Longlistentagebuchnotizen II

Wie geht es weiter mit dem Longlistenlesen und dem Buchpreisbloggen werden sich meine Leser vielleicht fragen, obwohl ich nicht sehr merken kann, daß die sich für meine momentane Lese- und Bloggereuphorie sehr interessieren, aber immerhin Uwe Kalkowski, der “Kaffeehausitzer” hat mich angemailt und mich auf einen vermeintlichen Irrtum bei “Risiko” aufmerksam gemacht, denn da stand am Buchrücken etwas von vom zweiten Weltkrieg und das Buch handelt dann ja vom ersten, ich habe dann auch nachgeschaut, in meinem Rezensionsexemplar steht auch etwas anderes am Buchrücken, seltsam, seltsam, aber ich glaube,  ich habe mich nicht geirrt.

Wie geht es weiter? Ja ich lese eifrig, werde demnächst mit dem achten Buch, nämlich mit Peter Richters “89/90”, einem DDR-Wenderoman beginne, auf dem ich mich schon sehr freue, denn ich interessiere mich ja für die Ex-DRR, habe auch den “Turm” und den Euge Ruge gelesen, “Kruso”, das vorige Siegerbuch, noch nicht.

Sieben Bücher in zweieinhalb Wochen, gut, es waren auch ein paar dünne dabei, aber jetzt werden die Dicken folgen und wenn ich vielleicht eine unverbindliche und unvollkommene Rangreihe meines Geschmackes abgeben könnte, weil ich da ja immer sehr unsicher bin, meine Reihenfolge wäre:

  1. Key Wayand “Applaus für Bronikowski”
  2. Monique Schwitter “Eins im Andern”
  3. Alina Bronsky “Baba Dunjas letzte Liebe”
  4. Ilija Trojanow “Macht und Wiederstand”
  5. Gertraud Klemm “Aberland”
  6. Ralph Dutli “Die Liebenden von Mantua”
  7. Steffen Kopetzky “Risiko”

Jetzt warten dann die dickeren Schinken auf mich, außer “89/90, habe ich noch die Jenny Erpenbeck, die Anke Stelling und die Valerie Fritsch auf dem Badezimmerstapel liegen.

Das Buch der Inga-Maria Mahlke sollte auch schon gekommen sein, ich hoffe es ist nicht verorengegangen und “Kiepenheuer und Witsch” hat mir seine beiden Buchpreisbücher auch avisiert.

Da habe ich mir die Bronsky ja schon inzwischen schenken lassen, aber Ferdun Zaimoglu wäre sehr willkommen und wenn ich mit all dem fertg bin, ist die Shortlist wahrscheinlich längst bekanntgegeben worden.

Das erfolgt am sechszehnten Septembetr, da stecke ich, würde ich schätzen, zwischen Stelling und Fritsch und wenn ich mit all dem durch bin und keine Bücher mehr geschickt bekomme, habe ich die Wahl, mein Longlistenlesevorhaben aufzugeben, mir die Bücher vom Otto ausbzuborgen, angeschrieben, was ich bräuchte, habe ich ihn schon oder in die Buchhandlungen gehen, aber da hätte ich zwei sehr sehr dicke Wälzer dort zu lesen, nämlich den Clemens J. Setz mit seinen, glaube ich, tausend Seiten und Frank Witzels “Die Erfindung der roten Armee Fraktion durch einen manisch- depressiven Teenager im Sommer 1969” ist, glaube ich, auch nicht viel dünner, würde mich aber sehr interessieren.

Beim Setz weiß ich nicht recht, interessieren würde mich aber auch das Buch vom Vladimir Vertlib und das, was glaube ich, in Japan spielt, der Christine Wunicke.

Mal sehen, es ist ja noch Zeit und schauen kann man auch zu den nominierten Buchpreisbloggern, die ebenfalls  gelesen und besprochen haben.

Da ist ja vor allem Birigt Böllinger von “Sätze und Schätze” sehr rührig, Mara Giese hat auch schon einiges gelesen, ist, jetzt glaube ich, beim fünften Buch, hat aber noch nichts besprochen und der “Kaffeehaussitzer” hat eine Liste angelegt, wo man immer nachsehen kann, was wer schon besprochen hat, interessant, interessant.

Irgendwo habe ich  auch die Meinung gefunden, daß man sich von dieser Longlistennominierung nicht sein Leseverhalten vorschreiben lassen soll.

Mir macht es, glaube ich, großen Spaß, das mal auszuprobieren und ich denke, es ist auch sehr lehrreich und man hat etwas davon, sich einmal wirklich durch diese ganze Bandbreite  zu lesen und die unterschiedlichen Stilrichtungen, die da angeboten werden, kennenzuleren, obwohl ich, wie man merkt, ja etwas skeptisch bin, ob ich mich da wirklich eine Woche mit Witzel und Setz in eine Buchhandlung setzen soll?

Fürs nächste Jahr werde ich mich wahrscheinlich mit dem begnügen, was die Verlage schicken und mir das andere vielleicht ausgewählt zu Weihnachten und zum Geburtstag wünschen und Stefan Mesch, auch ein bekannter Bücherglogger hat etwas gemacht, was ich auch probieren könnte.

Nämlich  die ersten zwanzig Seiten von allen Büchern gelesen und sich dann eine Liste von denen erstellt, die er gerne lesen möchte.

Ich habe mich ja vor zwei Jahren durch dieses Longlistenleseheftchen gelesen und die Erfahrung gemacht, daß man damit allein nicht weiterkommt, ich könnte aber, wenn ich mit meinem Lesevorrat fertig bin und es nicht möglich ist, den Otto schnell zu treffen, die übrigen Bücher vielleicht ein bißchen anlesen, wenn nicht vielleicht einer meiner Leser mit mir vielleicht doch noch ein Buch tauschen und mir eines der fehlenden zur Verfügung stellen will.

Mal sehen und dann habe ich ja eine lange Leseliste, die auf mich wartet und möglichst  heruntergelesen werden will und ein paar neue Bücher habe ich auch, nämlich die neue Volksstimmeanthologie zum Thema “Zeitgeschichten”, das könnte ich vielleicht gegen eines der LL-Bücher tauschen und dann hat mir der liebe Gerald Grassl, den meine Besprechungen zu gefallen scheinen, das neue Buch von Lutz Holzinger, das nächste Woche vorgestellt werden wird, nämlich “Nachrichten aus der Normopathie-Essays zum Zeitgeschehen” gegeben, das ich auch besprechen sollte, vielleicht reicht es, wenn ich es auf das nächste Jahr verschiebe, obwohl diese Liste auch schon sehr voll ist, es könnte aber den Platz von Gertraud Klemms “Aberland” einnehmen.

Baba Dunjas letzte Liebe

Buch sechs des Longlistenlesens, das geht ja wie geschmiert und es ist, glaube ich, das dünnste, nämlich Alina Bronskys “Baba Dunja letzte Liebe” und von der 1978 in Jekatarinaburg geborenen, unter einem Pseudonym schreibenden Autorin, habe ich ja vor kurzem ihr Longlist Buch 2010 “Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche” gelesen und war von der Superheldin Rosalinda nicht so ganz begeistert, wie ich es von Baba Dunja bin.

Eine Satire, ein Märchen, ein realistischer Bericht aus der Tschernobylzone?

Ich bin nicht ganz sicher, wie ich das dünne Büchlein einordnen soll, ein Sommerroman, leicht zu lesen? Aber gar so leicht ist der Inhalt nicht.

Also ich habe keine Ahnung, ob es Tschnobyl-Rückkehrer gibt und ob man in den verseuchten Städten und Orten leben kann.

Alina Bronksy macht aus der über achtzigjährigen Baba Dunja, einer ehemaligen medizinischen Hilfskrankenschwester, wie sie immer betont, eine solche und die ist als erste in das kleine Dörfchen Tschernowo zurückgegangen, wo jetzt eine Handvoll über Achtigjähriger leben, alle strahlenversucht und verkrebst, wie der alte Petrow.

Aber was macht das schon, die Gurken wachsen jedenfalls wieder und die Birken, eine solche, ein russisches Symbol, ziert auch den Umschlag, aber Tschernoby ist ja in der Ukraine.

Es gibt nur gelegentlich Strom, keinen Wasseranschluß, sondern Brunnen und ein uraltes Telefon, von dem man nicht genau weiß, ob es funktioniert oder nicht?

Der Hundertjährige, dem es gehört, behauptet das jedenfalls und der würde auch gerne Baba Dunja heiraten, weil sie eine gute Köchin ist und ihn versorgen könnte, aber die will das nicht so recht, sieht sie ihren Jegor, obwohl der schon verstorben ist, doch ständig auftauchen, aber Teschernowo ist ja ein Geisterdorf und so hat die Tochter Irina, die inzwischen Chrirgin bei der deutschen Bundeswehr ist, ihrer Mutter auch sehr energisch abgeraten, in das Dorf zurückzukehren.

Die hat sich, eine ähnlich energische Heldin, wie Rosalinda nicht abhalten lassen, so bekommt sie fortan Briefe und Päckchen von der Tochter und hat ihre Enkelin Laura, die inzwischen über Siebzehn ist, noch nie gesehen und die ist Baba Dunjas letzte Liebe und sie bekommt eines Tages auch einen auf Englisch geschriebenen Brief von ihr, den sie nicht lesen kann und Besuch von zwei Fremden, einem Vater und einer Tochter bekommt das Dörfchen eines Tages auch.

Das ist etwas unklar geschildert, in zu großer Hast und Eile, wie eine “Amazon Rezensentin” vermutete, vielleicht wollte der Vater der geschiedenen Frau eines auswischen und brachte deshalb das Kind in die strahlenverseuchte Gegend, die ehemalige Hilfskrankenschwester reagiert auch sehr energisch, wickelt Glascha in Alufolie, von der Tochter geschickt bekommen, zur Strahlenabwehr ein und der Vater liegt plötzlich tot am Boden.

Wahrscheinlich hat ihm Petrow mit der Axt ermordet, die Mutter holt jedenfalls die Tochter ab und Baba Dunja meldet der Miliz, was ein Fehler war, den Toten, denn so gerät sie und das ganze Dorf unter Mordverdacht.

Sie nimmt bei der Verhandlung aber die Schuld auf sich, bekommt drei Jahre und einen Schlaganfall, Irina holt die Mutter, die dann auch begnadet wird, heraus und will sie nach Deutschland bringen, aber da hat sie keine Chance bei der energischen alten Dame, denn die will in ihrer Heimat sterben und so kehrt sie nach Tschernowo zurück.

Sicher ein leicht lesbarer Roman, kein Zweifel, aber auch einer über den man nachdenken kann, wie ist das jetzt mit der Ukraine Krise und den Russen die, ähnlich, wie Alina Bronsky nach Deutschland auswanderten ist?

Haben die jetzt wirklich das große Glück gezogen oder ist es besser in der alten Heimat zu bleiben, obwohl die so verseucht ist, daß die Biologen die Köpfe schütteln und das Nachbarstädtchen, die Rückkehrer nicht auf seinen Friedhof begraben will?