler schreibt über die dramatischen Momente im Leben” steht in der Beschreibung am buchbeginn und am Buchrücken hat Ursula <märz “Reden wir nicht drum herum: Da ist Meisterschaft am Werk”, gewchrieben.

“Stimmt!”, würde ich antworten.

Dramatische Momente, Ausnahmesituationen in einer schönen Sprache und ungewöhnliche Titel, kleine schöne Illustrationen gibt es immer wieder auch.

Die Grammatik der Zeit

Jetzt kommt das dritte “Wortreich-Buch”, das ich vor circa einem jahr in den Schränken gefunden habe. Mit dem Lesen hat es etwas, weil ich ein paar Bücher vorgezogen habe, ein paar Neuerscheinungen kamen und ich auch noch ein paar HarlandBücher vorher auf der Liste hatte etwas gedauert, obwohl ich mich auf das Buch schon sehr gefreut habe, weil ich von Patricia Brooks, von der ich das erste Mal etwas gehört habe, als sie mit mir dieses Autorinnenportrait in der Zeitschrift “Buchkultur” hatte, wo die Autorinnen etwas verrissen wurde, weil “Wo keine Männerliteratur da auch keine der Frauen” oder so, sie hat dann ein Buch bei “Selene” herausgebracht, ich war bei mehreren ihrer Lesungen, bei ihrer Radio RosaReihe, die, um den Wohnzimmerkreis, im Cafe Prückl, zuletzt vor ein paar Wochen am Wolfgangsee, ein Buch habe ich aber noch nicht von ihr gelesen und ich muß sagen, es war sehr interessant, wenn auch recht verwirrend und ich bis zum Schluß nicht wußte, wie es enden wird.

Im Klappentext steht etwas von der Grammatik der Zeit, daß Dinge verschwinden und verloren gehen und die Gegenwart, die Zukunft und die Vergangenheit nicht mehr stimmt. Verwirrend, werde ich mir wohl gedacht haben und dann lange Zeit ein sehr spannendes und auch realistisches Buch gelesen.

Da wurde der namenlose Erzähler von seiner Freundin Silvie verlassen. Sie sagt ihm nicht warum, nur, daß sie jetzt nach New York fliegt. Er ist Programmierer, hat mit einem Freund oder Kollegen eine Internetfirma, programmiert verschiedenes, am liebsten aber Computerspiele. Jetzt ist er an einem dran und zieht sich nach der Tremmung in das Haus einer Freundin in Altaussee zurück.

Dort hat er eine merkwürdige Begegnung mit einer Frau, die nach einem Unfall am See steht und eine Schramme hat. Es ist die Tänzerin Carlos, sie sagt, sie hätte mit ihrem Freund gestritten und bittet ihn, ob sie die Nacht bei ihm schlafen kann?

Vorher hat ihn seine Freundin Judith schon verwirrt, in dem sie behauptete, jemand hätte ihr erzählt, daß er einen <unfall hatte.

Er trifft Carlos, die am nächsten Morgen verschwunden ist, bei einer Party in Judiths Haus in Bad Ischl wieder. Da erfährt er auch, daß er sich im letzten Jahr bei einer Party, wo er mit Silvie war, schlecht aufgeführt, sich betrunken und mit einer Frau geflirtet hat.

Er trifft Carlos dann in Wien wieder, im Klappentext steht noch etwas, daß sie sich in ihn verliebt hätte und sich von einem Mann verfolgt fühlt. Es gibt noch einen Fehler in dem Computerspiel, den er nicht und nicht findet und der hängt auch mit einem Autounfall zusammen und man denkt, da ist etwas zwischen den Beiden geschehen und das Ganze bekommt oder hat einen geheimnisvollen gespenstischen Touch wie in den Romanen des neunzehnten Jahrhunderts. Aber irgendwie passt das alles nicht zusammen und es ist auch sehr viel, was da passiert.

So meldet sich Silvie per Telefon immer wieder. Zuerst ist sie abweisend dann immer freundlicher und Judith hat gesagt, sie wundert sich nicht, daß sie sich von ihm getrennt hat und auch nicht, daß er nicht weiß warum?

Es gibt auch die Szene mit Silvies Goldfisch, den sie ihm zurückgelassen hat und den er füttern soll. EEr mag aber keine Goldfische und so bringt er ihn zu den Nachbarkindern, die ihn füttern sollen.

Es kommt auch ein geheimnisvollen Kettchen vor mit einem Anhänger mit einem S. Ein solches hat er Silvie einmal geschenkt, was sie aber nicht mochte, das ist verschwunden und taucht aber wieder auf und Carlos hat auch ein solches.

Eine Nebenhandlung mit seiner Schwester und seiner Mutter, die auf Kur gehen soll, aber eigentlich mit ihren Gärtner in die Türkei will , gibt es auch und Silvie kommt dann aus New York zurück, sagtm sie wird noch eine Weile bei ihm wohnen und fängt auch an das verschwundene Kettchen zu tragen.

Spätestens hier wird es verwirrend und so unlogisch, wie bei Nele Pollatscheks ersten Roman, denn jetzt passt nichts mehr zusammen und man denkt, er wird verrückt oder besser, er hat ein Burn-out, weil er soviel arbeitet.

Denn Carlos, die sich ja von einem Mann verfolgt fühlt und ihm immer wieder um Hilfe bittet, verschwindet plötzlich. Er fährt ihr nach Aussee nach und da gibt es plötzlich ein deja vue mit dem Unfall. Sie schießt ihn an. Er hat eine Schramme, kommt bei der Rückkfahrt zu einen Unfall, wo man ihm sagt, eine Frau ist tot, aber als er bei der Polizei anruft, sagt man ihm es hätte keinen Unfall gegeben.

Die Grammatik der Zeit kommt also vollkommen durcheinander. Er kommt darauf, daß Carlos zeitgleich in Hamburg eine Premiere hat. Also weder in Wien noch in Aussee war. Vorher hat sie ihm noch gesagt, sie hätte ihn erst bei der Party bei Judith kennengelernt und er liegt ihm Bett und Silvie steht vor ihm und sagt, daß sie ihn jetzt ein paar Tage verlassen wird, um nach New York zu fliegen, aber vorher schon lange nicht dort war.

Wirklich sehr verwirrend und unlogisch würde die Realistin sagen, aber äußerst spannend zu lesen, weil ich zuerst versuchte mir die Handlung zu erklären und dachte, da war etwas mit dem Unfall. Später als es dann entglitt, mich nach der Auflösung fragte und dazwischen immer wieder mal den Kopf schüttelte und mir dachte, es ist doch nicht so gut, wie es sich liest.

Aber wirklich interessant und in der Danksagung steht noch etwas, daß Bettina Balaka und Anna Kim Patrica Brooks moralisch unterstützt und bei der Fertigstellung geholfen hätten.

Das Fest des Windrades

Weiter geht es mit den älteren Büchern auf der Leseliste, Isabella Straubs zweiten Roman, ein Fund aus dem Bücherschrank, den es im Vorjahr einmal dort gab, als ich mit dem noch nicht so gut verheilten Knöchel von irgendeiner Veranstaltung nach Hause gefahren bzw. gehumpelt bin und dvon der 1968 in Wien geborenen, in Klagenfurt lebenden Autorin habe ich durch den FM4 Wettbewerb, den sie einmal gewonnen hat, etwas gehört, das Buch hat das einiges Aufsehen erregt, Isabella straub hat auch bei einem Literaturhausfest daraus gelesen und jetzt habe ich mich mit Begeisterung darauf gestürzt, um so mehr da ich ja den dritten Straub-Roman gelesen habe.

“Das Fest des Windrads” könnte man grob als Kapitalismuskritik bezeichnen, ein sich Lustig machen über die prekären oder sehr elitären Arbeitsverhältnisse von Heute.

Am Buchrücken steht etwas vom Leben am Land und von der Selbstfindung, das habe ich nicht so sehr empfunden und wirklich neu ist das alles wahrscheinlich auch nicht, wenn auch sicher originell.

Da ist Greta, eine Managerin in der Medizintechnikbranche. Sie fährt im Zug von Wien nach St. Marino, zu einer Fachmesse, träumt da von einem Abendessen mit einem ihrer Vorgesetzten und einer möglichen Beförderung. Sie ist die Hype-Frau von heute, die sich nur mit verheirateten Männern einläßt, Markenkostüme trägt, Champagner oder Cocktails trinkt, etcetera. Der Zug bleibt im Oed am tiefen Graben stehen. Das Zugspersonal verschwindet, sie springt aus dem Fenster und in das Taxi von Jurek Bach hinein, der eigentlich einen Botendienst hat. Er liefert in Oed, das der Beschreibung nach mehr eine Stadt, als ein Dorf ist und Ziffern statt Straßennamen hat, an seine Klienten Pakete ab.

Da gibt es beispielsweise einen dicken Diabetiker, den seine thailändische Frau verlassen hat, einen Doktor, der alle untersuchen will, auch wenn man nur Pakete von ihm holt, etcetera.

Jurek hat eine Tochter und eine gescheiterte Ehe hinter sich und hat das Elternschlafzimmer in dem Haus, das er bewohnt, versperrt. Dort erscheint nun seine Tochter Lynn mit ihrem Freund Alfred und will sich bei ihm einquartieren. Der Freund ist ein Versicherungsfachmann und hinterläßt, während er Jurek bei seinen Botengängen begleitet, überall seine Flyer, denn er versichert Emotionen, nicht nur Wasserschäden,

Greta will eigentlich aus dem Dorf hinaus, kann aber nicht, denn zuerst ist sie nach dem Schock zu betrunken, dann muß sie Joe, den Diabetiker in die Burnout-Klinik begleitet, schließĺich erleidet sie einen schwächeanfall, so bleibt sie zum Fest des Windrades, das ist das Wahrzeichen, das die Amerikaner nach dem Krieg dem Dorf hinterlassen haben, das soll jetzt verbrannt werden und alles wird wieder gut.

Denn Greta, die erfährt, daß sie nicht befördert, sondern gefeuert werden sollte, wird Versicherungsmaklerin und Jurek gewinnt beim Tombola, ihre Zugsfahrkarte, die sie nicht benützen konnte und kommt daher vielleicht aus dem Dorf hinaus, während sie dort bleiben und ihre Schulung machen wird.

Der Pianist

Jetzt kommt das Buch auf dessen Lesen ich schon lang gewartet habe, nämlich das 1946 nach dem Krieg geschriebene Buch “Mein wunderbares Überleben des 1911 geborenen und 2000 verstorbenen Pianisten, des Warschauer Rundfunks Wladyslaw Szpilman.

Das Buch wurde von Roman Polanski verfilmt und 2002 mit der goldenen Palme in Canne ausgezeichnet. Irgendwann habe ich den Film mit dem Alfred gesehen und mir später auch öfter die englische Fassung in You tube angeschaut und das vom Sohn mit einem Nachwort von Wolf Biermann und mit Bildern sowohl der Familie Szpilman, als auch Bilder vom Film versehene Buch, vorigen Juni im Bücherschrank gefunden.

Bei Buch Verfilmungen ist es ja immer die Frage, ob das Buch oder der Film besser ist, mit Ausnahme eines Donna Leon-Krimis würde ich sagen immer das Buch.

Hier würde ich meines beides ist gleich stark, obwohl ich in das Buch vielleicht am Anfang schwer hineingekommen bin, denn es beginnt nicht mit der Kindheit des Erzählers, sondern mit dem Krieg, als Polen von den Deutschen besetzt wurde. Da ist das erste Kapitel, vor allem für eine, die den Inhalt schon sehr genau kannte, ein wenig langweilig und spannend ist auch, daß Polanski offenbar nicht sehr von der Vorlage abgewichen ist.

Der 1911 Geborene der, in Berlin studierte, dann nach Warschau zurück ging, dort im polnischen Rundfunk Klavier spielte und mit seinen Eltern, seinen zwei Schwestern und einem Brudern lebte, beschreibt die Veränderungen, die der Krieg mit sich bringt.

Es werden zuerst Verordnungen erlassen, dann das Warschauer Ghetto errichtet, die Familie Szpilman lebt schon in dem Teil der Stadt, muß also nicht ihre Wohnung wechseln. Dann werden die Juden in den Osten verschickt. Wladyslaw Szpilmann wird von einem jüdischen Polizisten am Abtransport gehindert. Seine gesamte Familie kommt um. Er verbleibt im Ghetto flüchtet, dann als dort niemand mehr ist, auf die andere Seite, versteckt sich in mehreren Wohnungen, bis er, als schon ganz Warschau zerstört und er halb verhungert auf der Suche nach Nachrung von einem deutschen Offizier entdeckt wird, der ihm eine Zeitlang mit Nahrung versorgt, bis er aus der Stadt abgezogen wird und dann bald die Sowets kommen.

Inzwischen weiß man, Wladyslaw Szpilman wußte es nicht, obwohl er von einem Kollegen hörte, daß ihn ein Kriegsgefanger nach Szpilman fragen hörte, daß es sich um den 1895 geborenen Lehrer und Hauptman Wilm Hosenfeld handelte, der mehreren Juden das Leben rettete und 1952 in einem sowetischen Lager in Stalingrad verstorben ist.

Es gibt in dem Buch Auszüge aus seinem Tagebuch, das auch extra veröffentlicht wurde, ich habe, glaube ich, auch in Leipzig einmal eine Leseprobe davon gefunden.

Sehr interessant in Zeiten, wie diesen, das Buch zu lesen, das unmittelbar nach dem Krieg geschrieben, durch seine starke Sprache sehr beeindruckend ist.

Irgendwo steht auch der Satz, daß Wilm Hosenfeld sich schämte, ein Deutscher zu sein, jetzt höre ich oft von den jungen Patrioten, daß sie sich dafür nicht schämen wollen.

Brauchen sie auch nicht, wenn in den neunzehnhundertneunziger Jahren oder noch viel später geboren wurden, vielleicht sollten sie aber das Buch lesen, um sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und sie zu verstehen. Das kann nie schaden, auch wenn der Groß- oder vielleicht schon Urgroßvater ein Wehrmachtssoldat war.

Frühling der Barbaren

Jetzt geht es wieder zum Backlistbuchpreislesen, dem letzen wahrscheinlich, bevor es ab achtzehnten August zum richtigen “Buchpreisbloggen” kommt, nämlich zum Jahr 2013, dem Jahr wo zwar nicht alles begann, ich mir aber zum ersten Mal überlegte, ob mich das nicht doch reizen könnte und ich das Leseprobenbüchlein besprochen habe.

Den 1976 in der Schweiz geborene Jonas Lüscher, der mit “Frühling der Barbaren” auf der Longlist stand, habe ich damals nicht gekannt und die Perfektionistin in mir bemängelt auch, daß er eigentlich nicht darauf stehen hätte dürfen, ist das Buch doch eindeutig als “Novelle” gekennzeichnet und wurde auch als solche geschrieben.

Sie stand trotzdem auf der Liste, die den besten deutschsprachigen Roman sucht und ich betone noch, daß Jonas Lüscher mit seinem Roman “Kraft” 2017 nochmals auf der DBp-Liste gestanden ist und auf die Longlist des Bloggerdebuts kam, denn dann war es ja der erste Roman, also eigenlich ganz schön verrückt oder ein Hinweis darauf, wie sinnlos diese Gattungsbezeichnungen vielleicht sind.

Den Essayband “Ins Erzählen flüchten” habe ich Anfang März gelesen und die Novelle, die sich in einem wahrscheinlich gewollt altmodischen Tonfall, sowohl der Finanzkrise, als sich auch dem arabischen Frühling annimmt, wurde überall hoch gelobt.

Man kommt in das hundertzwanzig Seiten starke Buch, zuminstest ist mir das passiert, nur schwer hinein, irritiert am Anfang doch der altmodische Tonfall, dann wird es aber packend und ich schließe mich den Kritikern an, eine köstliche Geschiche, die ja ein wenig an die Dystopie, die wir hier erleben, wo ein Virus die Wirtschaft zum Zusammenkrachen bringt, alle Masken tragen und im Frühling das Klopapier ausverkauft war, erinnert, obwohl das Buch ja schon früher geschrieben ist.

Ich habe ja nicht Literarurwissenschaft studiert, daß die Novellen früher, und ich nenne meine Sachen, der Länge wegen, auch manchmal so, obwohl sie nach den strengen wissenschaftlichen Kriterien wahrscheinlich keine sind, oft mit einem Erzähler beginnen, weiß ich aus den “Radiogeschichten” und oft er erzählt der dann eine Geschichte, die ihm von einem, den er irgendwo kennenlernte, erzählt wurde.

in diesem Fall ist es der Schweizer Geschäftsmann Preising, das heißt, er ist ein reicher Erbe, offiziell Vorstand seiner Firma, die ihm längst von einem Bosnier aus der Hand genommen wurde, der ihm, wie die Geschichte beginnt, auf Urlaub nach Tunesien geschickt hat.

Jetzt befindet Preising sich in der Psychiatrie und erzählt dem Mitpatienten seine Geschichte, wie er da mit dem von der Haushälterin gepackten Koffer, in der sich lauter helle Wüstensachen befinden, zum Fugzeug chauffiert wird, selbst hat er kein Auto. In Tunesien erwarten ihn Geschäftsfreunde, einer will ihm mit einer seiner sechs Töchter verheiraten und zu krummen Sachen überreden. Er entkommt und ffährt mit der Tochter eines anderen in ein Wüstenressort, das bezeichneterweise “Tousands and one night” heißt und nach der Phantasie aus Werbeprospekten nachempfunden wurde. Dort soll eine Hochzeit reicher britischer Finanzleute stattfinden. Preising freundet sich mit der Mutter des Bräutigams an und fährt am Vortag mit dem Vater auf Wüstenbesichtigung. Das wird ähnlich makaber geschildert, wie vorher die Kamele, die einen Bus zum Umstürzen brachten. Der Kameltreiber ist bankrott. Für Preising wäre es ein Knacks ihm das verlorene Geld zu geben, er überlegt und überlegt, tut es dann nicht.

Und während die Hochzeit stilvoll von statten geht, krachen in England, die Banken zusammen und die jungen Leute haben nichts mehr, um ihre Rechnung zu bezahlen, denn ihre Konten sind gesperrt. So läßt Saida, die Hotelmanagerin, das frugale Frühstückbuffet abräumen, nur Preising hat seinen Extratisch. Es kommt zu Plünderungen. Der Kärntner Hotelkoch ist mit dem Schlüßel zur Speisekammer abgetaucht. So beschließen die betrunkenen Engländer ein Kamel zu braten. Das führt zu einem Wüstenlbrand und überstürzter Flucht und der letzte Satz des Buch auf die Frage des Erzählers, was Preising damit beweisen wollte, lautet “Du stellst schon wieder die falsche Frage” und am Buchrücken steht “Eine Entdeckung, weil es ein so komplexes Thema, wie die Finanzkrise in einer schmalen ökonomischen Novelle bündelt, deren Schauplätze nicht besser gewählt sein könnten: eine psychiatrische Anstalt und die Wüste”, “Der Spiegel”, “Treffend beoabachtet, altmodisch und zugleich modern erzählt, urkhmisch und kühn”, “Die Welt” und “Ein absolut brillantes Buch. Für mich ist Jonas Lüscher die große Endeckung in diesem Jahr”, Ijoma Mangold, “Die Zeit”.

Corona Fehlalarm?

Zahlen, Fakten, Hintergründe von Dr. Karina Reiss und Dr. Sucharit Bhakdi, wie am Cover steht. Meist wird im Zusammenhang mit dem Spiegel-Bestseller, bei “Goldegg” erschienen, nur Dr. Bhakdi, der 1946 geborene Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemologie, der zweiundzwanzig Jahre, das Institut für Mikrobiologie und Hygiene der Universität Mainz geleitet hat, erwähnt, der als Kritiker der Corona- Epidemie gilt und, wie auch einige andere kritische Ärzte beweisen will, daß es sich dabei, um kein Killer-Virus handelt und der Höhepunkt der Epidemie schon vorbei war, als weltweit der Lockdown beschloßen wurde.

Nun gehöre ich auch zu den Corona kritisch eingestellten Menschen, denke, daß man mit einem Virus auch anders umgehen kann, denke, daß der wirtschaftliche, medizinische und psychologische Schaden vielleicht größer sein wird, halte die Massnahmen auch für überzogen und bin, wie ich ja immer schreibe eine Gegnerin der Maskenpflicht oder gegen Freiheitsbeschränkungen, wie wir sie jetzt erleben, überhaupt und, daß mit der Polizei gegen ein Virus eingeschritten wird, ist auch etwas, was ich sehr bedenklich finde.

Warum dieses Virus soviel Angst auslöst, ist etwas was ich noch immer nicht so ganz verstehe. Deshalb interessiert mich das Thema sehr und ich habe schon einige mehr oder weniger kritische Bücher darüber gelesen.

So war ich sehr interessiert, als mir Doris Kloimstein, die vielleicht auch eine Corona-Kritikerin ist, mir jedenfalls schon viele schöne Coronaoder Maskenkommentare in Gedichtform geschickt hat, das Buch übergab. Der Uli hat es auch schon gelesen, in diesem Punkt scheine ich mit ihm ja einer Meinung zu sein, wie ja auch sehr interessant ist, daß die FPÖ zu den Corona-Gegner zählt, die auch eine Petion dagegen ausgerufen hat.

Die Maßnahmen der österreichischen Regierung hat die österreichischen Zahlen sehr schön herunter gebracht, so daß es ab Mai wieder Lockerungen gab, jetzt scheinen die Zahlen wieder anzusteigen, so daß die Maskenpflicht wieder eingeführt wurde, man weltweit von einer zweiten Welle spricht, die die Zahlen auch in anderen Ländern sprunghaft steigen ließen und die allgemeine Angst wieder sprunghaft anzusteigen scheint. Aber nun zu dem Buch, das glaube, ich auf den Kenntnisstand von Mai beruht.

Es ist in einige Kapitel gegliedert, relativ einfach und leicht verständlich geschrieben und beruht gelegentlich auf einen leicht sarkastischen Unterton vor allem, was die Kritik bezüglich des deutschen Star-Virologen Christian Drosten, den deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn oder den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der ja einen sehr strengen Kurs fährt betrifft.

Beginnen tut es mit einer Einführung des “Alptraumes”, wo er leicht verständlich erklärt, daß das Virus im Dezember von China hergekommen ist und dort mit sehr drastischen Maßnahmen bekämpft wurde, die dann schließlich fast weltweit übernommen wurden.

Im zweiten Kapitel wird erläutert, wie gefährlich das “Killerviurs” ist, da führt Dr. Bhakdi verschiedene Tabellen und Statistiken an und auch, daß hier die Zahl der an Corona verstorbenen mit denen mit verwechselt wird. Er zitiert Statistiken, daß die meisten Toten über achtzig waren und nennt Risikofaktoren, wie Diabetes, Bluthochdruck und Herzerkrankungen, die immer vorhanden waren, aber oft nicht erkannt wurden. Er nennt Thrombose, als eine Ursache für spätere Lungenerkrankungen und interessant ist da ja, daß den alten Menschen und Riskogruppen ja nicht empfohlen und in den Altersheimen oft verboten wurden, aus dem Haus zu gehen, während frische Luft und Bewegung eigentlich zu empfehlen wäre.

Er zitiert auch, die die Studie eines Ministerialbeamten der berechnete, wie hoch die Kolleratschäden, leere Spitäler, keine Behandlungen, wären, die verschwiegen wurden. Vergleicht die Situation von Italien, Spanien, England und Großbritannien, hier ist das gesundheitssystem oft schlechter, es wurde krankgespart und oft auch falsch behandelt.

Dann kommt er zur Corona-Situation in Deutschland, die ja etwas anders als in Österreich ist. Der Lockdown hat hier, glaube ich, später als in Österreich begonnen und auch länger angehalten. So gibt es dort immer noch die Maskenpflicht, eine größere Abstandsregel und vor allem in Bayern viel strengere Bestimmungen, als in anderen Bundesländern.

Die Maskenpflicht hält er auch für unnötig und führt dazu verschiedene Belege an.

Ein Kapitel ist den leeren Krankenhäusern, dem Herunterfahren der Medizin und der fehlenden Behandlungen von Schlaganfällen und Herzinfarkten, weil sich die Patienten nicht in die Spitäler trauten, gewidmet und da kann ich berichten, daß ich noch immer keinen Corona-Toten kenne, wohl von einigen potitiv Getesten und von denen mit Verdacht hörte, aber von einigen Leuten hörten, daß sie an Schlagafällen und Herzinfarkten gestorben sind und mir auch einige Freundinnen in letzer Zeit von ihren aufgeschobenen Operationen berichtet haben. Mich hat vor allem auch erstaunt, wie schnell die Allgemeinpraxen zusammengebrochen sind und, daß sich die Mediziner dort nicht mehr die Patienten zu behandeln trauten, was ich eigentartig, wenn nicht arg finde.

Die falsche Behandlung mit Beatmungsgeräten wird von Dr. Bhakdi thematisiert und immer wieder, daß kein Lockdown nötig gewesen wäre, weil im April alles schon vorbei gewesen wäre, die Poltiiker aber immer noch von der zweiten Welle reden, die jetzt ja offenbar herbeidiagnostiziert. Da gibt es ein schönes Bild im Buch, daß mit Kanonen auf Spatzen geschoßen wird, was ich mir auch schon dachte, die fliegen aber munter weiter, während alles andere in Schutt und Asche über bleibt, schreibt Dr. Bhakdi weiter.

Er meint, was auch andere meinen, daß die Risikogruppen geschützt gehörten und alles andere nicht nötig gewesen sei, führt Schweden als positives Beispiel an, was von den deutschen Politiker und Medien heruntergemacht wird.

Prof. Drosten scheint er nicht leiden zu können und führt die Beispiele von der Pandemie von 2009 an, wo ein Impfstoff erzeugt wurde, der dann nicht nötig war, meint, daß es falsch war, den Menschen Angst zu machen, da wird Kanzler Kurz und sein berühmter Ausspruch angeführt, weil dann die Menschen alles mit sich machen lassen und das habe ich ja am Donnerstag erstaunt beobachtet, wieviel Leute sich da im MQ für den Meter bis zu ihrem Platz im Freien eine Maske aufsetzen. Wahrscheinlich haben sie gedacht “Welch ein Unsinn!”, lauten Unmut habe ich aber nicht registriert.

Die fehlende Meinungsfreiheit ist das nächste Thema, daß Kritiker gleich zu Verschwörungstheoretikern, ein Wort das inzwischen inflationär verkommen ist, bezeichnet werden und da wundert mich ja persönlich, daß die rechts oder bei der FPÖ zu finden sind, während die anderen zu schweigen scheinen, was ich auch nicht ganz verstehe, daß denen nichts zu Kritisieren auffällt.

Oe 24 TV berichtet ja immer, wie sehr die Menschen mit Kanzler Kurz und seinen Maßnahmen zufrieden sind. Die Wirtschaft liegt aber danieder, die Arbeitslosenzahlen werden steigen und, daß man Menschen in den Alterheimen einfach einsperrte und sie beispielsweise weder Besuche empfangen noch spazieren gehen ließ, ist wahrscheinlich auch mehr als fahrläßig.

Sind wir also bei der Einschränkung der Grundrechte, die da sehr schnell und weltweit nicht nur in Deutschland ausgehobelt werden, angelangt. In Deutschland wird da oft der Vergleich mit der DDR gebracht. In Österreich ist der aber, wo es auch nicht viel anders zugeht, nicht zuläßig und da wunderte mich schon von Anfang an, weil, daß das Virus zwar ansteckend ist, aber nur bei alten multimorbiden Menschen wirklich zugreift, war ja schon vom Anfang an klar, daß das so wirken konnte und verstehe, wie schon zitiert, noch immer nicht warum. Dr. Bhakdi zietiert da einen, der sich fragte, ob es an der “Dummheit der Politiker” liegen könnten oder, ob sie etwas anderes vorhaben? Und so dumm könnten die ja eigentlich nicht sein?

Eine Frage, die ich mir Angsichts der widereingeführten Maskenpflicht und der inzwischen über sechzig infizierten Praktikanten in St. Wolfgang auch stelle.

Denn wer suchet, der findet und ob es wirklich eine so gute Idee ist, das Virus, das ja ungekümmert weiterfliegt, mit aller Gewalt ausmerzen zu wollen, in dem man die Immunisierung verhindert und die Abwehrkräfte schwächt, wird auch thematisiert.

Das letzte Kapitil wird der Zukunft gewidmet. Wie geht es weiter?

Wir dürfen nicht in die finsteren Zeiten von 1930 zurückfallen, schreibt Dr. Bhakdi und wir sollten aus der Geschichte lernen.

Da bin ich gerade jetzt sehr skeptisch, denn die den Medien wird ja wieder Angst geschürt und die Leute, die mit Masken aus den Supermärkten kommen, gefragt, was sie von den Maskenverweigern oder Maskenanarchisten halten? Während die Experten gleichzeitig betonen, daß man eigentlich eine Schulung im Maskentragen bräuchte, damit sie nicht falsch angewendet werden und sich im Supermarkt noch keiner angesteckt hat und es hier die psychologische Wirkung ist, also, daß man die Angst nicht vergessen darf, auf die gesetzt werden soll und ich habe mir schon im März “Uje uje!”, gedacht.

Was ist, wenn dann im September der nächste Virus kommt? Wenn sich diese Einstellung nicht verändert, kommen wir aus dem Schlammassel nie heraus!

Mal sehen, ich bin wieder gespannt und kann das Buch wirklich allen sehr empfehlen, hörte, daß “Amazon” die Lieferung verzögert haben soll. Es steht aber Bestseller darauf und ich kenne schon zwei Leute, die es gelesen haben.

In den öffentlichen Medien hört man nicht viel davon, das stimmt, im Internet sind aber auch die entsprechenden Videos zu finden.

Abschiedsfarben

“Geschichten über Abschiede, die belasten, und Abschiede, die befreien, über das Gelingen und Scheitern der Liebe, über Vertrauen und Verrat, über bedrohliche und ewältigte Erinnerungen und darber, wie im falschen Leben oft das richtige liegt und im richtigen das falsche”, des 1944 bei Bielefeld geborenen Jruisten Bernhard Schlink, Autors des berühmten “Vorleser”, von dem ich außer einem Krimi noch “Olga” gelesen habe, steht als Nächstes auf meiner Leseliste und beeindruckend die Ironie und der feinen Ton des alten Mannes, der in hoher Brillanz wohl Abschied von seinem Leben nimmt.

In “Künstliche Intelligenz” nimmt der Ich-Erzähler Abschied von seinem Freund Andreas. Beide haben in der DDR ein Institut über Kybernetik aufbauen wollen, aber Andreas wollte mit einem Boot nach dem Bau der Mauer in den Westen. Das hat er anonym verraten und ist Institutsleiter geworden und Andreas nach seiner Haftstrafe nur von ihm geförderten Zweiten oder Gehilfen. Der ist längst gestorben. Jetzt kommt aber die Tochter, will die Geschichte aufarbeiten und die Stasi-Akten haben. Da hilft nur Verdrängen, Dissoziieren oder eben, das berühmte Abschiednehmen.

In “Picknick mit Anna” steht ein alter Lektor oder “Buchdoktor”, also einer “der aus schlechten Manuskripten gute Bücher macht”, auch ein leicht überheblicher oder ironischer Überton, am Fenster in der Nacht und beobachtet, wie Anna, die Hausmeistertochter, der er Nachhilfestunden gab, um aus ihr eine “feine Dame, wie in Pygmalion” zu machen und mit ihr in Oper ging, von ihrem Freund ermordet wird. Er steht dabei und holt nicht die Polizei oder den Rettungsdienst. So kommt der Kommissar zu ihm und sagt ihm, eine Nachbarin des Nebenhauses hätte ihn am Fenster gesehen. So resummiert er über seine Beziehung zu Anna und holt dann die Pistole, um, wen den Freund oder sich selbst zu töten?

In “Geschwisterliebe” trifft ein Musikwissenschaftler Susanne, seine Jugendliebe wieder. Er hat sich als Sechzehnjähriger in dieTochter aus reichen H<haus verliebt, die aber einen rollstuhlfahrenden Bruder hat, der sein bester Freund wurde. Die Eltern tuen alles um den Jungen zu fördern, Er will aber auf einer fremden U<u<u<uni studieren und Philip soll ihn begleitet. Der will Susanne nicht verlassen, die ihn aber nicht als Liebhaber will, so geht er nach Amerika. Jahrzehnte später wird er von Susanne, die verheiratet ist und zwei Kinder hat, ein fünftes gibt es auch noch, sagt der Mann spöttisch zu einem Vortrag über Fanny Mendelssohn eingeladen und erfährt, daß der Bruder, der alle “Arschloch” nennt, dement geworden, als fünftes Kind im Haushalt lebt und Susanne gesteht ihm, daß sie es war, die damals Eduard vom Berg hinuntergestoßen hat, weil sie auf ihn wütend war und jetzt lebenslang dafür büßt.

Ein wenig altmodisch und sehr konstruiert wirken die Geschichten, die von Ursula März besser, als die Romane empfunden werden. Mir sind sie vielleicht ein wenig zu dicht.

In “Amulett” wird eine Ärztin vom ehemaligen Au Pair Mädchen besucht, die hat ihr den Mann weggenommen. Jetzt hat er Krebs und will seine Ex-Frau sehen. Sie trifft sich nach längeren Zögern mit ihm und er übergibt ihr das Amulett, das ihr seine Mutter hinterlassen hat.

Noch einmal tragisch die Geschite der “Geliebten Tochter”, die heißt Mara und ist nicht das Kind von Bastian, denn der hat Theresa erst kennengelernt, als sie schon fünf war. Ist aber ein Vorzeigevater mit dem Mara über alles sprechen kann. So fragt sie ihn einmal, ob sie lesbisch ist, weil sie ein Verhältnis mit ihrer besten Freundin Sylvie hat. Dann gibt es aber einige Freunde. Mara wird Gebärdensprachenlehrerin, bevor sie zu Sylvie endgültig zurückkehrt. Jetzt wollen die beiden, die im weißen Kleid und weißen Anzug heiraten, ein Kind. Die künstliche Befruchtung hilft nicht. So fährt sie mit Bastian in ein Hhotel und kommt in der Nacht zu ihm. Er erkennt sie angeblich oder tatsächlich nicht, glaubt, sie wäre Theresa und ist danach nicht sicher, ob die drei Frauen, das miteinander ausgemacht haben, wälzt auch noch die Literatur, wo solche Geschichten erwähnt werden und wird dann ein Großvater, der sich in sein Schicksal ergibt.

“Der Sommer auf der Insel” nimmt das Motiv von Stefan Zweigs “Brennenden Geheimnis” auf. Ein Junge fährt mit seiner Mutter im Sommer auf eine Insel und entdeckt dort das Geheimnis, das sie mit einem Fremden hat und in “Daniel, my brother”, wird vom Selbstmord eines Bruders, der sich mit seiner Frau umgebracht hat, berichtet, was laut dem Interview mit Ursula März autobiografische Bezüge zum Autor hat.

In “Altersflecken” gehen einem nach dem siebzigsten Geburtstag alle Niederlagen, Peinlichkeiten, Enttäuschungen seines Lebens durch den Kopf. Der Psychiater nennt das Altersdepression und will was Auffhellendes verschreiben. Er spürt aber einer ehemaligen Geliebten auf und am”Jahrestag” geht ein auch schon älterer Herr, erfolgreicher Schriftsteller mit jüngerer Geliebten erfolgreicher Journalistin in ein Restaurant, um Champagner zu trinken und sie fordert ihm zum Tanzen auf, was bei ihm ein bißchen Widerwillen erregt.

Das ist auch etwas das man an dem wohlgeschliffenen Buch bemängeln könnte, daß alle Geschichten in der gehobenen intellektuellen Mittelschicht spielen. Die Protatgonisten, Ärzte, erfolgreiche Geschäftsleute, cetera sind, Campagner trinken und die Männer jüngere Geliebte haben und beinahe sorglos ihre Ehen brechen etcetera.

Ich weiß schon, das ist höchstwahscheinlich die Lebenswelt des Autors, der ja ohne Zweifel etwas Altmodisches in seiner Themenwahl und Sprache hat, obwohl er auch durchaus aktuelle Themen anschneidet, die aber dann in dieser Art und Weise behandelt und da würde es ihm wohl nicht wirklich liegen, mal einen jügeren Knaben um des Erfolgs oder auch um der Liebe willen mit seiner Chefin anbändeln lassen und die dann nicht zum Champagner sondern vielleicht zum Joint verführen.

Monster wie wir

Als Nächstes kommt der Debutroman der 1979 in Sachsen geborenen Pfarrerstochter Ulrike Almut Sandig, die auch als Lyrikerin tätig istund die ich einmal in Leipzig lesen hörte.

In einer sehr dichten Sprache wird hier über die Gewalt erzählt, der Kinder in Wahrheit hoffentlich nicht so oft, wie in den Romanen ausgesetzt ist. Von Gewalt, Kindesmißbrauch und den Ohrfeigen, die man auch in einem Pfarrerhaushalt bekommen kann.

Da ist Ruth, die Pfarrerstochter, die später Musikerin wird, bei einem Konzert ihrem Freund Viktor wiedertrifft und einem Voitto sehr metaphernreich, die wohl die Diszzoziationen verdeutlichen sollen, ihre Geschichte erzählt.

Da beginnt es gleich, daß sie als Embryo im Bauch der Mutter geschwommen ist und dann von ihrem Bruder Fly verlassen wurde, der als Erster auf die Welt kam. Sie erzählt ihm das Geschichte und er schüttelt den Kopf, kann sie sich doch nicht daran erinnern können, ist er doch vier Jahre älter als sie.

Der Vater ist ostdeutscher Pfarrer und hat die Kinder nie geschlagen oder doch, ein paar Ohrfeigen hat es gegeben.

Jedenfalls erzählt Ruth Voitto von den vier ihres Leben. Die Mutter eine Apothekengehilfin, ist sehr liebevoll zu den Kinder, erkennt aber in den Vampirbissen von denen Ruth ihr erzählt, die vom Großvater stammen, nur Bremsenstiche und geht dann, als sie sich vom Vater trennen will, mit dem Kind zum Großvater, der ihr vorwirft, daß eine Pfarrersfrau ihren Mann nicht verläßt und Ruth, die inzwischen Geige spielen lernt und es beim Großvater nicht aushält, sie wieder zur Rückkehr bewegt.

Viktor, den halbrussischen oder kleinen Russen, wie Ruths Vater sagt, Offizierssohn, lernt Ruth im Kindergarten kennen, besucht mit ihm später dieselbe Schule und er erzählt ihr vom Mißbrauch, die der Schwager, der Mann der älteren Schwester, die auf ihm aupassen soll, an ihm ausübte, während sonst, was Ulrike Almig Sandig in einem Interwiev thematisierte, darüber der Mantel des Schweigens gelegt wird.

Der zweite Viktor genannte Teil ist der packenste. Da ist die DDR vorbei, Viktor erwachsen und in Springerstiefel, wie ein junger blonder Nazihühne wirkend, auf dem Weg nach Frankreich, wo er sich als Au Pair beworben hat, damit er genommen wird, hat er seinen Namen in Viktoria umgewandelt.

Die Madame nennt ihn Victoire erklärt ihm, daß er nicht nur die Kinder betreuen und Französisch lernen, sondern auch ihre Unterhosen bügeln, staubsaugen und kochen soll. Dafür darf er das alte Brot, das nicht weggeworfen werden darf, in den Kaffee tauchen.

Die Kinder heißen Maud und Lionel, es gibt wieder ein paar poetisch surreal anmutende Szenen, wo Maud die Dinge aus ihrer Sicht erklärt. Maud liegt im Bett der Maman, Lionel in dem des Papas, der nicht sein Vater ist und als Viktor das bemerkt, schlägt er ihn zusammen.

Er wird nicht angezeigt, aber hinausgeworfen und das Aupair-Mädchen im Nachbarhaus, die Ukrainerin Julija, die wie der Großvater, ein alter Frankreichkämpfer, in dem durch Codes gesicherten Haus ein- und ausgeht, um nach dem Rechten zu sehen, bedauert das sehr, denn nun ist Lionel wieder allein und Maud hätte Viktor, wenn er geblieben wäre, sogar ihre Schnecken geschenkt.

Das fand ich packender und überzeugender, als den ersten Teil, wo Ruth, den Großvater in eine Vampirangst dissoziiert, das erscheint mir ein bißchen zu sehr dem Lehrbuch nachempfunden und wie auch anderes poetisch überfrachtet.

Es gibt auch noch einen Schluß- oder dritten, Voitto genannten Teil, in dem Ruth, die offenbar doch Pianistin gerworden ist, während sie vorher die verschiedensten Instrumente ausprobierte, ihrem Freund erzählt, was nach dem Fall der DDR aus dem Pfarrhaus und ihrem Bruder, dem Aktivisten und Filmer geworden ist.

Interessant wahrscheinlich, die Verbindung zwischen DDR und Kindesmißbrauch, interessant auch, das in einer sehr lyrischen Sprache zu erzählen, daß ich damit meine Schwierigkeiten habe, habe ich ja schon öfter geschrieben.

Ein interessantes Buch, schade, daß es nicht beim “Bachmannpreis” vorgestellt wurde.

Schwarzpulver

Nun kommt eine Juni-Neuerscheinung, das Debut der 1985 in Münschen geborenen Laura Lichtblau, ein dystopischer Roman, der eigentlich von unserer Corona-Dystopie schon ein bißchen überholt ist, geht es darin doch um das altbekannte Szenario eines Berlins in dem die Bürgerwehr regiert, das gendert verbietet, den homosexuellen und allen anderen das Leben schwer zu machen versucht und es geht auch, um drei besondere, wie bei “Amazon” steht oder auch etwas skurrile Figuren, was vor allem Charlotte, die Mutter und Scharfschützin der Bürgerwehr betrifft, denn die ist eine etwas labile Person, Cognac trinkende, alleinerziehende Mutter, des Charly oder von seinem Onkel und der Bürgerwehr auch Karl genannt, ein unbezahlter Praktikant in der gerade noch erlaubten Musikbrachche, die fährt zu Beginn des Buches und das ist für mich interessant nach Wien, um dort einen Vortrag über die “Sicherheit in der Straßenbahnen” zu halten und dort hat sie auch ihre Wurzel, beziehungsweise Charly seinen ihm unbekannten Vater.

Dann gibt es noch Burschi oder Elisa, am Land aufgewachsen und verliebt in Johanna, was in Staaten wie diesen, ja verboten ist. Sie wohnt bei einem alten Ehepaar oder räumt deren Wohnung aus und verkauft die Sachen am Schwarz- oder Flohmarkt, so lernt sie auch Charly kennen, der von ihr ein Musikequipment kauft.

Es kommt der Silvester. Charlotte wird von der Partei zu einer Feier auf einem Schiff eingeladen, Burschi hat Johanna in die Wohnung des Ehepaar März eingeladen. Die alte Frau entkommt und Johanna landet in einem U-Bahnschacht, so daß Charly in seiner Ratlosigkeit, seine Mutter, die Scharfschützin zu Hilfe ruft, die kommt betrunken, wie sie ist, schießt auf Johanna und wird von der Partei in eine Psychiatrie gebracht, sie kann aber fliehen, wird von Chary in einem Schuppen versteckt und Johanna hat noch Schwierigkeiten mit dem Amt für Volksgesundheit, die sie zu ihren sexuellen Vorlieben befragt.

Eine wie beschrieben schon sehr bekannt Dystopie mit einer etwas skurrilen Mutter.

Nora Gomringer meint am Buchrücken, daß “Wer halbdunkle Dystopien mag, die einzelne Figuren eben heller aufscheinen lassen, weil sie Heil suchen, Sehnsucht und Leidenschaft beweisen, und wer eine Sprache mag, die verführt, betört und -wow wow wo- so klingt wie die keiner anderen Erzählerinnen im Land, der wird Laura Lichtblaus “Scharzpulver” schätzen können und sich keine andere Lese-Montion für diesen Herbst wünschen”.

Das erscheint mir, somal wir ja noch Sommer haben, ein wenig übertrieben, bin aber gespannt, ob das Buch auf die Blogger-Debutshortlist kommt.

Klee Wyck – die, die lacht

Jetzt kommt noch eine Neuerscheinung und noch ein Buch des wunderbaren “Verlags das kulturellen Gedächtnissen” könnte ich fast pathetisch schreiben, denn, der offensichtliche kleine Verlag, bringt wunderbare Neuentdeckungen. So hat es für mich mit der “Wunderkammer der deutschen Sprache” angefangen. Dann ging es zu den “Berliner Briefen” der mir bisher unbekannten Susanne Kerckhoff, jetzt geht es nach Kanada und zu der 1945 verstorbenen Malerin Emily Carr, die seit ihrer Jugend mit ihrem Zeichensack, die Indianerreservate besuchte. Dort zeichnete, sich mit den Indiandern anfreundete und sich ihre Kultur einverleibte. Dann wurde sie krank, durfte nicht mehr malen. So holte sie ihr Skizzenheft und ihre Freundinnen rieten ihr zur Veröffentlichung.

Das gelang auch 1941 wurde ein großer Erfolg. Dann starb die über siebzigjährige alte Dame und das Buch wurde als Schulbuch herausgegeben. Da man bei Kindern aber offenbar zensurieren muß, wurde viel verstümmelt, eine der einundzwanzig Skizzen sogar weggelassen und die allzu große Missionarkritik der Autorin revidiert.

Das alles steht im Vorwort von Kathryn Bridge, die bis 2017 stellvertretende Leiterin des Royal Brith Columbia Museum war. Die Originalausgabe gibt es wieder seit 2003. Jetzt ist sie auf Deutsch erschienen und es ist ein sehr interessantes Buch, mit sehr schönen Illustrationen, das in eine vielleicht unbekannte Welt einführt und schon das oben Beschriebene mag zeigen, wie schwer, das in Zeiten, wie diesen ist, wo man, glaube ich, nicht mehr Indianer, sondern wahrscheinlich Ureinwohner schreiben darf und ich auch schon hörte, daß ein Bahnhof umbenannt werden soll, weil er nach “Onkel Tom” benannt wurde, obwohl sich Harriet Beecher Stowe ja gegen die Sklavenhaltung einsetze und durch ihr Buch auch viel in Gang veränderte.

Ja, Bildung hilft vielleicht gegen Vorurteile aufzutreten und da ist die Vergangenheit wichtig. Denn die muß man kennen, um in eine bessere Zukunft zu starten. Kehrt man sie unter den Teppich und dann brechen die Vorurteile erst recht schwallartig hervor, wie die Psychologin meint. Im Vorwort wird aber das Pidgin-Englisch in dem Emily Carr, die Ureinwohner sprechen läßt, entschuldigt. Ich denke, dadurch wird es dicht und das war ja ein Anliegen der Malerin.

Allerdings hatte ich auch ein wenig Schwierigkeiten mit den Vorurteilen, die da beispielsweise einer Missionarsdtochter, die “Missionarfräulein” und dumm” genannt wird, entgegengebracht wird, was vielleicht ein Argument für die Zensurfreudigkeit war.

Aber nun hinein in die Geschichten, die ich sehr empfehlen kann.

Sie haben indianische oder chinookische Worte, wie die Landessprache wohl heißt, zum Titel und in der ersten wird beschrieben, wie das “Fünfzehnjährige Schulmädel” mit ihrem Zeichensack in so eine Missionarsstation kommt. Da gibt es zweiMissionarinnen, eine ältere und eine jüngere und eine Schule, die am Sonntag zum Kirchenraum uimfunktioniert wird. Die Kinder starren das weiße Mädchen an, das sie in ihrer Sprache, “Die, die lacht”, nennen und am Sonntag dürfen die Männer nur mit Hosen in die Kirche. Das wollen sie offensichtlich nicht. Deshalb bleiben sie fern. Aber einmal kommt einer mit nackten Beinen und rührend die Erzählung, wie eine Indianerfrau, dann ihren Schal nach vorne reicht, obwohl Frauen ohne den solchen noch viel anstößiger als Männer ohne Hosen gelten.

Dann geht es mit der schon erwähnten Missionarstochter mit einem Boot in drei verlassene Dörfer, die drei eigene Skizzen sind, “Reportagen” steht, als Buchbezeichnung, ich denke nach meinen Romanerfahrungen, wo da ja Kurzgeschichtensammlungen als solche zusammengefaßt sind, daß es durchaus auch als solcher durchgehen könnten, sind sie ja alle in der Ich- Perspektive geschrieben oder richtiger wahrscheinlich, als Memoir oder Personal Essay, die ich ich ja im Writersstudio kennenlernte und den Unterschied zwischen den Beiden nie ganz auseinanderhalten kann.

In “Sophie”, doch kein Indianernamen, den die Missionare haben den Kindern offenbar alle christliche Namen verpasst, schreibt Emily Carr von ihrer Freundin, die einmal mit ihren Körben in Vancouver, wo sie lebte, aufkreuzte und sie sie dann in ihrem Dorf besuchte, um ihr Kleider zu bringen. Die hatte einundzwanzig Kinder. Jedes Jahr oder alle zehn Monate eines wahrscheinlich. Aber nur drei waren gleichzeitig am Leben und so werden die Kindersärge beschrieben in die die Kleinen dann gelelgt und bestattet wurden, was eigentlich auch zu denken geben kann.

“D` Sonoqua” ist die Bezeichnung für eine Holzfigur, die Emily Carr in den Dörfern immer wieder begegnet.

“Die wilde Frau der Wälder”, die laut Auskunft eines Ureinwohners “Kinder stiehlt” und “manchmal böse und manchmal gut” ist. Emily Carr beschreibt dann ihre Eindrücke, die die Statuen auf sie auslösten und wie sie ihren Frieden mit ihnen fand.

Es gibt die Geschichte der sterbenden Frau, die eine Bluse von Emily will und dann das Dorf “Greenville”, das ein moderneres mit Läden, einer Fischfabrik, etcetera ist. Die Indianer sind aus ihren alten dorthin gezogen oder wurden übersiedelt. Die Totempfähle haben sie zurückgelassen und nun verfallen sie oder werden von den Weißen abtransportiert und in ihre Museen gestellt, wie Emily Carr etwas zynisch schreibt.

Sie reist mit ihren Zeichensack durch die Dörfer, beziehungsweise läßt sie sich von Booten dorthin bringen, dabei hat sie seltsme Begegnungen, so wie beispielsweise mit der Frau, die sie mit zwei Kindern, einem Baby und einem größeren, die gar nicht ihre sind, dorthin bringt.

die Inidianer wollen oftmals nicht mit ihr auf der Insel schlafen, sondern kehren auf ihr Boot zurück und eine davon ist Louisa in deren Haus sie später übersiedelt und die einige Kinder hat, von denen die Missionare wollen, daß sie in ein Internat schickt, daß die Kinder dann entfremdet, so daß Emily davon abrät.

Die Geschichte, die in der Schulfassung weggelassen wurde, ist die von der Frau, die ein weißes Kind aufzieht, das ihr dann, um die Schule zu besuchen weggenommen wird, so daß sie sich in den Tod hineinweint.

Es gibt Mary, die Waschfrau, die die kleine Emily zum Essen rufen muß, eine abenteuerliche Schiffahrt und eine Reise in ein Dorf das die schönsten Totempfähle hat. Emily will unbedingt dort hin, alle raten ihr ab, die Hinfahrt ist beschwerlich, am Ende nimmt sie die Häuptlingsfrau aber bei sich auf und alles wird gut.

Am Buchrücken gibt es noch eine kurze Beschreibung, die auf Emily Carrs eindrucksvolle und poetische Sprache hinweist, “die den geschulten Blick der Malerin verrät.”