Werner Kofler-Gedenklesung

Am 8. Dezember 2011, also vor zehn Jahren ist Werner Kofler in Wien gestorben. Ich kann mich erinnern, daß ich damals am Feiertag gerade bloggte, Wolfgang Herrndorf gelesen habe und mit Rudi Lasselsberger darüber korrespondierte, denn er war damals ein bekannter Dichter, der wie ich es genannt habe, in Bernhard-Manier schrieb. Ich habe einige Bücher von ihm gelesen und höchstwahrscheinlich nicht verstanden. Bin einmal als ich zum “Tag der Freiheit des Wortes” nach <Klagenfurt gefahren bin, wie ich immer schreibe, im Zugabteil mit ihm, beziehungsweise seinen Koffer gefahren und als wir 2000 im Haider-Jahr, glaube ich, in Klagenfurt waren, der Alfred war da bei einer EDV-Tagung, ich habe ihn begleitet, haben wir im Stadt- oder Landestheater sein “Tanzcafe Treblinka” gesehen und jetzt eine Gedenklesung in der “Gesellschaft für Literatur” mit den Kofler-Gefährten Antonio Fian, der mit ihm gemeinsam sechs Hörspiele geschrieben hat und dem Lteraturwissenschaftler Wolfgang Straub, der gerade, die Werner Kofler-Gesamtausgabe herausgibt. Es gibt, glaube ich, schon drei Bände, zwei sind noch geplant und der 1956 in Klagenfurt geborene Antonio Fian hat in den Siebzigerjahren die Zeitschrift “Fettfleck” herausgegeben. Da kann ich mich erinnern, daß ich im “Rotpunkt” in den späten Siebzigerjahren im “Arbeitskreis schreibender Frauen” eine Nummer dieser Zeitschrift gesehen habe, wo Elfriede Haslehner, die ja auch bei dem “Arbeitskreis” war, ein Gedicht drinnen hatte.

Es gibt ein “Freibord” wo die Staatstipendiaten wahrscheinlich aus den Siebzigerjahren abgebildet sind, da sieht man Gerhard Rusiss am Klo sitzen. Antonio Fian hat eines bekommen und einen Text “Am Konstantinhügel” drinnen, Antonio Fian lebt ja im zweiten Bezirk und istDramulettemeister, hat das “Polykrates Syndrom”, geschrieben wo er 2014 auf der Longlist des Bps stand und auch eine Menge Dramulettebände bei “Droschl” herausgegeben.

Manfred Müller ästellte die beiden vor und erklärte nachher “Den Applaus müßen wir uns vorstellen oder werden uns eine Applausmaschine anschaffen!”,

Es ist ja wieder strenger Lockdown und dann las Antonio Fian einige Texte von Werner Kofler vor, die in den Siebzigerjahren erschienen sind, ein Gedicht über “Klogenfocht”, Kofler hat als Lyriker angefangen und im Jahr 1977 war der erste “Bachmann-Preis”, den ja der Kofler Freund Gert Jonke gewonnen hat und damals, ich habe das ja schon geschrieben, war die Stimmung der Autoren gegen diesen Bewerb. Sie haben dann doch mehr oder weniger heimlich dort gelesen, weil ja gut dotiert und Werner Kofler war auch noch bei den Innsbrucker Literaturtagen eingeladen, wo er fast den Preis bekommen hätte, den ich dann die Jelinek weggeschnappt hatte.

In den Siebzigerjahren war Kofler, der schon in Wien lebte, ein bekannter Hörspielautor und der junge Antoino Fian, der ja ein paar Jahre jünger war, ist nach der Matura nach Wien gegangen, hat Gustav Ernst und sein “Wespennest” kennengelernt und in einer der Nummern erschien Koflers “Gugile” ein Auszug daraus, später oder schon früher bei “Wagenbach” erschienen. Antonio Fian war begeistert, gründete den “Fettfleck”, um Kofler-Texte drinnen zu haben und hat dann eine Zeiltang, als sein Sekretär gearbeitet, beziehungsweise seine Bücher abgetippt.

Ein Hörspiel aus dieser Zeit wurde auch gelesen, das zeigte, wie gut Kofler, den ich eigentlich als in Bernhard-Manier Schimpfer kenne, im Literaturbetrieb vernetzt war, obwohl er die sozialen Nöte der rotanarchistischen Kulturszene schilderte. Für ein Hörspiel 1500 Schilling und davon mußte er für die Kinder seiner WG am überteuerten Südbahnhof einkaufen, weil die anderen Geschäfte schon geschlossen waren und ging in die Gasthäuser, die ihn anschreiben ließen.

“Lesen Sie Kofler!”, hießen die letzten Worte Wolfgang Straubs. Werde ich wahrscheinlich sobald nicht, obwohl ich “Am Schreibtisch”, das schon erwähnte “Gugile”, “Konkurrenz”, “Üble Nachrede”, und dann noch einen Hörspielband von Kofler Fian habe, lese ich ja gerade ganz was gegenteiliges, nämlich kitschige Weihnachtsromane und die österreichische und die Schweizer Buchpreisliste fertig, bevor ich zum Bloggerdebut komme und heute war auch für mich ein literarischer Tag, sind ja die “Ohrenschmaus-Texte” gekommen und dann das “Dummie” meines “Corona-Texte-Buchs”, die GAVen hat die Textproben der neuaufgenommen Autoren geschickt und außerdem muß ich noch vermelden, daß Christine Haidegger,” die einmal beim von mir organisierten “Tag der Freiheit des Wortes” gelesen und mich auch einmal nach Salzburg zu dem Symposium “Sichten und Vernichten” eingeladen hat, wo ich meine “Geschichten vom lieben Gott” gelesen habe.

Alle Tage schreiben

In der “Gesellschaft für Literatur” gab es wieder “Tacheles”, die Gesprächsreihe mit Daniela Strigl, mit Terezia Mora, ich weiß nicht, ob die auch verschoben wurde, sie fand jedenfalls Lockdown bedingt wieder ohne Publikum statt und Manfred Müller stellte die beiden vor. Bei Daniela Strigl erwähnte er ihr Buch über das “Faulsein” und, daß es das bei der so fleißigen Literaturkritikerin, die die Ebner-Eschenbach- Bücher herausgegeben hat, in unzähligen Jurien sitzt, die O-Töne moderiert und jetzt die “Tacheles-Reihe” und die 1971 in Sopron geborene und in Berlin lebende Terezia Mora ist offenbar auch eine fleißige Frau. 1999 hat ihre literarische Karriere in Klagenfurt begonnen, wo sie einen Text aus ihrem ersten Buch “Seltsame Momente” las. Dann kam der Roman “Alle Tage” und die “Kopp Trilogie”, wo sie 2013 mit dem “Ungeheuer” den dBp bekommen hat. Den Preis der Literaturhäuser “hat sie 2017 bekommen und 2018, wow, den “Büchner-Preis” und jetzt ist ein Arbeitsbuch mit dem Titel “Fleckenverlauf” herausgekommen, den sie bei der “Tacheles-Reihe” vorstellte, obwohl Daniela Strigl darauf hinwies, daß bei dieser Reihe nicht das letzte Buch vorgestellt werden müßte und sie auch nicht wüßte, wie das Gespräch verlaufen würde.

Es hat aber mit den fünfzigsten Geburtstag der Autorin, die ich, glaube ich, auch einmal als sie den “Fried-Preis” bekommen hat, im Literaturhaus erlebte. In der “Gesellschaft” war sie glaube ich das erste Mal, in der “Schmiede” habe ich sie auch erlebt und vor dem fünfzigsten Geburtstag hatte sie glaube ich Angst und aus diesem Buch ist das Arbeitsbuch entstanden, wo sie offenbar über ihr Leben oder ihre Arbeit geschrieben hat.

Terezia Mora ist auch Übersetzerin aus dem Ungarisch, so hat sie Peter Esterhazy, den ich einmal in der Hauptbücherei erlebte, übersetzt und ihn in der Zeit, wo er schon krank war, glaube ich, kennengelernt. Das beschreibt sie in dem Arbeitsbuch und sie hat überhaupt sehr viel übersetzt, was sie, wie sie erzählte, gerne tut, aber vor allem, wenn es sich um sehr umfangreiche Werke handelt, die sie dann mehrmals Korrektur lesen muß, weil sie das am eigenen Schreiben hindert. Damit ist vielleicht Attila Bartis “Das Ende” gemeint, das ich vor einiger Zeit im Schrank gefunden habe und erst lesen muß.

“Harmonia Caelestis” habe ich auch gefunden und von Terezia Mora habe ich “Den einzigen Mann auf dem Kontinent” aus einer Abverkaufskiste gezogen, das Lesen aber auch nicht geschafft und das Gespräch in der “Gesellschaft,” das ich mir zweimal anhören mußte, weil der Livestream so ruckelte, daß er nahezu unverständlich war, ging dann zu Viktor Orban und, daß sich Terezia Mora, die ja gelegentlich nach Ungarn kommt, darüber wundert, wieviele Leute ihn wählten und zu der Gewalt an den Frauen oder Mädchen, die in der Schule sexuell belästigt werden und die Lehrer schauen weg.

Terezia Mora recherchiet jetzt für ein neues Buch in Wien und außer den vielen Übersetzungen, gibt es auch Poetik-Vorlesungen und viele Preise darunter den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und, daß man mit dem Übersetzen nicht viel verdient und Erzählungen vielleicht besser als Romane wären, wurde auch thematisiert.

Preis der Literaturhäuser an Ingo Schulze

Der “Preis der Literaturhäuser”i wurde in Leipzig, glaube ich, fast immer am Freitag als Letztes auf dem “Blauen Sofa” verliehen. Nachher gab es Wein und Brezeln, einmal am Vormittag Kaffee, warum weiß ich nicht mehr und der Preis besteht aus einer Lesetournee durch verschiedene deutschsprachige Literaturhäuser und sehr lange war das Literaturhaus Wien nicht dabei.

“Warum?”, habe ich Silvia Bartl einmal gefragt, als sie in Leipzig war, als sich dort die GAV präsentierte, 2007 war das glaube ich.

“Gute Frage!”, war ihre Antwort.

Später habe ich dann verstanden, daß das Wiener Literaturhaus kein richtiges Literaturhaus war, weil es mit verschiedenen anderen Institutionen verbunden war. Seit einigen Jahre ist das aber anders und da habe ich 2016 Ulf Stolterfoht im Literaturhaus präsentiert von Oswald Egger gehört und 2020 Marlene Streeruwitz, die ihre Tournee Pandemie bedingt überhaupt nicht oder nur verspätet und digital antreten konnte, 2021 hat ihn Ingo Schulze bekommen und, ob der seine Tournee schon ganz halb oder gar nicht absolviert hat, weiß ich nicht genau.

Ich war auch nicht bei der Verleihung auf dem “Blauen Sofa” auf der digitalen Buchmesse im Mai, seit dieser Woche gibt es Österreich aber wieder strengen Lockdown also keine Liveveranstaltungen, so saßen Robert Huez mit seinem Team, Wolfgang Popp und dem 1962 in Dresden geborenen Autor wahrscheinlich allein im Literaturhaus und Ingo Schulze sollte auch, diesmal der alleinige Juror des heurigen “Frieds-Preisträgers” Frank Witzel, von dem ich zwei Bücher gelesen habe und der Preis sollte auch am Sonntag in der Literaturhausbibliothek gestreamt, werden, wurde, aber, wie ich gerade gelesen habe, auf den Frühling verschoben. Also nur einmal Ingo Schulze und den habe ich einmal, wahrscheinlich in den Neunzehnneunzigerjahren in der “Alten Schmiede” gehört.

Die Wende war vorbei und ich habe mich ja sehr für die DDR-Literatur interessiert und die auch öfter in der “AS” gehört, aber die war vorüber und die Geschichte von dem Mann in dem Taucheranzug, der vor einem Fischrestauraunt steht und dort an die Passanten Flyer verteilt, hat mich sehr beeindruckt. Daß die Geschichte aus den “Simplen stories” ist, habe ich erst jetzt in der Diskussion von Wolfgan Popp erfahren. Ich habe das Buch aber, glaube ich, mal gefunden oder aus der Abveraufskiste gezogen und habe von ingo Schulze überhaupt sehr viele Bücher und einige davon auch gelesen.

Das “Neue Leben” den großen Wenderoman, glaube ich, auf einen unserer Sommeraufenthalte in der hohen Tatra.

“Adam und Evelyn” ist 2008, “Peter Holtz”, 2017, da habe ich sccchon Buchpreisgelesen, auf der deutschen Buchpreisliste, da habe ich schon Buchpreis gelesen und die “Rechtschaffenden Mörder” war 2020 für den “Leipzger Buchpreis” nominiert. Da habe ich noch geglaubt hinzukommen. Die Pandemie hat es verhindert und jetzt führte Wolfgang Popp, der im Ö1 moderiert und auch schon einige Bücher geschrieben hat, durch das Werk.

Ingo Schulze dessen Bücher ja alle sehr genau die Wende und die ehemalige DDR beschreiben, erwähnte, was mir bisher offenbar entgangen ist oder ich vergessen habe, daß er die “Rechtschaffenden Mörder,” wo mir ja der erste Teil sehr gut gefallen hat, während ich die anderen eher aufgesetzt fand, in Joseph Roth-Manier geschrieben hat, während er die “Short stories” an die amerikanischen Shortstoriesmanier und beim “Peter Holtz” an den Schelmenroman orientierte.

Ingo Schulze hat aus den “Rechtschaffenden Mördern” gelesen und sehr viel darüber erzählte. Eine interessante Lesung, die ich wieder im Livestream und während ich noch die siebente Szene meiner “Arbeitstitel-Geschichte” mit der ich jetzt doch weitergekommen bin und inzwischen 6316 Worte habe, korrigierte, verfolgte.

Crossing Borders III

Es ist offenbar die Zeit der Literatur- und Autorengespräche. so gibt es in der “AS” die “Stichwort-Reihe”, im Literaturhaus “Im Gespräch” mit dem Verein Neugermanistik, dann gibt es noch die “Dichterinnen lesen Dichterinnen” und dann das “Crossing Borders” eine Kooperation mit dem BMEIA und dem Q21 im Museumsquartier. In der “Gesellschaft” hat es in der letzten Zeit auch einige BMEiA-Veranstaltungen ,von den Österreich Bibliotheken gegeben und die Crossing Borders sind, wenn ich es richtig verstanden habe, ein Austausch von österreichischen Autoren, die sich um einen Auslandsaufenthalt bewerben und ausländische, die in Wien, das Museumsquartier beziehen oder dort eine Stipendiatswohnung haben.

Zwei solche Veranstaltungen hat es im Literaturhaus schon gegeben, die ich versäumte, jetzt war eine mit Andrea Grill, Asja Bakic moderiert von Jana Volkmann, die ich eigentlich als Moderatorin der AS oder als Autorin kenne, also auch crossing over und interessant war auch, daß da zwei eigentlich schon alte Bücher vorgestellt wurden.

Die 1982 geborene bosnisch kroatische Autorin Asja Bakic, die offenbar nach Wien gekommen ist, hat ihren im “Verbrecher-Verlag” erschienenen Erzählband “Mars” präsentiert, der von Alida Bremer übersetzt wurde und offenbar in Kroatien schon 2015 erschienen sind. Es sind phantastische Geschichten, die sehr unheimlich wirken, in denen viel Geheimnisvolles passiert und die auch von Andrea Grill, die den Band offenbar schon kannte, so empfunden wurde und noch ungewöhnlicher war vielleicht, daß die 1975 in Bad Ischl geborene Andrea Grill einen Erzählband präsentierte, der schon 2012 erschienen sind “Liebesmaschine N.J.C”.

Meine Erklärung dazu wäre, daß das deshalb so war, weil das Buch bei oder nach einem New Yorker Stipendiumsaufenthalt von Andrea Grill entstanden ist. Das letzte Buch das von ihr erschienen ist, ist “Cherubino” das ja 2019 auf der deutschen Longlist stand. Andrea Grill erzählte etwas von den KIs, die das Buch behandeln, was ich beim Lesen gar nicht so verstanden habe, denn ich habe ja, wenn ich mich richtig erinnere, das Buch einmal aus einer Abverkaufskiste gezogen und das erste Mal, glaube ich, bei der ersten “Rund um die Burg” neu in dem Landtmann-Theater gehört.

Die beiden Autorinnen haben jeweils Ausschnitte aus ihren Erzählungen gelesen und dann wurde über das literarische Leben oder die Arbeitsbedingungen der Autorinnen diskutiert, wo vor allem Asja Bakic sehr unzufrieden war und meinte, daß die Autoren schlechte Arbeitsbedingungen hätte.

Andrea Grill, die heuer den “Wildgans-Preis” bekommen hat erklärte, daß sie sich, seit dem sie beim “Bachmann-Preis” gelesen hat, sich als Schriftstellerin bezeichnet hätte oder da eigentlich erst Schriftsteller, weil das die Bachmann auch so tat, aber jetzt wird ja gegendert und übersetzen tun die beiden auch. Andrea Grill, die eigentlich Biologin ist, aus dem Albanischen, Asja Bakic aus dem Englischen und Französischen aber auch Mascha Kaleko, Marlen Haushofer und Gabriele Tergit,, die ja jetzt, glaube ich, erst wieder entdeckt wird.

Eine interessante Diskussion, wo es eigentlich mehr um das Soziale oder in die Einsichten in das Autorinnenleben, die mich ja bekanntlicherweise sehr interessieren, ging und natürlich haben Bücher Haltbarwerte und man kann sie auch nach zehn Jahren lesen, ob die “Liebesmaschine” aber noch erhältlich ist, bin ich mir nicht so sicher. Da die Buchhandlungen aber jetzt ohnehin wieder geschlossen haben, kann ich auf die Bücherschränke verweisen. Besser wären zwar die Bibliotheken, aber die haben ja ebenfalls zu.

Die Natur bei Stifter und bei Han Kang

“Stichwort Natur” hieß die heutige Veranstaltung, wo Brigitte Schwens-Harrant mit Lydia Mischkulnig und Christa Zöchling zu diesem Thema zwei Bücher von Adalbert Stifter und der Koreanerin Hang Kang besprachen. Eine interessante Mischung habe ich gedacht.

Denn der “Hochwald” wurde 1842 geschrieben, die “Vegetarierin” 2007, die eine Erzählung spielt im Böhmerwald, der Roman in Korea, auf dem ersten Blick würde ich da gar keine Gemeinsamkeiten sehen und die Natur in der “Vegetarierin auch nicht erkennen, die ich ja gelesen habe.

Stifter habe ich auch sehr viel gelesen, als Studentin, ob der “Hochwald” dabei war, weiß ich gar nicht mehr, kann mich aber auch an ein Naturexeperiment erinnern, daß ich plante und mit dem ich entsetzlich gescheitert bin. 1975 wird das wahrscheinlich gewesen sein. Das Semester zu Ende. Die Elfi hat mich, glaube ich, in die “Fromme Helene” zum Essen eingeladen und ist dann in die Schweiz zum Servieren gegangen und ich mit einer Tasche Bücher, unter denen die von Stifter waren, auf den Almweg, in der besten Absicht dort den ganzen Sommer zu verbringen.

Zwei, drei Tage habe ich das, glaube ich, ausgehalten und der “Hochwald”, den die drei begeistert beprachen ist auch nur eine scheinbare Idylle. Es spielt im dreißigjährigen Krieg und ein Vater will seine zwei Töchter Johanna und Clarissa heißen sie, glaube ich, vor den Angreifern im Hochwald verstecken. Da denkt man jetzt wahrscheinlich an Vergewaltigung, Adalbert Stifter hat das wahrscheinlich reiner beschrieben und die drei Frauen zeigten sich auch von den Bildern sehr begeistert, den Szenen, wo die Mädchen im Wald Schmetterlinge finden und daraufkommen, daß sie im Winter nicht überleben können und wie sie sich durch den Wald zu ihrer Burg schleichen und dort nur Ruinen sehen. Dann spinnen und musizieren natürlich, wie es damals üblich war.

Die Natur bei Hang Kang ist der Körper der Frau, die scheinbar mittelmäßig plötzlich zu essen aufhört , um zur Natur zu werden und vom Vater zum Essen gezwungen und von der Schwester in eine Klinik eingewiesen wird. Drei Perspektiven, die des Ehemannes, der mit den Veränderungen seiner Frau nicht zurechtkommt, die zweite des Schwagers, der den Körper der Vegetarierin bemalen möchte und die dritte der Schwester.

Brigitte Schwens-Harrant sah in dem Buch die Auflehnung gegen die Gesellschaft. Es geht um die Gewalt des Vaters gegen die Tochter, der ihr ganz brutal das Fleisch in den Mund schiebt. Ein sehr interessantes Buch, das als ich es gelesen habe, das Buch der Saison war, die Beziehung zum Stifter habe ich nach wie vor nicht gefunden, habe von Han Kang aber noch ein anderes Buch gelesen, das ähnliche für uns ungewöhnliche Motive hat.

Iranischer Abend in der “Alten Schmiede”

Ab heute also mindestens drei Wochen lang wieder reine Livstreamveranstaltungen, ob man das möchte oder nicht, weil wieder allgemeiner Lockdown und damit, die Leute, die sich impfen ließen, das auch akzeptieren, ab Februar allgemeine Impfpflicht, dann kann man wahrscheinlich mit 2Gplus und FFP2-Maske hingehen.

Aber heute Livestreamabend, von der “Literatur im Herbst”, wo man noch mit Maske und 2G plus noch hineingehen konnte, um in die Literatur von zweisprachigen und doppelten Identitäten einzutauchen. Also wieder in die “Alte Schmiede” streamen, wo es ähnlich weiterging, nämlich zwei iranische Autoren, wo einer in Graz geboren wurde, moderiert von Johannes Tröndle.

Der erste Autor, der 1963 in Graz geborene Sama Maani, der in Österreich, Deutschland und Iran aufgewachsen ist, der Psychiater und Psychoanalytiker ist, habe ich, wenn ich mich nicht irre, schon bei meinem “Buch-Wien-Livestreaming” gehört.

Jedenfalls hat er dort seinen Roman “Zizek in Teheran” vorgestellt und tat das auch in der “Alte Schmiede”.

Das klingt schon einmal interessant, scheint aber ein sehr interessierter sechshundert Seiten Roman zu sein, der verschiedene Ebenen, verschiedene Protagnoisten hat und auch in Versform geschrieben zu sein scheint. Der mit bisher unbekannte Autor, hat zwei Stellen gelesen und Johannes Tröndle einleitend erzählt, daß es ja einen slownischen Philosophen namens Slavoj Zizek gibt, ob das derselbe Zizek ist, der nach Teheran fährt, habe ich nicht ganz mitbekommen. Es liegt jedenfalls ein Buch von dem Philosophen in einer Teheraner Buchhandlung auf und eine Gefängnisebene scheint es auch zu geben.

Interessant, interessant und reizt natürlich zum Lesen, um sich auszukennen. Vielleicht finde ich es mal in den Schränken

Nach einer Pause kam Angelika Reitzer zum Lesetisch und stellte den 1956 in Teheran geborenen Amir Hassan Cheheltan vor, der nach verschiedenen Stationen wieder in Teheran lebt und von Jaleh Lackner-Gohari gedolmetsch wurde, die gleich übersetzte, daß er schon drei Mal in der “Alten Schmiede” gelesen hat und ich ihn also auch schon bei der “Literatur im Herbst” gehört habe und das Buch, das vorgestellt wurde, heißt “Der Zirkel der Literaturliebhaber”.

Eine Coming of age-Geschichte, wo ein Junge in einem solchen Literaturzirkel aufwächst und kindgerecht mit der Lteratur in Berührung kommt, was ich wieder sehr interessant fand, autobiografisch zu sein scheint, weil der Autor übersetzen ließ, daß ihn nur seine Kindheit und die Literatur interessieren würde und er auch nur darüber schreiben könne.

Identissimo im Odeon

Die “Literatur im Herbst” gibt es ja schon seit dreißig Jahren und ist, glaube ich, die Folgeveranstaltung der “Literatur im März” die es vorher von Walter Famler und der “Alten Schmiede” organisiert im MQ und an anderen Orten gegeben hat.

Es hat, glaube ich, auch einige Zeit gedauert, bis ich das erste Mal hingegangen bin, weil ja zeitgleich meistens mein literarisches Geburtstagsfest war. In den ersten Jahren gab es meist ein osteuropäisches Land, das literarisch vorgestellt wurde.

Auch Griechenland, denn das war, glaube ich, das erste Mal, daß ich im Odeon-Theater war, an Bulgarien, die Ukraine, kann ich mich erinnern, dann kam der Donauraum, da sind wir auch mit dem Schifft von Bratislava nach Wien gefahren, Jugoslawia revisited, das Mittelmeer, Norwegen, der Iran, Japan, waren auch einmal das Thema, der Feminismus oder das Gendern von Angelika Reitzer, organisiert, dann ging es um die “Dialektik der Befreiung“, um den utopischen Raum und im Vorjahr um die “Kraft in der Literatur”.

Da war dann nicht mehr im Odeon, sondern in der “Alten Schmiede” wo es auch meistens am Samstag oder Sonntagvormittag Diskussionsrunden gab. Denn im Vorjahr hatten wir ja auch den Lockdown, also eine reine Livestreamveranstaltung, und viele Programmpunkte waren auch abgesagt, weil die geplanten Autoren nicht anreisen konnten.

Jetzt gab es noch eine Liveveranstaltung im Odeon-Theater, allerdings mit 2G und, ich glaube, seit heute braucht man noch dazu einen PCR-Test und eine FFP2 -Maske und für den Außenstehenden, der das vielleicht in fünfzig Jahre liest oder vor fünf Jahren gelesen hätte, würde das schon hübsch utopisch klingen, allerdings hatten die Veranstalter Glück, denn ab Montag gibts ja nicht nur den Schutzlockdown für die Ungeimpften, sondern den totalen und eine geplante Impfpflicht ab Februar. Da werde ich sicher noch darüber schreiben, aber jetzt per Stream in Odeon und das Thema, das Walter Famler mit ilija Trojanow, ausgewählt hat, klingt auch sehr interessant und total aktuell, nein um Covid geht es nicht, denn das ist na nur ein Thema der Schwurbler,h obwohl im Vorjahr Marlene Streeruwitz ihren Covid- Roman vorgestellt hat, sondern um das was man schon beim “Bachmannlesen”, bei der Frankfurter BM und der “Buch Wien” beziehungsweise, wenn man, wie ich die deutsche Buchpreisliste gelesen hat, hören konnte.

Nämlich um Identität, als die Literatur mit Migrations, Flucht- Divers oder auch anderen Hintergrund und der Veranstaltungstitel heißt “Identissimo” nicht “Identiti”, mein fast Lieblingsbuch der heurigen deutschen Liste, inzwischen ist ja noch der Schmalz mit dem “Winter” dazugekommen und nein, Mithu Sanyal wurde nicht eingeladen, aber doch einiges bekannte, was ich schon vom Buchpreislesen oder sonstwoher kannte.

Walter Famler hat im gewohnten “Literatur im Herbst-Design” eröffnet, die Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler hat eröffnet und ist dann zu einer Kino-Premiere verschwunden.

Dann kam der Eröffnungsvortrag des mir bisher ziemlich unbekannten Deniz Utlu, der 1983 in Hannover geboren wurde, der aber auch einen Beitrag in “Eure Sprache ist unser Albtraum” hatte und der sich mit “Identität und Literatur “, wie im Programm stand oder “Identität und Schreiben” beschäftigt und die Literatur von Autoren mit Migrationshintergrund oder anderen Kulturen, die dann vielleicht darauf festgelegt werden und nur die entsprechenden “Exil-Preise” bekommen, ist sicher interessasnt.

Nach der Pause kam am Freitag Angelika Reitzer und stellte die 1972 in London geborene Sharon Dodua Otoo, die 2017 den “Bachmann-Preis” gewonnen hat, im Vorjahr, glaube ich, die Klagenfurter-Eröffnungsrede hielt und jetzt ihren Debutroman “Adas Raum” vorstellte, der manchen auf der Buchpreisliste fehlte und bei dem es um die Lebenseschichte von vier Frauen in verschiedenen Jahrhunderten geht.

Im Anschluß gab es dann ein Gespräch zwischen Deniz Utlu, Sharon Dodua Otoo und Ilija Trojanow über das Schreiben mit den verschiedenen Identitäten, also darf man beispielsweise als schwarze Frau über den Holocaust schreiben oder als weiße ein schwarzes Gedicht übersetzen oder, daß alle türkischen Autoren in einen Topf geworfen werden.

Am Samstag wo ja in Wien die großen Demos stattfanden, begann es im Odeon mit dem 1981 in Sarajevo geborenen Tijan Sila von dem ich schon zwei Bücher gelesen habe. Der dritte Roman “Krach”, wo es um eine Punkband und einem jungen Mann namens Gansi geht, wurde von Iilja Trojanow moderiert, der seine Einleitung gleich damit begann, “Während wir uns hier der Literatur widmen, demonstrieren draußen Idioten für die Freiheit krank zu werden”, nun das würde ich nicht ganz so sehen, bin aber auch in Harland, weil ich jetzt ja schon vier Wochen nicht mehr dort war, hatte auch ein wenig Angst wegen der Maskenpflicht und jetzt auch, wenn ich die Bilder sehen, wo Demonstranten weggezerrt werden und höre, daß eine Frau ein Plakat trug, wo daraufstand “1939 hat es angefangen”, höre aber auch, daß sich da Hunderttausend eingefunden haben, denen die Demo wichtiger als die Literatur war.

Mit der 1983 in Prizren geborenen Meral Kuryeshi, die der türkischsprachigeen Minderheit im Kosovo angehörte, in Bern lebt, die Bücher “Elefanten im Garten” und “Fünf Jahreszeiten” geschrieben hat und im Vorjahr beim “Bachmann-Preis” gelesen hat, ging es weiter. Sie wurde von Lydia Mischkulnig vorgestellt, die ihre Einleitung auch damit begann, daß sie sich freue, daß die Zuschauer hier und nicht am Ring wären, wo das Tränengas spritzte ,und da kann ich mich an 2000 und meine erste Widerstandslesung die am Ballhausplatz jeden Donnerstag von El Awadalla und Traude Korosa organisiert wurden, erinnern, wo Lydia Mischkulnig vor mir gelesen hat.

Dann hätte die 1988 geborene Shida Bazyar, deren Eltern aus dem Iran geflohen sind, mit ihren “Drei Kameradinnen” kommen sollen, wo es ja drei aufmüpfigen junge Frauen geht, hat aber abgesagt, so daß es mit einem “Langen Abend der Poesie” weiterging, wo es Lyrik, Rap, und spoken word, der von Mieze Medusa moderiert wurde.

Der erste Lyriker, der präsentiert wurde, war der 1979 in Nettal geborene Dincer Gücyeter, dessen neuer Gedichtband “Mein Prinz, ich bin das Ghetto” heißt und der einen kurzen Brief verlas, den sein Vater 1966 nach seiner Ankunft in Deutschland an seinem Vater schrieb, wo er Geld für ein Kleid für die Mutter schickte, sagte, daß er jetzt in einer Fabrik arbeiten würde und sich bald einen Mercedes kaufen würde. Dann kam der Brief den er an seinen Vater schickte und auch einen, den er von seinen Kindern bekommen hat und auch Briefe an die Gäste verteilte.

Dann kam der 1994 geborene Elias Hirschl, der Poetry-Meister war und wie Mieze Meduasa erwähnte mit seinem “Salonfähig”, das ich noch lesen muß, zum Bestseller wurde und auch den “Priessnitz-Preis” bekommen hat und als Prosaautor eingeladen wurde.

Sein Text hieß “Analyse der Relikte” und beschäftigte sich mit den Tagebüchern seiner Großmutter, die er nach deren Tod von seiner Tante bekommen hat und die er total fiktionalisiert hat, also weit in die Zukunft ging.

Mieze Medusa erwähnte dann das neue Kunstprojekt auf der Schwedenbrücke, das Gedicht “Winterantwort” von Ilse Aichinger und kam dann zu der 1993 im Iran geborenen Tanasgol Sabbagh, die seit 2011 auf den Slam-Bühnen unterwegs ist und auch schon mal in der “AS” gelesen oder geslamt hat und eine Antwort auf Ilse Aichinger gab und sich sehr gegen Rassismus einsetzt und einen Text über “Den Körper der Frau” vortrug.

“Es ist als ob es tausend Spiegel gäbe und hinter tausend Spiegeln nur sich selbst”, was ein bißchen an Rilke erinnert, aber gleich zu den Fotos in Instagram weiterging und dann noch einen Text, vortrug, der “Satzende” hieß.

Dann kam der in Berlin lebende Autor Temye Tesfu, der einen sehr politischen Text über Deutschland vortrug.

Vier Autoren von denen ich nur Elias Hirschl kannte und die dann noch in einer zweiten Runde das poetische Schaffen einer internationalen jungen Autorenszene zeigten.

So kam von Dincer Gücyeter noch ein Text “Aus einem Poesiealbum eines Lkw-Fahrers”, in dem auch der Titel seines Buches “Mein Prinz, ich bin das Ghetto” vorkam.

Elias Hirschl hatte dann noch eine Kurzgeschichte, die von den Erfahrungen einer Kellnerin auf einer Datingplattform handelte, wo man sich sehr gut fragen konnte, wo die Identitäten blieben.

“Leute machen” hieß der Text von Temye Teesfu, wo es um verkleidete Menschen ging und auch Tanasgol Sabbagh hatte noch einen Auftritt.

Dann kam der fünfte im Programm nämlich der 1995 in Nairobi geborene und in Zürich lebende Rapper Ryler Smith, der wie er sich vorstellte, durch Musik zu seiner Identität fand.

Am Sonntag stellte dann die “Wespennest-Ko-Herausgeberin” Andrea Zederbauer, die 1976 in Paris geborene Elisa Diallo, die eine bretonnische Mutter und einen guineisischen Vater hat und die seit 2009 in Mannheim lebt, in einem Verlag arbeitet und nun ihren Gang nach Deutschland beziehungsweise das Erlangen der Staatsbürgerschaft in einem Essay beschrieb.

Anschließend beschäftigte sich Elisa Diallo, wie, das mit dem Sprachwechsel und dem Deutsch sprechen, der Mutter .oder Zweitsprache ist, wobei sie den Ausdruck “gebrochenes Deutsch” verwendet, was fast zwangsläufig zu dem “Broken German” von Tomer Gardi, der ja vor ein paar Tagen in der “Gesellschaft” zu Gast war und eigentlich auch ganz gut in die Identitätssuche der mehrsprachigen Autoren gepasst hätte.

Dann stellte Walter Famler den 1972 in Ägypten geborenen und seit 1995 in Deutschland lebenden Publizisten Hamed Abdel-Samad und sein Buch “Schlacht der Identitäten – zwanzig Themen zum Rassismus” vor.

Im Anschluß gab es dann eine Diskussion zwischen Ilija Trojanow, der am Anfang erklärte, welche Schwierkeiten er schon mit seiner Geburtsurkunde hatten, die in Sofia gar nicht mehr auffindbar war, Elisa Diallo und Hamded Abdel-Samad über das “Leben zwischen starren Rassismus und fließender Identität”, also dem Vorurteil, daß jede muslimische Frau ein Kopftuch trägt, obwohl die das in Deutschland gar nicht mehr so oft tun oder die Frage, daß es keine schwarze Farbe auf der Regenbogenfahne gibt? Eine heftige Diskussion zwischen den beiden Autoren, die nicht immer einer Meinung waren.

Und dann gings zur großen Abschlußveranstaltung nämlich zu der Lesung des 1945 in Somalia geborenen Nuruddin Farah, der nach verschiedenen Exilerfahrungen, jetzt in Kapstadt lebt, der viele Preise gewonnen und drei große Romantrilogien geschrieben hat. Das Gespräch wurde von Ilija Trojanow geführt, der ja, glaube ich auch in Kapstadt gelebt hat und der vorgestellte Roman heißt “Im Norden der Dämmerung”.

Eine interessante Veranstaltung, ein interessantes Thema, über das sich sicher viel nachdenken und damit die Weihnachten, egal ,ob geimpft oder ungeimpft gemütlich werden, viel lesen läßt und nein, ich glaube, nicht, lieber Ilija Trojanow, daß die Vierzig-, Fünfzig oder vielleicht sogar Hunderttausend, die da am Samstag auf die Straße gingen, für die “Freiheit krank zu werden” demonstrierten, sondern wahrscheinlich dafür, daß ihre Menschenrechte gewahrt werden, obwohl ich nicht dabei war, sondern mir den Stream genauso, wie den aus dem “Odeon” angesehen habe.

Ich werde mich wahrscheinlich nicht impfen, lassen, hoffe aber trotzdem, das nächste Jahr wieder live dabei sein zu können, obwohl man über den Stream natürlich auch viel mitbekommt und krank werden kann man dabei auch nicht, zumindestens was Corona betrifft und außerdem würde ich mir, das wird wahrscheinlich illusion bleiben, für das nächste Jahr eine Aufarbeitung des Corona-Themas wünschen und kann da gleich anmerken, ich habe auch einige Bücher, die sich dafür gebrauchen lasen, vor allem aber meine Blogartikel, drei schon veröffentlichte Bücher, zwei noch zu erscheinende und an dem sechsten, das ich derzeit schreiben möchte, komme ich angesichts der sich derzeit überstürzenden Ereignisse nicht wirklich weiter, habe inzwischen 4386 Worte, aber beim “Nano” schreibe ich ja nicht wirklich mit. Velleicht gelingt es mir aber trotzdem noch die Situation und sie sich auf beiden Seiten anfühlen kann, in Worte zu fassen.

Barbi Markovic in Nahaufnahme

Am Mittwoch war ich eine Zeitlang unsicher, ob ich mir den Literaturhaus-Stream geben soll, denn Barbi Markovics “Verschissene Zeit” habe ich ja im Badzimmer liegen, werde es demnächst lesen und habe sie daraus auch beim “Buch-Wien-Stream” lesen hören, habe also “Nicht schon wieder!” oder “Das ist zuviel!”, es gab aber keine andere Stream-Alternative und mit dem Ferdinand Schmalz, meinem letzten deutschen Buchpreisbuch in die Badewanne gehen und es auszulesen, wollte ich auch wieder nicht.

Dann bin ich daraufgekommen, daß es gar nicht um die “Verschissene Zeit” geht, die ja auch einmal bei einem “Kolik liest” oder “Kolik slam”, vorgestellt wurde und die ich bei Anna Jeller liegen sehen habe, als ich vom Volksstimmefest nach Hause gegangen bin, sondern um ihre andere Bücher “Ausgehen” und “Superheldinnen”, womit sie ja den “Alpha” gewonnen hat und von der “Verschissenen Zeit” gar nichts.

“Komisch!”, habe ich gedacht. Aber Barbara Zwiefelhofer hat in ihrer Einleitung erklärt, daß die Veranstaltung schon im vorigen Jahr geplant war und einige Male verschoben wurde und die “Nahaufnahme- Österreichische Autor/innen im Gespräch”, ist eine Veranstaltung im Rahmen des Vereins Neugermanistik, wo Alexandra Millner, glaube ich, Präsidentin oder Vizepräsidentin ist, um die Literatur in die Germanistik oder die Germanistik ins Publikum natürlich zu bringen und das wäre schon die die achte Veranstaltung, die es glaube ich seit 2016 gibt, bei zwei ich bin ich gewesen, weil ich ja regelmäßig ins Literaturhaus ging und mich jetzt dorthin streame. Der Präsident oder Vizepräsident des Vereins hat ein paar Worte gesprochen.

Dann kam die in Ungarn geborene Germanistin Edit Kiraly und stellte die drei Bücher, bzw, die 1980 in Belgrad geborene Autorin vor, die ich kenne, weil sie einmal Bloggerin der “Buch Wien” war, dann beim “Bachmann-Preis” gelesen hat, den “Alpha” und den “Priessnitz-Preis” gewonnen hat und eben bei Gustav Ernst in der “Gesellschaft” schon einmal über ihr neues Buch erzählte. Das Zweite, die “Superheldinnen” habe ich vom “Alpha” mitgenommen und gelesen.

Das erste Buch hat aber, habe ich, gelernt Barbi Markovic, die in Belgrad Germanistik studiert hat und dort in einem Verlag arbeitete, auf Serbisch geschrieben und das ist ein Remix auf oder aus Thomas Bernhards “Gehen” heißt “Ausgehen” und verwendet den gleichen Sound und die gleichen Phrasen “Das Schrecklichste aller Schrecklichkeiten”, spielt aber in der Clubbingszene und “Suhrkamp” der Bernhard-Verag, hat zuerst die Zustimmung für eine kleine serbische Übersetzung gegeben. Dann hat Mascha Dabic schon in Wien, wo Barbi Markovic ja weiter Germanistik studierte, das Buch auf Deutsch übersetzt, das dann auch bei “Suhrkamp” erschienen ist. Stadtschreiberin von Graz war Barbi Markovic auch und die “Superheldinnen” habe ich, jetzt gelernt oder wieder aufgefrischt ist ein Stadtroman. Ich habe ja auch einmal einen geschrieben, meiner spielt an einem Tag in Wien, der von Barbi Markovic am Siebenbrunnenplatz im “Sette fontane”, aber auch in Belgrad, Sarajevo und Berlin und der Ausgangspunkt für Barbi Markovic war natürlich, der von Alexander Döblin, die Superheldinnen sind aber drei Frauen, die aus Belgrad oder Sarajevo kommen und eine davon, die Mascha ist Mascha Dabic, das habe ich beim “Priessnitz-Preis” erfahren und beim “Buch- Wien-Stream”, das Barbi Markovic, das Buch teilweise auch auf Serbisch geschrieben hat, das Mascha Dabic dann übersetzte. Das habe ich, als ich es gelesen habe, interessanterweise nicht bemerkt, obwohl es höchstwahrscheinlich daraufsteht, wurde aber offensichtlich beim “Alpha” nicht erwähnt, oder habe es mir nicht gemerkt.

Das dritte Buch die “Verschissene Zeit”, von dem Barbi Markovic schon in der “Gesellschaft” gesprochen hat, wurde auf Deutsch geschrieben, spielt aber in einer Belgrader Plattensiedlung, wo Barbi Markovic auch aufgewachsen ist, in den Neunzigerjahren und das war offenbar für sie beschissen und es kommen, wie ich schon bei “Buch-Wien-Stream” hörte, viele Schimpfworte vor. Diesmal hat Barbi Markovic ein größeres Stück daraus gelesen, das auch mit dem Rollenspiel, das dem Buch beigefügt ist, erwähnt und erklärt, warum das Buch in der “Du-Form” geschrieben ist, wo das “Du” aber öfter wechselt, denn die “Dus” sind die handelnden Personen in dem Spiel, die anderen weniger wichtig.

Interessant, interessant und wieder viel gelernt oder aufgefrischt, was ich jetzt nicht wüßte, wenn ich die Veranstaltung ausgelassen hätte, was ich aber ohnehin nicht zusammengebracht hätte, obwohl ich den Schmalz, natürlich auch auslesen muß, um mit meiner Leseliste weiterzuskommen. Interessant interessant, am achten Dezember wird eine Szene aus dem Buch an der “Angewandten” aufgeführt, aber dahin kann man ohne Gs im Lockdown ohnehin nicht gehen. Aber bis dahin habe ich das Buch schon gelesen und bin vorläufig darauf gespannt.

Zwei unterschiedliche Reisebücher

Zwei sehr unterschiedliche Bücher wurden heute in der Reihe “Literaturen der Welt” in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt und von Ursula Ebel moderiert.

Zsuzsanna Ghase und Tomer Gardi und die 1946 in Budapest geborene und jetzt in Müllheim lebende Zsuzsanna Ghase, die ihre experimentelle Poetik in der “Edition Korrespondenzen” verlegt, habe ich schon bei mehreren Veranstaltungen erlebt und bei der “Literatur und Wein” gab es, glaube ich, auch einen Sonderdruck von ihr.

“Bergisch teils farblos”, heißt das neue Buch, wo es, glaube ich, in fünfhundert Aufzeichnungen, um die Alpen geht. Ganz genau habe ich das nicht verstanden, weil der “Gesellschaft-Livestream” oft stark geruckelt hat. Jedenfalls hat Zsuzsana Gahse, entnehme ich dem Beschreibungstext “unterwegs in nicht nur freundlichen Alpengegenden in unterschiedlichen Hotels und Berghütten Portraits von den Besuchern und den heimischen Gastgebern” gesammelt.

Einige der Stücke hat sie gelesen und im Gespräch mit Ursula Ebel erklärt, warum sie keinen herkömmlichen Roman schreiben wollte, sondern sich eher an Nathalie Sarraute orientiert, für diese Textform entschieden und einen herkömmlichen Roman hat auch der 1974 in Israel geborene Tomer ,Gardi nicht geschrieben, der 2016 eingeladenen von Klaus Kastberger in Klagenfurt mit seinem “Broken German” aufgefallen ist, das ich bei “Droschl” erschienen, auch gelesen habe.

Der jetzt ebenfalls bei “Droschl” erschienene dritte Roman “Eine runde Sache” besteht offenbar aus zwei Teilen. Im ersten Teil geht es ebenfalls in Broken German: “Ich bin ein gieriger Mensch, eine Person mit starke Bedürfnisse, und nach der Eröffnungsabend des Theater Festivals, wollte ich folgendes: Bier, Brot, Zigarette”, ein Autor namens Tomer Gardi mit einem Erklönig und einem Hund namens Rex auf Reise.

Der Autor spricht das schon erwähnte Kauderwelsch, der Erlkönig in Reimen und der Hund stößt immer “uus ” heraus.

Also schon ganz schön interessant. Es gibt aber noch einen zweiten Teil und den hat Tomer Gardi in Hebraisch geschrieben und von Anne Birkenhauser übersetzen lassen und da reist im neunzehnten Jahrhundert, ein indonesischer Maler von von Java nach Europa und wieder zurück.

Wie die beiden Teile zusammenpassen und sich in einen Roman zusammenfassen lassen, habe ich nicht ganz verstanden. Klingt aber sehr interessant und originell, denn ich höre ja immer, daß ich angeblich so schlecht schreibe.

Mag sein, obwohl ich es ja sehr lang und sehr regelmäßig praktiziereKunstsprache und Sprachexperimente und ich meine es ja ernst und finde auch die Kombination von Zsuzsanna Gahses Sprache und die von Tomer Gardi, die ja höchst unterschiedlich sind, sehr interessant und vielleicht auch mutig und weil ich mir ja derzeit, zuerst freiwillig, jetzt vom Staat verordnet,das alles von zu Hause ansehe, kann ich noch erwähnen, daß ich, als die Lesung beendet war, auch, glaube ich, denn mit Maske erkennt man die leute ja nur schwer, Kurt Neumann und Räto Ziegler, den Saal verlassen gesehen habe.

Wieder Writers in Prison day

Den “Writers in Prison day”, den es, glaube ich, am fünfzehnten November gibt, veranstaltet der Pen- Club schon seit 1960. Zum zweiten Mal, soviel ich weiß, findet da eine Veranstaltung in der “Alten Schmiede” statt, zumindestens habe ich da im Vorjahr darüber gebloggt und dabei etwas Schwierigkeiten mit den Zuordnungen der Namen zu den Gedichten gehabt, das Ganze auch zu leise übertragen wurde und mich diesbezüglich beim PEN erkundigt, was die, beziehungsweise meinen Blog etwas skurril fanden.

Nun das bin ich schon gewohnt, aber heuer, wo die Verhältnisse in Burma das Thema waren, beziehungsweise die bei “Löcker” erschienene Gedichtanthologie “Die Armee schießt nicht in die Luft” – Gedichte nach dem Militärputsch in Miamar” vorgestellt, die von Helmut N. Niederle, dem derzeitigen Pen-Präsidenten übertragen wurden, war der Ton besser und die PEN-Einladung zu den Veranstaltungen habe ich mir auch ausgedruckt, da die Informationen im AS-Programm wieder nicht ganz vollständig waren.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Vorstandsvorsitzenden der österr. Liga für Menschenrechte, die die Wichtigkeit sich für verfolgte Autoren einzusetzen betonte und eine Videobotschaft der burmesischen Präsisidentin Ma Thida, die auch in dem Band verewigt ist, präsentierte.

Am Podium saßen Helmuth A. Niederle und der Anglist Brian Haman, der gemeinsam mit den burmesischen Autor Ko Ko Thett, den Band herausgegeben hat und der Poetin Thett Su San, die offenbar mit ihm verheiratet ist.

Es folgte ein Gespräch über die burmesische Situation und die Rolle, die die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi beim Militärputsch spielte.

Dann wurde der Band präsentiert und die Gedichte zuerst auf Deutsch gelesen, bevor die beiden burmesischen Autoren einige in der Orignalsprache vortrugen.

Dann kam noch der Ehrengast Aziz Isa Elkun der Präsident des Uyghurischen Pen und erzählte, moderiert von der Übersetzerin Henriette Schröder etwas über die Situation seines Landes und präsentierte im Anschluß auch ein Gedicht von ihm und am Schluß wurde darauf hingewiesen, daß der PEN eine Anthologie uygurische Autoren herausgibt, die wahrscheinlich im nächsten Jahr präsentiert werden und Marion Wiesinger hat vorher noch darauf hingewiesen, das viele der burmesischen und wahrscheinlich auch andere Autoren unter der Corona Situation besonders gelitten haben, weil die oft als Vorwand genommen wurden, sie einzusperren oder ihre Lesungen zu verhindern, was vielleicht auch ein bißchen zu dem ab heute geltenden Lockdown für Ungeimpfte passt.