Blogkommentare und Hilferufe

Mein Blog ist ja einer auf dem kommentarmäßig nicht so viel passiert, so daß ich mich schon manchmal wunderte, daß niemand auf meine Gewinnspiele einsteigt und ein Buch von mir gewinnen will oder mal schnell “Wird schon, machs gut, nur nicht aufgeben!”, kommentiert, wenn ich mich darüber beklage keinen Erfolg im Literaturbetrieb zu haben, nicht auf die LL komme oder den “Veza Canetti- Preis” gewinne.

Das Internet ist ein Fluch oder ein Segen, eine Möglichkeit der Demokratisierung, so daß jeder, der das will, über sich und seine Befindlichkeit schreiben, seine Bücher, etcetera, einstellen kann und dann platzt das Netz aus allen Nähten, so daß man auf Kommentare nicht antwortet und auf das Persönliche, das sich da einem bietet, nicht regiert.

Man kann ja nicht auf alles antworten, sich für alles interessieren, ist schon klar, wenn man mit dem Lesen der LL und der anderen Herbstneuerscheinungen nicht klar kommt, kann man sich nicht auch noch für das Selbstgemachte, das ja wahrscheinlich nicht gut ist, wenn es keinen Verlag gefunden hat, interessieren.

So weit so gut, sehe ich ein und schreibe trotzdem meine Schreibberichte, weil ich das Internet für eine Form mich zu präsentieren halte und ich lese auch sehr gerne die Blogs der anderen und kommentiere auf ihnen.

Auf einigen, nicht allen, auch meine Zeit ist begrenzt, ein so ein Blog ist Christiane Zintzens “In/ad/ä/quat”, der sich ja sehr für die eher experimentelle österreichische Kleinliteratur einsetzt und da hervorragendes bietet.

Es gibt den Blog schon etwas länger als meinen, als 2007 die GAV-Vollversammlung in Graz war, hat Christane Zintzen ihn vorgestellt und durch die “Elfriede Jelinek Seite” bin ich dann etwas später auf ihn gekommen und auch auf ihn geblieben und habe von ihm einiges sehr Interessantes  erfahren.

Christiane Zintzen, die früher auch in der “Alten Schmiede” tätig war und die ich da einmal sehr verwirrte, als sie mir empfahll, ein Buch zu kaufen und ich ihr darauf etwas patzig antwortete, ich hätte schon eines zu Hause, in Wahrheit habe ich ja, wie meine Leser wissen, viel viel mehr, kuratierte die “Radiokunst” auf der Hörspielleiste, kam manchmal im “Inadäquat-Leiberl” in die “Alte Schmiede”, hat sich, wie ich einmal bei “Rund um die Burg-alt” gesehen habe, sehr um Elfriede Gerstl gekümmert, war, glaube ich, auch einmal in Ö1 als es über den “Steinhof” ging, worüber sie glaube ich, literaturwissenschaftlich gearbeitet hat und sie war auch vor ziemlich genau sieben Jahren eine der Ersten, die mir auf meinen Blog einen Kommentar schickte.

Damals hat sie auf ihren Blog auch das Volksstimmefest vorgestellt, das es ja morgen und übermorgen wieder gibt, aber ich war bis gestern schon lange nicht mehr auf ihren Blog, weil ich irgendwie den Eindruck hatte, daß es ihn nicht mehr gibt oder er nicht mehr, wie früher funktioniert.

Gestern bin ich aber durch einen Aufruf auf meinen Blog, ich habe sie in meinen nicht sehr verwalteten Blogroll und da dachte ich, klicke ich wieder hin, das war am Nachmittag und vorher habe ich im Radio in Ö1 bei “Von Tag zu Tag” eine Sendung über “Zuerst denken, dann kliquen!” gehört, wo es um das Facebook und die Falschmeldungen dort gibt.

Da berichtete beispielsweise einer, daß man sich im Kino durch infiszerte HIV Nadel in den Sitzen, anstecken kann und alle fangen an das zu posten und weiterzuverbreiten und da gibt es eine Seite, die diese Internet-Lügen aufdeckt.

Interessant habe ich gedacht, aber ich falle nicht herein, wenn mir jemand meldet, daß ich eine Millionen gewonnen habe und ich ihm meine Bankdaten bekanntgeben soll.

“Natürlich gleich löschen!”, hat der Gast im Radio geraten.

Gar nicht erst ankliquen, aber was tue ich, wenn ich im Internet eine Nachricht finde, daß es jemanden schlecht geht, daß er sich umbringen möchte oder das schon hat und das vielleicht schon seit Monaten so geht und  es gibt keine Kommentare?

Gar nicht erst anklicken? Geht nicht! Bei einer Psychologin sowieso schon nicht, also reagieren, aber wie weiß ich, daß das ernstzunehmen und vielleicht nicht bloß ein literarischer Text ist?

Eine schwierige Frage mit dem wir alle vielleicht viel zu wenig Erfahrung habe, zumindestens habe ich, obwohl ich schon einige Jahre mehrere Blogs intensiv verfolge, diese Erfahrung noch nie gemacht und ich bin wahrscheinlich mit meinen Jammereien ohnehin der persönlichste Blog, den ich da kenne?

Was macht man aber in einem solchen Fall? Eine Selbsthilfegruppe wär da gut!

Ich habe dann einen persönlichen Kontaktversuch gestartet, kommentiert und mich bei Freunden beziehungsweise GAV-Kollegen umgehört und würde ganz allgemein dazu aufrufen, zu reagieren, zu kommentieren, zu fragen, ob man helfen kann?

Auch wenn es, wenn sich die entsprechende Person in einer Ausnahmesituation befindet, vielleicht nicht sofort nützt.

Vom Internetstalking habe ich schon einiges gehört, war aber persönlich noch nicht sehr betroffen, außer, daß ich angeblichsten am allerschlechtesten schreibe, was ich eigentlich nicht glaube, daß es einer Person, die ich per Blog verfolge, schlecht gehen könnte, habe ich bis jetzt auch nicht wirklich sehr erfahren.

Daß es einen Bloggeburtstag zu feiern gibt, habe ich schon öfter gelesen und kommentiere, dann auch immer “Gratuliere!”, gepostet.

Eine junge Frau hat einmal gemailt, daß sie ihre Wohnung verloren hat und hat auch verschiedene Reaktionen bekommen.

“Buzzaldrin” ist jetzt nach Hamburg gegangen um ein Volontariat zu beginnen, was auch viele Glückwünsche  und Kommentare zur Folge hatte.

Dann gibt es Blogs, wo nichts passiert. Monatelange Hilferufe und keine Reaktion, das ist eigentlich sehr arg und so denke, ich, daß man manchmal im Netz nach dem Denken vielleicht auch reagieren und nicht nur wegkliquen und “Interessiert mich nicht, was belästigt die mich mit ihrer persönlichen Befindlichkeit?”, denken sollte.

Auch wenn das Netz sehr voll ist mit Informationen.

Manchmal sind vielleicht auch Hilferufe dabei und da wären Erfahrungsberichte, was man in einer solchen Situation macht, vielleicht ganz nützlich und so würde ich mich sehr freuen von meinen Lesern vielleicht ausnahmsweise eine Reaktion zu bekommen, ob schon  etwas Ähnliches erlebt wurde und was man in diesen Fall am besten macht?

Die Liebenden von Mantua

20150830-101109

Bei Buch fünf der LL, ich danke dem “Wallstein-Verlag” sehr für die beiden Rezensionsexemplare, geht es nach Italien und es geht, wie bei Kay Weyand wieder um Leben und Tod und natürlich auch noch um die Liebe, aber hat nicht schon MRR gesagt, daß das bei allen Büchern der Fall ist?

Ralph Dutlis “Die Liebenden von Mantua” war wahrscheinlich das Buch, das mich, als ich es auf der LL sah, am wenigsten ansprach, denn wen interessiert schon ein Roman über zwei Skelette aus der Jungsteinzeit, habe ich gedacht und mich wieder mal geirrt und Ralph Dutli, bestsellerverdächtig, wie ich einem Radiobeitrag entnahm, den man über die dBp-Facebookseite nachhören kann, der 1954 geborene Schweizer Autor ist schon 2013 mit “Soutines letzte Fahrt” auf der LL gestanden.

Damals habe ich mir das Longlistenlesen angesichts meiner überlangen Leseliste ja noch verkniffen, von Buch und Autor aber während meines 2013 Leizpiger Buchmessensurfings gehört, ich war damals, glaube ich nicht in Leipzig und als ich ein Jahr später vom Begräbnis der Friedl Hofbauer kam und noch rasch den Flohmarkt besuchen wollte, die die zweite zusperrende Buchhandlung auf der Wiedner Hauptstraße veranstalte, habe ich das Buch um drei Euro entdeckt, gekauft, aber noch nicht gelesen.

Das wird wohl noch eine Weile ungelesen in  den Regalen meiner Bibliothek stehen bleiben und in Ralph Dutlis preisverdächtigen Roman, wo habe ich gelesen, daß er sicher auf die Shortlist kommt, geht es auch um eine Bibliothek und es geht, das kann ich eventuellen Unschlüßigen, die sich ebenfalls von zwei Skeletten abschrecken lassen, gleich verraten, um viel viel mehr als um das, eigentlich geht es gar nicht um die, obwohl die Frau, die in der Jungsteinzeit in die Arme eines Jünglings rutschte, wie an einer Stelle veraten wird, Barbarina heißen könnte.

Es geht natürlich um die Liebe und es geht um Italien, dieses herrliche Land, in dem man in den Straßencafes Espressi und Amaretti schlürfen, in den alten Palästen noch immer die Renausance erleben kann und in einem dieser Cafes  in Mantua treffen sich zwei alte Freunde wieder, Raffa und Manu, die “el” Silbe wurde bei beiden abgekappt und Raffa ist da, um über das Erdbeben zu forschen, das es im “verdammten Frühling” von 2012 gab, Manu, um über die “Liebenden von Mantua”, zwei Skelette aus der Jungsteinzeit, die 2007 gefunden und verschwunden sind, zu schreiben.

Die zwei Freunde haben einander vieles zu erzählen, Raffa fragt den Schriftsteller Manu nach seiner Laure und erfährt widerwillig, daß sie ihn verlassen hat, dann verabreden sie sich für die nächsten Tage und Raffa wartet vergeblich auf den Freund, der nicht zu kommen scheint.

Er geht in sein Hotel, erfährt dort nicht viel vom Besitzer oder Rezeptionisten, denn man will sich in Zeiten des schwindenden Fremdenverkkehrs nicht mit Vermißtmeldungen und Polizeibesuchen aufhalten, eine junge Frau namens Lorena rennt ihm aber nach und erzählt ihm von einer merkwürdigen Entführung.

Manu sei in ein Auto gestoßen worden und wurde auf das Schloß eines merkwürdigen Comtes gebracht, sein Handy und seine Uhr wurden ihm abgenommen, dafür erhielt er einen Laptop ohne Internetzugang und der Comte lädt ihm am Abend zum Essen ein.

Er hat den besten Koch und noch zwei Leibwächter, die Manu fortan bewachen werden und der soll eine Theorie über die Liebe, als neue Religion schreiben, denn der Comte hat genug von der, die einen Gekreuzigten als Symbol erwähnt, auf diese Idee hat mich schon einmal meine alte Schriftstellerfreundin Elfriede Haslehner gebracht.

Der Comte hat aber nicht nur Manu, sonder auch die zwei Skelette entführen lassen, die ruhen nun in seinem Keller, er stellt Manu seine Bibliothek zur Verfügung, die aber auch etwas merkwürdig ist, verschwinden doch die Bücher und es geschehen überhaupt sehr seltsame Sachen in dem alten Palais.

So liegt einer der beiden Leibwächter einmal in einem rosa Schwanenseekostüm, ein andermal in einem weißen Meßdienerkleid erstochen auf dem Boden, Manu beobachtet eine badende Frau, schreibt Briefe, die er aus dem Fenster wirft, bekommt merkwürdige Säfte ins Zimmer gestellt, die ihn wohl ins Halluzinatorische abgleiten lassen sollen und derweil marschiert Raffa mit Laurena, die auch Archäologie studiert hat,  aber nur den prekären Job einer Hotelhelferin bekommen hat, durch die Museen von Manuta.

Sie erzählt ihm von dem “Verlobungszimmer” und überhaupt viel von der italienischen Renaissacegeschichte, geht mit ihm auch nach Verona zu einer “Romeo und Julia” Aufführung und bevor Manu vollends verrückt wird, klopft eines Morgens  die Polizei bei ihm und befreit ihm aus seinem Gefängnis.

Der Comte steht mit Handschellen in der Halle, die junge Badende, eine Cousine Laurenas, die ihm gerettet hat, wurde von des Comtes giftigen Pfeilspitzen, wie vielleicht auch die Liebenden getötet wurden, wenn es nicht doch die Tollkirschen waren, getroffen und als Manu  zurückkommt, erwartet ihm ein Brief der Wissenschaft, der ihm erklärt, daß die Liebende vielleicht gar keine solche waren, sondern nur zufällig ineinander verrutschten.

Die bekommen dann auch einen Platz in einem Museum und die beiden Freunde können einander wieder treffen und ich habe eine sehr interessanten, wenn vielleicht manchmal ein wenig kitschig anmutenden Roman gelesen, der an vielen Stellen sehr erhöht war, das bewußte Radiointerview, nennt viele Genre, die in ihm enthalten sind: Reiseführer, Krimi, Liebesroman, Renaissancegeschichte etc, deshalb bestsellerverdächtig.

Er erspart wahrscheinlich eine Bildungsreise nach Italien und jetzt bin ich sehr gespannt, ob er auf die Shortlist kommt, mir ist aber höchstwahrscheinlich, der etwas ambivalente Realismus eines traumatisierten Bestattungshelfer und seine Leichenwäscherideen, in dem es ja auch um die Liebe und den Tod geht, lieber.