Dämonische Dame und magisches Matt

Jetzt ist sich das Streamen ins Literaturhaus doch noch ausgegangen, sind wir doch am Donnerstag nach meiner letzten Stunde nach Harland gefahren.

In der “Alten Schmiede” sind Eva Menasse und Milica Tomic aufgetreten, aber die streamen nicht mehr. Also statt zum “Krieg in der Kunst” zu den magischen Mädchen des Trios Anatol Vitouch, Ondrej Cikan und Alexander J Eberhard ins Literaturhaus und das war ein ungewöhnlicher Abend mit zwei mir unbekannten Autoren, die von den freischaffenden Komponisten und Bratschisten Alexander J. Eberhard musikalisch begleitet wurden.

Daniel Terkl, der neue Programmleiter hat eingeleitet. Der 1984 geborene Anatol Vitouch präsentierte seinen, glaube ich noch unveröffentlichen Schach-Science-Fiction Roman, in dem ein Schachcomputer von einem Schachreporter namens Anatol Vitouch gesucht wurde, um künstliche Intelligenz und ein untergeschobenes Manuskript ging es dabei auch.

“Mußte ich mir Gott als einen unveröffentlichten Science Ficton Roman vorstellen”, las der Autor.

Einen Schachreporter namens David Blau gab es dann im zweiten Teil der Lesung auch, wo der Euro schon abgeschafft ist und Währungen keine Rolle mehr spielen und dem Reporter von einer Mona Moliere eine Million in jeder Währung angeboten wurde.

Während der 1985 geborene Ondrej Cikan aus seinem Mikroroman “Blühende Dämone”, wo es ebenfalls wild herging und eher traditonell klingende epische Gedichte gelesen hat.

“Schön wie die Mutter die dich liebt und dich geboren hat”, schön wie der Knoblauch, das Vergißmeinicht”

Die Geschichte “Große Schwester”, die vom Literaturhaus schon zu Corona-Zeiten bestellt wurde, ein Krimi, haben dann die Autoren, der offenbar über eine große Stilbreite verfügen zum Abschluß gelesen.

Beide Autoren, von denen ich im Netz nicht viel finden konnte und die als “Die Gruppe” auftraten, sind mit weißen Stirnbändern vor Bierdosen am Lesepult gesessen und das Literaturhaus war, soweit man das im Stream sehen konnte, ziemlich voll.

Ein interessanter ungewöhnlicher Abend, der auch die Autoren gelegentlich zum Lachen brachte und ein kleiner Einblick, wie Literatur auch ausschauen und wie man sie produzieren kann.

Diogenes Talk mit Esther Schüttpelz

Und wieder eine “Diogenes” online Buchpräsentation, wieder eine Neuerscheinung, wieder ein Debut, der 1993 geborenen Esther Schüttepelz, die in Münster Jura studierte, wie sie erzählte schon immer geschrieben hat und jetzt mit ihrem Debut, dem am zweiundzwanzigsten Februar erscheinenden “Ohne mich”, ihren Anwaltjob aufgab, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

An die fünfzig Buchhändler und Blogger haben an dem Talk teilgenommen. Die Lektorin Margaux de Weck moderierte und schwärmte von dem großartigen Gefühl, ein Buch von einer unbekannten Autorin in der Hand zu halten und es dann zu entdecken.

Es geht, wie schon der Titel sagt, um eine Trennung und, um eine Jurastudentin, die sie gerade erlebt oder hinter sich hat und die Lektorin sagte zu der Autorin, die dann ein Stück aus dem Buch gelesen hat, daß ihr jurastudium schon wichtig gewesen wäre, denn sonst hätte das Buch anders ausgesehen und andere Protagonisten gehabt.

Die schöne Sprache wurde gelob, die, wie die Lektorin betonte, sehr ausgefeilt ist, obwohl sie sehr frisch und hinausgeflossen wirkt.

Die Autorin schreibt auch Liedtexte und interessant ist auch die Geschichte, wie Esther Schüttpelz zu “Diogenes” gekommen ist. Das heißt zuerst kam sie nach Berlin, um als Anwältin zu arbeiten und war dann mit dem Job nicht zufrieden. Deshalb ist der Text nebenbei und ohne Absicht einen Verlag zu suchen entstanden. Dann saß sie einmal in einer Bar neben einen Schriftsteller, der dann den Text oder ein paar Proben davon an eine Agentin schickte und die dann an “Diogenes”.

Lieblingsautoren scheint es nicht zu geben. Esther Schüttpelz mag auch keine langen Erzählungen und Beschreibungen und hat auch keinen Lieblingsstil. Den ihren hat sie durch Abgrenzung gefunden. Sie wurde dann nach ihrer Art zu schreiben gefragt, sie braucht sie die richtige Stimmung dazu, um in einen Sprachrausch und zum intuitiven Schreiben zu kommen, hat aber trotzdem keine Schwierigkeiten mit dem Abgabeterminen.

Im Chat wurde dann diskutiert, ob das Buch ein Generationenroman ist und wie das mit der Familie ist? Und einige Teilnehmer erklärten auch, daß sie das Buch auf Empfehlungen gelesen haben, der Klappentext allein hätte sie nicht begeistert, aber dann waren sie durch die Sprach fasziniert. Spannend, spannend und macht auch mich neugierig, das Buch und die Autorin zu entdecken, das aber erst zu mir kommen muß.

Günstige Intelligenzen und lucide Konsolen

Das Gegenteil vom “Populären Realismus” ist wohl das experimentelle Schreiben und das wird ja der österreichischen Literatur zugeschrieben und da konnte man heute, wenn man von den leicht verständlichen Unterhaltungsromane genug hat, seine blaue Wunder erleben und da waren heute unter dem Titel “Poesie der Netzwerke” Jörg Piringer und Natale Deewan zu Gast und der 1974 geborene Jörg Piringer war schon vor einer Woche zu Gast in der “AS” und hat da erkärt, was Allgorithmen sind.

Er schreibt aber auch Bücher, eines “Datenpoesie” ist 2018 erschienen und jetzt gibt es ein neues “Günstige Intelligenz” bei “Ritter” erschienen.

Das heißt, Piringer ist, glaube ich, nicht der Autor, sondern ein künstliches Intelligenzprogramm, das man um ein paar Dollar kaufen kann, deshalb der Titel.

Das ist auch nicht ganz neu, hat das doch Daniel Kehlmann in New York schon vor ein paar Jahren probiert und es begann mit Wortsammlungen die Jörg Piringer einmal machte, die dann von seiner KI weiterdichten ließ und dann daraus Gedichte machte.

Am Schluß ging es noch, um die Frage, wie es mit der Literatur weitergehen wird? Wird das Handgeschriebene nur mehr im elitären teuren Raum erhältlich sein, während sich die Massen mit dem von KIs produzierten, begnügen müssen. Das gibts, glaube ich, schon ein bisschen bei der Groschenromanproduktion und Moritz Baßler thematisiert, das in seinem Buch auch.

Die “Alte Schmiede” kann ich aber schreiben, war sehr voll. Die ganze experimentelle Szene, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Angelika Kaufmann, Günter Vallaster ,und und und die 1979 in Wien geborene Natalie Deewan hat in ihren “Lucida Console” bei “Klever” den zweiten experimentellen Verlag. War ja Ralph Klever bevor er seinen Verlag gründete, Lektor bei “Ritter”, eine Textmontage von Abraham a Santa Clara bishin zu Jörg Piringer betrieben, dabei auch vier Sprachen verwendet und bei Lesung ein Kapitel auf Rollen geschrieben “Braucht ein Gedicht eine Seele?” hat Piringer, glaube ich, schon vorher gereimt und das Publikum aufgefordert, sich je eine zu holen, dann im Kreis aufzustellen und rundumvorzulesen.

Als Belohnung gabs, dann was Süßes und so ganz habe ich das Projekt nicht verstanden, beziehungweise nicht genau mitbekommen, wieviel KI das jetzt ist?

Vernetzte Intelligenz wahrscheinlich allemal, also eine sehr interessante Lesung. Wien ist sicher noch sehr experimentell. Mal sehen was wir in Leipzig daraus hören werden und richtig, wenn man sich das Piringer Buch kaufte, hat, glaube ich, die KI das Autogramm geschrieben, aber das habe ich nicht mehr beobachtet, wie so etwas geht?

Deutsch österreichisches Sprachgefühl

Kam habe ich die dritte “Mit Sprache Veranstaltung” des Jahres 2022, die vorige Woche in der “Gesellschaft” stattfand, begann in der “Alten Schmiede”, die schon für das nächste Jahr. War da doch das Grazer Literaturhaus mit seinem Leiter Klaus Kastberger zu Gast und der brachte seine “Bachmann-Jurorkollegin” Insa Wilken, den in Graz geborenen Clemens J. Setzt und die in München geborene Schriftstellerin Ulrike Draesner mit. Das Thema der heurien “Mit Sprach-Veranstaltung” lautet “Wir inklusiv excklusiv” und da haben wir ja heuer weil Österreich heuer Gastland in Leipzig, ist schon ein aktuelles Thema, nämlich was ist deutsche und was ist jetzt österreichische Literatur und worin unterscheiden sie sich?

Durch den Dialekt, die Landesgrenze, oder die Natonalität? Und das ist ja eine interessente Frage, die man beliebig nach Lust und Laune und je nach Temperament deuten kann.

Das Einfachste wäre ja zu sagen, es gibt keine österreichische Literatur, denn wir alle schreiben Deutsch und es gibt kein Österreichisch. Nicht alle, würde jetzt wahrscheinlich Katja Gasser sagen und in der “AS” hat es Clemens J. Setz gesagt und hat zu der slowenischen Literatur noch die kroatische mitgenommen.

Aber da würden wir ja die anderen ausgrenzen und interessant ist ja der deutsche Buchpreis, der ja ein deutschsprachiger ist. Das heißt da können schweizer, deutsche und österreichische Autoren gewinnen und da bleiben die deutschen über. Denn die Österreicher und die Schweizer, haben jetzt ja auch einen eigenen Buchpreis, können also zweimal gewinnen und dann gibt es die “Tage der deutschsprachigen Literatur” und die finden seit 1977, glaube ich, in Klagenfurt statt und von dort kennen sich ja auch Klaus Kastberger und Insa Wilke und sowohl Clemens J. Setz, als auch Ulrike Draesner haben dort, glaube ich, auch gelesen.

Das ist jetzt meine Zusammenfassung, Klaus Kastberger und Insa Wilke machten es natürlich komplizierte. Das heißt, die Literaturkritikerin, denn Klaus Kastberger ist ja ein lockerer Typ und so gab es sehr viel Gelächter im Publikum und Ulrike Draesner erwähnte auch, daß sie die österreichische Literatur durch ihr Abitur und da durch Heimito von Doderer kennenlernte und sich dachte, was ist denn das für ein Name?

Dann kam noch ein österreicherischer Ministerialbeamter zu ihr und sprach immer von der “Tranche” und sie dachte das ist Österreichisch. Ist aber wahrscheinlich die Hofratwienerische Verballhornung des französischen Wortes.

Interessant was ist österreichische Literatur? Heimito von Doderer, sagte Ulrike Draesner.

Thomas Bernhard, Ingeborg Bachmann, Elfriede Jelinek. dann kommt noch Josef Winkler hinzu und da hätten wir noch eine Trennung nämlich Deutsch ist proestantisch, Österreich katholisch und interessant, daß die Diskutanten immer von Bundesdeutsch sprachen. Wahrscheinlich um die österreichischen Literatur von der deutschen abzugrenzen und ich dachte, wui, da fehlt doch die DDR und die BRD gibt es nicht mehr, bis das Ulrike Draesner aufgriff und sagte, daß sie als Deutsche auch das unterschieden hat und die “DDR Literatur kenne ich nicht so gut!”, fügte sie, glaube ich, noch hinzu und ich dachte, Uje, Brigitte Reimann, Christa Wolf und dann noch vielleicht ein paar Parteigenossen, wie den Alfred Kurella und da habe ich viele ausgelassen, die Irmtraud Morgner, die Sarah Kirsch und dann noch den Hermann Kant, um noch einen Parteigneossen zu nennen, etcetera, während die Österreicher wieder, die sanften Weicheier mit der schönen Sprache oder die großen Schimpfer, wie der Thomas Bernhard sind und dann habe ich bei Moritz Baßler,glaube ich, noch gelesen, daß die Österreicher sich durch die Sprache auszuzeichnen und da habe ich an die Experimentellen, wie Jandl, Mayröcker,, etcetera gedacht.

Interessant, interessant und die Diskussion ging noch lustig hin und her. Bisher habe ich ja eher meine Meinung zu diesem Thema beschrieben und mir gedacht, den Unterschied siehst du gleich, beziehungsweise die Prominenz der Autoren, wenn dann die Österreicher zu “Suhrkamp”, “Rowohlt” oder “Fischer” gehen, die zuerst bei “Droschl” und “Jung und Jung”, der ja glaube ich auch ein Deutscher ist, waren und die Bundes- oder ex DDR-Autoren bleiben dann, wenn sie das nicht können bei den deutschen Kleinverlagen.

“Lesen Sie viele österreichische Autoren!”, riet oder forderte Klaus Kastberger noch auf. Dazwischen haben die beiden anwesenden Autoren je ein Stück aus ihren schon erschienenen oder demnächst erscheinenden Bücher gelesen und ich tue das auch. Hatte ich ja die Marlene Streeruwitz, die ich vor zwei Wochen in der “AS” hörte, im Rucksack, die jetzt glaube ich bei “S. Fischer” verlegt, würde mir aber wenn ich könnte und nicht zuviele Rezensionsexemplare auf mich warten, nach Lepzig den neuen Uwe Tellkamp “Den Schlaf der Uhren” mitnehmen, auf jeden Fall aber ein deutsches Buch nach Leipzig und die Österreicher lese ich dann in Österreich.

Mittagessen bei der Ruth und Korrigierbericht

Übermorgen hat sie Ruth ihren sechsundsiebzigsten Geburtstag und da lädt sie immer ein paar Leute ein Ein paar Mal war ich schon dabei,aber diesmal geht es um den Jahrgang 1947, ihr Geburtsjahr.

Da sind, glaube ich die Susanna Schwarz-Aschner, der Franz Schuh, der Thomas Northoff, etcetera, betroffen. Aber wir hatten noch eine Einladung gut. Hätten wir doch kurz vor Jahreswechsel, bevor wir nach Harland gefahren sind, zu ihr kommen sollen, weil sie eine bestimmte Nachspeise ausprobieren wollte. Aber dann ist sie krank geworden und wir sind alleine ins Theater zu einer Ziege namens Silvia gegangen und jetzt die Einladung nachgeholt, was ich als vorgezogenes Geburtstagsfest betrachtete und ihr daher zwei meiner Bücher mitbrachte.

Die “Gestohlenen Jahre” und das passt insofern ganz gut, denn bei ihrem letzten Geburtstag hats, glube ich, auch kein Fest gegeben. Aber auf der WU hat eine große Demo stattgefunden, weil man da ja nur mehr geimpft studieren hätte dürfen und das kommt in dem Buch vor. Verläßt der Simon da ja Österreich, weil man laut Ministerin Edtstadler ungeimpft nach Einführung der Impfpflichtsich nicht mehr in Österreich aufhalten durfte.

Das ist jetzt vorbei. Wurden ja, nachdem die ÖVP, die NÖ- Wahl verloren hat, weil die Ungeimpften lieber der FPÖ ihre Stimme gaben, die Aufhebung aller Regelungen mit April oder Juni angekündigte. Dafür wirds ein neues Epidemiegesetz geben, wo dann die Impfpflicht gleich dabei sein soll und die Stadt Wien hat an ihr Pflegepersonal auch schon Passierscheine geschickt, damit sie im Falle eines Blackoutlockdowns, wo alle wieder zu Hause bleiben müssen, ihre Arbeit machen dürfen.

Das ist aber noch Zukunft und das zweite Buch, das vor ein paar Tagen erschienen ist, ist das über das “Soziale Kreditsystem”, das habe ich der Ruth auch übergeben.

Dann liegt noch die “Flora Faun” beim Alfred, der das Manuskript druckereifertig machen soll und ich korrigiere gerade an den “Drei Frauen”. Bin da beim letzten Drittel und länger ist es bis jetzt noch nicht geworden, kommt vielleicht noch.

Jetzt gings einmal um das Grobe, die Namen kontrollieren und die Rechtschreibfehler und bei der Ruth hat es gefüllte Tomaten als Vorspeise gegeben. Dann gab es Hackfleischbällchen mit Dillsauce und die Nachspeise waren flambierte Bananen.

Dann kam auch noch die Frau Brunngraber, die Tochter des Rudolfs, die in demselben Haus, wie die Ruth lebt und die Ruth hat mir das Buch des Robert Sommers gezeigt, daß er ihr auf der “Buch Wien” gegeben hat und in dem mein Name und mein “Tauben füttern” vorkommt, daß ich ihm offenbar einmal gegeben habe.

Wir haben uns dann auch noch über einige literarische Neuigkeiten unterhalten, so die letzte “Mit Sprache Unterwegs-Veranstaltung” die die Ruth versäumte und die nächste GV der IG Autoren steht auch an. Aber da wird die Ruth wieder im Hinterthal sein, wo wir sie vor drei Jahren begleiten durften und bei meinem Geburtstagsfest, das vielleicht im November stattfindet, wird sie auch auf einem Literaturaufenthalt sein

So weit und ein gutes Mittagessen mit Sekt, Wein und Keksen. Ich wünsche der Ruth alle Gute zu ihrem sechsundsiebzigsten Geburtstag. Zum siebenundsiebzigsten wird es wieder ein großes Fest geben und ich lese gerade ein interessantes Buch, nämlich den persönlichen Essayband der Kerstin Preiwuß, wo es auch um Corona geht, das jetzt ja vorbei sein sollte.

Das neue Buch

Wieder ein neues Buch. Das erste im neuen Jahr im Frühling und Sommer 2022 geschrieben und wenn man es so will, ein Nach-Corona-Buch, das das Coverfoto weist schon darauf hin, sich mit dem chinesischen sozialen Kreditsystem beschäftigt.

Aus der Sicht Steffi Schusters, einer pensionierten Psychologin, die in ihrer Cafe-Konditorei einige interessante Begegnungen hat, von der Tochter einer Studienfreundin besucht wird und ein sogenanntes Patenkind hat sie auch.

Ein sehr dünnes Büchlein. Das Schreiben ist auch nicht ganz so flott, wie sonst dahingegangen,. Trotzdem ein wahrscheinlich interessantes Stück Zeitgeschichte über ein Thema, das mich die letzten drei Jahre sehr beschäftigt hat und worüber man bestimmt realistisch und gesellschaftskritisch schreiben kann und soll.

Am Gewinnspiel hat sich leider wieder niemand beteiligt.

“Traut euch doch!” würde ich sagen, vor allem im Jubiläumsjahr wäre das interessant. Ich löse die Fragen also auf und fordere wieder alle herzlich zu einer Leserunde auf, in der wir über das Buch diskutieren können.

  1. In der Konditorei “Aida” auf der Mariahilferstraße
  2. Sun Jong Edelbauer
  3. Steffi Schuster lernt in der “Aida” den Englischlehrer Winston Smith kennen und von Johanne Amudsen wird sie besucht.

Populärer Realismus

Jetzt kommt ein sehr interessantes Buch auf das ich durch Ö1 aufmerksam wurde, wo es dann auch noch eine gesamte Sendung dazu gab. Das Buch des 1962 geborenen Moritz Baßler, der an der Universität Münster neuere deutsche Literatur lehrt “Populärer Realismus”-“Vom internationalen Style des gegenwärtigen Erzählens” heißt es weiter und da hatte ich schon mal Schwierigkeiten mit den Begriffes.

Was ist der “Style” und was heißt “Midcult”? Und ich, die ich ja realistisch schreibe, meine die Gesellschaftskritik dabei und keine Trivialliteratur. Denn man sollte ja eigentlich leicht und verständlich schreiben und sich nicht in einem Fremdwörter-Touch verwirren, damit man was versteht.

Das ist wahrscheinlich die alte Frage. Sprache oder Inhalt? Und nur der Joyce ist gut, der Proust, der Johannes Marius Simmel nicht und schon gar nicht der Sebastian Fitzek oder die Joanne Rowling, obwohl die ja die Kinder in die Bibliotheken getrieben hat und als der Hauptverband des Buchhandels den deutschen Buchpreis ausgerufen hat, damit die Leute zu Weihnachten Bücher verschenken, würde ich mal vemuten, berief er Literaturkritiker in die Jury und die Buchhändlerin, darunter auch das Jurymitglied Petra Hartlieb, stöhnten, den Reinhard Jirgl, Ulrich Petzer, Frank Witzel, Thomas Lehr können sie nicht verkaufen, denn die Keute wollen etwas Lesbares, Spannendes, Unterhaltendes und nicht die hehre Sprachkunst, die sie nicht verstehen.

So schreibt Moritz Baßler auch gleich am Anfang, daß er mit James Joyce aufgewachsen ist und dann kommt Wolf Haas daher witzelt herum und die Leute sind zufrieden.

Daniel Kehlmann und noch ein paar andere werden aufgezählt und dann ein Text von Sebastian Fitzek, dem Bestsellerautor mit seinen Psychothriller und die Leser, die “Amazon Rezensenten” oder so, sind zufrieden, denn sie kriegen genau was sie erwarten und können sich auf ihren Fitzek ,verlassen obwohl es immer wieder spannend ist und da sind mir die Webinare der Jurenka Jurk und ihren Romanfahrplan eingefallen, die ja genau das beibringen will mit der Heldenreise,, die den Leser fesseln und die die noch lesen und, ich glaube, das tun immer weniger Leute, wollen unterhalten werden.

Die hehre Literaturwissenschaft sagt aber Genre oder Trivialliteratur dazu, bespricht es nicht in ihren Feuilletons und Denis Scheck schmeißt es in seinem “Druckfrisch” in den Mistkübel hinunter und das ist interessant, denn warum heißt es “Eigenverlag” wollen wir nicht und warum darf ein Buch nicht leicht geschrieben sein, denn wenn man ein Fremdwörterlexikon dazu braucht, um es zu verstehen, schmeißen es die Leser am Ende in den Müll.

Aber zurück zu Moritz Baßler zu seinen internationalen Style und seinen Midcult, denn er verteidigt Sebastian Fitzek und meint, auch wenn man seine spannende Thriller liest, bekommt man etwas mit von der Welt und es geht nicht nur um den Kommerz und das Verkaufen, was offenbar, das einzige ziel der Populärliteratur ist und da erinnere ich mich, wie ich einmal bei dem “Fest für Gerhard Rühm” iwar, der sicherlich nicht im populären Realsmus schreibt, einen hehren Literaturkritiker klagen hörte, daß es soviele erzählende Romane gibt und man stattdessen lieber Friederike Mayröcker lesen soll.

“Hui?”, dachte ich da verschüchtert.

“Aber ich will ja so schreiben und andere tun es doch auch!”

Richtig, Wolf Haas und Daniel Kehlmann, den ich gar nicht so besonders mag und Moritz Baßler führt dann neben Sebastian Fitzek auch noch den Alfred Döblin und seinen “Alexanderplatz” und der ist sicher nicht trivial obwohl er sich offenbar auch den Mitteln des populären Schreben bedient und der populäre Realismus ist offenbar weltüberfassend und leicht zu übersetzen oder eigentlich dafür geschrieben.

Als Beispiel werden da Huraki Murakami und und Frank Schätzing angeführt, da hat sich der Autor einmal in einer Bahnhofsbuchhandlung den “Schwarm” gekauft und bemerkt, daß er das schon hundertmal gelesen hat, weil da ja die Klischees verwendet werden, leicht verständlich sind, während die hehre Literatur mit der Sprache arbeitet und seinen Leser etwas Neues bietet,, was dieser der sich auf seinen Autor verlassen möchte, gar nicht haben will.

Eine interessante Frage und ich dachte, als ich das begriffen habe, daß es ja sehr wichtig ist, in leichter Sprache zu schreiben. Damit alle an der Kultur teilhaben können und nicht nur die, die Matura haben oder Literatur studierten und mit der Matura habe ich gehört, ist es ohnehin nicht mehr weit her, denn da muß man nur Gebrauchsanweisungen schreiben und kann bis zur achten Klasse kommen ohne einen Klassiker oder Gegenwartsautor gelesen zu haben und da denke ich wieder, daß man alles lesen soll, den James Joyce und den Sebastian Fitzek.

Jeden das Seine und wenn man sich nach einem Tag schwerer Arbeit mit einem Krimi erholt und sich nicht mit Marcel Proust abquälen will, ist das auch okay und es gibt auch gesellschaftskritische Krimis.

Der Ausdruck Midcult stammt von Umberto Eco und mir fällt noch der Rüffel ein, den ich hier bekomme habe, weil ich auch Sophie Kinsella lese. Aber ihre “Schnäppchenjägerin “ist großartig, da ist sehr viel Psychologie dabei, auch wenn die Sprache gut verständlich und leicht zu übersetzent ist.

“Midcult” hat wahrscheinlich soviel zu bedeuten, daß der “Populäre Realismus Kunst sein will” und das wird in nächsten Kapitel gehörig verrissen, beziehungsweise Daniel Kehlmanns “Vermessung der Welt”, das ich einmal gefunden, aber nicht gelesen habe, analysiert. Das kommt irgendwo eine Anspielung auf Goethes “Nachtlied” vor, was verstanden wird oder nicht, bzw. die englische Übersetzerin ärgert und dann geht Baßler durch Kehlmanns Werk, der seiner Meinung nach eine Literarizität vortäuscht, aber nicht hält.

Ich halte Daniel Kehlmann für einen hochintelligenten Autor, der mit all den Klischees und Vorurteilen spielt und sie hervorragend verwendet, so zum Beispiel dann in der “Vermessung” ein Ufo auftreten läßt und ich habe einiges von Kehlmann gelesen, beim “Fernsten Ort” habe ich einmal einen Angriff auf ihn in der “Alten Schmiede” und die Reaktionen darauf erlebt.

2003 hat er “Ich und Kaminsky geschrieben” und dann ging es mit der “Vermessung” hoch in den Literaturhimmel und das, was Baßler da kritisiert, wäre ja eigentlich sehr gut. Ein literarischer Roman der die Massen erreicht und den die Leute gern lesen. Was ist da dabei,wenn er sich, damit das passiert Klischees verwendet?

Die, die den hehren Proust analysieren wollen, weil sie Bildungsbürger sind, können das ja immer noch tun und die Mainstreamleser werden sie dabei nicht stören. Das ist wohl mein pädagogisches Ich, das mich über den Tellerrand schauen und da toleranter sein lässt, aber Achtung Leser, ich war nie in einem Gymnasium oder nur in der Sprechstunde dem, meiner Tochter Anna.

Dann kommen wir schon zum magischen Realismus, der in Lateinamerika vorherrscht und von dort zu uns geschwappt ist. Dort sind die Leute arm, könnte man unken, retten sich deshalb gern in die Phantasie und sehen Wirklichkeiten, die sie vielleicht gern hätten aber nicht haben.

Heinrich Böll, der inzwischen vergessene Nobelpreisträger von 1972 wird hier auch zitiert oder seine Literarizität in Frage gestellt. er hat in “Wanderer kommst du nach Spa..” offenbar einen verletzten Soldaten in sein ehemaliges Gymnasium gebracht, weil das inzwischen zum Lazarett umgewandelt wurde. Das ist sehr eindrucksvoll und sagt uns “Krieg ist Böse!”, wenn die starken Metapher natürlich kitschig ist und deshalb prägt sie sich wahrscheinlich auch so gut ein.

Dann kommt es zu Knausgards Autoficition, den ich nicht gelesen habe und wahrscheinlich auch nicht lesen werde und höre und staune, einer seiner Romane fängt fast genauso, wie der “Engel des Vergessens” an und da hätte ich gedacht, es gibt kein Problem mit der literarischen Wertung. Sie ist eine Lyrikerin, beherrscht also die Sprache und sie hat auch den “Bachmann-Preis” bekommen und ist dadurch bekannt geworden.

Für Moritz Baßler wieder zu poulär. Aber was ist schlecht daran, daß das Buch ein Bestseller geworden ist und sich die Leute mit den Kärntner Slowenen beschäftigten? Das halte ich sogar für sehr gut, auch wenn Maja Haderlap ihrer Großmutter da vielleicht etwas in den Mund legt, was sie selbst nicht gedacht hat.

Dann geht es um die Genre, den Fantasyroman, zu dem “Harry Potter”, der “Herr der Ringe”, die “Biß-Romane”, etcetera gehören und da stellt Baßler die Frage, ob sie zur Literatur gehören? Das ist wohl eine Frage der Definition und ich könnte genausogut danach fragen, ob experimentelle Textmontage ohne Sinn und Handlung eine solche sind?

Die, die Fantasy schreiben, tun das oft in Serie und da sind wir wieder bei dem, was die Leser sich erwarten, bei den “Tatort-Krimis” und den Fantasycomputerspielen.

Dann kommt wieder Baßler zur Literatur oder zu Katrin Paßing, die ja 2006 den “Bachmann-Preis” gewann und das auch voraussagte, weil sie den Text nach bestimmten Kriterien konstruierte. Das nannte sie automatische Literaturkritik und damit hat sie die Texte nach Kriterien etwa, spielt in der DDR, hat Nazivergangenheit, etcetera bewertet und auf diese Art und Weise eine Zeitlang selbst einen Preis vergab.

Das hat sich jetzt aufgehört und es ist, glaube ich, auch um Wolfgang Herrndorf, der sich 2013 wegen seiner Krebserkrankung das Leben nahm.

“In Plüschgewittern” habe ich von ihm gelesen und “Tschik” und das ist ja der Kultroman, der laut Baßer nach diese Kriterien geeschrieben wurde. Baßler kommt dann noch zur Popliteratur, dazu zählt Herrrndorfs “In Plüschgewittern” und ich weiß zwar ungefähr, wer zu den Popliteraten gehört, aber nicht genau, was das eigentlich ist.

Beim “Neuen Midcult” geht es über die Rezension von Elena Ferrantes “Genialer Freundin”, wo ich den ersten Teil gelesen habe, zu den etws umstritteneren Stimmen. Da wäre einmal Takis Würgers “Stella”, das mir die liebe Doris ins Klinikum St. Pölten mitbrachte, als ich dort mit meinen Knöchelbruch lag und dem wird ja kulturelle Aneignung vorgeworfen oder, daß ein nicht Betroffener sich nicht in eine Holocaust-Täterin einfühlen darf.

Dann wird es noch moderner nämlich binär und antirassistisch und da stand ja Olivia Wenzel mit ihren “1000 Serpentinien Angst” auf der dBp und die hat ordentlich ausgeteilt, als sie mit ihrer Oma chinesisch Essen ging und dort vermanschte Ethnokost vorgesetzt bekam.

Sharon Dodua Otoos “Adam Raum” wird auch vorgeworfen, daß sich eine schwarze Frau nicht in ein Nazi-KZ hineindenken darf. Allerdings milder als Takis Würger, dem wahrscheinlich mittelalten weißen Mann und Anke Stelling, die mit “Schäfchen im Trockenen” den Leipziger Buchpreis gewonnen hat. Leider habe ich das Buch nicht gelesen, hat sich mit den Sorgen einer modernen Bildungsunterschicht beschäftigt, die nicht mithalten kann, wenn sich ihre Freunde aufs Land zurückziehen wollen.

Man sieht der moderne “Midkult” ist wieder sozialkritisch geworden und interessant ist auch, daß Moritz Baßler, den ich, ohne ihn zu kennen, für konservativ halten würde, sich auf eine Anticorona-Demo bezieht, wo eine Jana aus Kassel, meinte, daß sie sich wie Sophie Scholl fühlt, “weil sie in der Corona-Pandemie eine Maske tragen muss.”

Was Baßler, wie anderere für nicht zuläßig hält und vermutet, daß “Jana ihr Bild von Sophie Scholl selbst bereits kitischigen , unterkomplexen, literarischen oder filmischen Darstellungen der NS-Zeit verdankt.” Nun ja, 1943 war sie wahrscheinlich noch nicht geboren.

Da würde ich “Wehret den Anfängen!”, rufen und einwenden, daß man das, wenn man nur mit Bändern ausgerüstet und zwei Pässen von der Polizei oder Security kontrolliert in Geschäfte und in die Uni darf und zum Zeitpunkt des Geschehens, nicht wußte, ob das vielleicht ewig weitergehen wird? schon darf und sich die Geschichte vielleicht auch anders entwickelt hätte, wenn es 1933 mehr Widerstand gegeben hätte und die Bedrohung auch etwas Subjektives ist.

Die einen haben sich vor dem Virus gefürchtet, die anderen, sich um ihre Freiheit gebracht gesehen und wenn jeder Kritiker gleich ins rechte Eck gerückt wird, kann man vielleicht auch von Verharmlosung des Nationalsozialismus sprechen und sich fragen, warum das nötig war?

Eingeleitet wurde das Kapitel aber mit der Frage an die Leser, was sie sich von der Literatur erwarten und dann zum neuen oder auch alten literarischen Quartett hinübergeschwenkt. Das Alte war stimmgewaltig von Marcel Reich-Ranicki geprägt, das dazwischen von Maxim Biller, der mir zu viel schimpfte und Christine Westermann, die wohl als “Wohlfühlmama” bezeichnet wurde. Das Neue dominiert die Autorin Thea Dorn mit Gästen, wenn das nicht schon überholt ist und Wohlfühlliteratur ist überhaupt etwas, das Mortiz Baßler gar nicht mag.

Ob man aber “Stella”, “Hundert Serpentinen Angst”, oder “Schäfchen im Trockenen” wirklich als Wohlfühlliteratrur bezeichnen kann, würde ich bezweifeln.

Im Kapitel “Tentakuläres Erzählen” werden die Romane “In der Traumfabrik” von Hengameh Yaghoobifarah”, “Der Mythos des Pferdemädchens” von Lisa Krusche und “Identitti” von Mithu Sanyal vorgestellt. Den Zusammenhang zwischen Romanen und auch was tentakuläres Erzählen ist, habe ich nicht ganz verstanden. Was eine Kritik an Moritz Baßler sein könnte, der es als Wissenschaftler offenbar nicht viel vom verständlichen Schreiben hält.

Im nächsten Kapitel geht es um die derzeit sehr beliebte Autofiktion und die hat möglicherweise Karl Ove Knausgard mit seiner Serien “Min Kamp” begonnen und da erklärt Baßler, wie man sein Leben in Serie beschreiben kann.

Literarischer wurde es dann be Rainard Goetz, der ja 1983 Klagenfurt erregte, als er sich während des Lesens die Stirn aufschnitt.

Christian Kracht ist auch ein Meister des Autofiktionales und einer den Baßler anerkennt. Begonnen hat der mit “Faserland” und das dann in “Eurotrash” fortgeführt und das wird auch zur Popliteratur gezählt.

Daran knüpft sich wieder die Frage, wer über was schreiben oder übersetzen darf? Früher hatte man das Problem nicht, da haben Männer die berühmtesten Frauenroma geschrieben und deren Psyche erklärt. Aber jetzt haben wir die political correctness und da wird es schwieriger, aber auch eingeengter, weil am Ende und ganz genau genommen, jeder nur mehr über sein Erlebtes schreiben darf und ob die Leser dann dann haben wollen, ist die Frage oder vielleicht darf man dann nur das lesen, was man selbst erlebt hat, was dem Buchhandel aber wahrscheinlich nicht gefallen wird.

Im Kapitel “Kalküroman” wird Dietmar Darth zitiert dessen “Gentzen oder betrunken aufräumen”, ich gelesen habe und den ich eigentlich nicht zu den leicht lesbaren Unterhaltungsautoren einordnen würde.

Interessant ist auch, daß Moritz Baßler Anette Webers “Anette, ein Heldinnenepos” zu den Kalkülromanen zählt. Sie hat damit aber auch den deutschen Buchpreis gewonnen und Leif Randt, dessen “Allegro Pastell” ich gelesen habe, wird auch analysiert und am Schluß kommt Moritz Baßler, der dann doch beim Lesen, das “Gut mit dem Gernelesen” verbinden will, wieder zu Wolf Haas zurück, den er sehr zu schätzen scheint.

Bilder gibt es in dem Bjuch, das ich sehr interessant fand, gern las und viel für mein Schreiben daraus mitnahm, auch wenn ich alles nachvollziehen konnten und nicht alle Meinungen des Autors teile, auch.

Armut im Alter und Brigitte Schwaiger Interview

Andreas Renoldner
Cordula Simon

“mit Sprache” die Initiative der Literaturhäuser, hat sich ja heuer mit dem Thema “Literatur und soziale Gerechtigkeit” beschäftigt und da ging es ja in der “Alten Schmiede” um die Einkommenssituation, dann im Literaturhaus um die “Geschlechtergerechtigkeit” und jetzt im dritten Teil um die Armut im Alter.

Da wurden immer je drei Autoren eingeladen einen Artikel zu diesem Thema zu schreiben, in der Gesellschaft waren das Verena Dürr, Andreas Renoldner und Cordula Simon und ich dachte, da geht es um die Autorensituation, wie es denen geht, wenn sie alt werden?

Den Großen wie Stephen King, Peter Handke und Elfriede Jelinek wahrscheinlich finanziell sehr gut, die haben dann eher gesundheitliche Probleme wie Demenz, Krebs, etcetra. Denen, die von der Mindestpensionen leben, eher schlecht und das sind ja die, die ich in der GAV treffe und da hat ja Bernhard Kathan einmal eine Aktion gestartet, wo er nachgewiesen hat, daß die im Durchschnitt nur dreiundsechzig Jahre alt werden, während der Durchschnitt sonst um die dreiundachtzig bei den Frauen, bei den Männern, glaube ich, etwas weniger, liegt.

War aber nicht so, in dieser Tranche ging es generell, um die Situation im Alter und die drei Autoren wurden offenbar ausgewählt, weil sie schon diesbezügliche Erfahrung hatten. So arbeitet, die 1986 in Graz geborene Cordula Simon offenbar nebenbei, um ihre Tantiemen aufzubessern, als Bestatterin, der 1957 in Salzburg geborene Andreas Renoldner im mobilen Pflegedienst und die 1982 geborene Verena Dürr als Sozialbetreuerin.

Die Texte gingen also hart in die Realität der Altersarmut oder Alterseinsamkeit. Was ist wenn die Freunde wegsterben, man allein übergeblieben ist, sich die Familie weil selbst berufstätig, sich nicht mehr um den Alten kümmern kann?

Verena Dürr

Da gibt es dann die Pflegeheime, mit den überforderten Pflegern in den letzten drei Jahrenn konnte man da auch keine Besuche empfangen und mussten, wenn es hoch ging, einsam sterben und die mobilen Dienste schilderte Andreas Renoldner in seinen Text sind auch keine Lösung. Denn da tauchen jeweils fünfzehn Minuten, die Betreuer auf, haben in ihrem Handy aufgeschrieben, was sie tun sollen. Duschen beispielsweise. Der Klient will das aber nicht oder hat schon oder will vorher frühstücken und Schwarzbrot statt Toast, aber das ist nicht da und keine Zeit einzukaufen. Sehr beeindruckend und angsterregend. Verena Dürr schlug in ihren Text in dieselbe Kerbe, während Cordula Simons Text sehr künstlerisch war und sehr eindrucksvoll immer wieder “Ich habe mich umgedreht” wiederholte. Also man strudelt sich ab, erzieht die Knder, baut das Haus und dann ist man alt und ist allein.

Moderiert wurde die Diskussion von Stefan Gmünder und interessant ist, daß die Frage, daß niemand etwas vom Alter hören will und Bücher darüber nicht genommen werden, durch Milena Michikos Flasars Buch “Oben Erde, unten Himmel” die genau dieses Thema behandelt, beantwortet.

Da geht es um das japanische Phänomen, daß die Leute oft drei Monate lang in ihren Wohnungen liegen, bis sie überhaupt gefunden werden und ich denke, daß das gute Sozialsystem, das es vielleicht vorher gegeben hat, durch die Pandemie sehr gelitten hat. Wenn jetzt der Mittestand durch die Inflation verschuldet wird, ist dann kein Geld da, sich vielleicht in eine Mehrgenerationenwohnung einzukaufen und die autoritären Systemen, die wir in der letzten Zeit erlebt haben, sind da ja auch nicht sehr Hoffnung erregend.

Die Diskussion war auch sehr intensiv, die Psychologin Maria Wölflingseder hat sich sehr intensiv eingebracht, Eva Geber war da, Ilse Kilic, Fritz Widhalm und auch Robert Huez, obwohl im Literaturhaus heute auch das Buch der Milena Michiko Flasar vorgestellt wurde und ich denke, daß ist ein Thema das uns alle betrifft.

Wir alle werden älter und ich habe mich schon sehr lange sowohl psychologisch, als auch literarisch damit beschäftigt und eine Diskussion, wie diese kann nur ein erster Ansatzpunkt sein, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen, daß wir alle sehr verdrängen und ich habe noch ein literarisches Event aufzuweisen, waren doch heute Wolfgang Asenhuber und Ingrid Schwaiger bei mir, die eine Biografie über die 2010 verstorbene Brigitte Schwaiger schreiben wollen und da Personen, die sie kannten interviewten.

Nun habe ich die 1949 in Freistadt Geborene eigentlich gar nicht persönlich gekannt. 1977 bin ich auf ihren Roman “Wie kommt das Salz ins Meer” mit dem sie schlagartig bekannt geworden ist, gestoßen. Der wurde in der sozialistischen Wochenzeitung “Die Frau” veröffentlicht. Dann kam der große Absturz. Sie konnte mit ihren weiteren Büchern von denen ich einige gefunden habe, nicht mehr an den Erfolg anschließen. Hat sich, glaube ich, verschuldet und musste ihre Schulden bei ihrem Verlag abarbeiten.

Sie hatte auch psychische Probleme, die sie mit dem Buch “Fallen lassen”, das 2006 erschienen ist, aufarbeitete und damit wieder Aufmerksamkeit erregte. Da war ich bei einer Vorstellung in der “Gesellschaft für Literatur”. Habe sie auch als Publikum im “Siebenstern”, weil sie offenbar in der Nähe wohnte, getroffen und einmal, als ich mit der Ruth am ersten Mai am Rathausplatz war und die hat sie gekannt und so habe ich sie auch sozusagen persönlich kennengelernt und als Inspirationsquelle habe ich sie bei der “Absturzgefahr” auch benützt.

Und dann kann ich den Bogen zurück zur Diskriminerung und sozialen Ungerechtigkeit spannen.

Denn Brigitte Schwaiger wäre höchstwahrscheinlich, wenn sie sich nicht umgebracht hätte, auch davon betroffen gewesen.

Ein interessantes Thema und jetzt kann ich mich auf die Biografie freuen, die, glaube ich, im nächsten Jahr erscheinen wird.

Stefan Zweig Werkausgabe

Zu dem 1881 in Wien geborenen und 1942 in Brasilien vertorbenen Stefan Zweig bin ich über Umwege gekommen. Im Bücherkasten meiner Eltern stand die Biografie “Maira Antoinette”und die “Welt von gestern”” wahrscheinlich beide in Büchergilde Gutenberg” Ausgaben. Später habe ich dann im offenen Bücherschrank die “Schachnovelle”gefunden, die mich aber nicht besonders begeistert hat.

Vor oder nachher habe ich im Radio eine Sendung gehört, wo Stefan Zweig und Peter Rosegger aus dem Kanon der Literatur vor 1945 hinausgeschmissen wurden, was zur Folge hatte, daß ich ein paar seiner Bände im Bücherschrank stehen habe lassen.

Aber dann habe ich die “Berührungen” geschrieben und da kam die Idee ein paar Schauspieler ein Stück über Stefan Zweig und Heimito von Doderer spielen zu lassen und ich habe gelesen und gelesen.

Bin darauf gekommen welch großartige Novellen der Weltschriftsteller oder Vielschreiber geschrieben hat. “Die Gouvernante” fällt mir da ein und die, wo der Junge dem Vater seinen Seitensprung nicht verrät. Großartig.

Mit “Amok” habe ich wieder weniger anfangen können. Mit der “Ungeduld des Herzens”, schon und daß die “Welt von gestern” großartig ist habe ich schon früher herausgefunden.

Ein interessanter Schriftsteller. “Die Sternstunden der Menschheit” habe ich nicht gelesen und die Biografien zum Beispiel, “Fouche” würde ich für eher schlechter einschätzen. Auch das Buch “Brasilien” in dem er sein Exil lobte. Dann kam auch der Film “Vor der Morgenröte”, wo ich diesen ambivalenten Schriftsteller vielleicht nocb ein bißchen kennenlernte und die “Gesellschaft für Literatur” präsentiert auch seine Werkausgaben, beziehungsweise hat immer Veranstaltungen zu seinem Todestag.

In Salzburg, wo der Schriftsteller viele Jahre lebte, gibt es das Stefan Zweig Center, das habe ich nicht geschafft, während meiner Salzburger Aufenthalte zu besuchen. Aber jetzt ist Klemens Renoldner, der ehemaligen Leiter, mit Elisabeth Erdem und Werner Michler nach Wien gekommen, um den Band III seiner Erzählungen von 1927 – 1942, die unter dem Titel “Schachnovelle”, weil die die bekannteste ist, vorzustellen und das war sehr interessant, denn die drei Herausgeber erzählten von den verschiedenen Textfassungen und ihren Wunsch eine gesicherte Fassung herauszugeben.

Die “Schachnovelle” ließen sie dabei, weil offenbar zu bekannt, weg, sondern konzentrierten sich auf das eher Unbekannte. Eine Erzählung, wo es um einen Taschendieb geht, der vom Erzähler einen Tag verfolgt wird “Unvermutete Bekanntschaft mit einem Handwerk”, die hat Stefan Zweig Joseph Roth zum Lesen gegeben, was er offenbar öfter mit seinen Freunden machte, der die Erzählung zuerst sehr lobte, dann aber bis aufs letzte Detail zerpflückte, was Stefan Zweig offenbar höflich zur Kenntnis nahm, aber nichts veränderte.

“Spät bezahlte Schuld” heißt eine andere Novelle, wo eine Frau einen alten heruntergekommenen Schauspieler in einem Südtiroler Dorf trifft, der sie einmal davor bewahrt hat, sich ihm hingegeben hat und dem sie jetzt einen besseren Ruf verschaffte. Da gibt es einige Fassungen. Zuerst wird der Schauspieler, der auch mehrere Namen trägt, eher sehr schrullig, später milder beschrieben. Die Erzählung iskt auch zuerst auf Englisch und in Brasilien herausgekommen und dann erst in den Fünfzigerjahren in der “Presse”.

Fragmente gibt es auch, Beispielsweise die Erzählung “Wiederstand der Wirklichkeit”, die auch den Namen “Reise in die Vergangenheit” trägt und darüber haben auch die Herausgeber viel erzählt, daß es da zum Beispiel den Roman “Clarissa” gibt, der von dem Fischer-Lektor zusammengesetzt wurde, während sich jetzt die drei um eine gesicherte Ausgabe bemühen, die im nächsten Jahr, glaube ich, vorgestellt werden soll.

Es gab viele Fragen aus dem Publikum, das aus Ursula Seeber, Frau Schmid-Dengler, Dine Petrik, Helene Hoffmann und anderen bestand. Einer stellte die interessante Frage, ob es sich bei den Ausgaben nicht um ein “Zweig-Mausoleum handelt, weil es ja viele andere Zweig-Ausgaben gibt und das ist eine Frage, die ich mir auch stellte, denn ich käme nicht dazu die Bücher zu lesen und wenn sie noch so kommentiert sind, weil keine Zeit, keine Zeit. weil ich ab August mit dem Buchpreislesen beschäftigt bin, aber ich habe schon viel Zweig gelesen, zwar sicher keine gesicherten Ausgaben, aber doch einen genauen Einblick über sein Werk bekommen und Klemens Renoldner meinte, daß es überall auf der Welt viele Zweig-Spezialisten gibt, die auf die Bücher warten.